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Mario Karl "musikansich.de" (Bayern)
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Seremonia
Seremonia
Preis: EUR 17,72

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Naja..., 14. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Seremonia (Audio CD)
Huch, das ist aber mal wieder eine seltsame Band. Eine bei der man gar nicht wirklich weiß ob sie das was sie tut ernst meint oder ob es nur ein Witz sein soll, da alles irgendwie ein bisschen zu sehr „over the top“ klingt. Seremonia kommen aus Finnland und haben sich derzeit wieder sehr hippen Retro-Sounds verschrieben. Das Quartett klingt dabei fast wie eine Mischung aus den frühen Black Sabbath und Iron Butterfly. Letztere huldigt man bei „Rock 'N Rollin Maailma“ glatt mit einem „In a gadda da vida“-Gedächtnisriff.

Die Produktion ist auch dermaßen oldschool, dass es besser nicht mehr geht. Der Gitarrensound ist extrem fuzzig, der Bass weit im Vordergrund und wird nur noch vom verhallten Gesang überdeckt. Dieser ist auch das Ungewöhnlichste an Seremonia. Mit Noora Federley hat man eine Sängerin an Bord, die ihre Düstertexte in Finnisch vorträgt, was schon etwas skurril klingt. Noch viel mehr, da der Vortrag ziemlich emotionslos ist - und zwar eher bekifft als gespenstisch, wie der Promowisch vorgaukeln möchte. Wenn die Dame den reichlich klischeehaften (oder eher pubertären) Refrain von „Antikristus 666“ vorträgt, lässt einen das schon etwas grinsen.

Dabei ist der fabrizierte Sound gar nicht mal so verkehrt. Die vom schier ausflippenden Schlagzeuger angetriebenen Titel haben durchaus Drive und man merkt, dass die Musiker mit Leidenschaft dabei sind. Leider wirkt das trotzdem reichlich monoton und frei von jeglichen Hooks (wo wir wieder beim langweiligen Gesang wären). Immerhin peppt man seine Songs zwischen Proto-Doom („Aamuruskon Kaupunki“) und flotten Rock'n'Roll („Kosminen Ruumisvaunu“) hin und wieder mit ein bisschen Synthesizer oder Flötentönen auf. Am Ende ist dieses kurze Debüt von Seremonia aber doch eher etwas für Fans dieses Stils.


No Holier Temple
No Holier Temple
Preis: EUR 19,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant..., 14. September 2012
Rezension bezieht sich auf: No Holier Temple (Audio CD)
Ernst gemeinter Okkultismus und die Beschäftigung mit dunkler Magie sind derzeit ein gerne angenommener Quell für Textinspirationen. Wie angenehm, dass es eine Band gibt, die sich viel mehr der Natur und ihrer Mystik widmet. Die finnische Band Hexvessel um den Engländer Mat „Kvohst“ McNerney (u.a. auch Void, Code) klingt auch wie eine Ode an Mutter Erde. Nur wenige haben es bisher geschafft die Atmosphäre weiter Wälder so gut in Töne zu gießen.

Stilistisch klingt man ziemlich einzig- bzw. eigenartig. Irgendwo zwischen 70er Psychedelic Rock, dem Charme alter Folk-Musik und dem Flair des Doom-Metals könnte man Hexvessel am ehesten verorten. Die Stimmung ist durchgehend melancholisch, fremd und mystisch bedeckt, strahlt aber doch eine angenehme Faszination aus. Oftmals klingen die Titel auch, als ob eine Doom-Band Folksongs spielen möchte, wie zum Beispiel beim ausladenden „Elegy to Goyahkla“ oder beim ebenso ausgeweiteten „Unseen sun“, welches seine Stimmung öfter wandelt - vom bedächtigen Beginn, über leichte Harmonien bis zum schamanenhaften Zwischenteil.

Ansonsten musiziert man überwiegend gitarrenlastig und zurückhaltend, wenn auch instrumental relativ vielschichtig. Neben allerlei verschiedenen Gitarresounds, finden auch Trompeten- und Geigenklänge oder an die Doors erinnernde Keyboards den Weg ins Klangbild von Hexvessel. Der Doors-Vergleich ist eh gar nicht so abwegig. Denn manchmal erinnert fühlt man sich an diese Band erinnert.

