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Rezensionen verfasst von
Lucky "Lax" (Rheinberg)

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Jagd auf Ikarus
Jagd auf Ikarus
von Timothy Zahn
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 600 Seiten dick und doch platt wie ein Groschenroman, 3. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Jagd auf Ikarus (Taschenbuch)
Wieder einmal glänzt Heyne mit Halbwahrheiten auf dem Buchrücken, denn so neu ist der "neue Roman" des Autors der Blackcollar-Trilogie nicht. Immerhin erschien das englische Original 1999 - also 7 Jahr vor dem 3. Teil der Trilogie. Über die Gründe, warum Heyne das Buch in deutsch erst Ende 2010 aufgelegt hat, möchte ich jetzt aber nicht weiter spekulieren. Den recht guten Kritiken bisher kann ich mich allerdings nicht anschließen.

Nachdem ich zuletzt Stanislaw Lem und Philip K. Dick gelesen und mich bei Lem (Fiasko: Roman (suhrkamp taschenbuch)) über zu viel Science und zu wenig Fiction beschwert hatte, wirkten die ersten Seiten von Jagd auf Ikarus für mich geradezu unbeschwert, leichtgängig und rasant. Direkt auf der ersten Seite kommt der raubeinige und heruntergekommene Pilot Jordan McKell in eine ebenso heruntergekommene Spelunke und legt sich mit noch viel heruntergekommeneren Aliens an - und schon kracht's. Timothy Zahn schreibt so, wie seiner Hauptfigur Jordan McKell der Schnabel gewachsen ist. Da ist man nicht angetrunken, sondern voll bis zur Halskrause und da wird in den Hyperraum gehopst statt gesprungen - um nur einige wenige Beispiele des sich durch das ganze Buch ziehenden Sprachniveaus zu nennen.
Was mich auf den ersten paar Seiten noch amüsiert hat und nach den Exkursen in die etwas anspruchsvollere, aber schwergängigere Literatur mal wieder angenehm locker und trivial daherkam, ging mir schon nach 50 Seiten ziemlich auf die Nerven. Zahn's Hauptfigur ist nur so mit Klischees überladen und die Szenen haben zum Teil wirklich Groschenroman-Niveau.

Die Handlung ist zwar durchaus spannend, aber in der ersten Hälfte des Buches leider auch durchweg vorhersehbar:
McKell erhält von einem zwielichtigen Fremden einen geheimnisvollen Auftrag. Er soll das Raumschiff Ikarus (was für ein subtiler Name für ein Raumschiff!) mitsamt Fracht zur Erde bringen, aber bloß nicht in den versiegelten Laderaum schauen. Ohje, wie mysteriös!
Schon während der ersten Etappe kommt es auf der Ikarus, deren Besatzung komplett aus Söldnern besteht, zu einem tödlichen Unfall - oder war es vielleicht doch Mord? Gibt es an Bord möglicherweise einen Verräter? Oh Mann, wie rätselhaft!
Während der Zwischenlandungen kommen McKell und seiner Besatzung immer wieder Polizei, Zoll oder nicht ganz so legale Organisationen in die Quere. Oh nein, wie dumm!
Dummerweise sind der geheimnisvolle Onkel Arthur und der mafiöse Bruder John, bei dem McKell in der Kreide steht und für die er deshalb normalerweise Drogen schmuggelt, gar nicht von Jordan's Nebenbeschäftigung begeistert. Zu allem Unglück setzt auch noch jemand ein Kopfgeld auf den armen Piloten und das Schiff aus und alle möglichen und unmöglichen Figuren interessieren sich plötzlich für die geheimnisumwitterte Fracht der Ikarus. Oh-o, wie aufregend!

Auf 300 Seiten wiederholt sich die Geschichte auf etwas ermüdende Art und Weise nach diesem Strickmuster:
"Zwischenfall während des Flugs" dann "Zwischenfall während des Tankstopps" schließlich "Videokonferenz mit Bruder John und/oder Onkel Arthur" - und dann wieder von vorn. Die Handlung bringt das leider nicht wesentlich weiter. Genausowenig wie die nervtötenden Spekulationen, über Mörder, Motive und sonstige Rätsel. Hier ein Beispiel:
Als sich nach dem Mord ein weiterer "Unfall" ereignet, stellt McKell folgende Überlegung an:
Vielleicht wollte der Mörder verhindern, dass das zweite Opfer hinter das Geheimnis kommt, welches das erste Opfer möglicherweise erkannt hatte. Vielleicht wollte der Mörder aber auch nur, dass wir genau das denken und uns damit in die Irre führen. Vielleicht hatte der zweite Unfall mit dem ersten aber auch gar nichts zu tun.

Erst in der zweiten Hälfte des Buches, wird es dann wirklich spannender, unvorhersehbarer und damit auch interessanter - bis es schließlich zum großen Showdown kommt. Und der gerät leider daneben. Achtung - nicht weiterlesen, wenn ihr euch die Spannung erhalten wollt.

Ich verstehe überhaupt nicht, warum sich ganz plötzlich und unerwartet gerade die Person, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, als Agent des Geheimdienstes entpuppt, der dem Oberbösewicht das Handwerk legen will. Im Prinzip hätte die Handlung auch ohne diesen Schwachsinn auskommen können und somit war das ein völlig unnötiges und überflüssiges Manöver, durch das ich mir als Leser etwas veräppelt gefühlt habe.

Darum ein Stern für die trotz allem recht spannende Handlung und einen weiteren für den flüssigen Schreibstil, der zumindest dabei hilft, dem Buch nicht mehr zeit zu opfern, als es wert ist. Der dritte Stern fällt dem unwürdigen Schluss zum Opfer.


