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Amber (Celle)

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Das goldene Ufer: Roman (Knaur TB)
Das goldene Ufer: Roman (Knaur TB)
von Iny Lorentz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch zum Verschlingen!, 13. Mai 2013
Ich habe schon einige Bücher von Iny Lorentz gelesen, aber dieses hier ist eindeutig das, was mir bisher am besten gefallen hat. Es ist so leicht und mit so viel Freude heruntergeschrieben und fängt großartig die Atmosphäre der damaligen ungerechten Zeit ein! Walther und Gisela sind mir ab der ersten Seite ans Herz gewachsen, weil sie so liebenswert bodenständig und alltäglich sind, keine dieser gewohnten Überhelden eben, sondern ganz normale Menschen wie du und ich, die in einer harten Zeit auf ein besseres Leben hoffen und auf dem mutigen Weg dorthin so manchen Fehler machen. Man kann sich gut mit ihrem Leid in ihren Rollen als Außenseiter und Fußabtreter hineinversetzen und muss immer weiterblättern, um zu wissen, ob sie endlich ihr verdientes Glück finden! Besonders schön finde ich, dass die beiden auch wirklich im Mittelpunkt stehen und sich nicht zu oft mit den Nebencharakteren befasst wird. Oft war es bei Iny Lorentz ja so, dass ständig zwischen vielen Personen hin und her gehüpft wurde, aber das ist hier zum Glück nicht der Fall.

Kleiner Kritikpunkt bleibt, dass die Handlung oft etwas knapp gefasst wird und man sich manchmal mehr Tiefgang wünscht. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch und passt irgendwie auch zu der Stimmung des Buches, denn immerhin haben Walther und Gisela kaum Zeit, sich mit ihren Gefühlen zu befassen und einmal kurz Luft zu holen. Es geht um ihre Zukunft und oft genug auch ums nackte Überleben, und da bleibt eben keine Muße für tiefsinnige Gedanken, zumal die beiden -vor allem Gisela- einfache Menschen sind, denen es als Kinder ihrer Epoche verwehrt bleibt, sich dem Sehnen nach einer höheren eigenen Identität hinzugeben. Im Rahmen der gründlichen Recherchen wird die Story dadurch sogar glaubwürdig.

Das einzige, was mich wirklich ziemlich störte, darf ich nicht verraten, weil ich sonst zu viel von der Handlung preisgeben würde. Aber es ist etwas, das in zu vielen Büchern als dramatisches Spannungselement benutzt wird und hier wohl erst im nächsten Buch aufgeklärt werden wird - wenn überhaupt. Wahrscheinlicher ist, dass es für die eine oder andere tragische Verwicklung in der Beziehung der beiden Hauptpersonen sorgen wird. Wer das Buch liest, wird am Ende wissen, was ich meine. Ich finde, dieses Element hätte man weglassen sollen, weil es zu abgedroschen ist.

Trotzdem kann ich den Roman jedem wärmstens ans Herz legen, der sich abends kurzweilige Stunden machen möchte! Viel Spaß beim Lesen!

Sehnsucht nach Owitambe: Roman
Sehnsucht nach Owitambe: Roman
von Patricia Mennen
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen Hübsche Story, aber leider wurde wieder geschlampt!, 11. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht nach Owitambe: Roman (Taschenbuch)
Nachdem der erste Band recht flach endete, hoffte ich darauf, dass die Autorin die Fortsetzung nutzen würde, um etwas mehr in die Tiefe zu gehen, doch leider wurde ich enttäuscht. "Sehnsucht nach Owitambe" knüpft nahtlos an "Ruf der Kalahari" an - in jeder Hinsicht. Sämtliche Kinderkrankheiten aus Mennens Erstling wurden in ihr zweites Werk mit hinübergerettet.

Der größte Mangel ist dabei der unverändert schlechte Stil. Verquere Sätze stören den harmonischen Lesefluss, und vor allem die ewigen Wortwiederholungen sind offenbar zu Mennens Markenzeichen geworden. Letztere sind stellenweise so massiv, dass man unfreiwillig über sie stolpert wie in einem misslungenen Kinderaufsatz. Offenbar sitzen die Lektoren noch immer in der Dauerkaffeepause, anders kann man es sich kaum erklären, wie viele grobe Schnitzer wieder ihren Weg über den Ladentisch gefunden haben. Woran liegt's bloß? Hektik? Oder Sturheit frei nach dem Motto: "Ich gehe nicht mehr zur Schule, sondern bin eine Geld verdienende Autorin, die machen kann, was sie will!"? Eigentlich will ich es gar nicht wissen - es stört eben! Und es darf nicht passieren!

Wobei wir beim zweiten Mangel wären, der im Gegensatz zum ersten natürlich zum Teil Geschmackssache ist: Die oberflächlichen Charaktere, die keinerlei Entwicklung durchmachen. Jella ist unverändert nervig geblieben und legt durch ihre Schwangerschaft noch einmal einen Zahn in Sachen nashornhafter Reizbarkeit zu. Sie versucht aller Welt ihren Willen aufzuzwingen und reagiert selbstmitleidig, wenn das nicht funktionert. Fritz ist seinem herrischen Frauchen natürlich mit Haut und Haaren verfallen und bleibt neben ihr blass und konturenlos. Dass die beiden dabei ihrer Zeit weit voraus sind, versteht sich natürlich von selbst. Sie sind als einzige in der Gegend mit den Eingeborenen befreundet, praktizieren ebenfalls als einzige fortschrittlichen Tierschutz und achten die Natur. Sehr romantisch, aber im wahren Leben zu Anfang des 19. Jahrhunderts wären so verträumte Charaktere wie die beiden längst untergegangen. Sie sind praktisch Menschen der Neuzeit, die die Autorin ausgeschnitten und vor den historischen Hintergrund geklebt hat, und so wirken sie auch: völlig deplatziert.

