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Big Bad Al (World)

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Songs of Freedom
Songs of Freedom
Preis: EUR 12,98

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreativ, 28. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Songs of Freedom (Audio CD)
Es hätte ein Desaster werden können. Ist es aber nicht! Nguyen Le, der vietnamesisch-französische Jazzrock- und Weltmusikgitarrist, nimmt ein Album mit Coverversionen auf: von den Beatles über Cream zu Janis Joplin und Bob Marley. Le, aufgewachsen in Paris, spielt die Popmusik seiner Jugend. Und natürlich tut er das als jemand, der nicht nur Popmusik nach den Maßstäben der westlichen Musik wahrnimmt. Da wird Janis Joplins 'Mercedes Benz' schon mal zu 'Uncle Ho's Benz'!

Das hat Le schon mal getan, als er ein absolut empfehlenswertes Album mit Coverversionen von Jimi Hendrix aufnahm. Das Hendrix Album war experimentell angelegt. Mit verschiedenen Sängern interpretierte Le die Musik von Hendrix zwar radikal neu, allerdings mit viel Witz und Respekt: Voodoo Chile unterlegt mit nordafrikanischen Drums und beißender Metalgitarre; Purple Haze als groovende Funknummer. Das hatte was. Für die einen mag das natürlich Leichenschändung sein, aber eines kann man Le nicht vorwerfen: dass er musikalisch konservativ ist.

Songs of Freedom setzt den Grundgedanken des Hendrix-Tributs fort, nur dass der Gesamtsound weitaus jazziger, und weniger rockig, als auf dem Hendrixalbum ist. Le arbeitet mit einem Quartett (Gitarre, Vibraphon/Marimba, Bass und Drums), das er, je nach Bedarf, mit Jazzsängern (u.a. You Sun Nah) und Musikern aus der Weltmusik (u.a. Dhafer Youssef) erweitert. Das gibt Le einen extrem vielseitigen Sound. Was mir sehr gut gefallen hat, sind die warmen und schillernden Klangfarben, die zwischen Gitarre und Vibraphon entstehen. Ein sehr offener und organischer Grundsound, in den sich andere Instrumente problemlos integrieren lassen. Und das Le einer der weltbesten Gitarristen ist ' das ist doch wohl klar, oder?

Das Album selbst schlägt mühelos eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen. So treffen die Beatles auf arabische Figuren und Jazzharmonien. Led Zeppelin's 'Whole Lotta Love' wird mit donnernden indischen Tablas unterlegt, 'Move over' von Janis Joplin mit einer behutsamen Jazzbegleitung durch Saxophon und Vibraphon. Auf Cream's 'Sunshine of your love' wiederum duellieren sich Les trockene Hardrockgitarre und Amars rasende Marimbas. Grenzenloser Einfallsreichtum also. Das kann wohl nur jemand, der seit fast 30 Jahren ein Gradwanderer ist. Das Schöne an dem Album ist, dass es weder gezwungen noch cheesy klingt, sondern organisch und leicht. Es hat viel Witz und so manches Augenzwinkern, ist aber dennoch respektvoll gegenüber den Originalinterpreten. Für aufgeschlossene Musikfreunde! Eines der besten Alben 2011.


Falscher Engel: Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels
Falscher Engel: Mein Höllentrip als Undercover-Agent bei den Hells Angels
von Jay Dobyns
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein echter Rocker-Schocker? Eher nicht!, 20. November 2009
Das vorliegende Buch schildert die Erfahrungen des US Polizisten Jay 'Bird' Dobyns, die er als Undercover Agent bei den Hells Angels (HA) gemacht hat. Das Bureau of Alcohol, Tabacco and Firearms (kurz ATF) hatte sich Anfang des Milleniums dafuer entschieden ein etwas genaueres Auge auf das Treiben der HA in Arizona zu werfen. Dies hatte wohl drei Gruende. Erstens hatte die ATF einen ersten nenneswerten Erfolg in Bezug auf die Undercoverarbeit in Outlaw Motorcycle Clubs (1% Clubs wie sie auch genannt werden) durch die Infiltration des (mit dem HAMC verfeindeten) Mongols MC Ende der 90er zu verbuchen. Es ging jetzt darum das angesammelte Wissen auf 'den' 1% Club schlechthin, d.h. den HAMC, anzuwenden. Zweitens hatte sich Ende der 90er der legendaere Anfuehrer der HA, Sonny Barger, in Arizona niedergelassen, weil er dort das trockene Klima mochte. Daraufhin hatte sich innerhalb weniger Jahre der HAMC zum dominanten Club in Arizona entwickelt. Drittens hatte das ATF einen Informanten aus dem Umfeld der Angels gewonnen, der sich nach einem brutalen Mord an einer Frau durch Mitglieder des HAMC von den Clubbruedern abgewandt hatte. Das ATF entschied den ATF Agenten Jay Dobyns als Hauptagenten in die Welt des HAMC einzuschleusen. Der Geniestreich der Operation war, den Arizona Ableger eines kleinen aus Mexico stammenden 1% Clubs, den Solo Angels, mit Field Agents zu unterwandern, um diesen einen Zugang zur Bikerwelt zu ermoeglichen.... mehr will ich nicht verraten.