Blade Runner
Blade Runner
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hervorragend anders!, 11. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Blade Runner (Taschenbuch)
Hier ist alles wunderbar anders:
Philip K. Dick ist als Autor ohnehin schon schwer mit anderen zeitgenössischen Schriftstellern vergleichbar.
Seine Romane sind auch anders, als die, in deren Schublade sie viele zu stecken versuchen, denn seine Werke sind nicht mit der üblichen Science Fiction vergleichbar.
Und der Roman Blade Runner (vormals "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?") ist nicht nur besser, sondern auch wunderbar anders als der (ebenfalls großartige) Film von Ridley Scott.

Buch und Film unterscheiden sich in vielen Dingen:
Nicht nur der Ort des Geschehens, sondern auch die Rahmenbedingungen sind anders. Im Film spielt die Handlung nach einem fürchterlichen Atomkrieg in einem übervölkerten, verregneten L.A. und der alleinstehende Blade Runner Rick Deckard macht sich auf die Jagd nach Androiden. Im Buch hat sich jeder, der es sich leisten kann, aus dem radioaktiven Staub gemacht und den Mars kolonialisiert. Der verheiratete Rick Deckard macht sich um seinen Job als Prämienjäger (der Begriff Blade Runner wird zumindest in der Übersetzung nicht benutzt) genauso viele Gedanken wie um seine depressive Frau und die Frage, ob er sich jemals ein echtes Tier (statt seinem künstlichen Schaf) leisten kann.
Viele Figuren aus dem Roman kommen im Film gar nicht vor oder sind stark verfremdet. Und ein Aspekt, der im Buch eine zentrale Rolle spielt, wird im Film gar nicht behandelt - der Mercerismus, die in der Dick'schen Gesellschaft verbreitete Religion, in der die gebeutelten Menschen über eine Einswerdungsbox Freud' und Leid miteinander teilen können.

Etwa in der Mitte des Buches bekam ich schließlich den Eindruck, dass die Handlung einen ganz anderen Verlauf nimmt. Ohne zu viel zu verraten, tauchen hier wieder die bei Dick üblichen Motive auf: Was ist real? Was ist Fiktion? Ist die Welt, die man für echt gehalten hat nur eine Täuschung?...

Diese Andersartigkeit beigeistert mich bei Dick immer wieder und die Tatsache, dass ich mit der Erwartung an das Buch herangegangen bin, zumindest die Handlung im groben schon zu kennen, hat diesen Roman für mich noch interessanter gemacht.

Am Ende ziehe ich doch noch einen Stern ab, weil mir das Ende zu einfach daherkommt. Hier fehlt mir das Unvorhersehbare (wie z.B. bei Ubik) und der Überraschungsmoment. Bei der genialen Story, der großartigen Charakterisierung des innerlich zerissenen und zweifelnden Deckard und dem durchaus vorhandenen Spannungsbogen, hatte ich mir für den Showdown etwas mehr Dramatik versprochen.

Trotzdem war der Blade Runner ein echtes Erlebnis und wird umso interessanter, wenn man auch den Film kennt. Und wem der Roman gefällt und gern mehr von Dick lesen möchte, dem kann ich Ubik nur empfehlen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 27, 2011 11:59 AM MEST


Fiasko
Fiasko
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Sciene unterbrochen von Fiction, 8. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Taschenbuch)
Die unzähligen Space Operas und der übermäßige Konsum von Trivialliteratur müssen mich mittlerweile komplett versaut haben. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich mich den vielen positiven Rezensionen nicht anschließen kann. Ja, die Handlung ist spannend, interessant und tiefgründig, aber sie wird immer wieder von seitenlangen philisophischen Abhandlungen und wissenschaftlichen Einordnungen unterbrochen, die mir die Freude an dem Buch verdorben haben - da hatte ich z.B. durch die Lektüre der Sterntagebücher (Sterntagebücher (suhrkamp taschenbuch)) vermutlich eine falsche Erwartungshaltung. Dem Buch fehlt der Charme, der Witz, die Ironie und der Sarkasmus anderer Werke völlig und bleibt durchgängig vollkommen ernst.
Für meinen Geschmack, kommt jedenfalls die Handlung und das (eigentlich immense) erzählerische Potenzial dieses Romans im Vergleich zu den wissenschaftlichen Aspekten viel zu kurz.

Natürlich spielt die Wissenschaft in diesem Buch eine ganz elementare Rolle, denn wir verfolgen (leider erst sehr spät im Buch) vor allem die Insassen des kleinen Erkundungsraumschiffes Hermes, das sich einem fremden Planeten nähert, der von einer völlig unbekannten Spezies bewohnt wird. Die Besatzung versucht mit den Aliens in Kontakt zu treten. Hierbei bemühen sich die Wissenschaftler an Bord, unbekannte Wesen, eine völlig fremdartige Gesellschaft, die sie nicht kennen und die ihre ganz eigenen (Natur-)Gesetze hat, anhand von irdischen Theorien, Modellen und Erkenntnissen zu erklären, was letztendlich scheitern muss.
Der Roman wird dem Anspruch an einen SCIENCE Fiction damit mehr als gerecht, aber für mich wirkt das Werk unausgewogen, weil die spannende, interessante Handlung im Vergleich zu den wissenschaftlichen Hintergründen viel zu kurz kommt. Ich hätte z.B. mehr zu der Frage der Identität von Tempe erwartet, nachdem sich die ersten 100 Seiten (und damit fast ein Viertel des Buches) nur um den verunglückten Piloten Parvis und den Wiedererweckten Tempe drehen.

