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Rezensionen verfasst von
silbertanne4 "silbertanne" (Offenbach)
(HALL OF FAME REZENSENT)   

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In Südamerika
In Südamerika

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Südamerikanisches Fieber und deutsche Jazzmusiker, 9. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: In Südamerika (Audio CD)
Dieses Werk von Klaus Doldinger kenne ich von einer Langspielplatte, die man in der Frankfurter Zentralen Stadtbücherei leihen kann. Die Platte (aus 1965/66) wurde in Brasilien aufgenommen, einige Tracks noch vor der Tournee, auf der Tageszeitungen von Sao Paolo und Rio dem jungen zurückhaltenden Musiker mit Hornbrille exzellente Hommagen schrieben. Man glaubt fast eine einheimische Jazz-Formation zu hören. Die Rhytmusgruppe spielt vorzüglich, von den Solisten ragen besonders Infried Hoffmann und die Hammondorgel heraus, welche über die ganze Platte mit Doldingers Saxophon verwoben ist. Attila Zoller ist auf der Gitarre zu hören. Der Aufnahmesound ist gut, schon damals auf LP.
Die Kompositionen sind durchweg melodisch, mal melancholisch, mal lauter. Diese Musik ist könnte reizvoll für Jazzhörer sein, mit CDs von Stan Getz und Airto zu Hause. Vielleicht auch für Branchenfremde; z.B. Nostalgiker, die Filme wie "Blow Up" gerne sehen und Freunde südamerikanischer Musik. "Live in Brasil" kommt auch gut gegen 3 Uhr morgens nach einer durchtanzten Salsa-Nacht, bei einem letzten Cocktail.
Schade, daß der Jazz Markt (im Vergleich zu dem alldominanten Pop und Rock) so klein ist und daß viel gute Musik aus den letzten Jahrzehnten niemals die Ohren einer größeren Hörerschaft erreicht (e).


Bad Girls
Bad Girls
Preis: EUR 7,97

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Bad Girls" ist Donna Summers Krone, 5. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Bad Girls (Audio CD)
Zum ersten Mal packte Giorgio Moroder und Donna Summer der Ehrgeiz nicht nur etwas zum Tanzen zu produzieren, sondern gute Musik mit Melodien und aufwendiger Instrumentierung zu machen. Es entstand ein Konzeptalbum, das ein Meisterwerk der kurzen Ära des Disco Sounds wurde. Donna Summer schrieb einen Teil der Titel selbst, sensibel verfaßte sie Texte, die den damaligen Zeitgeist der jungen Menschen wiederspiegeln.
- Die Songs handeln alle von Liebe und Sexualität, aus femininem Blickwinkel. Donna teilt uns mit, daß Liebe Liebe und Sex eben Sex ist. Doch schildert sie die Schwierigkeiten, beides in einer Person zu finden. Die rastlose Suche nach beidem geht als roter Faden durch alle Songs dieser Vor-Aids Ära. (Am Rande: Die Odyssee hatte für Donna ein Jahr später ein Happy End als sie ihren Ehemann kennenlernte).
- "Hot Stuff" geht mächtig los mit einer Männerjagd und schwerer Gitarre. Ein lasziver Chor singt "Lookin' for some hot stuff baby this evenin'" womit nicht der Pizza-Service gemeint ist.
- "Bad Girls" ist der einzige Song, der etwas oberflächlich von käuflicher Liebe handelt - ohne eigentlichen Bezug zur Thematik der Doppel LP. Wahrscheinlich wurde dieser Aufhänger und das unpassende Cover der ebenholzfarigen Schönheit wieder gegen ihren Willen reingeröngt, da ihre Plattenfirma Donna noch unter "Sex sells" betrachtete Aber musikalisch ein feiner Funky Titel mit coolem "Beep Beep" Chor, der heute noch oft in Diskotheken gespielt wird. War wie der Opener 1979 längere Zeit an der Chartspitze mehrer Länder. Nach diesen beiden kommerziellen Singles beginnt das Werk thematisch ...
- "Love Will Always Find You" etwas langsamer mit einer schweißtreibenden Basslinie. Die optimistische Botschaft ist nun für alle Hörer geschrieben.
- "Walk Away", die Stimmung ändert sich. Weniger tanzbar, aber gute Melodie. Donnas Stimmakrobatik ist wirklich vielschichtig. Sie beklagt sich über die Abwesenheit ihres Freundes, sie kommt fast flehend "Walk away don't you see that I want you, here by my side..."
- "Dim All The Lights" beginnt langsam und entwickelt sich dann zu einem Track, der auf die Tanzfläche unter die silbernen Lichtkugel zieht.
- der Übergang zum nächsten Song ist wieder fließend wo Donna mit dem Lover von "Dim.." an die "borders of the mind" reisen möchte. Kosmisches Zirpen von Moroders Apparaten, ein bezwingender Bass, Saxophon und ein ohrwurmiger Chorus.
- "One Night In A Lifetime" behält die Saxophon-Linie und geht textlich plötzlich in Richtung One-Night Stand "I wanna make it with you". Der nächste Morgen ist ihr hier egal.
- "Can't Get To Sleep" lebt von der Hammondorgel. Hier bemängelt Donna die fehlende Aufmersamkeit ihres Lovers "Can't get to sleep tonight, no matter how I try". Doch auch den rührenden Satz, wo sie am Telefon der gleichen Person ihre Liebe gesteht.
Früher mußte man aufstehen und die Platte wechseln. Nun beginnen die Balladen:
- "On My Honor", die verlassene Donna bittet ihren Ex, doch wieder zu ihr zurückzukehren.
- "There Will Always Be A You". Sie bezeugt dem gleichen Mann, daß er immer ein wichtiger Teil ihres Lebens bleiben wird. Eine Kehrtwende um 180 Grad zu der ersten Hälfte.
- "All Through The Night", hat eine hübsche Melodie. Auch diese Ballade bleibt bei der Storyline des vorherigen Songs. Donna bittet ihn, doch nicht mehr anderswo zu suchen, da sie ihm noch so viel zu geben hat ...
- "My Baby Understands" ist die letzte leise Komposition.
- "Our Love", pulsierende Rhytmen, laser-artige Syntheszizer und ein Choral "Our love will last forever".
- Auch "Lucky" - mit seiner sanften Melodie - wurde ein Track den ich ins Herz geschlossen habe. Ein süßer Text mit Wortspielen von dem Mädchen Lucky das seinen Charme im Moment einem mysteriösen Fremden schenkt: "Lucky comes easy, Lucky's not shy, And if you're Lucky, You'll go for a ride". Hier läßt Moroders moderne Studiotechnik den Song wie von der Venus übertragen klingen.
- "Sunset People" führt von der intimen Atmosphäre des persönlichen Liebeslebens noch einmal in die kommerziellen Straßenzüge des Titeltracks. Musikalisch ist der glitzernde Boulevard ein starker Ausklang. Kein einziger Lückenfüller.
Und der günstige Preis macht "Bad Girls" (mit 70 Minuten) zu einem Pflichtkauf, auch heutigen Techno-Hörerinnen könnte das Werk gefallen. In dem heißen Sommer 1979 war "Bad Girls" 7 Wochen an der LP-Chartspitze. Ein noch besserer Kauf ist natürliche die remasterte Doppel-CD von "Bad Girls" mit vielen Maxi-Versionen der Single Auskopplungen noch zusätzlich. War mir aber zu teuer.
... meiner Ansicht hat die Disco-Bewegung von 1976-79 für die spätere Musikgeschichte 2 Werke hinterlassen: "Saturday Night Fever" und "Bad Girls". Und nur einen einzigen Superstar, der den Tod dieser Ära kreativ überlebte (und noch zwei Jahrzehnte mit neuen Stilen erfolgreich war) ... das war Donna Summer.
"Woman of affairs" war 1928 der visuelle Ausdruck vom rastlosen "live fast and hard" der Zwanziger Jahre. "Bad Girls" ist der konzentrierte Zeitgeist dieser schnellebigen Mentalität Ende der Siebziger Jahre.
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Demons & Wizards
Demons & Wizards
Preis: EUR 14,78

