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Beiträge von Nimrod Kelev-rah
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Rezensionen verfasst von
Nimrod Kelev-rah "Nim" (Im Garten des bösen Hundes)

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Der Seidenspinner: Roman (Die Cormoran-Strike-Reihe, Band 2)
Der Seidenspinner: Roman (Die Cormoran-Strike-Reihe, Band 2)
von Robert Galbraith
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Welche Kreise ein Leben zieht, 30. April 2016
Wie schon im ersten Teil der Cormoran Strike Reihe konzentriert sich Galbraith (ja, wir alle wissen, wer es wirklich ist) auf seine Figuren, deren Verhalten und Motivationen und deren Beziehungen untereinander.

Die Handlung spielt sich in Unterhaltungen ab, die Strike mit verschiedenen Verdächtigen und Zeugen führt. Unterbrochen wird der Fluss durch kleine Anekdoten über Vergangenheit und Lebenssituation der beiden Detektive Cormoran Strike und Robin Ellacott. Gerade letztere erhält in diesem Band erheblich mehr Farbe und parallel zu ihr empfinde ich sie als Leser mehr als Partnerin, denn als die neue Sekretärin, die sie im ersten Band war. Das alles ist wieder klassischer Kriminalroman, weniger Thriller. Einige finden es ungewohnt, einige langweilig, andere, -wie ich, - reizvoll. Man muss es mögen, und man sollte wissen, was man erwarten darf und was nicht.

Auch in diesem Teil der Reihe beschränkt sich Galbraith auf eine ruhige Erzählweise, wenn gleich der Mord weitaus blutrünstiger ausfällt und das Motiv letztendlich verschrobener ist, als die Lösung des ersten Falls. Besonders gefällt die Liebe zum Detail, die allen Figuren zu Grunde liegt. Nicht nur die Zeugen und Verdächtigen, vor allem das Mordopfer entwickelt sich nach und nach zu einem echten Menschen. Obwohl tot, hat es einen Einfluss auf die Lebenden und macht einem beklemmend deutlich, welche Lücke ein Mensch reißt, der aus dem Leben gerissen wird. Unabhängig davon, ob ihn die Hinterbliebenen nun besonders mochten oder wie gut sie ihn kannten. Diese feinen psychologische Nuancen machen die Stärke dieses Bandes aus; die Kraft, die in Figuren und ihrer Dynamik untereinander liegt und die Möglichkeiten, die sich auftun, wenn man einfach mal mit Menschen redet und ihren Ansichten und Geschichten wirklich zuhört, anstatt gleich drauf los zu ballern.

Der Seidenspinner behält das ruhige Tempo des Vorgängers bei, drosselt sogar die Geschwindigkeit, mit welcher sich das Puzzle zusammenfügt; nimmt dabei aber an Intensität zu. Wir folgen Cormoran und Robin durch ihren Alltag als Ermittler, zu verschieden Treffen mit unterschiedlichen Menschen und hangeln und langsam aber stetig durch ein Netz aus Wahrheit, Lüge, Perspektiven, Vermutungen und Geschichten. Das ist zermürbend, für die Ermittler, als auch für den Leser. Gerade das fühlt sich aber unglaublich realistisch an und lässt alle Figuren glaubwürdig lebensecht erscheinen.

Wer Spaß daran hat sich mit Menschen zu beschäftigen; wer es mag die tragende Handlung eher in Charaktere zu verfolgen, als in Aktion und Schockeffekten, für den ist Der Seidenspinner genau das richtige.


Der Ruf des Kuckucks: Roman (Die Cormoran-Strike-Reihe, Band 1)
Der Ruf des Kuckucks: Roman (Die Cormoran-Strike-Reihe, Band 1)
von Robert Galbraith
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Kammerspiel, 30. April 2016
Im Herzen ein Kammerspiel, findet hier die Mörderjagd in den Seelen und Beziehungen der handelnden Figuren statt. Für „äktschn“ - süchtige Leser vermutlich ungewohnt, aber es lohnt sich.

Ermittler Cormoran Strike ist Mitglied des einsamer-Wolf-Club, wie die Kollegen Wallander oder Hole. Frau weg, Job auf der Kippe, Schulden, beschädigt an Leib und Seele. Trotzdem hatte ich hier mal nicht das Gefühl, dass der Ermittler von der ganzen Besetzung am dringendsten auf die Couch gehört. Sein Leben und Denken nimmt angemessenen Umfang ein, nämlich genug um die Figur kennen zu lernen ohne den Fall in die Ecke zu drängen. Seine neue Sekretärin und Mit-Schnüfflerin Robin bleibt Nebenfigur und eher blass. Zum ersten Beschnuppern reicht’s, es folgen ja noch weitere Bände.

Cormoran Strike ist unangefochten die Hauptfigur. Gebrochen wird dies hauptsächlich nur an zwei Stellen, direkt am Anfang: Im Prolog schildert ein neutraler Erzähler das Verbrechen, da die Hauptfigur noch nicht im Spiel ist. Die Einführung in die Geschichte übernimmt Robin, die ganz klassisch als neue Figur dem Leser als Ankerpunkt dient, der sich, selbst Neuling, in ihr wiederkennen kann. Danach folgt die Handlung Strike, und Strike allein.

Dieser Blickwinkel hat einen Vorteil: Man erfährt, was der Ermittler erfährt, wenn er es erfährt. Es bleibt die Möglichkeit selbst mit zu ermitteln. Wenn man also vorher die richtigen Schlüsse zieht, dann nur, weil man sie selbst zieht und nicht weil man, - wie so oft in anderen Krimis, - in Vorwegnahme bereits Lösungen und Zusammenhänge durch den Autor präsentiert bekommt. Was gern darin endet, dass man als Leser bereits bei halber Lösung des Falls genervt darauf warten muss, dass der Kommissar oder Detektiv endlich aufschließt. Nicht selten lässt das die als ach-so-clever bezeichneten Ermittler wie ewig im Dunkeln herum tapsende Volltrottel wirken.

