Profil für Yvo Wueest > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Yvo Wueest
Top-Rezensenten Rang: 1.354
Hilfreiche Bewertungen: 449

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Yvo Wueest

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
Grenzen gestalten - Bildbar-KartenSet II: 50 Karten zum Arbeiten mit Bildern im Coaching, Training, in der Aus- und Weiterbildung, Therapie und Supervision. In einer Metallbox
Grenzen gestalten - Bildbar-KartenSet II: 50 Karten zum Arbeiten mit Bildern im Coaching, Training, in der Aus- und Weiterbildung, Therapie und Supervision. In einer Metallbox
von Margit Kühne-Eisendle
  Pappbilderbuch
Preis: EUR 39,90

5.0 von 5 Sternen Be-Grenzungen überwinden, 26. März 2015
Ursprünglich hatte ich mir das Methodenbuch "Bildbar" gekauft und dort eine hilfreiche Auswahl an Methoden gefunden. Die sorgfältige Aufmachung und die Inhalte überzeugten mich.

Nun habe ich auch das Kartenset II "Grenzen gestalten" erstanden und es bereits mehrfach erfolgreich in der Erwachsenenbildung eingesetzt. In meinen Train-the-Trainer-Studiengängen hat es Ausbildende, Trainer und Berufsschullehrkräfte. Für viele ist das Thema "an Grenzen stossen" brisant und hoch aktuell. Sei es der eigene Perfektionismus, der sie antreibt, herausfordernde Probleme mit Lernenden oder Situationen mit Vorgesetzten, die eine Abgrenzung und Klärung verlangen.

Ich teile die Sicht des Autorenpaars: Grenzen sind lebensnotwendig. Doch werden sie zu eng gezogen oder zu starr oder dogmatisch gelebt, werden sie zur Belastung. Wenn es hier gelingt, Handlungsspielräume zu erkennen, auch auszuweiten und schliesslich mutig zu gestalten, unterstützt dies die Betroffenen auf ihrem Entwicklungsweg.

Meine Vorgehensweise ist oft so: Ich bitte die Gesprächspartnerin ein Bild als Metapher für eine aktuelle Situation auszuwählen. Dann bitte ich Sie, in stiller Arbeit , "Gedanken" zu notieren, die ihr das "sprechende" Bild mitteilt.

Wenn die Kundin Unterstützung bei diesem Prozess braucht, nutze ich diese Fragen:
-Was will mir das Bild oder die dahinter liegende Metapher sagen?
-Was würde die Person auf dem Bild, wenn sie eine sehr gute Freundin oder ein guter Freund wäre, mich fragen, mir sagen oder empfehlen?
-Zu welchem Schritt will mich das Bild veranlassen?

Die Übung schliesse ich ab, in dem ich mit der Kundin konkrete Handlungsschritte erörtere und diese Fragen nutze:
-Welche Erkenntnisse nehme ich heute mit?
-Was setze ich in den nächsten 72h um?
-Welche Hinternisse könnten auftauchen; wer könnte mir bei der Überwindung helfen?
-Woran zeigt sich für die Menschen in meiner Umgebung, dass sich etwas verändert hat?

Fazit: Ich empfehle das Set allen Bildungs- und Beratungsfachleuten, die das Instrument "Fotokarten" für den Einstieg in ein unterstützendes Gespräch oder zur Fokussierung in einer Beratung anwenden möchten.


Etwas mehr Hirn, bitte: Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten
Etwas mehr Hirn, bitte: Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten
von Gerald Hüther
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei..., 18. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf der Rückseite des neuen Buches von Gerald Hüther steht: „Gemeinsam kommen wir weiter als allein. Und finden zurück zu dem Lebendigen, das uns ausmacht: zu neuer Kreativität, zum Mut zu sich selbst und zu persönlichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.“

Ich nahm diese Einladung wörtlich und las das Buch, so wie ich manchmal mit Büchern halte, von hinten nach vorn.

Diese 13 Erkenntnisse habe ich gefunden:

1. Deshalb darf auch all das, was ich hier aufgeschrieben habe, gern an andere weitergegeben werden (S. 187).

2. Ich weiss , wie schwer es bisweilen ist, auf andere zuzugehen. Manchmal ist es dazu erforderlich, zunächst selbst ein Stück zurückzutreten, vielleicht sogar bis zu der Abzweigung zurückzugehen, an der man sich verlaufen hat (S. 185).

