41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Eine gute Kamera mit markanten Schwächen, 3. Dezember 2009
Im letzten Jahr hatte ich hier einen kurzen Erfahrungsbericht zur Sony Alpha 300 eingestellt. Jetzt möchte ich einen Erfahrungsbericht zur Sony Alpha A500 anhängen, die ich gerade testen konnte. Mir ist der Fokus darauf wichtig, ob sich ein Upgrade lohnt. Ein komplettes Review soll und kann das nicht sein, das können andere besser, aber vielleicht kann der (die) Ein oder Andere einige wichtige Hinweise mitnehmen, die in Zeitschriften z.T. so nicht genannt werden:
A. Niedriges Bildrauschen bei hohem ISO?
Hier werden die Erwartungen (fast) voll erfüllt. Zwischen der in dieser Hinsicht schwachen A300 und A500 liegen meiner subjektiven Meinung zum Bildeindruck nach (sowie eindeutig all derer, denen ich Bilder gezeigt habe) erhebliche Unterschiede!! Aufnahmen bei ISO 1600 und 3200 sind im Gegensatz zur 300 sehr gut brauchbar und neben der Auflösung auch in der Farbqualität haushoch überlegen. ABER:
Es treten erhebliche!!! Artefakte v.a. bei hellroten/orangenen Farbtönen auf. Feine Strukturen verschwinden schon bei mittlerem ISO erheblich. Mitunter tritt eine völlige Auflösung auf. Das kann man wie folgt gut provozieren: Man lege eine (hell)rote/orangene Serviette neben eine grüne und blaue und achte darauf, dass die Aufnahme im Lot erfolgt. Im blau/grün Bereich sind scharfe Strukturen, bei rot ein Brei. Dass das kein Einzellfall ist, zeigt ein Thread mit Beispielbildern bei dpreview zum Vergleich einer Sony A550 mit einer Nikon D90. Als ich das sah, hab ich zuerst an einen Scherz gedacht, konnte es aber zuverlässig replizieren. Leider kann der Effekt schon ohne Betrachtung eines Crops sehr unangenehm auffallen. Dieses Problem ist primär auf die Bildverarbeitung zurückzuführen. Im Adobe RGB Farbraum tritt das Problem nur sehr abgeschwächt auf. Davon abgesehen ist die JPEG Bildverarbeitung (für meinen Geschmack) etwas knallig.
B. Life View Funktion gut zur Beurteilung der Bildqualität geeignet?
Gilt nach wie vor nur mit Einschränkungen. Bei sehr hellem Umgebungslicht ist das Display zwar etwas besser abzulesen als das der A300 aber eine Freude ist es nicht. Der Sucher ist hier die bessere Wahl. Bei schwachem Licht weichen Display und Bild mitunter erheblich voneinander ab. Mit anderen Worten: Gerade wenn ich die Kamera da einsetze, wo sie aufgrund des sehr guten Sensors Vorteile bringt, darf ich mich nicht auf Life View etwa hinsichtlich Weißabgleich verlassen (gilt auch für Belichtungszeit). Wenn ich aufgrund der Vorerfahrung nicht weiß, welche Einstellung ich brauche, dann gleich Raw nehmen oder mehrere Testbilder schießen. Ein Nachteil ist die fehlende Beurteilungsmöglichkeit von Tiefenunschärfe.
C. Höhere Serienbildgeschwindigkeit?
Ein Blick auf das Datenblatt reicht - die A 500 ist viel besser als die A 300. Toll.
D. Besseres User-Interface?
Das ist so eine zweiteilige Sache. Vorteil ist, dass während der Aufnahmesituation die meisten relevanten Parameter über die rechte Hand einstellbar sind. Das war bei der A300 nicht der Fall. Zu viele Funktionen sind aber immer noch nur über das Menü erreichbar. Das ist gerade beim Weißabgleich nachteilig. Warum immer noch der ultimative Unfug Knopf -Smart Telekonverter- ? Hier hätte man Wichtiges drauflegen können. Zudem sind im Vergleich zu anderen vergleichbaren DSLRs weniger Parameter beeinflussbar (z.B. flexibles Einstellen der Rauschunterdrückung). Das ist ganz klar kein fortgeschrittenes Niveau.
E. Video?
Klar, Fehlanzeige. Ich vermute dies ist unter Marketinggesichtspunkten zu verstehen. Es wird mehr geboten in Sachen Schwachlichtverhalten, für viele kann das mit der Life-View Implementation ausreichend zum Kauf sein, aber der Kunde muss auch ausreichend unzufrieden gehalten werden, um erneut zu kaufen.
F. Sucher
Wurde vergrößert und ist damit besser einsetzbar - die A300/350 hatten ja recht schwache Implementationen.
F. Bauqualität
Ist wie bei der A300 eher mäßig für die Praxis aber durchaus ausreichend, wenn man einmal von speziellen Anforderungen zu Staub/Spritzwasserschutz absieht (was in diesem Preisbereich aber nicht realistisch zu erwarten ist und daher auch keinen Kritikunkt darstellt).
G. Weiteres
Ein wirklich sympathischer Gimmick ist die Fokussierung auf Gesichter samt Auslösung beim Lachen. Das ist ein recht intelligenter Selbstauslöser, der auch bei suboptimalem Licht gut funktioniert (bei richtigem Schwachlicht wirds aber kritisch; Übrigens, auf manche Personen spricht der Auslösealgorithmus gut an, andere werden fast "ignoriert", das hat bei Aufnahmen in geselliger Runde schon zu amüsement geführt).
Zum Dynamikumfang ist die HDR-Option einer 2-Fachen Aufnahme in kontrastreichen Situationen sehr hilfreich. Man hat auch die Möglichkeit, mit dem Dynamik Range Optimizer eine artifizielle Erhöhung um bis zu 5 Blendenstufen zu erreichen. Aber Vorsicht: Reizt man das aus, hat man ein gewaltiges Bildrauschen (Hinweis auch im Manual). Im Gegensatz zur A300, bei der eher übersichtlichere Effekte beim DRO vorhanden waren, ist der gewählte Modus bei der A500 kritisch für die Bildqualität.
Hilfreich ist die manuelle Checkfunktion im Live View (MF check LV) -hier ist das Bild des Hauptsensors zu sehen. Manuelles Fokussieren wird zuverlässig möglich.
Fazit
An sich eine gute Kamera, mit, der Titel sagt es, markanten Schwächen. Mir erscheint derzeit die Nikon D5000 (gleicher Sensor wie D90) das wichtigste Alternativ-/Konkurrenzmodell. Beide haben grundsätzlich eine hervorragende Bildqualität (Einschränkungen zur A 500 s.o.), die z.B. mit Panasonic GF/Olympus Ep-1/2 nicht erreicht wird. Ist mir eine schnelle Life-View Implementation wichtig, dann geht das mit der Sony. Will ich Video, dann die D5000. (Im Detail könnte man Pro / Kontra natürlich mehr aufführen.)
Ich hoffe, die Übersicht hat ein paar interessante Eindrücke vermittelt, es gäbe sicher noch viel mehr zu erzählen!