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leserattebremen

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Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman
Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman
von Rachel Joyce
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ernsthaft und etwas Besonderes, 29. Juli 2014
Zwei Sekunden braucht es, um das Leben von Byron und seiner Familie komplett aus den Fugen zu heben. Zwei Sekunden, in denen nur Byron sieht, wie ein kleines Mädchen vor das Auto seiner Mutter läuft und verletzt wird. Seine Mutter scheint nichts bemerkt zu haben und fährt im dichten Nebel einfach weiter. Als er ihr einige Zeit später erzählt, was passiert ist, bringt er ihr ganzes Leben durcheinander.
Byrons Familie ist eine klassische, englische Vorzeigefamilie. Die Kinder gehen auf eine Privatschule, seine Mutter ist zu Hause, kümmert sich um Haus und Garten und kocht. Der Vater ist nur am Wochenende da und erwartet den perfekten Schein, den er mit dem Haus und seiner Familie quasi gekauft zu haben scheint. Doch die Fassade bröckelt immer mehr und Byrons Mutter scheint an der Perfektion zu zerbrechen. Immer stärker wird sie in den Erzählungen ihres Sohnes zu einem fragilen, unsicheren Schatten der Frau, die sie sein will und die die Umwelt von ihr erwartet. Dass all dies aus der Sicht des Jungen Byron erzählt wird, macht die Geschichte so besonders, denn sein Blick auf die Handlung ist sehr ungewöhnlich.
Parallel erzählt die Autorin die Geschichte von einem älteren Mann, der in einem Supermarkt arbeitet und schon viel Zeit seines Lebens in psychatrischen Einrichtungen verbracht hat. Erst spät verbindet sich die Geschichte mit der von Byrons Familie, dennoch nimmt einen auch diese Handlung emotional sehr mit.
Rachel Joyce macht diesen Roman zu etwas Außergewöhnlichem, indem sie die Geschichte aus dem Blickwinkel eines Jungen erzählt, ohne Informationen hinzuzufügen, die Byron nicht hat oder die er als unwichtig erachtet. So muss man beim Lesen teilweise schon detektivisch darauf achten, was der Erzähler mit bestimmten Ausdrücken und Situationsbeschreibungen meint und sich immer klar machen, dass man durch die Brille eines Kindes schaut und nicht den Schilderungen eines über den Dingen stehenden Erzählers Glauben schenken kann. Durch diese Tatsache berührt die Geschichte einen jedoch auch besonders, denn Byron wächst einem in seiner etwas seltsamen Verschrobenheit schnell ans Herz und man möchte ihm manchmal helfen und erklären, was sich in seiner Familie vor seinen Augen wohl gerade abspielt.
Wer beim Lesen einen zweiten Harold Fry erwartet hat, wird überrascht sein von der Tiefe und Ernsthaftigkeit der Geschichte. Doch wenn man sich darauf einlässt, weiß Rachel Joyce auch dieses mal zu begeistern.


