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jury
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Deckname Luna [2 DVDs]
Deckname Luna [2 DVDs]
DVD ~ Anna Maria Mühe
Preis: EUR 6,97

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Historisch gemogelt, aber nett anzuschauen, 22. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Deckname Luna [2 DVDs] (DVD)
Lieschen Müller, die alles glaubt, was Merkel sagt und Bild druckt, wird an dieser etwas schnulzigen 2011er TV-Produktion von Ute Wieland ungetrübte Freude genießen können. Wer so seine Zweifel daran hat, dass alles, was auf der Welt funktioniert, von Deutschen stammen muss, wird gut damit fahren, einige Äuglein zudrücken und das Ganze eher als Historien-Soap denn als Dokumentar-Drama zu betrachten.

Die Stasi-Agentin mit Decknamen Luna (Anna Maria Mühe, 27) war schon genial besetzt, wenn man sich ihre Gesichtsform vor Augen führt. Sie spioniert - von der Stasi erpresst - ihren Opa Arthur Noswitz (Götz George, 74) aus, der als genialer Raketenforscher bei der Phantasiefirma "Bayrischen Triebwerk Technik (BTT)" endlich die deutsche Superwaffe in Mehrstufen-Technik entwickelt.

Diese Figur gibt es allerdings nur im Film - zusammengebastelt aus einigen historischen Vorbildern. Immerhin gab es wohl wirklich eine dreistufige Rakete, die in Cuxhaven eine Höhe von 110 km erreichte - auch ein international erfolgreicher Trick mit Festbrennstoffen stammt aus deutscher Entwicklung.

Gut gemacht sind die Einmischungen historischer Aufnahmen in der vor 50 Jahren so beliebten Split-Screen-Technik [1]. Sie geben dem Film zusammen mit einer Menge von Requisiten aus alten Zeiten einen gefühlsmäßig überzeugenden historischen Touch. Auch die Farbgestaltung gefällt: So erlebt man ostdeutsche Szenerien in wunderschönen ORWO-Farben. Die Musik schließlich hüpft unermüdlich durch Themen, die sich mit dem Mond befassen.

Unter vielen guten Schauspielern ragt wohl der vielgesichtige Stasi-Agent (Heino Ferch, 48) heraus.

"Deckname Luna" ist als Serie angelegt. Die ersten beiden Folgen waren nicht zuletzt dank "Lunas Tante" schon mal ganz anschaubar - mal sehen, was uns noch erwartet. Wer gutes Bild mag, wird den Film wohl eher bei der nächsten Ausstrahlung in HD mitschneiden als sich mit einer DVD-Kopie der aufwändigen Digitalproduktion zu begnügen...

Im Original (ZDF) 240 Minuten, HD 1080p, Dolby Digital 2.0

film-jury 3* A1086 © 22.12.2012eg Genre: Drama

[1] Beispiel: Thomas Crown ist nicht zu fassen


DVD Spiel mit der Angst as TV-Movie 2012-24
DVD Spiel mit der Angst as TV-Movie 2012-24

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spielchen mit dem Ängstchen, 22. November 2012
2007 stellte Mike Barker "Butterfly on a Wheel" auf Basis des Drehbuchs von William Morrissey fertig.

Tom Ryan (Pierce Brosnan, 54) nimmt Abby Randall (Maria Bello, 40) und Neil Randall (Gerard Butler, 38) in seine Gewalt und erpresst sie damit, die entführte Tochter der beiden umbringen zu lassen.

Es gibt in der deutschen Version ein paar ganz nette Aufnahmen von Maria Bello und Claudette Mink (36), die wohl dafür verantwortlich zeichnen, dass der Film in der US-Version um 3 Minuten gekürzt worden ist. Um dem deutschen Publikum sexuelle Verwirrung zu ersparen, hat die Universum Film diese Szenen auch auf ihrer Blu-ray sicherheitshalber weggelassen. Auch auf der mir vorliegenden TV-Movie - Version findet sich die gekürzte Fassung.

