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Rezensionen verfasst von
Steffis Bücherkiste (Dortmund)
(HALL OF FAME REZENSENT)   

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Der Wahnsinn, den man Liebe nennt: Roman
Der Wahnsinn, den man Liebe nennt: Roman
von Clara Römer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn eine Ehe zerbricht und ein neues Leben beginnt ..., 7. Mai 2016
Hinter dem vermeintlichen Debütroman 'Der Wahnsinn, den man Liebe nennt' von Clara Römer steckt eine beliebte und bekannte Autorin, die hier mit einem Pseudonym einen Genrewechsel vollzieht. Ich habe dies auch nur durch Zufall kurz vor Lesebeginn mitbekommen und hatte das Buch schon zu Hause. Tatsächlich hat mich der Titel in der Verlagsvorschau von Diana sofort angesprochen. Was ein zauberhaftes Cover und ein klug geschriebener Klappentext alles bewirken kann!

Tatsächlich wollte ich vorgestern Abend im Bett nur noch mal kurz ein zwei Seiten anlesen, um dann 180 Seiten später um 3:40 Uhr das Licht auszuschalten. Dabei ist die Geschichte um die betrogene Susa gar nicht so neu, aber Clara Römer gelingt es eine besondere Atmosphäre aufzubauen.

Der Roman spielt in München, was auch durchaus spürbar ist, wenn Susa mit ihrem Rad durch die Gegend fährt, zu Straßenfesten geht, etc. Auch gutes Essen und Wein sind immer wieder Thema, wobei das natürlich kein Alleinstellungsmerkmal von München ist. Auch hier in Dortmund gibt es mehr als Currywurst und Pommes! ;-) Aber alles zusammen genommen, bekommt man doch das Feeling eines warmen Sommers in München und das obwohl die Handlung natürlich eher deprimierend ist.

Mit Fug und Recht kann ich behaupten, ich fand Susas Ehemann Wolf von der ersten Seite an unsympathisch und im Verlaufe der Geschichte haut der manchmal Sätze raus, wo ich ihm gerne mit der Faust direkt mitten ins Gesicht geschlagen hätte. Das Susa natürlich trotzdem trauert und es ihr anfangs schwer fällt loszulassen, ist nur all zu verständlich. So ist es nun mal, wenn man jemanden geliebt und mit ihm jahrelang zusammengelebt hat. Das lässt sich alles nicht mal eben so abstreifen.

Mir hat gerade in dieser Hinsicht Susas Entwicklung sehr gefallen. An ihrem Verhalten war nichts gekünstelt oder für das Buch überdramatisiert. Dies spiegelt sich auch im Schreibstil wieder. So stelle ich mir niveauvolle Unterhaltungsliteratur vor und hier merkt man auch die langjährige Erfahrung einer Bestsellerautorin. Da sitzt jeder Satz, keine Wiederholungen, keine unnatürlichen Dialoge, die sich wie aufgeschrieben anfühlen. All dies war mit ein Grund, wieso ich so durch das Buch gefegt bin.

Obwohl das Buch nur 320 Seiten hat, gelingt es Römer mühelos verschiedene Themen und Nebenfiguren miteinander zu verflechten. Ich hätte vermutet, dass es aufgrund der Kürze des Buches dann zu Oberflächlichkeiten kommt, aber dem war gar nicht so. Nicht nur Susa und Wolf, sondern auch Susas Freundinnen, ihre Mutter, Wolfs Geliebte, etc. waren für mich alle greifbar und gut charakterisiert.

Leider ist für mich der Schluss ein bisschen zu viel des Guten. Wie sich Susas Verwandtschaftsverhältnisse aufdröseln ist mir einfach zu konstruiert. Natürlich schreibt das Leben die merkwürdigsten Zufälle und oft habe ich in der Realität schon gesagt, wenn das in einem Roman stehen würde, würde ich es nicht glauben. Aber ich hätte mir hier einfach eine andere Lösung gewünscht.

Trotzdem habe ich 'Der Wahnsinn, den man Liebe nennt' wirklich gerne gelesen und würde sofort wieder zu einem Buch von Clara Römer greifen.


Mein Herz wird dich finden
Mein Herz wird dich finden
von Jessi Kirby
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Nettes Jugendbuch mit viel verschenktem Potential, 22. März 2016
Ehrlich gesagt, habe ich nach John Green und Konsorten genug von kranken Teenagern, die sich ineinander verlieben. Das ist manchmal wirklich hübsch geschrieben und ich brauche Taschentücher beim Lesen. Oft ist es aber auch viel zu dick aufgetragen und sehr beliebig und berührt mich so gar nicht. Von daher hätte ich vermutlich Jessi Kirbys Roman nicht gelesen, wenn dieses wunderschöne Cover nicht gewesen wäre.

Nun bin ich kein Cover-Käufer. Also ich weiß ein hübsches Cover schon zu schätzen, aber wenn der Klappentext absolut uninteressant für mich ist, dann kann das Cover mich noch so 3D mäßig anspringen, wie irgendein Popout-Effekt in einem Film, ich kaufe es trotzdem nicht. Bei „Mein Herz wird dich finden“ hat diese zauberhafte Kombination aus Farben, Schrift und Glitzer (nein, ich bin nicht 12 … ) dazu geführt, dass ich es doch noch einmal mit diesem Thema versuchen wollte.

Anfangs gefiel mir das Buch auch wirklich sehr gut. Die Autorin schafft es vorzüglich Mias Gefühle, ihre anfängliche Schockstarre und ihre monatelang andauernde Trauer aufzuzeigen. Auch die erste Begegnung zwischen Mia und Noah ist ganz zauberhaft, zumal Noah ein unglaublich positiver und sympathischer Mensch ist.

Aber irgendwie gab es dann im Laufe des Romans trotz überzeugender Figuren und schöner Sprache, keine Überraschungen für mich. Außerdem ist der Roman furchtbar aufgebläht. Leere Zwischenseiten und kurze Zitate und die sehr kurzen Kapitel führen dazu, dass man das Buch wohl auf knapp 300 Seiten hätte runterkürzen können, wenn man es denn gewollt hätte.

