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Rezensionen verfasst von
Jimmy (Niedersachsen, Deutschland)

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Draußen wartet die Welt
Draußen wartet die Welt
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Mädchen mitten in zwei verschiedenhen Welten, 20. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Draußen wartet die Welt (Kindle Edition)
Erster Satz:

Die Fremden brachten, wie an jedem Donnerstagabend, ein paar bunte Farbkleckse in unser einfaches Haus.

Inhalt:
Eliza führt ein sehr einfaches Leben mitten unter der Gemeinde der Amisch. Fern ab von Kosmetik, technischen Errungenschaften und anderen Luxusgütern wächst sie mit vielen Pflichten und täglichen Aufgaben auf. Die Regeln der Amisch sind streng. Wer sich einmal gegen die Gemeinde entschieden hat, wird ein Leben lang gemieden - selbst von der eigenen Familie. Als Eliza mit 16 Jahren die Chance erhält, die Welt da draußen kennen zu lernen, verändert sich alles. Und dann ist da auch noch Joshua .. der so viel mehr in ihr sieht als nur ein schlichtes Mädchen ohne Kenntnisse über das Leben.

Meine Meinung:
Die Gestaltung des Buches hat mich sofort angesprochen. Ich schaute mir das Buch an und ich wünschte mir, es möge eine schöne Geschichte in sich tragen. Im Übrigen ist es das gleiche Cover wie bei der englischen Version, daher vermutlich die Ästhetik. In warmen Farben sehen wir die zarten Geschöpfe einem Einmachglas entfliehen. Dies ist ein tolles, wenngleich auch trauriges Bild, für Elizas Situation ganz zu Anfang des Romans. Sie lebt in ihrer Gemeinschaft, ist jedoch abgeschottet vom Rest der weiten Welt. Alle dürfen sie hinein zu ihnen starren, nur Eliza hat keine Möglichkeit die ihr fremden Angewohnheiten kennen zu lernen .. aus Angst, sie könne daran zerbrechen, sich ihre Flügel am gläsernen Gefängnis wund schlagen, erlauben ihre Eltern eine gewisse Zeit im Freien. Und so entfaltet sich das junge Mädchen und zieht Blicke auf sich - wie der kleine Schmetterling am oberen Bildrand, der wenig Platz für sich in Anspruch nimmt und dennoch die gesamte Botschaft des Covers überträgt.
Der Name 'amish people' war mir vor der Lektüre so intensiv noch nicht untergekommen. Ich habe die Bezeichnung zwar schon mal gehört, jedoch konnte ich mir unter der Lebensweise nicht viel vorstellen. Es musste erst solch ein Jugendbuch den Weg zu mir finden, bis ich mit einem anderen Blick auf diese, nein auf unsere Welt schaue.
So zieht mich Eliza also hinein in etwas für mich ganz Fremdes: ihren immer mehr zum Gefängnis werdenden Alltag. Jeden Donnerstagabend kommen verschiedene Besucher zu Elizas Familie, um mit ihnen zusammen ein Abendessen in einfachen Verhältnissen zu genießen. Sie dürfen beobachten, staunen, fragen und später wieder in ihre gewohnten Bahnen zurückkehren. Für unsere Hauptprotagonistin bleibt nur die Faszination für all das Unbekannte, wie farbige Haarsträhnen, schlanke, metallene Telephone oder Reißverschlüssen an den Kleidungsstücken. Bereits auf den ersten Seiten ist ihre Neugierde förmlich zu spüren und ich hätte sie am liebsten aus dem Buch in mein Wohnzimmer gezerrt, um ihr zu zeigen, wie es anders sein kann.
Hin und hergerissen zwischen Sicherheit und Routine auf der einen Seite und Risiken und Überraschungen auf der anderen Seite, wandert Eliza auf einem schmalen Grad, der die Vergangenheit mit Gegenward vereint.
Nancy Grossman nutzt eine mir vertraute Sprache, um Neues zu erklären. Mühelos nimmt sie ihren Figuren und Szenarien das Showlicht und raubt ihnen jede Spektakularität. Im leichten Glanz der Normalität erstrahlt ihre Geschichte in zahlreichen facetten. Es tut gar nicht not, die Idee der Amisch-Gemeinde in der Öffentlichkeit platt zu wälzen. Grossman lässt diesen Menschen ihre Eigenarten und genau so wenig formt sie dem Leser eine Meinung über die 'zivilisierte Gesellschaft'. Unterschwellig lässt sich wohl eine Kritikäußerung herauslesen und die Autorin hat ihr ganz eigenes Urteil gefällt. Doch diese fixen Gedanken drängt sie niemandem auf. Selbst mit dem Verlauf ihrer Geschichte zeigt sie uns, dass sie für alles offen ist. Und dass wir noch genau dieses Detail erlernen müssen.
Während Eliza endlich einen ersten Schritt raus aus ihrem behüteten Nest wagt, scheinen die neuen Eindrücke die Jugendliche zu überrennen. Eine Kuriosität jagd die nächste und ich ertappte mich immer wieder dabei, dass mir gar nicht klar war, wie viele Dinge in meinem Leben so kurios anmuten können. Ich schaute ihr bei ihren ersten Schritten über die Schulter, doch passagenweise ließ ich auch lockerer und überflog die Seiten nur noch. In diesem Roman wird auf so wahnsinnig viele Kleinigkeiten Wert gelegt, dass es auf der einen Seite sehr spannend sein kann, diese alle für sich zu entdecken. Auf der anderen Seite wurde mir dieser Überdruss und die Reizüberflutung von Eliza schnell zu viel und ich sehnte mich nach einem roten Faden im Handlungsstrang zurück. Mit dem Jungen Joshua kam dieser schließlich auch. Und insbesondere das Ende des Buches fand ich sehr ... interessant. Es ließ sich erahnen, auch wenn mein Verständnis dafür zu Wünschen übrig bleibt. Dennoch rundet die Entscheidung der Protagonistin und der Weg, den sie gegangen ist, dieses Jugendbuch ausreichend ab und hinterlässt keine Fragen mehr.

Mein Fazit:
Eine schöne und leichte Geschichte, die einem die Augen zu öffnen vermag und mit einer tollen Idee aufwarten kann.
Ich vergebe ~ 4 Krümel ~, weil ich ein, zwei Durststrecken durchleben musste.

Jimmy

papierkrümel.de


Raum 213 - Harmlose Hölle
Raum 213 - Harmlose Hölle
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen Auftakt mit Potential, 20. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Raum 213 - Harmlose Hölle (Kindle Edition)
Erster Satz:

Das leise Sirren war kaum hörbar, als sich die Kamera im Raum 213 auf die Tür richtete wie das Auge eines Raubtiers, das Beute wittert.

Inhalt:
Raum 213 ist ein Ort voller Finsternis und Grausamkeit. Inmitten einer ganz normalen High School verbirgt sich hinter dünnen Wänden das personifizierte Böse. Eine Tür, die innen weder einen Knauf noch ein Schlüsselloch trägt, trennt jeden, der den Raum betrifft, von der Wirklichkeit und von der sicheren Welt ab. Wenn sich die Pforte zur Hölle öffnet, dann ist es der Weg zu Raum 213.
Während man sich solche und noch schlimmere Gerüchte über das alte Klassenzimmer und einen Jungen erzählt, der diesen Wahnsinn nicht ganz unbeschadet überstanden hat, schlägt sich Liv mit ganz anderen Problemen herum. Seit einer miesen Party sieht sie ihren Freund mit ganz anderen Augen und fühlt sich zutiefst gedemütigt. Außerdem ist da noch dieser komische Ethan .. der plötzlich überall auftaucht, wo auch sie gerade ist. Er kennt ihren Namen und wirft ihr schräge Drohungen entgegen. Und bald muss Liv spüren, dass dies keine leeren Versprechen sind, sondern hinter den Andeutungen wahre Worte und eine wahre Geschichte stecken..