Darunter leidet auch die Story an sich, die im Ansatz eigentlich gar nicht schlecht ist. Aber all die schlimmen Dinge, die im Laufe der Seiten passieren, sind durch das kindische, oft gar wahnwitzige Verhalten der Personen selbst verschuldet. Mangelnde Selbstkritik gepaart mit Einfalt, das sind keine Sympathieträger. Schweres Schicksal sieht anders aus, so dass es mir meist praktisch unmöglich war, mitzufühlen. Zudem häufen sich wieder einmal die Unglaubwürdigkeiten in den an den Haaren herbeigezogenen Spannungseinlagen. Und wenn die Handlung zu stocken droht, dann werden die geschichtlichen Fakten eben umschifft. Beispielsweise, indem man Gegenstände, die es damals noch nicht gab, wie etwa ein Betäubungsgewehr, eben einfach mal so eben nebenbei rückwirkend erfindet und natürlich auch ohne jede Probleme funktionieren lässt ...

Das könnte man im Rahmen des Unterhaltungswertes vielleicht noch verschmerzen, wenn die Geschichte wenigstens konsequent durchgezogen worden wäre. Das ist aber nicht der Fall. Unwichtige Details wie Jellas Hochzeitskleid, das aufgetischte Essen und nette Picknickausflüge werden ausgewalzt, interessante Sachen wie der Aufbau einer Krankenstation, Jellas erste eigene Operation, Fritz' Forschungsarbeit oder Johannes' Rechtsstreitigkeiten jedoch werden in wenigen Sätzen abgehakt und zumeist sogar nur in knappen Rückblenden erwähnt. Fehlte da etwa das Hintergrundwissen? Das hätte man sich bestimmt aneignen können.

Auch die Flucht nach Indien ist enttäuschend gestaltet. Man erlebt die Abreise aus Afrika per Schiff, und auf der nächsten Seite sind bereits fast fünfzehn Jahre vergangen, und Jella schlürft Chai-Tee. Das dürfte wohl das letzte sein, was vertriebene Menschen an ihrer neuen Heimat als wichtig empfinden. Außerdem widmet sich die Handlung dann bereits ziemlich viel der gemeinsamen Tochter Ricky, deren Geburt und erstes Lebensjahr zuvor so nebensächlich erwähnt wurden wie eine Wetterveränderung, nachdem vorher so viel Tamtam um Jellas dicken Bauch gemacht wurde.

Frustrierend! Wie viel hätte man aus dem Nährboden dieser gut durchdachten Story herausholen können! Immerhin hat historische Unterhalung heute immer auch einen kleinen Bildungswert; stattdessen wird man wieder einmal nur mit Klischees fremder Länder abgefüllt. So bleibt am Ende reiner Zeitvertreib ohne den geringsten Nachhall, der sich nur durch die afrikanische Kulisse etwas von der Masse anderer Bücher unterscheidet.

Vielleicht wäre der Autorin besser damit gedient gewesen, wenn sie die Story ins Jetzt verlegt hätte. Dazu hätte die Urlaubsstimmung, die der Roman am laufenden Band vermittelt, sehr viel besser gepasst als zu dem sehr ernsten, geschichtlich geprägten Hintergrund, den sie ohnehin so gut wie nicht genutzt hat. Das kleine Beziehungsdrama zwischen Fritz und Jella hätte ebensogut in den Flieger verlegt werden können, und alle anderen großen und kleinen Tragödien des Romans hätten sich viel glaubwürdiger ins 21. Jahrhundert eingefügt. Nun, bei den meisten Lesern kommt die Mischung wohl gut an: Gegenwärtige Mentalität vor nostalgischer Fotoplatte, das zieht fast immer. Nun, bei mir nicht; sie langweilt mich und ist mir zu kitschig.

Trotzdem drei Sterne gibt es, weil ich mich nicht zwingen musste weiterzulesen und trotz allem wirklich immer wieder wissen wollte, wie es ausgeht. Vor allem, was einige Nebencharaktere betrifft. Auch das Flair Afrikas ist schön eingefangen. Warum auch immer, ich habe mir Band drei gekauft. Aber diesmal werde ich nicht erwarten, dass es der Autrorin gelungen ist, sich zu verbessern. Oder dass sie beim Gegenlesen ihre eigenen Klopper bemerkt hat. Wozu auch? Der Erfolg beweist ihr, dass sie es nicht nötig hat, sich mit ihren Anfängerfehlern zu befassen. Schade eigentlich, denn ich glaube, dass sie es besser könnte ...

Im Land des weiten Himmels: Roman
Im Land des weiten Himmels: Roman
von Joanna Wolfe
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Girl meets Boy in Alaska - inklusive Kundenveräppelung!, 1. Februar 2013
Okay, ich hatte einen leichten Roman mit einer netten kleinen Liebesgeschichte erwartet, eingebettet in historische Kulisse, so wie ich es manchmal eben gerne lese, wenn ich müde bin. Einfach ein bisschen Ablenkung und Unterhaltung, ein kleiner Ausflug in ein anderes Land, eine andere Zeit und einen Hauch heile Welt. Hohe Ansprüche hatte ich also wirklich nicht gestellt, aber ich wurde dennoch enttäuscht.

Dabei fing's erst ganz ordentlich an. Joanna Wolfe siedelt den Beginn der Geschichte in den ärmlichen Vierteln New Yorks an, in denen die Waise Hannah sich als Näherin und Kellnerin über Wasser hält und mit ihrem menschenverachtenden Vermieter zu kämpfen hat, bis ein Brief eines ihr unbekannten Onkels aus Alaska, der ihr den Ausweg in ein neues Leben bietet, sie aus ihrem Elend erlöst. Sie flieht aus der Großstadt und macht sich mit nur ein paar Dollars in der Tasche auf die Reise ins Ungewisse. Noch unterwegs lernt sie den leichtsinnigen Kunstflieger Frank kennen, in den sie sich sofort gegen ihren Willen verliebt, des weiteren einen kauzigen Fallensteller und ein reiches Unternehmerehepaar, bevor sie in Alaska mit der Herausforderung konfrontiert wird, ein eigenes Leben auf die Beine stellen zu müssen.

