Profil für Frank Reibold > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Frank Reibold
Top-Rezensenten Rang: 797
Hilfreiche Bewertungen: 2770

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Frank Reibold (Gehrden)
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30
pixel
Getting Off Track: How Government Actions and Interventions Caused, Prolonged, and Worsened the Financial Crisis (Hoover Institution Press Publication)
Getting Off Track: How Government Actions and Interventions Caused, Prolonged, and Worsened the Financial Crisis (Hoover Institution Press Publication)
von John B. Taylor
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 11,20

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geldpolitik aus der Spur, 12. Februar 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
In diesem Buch geht es um Ursachen, Ablauf und Bewältigung der aktuellen (2008-2010) Finanzkrise.

Zunächst wird gezeigt, dass die Finanzkrise durch eine fehlerhafte Geldpolitik der US-Zentralbank ausgelöst wurde. In den letzten zwei Jahrzehnten war die Geldpolitik moderat; dadurch waren Inflation und Wirtschaftswachstum auch mittelmäßig. Zuletzt wurden die Zinsen jedoch zu lange zu niedrig gehalten. Man kann zeigen, dass es ohne diese Politik des billigen Geldes weder die Immobilienblase noch die Finanzkrise gegeben hätte. Die Erklärung, die Krise sei durch überschüssiges Sparen in Asien entstanden, ist haltlos.

Die Krise wurde vor allem am Geldmarkt sichtbar. Hier stiegen die kurzfristigen Zinsen an. Das kann zwei Gründe haben: (a) Es ist kein Geld vorhanden oder (b) die Risiken der potenziellen Schuldner sind zu hoch. Die Maßnahmen der Notenbank und der US-Regierung sorgten für mehr Liquidität; das war jedoch falsch und kontraproduktiv. Wegen des schrumpfenden Immobilienmarktes konnten die Sicherheiten der Schuldner nicht berechnet werden und waren demnach zu riskant. Der Effekt der zusätzlichen Liquidität erschöpfte sich deshalb in steigenden Rohstoffpreisen (Gold und Öl), wodurch die Konjunktur abgewürgt und die Krise verschärft wurde.

Später wurde die Krise durch die Regierung noch weiter verschärft. Man kann zeigen, dass die Krise nicht mit der bekannten Lehman-Pleite begann, sondern mit den darauf folgenden Plänen der Regierung. Diese Pläne erwiesen sich als vage und widersprüchlich; dadurch entstand Unsicherheit an den Finanzmärkten.

Im weiteren Verlauf wird das Buch etwas technischer und beschreibt die bisherige Geldpolitik, die Asienkrise und die neue Politik des Internationalen Währungsfonds (passendes Währungsregime, niedrige Inflation, wenig Staatsverschuldung). Zudem wird erklärt, was ein "schwarzer Schwan" (siehe das gleichnamige Buch von Taleb) ist und wie man diese Ausnahmeerscheinungen durch einen Vergleich der Geldmarktzinsen erkennt. Die Geldpolitik der Zentralbank war während der Weltwirtschaftskrise 1929 falsch (Deflation); heute ist sie wieder falsch (Inflation).

Zum Schluss werden folgende Ratschläge erteilt:

- Rückkehr zur früheren Geldpolitik
- staatliche Maßnahmen müssen auf einer klaren Diagnose basieren
- Hilfen für Finanzinstitute müssen auf vorhersagbaren Regeln beruhen

Mir hat das Buch gut gefallen. Es enthält mehrere Diagramme, welche die Argumentation des Autors untermauern. Im Anhang werden die ursprünglichen Studien genannt, auf denen das Buch basiert. Zudem werden häufig gestellte Fragen zur Geldpolitik beantwortet. Hier erfährt man genauer, welche Regeln die Geldpolitik einhalten soll: Sie muss sich an der so genannten Taylor-Regel orientieren, welche den von der Zentralbank zu setzenden Zinssatz aus der aktuellen Inflation und dem Wirtschaftswachstum errechnet. Die Taylor-Regel wurde vom Autor entwickelt und ist geeignet, die Geldpolitik zu verstetigen. Da, wie der Autor betont, Krisen immer durch die Zentralbank ausgelöst werden, sollte man diese vielleicht ganz abschaffen (siehe Woods: "Meltdown"). Eine ältere Kurzfassung des Buches kann man in der Studie Taylor: "The Financial Crisis and the Policy Responses: An Empirical Analysis of What Went Wrong" finden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 13, 2010 12:54 PM CET


Foundations Of Modern Macroeconomics
Foundations Of Modern Macroeconomics
von Ben J. Heijdra
  Taschenbuch
Preis: EUR 44,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen mathematisch anspruchsvoll, 3. Februar 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch bietet eine Einführung in fortgeschrittene Themen der Makroökonomie.

Nach einer Charakterisierung der bedeutendsten Schulen der Makroökonomie wird das bekannte IS-LM-Modell diskutiert. Die weiteren Einführungskapitel betreffen den Arbeitsmarkt (inkl. Matching-Modellen, Effizienzlöhnen und kollektiven Lohnverhandlungen), Erwartungen und dynamische Inkonsistenz bzw. Glaubwürdigkeit der Politik. Zum Schluss wird das Mundell-Fleming-Modell der offenen Volkswirtschaft diskutiert und realistischer gemacht. In diesem Zusammenhang wird nicht nur nach offenen / geschlossenen Volkswirtschaften und festen / flexiblen Wechselkursen unterschieden, sondern auch nominal bzw. real rigide Löhne berücksichtigt. Man erhält schließlich ein Modell, mit dem man die Binnen- und Außenwirkung von Fiskal- und Geldpolitik in der Eurozone und in den USA bewerten kann. Weitere wichtige Themen sind internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik sowie Ricardianische Äquivalenz bezüglich Steuern und Staatsverschuldung.