Der Ruf des Kuckucks ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Suche nach dem Täter auch ohne Krawall und BumBum auf allen Seiten verlaufen kann. Lässt man sich auf die hintergründige Spannung ein findet man hier einen Krimi, der trotz seines klassischen Aufbaus nicht altbacken wirkt. Spannung ist eben kein Synonym für Schockeffekte und tritt nicht nur bei möglichst viel: „Drama, Baby, Drama!“, auf.

Es ist ein klassischer, stilistisch und genretechnisch sauberer Kriminalroman, kein Thriller. Wer übrigens den Unterschied nie so ganz fassen konnte, der sollte dieses Buch lesen und zum Vergleich etwas von Sund, Fitzek, oder McFadyen lesen.

Eine Abwechslung zu all jenen gerade populären Bücher, die entweder die den Unterschied zwischen „Krimi“ und „Thriller“ auch nicht mehr so recht wissen oder zu glauben scheinen, sie dürften sich nicht in einem dieser Genre einordnen, ohne mindestens fünf Tote, - von denen nicht weniger als zwei durch detailliert beschriebene Gewalt ihr Leben lassen müssen,- und ohne wenigstens einen Fall voyeuristisch geschilderter sexueller Abartigkeit.

Wer Blut und Gewalt und möglichst viel Tote wünscht; wer dies unter „Spannung“ versteht - was völlig in Ordnung ist, - der wird wohl mit Der Ruf des Kuckucks falsch bedient sein; wobei ich nur empfehlen kann, sich auf die Ruhe dieses Kriminalromans einzulassen, um vielleicht (wieder) zu entdecken, wie viel Kraft darin stecken kann.


Gewönne doch der Konjunktiv!: Sprachwitz in 66 Lektionen
Gewönne doch der Konjunktiv!: Sprachwitz in 66 Lektionen
von Wolf Schneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen Lehrreiches mit Augenzwinkern, 5. April 2016
"Gewönne doch der Konjunktiv" ist eine ausführlichere Version von "Deutsch für junge Profis", das später geschrieben wurde und die Themen kompakter, aber auch mit mehr Struktur behandelt.

Trotz der Wiederholungen, die man allerdings nur hat, wenn man beide Bücher liest, ist "Gewönne doch der Konjunktiv" eine einladende Lektüre. Vor allem für versteckte Sprach-Snobs wie mich, bei denen der letzte Unterricht in deutscher Grammatik Jahre zurück liegt und die wenigstens wieder etwas Ahnung haben wollen, wie nur so zu tun als hätten sie sie. Immerhin haben die Wiederholungen den Vorteil, dass die angesprochenen Punkte einem länger im Gedächtnis bleiben.

Schneider schreibt lehrreich, mit Augenzwinkern. Seine Schlenker in Richtung der Gruppen, die er sprachlich ein bisschen auf dem Kieker hat, - vornehmlich Soziologen und, - militante! -, Feministinnen, - sind amüsant, rutschen jedoch nicht ins Unsachliche ab: Die Spitzen sind scharf, aber nie bösartig. Schade nur, dass Wolf Schneider mit den immer gleichen Beispielen hantiert. Da hätte Abwechslung gut getan.

Wirkung zeigt sein Buch; ich starre gerade jeden Satz dieser Rezension misstrauisch an und frage mich, wie groß der grammatikalische Murks ist, den ich gebaut habe. ^^


Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt
Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt
von Wolf Schneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für das Denken beim Schreiben, 5. April 2016
Schreib, wenn du etwas zu sagen hast und sag, was du sagen willst. Wie schreibe ich Leserfreundlich? Formulierungshilfe, Tipps zur Wahl der Wörter und zum Satzbau. Zum Abschluss Unterschiede in den einzelner Textgattungen.

Das Buch lädt dazu ein vor dem Schreiben nachzudenken und die deutsche Sprache wieder mit Sorgfalt zu verwenden. Hilfreich sind die Fazit-Kapitel, die alle Punkte des jeweiligen Abschnitts noch einmal zusammenfassen. Angenehm ist der lehrende, aber nicht belehrende Tonfall.

Seine Tipps nennt er Rezepte und verkauft sie nicht als starre Regeln. Warum es sich lohnt sie anzuwenden zeigt das Buch selbst. Er spricht viel über Blogger und Journalisten, doch hier wird jede Art von Schriftsteller fündig; Sachbuchtexter und Prosaautor.

Ein kurzweiliges Sachbuch das mir lang im Gedächtnis bleiben wird. Es lässt sich mühelos in einem Rutsch durchlesen, macht gleichzeitig Lust darauf, es öfter in die Hand zu nehmen und einzelne Abschnitte noch einmal nachzuschlagen.

Ich habe gemerkt, wie viel ich noch lernen muss. Das Buch spornt mich an. Jetzt will ich es lernen!


Der raffinierte Mr. Scratch: Roman
Der raffinierte Mr. Scratch: Roman
von Michael Poore
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu mau um teuflisch gut zu sein., 4. April 2014
Was habe ich aufgrund des Klappentextes erwartet?

Eine Geschichte über den Teufel als Fernsehmoderator, der in einer grausam - Unterhaltsamen Show den Menschen den Spiegel vorhält.

Worum geht es?

Die Fernsehshow dient nur als Einleitung und nimmt einen minimalen Teil im Roman ein. Handlungsrelevant ist sie überhaupt nicht. Dies ist nur ein kleines Spielchen, dass der Teufel mit den Menschen spielt, um sie endlich auf den, seiner Meinung nach rechten Weg zu bringen. Das versucht er, um die Erde für seine große Liebe, einen Engel, attraktiver zu gestalten. Sie findet die Welt und die Menschen unterm Strich nämlich eher befremdlich und abscheulich und möchte deswegen nicht mit ihrem gefallenen Liebhaber dort die Ewigkeit verbringen.

