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Rezensionen verfasst von
Frank Reibold (Gehrden)

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A model of Austrian economics
A model of Austrian economics
von Hendrik Hagedorn
  Taschenbuch
Preis: EUR 59,99

4.0 von 5 Sternen endlich ein "österreichisches" Makro-Modell!, 26. November 2014
Rezension bezieht sich auf: A model of Austrian economics (Taschenbuch)
Dieses Buch stellt ein neuartiges volkswirtschaftliches Modell vor, das auf post-keynesianischer Preisfindung und "österreichischen" Annahmen beruht. Es besitzt u. a. folgende Eigenschaften:

(1) Alle Marktteilnehmer handeln unter Unsicherheit.
(2) Die Präferenzen der Haushalte sind unterschiedlich.
(3) Banken haben 100 % Reserven auf Sichteinlagen.
(4) Die Zeitpräferenzen der Haushalte wirken sich über Investitionen auf die Produktionsstruktur aus.
(5) Es gibt im Gegensatz zu den gängigen neoklassischen Modellen kein mathematisches Gleichgewicht; der Marktprozess hat über Preisänderungen eine Tendenz zum Gleichgewicht.
(6) Wettbewerb ist ein Prozess; Firmen kommen und gehen.
(7) Unternehmen sind Preissetzer.
(8) Arbeitsteilung und Kapital erzeugen Wirtschaftswachstum.
(9) Auf Grund unvollständigen Wissens sind die Märkte nie effizient.
(10) Arbeit ist homogen.

In den ersten Kapiteln wird das Modell schrittweise aufgebaut. Daran schließen sich Ergebnisse von Simulationen sowie Überlegungen zu damit verbundenen Themen (Zinsen, Mathematik, Philosophie) an.

Das Modell ist im Gegensatz zu den modernen neoklassischen Modell sehr realistisch.

***

Mir hat das Buch gut gefallen. Das Modell ist nicht in dem Sinne mathematisch vorbelastet, dass es es ein Gleichgewicht und rationale Marktteilnehmer voraussetzt. Der Trend zum Gleichgewicht ergibt sich vielmehr wie in der Realität durch den Marktprozess. Damit wird das Modell auch den nach der Finanzkrise erhobenen Forderungen gerecht, mehr auf unvollständige Märkte, Komplexität und Evolution zu setzen.

Das Modell erzeugt - wie in den Simulationen ersichtlich - Ergebnisse im Sinne der österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Es wirft dabei Licht auf das Phänomen der Zinsen und verbindet die Ansichten von Böhm-Bawerk, Mises, Reisman und Kirzner. Der Marktprozess erzeugt durch das Preissystem (Mises) und die Verwendung dezentral vorhandenen Wissens (Hayek) eine spontane Ordnung.

Die Annahme, dass Arbeit homogen sei, ist unrealistisch und widerspricht den Grundsätzen der Österreichischen Volkswirtschaftslehre. Sie ist hier aber aus Gründen der Vereinfachung zu rechtfertigen.

Es gibt eine Webseite zum Buch mit Simulation und weiteren Informationen: [...]


Easy Essays on Economics: Concise Coverage of Complex Concepts
Easy Essays on Economics: Concise Coverage of Complex Concepts
von Paul C. Bennett
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,32

3.0 von 5 Sternen leicht verständlich und informativ, 4. November 2014
Dieses Buch enthält kurze Aufsätze zu folgenden Bereichen der Volkswirtschaftslehre:

1. Geschichte der Wirtschaft
2. Geschichte der Wirtschaft in den letzten 200 Jahren
3. Geld und Banken
4. Theorie der Unternehmung
5. Konjunkturzyklen
6. Wirtschaftspolitik
7. Der Staat

Der Autor stellt jeweils ein bestimmtes Thema vor, erklärt dessen übliche Bedeutung für die Volkswirtschaftslehre und diskutiert diese dann. Das kann in Form einer Widerlegung oder durch die Erläuterung der Standpunkte der verschiedenen Richtungen der Volkswirtschaftslehre geschehen. Der Leser erhält dadurch einen Einblick in die aktuellen Themen der Volkswirtschaftslehre. Am Ende der Kapitel gibt es Hinweise auf weiter führende Literatur.

