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Mario Karl "musikansich.de" (Bayern)
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Not Your Kind of People
Not Your Kind of People
Preis: EUR 12,28

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trotz aller Unkenrufe gut, 14. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Not Your Kind of People (Audio CD)
Irgendwie hatte ich nie so wirklich geglaubt, dass es noch mal ein neues Garbage-Album geben wird. Zwischenzeitliche Auflösungsgerüchte machten immer wieder mal die Runde, Sängerin Shirley Manson verdingte sich zudem als Schauspielerin und versuchte ein Soloalbum zu veröffentlichen (wozu es nicht kam) und irgendwann vor circa zwei Jahren hörte man, dass doch an etwas Neuem gearbeitet wird. Tja, und nun ist es wirklich da: das fünfte Album namens Not your kind of people.

Meine Erwartungen waren natürlich etwas verhalten, wenn man das relativ durchwachsene Beautifulgarbage und das ungewöhnlich unspektakuläre Gitarrenrock-Album Bleed like me noch im Hinterkopf hat. Glücklicherweise erinnert nur noch das geradlinige "Man on a wire" an letztere Phase. Ansonsten überrollen einen Garbage mit "Automatic systematic habit" erst einmal. Was zuerst nach einem gnadenlosen Rip-Off von Creams "White room" klingt, verwandelt sich kurze Zeit später in etwas das auch zwischen den Ting Tings und Lady Gaga keine schlechte Figur abgeben würde. Ein wummernder Dance-Rhythmus, verfremdete Gitarren und jede Menge Synthiebombast bestimmen das Bild, was irgendwie unverschämt nervig und überdreht und dann doch wieder unverschämt eingängig klingt. Der Aufbau von "Big bright world" lässt leicht an die Killers denken. Garbage sind also voll im aktuellen Jahrzehnt angekommen?

Bei der nicht gerade tollen Vorab-Single "Blood for poppies" bringen sie diese Welten zusammen und im Folgenden vollführt die Band einen Schwenk zurück in ihre Vergangenheit. Einiges klingt hier wie ein Programmupdate von Garbage 2.0. Man nehme nur "I hate love", "Felt" oder "Sugar". Alles gar nicht so schlecht gemacht, aber bisweilen seelenlos instrumentiert. Wie schon öfter vorher rettet die immer noch tolle Shirley Manson den einen oder anderen Song mit ihrem Gesang. Aber ein paar richtig gute Stücke gibt es allem Meckern zum Trotz auch zu finden. Das rockig marschierende "Control" hat mit seinen leicht bluesigen Gitarren und der eingebetteten Mundharmonika ein latent-cooles Westernfeeling, das druckvolle "Battle in me" haut zur richtigen Zeit mit Aggression um sich, während der Titeltrack die Eleganz von Muse mit kindlich-poppigem Charme kreuzt.

Mit der angenehm luftigen Ballade "Beloved freak" endet ein Album, bei dem die Klasse und die latente Düsternis der Anfangstage, die sich auch noch hinter der süßesten Melodie versteckt, immer wieder durchblitzt, auch wenn sie von der gnadenlosen Soundwand und den absichtlich poppigen Arrangements gerne glatt gebügelt wird. Am Ende ist es trotz ein paar nicht so tollen Stücke immer noch ein gut zu hörendes Pop- und immerhin das drittbeste Garbage-Album, an dem am ehesten Altfans des Quartetts ihre Freude haben dürften.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2014 9:54 AM CET


Lillie: F-65
Lillie: F-65
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 17,38

