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Rezensionen verfasst von
Steffis Bücherkiste (Dortmund)
(HALL OF FAME REZENSENT)   

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Wer wird denn gleich von Liebe sprechen?!
Wer wird denn gleich von Liebe sprechen?!
von Emma Chase
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Schreiend komisch und verdammt sexy!, 31. März 2015
Schon mal einen Roman mit einem richtigen Vollidioten gelesen? Einem Kerl, der jeden Tag eine andere Frau flachlegt und sich auch ansonsten für ziemlich unwiderstehlich hält? Nein? Ich vor “Wenn wird denn gleich von Liebe sprechen?!” auch nicht. Und wisst ihr was, diese gutaussehenden 1,85m und 75kg (alles geschätzt) sind nicht nur arrogant, sondern mit Abstand der liebenswerteste Protagonist, dem ich je in einem Liebesroman das Vergnügen hatte zu begegnen. Vollidiot und liebenswert passt nicht zusammen? Doch, tut es!

Emma Chase erzählt das Wirrwarr zwischen Mann und Frau mal von der anderen Seite. Keine seufzende schmachtende Heldin, sondern ein humorvoller verliebter Held, der aber niemals zugeben würde, dass er verliebt ist. Nein, das komische Magengrummeln, das depressive auf dem Sofa herumliegen ist selbsredend eine Grippe. Nur halt ohne Fieber und Husten.

Also, wie gesagt, was Sie jetzt gerade sehen, ist nicht mein wahres Ich. Ich habe die Grippe. (S.7)

Mit umwerfendem Charme erzählt Drew aus der Ich-Perspektive wie es sich so lebt, als gutaussehender erfolgreicher Investment Banker, der von seiner Familie vergöttert und von der Damenwelt hofiert wird. Schon dabei blitzt auf, dass hinter der ganzen coolen Fassade ein Mann steckt, der das Herz am rechten Fleck hat. Und dann begegnet er Kate Brooks. Die entspricht nur gar nicht seinem gängigen Beuteschema (blöd mit Busen), sondern ist eine intelligente, schlagfertige junge Frau, die sein Vater ihm glatt als Konkurrentin vor die Nase stellt.

Von Anfang an prickelt es zwischen den beiden, aber bis sie sich dann irgendwann die Kleider vom Leib reißen, gibt es einen Kleinkrieg wie in einer der alten amerikanischen Screwball Komödien. Dabei ist Drews ironische Sicht der Dinge einfach zum Schießen. Hier möchte ich ausdrücklich die Übersetzung loben, die dermaßen auf den Punkt genau ist und es schafft den Wortwitz der Autorin perfekt ins Deutsche zu übertragen. Nicht nur einmal ist mir vor Lachen das Buch aus der Hand gefallen. Von sarkastisch und böse, bis Slapstick beim Familienessen (ich sag nur Olive im Auge), ist alles dabei.

Und dann liebe Freunde des Liebesromans gibt es endlich mal eine Autorin, die versteht vernünftige Erotikszenen zu schreiben, ohne das es peinlich wird. Prickelnd, sexy und trotzdem immer noch wahnsinnig komisch, weil Drew die bescheuertsten Gedanken durch den Kopf schießen und er für den Leser natürlich alles kommentieren muss.

“Großer Gott… das war so… so…” Jetzt muss ich auch lächeln. “Ich weiß.” Welterschütternd. Jenseits der Richterskala. Heftig genug, um einen kleinen Inselstaat auszulöschen. (S. 153)

Keine gute Liebesgeschichte ohne ein hübsche Missverständnis, nachdem sich Drew mächtig ins Zeug legen muss, um seine Angebetete zurückzuerobern und da lässt der Gute sprichwörtlich die Hosen runter. Eine Idee bekloppter und bezaubernder als die andere, um die Herzensdame umzustimmen. Wer sich bis dahin nicht in das Alphamännchen verliebt hat, wird es spätestens jetzt tun. Denn persönliche Würde und Stolz werden komplett über Bord geworfen, um das zu retten, von dem er gar nicht wusste, dass er es sich ersehnt: Die Liebe!

Wenn Kate mich aufgrund irgendeiner Katastrophe nicht zurücknimmt, könnte ich mir genauso gut den Schädel kahl rasieren und nach Tibet ziehen. Wie ich höre, suchen die Mönche Nachwuchs. (S.232)

Glücklicherweise erscheint im Juni bereits die Fortsetzung und im Original gibt es sogar schon vier Bände. Gott sei Dank! Wer braucht Bridget Jones, wenn er Drew Evans haben kann!


Wenn du jetzt bei mir wärst: Eine Annäherung an Anne Frank
Wenn du jetzt bei mir wärst: Eine Annäherung an Anne Frank
von Waldtraut Lewin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Ein wertvoller Beitrag zum 70. Todestag von Anne Frank, 24. Februar 2015
Die 1937 geborene Waldtraut Lewin befasst sich von jeher in ihren Büchern viel mit Judentum und Nationalsozialismus. Seit längerer Zeit lese ich ihre zweibändige Geschichte über die Juden “Der Wind trägt die Worte”, ein Projekt, welches ebenfalls beim cbj Verlag erschienen ist und das ich allen, die sich für das Thema interessieren nur wärmstens an Herz legen kann.

Im März jährt sich Annes Todestag zum 70. Mal und so ist ihr ein wiedererstarktes Medienecho in diesem Jahr gewiss. Die Gefahr ein pietätloses oder gar lächerliches Buch vorzulegen, nur um das Thema zu bedienen, ist also sicherlich gegeben, aber als ich “Wenn du jetzt bei mir wärst” in der neuen cbj Verlagsvorschau sah, wusste ich, Lewin würde es mit dem nötigen Wissen und auch Feingefühl angehen und ich wurde nicht enttäuscht.

Ich muss vorab sagen, dass ich Anne Tagebuch nie gelesen habe. Ich kenne einige Verfilmungen und hoffe immer noch, dass sich mal jemand erbarmt und den wunderbaren Zweiteiler mit Ben Kingsley als Annes Vater auf DVD herausbringt. Natürlich ist mir Anne Frank auch ansonsten ein Begriff. Ich habe das Haus in der Prinsengracht in Amsterdam besucht und mich mit ihrer Geschichte beschäftigt, aber zum Tagebuch habe ich irgendwie keinen Zugang bekommen.