Der zweite Teil des Buches mit fortgeschrittenen Themen führt zunächst Geld formal in das Modell ein. Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit dem Wirtschaftswachstum und ob dieses exogen (Bevölkerungswachstum) oder endogen (Innovationen / Infrastruktur / Humankapital) erklärt werden kann. Die Diskussion von Neukeynesianismus und Real Business Cycles nimmt besonders breiten Raum ein. Daran schließen sich zwei Kapitel über Mehrgenerationenmodelle an. Auch hier wird (falls anwendbar) stets geprüft, ob die Ricardianische Äquivalenz gegeben ist.

Im Anhang werden die voraus gesetzten mathematischen Kenntnisse kurz aufgefrischt.

Für Studenten der Volkswirtschaftslehre bietet das Buch eine gute Einführung in wichtige Modelle (u. a. Lucas, Solow, RBC, Ramsey). Die Diskussion ist nicht nur verbal oder grafisch, sondern immer mathematisch; manchmal wird die Herleitung in Kästen ("Intermezzi") ausgelagert. Es gibt einige Simulationen, aber nur wenige empirische Daten (zu Menükosten und Wachstumsraten); diese sind laut Autor mit den jeweiligen Modellen schwierig bis gar nicht zu vereinbaren. Die mathematischen Ansprüche sind deutlich höher als beispielsweise in Mankiw: "Macroeconomics"; die Diskussion von Währungssystemen in der offenen Volkswirtschaft erinnert an Burda: "Macroeconomics", ist aber zugleich detaillierter und kürzer.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn die Modelle aus Sicht der "österreichischen Schule" der Volkswirtschaftslehre unrealistisch sind (das gilt u. a. für Nutzen(funktionen), Wettbewerbsdefinitionen, Gleichgewicht, staatliche Eingriffe, optimale Geldmenge; siehe z. B. Rothbard: "Man, Economy and State").

The Concise Encyclopedia of Economics
The Concise Encyclopedia of Economics
von David R. Henderson
  Taschenbuch
Preis: EUR 27,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr als 150 lehrreiche Aufsätze, 30. Januar 2010
Dieses Lexikon enthält mehr als 150 lehrreiche Aufsätze von namhaften Wirtschaftswissenschaftlern, welche in folgende Kategorien unterteilt werden: Basic Concepts, Corporations and Financial Markets, Economic History, Economic Regulation, Economic Systems, Economics of Legal Issues, Economies Outside the United States, Government Policy, International Economics, Labor, Macroeconomics, Money and Banking, Schools of Economic Thought, Taxes, The Economics of Special Markets, The Marketplace.

Unter den Autoren und Themen findet man u. a.

- Alchian: "Property Rights"
- Boettke: "Austrian School of Economics"
- Friedman: "Crime"
- Higgs: "Government Growth"
- Mankiw: "New Keynesian Economics"
- Michaels: "Electricity and Its Regulation"
- Moore: "Global Warming: A Balance Sheet"
- Romer: "Business Cycles"
- Rothbard: "Free Market"
- Stigler: "Monopoly"
- Stiglitz: "Information"
- Summers: "Unemployment"
- Tobin: "Monetary Policy"

Die Artikel sind sowohl übersichtlich als auch ausführlich. Am Ende findet man jeweils Hinweise auf weiter führende Literatur und den beruflichen Werdegang des Autors. Die Artikel verweisen aufeinander, soweit dies erforderlich ist. Manchmal werden empirische Erkenntnisse in Tabellen und Diagrammen dargestellt.

Mir hat das Buch gut gefallen. Man erhält erste Einblicke in viele mit der Volkswirtschaftslehre zusammenhängende Themen. Sie sind sehr ausgewogen und beziehen auch andere Meinungen mit ein (z. B. handelt der Artikel über die Weltwirtschaftskrise nicht nur vom Goldstandard und der Zentralbank, sondern erläutert auch die fehlerhaften Reaktionen von Hoover und Roosevelt, welche die Krise erst zur Weltwirtschaftskrise machten). Da verschiedene Ansichten vertreten sind (z. B. ist Tobin für die Geldpolitik, während Rothbard die Zentralbanken abschaffen will), sollte man alle Artikel einer Kategorie beachten. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der die grundsätzlichen Themen von Politik und Volkswirtschaftslehre verstehen möchte.

Freier Tausch und fauler Zauber. Vom Geld und seiner Geschichte
Freier Tausch und fauler Zauber. Vom Geld und seiner Geschichte
von Erich Leverkus
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Geld - Wesen, Geschichte, Politik, 29. Januar 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch handelt vom Geld und diskutiert dessen Wesen, Geld und Politik.

Geld ist ein allgemein anerkanntes Tauschmittel (das heute zusätzlich zur Zahlung von Steuern zugelassen ist).

Geld entstand als Tauschmittel zur Erleichterung des Handels. Dabei spielten religiöse Motive eine Rolle: (1) Man brauchte einen Maßstab zur Bewertung der im Tempel abgelieferten Opfer; (2) Gold und Silber entsprachen den Sonnen- bzw. Mondgöttern. Im europäischen Raum setzten sich metallene Münzen durch.

Nachdem das Römische Weltreich auf Grund seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik (schwache Währung, hohe Ausgaben für Militär, Spiele und Sozialmaßnahmen bei gleichzeitiger Steuerflucht) unterging, wurde Geld nicht mehr benutzt. Im Laufe des Mittelalters kamen Münzen und Banken wieder auf; die Banken dienten auf dem Festland vor allem dem Geldwechsel und in England der Lagerung von Goldvorräten. Aus Wechseln und Zertifikaten für gelagertes Gold entstanden dann Banknoten. Wenn Banken mehr Geld verliehen, als sie vorrätig hatten, kam es zu Bankzusammenbrüchen.