3. (...) was Menschen brauchen, damit sie den Mut finden, sich selbst auf den Weg zu machen, um all das, was in ihnen an Potential verborgen ist, schrittweise entfalten zu können: Sie brauchen dazu andere Menschen, und zwar in Form kleiner Gemeinschaften, entweder zu Hause, in der Nachbarschaft oder an ihren Ausbildungs- und Arbeitsstätten (S. 184).

4. Und das müssen Gemeinschaften sein, deren Mitglieder einander ermutigen und inspirieren, noch einen Schritt weiter zu gehen, noch einmal etwas Neues auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen, die sich gegenseitig helfen, ihre Lust am eigenen Denken und Freude am gemeinsamen Gestalten wiederzuentdecken (S. 184).

5. Die im Frontalhirn eines jeden Menschen verankerten inneren Überzeugungen sind nicht vom Himmel gefallen (...). Sie sind das Ergebnis der von dieser Person in ihrem bisherigen Leben bei der Lösung der dort von ihr vorgefundenen Probleme gemachten Erfahrungen. Sie sind also erworben (S. 110).

6. Unter anderen Lebensumständen, in einer anderen Familie, mit einem anderen sozialen Hintergrund, in einer anderen Region, in einer anderen Kultur hätte die betroffene Person ganz andere Erfahrungen gemacht. Dann hätte er oder sie auch eine andere innere Überzeugung, andere Vorstellungen, eine andere Haltung entwickelt (S.110).

7. Es sind ja niemals unterschiedliche Personen, die nicht zusammen passen, sondern immer nur die unterschiedlichen Vorstellungen, die diese Personen aufgrund der von ihnen gemachten Erfahrungen entwickelt haben (S. 86).

8. Jedes lebende System kann das in ihm angelegte Potential nur in einem koevolutiven Prozess mit anderen Lebensformen zunehmend besser zur Entfaltung bringen (S.79).

9. Kein lebendes System existiert für sich allein. Es ist immer mit anderen Lebensformen verbunden und kann nur leben und sich weiterentwickeln inmitten von anderen, die auch am Leben bleiben, wachsen und sich fortpflanzen wollen (S.76).

10. Aber die im Maschinenzeitalter geprägten Denkstrukturen verstellen uns (...) bis heute den Blick für das, was einen Organismus gesund erhält oder krank macht (S. 61).

11. Um aber solche Erfahrungen in einer Gemeinschaft mit anderen machen zu können, bedarf es eines anderen Umgangs miteinander. Statt einander zu Objekten ihrer persönlichen Bewertungen, Erwartungen oder gar Massnahmen zu machen, müssten die Mitglieder solcher Gemeinschaften bereit und in der Lage sein, einander als Subjekte zu begegnen. Das freilich wäre eine völlig andere Beziehungskultur, als die meisten von uns kennen und wohl auch tagtäglich im Umgang mit anderen erleben (S. 16).

12. (...) bleibt uns nichts anderes übrig, als gemeinsam nach einer Form von Beziehungen zu suchen, die uns miteinander verbindet und die gleichzeitig jedem Einzelnen die uneingeschränkte Entfaltung der in ihm angelegten Potentiale ermöglicht (S.15).

13. Unser Gehirn strukturiert sich anhand der Lösungen, die wir im Lauf unseres Lebens auf der Suche nach dem finden, was uns –(...) – glücklich macht (S. 10).

Ich empfehle das kleine, handliche neue Buch von Gerald Hüther allen, die in der Bildungsarbeit, in sozialen Aufgaben oder im Bereich Personalentwicklung unterwegs sind und sich für die Themen Selbstorganisation und Potenzialentfaltung interessieren.


Gehirngerechtes Arbeiten und beruflicher Erfolg: Eine Anleitung für mehr Effektivität und Effizienz
Gehirngerechtes Arbeiten und beruflicher Erfolg: Eine Anleitung für mehr Effektivität und Effizienz
von Jürg Dietrich
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,99

5.0 von 5 Sternen Der moderne Mensch hat von allem zu viel - nur zu wenig Zeit, 10. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kann unser Gehirn noch umgehen mit der rasenden Geschwindigkeit und mit den Reizüberflutungen unserer Welt? Dies fragt der Autor in der Einleitung zu seinem lesenswerten und hilfreichen Buch.