Das Buch beschreibt also Dobyns Zeit als Solo Angel auf seinem Weg in die HA Welt. So far, so good! Ein Schocker ist das Buch nicht geworden, trotz des Machismo, den der Autor offen vor sich hertraegt. Genauer betrachtet ist das Buch ziemlich langweilig. Jay Dobyns haengt mit den HA rum und spielt den harten Hund. Die HA lieben ihn und wollen ihn ziemlich schnell unbedingt fuer die eigenen Reichen rekrutieren. Auch Dobyns Besuche in den HA Clubhaeusern sind nicht der Hammer. Ein wenig Bier, ein wenig Geplaenkel wie toll die HA sind und wie gerne sie Dobyns moegen ... das wars. Zwischendurch wird's ein wenig brenzlig wenn ein Angel namens Chico Dobyns ausknipsen will, aber sonst passiert eigentlich nicht viel. Party im Clubhaus, Dinner in 'ner schaebigen Absteige, Diskussionen wann Dobyns denn nun endlich dem HAMC beitritt, mehr Partys im Clubhaus, mehr Dinners in alten Kaschemmen, wo die HA Dobyns immer mehr umschmeicheln. Sie wollen ihm sogar 'ne Rockerbraut besorgen, weil er am Anfang der Operation Solo ist. (Das ATF erbarmt sich aber und er bekommt eine offizielle Freundin names JJ). Das ist fuer ein paar Seiten sehr unterhaltsam, fuellt aber nicht ein ganzes Buch. In diesem Sinne ist Dobyns Buch um einiges schlechter als Billy Queens' Real-Crime Klassiker Under and Alone' (Ermittlungen auf zwei Raedern) ueber seine Zeit als ATF Ermittler beim Mongols MC.

Die grosse Frage, die Buecher dieser Art aufwerfen, ist die, ob das Werk neue Einblicke in die Welt der Zielpersonen gibt. Rocker sind ja legendaer was ihre Abschottung gegenueber der Gesellschaft angeht. Nun ja, deer Einblick den Dobyns in die HA Welt gibt ist nicht gerade spannend. Die Mitglieder sind meistens Blue Collar Americans von denen sich einige als Kleinkriminelle ueber Wasser halten. Natuerlich sollte man nichts beschoenigen: es gibt beim HAMC, genauso wie bei vielen anderen 1% Clubs, einige mehr als zur impulsiven Gewalt neigenden Gestalten. Allerdings kann zumindest Dobyns Buch nicht den von den amerikanischen Behoerden erhobenen Vorwurf bestaerken, dass der HAMC so etwas wie eine Mafia auf zwei Raedern ist. Hier ein Einbruch, dort 'ne illegale Knarre, hier ein wenig Meth, dort ein wenig Schlaege. Das mag natuerlich alles sehr spezifisch mit dem Kontext des HAMC Arizona zu tun haben. Andere Abteilungen und Mitglieder des Clubs moegen anders organisiert und im Verbrechen tiefer involviert sein. Es ist dennoch bemerkenswert, dass die Staatsanwaltschaft in Arizona gescheitert ist, den HAMC Arizona als kriminelle Vereinigung nach dem sogenannten RICO Statut zu verbieten.

Am Ende des Buches bleibt der fahle Nachgeschmack, dass es sich irgendwie um viel Laerm um Nichts handelt. Allen die sich fuer die Thematik interessieren sei Billy Queens Buch empfohlen.


