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Rezensionen verfasst von
Johannes Marian

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Die Spätantike: Der eine Gott und die vielen Herrscher
Die Spätantike: Der eine Gott und die vielen Herrscher
von Rene Pfeilschifter
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchwachsen, 29. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rene Pfeilschifter, Althistoriker an der Uni Würzburg, hat sich bereits in seiner Habilitationsschrift "Der Kaiser und Konstantinopel" eingehend mit der Spätantike befasst. Mit dem nun vorliegenden, preiswerten Band richtet er sich indessen an ein breiteres Publikum jenseits der fachwissenschaftlichen Öffentlichkeit. Das ist nur zu begrüßen, denn die letzten Jahrhunderte des Altertums stellen seit einer Weile einen Schwerpunkt der Forschung dar, und viele Annahmen, die noch immer als vermeinliche Tatsachen an den Schulen vermittelt werden ("spätantiker Zwangsstaat", "barbarische Invasionen"), sind längst in Zweifel gezogen oder gar widerlegt worden. Für jeden Leser, der sich eine etwas ausführlichere Darstellung als Hartwin Brandts sehr knappe und inhaltlich konservative Skizze "Das Ende der Antike" leisten möchte, ist Pfeilschifters Einführung daher durchaus geeignet. Er baut seine Erzählung chronologisch auf, beginnt mit Kaiser Diokletian im späten 3. Jarhundert und behandelt dann, wie es in der Forschung inzwischen üblich ist, die folgende Zeit bis ins frühe 7. Jahrhundert, endet also nicht mit dem überholten Epochendatum 476 und widmet insbesondere der Zeit Justinians recht breiten Raum. Seinen Stoff meistert Pfeilschifter dabei insgesamt souverän; allerdings vermisst man eine wirkliche Leitidee, einen ordnenden, eigenständigen Ansatz, der über ein bloßes Referat hinausginge. Die These, Westrom sei untergegangen, weil das Imperium geteilt gewesen sei, kann zum Beispiel nicht überzeugen; immerhin hätte es dann 200 Jahre gedauert, bis auf die vermeintliche Ursache eine Wirkung gefolgt wäre. Vor allem aber ist die Auswahl der weiterführenden Literatur insgesamt nicht sehr glücklich geraten; so vermisst man nicht nur wichtige Einführungen wie Walter Pohls "Völkerwanderung" oder Henning Börms "Westrom", sondern sogar Alexander Demandts Handbuch "Die Spätantike", das zwar nicht mehr unumstritten, aber doch nach wie vor unverzichtbar ist. Literatur zu den sassanidischen Persern, immerhin die zweite Großmacht der Spätantike, deren prägender Einfluss auf die Mittelmeerwelt in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, sucht man ganz vergebens. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass Pfeilschifters Beherrschung des Stoffes uneinheitlich ist: In jenen Bereichen, zu denen er selbst Spezialstudien vorgelegt hat, kann seine Darstellung ingesamt durchaus überzeugen; in anderen Feldern hingegen zeigen sich erstaunliche Lücken und Nachlässigkeiten, und nicht jeder Gedanke wurde konsequent zu Ende gedacht. Das ist bedauerlich, gerade angesichts des Umstandes, dass dieses Buch aufgrund des sehr günstigen Preises vermutlich eine hohe Verbreitung finden dürfte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2014 10:05 PM MEST


Imperator Caesar Didius Iulianus Augustus
Imperator Caesar Didius Iulianus Augustus
von Steve Pasek
  Broschiert
Preis: EUR 74,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Finger weg, 12. März 2014
Ebenso wie die etwa zeitgleich erschienene Monographie vom selben Verfasser ("Coniuratio ad principem occidendum faciendumque"), die mit dem vorliegenden Buch übrigens über weite Strecken wortgleich ist, ist diese Arbeit ein Rätsel. Pasek beherrscht Grundtechniken der althistorischen Forschung nicht; vielmehr bietet dieses Buch, an dem schon formal sehr viel auszusetzen ist, im Wesentlichen eine sehr ausführliche und weitgehend unkritische Nacherzählung der Quellen, allen voran Cassius Dio, Herodian und die hochproblematische "Historia Augusta". Eine Fragestellung, eine These oder eine leitende Idee sucht man vergebens. Wesentliche Forschungsliteratur zur römischen Kaiserzeit, etwa Egon Flaigs "Den Kaiser herausfordern" oder Ulrich Huttners "Recusatio imperii", kennt Pasek nicht.