Ein paar Gedanken zum Inhalt:

Die Handlung springt durch verschiedene Epochen der Geschichte und erzählt aus Sicht des Teufels und seiner Taten / Interventionen auf ironisch - satirische Weise vom Wesen und vor allem vom Scheitern der Menschen.

Als roten Faden nutzt der Autor zum einen die Figur des Teufels, Mr Scratch. Diesen gestaltete er selbst auf der einen Seite sehr menschlich. Gab ihm jedoch auf der anderen Seite genügend befremdliche Elemente und natürlich so einige magische und übernatürliche Fähigkeiten, die den Teufel eben teuflisch machen.

Zum anderen nutz der Autor als Anker und Verbindungsglied die drei Mitglieder einer Hippie - Band, welche alle ihre Seele verkaufen und versuchen ihren Weg zu Ruhm, Reichtum oder Glück zu finden und dabei, wie sollte es anders sein, ganz menschlich, mal gewinnen, mal scheitern.

Das ist amüsant zu lesen und recht kurzweilig. Die Sprache ist locker einfach und der Lesefluss angenehm. Die Satire ist nicht so böse wie es manch eines der aufgegriffenen Themen vielleicht verdient hätte, aber auf angemehme Art unterhaltsam. Vor allem gibt es überhaupt keinen belehrenden Unterton, der sich oft in Texten findet, die etwas an den Pranger stellen. Das tut der Autor nämlich hier, aber er tut es auf eine sehr charmante und symphatische Weise.

Anfänglich irritierten mich die verstreuten recht graphischen groberen Passagen, die teilweise in die Fäkalsprache gleiten. Ebenso gibt es Stellen mir recht ekelhaftem Inhalt. Doch dieser leichte Schmutz tut der Geschichte gut, ist wirklich nur eine kleine Facette des Romans und war für mich eine schöne Abwechslung von den heute so verbreiteten all zu glatten, all zu strahlenden Helden und Plots.

Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass der Autor ein wenig nicht nur die Menschen sondern auch alle möglichen Formen der Medien auf die Shippe nimmt. Zum Beispiel durch die geschilderte Sexualität, die ebenso in moderater Form vorkommt. Hier hatte ich den Eindruck, dass der Autor diese Stellen mit einem großen Augenzwinkern schreibt. Fast wie eine Parodie auf das Klischee der perfekten, alles überwältigenden Leidenschaft, bei welcher jeder Beischlaf zum großartigsten sexuellen Erlebnis aller Zeiten wird. Bis zum nächsten Mal die Bettfedern quietschen und alles noch viel "tollerererer" wird.

Daneben geht es auch um Ruhm, Starkult und vor allem die Medien und deren Umgang damit. Es wird unter anderem der Aufstiegt und Absturz eines Stars geschildert und wie schnell sie das Karusell der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit weiter dreht.

Auch besagte Fernsehwhow ist ein Seitenhieb auf die modernen Unterhaltungsshows, inklusive einer Infotainment - Doku, denn der Teufel wird in dieser Zeit rund um die Uhr mit Kameras begleitet.

Fazit:

Die Bezüge auf aktuelle Themen, sowie der kleine Streifzug durch die Geschichte halten das Buch eher auf der real-satirischen Ebene. Magische oder teufliche Elemente sind nur gering vorhanden.

Alles in allem hat mir das Buch recht gut gefallen. Für mich ist es soldies Mittelmaß. Es gibt bessere Bücher, es gibt aber auch weitaus schlechtere. Für meinen Geschmack versteht sich. Es war nicht so ganz das, was ich erwartet hatte, aber im Endeffekt passend. Anreiz es noch einmal zu lesen habe ich nicht.


Der Meister und Margarita: Roman
Der Meister und Margarita: Roman
Preis: EUR 9,49

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was täte dein Gutes, wenn es das Böse nicht gäbe?, 27. März 2014
Ich unterhielt mich vor einiger Zeit über unverfilmbare Bücher. Unter anderem wurde auch „Der Meister und Margarita“ von Bulgakow genannt. Von diesem Werk hat ich noch nie zuvor etwas gehört, aber es machte mich neugierig. Also ging ich auf gut Glück in die Buchhandlung, fand und kaufte es.

WOVON HANDELT ES?

Den Inhalt kurz zusammen zu fassen ist schwer, einfach, weil er so komplex ist. Mein persönlicher Klappentext würde lauten wie folgt:

An den Patriarchenteichen verliert ein Schriftsteller den Kopf, ein anderer den Verstand. Ein Varietétheater erlebt die Vorstellung des Jahrhunderts, tausende Moskauer Damen finden sich leicht bekleidet auf der Straße wieder und alle schimpfen über verschwindende 10-Rubel-Scheine. Die Wohnung Nr. 50 im Haus Haus Sadowaja ist größer als gedacht, immer leer und der Kater kugelsicher. Alles endet in den Flammen, während der Meister seinem Schüler im Irrenhaus die Geschichte seines Buches über den grausamen fünften Prokurator von Judäa, dem Ritter Pontius Pilatus erzählt und seine große Liebe Margarita sich als des Teufels Ballkönigin drei Stunden lang das Knie küssen lässt.

Historisch angesiedelt im Moskau der 30er Jahre, in der Dekade nach der russischen Revolution ist es politische Satire mit einer großen Portion Schadenfreude und historischer Detailtreue.

Magie und Hexerei, der Kampf zwischen Gut und Böse und die Frage, was des Menschen größte Schwäche ist, wer auf Erlösung hoffen darf und was den Teufel eigentlich so teuflisch macht.