Meine Buchgeschichte:
Der Name der Autorin war mir bislang nicht geläufig und da ich mich vor der Lektüre eines Buches gerne etwas über die Vorlieben und Hintergründe eines Schriftstellers informiere, tat ich dies auch bei Amy Crossing. Überraschenderweise existierte sie vor dieser deutschen Buchausgabe nicht. Also scheint hinter dem Pseudonym eine deutsche Autorin zu stecken, die uns hier ihren Debütroman präsentiert. Laut Löwe zog die Autorin mit 17 Jahren von Maryland nach England .. mysteriöse Umstände sollen der Grund gewesen sein, schließlich wird angeblich von Seiten der Familie darüber eisern geschwiegen. Nun ja. Man merkt dem Text an, dass es sich nicht um eine Übersetzung handelt. Da hat sich der Löwe Verlag eine schicke Werbekampagne einfallen lassen.

Meine Meinung:
Die Idee klingt toll: ein Raum, der ganz selbstständig jedem Besucher die Hölle auf Erden bereitet. Ich fühlte mich in Zeiten zurückversetzt, als ich auf dem heimeligen Sofa saß und mir "X-Factor . Das Unfassbare" ansah. In diese Fernsehserie hätte Amy Crossings Plot (stark gekürzt) auch wunderbar hineingepasst. Darum schlug ich bereits voller Spannung das Deckblatt auf. Das hat mir optisch übrigens sehr gefallen. Das Farbenspiel aus Blau und Mintgrün mit den floralen Mustern hat mich direkt angesprochen. Allerdings hätte ich dahinter nicht sofort einen Thriller vermutet.
Der Einstieg ist der Autorin sehr gut gelungen. Wir steigen gar nicht bei Liv ein, sondern begutachten erst einmal die Vergangenheit des Raums. Und dazu bekommen wir die Nachricht schlecht hin serviert: Der Thriller solle auf einer wahren Begebenheit beruhen und Raum 213 existiere tatsächlich an der Eerie High. Mit diesem Gedanken im Kopf widmet man sich der Story auf eine ganz andere Weise. Und so betreten wir den Raum 213 und sehen der Kamera direkt ins Auge. Der Prolog zerrt also schon ordentlich an den Nerven des Lesers. Und so setzt sich die Geschichte auch fort.
Wir begleiten Liv durch ihren Alltag und lernen die Gesichter kennen, die uns weiterhin begleiten werden. Die meisten von ihnen bleiben ungewohnt blass. Nur in Livs Gedankenwelt können wir eintauchen. Und das reicht auch, um den Lesefluss nicht zu stören und die Spannung aufrecht zu erhalten. So bleiben natürlich viele Fragen offen und viele Antworten kann sich Amy Crossing noch für die folgenden Bände aufsparen. Ich finde es allerdings schade, dass die Persönlichkeiten im Auftakt der Reihe, so wenig Tiefe bekommen. Man kann sie nicht richtig kennen lernen und dadurch fehlt ein gewisses Einschätzungsvermögen. Erst wenn man als Leser glaubt, die Protagonisten zu verstehen, können überraschende Wendungen und unvorhergesehene Reaktionen auftreten. Solange die Figuren schemenhaft bleiben, ist ihnen alles zuzutrauen und somit der Überraschungseffekt verflogen. Dennoch schafft der Erzähler einen roten Faden, der die Ereignisse zusammen hält. So erhält Liv beispielsweise eine beunruhigende Email, woraufhin sie die Leiche einer Jugendlichen in ihrem morschen Baumhaus mitten im Garten findet ... doch als sich hinterher herausstellt, das es sich bei dem Mädchen um die Ex-Freundin von Ethan handelt, scheinen alle Spuren aufgelöst, verwischt. Die Mail ist verschwunden. Die Spannungselemente passen gut zur angestrebten Zielgruppe, die dem Alter der Protagonisten entsprechen. Aber für meinen Geschmack verhielt sich Liv leider etwas zu aufgelöst. Sie wird sehr schnell hysterisch und wirkte auf mich manches Mal überdreht und einfach zu schockiert. Ich hätte mit einer etwas reiferen Heldin mehr anfangen können, die den Fund einer Leiche auf natürlichere Art verarbeitet.

"Es war, als ob alles um ihn herum tot war.
Und er war in diesem Tod gefangen."
(S. 25)

Mit der Abneigung zu Liv ging meine Sympathie für die toll gesetzten Gruselszenen einher. Ich fieberte den wenigen Episoden vor zwei Jahren im Raum 213 entgegen und konstruierte mir so meinen ganz eigenen Spannungsbogen. Man möge von dem Buch allerdings keine allzu tiefgründigen Psychothriller erwarten. Vielleicht folgt solch ein Detail in einem der anderen Bände. Ansonsten bleibt es ein kurzweiliges Gruselvergnügen, das besonders für junge Leser einen tollen Einstieg ins Genre darstellen kann.

Mein Fazit:
Ein netter Anfang mit einem starken Mittelteil und einem verwirrenden Cliffhanger. Mich persönlich konnte der erste Teil leider nicht euphorisieren, aber vielen Jugendlichen wird er gewiss gefallen. Ich vergebe gute ~ 3 Krümel~ und hoffe, dass der erste Band lediglich die Ouvertüre zum großen Schocker war. Die Fortsetzung erscheint bereits im März.

Jimmy

papierkrümel.de


Das Mädchen mit den blauen Augen: Roman
Das Mädchen mit den blauen Augen: Roman
Preis: EUR 9,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Mädchen mit zwei Familien in einem spannenden Rätselraten !, 20. Februar 2014
Erster Satz:

Ganz plötzlich verlor der Airbus 5403 auf dem Weg von Istanbul nach Paris an Höhe.

Inhalt:
Bei einem verheerenden Flugzeugabsturz kommen 168 Passagiere und Crewmitglieder kommen bei dem Unfall ums Leben. Ein Mensch überlebt das Schreckensszenario: ein drei Monate altes Mädchen. Während die Eltern des Kindes nicht mehr auszumachen sind, melden sich die Großeltern. Sie wollen sich um das einzige kümmern, was ihnen noch geblieben ist. Doch kurze Zeit später erscheint ein weiteres Großeltern-Paar, das Anspruch auf das Baby erhebt. Ein verzweifelter Kampf um das Sorgerecht entbrennt ... und ein Geheimdetektiv ist mitten drin. Als das Mädchen mit dem Namen Emilie 18 Jahre alt ist, soll sie ihre wahre Identität endlich entschlüsseln..