Für Freunde ruhigen Psychedelic Rocks oder ausgefallenem Folk dürfte No holier temple eine richtige Fundgrube sein - ebenso für Metalfans mit Hang zum Außergewöhnlichen. Eine Geheimtipp-Empfehlung kann man hierfür ruhigen Gewissens aussprechen, auch wenn es gerade in Sache Melodien etwas spannender und mitreißender sein könnte.


Lifes Rich Pageant (25th Anniversary Edition)
Lifes Rich Pageant (25th Anniversary Edition)
Preis: EUR 31,29

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wertiger Re-Release, 12. September 2012
Die chronologische Wiederveröffentlichungsreihe von R.E.M. geht weiter. Mittlerweile sind wir im Jahr 1986 und bei Lifes rich pageant, dem vierten Album des Quartetts aus Athens, angekommen. Wie bereits der Vorgänger Fables of the reconstruction erscheint auch dieses Kleinod als Doppel-CD in einer stabilen Kartonverpackung mit ein paar Postkarten, Booklet und einem Poster. Das macht schon etwas her. Das sollte aber nicht vom musikalischen Inhalt ablenken. Denn der ist wirklich gut.

Auf Lifes rich pageant liefen R.E.M. erstmals richtig zu Höchstform auf und zeigten sich euphorischer, als auf dem etwas düsteren Vorgänger. Einige Songs sind sogar richtige Rocker. Bei „Begin the begin“ und „These days“ gibt man ziemlich Gas - lebhafte Gitarren und eine treibende Rhythmusgruppe inklusive. Schlagzeuger Bill Berry zeigt sich hier immer wieder als zwar etwas unauffälliger, aber dafür umso mitreißenderer Taktgeber. Auch Sänger Michael Stipe (damals noch mit Haaren) gibt einen Vorgeschmack zu welcher Klasse er sich in den folgenden Jahren noch entwickeln sollte. Aber das wichtigste sind neben der Performance immer noch die Songs. Diese sind auch hier wieder gewohnt geradlinig und ohne große Schnörkel, überzeugen aber (fast) durchgehend. Mit „Fall on me“ und „Cuyahoga“ hat man mindestens zwei Lieder auf Lager, welche sich später in die Klassikerriege einreihen sollten. Besonders letzteres ist mit seiner süßen Melancholie ein wahrer Melodienregen, der Gänsehaut erzeugt. Selbiges tut auch die fast gruselig anmutende Folkrock-Nummer „Swan swan H“, deren musikalischer Widerpart wohl das grandios treibende „I believe“ ist.

Mit Lifes rich pageant machte die Metamorphose vom New Wave-artigen Sound der Anfangstage zu den Alternative-Chartstürmern einen großen Sprung nach vorne. Und das obwohl man noch nicht auf Ecken und Kanten verzichtete. Trotzdem wurde das Album eher noch ein Achtungserfolg und der Durchbruch erfolgte erst ein Jahr später mit Document und den beiden Hits „The one I love“ und „It's the end of the world as we know it (and I feel fine)“. Darum kann man diesen schönen Rundling gut und gerne als Ende der Underground-Phase erachten.

Zum Weiterhören liegt noch eine 55-mintige Bonus-CD mit 19 Songdemos bei. Überwiegend hört man hier frühe Versionen der Albumstücke, welche teilweise instrumental sind. Die Lieder standen damals im Großen schon und nur wenige klingen hier anders als später (u.a. „Cuyhoga“ etwas flotter und „Swan swan H“ noch nicht so düster). Das ist allemal interessant, wenn auch nur für Hardcorefans essentiell. Auf der anderen Seite zeigen diese Aufnahmen, dass die Band mit John Mellencamp-Produzent Don Gehman noch einiges aus den Songs herausgeholte. Neben ein paar weiteren Songskizzen findet man auch eine Version des tollen „Bad day“ (später auf „Best of 1988 - 2003“ zu finden) und eine neue Einspielung des ganz alten „All the right friends“. Die Klangqualität ist durchgehend gut und rundet so diesen wertvollen Re-Release fein ab. Wer die frühen R.E.M. auf einem kleinen Höhepunkt erleben möchte, sollte hier dringend zugreifen!