Wenn etwas in der Privatwirtschaft gut funktioniert, dauert es nicht lange, bis der Staat es zu seinen Zwecken ausnutzt. Dabei kann man beobachten, dass der Staat das sich selbst zuerkannte Geldmonopol vor allem zur Kriegsführung benutzte. Im Mittelalter gab es viele konkurrierende Staaten, die gerne ihr Geld verschlechterten (vor allem durch Verkleinerung der Münzen oder Verwendung einer billigeren Legierung). Für den Fernhandel wurden einige wenige Münzen üblich, sodass man die heimischen Münzen z. T. mit Abschlägen umtauschen musste.

Die große Stunde des Staates schlug, als er die Banknoten für sich entdeckte. Dadurch konnte man endlich Geld erzeugen, ohne dieses mit einem Wert hinterlegen zu müssen. Das hatte natürlich verheerendere Kriege und stärkere Geldentwertung zur Folge. Heute gibt es nur noch Papiergeld, nachdem US-Präsident Nixon 1971 / 1973 den Dollar vom Gold löste (und dadurch die Ölkrise verursachte).

Finanzkrisen entstehen i. d. R., wenn die Zentralbank zu viel Geld in Umlauf bringt. Da dem Geld dann zu wenig Güter entsprechen, wird das Geld mangels realer Anlagemöglichkeiten zur Spekulation benutzt. Daraus erklären sich die bekannten Tulpen-, Aktien- und Immobilienblasen.

Die Zentralbanken haben sich lange Zeit nach den Vorgaben von Keynes gerichtet, wonach der Staat in Konjunkturkrisen durch billiges Geld zusätzliche Nachfrage erzeugen muss. Jedoch ist Keynes' "Allgemeine Theorie" erstens schwer lesbar sowie nur für eine geschlossene Volkswirtschaft ohne Beziehungen zum Ausland gedacht und zweitens ein Fehlschlag gewesen. Statt Entwicklung und Aufschwung gab es Elend und Unterschichten. Staatliche Interventionen im Bereich des Geldes sind immer schädlich; allenfalls in einer schweren Depression wie 1929 darf es Konjunkturspritzen geben.

Die Europäische Union bereitet sich jetzt (1990) nach einigen erfolglosen Versuchen auf eine gemeinsame Währung vor.

Mir hat das Buch gut gefallen. Es geht bei aller Kürze detailliert auf die Geschichte des Geldes in Deutschland ein. Dabei werden auch die Zwischenstationen in Antike, Italien, Frankreich (John Laws elendes Papiergeld) und Großbritannien (die Bank of England als erste moderne Zentralbank) ausführlich diskutiert und die jeweils herrschenden geldpolitischen Theorien erklärt. Man erfährt u. a. die Ansichten von Luther sowie der US-Präsidenten Hamilton und Jefferson. Das Buch enthält viele Ausschnitte aus historischen Werken, Tabellen, Kästen (z. B. "10 Wege zur Inflation") und Karikaturen. Im Anhang werden die geldpolitischen Instrumente der Deutschen Bundesbank beschrieben. Die Unterschiede zur Europäischen Zentralbank EZB sind für den Laien unerheblich. (Hinweis: Ich habe das Buch gekauft, weil es in Baader: "Geld, Gold und Gottspieler" empfohlen wird.)

Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen
Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen
von Hans-Olaf Henkel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,99

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wider die Blasen des Neosozialismus, 15. Januar 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
In diesem Buch geht es um Ursachen und Bewältigung der aktuellen (2009) Bankenkrise. Der Autor möchte zeigen, dass daran nicht Gier und Neoliberalismus, sondern Gutmenschentum und Neosozialismus Schuld sind.

Die Krise begann in den USA und breitete sich von dort weltweit aus. Die Gründe sind in gut gemeinter Politik zu finden, welche jedoch gravierende Nebenwirkungen hatte. US-Präsident Carter wollte auch den armen ethnischen Minderheiten zu einem Haus verhelfen und erließ dazu den "Community Reinvestment Act" (CRA). Dieses Gesetz wurde von der Regierung Clinton wiederbelebt; man konnte nun die Bank verklagen, wenn sie z. B. einem armen Latino keinen Kredit gewährte (von den Klagen profitierten dann die Anwälte, z. B. Obama). Über besondere Programme der Regierung wurde der Hausbau gefördert. Dazu gehören auch die halbstaatlichen Zwischenfinanzierer "Fannie Mae" und "Freddie Mac", welche mit staatlicher Unterstützung rechnen konnten. Darüber hinaus betrieb die Notenbank unter dem damaligen Vorsitzenden Greenspan eine Politik des leichten Geldes, um auf diese Weise die Zinsen zu senken. Es entstand eine Immobilienblase, die irgendwann platzen musste.

In Deutschland stellt sich die Frage, warum besonders die staatlichen Landesbanken von der Krise betroffen wurden. Ein Grund ist darin zu sehen, dass deren staatliche Garantien verboten wurden; dadurch konnten Sie Geld nicht mehr sehr billig beschaffen und billig verleihen. Bei der Suche nach neuen lukrativen Geschäftsfeldern verfiel man auf die Verbriefung von Krediten. Diese Geschäfte brauchten nicht in der Bilanz aufgelistet werden und unterlagen keiner strikten Risikobewertung. Die Politik unterstützte diese Geschäftspolitik; das von der SPD geführte Bundesfinanzministerium machte es sich sogar zur Aufgabe, Deutschland zum führenden Verbriefungsmarkt in Europa zu machen.