Und jetzt muss ich noch ein wenig spoilern:
Die in zwei Sätzen auf dem Buchrücken beschriebene Handlung spielt sich eigentlich erst im letzten Viertel des Buches ab. Nachdem die Besatzung der Hermes lange vergeblich versucht, die Aliens zu kontaktieren, kommt deren erste Antwort erst etwa 60 Seiten vor dem Schluss - und dann in klarer Telegrammstil-Schrift, was mir etwas unglaubwürdig erscheint. Das "kosmische aneinander Vorbeireden" ist eigentlich gar nicht das Problem, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Besatzung mehr ÜBER die Aliens spekuliert und redet, als MIT ihnen.

Fazit:
Fiasko mag aus wissenschaftlicher Sicht hohen Ansprüchen genügen und regt tatsächlich zum Nachdenken an. Als Leser, der aber auch den Anspruch hat, unterhalten zu werden, hat mir das Buch aufgrund der Unausgewogenheit zwischen Science und Fiction nicht besonders gefallen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2013 3:09 PM MEST


Weltensturm
Weltensturm
von Scott Westerfeld
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen SciFi zwischen Fleisch und Fisch, 3. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Weltensturm (Taschenbuch)
Eines vorweg geschoben:
Ganz zu recht beschweren wir uns immer wieder, wenn die deutschen Verlage aus einem englischen Original zwei Bücher machen. Hier ist es - leider eine rühmliche Ausnahme - mal anders rum. Heyne hat aus zwei Büchern eins gemacht (und ich muss gestehen, mir ist der Übergang nicht aufgefallen).

Was genau ist Weltensturm eigentlich für ein Buch? Ein anderer Rezensent betitelte diesen Roman als "unepisches Epos" - und da ist was dran wie ich finde.
An eine große Space Opera nach dem Zuschnitt von Dan Simmons oder Alastair Reynolds (wie die Amazon Redaktion uns nahe legt, s.o.) kommt Westerfeld jedenfalls nicht ran. Dafür fehlt es dem Roman an Tiefe, die der Autor in über 800 Seiten durchaus hätte entwickeln können, es aber nur ansatzweise tut. Stattdessen schwankt das Werk zwischen Sci-Fi, Military SF, politischen Thriller und Space Opera und kommt schließlich zu einem unwürdigen, überhasteten Ende.
Positiv ist mir an dem Buch aufgefallen, dass Westerfeld das Problem der Zeitdilatation nicht wie viele seiner Kollegen durch Hyperraum- oder Dimensionssprünge "wegschreibt", sondern dass er dieses Phänomen der Relativitätstheorie berücksichtigt und beschreibt, wie die Menschen mit dem "Zeitdieb" umgehen.

Worum geht's denn eigentlich?
Das Imperium des unsterblichen Kaisers erstreckt sich über 80 Welten. Der Kaiser, der vielen Jahrhunderten das Geheimnis der Unsterblichkeit entdeckte, herrscht seitdem unangefochten und bestimmt selbst, wem für besondere Verdienste die Unsterblichkeit verliehen wird.
Captain Laurent Zai, ein durch fürchterliche Folter an Körper und Seele versehrter Kriegsheld, ist mit seinem Schiff - der "Luchs" - auf einer schwierigen Mission unterwegs: Er soll mit seiner Crew die Schwester des Kaisers aus den Fängen der Rix befreien. Doch als die Situation eskaliert, droht dem Imperium ein erneuter Krieg mit den Rix.
Auf dem Heimatplaneten wird währenddessen die oppositionelle Senatorin Oxham, die heimliche Geliebte des Captains, in den Kriegsrat des Kaisers berufen. Schnell geraten beide an ihren "Fronten" in fatale Gewissenskonflikte...

Ich lese eigentlich keine Military SF und darum kann ich mir darüber kaum ein Urteil erlauben, aber gerade die Darstellung der Konflikte der beiden Protagonisten, die Charakterisierung des innerlich (und durch grauenhafte Folter im wahrsten Sinne des Wortes auch äußerlich) zerrissenen Captains und die politischen Machtspiele zwischen Senatoren, Kriegsrat und Kaiser machen aus dem Roman deutlich mehr als eben "nur" ein Military SF Buch.
Dass es andererseits zu einer gelungenen Space Opera nicht ganz reicht, liegt für meinen Geschmack daran, dass Westerfeld, nach einem tollen Einstieg, in dem er das Setting gut aufgebaut hat, im Mittelteil zu viel Seiten und Zeit mit taktischen Angriffs- und Abwehrmanövern der Luchs und einer zur Einzelkämpferin dezimierten Rix verschwendet.
Und nachdem das Buch im letzten Drittel wieder richtig spannend wird, kommt es schließlich zu einem unwürdigen Schluss, der auf mich fast wirkt, als hätte Westerfeld auf einmal schnell zum Ende kommen wollen oder müssen. Nichts gegen offene Enden, die zum weiterdenken anregen, aber (ohne etwas verraten zu wollen) Westerfeld lässt hier einfach zu viele interessante und wichtige Fragen, die noch viel Potenzial gehabt hätten, offen.

Und jetzt noch ein wenig Kritik, in der ich etwas spoilern muss:
Das ach so grauenhafte Geheimnis, des Kaisers, wegen dem sich Laurent Zai sogar übergeben muss als er es hört, ist zwar schlimm, weil es die Grundfesten der Gesellschaft der Grauen erschüttert. Aber ich fand es jetzt nicht so dramatisch und habe (auch weil Westerfeld es so lange als Spannungsmoment vor dem Leser verbirgt) eigentlich die ganze Zeit auf das Geheimnis hinter dem Geheimnis gewartet - aber da kam dann leider nix mehr...

3,5 Sterne würde ich geben - unterm Strich runde ich hier mal ab zu guten 3 Sternen.