***

Mir hat das Buch gut gefallen. Der Autor ist marktwirtschaftlich ausgerichtet und benutzt die Austrian School, um Keynes zu widerlegen. Die Ansichten aus Chicago (insbesondere Friedman) hält er für konfus.

Das Buch enthält keine Abbildungen, Tabellen oder Formeln.


Macroeconomic Policy: Demystifying Monetary and Fiscal Policy
Macroeconomic Policy: Demystifying Monetary and Fiscal Policy
von Farrokh K. Langdana
  Taschenbuch
Preis: EUR 50,24

4.0 von 5 Sternen informativ, aber leicht verständlich, 16. Oktober 2014
Dieses Lehrbuch für Makroökonomie richtet sich weniger an fortgeschrittene Studenten als an Praktiker und Betriebswirtschaftler.

Vor der Weltwirtschaftskrise war die Volkswirtschaftslehre von den Klassikern geprägt und danach von den Keynesianern. Gegen diese regte sich wegen der Stagflation in den 1970er Jahren Widerstand, sodass jetzt zwei makroökonomische Richtungen existieren: Keynesianer und Neuklassiker. Warum ist das so? Und welche hat Recht?

Das Buch beginnt mit einer Definition der makroökonomischen Größen wie BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit und zeigt danach anhand des AS/AD-Modells, wie Wirtschaftspolitik funktioniert.

Daran schließen sich Diskussionen der makroökonomischen Schulen bzw. "Paradigmen" in chronologischer Reihenfolge an:

(1) Klassiker (Preise flexibel)
(2) Keynesianer (Löhne nach unten starr)
(3) Neuklassik (Angebotsökonomie mit rationalen Erwartungen)

Diese Paradigmen haben verschiedene Ansichten, ob und wie Fiskal- oder Geldpolitik wirken. Da die Neuklassik auf rationalen Erwartungen beruht, ist sie für Entwicklungsländer nicht relevant, weil dort effiziente Märkte fehlen; das betrifft besonders die Bereiche Arbeit und Staatsanleihen. Dort ist also das keynesianische Paradigma anzuwenden. Bei Industrieländern kann man zeigen, dass beide Paradigmen plausibel sind. Man muss sich deshalb selbst für das passende entscheiden.

Die Kapitel zu den Paradigmen zeigen jeweils, warum dieses Paradigma sich zur Erklärung der Makroökonomie geeignet sieht. Danach werden IS-LM und AS/AD abgeleitet. Durch verschiedene Szenarien wird gezeigt, wie Wirtschaftspolitik im Rahmen des Paradigmas funktioniert. Daran schließen sich häufig gestellte Fragen sowie fiktive Zeitungsartikel mit Kontrollfragen an.

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Obwohl es weitgehend auf Mathematik verzichtet, werden alle Themen verständlich und ausführlich diskutiert. Der Text wird durch einige Kästen (z. B. zur EZB) aufgelockert und geht auch auf den Zusammenhang von Wechselkursen, Globalisierung und Geldpolitik ("impossible trinity"), Liquiditätsfallen, "New Economy" und die Weltwirtschaftskrise ein. Die Fragen der Studenten und die Antworten des Autors sind zum Verständnis sehr hilfreich.