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kultstatus allein, reicht das?, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Lillie: F-65 (Audio CD)
Puh, ein neues Saint Vitus-Album... Das ist etwas mit dem man trotz der (Live-)Reunion vor vier Jahren vielleicht doch nicht unbedingt gerechnet hat. Damit lassen sich gleich mal die Vorwürfe abschütteln, dass die zurückliegenden Konzerte nur reine Nostalgieveranstaltungen waren. Obwohl, legt man Lillie: F-65 (so der Name des neuen Werks) ein, so kommt man sich fast vor, als wäre es 1987 und Born too late gerade veröffentlicht worden. Denn die hier zu hörenden Songs könnten in dieser Form genauso vor 25 Jahren geschrieben und eingespielt worden sein - im Positiven wie im Negativen. Wer also immer schon Fan des Vierers war, wird sich im siebten Himmel wähnen. All diejenigen, welche den Underground-Hype um Saint Vitus noch nie verstanden haben, werden auch hiermit keine Jünger der Proto-Doomer.

Über all die Jahre hat sich die Gruppe ihren ureigenen spröden Charme erhalten, der sich irgendwie zu gleichen Teilen aus der Hippie-Mentalität und einem Punkrock-Ethos vergangener Dekaden speist. Dave Chandlers Gitarre röhrt noch immer so kauzig und leicht schräg wie früher, während Wino wie ein düsterer Singer/Songwriter seine Texte vorträgt. Dabei schüttelt man sich so nebenbei ein paar ganz gut Nummern aus den Ärmeln, die zu gefallen wissen. Zum Beispiel "The bleeding ground" und "The waste of time", welche nicht nur im typischen Morast waten, sondern auch mit regelrecht aufpeitschenden Gesangslinien punkten. "Let them fall" ist dafür ein gar typischer Hook-freier Doom-Rocker, genauso wie das flotter treibende "Blessed night". Richtig ausufernd wird es dagegen mit dem überlangen und stimmungsvollen "Dependence".

Das war es dann auch schon fast. Mit "Vertigo" bekommt man ein sehr angenehmes, ruhiges Instrumentalstück zu hören, während das abschließende "Withdrawl" nicht viel mehr als lärmlastiges Gitarrengekniedel ist, das es nicht gebraucht hätte. Macht summa summarum sieben Stücke in rund 35 Minuten. Klar, die alten Alben waren auch nicht viel länger, aber nach 17 Jahren Albumpause hätte es vielleicht doch ein wenig mehr sein dürfen. Aber vielleicht ist Lillie: F-65 auch nur der Auftakt für einen ausgedehnten zweiten Frühling. Und hierfür ist dieses knochentrockene Ding in Ordnung. Ein Comebackalbum für das man sich nicht unbedingt schämen muss, aber von dem vielleicht schon ein wenig mehr erwartet hätte. Das es auch im Alter noch geht gute Songs zu schreiben, hat Wino zumindest mit seinen Soloalben und Premonition 13 in den letzten Jahren bewiesen.


Harmonicraft
Harmonicraft
Preis: EUR 17,72

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bunt-cooler Rocktrip!, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Harmonicraft (Audio CD)
Huch, was ist denn hier los? Das Cover von Hamonicraft sieht ja aus wie My little Pony auf Acid! Aber glücklicherweise klingen Torche auf ihrem dritten Album nicht wie eine Hippieband, die im psychedelischen Melodientaumel von Wolke zu Wolke springt. Nein, man bekommt ziemlich handfesten Rock'n'Roll. Gitarren und Bass wummern gar wunderbar tief, fast stonermäßig. In irgendeine Schublade stecken lässt sich das Quartett aber nicht. Denn zum metallischen Charme gesellt sich eine gesunde Ladung altmodischer Classic Rock, wie beim heavy groovenden "Reverse inverted", die eine oder andere fluffig-helle Melodie ("Snakes are charmed", "Letting go") und als Kontrast dazu gnadenlos doomige Schwere ("Looking on") oder auch mal heftige Punk-Vehemenz ("Walk it off"). Und über allem schwebt eine wunderbar entspannte und warme Stimmung, die zeigt, dass sich ein sonniges Gemüt und harte Musik nicht automatisch ausschließen müssen. Und damit ergibt das absurd-bunte Cover schon fast wieder Sinn.

