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musik-fan-aus-berlin (berlin)

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Delta Machine (Deluxe Edition)
Delta Machine (Deluxe Edition)
Preis: EUR 10,97

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht so schön wie früher, aber der Weg geht wieder bergauf, 23. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Delta Machine (Deluxe Edition) (Audio CD)
Als erstes möchte ich über mich schreiben, dass ich sowohl Synthiepop als auch Indierock höre, sowohl Pet Shop Boys als auch Muse, also mit allen Facetten von Depeche Mode etwas anfangen kann. Einflüsse von Soul und Blues sowie Experimente sind bei mir willkommen. Depeche Mode sollten um Himmels Willen nicht den Weg von De/Vision etc. gehen! Wer dem Jahr 1984 nachtrauert und De/Vision in den Himmel lobt, wünsche ich: viel Spaß beim eigenem Stillstand!

Als zweites möchte ich mich zu einigen Thesen äußern, die hier oft geschrieben wurden:

(1) "Martin Gore schreibt nicht mehr so schöne Melodien wie vor 20 Jahren"
Meine Meinung: ZWEIFELSOHNE! Ein "Never Let Me Down Again" oder "Enjoy The Silence" werden wir wohl nie wieder erleben. Martin ist als Songwriter immer schlechter geworden ("Ultra" war noch durchweg gut), Dave ist immer geworden, mittlerweile sind sie gänzlich auf einem Songwriterniveau. Beim nächsten Album wird Dave wohl Martin überholt haben.

(2) "Alan Wilder muss zurück kommen"
Meine Meinung: JEIN! Diejeingen, die das schreiben, vergessen drei Aspekte:
(a) Alan ist auch älter geworden, hatte zwischenzeitlich bei Recoil ein ganz deutliches kreatives Loch - es ist nicht davon auszugehen, dass er heutzutage noch genauso kreativ wäre wie 1986.
(b) Martins Melodien sind schlechter geworden. Es ist verdammt einfach, eine geniale Melodie a la "Never Let Me Down Again" in Soundgewand zu packen als so manchen melodiösen Auswurf von "Sounds Of The Universe", dem mit Abstand schlechtestem Album der Band.
(c) auf "Ultra" waren die Melodien noch hervorragend, das Album auch hervorragend produziert. Und das ganze ohne Alan.
Also: Beweis, das Alan nicht zwingend erforderlich ist, erbracht.

(3) "Delta Machine" ist zu ruhig"!
Meine Meinung: HALLO, GEHT'S NOCH? Delta Machine ist das wahrscheinlich schnellste und rockigste Album der Bandgeschichte. "Ultra" ist langsam. Auf "Delta Machine" gibt es mit "The Child Inside" eigentlich nur einen einzigen sehr balladesken Song. Selbst "Heaven" und "Slow" sind schon Midtemponummern.

(4) "Ben Hilliers Produktion klingt nur im Super-Audio-Sound auf 10.000-Euro Anlagen gut"
Meine Meinung: NEIN! Ben Hillier ist grausam und gehört schleunigst ausgewechselt. Auf "Delta Machine" hat Flood noch einiges retten können, aber Hilliers Soundgefühl ist absolut nicht das meinige. Dieses Knarren und weit über die Schmerzgrenze übersteuern von für den Song völlig nebensächlichen Effekten nervt!
Selbst Mark Bell war besser. Martin kann die Qualitäts eines Soundtüftlers, da er so etwas schlechtes und überflüssig-überholtes wie VCMG abliefert, wohl nicht mehr beurteilen. Da müssten sich Dave und Fletch durchsetzen. Ich bin eh der Meinung, dass Daves Einflüsse (Soulsavers - knapp 5 Sterne!) das Album und die Band gerettet haben.
Ich will nicht, dass DM nach De/Vision oder völlig retro klingen. Es gibt mittlerweile hunderte gute zeitgemäße Elektro Acts. Damit ihr wisst, welche elektronischen Klangfarben die meinigen sind: HOT CHIP und RÖYKSOPP. Beide würde ich als Produzenten für DM wärmstens empfehlen. Auch DAFT PUNK stelle ich mir spannend vor, aber bitte bitte NIE WIEDER BEN HILLIER!
Ich habe Ben Hilliers Soundgegrause auch bei einem Freund auf einer sehr teuren Anlage gehört - es klingt auch dort nicht schön!

