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jury
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Handbuch für das Überleben in Krisenzeiten
Handbuch für das Überleben in Krisenzeiten
von Herbert Rhein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ärmel hochkrempeln!, 6. Dezember 2013
Wer noch auf die großen Krisen wartet und vielleicht sogar hofft, dass sie ausbleiben, braucht sich natürlich keine Gedanken darüber zu machen, wie man möglicherweise über die Runden kommen könnte. Für alle anderen ist das "Handbuch" von Herbert Rein das richtige Kompendium, sowohl zur Vorsorge als auch für substanzielle Hilfe in Notzeiten.

Das 300-seitige Buch im großen A4-Format bietet eine Fülle von Ratschlägen, Hinweisen und Anleitungen für die unzähligen Situationen, in welchen unsere Komfort-Infrastruktur nicht mehr zur Verfügung steht.

Das Dilemma solcher Bücher liegt darin, auf der einen Seite alle in Krisenzeiten interessierenden Aspekte berücksichtigen zu müssen, auf der anderen Seite in Tiefe und Breite ausreichend Material zur Verfügung zu stellen, um im Ernstfall auch praktisch erfolgreich sein zu können. Die zahlreichen Internet-Referenzen werden in einer Krise wohl kaum weiterhelfen können.

Wohl dem, der über Haus und Garten verfügt, denn natürlich sind die vielen Ideen zur Selbstversorgung mit pflanzlichen und tierischen Produkten in einer Stadtwohnung genauso wenig umzusetzen wie der beschriebene Aufbau von eigener Wasserversorgung und von Energieversorgungseinrichtungen. Vorsorglich weist der Autor auf medizinische Nutzanwendungen hin, wenn er sich über den Tabak-Anbau und das Brennen von Alkohol verbreitet.

Leider riecht das Buch nach Chemie, aber vielleicht verfliegt dieser Gestank im Laufe der Zeit. Fürs Erste habe ich einfach mal die Lesebrille abgenommen und mir das Werk auf Distanz angetan. Doch die Problematik liegt natürlich eher in den Inhalten. Wie schon angesprochen, lässt sich auf gut 5 Seiten beispielsweise das Thema "Reparaturen an der Elektrik" kaum so darstellen, dass ein durchschnittlich vorinformierter Leser damit allzu viel anfangen kann. Anderes könnte an Beschaffungsproblemen scheitern: Nützliche Medikamente für die Hausapotheke sind nun mal nicht rezeptfrei verkäuflich. Über Geld findet man nur ein paar Zeilen, und über Sicherheit und Selbstverteidigung habe ich kein Wort gefunden. Dafür befasst sich das Handbuch umfänglich mit Holzverbindungen...

Da gibt es meiner Ansicht nach bessere Bücher. Vom gleichen Verlag habe ich zum Beispiel das Buch Perfekte Krisenvorsorge: Überleben, wenn Geld wertlos wird und die Geschäfte leer sind von Gerhard Spannbauer guten Gewissens mit 5 Sternen bewerten können. Was einen natürlich nicht hindern muss, das vorliegende Kompendium zur Abrundung hinzu zu ziehen.

print-jury 3* A1185 © 6.12.2013 ABR 6.798 Rezensionsexemplar


Am Vorabend des Dritten Weltkriegs: Was Hellseher für unsere nahe Zukunft prophezeien und was politische Fakten bestätigen
Am Vorabend des Dritten Weltkriegs: Was Hellseher für unsere nahe Zukunft prophezeien und was politische Fakten bestätigen
von Peter Orzechowski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich mal ein Horrorszenario mit beruhigender Ungewissheit, 5. Dezember 2013
Es bereitet normalerweise wirklich keine Freude, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Wie heute schon die Vögel und Fische werden wir irgendwann selbst am Plastik ersticken, global Kriege um das letzte trinkbare Wasser führen und regional um die wichtige Frage, mit welcher hirnsubstituierenden Religion man die letzten Vorräte aus Supermärkten plündern darf. Bis dahin macht uns die Chemie schon mal fett und impotent und beglückt uns mit einem gemütlichen mehrjährigen Ende in hoffentlich einer Palliativstation.

Viele, zu denen ich mich auch zähle, empfinden es daher als angenehm, sich zur Abwechslung einmal mit Prophezeiungen zu befassen, die nach gängiger Ansicht NICHT zwangsläufig eintreten müssen. Damit kann das Buch „Am Vorabend des dritten Weltkriegs“ von Peter Orzechowski reichlich dienen.

Leider fällt uns Lesern der Unglaube nicht so leicht, wie man das hoffen konnte.

Einmal stellt der Autor programmatisch Realität und Prophezeihungen auf den Prüftisch. In einem spannenden geopolitischen Abschnitt, der etwa das erste Drittel des Buchs einnimmt, fasst der Geschichts- und Politikspezialist Gegebenheiten und Trends, die eine Abschätzung der nahen Zukunft erlauben, in einem hochinteressanten Überblick zusammen.

Den Damen und Herren von der Seherzunft bleibt im Anschluss eine Qualitätskontrolle nicht erspart. Zwar können wir mit geistiger Burka verdunkelten Erstgesichtler nicht überprüfen, was auf uns zukommt, aber man kann natürlich Vorhersagen, die sich auf vergangene Ereignisse beziehen, mit den tatsächlichen Entwicklungen vergleichen. So könnte eine gewisse Zertifizierung stattfinden, hoffen Leser und Autor.

Doch die Auguren tricksen natürlich durch gezielte Unschärfe. Da schreibt keiner, dass „am 7. Dezember 1941 kleine metallisch glitzernde Objekte in unseriöser Absicht mit der Sonne auf einen großen Militärhafen im Süden Oahus zufliegen“. So etwas könnte man nämlich einfach zu gut überprüfen. Nein, die Aussagen von Pythias Erben klingen fast so gekonnt verschwurbelt wie die politischen Versprecherungen der beliebten deutschen Kanzlerin.

Aber auch die Vorhersagen künftiger Entwicklungen verlieren schnell an Originalität, wenn man selbst ein wenig nachdenkt, was denn da wohl so kommen könnte.