27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Uriah Heeps erfolgreichstes Album mit Boni, 5. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Demons & Wizards (Audio CD)
1970-72 hatte die Gruppe große Erfolge in Nordeuropa und ihre kreativste Phase. In Deutschland war ihr Einfluß damals derart, daß z.B. die Schüler meiner Klasse ihr Taschengeld monatelang für eine der ersten LPs (je 22,- DM) sparten. Die Meinungen über ihr bestes Werk fielen auf Salisbury (1970, klassisch angehaucht, experimentell)und
- "Demons and Wizards", das sie zu großen Stars der damaligen Beat-Szene machte. Wirklich magisch, eines der besten Werke des Jahrzehtes, optisch mit Roger Deans Cover und stereophon in eine mytische Fantasywelt entführt. Kein Heep-Werk sonst hatte so viele ansprechende Songs/Collagen in einem Guß. Die meisten Tracks klingen recht ernst (z.B. Circle of Hands), pathetisch (Rainbow Demon, Easy Living), melancholisch und traurig (Paradise, The Wizard). Die treffendste Bezeichnung für die Musik dieser Band jener Tage, die ich bis heute gelesen hatte (ich glaube zu "Salisbury"): Anmutige, stolze wie traurige Klänge, die Musik eines gebrochenen Herzens. Hier lag meiner Ansicht die Stärke der Band und weniger im Heavy-Metal Bereich, dem sie fälschlicherweise manchmal zugeordnet werden. Ihr Sound war damals stark vom Keyboard der Nice und Collosseum beeinflußt.
- The Wizard: beginnt mit einer akustischen Gitarre und steigert sich langsam zu einem harten Track. Das "String-Orchester" ist übrigens das Geräusch eines pfeifenden Wasserkessels, das mit der 16-spurigen Aufnahmemaschine verfremdet wurde. Der superbe Song erschien als Single, mit "Why" auf der B-Seite. Mein Lieblings-Stück der Gruppe mit "Lady in Black".
- Easy-Living: Rasend schneller und beliebter Livesong plus und erfolgreichster Hit neben der schwarzen Dame. Damals schüttelten die Teenager ihre extrem langen Haare zu dem orgellastigen Fetzer in den Jugendzentren aus
- Circle of Hands verbindet einen Alptraum Ken-Hensleys mit den Eindrücken einer erlebten Seance. Hier bestechen nicht zuletzt auch die kräftigen fetten Basslinien des Neulings Gary Thain, dessen Name bei heutigen jungen Bassisten noch bekannt ist.
- Der kräftigere Bass ist vielleicht der größte Unterschied zu den ersten drei LPs. Man höre z.B. das majestätisch-bombastische "Rainbow Demon" (eigentlich ein softer Track), das auch als Single (hier als Bonus) geplant war. Der Text handelt vom Leben des buntschillernden Dämons, der auf der Innencover Seite abgebildet war.
- "Paradise / The Spell" ist die traditionell lange Collage der am Ende der zweiten Plattenseite (wie July Morning und Salisbury). Ein soft-melodiös pianolastiges Werk mit einem wehmütigen Gitarrensolo im Mittelteil.
- Drei Titel gefielen mir weniger: Traveller in time (etwas effekthascherig), Poets Justice (nicht übel aber zu übertrieben dramatisch und choralig)und "All my life" (etwas seicht und albern, paßt gar nicht zu Heeps Frühwerk, in der Ironie und demonstrative Fröhlichkeit Fremdwörter waren). Deshalb ein Stern weniger, den ich wieder dazugeben muß ...
... auf Grund der tollen Boni. Daß "Proud Words on a Dusty Shelf" nicht in die LP integriert wurde kapiere ich nicht. Hätte noch ausgefeilter eine gute Single abgegeben. Das sich ständig wiederholende elegante Riff von Mick Box gefällt mir noch besser als das ähnliche der Single "Spider Woman". Klasse, für mich die Überraschung dieser 2003-CD.
- "Why" kommt noch aus der "Look at Yourself"-Zeit. Damals (wie "July Morning)ein beliebter langer Publikumserfolg. Mick Box Gitarrensolo sind superb.
- Home again wird von Hensley, "Green Eye" von Box dominiert. Im Frühstadium, etwas ungeschliffen.
- Die CD ist (auch produktionstechnisch) ein Meisterwerk und wegen der Zusatztracks, der Informationen des Booklets und der neuen Abmischung Robert Corichs im Februar 2003 auch jenen zu empfehlen, die bisher nur das Original besitzen. Auch junge Hörer, die zu Hause CDs von Dead Can Dance, Mike Oldfield oder Lacrimosa haben, den modernen Corporate-Identity-Heavy-Metal langweilig und immergleich finden - könnten der Gruppe mal eine Hörchance geben.