Disclosure
Disclosure
Preis: EUR 19,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich wieder richtig gut!, 11. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Disclosure (Audio CD)
Ein neues Album von The Gathering - das verursachte früher beim Rezensenten immer große Spannung und Vorfreude. Dieses Mal blieb das irgendwie ein bisschen aus. Vielleicht lag es daran, dass der Vorgänger und quasi Neuanfang The West Pole zwar ein gutes, aber dann doch nicht mehr ganz so faszinierendes Werk wie seine Vorgänger war? Wie auch immer. Jetzt liegt er also vor, der zweite Anlauf mit Sängerin Silje Wergeland. Tja, und was soll ich sagen? Diese 54 Minuten Musik stecken voller Anmut, Schönheit, Atmosphäre und ineinander greifenden Stimmungen. Disclosure ist vom Anfang bis zum Ende ein dichtes Werk, das einen gefangen nimmt.

The Gathering scheinen anno 2012 noch mehr Wert auf einnehmende Stimmungen und elegante Klangfarben zu legen, wo der Vorgänger noch relativ geradlinig gestaltet war - allerdings ohne, dass die Songs zu reinen Soundteppichen verkommen. Die Band weiß nämlich auf was es ankommt. Und zwar auf schöne Melodien, die anfangs vielleicht etwas unaufdringlich scheinen, aber dann doch recht schnell ihre Faszination entfalten.

Auch anno 2012 segeln The Gathering damit wieder sehr gekonnt zwischen den Genres. Während manches fast wie ein träumerischer Popsong wirkt („Paper waves“), hat man auf der anderen Seite mitreißenden Trip-Rock („I can see for miles“) oder ein abwechslungsreiches Epos („Heroes for ghosts“), auf das so manche Postrock-Band neidisch sein könnte. Dabei lässt die Band auch immer wieder ihr Faible für analoge Klangerzeugung durchschimmern. Streichersounds und sogar das mehrfache Einbinden einer führenden Trompete lassen aufhorchen, wenn die Band ihren Ideen freien Lauf lässt.

Doch der größte Hinhörer der alles zusammenhält ist der Gesang. Während man sich bei The West Pole noch an sie gewöhnen musste (was gar nicht so schwer war), scheint Silje Wergeland nun endgültig als fester Teil der Band integriert. Die Norwergerin agiert sehr selbstsicher und sorgt mit ihrer hellen Stimme für die eine oder andere Gänsehaut. Dabei ist sie auch noch weniger aufdringlich als ihre Vorgängerin.

Man könnte so viel über diese Platte schreiben und würde ihr damit wahrscheinlich nicht gerecht. Deswegen nur noch dieses: anhören, genießen und feststellen, dass dieses eines der besten Alben von The Gathering ist!


British Steel-30th Anniversary
British Steel-30th Anniversary
Preis: EUR 27,05

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nettes Paket, 4. September 2012
Rezension bezieht sich auf: British Steel-30th Anniversary (Audio CD)
Der 14. April 1980 war für die Metalgeschichte wohl fast ein genauso wichtiger Tag wie der 13. Februar 1970 - das Erscheinungsdatum des Black Sabbath-Debüts. Denn an diesem Tag erschien British Steel von Judas Priest und Schlug inmitten der New Wave of British Heavy Metal-Bewegung, die gerade auf ihren Höhepunkt zusteuerte, einen großen Pflock in den Boden. Das Rasierklingen-Cover und der konsequente Sound darauf, waren eine Art Statement zum aktuellen Stand der musikalischen Entwicklung im Vereinigten Königreich. Gleichzeitig fuhren Judas Priest hier die Ernte ein, die sie mit Platten wie Sad wings of destiny, Killing machine, Stained class und vor allem Unleashed in the east gesät haben. Ja, man kann es mit Fug und Recht behaupten: British Steel ist ein absoluter Klassiker! Wenn man ehrlich ist, allerdings ein musikalisch etwas überbewerteter. Denn was man darauf zu hören bekommt, würde man mit heutigen Ohren über weite Strecken als einfachen und recht simplen Hard Rock abstempeln. Aber vor 30 Jahre sah die (Musik-)Welt noch ein wenig anders aus.