"Dritter Weltkrieg"? Wieso sollte es den nicht geben. Kriege gab’s immer, die Menschen sind schließlich dank gezielter Förderung von Dummheit dämlicher denn je, warum also sollte kein dritter kommen? So kann man’s fast beliebig weiter treiben und sein privates Orakel eröffnen: Die Muslime werden durchdrehen und überall dort, wo man zu viele von ihnen hineingelassen und nicht erzogen hat, Religions-Bürgerkriege entfachen. Die USA hingegen werden versuchen, unter dem anscheinend nie verschleißenden Vorwand der Befreiung weiterhin alle Rohstoffländer der Welt nieder zu bomben und zu Vasallen zu machen. Das wird weder den Russen noch den Chinesen gefallen – aber auch nicht den überlebenden Bewohnern der Regionen. New York bleibt das Traumziel für Attentate, welche bei Einsatz von Atombomben die größten Chancen für eine nachhaltige Zerstörung Manhattans versprechen. Auch die San-Andreas-Verwerfung wartet schon zu lange auf eine richtige tektonische Verschiebung. Klar, dass ein Abkippen Kaliforniens serienweise Pazifik-Anrainer wie die Hawaii-Inseln und Japan im Plastikmeer versinken lässt. Das bringt unsere asiatischen Nachbarn natürlich auf den Gedanken, sich west-, also Europa-wärts zu orientieren. Eine gute Gelegenheit für unsere amerikanischen Freunde, endlich mit innovativen Chemiewaffen einen ultimativ tödlichen, chemischen Vorhang durch die ehemalige DDR zu ziehen, gegen den der ehemalige "eiserne" wie ein putziger Jägerzaun wirkt. Nun ist die Natur wieder dran: Meteoriten sind statistisch längst überfällig – lassen wir doch mal einen in Europa niedergehen und 90% der Bevölkerung eliminieren. Dass so ein 1,4 km dickes Teil beim Landgang die Erdachse verschieben könnte, wird manchem auch ohne Erhellung einleuchten. Wenn unter den wenigen Überlebenden die nächste Generation von religiösen Spinnern leichtes Spiel haben wird, nennt man schon stets „Erbsünde“.

Die gute Nachricht: 2020 ist alles vorbei, die Rest-Menschen sind für die obligatorischen paar Monate „geläutert“, das „Goldene Zeitalter“ bricht an. Die schlechte Nachricht: Das war mit höchster Vorhersagequalität die gute Nachricht für andere Leute.

Auch wenn ich hier vielleicht etwas sarkastisch geklungen haben mag: Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen und ausgesprochen spannend gefunden. Dass Peter Orzechowski sein Thema „Politische Fakten versus Prophezeiungen“ auch tatsächlich umsetzt, darf man ihm ja kaum vorwerfen. Dass er viele Vorhersagen aufregend findet, kann man nach unvoreingenommener Lektüre gut verstehen. Wer geglaubt hat, man könne von Propheten konkrete Informationen über die Zukunft erhalten, dem ist sowieso nicht zu helfen.

Immerhin: eine größere Trefferquote als bei dem "wissenschaftlichen" Müll, den beispielsweise Metereologen, Futurologen oder unsere Wirtschaftsweisen für teures Geld in die Medien entsorgen, können unsere altvorderen Seher ohnedies schon mal für sich in Anspruch nehmen.

print-jury 4* A1184 © 5.12.2013 ABR 25.288 Rezensionsexemplar
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 14, 2015 10:20 AM CET


Politische Korrektheit: Von Gesinnungspolizisten und Meinungsdiktatoren
Politische Korrektheit: Von Gesinnungspolizisten und Meinungsdiktatoren
von Michael Brückner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

179 von 211 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politisch korrekt zurück ins Mittelalter, 24. November 2013
Ob es sich um nachweisliche Tatsachen handelt und/oder sogar um den erklärten Willen der Mehrheit der Bevölkerung: Wenn es einer rücksichtlosen Minderheit gelingt, die Öffentlichkeit so zu manipulieren, dass jede freie Meinungsäußerung gegen die Interessen dieser Gruppe verfemt ist und hart geahndet wird, spricht man von "Politischer Korrektheit".

Das hat kuriose Züge, über die man zunächst noch lächeln kann. Die weibliche Schreibweise zum Beispiel beschränkt sich natürlich auf positiv besetzte Begriffe - Verweiblichungen wie "PennerInnen" wird man wohl selten antreffen. Allerdings legen die Damen Wert darauf, nicht mit einem weiblichen Piloten, sondern mit einer "Pilotin" bekannt zu sein - ob sie auch begeistert wären, mit einer Pilotin zu fliegen, für welche man niedrigere Anforderungsprofile verlangt hatte als für ihre fliegenden männlichen Kollegen, muss sich zeigen, wenn erst auch hier Quoten über Qualität gesetzt werden. Denn auf diesem Weg sind wir.

Dieses einfache Beispiel führt schon zum Prinzip, das in dem Buch "Politische Korrektheit" von Michael Brückner und Udo Ulfkotte in zahlreichen Aspekten diskutiert wird: Eine Gruppe - in diesem Beispiel die Frauen - möchte Vorteile erkämpfen, die im normalen Geschäft nicht zu erlangen wären. Also beklagen sie eine Diskriminierung und fordern eine Gleichstellung - als gäbe es nicht längst Frauen in der kämpfenden Truppe, an der Spitze der Regierung und natürlich auch im Cockpit.

Dummerweise gibt es nur wenige Frauen, die sich die schwere Ausbildung zum Verkehrspiloten zumuten möchten. In diesem Moment beginnt die Politische Korrektheit: Dann muss man eben für Frauen die Anforderungen senken. Was manche aus den Augen verlieren: Dies ist nicht nur der Beginn einer Diskriminierung von Männern, sondern ein gefährlicher Abstieg von etablierten Standards.

Was bei Berufschancen von Frauen und Männern vielleicht noch diskutiert werden darf, ist bei Muslimen längst im tödlichen Tabu gelandet. "Scheißdeutsche?" Warum nicht. "Scheißtürken?" Das gilt nach der politischen Korrektheit - und vor Gericht! - als Rassismus.

Die Autoren führen fast endlos immer brutalere Beispiele dafür auf, dass Migranten sich in immer breiterem Umfang das Sagen in der einstmals unseren Gesellschaft erobern. Für bestimmte Gruppen von Migranten wird sogar das Strafrecht plattgebügelt. Sozialbetrug? Bandenkriminalität? Gewaltverbrechen? Inzucht? Schändung? Vergewaltigung? Mord? - "das muss man vor dem kulturellen Hintergrund doch verstehen!"

Im Sinne der Politischen Korrektheit werden dann Polizeiberichte verbogen, Statistiken gefälscht, Klagen fallen gelassen oder schließlich vom Gericht weggetrickst. Schließlich haben wir das in Diktaturen gängige System, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte nicht unabhängig sind, sondern ihre Anweisungen und Richtlinien im Sinne der Karriere von Politikern erhalten, die nach Migranten-Stimmen schielen. Wenn dann doch mal muslimische Verbrecher im Gefängnis landen, glaubt man, ihnen auch noch Toiletten bauen zu müssen, die nicht nach Mekka ausgerichtet sind.

Frauenquoten sind im Vergleich zu den Problemen, die zum Beispiel der ständige Intelligenzabbau durch Migration bringt, ja geradezu eine Kleinstbaustelle. So liegt zum Beispiel der Länder-IQ in der Türkei bei 85 - der in Singapur bei 108. Import von Intelligenz bringt Geld - direkte Verbindungen zwischen dem Länder-IQ und dem Wirtschaftsergebnis sind eindeutig nachgewiesen.

Leider funktioniert der Mechanismus auch in die andere Richtung. Jahr für Jahr nimmt unsere Wirtschaftskraft ab, weil wir Migration aus Ländern bis runter zu Länder-IQs von 59 zulassen. Man muss sich mal vor Augen führen: In den USA dürfen Verbrecher mit einem IQ unter 70 wegen ihrer geistigen Schwäche nicht hingerichtet werden - bei uns sollen solche Leute in Zukunft im Wettbewerb gegen hochintelligente Asiaten die Renten verdienen?