Neighbourhood
Neighbourhood
Preis: EUR 20,98

76 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neighbourhood!, 6. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Neighbourhood (Audio CD)
Der franzoesisch-algerische Schlagzeuger Manu Kache duerfte wohl vielen Musikfreunden primaer als Rockdrummer bekannt sein, denn er hat unter anderem fuer Sting und die Dire Sraits die Trommelstoecke geschwungen. Auch hat er am franzoesischen Pendant zu ‚Deutschland sucht den Superstar' als eines der Jurymitglieder mitgewirkt. Da wird es einigen Jazzfans sicherlich kalt den Ruecken runterlaufen, aber man sollte im Falle Kaches keine voreiligen Schluesse ziehen. Der Mann liebt naemlich den Jazz, vor allem den legendaeren ECM Sound. Ausserdem ist er Mitglied in Jan Garbareks Band und hatte erheblichen Anteil an dem kuenstlerischen Erfolg von Garbareks juengstem Album ‚In Praise of Dreams'. Es ist also nicht verwunderlich, dass Kache nun sein ECM Solodebut als Jazzdrummer vorlegt. Und ich muss sagen, dass sich die Anschaffung seines neuen Albums ‚Neighbourhood' durchaus lohnt. Seit die Platte bei mir im Hause ist laeuft sie ununterbrochen und sogar meine WG- Genossen haben sich noch nicht (wie es sonst ueblich ist) ueber die Jazzdauerbeschallung beschwert!!!
In der Tat, Neighbourhood ist ein ruhiges, lyrisches Jazzalbum wie man es von ECM gewohnt ist. Kaches Kompositionen erinnern mich sehr stark an Miles Davis in seiner ‚modalen Phase' (also der Phase die uns, neben vielen anderen Meisterwerken, ‚Kind of Blue' als Himmelsgeschenk beschert hat) und an Herbie Hancocks Blue Note Platten aus den 1960ern (vor allem ‚Maiden Voyage' und ‚Emperyan Isles'). Die Qualitaet von Neighbourhood ist also durchaus mit den klassischen Alben des modernen Jazz zu vergleichen. Dies ist natuerlich auch der Verdienst von Kaches Mitstreiten. Man kann sagen, dass ECM Produzent Manfred Eicher fuer Manu eine ECM-Allstarband zusammengestellt hat, die sich sehen (bzw. hoeren) lassen kann. Jan Garbarek spielt Tenorsaxophon in einer warmen und natuerlichen Weise die man eigentlich gar nicht von ihm gewohnt ist. Dies ist der bluesisgste und ruhigste Jan Garbarek, den ich kenne! Es ist allerdings der polnische Trompeter (und ECM Veteran) Tomasz Stanko der Garbarek ueberschattet. Stanko hat nicht nur seinen Bassisten und Pianisten mitgebracht, er steuert auch einige der besten Soli zur Platte bei. Da seine Spielwiese stark an den modalen Jazz erinnert und z.T. an Miles Davis und Freddie Hubbard orientiert ist, passen Stankos Trompetenlinien vortrefflich zu Kaches ruhigen und introspektiven Kompositionen.
Natuerlich sollte man auch den Boss selbst nicht unerwaehnt lassen. Kache ist ein ausserordentlich talentierter Schlagzeuger, der es schafft sein Instrument selbstbewusst aber dennoch unaufdringlich innerhalb der Band zu etablieren. Ein Vergleich mit Paul Motian und Jon Christensen draengt sich auf. Allerdings merkt man doch an einigen Punkten, dass Kache (anders als Motian und Christensen) von Pop, Rock und Jazz gleichermassen beeinflusst ist. Die Aufloesung rhythmischer Strukturen wie bei Elvin Jones und Tony Williams ist nicht so ein Ding. Manu tritt ausserdem als selbstbewusster Komponist und Arrangeur auf, der es versteht geschmackvoll Akzente zu setzen ohne in Kitsch oder Klischees abzugleiten was gerade bei Jazzballaden nicht immer ganz einfach ist.
Kache und Manfred Eicher ist ein exzellentes Jazzalbum gelungen, das sicherlich bald zu den Klassikern des ECM-Sound gehoeren wird. Man kann mit der Platte eigentlich nichts falsch machen: sie funktioniert als angenehme Hintergrundmusik ebenso wie als komplexes und kuenstlersich anspruchvolles akustisches Jazzalbum. Neighbourhood ist also fuer den Jazzkenner - und liebhaber genauso geeignet wie fuer den Anfaenger. Wer auf akustischen, modernen Jazz im Stile von Miles Davis, Herbie Hancock und Bill Evans steht sollte zugreifen! In diesen Neighbourhood wuerde ich gerne ziehen!