Das ist schade - denn außer gut aussehenden Darstellern hat der Streifen eigentlich nur nett fotografierte Alltags-Thriller-Kost zu bieten. Gerade weil "Spiel mit der Angst" irgendwie an "The Game" erinnert, wird man überdeutlich darauf aufmerksam, dass er diesem Vergleich in keiner Weise genügen kann. Dafür ist vor allem die völlig überkonstruierte Handlung verantwortlich, deren Unwahrscheinlichkeit jede Identifikation verbaut - damit aber auch das Gänsehaut-Potential.

Im Original 98 Min. (US 95 Min.), Format 2,35:1 auf 35 mm Film, DI, Dolby Digital (IMDb)

film-jury 3* A1085 22.11.2012eg Genre: Krimi | Drama | Thriller


Spiel mit der Angst
Spiel mit der Angst
DVD ~ Pierce Brosnan
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spielchen mit dem Ängstchen, 22. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Spiel mit der Angst (DVD)
2007 stellte Mike Barker "Butterfly on a Wheel" auf Basis des Drehbuchs von William Morrissey fertig.

Tom Ryan (Pierce Brosnan, 54) nimmt Abby Randall (Maria Bello, 40) und Neil Randall (Gerard Butler, 38) in seine Gewalt und erpresst sie damit, die entführte Tochter der beiden umbringen zu lassen.

Es gibt in der deutschen Version ein paar ganz nette Aufnahmen von Maria Bello und Claudette Mink (36), die wohl dafür verantwortlich zeichnen, dass der Film in der US-Version um 3 Minuten gekürzt worden ist. Um dem deutschen Publikum sexuelle Verwirrung zu ersparen, hat die Universum Film diese Szenen auch auf ihrer Blu-ray sicherheitshalber weggelassen. Auch auf der mir vorliegenden TV-Movie - Version findet sich die gekürzte Fassung.

Das ist schade - denn außer gut aussehenden Darstellern hat der Streifen eigentlich nur nett fotografierte Alltags-Thriller-Kost zu bieten. Gerade weil "Spiel mit der Angst" irgendwie an "The Game" erinnert, wird man überdeutlich darauf aufmerksam, dass er diesem Vergleich in keiner Weise genügen kann. Dafür ist vor allem die völlig überkonstruierte Handlung verantwortlich, deren Unwahrscheinlichkeit jede Identifikation verbaut - damit aber auch das Gänsehaut-Potential.

Im Original 98 Min. (US 95 Min.), Format 2,35:1 auf 35 mm Film, DI, Dolby Digital (IMDb)

film-jury 3* A1084 © 22.11.2012 Genre: Krimi | Drama | Thriller


Alexander McQueen
Alexander McQueen
von Judith Watt
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zerrissen, 20. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Alexander McQueen (Gebundene Ausgabe)
Lee Alexander McQueen, Jahrgang 69, galt als das "enfant terrible" der zeitgenössischen britischen Modeszene. In seinen Shows wurde er diesem Ruf mit Extravaganzen vom nackten Hintern (seinem eigenen!) bis zu blutverschmierten Models mühelos gerecht.

Von gnadenlosen Misserfolgen wie seinen YSL Beauté - Düften bis zu Welterfolgen wie der ultra-tief sitzenden "B*mster"-Hüfthose und dem Totenkopf reichte seine Wirkung. Neben dem eigenen Label "Alexander McQueen" kreierte er Mode für Givanchy und Puma. "Seine Identität fand er in der homosexuellen Londoner Subkultur mit ihren unerschütterlichen Frauen und dem Hohepriester Leigh Bowery." Seit 2002 öffneten die McQueen Flagship-Stores, zum Beispiel in New York, London, Mailand und Los Angeles. Neben Vivienne Westwood und John Galliano zählte McQueen zu den bedeutendsten britischen Designern seiner Zeit.

Zu seinen prominenten Kunden zählten Gwyneth Paltrow, Joan Collins und "Drag Queen" Lady Gaga. Seine 2000 geschlossene Ehe mit dem Dokumentarfilmer George Forsyth hielt gerade mal bis 2001. Im Februar 2010 suchte der depressive und Kokain-abhängige Alexander McQueen mit einem Drogencocktail den Freitod - einen Tag vor der Beerdigung seiner Mutter.