Als drittes möchte ich aufs Album eingehen:

Es ist für mich eine klare Verbesserung nach dem grausamen Vorgänger. Sounds Of The Universe bestand ausser Wrong eigentlich nur aus Songschnipseln. Die eine oder andere Refrainzeile war ganz nett und hätte sogar Potenzial gehabt, aber meiner Meinung nach wurde das Album vorschnell zusammengeklatscht und klang dementsprechend - am Rande der Unhörbarkeit.
"Delta Machine" ist endlich wieder ein kompaktes Album mit sich "fertig" anhörenden Songs.
Es reicht selbstverständlich nicht an alte Tage, aber auch nicht an SOFAD oder Ultra heran, schlägt aber die letzten 3 Alben, zumindest knapp. Zumal wir es mit (Bonus-Disk inklusive) 17 Vocal Tracks zu tun haben! (Ultra hatte gerade mal neun!)
Es fehlt leider die absolute Über-Single (wie es "Wrong" gewesen wäre, hätte man SOTU komplett eingestampft und dieses Album nach acht Jahren Pause herausgebracht), aber das Album ist vielseitig, hat ganz akzeptable Melodien und Daves Blueskur bringt eine angenehm frische Note hinein.
Was mich wundert: Mein Lieblingssong ist "ALWAYS" von der Bonus-Disc! Das hat noch kein anderer so gesehen. Martin singt einen ziemlich agressiven und schnellen Song! Hat es das zuvor schon gegeben? Ich glaube nicht! Hervorragender Refrain!
Allgemein ist die Bonus Disc nett und nur marginal schlechter als das Hauptalbum, ich hätte aber lediglich das inakzeptable "My Little Universe" durch "Always" getauscht, ansonsten sind genau die richtigen Songs auf dem Hauptalbum gelandet.
Generell teile ich die grobe Meinung hier, welche Songs gelungen sind und welche nicht.
- Welcome To My World ist wirklich ein Grower mit sehr entdeckendwürdiger Melodie
- Goodbye ist für mich ein absoluter Hammer und klarer Singlekandidat
- Daves Song fallen nicht ab, eher im Gegenteil, klasse!
- das Ende ist der beste Teil des Albums. Die letzten 5 Songs sind wirklich gut!
- Heaven ist ein passabler Albumtrack (gerade weil der Rest eher schneller und rockiger ist), aber war als Single die völlig falsche Wahl

Insgesamt dreieinhalb Sterne, weil man eben mit "Violator" immer einen Vergleich im Hinterkopf hat.
Und ... naja ... die Texte sind manchmal wirklich banal.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2013 1:17 PM MEST


Exile (Deluxe Edition inkl. DVD)
Exile (Deluxe Edition inkl. DVD)
Wird angeboten von FLASH
Preis: EUR 12,35

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erschreckender Rückschritt nach "Happiness", 18. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Exile (Deluxe Edition inkl. DVD) (Audio CD)
"Happiness" hat für mich die Welt verändert. Dieses Album war etwas für mich, was es geschätzt 20 Jahre lang zuvor nicht gegeben hat.
Ich war ergriffen. Die vier Tracks "Wonderful Life", "Blood Tears And Gold", "Better Than Love" und "Sunday" waren für mich Jahrhundertsongs, mit "Stay", "Silver Lining", "Illuminated" etc. gab es noch eine handvoll sehr guter Songs und der Füllstoff auf dem Album war sehr begrenzt.
Die Songs hatten SEELE, Stimmung und ausgeklüngelte Melodien. Melancholischer Pop vom alleredelsten.

Und nun "Exile" ...
... was ist daran bitteschön "Seele" ?!?!
Ich bin ENTSETZT, was sich hier einige User zum Konsum vorwerfen lassen und dies auch noch "Happiness" ebenbürtig finden. Wenn dem so ist, brauchen sich HURTS ja gar keine Mühe mehr zu geben.
Welcher Song zeigt bitteschön Seele? Bei welchem Song hat man bitteschön das Gefühl, die Jungs stecken da inbrünstig hinter?
Mein Empfinden: bei KEINEM.
Das ganze Album ist Chartskalkül gepaart mit melodischer Einfallslosigkeit. Man kupfert bei eh schon erschreckend schwachen Mainstream-Songs wie Coldplays "Princess Of China" ab, knallt bei einer handvoll Songs ein bisschen Gitarren rein (Intention: es sollte wohl eine Art Songs Of Faith... werden ?!?) und produziert das ganze im Stile von Lady Gaga meets OneDirection: Überfachtet, überladen - dass man die Schwächen in den Melodien kaum noch hört.

Gipfel des ganzen ist "Heaven" ... wie man solch einen Schund gut finden kann! Erbärmlicher Text, billige Kindermelodie ... und wenn das Versmaß nicht zur Melodie passt, füllt man einfach mit "oh oh oh" auf, ganz im Sinne der letzten Coldplay-Scheibe.
Die grottigen Texte auf Roy-Black-Niveau, dieses ganze Kalkül, dieses sofort sich bei mir einstellende Gefühl "hier wurde massentauglich irgendwas aus einfaltslosen Songideen zusammengeschraubt" macht mir das Album fasst unerträglich.
Bitte geht doch mal in Euch: es kann doch wirklich niemand behaupten, dass dieses langweilige "Miracle" auch nur einen Hauch der Qualität von "Blood, Tears And Gold" hat! Melodien sind für mich, wenn auch in den STROPHEN, in jeder einzelnen Zeile ein tonales Spielchen stattfindez und nicht ein belangloses Herüberreiten bis zum Refrain!