Ich gestehe, dieses ganze Surfer-Setting hat mich jetzt auch nicht so übermäßig interessiert. Das sagt aber letztlich nichts über die Qualität des Romans aus, sondern ist einfach nur Geschmackssache.

Mein Problem war aber wirklich, dass der Roman sehr sehr lange vor sich hin plätschert. Die beiden lernen sich kennen, verbringen viel Zeit miteinander und Mia plagt sich mit Schuldgefühlen rum. Der im Klappentext erwähnte Konflikt wird auf den letzten Seiten recht lieblos abgehandelt und es geschieht alles so, wie ich es mir nach den ersten Seiten bereits vorgestellt hätte, wenn ich ideenlos die Handlung hätte selbst weiterschreiben müssen.

Letztlich fehlt es dem Roman auch an Tiefe. Natürlich ist Mias Schicksal schrecklich, aber es fehlen doch hier und da Erklärungen oder vielleicht mal eine Rückblende, die das ganze etwas eindrücklicher gemacht hätte. Auch die Figuren haben nicht wirklich etwas besonderes, sondern bleiben mir zu oberflächlich. Der einzige Lichtblick ist Mias durchgeknallte Großmutter.

Im Gegensatz zur englischen Originalausgabe hat der deutsche Verlag Sauerländer außerdem die Namen der Protagonisten verändert. Mir erschließt sich der Sinn nicht, zumal es ein zwei Stellen gibt, wo die Übersetzung rumpelt, weil es Bezüge zu den eigentlichen Namen gibt, die so mit den geänderten Namen keinen Sinn ergeben.

Letztlich ist es so wie mit vielen Jugendbüchern dieser Art. Eine talentierte Autorin, die eigentlich eine schöne Idee hat, aber dann so viel Potential verschenkt, dass ich mich ebenfalls wiederholt frage, wo die Lektorin bei diesem Titel gesteckt hat. Mir wären bei der Betreuung dieses Werkes so viele Dinge aufgefallen. Ich hätte unterstrichen, umkringelt und Post-its drangeklebt. Gerade wenn ein Titel offenkundiges Potential hat, macht es mich umso trauriger, wenn es unnötigerweise nicht genutzt wird. Gerade auch das Thema Organspende, hat doch etwas mehr verdient.

War ich nach den erste 2-3 Kapiteln doch wirklich sehr begeistert, weiß ich nach Beendigung des Buches nicht, ob ich von Jessi Kirby noch mal ein weiteres Buch lesen würde.


Die Herren der Grünen Insel: Roman
Die Herren der Grünen Insel: Roman
von Kiera Brennan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes brachiales historisches Buchstabenkino!, 12. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt eigentlich nur eine einzige Kritik, die sich dieses wunderbar kraftvolle Buch bzw. die Autorin gefallen lassen muss und das ist dieses Kuddelmuddel mit den gälischen Namen. Kiera Brennan erklärt im Vorwort, dass sie lange überlegt hat, ob sie die original irisch-gälische Schreibweise benutzen soll oder nicht. Sie hat sich dann für einen Kompromiss entschieden. Für mich leider die absolut schlechteste Entscheidung, die man nur treffen konnte. Bei Namen, die im Prinzip so ausgesprochen, wie geschrieben werden, nahm sie die gälische Schreibweise. Für kompliziertere Namen entschied sie sich für die anglisierte Form. Nur blöd, wenn eigentlich kein einziger Name so ausgesprochen wird, wie geschrieben. Also habe ich die ersten fünfzig Seiten verzweifelt versucht zu überlegen, wie denn der ein oder andere Name nun ausgesprochen wird. Ich war mehr im Personenverzeichnis (inklusive Lautschrift), als im Roman und dann hab ich einfach irgendwann aufgegeben und mir meine eigene Aussprache ausgedacht. Insgesamt sind viele Namen aber für einen historischen Unterhaltungsroman wirklich zu kompliziert und ich bin da als erprobter Fantasyleser nun wirklich nicht ungeübt. Toll ist allerdings das beigefügte Lesezeichen, auf dem alle wichtigen Figuren kurz zusammengefasst sind. Wie ihr seht, sind die mit eher einfacheren Namen gesegnet.

Tja und das war es eigentlich auch schon mit meiner negativen Kritik, denn alles andere ist für meine Begriffe ganz großes brachiales historisches Buchstabenkino! 'Die Herren der grünen Insel' wird vollmundig als 'Game of Thrones' im Irland des Hochmittelalters beworben. Normalerweise finde ich solche Vergleiche immer wenig zielführend und meistens sind sie auch nur clever gemachte Werbesprüche, die leider nicht halten, was sie versprechen. In diesem Fall finde ich den Vergleich allerdings sehr passend.

Wie George R.R. Martin jongliert Kiera Brennan mühelos mit einer Vielzahl von Figuren, Familien und Konflikten. Das erfordert vom Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit (unter anderem eben auch wegen der oben genannten Namensproblematik) und ist wohl teilweise auch die Folge einiger etwas kritischer Rezensionen. Das Buch liest sich nicht zwischen Kochtopf und Staubsauger und es gibt auch keine niedliche Liebesgeschichte oder ein bisschen fluffige irische Folklore. Nein, Kiera Brennans Serienauftakt ist rauh, brutal, sperrig, dreckig und wuchtig. Man hört Schwerter aufeinander schlagen, riecht den Gestank, spürt die Kälte und den feuchten Schlamm. Auch in Sachen Gewalt ist die Autorin nicht zimperlich. Das alles führt zu einer intensiven und realistischen Atmosphäre, die mich total in ihren Bann gezogen hat.

In letzter Zeit habe ich eher gemäßigtere historische Romane gelesen, die in der Regel auch in einer anderen Epoche spielten. Tatsächlich hatte mich in den letzten Jahren ein kleiner Mittelalter-Overkill heimgesucht. Doch hier bekommt man wenigstens mal wieder richtiges Mittelalter und zwar ohne Weichzeichner.