Aber auch gerade für solche Menschen eignet sich das vorliegende Buch. Natürlich setzt Lewin ein bisschen Wissen voraus, aber selbst Jugendliche dürften im Geschichtsunterricht schon die nötigen Eckdaten in Bezug auf Anne Frank vermittelt bekommen haben und so fällt der Einstieg in die Geschichte nicht schwer.

Auf nur wenigen Seiten gelingt es der Autorin Anne so zum Leben zu erwecken, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Selbstbewusst, lebensfroh, ein bisschen frech und laut. Glücklicherweise hält sich Lewin nicht damit auf, Anne sehr viel über die modernen Errungenschaften nachdenken zu lassen. Natürlich staunt sie über Handys, Internet und Co., aber sie nimmt all das doch sehr neugierig auf und findet sich schnell zurecht. Der Autorin geht es vielmehr zu reflektieren. Was geschah damals und was hat sich heute geändert oder nicht. Wie würde ein Opfer wie Anne Frank uns Menschen heute sehen. Welche Fragen würde sie stellen und wie würde sie auf die Antworten reagieren.

Darunter sind sowohl amüsante, als auch bedrückende Szenen. Gerade im Hinblick der letzten Monate in Deutschland mit Pegida und Co. kann man nicht genug über das Thema reden und vor Fremdenhass warnen. Auch dieses Buch leistet dazu seinen Beitrag.

Das einzige Manko an diesem kleinen Büchlein, ist seine Kürze. Lewin hat so viel Hintergrundwissen und Ideen auf Lager, dass sie doch so manches Mal an der Oberfläche bleiben muss. Spielend hätte man die Seitenzahl verdoppeln können, ohne langweilig oder eintönig zu werden. Dennoch habe ich auf den grad mal 200 Seiten einiges über die Vergangenheit erfahren, was ich noch nicht wusste und vielleicht lockt das eher übersichtliche Buch auch eher, als ein 500 Seiten Schmöker.

Wer dieses Buch liest, darf übrigens nicht erwarten, dass umfassend Annes Geschichte erzählt wird. Das ist nicht Lewins Intention. Wer also überhaupt nichts über Anne weiß, sollte sich vorab ein wenig informieren. Im Prinzip tut es da auch schon der Wikipedia Beitrag über das Mädchen. Auch historische und politische Gegebenheiten könnten nur angerissen werden, wecken aber auf jeden Fall die Lust auf weitere Informationen. Das Buch bietet da einen gelungenen Einstieg.

“Wenn du jetzt bei mir wärst” ist ein wunderbares kleines Experiment, welches Anne für die heutigen Leser in die Gegenwart transportiert ohne ihr die Identität zu nehmen oder ihrer Vergangenheit den Schrecken zu nehmen. Aber es ist doch schön, das junge quirlige Mädchen lebendig zu sehen. Umso trauriger ist der Gedanke, was aus ihr hätte werden können. Wer sich für Anne, aber auch für die Geschichte der Juden interessiert, dem sei Waldtraut Lewins Buch sehr zu empfehlen.


Selection - Der Erwählte
Selection - Der Erwählte
von Kiera Cass
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöner vorläufiger Abschluss der Reihe, 21. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Selection - Der Erwählte (Gebundene Ausgabe)
Der dritte und übrigens nicht abschließende Band der Selection Reihe (ehemals Trilogie ;-) ) konnte in Bezug auf die beiden Vorgänger noch mal eine Schüppe drauf legen, weswegen ich ihm auch eine leicht bessere Bewertung gebe. Das nervige Love-Triangle zwischen America, Maxon und Aspen löst sich glücklicherweise in Wohlgefallen auf. Nach dem zweiten Band hatte ich hier ehrlich gesagt schwerste Befürchtungen, aber Cass knüpft hier nahtlos am Vorgänger an und Aspen gerät zumindest in der ersten Hälfte des Romans zur Nebensache.

Auch das hin und her zwischen Maxon und America bessert sich. Auch wenn bei mir das “du musst zuerst sagen, dass ich dich liebe” ein amüsiertes Augenrollen hervorruft, so war es doch nicht zu übertrieben und die Autorin erklärt es auch ganz gut. Das Casting bringt es nun einmal mit sich, dass keiner seine Gefühle leichtfertig offenbart, um nicht enttäuscht zu werden. Die anderen Mädchen geraten in “Der Erwählte” allerdings auch arg ins Hintertreffen. Bis auf das Biest Celeste, die im Endspurt ihre wahre Persönlichkeit zeigen darf, habe ich die anderen zwei Kandidatinnen ehrlich gesagt schon wieder vergessen. Sie sind doch recht profillos und sind für die Handlung zu unwichtig, um im Gedächtnis zu bleiben.

Die Sache mit den Rebellen nimmt Fahrt auf und wirkt endlich auch realistischer und gefährlicher, weil Maxon und America versuchen dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Hier gibt es ein paar wirklich spannende Szenen, die vor allen Dingen auch zeigen, dass in Maxon mehr steckt, als er wahrscheinlich selbst glaubt. Überhaupt werden politische Dinge immer wichtiger und America wird sich ihrer Verantwortung bewusst. Es geht nicht mehr nur um ihr Herz und ihr Leben, sondern um das Schicksal eines ganzen Volkes.

Die Protagonistin wird trotz Bedrohungen von innen und außen immer mutiger und schafft es selbst in brenzlichen Situationen eine Entscheidung aus dem Herzen heraus zu treffen. Nicht nur einmal bringt sie sich dabei in Gefahr, wirkt jedoch nie wie eine Überheldin. Sie hat einfach das Herz am rechten Fleck und wächst im Casting über sich hinaus. Gerade in Bezug darauf, lässt die Reihe die schnöde Prinzessinnenwelt komplett hinter sich.