Wie man sieht, kann man mit Hilfe der Geldpolitik eine Blase erzeugen; aktuell war es eine Immobilienblase und vor der Weltwirtschaftskrise 1929 eine Aktienblase. Deutschland legt auf Grund seiner Erfahrungen mit Währungsreformen Wert auf eine stabile Währung. Der Dollar war in den letzten Jahren auch relativ stabil. Das liegt daran, dass der zur Berechnung der Inflation benutzte Warenkorb an die verbesserte Qualität der Produkte angepasst wurde. Dadurch erreichte man, dass auf dem Papier die Inflationsrate niedrig war, während Produktivität und Wirtschaftswachstum hoch waren. Diese Anpassungen waren jedoch nicht real. Ob die Notenbank die Anpassungen vornahm, um ihre niedrigen Zinsen zu rechtfertigen bzw. ob sie von diesen Zahlen in die Irre geführt wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls steht die Geldpolitik heute vor Problemen. Der früher propagierte Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit besteht nicht (mehr); in Japan hat die Geldpolitik nicht helfen können.

Die aktuelle Krise hat nichts mit dem Kapitalismus zu tun, sondern ist ein Ergebnis des Neosozialismus. (Die oftmals gescholtene Gier ist übrigens normal; die Boni der Investmentbanker kann man mit den Ablösezahlungen im Profifußball vergleichen, die nicht so negativ betrachtet werden.) Der Neosozialismus verstaatlicht nicht, sondern will mit staatlichem Geld die Welt verbessern. Das funktioniert zwar nicht, bringt aber Wählerstimmen. Es gibt (1) eine Beschäftigungsblase (ABM und Kurzarbeit), (2) eine Sozialblase (Renten und Gesundheit sind nicht finanzierbar) sowie (3) eine Schuldenblase. Ohne Gegensteuern in Richtung einer erneuerten Sozialen Marktwirtschaft (Neoliberalismus im Sinne von Ludwig Erhard) droht eine neuerliche Entwertung der Währung. Nach Schumpeters Konzept der schöpferischen Zerstörung muss der Verbraucher mit seiner Nachfrage bestimmen, welches Angebot ihm gefällt und welche Unternehmen überleben sollen. Deshalb sind staatliche Hilfen an Unternehmen schädlich. Hilfen für Banken sind jedoch notwendig, sofern diese ein Systemrisiko darstellen. Dieses Konzept ist jedoch noch in keinem Lehrbuch enthalten, sodass wir hier Neuland betreten.

Zur Bewältigung der aktuellen Bankenkrise und zur Vermeidung weiterer Blasen werden folgende Vorschläge gemacht (meine Bewertung jeweils davor):

+ Kündigungsschutz verringern (Beispiel: Dänemark), Flächen-Tarifverträge aufweichen, Sozialabgaben senken (= mehr netto vom brutto; siehe Vorschläge der Herzog-Kommission)
+ Föderalismus-Reform im Finanzbereich, mehr Transparenz bei den Risiken
+ unabhängige Ratingagenturen, globale Finanzaufsicht, neue Basel-II-Vorschriften (man kann nicht Zügellosigkeit und Kreditklemme zugleich beklagen), Verantwortung des gesamten Aufsichtsrates für Boni und Managergehälter, Klarheit im Bankensektor (entweder ganz staatlich oder ganz privat statt de heutigen Wettbewerbsverzerrung durch die staatlichen Banken)
= Banken sollen nur mit dem handeln, was sie auch verstehen
= Haftung für die Zwischenhändler von Verbriefungen einführen
- bessere Vorhersagen (Zusammenarbeit von Instituten, Wirtschaftsweisen und Psychologen)

Mir hat das Buch zum großen Teil gut gefallen. Der Autor lässt hier seine Erfahrungen aus den USA (ein Haus, das er für 200.000 Dollar kaufte, war zum Höhepunkt der Immobilienblase 2.000.000 Dollar "wert") und mit deutschen Unternehmen (u. a. Continental / Schaeffler, aber vor allem IKB) einfließen. Die Vorschläge sind teilweise sehr gut. Hätte der Autor statt Schumpeter Hayek oder Mises zu Rate gezogen (vor allem Mises: "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel"), so hätte er eine Reform oder besser Abschaffung der Notenbanken in die Liste aufnehmen müssen. Dort kann man auch nachlesen, dass man weder die Inflation messen noch das Wirtschaftswachstum vorhersagen kann. Die Motive Greenspans werden in Fleckenstein / Sheehan: "Mr. Bubble" erläutert. Das Systemrisiko im Finanzsektor samt der aktuellen Vorschläge der Experten zur Bekämpfung / Vermeidung von Krisen konnte man schon 2005 in Gischer / Herz / Menkhoff: "Geld, Kredit und Banken" nachlesen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 7, 2010 6:42 PM MEST


The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable
The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable
von Nassim Nicholas Taleb
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Mensch hat freien Willen, 8. Januar 2010
In diesem Buch geht es um den Themenbereich Unwissenheit und Risiko.

Vor dem Hintergrund der Philosophie und der Neurologie werden zunächst Wesen und Grenzen der menschlichen Erkenntnis diskutiert. Hier geht es u. a. darum, dass Menschen sich in Gruppen anders verhalten, dass manche Daten nicht erfasst sind und deshalb nicht berücksichtigt werden sowie die Neigung, für Ereignisse nachträglich Gründe zu erfinden. Es ist davon auszugehen, dass der Mensch einen freien Willen hat.

Es gibt zwei Bereiche der Erkenntnis mit unterschiedlichen Eigenschaften.