Judith Watt - Leiterin der Abteilung Modegeschichte am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design - dokumentiert in einem großformatigen Bildband (23 x 28 cm²), der Mitte September 2012 erschien, Leben und Werk des Künstlers. Eine deutsche Ausgabe folgte Anfang November 2012 vom Verlag Rolf Heyne.

Sie fängt tatsächlich mit dem Baby an, beschreibt das frühe Interesse an Mode und die Schulprobleme, seine Ausbildungen im Schneiderhandwerk und sein Design-Studium im "zweiten Bildungsweg". Eine Vielzahl von Anekdoten und Details aus dem Alltag McQueens bringt den Künstler dem Leser nahe und sorgt für eine unterhaltsame Lektüre - von Anfang an wird dabei die Philosophie der Gestaltung vermittelt. Dabei kommen auch zahlreiche Zeitzeugen zu Wort. So wirkt das Buch in weiten Teilen weniger wie ein Bildband, sondern eher wie eine üppig illustrierte Biografie, wobei das Gewicht ganz eindeutig auf der künstlerischen Entwicklung liegt. Aber vor allem führt Sie durch das Werk McQueens mit einer Vielzahl vorzüglicher Fotografien, die zum Teil erstmals in diesem Buch veröffentlicht werden.

Weder Lebensgestaltung, noch Philosophie, noch die Mode Lee McQueens vermögen jeden anzusprechen - auch mich nicht. Wenn "die neue Weiblichkeit mehr damit zu tun hat, jemandem den Stinkefinger zu zeigen, als in Pumps daherzustöckeln wie eine Debütantin der 60er.", fragt man sich, ob Lees unbekleidete Geschlechtsteile nun mehr den Pumps oder den Stinkefingern zuzuordnen sind. Sein vorgebliches Bemühen, aus Mädchen "starke Frauen" zu machen - oder meinte er eigentlich "schwache Männer"? - hat wohl mehr mit seinen persönlichen Präferenzen zu tun als mit der behaupteten "Liebe zur Frau".

Frauen werden aber nicht nur entblößt, sondern auch mit verhülltem Kopf präsentiert, "überfahren" - mit Autoreifen-Spuren über den Körper, zugegipst oder auch mit Draht gefesselt oder geblockt wie Sklaven oder gefolterte Gefangene, mit monströsem Bullen-Nasenring und Schafbockhörnern - aber auch mal mit einem Hirschgeweih oder dem Kopf in einer Voliere. Der Eindruck, dass Lee Alexander McQueen ein zentrales Problem mit der Weiblichkeit hatte, wird übermächtig.

Gerade in dem Versuch, Frauen in klassische Herrenmode zu stecken, zeigt sich der Unterschied einer frauenfreundlichen Linie, wie sie Coco Chanel einst entwarf, zu der nahezu psychotischen Variante des Lee McQueen.

Isabella Blow, bis zu ihrem Suizid 2007 "Muse" und Förderer des Meisters, rühmte den Designer für seine "Art, wie er Ideen aus der Vergangenheit aufnimmt, sie mit seinem Schnitt sabotiert, um im heutigen Umfeld etwas völlig Neues daraus zu machen. Es sind die Komplexität und Ernsthaftigkeit, mit denen er an den Zuschnitt herangeht, die ihn so modern machen."

Das kann man auch anders sehen: Thematiken, die klassische Stilistiken verzerren, verfremden oder bis zur Unkenntlichkeit karikieren, mögen schon von Neugierde und stilistischer Unersättlichkeit zeugen, beweisen aber auch die Unmöglichkeit des Respekts und die Unfähigkeit zur Integration.

Vivienne Westwood hatte Alexander McQueen "Null Talent" bescheinigt. Meiner Ansicht nach trifft es das nicht exakt: Lee McQueen hatte Talent - aber auch ein abgrundtiefes Problem mit Frauen und Weiblichkeit. Hätte er sich auf Mode für Homosexuelle konzentriert, wäre er vielleicht nicht in diesen inneren Konflikt geraten, der letztlich wohl auch zu seiner Selbstzerstörung beigetragen hat. Aber geradezu zwanghaft missbrauchte er Mode dazu, ein ihm verhasstes Ideal einer natürlich weiblichen Frau zu zerstören.

