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Rezensionen verfasst von
silbertanne4 "silbertanne" (Offenbach)
(HALL OF FAME REZENSENT)   

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A Beard of Stars
A Beard of Stars
Preis: EUR 11,99

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ruhige märchenhafte Musik, von Tolkien beeinflusst, 8. November 2004
Rezension bezieht sich auf: A Beard of Stars (Audio CD)
Plattenhülle und Titel passen zum Inhalt. Musik aus Londons Hippie-Tagen.
- Seit "Unicorn" hatte sich ein wenig bei "Tyrannosaurus Rex" verändert. Steve Took überwarf sich mit Marc Bolan. Er wurde durch den ähnlich rätselhaft/sanft und dürerhaft aussehenden Mickey Finn ersetzt. Auf der Bühne blieb der neue Percussionist im Hintergrund .
Weniger bekannt: Fast alle Titel hier waren noch mit Steve Took eingespielt worden. Aus rechtlichen Gründen wurden dessen Beiträge auf den Tonbändern ausgeblendet und durch Marcs und Tony Viscontis (?!) Percussionspiel wieder ergänzt. Es war nicht genügend Zeit gewesen, den neuen Bongospieler für die LP-Produktion einzuarbeiten.
Neu war die Verwendung von elektrischer Gitarre, neben der typisch akustischen Basis. Marcs Stimmlage wirkt kontrolliert und zugänglicher, auch hatte der Schulfreund David Bowies seine studiotechnischen Kenntnisse erweitert.
- "By the lights of the magical moon" ist bis dato der radiotauglichste Song des Duos. Eine hübsche Melodie mit romantischem Text, nicht so abgehoben wie manch andere Lyrik. Sie spielten ihn auf dem Festival der "Isle of Wight".
- "Daye Layne": polyphon, mehrspurig aufgenommene Gitarren. Marc wurde manchmal für sein Spiel kritisiert. Ich finde seinen Stil einfach und originell, schwer zu kopieren.
- "Pavillons of the sun": ein akustischer Song mit einem E-pedal Solo.
- Am besten gefallen mir 3 Tracks, mit deren Beschreibung ich mich schwertue : Dove, Great Horse und Lofty Skies: Beautiful, graziös?
- A Beard of Stars: der Titeltrack kommt ohne Gesang aus. Ein emotionales Gitarrensolo, trotz Marcs bassartig-fetten E-Tupfern paßt der Titeltrack in die feenhaft ruhige Grundstimmung der Platte. Eine Anspielung auf das Märchen "Sterntaler", ähnlich wie "The Root of Stars" ein Jahr später.
- "Wind Cheetah": Recht unheimlich, heute sagt man vielleicht gotisch. Die seltsame Orgel, der gesprochene monotone Text und das dämonisch klingende Gitarrensolo lassen die freundlich-kindliche Atmosphäre für kurz verschwinden.
- Klasse, bei so vielen Boni 5 Punkte. Persönlich vermisse ich noch die 45-er "King of the Rumbling Spires", kurz vor der LP veröffentlicht ...
Ein paar Titel stören mich etwas, z.B. das laute "Elemental Child".
Eine Platte für Nostalgiker ... und evtl. neue junge Fantasy-Fans. Nach der DVD "Die Gefährten" laden "A Beard of Stars" oder "Unicorn" nunmehr musikalisch in eine ähnliche Märchenwelt ein. Auch bei einer Flasche Rotwein und Räucherstäbchen kommen die beiden Platten recht gut, selbst wenn man gar nicht auf die Texte achtet.
In den wenigen Hippie-Jahren hat London der Nachwelt ein paar Klassiker hinterlassen:
"The Piper at the Gates of Dawn" (Syd Barretts Pink Floyd), "Seargeant Peppers", What we Did on our Holidays & Liege and Lief (Fairport Convention), Baket of Light (Pentangle), das Debüt "The Crazy World of Arthur Brown", "Space Oddity" (David Bowie akustisch und noch lieb) und nicht zuletzt "Unicorn" & "A Beard of Stars" von Tyrannosaurus Rex. Die brit. Filme "Blow UP" und das psychedelisch-bunte "Casino Royale". In Deutschland waren es "Phallus Dei" und "Yeti" von Amon Düül.


War Child - Remastered
War Child - Remastered
Preis: EUR 7,97

1 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein paar Lieder sind gar nicht so übel, 7. November 2004
Rezension bezieht sich auf: War Child - Remastered (Audio CD)
Von der Produktion eine ihrer ausgefeiltesten HiFi-LPs: Viele Instrumente (Akkordeon, Streicher, Dudelsack), Soundeffekte, Bombast und Synthesizer.
Minuspunkte leider wegen den Kompositionen. Das meiste blieb/bleibt (bei mir) nicht haften.
- Skating away ist mit Abstand das beste von War Child. Akustische Gitarren und sparsame Elektronik begleiten eine einprägsame Melodie.
- Der Titeltrack klingt überproduziert mit Soundkosmetik und disharmonischen Riffs. Die Luftalarm-Sirenen am Beginn bewegen sich jenseits des guten Geschmacks, ebenfalls der schwerverständliche Text. Das Kriegskind sucht Ian Anderson nicht etwa bei Harris oder Göring, er personifiziert War Child allen Ernstes mit einer metaphysisch/religiösen Instanz. Und führt damit trotzig die wirre Thematik von Passion Play weiter, bereits im Vorjahr von den Kritikern und Publikum mit wenig Begeisterung aufgenommen.
- die Single Bungle in the Jungle: Alberne Wortspiele mit Urwaldtier-Geräuschen passen eher auf eine Kinderkassette, nicht zu Jethro Tull.
- Sealion: treibende Geschwindigkeit führt zu einem dramatischen Streichercrescendo, allerlei altertümliche Instrumente veredeln den Seelöwen.
- Only Solitaire hätte auf Minstral in the Gallery gepaßt. Mittelalterliche Akustik auch bei
- The Third Hoorah, eine Art schottischer Tanz, stark von Ian`s mitreißender Flöte getragen.
- Two Fingers kann dem gleichnamigen Song auf (der remasterten) Aqualung-CD nicht das Wasser reichen. Der selbe Text wird hier von dissonanter und lustloser Begleitung rezitiert, es ist schier unmöglich Two Fingers mitzusummen.
Von den Boni ist der War Child Waltz originell, ein reizvolles Experiment den Titelsong in klassische Musik umzuwandeln. Dies gelang schon einmal auf ihrer Collage mit dem Londoner Symphonie-Orchester.
- Saturation und Quartet passen recht gut in die elizabethanische Stimmung der besseren Basistracks.
Die vielen Jethro Tull Fans hierzulande werden um den Kauf nicht herumkommen, da einiges beim wiederholten Hören durchaus seinen Reiz entfaltet. Wem die filigrane Produktion gefällt kaufe zuvor (den melodienreicheren) Minstral in the Gallery und das (unterbewertete) Passion Play.