Meine Meinung:
Das verblichene Cover sprach mich auf den ersten Blick an. Endlich ein Layout, bei dem nicht der Fokus auf ein bildhübsches und mit powerpoint bearbeitetes Gesicht gelegt wird. Trotz des Buchtitels starren dem Betrachter auch keine saphirblauen Augen entgegen. Da steht ein ganz normales Mädchen und wendet ihren Blick ab. Es gibt aus anderen Ländern noch viele weitere Cover-Versionen, doch dieses Mal empfinde ich die deutsche als die mit Abstand beste Idee.
Wir bewegen uns in einem Roman, vielleicht einem spannenden Familiendrama, das jedoch nicht zu skurill oder morbide wäre. Dafür schlägt der erste Satz bereits ein wie eine Bombe. Er verspricht einen rasanten und beängstigenden Einstieg in die Geschichte. Und so tritt auch hier die erste unerwartete Wendung ein. Dieses Zusammenspiel aus Überraschungen, Zurückhaltung von Informationen und gleichzeitig spannenden Details eines Mordes oder Freitodes (?) lassen einen hohen Spannungsbogen zu. Beschleunigt wird dieser durch die Unterlagen des genannten Ermittlers, die er dem Mädchen am Tag ihres 18. Geburtstages zukommen lässt. Episodenweise dürfen wird darin rumschnüffeln und so entdecken wir, zwar etwas zeitversetzt zur Protagonistin, aber dennoch ausreichend rasch, die Geheimnisse ihrer Vergangenheit. Obwohl Emilie nur wenige Auftritte im Vordergrund des Romans hat, erschien sie mir doch als eine sehr charaktertiefe Persönlichkeit. Ihre Situation war mir föllig fremd und dennoch fühlte ich mich auf sonderbare Weise mit ihr verbunden und hatte Verständnis für ihre Emotionen. Ohnehin ist ihre Gefühlswelt ein großer Bestandteil in der Geschichte. Zwischen den Zeilen lassen sich ihre Gedanken und Erinnerungen, ihre Hoffnungen, Ängste und Erwartungen leicht herauslesen. Ein ganz anderer Protagonist lässt den Leser noch weitere Blicke auf Emilie werfen. Denn neben ihr steht auch ihr Bruder Marc im Vordergrund. Er war mir sofort sympathisch. Ein etwas zurück gezogener Bursche, in meiner Vorstellung gutaussehend und etwas naiv. Dennoch ist er sehr intelligent und weiß, was er will. Nur meistens kann er es nicht in Worte fassen oder er wird sich erst zu spät darüber im Klaren. Sehr liebenswürdig und ein tolles Beispiel dafür, wieviel Liebe zum Detail in den einzelnen Charakterentwicklungen steckt. Die beiden scheint ein inniges Band zu verbinden, das sie zusammen halten lässt. Wie reißfest diese Verbinbund wirklich ist, eröffnet sich einem erst im Laufe der Geschichte..
Eine gefährliche Mixtur aus Hochspannung und dramatischen Empfindungen!
Der Autor inszeniert ein tolles Bühnenbild mitten in Frankreich und haucht seinen Figuren ein Leben ein, wie es uns alltäglich begegnet, und gleichzeitig von gestern und vorgestern erzählt. Ein warmer Erzählstil hat mich von Beginn an eingehüllt. Ich fand mich gut zurecht in dieser fremden Welt und fand die vielen Blickwinkel, aus denen ich beobachten konnte, mehr als faszinierend. Je mehr Perspektiven die Situation beleuchten, desto schneller kann man sich als Leser ein eigenes und vollständiges Bild machen. Dennoch hat Michel Bussi eine gut Balance gefunden und nicht zu viele Personen eingebunden, aus dessen Augen wir betrachten durften. Eine ebenso tolle Gradwanderung wird beim Schreibstil gemeistert. Bussi beherrscht es beispiellos, seinen Charakteren unterschiedliche Sprachen mit auf den Weg zu geben. Ich hätte allein anhand der Wortwahl erkennen können, ob ich im Bericht vom Ermittler stecke, oder den Irrungen und Wirrungen von Marcs Gedankengängen folge.
Dieser Roman ist ein Familiendrama erster Klasse und verbindet gekonnt einen kriminalistischen Touch mit einer herzzereißenden Liebesgeschichte ... Das Bindeglied besteht unteranderem aus der Kunst, im richtigen Moment die passenden Worte zu finden. Für meinen Geschmack hätte der Höhepunkt noch ein wenig zugespitzter sein können und auch dem Tod des Ermittlers hätte man mehr Raum verleihen können. Ansonsten ein super Werk!

Mein Fazit:
Ein faszinierendes Familiendrama, das dank seines Ermittlers den Hauch eines Krimis versprüht und ebenso spannend ist. Bemerkenswerte ~ 4 Krümel ~

Jimmy

papierkrümel.de


Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
von Jutta Wilke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zart wie ein Engel und so schmerzhaft wie die Dornen einer Rose - einfach schön., 8. Februar 2014
Erster Satz:
Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein.

Inhalt:
Seit dem Tod ihrer Schwester verschwindet Anna mehr und mehr. Sie möchte durchsichtig sein; nicht bemerkt werden. Doch Leon braucht ihre Hilfe und ihren Trost. Einander halten sie sich, versuchen sich Kraft zu geben .. aber in Wirklichkeit entfernt sich Anna von ihm. Während sie schon glaubt, dass sie nur noch blass durch die Welt wandelt, nimmt jemand sie ganz bewusst war: Phil. Er erzählt ihr, woher die roten Rosen kommen und was es mit dem Rosenengel auf sich hat.

Meine Meinung:
Ein traumhaftes Cover, das meiner Meinung kein anderes hätte sein dürfen. Für mich persönlich passt es perfekt zu dieser Geschichte und so eine harmonische Abstimmung auf den Inhalt habe ich bisher bei noch keinem anderen Roman gesehen. Auffällig ist der durchschimmernde Schutzumschlag, erst durch ihn sehen wir zwei Engel: das wahre Denkmal und ein Abbild, das ihm wohl sehr ähnlich sieht ... Hinter dem rechten Engel - also auf dem Buchdeckel - verbirgt sich eine kleine Katze. Auch sie trägt natürlich eine bedeutende Rolle in der Geschichte und ist mal sichbar und dann wieder nicht, wie auf dem Cover. Die Farbe Blau finde ich im Nachhinein auch tragisch passend, symbolisch für die Wasserfluten und die erträkenden Wellen. Der Untertitel hat mir ebenso gut gefallen, erinnerte er mich doch so sehr an das Buch von Hermann Hesse "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" und schien auch dieser wie bewusst ausgewählt.
Annas Schicksal ist eine traurige Wendung des Lebens. Wenn das schlimmstmöglichste passiert und man sich dafür die Schuld eingestehen muss, dann sieht man irgendwann förmlich, wie alle mit dem Zeigefinger auf einen weisen. Dieses Bild hat die Autorin nie beschrieben und doch drängte es sich mir auf. Denn die Gefühlswelt um die Hauptprotagonistin die so eingeschüchtert wie auch stur ist, hat mich ein ums andere Mal beeindruckt. Nicht etwa, weil ihre Emotionen so außergewöhnlich oder vielfältig gewesen wären. Sondern eher weil sie dermaßen eindrucksvoll zu Papier gebracht wurden, dass es mir unter Haut ging. Ich saß auf meinem Sofa und hatte das Gefühl als würden ihre Gedanken in mich einströmen .. vielleicht liegt es auch an meinem ganz persönlichem Erfahrungsschatz, aber ich habe mich vollkommen verstanden gefühlt und eigentlich sollte ich ja die jenige mit dem Verständnis für die Figur sein.
Nachdem ich also bereits mit Anna so schnell warm geworden war, stieß ich auf Leon. Er ist nun mit Anna zusammen, war es aber vorher mit ihrer Schwester. Eine schwierigere Beziehung kann ich mir gar nicht ausmalen. Sie geben und nehmen einander. Von außen könnte man meinen, sie seien das perfekte Liebespaar. Aber da der Leser regelrecht dazu eingeladen wird hinter die Fassade zu blicken, werden plötzliche Risse sichtbar. Einen besseren und zugleich schlechteren Zeitpunkt gibt es für den ersten Auftritt von Phil gar nicht. Auf einmal ist er da und ich hatte das Gefühl, als hätte er sich mit laut tosendem Paukenschlag angekündigt, obwohl er sich gleichermaßen still und vorsichtig auf die Buchseiten geschlichen hat.

"Ich habe diese Rose bewundert.
Für ihren Kampfgeist. Ihren Überlebenswillen.
Sie wollte sich nicht unterkriegen lassen. "
(Phil, S. 56)

Wenn Phil seine Geschichten erzählte, tauchte ich gemeinsam mit Anna in diese phantasievolle Welt ab. Sie ließ sich treiben und war froh, sich doch noch an jemandem festhalten zu können .. damit sie nicht verloren geht. Ich hingegegen, ließ mich nicht nur von den Ideen faszinierend, sondern vorallem von der Vielfältigkeit des Buches. Anstatt einen einfachen Jugendroman zu schreiben, bringt Jutta Wilke auch noch eine historische Novelle mit ein, und als ob das noch nicht reichte, übermittelt sie uns auf eine leise und poetische Art ihr Wissen über die Rosen. Und damit stahl sich Phil in mein Herz, welches bald keinen Platz mehr für Anna zu bieten schien. Je weiter ich las und je stärker ich ihren Dickkopf und auch ihre Naivität zu spüren bekam, desto wütender wurde ich auf sie. Dass sie einfach so weitermachte. Und ihr Leben wegwarf für das der anderen. Man stelle sich die eigene Freundin in ihrer Position vor. Am liebsten hätte ich sie genomen und kräftig durchgeschüttelt, damit sie endlich aus ihrer Traumwelt aufwacht und merkt, dass egal was sie tut oder nicht tut, ihre Schwester nie wieder kommen wird. Niemals. Denn sie ist tot, unwiederbringlich. Wir stehen mitten in einem realitätsnahen Jugendroman, ohne Reinkarnation, ohne Zauberei, ohne Vampirismus.
Fast noch wütender hat mich die Mentalität der Familie gemacht, ständig zu schweigen. Selten kommt ihnen ein Wort über die Lippen, dabei hätte die junge Anna einen Hauch Aufmerksamkeit bitter nötig. Mir ist klar, dass auch das nur ein Spiegel der Realität in unseer Welt ist. Aber diese Ungerechtigkeit und auch Unverschämtheit hat mich verständnislos werden lassen ..