1. Im Bereich der Naturwissenschaften scheint es Naturgesetze zu geben (auch wenn man in Anlehnung an den Philosophen Hume an deren Allgemeingültigkeit zweifeln kann). Hier gilt die so genannte Normalverteilung, bei der zunehmende Abweichungen vom Mittelwert zunehmend unwahrscheinlich werden. Es reicht deshalb aus, nur eine kleine Menge von Daten zu erheben; Extreme sind nicht zu erwarten. Wenn man z. B. das Gewicht einiger Menschen auf 60 bis 140 kg misst, so wird man keinen Menschen finden, der 1.200 kg wiegt. Man kann aus den Werten Regelmäßigkeiten, Standardwerte und Modelle ableiten.

2. Bei sozialen Werten ist dies anders und wird mit dem freien Willen der Menschen begründet. Wenn ich in einer Stichprobe Vermögen von 20.000 bis 250.000 Euro finde, so schließt dies eben nicht aus, dass jemand 20.000.000.000 Euro besitzt. Da das Verhalten des Menschen nicht vorhersagbar ist, kann man daraus auch keine Gesetzmäßigkeiten ableiten. Dass es 50 Jahre keine Weltwirtschaftskrise gab, schließt dies für die Zukunft nicht aus.

Die Modelle der Wirtschaftswissenschaften sind damit abzulehnen. Die Menschen entsprechen nicht den Modellen, welche ihnen rationales Verhalten unterstellen. Man kann aus Individuen mit freiem Willen keine Aggregate erstellen (z. B. Haushalte), welche angeblich das Bruttosozialprodukt beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird auf das Scheitern des Hedgefonds LTCM verwiesen, welcher eine angeblich unfehlbare mathematische Formel benutzte. Darüber hinaus wird der Zusammenhang zwischen Spiel, Risiko und Spieltheorie diskutiert.

Eine gute Möglichkeit zur Darstellung der Wirklichkeit insbesondere an den Finanzmärkten bietet die fraktale Geometrie von Benoit Mandelbrot. Diese beruht auf dem Prinzip der Selbstähnlichkeit (z. B. Felsen im Vergleich mit Bergen). Die Anzahl der Milliardäre im Vergleich zu dem Millionären ist dann der Anzahl der Millionäre im Vergleich zur Anzahl der Bezieher normaler Einkommen ähnlich. Fraktale Geometrie lässt extreme Werte eher zu als die Normalverteilung und ist deshalb näher an der Realität.

Der Themenbereich Unwissenheit / Wissen wird von den Wirtschaftswissenschaften nicht adäquat behandelt. Nur die Post-Keynesianer und die "österreichische Schule" der Volkswirtschaftslehre (ÖS) beschäftigen sich mit diesen Themen.

Mir hat das Buch teilweise gut gefallen, weil es die Bereiche mit und ohne Normalverteilung gut gegeneinander abgrenzt und auf die Relevanz von Unsicherheit sowie extremer Werte gerade für die aktuelle Finanzkrise hinweist. Jedoch hat der Autor das Thema nicht als Erster angesprochen und auch der Fall der Sowjetunion wurde (im Gegensatz zur Darstellung im Text) vorhergesagt. Beides kann man in den Werken des wichtigsten Vertreters der ÖS finden. Hier ist besonders das Kapitel "Uncertainty" in Mises: "Human Action" zu nennen. In diesem Buch findet man eine deduktive Ableitung der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge von Grundsätzen, die in der Natur des Menschen verankert sind; die Ablehnung der Naturgesetze durch den Autor ist abzulehnen. Die ÖS hat immer auf die Verbindung von freiem Willen der Menschen, Unsicherheit und der Unmöglichkeit numerischer Vorhersagen hingewiesen (qualitative Aussagen sind möglich; so wurde die aktuelle Finanzkrise vorhergesagt). Zu möglichen Berührungspunkten zwischen ÖS und Post-Keynesianern siehe Steele: "Keynes and Hayek", zu LTCM siehe Ferguson: "Der Aufstieg des Geldes" / "The Ascent of Money".

Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
von Nassim Nicholas Taleb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Mensch hat freien Willen, 8. Januar 2010
In diesem Buch geht es um den Themenbereich Unwissenheit und Risiko.

Vor dem Hintergrund der Philosophie und der Neurologie werden zunächst Wesen und Grenzen der menschlichen Erkenntnis diskutiert. Hier geht es u. a. darum, dass Menschen sich in Gruppen anders verhalten, dass manche Daten nicht erfasst sind und deshalb nicht berücksichtigt werden sowie die Neigung, für Ereignisse nachträglich Gründe zu erfinden. Es ist davon auszugehen, dass der Mensch einen freien Willen hat.

Es gibt zwei Bereiche der Erkenntnis mit unterschiedlichen Eigenschaften.

1. Im Bereich der Naturwissenschaften scheint es Naturgesetze zu geben (auch wenn man in Anlehnung an den Philosophen Hume an deren Allgemeingültigkeit zweifeln kann). Hier gilt die so genannte Normalverteilung, bei der zunehmende Abweichungen vom Mittelwert zunehmend unwahrscheinlich werden. Es reicht deshalb aus, nur eine kleine Menge von Daten zu erheben; Extreme sind nicht zu erwarten. Wenn man z. B. das Gewicht einiger Menschen auf 60 bis 140 kg misst, so wird man keinen Menschen finden, der 1.200 kg wiegt. Man kann aus den Werten Regelmäßigkeiten, Standardwerte und Modelle ableiten.

2. Bei sozialen Werten ist dies anders und wird mit dem freien Willen der Menschen begründet. Wenn ich in einer Stichprobe Vermögen von 20.000 bis 250.000 Euro finde, so schließt dies eben nicht aus, dass jemand 20.000.000.000 Euro besitzt. Da das Verhalten des Menschen nicht vorhersagbar ist, kann man daraus auch keine Gesetzmäßigkeiten ableiten. Dass es 50 Jahre keine Weltwirtschaftskrise gab, schließt dies für die Zukunft nicht aus.