Einige Songs ("The Crow", "Mercy", "Cupid") sind ganz okay, sie wären auf "Happiness" zwischen den schlechteren Songs des Album a la Devotion nicht negativ aufgefallen. Der Rest: nicht nur enttäuschend, sondern entsetzend.
Die handvoll Singles des ersten Albums werden Evergreens werden, von "Exile" wird schon in ein paar Jahren niemand mehr reden.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 28, 2013 10:23 PM CET


Du Bist Gut (Deluxe Edition)
Du Bist Gut (Deluxe Edition)
Preis: EUR 14,90

7 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Harter Rückschlag nach "Made In Germany", 5. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Du Bist Gut (Deluxe Edition) (Audio CD)
Vorab: Ich mag Nena, bin niemand, der sie partout bashen will - und finde in etwa zwei Drittel aller NENA Alben sehr gelungen.

"Made In Germany" war für mich überragend gut. Es zeigte Nena von all ihren Stärken. Besonders gut hervorgehoben wurden diese durch Fahrenkrog-Petersen, der bei "Made In Germany" seit längerer Zeit mal wieder an den Mischpulten saß. Mehr als die Hälfte des Albums waren Pop-Perlen auf einem ähnlichen zeitlos guten Niveau wie ihre ersten Hits.
Dieser Typ (Fahrenkrog) fehlt auf "Du Bist Gut" an allen Ecken und Enden. Würde gerne wissen, ob andere Kunden das genauso empfinden wie ich.

2 - 3 Songs sind sehr gut ("Das Ist Nicht Alles", "Goldene Zeit Goldenes Land, "Lied Nummer Eins"), aber die Aufblähung auf 15 zum Teil todsterbenslangweilige Songs ist kaum auszuhalten. Wenn ihre pseudoesotherischen Botschaften hinter Sounds und Melodien versteckt werden, die Nena bekannt gemacht haben (quietschige NDW-Beats), fühlt sich ihre Musik angenehm an. So spärlich und meines Hörempfindens nach auch schlecht wie hier produziert wurde (alles klingt irgendwie roh und rockgitarrenlastig), hört es sich am Rande der Unhörbarkeit an, teilweise wird zu Lagerfeuergitarre und Schlagzeug ein schon 20 mal in anderer Form, beliebig austauschbarer "Du sollst Dir von anderen nichts sagen lassen, dann geht es dir gut"-Text mehr gehaucht als gesungen ... dass man das unsägbare Ende des letzten Stück des Albums, das schrabbelige Housestück "Du Bist Gut", welches überhaupt nicht zum Restalbum passt, regelrecht als Erlösung empfindet und sich anschließend fragt "das kann es doch nicht gewesen sein". Ich fühle mich komisch nach dem Anhören. War die Zeit zu knapp, das ganze liebevoller einzuspielen und zu produzieren? War das so gewollt? Vom Niveau her ist das Album so in etwa bei "Chokmah" anzusiedeln, ihrem wohl bislang schlechtestem Album.


Take The Crown
Take The Crown
Preis: EUR 6,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Deutlicher Rückschritt nach "Reality..." und vor allem TT "Progress", 5. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Take The Crown (Audio CD)
Ich kann mich den negativen Rezensionen nur anschließen, möchte aber betonen, dass ich keiner der Fraktion "Guy Chabers' Niveau wurde nie wieder erreicht" bin.
Ich persönlich fand TAKE THAT "Progress" absolut bahnbrechend, fantastisch und entdeckte in 8 der 10 Album Songs hervorragende Melodiebögen, auch der Nachschub "Progressed" umfasste Tracks auf einem ganz, ganz hohen Level.
Auch "Rudebox" finde ich nicht so schlecht, wie es viele sehen wollen. "The 90s", "The 80s", "Summertime" etc. - die Hälfte des Albums bestand aus Songs, die Guy Chambers um nichts nachstehen und für mich unentdeckte Evergreens sind! (Die andere Hälfte des Rudebox-Albums ist unhörbarer Plastikpop, was aber bei einem 17-Song-Album nicht so sehr ins Gewicht fiel).
Ebenso hatte "Reality..:" für mich noch einige tolle Momente, vor allem "Difficult For Weirdos".

ABER NUN? Wirklich, das ist einfach uninspiriert und schlecht. Gerade so noch etwas mehr als ein Stern. Groß angepriesen als "jeder Song singletauglich" - selten derart dreiste Lügen gelesen! Entweder Robbie und die Promoter leben in einer Parallelwelt oder es wurde absichtlich Schrott in die Werbetexte geschrieben. Es kann schlichtweg kein Mensch mit halbwegs musiklaischem Gehör meinen, dass so belangloses, schlecht produziertes, beliebig austauschbares Zeug a la "Sh** On The Radio" auch nur halbwegs an "Progress", "Escapology" oder gar "Rudebox" heranreicht.

Robbie, mach bitte nur noch Take That, in dieser Combo stimmt das musikalische Niveau!

Freue mich über Kommentare, ob es anderen genauso geht.