"Irgendjemand hat einmal gesagt,
dass etwas erst dann Vergangenheit ist,
wenn man daran denken kann, ohne dass es wehtut."
(S. 92)

Annas Welt habe ich nur ungern verlassen. Die Spirale aus Emotionen und berührenden Worten hat mich mal mehr mal weniger berührt. Auf jeden Fall aber hat sie mich zum Nachdenken gebracht... über die Erwartungen unseres Umfelds, über die Erwartungen von uns selbst,über richtige Entscheidungen, über das Ziehen von Schlussstrichen und über Erinnerungen, die nie verloren gehen. Zu jedem Kapitelanfang lächelt einem ein kurzer Vers oder ein knappes Gedicht entgegen, das sorgsam ausgewählt mit den einzelnen Szenen harmoniert. Im Einklang mit der Geschichte entfaltet sich die Lyrik, die sich um Rosen und Röslein rankt. Jutta Wilke hat es erneut und noch viel intensiver als in ihrem Krimi "Wie ein Flügelschlag" geschafft, mit ihren ganz eigenen Sätzen eine verzauberte Welt aufzubauen, die ganz ohne Fabelwesen oder phantastische Elemente einfach magisch ist.
Dafür bedient die Autprin sich eines anderen Genres. Innerhalb einer historischen Novelle entführt sie uns in das Jahr 1883 und stellt uns die Liebesgeschichte zwischen Johanna und Philip vor, deren Namen dem Leser durchaus bekannt vorkommen dürfen. So entsteht eine fein gesponnene Parallelwelt, die mit tollen Recherchen aufwartet und spannende Erklärung für die Hauptstory von "Dornenherz" bereitstellt.

Mein Fazit:
Ein starker Roman, der neben den anderen Veröffentlichungen der Autorin ganz für sich allein stehen kann und eine enorme Austrahlung besitzt. Ich habe mich gerne fesseln lassen. Daher ~ 4 Krümel ~

Jimmy

papierkrümel.de


Der Junge, der Glück brachte (Fantasy)
Der Junge, der Glück brachte (Fantasy)
Preis: EUR 4,49

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar, empfindsam .. glückbringend!, 16. November 2013
Erster Satz:
Lynette war ein Mädchen, das von allem etwas zu viel hatte.

Inhalt:
Die schlimmen Tragödien passieren doch immer nur anderen ... doch eines Tages trifft es Lynette. Ihre Mutter kommt bei einem Autounfall ums Leben. Aufgelöst reagiert sie auf ihre Umwelt mit Verzweiflung. Bis sie ein sonderbares Buch geliehen bekommt, mit den Worten "Es ist etwas, das glücklich macht." So lernt sie Jeronimus kennen; er ist der Junge, der Glück verschenkt. Doch ihre Wege verlaufen auf getrennten Schienen. Die eine verläuft in der Wirklichkeit, die andere in der Phantasie .. langsam scheinen sich die Grenzen aufzulösen. Und die beiden merken, dass sie einander brauchen, um sich selbst zu helfen.

Meine Buchgeschichte:
Auch ich hatte von dem glücksbringenden Jungen mitbekommen. Die Inhaltsangabe klang außergewöhnlich und versprach philosophisch zu werden. Daraufhin schrieb ich Nicolas Vega an. Er entpuppte sich als ein Mann, dem nicht das Glück in Form von Geld und Erfolg, sondern in Form von Lob, konstruktiver Kritik und Menschlichkeit wichtig ist. Es ist immer toll zu spüren, wenn die Autoren selbst von ihrem Kind so begeistert sind! Dieses Kind ist das erste e-book, das ich bisher gelesen habe..

Meine Meinung:
Dies ist eine Geschichte, für die man sich Zeit nehmen muss. Das mag den ein oder anderen abschrecken, doch es wäre einfach zu schade um die zarte Idee, die ihre feinen Arme nach einem ausstrecken möchte. Sie möchte den Leser umarmen und bis zum Ausklang des Buchs fest umschließen. In diese Umarmung ließ ich mich fallen und konnte der leisen Stimme von Lynette lauschen. Es ist verblüffend wie authentisch das 14jährige Mädchen auftritt. In ihrer Traurigkeit lässt der Autor sie keine Sekunde alleine und füllt so die Seiten mit einer zarten Melancholie, ohne dass seine Wort übertrieben oder aufgesetzt wirken würden. Ich habe sie nicht nur bemitleidet, sondern ich habe mit ihr gelitten. Lynette erschien mir nicht wie ein Püppchen aus einem Stoß Papier. Sie schälte sich nicht aus den Zeilen heraus, sondern es kam mir eher so vor, als hätte Nicholas Vega sie aus der Realität in das Buch hinein geschrieben. Ich bin mir sicher, dass sie existiert. Wie sonst könnte ein Mensch so viel unscheinbare Beschreibungen in einen Charakter legen, wenn er ihn "nur" erfunden hat. Die Protagonistin ist dermaßen natürlich, dass sie meine ehemalige Klassenkameradin hätte sein können .. oder meine Nachbarin .. vielleicht eine Kundin bei meinem DvD-Verleih.
Auch die Nebenfiguren sind sehr real gestaltet. Ich konnte mich in die verschiedenen Gefühlswelten gut hineinversetzen. Jeder Mensch geht mit einem schlimmen Schicksal ganz unterschiedlich um. Das wird hierbei deutlich, ohne dass die eine Variante schlechter oder besser dargestellt wird.

Mit viel Feingefühl und Ehrlichkeit hält Vega uns einen Spiegel vor.

Ich hielt mir die virtuellen Seiten vor Augen und erblickte in dem Buch ein weiteres Buch. Als Lynette den Band "Der Junge, der Glück brachte" mit nach Hause nahm, hätte ich am liebsten sofort bis zu Jeronimus Geschichte vorgeblättert. Doch Lynette nahm mich in ihrem Gedankenstrudel gefangen und so fieberte ich einfach mit, bis ich Jeronimus kennen lernen durfte. Ich betrat Immerheim und war sogleich verzaubert von der phantasievollen Welt. Die Details, die Vega mir präsentierte ließen mich träumen. Ich versuchte mich auf wandernde Bänke zu setzen und sah das Glück in Form eines kleinen Schlüssels. So sah für mich persönlich das Glück aus.
Überzeugen konnte mich die Sprache, die sich in beiden Welten so bildlich voneinander abhob. Der Autor veränderte seine Wortwahl und ließ Jeronimus Dialoge poetisch und märchenhaft tanzen. Lyn reißt uns wieder hinaus in die bittere Realität, in der wir uns den alltäglichen Probleme stellen, mit unliebsamen Mitmenschen klar kommen müssen und die Augen nicht verschließen dürfen. Hier wird bewusst eine andere Sprache benutzt. Das hat mir sehr gut gefallen.

Während zwei unterschiedliche Welt aufeinander prallen und miteinander verschmelzen, entsteht eine Freundschaft. Sie erzählt von Liebe und Leidenschaft, von Lügen und Verrat, von Familie und Vertrauen und vom Glück und dem Leben! Am Ende trauert man um die Figuren, denen man Lebewohl sagen muss, und freut sich darauf, anderen Menschen eine tolle Geschichte empfehlen zu können. Man ist über das eigene Handeln gestolpert, hat sich hoffentlich selbst reflektiert und einen wertvollen Gedanken aus der Geschichte mitgenommen. Mir ist es jedenfalls so ergangen.

Mein Fazit:
Ich wünsche mir sehr, dass aus diesem Geheimtipp ein gedrucktes Buch wird, damit es noch mehr Menschen in seinen Bann ziehen kann!
~ 5 Sterne ~

papierkruemel.blogspot.com


Die Besessene: Roman
Die Besessene: Roman
von S.B. Hayes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Thrill ohne Mord, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Besessene: Roman (Gebundene Ausgabe)
Erster Satz:
Wir saßen im 57er-Bus, als es geschah - und sich mein Leben für immer veränderte.