Economics
Economics
von Michael Parkin
  Taschenbuch
Preis: EUR 63,56

5.0 von 5 Sternen modern, verständlich und hübsches Layout, 3. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Economics (Taschenbuch)
Dieses Buch ist eine Einführung in die Volkswirtschaftslehre. Der Autor versucht dabei, auf technischen Jargon zu verzichten und sich auf das Wichtige zu konzentrieren. Dabei soll der Text ansprechend, lebendig und relevant sein:

- Der Text ist leicht verständlich (aber nicht oberflächlich).
- Den Diagrammen sind jeweils die entsprechenden Daten in einer Tabelle zugeordnet. Dynamik wird durch Farbübergänge und dickere Pfeile erreicht.
- Die Daten in den Kästen sind meist aktuell.
- Am Ende der Kapitel gibt es jeweils einen Zeitungsausschnitt, der verbal und grafisch analysiert wird.
- Es gibt mehrere Interviews mit Wirtschaftswissenschaftlern.
- Etwa ein Dutzend Kästen behandelt jeweils ein Thema mit Pro- und Kontra-Argumenten, u. a. zur Nützlichkeit des Klimaschutzes.
- Verschiedene Ansätze zu Effizienz und Fairness werden vorgestellt (u. a. Rawls und Nozick) und staatliche Eingriffe wie Mindestlöhne entsprechend bewertet.
- Das Layout ist modern, farbig und übersichtlich (etwa so wie Microsoft Office 2013).

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Leider fehlt eine Diskussion der Wirtschaftspolitik bei unterschiedlichen Wechselkursregimen. Dafür gibt es empirische Daten zur Größe des Multiplikators. Dieser scheint bei Staatsausgaben eher bei 0,5 (Robert Barro, Harald Uhlig) als bei 1,5 (Christina Romer) zu liegen. Dafür nimmt die Wirkung von Steuersenkungen lt. Uhlig mit der Zeit sogar zu, weil sie sich außer auf die Gesamtnachfrage auch auf das Gesamtangebot auswirkt.

Die Diskussion des Wirtschaftswachstums ist gut. Auf eine eingehende Darstellung des Solow-Modells wird verzichtet, weil dieses der Neuen Wachstumstheorie (Ideen erzeugen Wirtschaftswachstum) unterlegen ist.

Auch die Darstellung der Wirtschaftspolitik ist gut gelungen. Man erhält stets neue Einsichten zur Finanz- bzw. Eurokrise. Da geht es z. B. darum, ob das Quantitative Easing der Zentralbanken überhaupt funktioniert. Die Diskussion der Geldschöpfung ähnelt der Darstellung in der Broschüre "Money crration in the modern economy" der Bank of England.

Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.


Economics
Economics
von David C. Colander
  Taschenbuch
Preis: EUR 74,73

5.0 von 5 Sternen viele neue Perspektiven, trotzdem leicht verständlich, 11. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Economics (Taschenbuch)
Dieses Einführungslehrbuch für Volkswirtschaftslehre möchte Folgendes erreichen:

(1) studentenfreundlicher Text: Die Leser werden direkt angesprochen und allzu Schwieriges (z. B. Mathematik) wird meist vermieden. Die Grafiken sind leicht verständlich. Der Autor bringt seine Erfahrungen ein und ist manchmal sogar lustig.

(2) moderner Ansatz: Es wird nur diskutiert, was für wirtschaftspolitische Entscheidungen relevant ist. IS-LM wird durch AS/AD ersetzt. Theorie wird nur soweit behandelt, wie es notwendig ist.

(3) alternative Perspektiven: Im Vorwort werden mehrere wirtschaftswissenschaftliche Schulen vorgestellt. Jedes Kapitel enthält am Ende Fragen aus folgenden Perspektiven: Austrian, religiös, post-keynesianisch, feministisch, radikal (marxistisch), Institutionalisten.

Studentenfreundlichkeit bedeutet jedoch nicht, dass das Lehrbuch simpel bzw. oberflächlich ist. Ganz im Gegenteil. Bei jedem Modell (z. B. AS/AD) werden die Annahmen und Schlussfolgerungen angegeben und kritisch hinterfragt. Bei der Geldpolitik findet man kurz- und langfristige Auswirkungen. Zudem wird im Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik streng zwischen nationalen und internationalen Zielen unterschieden (die sich oft widersprechen).