Bretonische Verhältnisse: Ein Fall für Kommissar Dupin
Bretonische Verhältnisse: Ein Fall für Kommissar Dupin
von Jean-Luc Bannalec
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Spannung im Stil der guten alten Krimis, 30. Juni 2014
Kommissar Dupin als eingefleischten Bretonen zu bezeichnen wäre ganz sicher übertrieben, doch er hat sich an die Bretagne gewöhnt. Bereits vor fast drei Jahren wurde von Paris zwangsversetzt, weil sein Umgangston mit Vorgesetzten mehr als ein wenig zu wünschen übrig lässt. Jetzt muss in dem Mord an einem 90-jährigen Hotelbesitzer in einem nahegelegenen Künstlerort ermitteln, in dem schon Gauguin seine berühmten Werke malte.
Die ganze Geschichte und die Ermittlungen von „Monsieur le Commissaire“ haben mich sehr an Romane von Agatha Christie erinnert. Seine Art, an Fälle heranzugehen ist davon geprägt, dass er sich auf seine Sinneseindrücke und eine Art Intuition verlässt, wobei ihn seine Kollegen nur stören. Verständlicherweise treibt er sie in den Wahnsinn, wenn er sie ständig von A nach B beordert, ohne ihnen zu sagen warum, oder Leute zu Befragungen einbestellen lässt, die für seine Kollegen überhaupt keinen Bezug zu dem Fall haben. Wenn er nicht weiter weiß, läuft der einsame Wolf Dupin durch die Gegend und wartet auf die Eingebung, die manchmal kommt und manchmal auch nicht. Nur ungern lässt er sich durch herkömmliche Ermittlungsmethoden einengen. All dies macht den besonderen Charme dieses Protagonisten aus, der zwar seine Fälle lieber alleine löst, die Gesellschaft von Menschen (bei einem guten Essen) aber durchaus zu schätzen weiß. Beim Lesen vermittelt sich das Gefühl, es mit einem guten alten Krimi zu tun zu haben, in dem Fälle nicht von Forensikern und Pathologen mit Hightech-Gerät aufgeklärt werden, sondern von einem Menschen, der durch bloßes Nachdenken und Kombinieren seine Fälle löst. Damit hebt sich diese Geschichte positiv von vielen anderen Krimis ab und bietet dem Leser spannende Unterhaltung und fordert auch seine eigene Kombinationsgabe ein bisschen, wenn er mit dem Kommissar mithalten will.
Der Krimi „Bretonische Verhältnisse“ und Kommissar Dupin haben mich sehr positiv überrascht und überzeugen durch angenehme Charaktere mit besonderem Charme und eine originelle Geschichte.


Blinde Vögel
Blinde Vögel
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Ausgefallende Story und großartige Ermittler, 29. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Blinde Vögel (Broschiert)
Nach dem Geocaching-Fall haben es Beatrice Kaspary und Florin Wenninger erneut mit einem anspruchsvollen Mordfall zu tun. Ein junger Mann wird erschossen aufgefunden, neben ihm liegt eine erdrosselte junge Frau. Die Ermittler glauben zunächst an ein Paar, eine Tat aus Eifersucht, doch schnell rückt ein neuer Aspekt in den Mittelpunkt. Beide waren aktiv in einer Facebook Gruppe, in der die Teilnehmer sich über Gedichte ausgetauscht haben und scheinen sich bis vor einigen Tagen gar nicht persönlich gekannt zu haben. Als ein weiteres Mitglied der Gruppe seinen Selbstmord ankündigt, ist sich Beatrice Kaspary sicher, dass die Lösung des Falls nur in der Gruppe zu finden ist und beginnt sich mit einer falschen Identität intensiv in die Gespräche einzuschalten.
„Blinde Vögel“ ist einfach unglaublich spannend und mitreißend. Die Ermittler sind sympathisch beschrieben und bringen auch private Aspekte mit in die Geschichte, ohne dass diese die Geschichte dominieren. Auch wenn einem die Story am Anfang etwas absurd vorkommt, nimmt sie einen schnell gefangen und überzeugt durch eine klare Struktur und spannende Wendungen, die anfangs nicht zu erwarten waren. Auch die Ermittler scheinen von der Entwicklung der Geschichte genauso überrascht wie man als Leser selbst, was sowohl die Story als auch die Charaktere so glaubhaft macht.
Ich war von dem zweiten Thriller von Ursula Poznanski absolut begeistert und hoffe schon jetzt sehr auf einen dritten Band mit Kaspary und Wenninger als Ermittler.