Die Verdrängung des Themas Intelligenz schlägt hohe Wellen. So gibt es erste Komplexprediger, die Intelligenztests gerne verboten sehen möchten - in bester Tradition von Stalin und Hitler, welcher die höhere Intelligenz der jüdischen Bevölkerung mit einem Verbot unter den Tisch kehren wollte.

Doch es kommt noch härter: Während große Wettbewerber wie die USA gezielt Qualifikation und Intelligenz importieren, verjagen wir dadurch, dass wir ihre Intelligenz nicht nutzen wollen, gerade unsere besten Mitbürger: Jedes Jahr werden 170.000 qualifizierte und intelligente, gut ausgebildete junge Menschen, darunter rund 40.000 Leistungsträger, aus unserem Land geekelt: In einer islamischen Republik, die künftig von ungebildeten und auffassungsschwachen Gewaltbereiten beherrscht werden soll, wollen freiwillig eben nur Leute leben, deren Sehnsucht einer Rückkehr ins Mittelalter gilt.

Zur "Politischen Korrektheit", dem - wie hoffentlich verständlich wurde - wohl zynischsten Euphemismus unserer Zeit, gehört natürlich auch die entsprechend verlogene Propaganda. So wird inzwischen getan, als hätten die Türken Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut. Als hätten wir sie gebraucht. Als hätten wir sie gerufen.

Das alles ist nicht wahr. In Wirklichkeit musste die deutsche Regierung erst 1961 auf massiven Druck der USA kleine Kontingente türkischer Arbeiter befristet ins Land lassen. [1] Damals, 16 Jahre nach dem Krieg, war Deutschland von der ganzen Welt hoch angesehen als Wirtschaftswundernation. Gastarbeiter gab es in Deutschland vorher nur aus Ländern des westlichen Kulturkreises wie Italien und Spanien. Niemand wollte damals Menschen aus fremden Kulturkreisen, die niemals in unsere Zivilisation, unser Rechtssystem und unsere Wirtschaft integrationsfähig waren.

Soweit der Versuch, wenigstens einige zentrale Themen und Gedanken aus diesem geradezu an peinlichen Beispielen "platzenden" Buch zu vermitteln.

Aber über das Dargelegte hinaus, was wie stets vorzüglich durch Referenzen - meist aus überregionalen Zeitungen und Zeitschriften - unterstützt ist, bleiben Fragen, die durch eine reine Betrachtung des Geschehens nicht zu beantworten sind. Fragen wie:

Wie kann das alles geschehen sein? Ich meine, wenn ein großer Teil der geplanten Stromautobahn überhaupt nicht zu den Nordsee-Windparks geplant ist, sondern zu zwei neuen, russischen Kernkraftwerken, haben wir wieder den Energie-CDU-Klüngel an den Strippen. Von wegen Ausstieg...

Aber wer sind die angeblichen Gutmenschen, die unser Land über die Migration ruinieren? Und wie kommen sie ans Geld? Verständlich, dass diejenigen, die genüsslich unsere Sozialkassen aussaugen wie transsilvanische Vampire, inzwischen massiven Druck ausüben. In Solingen und Krefeld sind inzwischen die Weihnachtsbeleuchtungen Geschichte, die Politiker feiern islamische Feste. Aber erst mal hat man sie ja gegen den Widerstand der Bevölkerung ins Land mogeln müssen.

Die Angabe, dass inzwischen ein monströser Dienstleistungs-Apparat jährlich über 2 Milliarden Euro an Steuergeldern damit verbrät, Migranten zum Beispiel die Behördengänge zu erledigen, bringt schon etwas Licht in die Lobbyszene. Dass gerade SPD und Grüne die "Multikultiszene" so süß finden, liegt natürlich an der Hoffnung, die Stimmen abgreifen zu können. Kann man nur hoffen, dass keine 11-jährigen Töchter grüner PolitikerInnen von jungen Muslims in die Kunst der Liebe eingeweiht werden - obwohl, man sieht das in dieser Partei ja nicht so eng. Habe ich erwähnt, dass ich begeisterter Grün-Wähler war? Das ist mir heute ja so peinlich...

Dass die Politik unser gebundenes Rechtssystem zur Farce "weist", wurde bereits erwähnt. Aber bei der unfassbaren Militanz, die aus unzähligen Beispielen des Buchs deutlich wird, fragt man sich doch auch, inwieweit inzwischen schon massiver persönlicher Druck auf Polizei und Justiz ausgeübt wird. Man stelle sich vor: da macht eine 2.600 Personen starke Muslimfamilie, die in Bremen von unseren Sozialkassen lebt, fast 50 Millionen Jahresumsatz mit Rauschgifthandel. Unwahrscheinlich, dass solche Leute sich zwar herausnehmen, einer Richterin ins Gesicht zu spucken, aber ansonsten lieb und brav abwarten, was da von der Kanzel verkündet wird. Apropos Kanzel: Die Kirchen arrangieren sich: da zahlen tatsächlich die Katholiken Schutzgeld an "islamische Sicherheitskräfte", damit der Geistliche nicht dasselbe segnen muss.

Ach, das wussten SIE auch nicht? Nach den Autoren werden JEDEN TAG in Deutschland mehrere(!!!) Kirchen und Friedhöfe angegriffen. Solches scheint der Leitpresse in unserem christlichen Abendland allerdings ebenso wenig der Erwähnung wert zu sein wie der "politisch korrekten" Polizeistatistik. Da wartet man - politisch korrekt - lieber darauf, dass mal wieder irgendwo zwei Hakenkreuze auf einer jüdischen Einrichtung auftauchen.

Im gleichen Monat, in welchem in Garben bei Hannover eine christliche Kirche von Zuwanderern in Brand gesteckt worden ist, wurden in Ägypten innerhalb von 5 Tagen 63 christliche Kirchen angezündet. Haben Sie das Eine oder das Andere in Ihrer Zeitung gelesen? Stand da was von muslimischen Fanatikern als Tätern?

Man stelle sich mal vor, in Deutschland würden 63 Moscheen angezündet!

Was ist bloß aus unserem schönen Land geworden?

print-jury 5* A1182 © 23.11.13 ABR 2.470 Rezensionsexemplar

[1] Am besten kann man die Deutschlandpolitik der USA als "gezielte Destabilisierung" zusammenfassen
Kommentar Kommentare (29) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 2, 2016 1:04 PM CET


Gesichter: Roman
Gesichter: Roman
von Andreas Schäfer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sich selbst wiedererkennen, 23. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Gesichter: Roman (Gebundene Ausgabe)
Andreas Schäfers ersten beiden Bücher "Auf dem Weg nach Messara" (2002) und "Wir vier" (2010) habe ich leider noch nicht gelesen - mit dem 2013 erschienenen "Gesichter" ist dem Autor mit der halbgriechischen Herkunft jedenfalls ein großer Wurf gelungen.

Familie Lorenz kehrt von einer griechischen Insel nach Berlin zurück.

Beim Beladen der Fähre nach Italien beobachtet Gabor Lorenz, wie es einem Mann gelingt, sich mit einem Kühl-Lastwagen auf das Schiff zu mogeln. Auf See sucht er den Flüchtling auf und wirft ihm einen Beutel mit Bananen in den Laster.