So weit, so gut, hier wird einem harmlose und kurzweilige Berieselung geboten. Klar, die Figuren sind EXTREM seicht. Hannahs Eigenschaften: blond, kess, sportlich. Franks Eigenschaften: dunkelhaarig, draufgängerisch, toller Pilot. Das war's. Alle anderen Charaktere sind Schablonen, die ebenfalls das gängige Klischee verkörpern, aber im Gegensatz zu Hannah wenigstens noch glaubwürdig in die Zeit passen, in der das Buch spielt. Interessanter und lebendiger werden sie dadurch zwar noch lange nicht, aber die Seiten füllen sich.

Ebenfalls stören tut natürlich, dass immer wieder betont wird, was für eine Pechsträhne Hannah hat und dass ihr Leben eben kein Groschenheft mit Happy End ist (nein?), obwohl sie in Wahrheit ständig unverschämtes Glück hat. Außerdem führt sie sich auf wie ein extrem verwöhntes Früchtchen, ist patzig und theatralisch, obwohl sie doch eine toughe junge Frau aus der Unterschicht darstellen soll, die ums Überleben kämpft. Nun ja, diese Schwächen haben viele Romane, und dass es sich um eine Kitschgeschichte handelt, war ja bekannt. Dafür ist das Flair der Landschaft in Alaska gut eingefangen, und ein bisschen Geschichtswissen fügt sich auch ganz harmonisch in die Story ein, obwohl man sich alles in allem doch eher in einen Urlaubsbericht hineinversetzt fühlt. Hannahs Leben berührt einen nicht, aber das ist ja auch nicht bezweckt. Schönkost eben.

Es hätte gut für drei Sterne gereicht, wenn die Autorin einfach so weitergemacht und ihre Entwürfe zu Ende gebracht hätte. Stattdessen lässt sie nach etwa der Hälfte der Seitenzahl die meisten Ansätze aus unerfindlichen Gründen heraus einfach fallen. Hannahs Onkel, der Postreiter Buddy, der Pilot Bannister, Hannahs Freundin Clara, Krankenschschwester Becky, alles Charaktere, die sie erfunden hat, ohne sie später noch wirklich zu benutzen. Hannahs Plan, auf eigenen Füßen zu stehen, ihr erster Winter in der Einöde, an keinem Thema bleibt die Autorin dran. Stattdessen wird man mit romantischen Indianerklischees abgefüllt, bis man glaubt, man hätte das falsche Buch in der Hand. Die Geschichte tröpfelt so vorhersehbar vor sich hin, dass man ganze Absätze überfliegen kann, ohne dass einem später etwas fehlt.

Aber es kommt noch schlimmer: Der Spannungshöhe(bzw.tief)punkt des Romans wurde praktisch von Christopher Ross geklaut. Statt ihre eigenen Ideen auszubauen, die ja eigentlich genügend vorhanden waren, serviert die Autorin uns frech einen Abklatsch von "Mein Freund der Husky" und "Im Zauber des Nordlichts". Ich konnte es kaum glauben und fühlte mich irgendwie betrogen: Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich mir gleich noch ein Buch von Ross kaufen können, und genau von dessen ewig gleichen und vorhersehbaren "Heldin auf Hundeschlitten"- Storys war ich nun wirklich übersatt. Außerdem hatte ich "Im Land des weiten Himmels" eigentlich nicht in der Jugendbuchabteilung gekauft ... Ja?

Danach dachte ich, es müsste ein offenes Ende samt Hinweis auf geplante Fortsetzung (die muss man bestimmt trotzdem noch befürchten) geben. Doch die meisten offenen Fragen wurden dann auf den letzten Seiten noch schnell Häkchen für Häkchen abgearbeitet - die meisten, wohlgemerkt, manche Dinge wurden auch einfach vergessen. Was zäh begann, wird am Ende hektisch heruntergenudelt, als hätte die Zeit gedrängt. Nicht mal die Liebesgeschichte erhält ein würdiges Finish, obwohl die ja erfahrungsgemäß oft noch so manchen Flop retten kann. Nun ja, wenn die Hauptperson nicht gerade jemand wie Frank ist jedenfalls, aber mit ein bisschen Humor hätte man auch da was draus machen können.

Jeder weiß es, zum Schluss herrscht Friede, Freude, Eierkuchen, was natürlich alleine Hannah zu verdanken ist - die eigentlich die ganze Zeit über nichts weiter geleistet hat als sich ins halb gemachte Nest zu setzen und sich fortlaufend in den Mittelpunkt zu drängeln. Deswegen muss natürlich auch immer wieder betont werden, wie stark sie ist - weil sie in Wahrheit nichts weiter ist als eine einfältige Göre mit großer Klappe, die ihren Mangel an Lebenserfahrung und Einfühlunsvermögen mit den Ellenbogen auszugleichen versucht. Das unrealistische Wunschdenken, dass Rücksichtslosigkeit und Wichtigtuerei einem Respekt und Anerkennung verschaffen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, und Hannah wurde mir von Seite zu Seite unsympathischer und lästiger.

Der Roman lässt leider auch vom Stil her an Qualität sehr zu wünschen übrig. Über einen durchschnittlichen Schulaufsatz mit all seinen Mängeln und Schwächen kommt er nicht hinaus. In der achten Klasse hätt's dafür höchstens eine drei gegeben. Und für's Abschreiben vom Nachbarn geht's auch hier noch eine weitere Zensur in den Keller - auf zwei Sterne hinunter.

