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jury
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Amerikas heiliger Krieg: Was die USA mit dem »Krieg gegen den Terror« wirklich bezwecken
Amerikas heiliger Krieg: Was die USA mit dem »Krieg gegen den Terror« wirklich bezwecken
von F. William Engdahl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die schmutzigen Kriege der Faschisten, 16. Juli 2014
Inzwischen hat der 1964 geborene deutsch-amerikanische Ingenieur und Jurist, Publizist, Wirtschaftsjournalist und Dozent Frederick William Engdahl eine ganze Reihe von politischen Aufklärungsbüchern veröffentlicht. Heute lebt Engdahl in Wiesbaden.

Mit dem vorliegenden, Ende Juni 2014 veröffentlichten neuesten Buch mit dem Titel „Amerikas heiliger Krieg“ beleuchtet der Autor quasi in Ergänzung seines letzten Buchs „China in Gefahr“ (siehe meine zugehörige Rezension) weitere Aspekte der Bemühungen der angloamerikanischen Elite, den USA eine völlige Beherrschung der Welt zu erobern.

Wie der Titel schon andeutet, geben die USA vor, einen „heiligen“ Krieg zu führen. Dabei werden, vor allem seit dem inszenierten 9/11 – Attentat, islamische Länder in einer „Achse des Bösen“ verteufelt, um dort systematisch US-hörigen Systemen zur Macht zu verhelfen. Wer erinnert sich nicht an die flammende Rede des US-Präsidenten George W. Bush unmittelbar nach der Sprengung der World-Trade-Tower.

Bis dahin werden die großen Züge jedem interessierten Leser vertraut sein. Seine eigentliche Leistung, die man als wahrhaft „aufklärerisch“ bezeichnen muss, liefert Engdahl mit einem weitgehend vollständigen Überblick über die vielfältige und enge Zusammenarbeit zwischen Dschihadisten, islamischen Gotteskriegern und den USA.

Der Rezensent, als aktiver Islam-Kritiker durchaus bereits vorher an dieser unsäglich unethischen Machtpolitik interessiert und der Selbsteinschätzung nach auch recht gut informiert, muss zugeben, dass die Fülle der Belege, Details und Zusammenhänge, die in „Amerikas heiliger Krieg“ präsentiert werden, geradezu überwältigt. Da wird der weite Bogen gespannt von der Gründung der ersten islamischen, faschistischen Kampfverbände um 1920 über die intensive Zusammenarbeit der Muslimbruderschaft mit dem Nationalsozialismus, die enge Freundschaft des Mufti von Jerusalem mit Himmler, die Gründung der ersten muslimischen SS-Kampftruppe bis zur Sammlung der muslimischen Agitatoren zum Kriegsende in München – und deren Übergabe an die CIA-Organisatoren, die bereits damals über einen Einsatz der Mudschaheddin zur Destabilisierung der UDSSR nachdachten.

Dass die USA bzw. deren angebliche Nichtregierungsorganisationen später auf diesen Kontakten eine 100.000 Mann starke islamische Söldnertruppe in Pakistan aufbaute, die dann im Afghanistan-Krieg und im Tschetschenien als Falle gegen Russland agierte und aus der schließlich mit Hilfe des arabischen Edlen Bin Laden die aggressivste Terror-Organisation aller Zeiten hervorging, die in mehr als 25 Ländern der Erde Stützpunkte unterhält, dürfte schon wieder allgemeiner bekannt sein.

Dass mit Hilfe dieser Dschihadisten die USA daraufhin praktisch sämtliche Kriege in Ländern mit islamischen Bevölkerungsanteilen arrangierte, organisierte, agitierte, finanzierte und ausstattete, belegt Engdahl Land für Land, angefangen von Bosnien und dem Kosovo über die afrikanischen Staaten bis hin zum „neuesten“ Krieg in Syrien. Stets wurden relativ stabile und im Rahmen der Möglichkeiten mit multiplen, fanatischen Religionsgesellschaften friedlichen und aufgeschlossenen Staaten destabilisiert, dann sogenannte Befreiungskriege angestachelt, die aber stets unter dem Vorzeichen einer islamischen Revolution standen und in äußerst grausamen, intoleranten und oft völkervernichtenden islamischen Terrorstaaten endeten.

So ergibt sich das Bild der furchtbarsten und grausamsten Waffe aller Zeiten, des islamischen Religionskrieges, die von den USA poliert, geschärft und zynisch gegen viele Völker der Welt, insbesondere aber auch gegen Europa, rücksichtlos eingesetzt worden ist. Ungläubig steht man den von Fall zu Fall schnell wechselnden Allianzen der unterschiedlichsten Interessen gegenüber. Engdahl dokumentiert unfassbare Gräuel und ethnische Säuberungen, die dabei stattgefunden haben – auch in Europa. Heute kann man entsetzt feststellen, dass die Beherrschung dieser radikalen Kampftruppen den USA aus der Hand geglitten ist. Das Böse hat sich verselbständigt, und niemand kann sagen, ob es der westlichen Welt gelingen wird, sich von der Pest dieser Vernichtungsreligion noch einmal zu befreien.

Dies alles ist vorzüglich dokumentiert und mit interessanten Fotos ergänzt. Die „Endnoten“ mit reichlich Bezugsquellen füllen alleine 30 Seiten, ein Glossar hilft Themen-Einsteigern, die Übersicht zu behalten, ein 12-seitiger Index hilft bei eventuellen Nachbearbeitungen.

Dieses Buch, das sowohl in seiner Thematik als auch in der Qualität und Lesbarkeit der Darstellung die früheren Engdahl-Bücher noch übertrifft, sollte jeder gelesen haben, insbesondere jeder Deutsche. Aber man sollte sich, wie ich neulich einem Freund geschrieben haben, darüber im Klaren sein, dass nach einer Lektüre dieses Buches die Welt nicht mehr dieselbe ist wie zuvor.

Manchem wird das Verständnis der Vorgehensweise der USA auf ihrem Streben zur alleinigen Weltmacht auch helfen, die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um die Ukraine, die einzig dem Ziel der USA dienen, einen vernichtenden Atomkrieg zwischen Europa und Russland zu erzwingen, mit anderen Augen zu sehen und sich vielleicht einmal die Mühe zu machen, nicht nur die US-Propaganda, wie sie in unseren Medien verbreitet wird, zu sehen, sondern auch im Internet nach alternativen und originalen Quellen zu suchen.

print-jury 5* A1208 © 16.7.2014 ABR 943 Rezensionsexemplar
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2014 10:25 PM MEST


Der Tod hat viele Gerüche: Beruf: Tatortreinigerin
Der Tod hat viele Gerüche: Beruf: Tatortreinigerin
von Rosalia Zelenka
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischenreinigung der eigenen Seele, 6. Juni 2014
Rosalia Zelenka wollte in ihrer Jugend eigentlich Tänzerin werden. Nun beseitigt sie als Tatortreinigerin Spuren von Verbrechen und Selbstmorden. Wer sich mit ihrem im März 2014 erschienenen Buch "Der Tod hat viele Gerüche: Beruf: Tatortreinigerin" auseinandersetzt, stellt schnell fest: Diese Frau betreibt ihre Profession mit sachlicher Leidenschaft.