Gabor pflegt die liebevolle Tradition, einige Urlaubskarten an seine Frau Berit vorzuschreiben, um sie dann nach dem Urlaub von Zeit zu Zeit zur Post zu bringen und so die schönen Tage zuhause nachklingen zu lassen. Als nach einiger Zeit in Berlin eine dieser Postkarten eintrifft, wird Gabor bewusst, dass er die Karten in der Tüte mit den Bananen aufbewahrt hatte. Doch der Flüchtling kennt nicht nur seine Anschrift. Die Poststempel der Karten rücken immer näher...

Andreas Schäfer baut auf diesem spannungsgeladenen Plot keinen Thriller im herkömmlichen Sinn auf. Ihm geht es um die Wahrnehmung anderer, aber auch der eigenen Person. Das verbindet sich vorzüglich mit der Tatsache, dass Gabor Lorenz im Gebiet der Gesichtsblindheit forscht - einer Störung, die es - beispielsweise nach Gehirnverletzungen - Betroffenen erschwert, Menschen wiederzuerkennen.

Unter der Anspannung, welche durch die wachsende Bedrohung auf Gabor zukommt, verliert der Neurologe selbst zwar nicht die Fähigkeit, Mitmenschen zu erkennen - aber wohl, sie richtig wahrzunehmen. Seine 14-jährige Tochter Nele wird ihm fremd, seine Frau geht auf Abstand, er kündigt einem alten Freund und erlebt die Kollegen in der Klinik wie durch einen Schleier. Im Gegenzug treten scheinbar vergessene Erinnerungen aus der Studienzeit deutlich zu Tage.

Bedrohung, Persönlichkeitsveränderung, Schuld, Familien-Tragödie, Flüchtlingsproblematik und natürlich die "Gesichter" - Andreas Schäfer hat sich getraut, vielfältige Themen in seinem Roman zu vermengen.

Das ist ihm meiner Ansicht nach vorzüglich gelungen.

print-jury 5* A1181 © 23.11.13 ABR 42.082 Rezensionsexemplar


Palmherzen: Roman
Palmherzen: Roman
von Laura Lee Smith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Strukturwandel, 23. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Palmherzen: Roman (Gebundene Ausgabe)
In ihrem Erstling "Palmherzen" erzählt die US-Schriftstellerin Laura Lee Smith ein halbes Jahrhundert aus dem Leben der Familie Bravo.

Die Bravos leben in Florida in der heruntergekommenen Kleinstadt Utina und genießen nicht ganz zu Unrecht den Ruf, versoffen und streitsüchtig zu sein. Auch das Familienleben wäre mit "sozial belastet" eher vornehm beschrieben.

Die Geschichte beginnt damit, dass Arla Bolton, Tochter aus gutem Hause - natürlich in Davis Shore, St. Augustine, ich empfehle einen Blick in Google Earth... - dem wilden Dean Bravo auf der A1A sozusagen ins Auto hüpft.

US-Nostalgiker können schwelgen. Das - anscheinend fiktive - Northern Utina, wo Arla die heruntergekommene Villa "Aberdeen" als Stammsitz der Familie erwirbt, wird in seiner liebevoll-heruntergekommenen Art detailreich vor Augen geführt. Trotz harten Schicksalsschlägen, wie sie wohl in einer Familie wie den Bravos unvermeidlich sein dürften, gelingt es Arla, durch den Kauf eines Pubs am Kanal, welches der Sohn Frank führt, für ein Auskommen zu sorgen und die Familie leidlich zusammenzuhalten.

Doch auf den Ort und seine Bewohner läuft die Herausforderung des Wandels unaufhaltsam zu. Gewachsene, kleine Strukturen werden durch Großvertriebsformen verdrängt. Existenzen scheitern. Und ausgerechnet auf den Kanal-Grundstücken der Bravos möchten kapitalstarke Investoren einen Freizeithafen bauen...

Das alles wird lebendig und detailreich erzählt. Aber etwa so, wie ich es von turnusmäßigen Besuchen bei den Schwiegereltern kannte, wenn sich Gattin und Schwiegermutter in der Küche bei höchsten Datenraten auf den Stand gebracht haben: Alles, was "nicht wichtig" ist, wird weggelassen. Aber wer bestimmt, was wichtig ist? Da gibt es doch wohl noch den ein- oder anderen Unterschied zwischen Frau und Mann. So benötigte ich rund 100 Seiten, um Interesse zu gewinnen - doch auch nach 500 Seiten kann ich mit Nena sagen: Es hat mich nicht abgeholt.

Vermutlich wird das vielen Leserinnen, die sich emotionale Elemente gerne auch selbst ergänzen, anders gehen, was man ja auch an einigen 5-Sterne-Bewertungen erkennen kann. Ich selbst möchte beim Lesen eines Romans schon stärker hineingezogen werden, Menschen ein wenig in die Seele schauen können und mich vielleicht auch zu dem ein- oder anderen hingezogen fühlen.

Vor allem kann ich Testosteron-"Schicksale", die vorwiegend durch Randaliererei und Rowdytum, durch unkontrollierte Gier oder Realitätsverlust "ausgelöst" werden, nicht wirklich als tragisch empfinden - vermutlich, weil sie in so hohem Maße selbstverschuldet sind und vermeidlich wären.

print-jury 3* A1180 © 23.11.13 ABR 49.585 Rezensionsexemplar


Unmögliche Wahrheiten: Von Südamerika nach anderswo
Unmögliche Wahrheiten: Von Südamerika nach anderswo
von Erich Däniken
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

15 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die Unfähigkeit der Wissenschaft, 10. November 2013
Däniken ist ohne Zweifel ein Phänomen. Seit 1968 hat er nun 37 Bücher veröffentlicht. Sein Werk wurde in 32 Sprachen übersetzt und erreichte eine Weltauflage von 65 Millionen Exemplaren - damit ist Däniken weltweit der meistgelesene und meistkopierte Sachbuchautor aller Zeiten.

Das kommt nicht von ungefähr. Denn Däniken beschäftigt eine Frage, die wohl kaum einen denkenden Menschen kalt lassen dürfte: Wie erklären sich all die scheinbar "unmöglichen" Funde und Bauten überall auf der Welt, die mit den oft schon peinlichen Theorien der Archäologie einfach nicht zu erfassen sind?

In "Unmögliche Wahrheiten" liegt der Focus auf den Relikten der Nazca-Indios in Peru - aber Däniken stellt auch verblüffende Übereinstimmungen mit ähnlichen Monumenten in völlig konträren Winkeln der Welt fest. Über die Frage der Beweisbarkeit ist Däniken - im Gegensatz zur Wissenschaft! - längst hinaus. Denn nicht nur die Ausführung der baulichen Anlagen und die überlieferten Schriften belegen die Erklärungsnot der staubigen Wissenschaft; schon die Technologie, mit der einzelne Fundstücke gefertigt worden sind, könnte bestenfalls aus der Neuzeit stammen - keineswegs aber wären solche Produktionen mit steinzeitlichen Werkzeugen denkbar gewesen.