Fazit: Eine weitere Autorin, die zwar Spaß am Schreiben hat, aber kaum Talent oder Kreativität. Dafür offenbar jedoch genug VitB, um einen namhaftem Verlag dazu zu bringen, ihr eine Chance zum Geldverdienen zu geben. Alaska sells.
Sich das Buch gebraucht zu kaufen, reicht meiner Meinung nach. Habe ich leider nicht getan und es jetzt ohne Bedauern an meine Freundin verschenkt, die es gerne mal komplett anspruchsfrei mag und schnell die anderen Bücher vergisst, die sie vor ein oder zwei Jahren mal gelesen hat ...

P.S.: Gerade ist mir ein altes Buch von Cristopher Ross in die Hände gefallen, in der die Heldin einen Buschpiloten namens Frank liebt. Wir wollen jetzt mal nicht kleinlich werden. Aber ganz ehrlich, geht's noch?

PPS.: Soeben hat mich jemand darüber aufgeklärt, dass die Autorin gar keine Autorin ist, sondern ein weiteres Pseudonym von Cristopher Ross bzw. Thomas Jeier. Diesmal hat er sich also hinter einem Weiberrock versteckt, und den neuesten lahmen Aufguss seiner "blonde Musherin rettet kranke Kinder und gewinnt die Liebe eines Idioten"-Story unter die Leser zu mogeln. Für diese Frechheit gibt es noch mal einen weiteren Stern Abzug. Dem Typen ist wohl jedes Mittel recht, um sein einfallsloses Geschmiere loszuwerden!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 25, 2013 12:55 PM CET


Shades of Grey - Geheimes Verlangen: Band 1 - Roman
Shades of Grey - Geheimes Verlangen: Band 1 - Roman
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Achtung, das ist kein SM!, 21. Januar 2013
Es macht mich sauwütend, dass alle Welt dieses Buch liest und die Hälfte davon sich daraus eine Vorstellung darüber bildet, wie es zwischen echten SM-Paaren zugeht. Ich meine, wir (ja, mein Partner und ich gehören dazu) kämpfen uns ohnehin gerade erst mühesam aus dem miesen Ruf heraus, und da kommt so eine sexuell frustrierte Autorin daher und bedient fröhlich sämtliche billigen, abgedroschenen Klischees aus der hintersten Pornoecke.

Leute, lest ruhig dieses stinklangweilige, seichte, alberne und kindische Buch. Genießt es auch ruhig, wenn es euch Spaß macht, wahrscheinlich gibt es ja wirklich noch Massen von noch platteren Liebesromanen, die euch verständlicherweise alle zum Halse raushängen. Freut euch daran, dass es ein bisschen würziger ist als die sonstige Hausmannskost mit rosa Einband.

Aber nehmt es in drei Teufels Namen nicht ernst! Und versucht bloß nicht, es nachzumachen, ihr werdet eine riesige Enttäuschung erleben, sofern ihr nicht erfahren und kreativ genug seid, selbst herumzuprobieren. So funktioniert das nicht! Weder, was die extrem schlecht und realitätsfern dargestellten Praktiken angeht (das hat die Autorin niemals selbst so erlebt, sondern sich nur zurechtfantasiert), noch was die emotionelle Dynamik zwischen den Darstellern betrifft. So sieht niemals guter Sex aus, höchstens unglaublich einfalls- und verantwortungsloser Schnell-Sex in lustloser Groschen-Prostitution. Niemand zieht aus so etwas Befriedigung, und eine Beziehung entsteht erst recht nicht daraus. Oder hat etwa jemals jemand was davon gehört, dass hörige Unschuldslämmer beglückt werden, und die Dreckskerle, die sie ausnutzen, irgendetwas für sie empfinden?

Das hier ist kein SM! Wenn euch die Richtung wirklich interessiert, besorgt euch lieber einen guten Ratgeber, der auch die Psychologie berücksichtigt. Wie gesagt, wenn ihr nur Unterhaltung sucht, mag das Buch für euch okay sein. Aber Erotik sollte meiner Meinung nach etwas mehr als das sein, nämlich Echtheitsgehalt besitzen, den Horizont der öffentlichen Aufklärung erweitern und immer auch ein gutes Vorbild zur Nachahmung bieten. Sonst fällt der Wert für die Gemeinschaft weg.

Naja, aber vielleicht sucht ihr das ja auch gar nicht und braucht nur eine kleine Anregung zum Träumen. Schön, wem's reicht, aber spart euer Geld, wenn ihr mehr erwartet und wirklich mitreden wollt!

Bin echt ernsthaft am Überlegen, ob ich nicht selbst endlich mal ein Buch in diese Richtung schreibe ...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 14, 2013 10:38 AM CET


Pestsiegel: Historischer Kriminalroman
Pestsiegel: Historischer Kriminalroman
von Peter Ransley
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaufen, lesen, genießen!, 24. September 2012
"Pestsiegel" ist eins der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten in den Händen gehalten habe. Gestern abend habe ich es zu Ende verschlungen und schweren Herzens ins Regal einquartiert, bis ich es vielleicht noch einmal lese.

Was macht den Roman zu so einem Knüller? Die Kriminalgeschichte? Kaum. Im Grunde geht es ja darum, dass ein junger Mann nach den Wurzeln seiner Herkunft sucht, und das ist kaum eine große Sache für einen versierten Krimifuchs (der ich nicht bin). Die politischen Hintergründe? Gewiss nicht. Obwohl sie sauber und sehr autentisch verarbeitet wurden und Peter Ransley eine atmosphärisch dichte Kulisse für seine Story geschaffen hat, dürften die Schilderungen einen geschichtlich Interessierten (was ich ebenfalls nicht bin) kaum befriedigen. Die Liebesgeschichte? Erst recht nicht. Da der Hauptakteur sich in eine ziemliche kleine Zicke verliebt, dürfte kaum ein Hauch Romantik aufkommen. Und was die Heldenhaftigkeit des Ich-Erzählers betrifft, so kann man diese mit der Lupe suchen, so dass der Idol-Faktor als Zugpferd für den Erfolg des Buches auch wegfallen dürfte.