Torche feuern hier aus allen Rohren und knallen einem einen Hit nach dem anderen vor den Latz, so dass man hier von einen Flash in den nächsten torkelt. Was die Band dabei besonders gut drauf hat, ist die Kombination von purer Kraft mit feinsten Melodien, die sich ganz unbemerkt ins Unterbewusstsein schleichen - egal ob sie vom leicht abwesend wirkenden Gesang oder von den beiden Gitarren kommen, die nicht nur mit Riffs, sondern vor allem mit angenehmen Leads und Soli punkten. Dabei spielt es gar keine so große Rolle, dass die einzelnen Songs sich nicht immer gerade voll ausgearbeitet, sondern mehr aufs Wesentliche beschränkt präsentieren. Dafür funktioniert das passend betitelte Harmonicraft vor allem im Ganzen, da Torche ohne Pause wie am Fließband einen coolen Moment nach dem anderen raus hauen.

Zusammenfassend gibt es nur noch eines zu sagen: Wenn ihr ein metallisches Sommeralbum sucht, das hier ist es!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 8:53 AM MEST


United We Stand (Euro-Version inkl. Bonus-Track)
United We Stand (Euro-Version inkl. Bonus-Track)
Preis: EUR 16,39

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ziemlich nett, 6. Mai 2012
Einfach nur Pearl Jam ist Gitarrist Stone Gossard wohl viel zu langweilig. So ist Brad eine weiteres seiner zahlreichen Nebenbeschäftigungen. Allerdings betreibt er dieses schon annähernd zwei Dekaden lang. United we stand ist das fünfte Album der Band, in der er mit Pigeonhead-Sänger und Tastenspieler Shawn Smith, Satchel-Drummer Regan Hagar und Keith Lowe, der u.a. anderem bereits für Fiona Apple und David Sylvian den Bass zupfte, spielt. Dass man anfangs an Gossards Hauptband denken muss, liegt vor allem an seinem unverkennbaren Sound und Spielstil. Ansonsten hat man mit dem Sound der Grunge-Legende nur gemeinsam, dass sich dieser ebenso aus den Einflüssen der 70er speist.

Brad spielen recht typisch amerikanisch souligen Rock der angenehmen Sorte. Meist ziemlich erdig und mit feinen Melodien gesegnet. Das Songwriting ist recht klassisch - oder sagen wir eher zeitlos. Das größte Plus an der Band ist der Gesang von Shawn Smith, der mit seiner beseelten Stimme die Songs überwiegend trägt. Dabei ist besonders angenehm, dass er trotz der ernsten Texte, welche Themen unserer Zeit umschreiben, niemals negativ wird, sondern stets ein positiver Funke mitschwingt.

Neben gitarrenbasierten Rockern wie dem treibenden 'Diamond blues' und dem fast nach "Stooges light" tönendem "Tea bag" sind es vor allem die bedächtigen Titel, wie das mit einem schönen Refrain angereicherte "Needle and thread" oder "The only way", das wie ein "schöner Neil Young" klingt, die überzeugen und für eine zarte Gänsehaut erzeugen. Hier übernimmt auch nicht unwesentlich das Klavier die Führung, während sich die Gitarre etwas zurückhält.

United we stand ist eine herrlich unprätentiöse Platte reiferer Herren, die mit viel Abgeklärtheit einfach Spaß daran haben gemeinsam schöne Songs auszutüfteln. Das hat jede Menge Charme und wenn auch nicht jeder Titel ein richtiges Highlight darstellt, lässt sich die Scheibe von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach gut durchhören. Wessen Interesse jetzt geweckt wurde, der sollte sich "Bound in time" und die reduzierte Folk-Ballade "Make the pain go away" anhören und bei Begeisterung zuschlagen.