Es ist ebenso eine Liebesgeschichte zwischen den Titelhelden, dem talentierten aber verkannten und erfolglosen Schriftsteller, der sich selbst nur „der Meister“ nennt und Margarita, einer unglücklich verheiratete Frau. Bulgakow stellt die Fragen : Wie weit geht man für die Liebe? Was gibt man auf? Was opfert man? Und was kann man gewinnen?

Innerhalb der Hauptgeschichte befindet sich zudem ein Roman im Roman, eben jenes Buch, welches „der Meister“ schreibt. Es ist die philosophisch angelegte Geschichte über Pontius Pilatus und die Tage rund um die Verhaftung und Verurteilung Jesu von Nazareth.

Außerdem beschäftigt sich Bulgakow mit der Frage der Kunst, insbesondere der Literatur. Was darf und was soll sie? Welche Verantwortung haben Künstler, Schrifsteller, gegenüber der Gesellschaft?

Und, und, und ...

WIE FAND ICH ES?

Bulgakow schafft es, trotz der Fülle an Personen, Schauplätze, Genre und Themen im Fluss zu bleiben. Es dauerte ein wenig, bis ich mir vor allem einen Überblick über die zahlreichen Personen verschafft hatte. Doch es war mir, als würde ich selbst nach Moskau dieser Zeit ziehen und so nach und nach meine Nachbarn kennen lernen. Zwischen fast allen Figuren besteht eine Verbindung, es gibt immer wieder Querverweise und als ich mich eingelesen hatte war es als würde ich auf jeder Seite alte Bekannte treffen.

Ich glitt mühelos durch den Mix aus realistischen und phantastischen Elementen hin und her, denn Bulgakows Schreibstil trug mich traumgleich und zugleich glaubwürdig durch seine Handlung.

Was für mich auch daran lag, dass er auf eine schwarz und weiß Darstellung verzichtet. Die Opfer der Spielchen des Teufels haben auf der einen Seite verdient, was ihnen passiert. Doch ihre Taten geschehen aus solch einer Menschlichkeit heraus, dass ich mit ihnen mitfühlen und sie nicht wirklich verurteilen konnte.

Auch der Teufel selbst, nebst seiner Spießgesellen, ist nicht der klare Bösewicht, der „Teufel.“ Bulgakows „Voland“, wie sich der Satan nennt, ist mephistophelischer Natur. Weder böse noch gut, sondern ein Teil des großen Ganzen.

Um es mit den Worten des Autors zu beschreiben:

„Willst du nicht so gut sein, einmal darüber nachzudenken, was dein Gutes täte, wenn das Böse nicht wäre, und wie die Erde aussähe, wenn die Schatten von ihr verschwänden? Kommen doch die Schatten von den Dingen und den Menschen. [...] Du willst doch nicht etwa den Erdball kahl scheren [...] und deine Phantasie an kahlem Licht ergötzen?“

FAZIT?

Vergleichbar wäre das Werk mit Goethes Faust oder Dantes göttlicher Komödie. Ich las dieses Buch wie gesagt als Spontankauf auf Empfehlung ohne jegliches Vorwissen hauptsächlich während meiner zwanzigminütigen Bahnfahrt von der Arbeit und zurück.

Meiner Meinung nach ist ein Vorwissen nicht unbedingt nötig, es schadet aber nicht rudimentäres Grundwissen über das stalinistische Moskau und vor allem die Darstellung des faustischen Teufels zu haben.

Der Roman wandert auf einem schmalen Grad zwischen Realismus und Phantasie, zwischen Historie und Mystik; schwingt mal in die eine, mal in die andere Genre und verknüpft doch alles zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Themen sind Politik, Gesellschaft, Liebe und der Kampf zwischen Gut und Böse und alle die menschlichen Grauzonen die uns Menschen eben so menschlich machen und den Teufel teuflisch.

Ein Buch für alle, die sich auf eine große Figurenfülle und komplexe Zusammenhänge einlassen können. Die mehrere Genre in einem Buch vereint lesen möchten. Die gern durch Fiktion ein wenig über Geschichte, Philosophie und ein wenig auch über religiöse Themen lernen möchten und sich ab und an beim Lesen nicht nur berieseln lassen möchte.


Operation Amazonas: Roman
Operation Amazonas: Roman
von James Rollins
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Wenn Trash, dann bitte richtig trashig. Und dazu stehen., 3. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Operation Amazonas: Roman (Taschenbuch)
Im südamerikanischen Dschungel taucht ein seit vier Jahren auf einer Expedition vermisster CIA Agent in einer Mission auf und verstirbt wenige Stunden später an einem, laut den Einwohnern, Fluch eines mysteriösen Indianerstammes. Es wird eine neue Expeditionsgruppe zusammengestellt, um den Spuren des verstorbenen Agenten zu folgen und die erste Expedition zu finden. Im Verlauf verliert die Gruppe reihenweise Teilnehmer im Schach - Prinzip (mit Bauern fängt es an, die 'Wichtigen' sterben zuletzt) und der Fluch, eine Fieberkrankheit, breitet sich im Amazonasbecken und in den USA aus und ein rachsüchtiger Franzose folgt der Gruppe mit Söldnern und ständig nackter Indianerhexe durch den Dschungel. Es müssen Monster bekämpft, Mysterien entdeckt, Krankheiten geheilt, die Umwelt geschützt und der Weltfrieden gerettet und das Paradies gefunden werden.

Als Film wäre die Story ganz amüsant. Man denke an Angriff der Riesenanakonda / Killerbienen / Monsterhaie ect. Der Autor wirft die Zutaten für (B-) Actionmovies in einen Topf und rührt.