Das bringt uns zur Bewertung der Finanzkrise aus amerikanischer Sicht. Der Autor vertritt die Ansicht, dass wir es nicht mit einer normalen Konjunkturkrise, sondern mit struktureller Stagnation zu tun haben. Das bedeutet, dass traditionelle Konjunkturpolitik machtlos ist und strukturelle Anpassungen an die Globalisierung notwendig sind. Dieser Ansatz erklärt auch, warum die Inflation nicht auf die Geldpolitik reagiert.

Der Verzicht auf überflüssige Theorie bezieht sich vor allem auf die Anzahl der Modelle. Ein Schwerpunkt des Lehrbuchs liegt gerade in der Beschreibung und Auswahl von Modellen. Das umfasst eine Klassifizierung von Modellen, ihre Einsatzgebiete und Einschränkungen sowie (in einem Kapitel auf der Webseite) einen Ausblick in die moderne Makroökonomie. Das schließt DSGE-Modelle und den vielversprechenden Ansatz der Komplexität ein.

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Das Layout ist eher wie in einem Lesebuch und kann etwas verwirren. Dafür gibt es gute Grafiken, Schaubilder, Wirkungsketten und Zusatzinformationen in Kästen.

Eigentlich müsste das Buch vier Sterne erhalten, weil die Diagramme noch besser sein könnten und die Diskussion des Staatsversagens etwas zu kurz ist. Das wird jedoch dadurch aufgewogen, dass der Autor den Leser direkt anspricht und bei der Stange hält. Vor allem werden alle Bereiche der Volkswirtschaftslehre aus mehreren Blickwinkeln und unter Berücksichtigung der Einschränkungen bzw. Wechselwirkungen der Modelle diskutiert.

Wer einen Überblick über den aktuellen Stand der Volkswirtschaftslehre sucht und mit dem Stil des Autors zurecht kommt, dem kann dieses Buch uneingeschränkt empfohlen werden.


Economics: My Econ Lab
Economics: My Econ Lab
von John Sloman
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen ausführlich und verständlich, aber Grafiken teils verwirrend, 22. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Economics: My Econ Lab (Taschenbuch)
Dieses Lehrbuch ist eine Einführung in die Volkswirtschaftslehre.

Im Bereich der MIKROÖKONOMIE fällt auf, dass auch BWL-Themen wie Isoquanten und die Produktionsfunktion vorgestellt werden.

Im Bereich der MAKROÖKONOMIE zeichnet sich dieses Buch durch die Vielzahl der Modelle aus:

- Keynes' Kreuz
- IS-LM (geschlossene Volkswirtschaft)
- IS-LM-BP (offene Volkswirtschaft)
- AS/AD (Gesamtangebot und Gesamtnachfrage traditionell mit dem Preisniveau)
- ASI/ADI (Gesamtangebot und Gesamtnachfrage modern mit Inflation)
- Wachstumsmodell von Solow
- Arbeitsmarkt klassisch und keynesianisch

Die Beziehungen zwischen den Modellen werden bei der Diskussion der Wirtschaftspolitik berücksichtigt. So erfährt man, was z. B. bei der Geldpolitik gemäß AS/AD-Modell im Hintergrund passiert. Darüber hinaus wird ein breites Spektrum makroökonomischer Richtungen diskutiert und der politischen Richtung zugeordnet:

* links := Keynesianer, Neue Keynesianer, Post-Keynesianer, Marxisten
* rechts := Klassik, Neue Klassik / RBC / Monetaristen, (Neo-)Austrians

In diesem Buch kommt auch die Mathematik nicht zu kurz. Es wird auch diskutiert, wie man die Modelle um die Beschränkungen natürlicher Ressourcen erweitern kann.

***

Mir hat das Buch gut gefallen. Das Layout setzt Text, Kästen (Mathematik, Fallstudien, Konzepte) und Grafiken farbig voneinander ab. Die guten Eigenschaften anderer Lehrbücher werden hier vereint: Es gibt Merksätze wie bei Begg, aber statt im Text jeweils unten am Ende der Seite. Ähnlich wie bei McConnell wird auch hier in der sehr kurzen Frist teilweise eine horizontale Kurve des Gesamtangebotes (AS) angenommen.