I Have the Room Above Her
I Have the Room Above Her
Preis: EUR 21,04

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The next beautiful sound to silence, 13. März 2005
Rezension bezieht sich auf: I Have the Room Above Her (Audio CD)
Das neue Album des armenisch-amerikanischen Jazzdrummers Paul Motians ist ein intimes Meisterwerk, das ganz im Stil des klassischen ECM Sounds gehalten ist. Motion, ein einfühlsamer, geschmackvoller Avantgardist am Drumkit, ist hier wieder einmal in einem Trio zusammen mit dem Gitarristen Bill Frisell und dem Tenorsaxophonisten Joe Lovano zu hören. Ja, richtig gehört, es gibt auf diesem Album keine richtige Rhythmsection bestehend aus Bass, Drums und Piano.
Auf die Rhythmussektion zu verzichten ist natürlich eine riskante Sache, da enormer Druck auf den Musikern lastet die Stücke interessant und rhythmisch versiert zu gestalten. In dieser Besetzung gibt es halt keinen Punkt an dem Instrumentalisten sich zurücklehnen und sich ganz auf den rhythmischen Background verlassen könnten. Gerade das macht ‚I have the room above her' so intensiv --- man hört technisch hochversierte Jazzmusiker, die in einem fast schon kammermusikalischem Zusammenspiel 10 neue Kompositionen von Motian sowie zwei Coversongs, darunter Thelonious Monks ‚Dreamland', bearbeiten. Man kann förmlich hören wie die Musiker in ihren Improvisation ein Netz aus musikalischen Ideen spinnen, die sich, obwohl relativ abstrakt gehalten, zu einem warmem freischwebenden Sound entwickeln. Vor allem Motians Art durch intelligente Akzentuierungen den Stücken eine gewisse Leichtigkeit aber auch zur gleichen Zeit Unberechenbarkeit zu verleihen muss hier erwähnt werden. Die Drums waren im Jazz, anders als im Rock, ja nie nur ein pures Rhythmusinstrument; in Motians Händen werden sie allerdings zu einem Leadinstrument erster Klasse, das sich locker neben Saxophon und Gitarre behaupten kann. Vor allem Motians Art das Schlagzeug schleichend vom Vordergrund in den Hintergrund zu stellen (und umgekehrt) um es so ganz der Dynamik der Improvisation seiner Mitmusiker anzupassen ist grandios.
Aber auch die anderen Musiker müssen lobend erwähnt werden. Frisell, der kürzlich mit ‚Unspeakable' zu alter Form zurückgekehrt ist, brilliert auf der E-Gitarre indem er den ohnehin intimen Klangkosmos der Stücke durch seine intelligenten Improvisationen und Soundexperimente radikal erweitert. Frisell ist einer der wenigen Gitarristen die sich nach wie vor keinem gängigen Schema anpassen, was natürlich das hier vorliegende Album umso interessanter macht (vor allem seine Improvisation auf Track 9 ‚Harmony', die zwischen Feedbacksounds und entzerrten, fast schon verloren wirkenden Tönen alteriert ist großartig). Ein großes Lob muss hier auch an den Produzenten Manfred Eicher gehen, denn selten hat Frisell's Gitarre so warm und klar auf CD geklungen wie hier ---- es ist als würde man neben dem Verstärker stehen. Auch Lovano's abstrakt-bluesige Saxophonlinien passen wunderbar in die leicht melancholische Stimmung dieser experimentierfreudigen Platte. Sein Spiel ist extrem ‚soulful' und trägt damit wunderbar zur Wärme der Musik bei.
Alles in allem ist ‚I have the room above her' ein, ganz getreu dem ECM Motto ‚the next beautiful sound to silence', intimes und (trotz seiner avantgardistischen Sperrigkeit) schönes Jazzalbum, an dem musikalisch offene Hörer bestimmt viel Freude haben werden. Eine der wenigen Platten, die auch nach dem x-ten Mal nicht langweilig werden. Dieses Album wird sicherlich einer der Jazz-Höhepunkte des Jahres 2005.