Einige Figuren sind ziemlich überflüssig. Aber auf der anderen Seite benötigt der Autor genug Personal, das ins Gras beißen kann. Doch was vor allem überflüssig ist, sind die ganzen Hintergrundstorys. Allen voran der Held, der ständig emotionale Ausbrüche bekommt, wütend wird und zwei Sätze später doch feststellt, dass er sich umsonst aufgeregt hat. Auch überflüssig sind die, als Infodump "verstecken" Vorträge über Umweltschutz, Botanik oder Epidemiologie.

Wenn ich einen Actionfilm sehe oder so ein Buch lese, dann ist mir der lateinische Name der Pflanze egal, die gerade die Helden abmurkst. Ich will lesen, wie sie gekillt wird. Mir ist in dem Moment auch egal wie ein "gefaltetes Protein" aussieht. Finde das Heilmittel und gut ist. Erklärungen können da nur hanebüchen werden und genau das sind sie auch.

Würde der Autor hier einfach den Fokus auf der Action halten und einen Stallone oder einen van Damme ein paar Monster niedermähen lassen, hätte das ein amüsanter, trashiger Spaß werden können. Der Versuch dort "Wissenschaft" und "Umweltschutz" und "tragische Kindheit" und "arme, ausgebeutete Eingeborene" einzubringen ist viel zu viel des Guten und zerstört mehr, als das es die Geschichte bereichert.

Oh und die Frauen. Dazu noch eine besondere Anmerkung: Die dauergeile, dauernackte exotische Hexe, und die Damsel in Distress, die heiße Soldatin und die ... öh ... asiatische Antrophologin ... die total überflüssig ist, weil mindestens zwei Teilnehmer mehr Ahnung haben, als sie. Aber die Quote muss stimmen, ne? Ja, also die Damen in dem Buch ... schweigen wir. Wenn sie nicht da wären, wäre es kein Verlust, es gäbe nur weniger Sexszenen. Die dem Autor recht ... poetisch geraten sind und die genau so viel in diese Story gehören, wie die Dämlichkeiten selbst.

Aber im Ernst;: Wenn einem Autor mit seinem weiblichen Personal nicht mehr einfällt, als diese Weiblichkeiten in Gefahr geraten zu lassen, den Held gutaussehend zu lassen, dämliche Fragen zu stellen, Angst haben zu lassen, oder dem Leser (oder sich selbst) feuchte Träume zu bereiten, dann soll er sie gefälligst ganz raus lassen. Wie gesagt: Held, der mit einem Maschinengewehr Monster abknallt. Und ein paar Soldaten die draufgehen. Reicht.

FAZIT: In einem Rutsch lesbar. Dabei aber einiges überblättert ohne den Faden zu verlieren. Action - Trash - B-Movie in Buchform, dass seine trashige Inspiration nicht verleugnet, sich selbst aber streckenweise leider viel zu ernst nimmt, um die Trash-Charme-karte gewinnend auszuspielen. Wenn man Trash schreibt, dann bitte richtig. Die Szenen, die sich nur im die Action drehen sind aber gar nicht so schlecht. Alles in allem recht unterhaltsam, wenn man es nicht ernst nimmt.

KAUFEMPFEHLUNG: Hm. Vielleicht vom Wühltisch mitnehmen, okay. Ansonsten lieber Rambo schauen. Oder Outbreak. Oder Anaconda.


Silber - Das erste Buch der Träume: Roman
Silber - Das erste Buch der Träume: Roman
von Kerstin Gier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

25 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ob ihr wirklich richtig steht ..., 30. Juli 2013
... seht ihr, wenn das Licht an geht.

1, 2, oder 3 ... letzte Chance ...

Ob Kerstin Giers letzte Chance bei mir vorbei ist, weiß ich noch nicht ganz genau, aber ich gehe stark davon aus. Denn aus diesem Grund habe ich Silber : Das erste Buch der Träume in die Hand genommen. Eine letzte Chance für die Autorin und ihre Geschichten.

Gestaltung:

Vorweg ein paar Worte zur viel besprochenen Aufmachung. Das Buch ist hübsch. Es hat einen detailreichen Umschlag, einen ebenso gestalteten Einband, im Inneren befindet sich als Gimmick ein Ex Libris und auch auf den Seiten finden sich kleine Verzierungen. Es ist hübsch.

Kurzer Eindruck:

Das ist bedrucktes Toilettenpapier auch. Im Grunde ist das ein guter Vergleich. Silber ist wie bedrucktes Toilettenpapier. Nützlich in gewissen Situationen, sieht hübsch aus, optisch netter als anderes Klopapier, aber es bleibt hat Klopapier und wenn die Rolle leer ist, dann hängt man einfach eine neue ein und denkt nicht mehr an die alte, selbst wenn die Neue schnöde weiß ist.

Wem dies als Rezension reicht, weil er nur einen kurzen Eindruck haben möchte, der darf nun aufhören; wer meine Begründung zu diesem Urteil lesen möchte, der darf gern weiter lesen.

Begründung / Ausführlichere Kritik:

Die Geschichte ist rasch erzählt und findet sich auf diversen Blogs/ Rezensionen wieder, weswegen ich hier darauf verzichte.

Dieses Buch ist glatt. Aalglatt.

Silber zu lesen, ist, wie auf einem breiten, glatten Fluss zu schippern, an einem lauen Sommerabend. Ab und an muss man, um über längen zu kommen, das Paddel in die Hand nehmen, meistens wird man von der gemächlichen Strömung getragen. Man gleitet so durch.