Paranoid
Paranoid
Preis: EUR 11,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn man von von B.S. nur eine Platte im Regal möchte ..., 5. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Paranoid (Audio CD)
Persönlich finde ich die LP "Paranoid" kompositiorisch gelungener als das Debüt. Auch wenn die Gruppe sich 1971 aufgelöst hätte / oder wenn es danach bis heute nie mehr Heavy Rockmusik gegeben hätte - auch dann befände sich "Paranoid" im Pantheon der modernen Musikgeschichte. Als eine der wenigen mit "Deep Purple in Rock", "Led Zeppelin II", "Fire and Water" und Uriah Heeps "Salisbury". Auch als Langspielplatte schaffte "Paranoid" die Spitzenposition der UK / BRD-LPCharts.
- Deutsche Schlagerparade Ende 1970: Chris Roberts, Edwin Starr, Tremeloes, Christie, Dalia Lavi, Bata Ilic, Rattles, Miguel Rios (A Song of Joy). Und an der Spitzenposition?
"Paranoid" von Black Sabbath, die Single ist schon schon Monate in den Charts. Dieser pulsierende schwere Stil war neu, und war gerade als Kontrast neben deutschen Schlager im Röhrenradio reizvoll. Was war das für ein neuer Stil? Black Sabbath war laute, bleischwere, verrückte Beatmusik mit unheimlichen Texten? Angeblich musste der Titel in 10 Minuten im Studio improvisiert werden, da auf die Plattenfirma noch einen kurzen Song verlangte, O. Osbourne las den Text bei der Aufnahme vom Blatt ab.
- "War Pigs" ist mit seiner unaufdringlich düsteren Stimmung eine der besten Heavy Kompositionen überhaupt, er eignete sich auch als Filmmusik bei der stummen Betrachtung einer brennenden und rauchenden Landschaft. Ich finde, alleine wegen diesem Track lohnt der Kauf. Bill Ward war meist im Hintergrund. Nur einmal las ich 1973 in einem Musiklexikon von Ingeborg Schober, daß er einer der weltbesten Schlagzeuger sei. Sein Stil in "War Pigs" mit seinen Tempi-Wechseln, zähflüssigen bleischweren Bass-Trommeln ist wirklich klasse. Obwohl die Platte unter Zeitdruck und wenig Geld produziert wurde: Die einzelnen Instrumente kommen sauber getrennt rüber, bei späteren Black Sabbath Platten wurde dieser weite stereophone Raum nicht mehr erreicht.
- "Hand of Doom", auch klasse. Zeitgemäß geht es um den Vietnam Krieg und eine Heroinabhängigkeit. Ein harter Anti-Drogen Song. Gelungen ist das überraschende Gitarrensolo im Mittelteil. Auch Iommis zeitlupenartige Lava-Gitarre ist gut abgemischt, damals die Trademark der Band.
- Ebenfalls mit "Iron Man" erblickt hier ein Live-Dauerbrenner das Licht der Welt. Das zähflüssige schwere Riff, am Ende das (kurze) Echoschreien, das waren neue provokative Töne für die Chanson-/Schlager-/Klassik-/Beatmusikkultur des Radios / der Plattensammlungen um 1970. Aus der so mancher Streit mit den Eltern/der Schwester resultierte.
Persönlich finde ich die LP "Paranoid" kompositiorisch gelungener als das Debüt und die beste Platte der Gruppe überhaupt. Auch wenn die Gruppe sich 1971 aufgelöst hätte / oder wenn es danach bis heute nie mehr Heavy Rockmusik gegeben hätte - auch dann befände sich "Paranoid" im Pantheon der modernen Musikgeschichte. Als eine der wenigen mit "Deep Purple in Rock", "Led Zeppelin II", "Fire and Water" und Uriah Heeps "Salisbury". Auch als Langspielplatte schaffte "Paranoid" die Spitzenposition der UK / BRD-LPCharts.
- Mir gefällt an dieser Platte noch manches mehr. Die Texte sind (im Gegensatz zur ersten Platte) nicht okkult. Mit diesem Image war die Gruppe nicht glücklich, die Plattenfirma hatte es ihnen mit dem umgedrehten Kreuz gegen ihren Willen reingeröngt. Auf "Paranoid" gibt es z.T. wirklich gute bewegende Texte: Das agressive Antikriegslied "War Pigs", der todesschwangere Drogenprotest "Hand of Doom" oder die Lebens- und Beziehungsschwierigkeiten einer debilen Persönlichkeit ( Titeltrack). Nein, hier merkt man, daß Iommi und seine Mitspieler ein natürliches Empfindungsvermögen zeigen, daß Furcht und Abstand vor negativen Dingen wie Krieg zeigt. Gut kommt auch die schlichte Gestaltung des Innencovers und daß Mr. Osbourne noch Zurückhaltung zeigte. Nein, "Paranoid" wirkt wie ein gereiftes Werk von seriösen jungen Musikern, keinesfalls aufgesetzt.
- Die Plattenfirma "Vertigo" lies in der ersten Zeit die LP mit einem Op-Art Sticker drucken, der beim Drehen eine optische Täuschung suggerierte und war anfangs mit dem Slogan "der neue Klang aus dem Underground" für Black Sabbath. Damals besaßen auch viele Hörer von anderen Klängen (ELP, King Krimson, Beggars Opera, Free) diese LP