Doch genau das macht den Roman aus: Dass Tom Neave eben kein hollywoodreifer Superheld ist, sondern eher ein bedauernswerter Underdog, der sich mehr schlecht als recht mit seinem trübseligen Los abfindet, der ewig malträtierte Stiefelabtreter zu sein. Er sieht nicht umwerfend aus, er ist nicht überragend intelligent, er ist weder furchtlos noch besonders talentiert noch ein hinreißender Womanizer, sondern einfach nur ein junger, vom Schicksal gebeutelter Mann, der nicht weiß, wo er hingehört, und in einer düsteren, schmutzigen, gefühlskalten Welt nach einem Platz für sich sucht und darum kämpft, das Beste aus seinem bislang jämmerlichen Leben zu machen. Und das tut er mit viel Mut, Zähigkeit und einem Schuss zynischer Selbstironie, die nicht nur für tragikomische Momente sorgt, sondern auch dafür, dass man sich trotz all seiner Kanten und Schwächen in ihn verlieben muss. Einfach, weil er menschlich, glaubwürdig und bei all seiner Tollpatschigkeit doch irgendwie bewunderswert ist.

Und obwohl die Story eigentlich nicht sonderlich originell ist und das Ende ein klein wenig kitschig, gelingt es dem Autor durch seinen eigenwilligen Erzählstil, den Leser alle paar Seiten erneut mit unerwarteten Wendungen zu überraschen. Skurrile, lebensechte Charaktere - Kinder ihrer Zeit - begegnen einem, die man in keine Klischeeschublade einordnen kann, so dass man einfach immer weiterlesen muss, um zu erfahren, wer einem als nächstes mit seiner wenig beneidenswerten Vergangenheit über den Weg läuft. So ist das Buch trotz allem unglaublich spannend und hält einen bis zur letzten Seite in seinem Bann, allerdings ohne dabei süchtig zu machen. Man kann es auch ungestraft mal ein paar Tage zu Seite legen, ohne den Zwang zu verspüren, weiterlesen zu müssen, was für mich als jemanden mit wenig Muße immer ein großes Pro ist. Ein Buch also, das einen bestens durch den Alltag begleitet.

Der Schreibstil ist dabei knapp, schlicht, makellos und von einer mühelosen Treffsicherheit, die einen immer wieder verblüfft innehalten lässt. Zahlreiche gelungene Pointen und ironische zwischenmenschliche Beoachtungen lassen einen leicht verschmerzen, dass man mit den etwas wirr dargestellten historischen Fakten manchmal ebenso überfordert ist wie der unglückselige Tom selbst. Aber es kann ja nur noch besser werden: Es soll noch zwei Sequels geben, in denen der junge Bursche sich gewiss zu einem beeindruckenden Mann mausern und uns als Ich-Erzähler hoffentlich noch etwas mehr Durchblick bescheren wird.

Peter Ransley ist für mich auf jeden Fall ein großes neues Talent als Autor, und ich freue mich schon auf die Fortsetzung seines rundum gelungenen Erstlings!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2013 10:19 AM MEST


Im Tal des wilden Eukalyptus: Australien-Saga (Die Australien-Saga)
Im Tal des wilden Eukalyptus: Australien-Saga (Die Australien-Saga)
von Inez Corbi
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Gelungene Fortsetzung mit kleinen Mängeln!, 20. September 2012
Folgebände wirken ja oft irgendwie an den Haaren herbeigezogen, doch dieser hier nicht. Im Gegenteil würde einem etwas fehlen, wenn es keine Fortsetzung zu "Das Lied der roten Erde" gegeben hätte. Ich habe sehnsüchtig darauf gewartet und wurde nicht enttäuscht.

Nachdem Moria und Duncan sich gegen Ende des ersten Teils eine Freiheit für ihre Liebe erkämpft hatten, die eigentlich zu gut war, um wahr zu sein, sind sie nun erneut schweren Prüfungen ausgesetzt. Duncan wird als Ex-Sträfling nicht von der Gesellschaft aktzeptiert, die kleine Farm reicht gerade eben zum Leben, und, am schlimmsten, das gemeinsame Kind des zerbrechlichen Glücks gehört von Rechts wegen Moiras verabscheutem Noch-Ehemann Alastair. Eine Scheidung von ihm scheint unmöglich, und zu allem Überfluss zieht Duncans Vater Joseph, der mit einer Eora verheiratet ist, diesen auch noch in seine leichtfertigen Kämpfe für die Rechte der Aborigines hinein. Duncan gerät in Lebensgefahr, und plötzlich steht Moira in ihrem Kampf gegen den alten Erzfeind Major Penrith alleine da. Aber die beiden geben nicht auf, und schließlich scheint es eine rettende Lösung zu geben, deren Umsetzung jedoch ziemlich gewagt ist...

Die Story hat alles, was eine wirklich tolle historische Liebesgeschichte braucht. Man fiebert, leidet und freut sich auf jeder einzelnen Seite mit den beiden Helden mit. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, die Handlung schnell, spannend und erfrischend unverschnörkelt bis hin zum rundum gelungenen Ende. Die sauber verarbeiteten historischen Fakten und die Vermeidung so manchen Klischees geben dem Roman den nötigen Schliff, der es von der Masse anderer romantischer Werke abhebt. Damit knüpft er nahtlos an den Vorgänger an und beweist, dass die Autorin ein Händchen für Fortsetzungsromane hat. Im positiven Sinne werden damit die Erwartungen der Leserinnen erfüllt, ohne dass die Story dadurch vorhersehbar werden würde. Großes Lob also!