Man kann es lesen, während man sich die Nägel lackiert, eine Serienfolge schaut, mit der besten Freundin über den neusten Tratsch quatscht und nebenbei Musik dudelt. Es ist im wahrsten Sinne ein Buch der Träume, denn es ist so leicht und locker geschrieben, dass man es im Halbschlaf lesen kann. Und man hat auch leider nicht viel davon.
Es ist für das Geld, das man bezahlt, (zu) schnell gelesen. Der leichte Stil hat für mich nicht nur Vorteile, es ist hier eher ein Nachteil. Es gibt Bücher, die sind locker geschrieben, punkten aber durch ihren Inhalt und geben der Leseratte Futter zum kauen. Doch auch inhaltlich hat das Buch nicht wirklich etwas zu bieten, an dem man sich etwas verweilen könnte oder wenigstens ein bisschen aufmerksam sein müsste. Hier muss die Leseratte eigentlich nur den Mund einmal groß aufreißen und in einem Happen ist das Ding gegessen. Da kriegt man woanders mehr für sein Geld. (Abgesehen davon, dass, wie auch jemand hier schon anmerkte, das Bucht sehr großzügig gesetzt wurde.)

Silber gefällt mir auch irgendwie, das muss ich zugeben, es ist nicht ganz schlecht. Weil es gefällig ist. Es gibt keine Ecken und Kanten, weder in die positive, noch in die negative Richtung. Es ist durch und durch nett. Ich kann weder für explizites Lob irgend etwas richtig greifen, auch für Kritik kann ich nichts wirklich fassen, weil es eben so glatt daher kommt, dass es einfach an einem beim Lesen vorbei rutscht. Es bleibt nichts hängen. Deswegen kann man es auch im Halbschlaf lesen, es flutsch belanglos, ohne viel Konzentration zu fordern, an einem vorbei.

Es ist so undifferenziert wie die Themenauswahl. Familiengeschichte, Schulalltag, Romanze, bisschen Mystery, bisschen Grusel, bisschen Komödie, bisschen dies, bisschen das. Die typischen Figuren sind nach Mustern gestrickt die schon anderswo so funktionieren, die Story enthält von allem etwas, man kann es ohne Anstrengung lesen. Silber ist Buch gewordenes Mittelmaß. Darüberhinaus schaffte es Kerstin Gier bei alle der Themenfülle leider kein einziges wirklich zu erfüllen. Es bleibt alles angerissen bei, ein bisschen hier, ein bisschen dort. Was dieses Bucht thematisch vielfältig macht, aber unterm Strich bleibt nichts, weil alles nur halbgar gekocht wird.

Charaktere:

Die Lobeshymnen auf den hübschen Einband sind, im wahrsten Sinne, Lobeshymnen auf die oberflächliche Aufmachung und so hübsch die Oberfläche des Buches, so gut ist das ein Exempel für den Inhalt.

Die Figuren sind sympathisch, kommen einem nach ein paar Seiten vor wie alte Bekannte und ich empfand sie als sehr lebendig.

Ein paar Seiten gelesen und ich wusste, warum das so ist. Die Charaktere sind durchweg Typen. Nein, keine 'Typen' im Sinne von kantigen Charakteren, sondern 'Typen' im Sinne von typisch. Sie kommen einem so bekannt vor, weil man sie kennt. Man nehme jedes x-beliebige Medium, das jemals für diese Zielgruppe veröffentlicht wurde und man findet die Figuren wieder. Sie erscheinen einem so lebendig, weil man sie aus dem Leben wieder erkennt, nicht aus dem realen Leben, sondern aus diversen Highschool-Movies und Teenie Serien, die man in seinem Leben so gesehen hat.

Und sie sind lebhaft, was ebenso die Verwechslung mit 'lebendig' zulässt. Kommen holterdiepolter in die Szenen gestürzt und lassen allerhand kluge/coole/witzige Sprüche los. Aber auch hinter lustigen Klappen sollte was dahinter stecken und da habe ich leider nicht genug gefunden. Die Figuren sind so laut wie das Marketing und so glatt und hübsch wie der Umschlag.
Sie sind sogar so oberflächlich wie der Umschlag. Es gibt mal hier und mal da einen Schnörkel oder ein Relief, aber das war es. Sie wirken photorealistisch, man meint, man erkennt sie irgendwo wieder, aber letztendlich betrachtet man nur, aufgehübschte, Fotoabzüge von Personen. Es bleibt immer eine Distanz.

Was mir sauer aufgestoßen ist, das ist die schwarz-weiß Einteilung. Dieses Mal im Extrem.

Alle Protagonisten, alle Helden der Geschichte sehen über die Maßen gut aus.

Alle Antagonisten und/oder Pausenclows sind unattraktiv, picklig, tragen Glatze oder sind übergewichtig.

Das ist das vorherrschende Muster. Ich könnte noch etwas dazu sagen, aber das würde nur mit einem Spoiler funktionieren und den will ich hier nicht schreiben.

Offenbar kann bei Kerstin Gier niemand ein Held sein, der nicht gut aussieht. Was für ein Weltbild ...

Der Humor:

Mit dem viel gelobten Humor schneidet sich Kerstin Gier hier meiner Meinung nach ins eigene Fleisch. Denn dieser lockert nicht nur die Szenen und Situationen auf, sondern auch erheblich den Spannungsbogen. Von Spannung kann keine Rede sein, da in jedem Ansatz ein 'lustiger' Spruch fällt und die Atmosphäre zurück in Richtung leichte Komödie zieht. Was dem Thema nicht gerecht wird und für mich irgendwann nicht mehr trug.

Darüber hinaus kann ich nicht verstehen, warum man einen Blog als "lustige" (?) Auflockerung zwischen schieben muss, in dem ein Mädchen auf das übelste gemobbt wird. Einige Passagen aus dem fiktiven Tittle Tattle Blog sind nicht mehr witzig. Sie sind überhaupt nicht witzig. Sie sind grausam. Ich möchte wirklich wissen, was das soll. Soll man das wirklich, wie Liv, amüsant finden, dass ein übergewichtiges Mädchen bis auf die Knochen blamiert und öffentlich blosgestellt wird? Das fand ich hart an der Grenze zum guten Geschmack, zumal nicht ein einziges kritisches Wort dazu fällt. Außer, dass am Ende besagtes Mädchen als "arm dran" bezeichnet wird.
Kinder können grausam sein, aber was hat das als Humorbeitrag in einem Jugendbuch verloren, liebe Kerstin?