Stücke wie der geradewegs nach vorne marschierende Opener „Rapid fire“ oder „Grinder“ waren rasanter Metal zum Haareschütteln. „Breaking the law“ ist ein einfacher Kracher mit einem Jahrhundertriff und Sound für eine ganze Generation. „Living after midnight“ ist eine Partyhymne die jeder Rocker noch im Schlaf mitgrölen kann. „United“ und „Metal gods“ sind reinrassige Metalhymnen, die einen nicht mehr loslassen. Und mit „The rage“ hat man eines der ungewöhnlichsten Lieder der Bandgeschichte geschrieben, welches auf einem reggaeähnlichem Riff basiert und doch jede Menge Power besitzt. Etwas im Hintergrund stehen da „Steeler“ und „You don't have to be old to be wise“. Ein Hauch von Rebellentum und die pure Lust an dieser noch recht frischen und damals öffentlich regelrecht verhassten Musikrichtung durchziehen das Album von Anfang bis zum Ende.

Passend zu diesem Jubiläum kommt British Steel als Deluxe-Version in die Läden. Schön aufgemacht und mit Live-DVD und -CD bestückt. CD1 enthält die Remaster-Ausgabe des Albums mit zwei Bonustracks, wie es schon seit einigen Jahren auf dem Markt ist. Als Bonus liegt eine Live-DVD mit einem Konzertmitschnitt vom 17.08.2009 bei, der in Hollywood (Florida) aufgezeichnet wurde. Die limitierte Version enthält als dritte Disc eine Live-CD davon. Gespielt wurde das komplette British Steel-Album, sowie ein paar Zugaben (s. Trackliste). Wobei man auf eine Spielzeit von knapp eineinhalb Stunden kommt. Die Bildqualität ist sehr gut, der Schnitt gefällt - nicht zu hektisch und meist recht nah am Geschehen dran. Und der Sound ist, im Gegensatz zum zuletzt veröffentlichten A touch of evil: Live, gut und kraftvoll. Die Band bringt jede Menge Power und Spielfreude rüber. Das Publikum macht, auch wenn man es nicht sieht, sondern nur hört, eine gute Stimmung. Und auch die Stimme von „Problemkind“ Rob Halford präsentiert sich in relativ guter Verfassung. Natürlich kommt ihm entgegen, dass die Songs auf den Einsatz hoher Screams verzichten. Lediglich sein Auftreten ist stellenweise fast ein Trauerspiel. Recht behäbig schleicht er manchmal über die Bühne und wirkt abwesend. Aber das hat man schon schlimmer gesehen.

Insgesamt ist das Ganze schon ein ziemlich wertiges Paket, von dem man nicht behaupten kann, dass man über den Tisch gezogen wird. Wer British Steel noch nicht zu Hause hat (gibt es so jemanden überhaupt noch?!), sollte spätestens jetzt zuschlagen. Für alle anderen ist es zumindest eine Überlegung wert. All hail to the gods of Metal!


Screaming for Vengeance (30th Anniversary Edition)
Screaming for Vengeance (30th Anniversary Edition)
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 13,28

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist wieder Jubiläumszeit., 4. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zwei Jahre nach British Steel ist jetzt Screaming for vengeance dran. Gemeinhin mit dem 80er-Werk und Painkiller gehört die Platte mit dem stählernen Adler auf dem Cover zu den stärksten Scheiben der britischen Metal-Legende - oder zumindest zu den beliebtesten. Auch diese Edition kommt mit einem modernisierten Cover und einer DVD in den Handel. An das Album selbst hat man neben den Bonus-Tracks der 2001er Remaster-Ausgabe noch vier weitere Liveaufnahmen mit auf die CD gepackt, die 1982 in San Antonia aufgezeichnet wurden. Diese klingen aber reichlich verzichtbar.

Screaming for vengeance strotz vor klassischen Metaltracks, die auch heute noch zum Standardprogramm von Judas Priest zählen. „The Hellion/Electric Eye“ gehört mit Fug und Recht zum allgemeingültigen Klassikerkanon. Aber auch das rasante „Riding on the wind“, „Bloodstone“ mit seinem stark pumpenden Basssound und der treibende Heavy-Rocker „Devil’s Child“ haben nicht viel von ihrem Charme eingebüßt. Ebenso wenig wie das Single-Doppel „Screaming for vengeance“ und „You’ve got another thing coming“, welches den Durchbruch der Band in den USA zusätzlich befeuerte.