Neben der Atmosphäre weiß die Autorin auch mit interessanten Figuren und einer spannenden Handlung zu überzeugen. Besonders die Protagonisten sind doch sehr facettenreich und oft schwer einzuschätzen. Gut und Böse lassen sich auch oft nicht abgrenzen, was für meine Begriffe das A und O für einen guten Roman ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als schon vorher zu wissen, wie sich eine Figur verhalten wird. Gerade auch deswegen bleibt dieser historische Schmöker bis zum Ende spannend. Der ständige Perspektivwechsel lässt zudem keine Langeweile aufkommen und es gibt gleichermaßen starke Frauen- wie auch Männerfiguren. Auch sprachlich ist der Roman auf hohem Niveau, passt er sich doch in Sachen Bildgewalt und Kraft der Handlung an.

Man merkt, das die Autorin vor Ort recherchiert hat. Neben historischer Authentizität, gelingt es Brennan auch die grüne Insel zum Leben zu erwecken. Trotz der Brutalität des Romans kommt man nicht umhin sich in dieses Fleckchen Erde zu verlieben und ich hatte bis auf eine Schwäche für irischen Steptanz vor dem Lesen des Buches kein besonderes Faible für das Land.

Kiera Brennan ist übrigens das Pseudonym der Autorin Julia Kröhn bzw. Carla Federico bzw. Sophia Cronberg. Obwohl mir alle diese Namen ein Begriff sind und ich auch das ein oder andere Buch schon mal in Händen gehalten habe, ist ihr neues Pseudonym auch gleichzeitig meine erste 'Begegnung' mit der Autorin. Da hab ich wohl in nächster Zeit genug zu lesen!

Ich freue mich wirklich schon sehr auf den zweiten Band und hoffe mal, die Wartezeit nimmt keine gabaldonsche Ausmaße an. Apropos Gabaldon ' der Weggang der Bestsellerautorin von Blanvalet nach Knaur hat eine nicht wegzudiskutierende Lücke hinterlassen. Für mich war Blanvalet ' besonders im Hardcover ' immer der Verlag der großen Schmöker und ich bin wirklich erleichtert, dass man hier Ersatz gefunden hat. Natürlich lassen sich beide Autoren nicht vergleichen. Sie schreiben vollkommen anders und die Geschichten sind auch anders gewichtet, aber nichts desto trotz passt 'Die Herren der grünen Insel' perfekt zu diesem Publikumsverlag und ich hoffe, man wird noch mehr nach dieser Art von Literatur Ausschau halten.

Als letztes möchte ich noch darauf hinweisen, dass man hier für sagenhafte 19,99 Euro ein fast 1000 Seiten starkes Buch mit zwei verschiedenen Karten, Personenregister, Lesebändchen und einem Extra-Papplesezeichen bekommt. Wenn man sich hier so manche Folletts, Gablés und Konsorten vor Augen führt, eigentlich ein unglaubliches Schnäppchen. Wer also einen komplexen historischen Roman zu schätzen weiß, der wird seine helle Freude an 'Die Herren der grünen Insel' haben.


Die Traumknüpfer: Roman
Die Traumknüpfer: Roman
von Carolin Wahl
  Broschiert
Preis: EUR 13,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwache Figuren in interessantem Weltenbau, 12. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Traumknüpfer: Roman (Broschiert)
Vorab möchte ich erwähnen, dass ich mich wirklich sehr ausführlich mit dem Buch beschäftigt habe, da ich es in einer kleinen (aber feinen) Leserunde gelesen und dort auch viel diskutiert habe. Wir wollten das Buch mögen und haben auch alle Gefallen am Fantasydebüt der jungen Carolin Wahl gefunden, aber das viele verschenkte Potential hat uns letztlich doch mehr gestört, als alles andere.

Aber von vorne. Der Einstieg in den Roman war sehr gelungen, denn die Autorin versteht es ihre Traumwelt zum Leben zu erwecken. Wie Kanaael zum ersten Mal durch die Träume anderer wandert, ist sehr eindrücklich und bildhaft beschrieben. Obwohl dieses Thema durchaus sehr theoretisch klingt, schafft sie es alles vor dem Auge des Lesers lebendig werden zu lassen.

Auch die kapitelweise wechselnde Handlung zwischen Kanaael und Naviia hat mir gefallen, bis ich mich nach 100 Seiten fragte, mit wem ich es da eigentlich zu tun habe. Tatsächlich sind alle Figuren in „Die Traumknüpfer“ gar nicht oder nur sehr wenig beschrieben. Weder Aussehen noch Charaktereigenschaften sind ausreichend erklärt und so blieben für mich alle Figuren bis zum Ende des Romans eher blass. Sie haben einfach nichts besonderes, was sehr schade ist, weil Wahls Weltenbau durchaus zu überzeugen weiß und sich vom Fantasy-Einerlei abhebt.

Der ungewöhnliche Weltenbau kann jedoch nicht davon ablenken, dass die Handlung keinerlei Überraschungen bereit hält. Es passiert alles so, wie man es sich in der jeweiligen Situation sowieso schon gedacht hat. Sieht man mal von der kurzen Szene auf Udinaas Insel ab. Vermutlich liegt das eben auch an der mangelnden Tiefe der Figuren. Sie überraschen mich nie und folglich gibt es für mich auch keine Überraschungen in der Geschichte. Es gibt auch keinerlei Charakterentwicklung, zumal fast alle Nebenfiguren austauschbar blieben und höchstens noch mit interessanten Namen überzeugen. Mich haben die vokallastigen Namen übrigens nicht gestört, was aber vermutlich auch daran liegt, dass ich da schon ganz andere Kaliber in der Fantasy oder auch bei den historischen Roman gelesen habe. Letztlich sollte man einfach die Doppelvokale zu einem langen Vokal zusammenziehen und schon stolpert man beim Lesen nicht mehr drüber.

Das Buch braucht auch einfach viel zu lange, bis es in die Pötte kommt. Die im Klappentext verratene Erweckung der Traumknüpferin Udinaa passiert erst nach 420 Seiten und plötzlich bleiben nur noch 280 Seiten um einen Krieg anzuzetteln, die Welt zu retten und ein bisschen privaten Kram zu einem guten Ende zu bringen.