Es ist nicht leicht, ein dermaßen ungewöhnliches Buch zu beschreiben. Grob die erste Hälfte setzt sich aus Beschreibungen von Aufträgen zusammen, die eine Vorstellung davon vermitteln können, wie der Berufsalltag in dieser für die meisten Menschen schon fast unvorstellbaren Branche aussieht. In der zweiten Hälfte trägt Frau Zelenka Gedanken, Überlegungen und Empfindungen zusammen, die sie - rings um ihre Berufswelt - beschäftigen. Teils hat dies den Charakter eines Lehrbuchs für Tatortreiniger, teils geht es ins Philosophische und Meditative.

Bei manchem, was das gesagt und als richtig erkannt wird, bin ich mir nicht sicher, ob das alles so zutrifft. Da es sich aber definitiv um kein Sachbuch in diesen peripheren Fragen handelt und Frau Zelenka auch diesen Anspruch nicht erhebt, habe ich mir bis auf die folgenden Ausnahmen Recherchen erspart und empfehle möglichen Lesern einfach, die Ausführungen als Meinung anzuerkennen und dort, wo es wichtig erscheint, auch andere Quellen zu Rate zu ziehen. Das gilt insbesondere, bevor man sich medizinischen Behandlungen unterzieht.

Im Buch wird von der "Zuständigkeit von Kriseninterventionszentren und Fachärzten" gesprochen, einer konkreten Empfehlung enthält sich die vorsichtige Autorin. Ich möchte jedenfall deutlich zu Vorsicht vor diesem Handwerk und seinen Methoden raten. [1] Auf die extreme Gefährlichkeit und fast durch die Bank bezüglich der gewünschten Effekte wirkungslosen gängigen Psychopharmaka gehe ich später am Beispiel der Antidepressiva noch ein.

Wenn nach einer Kontamination die einzige Alternative darin bestünde, auf eine Wohnung oder ein Haus verzichten zu müssen, wird man womöglich allzu unkritisch die Hoffnung teilen, dass es gefahrlos wäre, Räume (wieder) zu beziehen, in welchen eine Tatortreinigung tätig geworden ist. In solchen Fällen empfiehlt sich, auf einer Liste aller angewandten Stoffe zu bestehen und sich gründlich über die Toxizität dieser Materialien zu informieren, bevor man sich ihnen aussetzt. Frau Zelenka verwendet Ozon als Insektizid, Antibiotikum und Desinfektionsmittel. Ozon ist eine aggressive Sauerstoffverbindung, die auch natürlich vorkommt.

Andere Betriebe verwenden, wie im Buch erwähnt wird, auch gängige Pestizide, die üblicherweise auf Chlor- und Fluor-Verbindungen aufbauen, was ich als gefährlicher einschätzen würde. In jedem Fall hängt die Bewohnbarkeit entscheidend davon ab, welche Gaskonzentrationen sich unter ungünstigen Bedingungen aufbauen, wenn zum Beispiel im Winter die Fenster geschlossen sind und die Räume beheizt werden. Bekannt wurden Todesfälle von Kleinkindern in Krabbelecken, die mit Wollsiegel-Teppichen ausgelegt waren. Wollsiegel-Teppiche waren mit dem Insektizid "Lindan" behandelt. Ebenso, wie solche Gase, wie im Buch geschildert, bis tief in Hölzer hinein eindringen, verflüchtigen sie sich auch erst innerhalb langer Zeiträume. Man kann die Konzentrationen von Fachbetrieben ermitteln lassen.

Davor, in Räumen mit Epoxidharzversiegelungen, wie sie im Buch angesprochen werden, zu wohnen, kann ich nur abraten. Ein Bestandteil von Epoxidharzen ist das als "Weichmacher" bekannte Bisphenol-A, welches schon in einzelnen Molekülen, egal, ob eingeatmet oder durch Hautkontakt, die bekannten Wirkungen wie Impotenz, Fettsucht, Unfruchtbarkeit und verschiedene Krebsarten, bevorzugt im Genitalbereich, verursachen kann. Die gängige Grenzwert-Methode greift bei diesen Hormonschalterstoffen nicht. Wie bei allen Schadstoffen wird man mühelos industrienahe Gutachten finden, welche die Harmlosigkeit bestätigen. Ich neige dazu, eher unabhängigen Kritikern Glauben zu schenken. [2] Wer natürlich nach dem Motto vorgeht, es würde schon nicht so schlimm sein, kann sich damit trösten, dass Epoxidharze in verschiedenden Baustoffen eingesetzt werden, z. B. in "vergüteten" Estrichen oder Fugenmitteln für Natursteine. Auch trifft die Behauptung zu, dass ein vollständig abgebundenes Epoxidharz ungefährlich sei - leider aber gibt es diesen Idealzustand in der Realität nicht.

Offensichtlich beschäftigt Frau Zelenka und ihre Mitarbeiter die Frage, wieso es gehäuft zu Selbstmorden kommt und wieso viele Selbstmörder zu Schusswaffen greifen. Ihre Vermutung, dass dabei die Vereinsamung von Menschen vor dem Hintergrund des Verlustes traditioneller Familienstrukturen eine Rolle spielt, klingt plausibel.

Man darf aber auch nicht übersehen, dass eine Vielzahl von Selbstmorden durch die Einnahme von Medikamenten begünstigt wird. "Insbesondere die häufig an Depressive verschriebenen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) stehen in der Kritik, weil sie Aggressionen schüren können - gegen andere und gegen sich selbst." [3]

Der private Besitz von Schusswaffen widerspricht den Interessen von Machthabern und Regierungen und wird daher gerne in schlechtes Licht gesetzt oder als Erklärung für negative Phänomene verwendet. Wenn man sich allerdings näher mit den verschiedenen Erscheinungen beschäftigt, stellen sich die meisten Vorwürfe als wenig überzeugend heraus. [4]

Ich würde eher vermuten, dass eine von der Autorin vermutetet neuerdings häufigere Verwendung von Schusswaffen für den Freitod einfach darauf zurückzuführen ist, dass andere, früher beliebte Methoden von der Obrigkeit systematisch blockiert werden. So werden inzwischen geeignete Medikamente vergällt und nur in zu kleinen Packungen verkauft. Auch die einst verbreiteten Methoden, sich durch Gas oder Auto-Abgase zu vergiften, sind heute nicht mehr praktikabel, da Autoabgase und Stadtgas inzwischen Übelkeit-erregende Zusätze aufweisen. Offiziell wird auf die Vermeidung versehentlicher Gas-Unfälle durch den Geruch hingewiesen, aber natürlich hätte man dafür auch weniger problematische Stoffe verwenden können. [5]

Ganz zu schweigen von einst jedermann frei zugänglichen Opiaten wie Laudanum oder später Heroin: Medikamente, die einen äußerst angenehmen Tod einleiten können, aber längst nur noch für wohlhabende Käufer mit Zugang zu Drogendealern illegal erhältlich sind. Die Dreistigkeit, mit der der Gesetzgeber in persönlichste Bereiche eingreift, kennt keine Grenzen des Anstands. Zudem trifft sie wieder mal nur die weniger Betuchten, denen es nicht möglich ist, einem Institut für Sterbehilfe 5.000,- Euro auf den Tisch zu blättern oder nach Michael-Jackson-Manier Ärzte zur Verabreichung von Narkotika wie Propofol zu "motivieren".