In einem Punkt lässt das Buch mich jedoch unbefriedigt zurück: Die Figur des Duncan ist viel zu oberflächlich geraten. Auf die schlimmen Dinge, die er im ersten Band erleiden musste, wird nicht mehr im Geringsten eingegangen. Das Leben eines Sträflings zu führen hinterlässt in jedem Menschen tiefe Spuren, ebenso, als menschliches Versuchskaninchen missbraucht zu werden. Dann auch noch öffentlich so gut wie zu Tode gepeitscht zu werden, danach wochenlang in einem menschenunwürdigen Lazarett vor sich hin zu siechen und schließlich kaum genesen in Ketten in den Steinbruch geschickt zu werden, während man obendrein auch noch Angst um seine Liebste haben muss, dürfte wohl den härtesten Kerl umwerfen, zumal Duncan eigentlich als sensibel beschrieben wird. Ich hatte erwartet, dass in diesem Band näher darauf eingegangen werden würden, doch das ist nicht der Fall. Es werden keinerlei körperliche oder seelische Folgen dessen erwähnt, was er durchmachen musste - stattdessen stellt er fest, wieviel schlimmer als sein eigenes grausames Martyrium es doch ist, wenn eine Frau ein Kind zur Welt bringt. Ja, klar, ... Man kennt sie ja leider aus vielen Frauenbüchern, diese Andeutungen, ein "bisschen Folter" würde doch keinem echten Mann schaden, und es hat mich wirklich enttäuscht, auch hier wieder darüber zu stolpern. Das haben Sie bei Ihrem Händchen für ansonsten so einfühlsam und lebensecht dargestellte Charaktere doch sicher nicht nötig, Frau Corbi!

Große Kritik auch für das Cover: Es zeigt ein Pärchen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges (das Buch spielt um 1800!!!); die Frau ist eine Asiatin, der Mann ein blässlich wirkender Europäer. Was hat der Verlag sich dabei nur gedacht? Das Landschaftsbild ist schön genug, man hätte es dabei belassen sollen. Ob die arme Autorin gar nichts dagegen tun konnte, dass ihr Paar so verfälscht wurde? Irritierend!

Trotzdem, unbedingt kaufen! Wer den ersten Band schön fand, MUSS einfach auch diesen haben!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 21, 2012 9:32 AM MEST


Stürmische Gezeiten: Roman
Stürmische Gezeiten: Roman
von Paul Reid
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Tolle Idee verschenkt!, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Stürmische Gezeiten: Roman (Taschenbuch)
"Stürmische Zeiten" bietet einen vielversprechenden Ansatz, keine Frage. Ein Mann wird in die orientalische Sklaverei verkauft, während seine große Liebe in Irland ums Überleben kämpft, das klingt nach Drama und großen Emotionen. Eigentlich suche ich immer nach solchen Büchern, in denen auch mal die Männer in ernsthafte Bedrängnis geraten und die Frauen eine aktive Rolle übernehmen. Daher habe ich sofort zugegriffen, obwohl ich schon ein wenig skeptisch war: Wie kann es dem Autor gelungen sein mag, eine so umfangreiche Story auf so wenig Seiten unterzubringen? Die Antwort lautet: Es ist ihm NICHT gelungen.

Die Charaktere sind leider so stereotyp, dass man kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Brannon ist der klassische blonde, gutaussehende Junge von nebenan und zumindest sympathisch genug, um mit ihm mitempfinden zu können, aber sein Schicksal wird einfach zu schnell und beiläufig heruntererzählt. Er übersteht ohne Probleme Gefangennahme und Verschiffung, wird natürlich als Spitzenware gehandelt und an den Sultan verkauft und lebt sich so schnell in die fremde Kultur ein, als wäre er nur mal eben kurz auf Urlaub zu Besuch. Was dann passiert, darf ich nicht verraten, weil dann schon die gesamte Handlung erzählt wäre, aber die Unglaubwürdigkeiten häufen sich von Kapitel zu Kapitel. So unverwundbar und unbesiegbar, wie er hier herüberkommt, könnte man ihn schon fast in einen Karl-May-Roman stecken.

Seine Liebste indessen, die obligatorische Dorfschönheit, heiratet aus der Not heraus einen tyrannischen Großgrundbesitzer - wie einfallsreich. Was ihr dann im Laufe der Geschichte so passiert, brauche ich nicht zu verraten, denn es ist komplett vorhersehbar, was vielleicht nicht so stören würde, wenn man ein wenig mit ihr mitfühlen könnte. Sie kommt jedoch dermaßen zickig, hysterisch, kindisch und dümmlich herüber, dass man sehr schnell wirklich das Gefühl hat, dass sie selbst Schuld an ihrer Lage ist. Das einzig zauberhafte an ihr ist ihr traumhaufter Name, Orlaith, und man kann sich nur schwer vorstellen, dass ein junger Mann wie Brannon, der hunderte von ihrer Sorte haben könnte, bereit wäre, für sie sein Leben zu opfern.

Schade, wirklich schade. Man kann zwar nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, das ist es wirklich nicht. Es lässt sich gut weglesen, ist stellenweise auch recht spannend und sogar interessant, was das Leben eines männlichen Sklaven im Orient betrifft.
Aber es ist einfach VIEL ZU KURZ!!!! Wenn wenigstens die Personen gelungen wären, wenn sie etwas weniger oberflächlich, etwas weniger seicht wären, dann hätte ich aus emotionellen Gründen gerne vier Sterne gegeben. Aber das sind sie leider nicht.

Alles in allem ein nettes, kurzweiliges Buch für einen müden Abend, für das man jedoch nicht den vollen Preis ausgeben sollte. Es sich gebraucht anzuschaffen reicht meiner Meinung nach - was ich zum Glück auch getan habe.

Die Rebellin der Rose
Die Rebellin der Rose
von Janet Paisley
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Absoluter Geheimtipp!, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Rebellin der Rose (Taschenbuch)
"Die Rebellin der Rose" ist ein Buch, das mich jahrelang nicht wirklich ansprach und das ich mir dann sehr günstig gebraucht zugelegt habe, weil ich dachte, ich könnte es vielleicht irgendwann doch noch einmal lesen wollen. Und siehe da, es hat sich als eine große Überraschung entpuppt und mich restlos begeistert.