Leider geht es mir am Schluss persönlich ein bisschen zu schnell und ich hätte mir vielleicht 50 Seiten mehr gewünscht, um dem Happy End auch den richtigen Rahmen zu geben. “Der Erwählte” setzt einen ersten Schlusspunkt der Reihe, lässt aber noch genügend Stoff für weitere Romane. Insgesamt habe ich die Reihe bisher richtig gerne gelesen. Für jeden Band habe ich maximal 3 Tage gebraucht, was sicherlich für sich spricht. Dennoch hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Tiefgang erhofft. Immer wieder lässt Kiera Cass gute Ideen aufblitzen, die sie für meine Begriffe aber nicht weit genug verfolgt. Die Vergangenheit von Ilea, das Kastensystem und die Probleme des Landes bieten eigentlich jede Menge Stoff für einen richtig guten Weltenbau, den die Autorin leider ein bisschen verschenkt.

Fans der Reihe kommen aber natürlich auf jeden Fall auf ihre Kosten und wer mal etwas abseits der düsteren Dystopien sucht, dem kann ich “Selection” wirklich nur empfehlen.


Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich
Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich
von Liv Marit Weberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Ungewöhnliches Debüt, 21. Februar 2015
Ich bin mir nun nach einigen Stunden immer noch nicht darüber im Klaren, was ich von diesem Buch halten soll. Das kleine schmale Bändchen, das zudem noch aus vielen kurzen Kapiteln besteht, dessen Seiten auch nicht immer ganz beschrieben sind, liest sich flott in 1-2 Mittagspausen. Für mich hat es aber nicht viel mit dem Klappentext zu tun.

Anne Lise empfand ich ehrlich gesagt als überhaupt nicht schüchtern. Wenn sie denn redet und mit anderen Leuten kommuniziert, dann sagt sie eigentlich das, was ihr in den Sinn kommt und macht sich auch wenig daraus, dass sie die Leute mit ihrer Eigentümlichkeit verwirrt. Sie ist zwar nicht gern mit anderen Menschen zusammen, aber für mich stellt sich das nicht als Folge von Schüchternheit dar. Anne Lise mag einfach keine anderen Menschen. Sie ist gerne für sich und würde wahrscheinlich niemals aus ihrer Komfortzone heraus treten, wenn das Leben sie nicht dazu zwingen würde.

So wirklich sympathisch war die Protagonistin mir nicht. Sie ist mehr als nur ein bisschen seltsam und auch das Verhalten ihrer Eltern ist merkwürdig. Haben sie die ganzen Jahre über nicht bemerkt, dass ihr Kind eine schwere soziologische Störung hat? Ich meine, ich spreche hier nicht von ein bisschen erröten oder rumstottern, sondern von einer jungen Frau, die sich von Nudeln und Haferflocken ernährt, um tagelang ihre winzige Pappschachtelwohnung nicht verlassen zu müssen.

Natürlich sind Anne Lises Gedankengänge manchmal schon ziemlich witzig. Meistens sind sie allerdings nur schräg und seltsam und ich habe sie des öfteren schütteln wollen, um ihr zu sagen, sie soll diese abstrusen Gedanken abschütteln. Ich meine, sie muss ja nicht zum Partygirl mutieren. Sie kann ja durchaus der eigenbrödlerische Typ bleiben, der lieber mit sich alleine ist. Von dieser Sorte Mensch gibt es auch in der heutigen Zeit genügend. Aber Anne Lise ist so viel mehr. Sie ist gefangen in einer Welt voller abstruser Ideen und Einfälle und ich habe sie einfach nicht verstanden. Tatsächlich kann ich sogar nachvollziehen, dass die ein oder andere Nebenfigur sie für zurückgeblieben hält, denn nicht gerade selten, gibt sie ganz schön bescheuerte Antworten auf normale Fragen.

Es gibt Romane, in denen es die Autoren schaffen solche Außenseiter treffend darzustellen. Liv Marit Weberg treibt es mit ihrer Protagonistin jedoch auf die Spitze und tut sich damit keinen Gefallen. Die an sich nette kleine Geschichte über ein Mädchen, dass ihren Platz im Leben eigentlich gar nicht sucht, ihn dann am Ende aber doch ansatzweise findet, leidet an mangelhafter Glaubwürdigkeit. Ich befürchte mit so jemanden wie Anne Lise kann sich selbst der zurückgezogenste Leser kaum identifizieren.

Dennoch hat der Roman sprachlich etwas ganz Eigenes. Webergs spröde, manchmal abgehackte Sprache, passt perfekt zur Figur und zur Handlung und hat mich dann schon beeindruckt. Auch das Cover ist wunderschön und sehr auffallend, suggeriert jedoch eine Leichtigkeit, die sich zwischen den Seiten dann nicht finden lässt.


Das Geheimnis des weißen Bandes: Ein Sherlock-Holmes-Roman
Das Geheimnis des weißen Bandes: Ein Sherlock-Holmes-Roman
von Anthony Horowitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Perfete Hommage an den Klassiker mit eigener Stimme, 7. Januar 2015
In den letzten Jahren an Sherlock Holmes vorbeizukommen, war wohl fast unmöglich. Sowohl die beiden neueren Hollywoodverfilmungen mit Robert Downey Jun., sowie Benedict Cumberbatch’ moderne Interpretation von Sherlock in der gleichnamigen BBC Serie, haben Arthur Conan Doyles Detektiv wieder zum Thema gemacht. Ich gestehe, ich kenne die Originalromane (noch) nicht, bin aber seit “Basil, der Mäusedetektiv” von Walt Disney von Holmes und Watson (aka Basil und Dr. Wasdenn) fasziniert. Mit gerade einmal neun Jahren hatte ich zwar eine Heidenangt vor Professor Rattenzahn und vor allen Dingen vor dem gruseligen Greifer, aber schon damals hat mich das Flair des alten Londons gefangen genommen.

So habe ich 2011 nicht lange gezögert, als bei Insel “Das Geheimnis des weißen Bandes” von Anthony Horowitz erschien. Zum ersten Mal überhaupt bekam ein Autor Unterstützung vom Arthur Conan Doyle Literary Trust. Tja und dann lag es über drei Jahre ungelesen auf meinem Bücherstapel, bis mich das kürzliche Erscheinen des zweiten Bandes wieder daran erinnerte und ich es endlich zur Hand nahm und sich dann zu einem meiner Jahreshighlights 2014 entpuppte.