Die Modelle der Wirtschaftswissenschaften sind damit abzulehnen. Die Menschen entsprechen nicht den Modellen, welche ihnen rationales Verhalten unterstellen. Man kann aus Individuen mit freiem Willen keine Aggregate erstellen (z. B. Haushalte), welche angeblich das Bruttosozialprodukt beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird auf das Scheitern des Hedgefonds LTCM verwiesen, welcher eine angeblich unfehlbare mathematische Formel benutzte. Darüber hinaus wird der Zusammenhang zwischen Spiel, Risiko und Spieltheorie diskutiert.

Eine gute Möglichkeit zur Darstellung der Wirklichkeit insbesondere an den Finanzmärkten bietet die fraktale Geometrie von Benoit Mandelbrot. Diese beruht auf dem Prinzip der Selbstähnlichkeit (z. B. Felsen im Vergleich mit Bergen). Die Anzahl der Milliardäre im Vergleich zu dem Millionären ist dann der Anzahl der Millionäre im Vergleich zur Anzahl der Bezieher normaler Einkommen ähnlich. Fraktale Geometrie lässt extreme Werte eher zu als die Normalverteilung und ist deshalb näher an der Realität.

Der Themenbereich Unwissenheit / Wissen wird von den Wirtschaftswissenschaften nicht adäquat behandelt. Nur die Post-Keynesianer und die "österreichische Schule" der Volkswirtschaftslehre (ÖS) beschäftigen sich mit diesen Themen.

Mir hat das Buch teilweise gut gefallen, weil es die Bereiche mit und ohne Normalverteilung gut gegeneinander abgrenzt und auf die Relevanz von Unsicherheit sowie extremer Werte gerade für die aktuelle Finanzkrise hinweist. Jedoch hat der Autor das Thema nicht als Erster angesprochen und auch der Fall der Sowjetunion wurde (im Gegensatz zur Darstellung im Text) vorhergesagt. Beides kann man in den Werken des wichtigsten Vertreters der ÖS finden. Hier ist besonders das Kapitel "Uncertainty" in Mises: "Human Action" zu nennen. In diesem Buch findet man eine deduktive Ableitung der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge von Grundsätzen, die in der Natur des Menschen verankert sind; die Ablehnung der Naturgesetze durch den Autor ist abzulehnen. Die ÖS hat immer auf die Verbindung von freiem Willen der Menschen, Unsicherheit und der Unmöglichkeit numerischer Vorhersagen hingewiesen (qualitative Aussagen sind möglich; so wurde die aktuelle Finanzkrise vorhergesagt). Zu möglichen Berührungspunkten zwischen ÖS und Post-Keynesianern siehe Steele: "Keynes and Hayek", zu LTCM siehe Ferguson: "Der Aufstieg des Geldes" / "The Ascent of Money". (Hinweis: Ich habe die englische Ausgabe "The Black Swan" gelesen.)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2010 7:42 AM CET


Ist die Bildung noch zu retten: Eine Streitschrift
Ist die Bildung noch zu retten: Eine Streitschrift
von Josef Kraus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bildung ist mehr als Schule, 2. Januar 2010
In diesem Buch geht es um Bildung, was jedoch mehr umfasst als nur Schule und Bologna. Bildung ist auch eine Sache des Charakters.

Der Hintergrund der Diskussion ist konservativ geprägt, und zwar einerseits von der katholischen Sozialethik (der Staat darf nur in letzter Instanz helfen) und andererseits vom Liberalismus (Freiheit geht vor Gleichheit). Leere Konzepte wie die "soziale Gerechtigkeit" werden als inhaltslos abgelehnt und ein Anspruch auf materielle Gleichheit abgelehnt. Statt auf Marx und Rousseau wird auf Tocqueville, Le Bon und Hayek gesetzt.

Auf dieser Grundlage bezieht der Autor Positionen zu Themen, die mit Bildung zusammen hängen, u. a. Geschichte, Kultur, Sprache, Nation, Patriotismus, Elite(n), Erziehung und Religion. Eine Gesellschaft ohne Geschichtsbewusstsein und Kultur könne nicht tolerant sein, sondern nur gleichgültig. Religion sei nützlich, um Halt im Leben zu erhalten. Besonders die evangelische Kirche komme diesem Auftrag aber immer weniger nach (was die Kirchenaustritte zeigten) und wiederhole nur die Positionen der Gewerkschaften.

Die Forschung zeigt, dass die Intelligenz zum größten Teil erblich und zum kleineren Teil vom familiären Umfeld geprägt sei; der Einfluss von Schule und Gesellschaft sei gering. Deshalb zeige sich in allen Ländern mehr oder weniger deutlich die soziale Herkunft in den Schulabschlüssen. Schule kann die Unterschiede nicht beseitigen, sondern höchsten durch Begrenzung der Begabung auf einem niedrigen Niveau stabilisieren; das helfe aber niemandem. In diesem Zusammenhang wird auch Gender Mainstreaming negativ gesehen.

Zur Zeit ist die Diskussion um die Bildung von PISA und anderen Studien geprägt. Die Ergebnisse werden jedoch teils verzerrt dargestellt. So schneide Finnland zwar bei PISA mit seinen Gesamtschulen gut ab, aber das besagt nicht viel. Erstens ist die Bevölkerung von Finnland homogen, zweitens ist die Unzufriedenheit der Schüler in Finnland am höchsten und drittens ist dies kein Hinweis auf die gute Leistung deutscher Gesamtschulen, welche nämlich nicht existiert. In sozialen und Leistungsvergleichen schneiden unsere Gesamtschulen schlechter ab als andere Schulformen. Eine auf sechs Jahre verlängerte Grundschulzeit hat keine positiven Effekte. Sitzenbleiben schadet nicht. Frontalunterricht ist am besten (weil er direkt und Ziel führend ist sowie den Schülern sofort eine persönliche Bewertung ihrer Leistung gibt).