Ein spannendes Buch über einen zerrissenen Menschen, der Spuren in unserer Zeit hinterlassen hat.

print-jury 5* A1082 © 20.11.2012eg ABR 157.756 Rezensionsexemplar


Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters
Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters
von Tilman Rammstedt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht meine Art von Humor, 9. November 2012
"Er wolle gern mal wieder eine Ausstellung besuchen, sagte mein ehemaliger Bankberater. Andererseits, sagte er, besuchen die ihn ja auch nie. "Ist doch wahr", sagte er dann noch."

Wenn Sie sich bei so gebackenen Sandkisten-Späßchen vor Lachen geradezu verschiffen, dazu noch die Sprache anregend und anspruchsvoll finden, liegen Sie bei Tilman Rammstedts 2012 veröffentlichten Buch "Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters" richtig. Diese Witzstruktur wird dann auch für Genießer und Versteher auf den 999 Seiten [2] des Büchleins gut 100-mal wiederholt. In Kassel hält man das für "grotesken literarischen Humor", und auch viele Rezensenten halten Rammstedts Lustigkeiten für abgefahren. Ich hätte gerne dazu gehört, konnte aber den eintönigen, oft bedauernswert hilflosen Versuchen des Autors wenig abgewinnen.

Auf dem Buch steht Roman, außerdem ist eine kleine Katze abgebildet - man sollte sich von beidem nicht irreleiten lassen. Im Inneren erwarten uns im Wechsel die bereits vorgestellten Bankberater-Albernheiten sowie eine Erzählung, die in fiktiven Mails an Bruce Willis aufgebaut wird. Dabei geht es - es musste ja witzig sein - um einen Banküberfall, den selbiger Bankberater durchgeführt hat - worauf der Dualismus Bruce Willis Bankberater mit dem Autor auf eine chaotische Flucht aufbricht.

Tilman Rammstedt war immerhin 37 Jahre alt, als er dies schrieb - aber er scheint noch stets die Entdeckung der Welt mit den Augen eines 7-jährigen Mädchens zu betreiben. Wenn er nicht gerade sein Bett darein macht, Bruce Willis in endlosen Elogen wie einen Schwachkopf zu behandeln. Solches könnte durchaus Vergnügen machen, ersteres gar (Alt-)Kluges vermitteln. Doch wie in den Weisheiten des Bankberaters selbst führte auch bei der Lektüre des Buchs jegliches Bohren nach Tiefe ausschließlich zu Frust. Vielleicht mag es daran liegen, dass hinter so viel angestrengter Konstruktion auch der letzte Rest von Substanz verloren geht. Vielleicht aber, befürchte ich, wurde vor allem konstruiert, um das Fehlen derselben zu übertünchen.

print-jury 2* A1079 © 9.11.2012eg ABR 3.685 Rezensionsexemplar

[1] Harpe Kerkeling
[2] Die letzte Seite wurde statt mit "156" mit "999" nummeriert


Der Todesschrei
Der Todesschrei
DVD ~ John Hurt
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Psycho-Horror, 7. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Todesschrei (DVD)
Zwar entstand der Film "The Shout" von Jerzy Skolimowski schon 1978, aber dieses Herstellungsdatum kann die teilweise erschreckend schlechte Bildqualität weder entschuldigen noch erklären. Das Seine trägt zu der an VHS erinnernden Bild"qualität" wohl auch der Transfer bei, der den Film in einer 4:3 Letterbox liefert - so etwas habe ich lange nicht mehr gesehen.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass der Film selbst sehenswert ist, wenn man sich auf die gebotene Stimmung einlassen kann und die notwendige Phantasie besitzt. Eine sehr empfehlenswerte Rezension von Ekkehard Knörer (filmzentrale), welche vorzüglich in die Stimmung des Films einführt, findet man übrigens in der IMDb.