An diesem Buch ist so ziemlich alles perfekt. Angefangen von der liebevollen äußeren Gestaltung des Hardcovers. Blütenweiße Seiten und ein schwarzer Leinenband mit geschwungener weißer eingeprägter Schrift, der sich allein schon beim Berühren nach der guten alten Zeit anfühlt. Tut Euch einen Gefallen und kauft Euch dieses Buch nicht als ebook und auch nicht als Taschenbuch!

Ich kann nicht abschließend beurteilen, in wie weit Horowitz den Ton der ursprünglichen Geschichten um Sherlock Holmes trifft. Da ich aber gerade den ersten Originalroman “Eine Studie in Scharlachrot”angefangen habe, würde ich nach den ersten Seiten sagen, er hat es wohl ziemlich gut hinbekommen. Sherlock ist ein merkwürdiger, wenngleich genialer kluger Kopf. Eigenbrötlerisch und geheimnisvoll sieht er Zusammenhänge, wo ein normaler Mensch vermutlich nie welche sehen würde. Faszinierend, wie sich dann am Ende alles zusammfügt.

Die Handlung besteht aus mehreren Strängen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben und ehrlich gesagt, habe ich mich noch auf den letzten 50 Seiten gefragt, wie Horrowitz das Geflecht aus Verrat, Mord und Schuld zusammenfügen will. Aber er tat es und das auch noch überzeugend. Ich bin ehrlich gesagt nicht auf die Lösung des Falles gekommen, fand das Ende jedoch sehr schlüssig und vor allen Dingen nicht aus dem Hut gezaubert. Es ergibt einfach alles seinen Sinn.

Dabei gelingt es dem Autor die viktorianische Zeit farbenfroh oder sagen wir besser nebelverhangen zum Leben zu erwecken und diese in so manch packende Wendung zu integrieren. Soziale und gesellschaftliche Missstände werden aufgezeigt, die am Ende ihren fürchterlichen Höhepunkt finden.

Watson ist ein formidabler Chronist der Geschehnisse und ein guter Biograph, der Holmes Eigenarten bis ins kleinste Detail wiedergeben kann. Dabei wird auch die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden fühlbar und bei Horrowitz hat sie durchaus innige Momente, wie sie bei Doyle höchstens angedeutet wurden. Auch Holmes selbst ist trotz aller Verschrobenheit ein fast liebenswerter Zeitgenosse, der sowohl Mitleid als auch freundschaftliche Zuneigung zeigt. Hier unterscheidet sich der Horrowitz-Holmes vielleicht vom Doyle-Holmes. Er wirkt in “Das Geheimnis des weißen Bandes” einfach ein bisschen weniger unnahbar und soziopathisch, verliert dabei aber nicht seine Genialität und Außergewöhnlichkeit. Holmes-Puristen werden dies vielleicht nicht mögen. Auf der anderen Seite, wo bliebe die schriftstellerische Freiheit und vor allen Dingen Horriwitz’ eigene Stimme, wenn er einfach nur ein Plagiat aufs Tapet gebracht hätte.

Stilistisch ist das Ganze so wunderbar verpackt, dass man nicht weiß worauf man sich mehr freuen soll. Auf Watsons ausufernde, aber niemals langweilige Beschreibungen von Geschehnissen und Personen oder auf so manchen skurrilen Dialog, der die Eigenarten jeder Figur aufs Herrlichste zu Tage bringt.

Für mich ist Anthony Horrowitz erster Ausflug in die Welt von Sherlock Holmes eine perfekte Hommage an den Klassiker, aber eben auch genug Eigenes, um es zu einem eigenständigen Werk zu machen und ich hoffe, es wird noch weitere Fälle geben. Ich ziehe jedenfalls vor Begeisterung meine Deerstalker-Mütze vor der Leistung des Autors.


Die Frau von Shearwater Island: Roman
Die Frau von Shearwater Island: Roman
von Magali Robathan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Satz mit X - das war wohl nix!, 11. November 2014
Eigentlich war alles angerichtet für einen richtig schönen Schmöker. Eine einsame raue Insel, ein kleines Grüppchen Inselbewohner, alte Geheimnisse und Intrigen und ein Außenstehender, der in diese Welt hineinbricht und das Herz der Protagonistin stiehlt. Blöd nur, wenn das Ganz so vorhersehbar ist, wie der Schlaf nach einem Beruhigungstee.

Patrick war mir von der ersten Sekunde an unsympathisch und im Verlaufe des Buches ist er so offensichtlich eine falsche Schlange, das ich mich ernsthaft frage, wie Alice so doof sein kann und ihm immer wieder vertraut. Er ist absolut selbstgerecht. Immer dreht sich alles nur um seine Befindlichkeiten, um seine gescheiterte Ehe und um seine Verfehlungen. Dabei möchte er von Alice nur hören, wie toll er doch eigentlich ist und die, ganz die treudoofe kleine graue Maus, erfüllt ihm natürlich diesen Wunsch. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich im letzten Drittel über diese Figurenkonstellation aufgeregt habe. Hätte Patricks fehlerhafter Charakter nicht etwas subtiler präsentiert werden können? In einem Krimi läuft der Mörder ja auch nicht rum und schüttelt einem mit einem fröhlichen “Guten Tach, ich bin der Gärtner und habe ihre Großmutter gerade unter den Rosen beerdigt. Soll ich Scotland Yard anrufen oder machen sie das?” die Hände.

Immer wenn die Autorin die Insel und das schwere Leben dort beschreibt, ist der Roman richtig gut und auch die Schreibe weiß dann zu überzeugen, aber was Figuren und ihr Miteinander angeht, so gerät Magali Robathan immer wieder ins Straucheln. Alice ist ihr dabei noch am Besten gelungen. Sie ist eine eher schüchterne Frau Mitte dreißig, die jedoch einiges an Mut und Tapferkeit in sich trägt und dies am Schluss auch auslebt, dennoch ist sie mir an vielen Stellen viel zu devot. Natürlich lässt sich das teilweise mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit erklären, die nach und nach entblättert werden. Aber im Laufe der Zeit erkennt Alice (ca. 200 Seiten später als der Leser, aber immerhin… ), welches Spiel Patrick mit ihr und allen anderen Bewohnern der Insel treibt und noch immer versucht sie ihn zu entschuldigen. Hier hat mir absout das Verständnis gefehlt.