Im Hinblick auf die Romantik ist „Die Traumknüpfer“ für mich ebenfalls eine herbe Enttäuschung. Davon mal ab, dass ich sie eigentlich gar nicht gebraucht hätte und das Buch auch gut ohne Liebesschnickschnack ausgekommen wäre, war die Liebesgeschichte zwischen Kanaael und Wolkenlied unglaublich schmalzig und unverständlich. Wieso sie sich ineinander verlieben, bleibt mir schleierhaft. Was sie aneinander finden ebenfalls. Die Erotikszene einer anderen Figur gegen Ende des Romans setzt dem ganzen leider die Krone auf. Der Roman ist eigentlich ein reiner Fantasyroman und diese Szene wirkt so, als wäre der Autorin am Ende eingefallen, dass sich noch keiner ausgezogen hat.

Auch in Sachen Action konnte mich die Autorin oft nicht überzeugen. Es gibt wunderbare Szenen, wie z.B. die Flugszenen mit dem Vogel Keeveek, die richtiges Kopfkino zaubern, aber sämtliche Kampfszenen zwischen den Figuren fand ich sehr schwach. Sie wirken total durchchoreographiert. Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Während Kanaael um sein Leben kämpft, hat er noch stundenlang Zeit seine Umgebung zu beobachten und innezuhalten. Im wahren Leben wartet ein Assassine sicher auch, bis man fertig mit Kaffee und Kuchen ist, bevor er zum Todesstoß ansetzt.

Das klingt jetzt alles extrem negativ, aber ich möchte nicht verhehlen, dass ich bis ca. Seite 600 wirklich viel Spaß mit dem Buch hatte. Carolin Wahl kann toll erzählen und hat einen wunderbar leichten Schreibstil, aber ich habe das Gefühl, ihr hätte eine gute Lektorin gut getan. Einfach jemand, der sie etwas mehr fordern würde. So habe ich das Gefühl, sie hat sich einfach nie aus ihrer Komfortzone herausgetraut. Die Story ist zu geradlinig und den Figuren fehlt es an Ecken und Kanten. Wenn man zudem berücksichtigt, dass „Die Traumknüpfer“ über 700 Seiten lang ist und es eigentlich genug Zeit für alle diese Dinge gab, so kann ich einfach keine bessere Bewertung abgeben. Es gibt Fantasyromane mit deutlich weniger Seiten, die in all diesen Belangen überzeugen. Letztlich nützt die schönste Idee nichts (und die Traumwelt ist eine außergewöhnlich gute Idee), wenn sie nicht mit Leben gefüllt wird.


Wenn's brennt: Roman
Wenn's brennt: Roman
von Stephan Reich
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hart, rotzfrech, kompromisslos und einfach großartig!, 14. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Wenn's brennt: Roman (Broschiert)
DVA mausert sich langsam aber sicher zu einem meiner Lieblingsverlage. Schöne neu übersetzte Klasssiker, wie z.B. Edith Wharton und dann wieder so überraschende Newcomer, wie Stephan Reich. Das Buch ist mir in der Vorschau erstmal wegen des knalligen Covers aufgefallen und dann wegen der Autoreninfo. Ich gestehe, ich hatte es vor allen Dingen auf meiner Liste, weil Stephan Reich Redakteur bei 11Freunde ist. Wahrscheinlich schlägt der Autor gerade die Hände über dem Kopf zusammen. Die Rezensentin hat mein Buch gelesen, weil ich über Fußball schreibe. Ja sorry, aber ich liebe die 11Freunde und Fußball und überhaupt. Eher selten findet man in diesem Metier Männer, die dann auch noch in Sachen Literatur unterwegs sind.

Um es mal vorweg zu sagen, „Wenn’s brennt“ ist ein Jungsbuch. Was jetzt nicht heißt, dass Frauen es nicht lesen können (sie sollten es!), aber es wird in diesem Buch schon gehörig viel abgehangen, gesoffen und gekifft und geschimpfwortet. Gut, wenn man in Eriks und Finns Alter ist, haut einen f**, Alter, k***egal, etc. natürlich nicht hinter dem Ofen hervor. Mich im wahren Leben übrigens auch nicht, in einem Buch lese ich so etwas in der Häufung aber eher selten und wenn, dann würde ich es im Normalfall glaube ich voll scheiße finden (um mal im Slang zu bleiben).

Bei Erik, Finn, Nina und Co. und der Handlung des Buches ist es aber eigentlich die einzig authentische Sprache, die ich mir nach dem Lesen überhaupt vorstellen kann. Die Jungs und Mädels hängen in einem öden Provinznest fest und besonders Eriks Leben scheint so vorbestimmt, wie der Kater nach einer Pulle Berentzen. Die Schule ist bald aus und Papa wartet mit einer Stelle beim Postamt auf. Irgendwann Heirat, Kinder, Reihenhaus. Anstatt sich dagegen zu wehren oder einen gewissen Ehrgeiz zu entwickeln, kifft Erik lieber mit Freunden und hängt saufend am „Schotter“, dem Treffpunkt der Clique, ab.

Klingt soweit erstmal langweilig, ist es aber überhaupt nicht, denn Stephan Reich packt das in pointierte und pfeilschnelle Dialoge. Man merkt, der Autor kommt vom Poetry Slam. Es wird nicht ellenlang rumgeschwurbelt, sondern direkt gesagt, was gemeint ist. Und dennoch steckt hinter vielen Dialogen so viel mehr. Angst, Hoffnungslosigkeit, Agressionen und auch eine gewisse Traurigkeit.

Besonders Erik ist sich eigentlich schon bewusst, dass er auf ein Leben zusteuert, das er überhaupt nicht will und immer wenn er den Leser an seiner Gedankenwelt teilhaben lässt, zeigt er eine durchaus verletzliche Seite. Nach den ersten zwanzig Seite voller lässig cooler Dialoge, erzählt Erik von der Traurigkeit seiner Mutter und der Behinderung seines Bruders und diese Zeilen sind so berührend, dass es mich erstmal von den Socken gehauen hat.