Doch der etablierte Betrieb weigert sich, umzudenken. Kein Wunder, dass Däniken wütend ist. Aber inzwischen weiß man ja, dass praktisch in jedem Wissenschaftsbereich ähnliche Denkblockaden und die schon paranoide Angst, neue Erkenntnisse zu neuen Erklärungen führen zu lassen, fast jeden Fortschritt blockiert. Beispiele finden sich in meinen jüngsten Rezensionen zu Fragen der Energiegewinnung, des Medizinbetriebs und insbesondere der Psychiatrie. Und da bewegen wir uns noch weitgehend im Bereich der Naturwissenschaften...

Lassen Sie mich die Problematik in ähnlich deftiger Sprache, wie man sie gelegentlich bei Däniken antrifft, auf den Punkt bringen:

Solange wir weiter Menschen, die viel zu oft nicht mal überdurchschnittliche, geschweige denn hohe Intelligenz nachweisen können, Menschen, deren ganzes Interesse einzig der Ansammlung ihrer kleinkarierten Pfründe gilt, den Einzug in die Institute und Forschungseinrichtungen erlauben, wird sich an dieser Stagnation, oft sogar Regression menschlicher Erkenntnis wohl auch wenig ändern: Herdentrieb und Besitzstandswahrung werden stets alles niedermachen, was der Sesselfurzerei dieser Seilschaften gefährlich werden könnte. Es ist ganz sicher kein Zufall, dass wir die meisten wichtigen Entdeckungen der "Wissenschaftsgeschichte" Außenseitern verdanken.

Zurück zum Buch: Auch wer, wie ich, immer mal wieder Däniken gelesen hat, wird hier neue, umwerfende Fakten und Fotografien in hoher Qualität vorfinden - genug Material für ein paar schallende Ohrfeigen, wenn Ihnen mal wieder ein etablierter Archäologe seine muffigen Würgetheorien an die Backe nähen möchte.

Eine Genugtuung kann Däniken schon heute für sich reklamieren: Weder die von politischer Korrektheit denkbehinderten Journalisten der sogenannten Leitpresse noch der etablierte Archäologie-Elfenbeinturm haben jemals und werden niemals die Bekanntheit erreichen, die Däniken schon heute genießt.

print-jury 5* A1179 © 10.11.2013 ABR 1.123 Rezensionsexemplar
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 17, 2013 11:23 PM CET


Benehmt euch!: Ein Pamphlet
Benehmt euch!: Ein Pamphlet
von Jürgen Roth
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es hätte spannend werden können..., 8. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Benehmt euch!: Ein Pamphlet (Broschiert)
Wenn es darum geht, exotisches Vokabular in ein Büchlein einzubauen, welches sich mit dem Sittenverfall in unserer Gesellschaft befasst, haben die Autoren Stefan Gärtner (1973) und Jürgen Roth (1968) schon mal gute Chancen auf den ersten Preis: Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal deutsche Vokabeln habe nachschlagen müssen. Naja, so deutsch waren sie nun auch wieder nicht.

Das ist leider nicht der einzige Rekord. Die Autoren kann man wohl als Journalisten mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund einstufen. Offenbar wären sie aber lieber elitäre Philosophen geworden: schwülstiger und unverständlicher kann man sich wohl kaum ausdrücken.

Neben einer überzogenen Neigung zur "Originalität" dürfte die schon zwanghaft wirkende Gier, "wissenschaftlich" zu schreiben, die Hauptschuld an der überladenen Sprache darstellen. Würde ich hier ebenfalls fast jeden Satz über Zitate zusammenzustellen versuchen, wäre es mit der Lesbarkeit schnell vorbei. Nicht selten findet man Karawanensätze, die sich über eine halbe Seite erstrecken.

Das alles finde ich ausgesprochen schade. Denn der inhaltliche Ansatz ist pfiffig. Über die vier Kapitel "Verrohung", "Verblödung", "Verkindung" und "Verderben" konstruiert das Pamphlet einen gut nachvollziehbaren Bogen vom geistig-moralischen Verfall des Menschen zu den deprimierenden Verhältnissen, die heute in westlichen Industriegesellschaften herrschen. Wobei keineswegs zaghaft dargestellt wird, dass diese individuelle Degeneration zielgerichtet von den Interessenvertretern des Kapitals betrieben wird: Der Zynismus der Ausbeuter und der Schwachsinn der Massen ergänzen sich prächtig. Fast schon ruft das Büchlein zur Revolte gegen das Großkapital auf.

Man würde sich wünschen, dass jemand, der journalistisch schreiben kann und das Thema unbelastet von Komplexen anzugehen fähig ist, dieses "Pamphlet" von Grund auf in Richtung Lesbarkeit überarbeitet. An die Autoren richte ich die Ermutigung, eigenen Erkenntnissen folgen zu können, ohne ängstlich jeden Teilgedanken bei anderen Autoren zu referenzieren. Genau das unterscheidet nämlich diejenigen, die selbständig zu denken imstande sind, von den beflissenen Zitatensammlern und Fußnotenkritzlern, die in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten jeden Ansatz zum Denken abtrainiert bekommen haben.

Denn ob es nun um Gedanken oder um Witzigkeit geht: Etwas, was man nicht in Deutsch ausdrücken kann, wird keineswegs besser, wenn man es pseudo-elitär mit verkrampftem Großeinsatz von Fremdwörtern in Monstersätzen verklausuliert.

Fazit: Für Menschen mit exorbitantem Wortschatz, die bereit sind, sich beim Lesen wirklich zu quälen, wegen des an sich interessanten und originellen Inhalts gerade noch eine knappe Empfehlung.

print-jury 4* A1178 © 8.11.2013 ABR 11.886 Rezensionsexemplar


NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen
NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen
von Allen Frances
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Geisteskrank" ist einzig das Pharma-Marketing, 5. November 2013
Allen Frances zählt in gerade mal 15 Fallbeispielen [1] auf, wie sich die Crème de la Crème der Pharma-Industrie Strafen und Entschädigungen in Gesamthöhe von mehr als 4,5 Milliarden US$ eingefangen hat - für unseriöses Marketing von Psychopharmaka.

Warum halten sich diese Unternehmen trotz diesen gewaltigen Strafen nicht an die Spielregeln?

Weil man mit fast keinem grenzlegalen Produkt auch nur annähernd so viel verdienen kann wie mit Psychopharmaka - wenn man nicht zimperlich agiert.

Dazu, dass das so ist, hat unser Autor Allen Frances leider ein gut Teil beigetragen. Frances war seinerzeit Chef des Fachbereichs Psychiatrie der Duke University und vor allem 2009 Vorsitzender der Kommission, welche die Diagnoserichtlinien "DSM-IV" ausgearbeitet hat. Er galt laut New York Times als der einflussreichste Psychiater der Welt - und er hat, wie er es darstellt, in Verkennung der Risiken, der Pharma-Industrie den Weg zu Massenumsätzen geebnet.