Judas Priest lieferten mit dem Album einen weiteren Soundtrack zum Aufstieg des Heavy Metal. Danach hieß es nicht nur für diese Band: Stadion statt Club - nächster Halt Mainstream. Aber ganz schwachpunktefrei ist auch „Screaming for vengeance“ nicht. So kann das Trio „(Take these) Chains“, „Plain and pleasure“ und „Fever“ nicht mit dem Rest mithalten und das schon sehr unauffällige Schlagzeugspiel nimmt den Songs ein wenig den Drive. Ein Problem welches die Band mit Dave Holland die kompletten 80er hatten.

Nun zur DVD: Zu sehen gibt es den rund einstündigen Auftritt des Quintetts vom legendären US Festival am 29. Mai 1983 (San Bernadino, Kalifornien), bei dem an diesem Tag geschätzt an die 300.000 Rockfans dabei waren. Judas Priest teilten die Bühne damals u.a. mit Mötley Crüe, Ozzy Osbourne, den Scorpions und Van Halen. Man stelle sich das heute einmal vor… Die Menschenmasse auf der Mattscheibe sieht nach wie vor beeindruckend aus und die Band scheint anfangs fast ein wenig eingeschüchtert, bevor sie bei „Riding on the wind“ regelrecht explodiert. Zwar gehören Judas Priest nicht gerade zu den bewegungsfreudigsten Bands, es macht aber trotzdem Spaß hier zuzusehen - schließlich wurde so etwas wie Rockgeschichte geschrieben. Das Bild ist im damals typischen Fernsehformat 4:3 und nicht so gut gealtert. Man darf also kein volles HD-Erlebnis erwarten. Der Sound geht in Ordnung und ist authentisch. Als Bonus ist das mehr als nur in Ordnung.

Wie so oft bei derartigen Re-Releases gilt: Wer das Album noch nicht hat, sollte spätestens bei dieser Edition zuschlagen und sich ein Stück Metalgeschichte ins Haus holen. Alle anderen können zumindest über einen Kauf nachdenken. Wegen der CD alleine lohnt es sich nämlich keinesfalls.


Symphony of Shadows
Symphony of Shadows
Preis: EUR 19,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geheimtipp für Doom-Freunde, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Symphony of Shadows (Audio CD)
Bei dieser Rezension muss man ein wenig weiter ausholen. Denn Bedemon haben eine lange Geschichte, auch wenn Symphony of shadows so etwas wie das offizielle Debüt der Band darstellt. Gegründet wurden Bedemon Anfang der 1970er Jahre von Gitarrist Randy Palmer und Schlagzeuger Geof O'Keefe, die beide Mitglieder der Ur-Doomer Pentagram waren. Mit dabei waren auch noch Bassist/Gitarrist Mike Matthews und Pentragram-Sänger Bobby Liebling. Außer der Aufnahme von ein paar Songs passierte aber nicht viel. Erst 1986 spielte man ein offizielles Demo ein, bevor es wieder ruhig wurde. 2002 kam die Geschichte wieder richtig ins Rollen und man machte sich tatsächlich an die Arbeiten an einem vollen Album. Aber auch hier schlug das Schicksal zu. Nachdem ein Großteil der Backing Tracks eingespielt waren, verstarb Songwriter und Gitarrist Randy Palmer bei einem Autounfall.

Sollte es das gewesen sein? Wenn auch wieder einige Jahre ins Land zogen, machten sich die restlichen beiden Bandmitglieder, O'Keefe und Matthews zusammen mit dem Sänger Craig Junghandel daran, die begonnene Platte fertig zu stellen. Und das haben sie tatsächlich geschafft. Unter dem Namen Symphony of shadows kommt sie in den Handel. Wie zu erwarten gibt es darauf besten (Proto) Doom Metal in der Tradition von Pentagram, aber auch Saint Vitus oder Reverend Bizarre zu hören.