Ein einfacher, humaner und kostengünstiger Freitod wäre also ohne weiteres gestaltbar, aber natürlich ist die einflussreiche Medizin-Lobby eher davon angetan, wenn Menschen jahrelang in Intensivstationen leiden und satte Umsätze generieren. Folglich darf man sich auch nicht wundern, wenn Menschen, die sterben möchten, auf martialischere Methoden wie Schusswaffen oder den Sprung von Gebäuden zurückgreifen müssen.

Zum Arbeitsanfall von Tatortreinigern trägt sicher auch die Tatsache bei, dass man sich heute strafbar machen kann, wenn man dem Freitod eines Angehörigen beiwohnt - so muss sich ein Selbstmörder zum Schutz seiner Freunde und Angehörigen einsam und heimlich umbringen und wird u.U. erst nach Tagen gefunden.

Nach diesen Anmerkungen zur Problematik der politischen Maßnahmen gegen den Freitod zurück zum Buch von Rosalia Zelenka. Ich bin mir sicher, dass nicht nur bei mir und meiner Umgebung die Leküre dieses ungewöhnlichen Buchs umfangreiche Diskussionen über Ursachen, Umstände und Folgen des Freitods angestoßen hat. Es ist üblich geworden, unangenehme Themen wie dieses zu verdrängen, zu vertuschen und zu verschweigen - aber die von der Autorin vertretene Tatsache, dass mehr Menschen denn je diesen Weg wählen, kann man nun mal nicht vom Tisch wischen.

Deswegen finde ich das Buch von Rosalia Zelenka wichtig - und zudem durch die zurückhaltend-nachdenkliche Betrachtung bewegend und hilfreich.

print-jury 4* A1207 © 5.6.2014 ABR 40.663 Rezensionsexemplar

[1] facebook.com/notes/medi-jury/-geisteskrank-ist-einzig-das-pharma-marketing/280649508754348

[2] Marie-Monique Robin, "Unser täglich Gift", youtu.be/rz3BMJXlTig

[3] swr.de/odysso/psychopillen-aggressiv-durch-antidepressiva/-/id=1046894/did=10912484/nid=1046894/1j3e4xu/index.html

[4] legalwaffenbesitzer.wordpress.com/opferschutz/[3] [...]

[5] de.wikipedia.org/wiki/Verg%C3%A4llung


Der Crash ist die Lösung: Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten
Der Crash ist die Lösung: Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten
von Matthias Weik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

51 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffen wir mal, dass es "nur" eine Währungsreform wird!, 13. Mai 2014
Nach ihrem Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte“ lieferten die Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich im April 2014 ein weiteres Buch zum "finalen Kollaps" ab: "Der Crash ist die Lösung". [1] Vorab eine Bemerkung zu den Verlagsleistungen: Gegenüber dem Vorgänger hat sich hier einiges getan - Satz, Layout und vor allem auch die Sprache geben keinen Anlass zu Beanstandungen.

Im ersten Teil des Buches werden – anschließend an den „Raubzug“ – neuerliche Verfehlungen des weltweiten Finanzsystems skizziert. Aber auch die verschiedenen Politik-Löcher, durch welche Milliarden von noch nicht realisierten Steuergeldern bereits verschwunden sind, werden akribisch aufgezählt. Man muss – wieder einmal – starke Nerven haben, um den unfassbaren Strom von Betrügereien unserer Institutionen und Regierungen ertragen zu können.

Wieder einmal wird gezeigt, dass unser Geld im Wesentlichen in den Taschen krimineller Bänker versickert. Für viele Wahlwerbungs-Gläubige könnte aber auch der Hinweis nützlich sein, dass "Exportweltmeister" ein zweifelhafter Titel ist, wenn man befürchten muss, dass ein großer Teil unserer Forderungen niemals gezahlt werden dürfte.

Was für mich neu war, ist der umfassende Nachweis, dass unsere Nachbarländer - soweit das überhaupt möglich ist - noch "kränker" sind als wir.

Einen merkwürdigen Bogen schlagen die Autoren um das Problemfeld der Islamisierung. Diese enorm dramatische Entwicklung betrifft ja keineswegs nur die Frage, ob Deutschland in wenigen Jahren eine Provinz der Türkei bilden wird – es geht auch ganz konkret um gewaltige Summen von Geld, das wir für diesen zweifelhaften Zweck aufwenden. So errechnen sich bereits für 2007 jährliche Kosten der islamischen Migration alleine über die Sozialtransfers in Höhe von knapp 80 Milliarden Euro jährlich! [2] Fachleute gehen davon aus, dass im Umfeld der Migration, angefangen von entsprechenden Instituten über die Kosten der Betreuung bis zu Verwaltungskosten, Polizei, Rechtsverfolgung und Strafvollzug mindestens nochmal der gleiche Betrag anfällt.

Seit 2007 dürften sich diese Kosten mehr als verdoppelt haben. Wenn man sich also mit Geldverschwendung von Regierungen in Europa befasst, steht die Islamisierung mit Sicherheit mit jährlichen Kosten, die heute eher bei 250-300 Milliarden Euro im Jahr liegen dürften, ganz oben auf der Ursachenliste; insbesondere, da unsere europäischen Nachbarn von diesem hausgemachten [3] Problem mit leichten Abweichungen ebenso betroffen sind wie wir.

Weik und Friedrich zählen sicher nicht zu den Unaufgeklärten und Naiven, denen solche Vorgänge nicht bewusst sind – entsprechend fragt man sich, welche Motive hinter dem Verschweigen dieser Zusammenhänge liegen.

Der zweite Teil befasst sich mit einer Analyse der Möglichkeiten, die der betroffene Bürger hat, wenigstens einen Teil seines Vermögens über einen Crash hinüber zu retten.

Man muss den Autoren zugestehen, dass sie hier nicht leichtfertig Hoffnung verbreiten, sondern relativ nüchtern und ehrlich die Probleme aufzählen, die mit einzelnen, hier und da genannten Vorkehrungen verbunden sind. Insbesondere wird durchgängig davor gewarnt, sich auf Abenteuer zu stürzen, von denen man wenig oder keine Ahnung hat.

So mag es für einen Experten durchaus sinnvoll sein, sein Haus auf regenerative Energiegewinnung aufzurüsten; insbesondere, wenn es gelingt, die Investition mit einer Autarkie für den Krisenfall zu kombinieren, kann man auf diesem Weg einen Mehrfachnutzen erreichen – aber eben nur, wenn man genug davon versteht, sich nicht auf ineffiziente Technologien einzulassen. Technischer Durchblick ist da ebenso gefragt wie nüchternes kaufmännisches Kalkulieren. Dieses Beispiel zeigt, dass den Autoren durchaus Vorsorgemöglichkeiten eingefallen sind, von denen man nicht überall schon gelesene hat.