Historisch betrachtet ist es großartig recherchiert und bietet trotz seines vergleichbar geringen Umfangs mehr Wissenswertes über den Jakobitenaufstand als beispielsweise die Romane von Diana Gabaldon, bei denen die Fakten dermaßen ins phantasievolle Detail ausgewalzt werden, dass man am Ende vom Pomp der dramatischen Handlung erschlagen wird und sich keine Meinung mehr zu den nüchternen Fakten bilden kann. Nicht so hier. Janet Paisly ist es ganz wundervoll gelungen, eine informative Geschichtsstunde lebendig werden zu lassen, bei der beide Seiten so objektiv betrachtet werden, dass man Ende wirklich ein Stückchen schlauer ist. Auch die schottische Mentalität hat sie in knappen, unverkitschten Worten viel besser eingefangen als all ihre prominenteren Kolleginnen zusammen. Sie konnte mir eine gewisse Beziehung zu diesem Land und seiner Vergangenheit vermitteln, was andere Lektüren zu diesem Thema nie bewirkt haben.

Und vor allem hat mich die Autorin damit begeistert, dass ihr das gelungen ist, was noch kaum jemand anderer geschafft hat: In ihrem Roman sind Mann und Frau vollkommen gleichberechtigt, in jeder Hinsicht! Offenbar war das damals in Schottlang so, und mich wundert, dass noch keine andere Autorin dies so dargestellt hat. Scheint ein schwieriges Thema zu sein; die meisten scheitern ja daran und beschreiben entweder dominante Männer, die von den Damen angehimmelt werden, oder driften in die feministische Welle ab, was ich beides ziemlich frustriend finde, weil ich mich mit nichts davon je identifizieren konnte. Insofern fand ich das Buch extrem erfrischend und bin froh, endlich auch mal etwas für mich gefunden zu haben.

Langweilig wird es dabei überhaut nicht, im Gegenteil. Die Story trumpft mit gelungenden, glaubwürdigen Charakteren auf, die sich durch eine äußerst harte Zeit zu kämpfen haben. Liebe (zwischen zwei gleich starken, bodenständigen Charakteren, die man beide ins Herz schließen und bewundern muss und mit denen man leidet, während sie sich unter echten Schmerzen zusammenraufen), Sinnlichkeit (die Autorin gönnt uns ein paar sehr erotische Bettszenen!), familiäres Drama und menschliche Tragik kommen trotz der politisch bestimmten Handlung nicht zu kurz. Der Roman ist atmosphärisch dicht und so spannend, dass ich ihn in ein paar Abenden ausgelesen habe und mich nun schweren Herzens von den Hauptpersonen verabschiede.

Ganz großes Lob an die Autorin! So viel intelligent verarbeitete Historie und so viel menschliche Weisheit mit so viel Unterhaltungswert in einem so kurzen Roman zu vereinen ist eine echte Leistung. Und dabei ist der Stil auch noch absolut makellos und zudem sogar gut übersetzt!

Hiervon bräuchte der Büchermarkt mehr!

Die widerspenstige Braut
Die widerspenstige Braut
von Deeanne Gist
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Nette Nachtlektüre!, 10. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Die widerspenstige Braut (Gebundene Ausgabe)
Der Roman ist perfekt, wenn man abends nicht einschlafen kann und man mit geschwollenen Lidern bei Kerzenschein im Bett liegt, genau richtig für einen gemütlichen Abend nach einem stressigen, misslungenen Tag, an dem man wirklich nichts anderes mehr möchte als abschalten und süß vor sich hin träumen!

Der Stil dieser kurzweiligen Liebeskomödie ist einfach und anspruchslos, die Handlung seicht, unglaubwürdig, vorhersehbar und kitschig, natürlich macht all dies das Buch aus. Aber es behauptet auch gar nicht, mehr zu sein, und deswegen kann es keine Enttäuschung und kein Gemecker geben. Der Roman nimmt sich selbst nicht sonderlich ernst, und darum braucht man es auch nicht zu tun und kann reinen Gewissens genießen, ohne Kritik zu üben.

Innerhalb seines Genres ist das Werk gut gelungen. Die Story ist amüsant, romantisch und durchaus originell erzählt, wenn man andere Romane der Kategorie "historical romance" betrachtet. Die Charaktere sind menschlich und sympathisch, der Hintergrund ist lebendig und atmosphärisch dicht. Man kann wundervoll abtauchen, miterleben und sich entspannen, mit den Protagonisten durch die urwüchsigen Wälder streifen und den Holzrauch riechen.

Einen dicken Stern Abzug gibt es jedoch dafür, dass die Liebesnacht, auf die über 250 Seiten lang so eifrig und ausführlich hingearbeitet wird, schließlich - was für eine jämmerliche Ernüchterung! - geschnitten wird, bevor sie überhaupt begonnen hat. Mit einem einzigen Satz wird sie abgehakt und danach nie wieder auch nur ansatzweise erwähnt. Danach geht die Handlung, sofern es denn eine gibt, weiter, als hätte sie gar nicht stattgefunden. Und dafür dieses ganze Theater? Man könnte das Buch bedenkenlos einer Zehnjährigen in die Hände geben.

Nun, wen es nicht stört, wenn ein lockerer Schmachter so streng keusch verfasst wird wie vor hundert Jahren, der wird mit dem Buch wahrscheinlich bestens bedient sein und es am Ende zufrieden zuschlagen.