Bitches Brew
Bitches Brew
Preis: EUR 17,73

123 von 126 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk --- mit Hindernissen, 7. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Bitches Brew (Audio CD)
Wohl selten hat es ein so mythenumranktes Jazzalbum wie ‚Bitches Brew' gegeben. Auf der einen Seite taucht diese Doppelalbum immer wieder in allen möglichen Album Polls in etlichen Musikzeitschriften auf, wo es meist als geniale Verschmelzung von Rock und Jazz gefeiert wird, andererseits scheiden sich an ihm die Geister. Jazzkritiker monieren, dass Davis mit der elektronischen Instrumentierung endgültig den Jazz hinter sich gelassen hat; Rockfans finden die Musik meist unverdaulich. Lassen wir mal die Jazzkritiker getrost beiseite, denn Davis elektronische Instrumentierung steht der Improvisationsfreudigkeit der Musiker keinesfalls im Wege.
Ich denke, dass viele Leser dieser Rezension aus jazz-fremden Bereichen kommen und sich aus Neugier (‚man hat ja schon so viel sagenhaftes über ‚Bitches Brew' gehört) mit Davis ‚Rock-Jazz' Album auseinandersetzen möchten. Vorsicht ist allerdings hier geboten, denn das Label Jazz-Rock (Rock-Jazz, Fusion --- was auch immer) führt in die Irre. Es stimmt, Davis benutzt Instrumente, die man eher mit Rockbands assoziieren würde (elektrische Gitarre, elektrische Pianos und elektrische Bässe), aber dennoch lassen sich die ‚Rockeinflüsse' nur schwer heraushören. ‚Bitches Brew' hat wenig mit dem gemein was unter Rockmusik verstanden wird. Während Rockmusik eingängige Strukturen hat (Verse-Chorus-Verse --- wie Kurt Cobain es vortrefflich auf den Punkt brachte), lösen Davis und seine Mitstreiter diese Strukturen auf. Oder habt ihr schon mal eine halbstündige Improvisation über zwei Akkorde von den Stones gehört? Wohl eher nicht. Wer also Rockmusik mit ein bisschen Jazzimprovisation ‚on top' erwartet wird enttäuscht sein und hätte bestimmt mehr Freude an anderen Alben der Fusion Richtung als an ‚Bitches Brew' (siehe unten).
Davis gab den Musikern meist nur eine Basslinie und ein oder zwei Akkorde vor und lies sie dann im Studio fröhlich vor sich hin improvisieren. Davis hatte sein relativ freies Improvisationskonzept in den späten 50er und den 60er perfektioniert und wendete es auf ‚Bitches Brew' im elektronischen Kontext an. Das Resultat sind bis zu 26 Minuten lange, relativ freigehaltene, Stücke die keinem gängigen Schema folgen. Die Musiker auf ‚Bitches Brew' entwerfen ihre eigene Welt und die hat herzlich wenig mit Rock im traditionellen Sinne gemein. Hinzu kommt das Davis auf den meisten Stücken alle Rhythmusinstrumente verdoppelt. Es spielen also zwei Schlagzeuger, zwei Pianisten und zwei Bassisten mit verschiedenen Solisten gegeneinander an --- eine Menge Krach also. Doch diese Musik ist nicht, auch wenn es so scheint, chaotisch. Sie folgt nur ihren eigenen Regeln und einer internen Logik in der Musiker (anstatt vorgefertigten Strukturen folgend) ihre Improvisationen in Bezug auf einander entwerfen. Das alles ist nicht radikal neu: Davis Gruppen aus den 60ern, sowie John Coltrane's Band, von Ornette Coleman's Free Jazz mal ganz zu schweigen, hatten die Jazzimprovisation in diese Richtung schon weiterentwickelt. ‚Bitches Brew' ist demnach der nächste Schritt in dieser Entwicklung gewesen.
Allerdings ist die Darbietungsweise neu: die Platte macht, vor allem durch die Besetzung mit Topmusikern, die auf elektronisch verstärkten Instrumenten zu hören sind (u.a. Chick Corea (ep), Herbie Hancock (ep), Jack de Johnette (d), Tony Williams (d), John McLaughlin (g), Dave Holland (eb) und Ron Carter (ab)) ungemeinen Druck. Über Basslines und Schlagzeugrhythmen die eher an James Brown als an die Beatles oder Stones erinnern, entfalten die Musiker ein Kaleidoskop an Soundideen und spielen sich in Ekstase um kurz darauf wieder zu ruhigeren Tönen zurückzukehren. Und über all dem thront majestätisch Miles Trompete in einer lyrisch-melancholischen Art, die mit den Exzessen der Band eine wunderbar einigensinnige Einheit bildet.
Ich glaube, dass diese Beschreibung für sich selbst spricht: wer an einer eingängigen Verschmelzung von Rock und Jazz interessiert ist, der ist hier falsch. Man muss sich wirklich intensiv mit ‚Bitches Brew' auseinandersetzen und Neuerungen ziemlich offen gegenüber sein, um diese Musik schön zu finden. Hat man aber erst einmal die ersten Hürden genommen, dann entfaltet sich einem eine wirklich wunderbare Klangwelt, die ihresgleichen sucht. Berauschend! Ich würde dennoch Jazzneulingen dieses Album nicht empfehlen. Wer nach einem Einstieg in die Welt von Jazz, Rock, elektronsicher Musik und Funk sucht, sollte zu dem Bitches Brew Vorgänger ‚In a Silent Way' greifen. ‚Fillies de Kilimanjaro', das Davis auch im Jahr 1969 aufgenommen hat, eignet sich ebenfalls als guter Einstieg, da es weitaus eingängiger ist als ‚Bitches Brew' und ‚In a Silent Way'. Auch ‚Inner Mounting Flame' von Mahavishnu Orchestra und ‚Hot Rats' von Frank Zappa sind ein guter Kauf --- auf beiden Alben liegt die Betonung eher auf Rock als auf Avantgarde und Jazz. Danach ist ein Einstieg in die Welt von Bitches Brew garantiert einfacher. Wer sich allerdings von Anfang an auf ein musikalisches Abenteuer von ganz besonderer Qualität einlassen möchte, der sollte zugreifen. Davis Album ist ein absoluter Klassiker, der sich gegen eine einfache Kategorisierung sperrt. Auch nach wiederholtem Hören wird dieses Meisterwerk nicht langweilig.
Die hier vorliegende Remastered Version des Sony Legacy Labels besticht durch den guten Sound und eine gute Wiedergabe des Album Covers (für CD Verhältnisse jedenfalls). Wie die Originalversion ist auch die Remasterversion in zwei Alben unterteilt. Auf der ersten CD sind die beiden fast halbstündigen Improvisationen ‚Pharaoh's Dance' und ‚Bitches Brew' enthalten, die von allen Stücken am abstraktesten sind. Die zweite CD beinhaltet die kürzeren Stücke (15 mim) ‚Spanish Key' und ‚Miles Runs the Voodoo Down' in denen die Funkelemente am stärksten hervortreten, sowie das kurze Gitarrenstück John McLaughlin und die Ballade (die es in sich hat) Sanctuary. Als Bonus-Schmankerl gibt's das schleppend bluesige Stück Feio (mit Sitarverstärkung). Ein Stück moderne Musikgeschichte (wenn auch mit Hindernissen). (Mein Tipp: fangt mit CD 2 an und arbeitet euch dann zu den Stücken auf CD 1 vor).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2012 11:01 PM MEST