Eines Abends in Paris: Roman
Eines Abends in Paris: Roman
von Nicolas Barreau
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein Moment der das Leben verändert, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Eines Abends in Paris: Roman (Taschenbuch)
Alain betreibt ein kleines Programmkino im Pariser Stadtteil Saint Germain und hat dafür eine erfolgreiche Karriere nach seinem Wirtschaftsstudium aufgegeben. Doch Filme sind sein Leben und das Programm des Kinos gestaltet er ganz nach seinen Interessen. Jeden Mittwoch Abend zeigt er einen alten Liebesfilm und oft kommen jeden Mittwoch Abend die gleichen Besucher. Unter anderem die mysteriöse Frau im roten Mantel, die jedes Mal in Reihe 17 sitzt und danach wieder geht. Als Alain sich endlich traut die Frau anzusprechen, verbringen sie einen wunderschönen Abend gemeinsam, doch danach verschwindet sie einfach aus seinem Leben. Er hat keine Telefonnummer und keine Möglichkeit sie zu kontaktieren- sie scheint sich einfach in Luft aufgelöst zu haben. Zeitgleich fallen der berühmte amerikanische Regisseur Allan Wood und die weltberühmte französische Schauspielerin Solène Avril in sein Leben ein und wollen in seinem kleinen Kino einen großen Film drehen. Ob das Verschwinden der einen Person mit dem Auftauchen der anderen Personen zusammenhängt?
Man hätte Nicolas Barreaus Roman „Eines Abends in Paris“ keinen passenderen Titel geben können, denn die Geschichte beginnt mit diesem einen bedeutenden Abend im Leben von Alain, an dem er mit seiner Traumfrau ausgeht. Doch der Autor schreibt hier keineswegs eine kitschige Liebesgeschichte mit dramatischem Drumherum, wie das Auftauchen des Hollywoodpersonals vermuten lässt. Der Roman ist getragen von der Stimmung, von der Romantik, die Alains verzweifelte Suche nach seiner Liebe ausstrahlt. Dennoch bleibt die Geschichte regelrecht ruhig und undramatisch und zieht einen unweigerlich immer weiter hinein in das Seelenleben von Alain. Man kann nicht aufhören weiterzulesen, weiter nach Spuren zu suchen, die erklären, wohin es die Frau im roten Mantel vertrieben haben könnte und warum. Allan Wood ist ihm dabei ein väterlicher und dennoch selbst verzweifelter Ratgeber, der ihn ungewollt auf eine falsche Fährte schickt.
Diese Roman ist wirklich etwas Besonders, mit Liebe geschrieben erzählt er von der großen Liebe, die man nie wieder loslassen möchte. Und Nicolas Barreau zeigt, dass nicht Kitsch und flache Charaktere das sind, was einen Liebesroman ausmacht, sondern diese besondere Stimmung, die man nur selten in einem Buch findet.


Gute Geister: Roman
Gute Geister: Roman
von Kathryn Stockett
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Unglaublich bewegende Geschichte, 25. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gute Geister: Roman (Taschenbuch)
Aibileen und Minny sind Hausmädchen und leben genauso wie die junge wohlhabende Skeeter in Jackson, Mississippi in den 60er Jahren. Doch während Aibileen und Minny wie alle schwarzen Angestellten für einen Hungerlohn rund um die Uhr arbeiten müssen, kann Skeeter es sich als weißes Mitglied der Oberschicht bei Bridgerunden und Teekränzchen gut gehen lassen. Doch Skeeter scheint die einzige in der weißen Gesellschaft von Jackson zu sein, die der Ungerechtigkeit ein Ende machen will. Und so beginnt sie, ein Buch über und mit den Hausmädchen zu schreiben. Während immer wieder schwarze willkürlich umgebracht werden, haben zahlreiche der Hausmädchen den Mut, Skeeter ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die positiven und die negativen Erfahrungen. All dies fasst Skeeter mit veränderten Namen und in einem erfundenen Ort in einem Buch zusammen. Alle beteiligten haben viel zu verlieren, falls ihre Identität auffliegen sollte, doch sie gehen das Risiko ein und erzählen ihre Geschichten.
„Gute Geister“ ist ein faszinierendes und bewegendes Buch. Die Geschichten der Mädchen sind keinesfalls ausschließlich negativ, viele erinnern sich mit viel Liebe an Kinder, die sie aufgezogen haben, gute Menschen, die ihnen geholfen haben. Doch die Willkür die sie immer wieder erfahren, trifft einen beim Lesen und auch wenn Skeeter etwas ändern will, wird schnell klar, dass sie als einzelne nicht viele Möglichkeiten hat. Sie verliert ihre Freunde und jeden Rückhalt in der Gesellschaft und wird immer isolierter. Doch auch wenn sie zu Aibileen eine enge Beziehung aufbaut, kann diese Freundschaft nicht funktionieren angesichts der gesellschaftlichen Gegebenheiten. So wird Skeeter eine einsame und fast tragische Figur, die sich der Situation nur noch durch Flucht entziehen kann. Trotz dieser traurigen Handlung überwiegen die positiven Elemente, der Stolz der Frauen auf das erreichte und den eigenen Mut ist bewegend. Kathryn Stockett ist es großartig gelungen, eine schwierige Epoche der Geschichte Mississippis in eine realitätsnahe und berührende Geschichte zu fassen und den Leser dabei noch zu unterhalten, ohne immer den erhobenen Zeigefinger zu schwingen und sich in Schuldzuweisungen zu ergehen.