Er nimmt uns dabei auf eine Reise, die überrascht und vielleicht einige von uns auch erschreckt. Denn bald stellen wir fest: Die Anforderungen in der modernen Arbeitswelt, die grenzenlosen technischen Wahlmöglichkeiten, die ständige kommunikative Verfügbarkeit und die permanente Ruhelosigkeit von vielen Zeitgenossen...entsprechen längst nicht mehr der Funktionsweise des Gehirns.

Denn diese Gehirnressourcen sind im Wesentlichen die gleichen, die unsere Steinzeit-Vorfahren nutzen. Vereinfacht gesagt: Wir befinden uns in einem elektronischen Hochleistungszeitalter, unser Gehirn ist noch das gleiche, wie es die Urmenschen besassen.

Ernüchtert konstatiert Jürg Dietrich: Zu wenige Menschen nutzen die in den letzten Jahren gewonnen Erkenntnisse und setzen ihr Denkorgan gehirngerecht ein. Mit den in vielen Bereichen beobachtbaren negativen Folgen für die geistige, seelische und körperliche Gesundheit.

Hier setzt der Autor an: Er zeigt mit seinem Buch einfache und schlüssige Möglichkeiten auf, wie wir den alltäglichen Schwierigkeiten im Berufsalltag begegnen können. Wie wir einen sinnvollen Umgang mit der Informationsflut entwickeln. Uns vor E-Mail-Lawinen retten und unseren Arbeitsplatz so einrichten, dass wir produktiv arbeiten können.

In seinem Buch bezieht er sich auch auf Maja Storch und Gunter Frank, die als Psychologin und Psychoanalytikerin, sowie als Leiter des Heidelberger Präventions- und Gesundheitsnetzes Menschen beraten, denen Druck und Belastung im Berufsalltag zu viel geworden ist:

"Mit voller Aufmerksamkeit und hoch konzentriert acht, neun Stunden arbeiten, dann Feierabend, die Ruhe und Entspannung genießen, um am nächsten Tag mit frischen Kräften wieder aktiv zu werden, entspricht leider längst nicht mehr der Realität von vielen Menschen. Sie steigern sich in einen wahren Rausch von andauernder Aufgeregtheit, sind ständig unter Strom, drehen sich immer schneller wie ein Hamster im Rad, ohne vorwärtszukommen.

Von den oben zitierten "Präventions-Fachleuten" übernimmt er die Empfehlung, die "Mañana-Kompetenz" zu entwickeln. Frei nach dem Motto: "Was du morgen kannst besorgen, das verschiebe ohne Sorgen".

Fazit: Das Buch liest sich flüssig und leicht, die Hinweise sind wertvoll. Wer nur einige der Tipps in seinen Alltag übernimmt, wird sich selber und seine gesundheitlichen Belange ernster nehmen. Und wer sein Gehirn bewusster nutzt, ermüdet weniger und schafft sich mehr Zeit für die wirklich wichtigen -und hoffentlich schönen- Dinge im Leben.


Simplicity - Die Kunst, die Komplexität zu reduzieren
Simplicity - Die Kunst, die Komplexität zu reduzieren
von Benedikt Weibel
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entscheidend ist die Fähigkeit, Muster zu erkennen, 10. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dr. rer. pol. Benedikt Weibel ist ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBB, der populären und erfolgreichen Schweizerischen Staatsbahn. Gleichzeitig ist er diplomierter Bergführer.

Innerhalb dieser Spannbreite berichtet er in seinem Buch über Erfahrungen und Möglichkeiten, Komplexität zu reduzieren. Dies gelingt ihm meist eloquent und unterhaltsam. Seine Beispiele sind aussagekräftig und reichen von technischen Problemen bis zu Frage, ob und wie Lawinenniedergänge verlässlich prognostiziert werden können.

Bei seinem betriebswirtschaftlichen Hintergrund überrascht es nicht, wenn der Autor "Reduktion" als ökonomisches Wirkungsprinzip definiert. Denn Reduktion erlaubt schliesslich die Bündelung von Ressourcen. Erst damit erzielen wir eine optimierte Wirkung.

Im Buch versammelt er alle wichtigen Vordenker, die sich zum Thema Komplexität geäußert haben. Von Malcom Gladwells vier Faktoren für herausragende Leistungen (Talent, Kultur, Zufall, Fleiß) bis zu zum berühmten Prinzip der asymmetrischen Verteilung (20/80) von Vilfredo Pareto.