Lokale Kritik - globale Standards: Zwei Formen moralischer Auseinandersetzung
Lokale Kritik - globale Standards: Zwei Formen moralischer Auseinandersetzung
von Michael Walzer
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist eine universelle Ethik?, 19. Februar 2005
Der jüdisch-amerikanische Philosoph Michael Walzer gilt (meiner Meinung nach völlig zu recht) als eine der Schlüsselfiguren der Angloamerikanischen Sozialphilosophie. Zusammen mit Charles Taylor, Michael Sandel und Alasdair MacIntyre wird er der sogenannten kommunitaristischen Bewegung zugerechnet.
Ein Leitmotiv seiner sozialtheoretischen Reflexionen ist die Frage inwiefern gesellschaftliche Normen universelle Gültigkeit haben können. Dieses Problem ist, vor allem im Zuge der Debatten um die Universalität der Menschenrechte und des Multikulturalismus, von größter Aktualität. Ist der Anspruch auf Universalität am Ende nur eine verdeckte Form des Kulturimperialismus oder macht es Sinn, philosophisch sowie politisch, in universellen Kategorien zu denken? Führen, wie manche Theoretiker behaupten, universale Normen zu einem Verlust von kultureller Vielfältigkeit oder lassen sich Differenz und Universalismus miteinander vereinen? Darf man in anderen Gesellschaften intervenieren um universelle Werte durchzusetzen oder sollte man Nichtinterventionsnormen berücksichtigen? Diese Fragen versucht Walzer in dieser kurzen Essaysammlung (die auf seinen Tanner Lectures on Human Values basiert) auf höchst lesbare Weise zu klären. Seiner kommunitaristischen Ethik, die das Gemeinwesen in den Vordergrund stellt, stellt er die abstrakt-universalistischen Theorien Stuart Hampshires und Jürgen Habermas gegenüber, die es, Walzer's Meinung nach, nicht ermöglichen unser ethische und politisches Denken schlüssig zu erfassen. Dem abstrakten Universalismus dieser beiden Theoretiker hält Walzer seine weniger ambitionierte Ethik der Solidarität und des inter-kulturellen Dialoges (nicht im Habermaschen Sinne gemeint) entgegen, die versucht das Universelle mit dem Partikulären zu vereinigen. In diesem Entwurf gibt es universelle Normen auf die sich verschiedene Gesellschaften verständigen können, allerdings, so scheint es, gehören weder Menschenrechte noch Demokratie zu diesem Universalismus. Man kann also berechtigt fragen, ob Walzer's Entwurf nicht doch ein wenig zu konservativ geraten ist.
Nichtsdestotrotz, im Gegensatz zu vielen anderen Denkern bleiben Walzers Untersuchungen stets lesbar und gut verständlich. Sie sind also für eine breite Leserschaft bestens geeignet. Vor allem Soziologen, Sozialphilosophen und Politologen, die sich mit Fragen zur Toleranz, kulturellem Dialog und Kommunitarismus auseinandersetzen sollte diese Essaysammlung ansprechen. Gerade weil nicht alle Werke von Walzer ins Deutsche übersetzt sind, liefert dieses Buch einen ideal Einstieg in sein Denken sowie die Liberalismus-Kommunitarismus Debatte im allgemeinen.


