wintersale15_70off Hier klicken Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV
Profil für silbertanne4 > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von silbertanne4
Top-Rezensenten Rang: 296.702
Hilfreiche Bewertungen: 4041

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
silbertanne4 "silbertanne" (Offenbach)
(HALL OF FAME REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Sakrileg
Sakrileg
von Dan Brown
  Gebundene Ausgabe

25 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen ein fikitiver Roman - kein Geschichtsbuch, 11. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Sakrileg (Gebundene Ausgabe)
... obwohl man in manchen Details dem Autor ein Sachwissen nicht absprechen kann. In der Form eines Thrillers geht es eigentlich in „Sakrileg" um das „göttlich Weibliche", einen in diesem Roman immer wiederkehrenden Ausdruck. Das Buch ist vom „Zorn über die Unterdrückung der Vorstellung vom göttlich Weiblichen durch die Kirche" geprägt, ein Sujet, das aus der einschlägigen Literatur bekannt ist: Vor etwa einem Jahrzehnt thematisierte Marion Zimmer Bradley den Kampf zwischen den weiblich-zentrierten heidnischen Religionen und dem Christentum in „Die Nebel von Avalon". Ließ Bradley diesen Kampf im historischen Kontext stattfinden - dem Eindringen des Christentums in Britannien zur Zeit des legendären Königs Arthus -, so verlegt ihn Brown in die Gegenwart. Als Schlüsselfigur im Widerstand des „göttlich Weiblichen" im Laufe der Jahrhunderte benennt er die „Prieuré de Sion", einen Geheimbund, der bis heute für die ununterbrochene Fortführung der uralten Traditionen der Verehrung des göttlich Weiblichen gesorgt habe. Denn, so Brown, die Kirche habe „die Welt betrogen, indem sie zugunsten des Männlichen verleumderische Unwahrheiten über das Weibliche verbreitet" habe. Die „Prieuré de Sion" habe das Geheimnis gehütet, „dass Christus Maria Magdalena zur Gemahlin genommen hatte, was der Grundlage der katholischen Lehre den Todesstoß versetzt hätte - der Doktrin vom göttlichen Messias, der nichts mit Frauen zu schaffen hatte ... oder gar sich mit einer Frau geschlechtlich vereinigt hätte."
Für diese „Verschleierungsaktion" macht Brown Kaiser Konstantin den Großen verantwortlich: Die „Prieuré" sei überzeugt, „dass Kaiser Konstantin und seine männlichen Nachfolger den Übergang der Welt vom heidnisch-matriarchalischen Mutterkult zum patriarchalischen Christentum mit einem Propagandafeldzug ohnegleichen durchgedrückt haben, der das göttlich Weibliche dämonisiert und die Göttinnen für immer aus der modernen Religionsausübung verdrängt hat." Nach Brown habe Konstantin eine neue Fassung der Evangelien in Auftrag gegeben: „In diese Sammlung durfte keine jener Darstellungen aufgenommen werden, in denen Jesus als Mensch gesehen wurde, während alles, was ihn in ein göttliches Licht rückte, besonders hervorzuheben war. Die früheren Evangelien wurden geächtet, konfisziert und verbrannt." Die Göttlichkeit Jesu sei das Ergebnis einer Abstimmung auf dem Konzil von Nizäa: „Bis dahin wurde Jesus von seinen Anhängern als sterblicher Prophet betrachtet, als ein großer und mächtiger Mensch, aber eben als Mensch - als sterblicher Mensch."
Die These, auf der der gesamte „Unterbau" Browns beruht, steht jedoch in krassem Gegensatz zur wissenschaftlichen Forschung. Die genaue Datierung der Evangelien ist zwar nach wie vor umstritten, doch sind sich die Fachleute einig, dass sie lange vor Konstantin geschrieben wurden. Das belegen unter anderem Textfragmente, die mit den überlieferten Evangelien übereinstimmen. Browns Behauptung, die heutigen Evangelien seien erst im vierten Jahrhundert entstanden, entbehrt jeder Grundlage; den abenteuerlichen Hirngespinsten Dan Browns wird dadurch jeglicher Boden entzogen. Die zwei von ihm angeführten Stellen aus den so genannten „gnostischen Evangelien" oder Apokryphen, in denen von Maria Magdalena als „Gefährtin des Erlösers" die Rede ist, besitzen kaum Beweiskraft. Aus den apokryphen Evangelien lassen sich viele absonderlichen Erzählungen zitierten, die zumeist in der Absicht geschrieben wurden, Jesus als Wundertäter erscheinen zu lassen - was natürlich Browns Ansichten über die „Erfindung" von Christi Göttlichkeit unmittelbar zuwiderlaufen würden.