On se left you see se Siegessäule: Erlebnisse eines Stadtbilderklärers
On se left you see se Siegessäule: Erlebnisse eines Stadtbilderklärers
von Tilman Birr
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Klappentext ist eigentlich das Beste am Buch, 25. Juni 2014
Tilman ist Ende zwanzig und hat sein Studium der Geschichtswissenschaften in Berlin beendet. Auf der Suche nach einem Job, der die Miete zahlt, landet er als Stadtbilderklärer auf einem der zahlreichen Touristenboote, die stündlich die Spree durch die Berliner Mitte rauf und runter dümpeln. In seinem Buch erzählt Tilman von allerlei kuriosen Begegnungen mit Menschen, die doch ein etwas spezielles Bild von Berlin und Deutschland haben.
Der Klappentext klang auf jeden Fall sehr witzig und viel versprechend, leider hatte ich das Gefühl, dass die besten Gags auch genau dort schon verschossen wurden und das Buch nicht viel mehr zu bieten hat. Die Geschichte lebt von den witzigen Passagieren, mit denen Tilman unterwegs ist, nur leider sind die gar nicht so kurios und witzig wie erhofft. Ein Landei, dass in eine Disco will? Als ob man so etwas Uncooles in Berlin noch hätte. Auch dass viele Menschen mit einem witzigen Dialekt daherkommen, wird für immer neue Kalauer verwendet, die sich aber wenig voneinander abheben und dass Buch schnell etwas öde und langatmig werden lassen.
Im Großen und Ganzen war das Buch zwar gut lesbar, hat aber enttäuscht. Ich hatte mir nach der Ankündigung doch einige abstrusere Szenen vorgestellt. So reicht es meiner Meinung nach einfach nicht, um ein ganzes Buch zu füllen.


Schweinskopf al dente: Ein Provinzkrimi
Schweinskopf al dente: Ein Provinzkrimi
von Rita Falk
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Enttäuschung, 25. Juni 2014
Der bayrische Provinzpolizist Eberhofer möchte eigentlich nur seine Ruhe, seine Freundin zurück und jeden morgen das gute Frühstück seiner Omi. Doch als der Richter Moratschek von einem verurteilten Mörder bedroht wird und dieser dann aus dem Gefängnis fliehen kann, bleibt ihm nichts anderen übrig, als Zeit mit dem Richter zu verbringen, um ihn zu beschützen. Erst recht nachdem dieser einen Schweinekopf in seinem Bett gefunden hat - das grenzt ja schon an mafiöse Methoden. Eberhofer muss also wohl oder übel ermitteln und Omis Frühstück ein paar mal ausfallen lassen.
Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem ich die Verfilmung von „Dampfnudelblues“ gesehen habe, die ich ausgezeichnet fand. Während der filmische Eberhofer facettenreich und unterhaltsam war, scheint die literarische Vorlage jedoch flach und langweilig. Die Story kommt meiner Meinung nach nicht richtig in Gang und beim Lesen blieb das Gefühl, es müsste noch irgendwas passieren, damit es überhaupt eine sinnvolle Handlung wird. Die Idee scheint zwar witzig und spannend, die Umsetzung bleibt jedoch leider farblos und etwas langatmig, denn Eberhofer springt hin und her zwischen den Ermittlungen im Kriminalfall, seiner Familie mit ihren Problemen und der Tatsache, dass seine Freundin nach Italien abgehauen ist. Ein stringenter roter Faden ist schwer zu finden, so dass keine Spannung aufkommt und auch die Figuren blass zurückbleiben.
Abschließend war ich enttäuscht von dem Roman und hoffe dennoch auf weitere witzige und unterhaltsame Verfilmungen.