Schon der Blick in den Index, der offenkundig völlig wahllos zusammengestellt ist, macht deutlich, wie bizarr diese Arbeit ist. Aus Büchern abfotografierte Karten und miserable Abbildungen von Münzen vervollständigen das Bild - kein regulärer Verlag hätte eine derartige Arbeit, die optisch wie eine überlange Proseminararbeit wirkt, publiziert; aber AVM ist ja auch kein regulärer Verlag. Lektoriert wurde dieses Buch mit Sicherheit nicht, wie schon die Vielzahl an sprachlichen Fehlern verrät. Kurzum: Auf eine moderne, zuverlässige Analyse zum dramatischen Jahr 193 muss man auch weiterhin warten. Schade.


Prokop und die Perser: Eine Untersuchung des Perserbildes des Prokop von Caesarea aus der Zeit der Spätantike
Prokop und die Perser: Eine Untersuchung des Perserbildes des Prokop von Caesarea aus der Zeit der Spätantike
von Patrick Jost
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Achtung: Kein Buch, sondern eine studentische Hausarbeit, 8. November 2013
Es ist ein großes Ärgernis, dass Amazon "Bücher" wie dieses anbietet. Denn die Werke, die der "GRIN-Verlag" verkauft, sind keineswegs echte Monographien von professionellen Autoren, sondern in der Regel studentische Hausarbeiten. So auch in diesem Fall: Patrick Jost ist ein Anfänger, dem seine eigene Proseminararbeit offensichtlich so gut gefiel, dass er gerne Geld dafür bekommen möchte, dass andere sie lesen dürfen. Das allerdings ist Hybris. Der wenige Seiten lange Text ist nicht nur sprachlich wackelig, sondern auch formal fehlerhaft und inhaltlich allenfalls mittelmäßig. Selbstverständlich enthält er keine eigenständigen Gedanken. Zitierfähig ist die Arbeit natürlich keinesfalls, sie ist eben ein typisches Anfängerwerk. Darum: Finger weg!


Theodora von Byzanz: Kurtisane und Kaiserin (Urban-Taschenbucher)
Theodora von Byzanz: Kurtisane und Kaiserin (Urban-Taschenbucher)
von Thomas Pratsch
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lieblos und oberflächlich, 7. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Obwohl sie für die orientalischen Christen, die sie bis heute als Heilige verehren, eine große Rolle spielt, ist es doch fast ausschließlich dem spätantiken griechischen Geschichtsschreiber Prokop zu verdanken, dass Theodora, die Frau des römischen (bzw. frühbyzantinischen) Kaisers Justinian, im Abendland eine bis heute relativ prominente Figur ist. Prokop goss in seiner berüchtigten "Geheimgeschichte" in beispielloser Weise Jauche über das Ansehen der damals bereits verstorbenen "Augusta", die er zur intriganten Hure stilisierte, und ganz hat man sich von diesem populären Bild, das die historische Forschung eigentlich längst widerlegt hat, bis heute nicht lösen können.

Viele moderne Autoren haben versucht, Theodora in einer Monographie zu behandeln, und im Grunde sind all diese Versuche gescheitert. Dies gilt auch für das Büchlein von Thomas Pratsch, das unverständlicherweise in der sonst meist empfehlenswerten Reihe der Urban-Taschenbücher erschienen ist. Seine Darstellung ist sprachlich recht ungelenk und wenig stringent, überdies wird der Lesefluss immer wieder durch sehr lange und in dieser Form überflüssige Quellenzitate gehemmt. Der Blick in das gerade mal eine Seite umfassende Literaturverzeichnis bestätigt den Eindruck, dass die sehr umfangreiche althistorische und byzantinistische Forschung zur Zeit Justinians nur sehr lückenhaft berücksichtigt wurde. Auch das Glossar ist in seiner Inkonsequenz und Willkürlichkeit nutzlos.