Vilm - Die Eingeborenen: Vilm Band 2
Vilm - Die Eingeborenen: Vilm Band 2
von Karsten Kruschel
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Band 2: Rettung unerwünscht, 3. Januar 2011
Zunächst sei erwähnt, dass es sich bei VILM Die Eingeborenen um den zweiten Teil eines (bisher) zweiteiligen Romans handelt. Ich empfehle daher vorher Teil 1 gelesen zu haben (s. VILM 01. Der Regenplanet).
Wie schon in meiner Rezension zu Teil 1 möchte ich der inhaltlichen Bewertung einen Kritikpunkt voranstellen:
Einen Roman in zwei Bücher aufzuteilen, ist offensichtlich zur üblichen Geschäftspraxis bei deutschen Verlagen geworden. So gibt es auch von VILM zwei Teile - Der Regenplanet und Die Eingeborenen. Zwar lassen sich die beiden Teile (wenn man sie beide gelesen hat) durchaus inhaltlich sauber und schlüssig trennen, aber Teil 1 endet völlig unvermittelt und darum wirkt der Schnitt zu Teil 2 zunächst recht willkürlich.
Laut dem Autor selbst, hatte die Druckerei nicht die Möglichkeiten bzw. Kapazitäten, um das ganze Werk in einem Buch zu binden, was ich etwas seltsam finde. Auch ein verlag wie Wurdack sollte einen Druckerei haben, die in der Lage ist, mehr als nur Kurzgeschichten zu drucken.
Letztendlich zahlt man für 2 Taschenbücher mit insgesamt 440 Seiten einen stolzen Preis. Dass der Wurdack Verlag mit anderen Auflagen und anderen Kosten kalkulieren muss leuchtet mit schon ein und darum verstehe ich meine Investition als gern gegebenen Förderzuschuss für einen viel versprechenden, neuen deutschen Science Fiction Schriftsteller.
Allerdings komme ich mir reichlich veralbert vor, wenn ich in dem Zusammenhang das Zitat eines anderen deutschen SF Autors, Erik Simon, auf dem Buchrücken lese, der betont, wie angenehm sich VILM von den üblich gewordenen ziegelförmigen SF-Romanen abhebt. Denn wenn man die beiden Teile zusammenfasst, und die Seiten etwas großzügiger bedruckt (s. z.B. die Papierverschwendung in Lukianenkos Büchern) hat man ganz schnell den gleichen Ziegel. Und dann hebt sich VILM nur noch inhaltlich und/oder stilistisch ab - und das tut es durchaus.

Im Gegensatz zu Teil 1, in dem Kruschel uns Anekdoten aus den Erlebnissen der Schiffbrüchigen erzählt, wird der Plot von Teil 2 deutlich komplexer, interessanter und darum aus meiner Sicht auch besser.
Viele Jahre nach dem Absturz eines Weltenkreuzers wird ein entsprechender Notruf aufgefangen und die Flotte macht ein weiteres Raumschiff für die Suche startklar. Als sie die Schiffbrüchigen auf dem unwirtlichen Regenplaneten VILM schließlich finden, sind die Retter jedoch völlig verwundert, dass sich die Vilmer gar nicht retten lassen wollen und auf ihre Eigenständigkeit bestehen. Auch die Symbiose, die die Nachfahren der Schiffbrüchigen, mit den auf Vilm lebenden, so genannten Eingesichtern eingegangen sind, ist für die Vertreter des Flottenkommandos so unverständlich wie fremdartig und trägt nicht zur besseren Verständigung bei. Nachdem sich auch noch andere religiöse und politische Gruppierungen für den Regenplaneten interessieren, eskaliert der diplomatische Konflikt auf und um Vilm, wo noch ein wohl gehütetes und schreckliches Geheimnis verborgen ist...

Ich glaube, mir hat Teil 2 vor allem wegen der Story besser gefallen. Auch hier springt Kruschel in der Erzählperspektive ständig von einer Person zu nächsten und auch wenn der zum Administrator aufgestiegene Will sich ein wenig zu einer zentralen Figur entwickelt, fehlt es für meinen Geschmack nach wie vor an einer Hauptperson, mit der man sich identifizieren und mit der man die Geschichte miterleben kann.
Aber was Kruschel immer wieder gelingt, ist, in den einzelnen Episoden eine beachtliche erzählerische Dichte und Tiefe aufzubauen. So empfand ich das Schicksal des Lotsen sehr anrührend und auch zum Abschluss bringt Kruschel noch mal einen emotionalen Höhepunkt ohne dabei pathetisch und kitschig zu werden.

Darum für Teil 2 vier Sterne und die Hoffnung auf einen neuen deutschen SF-Autor, der mal wieder frischen Wind in die deutsche SF Szene bringen kann...

Übrigens arbeitet Kruschel bereits an einer Fortsetzung mit dem Arbeitstitel "VILM - Das Dickicht". Das im April 2011 erscheinende Buch Galdäa wird zwar von Amazon als VILM 3 angekündigt und spielt im selben Universum, hat aber mit VILM selbst eigentlich nichts weiter gemein.


Vilm - Der Regenplanet: Vilm Band 1
Vilm - Der Regenplanet: Vilm Band 1
von Karsten Kruschel
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Band 1: Schiffbrüchige auf einer fremden Welt, 3. Januar 2011
Wie offensichtlich einige andere auch, bin ich vom Autor selbst über ein soziales Netzwerk kontaktiert und freundlich auf VILM hingewiesen worden. Das finde ich mal eine nette Art von Direktmarketing! Auch nach der Lektüre hatte ich die Gelegenheit mit Dr. Kruschel noch ein paar Mails austauschen und auf diesem Wege nicht nur direktes Feedback geben zu können, sondern auch einiges über die Hintergründe vom Autor selbst zu erfahren.