Heldensommer
Heldensommer
von Andi Rogenhagen
  Taschenbuch

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitreissend. Einzigartig. Meisterlich., 25. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Heldensommer (Taschenbuch)
Dieses Buch ist etwas besonderes.
Ich persönlich finde mich in diesem Buch in einigen meiner tiefsten persönlichen Grundeigenschaften angesprochen: ein gewisses Grundfernweh, das Bewahrthaben jugendlicher, gutmenschlicher Wertevorstellungen, einer gewissenn Grundrebellion und schwarzer Humor sowie Vorliebe für Absurdes.
Wer derartig tickt, wird dieses Buch möglicherweise wie ich für eines der großartigsten Bücher der letzten Jahre halten.
Die Handlung ist in vielen anderen Rezensionen schon umrissen worden.
Den Schreibstil halte ich für wohlüberlegt und bestens zur Geschichte passend. Obwohl der Satzbau häufig objektiv betrachtet sehr simpel ist, ist es dennoch der meiner Meinung nach bestpassendste Satzbau zur Geschichte und der bestmögliche Stil, diese tolle Geschichte aus der Ich-Perspektive des 15jährigen Philipp im Präsens zu erzählen. Alles passt.
Ich reduziere das Buch keineswegs auf "lustig", "unterhaltsam", "spannend". Es ist mehr. Viel mehr. Es werden Werte vermittelt. Es verändert den Leser. Es weckt das rebellische, gutmenschliche, die Welt entdecken und verändern wollende jugendliche Ich im Leser.
Es wird einem in rührender Art und Weise bewusst, was einem 15jährigen zum reifen Menschen fehlt, aber auch, welche wunderbaren Eigenschaften ein rebellischer 15jähriger hat, welche den meisten Menschen im Laufe des Lebens abhanden kommen.
Und zwar ganz ohne weit in die politische Welt abzuschweifen. Die Rebellion beschränkt sich auf weniges und ist gerade deshalb besonders fassbar, weil der Autor den Erzähler unglaubliche Energie in "das Projekt" stecken lässt.
Kaum Geld, kaum den Durchblick, noch nicht einmal einen Hauch von Ahnung, wo das Ziel genau liegen könnte und was man braucht, um dorthin zu gelangen, schaffen sie es dennoch. Durch unglaublichen Willen und Energie. Durch Unbeirrtheit. Durch Lebens- und Entdeckungslust. Durch Nichtabschweifen. Durch erzählerische Präzision.
Wäre der Autor abgeschweift und hätte Philipp unnötig nebenher über Gott und die Welt nachdenken lassen - es hätte dem Buch die Spannung und dem Leser die Fanzination an der Person des Erzählers genommen.
Vielfältigste menschliche Beziehungen und deren Entwicklung (der Nicht-Bezug zum Opa, der Hass auf den Französischlehrer - welcher gegen Ende des Buches schwindet, das Vater-Sohn-Verhältnis, die in jederlei Hinsicht rührend geschriebene schrittweise Annäherung an ein französisches Mädchen und zu guter Letzt die Entwicklung des Verhältnisses zu Burawski vom schwabbeligen Verlierertyp-Mitschüler bis hin zum treuen Freund) werden in wenigen prägnanten Worten, die sich wohldosiert in die spannende Handlung einreihen, bestens beschrieben.
Zu guter Letzt halte ich die Wortwahl ganz und gar nicht für vulgär. Es ist schlicht und einfach notwendig, wenn man einen 15jährigen für mehrere Wochen die Position des Ich-Erzählers gibt und kaum einen Gedanken, der sich in diesem binnen dieser Wochen abspielt, weglässt, auch gedachte und gesprochene Schimpfworte sowie sexuelle Gedanken und Handlungen nicht wegzulassen. Trotz derber Vokabeln geschieht dies maßvoll, ja vielleicht fast schon schüchtern-vorsichtig. Gerade das macht es möglich, sich ganz tief in die Seelenwelt des Erzählers zu versetzen. Die sexuelle Begegnung im alten VW-Bus wird rührend beschrieben.
Ein dickes Dankeschön an den Autor - er hat mir zwei wunderschöne, fast schon sentimentale Tage beschert. Ganz großes Kino!


Atemlos (Del. Edt. CD+ DVD Digipack)
Atemlos (Del. Edt. CD+ DVD Digipack)
Preis: EUR 14,99