Inhalt:
Katy hat es nicht ganz einfach. Selbstständig muss sie ihre labile und überforderte Mutter versorgen, während diese sie schon fast wie eine Gefangene in den eigenen vier Wänden behält. Dafür hat sie nach langen Jahren eines Außenseiterlebens endlich Freundinnen in der Schule gefunden. Und auch Merlin, ihr toller Freund mit einer unglaublichen Ausstrahlung, ist vor kurzem in ihr Leben getreten. Während ihre Mutter weiter vor sich hin dümpelt, sieht es so aus, als würde sich einiges anderes in Katys Leben zum Guten wenden. Ausgerechnet in diesem Augenblick entdeckt sie die giftgrünen Augen eines Mädchens, die sie die ganze Zeit über anstarren. Bald schon stellt sich heraus, wem dieser durchdringende Blick gehört: Genevieve. Sie ist hübsch, talentiert, intelligent, charismatisch und hat rein zufällig die gleichen Interessen und Vorlieben wie Katy. Und eine dieser Vorlieben heißt Merlin. Ein anderes Interesse von Genevieve lautet, das Leben von Katy zu ihrem zu machen.
Während die Freundinnen von Katy sowie Merlin und selbst ihre eigene Mutter nur so von Genevieve umschmeichelt werden, meint Katy das wahre Gesicht hinter diesem scheinheiligem Biest entdeckt zu haben. Der einzige der ihr glaubt ist Luke ... aber als Katy immer besessener von der Vorstellung ist, dass Genevieve ihr nach dem Leben trachtet, zweifelt auch er an Katys Verstand.

Meine Meinung:
Meine erste Assoziation zu dem Buch bezog sich auf die grünen Lettern und das wirklich mysthisch, gruselig gestaltete Cover: wunderschön und lesenswert, ich wollte es haben. Glücklicherweise ging mein Wunsch in Erfüllung und so hielt ich den Roman wenige Tage später auch bei mir daheim in den Händen. Die Informationen aus dem Klappentext schrien nach Thriller und da ich in letzter Zeit keinen richtig guten mehr gelesen hatte, wollte ich mich mal daran versuchen. Ich war bereit, in die Geschichte einzutauchen .. hätte ich nur vorher gewusst worauf ich mich da einlasse.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mich in der Handlung zurecht zu finden und den eigenen Schreibstil der Autorin anzunehmen, kam schnell Spannung auf und auch Anspannung in mir. Plötzlich war ich wie gefesselt von Katy und diesem eigenartigen Mädchen, das ihr das Leben zur Hölle zu machen schien. Ich fühlte die Bedrohung mit jeder Seite wachsen. Vertieft in das Buch schreckte ich immer wieder auf und suchte hastig mit den Augen nach einer Gestalt, die mich womöglich beobachtete. Doch am schlimmsten war das ungute Gefühl in meiner Magengegend. Ich stellte mir vor, wie es mir ginge, wenn jemand mit mir solch ein gemeines Spielchen treiben würde - vor meinen Augen sah ich schon förmlich, wie sich eine grünäugige Hexe an meinen Mann heranmachte und allein bei der Vorstellung wurde mir bereits übel.

Die authentische Schreibe von Hayes katapultierte mich direkt an den Handlungsort ihrer unheimlichen Geschichte und ließ die fremde Welt umso realistischer erscheinen.

Als auch ich an dem Punkt angekommen war, ebenso paranoid durch die Gegend zu laufen wie Katy es tat, mussten wir uns beide eingestehen, dass diese Genevieve mehr an sich hatte, als nur eine schreckliche Kindheit mit traumatischen Erlebnissen, die sie zu einem Tyrann hatten werden lassen. Irgendetwas war nicht ganz koscher an dieser ganzen Geschichte. Was hatte es mit diesem Miststück von Genevieve auf sich? Wieso belog sie alle um sich herum, was ihre Vergangenheit anging? Und was hatten die Brandnarben auf ihrem Rücken zu bedeuten?
Doch wie sehr Katy mit mir zusammen nach Antworten suchte, Genevieve war uns immer einen Schritt voraus. Wollten wir gerade ein düsteres Geheimnis lüften, hatte sie aller Welt bereits weis gemacht, dass sie das unschuldige Weisenkind war, das keiner wollte. Während wir in ihrer Kindheit wühlten und recherchierten, vergnügte sie sich bereits mit Merlin ... und vermieste einem echt das Leben. Noch schrecklicher war die Vorstellung, dass es vielleicht eine Verbindung zwischen Katy und Genevieve selbst gibt - denn wieso sollte dieses kranke Mädel es sonst so direkt auf sie abgesehen haben?

Seite 231

>> Die Kamera log nie. Der Augenblick mochte nur eine Sekunde gedauert haben, doch jetzt war er wie eigefroren in der Zeit, und wenn ich Merli sah, dann würde ich mich an nichts anderes mehr erinnern können. <<

Einzelne Elemente der Geschichte wurden wunderbar mit eingebaut. Für Vielleser wird die große Bedeutung des grünen Anängers sicher schon bei dessen erster Erwähnung einleuchtend sein, aber viele andere kann dieser elegant umhüllte Schmuckstein doch noch überraschen. Und auch die unabhängig voneinander erwähnten Passagen über Katys Albträume vereint ein gemeisames Bindeglied. Einen weiteren verbindenden Impuls bieten die Déja vù Erlebnisse von Katy...
Insgesamt hat mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Wie bereits erwähnt, musste ich mich da erst einfinden, aber auch das ging recht schnell. Nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase war ich dann schnell vom Können der Schriftstellerin überzeugt! Oft stellte ich mir während des Lesens den Kinofilm dazu vor. Mir lief dabei jedes Mal ein eisiger Schauer über den Rücken. Ich bin nämlich der Meinung, dass dieses Buch eine perfekte Steilvorlage für einen gelungenen Gruselfantasyfilm abgeben würde. Und ja, ich will ihn natürlich sofort sehen, wenn er wirklich mal verfilmt werden sollte.

Mein Fazit:
Gruselig und atemraubend! Ein gelungener Jugendroman voller Thrill mystischem Einfluss!
~ 4 Krümel ~

papierkruemel.blogspot.com


Das Leben drehen: Roman
Das Leben drehen: Roman
von Nicole Walter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen .. bewegend, frustrierend und zugleich lebensbejahend!!!, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Leben drehen: Roman (Taschenbuch)
Erster Satz:
Auf einmal waren sie da, die ersten Schneeglöckchen.

Inhalt:
Marlene steht mitten im Leben. Sie ist verheiratet mit Markus und von Beruf Ärztin. Zwar könnte die Ehe nach einigen Jahren auch ein bisschen aufregender sein, aber ansonsten ist sie zufrieden... Bis sie auf Amelie trifft. Der begegnet sie während der Arbeit im Krankenhaus. Eine schöne, junge Frau mit auffallendem Hut. "Ich bitte Sie um Ihren Mann. Nicht für lange, weil ... ich muss sterben."
Plötzlich ist nichts mehr so wie es war. Und für Marlene steht fest: Sie wird der jungen Frau helfen. Nicht nur Markus soll sie bekommen. Sie soll auch leben. Doch je länger Amelie ihr Leben genießt, umso mehr erfährt diese auch über Marlene.. kann sie manipulieren .. und ihr Leben in eine andere Richtung drehen.

Meine Meinung:
Die Autorin hält sich nicht mit unnötigen Beschreibungen als nette Einleitung auf, sondern kommt sofort zum Augenblick, der in Marlenes gut sortierten Leben alles durcheinander bringt. Im Gegensatz zu Marlene wusste ich ja schon ein wenig, was passieren würde. Aber mit so einem Fortgang der Geschichte hätte auch ich nicht gerechnet. Recht schnell wird man als Leser nicht nur mit der Hauptperson, sondern auch der hübschen Amelie, bekannt gemacht. Beide stehen für sich, haben eine gewisse Ausstrahlung und auch Anziehungskraft. Marlene ist eher der kalte Typ Mensch. Als professionelle Ärztin versucht sie kein Leid an sich heran zu lassen und distanziert sich gerne von allen anderen Menschen. Mit ihrem Drang, möglichst wenig Nähe aufzubauen, muss aber auch ihr sprunghafter Ehemann Markus klar kommen. Ihn kann ich nur schlecht einschätzen. Er ist ein sehr unberrechenbarer Mann, von dem ich im Nachhinein nur wenig halte. Er sucht sich also lieber eine jüngere, spontanere und wärmere Liebhaberin: die flippige Amelie, die alles und jeden zu verzaubern weiß... und so unterschiedlich die Figuren sind, so undurchsichtig geht es auch mit der Handlung weiter. Kaum eine Reaktion lässt sich auch nur im Ansatz erahnen. Gerade wenn man meint, Marlenes Denkmuster durchschaut zu haben, überrascht sie einen mit ungewohnter Offenheit oder zuvor nie dagewesener Einsicht. Immer neue Wendungen können mich von der schier unerschöpflichen Ideenvielfald überzeugen. Und ich bin bewegt...