Ganz besonders wichtig finde ich die ernüchternde Aufklärung zu Immobilien – das ist schließlich die meistverbreitete Hoffnung von Krisen-Taktikern. Jeder, der gelegentlich Gespräche über das Thema führt, erlebt, wie naiv viele Menschen hinsichtlich des Einfallsreichtums und der Skrupellosigkeit von Regierungen agieren.

Dennoch muss man sich im Klaren darüber sein, dass alleine schon durch die Begrenztheit des zur Verfügung stehenden Raumes der Ratgeberteil, der sich mit Vorsorge beschäftigt, weder in Breite noch in der Tiefe mit spezialisierten Büchern messen kann. Er sollte aber durchaus einen ersten Überblick bieten und - wenn man seine persönlichen Optionen überprüft hat - zum Kauf weiterführender Literatur Hilfestellung bieten. 38(!) Seiten Anmerkungen mit unzähligen Referenzen und Links bieten da reichlich Anregungen.Im letzten Kapitel gehen die Autoren dann auf mögliche Lösungswege ein - die, um nicht missverstanden zu werden, natürlich nur nach einem Crash begangen werden könnten. Sie hoffen dabei im Wesentlichen auf eine Rückbesinnung auf menschliche Werte.

Auch wenn im oben ausführlich dargestellten Problemfeld der Islamisierung beim Rezensenten etwas Unverständnis zur Abstinenz der Autoren besteht, kann man das Buch eindeutig zur Lektüre empfehlen. Es birgt sicher nicht die Brisanz und auch nicht die Bedeutung eines "Deutschland schafft sich ab", sollte jedoch auch hartnäckige Optimisten davon überzeugen können, dass es Zeit wird, seine Finanzen zur Abwehr des unvermeidlichen Jahrhundertsturms so gut es noch geht festzuzurren.

Ob die Auflösung des größten Schuldenbergs der Geschichte tatsächlich über eine Währungsreform erfolgt - andere Autoren wie Janne Jörg Kipp fabulieren ja sogar von der möglichen Einführung einer Weltwährung -, wird viel davon abhängen, ob es zum von den USA betriebenen dritten Europakrieg kommen wird oder nicht. [4] Die wenigsten von uns werden sich in einem solchen Fall noch Sorgen um ihre Ersparnisse machen dürfen.

Was man jedenfalls aus dem Buch lernen kann - und das ist für mich die wesentliche Erkenntnis, die "Der Crash ist die Lösung" präsentiert: Die Dinge liegen, insbesondere auch bei unseren Nachbarn, noch viel schlimmer, als man so schon befürchtet hat. Wer noch etwas unternehmen will, sollte sich sputen.

Meine ganz persönliche Hoffnung liegt darin, dass wenigstens ein paar von uns Hunden endlich mal die Hand beißen, die sie ertränkt.

print-jury 5* A1206 © 11.5.2014 ABR Rezensionsexemplar

[1] [...]

[2] Ermittlung der Sozialkosten deutscher Migranten (nach Mannheimer):

Sozialleistungen 2007 insgesamt: 707 Milliarden Euro
Pro Kopf: 8.593 Euro
Anzahl der Migranten und Personen mit Migrationshintergrund: 15,2 Millionen
Einkünfte ohne Sozialleistungen von Migranten: 53 Milliarden Euro
Pro Kopf: 3.486,21 Euro
Unterdeckung im Sozialsystem pro Kopf: 5.106,79
Wahre Kosten der Migration, auf den Durchschnitt bezogen, somit: 77,62 Milliarden Euro.

[3] Kein Staat der Welt ist verpflichtet, Armuts-Einwanderung zuzulassen oder gar mit der Sozial-Gießkanne massiv zu fördern. In traditionellen Einwanderungsländern wie den USA zum Beispiel erhalten Einwanderer 5 Jahre lang überhaupt keine Sozialunterstützung.

[4] Solange keine Bomben auf die USA fallen, beinhaltet das Wort "Weltkrieg" eine Falschfärbung der Geschehnisse, die man nicht mittragen sollte.


So verlieben Sie sich richtig
So verlieben Sie sich richtig
von Nina Deissler
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn nicht so, wie dann?, 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: So verlieben Sie sich richtig (Broschiert)
"Flirt-Beraterin" Nina Deißler hat sich als "Flirt-Autorin" mit mehreren Titeln etabliert. In ihrem neuen Buch (2013) "So verlieben Sie sich richtig" behandelt sie deutlich verbindlicher das breitere Thema, "wie man seinen Traumpartner sucht und findet".

Die beiden ersten, großen Kapitel klären zunächst einmal die naheliegenden Fragen, was man sich eigentlich von seinem Partner erhofft und was man dafür zu bieten hat. Danach geht es zur Sache: Wo und wie findet man seinen "Traumpartner"? Im letzten Hauptteil schließlich erfahren die Leser und Leserinnen, was man bei den ersten Verabredungen richtig und falsch machen kann. Ein umfangreiches, 4-seitiges Literaturverzeichnis macht Appetit auf vertiefende Lektüre.

Wie Nina Deißler bereits in der Einführung verspricht, ist das Büchlein auf der Höhe der Zeit. Alles wirkt modern und unverstaubt, die behandelten Szenerien beinhalten beispielsweise auch Fragen, die beim Online- und Speeddating aufkommen könnten. Ebenso frisch erscheint das Layout des Büchleins, lediglich die rein dekorativen Fotos wirken etwas angestrengt. Speziell bei Kunstlicht sind die auf ein farbiges Feld gedruckten Tabellen schlecht lesbar. Hier sollte man den Kontrast erhöhen, und vielleicht finden sich ja für die nächste Auflage ein paar "anmachendere" Fotos.

Das 173 Seiten starke Büchlein bleibt keineswegs bei Tipps und Umgangsformen stehen: Schließlich entscheidet sich schon bei der Einstellung zum künftigen Partner und bei der Selbsteinschätzung, wie gut die Chancen stehen. Weil das eben so wichtig ist, geht die Autorin in diesen Punkten auch zur Sache: Im Stil eines Persönlichkeits-Trainings werden die künftigen Ex-Singles für die Erfordernisse des Lebens zu zweit fitgemacht. Zahlreiche Fragebögen und Übungen führen durch einen sehr konkreten Kurs, bei dessen erfolgreichem Abschluss tatsächlich wesentlich günstigere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnersuche geschaffen sein sollten.

Wer häufiger Beraterbücher liest, weiß, wie langweilig das werden kann; im vorliegenden Fall allerdings hat man mal eine der erfreulichen Ausnahmen vor sich: einmal ist das Thema natürlich spannend, dann aber findet die Autorin auch den richtigen Mittelweg zwischen einer nüchternen Sprache und einer lockeren Darstellung.