Houses of the Holy
Houses of the Holy
Preis: EUR 7,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Mischung aus ruhigem Folk und ein paar härteren Songs, 12. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Houses of the Holy (Audio CD)
Houses of the Holy" war das erstes Album der Gruppe, daß ich bewußt im Bayern2-Radio mitbekam. Ich war noch ein Kind, dachte bis dato, daß Led Zeppelin eine weibliche Sängerin hatte. Der emotionale Kontrast der feminin/kindlichen Vocals und den schweren Drums von Bonham war originell. Ähnlich III. bestand die Platte zum größeren Teil aus ruhigen folk-orientierten Songs.
Ich erinnere mich etwas, daß das Album in den Zeitungen (Bravo, Pop, ME, FAZ) sehr gemischt aufgenommen wurde. Für mich noch heute eine gute und stimmungsvolle Platte, man muß als Käufer nicht unbedingt Fan der Gruupe sein. Auch Hörer von Genesis oder Yes mochten diese Scheibe.
Meiner Meinung hat das Album nur einen langweiligen Song (Crunge). Was man von den anderen Led Zeppelin Alben nicht unbedingt sagen kann, die häufig zur Hälfte aus schwächeren Kompositionen bestehen. Das Album hatte auch einen besseren Aufnahmesound als IV. Die Covergestaltung ist auch orginell und erinnert wieder an keltische Mythen.
- Over the Hills: Eine akustische romantische Gitarreneinleitung, ein gutes Riff, einducksvoller Gesang!
- Rain Song: Ruhig, lang, Liebeslyrik. In die Stimmung leitet ein Mellotron ein, Jimmy Page spielt wieder zweihalsigen Gitarre.
- "the Ocean" wurde auch als Single ausgekoppelt und war 1973 Konzertopener. John Bonhams Rufe leiten den harten Song ein, der ein intimes Bekenntnis der Gruppe zu ihren Fans war. Interessant ist auch der Text über Robert Plants 3-jährige Tochter. Gesanglich scheint er hier von ihr beeinflußt gewesen zu sein, Plants Kinderstimme bringt sogar Kinderreime in den Mittelteil.
- D`yer Maker heißt eigentlich "Did you make her?". Der etwas anzügliche Text ist instrumental fast eine Reggae-Nummer und erinnert etwas an "Medicine Head". War auch auf 45-er Vinyl.
- "No Quarter", der längste Track zeigt Plants mystische Neigungen. Keltische/germanische Geister suchen eine Bleibe ohne nach Quartier zu fragen. Die Stimmung ist ähnlich wie auf "Rain Song" laid back.
- "Dancing Days" klingt etwas arabisch und monoton. Dennoch ein reizvolles Experiment.
- "The Song remains the same" war nicht der geeignete erste Track, aber das Gitarrensolo in der Mitte ist klasse.
Mit III. das beste Album der Band, finde ich.


Preussen ohne Legende
Preussen ohne Legende
von Sebastian Haffner
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer auf der Suche nach der guten Geschichte des Landes ..., 21. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Preussen ohne Legende (Taschenbuch)
... ist, sollte es mal mit Preussen versuchen.
Sebastian Haffners Buch ist reich und farbig bebildert, alleine deshalb lohnt der Kauf. Trotz der ein oder anderen Kritik spürt man, daß Haffner die preußische Geschichte von 1701 bis 1918 bevorzugt, im Vergleich zu jener des Deutschen Reiches (1871 - 1945) als auch die der BRD/DDR. Der Schwarze Adler war über 2 Jahrhunderte die höchste Auszeichnung und trug die Inschrift "Jedem das Seine".
Weiterer Pluspunkt von "Preussen ohne Legende" ist der knappe Text und das Geschick Haffners, mit wenig Sätzen den Leser spannend zu unterhalten. Besonders interessant:
** Die Zeit Friedrich des Großen: Das Preußen im 18. Jh war der modernste Rechtsstaat Europas, ein Kind der Aufklärung. Friedrich II. war für sein kulturelles Interesse auf vielen Gebieten bekannt. Auch für seine Eroberungskriege, was ihn nicht von anderen Staaten seiner Zeit unterschied.
Preußen stand auch für neue religiöse Toleranz. Einwanderer jeder politischen und konfessionellen Couleur waren willkommen. Haffner entmystifiziert etwas: diese Toleranz beruhte auch auf religiösem Desinteresse, von den Einwanderern wurde auch einiges gefordert.
** Die Zeit Napoleons: Österreich, England, Russland und Preußen befreiten Europa von Bonapartes Herrschaft ...
Nun am Beginn des 19. Jh. war Preußen auf der Suche nach einer neuen Identität. Im Jahrhundert vorher machte es Geschichte als modernes und geachtetes Staatsgebilde, doch etwas artifiziell und trocken. Preußen fand es in der Romantik: Literatur, Musik und Malerei. Die Rückbesinnung auf ein christliches Erbe (im Dreibund mit Österr. und Russland) holte Preußen sein fehlendes Mittelalter nach. Eine ganze Bewegung an Künstlern produzierte in Dresden, Weimar und Berlin eine Fülle an Werken: D.C. Friedrich, Schinkel, Kleist, E.T.A. Hoffmann, ... Selbst beim Militär hielt die Romantik Einzug, der große Zapfenstreich begann um diese Zeit mit einem religiösen Choral?!
Leider dauerte die romantische Epoche nur wenige Jahrzehnte. In den Bildern D.C. Friedrichs waren bereits nationale Untertöne zu erkennen. Man wandte sich wieder realeren Dingen zu.
** Bismarcks und Kaiser Wilhelm I. Deren Herz hing eher an Preußen als an dem neuen deutschen Reich mit all seinen Unsicherheiten. Preußen war mit dieser Ausdehnung damals mehr als saturiert (befriedigt). Das (sich neuerdings mit seiner Sprache identifizierende) junge Reich war von Anfang an unzufrieden. Gab es da nicht ähnlich sprechende Leute in Österreich, Schweiz, Elsaß oder Danzig? Gehören die Gebiete nicht eigentlich "uns"?
** Es war ein illoyales Verhalten der Bevölkerung, 1918 nichts mehr mit der Monarchie zu tun haben zu wollen. Mit dieser Regierungsform hatte die Bevölkerung seit 1701 vergleichsweise gut gelebt. Und wegen des verlorenen Weltkrieges, das war doch wirklich kein Argument. Die Bevölkerung hatte den ersten Weltrieg mindestens so herbeigesehnt wie Wilhelm II., der nun an allem schuld gewesen sein sollte. Eine weitere Regentschaft der Hohenzollern wäre wohl die bessere Alternative zu dem Chaos der Weimarer Republik und Hitler gewesen. Warum die Deutschen Hindenburg seine militärischen Fehlentscheidungen verziehen hatten und (dem eher kriegsdesinteressierten) Wilhelm II nicht, das kann ich nicht verstehen. Immerhin hatte dieser Kaiser dem Lande auch 25 Friedensjahre mit Weltgeltung beschert.
** Ein letztes Mal schrieb Preussen 1919 - 32 unauffällig gute Geschichte: In der Weimarer Republik, als Freistaat Preussen. Es gab mit Otto Braun nur einen Ministerpräsidenten. Eine solide Insel zu den allgemeinen Wirren, die NSDAP hatte dort vergleichsweise wenig Wählerstimmen.
** Franz Papen löste (noch vor der Regierungsübernahme Hitlers)Preußen in einem verfassungswidrigen Akt mit einem Todesstoß auf. Alle Minister mußten ihren Sitz unter Gewaltandrohung verlassen.
** Das theatralische Spektakel - unter falschen Etiketten - um 1933/34 mit Hindenburg und Hitler auf der gemeinsamen Rednertribüne: Das hatte mit Preußen nicht mehr das geringste zu tun. Preußen steht keinesfalls in einer Verbindung mit Hitlerdeutschland, da es ein Rechtsstaat war. Den Rechtsstaat eliminierte Hitler 1933 als erste Amtshandlung.
Das Buch ist ein guter Einstieg in die Geschichte Preußens, der geringe Preis und die schönen Gemälde machen es zu einem günstigen Kauf.
Anmerkung: Persönlich hätte ich eine große 200-Jahresfeier 2001 zum Andenken an Preußen für gut geheißen, als auch die Umbenennung einiger östlichen Bundesländer in "Preußen".
Warum wollen wir 200 gute Jahre unserer Vergangenheit eigentlich nicht kennenlernen? Es gibt ein großes Interesse hierzulande an Filmen über die beiden Weltkriege. In Ordnung.
Doch warum haben selbst deutsche Akademiker kaum Allgemeinwissen/Interesse an Preussen? Oder aus welchem Grund stammen die positivsten Biographien über den alten Fritz aus französischer Feder? Wieso erscheinen in Amerika viel mehr Bildbände über David Caspar Friedrich als in Deutschland?
Warum kommen selbst neue Historikererkenntnisse über Adlolf Hitlers Schäferhund eher in die Zeitungen als schöne Abbildungen von München, Berlin oder Dresdens im 18./19. Jh.?
"Bad News are Good News" gilt vielleicht als eine Regel bei Schlagzeilen in der Sensations-Presse. Doch nicht bei der Bildung eines geschichtlichen Bewußtseins über sein eigenes Land.