Seite 30

>> Seltsamerweise waren alle alten Menschen auf ihren Jugendfotos irgendwie schön. Vielleicht, weil man sie nicht mehr mit anderen verglich,
sondern nur noch mit sich selbst. <<

Nicole Walter hat mich regelrecht umgehauen mit ihrem sprachlichen Talent. Sie ist schonungslos ehrlich und trifft den Nagel auf den Kopf. Während ich mich noch mit den nachdenklichen Aussagen befasse und die Schriftstellerin für ihre Wortgewandtheit bewundere, setzt sie schon mit dem nächsten nach. Und das ist die psychologische Tiefe ihres Romans!
Ich habe wirklich ungewöhnlich lange an diesem Buch gelesen. Ich konnte keine zwei Kapitel nacheinander weg lesen, so sehr hat es mich in Beschlag genommen. Von den Themen fühlte ich mich zwar nicht wirklich angesprochen: soziale Isolation, Betrug, Familienprobleme, Krebs und Rache. Doch umsomehr fühlte ich mit. Zwei Extreme kristallisierten sich bei mir heraus. Zum einen war ich immer wieder wüten und sauer, ja richtig erbost über Marlenes kühle Art, ihr ignorantes Verhalten und auch ihre neutrale Reaktionen. Ich konnte und wollte Marlene nicht verstehen. Andererseits war ich Stolz auf ihre Ausdauer, wollte mehr von ihrer Gelassenheit. Ich stellte mir ganz leibhaftig mich in ihrer Situation vor und hätte fast geheult.

Marlenes fiktives Schicksal hat mich so berührt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.

Ebenso wie sie war ich hin und her gerissen. Ich wollte lachen über meine gewonnene Freiheit und heulen, weil ich niemanden mehr an meiner Seite hatte. Ich hätte die Kraft gehabt, die ganze Welt entzwei zu reißen, damit ich allen zeigen kann, was in mir steckt. Ich war eins mit Marlene.
Noch kein Buch hat mich bislang so sehr beeinträchtigt und zum mitleiden gebracht wie "Das Leben drehen". Ich möchte dieses Buch ausdrücklich empfehlen. Es ist kein Jugendbuch, sondern erzählt wirklich die Geschichte verschiedener erwachsener Menschen, die alle ihren Weg im Leben finden, und doch miteinander zu tun haben. Ich sage gleich: Nein, es gibt kein Happy End für Marlene und Markus. Und das ist auch gut so. Vermutlich wäre ich sonst um meinen Verstand gekommen und hätte an dem von Frau Walter gezweifelt. Man rechnet wie gesagt mit keiner der Wendungen, doch am aller wenigsten rechnet man eigentlich mit dem Schluss.
Lest es! Denn die Geschichte bewegt euch nicht nur, sie bringt euer Leben neu in Schwung. Trotz der ganzen tragischen und herzzereißenden Gefühle, die man durchlebt, erreicht den Leser noch eine andere, sehr wichtige Botschaft, vielleicht die Kernaussage des ganzen Romans: Das Leben ist lebenswert! Und somit ist "Das Leben drehen" ein lebensbejahendes Drama voller Witz - geht es noch abgebrühter?!
Ich bin begeistert! Ich empfehle es jedem gerne. Und ich schaue mit einem tränenden und einem lachendem Auge auf diese allerschönste Geschichte des Jahres 2012 zurück!

Mein Fazit:
Bewegend, frustrierend und gleichzeitig lebensbejahend !! ~ 5 Krümel ~

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Laqua - Der Fluch der schwarzen Gondel
Laqua - Der Fluch der schwarzen Gondel
von Nina Blazon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der böse Zauber Venedigs ist erwacht!!, 16. September 2012
Erster Satz:
"Hunderte von Jahren hatte er auf dem Grund des Wassers gewartet, eingesponnen in die Strömung und die treibenden Algen."

Inhalt:
Kristina und Jan verbringen ihre Weihnachtsferien im unheimlichen Palazzo ihrer Großmutter. In Venedig ist ihnen fast alles unbekannt, selbst die Verwandtschaft. Nur ihre Tante Sara ist ihnen vertraut. Und irgendwie scheint diese verändert, seid die Drei in der Stadt der steinernen Löwen und magischen Brücken angekommen sind. Kristina meint, einen merkwürdigen Jungen gesehen zu haben, in altertümlicher Kleidung. Und tatsächlich, es ist kein Hirngespinst gewesen, sondern tatsächlich ein Kind, das nur schon vor einigen Jahrhunderten an der Pest gestorben ist. Die Geschwister müssen schon bald feststellen, dass sich dunkle Geheimnisse um ihre eigene Familie ranken und gemeinsam mit den Kindern einer verfeindeten Familie kommen sie dem magischen Rätsel um Saras Bestimmung und die verzauberte Vergangenheit auf die Spur.

Meine Meinung:
Hier haben wir endlich mal wieder ein phantastisches Abenteuer nach alter Schule: brav in der 3. Person Singular (er/sie/es) geschrieben. So wie ich es gern habe und nicht wie der neumodische Trend den ich-Erzähler vorschreibt. Mit solch einem Einstieg kann das Abenteuer beginnen, fand ich. Und so kam es dann auch gleich. Recht schnell wurde ich mit der neugierigen Kristina und dem anfangs etwas ängstlichen Jan warm und mochte mich aus deren Familie gar nicht mehr rausdenken. Es fühlte sich richtig an und ich war angekommen. Erfreulicherweise legte die Geschichte auch gleich los mit unheimlichen Vorkommnissen. Sofort kam ein hoher Spannungsbogen auf, der auch nicht mehr so schnell abbaute. Im Gegenteil. Die gesamte Geschichte hinweg gab es für Kristina und Jan immer wieder neue Rätsel zu lösen und Geheimnisse zu lüften. Ich war mit ihnen gefangen in den düsteren Gassen und den Sträßchen Venedigs.

Mit den altertümlichen Gemäuern und der Schönheit vergangener Zeiten um mich herum fand ich mich in einem malerischem Setting wieder, das vor phantastischer Anmut nur so glänzte.

Dafür dass ich noch nie in Venedig oder überhaupt in Italien gewesen bin, konnte ich mir die Umgebung fast schon erschreckend leicht bildlich vorstellen. Dank Blazons detailreichen Schilderungen aus verschiedenen Blickwinkeln kristallisierte sich alsbald ein zusammenhängendes Buch der vorherrschenden Atmosphäre heraus. Mal stierte Kristina betrübt in den Nebel hinaus, dann war sie wieder voller Tatendrang und stromerte auf den Markplätzen und offenen Straßen mit den vielen Gerüchen und Geräuschen herum. Wenn sie mitfühlend ihren kleinen Bruder beobachtete, gab auch er ein anderes Bild ab, als wenn sie ihm stolz zulächelte und sich über seinen neuen Mut wunderte. Durch diese Vielschichtigkeit fast aller Figuren wurden sie mir umso sympathischer und auch vertrauter. Ihre Gedankengänge und darauffolgenden Handlungen wirkten bedachter und ich konnte die weiteren Schritte so besser nachvollziehen. So sehr ich auch von dem Verhalten der einzelnen Charaktere überzeugt bin, so wenig kann ich diesbezüglich zu möglicherweise mehr oder weniger guten Hintergrundinformationen zur Geschichte sagen. Ich kenne mich leider nicht mit der Stadtgeschichte Venedigs aus, alsdass ich beurteilen könnte, ob Nina Blazon vernünftige Recherchen in ihr tolles Kinderbuch mit einbezogen hat. Aber als dummer Leser darf ich behaupten, dass sie ihre Beschreibungen auf jeden Fall sehr glaubwürdig rüber gebracht hat