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Entspannung unterm Apfelbaum, 18. März 2010
Die Idee und das Konzept von Schiller fand ich, als es entstand, großartig, Christopher machte ja Ambient-Musik salonfähig. Den künstlerischen Höhepunkt hatte er meiner Meinung nach zwischen "Leben" und "Tag und Nacht". Es waren nie die großen Melodien, sondern meistens die Sounds, die faszinierten. Dass man das in dieser Form nicht endlos wiederholen kann, wird bei diesem Album mehr als deutlich. Ca. 80% der Songs vermitteln den Eindruck, als hätte man sie schon tausendmal gehört.
Das Vermarktungskonzept setzt dem ganzen die Krone auf: ca. 6 verschiedene Editionen, die kompletteste von allen kostet 100 Euro und ist schon vergriffen, ca. 5 Stunden Gesamtmaterial, einen Teil gibt es nur als Download bei Kauf im Laden XX - irgendwann einmal ist die Grenze des Zumutbaren erreicht. Eine Vorabsingle gibt es nicht, man soll ja das Album kaufen. Und in einem halben Jahr gibt es, vermute ich, die "Summer Edition" und Weihnachten die "Winter Edition" mit je 2 neuen Tracks.
Das wäre noch auszuhalten, wenn nicht 80% des Materials vom Format "Entspannung unterm Apfelbaum" wäre - ich verwende diese Bezeichnung als Anlehnung an belanglose Meditations-CDs von noch belangloseren Künstlern, die unter ähnlichem Namen in Drogeriemärkten zu kaufen sind. "Atemlos" bietet zuh 80% Materials dieser Kategorie. Vor allem ist es VIEL ZU VIEL.
Irgendwelche Zauberbegriffsnamen a la Polarstern - und dahinter eine langweilige Soundsoße, größtenteils auf 4 Minuten langgestreckte Wiederholungen weniger Tonsequenzen. Da kann ich mich nicht entspannen, da wache ich genervt auf. Schon das Doppelalbum hätte ein Einfachalbum, wenn nicht gar eine EP sein MÜSSEN ! Dass es noch eine Bonus CD "Atemlose Klangwelten" mit noch langweiligerem Material, teilweise Instrumentalversionen der Albumsongs gibt, setzt dem ganzen die Krone auf. Es klingt für mich, mit Verlaub, wie das, was Klaus Schulze in 2 Stunden freestyle einklimpern würde.
Und die "Elektronischen Sinfonien" auf der Bonus-DVD ... o je ... das ist Verunglimpfung des musikalischen Fachbegriffes. Ein bisschen Wasserrauschen, ein bisschen Geklimper, fertig ist dieser völlig überflüssige Bonus.
Ich habe mir nach dem Sehnsucht-Album gewünscht, dass Christopher nun mal den Norden und die Kälte (aber auch das nordische Licht, die versteckte Wärme) vertont. Als ich erfuhr, dass er das tatsächlich mache, habe ich Luftsprünge vorn Freude gemacht. Nur scheint der Norden auf ihn gänzlich anders zu wirken als auf mich. Ich fühle beim Begriff "Norden": Island, Björk, Sigur Ros, Norwegen, Edward Grieg, Eiskristallklirren, dazu warme nordische, helle Stimmen a la Tarja Turunen (wie genial war "Tired Of Being Alone"?) - nichts dergleichen. Völlig unpassende Gastmusikerwahl - und nordisch klingt für mich hier rein gar nichts. Es klingt für mich wie "Sehnsucht - Kummer Edition".
Wenige Lichtblicke gibt es, allen voran die Zusammenarbeit mit Anggun, "Always You". Ich würde mal meinen, dass dieser Song der beste ist, den er je gemacht hat. Endlich mal nicht nur irgendwelche Töne, sondern eine Melodie. Todtraurige Harmonien, todtrauriger Gesang - ORGANISCH unterlegt. Weniger Elektrogeklimper ist mehr. Noch schöner: das sich anschließende "Reprise", welches eine Fortsetzung von "Always You" ist. Grandios! Schrittweise setzen organische Instrumente ein, z.B. Klarinette und E-Gitarre - tränenrührend.
Desweiteren 3, 4 nette Tracks wie z.B. die Radiosingle "Try" oder die Collaboration mit Midge Ure, "Let It Rise", der Rest ist verzichtbar.
Christopher, beim nächsten Mal wünsche ich mir:
- nimm dir Zeit. keiner erwartet alle 2 Jahre ein Triplealbum
- setz Dir das Limit: 12 Songs, nicht mehr. Alles überflüssige bitte auf "Einlassmusik 12 bis 65" oder ganz verwerfen
- arbeite mehr mit organischen Instrumenten. "Always You" ist perfekt. lass Dich von dieser Richtung leiten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 19, 2010 12:10 PM CET


Protest (Limited Edition inkl. Bonus-Track / exklusiv bei Amazon.de)
Protest (Limited Edition inkl. Bonus-Track / exklusiv bei Amazon.de)

22 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich mache mir ernsthafte Sorgen ..., 30. Januar 2009
Ich mache mir ernsthafte Sorgen ...