Bevor ich zur inhaltlichen Bewertung komme, muss ich einen Punkt loswerden der mich fürchterlich geärgert hat. Eine Geschichte in zwei Bücher aufzuteilen, ist bei vielen Verlagen zur üblichen Geschäftspraxis geworden. So gibt es auch von VILM zwei Teile - Der Regenplanet und VILM 02. Die Eingeborenen. Zwar lassen sich die beiden Teile (wenn man sie beide gelesen hat) durchaus inhaltlich sauber und schlüssig trennen, aber Teil 1 endet völlig unvermittelt und darum wirkt der Schnitt zu Teil 2 zunächst recht willkürlich.
Laut dem Autor selbst, hatte die Druckerei nicht die Möglichkeiten bzw. Kapazitäten, um das ganze Werk in einem Buch zu binden, was ich auch für einen kleinen Verlag wie Wurdack etwas seltsam finde.
Letztendlich zahlt man für 2 Taschenbücher mit insgesamt 440 Seiten einen stolzen Preis von 26,--. Dass der Wurdack Verlag mit anderen Auflagen und anderen Kosten kalkulieren muss, leuchtet mir schon ein und darum verstehe ich meine investierten 26 Euro als gern gegebenen Förderzuschuss für einen viel versprechenden, neuen deutschen Science Fiction Schriftsteller.
Allerdings komme ich mir etwas veralbert vor, wenn ich in dem Zusammenhang das Zitat eines anderen deutschen SF Autors, Erik Simon, auf dem Buchrücken lese, der betont, wie angenehm sich VILM von den üblich gewordenen ziegelförmigen SF-Romanen abhebt. Denn wenn man die beiden Teile zusammenfasst, und die Seiten etwas großzügiger bedruckt (s. z.B. die Papierverschwendung in Lukianenkos Büchern, z.B.Sternenspiel: Roman) hat man ganz schnell den gleichen Ziegel. Und dann hebt sich VILM nur noch inhaltlich und/oder stilistisch ab - und das tut es durchaus.

Die Grundidee der Story von "VILM Der Regenplanet" ist so einfach wie untypisch für einen zeitgenössischen SF-Roman und darum schnell erzählt: Ein mächtiger, kilometergroßer Weltenkreuzer stürzt auf einem fremden und von Menschen nicht erschlossenen Planeten ab. Da die Technik größtenteils unbrauchbar geworden ist und man sich weit ab von üblichen Weltraumrouten befand, ist mit einer Rettung nicht zu rechnen. Kruschel erzählt uns in einzelnen Episoden-ähnlichen Kapiteln von den Entbehrungen und Schwierigkeiten der Schiffbrüchigen auf einem Planeten, auf dem es praktisch immer nur regnet...
Neben sozialen Reibereien zwischen Menschen, die unter widrigen Umständen auf engem Raum miteinander klar kommen müssen, erleben wir, wie die einzig überlebende Zentralierin Eliza von den übrigen Menschen ausgegrenzt wird, wie in lebensgefährlichen Expeditionen die Überreste des Raumschiffs erkundet werden, wie ein Arzt gegen fremdartige Krankheitserreger kämpft und wie schließlich die ersten auf dem Planeten geborenen Kinder ihre ganz eigene Beziehung (und Symbiose) zu der Regenwelt und den dort lebenden mysteriösen und geheimnisvollen Wesen aufbauen. Dass VILM noch viel größere Geheimnisse in sich birgt, erfährt der Leser übrigens erst im zweiten Teil.

Der Plot von "VILM Der Regenplanet" (im Gegensatz zu Teil 2) - Schiffbrüchige auf einer fremden Welt - wirkt nicht gerade originell und die einzelnen Episoden wirken etwas unzusammenhängend und bruchstückhaft, was mich am Ende von Teil 1 noch etwas ratlos zurück gelassen hat. Mir hat durch die unterschiedlichen Sichtweisen, aus denen Kruschel die Geschichte handwerklich sehr gut erzählt, auch eine Identifikations- oder Hauptfigur gefehlt. Einige Protagonisten bleiben in ihrer Charakterisierung darum so blass wie die Haut der Schiffbrüchigen nach Jahren unter Regenwolken ohne Sonne und Solarium.
Loben muss man Kruschel dabei dafür, dass und wie er in den einzelnen Episoden die Situationen teilweise sehr einfühlsam und eingängig darstellt, was sehr für seinen Erzählstil spricht. Z.B. kann man die Anspannung des Arztes gut nachempfinden und erlebt mit, wie er bei der Behandlung des kleinen Jungen Will fast Nerven und Beherrschung verliert und dadurch eine nicht greifbare aber spürbare Kluft zwischen den beiden Personen entsteht. Von derartiger Tiefe hätte ich mir mehr gewünscht.

Auch lässt Kruschel inhaltlich einiges an erzählerischem Potenzial aus. Ich hätte gern mehr über den Konflikt zwischen den Zentraliern und dem Rest der Menschen erfahren. Mich hätte auch interessiert, warum die Beziehung zwischen Eliza und Lafayette offensichtlich nicht erwünscht war und noch so einiges mehr. Dafür hätte ich einen weiteren ziegelförmigen SF Roman in meinem Bücherregal gern in Kauf genommen.

Unterm Strich gibt Teil 1 für sich gesehen darum noch nicht so wahnsinnig viel her, aber Teil 2 wird besser und rundet das Werk insgesamt ab. Übrigens arbeitet der Autor bereits an einer Fortsetzung mit dem Arbeitstitel "VILM - Das Dickicht" und auch ein Hörbuch ist in Arbeit. Das im April 2011 erscheinende Buch Galdäa wird zwar von Amazon als VILM 3 angekündigt und spielt im selben Universum, hat aber mit VILM selbst nichts weiter gemein.