Blondie/Plastic Letters
Blondie/Plastic Letters

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die ersten beiden Blondie LPs aus der Punk-Ära, 11. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Blondie/Plastic Letters (Audio CD)
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für diese beiden LPs, zwei Klassiker des Punk / Pop.
1976 hatte diese Bewegung ihren ersten Frühling und die Debüts von Blondie, Television und den Ramones bekamen begeisterte Kritiken. Die Gruppe blickte auf eine wachsende Anhängerschaft in New York zurück - bei Konzerten im Max Kansas City und in ihrem Stammlokal CGBG. Nie mehr war der Punk-Einfluss so stark zu hören wie hier.
- "X"-Offender leitet in die typische Frische und Spielfreude der kurzen Songs ein. Durch die Kirmes-artige Orgel des Keyboarders Jimmy Destri kommt eine Stimmung wie in einem Vergnügungspark auf. Der Bassist Gary Valentine spielt hier mal Gitarre.
- "In the flesh" ist die vielleicht schönste Ballade, die der Punk hervorgebracht hat. Wie bei den Ramones bin ich immer wieder von der emotionalen Bandbreite New Yorker Künstler beeindruckt, die von Zärtlichkeit bis zu Sarkasmus reichen kann und die auch den härtesten Alltagssituationen ein wenig Poesie abgewinnt. In the Flesh hatte ein gutes Video, in dem Deborah H. den Song mit kindlichem Charme vorträgt.
Obwohl ich "Plastic Letters" bevorzuge ist auf "Blondie" kaum ein schwacher Track zu finden (außer "Giant Ants" der den Tiefpunkt karikiert, in dem sich der Horrorfilm um diese Zeit befand). Die Songs scheinen aus einem Guß, kommen schnell und vergehen (viel zu) schnell wie die Höhen und Tiefen einer Achterbahnfahrt Weitere Highlights:
- "Look good in Blue"
- "Rip her to shreads" mit einem guten Riff von Stein.
Blondie mauserte sich schnell zur erfolgreichsten New-Wave Band, nicht zuletzt wegen erstklassigen Musikern wie Schlagzeuger Clem Burke und der textil-sparenden Präsenz Deborah Harries, die den Teenagern auf Postern den Kopf verdrehte.
Die Extra-Tracks sind ok, in "Platinum Blonde" ironisiert D. Harry ihr eigenes Image.
Nach dem Niedergang der alten Gruppen wie Yes oder Led Zeppelin hatte die Musikszene eine neue Richtung bekommen. Das Start-Fanal war das legendäre "Horses" von Patti Smith um die Jahreswende 75/76. Mit den Ramones, Blondie (USA) und mit Damned, Stranglers und Clash (England) kamen Bands in die erste Liga des jungen Punk.
- "Plastic Letters" von 1977, die letzte, wo noch Punk-Einflüsse zu spüren waren. Seltsamerweise finden sich auf den Best-Of Zusammenstellungen der letzten Zeit kaum Lieder von hier. Außer natürlich:
- "Denise" (No 1 in den englischen Charts) und dem bezaubernden
- "By your Presence Dear", auch ein Single-Erfolg. Die Stärke der Scheibe: fast alle Tracks gehen leicht ins Ohr, gute Meldodien (außer Kidnapper und Detroit), besonders gut:
- "Fan Mail", eröffnet so rasant und plötzlich, daß man fast zusammenzuckt. Ein Heavy-Rocktrack von Blondie: Das "Riff" kommt hauptsächlich aus der Orgel, Keyboarder Destri hat den Song komponiert. Er besticht auch in
- "Bermuda", wo das mal fiebrige - mal jahrmarktartige Keyboard brilliert, was an die populärste Zeit der Hammond-Orgel (Colosseum, Atomic Rooster) um 1970 erinnert.
- Auch das temperamentvoll "Contact in Red Square" ist ein Tasten-Highlight.
- "love at the pier", wieder sehr rasant. Hier spürt man den bissigen, "street-wise" Humor von Deborah Harry, die hier in die Rolle eines männlichen Homosexuellen geht.
- "No Imagination" klingt etwas traurig. Eine andere Ballade ist der letzte Track - "Caution Lip".
Plastic Letters hat beeindruckt durch ihre fast ausnahmslos guten Kompositionen. Die Texte sind manchmal ein gezielter Schlag in die Plastik-Fratze der US-Gesellschaft (Bermuda Triangle, Kidnapper, Youth Snapped as Sniper), ein Schlag, den zeitgleich "Ultravox" und "Stranglers" mit ihren Debüts der englischen Society versetzten.
Über solche gesellschaftl. Mißstände verliert Blondie aber nicht die Lust ein paar Liebeslieder beizusteuern, die den mitternächtlichen und artifiziellen Neon-Charme von "Plastic Letters" mitgestalten. Deborah Harry sah auf keinem Cover mehr sexy aus als hier, sie beflügtelte damals wohl jede Phantasie vom Girlie bis zur erfahren Lady.
Ohne die beiden ersten LPs von Blondie ist eine Sammlung der Siebziger unvollständig. Bei dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sollte man zugreifen. Für junge Hörer, die Blondie nur von "Heart of Glass" kennen, kann die Zeitreise (27 Jahre)spannendes Neuland bedeuten.