Viele Reformen sollen einen schnelleren Eintritt in das Berufsleben ermöglichen (obwohl Bildung eher der Reifung der Persönlichkeit dienen sollte). Dazu werden Stundenpläne gekürzt und Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Beides funktioniert nicht richtig. Vor allem wird an den falschen Stellen gespart, z. B. bei Deutsch- und Fremdsprachenkenntnissen (siehe Rechtschreibreform), dem Geschichtsunterricht und bei der Religion. Ohne Kenntnisse der deutschen Sprache ist jedoch keine Integration der Kinder mit Migrationshintergrund möglich.

Das Hauptübel sieht der Autor bei den 68ern, welche Gleichheit vor Leistung und Freiheit gestellt hätten. Das sei jedoch ein Irrtum, wie das Beispiel Frankreich zeige: Dort haben 80 Prozent eines Jahrgangs Abitur, wodurch der Anteil der Studienabbrüche bei 65 Prozent liege. Zudem sie die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems zu negativ dargestellt worden (PISA misst ja nur einen Jahrgang und nicht die Bildungsbiographie der Schüler), denn nur die Hälfte der Abiturienten seien Gymnasiasten.

Das Buch behandelt darüber hinaus das Umfeld der Lehrer mit den ständigen (nutzlosen) Reformen und den falschen Ansprüchen an die Schule und geht dann zum Thema Erziehung über. Erziehung ist Aufgabe der Eltern und kann von der Schule nicht geleistet werden. Hier sei der unheilvolle Einfluss der Ideen Rousseaus spürbar (keine Erziehung ist die beste, denn Kultur entfremdet den Menschen von der Natur).

Das Nachwort befasst sich mit dem Thema Dummheit im Kontext von Geschlecht, Zoologie und Geschichte.

Mir hat das Buch gut gefallen. Besonders das Kapitel "Der Wahrheit wegen: ein gutes Dutzend Fakten" war interessant, weil es die Diskussion in den Bereichen Gesamtschule / gegliedertes Schulsystem, Durchlässigkeit, Grundschulzeit, Skandinavien, Hauptschule, Abiturientenzahlen, Sitzenbleiben, Frontalunterricht, Privatschulen und Ganztagsschulen auf den Boden der Tatsachen zurück holt.

Freiheit durch Gold: Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldkönige
Freiheit durch Gold: Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldkönige
von Hans J. Bocker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,50

36 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gold ist Freiheit, 25. Dezember 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
... ist eine passende Zusammenfassung dieses Buches, in dem es um die Beziehung zwischen Geld, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geht.

Die erste Auflage hieß "20 Totschlagargumente gegen Gold"; diese werden im ersten Kapitel widerlegt. So ist es z. B. kein Nachteil, dass Gold nicht beliebig vermehrt werden kann: Auf diese Weise wird die Inflation begrenzt und die Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen verringert.

Der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit den Gründen, die für Gold sprechen. Hier geht es vor allem darum, die Nachteile des heutigen Finanzsystems aufzuzeigen; diese beruhen sämtlich auf der Abkehr vom Goldstandard. In diesem Zusammenhang erhält der Leser viele interessante Informationen, u. a.:

- wie hoch ist die Kaufkraft des Goldes?
- was bestimmt die Nachfrage nach Gold?
- was gibt die US-Bundesregierung aus und was bzw. wem nützt es?
- kann der Euro bestehen bleiben?
- was haben die Rettungsmaßnahmen gekostet?
- welche Staaten werden von der Finanzkrise und deren Folgen profitieren, welche nicht?
- was ist von einer Weltwährung / Weltregierung zu halten?

Der Autor zeigt, wie die Regierungen bzw. deren Zentralbanken den Dollar stützen und versuchen, den Goldpreis zu senken. Das soll Vertrauen für das bestehende Finanzsystem und Misstrauen gegen Gold bewerkstelligen. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Goldpreise tendenziell steigen werden. Jedoch soll man Gold nicht zur Spekulation einsetzen, sondern es als Versicherung gegen die staatliche Wirtschaftspolitik betrachten.

Das Kapitel über Politiker beschreibt, wie diese wegen der Finanzkrise von Gipfel zu Gipfel stürmen, ohne etwas zu erreichen. Zwar werden Milliarden und Billionen für Rettungsmaßnahmen bewilligt, aber niemand kann sagen, (1) ob die Maßnahmen erfolgreich sein werden und (2) wer das Ganze bezahlen soll. Wenn die Zentralbanken die drohende Inflation durch Anhebung der Leitzinsen bekämpfen, können die Staaten ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Der Autor konnte nur einen bekannten Politiker finden, der zumindest ansatzweise die Zusammenhänge erkannte: Die Zitate des ehemaligen US-Präsidenten Reagan zeigen das.

Das in der zweiten Auflage hinzugefügte 6. Kapitel bringt aktuellere Erkenntnisse zur Finanzkrise und geht auch auf den neuen US-Präsidenten Obama ein. Es endet mit drei mehr oder weniger wahrscheinlichen Szenarien, wie es nach der Finanzkrise weiter gehen könnte. Dass bei den Politikern Einsicht einkehrt und sie den Goldstandard wieder einführen, ist sehr unwahrscheinlich.