Vor allem aber findet auch Pratsch keine Lösung für das zentrale Problem, dass die historische Theodora bei genauem Hinsehen kaum zu greifen ist: Zwar diente die Kaiserin der Nachwelt sehr früh als Projektionsfläche für positive wie negative Überhöhungen, aber belastbare Quellen zu den tatsächlichen Handlungen Theodoras sind sehr rar. Wenn man daher tatsächlich "Zweifelhaftes aussiebt", bleibt, wenn man ehrlich ist, wenig Berichtenswertes über die "Kurtisane und Kaiserin" übrig. Pratsch behilft sich, wie viele Autoren vor ihm, damit, einfach die Ereignisse und Verhältnisse der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts zu schildern, um dann und wann zu vermuten, welche Rolle Theodora in ihnen vielleicht gespielt haben könnte. Diese Spekulationen können aber nicht befriedigen. Wer sich einen Überblick darüber verschaffen möchte, was die historische Forschung heute an konkreten Informationen über Theodora besitzt, sollte daher lieber den kurzen Aufsatz von Hartmut Leppin in dem Sammelband "Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora" (München 2002) lesen.


Gordian III: Kaiser einer Umbruchszeit
Gordian III: Kaiser einer Umbruchszeit
von Katrin Herrmann
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenig innovativ, 14. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das dritte Jahrhundert n. Chr. fasziniert die Althistoriker seit langem, aber vor allem in den letzten zwanzig Jahren wird diese Übergangszeit zwischen Prinzipat und Spätantike besonders kontrovers diskutiert. Daher überrascht es nicht, dass inzwischen mehrere Dissertationen zu einzelnen römischen Kaisern dieser Phase vorliegen. Allen ist dabei gemein, dass ihre Verfasser einerseits mit einer sehr schlechten Quellenlage, andererseits aber mit einer längst unüberschaubar gewordenen Zahl an modernen Publikationen konfrontiert sind. Dies gilt folglich auch für Gordian III. (238 bis 244), dem das vorliegende kurze Buch, eine Erfurter Doktorarbeit, gewidmet ist.

Dass der behandelte Gegenstand wichtig ist, ist nicht zu bestreiten. Allerdings enttäuscht die Monographie aus drei Gründen: Gerade weil die Quellenlage dürftig ist, wäre es erstens ratsam gewesen, wirklich alles heranzuziehen, was verfügbar ist: also die orientalische und byzantinische Überlieferung ebenso wie die Münzen. Dies unterbleibt hier leider weitgehend; im Zentrum stehen Herodian und die Historia Augusta. Die neueste Literatur ist - zweitens - nur lückenhaft rezipiert worden. Und drittens sucht man vergeblich nach innovativen Ansätzen, wie sie von einer Dissertation eigentlich gefordert sind: Dass das Ende der severischen Dynastie keine Wasserscheide innerhalb der römischen Geschichte markiert, sondern dass auch Kaiser wie Maximinus Thrax, Gordian III. und Philippus Arabs noch in der Tradition des Prinzipats zu verorten sind, haben Forscher wie Karen Haegemans, Henning Börm und Christian Körner bereits herausgearbeitet.

So lässt sich festhalten, dass dieses Buch für eine erste Orientierung über Gordian III. nicht ungeeignet ist, der Forschung aufgrund der erwähnten Schwächen aber sicher keine Impulse verleihen können wird.


Die Parther: Die vergessene Großmacht.
Die Parther: Die vergessene Großmacht.
von Uwe Ellerbrock
  Gebundene Ausgabe

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schlechtes Buch über ein wichtiges Thema, 26. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Bedeutung der Parther, die längst nicht mehr nur auf ihre Rolle als Gegenspieler des Römischen Reiches reduziert werden, für die antike Geschichte ist groß, und daher ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass nun eine deutschsprachige Einführung vorliegt. Leider ist das aber auch schon fast alles, was an Positivem zu diesem Buch gesagt werden kann. Denn man merkt sehr schnell, dass das Buch nicht von Fachleuten verfasst wurde. Wie in fachwissenschaftlichen Rezensionen - verwiesen sei nur auf die online verfügbare Besprechung durch Professor Erich Kettenhofen in der "Frankfurter Elektronischen Rundschau zur Altertumskunde" - bereits wiederholt und einhellig festgestellt wurde, können nämlich insbesondere jene Teile des Buches, für die der Mediziner Uwe Ellerbrock verantwortlich zeichnet, nicht überzeugen.