Der katholischen Personalprälatur Opus Dei dichtet Dan Brown eine kriminelle Schlüsselstellung in „Sakrileg" an: unter dem von vatikanischen Würdenträgern ausgeübten Druck, dem Opus Dei würde durch den neuen Heiligen Vater der Status als Personalprälatur „des Papstes" aberkannt (Das Opus Dei ist eine Personalprälatur der katholischen Kirche, was einen enormen Unterschied zu Browns immer wieder benutzter Formulierung ausmacht), habe sich der Prälat des Opus Dei zu einer verzweifelten Aktion hinreißen lassen und die Vermittlung eines mysteriösen „Lehrers" angenommen, dem er darüber hinaus seinen Vertrauensmann zur Verfügung gestellt habe: den hünenhaften Albino Silas, der vor Mord nicht zurückschreckt. Ausdrücklich heißt es, Silas habe „für einen geheiligten Zweck gesündigt. Gegen die Feinde Gottes waren immer schon Gräueltaten verübt worden. Silas war die Vergebung gewiss. Doch es gab keine Absolution ohne Buße", die allerdings lediglich in äußerer Selbstkasteiung besteht. Dan Brown scheint nicht das Geringste von wahrer Buße zu verstehen, die stets echte innere Reue voraussetzt. Und ebenso wenig vom real existierenden Opus Dei, bei dem niemand Kutte trägt wie Silas. Er nimmt es nur her als Ersatz für weniger zeitgemäß klingende Namen katholischer Institutionen.
Dadurch wird das Opus Dei zu einem austauschbaren Bestandteil eines neuen Genres der Pop-Kultur, das Elemente aus Geschichte, Religion, Mathematik und Mystik zum „Knacken" eines Codes vermischt. Ob der Code nun - wie etwa im Hollywood-Film „Das Vermächtnis der Tempelritter" - zu einem Schatz oder wie in „Sakrileg!" zur angeblichen Enthüllung von unheimlichen Geheimnissen des Christentums führt, auch dies ist beliebig austauschbar.
An mehreren Stellen wendet Dan Brown den Ausdruck „streng" auf das Opus Dei an. In einer Hinsicht hat er wohl Recht: Die Gläubigen der Personalprälatur Opus Dei versuchen, sich streng an die katholische Morallehre, insbesondere an die Zehn Gebote („Du sollst nicht töten", „Du sollst kein falsches Zeugnis geben") zu halten. Darüber hinaus orientieren sie sich ebenso streng an das Lehramt der katholischen Kirche, so etwa auch an die unter ausdrücklichem Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil („Gaudium et spes", 27) getroffene Aussage Johannes Pauls II. in „Veritatis splendor", 81: „Die Umstände und die Absichten [können] niemals einen bereits in sich durch sein Objekt sittenlosen Akt in einen 'subjektiv' sittlichen oder als Wahl vertretbaren Akt verwandeln:" Den Höhepunkt der Perversion christlichen Selbstverständnisses erreicht Dan Brown indes, als er Silas vor der Verübung weiterer Verbrechen das „Gebet" sprechen lässt: „Mein Herr und Gott, ich widme dir dieses Werk, das ich heute beginne".
Als Thriller zeichnet „Sakrileg" eine repetitive Sprache sowie Figuren aus, die an Groschenromane erinnert, einschließlich abgegriffener Formulierungen („Die Zeit gerann zu einem Albtraum, der in Zeitlupe ablief"). Die Kunstgriffe seiner Indiana Jones-Verschnitt-Figuren hat er offensichtlich aus billigen Action-Filmen geborgt: der gehbehinderte Gelehrte, der in einer halsbrecherischen Aktion mit seiner Krücke Silas verletzt, der höhere Bankangestellte, der einem Polizisten kaltschnäuzig einen Bären aufbindet, das Flugzeug, das im richtigen Augenblick fluchtbereit steht, oder auch die Polizistin und Enkelin des ermordeten Louvre-Direktors, die sich als Nachfahre der Merowinger und somit nach Brown auch Jesus' entpuppt... entheben der Dramaturgie von „Sakrileg" jeder Glaubwürdigkeit.
Die Story von „Sakrileg" nimmt ihren Anlauf, als Louvre-Chefkurator Saunière mitten in der Nacht vor dem Gemälde der Mona Lisa ermordet aufgefunden wird. Doch Saunière hat vor seinem Tod genug Zeit, eine Reihe versteckter Hinweise zu hinterlassen. Hätte ihm diese Zeit nicht zur Verfügung gestanden, wäre die Geschichte von „Sakrileg" am Ende, ehe sie angefangen hätte. Und gerade in seiner Overtüre entbehrt der Thriller jeder Stimmigkeit. Dan Brown beschreibt die Szene folgendermaßen: „»Wenn Sie tot sind, werde ich als Einziger die Wahrheit kennen«, sagte der Albino und richtete die Pistole auf Saunières Kopf. (...) Die Waffe dröhnte. Der Museumsdirektor spürte eine sengende Hitze in der Magengegend, als die Kugel ihn traf. Der Schmerz riss ihn von den Füßen. Er fiel vornüber (...) Der Mann legte auf Saunières Kopf an (...) Ein metallisches Klicken hallte durch die Grande Galerie, als das Magazin leer geschossen war. (...) Er wollte ein neues Magazin aus der Manteltasche ziehen, zögerte aber plötzlich. »Nein«, sagte er mit einem höhnischen Blick auf die Magengegend seines Opfers. »Ich glaube, ich bin hier fertig.« (...) Von dem Moment an, wo die Magensäure in die Brusthöhle sickerte und den Körper allmählich von innen vergiftete, hatte er noch fünfzehn Minuten zu leben." [Hervorhebungen vom Rezensenten]. Wie soll ein Killer, der aus fünf Metern Entfernung gegen den Kopf eines unbeweglichen Opfers ein ganzes Pistolenmagazin abfeuert, es lediglich einmal in der Magengegend treffen? In welchen billigen Filmen läuft der Killer weg, ohne sich vom Tod eines so wichtigen Opfers zu vergewissern? Das bleibt das Geheimnis des Dan Brown - ein Geheimnis, das alle „Geheimnisse" bei weitem übersteigt, die zu „enthüllen" er sich in „Sakrileg" zum Ziel gesetzt hat. (Eine Beschreibung des Opus Dei zu den im Buch gemachten Thesen und Vorwürfen)
Fazit: als Roman nicht übel, aber keine Historie.