Werte in Zeiten des Umbruchs
Werte in Zeiten des Umbruchs
von Benedikt XVI.
  Taschenbuch

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Scharfsinnige Analyse der Vergangenheit, Gegenwart ..., 3. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Werte in Zeiten des Umbruchs (Taschenbuch)
... und der Zukunft in Szenarien.
Mit dem Wissen der potentiellen Veränderungsmacht eines neuen Papstes - die offenbar über der von Politikern steht - war es eine spannende Angelegenheit so schnell wie möglich zu lesen, was Benedikt XVI. so denkt ...
... Obwohl ich der Kirche kritisch gegenüberstehe: Ich war positiv überrascht!
Ratzinger kann sich leicht in andere Standpunkte ohne Wertung hineinzuversetzen, scheint ein guter und anregender Gesprächspartner zu sein.
- Am meisten bewegte mich das Kapitel, ob es eine EUROPÄISCHE Identität gibt. Ob eine Wiederbelebung dem Kontinent neues (nicht militärisches!!) Selbstbewußtsein, Würde und Lebensfreude geben könnte. Etwas, was nach Joseph Ratzinger schon weit vor dem 20. Jh verlorenging.
Interessant sind seine historischen Ausführungen in der Suche nach einem gemeinsamen Achillespunkt von Europa: Rom, Griechenland, welche Länder gehörten dazu?, Grenzen?, Karl der Große, zeitweilige moslemische Besetzung, Modelle der Trennung von Staat und Kirche in Preußen, Amerika, Frankreich, Glaubenskriege, Säkularisierung, Marxismus, Staatstheorien des 20. Jh. Er scheint sich jeder (auch für die Kirche) noch so unbequemen Frage offen zu stellen. Seine Stellungnahmen wirken neutral, bei wiederholtem Lesen kristallisiert sich natürlich sein persönliches christliches Verständnis heraus.
Um zu einem positiven Verständnis des Begriffes "konservativ" zu kommen schlägt Joseph Ratzinger vor, die Theorien des 19. und 20. Jahrhunderts als Experimentalfeld zu überspringen und sich der früheren Jahrhunderte europäischer Geschichte zu bedienen.
- Die meisten europäischen Länder sehen schon lange keine Gemeinsamkeiten mehr als Verbindungsglied, es herrscht eine seltsame Angst und Desinteresse vor der Zukunft. Was heute im Gegensatz zu anderen Kontinenten und Kulturen steht: So unterschiedliche Staaten wie Ecuador / Brasilien oder Ägypten / Bahrain reden sich gegenseitig instinktiv mit "Brüder und Schwestern" an.
Die würdevollsten Hommagen an Europa kommen gegenwärtig von außen: Etwa Santanas schönes Instrumental "Europa" oder das akribische Interesse Japans an deutscher/italienischer/russischer Kunst und Religion.
Kardinal Ratzinger nennt Oswald Spenglers These, daß Europa bereits überholtes Auslaufmodell sei (ähnlich dem antiken Rom), dessen Vakanzen und Zukunftsängste bald mit neuen Inhalten von außen gefüllt werden würden.
Benedikt XVI. scheint kein Freund des kapitalistischen Wirtschaftssystemes zu sein. Es missfällt ihm, daß Europa sich selbst lediglich ökonomisch definiert und auch für andere Erdteile in erster Linie ein nüchterner "Wirtschaftskontinent" geworden ist. Dessen "westliche" Parameter kritiklos von anderen Kulturen wie Indien kopiert werden. Parameter, deren Nichtfunktionieren offensichtlich sind, angefangen bei der Uneinigkeit über den Euro.
- Bezüglich seiner Zeilen zu den bekannten Tausend Jahren entnehme ich eine von innen kommende Abscheu gegen die Menschenfeindlichkeit des nationalsozialistischen Nihilismus. Respekt. Was bei seiner Generation und noch Älteren wohl nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Als Gegenthese zu Oswald Spenglers biologisch-mechanisch definiertem Untergang von Europa stellt Kardinal Ratzinger die (ebenfalls unbewiesene) voluntaristische These von Arnold Toynbee gegenüber. Welcher die Wiederbelebung des einst großen Kultur- und Identifikationsbewußtseins vom persönlichen Willen abhängig macht. Stimmen, denen im 20. Jh. wenig Gehör geschenkt wurde.
- Die weiteren Kapitel sind nicht weniger interessant, etwa Ratzingers Kritik an der oberflächlichen Definition des Begriffs "Gewissens" in der kath. Kirche des 20. Jh.