"Dann fahren wir morgens gemeinsam zur Post und mittags wieder Hause, jeden Tag wahrscheinlich, damit sich Mama nicht noch mehr langweilt, als sie es ohnehin schon tut. Kein Mensch kann den ganzen Tag Paulo-Coelho-Bücher lesen, ohne depressiv zu werden. Wobei: Der Zug ist eh schon abgefahren. Oder diese Lebensratgeber. Müsste man ja erstmal ein Leben haben nicht wahr? … Manchmal denke ich, Mama ist wie eines dieser Unfallopfer, die sich so sehr im Wrack verkeilt haben, dass nur die verschobene Karosserie sie noch am Leben hält." (S. 24)

Nach dieser Seite wusste ich, ich würde das Buch voller pupertärer Großmäuler lieben und so kam es dann auch. Die Jungs verüben abstruse Streiche (ich sag nur Trockner und verrate jetzt nichts), reiten sich das ein oder andere Mal richtig in die Scheiße und sind dabei meist bekifft oder besoffen oder auch beides. Mit der Liebe klappt es auch nicht so wirklich, weil Erik zu blöd ist, Nina seine Gefühle zu offenbaren. Jungs halt. ;-) Aber zwischen knackigen Dialogen, die einen durch das Buch fliegen lassen, sind da immer wieder wunderschöne Sätze zum Innehalten und vor allen Dingen Finns bedrohliche Entwicklung. Nach dem ersten Kapitel weiß man eigentlich, dass es irgendwann zu einer Katastrophe kommt und die Handlung steuert sozusagen ohne Bremse auf einen Abgrund zu, den man schon lange kommen sieht.

Das ist meist schräg und oft auch sehr lustig. Mein Highlight in Sachen Humor ist sicherlich Eriks Fußballspiel unter Drogeneinfluss. Ehrlich, ich habe halb auf dem Boden gelegen vor Lachen, obwohl die Szene an sich wiederum gar nicht komisch ist, weil sie ein weiterer Beweis für Finns Selbstzerstörung ist.

„Wenn’s brennt“ ist schnörkellos, rotzfrech und hart, aber mich hat es unter all der kompromisslosen Sprache extrem berührt. Es ist die Geschichte von zwei Jungs, die nichts mehr hassen als das Spießerleben ihrer Eltern und trotzdem gefangen sind in gähnender Langeweile, die sie schließlich vereinnahmt und zu einer Katastrophe führt. Insgesamt bleibt mir nur zur sagen: Dieses Buch ist f** großartig!

(Traurig aber wahr, bei Rezensionen auf amazon, darf man das f-Wort nicht benutzen...)


Zurück nach Tara: Roman (insel taschenbuch)
Zurück nach Tara: Roman (insel taschenbuch)
von Kate Alcott
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärischer Einblick ins alte Hollwood, 2. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich war schon als Kind ein großer Fan von „Vom Winde verweht“. Den Roman habe ich glaube ich mit 12 Jahren das erste Mal gelesen und ich hoffe seit 25 Jahren, dass sich mal ein deutscher Sender erbarmt und noch mal „Der Scarlett O’Hara Krieg“ mit Tony Curtis sendet. Ein zutiefst komischer amerikanischer TV-Film aus den 80ern, wo sich 1 1/2 Stunden gestandene Schauspielerinnen (und solche, die es einmal werden wollen) um die Rolle von Scarlett O’Hara prügeln und es dann letztlich natürlich trotzdem jemand ganz anderes wird.

Der Film endet mit den Dreharbeiten des brennenden Atlantas, als Rhett und Scarlett mit Melanie und ihrem Baby mit einer Kutsche und einem klapprigen Pferd fliehen (in der Szene sind es allerdings nur Statisten), während um sie herum eine Stadt in Flammen aufgeht. Dies war der Moment, als man dem Produzenten David O. Selznick Vivien Leigh vorstellte und genau da setzt „Zurück nach Tara“ ein. Unsere Protagonistin Julie erlebt auf den ersten Seiten hautnah mit, wie man die zukünftige Scarlett dem Produzenten vorstellt und sozusagen Filmgeschichte geschrieben wird. Wer sich jetzt übrigens wundert, ja, die Dreharbeiten starteten ohne das man eine Hauptdarstellerin gecastet hatte und mit dieser Szene, die eigentlich mitten im Film spielt.

Danach laufen die Dreharbeiten und Julies Abenteuer in Hollywood sozusagen parallel ab. Die junge Frau träumt von einem Leben als berühmte Drehbuchautorin, findet sich aber erstmal als Schreibkraft und schließlich als „Mädchen für alles“ für Clark Gables Geliebte Carole Lombard wieder. Letztere ist für mich das ganz große Plus des Romans.

Ich gestehe, ich kann mich nicht daran erinnern, mal einen Film mit der Schauspielerin gesehen zu haben, obwohl sie mir namentlich natürlich ein Begriff ist. Aber Kate Alcott erweckt sie auf so unnachahmliche Art und Weise zum Leben, dass man sie einfach gern haben muss. Carol ist warmherzig, wild und für die damalige Zeit unglaublich selbstbewusst. Ihre Beziehung zu Gable wird sehr liebevoll beschrieben und überhaupt nicht kitschig. Tatsächlich lieben die beiden sich aufrichtig, aber besonders Carol macht sich auch keine Illusionen. Sie weiß um seine Schwächen und nimmt sie in Kauf. Ich hatte das Gefühl, die beiden hätten wirklich eine Chance für eine lange glückliche Ehe gehabt, wenn nicht das Schicksal ihnen in die Quere gekommen wäre.

Auch Julie, das behütete Mädchen aus dem Westen, verliebt sich. Andrew gehört zum Stab von Selznick und freundet sich mit Julie an. Es dauert nicht lange und die beiden werden ein Paar, aber so richtig warm wurde ich mit den beiden nicht. Es ist durchaus interessant zu sehen, wie sich Julie behauptet und durchboxt. Sie ist nicht so unbekümmert wie Carol, aber sie kämpft für ihre Freiheit und gegen das vorbestimmte Leben, welches ihre Eltern für sie geplant haben. Aber trotzdem verschenkt die Autorin hier viel Potential und lässt mich zu wenig am Innenleben ihrer Protagonistin teilhaben. Irgendwie habe ich mich immer Carol näher gefühlt. Vermutlich, weil sie ihr Herz auf der Zunge trägt.