Paranoid (Jewel Case CD)
Paranoid (Jewel Case CD)
Preis: EUR 14,48

27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt wenige Klassiker aus frühen Tagen des schweren ..., 8. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Paranoid (Jewel Case CD) (Audio CD)
Sounds.
- Deutsche Schlagerparade Ende 1970: Chris Roberts, Edwin Starr, Tremeloes, Christie, Dalia Lavi, Bata Ilic, Rattles, Miguel Rios (A Song of Joy). Und an der Spitzenposition?
- "Paranoid" von Black Sabbath, die Single ist schon schon Monate in den Charts. Dieser pulsierende schwere Stil war neu, und war gerade als Kontrast neben deutschen Schlager im Röhrenradio reizvoll. Was war das für ein neuer Stil? Black Sabbath war laute, bleischwere, verrückte Beatmusik mit unheimlichen Texten? Angeblich musste der Titel in 10 Minuten im Studio improvisiert werden, da auf die Plattenfirma noch einen kurzen Song verlangte, O. Osbourne las den Text bei der Aufnahme vom Blatt ab.
- "War Pigs" ist mit seiner unaufdringlich düsteren Stimmung eine der besten Heavy Kompositionen überhaupt, er eignete sich auch als Filmmusik bei der stummen Betrachtung einer brennenden und rauchenden Landschaft. Ich finde, alleine wegen diesem Track lohnt der Kauf. Bill Ward war meist im Hintergrund. Nur einmal las ich 1973 in einem Musiklexikon von Ingeborg Schober, daß er einer der weltbesten Schlagzeuger sei. Sein Stil in "War Pigs" mit seinen Tempi-Wechseln, zähflüssigen bleischweren Bass-Trommeln ist wirklich klasse. Obwohl die Platte unter Zeitdruck und wenig Geld produziert wurde: Die einzelnen Instrumente kommen sauber getrennt rüber, bei späteren Black Sabbath Platten wurde dieser weite stereophone Raum nicht mehr erreicht.
- "Hand of Doom", auch klasse. Zeitgemäß geht es um den Vietnam Krieg und eine Heroinabhängigkeit. Ein harter Anti-Drogen Song. Gelungen ist das überraschende Gitarrensolo im Mittelteil. Auch Iommis zeitlupenartige Lava-Gitarre ist gut abgemischt, damals die Trademark der Band.
- Ebenfalls mit "Iron Man" erblickt hier ein Live-Dauerbrenner das Licht der Welt. Das zähflüssige schwere Riff, am Ende das (kurze) Echoschreien, das waren neue provokative Töne für die Chanson-/Schlager-/Klassik-/Beatmusikkultur um 1970. Aus der so mancher Streit mit den Eltern/der Schwester resultierte.
Persönlich finde ich die LP "Paranoid" kompositiorisch gelungener als das Debüt und die beste Platte der Gruppe überhaupt. Auch wenn die Gruppe sich 1971 aufgelöst hätte / oder wenn es danach bis heute nie mehr Heavy Rockmusik gegeben hätte - auch dann befände sich "Paranoid" im Pantheon der modernen Musikgeschichte. Als eine der wenigen mit "Deep Purple in Rock", "Led Zeppelin II", "Fire and Water" und Uriah Heeps "Salisbury". Auch als Langspielplatte schaffte "Paranoid" die Spitzenposition der UK / BRD-LPCharts.
- Mir gefällt an dieser Platte noch manches mehr. Die Texte sind (im Gegensatz zur ersten Platte) nicht okkult. Mit diesem Image war die Gruppe nicht glücklich, die Plattenfirma hatte es ihnen mit dem umgedrehten Kreuz gegen ihren Willen reingeröngt. Auf "Paranoid" gibt es z.T. wirklich gute bewegende Texte: Das agressive Antikriegslied "War Pigs", der todesschwangere Drogenprotest "Hand of Doom" oder die Lebens- und Beziehungsschwierigkeiten einer debilen Persönlichkeit ( Titeltrack). Nein, hier merkt man, daß Iommi und seine Mitspieler ein natürliches Empfindungsvermögen zeigen, daß Furcht und Abstand vor negativen Dingen wie Krieg zeigt. Gut kommt auch die schlichte Gestaltung des Innencovers und daß Mr. Osbourne noch Zurückhaltung zeigte. Nein, "Paranoid" wirkt wie ein gereiftes Werk von seriösen jungen Musikern, keinesfalls aufgesetzt.
- Die Plattenfirma "Vertigo" lies in der ersten Zeit die LP mit einem Op-Art Sticker drucken, der beim Drehen eine optische Täuschung suggerierte und war anfangs mit dem Slogan "der neue Klang aus dem Underground" für Black Sabbath. Damals besaßen auch viele Hörer von anderen Klängen (ELP, King Krimson, Beggars Opera, Free) diese LP.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 17, 2013 3:45 PM CET