Egal, ob Dating-Profi oder zaghafter Anfänger: Nina Deißler kann nach ehrlicher Überzeugung des Rezensenten mit diesem Buch die Chancen, das "Glück fürs Leben" - oder zumindest für einen erfreulichen Teil des Lebens - zu finden, deutlich verbessern. Nun liegt es an Ihnen, was Sie daraus machen!

print-jury 5* A1205 © 1.4.2014 ABR 51.332 Rezensionsexemplar


Körpersprache einfach nutzen: Eine Schauspielerin verrät die besten Tricks für Alltag, Flirt und Job
Körpersprache einfach nutzen: Eine Schauspielerin verrät die besten Tricks für Alltag, Flirt und Job
von Yvonne de Bark
  Broschiert
Preis: EUR 29,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sensibilisieren: Ja! - Manipulieren: Nein!, 18. März 2014
Körpersprache, also die Verständigung über Mimik und Gestik, bestimmt die Kommunikation zwischen Menschen in oft unterschätztem Umfang. Die Bedeutung der non-verbalen Kommunikation wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die meisten Fluglinien ihren Business-Kunden die Existenz verdanken. Kunden, die Zeit und Aufwand ihrer Geschäftsreisen aus einem einzigen Grund investieren: sie möchten ihrem Verhandlungspartner gegenübersitzen. Das Gespräch alleine könnte man auch per Telefon schnell und günstig führen - aber ein "Gefühl" für den Anderen kann man eben nur erhalten, wenn man ihn hört und vor allem sieht.

So wundert es nicht: 569 Titel findet Amazon, wenn man den Begriff "Körpersprache" eingibt. Ein Mangel an entsprechenden Ratgebern ist also nicht zu erkennen. Dennoch finde ich das vorliegende Buch "Körpersprache einfach nutzen" bemerkenswert, weil es aus der Masse durch eine Besonderheit herausragt: es stammt nämlich von der "gelernten" Schauspielerin Yvonne de Bark (42).

Diese besonderen Fertigkeiten nutzt die Autorin im Sinne der Sache: Auf der beiliegenden DVD findet man ein Video, in welchem Yvonne de Bark die wichtigsten 15 ihrer Körpersprache-Themen, unterteilt nach "Deutung" und "Einsatz", bespricht und vor allem demonstriert. Wenn man davon absieht, dass eine kleine Pause zwischen den Themen dem Zuschauer die Abgrenzung erleichtern würde - eine oder zwei Sekunden wären da vermutlich ausreichend -, sind diese Videos vorzüglich gelungen. Man würde sich wünschen, dass dieser Teil noch etwas erweitert würde. Wer sich zunächst einmal ein- oder mehrmals das Video anschaut, wird sehr viel aufgeschlossener an die Lektüre des Buchs gehen.

Im Buch selbst spiegelt sich die Aufteilung der CD, lediglich eine zusätzliche, allgemeine Einführung leitet den Leser zum Thema. Das Buch führt natürlich in Breite und Tiefe weiter als die DVD, auch angrenzende Bereiche wie Rhetorik, (nicht nur) mentale Vorbereitung und Outfit werden berührt. Auch hier kann die Autorin, die ja bestens mit dem berühmten Lampenfieber und Castings vertraut ist, gerade für Vorhaben wie Bewerbungen oder Referate etwas mehr beitragen als nur die Erfahrungen einer Seminarleiterin. Am Ende findet man Referenzen zu weiterführenden Videos und Büchern, eine Tracklist der DVD und ein knappes Register.

Yvonne de Bark bemüht sich um einen lockeren Schreibstil in der für Frauen typischen Art mit Späßchen nicht nur aus dem Business-Bereich, sondern auch zu Partner- und Kinderthemen. Auch wenn man das vielleicht ebenso wie der Rezensent nicht so überzeugend finden mag, gestaltet sich die doch recht umfangreiche Lektüre dadurch sicher unterhaltsamer als eine bierernste Fachsprache das erlauben würde.

Inhaltlich fand ich das Meiste überzeugend. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass man als weder ganz junger noch sehr schlanker Mann einfach deswegen häufig mit gespreizten Beinen dasitzt, weil das Zusammenführen der Schenkel einigen Kraftaufwand erfordert und nach kurzer Zeit ziemlich anstrengt; da entlockt die wohlfeile und pauschale Erklärung, man wolle seine Geschlechtsteile präsentieren, zu einem schon etwas genervten Stöhnen. Wer - ob Mann oder Frau - bei anderen ständig nur auf der Suche nach Geschlechtsteilen ist, wird im Übrigen auch von den engen Jeans-Leggins der Autorin nicht übermäßig daran gehindert.

Auch sollte man noch mehr und noch deutlicher, als es Yvonne de Bark schon tut, auf die Gefahren und die Unanständigkeit eines bewusst manipulativen Einsatzes von Körpersprache hinweisen: Man verspielt unter Umständen die Chance, in einer klaren, unmissverständlichen und glaubhaften Identität aufzutreten. Mir wäre zum Beispiel Frau de Bark eher unsympathisch, weil sie irgendwie nicht stimmig "rüberkommt" - das dürfte auch nicht zuletzt ihrem bemerkenswert sorglosen Umgang mit Manipulation und Lüge zu verdanken sein. Die mit Stolz erwähnten Spielchen mit anderen Menschen, sei es nun mit dem Salzstreuer, beim Flirt oder im Fahrstuhl, zeigen auch, dass man gerade bei psychologischen Beratern manchmal mit reiferen Autoren besser bedient ist.

Insgesamt ist eine solche Kombination aus Buch und DVD aber durchaus zu empfehlen - insbesondere solchen Interessenten, die sich erstmals mit Körpersprache näher befassen wollen. Das solide Taschenbuch vom Humboldt-Verlag ist nicht ganz billig - man darf bei der Preisbeurteilung aber nicht die Produktionskosten eines DVD-Films übersehen, der in diesem besonderen Fall - anders als häufig! - durchaus sinnvoll, bereichernd und somit werterhöhend zu beurteilen ist.

print-jury 4* A1204 © 18.3.2014 ABR 96.001 Rezensionsexemplar


Tal des Raben
Tal des Raben
von Claudia Schwarz
  Broschiert
Preis: EUR 13,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Raben Schwarz, 15. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Tal des Raben (Broschiert)
Ende 2013 erschien mit „Tal des Raben“ der zweite Band des historischen Romans um Sionnach und Raven von der Nordhorner Autorin Claudia Schwarz. Die Geschichte spielt in den schottischen Highlands des späten 17. Jahrhunderts vor dem Hintergrund einer historisch belegten Auseinandersetzung zweier Clans, die mit der militärischen Ausmerzung eines Clans endet.

Bei Romanen vor historischem Hintergrund mangelt es nicht an berühmten Beispielen. Das - nicht zuletzt durch die Verfilmung - bekannteste Werk dieses Genres dürfte wohl Umberto Ecos "Der Name der Rose" darstellen. Hervorheben möchte ich die in jeder Sicht gelungenen Indianer-Bücher der Thüringer Autorin Antje Babendererde, die natürlich in einer neueren Zeit spielen. Man könnte noch viele nennen, nicht verschweigen möchte ich – auch als Lesetipp - Frank Schätzings „Tod und Teufel“.