Einprägsam ist auch seine Empfehlung, nach dem Dreischritt-Raster vorzugehen:

1. Lage analysieren
2. Muster erkennen
3. Aktionspotentiale definieren

Diese Vorgehensweise ist nicht neu. Bereits die alten Chinesen vertrauten auf diesen Weg. Wertvoll ist der Hinweis trotzdem, da wir westlich geprägten Menschen die Tendenz haben, (zu) rasch in die Aktion zu steigen.

Für den Autor die Fähigkeit, Muster zu erkennen, grundlegend. Denn wer das Muster erkennt, erschließt sich einen Raum von Handlungsmöglichkeiten. Einfacher ausgedrückt: In dem wir die Punkte herausfinden, die bei geringem Aufwand grosse Wirkung zeigen, erzeugen wir Hebelwirkung.

Fazit: Da ich selber seit einigen Jahren "didaktische Reduktion" unterrichte, entspricht mir das Thema "Komplexität reduzieren" sehr. Im Buch habe ich zusätzliche Perspektiven und Bezüge entdeckt, die ich für meine Trainingsangebote nutzen kann. Wie gelingt es, Wesentliches von Unwichtigem zu unterscheiden? Wie kann der Lernstoff so aufbereitet werden, dass er von den Lernenden einfacher erschlossen werden kann?

Ich empfehle das Buch allen, die sich für Einfachheit als Lebensprinzip interessieren und sich im alltäglichen Leben Fokussieren möchten.


Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens
Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens
von Michael Tomasello
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,00

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lob der Kooperation - Der Unterschied zwischen Primaten und Menschen ist vermutlich kleiner, als wir denken, 5. November 2014
Der amerikanische Anthropologe und Verhaltensforscher Michael Tomasello, der als Co-Direktor am Max Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig arbeitet, legt ein spannendes, doch nicht immer leicht zu lesendes Buch vor.

Seine Kernthese: Je komplexer und komplizierter ein Lebewesen ist, desto stärker ist es sozial ausgerichtet.

Für Leser, die, wie die meisten von uns, den Menschen als Ausnahmeschöpfung sehen, zündet Tomasello eine "Bombe". Denn er legt in seinem Buch dar, dass das Denken kein Privileg der Menschen ist, sondern auch bei gewissen Primaten zu finden ist.

Zitat: "Das, was Menschenaffen im Bereich des Sozialen ebenso wie im Bereich des Physischen tun, ist Denken."

Gemäß Tomasello zeigt die Naturgeschichte eben keine "Lücke" zwischen animalischen und menschlichen Formen der Reflexion. Sondern nur fließende Übergänge.

Am spannendsten finde ich seine Kritik an der darwinschen These des auf Egoismus eingeschworenen Homo sapiens. Sie findet sich in seinen Ausführungen über "Kollektive Intentionalität", die der Autor als dritte und höchste Stufe der Handlungsmöglichkeiten und als Voraussetzung für eine normative Kultur beschreibt.

Dies geschieht dann, wenn das individuelle Denken und Wollen dem kollaborativen Handeln und Streben untergeordnet wird. Voraussetzung dazu, so Tomasello, ist die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Erst wenn sich jemand in die Situation seines Gegenübers versetzen kann, ist er bereit für diese besondere Form der Interaktion.

Diese Fähigkeit zur "reziproken Anerkennung", wie Habermaas das von Tomasello erwähnte Phänomen in einer Laudatio 2009 beschrieben hat, legt die Grundlage zu vernünftigem Handeln. Die Akzeptanz des "Andersseins" und das Einfühlen in das Denken und Handeln des Anderen, ist letztendlich die Grundlage lebensfähiger komplexer Verbände und damit der Zivilisation.

Fazit: Tomasello regt zum Nachdenken an. Viele seiner Geschichten sind interessant und unterhaltsam. Warum der Mensch ein "Sonderwesen" ist, beantwortet er allerdings nur ansatzweise und zwischen den Zeilen. Vielleicht lohnt es sich, im Anschluss an die Lektüre wieder einmal die Texte des Genfer Entwicklungspsychologen Jean Piagets zum Thema "Kooperation" zu lesen. In seinen "Etudes sociologiques" schreibt Piaget schon Jahrzehnte vorher: "Allein die Kooperation die Kooperation stellt einen Prozess dar, der Vernunft hervorbringen kann".