The 1967 Singles
The 1967 Singles

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die frühen Pink Floyd, 8. April 2005
Rezension bezieht sich auf: The 1967 Singles (Audio CD)
- Pink Floyd 1966 / 67 mit Syd Barrett klangen anders als zu späteren Zeiten. Für Pink Floyd Sammler ist diese Zusammenstellung ein Pflichtkauf, da keine (außer Scarecrow) der Singles auf einer regulären LP erschien.
"Arnold Layne" ist für mich der beste Song, den Pink Floyd je gemacht haben. Im Musikunterricht hörten wir, daß "Arnold Layne" der erste Song aus dem Radio war, der mit den Hörgewohnheiten bis dato brach. Das seltsame orientalisch anmutende Keyboard. Der Text handelt von einem Kleiderfetischisten, das Intro der ersten 2 Sekunden klingt wie der Urknall der psychedelischen Musik, "Arnold Layne" ist voll Energie und Tempowechseln.
- "See Emily Play" und "Scarecrow" sind schöne Kompositionen. Emily ist eine Ode an ein Mädchen, daß regelmäßig zu Pink Floyds ersten Auftritten im Londoner UFO kam. Liebevolle wie schüchterne Worte von Syd Barrett an ein Mädchen, das er nie näher kennenlernte.
- "Scarecrow" ist ein typischer frühpsychedelischer Song von 2 Minuten. Kindliche Phantasie, eine Märchenwelt und ein (noch) ungetrübter Optimismus innerhalb des psychedelischen Kaleidoskopes. Ein guter Zeitschnappschuss am Vorabend vor Ausbruch der neuen Jugend- und Hippiekultur. Die mit Erscheinen von "Seargeant Peppers" und "The Piper at the Gates of Dawn" im Mai 1967 begann.
- "Candy and the Current Bun" mit seinem Echoheulen klingt recht unheimlich.
- Die beiden letzten Songs sind nicht schlecht. Aber keine Hits.
Ich kann bei diesen guten Kompositionen nicht glauben, daß Syd Barret schon in diesen Monatent recht ausgeflippt gewesen sein sollte. Ein Kritiker klassischer Musik hat mal gesagt, daß die Popmusik nur 2 wirkliche Genies hervorgebracht hätte: Jimi Hendrix und Syd Barret, dessen Stern nur eine kurze Weile schien, dafür aber um so heller und bis heute unvergessen.


Bitches Brew
Bitches Brew
Preis: EUR 8,99

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abgehoben und elitär: Progressiver geht es nicht, 7. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Bitches Brew (Audio CD)
Mit dieser Doppel-LP wurde Miles Davis auch bei Hörern von Beat- und Popmusik bekannt. Noch heute finden manche den ersten Einstieg in die Welt des Jazz mit einer Platte / CD von Miles Davis. Für "Bitches Brew" mit seinem gelungenen Cover wurde 1970 in Jugendzeitschriften geworben, es verkaufte sich sehr gut. Mit einer halben Million die bis dato (neben Kind of Blue) kommerziell erfolgreichste Jazzproduktion.
"Bitches Brew" ist allerdings keine leichte Kost. Selbst Psychedelic-Gruppen wie Grafeful Dead oder Soft Machine klingen vergleichsweise eingängig. Obwohl ich kein Liebhaber von Free Jazz bin höre ich "Bitches Brew" recht häufig und gern.
So viele begabte und bekannte Jazz-Musiker auf einer Produktion findet man selbst bei Miles Davis nicht oft (Davis, Herbie Hancock, Chick Corea, Airto, John Mac Laughlin gibt sein Debüt, Wayne Shorter, ...).
Die Musik ist sehr komplex, jemand hat mal gesagt sie würde die emotionale Bandbreite der Stadt N.Y.C. ausdrücken. Ansprechend, verwirrend, beängstigend bis graziös und schön.
Zaubert mit (z.T.) 3 ! E-Pianos eine exotische Atmosphäre in den Raum. Schiebt man den Bass-Regler seiner Stereoanlage nach oben, spürt man den Groove der Rhytmus-Section noch stärker, "Bitches Brew" gilt als die erste Jazzplatte mit unterlegten Beatrhytmen.
- "Spanish Key", Miles hatte sich schon seit 1958 gerne von spanischer Musik beinflussen lassen. Der Rhytmus - als Kontrast zu den melodieführenden Blasinstrumenten und der flamencoartigen Gitarrenfigur von John Mc Laughlin - ist hier besonders treibend.
- "Bitches Brew", 27 Minuten, baut sich auf einer immer wiederholenden Bass-Linie auf. Es gab in einem New Yorker Lokal ein Gericht mit gleichem Namen auf der Speisekarte. So kam Miles Davis auf den Titel.
- "Miles Runs the Voodoo down" - mit seinen afrikanischen Elementen - ist die zugänglichste Kollage des ganzen Gebräus und hat fast so etwas wie eine einprägsame Melodie. War sogar in Kurzform auf Single erschienen und wurde angeblich in manchen New Yorker Juke-Boxen gerne gewählt.
- "Sanctuary" ist die Ruhe und Entspannung nach den langen Titeln.
- Das Cover zeigt gelungen und würdevoll Motive aus Afrika (links) und der Neuen Welt (Ozean). Auch die einfach gehaltenen Liner Notes erweckten den Eindruck eines bahnbrechenden Debüts. Zu einer Zeit, als Miles Davis schon fast Zwanzig Jahre Platten veröffentlichte. Fazit: Sehr originell und gelungen, als Einstieg vielleicht eher "Sketches of Spain", "Kind of Blue" oder "In a Silent Way" nehmen.
Es gibt keine bekannte Produktion in Jazz und Rock, die mehr "far out" klingt als die 90 Minuten von "Bitches Brew"! Die Tonqualität war schon 1970 gut, sie wurde digital noch überarbeitet zu einem Hörgenuss.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 23, 2010 11:20 AM CET