Im Kern wird eine Dreiecksgeschichte erzählt - oder besser, Charles Crossley (Alan Bates, 44) berichtet selbst in einer Rahmenhandlung während eines skurrilen Cricket-Turniers, ausgetragen von den Insassen einer Irrenanstalt, wie er Rachel Fielding (Susannah York, 39) verzauberte. Das konnte dem Gatten Antony Fielding (John Hurt, 38) nicht gefallen. Aber gegen die australische Magie des Fremden kann er mit konventionellen Mitteln nicht an.

Natürlich wird ein Horror außerhalb der üblichen, blutspritzenden Schlachthof-Dramaturgie nicht jedem Zuschauer liegen - meine Frau zum Beispiel fand diesen Film öd und langweilig. Wer aber ein Gespür für Mystik besitzt und anfällig für magische Musik ist, dem kann ich dieses gekonnt in der Schwebe gehaltene Werk nur empfehlen.

Wenigstens genügt der Ton mittleren Ansprüchen - wenn man den Titel bedenkt, sollte man die Lautstärke keineswegs dezent einstellen...

Im Original 86 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDb)

film-jury 3* A1078 © 8.11.2012eg Genre: Horror | Drama


Homo Faber [VHS]
Homo Faber [VHS]
VHS

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie könnte Deine Tochter sein, 2. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Homo Faber [VHS] (Videokassette)
Viele Kulturschaffende werden erst lange nach ihrem Tod berümt - der Filmemacher Volker Schlöndorff wurde bereits zu Lebzeiten zur Legende. Mit seinen genialen Literaturverfilmungen gelang ihm immer wieder der Beweis, dass anspruchsvolle Stoffe in durchaus spannenden und unterhaltsamen Filmen präsentiert werden können. Wer hätte gedacht, dass ein problematischer Stoff wie Bölls "Katharina Blum" zu einem Publikumserfolg führen könnte? Die Grass-Verfilmung "Blechtrommel" erhielt sogar einen Oscar - der erste Oskar seit 53 Jahren, der nach Deutschland ging.

Allerdings hat er die Zivilcourage besessen, die junge deutsche "Demokratur" und vor allem die Massenmedien in seinen Werken zu kritisieren. Schon eine Verfilmung des Nobelpreisträgers Böll stempelte ihn bei den unerträglichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft zum "Sympathisanten". Seitdem machen sich übereifrige Gesinnungswächter einen Sport daraus, auf Schlöndorff - oder auf seine Produktionen - einzudreschen. Bei Homo Faber kam noch dazu, dass es immer noch von vielen nicht ertragen wird, wenn ein größerer Altersunterschied zwischen Partnern besteht. Es kann gar nicht intolerant und peinlich genug sein, was die gleichgeschalteten Leitmedien von SPIEGEL bis BILD manchmal von sich geben. Aber Qualität setzt sich durch: "Homo Faber" wurde von 1,4 Millionen Zuschauern besucht - ein beachtliches Ergebnis für einen so anspruchsvollen Stoff.

Denn Schlöndorffs 1991er Verfilmung wurde eines der schönsten und wichtigsten Kunstwerke ist, die man je auf die Leinwand geworfen hat. Eine große Erzählung, vorzügliche Schauspieler und vor allem in HD auch ein traumhaftes Augenkino. Dazu entstand der Film in enger, freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Max Frisch, was dem Werk eine große Authentizität verleiht. Frisch liebte den Film - er hatte gegenüber Schlöndorff die Vorteile des Films gegenüber der Literatur gerühmt [2]. Wenige Tage nach Fertigstellung des Films starb Max Frisch [1].

Wer zu den Glücklichen gehört, die weder das Buch noch den Inhalt des Films kennen, sollte hier aufhören zu lesen. Denn die Geschichte Fabers bietet Überraschungen und Wendungen, die manchen Thriller vor Neid erblassen lassen würden. Wer sich "Homo Faber" an einem ruhigen Abend völlig spontan und unvoreingenommen gönnt, wird sicher nicht enttäuscht werden.