Wie Mondrian Ihr Leben verändern kann: Downshifting - die neue Einfachheit
Wie Mondrian Ihr Leben verändern kann: Downshifting - die neue Einfachheit
von Helena Horn
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Slow down, please! - Dem Leben eine neue Ordnung geben, 29. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mondrian gehört zu den wichtigsten Vertretern der Modernen Kunst. Er ist bekannt für seine ausdruckstarken Rasterkompositionen mit den Primärfarben Rot, Gelb, Blau sowie Schwarz und Weiss.

Er nennt seine Bilder unkompliziert "Kompositionen" und nummeriert sie fortlaufend. Für ihn war die diese radikale Reduzierung, die Konzentration auf das Wesentliche, auch ein Versuch, in ideelle Dimensionen vorzudringen und das Materielle hinter sich zu lassen.

Entscheidend ist bei Mondrian das Weiß. Erst durch den Kontrast der kräftigen Farmen mit den grossen, weissen Flächen, fühlen wir beim Betrachten Ruhe und Gelassenheit. Und ahnen gleichzeitig, welche enormen Kräfte die Befreiung von unnützem Tand und Ballast freisetzen kann.

Die Kernfragen für die Autorin lauten folglich: Was brauche ich, was brauche ich nicht? Sie lädt damit zu einer Neubewertung materieller und immaterieller Güter, aber auch Werte ein. Hinter der Frage "Was kann weg? Was kann bleiben", steht die Sehnsucht nach Transparenz und Einfachheit.

Im letzten Teil des Buches erwähnt sie die beiden ebenfalls lesenswerten Autoren Harald Welzer ("Selbst Denken") und Hartmut Rosa mit ihren richtungsweisenden Publikationen zur Veränderung von Zeitstrukturen und Wachstum, Effizienz und Konsum.

Fazit: Da ich selber im Moment an einem Sachbuch zu didaktischer Reduktion schreibe, kommt mir das Buch und der darin propagierte Ansatz von Mondrian sehr entgegen: Durch konsequente Vereinfachung, so meine Erfahrung, fühlen wir uns leichter, beweglicher und freier. Lernende, konfrontiert mit komplexen Inhalten, können diese -dank didaktischer Reduktion- einfacher erschliessen.

Ich empfehle das Buch allen Menschen, die ihre persönliche Lebenssituation "entrümpeln" möchten. Ist der Ballast erst einmal abgeschüttelt und weggeschafft, finden Energie, klares Denken und Lebensfreude wieder ihren Platz.


Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus
Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus
von Jeremy Rifkin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,00

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Statt Konsumenten...Prosumenten und die Demokratisierung von allem!, 23. August 2014
Ich geb's zu: Der Titel von Jeremy Rifkins neuem Buch kommt etwas sperrig daher: "Die Null-Grenzkosten Gesellschaft". Doch der spannende Inhalt kommt nach dem Umblättern der ersten Seiten und lohnt sich wirklich:

Der Sozialphilosoph Rifkin läutet dort die Totenglocke für den Kapitalismus, wie ihn die Welt heute kennt. Seine Kernaussage: Künftig schrumpfen die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen dermassen, dass in vielen Bereichen schlicht die Geschäftsgrundlage erodiert.

Rifkin begründet dies mit der Entwicklung der Grenzkosten. Dazu müssen wir kurz einen Ausflug in die Betriebswirtschaftslehre unternehmen. Ökonomen unterscheiden dort drei Begriffe:

a) Fixkosten (die auf jeden Fall anfallen)
b) Grenzkosten (zusätzliche Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen)
c) Durchschnittskosten (auch als Stückkosten bezeichnet, sind der Quotient der Gesamtkosten und der produzierten Menge)

Solange die Grenzkosten unterhalb der Durchschnittskosten verlaufen, arbeitet das Unternehmen nicht kostendeckend. Es wird somit erst produzieren, wenn sich die Grenzkosten- mit der Durchschnittskostenfunktion schneidet. Ein Unternehmen bemüht sich, die Grenzkosten zu senken, um im Wettbewerb bestehen und Gewinne erzielen zu können.