Die Handlung von „Tal des Raben“ ist rasch skizziert: Das junge Paar wird nach einer viel zu kurzen, friedlichen, gemeinsamen Zeit in den Strudel der Ereignisse gerissen und getrennt. Sionnach kommt ausgerechnet bei einem Edlen des feindlichen Clans unter. Dort gebiert sie auch Ravens Tochter Edana. Aber nach der glücklichen Wiedervereinigung mit Raven steht das Misstrauen über die Vaterschaftsfrage zwischen den Eheleuten. Außerdem spitzt sich der Konflikt der Clans zu…

Durch viele Details aus dem täglichen Leben der Hochlandbewohner dieser Zeit versucht Claudia Schwarz, der Erzählung eine gewisse Authentizität zu verleihen. Ein paar eingestreute gälische Begriffe verstärken diesen Eindruck. Dass eine Mutter von drei Kindern eine realistische Schilderung einer Geburt vornimmt, soll nicht in Frage gestellt werden.

Vielleicht auch, weil ich den ersten Band nicht kannte, wirkt die Vielzahl der umfangreichen und komplexen Namen der Clan-Mitglieder zunächst einmal verwirrend. Das verlangt vom Leser eine ähnliche Konzentration wie bei dem in dieser Kategorie unschlagbaren Boris Pasternak. Vielleicht, weil die Ausrichtung der Erzählung wohl mehr auf junge Frauen zielt, hat mich, einen vielbelesenen Senior, das Buch aber auch von den Abläufen her leider nicht erreichen können.

Eine Ursache mag in der etwas holprigen, wenig geschmeidigen und gelegentlich angestrengt wirkenden Erzählweise liegen, bei der man manchmal fast die charakteristisch karge, norddeutsche Diktion zu „hören“ glaubt. Die geschichtlichen Betrachtungen bleiben für meinen Geschmack gemessen an dem Anspruch „historischer Roman“ zu sehr im Oberflächlichen, die Figuren bescheiden sich mit schlichtem Denken und recht platten Weltmodellen.

Zwischen den eingangs erwähnten Titeln und dem „Tal des Raben“ liegen – leider nicht nur geographisch und zeitlich – Welten. Dennoch kann man sich einen bestimmten Typ junger Leserinnen vorstellen, der an Bücher dieser Art aufgeschlossener als der Rezensent herangeht und Freude an der Lektüre findet.

print-jury 3* A1203 © 15.3.2014 ABR 969.273 Rezensionsexemplar

Anmerkung: So viele Rechtschreibefehler, wie die Autorin offensichtlich befürchtet, habe ich nun auch wieder nicht gefunden. Den doppelten Satz am Ende der Seite 399 könnte der Verlag bei künftigen Auflagen vielleicht dennoch entfernen – die nörgelnden Lesern spöttisch versprochene Zusendung eines signierten Exemplars kann in meinem Fall gerne unterbleiben.


Raukland Trilogie Band 2 - Rauklands Blut
Raukland Trilogie Band 2 - Rauklands Blut
von Jordis Lank
  Broschiert
Preis: EUR 13,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitten drin, 6. März 2014
Ronan kehrt im Besitz der Insel Lannoch nach Raukland zurück. Doch seine Erwartung, dass Azel von Raukland Ronans älteren Bruder Broghan bestraft, erfüllt sich nicht. Im Gegenteil: Der König stellt sich völlig offen in der Frage, wem von den Beiden er einst Raukland übergeben würde.

So dramatisch gestaltet sich bereits der Beginn von „Rauklands Blut“, des zweiten Bandes der Raukland-Trilogie von Jordis Lank.

Aber wie es sich für einen spannenden Roman um Liebe und Ehre gehört, stehen die wirklich schweren Prüfungen dem noch etwas hitzigen Thronfolger Rauklands noch bevor. Wie es scheint, wird er sich zwischen einer Frieden-stiftenden Vermählung mit der Tochter von Bellinor, dem Regenten von Angent, und seiner großen Liebe Eila, die ihm von Lannoch gefolgt war, entscheiden müssen: Wird er seinem Herzen folgen oder seine Pflicht gegenüber Raukland erfüllen?

Mehr wird hier selbstredend nicht verraten – nur so viel: Wenig kommt so, wie es scheint. Die begabte Erzählerin Jordis Lank versteht es großartig, die Wirren des Schicksals, die das Leben gerade bedeutenden Menschen wie ihrem Helden Ronan nicht erspart, in spannende Entwicklungslinien zu fassen, die sich immer wieder neu sortieren und den Leser in ihrem Bann halten.

Dabei fügen sich auch komplexe Entwicklungen logisch sauber ineinander. Lediglich bei den Motivationen des feindlichen Ritters Rauk hakt es ein klein wenig – aber das fällt eigentlich kaum störend auf. Für findige Leser, die gerne mitdenken und vielleicht auch schon ein wenig "vorausahnen" möchten, hält die Erzählerin kleine Hinweise bereit.

Dabei liest sich das alles durchaus unterhaltsamer als die Heldensagen der Jugend. Die bildhafte, oft ausgesprochen schöne Sprache der Autorin zaubert lebendige Szenerien vor dem inneren Auge des Lesers. Dabei reduziert sie sich keineswegs nach journalistischer Lehre auf knappste Sätze. Dennoch entwickeln ihre Texte Rhythmus und Stimmigkeit, sind bis ins Detail sorgfältig ausgearbeitet. So gerät die Lektüre zum reinen Vergnügen.

Gefühle und Konflikte der Akteure werden verständlich. Dramatische Momente großer Spannung wechseln sich ab mit fein gezeichneten inneren Konflikten. Hierin liegt große Kunstfertigkeit - allzu leicht versanden „Action“-Erzählungen in beliebigem Herunterbeten der Geschehnisse. Hier hingegen spürt man, dass es der jungen Schriftstellerin daran lag, und dass es ihr gelungen ist, ihre Personen leben zu lassen und sie lieben zu können.

Ganz zart, eher bereichernd als aufdringlich, spürt man im Hintergrund auch den moralischen Bogen, der in einer guten Erzählung ebenso wenig fehlen darf wie dramatische und gefühlvolle Elemente. Man lernt die Macht des Verstandes über die unbeherrschte Gewalt kennen. Die Kraft der Aufrichtigkeit über die Intrige. Die Überlegenheit selbstloser Liebe über die Berechnung. So bildet die Raukland-Geschichte auch eine Lektüre, die ich Heranwachsenden gerne in die Hand geben würde, zumal die Umsetzung von Erotik feinfühlig, von Gewalt zurückhaltend erfolgt.

Dennoch bleibt dem Leser am Ende eine große Enttäuschung nicht erspart: wie so oft im wahren Leben geht gerade, wenn es schön wird, das Licht aus. Aber dem Ende von Band 2 folgt bekanntlich der Beginn des dritten und letzten Bandes…

print-jury 5* A1202 © 6.3.2014 ABR 127.591 Rezensionsexemplar


Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges
Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges
von Bruno Bandulet
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Alternative zur Sieger-Propaganda, 3. März 2014
Zwei Weltkriege haben die politische und wirtschaftliche Landschaft geradezu umgewälzt. So ist vielen Menschen heute nur noch schwer vorstellbar, vielleicht nicht einmal bewusst, dass Deutschland vor den Kriegen zu den führenden Mächten der Welt zählte, ja, sich sogar durch überlegene Wirtschaftskraft dazu anschickte, England abzulösen und die Hegemonialmacht in Europa zu werden. Die USA konnten zu dieser Zeit mit den starken europäischen Nationen, zu denen England, Frankreich, Deutschland und Russland zählten, noch nicht konkurrieren.