Storm Corrosion
Storm Corrosion
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 18,29

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erwartungsgemäß "unerwartete" Klänge, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Storm Corrosion (Audio CD)
Mikael Akerfeldt und Steven Wilson - zwei Personen die derzeit wie nur wenige andere für vermeintlich anspruchsvolle Rock- und Metalsounds stehen (wenn sie auch mancherorts etwas zu sehr idealisiert werden). Da sie schon seit über einer Dekade auch geschäftlich verbunden sind, lag es nahe, dass die beiden Herren auch mal ein richtiges gemeinsames Projekt in Angriff nehmen. Und dieses nennt sich jetzt Storm Corrosion. Anfangs war auch ex-Dream Theater-Schlagzeug Mike Portnoy als weiterer Partner im Gespräch. Doch nichts hätte weniger zu dieser Musik gepasst als das Oktopus-Drumming des Amerikaners.

Die Musik des Duos geht noch ein Stück weiter als Grace for drowning und Heritage - die letzten beiden Alben der beiden. Hier bestimmen zum großen Teil sphärische Klangflächen das Bild. Perkussive Elemente werden eher rudimentär eingesetzt. Dafür gibt es zahlreiche düstere Streicher und auch mal flächige Flötenklänge, dazu auch leicht Anklänge an dunklen Folk. Das hat alles eine starke Ambient-Atmosphäre, da man auch vom traditionellen Songwriting komplett Abstand hält. Dafür wimmelt es immer wieder von atmosphärisch eingeflochtenen, klaren Gitarrenklängen und auch auflockernden Gesangsharmonien und Satzgesängen, wie man sie stellenweise von Steven Wilsons Porcupine Tree kennt.

Am Ende ist Storm Corrosion ein ziemlich melancholisches Album geworden, das richtig düster startet, sich über die verschiedensten Schattierungen von Grau windet und sich am Ende mit einem schön entspannenden Sonnenuntergangsszenario á la Devin Townsends Ghost verabschiedet. Am Ende ist es eine Art psychedelische Wundertüte, die allerdings alles andere als leichtverdaulich ist. Die verschiedenen Stimmungen und Spannungen werden nicht immer aufgelöst und manchmal wartet man regelrecht auf eine Art Erlösung wie sie bei 'Hag' mit einem Art verzerrten Bombastfinale folgt.

Trotzdem ein interessantes, über Strecken verschrobenes und introvertiertes Album, bei dem zwei Musiker ihre kreativen Grenzen ausloten und das voller versteckter Referenzen und bisweilen wunderbaren Schwebesequenzen steckt, die einen in andere Welten entführen.


Negative Black
Negative Black
Preis: EUR 16,97

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrlich krasse Doom-Walze, 20. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Negative Black (Audio CD)
Vier lange Jahre hat es gedauert, bis Negative Black der Mannheimer Black Shape Of Nexus (kurz B.Son) in seiner jetzigen Form fertig war. Am Ende ist das Album ein wahrhafter Koloss geworden. Und das nicht nur wegen seiner üppigen Spielzeit von rund 80 Minuten, sondern vor allem wegen der darauf enthaltenen Musik, die wie ein schwarzer Monolith in der Landschaft steht, der sich anschickt von einem Höllenschlund verschluckt zu werden. Nebenbei zeigt die Band, dass es sehr wohl verschiedene Schattierungen der dunkelsten aller (Nicht-)Farben geben kann. Denn Schwarz ist nicht gleich Schwarz.

Das Album beginnt gleich mit einer ziemlich Zerreißprobe. "Illinois" ist nicht viel mehr als Nerven zerfetzendes Gitarrenfeedback, untermalt von extrem drückendem Dröhnbass und passender Perkussion. Doch wer diese sechs Minuten hinter sich gebracht hat, wird anschließend von feinstem, sehr massivem Doom-Sound begrüßt, der mit seiner Basslastigkeit angenehmes Kribbeln in der Magengegend verursacht und sich sofort ins Unterbewusstsein fräst. Die Band agiert wahnsinnig dicht und legt einen schier undurchdringlichen Teppich für den "Gesang" von Malte Seidel aus. Mit allerlei Effekten ausgestattet setzt er ein garstiges Ausrufezeichen zwischen Gebell der Marke Jan-Chris de Koeijer (Gorefest) und verzweifelt, krankem Schreien. Der Mann nennt eine interessante Palette an negativen Emotionen sein Eigen.