Rifkin geht jedoch davon aus, dass die Grenzkosten für die Produktion vieler Güter und Dienstleistungen dank des technologischen Fortschritts künftig nahezu gegen Null tendieren werden und schreibt:

"Sinken die Grenzkosten auf nahezu null, verschwinden die Profite, da die Preise für Güter und Dienstleistungen nicht an den Markt gebunden sind. Man bekommt sie im Grunde umsonst. Und wenn so gut wie alles fast umsonst zu haben ist, verliert die operative Grundlage des Kapitalismus als Organisationsmechanismus für Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen ihren Sinn. Was daran liegt, dass die Dynamik des Kapitalismus auf der Knappheit basiert. Solange Ressourcen, Güter und Dienstleistungen knapp sind, haben sie Tauschwert (...) Wenn jedoch die Grenzkosten der Produktion dieser Güter und Dienstleistungen gegen null gehen und sie damit praktisch umsonst sind, verliert das kapitalistische System seinen Einfluss auf die Knappheit und damit die Fähigkeit, von der Abhängigkeit eines anderen zu profitieren."

Rückkehr zu einer sozial-ökologischen Gesellschaft
In seinem Buch zeichnet Rifkin das Bild einer lebenswerten fairen und "grünen" Gesellschaft, deren Konturen sich langsam abzeichnen. Statt profitorientierte Konzerne und multinationale Unternehmen übernehmen dort zunehmend "kollaborative Commons" die Produktion und organisieren diese nachhaltig.

In früheren Zeiten und verschiedenen Kulturen hat diese Organisationsform der Wirtschaft, bei der es um Hilfe für andere und Selbsthilfe in der Gemeinschaft geht, eine wichtige Rolle gespielt. Heute fristet sie eher eine Nebenrolle und wir finden sie in wohltätigen Organisationen, Non-Profit-Organisationen und Konsumgenossenschaften.

Rifkin setzt grosse Hoffnungen in die Stärkung und Rückkehr dieser Organisationsformen, wie sie auch von Christian Felber in seiner "Gemeinwohl-Ökonomie" beschrieben wurde. Rifkin schreibt: "Die neuen Commons sind weit mehr als nur eine politische Bewegung. Sie stehen für einen tief greifenden gesellschaftlichen Umbruch, der wahrscheinlich nicht weniger bedeutend und dauerhaft sein wird als der, der die Gesellschaft zu Beginn der kapitalistischen Ära aus einer theologischen in eine ideologische Weltsicht katapultiert hat."

Rifkin geht davon aus, dass die Konsumenten allein oder in Gruppen wesentliche Teile der Produktion selber übernehmen, als sogenannte Prosumenten. Ähnlich wie vor ihm Frithjof Bergmann mit seiner New-Work-Bewegung sieht er als Voraussetzung dafür die "dritte industrielle Revolution", mit neuen Möglichkeiten der internetgestützten Kommunikation. Denn gravierende Veränderungen einer Wirtschaftsordnung finden laut Rifkin immer dann statt, wenn bahnbrechende Neuerungen in drei Bereichen gelingen:

-in der Kommunikation
-in der Energieerzeugung
-beim Transportsystem.

Der Buchdruck, die Dampfkraft und die Erfindung der Eisenbahn trieben demnach die erste industrielle Revolution voran. Den Schub für die zweite industrielle Revolution brachten das Erdöl als Treibstoff sowie die Erfindung des Telefons und des Autos.

Als Treiber der dritten sieht Rifkin das Internet, welches zunehmend intelligent und dezentral funktioniere, ob für die Herstellung von Energie, die Produktion der Güter selbst oder deren Transport. Der Ökonom prognostiziert, dass die Preise für Kommunikation, Energie und Transport drastisch fallen werden. Was bislang wirtschaftlich nur in großen Fabriken erzeugt werden konnte, lohne sich künftig dezentral herzustellen, beispielsweise mit einem 3D-Drucker. Die Massenproduktion werde abgelöst durch die Massen, die selbst produzieren, schreibt Rifkin:

"Heute ermöglicht die Kommunikation/Energie-Matrix der dritten industriellen Revolution es dem Konsumenten, selbst zum Produzenten zu werden. Die Prosumenten wiederum arbeiten zunehmend zusammen, teilen Güter und Dienstleistungen in global vernetzten Commons bei nahezu keinen Grenzkosten und sprengen damit die Mechanismen des kapitalistischen Marktes. In dem sich entfaltenden wirtschaftlichen Zusammenstoß zwischen Kollaboristen und Kapitalisten manifestiert sich ein kultureller Konflikt, der vermutlich in den kommenden Jahren das Wesen der menschlichen Entwicklung neu definiert. Und wenn es ein Thema gibt, das dem sich abzeichnenden kulturellen Narrativ zugrunde liegt, dann ist es die 'Demokratisierung von allem'."