Für ein besseres Verständnis meiner Rezension vorab etwas zu mir und mein Verhältnis zur Musik von HRK:

Seit meiner frühen Pubertät und damit seit knapp 20 Jahren liebe ich Musik, durchaus mit einem besonderen Faible für das deutschsprachige, insbesondere für messerscharfe Lyrik. HRK nahm bei mir 20 Jahre lang eine Ausnahmestellung ein. Sowohl seine liedermacherähnlichen, teilweise schrillen Frühwerke, als auch die Stadionrockglanzzeit a la "Gute Unterhaltung", die Entwicklung zum Gitarristen ("Draufgänger") als auch die an Sound überladenen "Halt" und "Korrekt" mag ich sehr. Kunze gelang in meinen Augen fast alles - sprachliche Verzückung, Anregung zum Nachdenken, herzliches Grinsen, musikalische Perfektion. Auch, besser: insbesondere seine Bücher als auch Experimente wie "Wasser bis zum Hals..." oder "Kommando Zuversicht" mag ich. Kunze zu lesen oder zu hören bedeutete mir eine gewisse Verbundenheit - ich fühlte, da ist ein Mensch, der vieles ähnlich sieht wie ich.
Zwischendurch in seinen knapp 30 Karrierejahren gab es zwei, drei mal ein Album, das mich nicht so sehr begeisterte, aber stets war das Nachfolgealbum dann wieder ein Kracher.
Nun jedoch setzt sich nach "Das Original" und "Klare Verhältnisse" ein Trend fort, der mich traurig stimmt.

Verkaufszahlen haben mich nie interessiert. Ich habe HRK gemocht. Dass die breite Masse unter guter deutschsprachiger Musik zunehmend etwas anderes empfand, nahm ich wahr, es berührte aber mich jedoch nicht großartig.
Dass Heinz selbst immer auf Airplay etc. Wert gelegt hat, ist bekannt. So lange grandiose Alben heraussprangen war es mir auch egal, ob eine ziemlich banale Midtempo-Nummer als Radiosingle ausgekoppelt wurde und Heinz das auch in grenzwertigen Medienauftritten promotete. Ich hatte stets mein Album und war glücklich. Nie mehr als 2, 3 Aussetzer - und mindestens die Hälfte der Songs beschrieb lyrisch etwas neuartiges oder zumindest in einer neuartigen Perspektive. Etwas, was an singenden deutschsprachigen Schreibern nur der große HRK beherrschte.
Seit 3 Alben ist diese schöne Zeit vorbei.

Und nun "Protest" ! Markant angekündigt. Ich habe nicht blauäugig geglaubt, dass der Meister wirklich ein Protestalbum herausbringt - ich hatte schon gewisse Zweifel, gerade weil vorab Dylan mit seinem berühmt-berüchtigtem Satz zitiert wurde. Die Zweifel sind eingetreten: "Protest" ist genauso wenig ein Protestalbum wie "Das Original" irgendetwas mit dem jungen Kunze (geschweige mit dem Coververschnitt des grandiosen Debütalbums "Reine Nervensache") zu tun hat und genauso wenig wie "Klare Verhältnisse" für ebendiese sorgt. Albentitel sind seit dem Wechsel zu Ariola zur Persiflage verkommen, vielleicht heisst ja das nächste Album "Techno".

Ich bin wirklich erstaunt, wie unreflektiert viele Fans und Wunderkinder das Album loben. Ich mag das künstlerische Werk von Heinz, aber ich muss hier einfach mal ehrlich sein:

Ich habe gehofft, dass sich der erneute Abgang von Heiner Lürig positiv auswirkt. Ich fand "Rückenwind" großartig (vor allem die sphärischen Balladen, Frank Plasa sei Dank.) Die beiden Alben danach, die wieder mit Lürig waren, fand ich persönlich viel, viel schlechter. Lieferte "Das Original" noch zwei absolute Über-Songs ("K." und "Mein Wahres Gesicht"), empfand ich die besseren Songs von "Klare Verhältnisse" bestenfalls als "ganz nett".
Insbesondere die zunehmende Anbiederung in den Texten fand ich störend. Kunze gefiel mir als Misantrop viel besser als als Menschenversteher. Insbesondere das großartige "Einer Für Alle"-Album liefert manche Zeilen, die für mich fast schon zum Lebensmotto wurden.
Musikalisch gefiel mir die Akustisierung auch nicht. Ich mag Ecken und Kanten - sei es in der Lyrik, im Sound oder in der Produktion.
Kunze war für mich immer am besten, wenn er scharf und bissig war. Seine Stimme passt viel besser zu knallharten Abrechnungen als zu Streichelsongs. Seine lyrischen Fähigkeiten kommen in markigen Worten viel besser zur Geltung als in sanften.

Diesmal gibt es nicht mehr nur einen oder zwei Midtempo-Liebesnummern mit völlig banalen Inhalten, sondern gleich eine Handvoll.

Es tut mir leid, aber ich bin wirklich enttäuscht.
Wurde hier bewusst auf den Strom der Zeit aufgesprungen? Banale Botschaften mit einem Hauch Selbstmitleid verpackt in Midtemposongs verkauften sich in Deutschland in den letzten Jahren ausgesprochen gut (Naidoo, Pur, Ich und Ich, das letzte Rosenstolz-Album). Buhlt Kunze um diese Käuferschicht?