Fast fühlt man sich in die späten 70er zurück versetzt. Denn die Gitarren knarzen ziemlich heftig, man gibt sich verspielt und lässt den Stimmungen freien Lauf. Was Bedemon hier geschaffen haben, dürfte ein richtiges Fest für Genre-Fans sein. Diese können sich in guten Kompositionen wie der drückenden Riffwalze „Saviour“, dem zackigen Heavy-Rocker „Kill you now“ oder äußerst düsterem Stoff wie „Godless“ oder dem sehr feinen „Hopeless“ suhlen. Letztere nehmen trotz ihrer Länge Abstand von der Epik á la Candlemass oder Solitude Aeturnus, sondern zeigen sich eher liebevoll versponnen und erzeugen auch ohne große Melodiebögen eine starke Atmosphäre. Der Gesang ist ebenso passend und klingt teilweise fast wie eine Mischung aus Wino (Saint Vitus) und Devon Graves (Psychotic Waltz).

„Bodenständiger Doom mit Eiern“, so könnte man das hier bezeichnen - in den eng gesteckten Grenzen dazu noch verhältnismäßig abwechslungsreich und definitiv unterhaltsam. Damit lässt man glatt das letzte Album von Saint Vitus hinter sich.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 12, 2012 5:47 PM CET


Unsung Heroes
Unsung Heroes
Preis: EUR 16,99

0 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besser als erwartet, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Unsung Heroes (Audio CD)
Ich weiß nicht warum, aber trotz des gesteigerten Variantenreichtums und dem hörbaren Willen seinen Sound etwas zu erweitern, klang das letzte Ensiferum-Album From afar für mich etwas eingerostet. Zwar machen sie auf ihrem neuen Werk Unsung heroes nicht allzu viel anders, doch haben wir es hier mit einer etwas frischeren Platte zu tun. Dem Gesamtergebnis tut es gar nicht mal schlecht, dass dem Midtempo öfter mal den Vorzug gegenüber dem üblichen Uptempo gegeben wird. Flotte Stakkato-Brecher wie das simple „Retribution shall be mine“ gehören hier zu einer recht raren Spezies.

Noch mehr also sonst reicherte man seine Songs dazu mit kleinen Folkspielereien, Chören und jeder Menge organischem Bombast an. Dabei schrammt man nicht nur einmal um Haaresbreite an der Kategorie Kitsch vorbei (textlich natürlich suhlt man sich erwartungsgemäß voll darin) - aber etwas anderes erwartet man von den Finnen auch gar nicht. „Unsung heroes“ mit seinen Dudelsackklängen und dem heroischen Folkrefrain, das im Prinzip simple auf bombastisch aufgepeppte „Pohjola“ oder das eingängige und atmosphärisch passende „Burning leaves“ sind jedenfalls typische Exemplare eines guten Ensiferum-Songs.

Etwas aus der Reihe schlägt die ruhige, akustische Folk-Nummer „Celestial bond“, bei der zur ätherischen Lägerfeuerstimmung weiblicher Gesang die Führung in die Hand nimmt. Die Thematik widerfährt mit „Star Queen (Celestial bond II)“ eine quasi männliche Fortsetzung - allerdings im vollen Bandgewand. Den Vogel schießt die Band aber mit dem überlangen Epos „Passion proof power“ ab, das mit Orchesterklängen, Chören, einer Opernsängerin, purem Metal, überbordenden Dramatik und obskurer Mittelaltermarktatmospähre jongliert. Das kann man jetzt größenwahnsinnig oder im positiven Sinne herrlich übertrieben finden. Spaß macht es allemal.

Klein und bescheiden mögen es Ensiferum auf Unsung heroes keineswegs. Und man muss ihnen zweifelsohne eingestehen: es funktioniert. Ein Hauch von Abenteuer und gleichzeitig Hollywood weht durch das komplette Album. Damit würde man sich schon fast für die nächsten Verfilmungen aus dem Tolkien-Universum empfehlen. Doch vorerst macht das ziemlich angenehme und kurzweilige Album eine gute Figur in der Metalsammlung.


The Forgiven Ghost in Me
The Forgiven Ghost in Me
Preis: EUR 17,24

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intensiv und begeisternd, 24. August 2012
Rezension bezieht sich auf: The Forgiven Ghost in Me (Audio CD)
Scott Kelly gönnt sich dieses Jahr mal wieder keine Ruhe. Zuerst gab es das Tribute-Album an Townes Van Zandt, im Oktober wird der neueste Neurosis-Lonplayer erscheinen und jetzt mittendrin gibt der Mann sein neues Soloalbum The forgiven ghost in me in den Handel. Wobei, so ganz solo wie beim letzten The Wake (2008) ist es gar nicht mehr. Das verrät schon der Blick aufs Cover, auf dem der Name Scott Kelly and The Road Home prangt.