Wir könnten kritisch anmerken: Warum beschreibt Rifkin nur gerade die zwei Risiken "Erderwärmung" und "Cyber-Terrorismus", der etwa in den USA -nach einem inszenierten Stromausfall- innert kurzer Zeit Hungersnöte und Gewalt auslösen könnte? Warum beschreibt er nicht die Gefahren des religiösen Fundamentalismus, die Macht der Finanzwirtschaft oder die Rolle bevölkerungsstarker Regionen und Länder wie wie China, Indien und Lateinamerika?

Fazit: Rifkins Buch über die Rolle bahnbrechender Technologien liest sich spannend. Persönlich profitierte ich von seiner Sicht auf die Gegenwart und dem Potential, das in unserer Zukunft liegt. Das Buch verdient eine kritische Leserschaft und eine differenzierte Auseinandersetzung über die Perspektiven einer digitalen Gesellschaft.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2014 12:48 PM CET


Über die Wirksamkeit
Über die Wirksamkeit
von François Jullien
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Potential des Augenblicks erkennen, 16. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über die Wirksamkeit (Taschenbuch)
Das Buch arbeitet gut die wesentlichen Unterschiede zwischen westlichen (Platon, Aristoteles) und fernöstlichen Denktraditionen (z.B. Taoismus mit Lao-Tse) heraus.

Diese Fragen handelt der Autor ab: Wie verfolge ich ein Ziel, wie nehme ich gestaltend auf die Welt, in der ich lebe, Einfluss? Welche Strategie wähle ich, um meine Ziele zu erreichen?

Gemäss François Jullien ist die moderne westliche Denkart, die uns Europäer geprägt hat und der wir kaum entrinnen können, folgende: wir machen uns einen Entwurf dessen, wie die Welt sein soll, beschreiben ein Ziel, das wir gerne erreichen wollen, und skizzieren dann einen Weg, einen Plan, eine Strategie, wie wir dorthin kommen.

So lesen wir in seinem Buch:

" ... alle machen das Gleiche, der Revolutionär entwirft das Modell des zu schaffenden Gemeinwesens, der General den Plan zur Kriegführung, die Wirtschaftswissenschaftler die Kurve des zu realisierenden Wachstums ... So viele auf die Welt projizierte Schemata und Idealitätsschablonen, die man dann in die Wirklichkeit umsetzen muss. Aber was heißt hier "umsetzen", wenn man es in der Wirklichkeit machen will? Zunächst würde der Verstand "mit dem Blick auf das Beste" etwas konzipieren; dann würde er sich mit einem Willen ausstatten, um dieses Modell der Wirklichkeit aufzuzwingen. Aufzwingen, das heißt: überstülpen, sozusagen durchpausen, aber auch mit Gewalt durchsetzen." (S. 15)

Für mich ist das letztlich eine defizitorientierte Haltung der Welt gegenüber, die wir ständig mit unseren Bildern, wie sie sein sollte, vergleichen und der wir ständig unseren Willen aufzuzwingen versuchen. Aus meiner Arbeit in der Erwachsenenbildung und in der Beratung weiss ich: das mangel- oder defizitorientierte Denken wirkt sich wie ein dunkler Schatten aus, der sich über unsere Idealvorstellungen legt. Und oft ist es so: Je größer und ferner dieses Bild der gewünschten Wirklichkeit ist, desto dunkler und länger ist auch sein Schatten, der Wachstum und Blüte verlangsamt oder sogar verhindert.

Der Autor präsentiert die Denktradition des Taoismus als Alternative: Achte darauf, was das Potential des gegenwärtigen Augenblicks ist. Bleib flexibel und folge der Situation. Fördere das, was deinen Interessen dient.

Dies erinnert an den geduldigen Gärtner, der sich vor allem im Schauen, Wahrnehmen und Nicht-Handeln übt. Um dann im rechten Augenblick jene Samen, die er im Boden aufgespürt hat, zu Wachstum und Blüte zu verhelfen.