Geschichte eines Deutschen: Die Erinnerungen 1914 - 1933
Geschichte eines Deutschen: Die Erinnerungen 1914 - 1933
von Sebastian Haffner
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leicht lesbare Kindheits- und Jugenderinnerungen, 10. Juli 2004
... aus der Kaiserzeit, Weimarer Republik und dem ersten Regierungsjahr Hitlers. Eines 1907 (nicht Spät-) geborenen.
Mit vielen s/w Fotos. Das originelle ist, daß es in den späten Dreißigern verfaßt wurde. Seine Erinnerungen sind ein besorgtes Bild zum Verfall der traditionellen Werte 1914-33, aber auch freundliche und graziöse Farbtupfer aus jener Zeit. z.B.:
-- August 1914: Herrliche Sommertage, es waren noch Schulferien. Sebastian wird von der Mobilmachung mitgerissen. In den nächsten 4 Jahren wird kein Wochentag ohne Lesen der Heeresberichte mehr sein. Das Aufrechnen von Panzern oder Divisionen bringt Spannung in sein Leben und das seiner Schulklasse. Die Kapitulation 1918 läßt in ihm eine Welt zusammenbrechen.
-- Revolution 1919: Leider trübes Novemberwetter, eine (kriegs-)müde Bevölkerung, keine Begeisterung für eine Sache, die eigentlich gar nicht so übel schien. Ein wichtiges bis heute verdrängtes Jahr. Der Unmut der Masse artikulierte sich in revolutionären Straßenschlachten. Die sozialdemokratische Revolution wird von ihrem Führer Ebert - erst seit kurzer Zeit an der Macht - seiner Ansich verraten, indem er das Militär auf die demonstrierende Masse losläßt. Rosa Luxenburg und Karl Liebknecht werden "auf der Flucht erschossen". Im Laufe der monatelangen Straßenkämpfe wird auch Sebastian H. Schule beschossen, der Rektor tödlich getroffen. Haffner meint, mit einer gewonnenen sozialdemokratischen Revolution wäre die deutsche Folgegeschichte anders verlaufen. Viele Parteigenossen verloren damals das Vertrauen in die Spuialdemokratie. Die Masse selbst war damals oft Mittelpunkt in Film und Theater, z.B. Metropolis oder die Nibelungen. Als auch eine rechte Revolution mit dem Kapp-Putsch scheitert, verliert er und seine Schulklasse das Interesse an politischen Dingen. Allerdings beginnen in dieser nihilistischen Stimmung einige andere Mitschüler erst jetzt politische Aktivitäten (Nachtmärsche mit Schlagringen, gefährliche Plakataktionen, plötzliches Interesse an Rassetheorien inmitten eines multikulturellen Berlins)
- Walter Rathenau: Nach Haffner einer der größten Männer des Jahrhunderts an Charakter, Charisma und universeller Bildung. Dieser wurde nach kurzer Regierungszeit von jungen Attentätern erschossen, sein Tod aber posthum von vielen betrauert. Sebastian H. bekommt das Gefühl, daß links angehaucht Politik nie klappt.
- 1923, Ruhrbesetzung, Inflation der Superlative, Währungskurse in Millionenziffern: Haffner sieht den Rest der traditionellen Werte in diesem Jahr in gänzlich verschwinden. An der Börse/im Beruf war schnelles Handeln gefragt, preußische Geduld und Muße bedeutete verpaßte Chancen. 21-jährige wurden über Nacht reich und Direktoren von Unternehmen. Morbide Dandymode, Champagner und demonstrativer Zynismus war der letzte Schick. Religiöse und politische Erlöserfiguren mit langem Haar und/oder fanatischen Blick machten die Großstädte unsicher. Z.B. Häussner, Hannussen oder Hitler.
-- Stresemann: Ab 1924 normalisierte sich das Leben. Einführung der Reichsmark, viele Artikel für 10 Pfennige gibt es wieder auf dem Weihnachtsmarkt. Die 21-jährigen Bankdirektoren kehren ernüchtert in Gehilfenjobs zurück, ältere erfahrenere Menschen treten an ihrer Stelle. Katerstimmung.
Er erinnert sich in dieser Katerstimmung, daß die Mehrheit des LAndes jene neuen geordneteren Friedensjahre nicht freudig begrüßte. Die Jugend seiner Generation war auf Schlagzeilen wie Armut, Hunger, plötzlicher Reichtum, Nation X kämpft gegen Nation Y, Tod etc. sensibilisiert und empfand die Jahre ab 1924 als langweilig und öde. Mit Neid blickt der Jugendliche auf andere die Pläsiere anderer Nationen: Tiere, Hobbies, das Ritual des Essens, Spiele, Hobbies, Kinder, Haus und Garten.
Der Autor bedauert, daß all dies den damaligen Deutschen keine Freude bereitete. Mit der Ausnahme einiger bürgerlichen Kreise und lebenslustigerer Länder im Süden wie Rheinland und Bayern.
Er hat auch schöne Erinnerungen: Die internationale Atmosphäre, erste Lieben, die Gespräche werden heiterer und weniger verbissen als in den Vorjahren. Berlin avanciert zu Europas kultureller Metropole. In seinem Sportverein gab es viele Nationen. Brasilianerinnen, Russen, Portugiesinnen, Italienerinnen. Alle waren verliebt in Deutschland und die Stadt Berlin, ein paar auch in Sebastian H. Dieser graziösen und ungezwungenen Atmosphäre trauerte Haffner später nach. Diese Jugenderinnerungen sowie seine traditionell preußische Familie trug dazu bei, daß er gegen Umsturzpropaganda von KPD und NSDAP immun wurde.
- Die Regierung Brünings: Die Luft wurde langsam stickiger, Humor, Lebensfreude und multikultureller Charme kam aus der Mode. Einige seiner Sport- und Vereinsfreunde/innen zogen nach Lissabon oder Buenos Aires und äußerten sich in ihren sommerlichen Heimaturlauben über die schlechte Stimmung im Deutschland.
- Hitler: Anfang der Dreißiger Jahre kam die Splitterpartei NSDAP plötzlich von 12 auf 107 Mandate. Haffner meint, daß Hitlers Wiener Vorstadtdialekt, seine demagogischen Bewegungen während der Reden voller Racheszenarien. Das war den meisten Deutschen damals eigentlich unsympathisch. Sie hätten sich noch 1932 auf der Straße von dem späteren Führer kein Feuer für die Zigarette geben lassen. Interessante ist Haffners Theorie, wie die Faszination dennoch entflammte.
-- Nationalsozialistische Revolution: Dieser Propagandabegriff ist falsch, sagt Haffner. Die Übernahme der Macht Anfang 1933 kam auf legalem Wege zustande, ohne Volksbegehren oder Militärputsch. Hitler legte einen Eid auf die Weimarer Verfassung ab (wie Hindenburg vor ihm). Und brach ihn schon bald, nach dem Ermächtigungsgesetz. Auch die angeblich im Untergrund kampferprobte KPD bekommt harsche Kritik. Viele der 6 Millionen kommunistischen Wähler (1932) gingen aus Überzeugung/durch Propaganda in der NSDAP auf. Haffner meint, daß die NSDAP (in ihren Anfangsjahren) klassenlosen Organisationen und Arbeitsbedingungen näher kamen als die Linksparteien in den Jahrzehnten vorher jemals gekommen waren.
Haffner meint, Hitler und seine Partei hatten keinesfalls eine politische "Revolution" bewirkt, sieht weder heroischen noch emotional spontane Taten. Hitler kam legal an die Macht, mit dem Schutz von Polizei und Justiz hinter sich. Unter solch risikolosen Bedingungen drang die SA schwerbewaffnet in zahllose Wohnungen ein und beglich mit deren Liquidierung ehemalige persönliche Animositäten.
Selbst in der Grausamkeit der Partei/SA sieht Haffner keinerlei ideologischen Sinn oder eine Spur überschäumendem verständlichem Zorn: Der Sadismus von religiösen Eiferern im Bauernkrieg oder politischen Fanatikern in der Revolution 1789 war anderer Art als der von 1933. Die Tötungen wurden ohne persönlichen Haß, aus der Position des feigen, später leugnenden Mörders begangen. Ein typisches Beispiel ist die Ermordung des beliebten sog. Hellsehers Hanussen. Enorm populär und einflußreich in Berlin, trat dieser im Wahlkampf für Hitlers Sache ein. Die SA ging bei ihm ein und aus. Das plötzliche Gerücht seiner semitischen Abstammung, was niemanden vor 1933 interessierte, wurde plötzlich zur Waffe in den Beförderungsquerelen innerhalb der SA. Hannussen wurde heimlich von hinten im Grunewald erschossen. Als seine Leiche gefunden wurde, versprach die NSDAP der Berliner Öffentlichkeit diesen unbekannten Mord aufzudecken, verschwieg ihre eigene Tat.
-- Im Jahr 1933 endet das spannende Buch. Ich habe es mir gekauft, um ein wenig besser die Weimarer Zeit zu verstehen, die neben politischer Unzufriedenheit auch kulturellen Charme besaß.