Die Parther faszinieren. Aber Begeisterung für die Sache alleine genügt leider nicht. Das zeigt schon ein Blick in das viel zu schmale Literaturverzeichnis: Die Forschung zu den Parthern hat gerade in den letzten Jahren sehr an Intensität und Umfang zugenommen, und das Bild, das man sich heute von ihrem Reich macht, weicht sehr von dem ab, dem man noch vor 20 Jahren anhing. Der vorliegende Band hingegen ignoriert diese Ergebnisse weitestgehend und informiert also keineswegs auf dem aktuellen Kenntnisstand. Zudem unterlaufen insbesondere Ellerbrock zahlreiche sachliche Irrtümer, und seine "Übersetzungen" der griechischen Münzinschriften lassen daran zweifeln, ob er über Grundkenntnisse dieser Sprache verfügt. Verweise auf Forschungskontroversen und Quellenbelege sucht man vergebens. Besser sind die von der Archäologin Sylvia Winkelmann verfassten Teile gelungen, denen man anmerkt, dass die Autorin mit wissenschaflichen Arbeitsweisen vertraut ist. Auch ihre Kenntnis der aktuellen Forschungsdiskussion innerhalb der Geschichtswissenschaft ist aber leider unvollkommen.

Kurzum: Dieses Buch ist ein falscher Freund, es gibt vor, eine zuverlässige Einführung auf dem aktuellen Forschungsstand zu sein, aber das ist es leider nicht. Die Parther hätten etwas Besseres verdient. All jene Leser, die sich hier so begeistert über das Buch äußern, wissen leider nicht, wie groß seine Mängel aus wissenschaftlicher Sicht sind. - Wer nicht nur schöne Bilder, sondern zuverlässige Informationen zu den Parthern sucht, muss leider weiterhin auf ein deutschssprachiges Werk warten. Allen Studierenden, die sich auf Prüfungen vorbereiten oder eine Hausarbeit zu den Parthern schreiben wollen, kann von diesem Buch nur abgeraten werden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2013 1:46 PM CET


Troia und Homer: Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels
Troia und Homer: Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels
von Joachim Latacz
  Taschenbuch

14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fragwürdige Thesen, gekonnt präsentiert, 15. September 2006
Spannend ist dieses Buch ohne Frage; doch nicht von ungefähr haben Latacz' Thesen auch viel Widerspruch erfahren: Nicht wenige Historiker sind der Ansicht, der Versuch, in der Nachfolge eines Heinrich Schliemann Homers Werke wieder als Quelle für historische Ereignisse der späten Bronzezeit verwenden zu wollen, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Viele glauben, die "Ilias" enthalte ebensoviel historische "Wahrheit" über das 12. Jahrhundert v. Chr. wie das Nibelungenlied über die Völkerwanderungszeit - nämlich nur sehr wenig. Latacz' Buch ist fraglos lesenswert, aber gerade interessierte Laien sollten beachten, dass seine Theorien sehr umstritten sind.


Barrington Atlas of the Greek and Roman World
Barrington Atlas of the Greek and Roman World
von Richard J. A. Talbert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 638,68

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unverzichtbar, aber unübersichtlich, 29. Juli 2006
Trotz einiger kleinerer Fehler und trotz des mehr als stattlichen Preises hat sich der Barrington Atlas rasch als das Standardwerk zur antiken Topographie durchgesetzt. Wer sich professionell mit der Alten Welt beschäftigt, kommt um das Kartenwerk kaum herum. Der Nachteil des Atlas liegt allerdings ebenfalls auf der Hand: Er ist vielfach zu unübersichtlich und für eine schnelle Orientierung ungeeignet.