Kleine Variationen in Sound und Tempo sorgen dafür, dass man sich nicht gelangweilt fühlt. Am Ende ist man sogar recht erstaunt wie kurzweilig die per se einfach strukturierten und überlangen, bis zu 22 Minuten dauernden Stücke sind. Und das ohne, dass wirklich allzu viel darin passiert. Gerade der abschließende Titeltrack ist zu zwei Dritteln ereignisloser Drone-Nihilismus, der nur von einem leichten Aufbäumen lebt, bevor gegen Ende das Ganze richtig zum Leben erwacht und es den Hörer endgültig platt walzt. Hach, so schon kann Doom Metal sein, der von einer Band gespielt wird, die hörbar nicht wirklich in einem Metal-Umfeld musikalisch sozialisiert wurde.

Am Ende haben sich Black Shape Of Nexus, indem sich sich ein Stück vom Drone-Doom vergangener Tage verabschiedeten, mit Negative Black endgültig ihre eigene Nische im Sludge/Doom-Umfeld geschaffen, die mit erhöhter Emotionalität und ihren karstigen und tonnenschweren Klanglandschaften beeindruckt. Das ist Musik die man nicht nur hören, sondern vor allem fühlen muss!


Carved Into Stone
Carved Into Stone
Preis: EUR 19,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tommy ist wieder da - und wie!, 20. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Carved Into Stone (Audio CD)
Jawohl, Tommy Victor hat es wieder getan! Power of the damager hieß 2007 das letzte Prong-Album und war ein furztrockener Brocken, der danach klang, dass der Sänger und Gitarrist es allen noch einmal mit Vehemenz zeigen wollte. Das Album wirkt noch heute. Jetzt, fünf Jahre später war es Zeit für einen ordentlichen Nachfolger. Wie so oft, wurde die Hintermannschaft wieder komplett ausgetauscht. Am Bass verdingt sich jetzt Tony Campos (ex-Ministry, ex-Static X) und hinter der Schießbude sitzt Alexei Rodtiguez (ex-3 Inches of Blood). Zudem wurde die Platte nicht mehr im Hinterhof von Al Jourgensen (Ministry) aufgenommen, sondern mit Steve Evetts (u.a. Dillinger Escape Plan, Suicide Silence).

Und letzteres ist gleich der größte Unterschied. Denn die Produktion klingt nicht mehr so pur und unverfälscht, sondern wesentlich saftiger, dafür aber teilweise etwas austauschbar. Besonders was den markanten Gitarrensound von Tommy Victor betrifft. Andererseits passt das Ganze aber auch zu den neuen Songs, von denen eine ganze Latte an Titeln mit großem Hitpotenzial gesegnet sind. Denn in songwriterischer Hinsicht wird hier ziemlich Gas gegeben und so steht Carved into stone in bester Tradition von Scheiben wie Prove you wrong oder Cleansing.

Prong anno 2012 sind etwas Thrash-lastiger als früher, was vielleicht auch am ziemlich geradlinigen, stampfenden Schlagzeugspiel liegt. Gleicht die Eröffnung "Eternal heart" ist eines dieser drückenden Stücke, für die diese Band immer gemocht wurde. Ähnliches gilt für das hart drückende "Subtract" und das ebenso mitreißende "Ammunition". Neuerdings legt man im Lager der Band auch wieder verstärkt Wert auf eingängige Refrains, wie "State of rebellion", "Put myself to sleep" und das grandios dynamische "Revenge ... best served cold" zeigen. Auch nicht zu verachten: das latent punkige "List of grievances" und der fast schon doomig groovende Titeltrack. "Path of least resistance" lässt dagegen mit einer verhalten melancholischen Melodielinie aufhorchen.