Hitler, 1936-1945
Hitler, 1936-1945
von Ian Kershaw
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,80

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Schlüssel zum Dritten Reich ist Hitlers Persönlichkeit, 1. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Hitler, 1936-1945 (Gebundene Ausgabe)
Das Werden und Sein des Dritten Reiches geht mit den privaten Ereignissen des Menschen Adolf Hitlers parallel!
- Das war für Ian Karshaw in anderen Büchern bereits ab 1914 ein lohnendes Forschungsfeld:
- Hitlers Laufbahn bis 1919 sieht er als eine Kette des Scheiterns: Zuerst als Kunstmaler abgelehnt, dann versucht sich als Raumausstatter. Auch dort nicht akzeptiert, Hitler soll kein guter Arbeiter und Kamerad gewesen sein. Als Soldat im ersten Weltkrieg gilt er als nicht beförderbar, nach vier Jahren ist Hitler immer noch Gefreiter. Anschließend sinkt er als Spitzel noch weiter, er lebt in der Halbwelt der Münchner Obdachlosenheime. Da er aus seinen Fehlern nicht lernen kann/will gibt sich zornigen Macht-Phantasien hin, mit wem er eines Tages alles abrechnen wird: Den Sozialdemokraten, den Gewerkschaften; den Juden mit ihren hübschen Geliebten, ihrem Geld und ihrer kulturellen Identität; Konfessionen, den Aristokraten, Verlagen, Justiz, den Intellektuellen mit ihrem Bildungsdünkel; den Konservativen mit ihren altnmodischen preußischen Idealen von Ordnung, Geduld und der langweiligen Behaglichkeit eines Privat- und Liebeslebens; den modernen Künstlern. All jene Gruppen hatten mit seiner Person bisher nichts im Sinn gehabt. Daß ein Mensch mit einem Verhalten zwischen Erbitterung und Bosheit von jedweder Gesellschaft abgestoßen wird, dass man sich doch auch persönlich könnte, darauf kam Adolf Hitler nicht.
- Es gab in Deutschland schon früher Menschen, die aus kleinen Verhältnisse ganz nach oben kamen (z.B. Kant oder Friedrich Ebert): Mit Geduld, persönlicher Leistung auf unterer, mittlerer und dann (legal übergeben) höchster Ebene.
Bei Adolf Hitler war es keineswegs so: Er wollte es allen zeigen, und zwar mit den abnormen Eigenschaften, ob derer er abgelehnt wurde! Gerade mit diesem nichtsozialen Ich, mit den subjektiven Methoden seiner Wahl wollte er nach oben kommen. Und bald gekrönten Häuptern gleichgestellt sein. Die Jahre zur Machtergreifung sind eine Folge aus Propaganda, Intrigen, Mordbefehlen (auch an ehemaligen Mitstreitern wie Thule oder der SA), Unwahrheiten und einer fehlenden ideologischen Leitstruktur.
- Die Misere des Landes war das zeitgleiche Zusammentreffen von Hitlers persönlicher Erbitterung und der Hang zum Selbstmitleid so vieler Deutscher nach dem verlorenen 1. Weltkrieg. Das trotzig-nihilistische Verfeuern alter Ideale und der Monarchie. Und Hitler schien für viele gewaltbereiten/ungeduldigen/desillusionieren (um die Jahrhundertwende und später geborenen) Menschen der einzige Politiker zu sein , wo das Leben in einem Tabula-Rasa Rausch wieder Sinn zu machen schien: Sie kannten die traditionellen Werte schon nicht mehr aus eigenem Erleben, ihre Eltern traten nicht mehr ein für die kulturellen, familiären und religiösen Dinge ein, die Preußen einst Weltansehen und Beliebtheit schenkte.
- Ian Karshaew schildert weitere Parallelen von Hitlers Persönlichkeit und Deutschlands Schicksal nach 1933/36.
- Die Fakten des Buches lassen vermuten, dass Hitler keine ideologische Richtschnur für sein Handeln hatte. Er hielt Reden gegen den Bolschewismus und machte einen Pakt mit Stalin. Er macht eiserne ewige Verträge mit Staaten, die ein paar Wochen später gebrochen werden. Er hält loyale Reden an die SA und lässt diese anschließend liquidieren. Er redet von Treue zu Deutschem Blute, Rasse usw. und besucht weder die Front noch fühlt er mit den zerbombten deutschen Städten oder dem verwüsteten Land, etc. ...
Deutschland war in diesem Betrachtungswinkel Objekt seiner persönlichen Karriere, man erkennt nach dem Lesen keine emotionale oder ideologische Verbundenheit des Österreichers Hitler zu seinem Gastland Deutschland, dass er wie ein auf Sieg getrimmtes Rennpferd beinahe zu Tode prügeln lies.