- Obwohl im Moment Kardinal Ratzingers meistverkauftes Buch würde ich für den Ratzinger-Neuling eher "Salz der Erde" empfehlen, das aus Interviews zu handfesten Themen besteht.
Doch "Werte in Zeiten des Umbruchs" sollte man sich dennoch anschaffen, wegen der Fülle der z.T. unorthodoxen politischen Gedanken, die sich erschließen, wenn man das Buch ohne Vor-Assoziationen liest.


Kehraus
Kehraus
DVD ~ Gerhard Polt
Wird angeboten von derdvdler
Preis: EUR 8,71

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gerhard Polts lustigster Spielfilm ..., 2. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Kehraus (DVD)
... gehört seit langer Zeit zum Standard im Fernsehen während der Faschingszeit.
- Gabelstaplerfahrer Weitel (Polt) ist am Faschingsdienstag nach München gefahren. Er möchte die 7 (!) Versicherungsverträge wieder rückgängig machen, die ihm ein aufdringlicher Versicherungsvertreter angedreht hat und die er in einem Anfall von geistiger Umnachtung alle unterschrieben hat.
Nun steht er vor dem Versicherungs-Hochhaus, wo man ihn bald von Hinz nach Kunz ins Leere laufen lassen wird ...
Obwohl Weitel offenbar nicht bis drei zählen kann, gibt er die detektivische Suche nach dem Versicherungsvertreter nicht auf. Was ihn letztendlich auf eine betriebliche Faschingsfeier führt, wo er sich mit falscher Identität Einlass verschafft.
Gute Szenen:
- der Versicherungsvertreter Herr von Mehling erklärt Weitel (Polt) die teure Zusatzversicherung: "ein ausgelaufenes Auge oder eine schwere Kiste auf den Kopf und Sie sind ein gemachter Mann".
- ausgerechnet am Faschingsdienstag ist in der Münchner Straßenbahn Fahrscheinkontrolle. Polt findet seinen Fahrschein nicht und leert seine Taschen aus.
- auf der betrieblichen Faschingsfeier sind 3 Spaßmacher eingeladen. Sie machen ihre Büttenrede zu unterschiedlichen Zeitpunkten (ohne gegenseitige Absprache) und tragen dem Publikum jeweils den gleichen pointenlosen Witz vor.
- Obwohl der Witz mit dem "Schubkarren" keinen Sinn ergibt, geschweigedenn lustig ist, wird er während des Films 8 mal erzählt. Der Erzähler bricht dabei jedesmal selbst in Gelächter aus, die Zuhörer verstehen ihn wieder einmal nicht.
- Einer polnischen Reinigungskraft (ohne Deutschkenntnisse) versucht Gerhard Polt erfolglos zu gestikulieren was ein Witz ist: "To laugh ... lachen, hi hi ... ich glaube das verstehen die Ausländer nicht, so was gibt es scheinbar nur bei uns."
- Polt rempelt auf der Feier versehentlich einen Japaner an. Dann sagt er ihm in holprigen Englisch noch einmal, daß sie gerade eben zusammengestoßen sind: "I and you just crashed together ..."
- Wenn Gisela Schneeberger ihr Diätsystem mit Eiern und Tomaten rechtfertigt. Und dennoch alles auf der Faschingsfeier angebotene zusätzlich isst. Auch als in der Fussgängerzone mehrmals das Lied von der "Rindsbratwurst" ertönt, geht sie sogleich zum nächsten Wurstverkäufer.
- Der Versicherungsangestellte Herr Deutelmoser denkt sich einen Anmacherspruch für die Frauen aus. "I am a Deutelmoser and what is you? Do you dance?"
- der Auszubildende geht mit einem echten geladenen Revolver als Cowboy auf die Fete.
- während ein schwer Betrunkener mehrfach die Gäste anpöbelt / bedroht unternehmen die Sicherheitskräfte nichts. Dafür werfen sie einen völlig harmlosen Gast hinaus.
- Der älteste Kollege läßt es sich auch am Fasching nicht nehmen vom zweiten Weltkrieg zu erzählen. "1943/44 da warn wir ..."
- Daß die Kündigung einer ganzen Abteilung ausgerechnet auf dieser Feier vom Vorstand vorgelesen wird.
- Nach der Feier sind einige Autos von der Polizei abgeschleppt worden und man muss ein Taxi nehmem.
- Nach dieser (auch spannenden) Odyssee gibt es ein Happy End, was Gisela Schneeberger und Gerhard Polt betrifft.
Neben aller Sozialkritik vermittelt "Kehraus" auch Szenen aus einem gemütlichen und traditionellen München, etwas was manch späterem Polt-Werk abhanden gekommen ist.
Für normale Bürger ist "Kehraus" ein Pflichtkauf für die Faschingszeit. Andere - bei deren Lebensführung man den Eindruck hat, daß scheinbar permanent Fasching ist - dürfen sich ihn zu jeder Jahreszeit anschauen.