Hätten Prong Mitte der 90er in ihrer Blütezeit dieses hitträchtige Album vorgelegt, wären sie vielleicht richtig groß geworden. Aber auch so kann man sich an einem starken (Groove-)Metalalbum erfreuen, das man in dieser Qualtität gar nicht mehr so erwartet hätte. Fein gemacht!


In Via
In Via
Preis: EUR 11,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klischeefreier, ziemlich undüsterer Instrumentalrock, 20. April 2012
Rezension bezieht sich auf: In Via (Audio CD)
Wie schön, dass sich eine Band heute nicht mehr verstecken muss und Anerkennung findet, wenn sie "nur" Instrumentalmusik spielt. Der hippe "Post-Irgendwas-Stempel" macht es möglich. Doch so richtig kann man Frames nicht mit all den anderen Bands in einen Sack stecken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Riffmassive aufzutürmen, um sie anschließend wieder zusammen fallen zu lassen. Das Quartett klingt wesentlich songdienlicher, feinsinniger - ja, wenn man will, sogar fast lyrisch. Da passt es gar nicht schlecht, wenn man auf seinem Debütnachfolger In Via in zwei Titeln den Dichter Hermann Hesse selbst aus seinem Werk rezitieren lässt.

Die melancholische Stimmung seines Gedichts "Stufen" passt auch wunderbar zur Atmosphäre der zehn Titel dieses Albums. Denn diese ist meist ziemlich nachdenklich und harmonisch, regelrecht freundlich. Hier ist alles im Fluss, auch wenn die einzelnen Songs auch aus mehreren, zusammengefügten Teilen bestehen. Nur selten wird dieser durch allzu lautes Aufbäumen gestört. Denn so richtig "gerockt" wird hier nicht, selbst wenn es auch mal etwas zupackender wird. Wer diesen Anspruch an Musik stellt, sollte sich das anfangs extrem groovende "End of a decade" anhören und dann wieder abschalten. Viel mehr ist es die durchgehende Stimmung die gefällt.

In Via klingt wie das perfekte Sonnenuntergangsalbum, das vor allem als Ganzes funktioniert. Wenn sich der Tag dem Ende entgegen neigt, kann man sich hier von angenehmen Gitarren- und Tastenklängen verwöhnen lassen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen und die wie sanfte Wellen von der geschmackvoll agierenden Rhythmusgruppe nach vorne getrieben werden. Damit machen sich Frames zu einer richtigen Konkurrenz zu der anderen beliebten, einheimischen Instrumentalband Long Distance Calling.


Island Fire
Island Fire
Preis: EUR 11,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weiblicher Pop kann auch heute noch richtig gut klingen!, 20. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Island Fire (Audio CD)
Hier scheine ich wirklich etwas verpasst zu haben. Die in Essex geborene und derzeit in Berlin residierende Songwriterin Gemma Ray ist mir bisher nicht aufgefallen und legt jetzt mit Island fire ihr bereits viertes Album seit 2008 auf. Und das ist wirklich gelungen und macht Hunger auf mehr!

Die mollgetränkte Musik kommt mit einem gehörigen Retro-Touch daher. Anders wie so viele Popdamen in letzter Zeit rezitiert Gemma Ray darauf aber nicht nach alten Soulweisen klingende Songs, sondern gibt eher ein klares Bekenntnis zu Girlgroup- und Psychedlic-Pop ab. Und das mit einer gehörigen Portion dunkler Eleganz, verpackt in unerhört eingängige Songs, die man aufgrund ihre Melodien einfach gern haben muss. Das bonbonfarbene Cover täuscht ein wenig darüber hinweg, denn so sonnig klingt Island fire die meiste Zeit nicht unbedingt. Vielmehr wähnt man sich nicht selten innerhalb eines Bond- oder Tarantino-Soundtracks - oder wie wenn Nancy Sinatra unter der Ägide von Nick Cave Musik machen würde.