Justinian: Herrschaft, Reich und Religion
Justinian: Herrschaft, Reich und Religion
von Mischa Meier
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Einführung, aber eher ungeeignet für Laien, 6. März 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Justinian (527-565), neben Konstantin wohl der bedeutendste Herrscher der Spätantike, hat Althistoriker und Byzantinisten schon immer fasziniert. Er repräsentiert wie keine andere Figur die Übergangszeit zwischen Altertum und Mittelalter. Justinian, unter dem die antike Kultur in vielen Bereichen eine letzte Nachblüte erlebt, bemüht sich einerseits um eine Wiederherstellung des römischen Imperiums. Er versucht, Gesetze und Religion zu vereinheitlichen, und zugleich erobern oströmische Truppen Nordafrika, Italien und Südspanien zurück, während die Ostgrenze gegen die Perser verteidigt werden muß.
Andererseits verstärken sich doch gerade in der zweiten Hälfte seiner Herrschaft die bereits mittelalterlichen Züge in Gesellschaft und Staat.
Mischa Meier, der bereits mit seiner Habilitationsschrift und zahlreichen Aufsätzen als Fachmann für diese Epoche hervorgetreten ist, betont auch in diesem kleinen Büchlein völlig zu Recht die Zäsur um das Jahr 542, die die erste, antikisierende Phase der Herrschaft von der folgenden scheidet. Meier folgt bei seiner Darstellung im Wesentlichen der Chronologie (Aufstieg Justinians, erste Maßnahmen, Kriege gegen Perser, Vandalen und Goten, Rückschläge), er bemüht sich um eine Bewertung der Leistungen des Kaisers sowie um eine Hervorhebung der Besonderheiten. Ob man allerdings der "Verschwörungstheorie" des Autors folgen möchte, derzufolge Justinian den Nika-Aufstand, der seine Herrschaft bereits 532 fast beendet hätte und der zahllose Opfer forderte, bewußt provoziert und gesteuert habe, um seine Gegner auszuschalten, sei jedem Leser selbst überlassen.
Meiers Buch ist eine sehr nützliche (vielleicht in einigen Passagen etwas flüchtig erstellte) Zusammenfassung des neuesten Forschungsstandes zu dieser wichtigen Epoche, die für Althistoriker, Mediävisten und Byzantinisten gleichermaßen interessant ist - allerdings richtet es sich augenscheinlich nicht an historische Laien. Obwohl sich der Autor bemüht, auch komplizierte Sachverhalte knapp darzustellen, werden die meisten Leser etwa von der Darstellung der Religionspolitik des Kaiser einigermaßen überfordert sein. Das ist aber nicht unbedingt Meier anzulasten, denn die Zeit Justinians (und seiner berühmten Gattin Theodora) steht eben am Ende einer jahrhundertelangen Entwicklung und verlangt daher ein erhebliches Vorwissen. Jedem, der sich schon etwas länger mit dem Römischen Reich der Spätantike beschäftigt hat, ist das Büchlein hingegen zu empfehlen - nicht zuletzt wegen der knappen, aber sehr guten Bibliographie am Ende.


Die Entstehung des christlichen Europa
Die Entstehung des christlichen Europa
von Peter Brown
  Taschenbuch

37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut lesbare Darstellung vom Fachmann, 5. Januar 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Peter Brown, renommierter Historiker und Experte für Spätantike und Frühmittelalter, hat hier ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben, dessen deutsche Übersetzung jedem ans Herz zu legen ist, der sich für die Anfänge und Ursprünge der nachantiken europäischen Zivilisation interessiert. Brown hat sein Buch in drei große Abschnitte unterteilt: Zunächst befaßt er sich mit den drei Jahrhunderten bis zum Ende des weströmischen Kaisertums, dann mit den Jahren 500-750, in denen in manchen Gebieten und Bereichen (etwa in Ostrom) die Spätantike noch andauert, während in anderen schon das Mittelalter beginnt, und schließlich mit dem frühmittelalterlichen Europa bis zum Ende des 1. Jahrtausends. Diese Abschnitte sind noch in weitere Kapitel unterteilt, die sich vor allem mit wichtigen Persönlichkeiten (Papst Gregor, Karl der Große) oder einzelnen Gebieten und Regionen beschäftigen. Dabei geht es Brown weniger um die politische Geschichte (am Ende des Buches findet sich neben weiterführender Literatur zu den einzelnen Kapiteln auch eine Zeitleiste) als vielmehr um die kulturellen und religiösen Prozesse, die zwischen 200 und 1000 mit der Wandlung des weitgehend heidnischen römischen Imperiums in eine Vielzahl mittelalterlicher christlicher Staaten auf seinem Boden und jenseits seiner Grenzen einhergehen bzw. sie bestimmen. Der Islam, dessen rasante Expansion seit etwa 630 auch im östlichen Mittelmeerraum die Antike beendet, interessiert Brown dabei eher am Rande. Er analysiert insbesondere die Veränderungen in der Mentalität der Menschen in Europa in einem stets klaren und gut lesbaren Stil.
Bedauerlich ist eigentlich nur, daß zumindest in der Paperback-Ausgabe auf Fuß- oder Endnoten verzichtet wurde. Brown führt immer wieder aufschlußreiche Quellenzitate an, doch leider ist meist nicht mehr erkennbar, woher diese eigentlich stammen. In der englischen Originalausgabe dagegen war noch ein Anmerkungsteil vorhanden, der hier wohl aus Platzgründen entfallen ist.


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