Alle anderen Figuren sind leider seltsam blass, was vor allen Dingen daran liegt, dass Robathan sie nicht vernünftig beschreibt. Bis zur Offenbarung wer Quinn (Alice bester Freund) wirklich ist, war mir z.B. nicht klar, wie alt er überhaupt ist. Bis dahin hatte ich ihn sogar als potentiellen Partner für Alice angesehen. Auch viele anderen Bewohner bleiben für mich gesichtslos (Brigid, Barbara, etc.).

Probleme und Intrigen sind leider auch viel zu dick aufgetragen. Selbstmord, Vergewaltigung, Ehebruch, Familienstreiteren und das bei gefühlten 30 Leuten, die überhaupt noch auf Shearwater leben. Als Alice sich z.B. Patrick offenbart und von den wahren Gründen für den Tod ihrer Tante und ihres Onkels erzählt, so bleibt dem Leser nur ein Achszelzucken. In dem ganzen Wust von schrecklichen Dramen, fällt ein weiteres einfach nicht mehr ins Gewicht. Mir ist ehrlich gesagt nur noch noch ein “ach jetzt nicht auch noch Missbrauch” durch den Kopf gegangen.

Ganz schlimm wird es dann jedoch am Ende. Schwuppdiwupp eine Figur aus der Vergangenheit hervorgezaubert, Alice ist glücklich und auch der Rest hat sich plötzlich ganz doll lieb. Ja, is denn heut schon Weihnachten? Was mit Patrick passiert und ob er sein vermaledeites Buch veröffentlicht, bleibt ein großes Geheimnis.

Mich hat das Cover in der Vorschau sofort angesprochen und wenn es um Autoren in Romanen geht, bin ich immer sehr empfänglich, aber das ganze hat leider nur Groschenromanniveau und dafür sind 18 Euro für ein Hardcover definitiv zu viel.


Im Hause Longbourn: Roman
Im Hause Longbourn: Roman
von Jo Baker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Austen Fans und die, die es noch werden wollen!, 30. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Im Hause Longbourn: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin kein ausgewiesener Jane Austen Experte, aber ich habe “Stolz und Vorurteil” vor langer Zeit gelesen und kenne mindestens vier Verfilmungen (einschließlich der berühmten BBC Serie, in der Colin Firth zur Freude der Damenwelt in den Teich springt und irgendwann mit feuchten Klamotten wieder daraus emporsteigt). Ich habe auch ansonsten ein Faible für sogenannte “Period Dramas”, wie Downton Abbey, Verfilmungen von Elizabeth Gaskell Romanen (hm… Colin Firth oder Richard Armitage… eine schwierige Entscheidung), den Brontes (ach du meine Güte… jetzt auch noch Michael Fassbender als Rochester… ich streiche die Segel) und so weiter und so fort. Ich mag es, wenn die Details stimmen, wenn ich das Gefühl habe, da sitzen Leute, die geben sich Mühe eine Zeit richtig darzustellen und die literarischen Vorlagen ihrer Filme mit Bedacht zu interpretieren.

Und genau deswegen, finde ich ich “Im Hause Longbourn” einfach wunderbar. Jo Baker will keine Fortsetzung schreiben oder sich mit Jane Austen messen. Stattdessen erzählt sie “Stolz und Vorurteil” aus einem anderen Blickwinkel neu, ohne dabei aber das Original zu beschädigen oder zu sehr daran festzuhalten. So ist es nicht Austens unterschwelliger Witz, sondern mehr Bakers Beobachtungsgabe, die so reizvoll ist. Interessant auch, dass so einige liebgewonnene Figuren neue Facetten bekommen oder sie von anderer Seite beleuchtet werden. Besonders auffällig ist dies bei der doch immer etwas dümmlich wirkenden Mrs Bennett. Sie und auch einige andere bekommen einen etwas unterfütterten Hintergrund und so werden ihre Handlungsweisen verständlicher.

Jo Bakers Schreibstil ist dabei angenehm unaufgeregt. Sie beschreibt sehr ausführlich und ausufernd, was dem ganzen Roman eine eher ruhige Atmosphäre verleiht. Das muss man natürlich mögen, aber ich habe mich einfach an den vielen kleinen stimmigen Details erfreut, dem Einblick in das Leben zweier völlig verschiedener Welten (der Dienerschaft und der Herrschaft) und der feinen Charakterisierung aller Figuren. Es war ein bisschen so, als stünde ich irgendwo als Küchenmädchen mit einer Schürze in meiner Ecke und würde das Treiben in einer meiner wenigen spärlichen Pausen beobachten.

Der Roman richtet sich aber eindeutig an Leser, die “Stolz und Vorurteil” kennen. Wer die Geschichte nicht kennt, der wird vielleicht zu wenig über die Bennets, Bingleys, Darcy und Wickham erfahren, weil das Hauptaugenmerk einfach auf der Dienerschaft und hier besonders auf Sarah liegt. Es ist Baker wichtiger diese Welt aufzuzeigen und die tägliche Mühsal ins kleinste Detail zu beschreiben. Ich könnte mir vorstellen, dass dies einige Leser vielleicht ermüdend finden, weil sie sich mehr Handlung versprechen. Ich habe den Einblick in die damalige Arbeitswelt einfach genossen, weil es in den meisten Romanen, in denen auch einmal das Dienstmädchen zu Wort kommt, es doch meist nur um irgendwelche geheimen Liebschaften und Intrigen geht.

Was Austen Fans angeht, so möchte ich Euch sagen, löst Euch von der ursprünglichen Geschichte und Euren Vorstellungen. Jo Baker ist nicht Austen und das ist auch gut so!


Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester
Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester
Preis: EUR 15,99

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein persönlicher, aber sehr pietätvoller Einblick in das Leiden einer Angehörigen!, 30. Oktober 2014
Charlotte Link und ich passen eigentlich in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr zusammen. Ihre ganz frühen historischen Romane (besonders “Die Sterne von Marmalon”) fand ich klasse, mit ihren Krimis stehe ich jedoch auf Kriegsfuß, obwohl ich es wirklich bis zu “Der fremde Gast” immer wieder probiert habe, weil ich ihren Schreibstil sehr mag. Jetzt zu sagen, ich habe mich gefreut, als ich dieses Buch in der Verlagsvorschau gesehen habe, ist wohl aufgrund des Themas von “Sechs Jahre” fehl am Platz, aber dennoch kann ich sagen, dass ich es sofort lesen wollte.

Und das widerum obwohl ich sogenannten Erfahrungsbüchern nicht viel abgewinnen kann. Die ich bisher gelesen habe, waren alle voll mit Fotos und voller intimster Beschreibungen möglichst widerlicher Details. Nun könnte man sagen, tja, so isses halt, wenn einen der Krebs in der Mangel hat, aber ich persönlich muss dann nicht lesen, wie kleine Kinder Bröckchen von ihren Schleimhäuten auskotzen (nein, das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern wirklich so gelesen) – mir reichen auch subtilere Beschreibungen.

Vielleicht hat mich deswegen “Sechs Jahre” so überzeugt. Charlotte Link erzählt das, was nötig ist, aber sie ist nicht sensationslüstern. Das macht ihr Buch übrigens nicht weniger eindringlich. Im Gegenteil! Ihr Buch ist immer dann so berührend, wenn sie über Liebe, Ängste, Hoffnung, Trauer und Wut schreibt. Über den Mut ihrer Schwester und über ihre eigene Verzweiflung.

In vielen Rezensionen habe ich gelesen, dass die Leute nicht verstehen, wieso die ansonsten sehr scheue Bestsellerautorin ein so persönliches Buch geschrieben hat und was sie damit überhaupt bezweckt, da Franziskas hoffnungsloser Fall doch besonders für Betroffene eher niederschmetternd ist. Bei so was frag ich mich immer, was erwarten die Leute eigentlich? Einen Regenbogen und fröhlich springende Einhörner am Ende des Buches, weil Krebs ja so eine lustige Sache ist? Es sollte doch jedem klar sein, was bei so einem Thema passiert. Zumal schon der Klappentext verrät, dass Franziska an der Krankheit gestorben ist. Wer das nicht lesen mag, der soll es lassen. Es gibt ja schließlich genügend Literatur für alle auf dem Markt. Aber einem Erfahrungsbericht über Krebs die Hoffnungslosigkeit vorzuhalten finde ich schon reichlich merkwürdig.

Ganz davon zu schweigen, dass es eigentlich gar nicht stimmt. Franziska gab man bei der Diagnose höchstens ein Jahr, doch sie überlebte fünf weitere, auch wenn ich persönlich sagen muss, dass besonders ihr letztes Jahr für mich eher unlebenswert erscheint. Sicherlich ist dies aber auch eine persönliche Sache. Wie viel kann ein Mensch aushalten? Wieviel Freunde und Familie? Ist es besser, wenn ein Leiden vielleicht ein Ende hat, bevor es unterträglich wird? Das sind alles Fragen, die ich mir beim Lesen gestellt habe und die aber jeder wahrscheinlich anders beantwortet. Franziska und auch ihre Familie scheinen sich an jede Sekunde geklammert zu haben. Ob dies am Ende richtig war, lässt sich dabei schwer sagen.

Erschüttert haben mich einige Szenen, in denen es um die Herzlosigkeit von Ärzten geht. Besonders die Szene, in der eine Onkologin Franziska vollkommen unvorbereitet ihr Todesurteil mitteilt. Ohne jegliches Mitgefühl. Charlotte Links Schwester erleidet danach einen Zusammenbruch, von dem sie sich seelisch nie wieder erholen wird. Bis zu ihrem Tod muss sie Beruhigungsmittel nehmen. Wie viel Schaden kann ein einzelner Mensch in einem unbedachten Moment anrichten. Ich persönlich habe große Hochachtung vor Ärzten und besonders vor dem Pflegepersonal. Mein Großvater leidet an Demenz und ist in einem Pflegeheim und ich kann mir nicht vorstellen, jeden Tag dort zu arbeiten. Dennoch habe ich persönlich nur freundliche Menschen mit sehr viel Herz und Geduld gesehen, deren lächerlich geringes Gehalt gar nicht das aufwiegen kann, was sie leisten. Allerdings muss ich auch sagen, wer zu diesen Eigenschaften nicht fähig ist, der darf einfach keinen medzinischen Beruf eingehen. Wer nicht mit Menschen kann, der darf kein Arzt werden, so toll er von mir aus auch operieren oder behandeln kann.

Gegen Ende des Buches gibt es noch einige andere Szenen, wo man Franziska eine Woche mehr oder weniger in einem Krankenhaus hat verhungern lassen. Hier muss ich allerdings auch sagen, dass ich ihre Familie nicht verstehe. Natürlich waren sie zu diesem Zeitpunkt nach jahrelangem Kampf und Leiden an der Grenze ihrer Belastbarkeit (oder vermutlich schon längst darüber hinaus), aber so eine Behandlung hätte ich mir niemals gefallen lassen. Hier hat mir im Buch an manchen Stellen der Widerstand gefehlt. Aber wie gesagt, das lässt sich als Leser und Außenstehende leicht sagen.

Charlotte Link ist es wichtig diese Missstände aufzuzeigen, ohne dabei aber die mitfühlenden Schwestern und Ärzte unter den Tisch fallen zu lassen. Sie beleuchtet beide Seiten und prangert auch durchaus die Zweiklassengesellschaft in unserem Krankenkassensystem an. Natürlich ist die Autorin und somit auch ihre Familie vom Schicksal begünstigt, da sie genügend Geld für private Versicherungen und alternative Behandlungsmethoden aufbringen kann. Letztlich ist das Leiden aber dasselbe. Vor dem Tod sind wir alle gleich und Angst vor Verlust und Schmerz fühlt sich für einen wohlhabenden Menschen genauso an, wie für einen Schlosser, der gerade mal so seine Familie durchbringen kann.