Wie wurde Saulus zum Paulus? Der Ruhestand weckt nun mal das Gewissen. Unser aller Problem besteht darin, häufig auf den Rat von Fachleuten angewiesen zu sein, deren Ehrlichkeit umgekehrt proportional zu den Einkommensinteressen skaliert. Das ist schon ärgerlich, wenn man bei Amazon Produkte kauft, weil man bezahlten Kundenrezensionen Glauben geschenkt hat. Fatal wird es, wenn man sich krank fühlt, vielleicht sogar ist, und unseriösen, aber optimistischen Versprechen des Medizin-Apparats gegenübersteht. Ganz besonders gilt das, wenn man psychisch beeinträchtig ist.

Wem soll man glauben? Den verstreuten Aufklärern, die in irgendwelchen Internet-Blogs davor warnen, auf die so harmlos aussehenden kleinen Pillen zu hoffen? Oder den Versprechungen einer Mega-Industrie, die mit einem gigantischen Werbeetat [2] jede kritische Stimme niederbläst - und noch dazu Hoffnung auf Besserung verkauft?

Im vorliegenden Buch "Normal" [3] erhalten wir, die möglichen Patienten von morgen, Auskunft vom vielleicht renommiertesten Warner, nicht nur einem Experten, Forscher und Praktiker, sondern vor allem einem Insider, der immer wieder bereut, nicht früher und energischer seine Stimme gegen den Trend der Normalisierung des Schwachsinns erhoben zu haben.

Allen Frances geht das Thema von allen Seiten an. Er diskutiert die Frage, was "normal" bedeutet. Betrachtet die Geschichte der Psychiatrie. Stellt eine Inflation von Diagnosen fest. [4]

Er durchwandert das weite Feld der Mode-Diagnosen von der Vergangenheit über die Gegenwart bis zur Zukunft. Dabei wird deutlich, dass Frances im allgemeinen US-Gesundheits-System [5] die gefährlichen Tendenzen einer hemmungslosen Geschäftemacherei sieht, die nun auch in den psychiatrischen Bereich einbrechen: "Und hoffen wir ferner, dass die Quacksalberei der Frühprävention nicht auf die Psychiatrie übergreift." (S. 129)

Schließlich widmet er sich den Möglichkeiten, wie man vielleicht den projektierten 40% Behandlungswürdigen der Marketing-Industrie wieder ein paar "Normale" abspenstig machen könnte.

Wenn man sich dies alles zu Gemüte führt, wird deutlich, dass weder von der Politik, noch vom Rechtssystem und schon gar nicht von Ärzten Hilfe zu erwarten ist - zu gewaltig sind die unfassbaren Mittel der Pharma-Industrie, als dass Einzelne dagegen gehört werden könnten. Und längst leben die Mediziner, auf die wir vertrauen können sollten, prächtig in ihrer Hauptfunktion als Dealer legaler Drogen.

Das könnte ja alles ganz schön sein. Leider sterben inzwischen aber auch mehr Menschen an den Folgen legalen Drogenkonsums als an illegalen Drogen! Leider führt Allen nachvollziehbar aus, dass es keine harmlosen Psychopharmaka gibt, dass viele Medikamente eigentlich überhaupt nicht helfen können, dass mehr Menschen an regulären Behandlungen Schaden erleiden als Nutzen.

Was er leider nicht erwähnt, so weit geht seine Metamorphose zum seriösen Aufklärer wohl noch nicht, ist, dass unzählige Patienten Selbstmord begehen und dass massive Verdachtsmomente dafür bestehen, dass Massaker durch bestimmte Medikamente - sogenannte SSRI - ausgelöst werden können.

Zynisch klingt sein Ruf nach dem aufgeklärten Patienten. Als wäre es nicht Aufgabe der Fachleute, dafür zu sorgen, dass nur angemessene Therapien an wirklich Notleidenden durchgeführt werden - und das in einem wohlüberlegten Nutzen/Risiko-Verhältnis.

So aber, wie es ist, wird im Sinne der eigenen finanziellen Gesundung fast jeder Arzt fast jedes Medikament verschreiben, nach welchem der von der Werbung irregeführte Patient verlangt. So wundert es nicht, dass heute bereits die Hälfte der Amerikaner die Diagnose einer lebenslangen psychischen Störung zu gewärtigen haben. [6] Damit liegt es bei uns, endlich zu begreifen, dass unreguliertes Marketing die geisteskranke Pest unserer Zeit bildet - während die meisten angeblich Geisteskranken nur Definitions-Opfer einer geldgeilen und ethikfreien Industrie darstellen. [7]

print-jury 5* A1177 © 5.11.2013 ABR 11.854 Rezensionsexemplar

[1] "Hall of Shame" der Pharmaunternehmen (Allen Frances, "Normal", S. 150 ff):

08/2012 181 Mio. US$, Johnson & Johnson, Risperidon
07/2012 3 Mio. US$, GlaxoSmith-Kline, Paroxetin
07/2012 1 Mio. US$, GlaxoSmith-Kline, Bupropion
07/2012 2 Mio. US$, GlaxoSmith-Kline, Rosiglitazon
05/2012 1,5 Mio. US$, Abbott Valproinsäurepräparat
04/2012 1,1 Mio. US$, Johnson & Johnson, Risperidon
01/2012 158 Mio. US$, Johnson & Johnson, Risperidon
09/2010 422,5 Mio. US$, Novartis, Oxcarbazepin
09/2010 313 Mio. US$, Forest, Escitalopram, Citalopram, Levothyroxin
09/2010 520 Mio. US$, AstraZeneca, Quetiapin
09/2009 3,3 Mio. US$, Pfizer, Ziprasidon, Pregabalin, Valdecoxib, Linezolid
01/2009 1,315 Milliarden US$, Eli Lilly, Olanzapin
09/2007 515 Mio. US$, Bristol-Myers Squibb, Aripiprazo, Nefazodon
07/2007 635 Mio. US$, Purdue, Oxycodon
2004 430 Mio. US$, Warner-Lambert (Pfizer), Gabapentin

Die aufgeführten Strafen und zivilrechtlich vereinbarten Geldbußen wurden u.a. wegen "Werbung für Off-Label-Anwendung, teilweise für Kinder und Senioren", "Verschweigen von Risiken", "betrügerische Marketing-Taktiken", "Risiko-Bagatellisierung", "Falschbehauptungen", "Vertrieb nicht zugelassener Medikamente", "Targeting von Geriatriefachärzten, Hausärzten, Kinderärzten", "Illegales Marketing" oder "Betrügerische Falschetikettierung" verhängt.

[2] "Mit 60 Milliarden Dollar Jahresbudget kann man natürlich viel Werbung machen und Politiker kaufen." (Allen Frances, "Normal", S. 145)
"So ist es ökonomisch nachvollziehbar, dass die Werbeetats der Pharmaindustrie doppelt so hoch wie ihre Forschungsetats sind." (Allen Frances, "Normal", S. 396)

[3] "Saving Normal. An Insider's Revolt Against Out-of-Control Psychiatric Diagnosis, DSM-5, Big Pharma, and the Medicalization of Ordinary Life", 2013, Allen Frances.