Mir hat das Buch gut gefallen. Den Punktabzug gibt es für die teilweise etwas sarkastische / polemische Sprache. Im Vorwort des Verlegers wird bezüglich der wirtschaftswissenschaftlichen Hintergründe auf die "Wiener (bzw. Österreichische) Schule" der Volkswirtschaftslehre verwiesen. Eine gute Ergänzung zu diesem Buch, welche auch für Wirtschaftswissenschaftler interessant sein könnte, ist Baader: "Geld, Gold und Gottspieler".

Air Con: The Seriously Inconvenient Truth about Global Warming
Air Con: The Seriously Inconvenient Truth about Global Warming
von Ian Wishart
  Broschiert
Preis: EUR 20,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ernsthaft unbequeme Wahrheit, 18. Dezember 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
... lautet der Untertitel dieses Buches, welches als Vorbereitung zum Weltklimagipfel Dezember 2009 in Kopenhagen die Argumente für und gegen die Annahme eines vom Menschen verursachten Klimawandels ("anthropogenic global warming", AGW) diskutiert.

Der erste und umfangreichere Teil des Buches behandelt die aktuelle wissenschaftliche Beweislage. Hier geht es u. a. um die Themen CO2 / Treibhauseffekt, Sonne, Klimahistorie, Gletscher / Kilimandscharo, Arktis, Wärmeinseln ("urban heat islands"), Ruß, Wetterstationen, El Nino, Eisbären, Klimamodelle, Wechselwirkungen im Klimasystem ("feedbacks"), Wolken / Wasserdampf, Ozeane, Meeresspiegel und Satellitenmessungen. Dabei werden die verschiedenen Ansichten dargestellt und die plausibelste ausgewählt. Einige Studien haben überraschende Ergebnisse geliefert, z. B. dass das arktische Eis (auch) von Unterwasservulkanen geschmolzen wird und das Feedback des Wasserdampfs in der Atmosphäre wahrscheinlich negativ ist. Drei verschiedene Verfahren deuten darauf hin, dass eine Verdoppelung des CO2-Anteils einen Temperaturanstieg von ziemlich genau 1,0 Grad zur Folge hat.

Daran schließt sich eine Bewertung der wichtigsten Fragen an. In diesem Zusammenhang möchte der Autor als guter Enthüllungsjournalist nur die Fakten gelten lassen und die Finanzierung der Studien übersehen (Klimaschützer werfen den Skeptikern deren Finanzierung durch die Öl- bzw. Kohlenindustrie vor, während sie selbst von der "grünen" Industrie finanziert werden und oft obendrein staatliche Gelder beanspruchen können).

1. das Eis der Arktis schmilzt -> Kein Beweis für AGW
2. die Eisbären sterben aus -> Kein Beweis für AGW
3. die Antarktis erwärmt sich -> Kein Beweis für AGW
4. es ist so warm wie nie -> Kein Beweis für AGW
5. es Temperaturen steigen weiterhin -> Kein Beweis für AGW
6. die Gletscher schmelzen -> Kein Beweis für AGW
7. der Meeresspiegel steigt -> Kein Beweis für AGW

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Politik. Warum wird globaler Klimaschutz gefordert, wenn der Beitrag des Menschen zum Klimawandel vernachlässigbar ist? Weil es (wie die Befürworter selbst zugeben) auch dann eine globale Umverteilung von Einkommen geben muss, wenn die Annahme des AGW sich als falsch herausstellen sollte. In der Vergangenheit haben viele Politiker und Wissenschaftler zur Bewältigung der globalen Probleme (Armut, Entwicklung, Finanzkrise, Klimawandel) eine stärkere Rolle der UN gefordert. Zu diesem Zweck soll eine Weltregierung eingeführt werden, welche die Globalisierung bändigt. Die Nutznießer wären die damit befassten Politiker und Wissenschaftler, die Umweltverbände und große Konzerne (welche ihre Produktionsstätten relativ leicht ins Ausland verlagern können). Der Autor nennt mehrere Beispiele für Unternehmen, die mit der Politik den Klimaschutz voran getrieben haben, um selbst davon profitieren zu können: Früher war es Enron, in neuerer Zeit sind es Al Gore und der Währungsspekulant Soros. Darüber hinaus werden Ideologie und Ziele der Klimaschützer / Globalisierungskritiker diskutiert. Hier geht es neben neuen Steuern (Tobins Finanzmarktsteuer oder CO2-Zertifikate) insbesondere um die Umstellung der Landwirtschaft, welche eine rigide Bevölkerungskontrolle voraussetzen würde. Viele Maßnahmen haben sich inzwischen als problematisch erwiesen; so warnt der Ökologe Lovelock z. B. vor Biosprit und Windrädern (für ein Kernkraftwerk braucht man 2.500 qkm Windräder).

Wie man sieht, geht es auch beim Klimaschutz nur um Macht und Geld.

Was soll man nun tun? - Der Autor rät, mit Verwandten, Bekannten, Fremden sowie den Medien und Abgeordneten über den Klimawandel zu diskutieren (die Studien in dem Buch seien aktueller als die vom IPCC und von der Kopenhagen-Vorbereitungskonferenz). Neben effizienterer und sauberer Technik rät er zum Aufforsten von Wäldern, damit diese mehr CO2 speichern können. Das kostet sehr viel weniger als Kioto und Kopenhagen, nützt aber im Gegensatz zu diesen Abkommen der Umwelt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Argumentation ist aktuell und überzeugend (es gibt über 400 Quellennachweise). Einige Annahmen des Weltklimarats IPCC scheinen problematisch zu sein, das betrifft u. a. die Auswahl von Daten, Wärmeinseln, das Feedback und die Rolle der Sonne. Da scheint es noch erheblichen Forschungsbedarf zu geben. Die politische Argumentation passt zu Gärtner: "Öko-Nihilismus" und Klaus: "Blauer Planet in grünen Fesseln" - es geht wirklich mehr um die Freiheit als um das Klima.

Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30