INHALT & WÜRDIGUNG (ENTHÄLT HINWEISE AUF WESENTLICHE TEILE DER HANDLUNG)

In der Hauptfigur des Ingenieurs Walter Faber finden wir jede Menge Max Frisch wieder. Walter (Sam Shepard, 48), der - geniales Casting - einem jungen, schlanken Frisch durchaus ähnlich sähe, ist Ingenieur - Frisch war bekanntlich Architekt. In der natürlich auch von Frisch erlebten und erlittenen, ebenso tragischen wie alltäglichen Situation, dass ein junger Mann unmittelbar nach Abschluss des Studium noch keine Familie gründen möchte, die Geliebte ihn aber mit einem Kinderwunsch oder sogar mit einer Schwangerschaft konfrontiert, gab es keinen Kompromiss: Die geliebte und liebende Hannah (Barbara Sukowa, 41) zieht sich zu dem Arzt Joachim Hencke (August Zirner) zurück, der ihr verfallen ist und ihr "helfen" will. Walter fliegt zu einem Staudammprojekt in die Ferne in dem Glauben, das Kind sei abgetrieben worden.

Walters Verpflichtungen führen ihn rastlos um die Welt. Aber er kann dem Verlustschmerz nicht entfliehen. Seine - wie bei Max Frisch selbst - zahlreichen Beziehungen bleiben oberflächlich, oft hat er nach wenigen Tagen die Nase voll von den Frauen.

Nun verflicht Max Frisch mit dem persönlichen Erleben Walters in genialer Weise die Konfrontation Walters mit überraschenden Ereignissen - Ereignisse, deren Wahrscheinlichkeit dermaßen verschwindend gering ist, dass ausgerechnet Walter beginnt, an Schicksal zu glauben. Denn Walter trifft "am Ende der Welt" zufällig Herbert Hencke, den Bruder Joachims. Zusammen spüren sie Joachim irgendwo im Urwald von Guatemala auf - doch der hatte sich gerade das Leben genommen.

Auf einer Schiffsreise von New York nach Europa begegnet Walter der zwei Jahrzehnte jüngeren Elisabeth (Julie Delpy, 22), an der er Ähnlichkeiten zu Hannah zu erkennen glaubt. Er nennt sie - mit biblischem Anklang - Sabeth. Am letzten Tag der Reise macht er ihr spontan einen Heiratsantrag. Einen Antrag, der - anders als seinerzeit bei Hannah - aus tiefstem Herzen kommt, obwohl hier ebenso die Vernunft dagegen spricht. So trennt er sich in Paris auch zunächst von Sabeth, schließlich folgt er aber doch seinem Gefühl und begleitet sie bei einer Italienreise. Ihre leidenschaftliche Liebe ist stärker als die Bedenken wegen des Altersunterschiedes. Zum ersten Mal seit Hannah liebt Walter wieder eine Frau.

Als Frisch den "Homo Faber" entwickelte, war er Anfang/Mitte 40. Heute würde man sagen, im besten Alter für die ebenso tragische wie normale Midlife-Crisis. Mit der Geschichte Fabers verarbeitete er seine eigenen Erlebnisse während umfangreicher Reisen durch Italien, einer Schiffsreise über den Atlantik sowie Reisen nach Amerika, Mexik, Kuba und Griechenland auf. Als hätte Frisch mit dem 1957 veröffentlichten "Homo Faber" seine eigene Zukunft sehen können, begann für ihn 1962 eine lange Beziehung mit der 28 Jahre jüngeren Marianne Oellers.

In früheren Zeiten bekam man häufiger als heute als älterer Partner gerne die Nettigkeit "sie könnte seine Tochter sein" zu hören. Es liegt seit 2000 Jahren nahe, diesen Gedanken zu dramatisieren. Welch ein Trauma muss es sein, zu erfahren, dass der geliebte Mann der eigene Vater ist, die geliebte Frau die eigene Tochter! Liebe kann man nicht abschalten, weil das Schicksal ein Spielchen mit einem getrieben hat. Auch Faber und Sabeth lieben sich weiter. Aber wie weiterleben, weiter lieben? In unserem Kulturkreis sind inzestuöse Beziehungen zwar relativ häufig, aber auch extrem tabuisiert.