Kinder der Ewigkeit: Roman
Kinder der Ewigkeit: Roman
von Andreas Brandhorst
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,00

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Space Opera mit kleinen Macken, 18. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Kinder der Ewigkeit: Roman (Taschenbuch)
Es ist wohl wahr - neu ist die grundlegende Story von "Kinder der Ewigkeit" nicht: Ein Auftragskiller, der versucht eine ehrliche Laufbahn einzuschlagen, wird von einem mysteriösen Auftraggeber zu einem letzten Job getrieben und wird schließlich selbst vom Jäger zum Gejagten. Aber, die Welt und die Hintergründe, in der Brandhorst diese Geschichte ablaufen lässt, entschädigt für den etwas abgedroschenen Plot.

Die Story spielt in der fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich über viele Lichtjahre hinweg in der Galaxis ausgebreitet. Mit Hilfe von Transport-Netzen, die von so genannten Webern gebaut werden, ist auch überlichtschnelle Raumfahrt möglich.
Darüber hinaus sind die Menschen nicht unwesentlich von den so genannten Magistern abhängig. Diese künstlichen Intelligenzen überwachen nicht nur die Transport- und Kommunikationsnetze, sondern stellen auch Regeln und Gesetze auf, nach denen die Menschen zu leben haben. So kontrollieren die Magister auch einen langwierigen, über mehrere Stufen ablaufenden (Behandlungs-) Prozess, nach dem sich bestimmte Menschen die Unsterblichkeit verdienen können. Diese Rahmenbedingungen spalten die menschliche Zivilisation in drei Schichten. Die Unsterblichen - Erlauchte genannt - die sich mit umfangreichen Privilegien ausgestattet, auf ihnen vorbehaltenen Planeten an ihrem ewige Leben erfreuen. Die Kandidaten, die auf dem Weg zur Unsterblichkeit sind, je nach Phase, in der sie sich befinden, einen gewissen Rang bekleiden und entsprechendes Ansehen genießen. Und Menschen von den niederen Welten, denen durch die Magister der Zugang zur Unsterblichkeit allein wegen ihrer Herkunft untersagt wird.

Esebian ist ein Kandidat hohen Ranges und hat sich seinen Status auf illegalem Weg als Auftragskiller verdient. Zwar versucht er, diesen Job an den Nagel zu hängen und sich den Rest seines Aufstiegs auf ehrlichem Weg zu erarbeiten, aber als plötzlich ein mysteriöser Fremder beim ihm auftaucht und ihm einen Auftragsmord anbietet, scheint die Unsterblichkeit greifbar nahe. Die Verlockung ist groß, doch Esebians Zielperson ist kein geringerer als der Vorsitzende des Dirketoriats der Erlauchten...
Tatsächlich gelingt es Esebian schließlich, seinen Auftrag zu erfüllen. Doch muss er bald feststellen, dass er betrogen wurde, ihm sein Auftraggeber nun selbst nach dem Leben trachtet und auch die Ermittlungsbehörden mit aller Macht die Jagd auf den Mörder des Erlauchten eröffnet haben.

Brandhorst erzählt diese Space Opera packend und spannend. Die Tatsache, dass der Hauptprotagonist alles andere als "ein Guter" ist, gibt der Story durchaus einen zusätzlichen Reiz. Die Figur des Esebian erinnert mich dabei durchaus an Valdorian, den Brandhorst-Leser aus der Kantaki-Trilogie (s. Diamant, Der Metamorph und Der Zeitkrieg) kennen werden. Außerdem bilde ich mir ein, einige Zitate oder Anleihen bei anderen Science Fiction Romanen wieder erkannt zu haben. Die Möglichkeit Unsterblichkeit "verliehen" zu bekommen und die möglichen evolutionsbedingten Nachteile von Unsterblichkeit, erinnerten mich z.B. an Scott Westerfelds' Weltensturm (Weltensturm, den zufällig Brandhorst ins Deutsche übersetzt hat). Den Weber, der sein Netz durch Galaxien webt, gibt es im gleichnamigen Buch von China Mievielle (Der Weber: Perdido Street Station, Bd. 2) und wer John Keats (... dessen Name in Wasser geschrieben ist ...) in einem SF zitiert, der weckt natürlich die Erinnerung an Dan Simmons' Hyperion-Gesänge (Die Hyperion-Gesänge, mein absoluter Favorit unter den Space Operas). Dabei hatte ich in keinem der o.g. Fälle das Gefühl, Brandhorst hätte bei anderen SF-Werken abgeschrieben oder Ideen geklaut - es waren eben einfach Zitate oder Reminiszenzen, die möglicherweise noch nicht mal beabsichtigt waren.

Aber wo wir gerade bei SCIENCE Fiction sind: mit wissenschaftlicher Fundierung hat Brandhorst offensichtlich nichts am Hut. So erklärt er auch nicht ansatzweise, wie die Weber-Netze eigentlich funktionieren oder gewebt werden, entledigt sich damit aber sehr einfach dem Problem der Zeitdilatation. Auch wie man sich das mit der Unsterblichkeit vorzustellen hat oder was nun wirklich bei den dazu notwendigen Behandlungen passiert, bleibt völlig unklar. Freunde der Hard-SF werden hierüber enttäuscht sein.

Mein letzter Kritikpunkt sind die unzähligen und aus meiner Sicht teilweise völlig überflüssigen Cliffhanger, mit denen Brandhorst fast jedes größere Kapitel abzuschließen versucht. Ständig schaut Esebian in den Lauf einer Waffe, stürzt irgendwo ab oder führt an sich selbst aussichtslose Not-OPs' durch. Da sich die Gefahr dann sehr oft und sehr schnell wieder verflüchtigt oder im wahrsten Sinne des Wortes in Luft(-spiegelungen) auflöst, hat mich das Ganze irgendwann echt genervt und gestört. Das war mir auch schon (und vor allem) beim letzten Teil der Kanataki-Trilogie aufgefallen, dass bei Brandhorst viel zu viel (fast) gestorben wird... und dann doch nicht. Ich habe mich bei diesen konstruierten Spannungsspitzen nicht selten an "Western von Gestern" (Western von gestern - Zorro reitet wieder u.a.) erinnert. Wer diese Schwarz-Weiss-Serie damals im Fernsehen gesehen hat, wird wissen was ich meine.