Es dauert nur wenige Seiten, bis man das Flair des alten Hollywoods und die Eleganz der 30er Jahre beim Lesen zu spüren bekommt. Das wunderschöne Cover bietet da bereits einen Vorgeschmack. Obwohl die Dreharbeiten und die anschließende Weltpremiere in Atlanta in die Zeit des 2. Weltkrieges fallen, erwähnt die Autorin dies nur am Rande. Julies Freund Andy ist Jude und sorgt sich um seine in Berlin lebende Familie. Ich finde dies auf der einen Seite gut, weil es in dem Buch vordergründig um den Film und um Julie geht, aber dann hätte ich es besser gefunden, die Handlung um Andy komplett wegzulassen.

So fehlen dem Roman gefühlt 200 Seiten, um Andys Ängste und den Konflikt zwischen Hollywood-Glamour und Nazi-Schrecken deutlich zu machen. Für eine Randnotiz ist das Thema einfach zu wichtig und die Sache fühlt sich beim Lesen so irgendwie komisch und nicht richtig an.

Der Roman hat im übrigen ein offenes Ende, was ich sehr gelungen fand. „Vom Winde verweht“ ist abgedreht, aber Julies und Andrews Leben geht auf die ein oder andere Art weiter. Was mit den realen Personen danach passiert, erzählt Kate Alcott übrigens in einem ausführlichen Nachwort. Es ist also so, als würden wir einfach für kurze Zeit Teil des Lebens einer handvoll realer und fiktiver Figuren sein. In Bezug auf Julie gibt es ein paar kurze Hinweise auf ihr früheres Leben, aber die Autorin bleibt doch meist im hier und jetzt, was dem Roman eine Unmittelbarkeit gibt, die ich sehr mochte. Es ist eben, als wäre man mitten drin, wenn Clark Gable wutschnaubend aus Selznicks Büro rennt oder Vivien Leigh sich über ihre kleinen Brüste beschwert.

Insgesamt ist das Buch definitiv nur etwas für Fans der Verfilmung von „Vom Winde verweht“, denn ein großer Teil des Charmes entsteht dadurch, dass die Stars von einst zu Menschen werden. Allerdings muss man kein ausgewiesener Kenner des Films sein. Wer ihn einmal gesehen hat, wird vieles im Roman wiedererkennen und seinen Spaß daran haben. Allerdings sollte man keine zu tiefgründige Unterhaltung erwarten.


Die steinerne Schlange: Roman
Die steinerne Schlange: Roman
von Iny Lorentz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Ausflug in die Antike, 17. Januar 2016
Dies ist nach langer langer Zeit ein Roman von Iny Lorentz, den ich mal wieder gelesen habe. Bei der Wanderhuren-Saga bin ich irgendwann ausgestiegen und auch der ein oder andere Einzelroman hat mich nicht so angelacht. Zumal ich in den letzten Jahren ohnehin viel viel weniger historische Romane verschlungen habe. Aber als ich diesen Roman in der Vorschau sah, hat mich die Neugier aufgrund des Klappentextes mal wieder gepackt.

Seien wir mal ehrlich, historische Romane, welche im deutschen Mittelalter spielen, sind mittlerweile so innovativ wie eine Dampflok und so war ich froh, dass sich Iny und Elmar mal eines ganz anderen Themas angenommen haben. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, in den letzten Jahren mal einen gescheiten Roman über das antike Rom in den Händen gehabt zu haben. Also habe ich mich einfach mal kopfüber hineingestürzt und habe mich wirklich bis zum Schluss gut unterhalten gefühlt.

Dem Autoren-Ehepaar wird ja oft vorgeworfen das ein oder andere Klischee zu bemühen oder historische Romane für die Pilcher-Generation zu schreiben. Tatsächlich gibt es Autoren, die filigraner schreiben und wo vor allen Dingen die Bösewichte etwas nuancierter und weniger schwarz/weiß darstellen, aber in "Die steinerne Schlange" wurde ich doch angenehm vom Gegenteil überzeugt.

Der etwas gröbere Schreibstil passt perfekt in das Setting und die Zeit und gibt der Handlung etwas Unverfälschtes, was mir sehr gut gefallen hat. Die Figuren sind allesamt lebendig und glaubhaft beschrieben. Gerhild ist mir zwar manchmal ein bisschen zu sehr vom Schicksal begünstigt, weil ich das Gefühl hatte, es gelingt ihr einfach alles, aber sie war an sich so sympatisch und glaubwürdig ausgearbeitet, dass mir dieses Detail den Spaß am Roman nicht verdorben hat.

Für gewöhnlich sind die weiblichen Figuren bei Iny Lorentz immer sehr stark. Man bedenke, was die gute Marie aus der Wanderhure alles erleiden musste. Dennoch waren sie mir manchmal zu brav und ich bin froh, dass Gerhild auch mal eine richtige Ziege sein darf. Das mag der ein oder andere nicht mögen. Ich fand ihre manchmal zickige Art aber erfrischend und schön gegen den Strich gebürstet. Natürlich bleibt die Frage, ob es damals wohl möglich war, als Frau so fortschrittlich eingestellt zu sein, aber erstens ist dies immer noch ein Roman und zweitens sind es doch oft Frauen in historischem Romanen, die irgendwie anders sind, die gerade deswegen im Gedächtnis bleiben.

Was römische bzw. germanische Geschichte angeht, habe ich leider nur mein weit entferntes Schulwissen zur Verfügung. So muss ich darauf vertrauen, dass Iny Lorentz mit nicht einem vom Pferd erzählen. Allerdings habe ich ihre Romane bisher immer als gut recherchiert empfunden und wüsste nicht, wieso dies in diesem Fall anders sein sollte.

Jedenfalls kommt man innerhalb der 640 Seiten nie zur Ruhe. Immer passiert etwas und die Handlung wird stetig vorangetrieben. Leider kommen deswegen manche Hintergrundinformation wie z.B. die germanische Religion zu kurz, aber wer mal wieder richtig Lust auf einen packenden Historienroman hat, der wird das verschmerzen können.

(Wenn ich könnte, würde ich 4 1/2 Sterne vergeben.)