Einige Leser machen der Autorin den Vorwurf dieses Buch nur geschrieben zu haben, um das Geschehen persönlich zu verarbeiten. Dies ist sicherlich ein Faktor, den Link übrigens auch zugibt. Ich finde trotzdem nicht, dass das Buch zu persönlich geworden ist. Interessant finde ich übrigens, wie natürlich Franziskas und Charlottes Eltern, ihre Ehemänner und Kinder vorkommen, sie aber bis auf die Nennung der Namen für mich gesichtslos bleiben. Detailliert berichtet sie eigentlich nur von Franziska (die sich das Buch übrigens gewünscht hat) und sich selbst. Alle anderen behalten ihre Privatsphäre. Trotzdem ist nichts an diesem Buch oberflächlich, was sich schon daran messen lässt, dass ich überdurchschnittlich viele Taschentücher gebraucht habe. Im Gegensatz zu Filmen müssen sich Bücher schon mächtig anstrengen, um mir ein Tränchen zu entlocken.

Letztlich hat “Sechs Jahre” sicherlich mehr Daseinsberechtigung als so manch unsinnige Promi-Biographie oder so manchem schwachsinnigen schriftlichen Erguss eines Politikers (manchmal ist das ja ein und dasselbe). Es gibt schlimmere Dinge als von zwei Schwestern z lesen, die sich so stark verbunden gefühlt haben, dass die eine der anderen ein Denkmal setzen möchte.

Ich bin übrigens gespannt, wie sich Charlotte Links Karriere nach diesem Buch und dieser persönlichen Tragödie entwickeln wird. Auch wenn ich sie natürlich nicht kenne, habe ich nach dem Lesen des Buches doch das Gefühl, dass sie mehr denn je fragil wirkt. Auch habe ich die Hoffnung, dass sie sich mal wieder etwas anderes traut, als die üblichen psychologischen Spannungsromane. “Sechs Jahre” hat gezeigt, dass sie mehr kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 21, 2014 4:14 AM CET


Crossfire. Versuchung: Band 1   Roman
Crossfire. Versuchung: Band 1 Roman
von Sylvia Day
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Heißer Erotikroman mit Schwächen, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach dem Klappentext möchte man aufschreien und rufen… nein… bitte.. nicht noch mal “Shades of Grey” mit neuen Namen und noch blöderen Erotikszenen und lächerlichem Blabla drumrum. Aber ich wollte es dann doch mal probieren, weil einige Rezensionen so übel nicht klangen. Tatsächlich bin ich vom ersten Band der Serie (ehemals Trilogie, aber nun kommt wohl doch noch ein vierter Band) positiv überrascht. Frau Day hat nämlich einigen ihrer Kolleginen etwas vorraus. Sie kann schreiben!

Natürlich ist “Versuchung” in erster Linie ein Erotikroman und Sex bekommt man auch zuhauf geboten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich bekomme eben das, was drauf steht, aber die Autorin lässt sich immer etwas neues einfallen und so sind die Erotikszenen tatsächlich sehr abwechslungsreich und heiß. Natürlich gibt es auch hier die ein oder andere Szene, wo die normalsterbliche Frau sich fragt, wann Protagonist und Protagonistin denn mal ihrem Broterwerb nachgehen oder den Kühlschrank füllen. Eigentlich bleibt doch neben dem Klamotten vom Leib reißen (wenn darauf überhaupt gewartet wird), kaum noch Zeit für andere Dinge des Lebens.

Aber wie gesagt, wenn ich einen Thriller lese, darf ich mich auch nicht beschweren, dass einer umgebracht wird. Neben jeder Menge Fleischbeschau gibt es jedoch durchaus noch eine Handlung und vor allen Dingen zumindest im ersten Band meist glaubwürdige Figuren. Die Autorin verzichtet auch auf das momentan so übliche kleine graue Mäuschen, dem vom reichen potenten Typen erstmal gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Stattdessen sind sich Eva und Gideon ebenbürtig. Sie ist weder naiv, noch arm, noch unerfahren. Natürlich überstrahlt Gideon Liebesroman-typisch alles in Bezug auf Reichtum und Charme. Aber es ist nicht so offensichtlich und übertrieben, wie in anderen Romanen dieses Genres.

Etwas mühsam ist auch in “Versuchung” die Vergangenheit des Liebespaares. Bei Sylvia Day haben nämlich gleiche beide ihr ganz spezielles Päckchen zu tragen, wobei diese Probleme natürlich lange Zeit sehr schwammig bleiben. Die Aufarbeitung von Evas Schicksal ist dann für mich auch der größte Kritikpunkt. Ich möchte hier nicht vorweggreifen, aber als sie Gideon offenbart, was ihr passiert ist, fällt den beiden nichts anderes ein als… genau… übereinander herzufallen. Jede misshandelte Frau wird in diesem Moment wohl das Buch an die Wand schleudern wollen. Überhaupt ist es doch höchst zweifelhaft, wie die Autorin mit dem Thema Vergewaltigung und Misshandlung umgeht. Da werden Taten verschleiert und klein geredet, um den Anschein von Normalität zu wahren.

Auch die überbordende Schönheit aller Beteiligten ist typisch und gerade deswegen leider langweilig. Sicher, in einem Erotikroman möchte man vielleicht nichts von Bierbäuchen und hängenden Brüsten lesen, aber muss es denn immer Mister Universe und das Playmate des Jahres sein? Wenn man sich zudem die Autorinnen hinter den momentanen Erotikbestsellern wie “Crossfire” und “Shades of Grey” mal anschaut, sind diese eher in Sachen Sahnetorte unterwegs und nicht wie Eva beim Kampfsport. Das soll natürlich nicht heißen, dass füllige Autorinnen nicht über schlanke Charaktere schreiben dürfen, aber bei der momentanen Erotikwelle würde ich doch erwarten, dass sich endlich einmal eine Autorin der Realität nähert. Von ach so gefährlichen bösen Buben und überirdisch schönen Damen haben wir doch eigentlich jetzt genug gelesen.