Nichtsdestotrotz hat Brandhorst wieder gezeigt, dass er gute Space Operas schreiben kann und bei allen o.g. Mängeln habe ich mich doch gut unterhalten gefühlt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2010 7:02 PM MEST


Das Haus der Sonnen: Roman
Das Haus der Sonnen: Roman
von Alastair Reynolds
  Taschenbuch

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Epische Space Opera, 2. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Haus der Sonnen: Roman (Taschenbuch)
Nach einigen eher schwächeren Romanen (s. Ewigkeit: Roman und Aurora: Roman), hat Reynolds mit "Das Haus der Sonnen" mal wieder einen wirklich gelungenen Roman vorgelegt, der alles enthält, was ein SF- und Space-Opera-Fan erwarten darf: Unendliche Weiten, exotische Wesen und Welten, ein komplexes, stimmiges Setting und eine episch angelegte Story, die auch zum Nachdenken anregt. Wie üblich kommen bei dem ehemaligen Astrophysiker der ESA auch wissenschaftliche Aspekte nicht zu kurz.

Worum geht's:
Vor Millionen von Jahren haben sich einige Mitglieder von wohlhabenden und mächtigen Familien tausendfach geklont und ihre so genannten Splitterlinge in alle Winkel des Universums entsandt. Da man auch den Alterungsprozess unter Kontrolle bekommen hat, sind die Splitterlinge der Unsterblichkeit sehr nahe gekommen. Dass man gegen einen gewaltsamen Tod aber alles andere als gefeit ist, müssen die Klone der Familie Gentian schmerzlich feststellen...
Etwa alle 200.000 Jahre treffen sich die Splitterlinge zu einer Reunion und tauschen dort ihre Erfahrungen, Erinnerungen und ihr Wissen aus, das sie in so genannten Strängen speichern und miteinander teilen. Die beiden Splitterlinge Portula und Campion sind gemeinsam mit dem Maschinenwesen Hesperus verspätet auf dem Weg zu dem vereinbarten Treffpunkt. Als sie dort eintreffen, müssen sie feststellen, dass fast ihre ganze Familie einem gewaltsamen Angriff zum Opfer gefallen ist.
Gemeinsam mit den wenigen Überlebenden ziehen sich Portula und Campion auf einen Zufluchtsplaneten zurück und beginnen mit der Suche nach den Tätern und den Motiven. Dabei stoßen Sie auf ein erschreckendes, düsteres Geheimnis, dass in der Vergangenheit der Menschheit liegt.

Reynolds legt mit diesem Buch wie gewohnt handwerklich gute Qualität vor. Der mit gut 700 Seiten recht umfangreich ausgefallene Roman lässt sich gut lesen. Nur mit dem Einstieg hatte ich etwas Schwierigkeiten, denn Reynolds erzählt die Geschichte aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven - nämlich denen von Portula, Campion und (in einem gesonderten Handlungsstrang) der von Abigail Gentian, die sozusagen die Mutter der Gentian-Splitterlinge ist.
Dem recht komplexen und etwas monströs wirkenden Konzept, der Millionen Jahre alten, in tausend Klone aufgesplitterten Persönlichkeit und der dahinter stehenden Last der Erinnerungen und Verantwortung wird Reynolds für meinen Geschmack durchaus gerecht und führt die Handlung zu einem würdigen, etwas offen gehaltenen Abschluss - nur der letzte Satz kommt für meinen Geschmack etwas sehr unvermittelt und belanglos daher.

Viereinhalb Sterne wäre die richtige Wahl, aber als bekennender Reynolds-Fan runde ich großzügig auf und gebe auch Reynolds-Einsteigern eine ganz klare Leseempfehlung. Wer Geschmack und Gefallen an Reynolds findet, denen empfehle ich Chasm City: Roman und Himmelssturz: Roman gleich mit - und wer Zeit und Lust auf einen ganzen Zyklus hat, der nehme den Unendlichkeits- oder auch Inhibitor-Zyklus genannten Dreiteiler (Unendlichkeit: Roman, Die Arche: Roman, Offenbarung).


Agent der Sterne
Agent der Sterne
von John Scalzi
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Agent der Stars - nicht so sehr der Agent der Sterne, 28. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Agent der Sterne (Taschenbuch)
"Der neue Roman vom Autor des Bestsellers KRIEG DER KLONE" hat Heyne fett hinten auf das Buch gedruckt - und das stimmt leider nur, wenn man sich auf das Datum der Veröffentlichung im Heyne Verlag bezieht. Geschrieben hat Scalzi den Roman nämlich schon viel früher, ihn selbst als "Schreibübung" bezeichnet und 1999 als "Shareware" ins Internet gestellt.
Dafür ist das Buch recht gut gelungen - der Erwartungshaltung, die der Verlag erzeugt, und die Scalzi mit Krieg der Klone: Roman und auch mit Androidenträume: Roman vorgelegt hat, wird der Roman für meinen Geschmack allerdings nicht gerecht.