Die Gestirne: Roman
Die Gestirne: Roman
von Eleanor Catton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig erzählter Wälzer voller Überraschungen!, 17. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Gestirne: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eleanor Catton hat es anscheinend nicht so mit schnödem Durchschnitt. Nein, es müssen schon ein paar Superlative sein, denn „Die Gestirne“ ist nicht nur der dickste Roman, der je den Man Booker Prize gewonnen hat, sondern seine Autorin ist zudem die jüngste Preisträgerin aller Zeiten.

Ich wusste natürlich, dass der Roman über tausend Seiten hat, aber als ich den riesenhaften Postkarton öffnete und darin nur ein einziges Buch fand, welches für Größe und Gewicht der Sendung verantwortlich war, habe ich doch erstmal geschluckt.

Aber ich kann Euch nur empfehlen, lasst Euch davon nicht beeindrucken und gebt dem Buch vor allen Dingen ein bisschen Zeit. Hat man sich erstmal auf die Vielzahl von Figuren und die Handlung eingelassen, wird man förmlich in das Buch hineingesaugt. Besonders wer die großen Autoren des 19. Jahrhunderts mag, wird an „Die Gestirne“ seine Freude haben.

Wer z.B. Dickens mag, mag auch Catton? Es ist vielleicht zu einfach das Buch darauf herunterzubrechen, aber ein bisschen etwas Wahres ist dran. Die Neuseeländerin erzählt elegisch, ausschweifend und macht sich dabei einen allwissenden Erzähler zunutze. Sie macht aus Kleinigkeiten oder kleinen Gesten eine seitenlange Beschreibung und Himmel, ich habe jede einzelne Zeile davon genossen.

Die detaillierte Handlung ist in zwölf Kapitel unterteilt, analog zu den zwölf Protagonisten und den zwölf Tierkreiszeichen. Übrigens, keine Angst, man muss keine Astrologin sein. Man muss nicht mal Interesse an Astrologie haben, um den Roman zu lieben und um Cattons Komposition zu verstehen.

Tatsächlich passiert in „Die Gestirne“ nichts zufällig. Alles hat eine Bedeutung, alles hängt irgendwie zusammen, auch wenn sich vieles erst nach und nach offenbart. Tatsächlich scheint es die Protagonisten unabsichtlich in die Hafenstadt Hokitika verschlagen zu haben, aber im Laufe der Zeit wird deutlich, sie alle sind in die Vorgänge, in einen Mord, verstrickt. Es ist Schicksal, es sind die Gestirne, denen sich die Handlung beugt und das ist dermaßen faszinierend, dass ich einige Male staunend innegehalten habe, um dann jedoch aufgrund der Spannung wieder schnell meine Nase in das Buch zu stecken.

Denn neben der Idee mit der Astrologie, dem historisch perfekt recherchierten Hintergrund und der lebhaften Fabulierkunst, ist „Die Gestirne“ besonders eins: spannend! Alle zwölf Figuren haben einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen. Gute Menschen entpuppen sich als böse, je nachdem, wer gerade seine Geschichte erzählen darf. So entwickeln sich automatisch facettenreiche Figuren, die einen bis zur letzten Seite überraschen.

Auch optisch ist das Buch ein Highlight. Das minimalistische elegante Cover deutet das Thema des Romans behutsam an und im Inneren gibt es zu jedem Teil astrologische Karten. Übrigens ist die Handlung mit den tatsächlichen Bewegungen der Gestirne im Jahr 1866 verknüpft. Die Autorin (und nun wohl auch die Übersetzerin) dürfte nun mehr über Planeten- und Sternenkonstellationen wissen, als jeder andere auf diesem Planeten.

Trotzdem bleibt es in manchen Dingen verborgen, wie Catton die Ereignisse ihres Romans mit diesen Bewegungen verknüpft hat und das ist auch gut so, denn es unterstreicht den geheimnisvollen Touch. Ohnehin sind es aber natürlich die immerwährend existentiellen Themen wie Liebe, Tod, Hoffnung und Schmerz, die Priester, Huren, Goldschürfer und jede Menge anderer Figuren umtreibt.

Es ist ein unglaubliches Vergnügen mit all diesen Menschen einen Mord zu lösen, das Leben und das Schicksal zu entschlüsseln und dabei ganz tief einzutauchen in eine vergangene Welt, die Eleanor Catton auf eine Weise zum Leben erweckt, wie es noch niemand vor ihr versucht hat.

Ich musste das Buch erstmal ein bis zwei Wochen sacken lassen, um mit dem nötigen Abstand eine Rezension schreiben zu können. Eleanor Catton ist eine großartige Erzählerin. Eine dieser englischsprachigen Autoren, die sich nicht darum scheren, ob sie der Norm der literarischen Elite entsprechen. Eine dieser englischsprachigen Autoren, die einfach eine verdammt gute Geschichte erzählen wollen und genau dies tun. Einer dieser englischsprachigen Autoren, die vielleicht gerade deswegen Herz und Hirn auf kongeniale Art und Weise verbinden und beides gleichermaßen befriedigen.

Sie sagt selbst, sie habe einfach nur einen spannenden historischen Krimi schreiben wollen, bei dem die Seiten nur so dahin fliegen. Das hat sie geschafft und für den Booker Prize hat es trotzdem gereicht!


Zeit der Unschuld: Roman
Zeit der Unschuld: Roman
von Edith Wharton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fabulöse Neuübersetzung!, 10. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Zeit der Unschuld: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich war ein Teenager (gerade mal 16), als ich Martin Scorseses Verfilmung von „Zeit der Unschuld“ sah und absolut hingerissen, von der eleganten und behutsamen Verfilmung und ihren Darstellen. Seitdem bin ich verliebt in Winona Ryder und Daniel Day Lewis. Wo sind sie nur hin, die glorreichen 90er Jahre von Winona, wo sie einen wundervollen Film nach dem anderen drehte (Betty und ihre Schwestern, Ein amerikanischer Quilt, etc.). Jedenfalls wollte ich immer das Buch lesen und als ich die Neuübersetzung der fabulösen Andrea Ott in der Manesse Verlagsvorschau sah, habe ich endlich Nägel mit Köpfen gemacht.