Kehraus
Kehraus

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Hörspiel zum ultimativen Faschingsfilm, 2. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Kehraus (Audio CD)
"Kehraus" ist meiner Ansicht der beste längere Film, den Gerhard Polt gemacht hat. Polt spielt einen Gabelstaplerfahrer, der bei einem aufdringlichen Versicherungsvertreter sage und schreibe 8 Versicherungsverträge unterschreibt. Als der Vertreter "von Mehling" wieder weg ist, dämmert es ihm, daß er ingesamt 800,- DM monatlich bezahlen müßte, bei einem bescheidenen Lohn von 1600,- DM. Am nächsten Tag nimmt er Urlaub und fährt in das Versicherungshochhaus nach München, um die Verträge rückgängig zu machen. Niemand nimmt sein Anliegen ernst, es ist Faschingsdienstag, seine Odyssee führt ihn von der Sektretärin, er platzt in die Vorstandssitzung rein und versucht einen letzten Anlauf Herrn von Mehling - inkognito - beim Faschingsball "Traumpolice" der Versicherung zu finden ...
Obwohl Gerhard Polt scheinbar nicht bis 3 zählen kann bei seinen Manövern ist der Film (mit Polt als Drehbuchautor) sehr gut aufgebaut, von gelungenen Sketchen gespickt. Bei mehrmaligen Sehen entdeckt man immer mehr Lustiges im Detail. Gut ist z.B.
- Gerhard Polt versucht einem Japaner auf Englisch zu erklären, was ein Witz (der Büttenredner) ist. Als er mit einem anderen Ausländer zusammenstößt und die Getränke verschüttet, versucht er ihm auf Englisch zu erklären, daß sich beide soeben versehentlich angerempelt haben. "You and I just crashed ..."
is you? Do you dance?"
- Die Band und der Sänger spielen ohne große Lust langweilig ihr Reportoire runter, das Publikum scheint aber darauf abzufahren und singt jede Zeile enthusiastisch mit.
- Die 3 Witzerzähler haben sich nicht aufeinander abgestimmt und treten zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf. Jeder von ihnen erzählt zum wiederholten Mal dem Publikum den pointenlosen Witz von der "Schubkarre", den niemand komisch findet. Außer den Witze-Erzählern selbst, die dabei in Gelächter ausbrechen.
Der Film kritisiert auch, z.B. die hohen Eintrittspreise, die Entlassungen "mit unseren Kündigungen schaffen wir eigentlich indirekt Arbeitsplätze" der Direktoren, die am Faschingsball ausgesprochen werden. Die familiären Verhältnisse der einzelnen werden kurz geschildert, oder etwa ein völlig harmloser Gast wird von den Ordnern rausgeworfen ("der Typ war kurz vor dem Randalieren, glaube ich" erklärt der Ordnungsdienst seinem Vorgesetzten) - ein ähnlicher Sketch, den Polt schon mal auf seinen CD-s gebracht hat. Oder die Schein-Erotik der jungen Damen beim Ball, die den Gästen nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen und dann Spielverderberinnen sind. Der Film hat aber ein Happy-End.
Der Film ist so lustig, er hätte ein ähnliches Eigenleben wie "der Firmling" von Karl Valentin verdient, den manche Fans schon dutzendemale gesehen haben und jeden Sketch auswendig kennen. Und das nicht nur in Bayern.