Worum geht's:
Die Yherajk - eine Rasse freundlicher, aber glibberig aussehender, stinkender Aliens - hat über Jahre unbemerkt die Erde beobachtet und im Wesentlichen aus Fernsehübertragungen und Filmen etwas über die Menschheit gelernt (klingt vertraut und ist es auch). Allerdings tun sich die fremden Wesen schwer damit, auseinander zu halten, was im TV nun Fiktion und was Realität ist und haben Bedenken, die Menschen durch ihr Äußeres zu verängstigen und abzuschrecken. Darum kommen sie auf die aberwitzige Idee, sich an eine Hollywood-Agentur wenden, deren Job es normalerweise ist, Schauspieler und sonstige Stars und Sternchen möglichst profitträchtig zu vermarkten. Und so kommt der Hollywood-Agent Tom Stein zu einem "unheimlichen Klienten der etwas dritten Art" - sein Auftrag: den Erstkontakt zwischen den Yherajk und der Menschheit vorzubereiten und so eine friedliche Allianz zwischen zwei völlig unterschiedlichen Rassen zu ermöglichen...

"Agent To The Stars" heißt der Roman im Original; was es viel besser trifft, als "Agent der Sterne". Denn ein Großteil der Handlung dreht sich weiterhin um Toms' Bemühungen, seine (bisher) beste Klientin, die Schauspielerin Michelle Beck, noch (erfolg-)reicher zu machen. Das Buch ist darum auch viel mehr eine Satire auf das Geschäft in Hollywood, als ein Science Fiction Roman, bei dem es um Erstkontakt geht. Dabei lässt Scalzi kein Hollywood Klischee aus, über das er herzieht und sich lustig macht - und meistens ist das auch lustig.
Als Science Fiction Fan, geht mir allerdings viel erzählerisches Potenzial verloren, das er aus der absurden Konstellation (Aliens wollen sich von Hollywood Agent an die Menschheit vermitteln lassen) noch hätte ziehen können.
Zum Ende hin, bekomme ich zumal das Gefühl, dass Scalzi etwas die Geduld verliert, denn das Ende erzählt er, in dem er Zeitungsschlagzeilen und -Artikel aneinander reiht, was ich als etwas mühsam, überflüssig und konstruiert empfunden habe.

Darum bleibe ich - als SF-Fan und nach der vermeintlichen Steilvorlage des Heyne-Verlags (s.o.) - bei diesem Buch etwas unzufrieden zurück und komme zu dem Fazit: nett, lustig und (um es mit den Worten eines Autors zu formulieren, der sich perfekt auf humoristische SF verstanden hat) größtenteils harmlos.


Die dunkle Festung: Roman
Die dunkle Festung: Roman
von Peter F. Hamilton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses Finale!, 22. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die dunkle Festung: Roman (Taschenbuch)
Wie eigentlich immer bei Hamilton gilt auch für diesen Band folgendes:
Man muss wissen worauf man sich einlässt!!! Wer mal eben schnell einen netten Science Fiction lesen will, der nimmt besser nicht dieses Buch! "Die dunkle Festung" ist der vierte und letzte Teil der "Commonwealth-Saga" und die einzelnen Bände sind nicht im Geringsten in sich geschlossen. Im englischen Original (s. Judas Unchained) sind Band 3 und 4 als ein Buch erschienen. Es macht aus meiner Sicht auch überhaupt keinen Sinn, dieses Buch zu lesen, wenn man nicht vorher Band 1-3 (Der Stern der Pandora. Die Commonwealth-Saga 01., Die Boten des Unheils. Die Commonwealth-Saga 02. und Der entfesselte Judas . Die Commonwealth-Saga 03.) gelesen hat.

Der Starflyer - ein unbekanntes, außerirdisches Wesen hat über Jahrzehnte unbemerkt die Menschen manipuliert und unterworfen. Bis in die Machtzentren des Commonwealth sitzen seine Agenten und unterstützen den finalen Plan des bösen Aliens, die Menschheit zu vernichten. Noch ist das nicht öffentlich bekannt und auch viele Anführer der Menschen wollen es noch nicht wahrhaben. Aber die Ermittlerin Paula Myo und die Journalistin Melanie Rescorai verbünden sich mit den Guardians - einer verbotenen Untergrundbewegung - und machen Jagd auf die Agenten des Starflyers. Dabei scheinen sich noch immer Verräter in den eigenen Reihen zu befinden...

Im Kampf gegen die Primes, die eine zweite Invasionswelle in den Commonwealth starten, haben die Menschen eine fürchterliche Waffe mit unglaublicher Zerstörungskraft entwickelt. Doch als die Menschen gerade zum finalen Schlag ausholen wollen, kehrt Ozzy mit interessanten Erkenntnissen von den Pfaden der Silfen zurück. Er stellt sich gegen seinen alten Freund Nigel, um so den Genozid zu verhindern und die Primes wieder hinter der alten Barriere einzuschließen...

Wer sich hier noch über Hamiltons ausschweifenden Erzählstil aufregt, muss vor dem Lesen zu viele Beruhigungsmittel genommen haben. Dieses furiose Finale ist an Spannung kaum zu überbieten. Die Jagd nach dem Starflyer und seinen Agenten, die Auseinandersetzung mit den Primes und die daraus entstehenden (Gewissens-) Konflikte sowie das Misstrauen zwischen den Guardians und der Navy birgt jede Menge Zündstoff und Hamilton bringt seine Commonwealth-Saga zu einem würdigen Abschluss!

Nach dem Armageddon Zyklus war ich noch irgendwie froh, dass ich es endlich hinter mir hatte - von der Commonwealth-Saga hätte ich auch noch zwei Bände mehr verschlingen können. Während der Plot des Armageddon Zyklus doch schwere Kost war, viel die Commonwealth-Saga für Hamiltons Verhältnisse geradezu kurzweilig aus und ich freue mich schon auf den nächsten Zyklus (s. Träumende Leere: Roman) der ja auch im Commonwealth-Universum spielt.


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