- Die Theorie, die Ereignisse des Dritten Reiches mal von der Persönlichkeit Hitlers als Schlüssel gesehen wird halte ich für eine spannende Angelegenheit. Der Autor würdigt auch die Intelligenz des Führers, seine Rednergabe, Organisationstalente etc. Bis 1939 fielen ja auch etliche Engländer auf Hitlers Reden Herein und hielten ihm die Stange, z.B. George Bernhard Shaw.
Andere Entstehungstheorien seines Aufstiegs, etwa aus marxistischer Sicht (das Kapital hat Hitler gemacht und nicht umgekehrt; die Revolution der internationalen Arbeiterschaft wird automatisch so ein System alsbald stürzen,???). Nein, mit solchen antiquaren Weltbildern konnte man weder das nihilistische Neue des Dritten Reiches erklären, geschweigedenn es bekämpfen.


Best of Steppenwolf
Best of Steppenwolf
Preis: EUR 5,00

29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harter pulsierender Sound der späten Sechziger ..., 27. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Best of Steppenwolf (Audio CD)
... mit einer Spur Soul, Exotik, politischer Radikalität und mitreißenden Refrains, John Kays preussischer Einfluss steht für Dramatik und literarisches Interesse.
- Tue mich schwer ihre Musik in weitere Worte zu fassen: Beat, früher Hard-Rock, Psychedelia? Blues und Souleinflüsse der Stones, ein progressives Image trotz Charterfolge; bei Bikern beliebt. John Kay kam (als einziger Frontmann einer US-Grupppe jener Zeit) in seiner Rolle nahe an die Ausdrucksstärke eines Mick Jagger heran. Das politische Interesse an MC5. Scharfe Kritik an ihrer eigenen Generation: So radikale Äußerungen gegen Hippie-Kultur, gegen Rauschmittel wagte neben Steppenwolf damals nur Frank Zappa. Kays nasaler Sprechgesang erinnert etwas an den sado-masochistischen Beat der Velvet Underground.
Jerry Edmonton war ein exszellenter Schlagzeuger, Goldie Mc Johns schimmernde Hammond-Orgel gab Nachwelt-Erfolgen wie „Magic Carpet Ride" zusätzliches Pathos, neben der beißenden Rhymusgitarre von Klass Kassbaum (u.a.), dem pulsierenden Bass. Die sparsame Lead-Gitarre assoziierte ich mit einer einsamen Stimme aus der Wüste. Ursprünglich nannten sie sich „Sparrows", kamen aus Kanada und wählten 1967 Kalifornien als neue Heimat. Genug geschwafelt ...
- Born to be wild: Aus ihrem gleichbenannten Debüt, beides 1968 an der US-Chartspitze.
- "Magic Carpet Ride": aus „Second" von 1969, harter Keyboard-Titel, der zu einer orientalischen Zeitreise einlädt
- Sookie Sookie ist bluesig.
- „The Pusher", zog sich langam wie ein verwundeter Wüstenwolf durch die unteren Regionen der Charts. Eine Kriegserklärung an Heroinschieber, welche der Sänger - wäre er Präsident - am liebsten persönlich abknallen würde. „The Pusher" wurde von Radiostationen boykottiert, da er sich zu positiv über andere „weiche" Rauschmittel äußert und wegen eines Fluches im Refrain. „Snowblind Friend" (vom Debüt) und Titel Nr. 3 sind thematisch ähnlich.
- „Monster" ist eine unverlümte Kritik an der USA 1969, zu Zeiten von Vietnam, Bernardine Dohrn, Weatherman und den Black Panthers. In jenem Jahr stiegen auch Jefferson Airplane mit "Volunteers" in den radikalen Polit-Zug ein.
- „Rock me" ist ein vibrierender Titel des frühen Hard-Rocks, mit lateinamerikanischen Percussions (Drummer Jerry Edmonton!) in der zweiten Hälfte. Dieser Teil war übrigens 1972 die Erkennungsmelodie von „Pop Selection", einer Rock-Hörerwunschsendung (Samstag Nachmittag, 14 h) in Bayern 2.
-„Desperation": finde ich klasse wegen den Tasteninstrumente.
- „It`s never too late" gefällt mir persönlich neben Rock me am besten. John Kay wurde in Hamburg geboren, seine Familie emigrierte (in den Kriegswirren) aus Ostdeutschland nach Amerika.
- „For Ladies Only", gute Komposition aus dem gleichnamigen Album.
- Einiges auf der CD (wie auf anderen Zusammenschnitten) finde ich etwas blass. Ihre vielen Veröffentlichungen haben ersatzweise noch besseres Material.
Wem "Best of Steppenwolf" gefällt: Die Originale "Second", "For Ladies Only" und "Monster" sind auch nicht schlecht. Es gibt ein "Beat-Club" Video mit einem Auftritt der Gruppe. Vielleicht kann ein anderer Hörer ihre Live-Platten und die späteren Sachen beschreiben, die ich nicht kenne.