Electric Warrior
Electric Warrior

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das erfolgreichste und beste Album der Gruppe, 5. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Electric Warrior (Audio CD)
"Unicorn" war die ansprechendste akustische Platte von Tyrannosaurus Rex, "Electric Warrior" sehe ich als die ultimative T.Rex LP der elektrifizierten Epoche. Beide bieten (fast) ausnahmslos gute Kompositionen und märchenhafte Texte. Kurz vor Veröffentlichung von "Electric Warrior" war Marc der erste große Teenager-Star der Siebziger Jahre geworden. Gerade waren der Bassist Steve Currie und Drummer Bill Legend (neben Bongospieler Mickey Finn) zu der Gruppe gestoßen. Während der Aufnahmesessions befand sich "Hot Love" permanent auf dem ersten Platz der englischen und deutschen Charts. Meiner Erinnerung war T.Rex die einzige Band, die optisch und musikalisch die Hippie-Bewegung posthum aus dem Underground in Millionen Kinderzimmer gebracht hatte.
- "Get It On" kam auf Platz 3 der deutschen Hitparaden kam, neben Peter Maffay und Daniel Gerrard. Bis heute eine der ausgeflipptesten 45-er Singles. Die dumpfe bassartige Leadgitarre, die geisterhaft-geschlechtslosen Chorals (mit Hilfe der Zappa-Sänger Flo & Eddie), das jazzige-Saxofon am Ende einiger Tracks, Dramatik durch Streicherarrangements: In dem Starrummel ging unter, daß hier ein ganz neuer Sound entstanden war. Musikmagazine wie ME zollten den T.Rex Platten erst Jahrzehnte später Tribut und Respekt. Die LP "Electric Warrior" erschienen damals als Klappcover mit zwei Jugendstil-Zeichnungen von Mickey und Marc, die US-Version hatte im Innenteil ein s/w Foto mit June & Marc in ihrer Londoner Wohnung. Marc Bolan war ein Bewunderer des Jugendstilmalers Alfons Mucha und ließ sich für Fotografien und Covers von dessen Ästhetik beeinflussen.
Gute Tracks: "Monolith" & "life a Gas" (ruhig), "Get It On", Planet Queen. "Rip Off" ist ein mutiges ausgeflipptes Finale für einen Millionenseller. "Jeepster" war ein origineller wie seltsamer Albumtrack, als Single im Herbst 71 gegen Marcs Willen veröffentlich. Als Nachfolger von "Jeepster" stand das unveröffentlichte "Sailors on the Highway" zur Debatte, schade. Als Bonus fehlt hier "Hot Love", gegen 4.00 morgens nach etlichen Brandies aufgenommen wurde (wer erinnert sich noch an das Kreischen aller im fade out?)
1969 / 70 waren T.Rex und David Bowie nur einem kleinen Zirkel von Eingeweihten bekannt. Angeblich soll an der Wende der Dekade David Bowie einen Traum gehabt haben, dessen Inhalt er nicht glauben wollte: Er und Marc werden die Mentalität der europ. Jugend in den frühen Siebzigern als Stars am nachhaltigsten prägen. Auch von Tod war die Rede.
Marc hatte meiner Ansicht einen sehr großen und positiven Einfluss auf die Jugend gehabt, wenn auch nur 2 Jahre. 1971 - 73 übermittelte Musik und Text das Gefühl von Phantasie und "alles ist möglich". Tagträume/Märchen versus Ehrgeiz/Starkult konnten eine Einheit sein und schlossen sich nicht gegenseitig aus. Es gab vorher und seitdem nie mehr so viele hübsche Kinder und Teenager beiderlei Geschlechts mit extrem langen Haupthaar und Korkenzieherlocken. Marc hatte mehr hohe Chartnotierungen mit 45-er Singles in kurzer Zeit als Bowie in Jahrzehnten.
David Bowies Einfluss ab 1974/75 finde ich dagegen eher verhängnisvoll, er hatte mit seinen LP-Erfolgen den längeren Atem hatte. Marc starb mit 29 Jahren im Jahr 1977 bei einem Autounfall.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 17, 2010 9:57 PM MEST


Bitches Brew
Bitches Brew
Preis: EUR 29,60

36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komplex, abgehoben und graziös, 4. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Bitches Brew (Audio CD)
Mit dieser Doppel-LP wurde Miles Davis auch bei Hörern von Beat- und Popmusik bekannt. Noch heute finden manche den ersten Einstieg in die Welt des Jazz mit einer Platte / CD von Miles Davis. Für "Bitches Brew" mit seinem gelungenen Cover wurde 1970 in Jugendzeitschriften geworben, es verkaufte sich sehr gut. Mit einer halben Million die bis dato (neben Kind of Blue) kommerziell erfolgreichste Jazzproduktion.
"Bitches Brew" ist allerdings keine leichte Kost. Selbst Psychedelic-Gruppen wie Grafeful Dead oder Soft Machine klingen vergleichsweise eingängig. Obwohl ich kein Liebhaber von Free Jazz bin höre ich "Bitches Brew" recht häufig und gern.
So viele begabte und bekannte Jazz-Musiker auf einer Produktion findet man selbst bei Miles Davis nicht oft (Davis, Herbie Hancock, Chick Corea, Airto, John Mac Laughlin gibt sein Debüt, Wayne Shorter, ...).
Die Musik ist sehr komplex, jemand hat mal gesagt sie würde die emotionale Bandbreite der Stadt N.Y.C. ausdrücken. Ansprechend, verwirrend, beängstigend bis graziös und schön.
Zaubert mit (z.T.) 3 ! E-Pianos eine exotische Atmosphäre in den Raum. Schiebt man den Bass-Regler seiner Stereoanlage nach oben, spürt man den Groove der Rhytmus-Section noch stärker, "Bitches Brew" gilt als die erste Jazzplatte mit unterlegten Beatrhytmen.
- "Spanish Key", Miles hatte sich schon seit 1958 gerne von spanischer Musik beinflussen lassen. Der Rhytmus - als Kontrast zu den melodieführenden Blasinstrumenten und der flamencoartigen Gitarrenfigur von John Mc Laughlin - ist hier besonders treibend.
- "Bitches Brew", 27 Minuten, baut sich auf einer immer wiederholenden Bass-Linie auf. Es gab in einem New Yorker Lokal ein Gericht mit gleichem Namen auf der Speisekarte. So kam Miles Davis auf den Titel.
- "Miles Runs the Voodoo down" - mit seinen afrikanischen Elementen - ist die zugänglichste Kollage des ganzen Gebräus und hat fast so etwas wie eine einprägsame Melodie. War sogar in Kurzform auf Single erschienen und wurde angeblich in manchen New Yorker Juke-Boxen gerne gewählt.
- "Sanctuary" ist die Ruhe und Entspannung nach den langen Titeln.
- Das Cover zeigt gelungen und würdevoll Motive aus Afrika (links) und der Neuen Welt (Ozean). Auch die einfach gehaltenen Liner Notes erweckten den Eindruck eines bahnbrechenden Debüts. Zu einer Zeit, als Miles Davis schon fast Zwanzig Jahre Platten veröffentlichte. Fazit: Sehr originell und gelungen, als Einstieg vielleicht eher "Sketches of Spain", "Kind of Blue" oder "In a Silent Way" nehmen.
Es gibt keine bekannte Produktion in Jazz und Rock, die mehr "far out" klingt als die 90 Minuten von "Bitches Brew"! Die Tonqualität war schon 1970 gut, sie wurde digital noch überarbeitet zu einem Hörgenuss.