Allerdings kann man ein Jahrhundert nach Kriegsbeginn feststellen, dass in strategischer Perfidie und perfekt durchgeführter Propaganda die USA schon damals ihren europäischen Vorfahren weit entwachsen waren. Erst in der Neuzeit wird ja einem nennenswerten Teil der Welt bewusst, dass es den USA in ihren endlosen Kriegsserien in Wirklichkeit natürlich nicht darum geht, irgendjemanden zu befreien oder Demokratie zu verbreiten, sondern darum, die ganze Welt zu beherrschen.

Mit dieser Konstellation befasst sich Bruno Bandulet in seinem 2014 erschienenen Buch „Als Deutschland noch Großmacht war“ und dokumentiert minutiös die heute bekannten Fakten, Entwicklungen, Diplomatie und Verträge, mit denen – im Gegensatz zur weit verbreiteten „Sieger-Geschichte“ - die späteren Alliierten Deutschland in den ersten Weltkrieg lavierten, um seine Vormachtstellung zu brechen.

Brisant und maßgeblich scheint dabei die Rolle der USA, die erst durch Geheimverträge, Kredite und Waffenlieferungen England überhaupt erst in den Stand setzte, sich in dieses Abenteuer zu stürzen, um dann zu einem Zeitpunkt, in dem alle Kriegsparteien nach endlosen Stellungskriegen kraftlos am Boden lagen, selbst einzugreifen. Ein Vorwand – die berühmte Lusitania – war schnell arrangiert, der Zeitpunkt aus Sicht der USA genial: Mit vergleichsweise lächerlichem Aufwand konnten sie ganz Europa einnehmen, damit in einem Handstreich fünf bis dahin mächtigere Nationen überholen und sich faktisch eine weltweite Vorrangstellung sichern.

Die übliche Strategie der USA sieht bekanntlich so aus, dass man störende Mächte durch Anfachung von "Befreiungsbewegungen" zu destabilisieren versucht, bevor man selbst in einen Krieg eintritt oder - noch besser - Verbündete dazu drängt. Wir erleben das ja gerade wieder aktuell in der Ukraine. Heute leisten häufig Al Qaida - Einheiten oder andere von der CIA lancierte Geheimverbände diese Drecksarbeit, vor dem zweiten Weltkrieg waren auch US-Unternehmen die treibenden Kräfte, um die Nazis von einer unbedeutenden Schlägertruppe zu einer Siegerpartei aufzupäppeln. So fragt man sich natürlich analog, welche Rolle die USA möglicherweise bei den Provokationen der Serben, die letztlich später den Krieg motiviert haben, gespielt haben mögen. Leider konnte oder wollte Bruno Brandulet zu dieser Fragestellung noch nichts beitragen.

Mit dem „Diktat von Versailles“, mit dem die Alliierten die Basis für den zweiten Weltkrieg schufen, endet das Buch.

Dr. Bandulet kann auf eine bemerkenswerte Karriere als Politiker, dann vor allem aber als Journalist, Herausgeber und Autor, zurückblicken. Mit dem vorliegenden Buch ist ihm nicht weniger als ein Meisterwerk gelungen. Natürlich kann man als Nicht-Historiker kein abschließendes Urteil über die zugrunde liegenden historischen Forschungen fällen, aber die Klarheit und logische Kraft der Darlegungen überzeugen absolut.

Der angenehm unauffällige, sehr gut lesbare Schreibstil des Autors gestaltet die Lektüre zu einem Vergnügen. Selbst komplexe Zusammenhänge werden gut strukturiert und bestens nachvollziehbar dargelegt. Man hat fast das Gefühl, einen Roman zu lesen.

Mit Chronik, Endnoten, Literaturverzeichnis und Personenregister stehen am Ende des Buches ausführliche Verzeichnisse zur Referenzierung und als Wegweiser zu weiterführenden Studien zur Verfügung.

Ich persönlich wünschte, unseren Pädagogen wäre es zu meiner Schulzeit gelungen, Geschichte ähnlich lebendig, glaubwürdig und spannend darzulegen.

print-jury 5* A1201 © 3.3.2014 ABR 1.029 Rezensionsexemplar
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Live at Rome Olympic Stadium
Live at Rome Olympic Stadium
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geht es überhaupt noch besser?, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at Rome Olympic Stadium (Audio CD)
Meine 1.200ste Rezension sollte schon einem besonderen Produkt gewidmet sein.

"Muse Live at Rome Olympic Stadium" erfüllt diesen Anspruch in besonderem Maße. In plastikfreier Verpackung erhält man zum einen den Konzert-Zusammenschnitt auf Blu-ray, zum anderen die 13 wichtigsten Songs daraus auf CD. Die ist bei uns gleich mal ins Auto gewandert, seitdem kommt wieder echte "Freude am Fahren" auf.

Muse hat den Konzertfilm in 4K produziert, der gerade in den Abspielgeräten anlaufenden Super-Auflösung. Das war, wie es sich bei Muse gehört, die erste Konzert-Produktion der Geschichte in der neuen Technik. Passend dazu wurde der Film Ende 2013 in den wenigen Kinos, die bereits über digitale 4K-Technik verfügen, gezeigt.

Das mit fast 70.000 Menschen prall gefüllte Olympiastadium feiert eine Party ohnegleichen. Ich habe noch nie eine solche Stimmung erlebt. Nicht nur in Bühnennähe, sondern bis auf die letzten Plätze wurde mitgesungen, mitgetanzt und mitgejubelt.

Dieser gut gelaunte Hexenkessel hat ohne Zweifel dazu beigetragen, dass die drei Ausnahme-Musiker zu einer grandiosen Höchstleistung aufgelaufen sind.

Bild und Ton des Films setzen Maßstäbe. Das konnte man bei dem betriebenen Extrem-Aufwand auch erhoffen: In diesem Fall wurden die Hoffnungen sicher erfüllt.

Außer dem Konzert selbst enthält die Blu-ray als "Extras" noch weitere Konzert-Ausschnitte sowie einen Kurzfilm über den Bühnenaufbau. Ansonsten findet man ein kleines Heft mit Konzert-Fotos. Die Song-Texte muss man sich leider aus dem Internet zusammensuchen. Ausführliche Angaben zum Produktions-Team gibt es im Abspann des Films.

Mein Vorschlag an alle Anhänger guter Rockmusik: Geht in Eure Stadt und holt Euch dieses Album in Eurem Lieblings-Shop. "Muse Live at Rome" reiht sich nahtlos in die ganz großen Produktionen der Musikgeschichte ein, greift sie auf, sammelt sie und: toppt sie in jeder denkbaren Beziehung! - jedenfalls meiner bescheidenen Ansicht nach.

film-jury 5* F1200 © 26.2.2014


Himmelsstürmerinnen: 10 inspirierende Frauen in den Medien
Himmelsstürmerinnen: 10 inspirierende Frauen in den Medien
von Anne Siegel
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bitte den Himmel etwas höher hängen!, 24. Februar 2014
"Himmelsstürmerinnen" wurde geschrieben, "um Frauen zu inspirieren" - auch, wie die Verlegerin betont, um neue Wege heraus aus der anachronistischen Fixierung auf Neid und Wettbewerb zu zeigen. Im vorliegenden Band geht es um Medien-Frauen, geplant sind weitere Bücher über Frauen in Justiz und Medizin.