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24 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Versaille hatte Schuld am Scheitern der Weimarer Republik .., 14. Juni 2004
... unter anderem. General Franz Uhle Wettles Buch beinhaltet den Versailler Vertrag und das 14-Punkte Programm von Wilson vollständig! Dies allein rechtfertigt den Kauf. Ansonsten ist der Stil stark von persönlichen Wertungen geprägt. Interessant zu lesen:
Fehler der ALLIIERTEN:
-- Deutschland gehörte zu den - knappen - Verlierern des ersten Weltkrieges, hatte sich recht wacker geschlagen. Traurigerweise in einem völlig sinnlosen Krieg, wo es um keine Ideale oder ein konkretes Ziel ging. Tolkien schrieb "Herr der Ringe", weil es für ihn im Ersten Weltkrieg keine Guten und keine Bösen gab, keine ritterlichen Beweggründe. Unter den Ländern im Juli 1914 gab es keine Unschuldslämmer, Expansion und Kriegsführung war eine international übliche und keinesfalls geächtete Praxis. Ein serbisch/österreichischer Auslöser, dann erste offizielle Kriegserklärungen von französischer und russischer Seite. Die Mobilmachung von Wilhelm II. lies auch nicht lange auf sich warten. Grundlose Todessehnsucht in ganz Europa?
-- Von einer Alleinschuld Deutschlands zu sprechen ist grundfalsch: Das war 1919 historisch die Unwahrheit und ein grober psychologischer Fehler für die Zukunft dazu!
-- Allerdings liesen Wilson/Versaille das Deutsche Reich offiziell weiter bestehen. Vor einer totalen Entmachtung/Fremdbesetzung Deutschlands schreckte man zurück, ansonsten war vor allem Frankreich bereit, dem Verlierer eine Vielzahl an Demütigungen zu bereiten. Ein inkonsequenter Fehler! Mit seinen unritterlichen Passagen '(wie Art. 231) bescherte der Kontrakt Frankreich bereits wieder einen Gegner. England und vor allem Amerika (mit seinen Krediten) zeigte ein weit gutmütigeres Verhalten gegenüber Deutschland.
-- Das Rüstungsverbot trieb Deutschland zur Allianz mit Russland. Zwei geächtete Länder schlossen Freundschaft und gaben sich von 1922 bis 32 gegenseitig umfangreiche Waffenhilfe, heimlichen Austausch von militärischem Personal und Know How.
-- Die Besetzung des Ruhrgebietes (nachdem Deutschland seine Reparationsrate nicht zahlen konnte/wollte) war kein guter Schachzug von Frankreich, in seiner Geschichte schon öfters ein überheblicher und unritterlicher Gewinner. Frankreich wurde dafür übrigens von vielen anderen Nationen scharf verurteilt.