Da Da Da
Da Da Da
Preis: EUR 5,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die genialen Humoristen der Neuen Deutschen Welle, 10. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Da Da Da (Audio CD)
Wenn man der Deutschen Popmusik einen Vorwurf machen darf, dann den, daß sie sich selbst zu ernst nimmt. Auf zwei trifft das nicht zu: "Guru Guru" aus der Krautrock-Zeit und "Trio", die Neue Deutsche Welle-Band der ersten Stunde, einzige NDW mit internationalem Erfolg.
Alle Erfolge sind hier auf einem Silberling vereint, außerdem etliche Tracks von der ersten LP.
- Da Da DA - ich lieb Dich nicht Du liebst mich nicht: Der größte Erfolg. Neben den dreien Stephan Remmler (Gesang, Keyboard), Kralle Krawinkel (Gitarre) und Peter Behrens (Drums) spielten noch F.J. Kr�Eer (Kastagnetten) und Annette Humpe (Gesang) von Ideal mit. Der Legende nach entstand der Song, nachdem Stefan R. zufällig einen kleinen Casio-Computer geschenkt bekam. Das Riff ist vielleicht das beste der Achtziger Jahre, der Text dagegen der d�Emste der Dekade. Über den Riesenerfolg (20 Wochen in den vordersten Chartplätzen) sch�Etelten damals viele den Kopf.
- "Anna - Lassmichrein - Lassmichraus": Ebenfalls ein großer Erfolg. Minimalität und Dummheit bedeutet wieder Stil und Mode. Gemäß Stefan R. handelt der Text nicht von Geschlechtsverkehr.
- "Herz ist Trumpf" ,Klaus Voormann am Bass und Frau Humpe als Background-Sängerin. Der erste Single-Erfolg mit einem richtigen Text. Die Welt nahm Notiz, daß Trio nicht dumm waren. Herz ist Trumpf handelt von unerreichbaren Träumen, Understatement und die Freude, wenn die reale Freundin sich manchmal am Telefon meldet oder einen gar besucht.
- Energie, Los Paul, Nasty und Sunday You Need Love Monday Be Alone stammen vom Deb�E "Trio". Hätte ich auf dieser CD lieber durch andere Tracks ersetzt, Geschmackssache.
-"Sabine Sabine Sabine" ist dagegen erste Sahne. Ein reales Telefonat von Stefan Remmler mit einer Frau (seiner Freundin?). Charmantes Beobachten, Zeitgeist und unfreiwilliger Humor. Sabine war auch B-Seite der ersten Single ein Kontrast zur kuhdummen "Da Da Da"-Lyrik.
"Turaluraluralu - ich mach Bubu was machst du": Der letzte Erfolg im Radio, Ende 1983. In Amerika aufgenommen, aufwendig mit Streichern und Background-Gesang instrumentiert. Melancholische weihnachtliche Stimmung, besinnlicher wie lustiger Text.
- "Kummer": auch Weltschmerz �Eer verlorene Liebe gehören zu Trios Welt.
- "My Sweet Angel", Trios letzte Veröffentlichung. Inga und Annette Humpe mit am Mikrofon. Im Film "Drei gegen Drei" zwei mal zu hören. W�Edevoller Schwanengesang Trios von der Welt.
- "Broken Hearts For You And Me", ein ganz fr�Ees Lied. Verschiedene Versionen, oft in einer Einheit mit "Achtung Achtung". Klasse, das gibt den typisch nicht aufgesetzten Humor der fr�Een Zeit wieder. Über Trio mußte man lachen, da sie ihre Performances auf der B�Ene so brachten, als meinten sie es ernst. Wer wußte schon 1981, daß hier das Intro vom "Guru Guru"s "Immer Lustig" aus der 1972-er LP "Känguru" geborgt war.
- Trio hatte auch einigen Erfolg in Amerika. Obwohl ihre erste Platte billig in einem Husumer Kuhstall und Großknetener Keller aufgenommen wurde, hatte die Gruppe keinen geringeren als Klaus Voormann (Beatles-, John Lennon Produzent) f�E die Studiotechnik gewinnen können, der aus ihrer bewußten Minimalistik einen ansprechenden Sound in die Rillen presste. z.T. war sogar Yoko Ono an Trio-Kompositionen beteiligt.
- Die Neue Deutsche Welle ist eine der nettesten Nostalgiebewegungen der deutschen Kultur des 20. Jh. Hier ist das Wir-Gef�El das Bindeglied der Erinnerung kein Masochismus, oder gemeinsam Erlittenes.
In der Neuen Deutschen Welle hatte das Herz, die Unbeschwertheit und derHumor Trumpf. Ich freue mich sehr dar�Eer, daß viele Jugendliche heute auf NDW stehen.
-Diese CD ist wirklich so gut, man muss eigentlich Gegenargumente bringen, warum man sie nicht kaufen will. Neben den Erfolgen mit dieser CD braucht man von Trio noch "Live 1982" (lange nur als Kassette erhältlich), "Bye Bye", das Deb�E "Trio" und ein Video/DVD von ihren Auftritten. Evtl. auch den unterbewerteten Film "Drei gegen Drei"
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 11, 2015 3:07 PM MEST