Frisch hat die innewohnende Tragik in "Homo Faber" auf die Spitze getrieben, indem er Mutter, Tochter und Faber zusammenführte - um den Konflikt im Geiste der klassischen Tragödie aufzulösen. Die Gespräche zwischen Hannah und Walter, während Sabeth in der Klinik um ihr Leben kämpft, bilden ohne Zweifel einen Höhepunkt des dramatischen Films und beweisen große schauspielerische Fähigkeiten.

Auf das aus Sicht der eigenen Biografie geradezu prophetische Nachspiel des Romans, welches den Lebensbogens Fabers abschließt, hat Schlöndorff im Film verzichtet. Er nimmt zum Ende die Rahmenhandlung wieder auf, Hannah verabschiedet ihn mit einer letzten Umarmung, die ihre gemeinsame Geschichte abschließt.

"Ich sitze in der Abflughalle. Ich möchte nicht da sein, nirgends sein. Ich halte nichts von Selbstmord. Das ändert ja nichts daran, dass man auf der Welt gewesen ist. Und was ich wünschte: nie gewesen zu sein. Ich habe nichts mehr zu sehen. Ihre zwei Hände, die es nirgends mehr gibt. Ihre Bewegung, wenn sie das Haar in den Nacken wirft. Ihre Zähne. Ihre Lippen. Ihre Augen, die nichts mehr sehen. Wo soll ich sie suchen?"

TECHNIK & KONFEKTION

Im Original 117 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDB)

Der Film läuft 113 Minuten, Tonspuren in Deutsch und Englisch (Dolby) - wer "Homo Faber" VOR dem Directors-Cut durch Schlöndorff sehen möchte, hat hier nochmal die Gelegenheit

film-jury 5* A1075 © 2.11.2012eg Genre: Drama

[1] Max Frisch starb am 4. April 1991 an Krebs, kurz vor seinem 80sten Geburtstag.

[2] "Schauen Sie sich eine große Aufnahme von Julie Delpy an, zehn Sekunden. Wie viele Seiten müsste ich schreiben, um wiederzugeben, was das Gesicht in dem Moment ausdrückt und was man als Zuschauer empfindet!" Aus: "Begegnungen", Gero von Boehm (S. 647).


OPTIMUM RELEASING Roger Dodger [BLU-RAY]
OPTIMUM RELEASING Roger Dodger [BLU-RAY]

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für immer und ewig bist Du jetzt sein erster Kuss, 31. Oktober 2012
Dylan Kidds Film "Roger Dodger" (Aufschneider Roger, deutscher Titel "Sex für Anfänger") wurde 2002 auf dem Tribeca Film Festival vorgestellt. Um den für Käufer oft so unerfreulichen Titel-Missverständnissen vorzubeugen: Wenn es etwas gibt, was in diesem Film nicht vorkommt, dann ist es "Sex" - weder für Fortgeschrittene noch für Anfänger. Aber "Rodger Dodger" thematisiert auch nicht den Sex, sondern die unerfüllte Sehnsucht nach echten Gefühlen.

Nick (Jesse Eisenberg, 19), Unschuld vom Land, besucht seinen Onkel Rodger (Campbell Scott, 41) in New York und bekommt von ihm eine Tour durch das Nachtleben samt Lektionen im Aufreißen spendiert. Der war aber gerade von Joyce (Isabella Rosselini, 50), der Chefin seiner Werbeagentur, als Kurzzeit-Geliebter abserviert worden und entsprechend schrill drauf.

Das war's eigentlich schon - aber dennoch hat's der Streifen in sich, denn die Erlebnisse des ungleichen Gespanns in den Bars von New York bieten reichlich Stoff, um das Verhältnis von Mann und Frau, das Spiel des Kennenlernens und die Spannung zwischen Erwartung und Desillusionierung zu reflektieren.