Leberkäs' Hawaii
Leberkäs' Hawaii
Preis: EUR 11,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das dritte Werk von Gerhard Polt auf CD, 2. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Leberkäs' Hawaii (Audio CD)
"Leberkäs" kam 1981 als Langspielplatte auf den Markt. Etliche seiner guten, einige seiner besten und ein paar weniger beeindruckende Späßli sind hier drauf.
- "Net vui": Der latent vorhandene - oft grundlose - Pessimismus in Deutschland wird kritisiert. Der Interviewer. "Na was machen Sie so im Moment, was steht im Busch?" "Ich weiß net. Net vui (nicht viel). Eigentlich gar nichts. Hat ja eh alles kein Sinn. A bisserl Fernsehen. Ich bin halt meist zu Haus."
Hier bewundere ich Polts Analyse und Mut. Das Selbstmitleid - was manche bei sich wie einen heiligen Schatz pflegen - wagen nicht viele Humoristen zu veralbern. Bitte mehr davon!
- "Der Hundebesitzer", ein älterer Mann: "Mein Hund -um ehrlich zu sein - der ist mir lieber wie jeder Mensch. Er hat eine Seele und eine Menschenkenntnis aus purem Gold. Wen er nicht mag, der kann gleich wegbleiben."
- "Der neue Schnitt": Ein unzufriedener Gast macht den Friseur nervös. "Also, was schneiden Sie denn da zusammen. Ich seh doch so aus wie ein Arsch mit Ohren" ... "schneiden's mir keine Treppen rein" ...
- "Leberkäs Hawai": Umständlich beschreibt Polt seinen Freund Rudi. "Er besitzt einen ockergelben Manta, und hat diese besonderen Felgenreifen gekauft ... Der Rudi schwimmt gern.
Wir haben uns am Kiosk kennengelernt, und da hat er mir ein Rezept verraten: Eine Scheibe Leberkäs, kein Ei, Curryreis, Red Beans. Alles in der Pfanne schwarzbraten und am Schluss eine Scheibe Ananas, Ketchup, Thymian und Oregano drauf. Ob Sie's glaum oder net, des Rezept habe ich noch in keinem Buch gefunden."
- Hindemith, Polt versucht (telefonisch) für seinen Urlaub jemanden zu finden, der auf seinen Hund Hindemith aufpassen soll. Er ruft einen Freund an. Im Hintergrund tobt der Hund und macht den Teppich kaputt. "Läßt Du den Teppich in Ruhe, du Mistvieh, ... etc." Da sagt sein Freund ab und behauptet er habe keine Zeit.
- "Die Ordnungskraft" wurde auch für den "Kehraus"-Film verwendet.
- "Der Softbiss" - umständlich präsentiert ein Vertreter für Knäckebrot in einem Supermarkt die einzelnen Sorten: "Hier haben wir ein nordnorwegisches Hirten-Knäckebrot für verträumte Stunden ... oder hier das "Knackig-Knusperle" für unsere Kleinen, ...
- "Karneval" "Am Fasching, da fahren wir zum Gardasee, setzen uns Pappnasen und Hüte auf. Dann unterhalten wir uns über Politik und Motoren, gehen in Restaurants ... Also wir sind begeisterte Karnevals-Anhänger."
Die meisten Späßli auf "Leberkäs Hawai" sind zeitlos.
Ein paar (Die Atombunker-Führung, der Pazifist) haben durch das Ende des kalten Krieges heute an Bedrohlichkeit verloren, worüber wir uns eigentlich freuen müssten. Und da wird wieder der erste Sketch "Net vui" aktuell, der die mangelnde Bereitschaft zeigt, sich über Erreichtes und Überwundenes zu freuen.
Gute Späße zu günstigem Preis - da langen Polt-Fans zu.