Die Henkerin: Historischer Roman
Die Henkerin: Historischer Roman
von Sabine Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragend anders!, 10. April 2012
Der Ansatz klingt ja zunächst einmal nicht neu, und das erste Kapitel bietet auch kaum etwas, das man nicht schon aus anderen Büchern kennt: Durch den brutalen Höhepunkt einer Erbfehde verliert die 13jährige Bürgerstochter Melisande ihre gesamte Familie. Ihrer sterbenden Mutter schwört sie Rache, doch wie soll sie, ein schutzloses Mädchen, das ständig fürchten muss, dass der von Blutgier beseelte Mörder ihrer Sippe sein Werk an ihr vollendet, diesen Schwur erfüllen?
Doch nun fängt die Story an, ihre ganz eigene Faszination zu entwickelt, die einen langsam, aber sicher in ihren Bann zieht: Da Melisande durch ihre flammend roten Haare eine auffällige Erscheinung ist, bleibt ihr keine Wahl, als die Barmherzigkeit des Henkers Raimund anzunehmen und sich bei ihm zu verbergen - als sein Lehrling, eine Tarnung, die niemand vermuten würde. Einsame Jahre erwarten sie, in denen sie ihre Weiblichkeit und ihre Gefühle verleugnen muss und nur die hässlichen Seiten der menschlichen Natur kennenlernt. Erschreckend ist somit die Anwort auf die Frage vieler, was für ein Mensch es sein muss, der einen so grausamen Beruf ausübt, ohne etwas dabei zu finden: Es könnte fast jeder sein!
Als auch noch Raimund schwer erkrankt, muss sie sein Amt übernehmen, mit all den grausigen Aufgaben, die dazugehören. Die Jahre werden ihr lang, während sie auf die unmöglich scheinende Gelegenheit wartet, endlich ihren Widersacher töten zu können, einen mächtigen Grafen, der sich gut zu schützen weiß. (Achtung, kleine Spoiler folgen!) Als sie sich dann auch noch durch unglückliche Umstände den Unmut des Stadtrates zuzieht und sich zu allem Überfluss in eines ihrer eigenen Folteropfer verliebt, einen jungen Mann, der ebenfalls zur unschuldigen Beute des Schlächters von Melisandes Familie geworden ist, scheint sich die Schlinge um ihren Hals zuzuziehen anstatt um den ihres Gegners ...

"Die Henkerin" ist eines dieser Bücher, von denen ich erst nicht so recht wusste, ob ich es überhaupt kaufen sollte. Aufgrund des tollen Covers hielt ich es fälschlicherweise erst für einen Fantasyroman und hätte es fast übersehen. Abends fing ich dann halbherzig an zu lesen - und konnte nicht mehr aufhören, bis ich es an einem einzigen Wochenende verschlungen hatte. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert; der Roman ist für mich ein absoluter Überraschungserfolg.
Sämtliche Klischees und Verkitschungen vermisst man hier, die Charaktere sind stark, vielschichtig, menschlich und glaubwürdig, der Gegenspieler ist intelligent und psychologisch so ausgefeilt, dass man er einem trotz seiner Gräueltaten fast leid tun kann, weil er auf seine Weise kaum weniger leidet als seine Opfer. Die Story ist kompromisslos, originell, wuchtig und in keiner Weise vorhersehbar, und vor allem Fans von expliziten Gewaltdarstellungen werden auf ihre Kosten kommen. Folter, Mord und Hinrichtungen ziehen sich unter farbigen Schilderungen durch alle Seiten und bescheren dem Leser manch grausige Szene, ohne dass widerliche Schockeffekthascherei eingesetzt oder die weibliche Opferrolle zelebriert werden - endlich einmal jemand, der wirklichkeitsgetreu schreibt! Dafür gibt es so gut wie keinen Sex, was auch einmal ganz erholsam ist, und auf melodramatische Gefühlsduselei wartet man zum Glück vergeblich.

Mutig, so einen knallharten Hammer zu schreiben! Das Autorenduo beweist, dass es im mittelalterlichen Genre auch ohne Romantik und Theatralik geht, und dennoch servieren sie dem Leser eine auf ihre Weise sehr rührende Geschichte, in der auf ungewöhnliche Weise auch die Liebe nicht zu kurz kommt.

Wenn ich es streng nehmen würde, müsste ich dem Buch dennoch einen Stern Abzug geben. Der Schreibstil ist manchmal doch etwas zu knapp und ziemlich schlicht, es gibt öfters Widerholungen, und die Autoren widersprechen sich stellenweise mit ihren Schílderungen selbst, manchmal auf ein und derselben Seite. Hier und da fehlen Szenen, Ansätze werden fallengelassen. Die männliche Hauptperson hat gegen Schluss plötzlich eine andere Haarfarbe! Derartige Kleinigkeit stören schon die Lesefreude.
Das leider stark lückenhafte Finale sorgte zu meiner Enttäuschung für manche Irritation, so, als hätte das Autorenduo vergessen, ein paar Seiten einzufügen. Es ist zudem, wie man das ja oft hat, weder stimmig noch realistisch und auch nicht wirklich überraschend, aber nun, ein anderes hätte der Leser wohl nicht hingenommen.
Vor allem hätte ich mir jedoch gewünscht, dass Melisande wenigstens einmal ihre engherzige, geistig verbohrte Überzeugung in Frage stellt, die erbarmungslosen Gesetze wären sinnvoll und gerecht und die Folter ein gutes und unbedenkliches Mittel, um sie durchzusetzen. Auch Raimund, der ihr diese Einstellung vermittelt hat, als gütigen Mann hinzustellen, überspannt den Bogen gewiss. Gleichzeitig muss man natürlich zugeben, dass gerade diese Haltung Melisande authentisch erscheinen lässt, denn nach ihren Erlebnissen erscheint es nachvollziehbar, dass sie nicht mehr fähig ist, Mitgefühl zu empfinden.

Wie auch immer, letztlich bleibt es trotz diverser Kritikpunkte bei fünf Sternen, einfach darum, weil ich lange keinen solchen wahnsinnig spannenden Pageturner mehr genossen habe, der in mir noch lange nachhallen wird.

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