Queens of Noise
Queens of Noise
Preis: EUR 15,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feminer Heavy-Klassiker mit Teenager-Charme ..., 8. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Queens of Noise (Audio CD)
... klasse Kompositionen und ehrlicher spontaner Lyrik. Viel jugendliche / heimliche Liebe, Schulprobleme, Erziehungsheime und Trebegang. Joan Jett, Sandy West, Cherie Currie, Lita Ford und Jackie Fox - keine älter als 17 - beherrschten ihre Instrumente bereits virtuos wie Erwachsene.
- Queens of noise: Eine schneidende Gibson Les Paul röhrt ein erregendes Riff. Treibende Tempiwechsel von Zeitlupe bis schnell. Cheries eher weiche Stimme und der Chor sind ein origineller Kontrast zu einem der besten Heavy-Rock Songs der Siebziger.
- Born to be bad: der agressivste Track, wo Cherie ihre damaligen Probleme und den disgust gegen ihre Eltern singt. "Cause I Was Born to Be Bad. I'm Not Sad But I'm Glad I Did It. Born to Be Bad. That is the way she is, says mom and dad. I'm Not Sad"
- Neon angels on the road to ruin: Sehr hart, die Rhytmusmaschine und die beiden Gitarren der talentierten Girls generieren wieder ein Killer-Riff der
- I love playin' with fire: "Your Eyes Are Sparkling With Teenage Fire. I'll Satisfy Your Made Desires Cause I Love Playing With Fire And I Don't Wanna Get Burned". Gute Lyrik aus der Feder einer 16-jährigen.
- California paradise und Hollywood sind ganz ok, wenn auch nicht über Gebühr. Texte aus Runaways Heimat, die 5 hatten ihre größten Erfolge allerdings jenseits des Atlantiks.
- Heartbeat: Der gefühlvollste ruhige Song, den Joan Jett in den letzten 3 Jahrzehnten geschrieben hat, mit wenigen harten Untertönen. Trotz demonstrativem "bad girl-Image artikuliert sich ein unschuldiges und liebendes Teenagerherz.
- Johnny Guitar ist der einzig schwache Track. Warum eigentlich keine Boni? Weil die ehrgeizigen Mädchen sich damals ständig in der Wolle hatten und evtl. noch heute wegen Urheberrechte sich gegenseitig mit "Hände weg von meiner Komposition" anfauchen? Schade.
"Queens of Noise" hat ausgefeilteren Studiosound als ihre anderen Platten, finde ich. Wenn "The Runaways" etwas bass- und drumslastig ist, "Waiting for the night" die Gitarren im Vordergrund hat, so liefert der der wuchtige Sound von "Queens of Noise" beides.
Die Musiklexika schreiben posthum, daß die Runaways es nie richtig geschafft hatten. Das ist nach meiner Erinnerung nicht ganz korrekt.
In Deutschland waren 1977/78 die Jugendzeitungen wie Rocky und Bravo voll mit Berichten, Autogrammen und Postern von der Band. Ein bekanntes bayrische Radio-Jugendprogramm widmete ihnen gar eine ganze Sendung, so lernte ich sie kennen und war sofort begeistert. Bravo reiste gar mehrmals nach Kalifornien um eine fünfteilige Special-Story über jedes Mädchen abzudrucken. In Japan wurden sie regelrecht verehrt und auf Händen getragen ("Live in Japan"!).
Die Runaways hatten ein Pech mit der Musikkultur 1976/77, als sie hoffnungsvoll ihre Karriere starteten. In Amerika und Europa waren samtige und streicherverzierte Soul-Discoklänge angesagt. Hätten sie ihre Karriere 1970 (parallel zu den ersten erfolgreichen Heavy-LPs wie "Fire and Water" oder "Deep Purple in Rock", müßte die Musikgeschichte vielleicht umgeschrieben werden. Für mich die beste und charmanteste Mädchengruppe ever.
Wer die Gruppe nicht kennt und auf den Heavyrock der frühen Siebziger oder Joan Jetts "I love Rock and Roll" steht, gebe den Mädchen mal eine Hörchance. Bei Gefallen auch "Waiting for the night" und "Live in Japan" mitbestellen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2015 7:23 PM MEST