Das geheime Spiel
Das geheime Spiel
von Kate Morton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte, die berührt, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das geheime Spiel (Taschenbuch)
Wenn Kate Morton eine Geschichte entwickelt, hat diese Gefühl und Spannung, sie nimmt den Leser mit in eine andere Welt und lässt ihn Figuren entdecken, die ihn berühren. Genauso ist es auch in ihrem Roman „Das geheime Spiel“, in dem die Hauptfigur Grace sich als alte Frau an ihr Leben Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert. Damals war sie Hausmädchen bei Lord und Lady Ashburry und lernte die Kinder David, Hannah und Emmeline. Sie begleite sie durch Liebe und Verlust, Angst und Verzweiflung angesichts der Schicksalsschläge, die sie in den unsteten Zeiten während des ersten Weltkriegs und später in den wilden zwanziger Jahren ereilen. Dabei wird die Geschichte überschattet von dem alles entscheidenden Unglücksschlag, dessen wahre Entstehung nur Grace zu kennen scheint. Und so bewegt man sich mit ihr unweigerlich auf die große Katastrophe zu.
Die authentischen Figuren und detaillierten Beschreibungen lassen einen sofort tief in die Geschichte eintauchen, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legt. Die Personen wachsen einem ans Herz, die emanzipierte, eigensinnige Hannah ebenso wie die verzogene und vergnügungssüchtige Emmeline, die mit ihren Exzessen Ablenkung von einer lieblosen Kindheit zu suchen scheint, abgestellt bei Kindermädchen und Zofen, die jedoch keine Eltern ersetzen können. Trotz ihrer Individualität sind die Figuren auch Stereotypen ihrer Epoche. Die Frauenbewegung beginnt das Wahlrecht und Selbstbestimmung einzufordern, während es den reichen Erbinnen der englischen Oberschicht zwar nicht an Geld mangelt, aber an heiratsfähigen Männern, da viele ihrer Generation im ersten Weltkrieg starben. Der Titel von Lord oder Lady allein sind nicht mehr ausreichend, der amerikanische Geldadel beginnt mit den alteingesessenen Briten zu konkurrieren und schlägt sie wirtschaftlich ein ums andere mal. All dies fasst Kate Morton in ihrem Portrait einer Familie und ebenso einer Epoche zusammen und schafft ein umfassendes, berührendes Bild von Menschen, die mit oder gegen ihre Zeit leben.
In „Das geheime Spiel“ nimmt die Autorin ihre Leser mit auf die Reise in eine andere Zeit und lässt einen selbst diese beim Lesen vergessen. Das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.