Zu den Songs:

Längere Tage - allseits bekannt. Die typische Radiosingle. Nett, aber absolut nichts neues. Der Erzähler erfreut sich am Glück zu zweit in banalen Worten. Sei es ihm gegönnt.

Einmal Noch Und Immer Wieder - die zweite typische Radiosingle, nur gelungen wie seit einiger Zeit nicht mehr. Hat fast schon das Niveau von "Mit Leib Und Seele". Bewegt mich nicht sonderlich, aber für das Ziel Radioairplay ist dieser Song v.a. musikalisch gelungen. Der Erzähler erfreut sich am Glück zu zweit in banalen Worten.

Astronaut In Bagdad - Klasse Text. Hätte man ruhig noch schärfer formulieren können. Musikalisch hätte ich mir mehr Krach gewünscht. Dieser Song schreit nach abgehackten E-Gitarren - diese sind zwar da, aber der Sound ist mir noch zu kompakt.

Sie Geht Vorbei - unerwiderte Liebe. Nicht wirklich schlecht, aber relativ belanglos. Zeilen wie "Die Liebe kann so grausam sein" in dieser Form gesungen bewegen mich nicht wirklich. Auch musikalisch relativ belangloser, tausendmal gehörter Durchschnitt.

Auf Einem Andern Stern - Heinz, bitte überlass derartige Selbstmitleidballaden Rosenstolz, Ich und Ich und co. Ich glaube, Deine treuen Fans mögen andere Facetten an Dir.

Aber Menschen? - wunderbares Thema. Aus dieser Idee hätte man einen großartigen Song basteln können. Stattdessen werden maximal 2 bis 3 aussagekräftige Zeilen textlich variiert über 3 Minuten gestreckt. Nach der ersten Strophe ist der Drops gelutscht. Die Lagerfeuerbegleitung passt überhaupt nicht zum Text.

Dagegen - ein Thema, das HRK etwa so häufig aufgreift wie Niedecken das Thema Köln. Nur waren frühere Songs besser. Weil man den Text der früheren Songs nicht auf vier Zeilen stutzen können. Melodie: unglaublich schlecht, wenn überhaupt vorhanden.

Frei Zu Sein - textlich der gewohnte HRK! Eine balladeske Ode an den Begriff "Freiheit". Hätte eine etwas bessere Melodie verdient gehabt (die ist nicht schlecht, aber bei solch einem tollen Text ist auch eine ganz besondere Melodie vonnöten).

Ein Besondrer Tag - der zweite Song nach "Einmal Noch..." mit einer wirklich prägnanten Melodie. Text ist mir zu banal.

Möglich - sorry, aber dies ist der erste Kunze-Song überhaupt, den ich mir kein zweites Mal vollständig anhören kann. Musik, die mich negativ berührt. "Wenn es Dir schlecht geht, ist es möglich, dass es etwas anderes gibt als den Tod". Soll das ironisch-witzig sein? Oder Lebenshilfe für Suizidgefährdete? Banal. Schrecklich.

Selbst Ist Die Zerstörung - so hätte ich mir das gesamte Album gewünscht! Das ist Kunze, wie ich ihn mag! Krach, Wut, Witz.

Warum? - dieser Song hat sich für mich noch nicht erschlossen, deshalb enthalte ich mich eines Kommetars.

Regen In Meinem Gesicht - wunderbare poetische Ballade. Toll!

Du Bist So Süss - ich weiss nicht, warum Kunze einfältigen Menschen, die nicht wissen, was ein Bundeskanzler ist, überhaupt einen Song widmet. Vor allem einen derart banalen. Schrecklich.

Elixier - nicht schlecht, aber auch nicht so grandios, wie manche es loben. Ein nettes Liebeslied, welches viel besser zur Geltung käme, hätte man nicht schon vorher viel zu viele viel schlechtere Liebeslieder auf diesem Album hören müssen. Nach 13 politischen Songs wäre "Elixier" der perfekte Rausschmeisser gewesen - so geht er aber unter.

Du Bist Ganz Einfach Schön - wer glaubte, der Banalismus von "Möglich" und "Du Bist So Süss" sei unübertreffbar, wird hier eines besseren belehrt. Von Null in die Top 3 der Worst Kunze Songs ever. Hätte ich den Text auf einem Blatt Papier gelesen, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass HRK so etwas grottiges verfassen könne.

Umsonst Rasiert - grandios. Der beste Song des Albums. Unverständlicherweise zum Bonustrack degradiert. Krach, Humor, Mehrdeutigkeit. Feinsinnig versteckte Gesellschaftskritik.

Insgesamt 3 von 5 Sternen. Da Kunze bis 2003 bei mir fast immer 5 von 5 hatte, trotzdem eine Enttäuschung.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2009 11:50 AM CET


12
12
Wird angeboten von CD-DVD-Tonträger Berlin
Preis: EUR 6,99

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen nehmt Euch Zeit, dieses Album zu mögen !, 7. März 2007
Rezension bezieht sich auf: 12 (Audio CD)
Also - die Kritiken anderer zu Herberts neuer CD schwanken ja zwischen totaler Begeisterung und totaler Ernüchterung.