Ethics and Foreign Intervention (Cambridge Studies in Philosophy and Public Policy)
Ethics and Foreign Intervention (Cambridge Studies in Philosophy and Public Policy)
von Deen Chatterjee
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,10

4.0 von 5 Sternen Valuable collection of articles on foreign intervention, 10. Juni 2004
There has recently been a strong academic interest in the controversial issue of humanitarian and other forms of) foreign intervention. Indeed, considering the state of international affairs at the time of writing (June 2004) it is not at all surprising why the issue has gained such a prominent place on the agenda of international relations thinkers. This book here collects contributions to the HI debate by leading political theorists (e.g. Iris Marion Young, Henry Shue, Stanley Hoffmann, Chris Brown and Allen Buchanan). It is divided into four sections, which deal with the major moral and theoretical implications of aspects of foreign intervention. The first introduces the debate (with a brilliant contribution by Chris Brown on how inconsistent humanitarianism can be justified), the second features perspectives on humanitarian intervention from the perspective of 'just war theory' (Henry Shue's discussion of the morality of bombing Serb infrastructure during the Kosovo war stands out), the third sections discusses interventions in secession struggles (Allen Buchanan is certainly familiar as the leading expert in the field --- needless to say that his contribution is of high quality) and the fourth section, which is a real intellectual diamond, devotes space to the voices of critics of humanitarian intervention (Young's critique of interventionism, which is strongly based on Hannah Arendt's social philosophy, is a fantastic read). Generally, the collection features high quality critical articles on key moral aspects of foreign intervention. The selection of articles is well-balanced in the sense that critical voices are heard --- in fact, unlike in other collections on the topic, they occupy a prominent place in this book. The disadvantage of this work is that its articles are too short; sometimes they are not even longer than 10 to 15 pages. As a student of international affairs one would certainly wish for more comprehensive statements of different theoretical positions. Still, the book should be of great value to researchers and advanced students in International Relations, political science, political theory, political and moral philosophy and war studies.


Humanitarian Intervention: Ethical, Legal and Political Dilemmas
Humanitarian Intervention: Ethical, Legal and Political Dilemmas
von Robert O. Keohane
  Taschenbuch
Preis: EUR 37,20

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The best discussion of Humanitarian Intervention available, 5. Juni 2004
It is difficult not to become too enthusiastic about this wonderful collection of articles about the controversial topic of humanitarian intervention. The work is edited by Robert Keohane whose one of the top international relations theorist in the US and the British academic J.L. Holzgrefe. The articles are written by an internationally recognised group of experts and cover the political, moral and legal aspects of humanitarian interventions. J.L. Holzgrefe's introduction to the issue of humanitarian interventionism is the best overview of the topic I have ever read. All the other pieces are of equally high quality. The book is roughly divided into four parts. The first provides the reader with a general overview of the humanitarian intervention debate, especially in regard to events surrounding 9/11. Part two engages with the moral issues involved in HI and will appeal to students of moral philosophy and political theory. Fernando Teson's quasi-Kantian defence of HI is a fantastic and illuminating read whereas Allen Buchanan's contribution provides one with an interesting ethical assessment of international law from the perspective of one of the leading moral and political philosophers of the US. The third part deals in a sophisticated yet readable way with the legal implications of HI. The writers, all of whom are experts in international law, have very different positions on HI, which makes a close study of the three chapter contained in this section very rewarding indeed --- even for non-lawyers. The last part features two high quality contributions from Keohane (on sovereignty after intervention) and the prolific commentator, journalist and Harvard professor Michael Ignatieff (state failure and nation building), which will appeal to political scientists and scholars of globalisation.
One of the contributors to the volume writes that after 9/11 academic work on HI proliferated faster than Weapons of Mass Destruction --- it is easy to see why: the politics of rescue (Michael Walzer) poses a fundamental challenge to the current structure of international affairs. The current (June 2004) situation in Sudan sadly proves that the topic of HI is going to stay on the political agenda for quite a while. Should western countries intervene by force to ensure a minimal respect for human rights? Is HI merely a cloak for western imperialism? Have the HI of the 1990s set a dangerous precedent for unilateral action? These are the questions that are treated in this work. It is an uncomfortable read, for the articles ask us to reflect on what those who live in relative security owe to others who are in danger of being killed in genocide or become victims of brutal ethnic cleansing. HI are a controversial phenomenon --- a fact which is reflected in the diverse opinions expressed in this book. However, it seems that all the writers seem to support HI in appropriate situations. An illuminating and challenging read for all those who are interested in this issue. I should point out that this is an academic text and consequently it requires some knowledge of International Relations and political science to make sense of the articles. Strongly recommended for postgraduates as well as researchers.