Abschluss:

Kerstin Gier kann zwei Dinge gut: Lustig schreiben und Teenager ansprechen. Leider merkt man in Silber, dass damit das Facettenspektrum dieser Autorin endet. Was sie kann, kann sie gut. Das reicht leider für diese Art von Geschichte nicht, denn hier hätte es mehr gebraucht. Mehr Facetten, mehr unterschiedliche Töne. Wie schon eine andere Rezensentin hier schrieb: Da wäre mehr drin gewesen.
Und ich finde es verdammt schade, dass es nicht so ist. Denn bei einer Autorin wie Kerstin Gier erwarte ich mehr. Wer einen großen Namen hat, der sollte den auch füllen können und nicht mit halben Sachen um die Ecke kommen. (Und die auch noch in Trilogien aufspalten.)

FAZIT:

Es läuft dem Mainstream hinterher, schade. Denn eine Autorin mit einem Namen wie Kerstin Gier könnte auch mal das Risiko wagen den Mainstream zu bilden.
Würde mich jemand nach dem perfekten Beispiel für gute Trivialliteratur fragen, ich würde ihm dieses Buch nennen. Ja, gute Trivialliteratur, denn was trivial ist, ist nicht gleich schlecht. Es ist eben nur trivial und Silber ist wirklich das perfekte Beispiel dafür.
Man kann es lesen, wenn man es günstig irgendwo bekommt oder als Geschenk erhält und für einen Nachmittag ist es ganz nett. Kurz gesagt, ich würde raten auf das Taschenbuch zu warten, es eventuell sogar gebraucht kaufen oder aus einem Remittenden Wühltisch mitnehmen. Aber nicht als Hardcover.

Zur Bewertung:

Eigentlich sollten es 2,5 Sterne sein. Genau die Hälfte von 5 weil es so mittelmäßig ist. Ich habe mich für die 3 Sterne entschieden, weil, wie ich schon gesagt habe, für die 2 Sterne noch irgend einen großen Schnitzer gebraucht hätte, der bei dem ganzen undifferenzierten, trivialen Sumpf an Mittelmaß jedoch nicht zu finden ist. Immerhin ist es irgendwie unterhaltsam. Nett, eben. Dafür gibt's die 0.5 Punkte drauf, statt runter.

Ein "kleines" Post Scriptum:

Silber ist ein unglaublich lautes Buch. Viele Werke erscheinen leise und heimlich, auf einmal sind sie bei den Novitäten dabei und man sortiert sie in die Regale ein. Manch ein Liebhaber der Thematik oder des Autors hat darauf gewartet, aber ansonsten erscheint es einfach. Vor Silber gab es Lärm. Der erste Rubinrotfilm kam in die Kinos, die Marketingstrategie brummte, Kerstin Giers Name tauchte häufiger auf und natürlich gibt es keinen besseren Zeitpunkt, als genau dann den ersten Teil der neuen Buchtrilogie auf den Markt zu werfen. Und was haben sie geworfen. Es gab Leseproben in digitaler und analoger Form, sogar in XXL Ausführung. Es wurden 'Gerüchte' über die neue Trilogie auf großen Buchplattformen veröffentlicht, es gab Vorableserunden und diverse Buchblogger bekamen Vorabexemplare und durften schwärmen, was das Zeug hält. Kurz um: Das Buch wurde schon in den höchsten Tönen gelobt, bevor es überhaupt erschienen ist. Marketingstrategisch müsste ich fünf Sterne vergeben.
Es ist ein Jugendbuch, ein Buch für halbe Kinder, und es wurde für Erwachsene vermarktet. Man wurde im Vorfeld so zu gequatsch, dass man am Ende wirklich aufpassen musste, nicht von der absoluten Brillanz dieses Werkes überzeugt zu sein, nur weil man ständig darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es ja von KERSTIN GIER ist (Capslock ist beabsichtig) und das es ja einen so HÜBSCHEN EINBAND hat.
Ich sehe das deswegen kritisch, weil damit massiv auf die Meinungsbildung eingewirkt wird. Ja, das ist der Sinn und Zweck von Werbung, und das machen auch andere Bücher/Autoren. Wie gesagt die Marketingstrategen kriegen dafür fünf Punkte, Mission erfüllt. Nichtsdestotrotz finde ich, muss ich es kritisch anmerken. Gerade junge Menschen haben nicht immer die nötige Distanz sich ihre eigene Meinung zu bilden und gerade Inhalte für Kinder und Jugendliche so dermaßen psychologisch geschickt zu vermarkten löst bei mir ein großes Stirnrunzeln aus.
Dafür kann das Buch und Kerstin Gier nichts und es floss auch nicht in die Sternebewertung ein, aber ich wollte es einmal gesagt haben. ;)
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 4, 2013 12:36 PM MEST


Im Koma
Im Koma
von Joy Fielding
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Konstruierte Spannung, 12. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Im Koma (Taschenbuch)
'Die Ideen hinter diesem Buch ist für mich gelungen. Eine junge Frau fällt durch einen Unfall in ein Wachkoma. Sie kann zu Beginn weder etwas sehen, noch sprechen und ist bewegungsunfähig. Wohl aber kann sie hören. So erfährt sie auch, dass ihr Unfall kein Unfall war und das der Täter seinen gescheiterten Mordversuch durchaus noch zu vollenden gedenkt.