Den ernüchterten kann ich nur sagen: nehmt Euch Zeit! Herbert hat 5 Jahre gebraucht, um dieses Album zu vollenden, also sollte man als Hörer sich auch Zeit nehmen - und die Entstehungsgeschichte verstehen etc.

Sicher - schnelle Gassenhauer, die man schon nach einmal hören mitgrölt (wie "Die Härte", "Alkohol"...) gibt es hier nur in Ansätzen (wenn man den New-Wave-lastigen Stil von "Kopf Hoch, Tanzen" sowie den Westernsound von "Spur" mag, dürfte man zumindest bei diesen beiden Songs keinerlei Probleme haben). Aber das muss auch nicht sein. Richtig starke Alben sind für mich meist diejenigen, die ich erst nach ein paar Durchläufen mag.

Textlich ist diese Album wohl sein bestes - abwechslungsreich, viele Themen ansprechend, teils nachdenklich, aber überwiegend "lebensbejahend". Er ist gereift - die Fans reifen mit ihm. Ich finde es gut und mutig, einen metaphorischen, anspruchsvollen Textstil zu verwenden, den nicht jeder, der überwiegend "Alkohol" und "Männer" mitgrölt, versteht. Herbert könnte es sich mit simpleren Texten kommerziell viel einfacher machen. Tut er aber nicht, und das mag ich. Ebenso würde ich mir wünschen, dass er auch bei seiner anstehenden Tournee einmal die tiefsinnigeren Fans bedenken würde - und nicht, wie seit 1993 auf allen Tourneen geschehen, immer dieselbe Auswahl an älteren Songs spielt (eben die tausendmal abgedudelten Evergreens). Warum nicht mal versteckte Perlen vom "Sprünge"-Album? (Stücke dieses Albums waren auf der letzten Tour gar nicht mehr im Repertoire). Ich muss dieses Jahr nicht zum 5ten mal "Mambo" hören ...

Zurück zu "Zwölf" : Ich hatte die Befürchtung, dass Herbert die Verwendung von Metaphern übertreiben würde. Diese Tendenz haben "Bleibt Alles Anders" und "Mensch" aufgezeigt und die Vorabsingle von "12", "Stück Vom Himmel" hat in mir diese Angst verstärkt. Zu viel unkonkretes Herummetaphieren kann peinlich sein - bei Xavier Naidoo finde ich das einfach nur schlecht und ungekonnt. Glücklicherweise ist es bei "Zwölf" eher rückläufig. Metapher sind da, aber: was Herbert damit sagen will, ist eindeutig. Und das ist gut so. Es sind keine Texte, in die sich jeder hineininterpretieren kann, was er gerne hätte (diese "Kunst" beherrschen Rosenstolz in Perfektion).

Musikalisch kann ich jedem raten, sich Zeit zu nehmen. Nach dem ersten Durchhören habe ich schmerzlich E-Gitarren vermisst. Aber inzwischen mag ich den Sound. Die Instrumente an sich sind eher minimalistischer Natur - und gerade daraus einen dicken Soundteppich gebastelt zu haben, darf man als vollendetes Kunstwerk von Herbert und Alex Silva verstehen. Das ist deutlich schwieriger, als aus mehrspurigen Synthie-Linien und übersteuerten E-Gitarren einen Bombastsound zu kreieren. Deshalb mag es sein, dass mancher Hörer beim ersten Hören etwas verwundert reagiert.

Nehmt Euch Zeit - es ist nur eine Frage der Zeit, bis man diesen Sound innig mag.

Fazit: Die irrsinnig hohen Erwartungen nach "Mensch" wurden erfüllt. Nicht völlig übertroffen, aber erfüllt. Und das war nach "Mensch" fast unmöglich. Keine Stagnation, kein abrupter Stilbruch - sondern eine gemäßigte, angenehme Weiterentwicklung.


Ich Komm An Dir Nicht Weiter (CD 2)
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Wird angeboten von maxifreund2
Preis: EUR 3,96

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstmalig vier Singles aus einem Rosenstolz Album..., 2. November 2004
...und nun ist der Song dran, der für mich persönlich von Anfang an der beste des "Herz"-Album war. Eine einfach mitreißende Pianobegleitung im Refrain !! Dieser Song war als Single überfällig und hätte schon anstelle der musikalisch doch sehr lauen Nummern "Liebe Ist Alles" und "Ich will mich verlieben" erste oder zweite Single sein müssen. Der Song wurde für die Singleversion überarbeitet - jetzt sind Streicher dabei, was meines Erachtens etwas vom rockigen Touch nimmt (leider). Die Bonustracks versprechen viel: einige neue Remixe und zwei Neuaufnahmen von ganz früh geschriebenen, aber nur für Demotapes im Original aufgenommenen Frühwerken von AnNa und Peter. Die meistens Fans werden sehr glücklich sein, dass es diese Single geben wird.


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