Müsste ich „Zeit der Unschuld“ mit einem Wort beschreiben, dann wäre es wohl „Eleganz“, denn diese umweht den Roman auf vielerlei Weise. Die gehobene New Yorker Gesellschaft scheint durch ihr Leben zu schweben. Immer gesittet, immer so wie es sich geziemt, immer kontrolliert, erhaben und wie man es von ihr erwartet. Männer und Frauen sind umgeben von einer Aura von Macht und Grazie. Eben die pure Eleganz, die sich aber auch besonders in Whartons Sprache niederschlägt.

Wie ich es schon vom Film kannte, gibt es einen auktorialen Erzähler, der alles beobachtet und beschreibt und dies manchmal mit einem fast lakonischen Ton. Wobei dies sehr unterschwellig passiert und man zwischen den Zeilen lesen muss. Es ist mehr die Sprachmelodie und die Stimmung, die zeigt, dass der Erzähler das Geschehen bloß stellt.

Es ist wohl das Drama des Romans, dass die feine New Yorker Gesellschaft sich vom europäischen Standesdünkel frei wähnt, aber eigentlich genauso in ihrer eigenen Welt voller Riten, Vorschriften und Konservatismus gefangen ist. Um in dieser Welt zu bestehen, wird alles unter dem Deckmantel der Höflichkeit getan.

Einige Figuren leben mit einer Selbstverständlichkeit in dieser Welt ohne sie zu hinterfragen oder sie als Bürde zu empfinden. Für Newland und Ellen bedeutet es hingegen etwas zu sein, was sie nicht sind und ihre Gefühle und ihr eigenes Ich zu verraten. Während Ellen sich immer ein Stück weit aus ihrer Komfortzone getraut hat, findet Newland letztlich nicht den Mut dazu.

Tatsächlich habe ich seine Verlobte May als stärkste Protagonistin empfunden. Obwohl sie auf den ersten Blick schwach wirkt, absolut vereinnahmt von den Konventionen ihrer Umwelt, ist sie es doch, die sich schließlich all dies zu nutze macht, um das zu erreichen, was sie will. Edith Whartons großer Verdienst ist es übrigens, dass man für alle Figuren Verständnis aufbringt, niemanden für sein Tun verurteilt. May mag ihren Beitrag dazu leisten, dass die Geschichte sich so entwickelt, wie sie es tut, aber doch sind es Newlands Entscheidungen, die schließlich den Ausschlag geben.

Die schmerzhafte Liebesgeschichte zwischen Newland und Ellen ist natürlich Drama pur. Ein Kaleidskop aus großen Gefühlen und unterdrückter Sexualität, die Wharton mit pointierten Dialogen spickt.

Die wunderbare Andrea Ott ist mir bereits positiv als feinfühle Übersetzerin von Jane Austen und Charlotte Brontë aufgefallen.“Zeit der Unschuld“ ist ein weiterer Beweis für ihre hervorragende Arbeit. Auch wenn ich leider keinen Vergleich zu den früheren Übersetzungen anstellen kann.

Der Roman hat übrigens nur 363 Seiten. Der Rest sind Anmerkungen und ein ausführliches, sehr interessantes Nachwort von Paul Ingendaay. Wer sich für die großen Klassiker der amerikanischen Literatur interessiert, der kommt an diesem Meisterwerk, für den Edith Wharton als erste Frau überhaupt den Pullitzer Preis gewann, nicht vorbei.
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Der Fluch von Cliffmoore (Jugendliteratur ab 12 Jahre)
Der Fluch von Cliffmoore (Jugendliteratur ab 12 Jahre)
von Laura Foster
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für alle Kerstin Gier Fans ein Geheimtipp!, 2. Dezember 2015
„Der Fluch von Cliffmoore“ ist der erste Band der Fluch-Trilogie und der Debütroman der Autorin Laura Foster, die bisher Drehbücher für Film- und Fernsehen geschrieben hat. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, hinter Laura Foster versteckt sich Kerstin Gier, denn Foster hat den gleichen erfrischenden Humor, der niemals aufgesetzt wirkt.

Leider bleibt der Roman an vielen Stellen zu oberflächlich und Lisa ist mir ein wenig zu brav. Sie hat für ihre Eltern immer Verständns und wenn Mutti sagt, sie solle nicht in ihrer Vergangenheit bohren, dann fragt Lisa nicht weiter, sondern geht artig auf ihr Zimmer. Auch wird die Handlung mit zu viel inhaltslosen Dialogen gefüllt, wie z.B. einigen Telefongesprächen zwischen Lisa und ihrem Vater, in denen eigentlich nichts passiert und die meist nach dem Austauschen von Begrüßungen fast schon wieder beendet werden.

Ob das Buch nun in England oder in Deutschland spielt, ist eigentlich unwichtig. Besonders viel Lokalkolorit konnte ich nicht feststellen und das sich Lisa als Teenager in einem fremden Land und in einer Sprache, die sie zwar spricht, die aber nicht ihre Muttersprache ist, so gut zurecht findet, mag auch etwas sehr optimistisch sein.

Das klingt jetzt erstmal alles eigentlich ganz schön negativ, aber nichts desto trotz haben ich diesen leichtfüßigen Serienauftakt wirklich gerne gelesen. Die Ich-Erzählerin ist sympathisch und kommentiert schlagfertig ihre typischen Teenagerprobleme, die glücklicherweise nicht zu klischeehaft ausgeschlachtet werden. Lisas Gedankengänge sind manchmal wirklich herzerfrischend komisch und sie hat mich manchmal sehr an Gwendolyn aus der Edelstein-Trilogie erinnert.

Ja, es ist sicherlich noch Steigerungspotential vorhanden und die Geschichte hätte etwas geheimnisvoller sein können, aber ich hoffe, Lisa wird in den Folgebänden etwas rebellischer und vehementer versuchen die Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken. Genug interessante Anknüpfungspunkte gibt es jedenfalls und Laura Fosters übersprudelnder Schreibstil macht es leicht über die kleinen Kritikpunkte hinweg zu sehen.


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