Aus der „Heimat“ sind unter anderem seine beiden Bandkollegen Jason Roeder und Noah Landis mit an Bord. Doch im Kern ist The forgiven ghost in me ebenso ein schlichtes Singer/Songwriter-Album wie sein Vorgänger. Denn im Mittelpunkt steht noch immer die brummige Stimme und die einfach, aber effektiv gespielte Akustikgitarre von Scott Kelly. Mit ihr gibt er wieder düstere, emotionale Songs zum Besten, die eben aus ihrer Schlichtheit heraus eine starke Intensität entwickeln. Dabei ist es vor allem die an den Tag gelegte Verletzlichkeit dieses bärigen Raubeins, die aufhorchen lässt. Denn wie so oft, steckt unter der vermeintlich harten Schale ein urmenschlicher Kern.

Um das karge Klangbild des beschriebenen Gerüsts legen Kellys Mitmusiker immer wieder einen wabernden und stimmungsvollen Teppich, bestehend aus unterstützenden, nie aufdringlichen Keyboardklängen und -effekten, eingeworfenen (E-)Gitarrenklängen und bei „The field that surrounds me“ auch Schlagzeug. Speziell hier und bei „Within it blood“ wird einem klar gemacht, wie weit das Songwriting von Kellys Solosachen und den brachialen Neurosis zusammen rücken. Der Unterschied ist nämlich geringer, als man anfangs glauben mag.

Dafür ist das Album als Ganzes auch gar nicht durchgehend so düster wie gedacht. Anfang („A spirit redeemed to the sun“) und Ende („We burn through the night“) klingen nämlich trotz ihrer Melancholie stets so hoffnungsvoll, als würde einem ein guter Freund aufmunternd auf die Schulter klopfen. Trotzdem ist The forgiven ghost in me eher ein Album für die dunkleren Stunden. Aber was für eines!


Sexual Harassment
Sexual Harassment
Preis: EUR 12,93

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hello darkness, where have you been?!, 20. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Sexual Harassment (Audio CD)
So, das ist es nun also, das erste Turbonegro-Album mit Neu-Sänger Tony Sylvester (ex-Dukes of Nothing). Wer sich jetzt Sorgen macht, ob die Norweger den Verlust von Arschraketen-Spezialist Hank von Helvete gut wegstecken konnten, der sollte nicht weiter darüber nachdenken, sondern einfach Sexual harassment in den Player schieben und abfeiern. Denn das Teil präsentiert nichts anders als Turbonegro in Reinkultur!

Klar, allein stimmlich gibt Tony der Gruppe ein neues Gesicht. Sein Gesang ist nämlich wesentlich rauer und räudiger als der seines Vorgängers. Aber das passt bestens zum Punksound von Turbonegro. Dieser klingt anno 2012 ein Stück frischer und losgelöster als zuletzt und zeugt vom augenscheinlich guten Bandklima. Mit der Eröffnung „I got a knife“ macht man bereits keine Gefangenen. Schon fast mit Motörhead-Niveau pflügt man in bester Punkmanier durchs Gelände. An zweiter Stelle steht mit „Hello darkness“ die ultimative Comeback-Hymne, bevor man mit „Shake your shit machine“ einen gewohnt schmuddeligen und lässigen Party-Rock'n'Roller auspackt.

Und so geht es im Minutentakt weiter. Zehn Songs und keiner davon ein Ausfall. Jede Menge Rock'n'Roll, lässige Licks und eingängige Hooks - Turbonegro haben das Schreiben cooler und teils hymnischer Songs nicht verlernt. „I'm the high priest of your bad dream“, so heißt es in „Tight jeans, lose leash“. Und das repräsentiert die Aura des Albums sehr gut. Rassige Musik gepaart mit ironischen Texten voller Anzüglichkeiten und latentem Düstercharme. Also wie immer? Dieses Mal glücklicherweise ja.

„God, it's good to have you back again“, um die Band mal selbst zu zitieren!


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