[4] "Die medizinische Forschung hat so enorme Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt." (Aldous Huxley)

[5] "Die USA geben für die medizinische Versorgung pro Kopf fast doppelt so viel aus wie der Reste der Welt. Das ist eine entsetzliche Belastung für die Wirtschaft, zumal die zwei Billionen Dollar, die in die amerikanische Gesundheit fließen, ein wirklich armseliges Resultat zeitigen: mäßige medizinische Erfolge, exzessive Test und Therapien bei jenen, die sie nicht brauchen, während viele, die dringend einer Behandlung bedürften, leer ausgehen.

"Ein weniger effizientes, weniger gerechtes System könnte man sich kaum ausdenken." (Allen Frances, "Normal", S. 129)

[6] "Und mit über 40% holt Europa rasch auf." (Allen Frances, "Normal", S. 161)

[7] "Ist es nicht paradox, dass Medikamente, zu deren möglichen Nebenwirkungen Fettsucht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung gehören, in den USA heute einen Jahresumsatz von 18 Milliarden Dollar erzielen? Hausärzte verordnen potenziell gefährliche Medikamente, die nicht in ihre Zuständigkeit fallen, und bei den Patienten, denen sie verschrieben werden, sind sie meist kontraindiziert." (Allen Frances, "Normal", S. 141)
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Energie ohne Ende: Erfindungen - Konzepte - Lösungen
Energie ohne Ende: Erfindungen - Konzepte - Lösungen
von Andreas von Rétyi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

38 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...aber erst, wenn man die etablierten Konzerne entmachtet!, 15. Oktober 2013
Andreas Rétyi geht systematisch Methoden zur Energiegewinnung durch und versucht, das Für und Wider zu bewerten. Aber - ebenso wie man selbst als Leser - scheitert er daran, dass GERADE auch in der Wissenschaft schlimmer gelogen und diffamiert wird als man sich das als Außenseiter naiver Weise so vorstellen mag.

Es geht also keineswegs nur um die technische oder wirtschaftliche Einschätzung von Energie-Technologien. Vor allem was öffentliche Meinungsbildung angeht, gibt die Lektüre des Buchs "Energie ohne Ende" reichlich zu denken. Denn verrückterweise dürften heute genau die Ideen die zukunftsträchtigsten darstellen, gegen die von der etablierten Energie-Industrie am polemischsten Demagogie betrieben wird.

Wenn vergleichsweise simple Möglichkeiten zur Energiegewinnung aufkommen, schrecken hochkarätige Koryphäen nicht davor zurück, Untersuchungsergebnisse zu fälschen. Denn die Monster-Forschungsgelder für "Ihre" Fusionsforschung könnten ja gefährdet sein. Das Vokabular der Beschimpfungen stellt ebenfalls alles in den Schatten, was hier je zu lesen war.

Überall kommt auch das Intelligenz-Gefälle dazu. Ein durchschnittlich intelligenter Karrierist, der sich glücklich einen Lehrstuhl gesichert hat, wird den Teufel tun und sich für Entwicklungen einsetzen, welche etablierten Großmächten wie der Kerntechnik-Mafia, den Energieversorgern oder den Mineralöl-Konzernen vielleicht nicht gefallen könnten. Vor allem aber hat er ja mangels Durchblick nicht die Spur einer Chance, überhaupt beurteilen zu können, worum es geht. Selbst die Entdecker neuer Zusammenhänge sind ja in aller Regel zunächst außerstande, nachhaltig zu erklären, wie die von ihnen beobachteten Abläufe eigentlich zu erklären sind.

Lustig ist, dass die größten Zyniker daraus, dass man etwas (noch) nicht erklären kann, die Gewissheit ziehen, dass die Beobachtung nicht stimmt. Historisch kann man darüber lächeln, wenn etwa Edison bei Vorführung seiner Glühbirnen vorgeworfen worden ist, er sei ein Betrüger. Faktisch ist aber der Konformismus des Mittelmaßes die Hauptursache dafür, dass manche Entdeckungen schlicht unterdrückt werden und andere zwei Generationen benötigen, um überhaupt bekannt(!) zu werden.

Dazu kommt noch die Politik. War ein Einstein immer seriös? Zumindest zeitweise hat er seine weltpolitischen Ziele wohl so verstanden, mit Atombomben und Geheimwissen "das Böse" bekämpfen zu müssen. Ein Böses, wohlbemerkt, welches ohne die Finanzierungen und Unterstützung von US-Geheimdiensten und US-Konzernen wie Rockefeller wohl kaum aus dem Sumpf Münchner Bierkeller herausgekommen wäre. Auch ein Einstein war also bereits Opfer gleichgeschalteter Medien und hatte massive Probleme, über seinen Tellerrand hinauszublicken. Die Folge war offensichtlich, dass dieser höchst einflussreiche Mann wichtige, aber in seinen Augen gefährliche Entwicklungen sabotierte.

Wie kommt man aus solchen zerstörerischen Zwängen heraus? Offensichtlich liegt der Schlüssel in der Grundeinstellung der Menschen. Intelligenz alleine ist nicht ausreichend - siehe Einstein -, aber sicher erforderlich, um überhaupt zu einer halbwegs qualifizierten Einschätzung von Gegebenheiten zu kommen; denn eines ist sicher: Auf "Experten" oder "Kapazitäten" kann man sich in keinem Fall verlassen. Entweder, man ist imstande, sich selbst ein Urteil zu bilden, oder man ist verloren.

Gesellschaftlich scheint mir der Knackpunkt in den Wertvorstellungen zu liegen. Im US-Denken, einfach möglichst viel Kohle zu machen - egal, wie! -, liegt vermutlich doch die Hauptursache für die selbstzerstörenden Entwicklungen westlicher Gesellschaften. Am gefährlichsten ist die Tatsache, dass für die Hoheit über die öffentliche Meinung die Sache selbst nicht die geringste Bedeutung hat, sondern ausschließlich die Frage, wer die Medien steuert.

Es wird Zeit, dass dem wieder Leitgedanken entgegengestellt werden, die mit echten Leistungen zu tun haben. Der, der den Nobelpreis verdient gehabt hätte, muss wieder mehr zählen als der, der ihn aus politischen Einflüssen heraus erhält. Für einen Journalisten muss die eigene Überzeugung wieder mehr zählen als die Überlegung, wie wohl Liz Mohn zum Thema eingestellt ist.

Unter dem Strich eine beklemmende, aber auch äußerst informative Lektüre.

print-jury 5* A1176 © 16.10.2013 ABR 4.607 Rezensionsexemplar
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2014 3:37 PM MEST


Ärzte gefährden Ihre Gesundheit.: Ein Arztbesuch kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.
Ärzte gefährden Ihre Gesundheit.: Ein Arztbesuch kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.
von Bernd Neumann
  Gebundene Ausgabe

55 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die zahllosen Krankheiten wundern dich? Zähle die Ärzte! [1], 13. Oktober 2013
Der Geisteswissenschaftler Bernd Neumann (1957) verdient seinen Lebensunterhalt als Fachjournalist für Medizin. Man darf von einem solchen Menschen nicht erwarten, dass er sich als Revoluzzer und Verschwörungstheoretiker den Boden abgräbt, auf welchem er eben auch auf gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Protagonisten des Medizinbetriebs angewiesen ist.