Beklemmend, ist das richtige Wort, vor allem, wenn es darum geht, dass die Lebensunterstützenden Maßnahmen abgestellt werden sollen. Die Autorin macht hier, zum Glück, keine Kritik aus dieser Situation, sondern nutzt das Element der künstlichen Lebenserhaltung nur, um Spannung zu erzeugen.

Das Buch insgesamt fand ich jedoch mittelmäßig. Es ist eine Art ARD/ZDF Krimi, gemischt mit Rosamunde Pilcher Elementen. Die Figuren werden als all zu perfekt beschrieben, ähneln eher Models im Katalog, als echten Menschen. Alle sind schön, reich und erfolgreich und glatt. Aalglatt. Selbst der Täter bleibt eine Schablone, eine Klischeefigur, kein richtiger Mensch.

Die Geschichte, um die diese eigentlich interessant Grundidee, wirkt am Ende zu konstruiert. Vor allem am Ende, ohne zu viel zu verraten, siegt der ... geplante Zufall. Um es mal so zu nennen. Auch dass der Täter, wie in besagten Krimiformaten, am Ende noch einmal ganze genau seine Tat erklärt, damit es auch wirklich jeder versteht, ist nicht wirklich nach meinem Geschmack.

Zudem hat die Autorin die Angewohnheit, ihre Dialoge mit Informationen zu spicken, die nicht wirklich organisch erzählt werden. Infodumping um der Information wegen. Eine Eigenheit des Erzählstils, die ich für recht unelegant halte.

Im Koma' war mein erstes Buch dieser Autorin. Ich bin mit keiner Erwartung an dieses Werk gegangen und kann daher nicht sagen, dass ich enttäuscht war. Ich verspüre jedoch keine Lust, noch ein Werk von Fielding zu lesen. Sie hat mich nicht überzeugt.

FAZIT: Leichte Unterhaltung im Stil alter, deutscher Krimiserien z.B. 'der Alte.' Durchaus mit Spannung, aber doch sehr konstruiert.


Der Sohn
Der Sohn
von Giacomo Cacciatore
  Taschenbuch

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt mit anderen Augen sehen, 12. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Sohn (Taschenbuch)
'In der Taschen seines Bloussons fand man einen Schal, drei Nagescheren, zwei Kämme, die Hausschlüssel. Im Gummizug der rechten Socke steckten ein Küchenmesser, Geschenkband, eine Tüte Instant-Orangengetränk, mehrere Nagelfeilen und weitere Kämme. Aus der linken Socke rollte ein Ei, das mit einem Knirschen zerbrach.
Wer sich nicht bereits nach ihm umgedreht hatte, tat es jetzt.
Denen, die ihn festnahmen, nannte er einen Namen.
Als sie nicht begriffen, nannte er noch einen anderen.
Dann bat er darum, telefonieren zu dürfen.'

Während sein Vater, ein Polizist, seine Augen vor dem organisierten Verbrechen verschließt, versucht seine Mutter das Schweigen zu brechen. Und mitten drin, zwischen allen Stühlen, steht der neunjährige Giovanni und versucht, den Geschehnissen um ihn herum in seiner kindlichen Sichtweise zu ergründen und im späteren Verlauf, seinen Familie und seinen Vater zu beschützen.

Dieses Buch ist etwas besonderes, was vor allem an der Perspektive liegt. Der Autor schreibt so nah, so authentisch aus der Sicht eines neunjährigen Kindes, dass es herzerwärmend und zugleich schmerzhaft naiv wirkt. Naiv für den Leser, der nach und nach merkt, in welcher Welt dieses Kind groß wird.
Dies fesselt, nimmt mit, bezaubert und tut weh, auf einer zutiefst menschlichen Ebene.

Später, im zweiten Teil des Buches, ist Giovanni ein Teenager, der die Welt inzwischen begriffen hat und versucht, seine gefallene Familie allein aufzufangen. Sehr schön beschreibt der Autor auch hier die Beziehung zwischen Vater und Sohn und fängt dabei sehr präzise die schmale Grenze des erwachsen werden ein. Wenn der Status zwischen Kind und Erwachsenem sich langsam ändert, angleicht, wandelt und verschiebt und es plötzlich Giovanni ist, der seinen starken, aber gealterten und gefallenen Vater zu stützen und zu beschützen versucht. In wieder zurück ins Leben führen will, dass er doch gerade erst selbst begriffen hat.

Dieses Buch ist eines von solche, die langsam genossen werden sollten, allein schon wegen der großartigen Sprache und Präzision der Wortwahl des Autors. Mich hat dieser Stil von der ersten Seite an gepackt, auf welcher der Autor eindringlich schildert, wie der kleine Giovanni zum ersten Mal einen Farbfernseher sieht. Heutzutage eine Normalität, doch der Autor schafft es, die Besonderheit, die Faszination des Fernsehens, des Farbfernsehens der ersten Stunde, auf beeindruckende Art und Weise wieder einzufangen und wiederzugeben. Kurz: Der Autor ließ mich die Welt mit anderen Augen sehen. Wie es bei Schilderungen von Dingen oder Ereignissen aus der Sicht einer Figur eigentlich immer sein sollte. 'Point of View' in Bestform umgesetzt.

Die Geschichte spielt sich hauptsächlich auf der psychologischen Ebene ab. Es ist kein Buch für Actionfreunde, Blockbusterliebhaber oder für die leichte Lektüre nebenbei. Es ist ein Buch für lange, ruhige Nachmittage, ohne Nebengeräusche. Es ist ein Buch für Leser, die an leisen Tönen, an Tiefe, an schöner Sprache und an der Darstellung der Menschlichkeit interessiert sind.

Fazit: Wortgewand, bildgewaltig, berührend, traurig-schön und tragikomisch. Eine Charakterstudie der besonderen Art aus besonderer Perspektive glaubwürdig erzählt.


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