The Runaways
The Runaways
Preis: EUR 18,27

25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Urmutter aller Mädchen-Band LPs - solider Rock, 6. März 2005
Rezension bezieht sich auf: The Runaways (Audio CD)
Lita Ford (Sologitarre, 17), Joan Jett (Rhytmusgitarre, 16), Sandy Fox (Drums, 16), Vicky Blue (Bass, 16), Cherie Curry (Sängerin, 15).
"The Runaways" war ein historischer Moment welcher die Rollen von weiblichen und männlichen Rockstars nachhaltig beeinflusste. Der allererste Startschuss kam 1973 von Suzi Quatro, der erste selbstbewußte weibliche Rockstar. "The Runaways" darüberhinaus ist das erste nur von Girls eingespielte Album.
Von Mädchen, die täglich probten und mit 16 ihre Instrumente schon gut beherrschten. Als Starthilfe gaben sie sich anfangs verrucht und sexy (vor allem Cherry Currie), doch ihr Traum war es, als seriöse Musiker anerkannt zu werden. "pure and simple" produziert, bietet die LP eine Menge meldodiöser "Rock and Roll" Kompositionen. Die Texte sprühen von Teenager-Charme, Schulproblemen, Erziehungsheimen und vor allem jugendlicher Liebe. Trotz "bad girl" Untertöne überträgt "The Runaways" eine spontane, innovative und optimistische Atmosphäre.
- "Cherry Bomb" - erster (kleiner) Single-Erfolg im Radio. Ein klasse Riff, die weiche sinnliche Stimme von Cherie C. steht im Gegensatz zur juvenile delinquency-Lyrik und dem originellen Riff. Cherry Bomb wurde später von etlichen Sängerinnen gecovert, Joan Jett spielt es noch heute live.
- Lou Reed's "Rock And Roll". Die einzige Fremdkomposition finde ich gelungen und ansprechender als das Original.
- "Thunder" und "Secrets". Deren Melodien habe ich seit Jahrzehnten im Kopf behalten und freue mich, sie durch die CD-Veröffentlichung wieder hören zu können. Schade, daß Lita Ford und Joan Jett in ihren Solowerken (mit ausgefeilterer Studiotechnik) nicht wieder darauf zurückgekommen sind.
- auch "Lovers" steht im Gegensatz zum bad girl-image . Ungeschliffener Liebeslyrik aus dem Teenager-Alltag.
- "Dead End Justice" ist der längste Track. Joan Jett und Cherry Currie singen auf verschiedenen Stereokanälen. Es geht um eine gemeinsam geplante Flucht aus einem Erziehungsheim für schwer erziehbare Mädchen. Am Ende ein Killer-Riff von Lita Ford.
Mein Kaufmotiv waren guten Kompositionen, die in dieser Anhäufung auf keiner Joan Jett oder Lita Ford Solo LP mehr zu finden waren. Instrumental gefiel mir besonders die schneidende Heavy Gitarre von Lita Ford, deren Vorbilder u.a. Jeff Beck und Jimmi Page waren. Lita Ford bekam übrigens die meisten Heiratsanträge per Post von den fünf. Joan Jetts Rhytmusgitarre und junges Kompositionstalent, ihre Idole kamen auch aus der Europa, der Glam-Musikszene der frühen Siebziger Jahre, damals in Kalifornien nahezu unbekannt. Cherie hatte eine ausdrucksvollere Stimme als später Joan Jett. Das verschwommene Blondie-Cover wie das informative Booklet ist gutes Design.
Etwas weniger gefällt mir der etwas ungeschliffene (und unüberarbeitete) Studiosound. Warum keine Boni, wie z.B. Cheries "I'm your Fantasy".
Die Runaways hatten einigen Erfolg in Deutschland und Japan, der große Durchbruch kam damals nicht. Es war leider auch zufällig der falsche Zeitpunkt. 1975/76 waren die kalifornischen Charts von Silver Convention, Van Mc Coy, Bee Gees, KC & the Sunshine Band etc. dominiert. Auch in Europa begann der Disco Sound mit Donna Summer und Boney M.
Dennoch kommt man an "The Runaways" nicht vorbei. Die Runaways haben heute viele posthume Fanseiten und Fotos im Internet.
Die nachfolgende LP "Queens of Noise", mit besserer Studiotechnik wurde ihr größter Erfolg.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2013 3:59 PM MEST


Pure & Simple
Pure & Simple
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 17,92

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Riffs, Refrains & Texte, 2. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Pure & Simple (Audio CD)
"Pure and simple" ist meiner Ansicht nach "I love Rock and Roll" ihr bestes Album. Besonders gut:
- "Eye to Eye" - war auch ein kleinerer Hit, Ohrwurm
- "Torture" handelt ebenfalls von einer gescheiterten Beziehung, die Texte auf dem ganzen Album sind recht persönlich und zeigen eine gewisse 34-jährige Reife. Trotz des etwas traurigen Inhalts haben die beiden Songs durch die ansprechenden Refrains und Gitarrenfiguren auch so etwas emotionale Würde.
- "Brighter Day" ist ihre beste Ballade seit "Heartbeat" von den Runaways. Joan macht sich Gedanken um Lebensqualität und Umwelt.
- ähnlichen Inhalt hat "Wondering", der Refrain ist wieder klasse.
- "Insecure" "Activity Girl" und "As I am" sind auch (noch) recht gut.
- Leider gibt es auch einige mäßige Kompositionen, gleich der erste Titel "Go Home" z.B.
- Wegen der Güte der besseren Songs (besonders Torture und Eye to Eye) bin ich um den Kauf von "Pure and Simple" nicht herumgekommen.
Neben den Blackhearts wirkten noch L7 und Babes of Toyland bei einigen Tracks mit.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20