Song for My Father (Rvg)
Song for My Father (Rvg)
Preis: EUR 10,98

34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Funky music ( with brains), 5. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Song for My Father (Rvg) (Audio CD)
Horace Silver ist mit großer Sicherheit einer der stilbildenden Pianisten des Jazz der 50/60er Jahre. Seine Mischung aus hektischen Be-Bop Riffs, erdigem Soul und Gospel, sowie sein untruegbares Gespür für ‚Funk' katapultierten den Pianisten und Komponisten Silver aufs Jazz Olymp. Zusammen mit dem Drummer Art Blakey, dem frühen Miles Davis und Sonny Rollins, ist Silver einer der wichtigsten Bandleader des Hard-Bops, also jener anspruchsvollen aber dennoch eingängigen Jazz Richtung, die Hirn und Tanzbein gleichermaßen fordert. Silver's Kompositionen sind grundsätzlich gut gelaunt und funky --- ganz im Sinne des Titels eines seiner zahlreichen Alben: Jazz has a sense of humor.
Auf dem Klassiker ‚Song for my father, der nun hier als Teil der brillanten RVG Remasterreihe von Blue Note Records vorliegt, findet man Silver's bekanntestes Stück: Song for my father. Viele Hörer werden den Song wiedererkennen, denn sein Piano Riff ist von Steely Dan in ‚Ricky, don't lose my number und den Londoner Jazz Rappern US 3 in Eleven Long Years genutzt worden. Der Song ist eine Hommage an Silver's portugiesischen Vater, der auch auf dem Albumcover abgebildet ist, und besticht durch seine tanzbare Vermischung von Jazz sowie spanisch-lateinamerikanischer Musikkultur. Obwohl diese Titelstück schon allein ein Grund für den Erwerb dieser CD wäre, sollte man aber auch die anderen Stücke des Albums lobend erwähnen. Die Qualität der Aufnahmen ist sehr hoch was nicht zuletzt Silver's kraftvollem Pianospiel und Joe Henderson's Tenorsaxophon zu verdanken ist. Silver's Gruppe spielt auf hohem Niveau ohne allerdings zu irgendeinem Zeitpunkt allzu kopflastig zu klingen. In anderen Worten: diese Musik ist ‚hot'. Die Spielfreude der Musiker ist groß und Silver's clevere Songideen durchweg eingängig. Ohrwurmfaktor garantiert! Ob auf den ruhigeren Stücken oder den rollenden Hard-Bop Nummern --- diese Musiker verstehen ihr Geschäft. Ein exzellentes Album, das gerade für Einsteigern in die Jazzszene sehr geeignet ist und eingefleischten Jazzfans ebenso gefallen wird. Mit dieser CD kann man wirklich nicht viel falsch machen. Der Sound ist sehr gut, und Blue Note Records hat eine Menge Bonustracks aus den Archiven beigesteuert, die von hoher Qualität sind. Mein Tipp: Silver's Trio Version von Que Pasa.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 9, 2012 11:37 AM CET


American Power and World Order (Themes for the 21st Century)
American Power and World Order (Themes for the 21st Century)
von Christian Reus-Smit
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,12

5.0 von 5 Sternen A thorough analysis of Bush's foreign policy, 21. Mai 2004
This is a fantastic little book about the foreign policy of the current US Administration under George W. Bush. Anyone who expects some popular Bush-bashing (Michael Moore-Style) will be disappointed. The author, Professor Reus-Smit, is a highly esteemed theorist of international relations. Consequently the text is academic in nature. It should, however, be understandable to all those with a general interest in current/international affairs. Reus-Smit analyses the political doctrines of the neo-conservatives through the prism of international relations theory (he is intellectually indebted to the English School of IR as well as to the recent 'constructivist' approaches to world politics). The author provides a thorough critique of current neo-conservative doctrines, which is well balanced and informed by the latest literature on the subject. The good thing about this book is that it puts recent events into perspective. Unlike many of the more popular works that have been published during the past few months, Reus-Smit dissects the political approach of the Bush government carefully. He shows how neo-conservative ideologies emerged after the fall of the Soviet Union and the end of the Cold War, and how they became so powerful. He shows how neo-conservatives interpret history, what moral claims they make about the international sphere and how recent events in world politics seem to have reinforced their views. Reus-Smit's argument is that the US approach to global politics rests on some deeply flawed views of how international relations work (e.g. at some length the author shows how the conception of political and military power held by the neo-cons is insufficient to come to terms with the complexities of the current world). He outlines alternative ways of understanding the international sphere, which lead to his rejection of neo-conservatism. He proposes an approach which is centred around a social conception of power, which is better at dealing with questions of identity and legitimacy than neo-conservative ideologies. However, though the author is critical of the contemporary use of American power, he does not fall into the 'populist' trap as he avoid commonplaces such as ' it's only about oil'. There's some truth to this argument, yet it reduces the complexity of the modern world to a few simplistic assumptions. All those who are interested in making some sense of these world political 'complexities' should have Reus-Smit's book close at hand. The style of the work is academic, but this is not a disadvantage. As all sorts of self-professed politics experts are taking to the stage at the moment some calm and well reasoned analysis is intellectually and politically important. Critics of the Bush government will find quite a bit of intellectual ammunition in this work, but supporters of neo-conservative politics should have a look at this wonderful book, too. Not least because they will find their assumptions tested to the limit. Can they find convincing answers to Reus-Smit's critical ideas? I doubt it. This book deserves to be widely read.


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