Zumindest weist der schwüle Charme von Songs wie "Runaway" oder "Make it happen" eindeutig in diese Richtung. Da dürfen Instrumentierung und Arrangement dann auch ruhig mal etwas opulenter werden. Feine Streicherteppiche, interessante Gitarrentexturen, Mariachi-Trompeten, übereinander gelegte Gesangsspuren oder andere nette Effekte wie nach einer singende Säge klingende Sounds sind erste hier Wahl. Die Musikerin beweist stets ein gutes Händchen für Stimmungen und bedächtig schimmernde Klangfarben, die mehr durch bewusste Zurückhaltung anstatt Übertreibung auffallen.

Mit Island fire führt Gemma Ray jedenfalls vor wie schön Popmusik sein kann, ohne gleich anbiedernd zu klingen. Dass sie anders als so manche Songwriterin ist, beweist sie nicht zu zuletzt mit den beiden am Ende angefügten Coverversionen der Avant-Popper Sparks, die hier selbst noch mit Hand anlegen.


Second World
Second World
Preis: EUR 20,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gegenüber dem Vorgänger etwas abfallend, 20. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Second World (Audio CD)
Da haben sich die italienischen Melancholiejünger The Foreshadowing aber ein passendes Oberthema für ihr drittes Album ausgesucht: Das zentrale Konzept dreht sich um das durch den Menschen hervorgerufene Chaos und die Unordnung, die drohen ihn selbst und seine Umwelt in den Abgrund zu stürzen - zumindest solange, bis sich die Erde mit ihrer eigenen Kraft dagegen wehrt. Die apokalyptische Thematik ist natürlich perfekt für die Musik der Band. Dass Second world also kein Album mit viel Sonnenschein und fröhlichen Melodien ist, dürfte klar sein.

Das hätte man aber auch nicht erwartet, wenn man die beiden bisherigen Veröffentlichungen kennt. Noch immer tragen The Foreshadowing die doomige Schwere auf dem Schild und kombinieren diese mit klaren, melancholischen Melodielinien, die eher ernsthaft und bedächtig sind, als dass sie Gefahr laufen gothicmäßig verkitscht zu werden. Die Eröffnung "Havoc" zeigt gleich wo es langgeht: schwer schleifende Gitarren, düstere Keyboardstimmung aus dem Hintergrund und zurückhaltender Gesang, der an eine Metalversion von Dave Gahan (Depeche Mode) denken lässt. Dazu schleicht sich eine melancholische Melodielinie an, die den an sich variationsarmen Song unauffällig trägt. Das erzeugt eine Stimmung, welche durch den eingebauten sakralen Chor noch unterstützt wird und etwas an eine genrefremde Band wie Fields of the Nephilim denken lässt. Mit diesen haben The Foreshadowing gemein, dass die eingebauten Melodien nicht allzu plakativ zur Schau gestellt werden, sondern eher hintergründig den Weg zum Hörer finden.

Dies und das meist gleichförmig Tempo der einzelnen Songs sorgen dafür, dass man sich ein Stück in gewisser Gleichförmigkeit verloren sieht. Das ist aber nicht ganz richtig. Denn Second world ist mehr noch als der feine Vorgänger Oionos ein Album in das man sich reinhören und darauf einlassen muss, um seine trostlose Schönheit zu entdecken. Dann entdeckt man die Qualität von Stücken wie "Ground zero", "Colonies" und "Noli timere", die sich im hinteren Drittel verstecken.

Hier haben wir es also wieder mehr mit einem geschlossenen Werk, als mit einer Hitsammlung zu tun. Nicht ganz so stark wie die Platte von 2010, aber immer noch gute Musik für alle Berufsmelancholiker da draußen.


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