Seite 174

>> Man sagt, früher als die Stadt noch nicht stand, gab es nur ein paar kleine Inseln in der Lagune. Zauberwesen lebten dort, schöne Frauen mit Haar aus Meerschaum und Augen so klar wie das Wasser. Eine davon verliebte sich in einen jungen Fischer. Sie sorgte dafür, dass er stets volle Netze hatte, denn alle Aquanen befehlen dem Wasser und den Lebewesen darin. Auch der Fischer verliebte sich in sie und lauschte ihrem Gesang. Er wurde reich durch die Aquana, weil seine Netze immer voll waren, und in allen Muscheln, die er herausfischte, waren kostbare Perlen. Eine Weile waren die Liebenden glücklich, aber eines Tages betrog der Fischer die Wasserfrau und sie verließt ihn. Die Aquana weinte lange, sie weinte so viel, dass die Inseln überschwemmt wurden. Und noch heute, so sagt man, weint sie von Zeit zu Zeit über ihre verlorene Liebe. An diesen Tagen überschwemmt das acqua alta - das Hochwasser - die Straßen und Plätze Venedigs. <<

Besonders betonen möchte ich, dass in dieser sehr phantasielasten Geschichte das Thema Liebe eine sehr untergeordnete Rolle spielt, und bei unseren jugendlichen oder kindlichen Figuren zur Abwechslung mal gar nicht aufgegriffen wird. Das kam bei mir persönlich sehr gut an. Ich als angehende Buchhändlerin kenne das Problem vieler Mütter und Großmütter nur zu sehr, die ihren zehnjährigen Mädchen noch keine Liebesschnulze in die Hand drücken wollen. Bei Krstina befürchtete ich immer wieder, sie würde sich schlussendlich doch noch in den Nachbarsjungen Luca verlieben, da er ihr auch bei dem großen Abenteuer zur Seite steht. Dem ist aber nicht so und ich bin sehr dankbar dafür. Nachdem die beiden Hauptfiguren ihre gesamten Winterferien in Venedig verbracht, dort ein mystisches Monster besiegt und alte verfeindete Fäden geschlichtet haben, wollen sie nun verständlicherweise nicht mehr nach Hause zurück. Auch hier spielt Luca nicht in der Rolle eines ersten Verliebtseins, sondern viel mehr in der eines gefundenen Freundes und helfenden Herzens.
Dies ist eine Freundschaftsgeschichte durch und durch. Na klar erhält das phantastische Element einen großen und auch wichtigen Anteil, dient aber letztendlich nur dem Mittel zum Zweck. Nämlich in diesem Fall um zu zeigen, wie stark eine Familie zusammen halten kann, und auch, dass auch Freunde irgendwann zur Familie dazu gehören können.

Mein Fazit:
Für mich persönlich war das Abenteuer noch nicht zu 100% perfekt, aber schon nahe dran. Daher vergebe ich dafür ~ 4 Sterne ~

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Rimbaud und die Dinge des Herzens: Roman
Rimbaud und die Dinge des Herzens: Roman
von Samuel Benchetrit
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen mit Herz und Verstand durchs Leben, 22. August 2012
Erster Satz:
Anfangs dachte ich,
Rimbaud wäre ein Wohnturm.

Inhalt:
Normalerweise begegnet Charly den Polizisten in seinem Wohnblock nur, wenn es um seinen großen Bruder Henry geht. Aber heute nehmen sie seine Mutter mit. Gerade noch beobachtet er die Gestalten aus dem Fenster, schon sind sie verschwunden. So begibt sich Charly mit klopfendem Herzen auf die Suche nach seiner Mutter. Dabei erzählt er von seinen Ängsten und Ideen, von Freundschaft und Mut, von Fragen und von den Antworten des Lebens.

Meine Meinung:
Als unscheinbares Taschenbuch kommt Charlys Geschichte daher. Er möchte uns erzählen, was so aufregendes am heutigen Morgen geschehen ist. Dabei driftet er in seine Gedankenwelt ab. Er erzählt uns von einem Mädchen, das so süß wie Marmelade ist.. von seinen Freunden, die immer zusammenhalten.. von den Nachbarn, die sich an Karneval immer als Strandgäste verkleiden.. von seiner Lehrerin, die ihm sicher kein Blumen-Buch schenkte.. und von Rimbaud, der schöne Gedichte schrieb. Sie alle haben etwas gemeinsam, und das ist Charly. Er hält die ganzen einzelnen Geschichten zusammen, vereint sie und zaubert daraus ein großes Bild, das es wert ist, betrachtet zu werden.

Seite 115

>> Es wird mucksmäuschenstill sein,
bis auf das Geräusch des Windes - der Wind ist immer der letzte Bewohner. <<

Charly ist ein toller Junge. Er heißt in Wirklichkeit Charles, ist zehn Jahre alt und hat schwarze Haut. Doch das ist alles nur nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass er den Kopf voll mit Phantasie hat. Er ist ein gewitzter und schlauer Junge, der sich ständig über alles Mögliche sowie Unmögliche Gedanken macht. Für jedes Problem gibt es eine Lösung, das hat er schon früh gelernt, man muss sie nur finden.
Aber als plötzlich seine Mutter ohne ersichtlichen Grund von der Polizei abgeführt wird, schlägt ihm das Herz bis zum Halse. Da geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu und dafür scheint es nicht die geringste Lösung zu geben. Auf der Suche nach seinem großen Bruder, der ihm eine unschöne Erklärung liefern kann, begegnet Charly einer Reihe kurioser Figuren. Jede Person, die von Benchetrit in den Hanldungsstrang mit eingeflochten wurde, ersetzt einen wichtigen Baustein im großen Gefüge der Geschichte. Der kleine, schwarze Junge kann sich anscheinend an jedes Ereignis seines kurzen Lebens erinnern. So kommt es einem vor, wenn man von den skurillen Momenten liest, die Charly bereits erlebt hat. Viele davon sind zum Schreien komisch, aber es gibt auch sinnliche und herzergreifende Szenerien, genauso wie traurige und hilflose Augenblicke. Es sind die Kleinigkeiten, die das Schöne ausmachen - und das ist auch hier der Fall. Durch die herrliche Detailverliebtheit bei den perfekt ausgearbeiteten Nebencharakteren und den prächtig anschaulichen Handlungsorten bekommt man das Gefühl, als säße man mitten drin .. mitten drin in einem der schmutzigen Viertel von Frankreich nahe von Paris. Menschen mit bunt schillernden Persönlichkeiten an Straßenecken mit witzigen Namen. Irgendwo da drin sehen wir Charly. Er kommt gut zurecht, fragt sich einfach durch die Welt. Denn Trauer macht mutig .. und Glück macht stark. Bei ihm trifft beides zu.
Hach, die Franzosen haben so eine Art zu schreiben. Leicht und unbeschwert werden die größten Schicksalsschläge zu Papier gebracht. Die Protagonisten schweben schlau und bedacht einen Meter über dem Boden und betrachten das Spektakel von weiter oben. Sie sehen alles mit Abstand, haben die nötige Distanz, um das Leben objektiv zu beurteilen. Dabei wird auch die persönliche Meinung über Gut und Böse nicht zurück gehalten. Bei den Franzosen ist einfach etwas von allem dabei.. und sie sind so unheimlich verschroben auf ihre Weise. Das alles kann man auch durch die Arbeit der Übersetzer hindurchspüren.

Mit poetischen Worten und klugen Gedanken entführt der mutige Charly uns in seine Welt.

Viele Sätze und Passagen hätte ich anstreichen können, weil sie mir so gut gefielen. Und auch weil sie mir aus der Seele sprachen. Ich fühlte mich manches Mal ertappt, bei einer der zahlreichen lakonischen Bemerkungen. Zeitgleich fühlte ich mich aber auch einfach nur verstanden. Es ging nicht nur einem Buben aus einer fiktiven Geschichte so wie mir. Sondern auch dem Autor, der seine Ideen an den kleinen Helden weitergegeben hatte. Vom Schriftsteller stammten die Einfälle, die mir den lieben Charly so sympathisch machen und somit das gesamte Buch.
Gut gefallen haben mir auch die Anspielungen auf bekannte Philosophen, Dichter und Politiker. Mag sein, dass ein zehnjähriger Junge das alles noch nicht so recht verstehen kann. Aber das Interesse darf da sein und dadurch haben wir die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen und die Lächerlichkiet, die wir Zivilisation nennen, noch einmal aus Kinderaugen zu betrachten. Mein großer Dank gilt an dieser Stelle dem Autor!