Statt mit einer fixen Vorstellung, wie der Garten auszusehen hat, wendet er sich ihm mit wachem Geist zu. Seine Sinne sind nicht verengt durch eine fixe Vorstellung und er hat auch keinen detaillierten Plan im Kopf. In dem er sich fördernd dem widmet, was ist, in dem er auf die der Erde innewohnende Kraft vertraut, nimmt er eine ressourcenorientierte Haltung ein.

Der Gärtner weiss, dass nur jenes Kraft in sich birgt, das als Potential schon vorhanden ist. Er ist sich bewusst, dass nur das wachsen kann, was als Same vorhanden ist. Und er schimpft auch nicht mit dem Apfelbaum, dass er keine Kirschen trägt.

Da ich im Moment an einem Sachbuch zum Thema "Didaktischer Reduktion" schreibe, hat mich besonders das 12. Kapitel "Lob der Leichtigkeit" inspiriert. Dort zeigt der Autor mit der Metapher "Wasser im Flussbett", wie es gehen könnte: das, was man verändern will vollständig und ganz umfliessen, um es dann umso kraftvoller zu gestalten.

Mir hat das Buch zahlreiche Einsichten geschenkt:

-Eine Situation "lesen" und ihr Potential erkennen (statt den eigenen Plan aufzwingen)
-Die Umstände analysieren und bewerten (und ihre Potentialität nutzen)
-Wie Wasser sein (zuerst ganz in Kontakt treten, erst dann gestalten)

Fazit: Ein lesenswertes Buch für alle, die sich für mehr Wirksamkeit interessieren und mit wenig Mühe eine grosse Wirkung erzielen möchten.


Oxford 100105651 Papershow für Lehrer, Starter Kit, Digitales Schreiben/sofortige Projektion
Oxford 100105651 Papershow für Lehrer, Starter Kit, Digitales Schreiben/sofortige Projektion

5.0 von 5 Sternen Die Zukunft beginnt jetzt..., 11. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der kleine Stift und das USB-Verbindungsstück haben es in sich.

Sofern die mit der Präsentation beauftragte Person gut vorbereitet ist und über eine klare und übersichtliche Struktur verfügt. In meinen Trainings zum Thema Didaktische Reduktion und Präsentationstechnik setze ich das Instrument seit einigen Monaten erfolgreich ein.

Die Anschaffung hat ihren Preis. Doch mit dem innovativen Stift gelingt es, Komplexität zu reduzieren und Zusammenhänge -Schritt für Schritt- mit der freien Hand aufzuzeigen. Dies beflügelt den Lernprozess und zeigt sich in einer gesteigerten Aufmerksamkeit der Zuschauer und Lernenden.

Die Teilnehmenden in meinen Trainings (Techniker, Ausbildende, Fachleute aus dem Gesundheitswesen und Bildungsverantwortliche) regten an, dass der Funkradius zum "Muttergerät" grösser sein sollte. So könnte das pfiffige Tool auch in grösseren Gruppen eingesetzt werden und die Teilnehmenden im ganzen Raum können ihre handgezeichneten Ergebnisse zeitgleich auf der Leinwand sehen.


UZMO - Denken mit dem Stift: Visuell präsentieren, dokumentieren und erkunden
UZMO - Denken mit dem Stift: Visuell präsentieren, dokumentieren und erkunden
von Martin Haussmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Höhlenmalerei...ist zurück!, 11. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer bei Martin Hausmann eine Weiterbildung besucht hat, erinnert sich, wie wieselflink er mit dem Stift über das Papier huscht. Dabei bezeichnet er sich selber -ein Unterstatement ?- als mittelmässigen Zeichenkünstler.

Da ich selber im Bereich kreative Flipchartgestaltung und didaktische Reduktion unterrichte, hilft mir das Buch bei der Umsetzung von Trainings und bei der Vermittlung von grundlegenden Techniken. Ich empfehle es darum Trainern und Ausbildenden und allen, die ihre Inhalte attraktiv und ansprechend auf den Punkt bringen möchten.

Unvergesslich die Gruppe von Technikern und Ingenieuren, die alle steif und fest behaupteten, ohne PowerPoint gehe bei ihnen gar nichts. Mit der Kraft der Stifte zeichneten sie wirkungsvoll und eindrücklich komplexe Sachverhalte auf das grosse weisse Blatt...und überzeugten so später ihre Kundschaft mit pfiffigen und einfach zu erlernenden Skizzen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8