Entsprechend behandelt das Buch praktisch ausschließlich Themen, über die man in den vergangenen Jahren sogar in den selbstzensierenden Leitmedien immer wieder einiges lesen oder sehen konnte. Ältere unter uns werden sich erinnern, dass DER SPIEGEL schon vor vielen Jahren in einer groß aufgemachten Titelgeschichte über die geschätzten mehr als 30.000 Designer-Krankheiten hergezogen ist, mit denen die Pharma-Industrie systematisch daran arbeitet, auch aus dem letzten gesunden Menschen einen chronisch Kranken zu definieren, der natürlich spätestens, wenn die ersten Medikamente geschluckt sind, auch wirklich krank ist.

Nach den Pharma-Opfern widmet sich das Buch mit dem originellen Zigaretten-Warnaufkleber dem wirtschaftlich motivierten Operations-Boom. Darüber hat man in letzter Zeit sehr kritische TV-Berichte sehen können. Am wenigsten breitgetreten wurde bisher die Screening-Problematik, vielleicht, weil auch Journalisten natürlich in übelster Weise darauf hereingefallen sind und nun in gesichtswahrender Weise Aufklärung verweigern. Sinnwidrige "Früherkennungs"-Untersuchungen führen natürlich wegen der teilweisen Verweigerung der Krankenkassen, für gefährlichen Unfug zu zahlen, unmittelbar zu den IGeL. Die wiederum zu den wirtschaftlichen Gründen, warum die Ärzte so gerne unsinnige bis schädliche, oft aber auch gefährliche Medikamente und Behandlungen verordnen - aber auch, warum psychotische Patienten Ärzte oft geradezu nötigen, das Falsche zu tun. Das letzte Thema schließlich prangert die Hauptursache von "iatrogenen" [2] Todesfällen an, den geradezu verbrecherisch fahrlässigen Umgang vieler Ärzte mit Hygiene und die "massenmordenden" Geschäftspraktiken geldgieriger Tierärzte.

Den Abschluss bilden die "zehn wichtigsten Tipps", wie man trotz Arzt gesund und am Leben bleiben kann.

Wie schon eingangs angedeutet, hätte man sich an vielen Stellen mehr Härte und Tiefe gewünscht. So findet sich beim Thema SSRI [3] kein Wort zu den erschütternden Zusammenhängen mit extrem hohen Selbstmordraten [5] oder gar der brisanten Feststellung, dass 120 Amokläufer der letzten Jahre unter entsprechender Medikation gestanden haben. Auch wäre keineswegs unsachlich gewesen, darauf hinzuweisen, dass die deutsche Arzneimittelkommission diesen Medikamenten Unwirksamkeit bescheinigt hat, was die erstrebte antidepressive Wirkung betrifft. Da waren jüngere Fernsehberichte doch sehr viel mutiger als Bernd Neumann, der ja wohl auch über diese Informationen verfügen dürfte.

Auch politisch lädt die Ärzteschaft seit Jahren große Schuld auf sich, indem sie vor bekannt schädlichen und unter unabhängigen Fachleuten unumstrittenen Einflüssen - ich nenne mal die Weichmacher, den Zucker, die Jodierung und Fluoridierung - nicht energisch öffentlich warnt. Zahnärzte kriechen ja sogar, wie man vor Jahren bei Bruker nachlesen konnte, mit der Zuckerindustrie unter die Schmusedecke und tragen mehr zur Entsorgung hochgiftiger Fluor-Industrieabfälle bei als man sich vorstellen kann.

Was hätten Zahnärzte schon noch groß zu tun ohne Limonaden, Speiseeis und Müsliriegel?

Ich will das nicht ausweiten, diese Beispiele sollen genügen, um die etwas zu konformistische Grundeinstellung des Autors zu verdeutlichen. Wer in diesen Themen gewohnt ist, sich - z.B. im Web - selbst die (nicht immer leicht zu findenden) warnenden Stimmen zu suchen, bevor er in die Reuse eines Arztes schwimmt, muss dieses Buch nicht unbedingt lesen.

Es sei denn, man muss sich zu der Masse der Medizin- und Ärzte-gläubigen zählen, die immer noch gerne alles wegwischen, was nicht den Eindruck macht, man könne - wie in einer Auto-Werkstatt - einfach den Preis zahlen und hinterher ist alles, was nicht mehr richtig funktioniert hat, wie neu.

Ich habe selbst in meinem (gebildeten!) Bekannten- und Freundeskreis jede Menge Beispiele für solche Irregeleiteten, die beispielsweise tatsächlich bei viralen Atemwegsinfektionen ihre Ärzte zur Verschreibung von Antibiotika geradezu nötigen. Womit sie nicht nur ihre eigenen Krankheiten "optimal" eskalieren, sondern auch in der Masse dazu beitragen, dass immer mehr Menschen in Krankenhäusern an resistenten Keimen sterben müssen.

Für diese verblüffend uninformierten Problemfälle - in Fall meiner Bekannten handelt es sich fast ausschließlich um Lehrer - dürfte das sehr ausgewogen geschriebene und sorgfältig mit Material untermauerte Buch [4] die bestdenkbare Chance darstellen, geistig zu gesunden. Denn nur, wer es schafft, an gesundheitliche Probleme ebenso nüchtern und sachbezogen heranzugehen wie an die Anschaffung eines neuen Heizkessels, wird früher oder später die seltenen, aber ohne Zweifel existierenden Exemplare von Ärzten finden, denen das Wohl der Patienten immer noch ein Stück wichtiger ist als die Frage, wessen Monats-Einkommen die 20.000,- Euro - Schwelle als erstes überschreitet.

Eine letzte Anregung an den Verlag: Vielleicht kann man ja in der nächsten Auflage auch noch ein wenig Übersetzungsarbeit leisten - nicht jeder Leser ist selbst Mediziner oder hat ein altsprachliches Gymnasium besucht.

Und an Sie, lieber Herr Neumann: Wenn Sie sich aufraffen, künftig etwas streitbarer für die Sache einzutreten, nennen Sie doch auch die erwähnten derzeit 10(!!!) Ärzte, welche die RpDoc-Software zur Vermeidung von Fehl-Medikationen in lobenswerter Weise einsetzen, beim Namen! Zu den Tausenden, die das nicht tun, muss man ja nun wirklich nicht in die Sprechstunde rennen.

print-jury 3* A1175 © 13.10.2013 ABR 18.329 Rezensionsexemplar

[1] Heinrich von Kleist (1777-1811)
[2] iatrogen - von Ärzten verursacht
[3] Eine extrem oft gegen "Depressionen" verordnete Wirkstoffgruppe (bspw.: "Prozac")
[4] Rund 40 Seiten Anhang mit Referenzen und Literatur locken zum Weiterbilden
[5] In einem TV-Bericht wurde eine Angehörige eines Selbstmordopfers gezeigt, der es gelungen ist, gerichtlich den Pfizer-Konzern zur Herausgabe aller Akten von deutschen Patienten zu zwingen, die Selbstmord begangen hatten. Es handelte sich - alleine bei Pfizer, einem der drei großen Profiteure des Antidepressions-Hypes, und alleine in Deutschland! - um mehr als 10.000 Opfer.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2014 3:45 AM MEST


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