Die Nebenfiguren fallen im Vergleich zu Eva und Gideon doch ziemlich ab. Evas Kollegen sind warmherzige Quotenschwule, bei Gideon gibt es kaum Bezugspersonen, was aber wohl so auch beabsichtigt ist, um seine Persönlichkeit zu unterstreichen. Etwas mehr Mühe hat sich Sylvia Day hingegen bei Evas Mitbewohner und bestem Freund Cary gegeben. Er taugt zwar meiner Meinung nach nicht als Sympathiefigur, weil seine merkwürdige Persönlichkeit dazu führt, sich gegenüber jedem außer Eva wie ein Arschloch zu benehmen, aber seine komischen Macken und Allüren lassen ihn undurchschaubar wirken. Ich konnte ihn jedenfalls bis zum Schluss nicht wirklich einordnen.

Hier klingen nun einige Dinge sehr negativ und ich möchte diese Details auch nicht schönreden, aber irgendwas hatte der Roman trotzdem etwas, so dass ich ihn zügig und gerne gelesen habe. Sylvia Day pflegt einen schönen Schreibstil. Ihre Erotikszenen sind zwar teilweise sehr plastisch und durchaus auch in den Dialogen roh, aber das drumherum ist wirklich sehr schwungvoll und gut geschrieben. Der Roman wird aus der Perspektive von Eva geschildert, was ihn unmittelbarer erscheinen lässt. Allerdings will ich auch hier nicht verheimlichen, dass Evas Gedanken in Bezug auf Gideon manchmal auch ein wenig nervend und übertrieben sind. Insgesamt ist es jedoch mein deutlich nettester Ausflug in die momentane Erotikliteratur.

Mich würde abschließend übrigens mal interessieren, ob Evas Nachname Tramell eine Hommage an Sharon Stones Figur aus “Basic Instinct” ist.


Rush of Love - Verführt: Roman (Rosemary Beach, Band 1)
Rush of Love - Verführt: Roman (Rosemary Beach, Band 1)
von Abbi Glines
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Verschenkte Lebenszeit!, 29. Dezember 2013
Auf mehreren Blogs habe ich von Abbi Glines gelesen und natürlich vom neuen Genre New-Adult, in dem es vorrangig darum geht, dass junge Erwachsene ihren Weg finden (Studium, Beruf, Beziehung, etc.). In “Verführt” findet Rush allerdings nur eines und zwar den Weg in Blaires Höschen.

Ganz ehrlich Mädels, ich verstehe es nicht und mich lassen die vielen positiven Rezensionen auf anderen Blogs oder amazon wirklich sprachlos zurück. Der erste Band der “Rush of Love” Trilogie hat eigentlich nichts. Keine nennenswerte Handlung, keine sympathischen oder interessanten Figuren. Dafür jede Menge billigen Sex, billige Figuren (Blaires Arbeitskollegin ein Flittchen zu nennen, ist noch freundlich), billige Effekthascherei (die Wendung am Ende) und vor allen Dingen Unmengen von Logikfehlern.

Fangen wir mit letzterem an. Blaire wohnt bei ihrem Stiefbruder in einem riesenhaften Haus. Ihr Vater ist aber gerade mit ihrer Stiefmutter in Paris und sie wird nur geduldet. Zu Essen bekommt sie keins, weswegen sie sich mit Erdnussbutter-Sandwiches in ihrem Zimmer behelfen muss. Das arme Aschenputtel … Als sie schließlich einen Job als Kellnerin auf einem Goldplatz ergattert, bekommt sie direkt mehrere hundert Dollar Trinkgeld an nur wenigen Tagen. Hat seltsamerweise aber kein Geld, um ihre Spritschulden zu bezahlen. Das alles geht im Laufe des Buches so weiter.

Blaire selbst hat zwar ein durchaus berührendes schweres Schicksal mit ihrer gerade an Krebs verstorbenen Mutter, die sie ganz alleine pflegen musste, aber ansonsten fragt man sich, wieso das Mädchen sich in kaum vorhandene Klamotten wirft, als Schönheit beschrieben und wie ein Sexobjekt behandelt wird, sich aber selbst unattraktiv und graumäusig findet.

Und dann natürlich Rush. Der sich die meiste Zeit wie ein Arschloch benimmt und sich mannhaft versucht gegen die Anziehung zu Blaire zu wehren, um dann nach der Hälfte des Buches natürlich doch mit ihr im Bett zu landen. Viel Handlung gibt es danach nicht mehr, weil natürlich lassen sich mit total lächerlichen und unrealistischen Sexszenen schneller Seiten füllen.

Womit wir direkt beim nächsten Kritikpunkt wehren. Erotik? Bitte, kein Problem, aber doch dann nicht so, dass man die ganze Zeit vor lauter Peinlichkeit lachen muss. Die natürlich jungfräuliche Heldin hat anscheinend schon ein paar Erotik-VHS Kurse belegt, denn ansonsten lässt sich ihr Verhalten nicht erklären. Da die meist guten Rezensionen eher von jüngeren Leserinnen stammen, muss hier die vorsichtige Frage erlaubt sein, ob da mangels eigener Erfahrung alles geglaubt wird. Eine Frage, die sich bei vielen der momentanen Erotikromane, die offensichtlich ein zu meist jüngeres Publium ansprechen, stellt. Die Enttäuschung dürfte jedenfalls im wahren Leben groß sein, wenn sich der Bad Boy, dann nicht als handzahmes Hündchen entpuppt, der sich nur hinter einer harten Fassade versteckt, sondern tatsächlich einfach nur ein Arsch ist.

Als absolute Frechheit empfinde ich den Schluss, wo schließlich Rushs und im Prinzip auch Blaires großes Geheimnis offenbart wird. Mein lieber Herr Gesangsverein! Mehr verwurschtelte Verwandtschaftsverhältnisse, Intrigen und an den Haaren herbeigezogende konstruierte Dinge sind Frau Glines nicht eingefallen?

Das einzige positive ist, dass sich “Verführt” wegliest wie nix. Die 240 Seiten sind nett geschrieben und lesen sich ob der Inhaltlosigkeit innerhalb eines Nachmittags. Wie es mit Rush und Blaire weitergeht, erfahren die Leser in zwei weiteren Bänden. Leider wird mir da eine Bildungslücke entstehen.


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