In den Kapiteln zur Wirtschaftspolitik wird auf die späteren Kapitel zum Handel verwiesen, weil man jeweils das Wechselkursregime berücksichtigen muss. Darüber hinaus werden auch die Unterschiede zwischen Theorie und Realität diskutiert, vor allem bei Quantitätstheorie (Verkehrsgleichung), Fiskalpolitik und den Transmissionsmechanismen der Geldpolitik. Dabei geht es u. a. darum, ob die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der Geldschöpfungsmultiplikator überhaupt stabil sind. Die Probleme des Welthandels und der Entwicklungsländer werden ebenfalls ausführlich diskutiert. Das schließt die Unterscheidung zwischen Stadt und Land hinsichtlich des Arbeitsmarktes sowie die richtige Strategie zur Globalisierung mit ein. Die Eurozone sei zwar kein optimaler Währungsraum, aber dieses Konzept sei überbewertet.

Warum gibt es dann nur vier Sterne? Die Darstellung verschiedener Ansichten auf einer Seite kann verwirren. Die Diagramme sind nicht so gut wie bei Mishkin, Krugman oder Parkin. Vor allem fehlt eine Diskussion des Staatsversagens; es wird nur auf einer Seite aufgezählt, welche Einwände die Neo-Austrians gegen staatliche Interventionen einbringen.


Big Ideas in Macroeconomics: A Nontechnical View
Big Ideas in Macroeconomics: A Nontechnical View
von Kartik B Athreya
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 31,95

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mathematische Modelle ohne Mathematik erklärt, 15. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Buch möchte eine verständliche Einführung in volkswirtschaftliche mathematische Modelle sein und lässt deshalb die Mathematik weg.

Die einfachste Volkswirtschaft, die man sich vorstellen kann, besteht nur aus Haushalten und Unternehmen (kein Staat, keine Banken, kein Ausland):

* Haushalte: haben Vorlieben / Wünsche, Geld und Arbeitskraft
* Unternehmen: kaufen Rohstoffe und Arbeitskraft, verkaufen Güter, benutzen Rezepte (Technologie)

Man stellt sich dann theoretisch vor, dass es ein großes Auktionshaus gäbe. Dieses sammelt alle relevanten Daten von Haushalten und Unternehmen: Wer will wann was kaufen, wer kann was produzieren und verkaufen usw. Das Auktionshaus errechnet dann Preise für alle Güter und teilt die Güter zu. Auf diese Weise entsteht ein effizientes Gleichgewicht. Das Auktionshaus verhält sich so ähnlich wie ein Markt; darum ist bewiesen, dass die Marktwirtschaft (unter bestimmten Voraussetzungen) effizient ist.

Damit dies funktioniert, müssen alle Daten als Zahlen vorliegen. Das gilt auch für die Vorlieben der Haushalte. Wenn diese Äpfel lieber haben als Bohrmaschinen, dann kann man z. B. Äpfeln den Rang 3 und Bohrmaschinen den Rang 72 zuordnen und dann damit rechnen.

Das ist natürlich sehr vereinfacht und unrealistisch. So fehlt u. a. die Zeit, weil hier alles auf einmal geschieht. Die Zeit kann man einbauen, indem man die Güter entsprechend unterscheidet. Dann ist "1 Pfund Mais im Januar" ein anderes Gut als "1 Pfund Mais im Oktober". Wenn man dann noch Technologien und Investitionen berücksichtigt, erhält man ein so genanntes (neoklassisches) Wachstumsmodell. Dieses erklärt, wie Sparen, Investitionen, Steuern, Produktivität, Bevölkerungswachstum und Technologie sich auf das Wachstum auswirken.