So entwickelt dieser bemerkenswerte Erstlingsfilm auch gleich eine subtile Gesellschaftskritik, indem er das, was weithin als lebenswert und erstrebenswert postuliert und akzeptiert wird, als gefühlsarme Isolation entlarvt und diesem Bild die Sehnsucht der Menschen nach wirklicher Anteilnahme und echten Beziehungen entgegenstellt.

Eine deutsche Version habe ich bisher nicht gesehen - außer im TV, zuletzt am 26.10.2012 20:15 h auf "EINS FESTIVAL".

film-jury 3* A1074 © 31.10.2012eg Genre: Komödie | Drama


Italienische Verführung - School for Seduction
Italienische Verführung - School for Seduction
DVD ~ Kelly Brook
Wird angeboten von findcoolmovies
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weibchen oder starke Frau? Beides!, 31. Oktober 2012
Die umwerfende "Italienerin" Sophia (Kelly Brook, 25) bietet in der 2004 von Sue Heel verfilmten Komödie "Italienische Verführung" britischen Damen einen Kurs zur Selbstverwirklichung an. Doch ihre eigene, kurz vorher in Italien angeeignete Verwandlung zu selbstsicheren Frau muss auch erst noch einen Härtetest bestehen...

Kelly Brook ist wirklich umwerfend - selbst, wenn sie stolpert. Ihr nimmt man das Weib in allen Stufen zwischen natürlich und total übertrieben ohne Diskussion ab. Die Story kommt britisch-turbulent daher, ein entsprechend belastbarer Humor ist Bedingung, wenn man den Film genießen möchte.

In Deutschland kam die "Italienische Verführung" wohl nicht einmal in die Kinos - was nicht überrascht, denn wirklich erotische Frauen sind das Letzte, was ein deutsches Publikum, das Erotik immer noch in qdm nackter Haut "misst", sehen möchte. Da sind uns unsere Nachbarn doch ein gutes Stück voraus.

Insbesondere möchte manche deutsche Frau ja wegen ihrer Seele geliebt werden und nicht wegen ihrer Weiblichkeit - für eine solche Einstellung ist die Sophia dieses Films geradezu (weibliches) Gift.

Einmal macht der Film auf jeden Fall Spaß, bei wiederholtem Anschauen kommen doch einige Längen zum Tragen.

Im Original 104 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film (IMDb)

film-jury 3* A1073 © 31.10.2012 Genre: Drama | Komödie | Romanze


My Big Fat Greek Wedding
My Big Fat Greek Wedding
DVD ~ Nia Vardalos
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Äpfel und Orangen, 31. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: My Big Fat Greek Wedding (DVD)
Was Joel Zwick in seinem 2003 fertiggestellten Film nach dem Drehbuch des Griechen Nia Vardalos zeigt, ist nicht nur Komödie, sondern auch ein wenig Aufklärung über die typische Mentalität in traditionsverbundenen kleinen Ländern.

Die Chancen der 30-jährigen Toula Portokalos (Nia Vardalos), doch noch einen Mann zu finden, schätzt ihre Familie nur noch verschwindend gering ein. Dennoch ist das Entsetzen groß, als sie sich in Ian Miller (John Corbett) verliebt - denn Ian ist kein Grieche.

Dieser simple Plot bietet reichlich Gelegenheit, sich genussvoll in griechisch-amerikanischen Vorurteilen zu wälzen - wovon der Film genüsslich Gebraucht macht. Auch wenn gelegentlich Lärm und Übertreibungen den Film ohne Not etwas öden, läuft die Geschichte im Großen und Ganzen doch recht amüsant und unterhaltsam durch; auch, wenn für uns "Westler" der Eindruck, dass das alles vielleicht näher an der wahren Mentalität der Griechen liegen könnte, als uns lieb ist, sich gelegentlich das Nackenhaar in Aufrechtstellung sträubt.

Nach diversen Mesalliancen unter Beteiligung jüdischer, italienischer oder chinesischer Brautleute mal eine nette Abwechslung - aber auch nicht mehr.

Im Original 95 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby SR (IMDb)

film-jury 3* A1072 © 31.10.2012eg Genre: Komödie | Romanze


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