Die Journalistin Anne Siegel portraitiert zu diesem Zweck 10 Frauen:

- die Stuntfrau und Schauspielerin Tanja de Wendt
- die Gynäkologin Monika Hauser, die ein Hilfwerk für vergewaltigte Frauen errichtet hat
- die Zeitschriften-Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf
- Meike Winnemuth, Journalistin, die eine halbe Million gewann und die Welt bereiste
- die Regisseurin Désirée von Trotha, die das halbe Leben bei Sahara-Nomaden verbringt
- Carolin Genreith, der wir den Dokumentarfilm Die mit dem Bauch tanzen" verdanken
- "Emma" Alice Schwarzer, militante und wirtschaftlich höchst erfolgreiche Feministin
- Elisa Klapheck, die erst fünfte Rabbinerin weltweit
- die "Piraten"-Politikerin Anke Domscheit-Berg
- die Entertainerin Maren Kroymann

Im Eifer des Gefechts verliert man leicht den klaren Blick. Anne Siegel gelingt es in vielen Beiträgen, ihre kämpferische Einstellung nicht störend in den Text fließen zu lassen. Das ist gut so - denn genau in überzogener Polarisierung liegt eine wesentliche Quelle von Unzufriedenheit, gerade bei Frauen, denen eingeflüstert wurde, dass es an ihrem Geschlecht läge, wenn nicht alles wie von selbst läuft.

Der Rezensent ist weißhäutig, intelligent, deutschstämmig, heterosexuell, alt und männlich. Langjährige Erfahrung damit, keine gesellschaftliche Lobby hinter sich zu wissen, liegt also vor. Oft ist es aber auch einfach ein gutes Gefühl, bei Erfolgen sicher sein zu können, dass man diese ganz gewiss nicht einer Quote oder einer mehr oder weniger verfehlten "Politischen Korrektheit" verdankt.

Allerdings wird man auch so langsam allergisch gegen die Grabenkämpfe von Lobbyisten aller Art, die für "ihre" Clientel gewöhnlich bei weitem mehr "rauszuholen" versuchen, als ihr nach Adam Riese zustehen sollte.

Maß und Ziel sind zunehmend angesagt. Gesellschaftlich hätte eine sachlichere und seriösere Kämpferin für Gleichberechtigung womöglich mehr bewirkt als eine häufig überziehende, sogar hetzerische und oft bis zur Peinlichkeit polemische Alice Schwarzer. Ob es eine gute Wahl war, ausgerechnet Frau Schwarzer zur Zeit ihres großen Steuer-Skandals den größten Raum in diesem Buch zu widmen, wage ich zu bezweifeln. Aber vermutlich war die Autorin gerade dadurch motiviert, das angeschlagene Image ihrer langjährigen Freundin aufpolieren zu können.

Andere Viten lesen sich hingegen durchaus spannend. Mich hat die Idee einer mentalen Körperlichkeit bei Tanja de Wendt fasziniert. Ich war beeindruckt von dem gewaltigen Apparat, den Monika Hauser zur Unterstützung vergewaltigter Frauen aufbauen konnte. Die Risikobereitschaft der "emotion"-Verlegerin Mol-Wolf, sich in diesen für Print-Medien nicht gerade leichten Zeiten kopfüber in ein solches Projekt zu stürzen, lässt mich immer noch fassungslos staunen.

Meine persönliche Sympathie gilt allerdings Meike Winnemuth, die nach ihrem Jauch-Gewinn mit einer originellen Weltreise so viel Persönlichkeit bewiesen hat und heute die Konsequenz aufbringt, auf der "optionsreduzierenden" Insel Spiekeroog zu leben. Zudem gebe ich neidvoll zu: Diese Frau versteht es wirklich, unterhaltsam und klug zu schreiben.

Unter dem Strich bin ich zuversichtlich, dass die meisten Leser unter den 10 Lebensskizzen einige finden werden, die ihnen Freude bereiten. Dennoch hätte man meiner Ansicht nach besser daran getan, auf Polarisierung zu verzichten. "Inspiration" und Kampf gegen die Hälfte der Menschheit passen nicht zusammen. Wirklich große Leistungen kommen immer aus dem Interesse an der Sache und nie aus verkrampften Siegeswillen. Warum also nicht über der Sache stehen und sich nicht auf Frauen beschränken?

Ein zweiter Vorschlag wäre, zumindest einige Artikel auch MenschInnen - man verzeihe mir die kleine Stichelei - zu widmen, bei deren Karriere der Begriff "Himmelsstürmer" nicht zu diskutieren wäre. Es gibt doch auch in der besseren Hälfte der Bevölkerung einige, die nur den Arm ausstrecken brauchen, um Gott zu fühlen...

Ich denke da nicht mal an die angeblich mächtigste Frau der Welt - sondern an die tatsächlich mächtigste Frau Deutschlands, deren atemberaubender Lebensweg von einer Telefonistin zum gefürchteten Medienmogul geführt hat.

Ich denke an die großartige Sängerin, lange Zeit in Köln zuhause, die sich aus einer Prügelehe befreit hat und in unbändigem Lebenswillen zu grandiosem Welterfolg und - wenn es stimmt, was man liest - persönlichem Glück gefunden hat; völlig ohne Hilfe irgendwelcher AktivistInnen.

Ich denke nicht zuletzt auch an die große Choreografin, die es vollbracht hat, aus einer finsteren Ruhrpott-Provinzbühne DIE Hochburg moderner Tanzkultur zu zaubern.

Etwas mehr Offenheit und eine größere Bandbreite - das ist es, was ich mir gewünscht hätte.

Gefallen hat mir das umfangreiche Personen-Register am Ende des Buchs. Als Meilenstein unter Büchern dieser Art muss man aber wohl eher die "Begegnungen" von Gero von Böhm loben. Da könnten wohl nicht nur weibliche Autoren noch menschlich, stilistisch und journalistisch ein wenig dazulernen. Beiden Büchern gemein ist leider jedoch das unverständliche Defizit, auf Abbildungen der interviewten Damen und Herren zu verzichten.

Ansonsten liefern - soweit ich das als Mann beurteilen kann - die "Himmelsstürmerinnen" vermutlich schon speziell feministischen Frauen die "Inspiration", die sie sich von diesem Buch erhoffen. Auf diese Zielgruppe bezieht sich auch die abschließende Gesamtwertung. Die eingangs erwähnte, von Konfrontation wegführende Ausrichtung könnte wohl eher von Autoren umgesetzt werden, die selbst über der Geschlechterfrage stehen.

print-jury 4* A1199 © 24.2.2014 ABR 138.124 Rezensionsexemplar
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 3, 2014 8:40 PM CET


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