Seite 35

>> Mein späteres Leben stelle ich mir so vor ...
Es ist in eine Spritze eingeschlossen, innen drin bin ich und möchte heraus, ich klopfe gegen das Glas, ich schreie, aber niemand hört mich. Ein Mann hält die Spritze. Manchmal spritzt er ein bisschen was von mir in seine Venen, und da löse ich mich sanft auf. Im Innern der Spritze ist immer weniger Platz. und ich weiß, dass das wenige, was noch übrig ist, bald aufgebraucht sein wird ... <<

Es ist eine Geschichte über Sorgen, Scham und Unrecht, genauso über Mut, Freundschaft und Lösungen für arge Probleme.

Mein Fazit:
Ein Buch voller Wärme aus unschuldigen Kinderaugen erzählt, die schon viel mit ansehen mussten .. dafür vergebe ich herzlich gerne ~ 5 Sterne ~

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In deinen Augen: Band 3
In deinen Augen: Band 3
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefühlvoller Abschluss einer spannungsgeladenen Trilogie!, 17. August 2012
Rezension bezieht sich auf: In deinen Augen: Band 3 (Gebundene Ausgabe)
[Achtung: Spoiler!!!]

Erster Satz:

Ich kann leise sein, so leise.

Inhalt:
Wieder sind Sam und Grace getrennt voneinander. Nun wandelt Grace in den Wäldern von Mercy Falls umher, während ihr Geliebter unruhig auf sie wartet. Nach zwei langen Monaten scheint sich endlich der Frühling anzukündigen und mit der wärmeren Jahreszeit stiehlt sich auch die Sonne immer öfter ins Wolfsherz hinein. Während Cole an einem Heilungsmittel experimentiert, hat Mr. Culpeper es geschafft, die Wölfe vom Tierschutz zu befreien. Nach zwei angefallenen jungen Menschen stehen die Wölfe zum Erschießen frei ... was passiert aber dann mit Grace? Schafft sie es noch zu Sam und kann er sein Rudel retten?

Meine Meinung:
Nach langem Warten ist der heizersehnte dritte Band der Mercy-Falls-Reihe nun endlich da! Wie sehr habe ich mich auf diesen Zeitpunkt gefreut .. meine Ausdauer wurde belohnt. Allein der Anblick der kompletten Reihe in meinem Bücherregal war es wert. Ein blasses Orange im Kontrast zum hellen Blau mit dem abschließendem leichten Grün - sehr hübsch. Hinter den sehr ansehnlichen Buchdeckeln verbirgt sich eine noch viel schönere Liebesgeschichte, voller Mut, Weisheit, Freundschaft, Vertrauen und Abenteuer. So wie ich bei den ersten zwei Bänden mitgefühlt und mitgelitten habe, geriet ich auch hier in eine kribbelnde Aufregung sobald sich zwischen den Charakteren etwas anbahnte, ob nun schöne oder hässliche Gefühle. Aber am meisten ging auch mir natürlich das Herz auf, wenn Sam in seiner schlichten Sprache von seinen ebenso banalen Emotionen und Gedanken sprach. Für ihn war dies alles bedeutungslos, solange seine Angebetete nicht in seiner Nähe war. Erst in der Gegenwart von Grace erlangten seine Sätze Gewicht und wurden tatsächlich ausgesprochen.

Mit hauchzarten Worten werden die stummen Liebesbekundungen auf unsere Haut gestreichelt.

Diese Geschichte steckt voller Liebe und Herzschmerz und ist romantisch bis zum Ende. Dennoch kommt sie einem weder abgespeckt noch allzu kitschig vor. Ebenso wie die Farben auf dem Cover will hier nichts grell hervorstechen oder künstlich beleuchtet werden. Die Protagonisten sind ehrlich zu sich und zu ihrem Gegenüber; das macht diese Reise in eine andere Welt zu so etwas Besonderem. Gerade diese Aufrichtigkeit lässt das Werk in seiner Frische erblühen.
Bislang war es immer Grace, deren menschliche Gedanken wir verfolgten, während sie auf die Rückkehr ihres Wolfes in Menschengestalt wartete. Nun ist es an Sam geduldig zu sein. Doch ihm scheint das wesentlich mehr auszumachen. Es war eine tolle Idee auch den anderen Hauptprotagonisten in diese Rolle des Ausharrens zu versetzen. So hatte der Leser die seltene Möglichkeit, beide Helden unabhängig voneinander in derselben Situation zu erleben und zu beobachten. Wie die zwei unterschiedlich voneinander handeln und denken zeigt einiges über ihre Charaktere und auch, dass sich die Autorin da viele Gedanken zu gemacht hat. Denn auch wenn man als Schriftsteller ein Liebespaar erschafft, das zueinander passt und sich ähneln soll, heißt es noch lange nicht, dass sie ein und dieselbe Einstelung und Lebensphilosophie haben. Sam und Grace haben zu kuriose Hintergrundgeschichte, alsdass diese in ihre Entwicklung nicht mit eingegriffen haben könnte. Die Familien, in denen sie aufwuchsen waren verschieden, das Umfels ebenso, auch die Regeln und Gesetze, die sie umgaben. So ist es ganz natürlich, dass sie nun auch zwei eigenständige Menschen geworden sind. Sie können zwar nicht ohne einander. Dafür können sie miteinander verschiedene Dinge wollen und favorisieren. Dass solch ein Detail in den Roman mit eingebaut wurde, sprach mich an und gefiel mir sehr gut.

Seite 96

>> Plötzlich erfüllte mich dieser Zustand des Wartens mit unglaublicher Dankbarkeit. Denn egal, wie sehr er auch an mir nagte, mich zum Wachbleiben zwang, mir meine Gedanken raubte, am Ende dieser endlosen Warterei stand Grace. Worauf wartete Cole? <<

Wie wir es bereits aus den anderen beiden Bänden kennen, sind auch hier die Kapitel wieder verhätlnismäßig kurz gefasst und mit dem Namen betitelt, aus dessen Sicht die Passage geschrieben wurde. Durch diese unvergleichliche Art werden sämtliche Figuren durchläuchtet. Keiner wird als weniger bedeutend dargestellt und so gewinn auch jeder Charakter an Persönlichkeit. Man bekam die Hintergruhndgeschichten mit und so war ich gezwungen, selbst für den gemeinen Mr. Culpeper - den Wolfsjäger - Mitleid zu empfinden. Ich kam schlichtweg nicht umhin. Die größte Überraschung war, die Charakterentwicklungen mit an zu sehen. Was zum Beispiel aus einem stinkreichen und aufgeblasenen kleinen Rockstar werden kann und welches Potential so in ihm steckt ..
So bleibt auch der Spannungsbogen stets erhoben. Da häufig die Perspektiven gewechselt wird, bekommt man schnell mit, wenn irgendwo ein Problem auftaucht, während diejenigen, die helfen könnten, noch mit etwas ganz anderem beschäftigt sind. Die Zeit wird knapper. Wieder eine Szene aus den Augen der Ertrinkenen. Doch die vermeintlichen Retter machen es sich gemütlich. Die Angst steht ihnen ins Gesicht geschrieben, während das schlammige und eiskalte Wasser immer mehr an ihren Gliedern zerrt und ihren Körper lähmt... vergleicht meine künste nicht mit denen der Autorin. Dies sollte nur ein wenig Verständnnis zu meiner Aussage beitragen. Denn ich konnte das Buch nicht weglegen, solange ich nicht wusste, was mit meinen Helden passieren würde.
Nachdem die Qualität der Geschichte und meiner Meinung nach auch der Schreibe im zweiten Band etwas nachgelassen hatte, holt Maggie Stiefvater hier wieder ihr ganzes Können heraus und serviert uns ein Märchenende vom feinsten.
Im November erscheint ein neues Buch der Autorin, unabhängig von irgendeiner bisherigen Story. Wir werden gespannt sein.

Mein Fazit:
Das fulminante Ende der herzerwärmenden Liebesgeschichte zwischen zwei unstetigen Seelen, die tief miteinander verbunden sind.. mit viel Ernsthaftigkeit! Dafür gibt es begeisterte ~ 5 Sterne ~

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