Diese Wachstumsmodelle bilden die Grundlage weiterer Modelle. Falls das Wachstum z. B. aus irgend einem Grund niedriger als erwartet ausfällt, haben wir eine Konjunkturkrise. Wenn für diese Konjunkturkrise technologische Gründe angenommen werden, haben wir das Modell der realen Konjunkturzyklen (RBC). Falls die Gründe dagegen bei fehlender Marktkoordinierung oder unangepassten (starren) Preisen liegen, haben wir ein neu-keynesianisches Modell. Leider ist RBC unrealistisch, weil eben meist fehlende Nachfrage die Ursache einer Konjunkturkrise ist. Aber die neu-keynesianischen Modelle sind ebenfalls unbrauchbar, weil sie entweder zu schwache oder zu starke Konjunkturzyklen vorhersagen.

Die Modelle müssen deshalb in der Regel kalibriert werden. Das bedeutet, dass man einige Stellschrauben (z. B. die Risikobereitschaft der Haushalte) so lange ändern muss, bis die Modelle vernünftige Ergebnisse liefern. Dabei können statistische Verfahren wie die Autoregression helfen.

In der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass die Finanzmärkte nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

***

Mir hat das Buch teilweise gut gefallen. Der Autor beschreibt die (mathematischen) Voraussetzungen und Einschränkungen der Modelle sehr gut. So müssen die Werte teilweise eine bestimmte mathematische Form haben, damit die Modelle berechenbar werden. Dazu muss man bestimmte Annahmen treffen, die dies erlauben. So nimmt man beispielsweise an, dass alle Haushalte ähnliche Vorlieben haben und sich rational verhalten. Da die Vorlieben der Verbraucher jedoch unbekannt sind, ist dies schwer möglich. Andernfalls sind mathematische Modelle aber unmöglich. Theoretisch könnten die Modelle Ansätze für staatliche Wirtschaftspolitik liefern (und bessere Computer eine sozialistische Planwirtschaft ermöglichen). Dagegen sprechen jedoch aus der Sicht des Autors praktische Erwägungen und die Schwächen der Modelle. So können unterschiedliche Modelle auch unterschiedliche Ergebnisse liefern. Man muss dann jeweils abwägen, welches Modell man in welcher Situation verwenden möchte.

Das Buch hat meine Überzeugung, dass mathematische Modelle in der Volkswirtschaftslehre keine quantitativen Vorhersagen liefern können, bestärkt. Es ist ja nicht ohne Grund, dass die Vorhersagen der Wirtschaftsweisen zur Inflation und zum Wirtschaftswachstum jedes Jahr falsch sind. Man kann die Vorlieben der Haushalte eben nicht mathematisch modellieren. Es ist ebenfalls nicht ohne Grund, dass im Gegensatz zu den Modellierern gerade die nicht-mathematische "Österreichische Schule" der Volkswirtschaftslehre vor der Finanzkrise gewarnt hat.


Economics: Principles, Problems and Policies
Economics: Principles, Problems and Policies
von Campbell R. McConnell
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Gute Referenz zum Nachschlagen, 8. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist eine Einführung in die Volkswirtschaftslehre.

Die Autoren legen großen Wert auf die Mikroökonomie und betonen dabei die Bedeutung von Institutionen, Märkten und Unternehmern. Das wird sowohl hinsichtlich des Wirtschaftswachstums (welche Faktoren sind günstig, welche nicht) als auch beim Thema Marktversagen deutlich. Denn der Staat ist kein Allheilmittel und man muss auch mit der Möglichkeit des Staatsversagens rechnen.

In der Makroökonomie liegt der Fokus auf den verschiedenen Modellen für die unterschiedlichen Fristen. Dazu werden flexible und starre Preise an Hand eines fiktiven Automobilherstellers dargestellt: Wie reagiert der Hersteller, wenn die Nachfrage sinkt und (a) die Preise angepasst werden können und (b) die Verkaufspreise fest sind? Im ersten Fall führen sinkende Preise zu einem neuen Gleichgewicht; im anderen Fall muss die Produktion gedrosselt werden. Diese Erkenntnisse lassen sich auf die Konjunkturtheorie übertragen und ergeben Folgendes:

(1) Sehr kurze Frist: Preise und Löhne sind starr -> die Angebotskurve ist horizontal; deshalb ist der Multiplikator vollständig wirksam

(2) Kurze Frist: Preise sind flexibel, aber Löhne sind starr -> die Angebotskurve ist schräg, sodass die Wirkung des Multiplikators geschwächt ist

(3) Lange Frist: Preise und Löhne sind flexibel -> die Angebotskurve ist vertikal, wodurch der Multiplikator unwirksam wird

Diese Zusammenhänge gilt es in den Modellen zu berücksichtigen. Dazu wird für (1) das Keynes'sche Kreuz benutzt sowie für (2) und (3) AS/AD (Gesamtangebot / Gesamtnachfrage).

***

Mir hat das Buch gefallen. Das Layout wirkt auf den ersten Blick etwas einschüchternd; dieser Eindruck täuscht aber. Die vielen Überschriften dienen nur dazu, die Informationen besser aufzuteilen. Wichtige Zusammenhänge wie das Verhalten der Nachfragekurve aus Änderungen werden sowohl in Grafiken als auch in Tabellen dargestellt. So genannte "Key Graphs" werden gesondert vorgestellt und enthalten auch einfache Aufgaben mit Lösungen. Für interessierte Leser werden die Hintergründe des AS/AD-Modells an Hand des Keynes'schen Kreuzes diskutiert (Blanchard benutzt in seinem Lehrbuch statt dessen IS-LM als Hintergrund). AS/AD ermöglicht in diesem Lehrbuch eine Erklärung der sehr kurzen, kurzen und langen Frist.

Die Diskussionen sind nie einseitig. So zeigt sich beim Mindestlohn, dass "rechte" und "linke" Politiker daneben liegen: Der Mindestlohn betrifft nur wenige, sodass eine Erhöhung nur wenig Arbeitslosigkeit (bei niedrig Qualifizierten wie Jugendlichen) erzeugt. Aus dem gleichen Grund taugt er nicht als Instrument gegen Armut. In diesem Zusammenhang werden auch die verschiedenen Strategien der Gewerkschaften gewürdigt. Gewerkschaften haben je nach ihrer Mitgliederschaft andere Möglichkeiten, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu beeinflussen.

Gegen Ende des Buches gibt es das Schaubild "Big Picture", das die Makroökonomik zusammen fasst sowie eine Übersicht über die wichtigsten Strömungen innerhalb der Volkswirtschaftslehre.

***

Verweis: Die neue 20. Auflage ist im Vergleich zur hier rezensierten 19. Auflage runderneuert und bietet z. B. QR-Codes, damit Studenten Weblinks direkt mit ihren Smartphones aufrufen können. Darüber hinaus werden neue Entwicklungen diskutiert, z. B. alternative Erklärungen für die Finanzkrise wie Minsky und Austrian Economics.


Modern Principles of Economics
Modern Principles of Economics
von Tyler Cowen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 76,40

4.0 von 5 Sternen modern, verständlich, marktwirtschaftlich, 2. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Lehrbuch möchte eine moderne Einführung in die Volkswirtschaftslehre sein, sich deshalb auf das Wesentliche konzentrieren und dabei immer den Studenten im Blick behalten.

Der Ansatz zeigt sich u. a. im Folgenden:

- Da die Studenten Kästen im Text nur als Ablenkung sehen, sind die Beispiele in den Text integriert und dienen häufig als Beginn eines Kapitels, um so für Interesse zu sorgen.
- Die marktwirtschaftliche Ausrichtung zeigt sich in dem Bemühen, die "Unsichtbare Hand" (= das Preissystem) sichtbar zu machen. Dazu wird großer Wert auf Anreize, Märkte und Institutionen gelegt. Die Autoren berücksichtigen sogar die staatsferne "Österreichische Schule" der Volkswirtschaftlehre (Märkte, Informationen, Ideen und Unternehmer nach Hayek; Erwähnung der Konjunkturtheorie von Mises und Hayek).
- Vermeidung der IS-LM-Kurve, da diese ausgedient hat.
- Konzentration auf das Wirtschaftswachstum an Hand der Modelle von Solow (Produktionsfunktion) und Romer (Ideen).
- Spezielle Ableitung des AS/AD-Modells: Bestimmung des Gesamtangebots durch die Wachstumskurve nach Solow; die Gesamtnachfrage entspricht der Quantitätsgleichung (PQ=Mv).
- RBC ist das grundlegende Konjunkturmodell und neukeynesianische Lohn- und Preisstarrrheiten nur Komplikationen.
- Neben Marktversagen wird auch Staatsversagen berücksichtigt und als eine Ursache der Weltwirtschaftskrise erkannt.
- Ein Kapitel über Ethik diskutiert u. a. Utilitarismus, Fairness (Rawls) und Libertarismus (Nozick).

***

Mir hat das Buch gut gefallen. Es gibt immer gute Beispiele, die auch für Studenten relevant sind (z. B. Facebook als Netzwerkgut). Die Fragen, die in den Seitenrändern gestellt werden, werden auch beantwortet. Für die eigentlichen Fragen und Aufgaben am Ende der Kapitel gilt dies jedoch nicht.

Haben die Autoren ihr Versprechen, eine moderne und verständliche Einführung in die Volkswirtschaftslehre zu schreiben, erfüllt? Ja! Das Buch ist flüssig geschrieben und konzentriert sich auf das Wesentliche. Jedoch ist es nicht simpel oder oberflächlich: Andere Einführungsbücher berücksichtigen z. B. das Wirtschaftswachstum nicht so stark.

Den Punktabzug gibt es für die Grafiken. Die Grafiken sind zwar nicht schlecht, aber ich hätte mir eine Erläuterung der verschiedenen Schritte gewünscht (also welche Kurve z. B. bei einer Senkung der Zinsen durch die Zentralbank in welcher Reihenfolge auf welche Kurven "einwirkt"). Das haben Krugman, Mishkin und Parkin besser gelöst.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 4, 2014 7:57 AM MEST


Macroeconomics: A European Perspective
Macroeconomics: A European Perspective
von Olivier Blanchard
  Taschenbuch
Preis: EUR 69,15

5.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch zur Makroökonomie, 19. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist meiner Meinung mit die beste Einführung in die Makroökonomie.

Die Hauptteile des Buches behandeln die kurze, mittlere und lange Frist sowie die offene Volkswirtschaft. Für jede Frist werden die besonderen Merkmale und Gesetzmäßigkeiten heraus gearbeitet (z. B. Gültigkeit der Phillips-Kurve). Neuere Entwicklungen wie die neue Geldpolitik der Finanzkrise und Taylorregeln werden ebenfalls behandelt (z. B. IS-LM-Kurve mit altmodischer Geldmengensteuerung und moderner Zinssteuerung). Dazu gibt es viele Grafiken und Fokuskästen zu aktuellen Entwicklungen.

Besonders gut gelungen sind die Beschreibungen des Übergangs von der kurzen zur mittleren Frist sowie der Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auf die Grenzen von Modellen und Simulationen sowie die empirischen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Entscheidungen wird ebenfalls ausführlich eingegangen. Die Beschreibung der Dynamik und die Berücksichtigung empirischer Daten sind besser als in den meisten anderen Lehrbüchern; so kann man die Zusammenhänge am besten lernen. Dabei hilft, dass zum AS/AD-Modell erklärt wird, was im Hintergrund beim IS-LM-Modell abläuft. Deshalb ist das Buch für jeden Studenten der Wirtschaftswissenschaften uneingeschränkt zu empfehlen.

Im Unterschied zur Originalversion und zur deutschen Übersetzung von Illing wird hier das Kapitel über die Weltwirtschaftskrise durch eine Diskussion von EU und Euro ersetzt. Darüber hinaus gefällt mir das Layout besser als bei deutschen Lehrbüchern des Verlags.


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