Das fünfte Zeichen: Harry Holes fünfter Fall (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 5)
Das fünfte Zeichen: Harry Holes fünfter Fall (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 5)
von Jo Nesbø
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Unglaubliche Spannung, 25. Juni 2014
In diesem Fall bewegt sich Harry Hole mal wieder dicht an der Grenze zur Illegalität und verliert sogar seinen Job, weil seine Methoden und seine Alkoholsucht ihn zu einem unkontrollierbaren Faktor in den Ermittlungen machen. Und diese haben es mehr als in sich. Eine Leiche wird gefunden und die Obduktion ergibt, dass sich unter ihren Augenlidern ein fünfzackiger Diamant verbirgt. Welches Zeichen will der Mörder damit setzen? Als weitere Leichen auftauchen wird klar, dass die Polizei es mit einem Serientäter zu tun hat, der eiskalt und nach System mordet. Obwohl Kommissar Hole inzwischen suspendiert ist, ermittelt er weiter und kommt der Lösung des Falls gefährlich nahe.
Harry Hole ist wie immer einmalig, an Grusel und Spannung kaum zu überbieten. Harrys zerrissenen Psyche drängt sich dabei immer wieder in den Vordergrund, er ist der klassische Ermittlertyp des einsamen Wolfs. Der Verlust seiner Kollegin Ellen, für deren Tod er einen Kollegen verantwortlich macht, und die Trennung von seiner Freundin Rakel und deren Sohn Oleg verstören ihn zutiefst und treiben ihn immer tiefer in die Sucht. Und diese Sucht ist nicht nur der Alkohol, sondern auch der Tanz auf dem Vulkan bei der Suche nach dem Serienkiller. Immer wieder bringt er sich selbst in Gefahr und ohne zu wollen auch Rakel und Oleg. Denn der Killer weiß genau, wo seine schwache Seite ist und versucht so den gewieften Ermittler auszuspielen.
"Das fünfte Zeichen“ ist hochgradig mitreißende Krimiunterhaltung und gehört bei jedem Krimi- und Thriller-Fan - wie im übrigen auch alle anderen Harry Hole Romane - ganz vorne in das Bücherregal.


Die fernen Stunden: Roman
Die fernen Stunden: Roman
von Kate Morton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Die Suche nach der Vergangenheit, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Die fernen Stunden: Roman (Taschenbuch)
Edith Burchall wird durch Zufall auf die Vergangenheit ihrer Mutter aufmerksam, als ein 50 Jahre alter Brief zugestellt wird. Dieser stammt von einer alten Freundin, bei der sie 1940 während der Evakuierung aus London auf Schloss Milderhurst lebte. Edith beginnt über das Schloss zu recherchieren, wo die drei Schwestern Percy, Saffy und Juniper Blythe seit Jahren abgeschieden leben und das schwere Erbe ihres Vaters verwalten, der mit der Geschichte vom Modermann einen literarischen Klassiker schrieb.
Zunächst scheint es beim Lesen, als wäre Edith Mutter Meredith die Protagonistin der Geschichte, doch schnell wird klar, dass sie nur eine Art Auslöser ist, der Edith dazu bringt die wahre Geschichte herauszufinden. Dabei wird immer deutliche, dass die Fiktion der Modermann-Geschichte untrennbar mit dem wahren Leben der Blythe-Schwestern verbunden ist und die jüngste Schwester Juniper sogar in den Wahnsinn getrieben hat. Der Vater hat die Schwestern an das Schloss gekettet, in dem die Geschichte spielt und das aus Geldmangel um sie herum immer weiter verfällt. Die Geschichte beeindruckt besonders durch die starken Charaktere und die vielen Aspekte der Story, die die Autorin jedoch problemlos zusammenführt und wieder trennt, was die Handlung so spannend und nervenaufreibend macht. Als Leser folgt man vielen Andeutungen, die einen in die falsche Richtung führen, um sich dann um so überraschender aufzulösen. Fantasie und Fiktion auf der einen Seite kollidieren immer wieder mit der Realität, in der die Schwestern leben und manchmal fällt es schwer, beides auseinander zu halten. Dies passt aber gut zu dem gesamten Leben auf dem Schloss, denn auch die Schwestern haben sich mit ihrer Vergangenheit wie in einer fiktiven Geschichte eingerichtet, die sie nicht ändern können, in der sie jedoch brav ihre Rollen spielen müssen.
„Die fernen Stunden“ ist mit Abstand der bisher literarischste und tiefgehendste Roman von Kate Morton und überzeugt durch Spannung und ausgefallene Charaktere.


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