D'anni Hat G'sagt
D'anni Hat G'sagt
Preis: EUR 7,97

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die zweite von Polt, 2. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: D'anni Hat G'sagt (Audio CD)
"D'Anni hat g'sagt" war die zweite Langspielplatte von Polt (1979), der 1 Jahr zuvor mit "Nikolausi" im Radio bekannt geworden war.
- Die Anni steht hier für eine ältere Frau, die zwischen Polts längeren Sketchen kurze Vorurteils-Sprüche von sich gibt. z.B. "Anni hat g'sagt, daß die Leute heute ihren Kindern keine mehr schmieren wollen ist doch ein Unfug. Anni sagt, manchmal könnt sie deshalb den Kindern links und rechts eine reinhaun."
- "Der Erwin", bei einem Arbeits-Meeting klingelt bei Polt unerwartet das Telefon. 5 Minuten läßt er seinen Cousin reden. Am Schluss legt er auf und sagt "so eine blöde Sau", das Meeting kann endlich weitergehen ...
- "Mai Ling", für 2.785,- DM hat sich Polt eine asiatische Ehefrau kommen lassen. Frisch vom Bankok Airport, geimpft, etc. Stolz präsentiert er einem Bekannten, daß sie schon etwas Deutsch versteht. Indem er sie mehrmals auffordert, ihm seine Zigaretten aus dem Wohnzimmer zu bringen.
- "Vom Krieg" kritisiert die Art der Erinnerung von manchen ehemaligen Soldaten. "Also wenn Sie bei der Westfront waren, da haben sie den Krieg ja gar nicht wirklich mitgemacht. Ich dagegen war in Russland." Das Gespräch dreht sich um ein Kartenspiel, das durch einen Panzerbeschuss tödlich beendet wurde. "Schade, mein Mitspieler hatte ein wirklich gutes Blatt in der Hand gehabt. Wir hätten gewonnen."
- "Toni Tristesse" über das einseitige Bild der arabischen Bevölkerung. Obwohl der Interviewer eines arabischen Ministers kein Wort versteht gibt er seinen deutschen Zuschauern am Schluss ein Resümee: "Öl! An was anderem san die eh nicht interssiert!". Ähnlich beklagte sich 2004 Königin Noor (von Jordanien) über die unzutreffende Darstellung der moslemischen Bevölkerung in den westlichen Medien.
- "Der Witz": eine Minute lang versucht jemand einen langweiligen Witz - ohne roten Faden und Pointe - wiederzugeben, an den er sich selbst nicht mehr genau erinnern kann.
- "Der Weihnachtsneger" kommt am heiligen Abend zu Besuch. Das Ehepaar fragt ihn, ob er Spekulatius-Gebäck aus seinem afrikanischen Heimatland kennt.
Am besten finde ich den "Erwin" und "Mai Ling".
Exkurs: Was ich an Polt gut finde ist die Aufdeckung von Kinderablehnung, daneben benehmen im Urlaub oder die Kritik an einer Mentalität, welche die eigene Identität scheinbar nur noch in der Wirtschaft sucht. Ganz klasse deckt das auch sein lustiger Film "Kehraus" auf.
Manchmal vermisse ich bei ihm ein persönliches Bekenntnis, d.h. die Suche und das Finden positiver (bayrischer / europäischer) Kulturfragmente. Was ein möglicher Achillespunkt für einen neuen Zukunfts-Optimismus sein könnte, der ja vielleicht auch die Kinderfrage bei vielen wieder in einem posiveren Licht erscheinen lassen könnte.
Wegen den guten Titeln sollte sich der Polt Fan "d'Anni hat g'sagt" zulegen.


Fast Wia im Richtigen Leben
Fast Wia im Richtigen Leben
Preis: EUR 10,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lustige Sketche & kurze Musikeinlagen in falscher Tonart, 2. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Fast Wia im Richtigen Leben (Audio CD)
Von den ehemaligen Schallplatten "Der Erwin", "Leberkäse", "d'Anni hat gesagt" gefällt mir "Fast wia im richtigen Leben (1982) besonders gut.
- Originell sind die kurzen Volksmusikeinlagen (Ouvertüre, Harfenstück, Brotzeitmarsch, Aha, Halbe Zwoa, Zwiefacher).
- Geburtstagsgrüße: Gerhard Polt nimmt mit seiner Frau und Sohn Heinz-Rüdiger eine Toncassette als Grussbotschaft für Verwandte in Australien auf. Versehentlich nehmen sie einen Streit auf, ob das Band eiert oder nicht. Die Verwandten können auch hören wie Heinz- Rüdiger ausgeschimpft wurde, weil er keine Lust hatte einen Gruss zu sagen. "Herrschaftseiten, Heinz-Rüdiger, gleich schmier ich Dir eine, ..."
- Der neue Mieter: Ausländerdiskussion à la "Angst essen Seele auf", mit überraschendem Happy End.
- "Katastrophen", Gisela Schneeberger hält ihrem Nachbarn einen langen Monolog über ihre Familie: "Meine Mutter hat die ständige chronische Bronchitis, und mein Schwager ... auch ein tragischer Fall ... ab nach Amerika ... Sie kennen doch die Blonde mit der Allergie ..." Gerhard Polt kommt nicht zu Wort und steuert nur einzelne Worte bei "Mei ... na ja ..."
- "Zukunftsaussichten": Beim Kreuzworträtsel-Lösen findet ein Ehepaar nicht das richtige Wort für "Kunstmaler" . Das führt zu einem Streit über die berufliche Zukunft des zweijährigen Kindes. Gisela Schneeberger ist strikt dagegen, daß er später ein Maler wird, Polt ist dafür.
- "Advent" gibt es auch auf der CD "Adfent, Adfent". Ein Interview mit einem Bauern über die Vorweihnachtsbräuche in seinem Haus. "Genau wie am Fasching trinken wir am Advent ein Bier und einen Schweinsbraten" ...
- "Ausgehvorbereitungen": Kurz vor dem Restaurantbesuch findet ein Ehepaar nicht die Gaspistole. "Rosa, wo hast du das Tränengas wieder hingetan?" Wegen den vielen Jugendlichen, Arbeitslosen und Ausländer trauen sie sich ohne Selbstverteidigung nicht mehr aus dem Haus.
Das meiste ist nicht auf der Zusammenstellung "Klassiker" oder späteren Live-Mitschnitten vertreten. Das spricht für den Kauf von "Fast wia im richtigen Leben".


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