Welche Fehler beging DEUTSCHLAND nach 1918?
--- Hindenberg und Ludendorff hatten das Land einige Jahre wie Demagogen regiert, obwohl sie (als gute Generäle) über keine politische Schulung verfügten. Die Verantwortung für ihre politischen Fehlentscheidungen (z.B. der Eintritt von Amerika nach der U-Boot-Torpetierung vieler neutrale Schiffe), die wollten sie nicht übernehmen. Obwohl Wilhelm II. noch offizielles Staatsoberhaupt war, hielt er sich seit 1914 von Entscheidungen mit politischer Tragweite weitgehend zurück. Wilhelm II. war übrigens ein Gegner des Schlieffenplanes wie auch des unbeschränkten U-Bootkrieges, er setzte sich leider nicht durch.
--- Als die Stunde der Kapitulation/Unterzeichnung kam, setzten Hindenburg und Ludendorff sich diskret ins Ausland ab. Der Gang nach Versailles, das Hissen der weißen Flagge - dieser schwarze Peter wurde dem sozialdemokratischen Parlament zugesteckt.
--- Im Ernst: Warum hatte Deutschland die Unterzeichnung nicht einfach verweigert?! Evtl.wären die Klauseln modifiziert worden, zu Gunsten Deutschlands. Wahrscheinlicher wäre ein weiteres Einrücken Alliierter Streitkräfte gewesen, was Deutschland das Mitgefühl und die Sympathie der Welt zurückgebracht hätte. Niemand vermag in diesem Szenario sagen, wie viele Jahre/Monate die Fremdbesetzung gedauert hätte. Wie die Gebiete des Deutschen Reiches neu aufgeteilt worden wären, falls überhaupt. In Anbetracht der deutschen Geschichte ab 1920 wäre eine Nichtunterzeichnung (mit allen Konsequenzen) vielleicht gar nicht so furchtbar gewesen ...
--- Die Bevölkerung selbst wollte sich nicht mehr erinnern, daß sie zu Hunderttausenden einem Kriegsausbruch zugejubelt hatte, bevor(!) Wilhelm II. die Mobilmachung offiziell machte. Fünf Jahre später war alles verdrängt.
--- Wilhelm II ging nicht freiwillig ins Exil, Militär und Bevölkerung drängten ihn dazu, da nun offenbar er schuld am Ersten Weltkrieg war. Wenn man möchte kann man das Kaiseropfer als ein Zeichen von deutscher Illoyalität - mit Folgen - sehen. Man hatte vergessen, daß man 200 Jahre im Vergleich gut mit der Monarchie gelebt hatte, daß Wilhelmm II. Deutschland 25 Friedensjahre mit Weltgeltung geschenkt hatte.
--- Die unwahre Dolchstoßlegende war ein abscheuliches Leichengift, das von Ludendorff und Hindenburg unter das Volk gestreut wurde. Ausgerechnet jene Generalität, durch deren Fehlentscheidungen der Krieg mit verloren war. Daß der Autor - ein General a.D. - dieses unverantwortliche Verhalten nicht als solches entlarvt und seine Solidarität zu den guten deutschen Tugenden Preußens verschweigt, finde ich etwas seltsam.
Kann man behaupten: Der Versailler Vertrag war am AUFSTIEG HITLERS und am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schuld? Ich meine: Ein Grund unter vielen. Der Autor geht auf weitere kaum ein:
---- Die Generation der um 1870/80 geborenen: jene Deutschen/Preußen, die noch vom Glanz der alten Geschichte wussten: Von den guten preußischen Eigenschaften wie Geduld, Großmut, Ritterlichkeit, Religiosität, Privatleben, Fleiß, Kunst, Architektur, Bildung, Goethe, Beschaulichkeit, Toleranz gegenüber Nationen und anderen Religionen - zu ihrem eigenen Wohl ... Diese Generation warf all diese alten (deutschen!)Traditionen über Bord, welche Preußen einst so groß, mächtig und modern gemacht hatte. Diese Väter-Generation hatte keine Lust mehr auf Monarchie, sie hatte auch keine Lust auf Demokratie, sie hatte scheinbar zu gar nichts mehr Lust. Für ihre Kinder hatten sie keine Vorbilder zu bieten.
---- Die Generation der ab 1900 geborenen: hatte den Weltkrieg nicht in den Schützengräben gesehen. Sie erlebten ihn als Spektakel im Radio. Diese Menschen waren von Kind an nicht in der Lage, Nationen als etwas anderes zu sehen wie große gegnerische Sportmannschaften, deren Sinn es ist ständig gegeneinander zu kämpfen. Sie hatten wenig Interesse an privatem Glück, Goethe, Religion, alten Traditionen, Bürgerlichkeit, Gemütlichkeit ... All dies war langweilig und überholt. Gefragt waren schnelle Erfolge, hohe Einsätze, rasende Maschinen, der Einsatz des persönlichen (oder anderen) Lebens für ganz gleich welche Sache. Sie kannten die alten Werte aus eigenem Erleben gar nicht mehr. Und Neue? Etwa die Inflation, die gescheiterte Revolution von Links, die bolschewistische Gefahnr, der Parlamentarismus? So ein lauer und widersprüchlicher Quatsch, dafür lohnte es sich genausowenig wie für die Monarchie zu leben!
--- Und für diese Personengruppe, diese neue nihilistische Generation war Hitler wie geschaffen! Der Mann bot ihnen Sensationen: Straßenschlachten mit SA-Lastwagen, große Schlagzeilen am folgenden Tag. Und später bot er ihnen gar das große Kriegsspielzeug. Endlich hatte das langweilige Leben wieder einen Sinn?! Diese gewaltbereiten Menschen waren eine Minderheit. Doch die anständige Mehrheit in Deutschland bot ihnen leider weder Paroli, noch hatte sie eigene Ideen.
--- Versailles war mitverantwortlich für das Scheitern der Weimarer Republik. Unter anderem.


In the Summertime / Original Greatest Hits
In the Summertime / Original Greatest Hits

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mitreißender humorvoller Jug-Band Blues-Boogie, 9. Juni 2004
Mungo who? Das waren doch die mit dem One-Hit "In the summertime", 1970 in vielen Länder lange an der Chartspitze.
- Mungo Jerry machte Blues und ulkige Skiffle-Boogie Musik mit einem kräftigen schwarzen Schuß (Ray Dorset).
Bluesbands machten 1969 "ernste" Musik wie Cream oder Johnny Winter, sehr intellektuell. Mungo Jerry konnte man als einziger Gruppe diesen Vorwurf nicht machen!
Diese Zusammenstellung ist zumeist aus ihren ersten Alben "Mungo Jerry", "In the Summertime" (1970), "Electronically tested", "you don't habve to be in the Army", ""Memories of a Stockbroker" (1971) entnommen. In diesen beiden Jahren waren Mungo Jerry eine beliebte Festival Band, die für gute Stimmung garantierte.
- "In the Summertime" kennt jeder. Mir und einigen Schulfreunden gefielen Songs der Band, die entweder mitreißend, zum Lachen oder fast Hardrock waren. Besonders:
- "That old Dust Storm", auch als "Dust Pneumonia Blues" bekannt und die B-Seite von "Mighty Man". In der ersten Minute kann man sich bei Dorsets Blues-Persiflage das Lachen schwer verkneifen, später fällt es schwer bei hämmernden Pianorhytmus stillzusitzen. Ebenfalls eine stark humorige Note haben
- "Ella Speed", "Mighty Man" und "Let' s play house"
- "You don't have to be in the Army", "Milk Cow Blues", "We Shall be Free" "San Francisco Bay Blues" sind eher beschauliche Tracks in Banjo/Mundharmonika Skiffle-Rhytmus.
- Auch "Lady Rose", ein großer SommerHit in Deutschland 1971, mit einer starken (verschollenen ?) 45-er B-Seite.
- "Baby Jump" und "Open Up" sind recht harte Tracks für das Schlager-Radio 1971, erinnern mich etwas "Seven and Seven" von Love. Diese und andere Titel haben offene sexuelle Andeutungen; die Band hatte Glück, daß die Zensur damals ihre - scheinbar harmlosen - Lieder nicht anhörte.
- Klasse finde ich die späten - kleineren - Hits
- "Alright Alright Alright" (tolles Riff) und "Wild Love" von 1974 (gute, fast sentimentale Melodie).
Die Gruppe hatte noch weitere gefällige Titel gemacht, die hier fehlen:
Maggie, Johnny B. Badde, See me, "Mungo's Blues", Black Bubonic Plague und vielleicht ein paar noch, die man heute erst entdeckt.
- Kaufmotive: Spaßige Musik, z.b. mit ein oder zwei Songs Leute in der Disco zum Lachen zu bringen (nicht zuviel davon!), Nostalgie-Fahrstuhl in die Jahre 1970/71. Wer guten handgemachten Blues / Boogie hört, ohne Anspruch auf Tiefgang von sich selbst.
- Wem Mungo Jerry gefällt kann mal unverbindlich in ihre zahlreichen Original-LPs reinhören, die es alle seit kurzem auf CD gibt. Besonders "Electronically Tested", was ihr bestes Werk gewesen sein soll.


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