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Mario Karl "musikansich.de" (Bayern)
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MMXII
MMXII
Preis: EUR 19,58

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es geht so gut weiter..., 2. April 2012
Rezension bezieht sich auf: MMXII (Audio CD)
2012 also. Das Ende der Welt naht und Killing Joke dürfen da mit ihrem oftmals als esoterischem Voodoo-Priester verschrieenen Frontmann Jaz Coleman natürlich nicht fehlen. Wie nicht anders zu erwarten sind die Texte auf MMXII zum Bersten mit politischem, anti-kapitalistischem und voraus denkendem Gedankengut gefüllt. Das abermals in Originalbesetzung agierende Quartett gibt einen sehr treffenden Kommentar zur erkrankten (Industrie-)Gesellschaft ab und schießt sich damit mit voller Vehemenz in das Zeitalter des Wassermanns.

Wer der textlichen Agenda nicht weiter folgen möchte, kann sich zumindest erfreuen, dass die Reunion der Herren nicht von kurzer Dauer war, sondern tatsächlich auf fruchtbarem Boden wurzelte. Denn auch musikalisch präsentieren sich Killing Joke genauso wach und lebendig wie vor rund zwei Jahren. Stilistisch ähnlich und sogar noch etwas runder. Denn MMXII ist nicht mehr so bunt wie Absolute dissent. Das mag der eine oder andere vielleicht ein wenig schade finden, dafür bekommt man hier ein Album wie aus einem Guss vor den Latz geknallt, das unverkennbar nach Killing Joke klingt.

Sehr rau sind die Songs, aggressiv pulsierend und meist ziemlich geradeaus. Wie Gitarrist Geordie seine trockenen und rotzigen Simpelriffs aus dem Ärmel schüttelt ist eine wahre Pracht, während das Rhythmusgespann Youth/Ferguson sehr dynamisch die Flucht nach vorne antritt. Das klingt definitiv nicht nach Alte-Männer-Musik. Oftmals wabert unter den Songs auch ein starker, charmant altmodischer Synthie-Teppich, der den Titeln eine besondere Würze verleiht und beim fiebrigen "Rapture" voll durchbricht. Der Rest wandelt zwischen hüpfendem, wavig anmutendem Postpunk (in der Brutaloversion versteht sich, "Trance"), aggressivem Midtempoprotest ("Colony collapse"), unruhiger Zurückhaltung ("Primobile") und massiven, punkigen Brechern ("Corporate elect") - hypnotisches Potenzial stets inklusive.

Ohne Unterlass fühlt man sich hier (zumindest auf musikalischer Ebene) pausenlos angenehm bombardiert. Dass man dazwischen trotzdem irgendwann die Weltflucht antreten möchte, ist fast schon natürlich. Wie schön dass einem Killing Joke mit 'In Cythera' entgegen kommen und den Hörer leicht schwebend auf die Insel schicken. Das ist nur das Tüpfelchen auf dem i und rundet ein weiteres sehr gutes Album dieser Band ab.


Money,Sex & Power
Money,Sex & Power
Preis: EUR 12,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da habe ich mir aber mehr versprochen..., 28. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Money,Sex & Power (Audio CD)
Die Volljährigkeit haben die Schwaben von Kissin' Dynamite schon hinter sich gelassen und Money, sex & power ist auch bereits das dritte Album der Burschen. Den Nachwuchs- und Jugenlichkeitsbonus darf man jetzt wohl auch mal außer Acht lassen. Also betrachten wir die neue CD der Band ganz sachlich. Das Ding ist von vorne bis hinten ein durchgehendes Partyalbum und hat was von einem One-Night-Stand (um mal im darauf verwendeten Vokabular zu bleiben): schnell angemacht und ohne große Vorstellung zum Höhepunkt gekommen - am Ende vielleicht aber auch nicht so befriedigend. Der Fünfer hat die Formel inzwischen durch und durch drauf, wie man einen eingängigen Song macht, der sofort einschlägt.

Leider weicht man von dieser Formel nicht mehr ab, was dafür sorgt, dass hier alles relativ gleich klingt. Eben nach dem gutem alten, metallisch angehauchtem Hard Rock der 80er Jahre, den man leider schon zu oft gehört hat. Ein paar Stellen klingen dazu glatt wie von der Edguy-Resterampe. Dabei hat man insgesamt den schwermetallischen Anteil etwas zurück geschraubt. Das Ganze ist auch nur halb so schlüpfrig, wie die Band mit ihrem Stempel "Sleaze Rock" suggeriert. Überwiegend wimmelt es hier geradezu von textlichen Plattitüden, die einem fast die Schamesröte ins Gesicht treiben. Nun ja, das gehört wohl irgendwie zu diesem Genre. Gut finden muss man es trotzdem nicht wirklich.

Aber genug gelästert. Die neue, tiefere Stimmlage von Sänger Hannes steht der Gruppe nicht schlecht. Dank der dicken Produktion und der engagierten Vorstellung läuft das Album ganz gut rein und wenn man den Kopf ausschaltet, ist der Spaß mit einigen Nummern garantiert. Doch leider hat die Schlagzahl an Hits im Gegensatz zu Addicted to Metal und dem Kracher-Debüt auch abgenommen und es haben sich einige Lückenfüller eingeschlichen. Mit "She's a killer", "Ego-shooter" und "Dinosaurs are still alive" seien nur mal drei genannt. Am Ende ist eine handwerklich zwar gut gemachte, aber am Ende leider durchschnittliche Platte ein bisschen zu wenig für eine versierte Band, der man eine große Zukunft angedacht hätte. Schade. Denn live gehen Kissin' Dynamite (wie ich selbst öfter Zeuge wurde) immer noch gut ab und dort dürften Nummern wie "I will be king", "Sleaze deluxe" oder "Operation supernova" mit ihren groß angelegten Refrains und Mitgrölparts ihre Wirkung entfalten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2012 4:25 PM MEST


In-Between
In-Between
Preis: EUR 15,51

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes, aber nicht überragendes Album, 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: In-Between (Audio CD)
Fünf Jahre war es ruhig um die Mannheimer Alias Eye. Doch endlich lässt man wieder von sich hören. In-between nennt sich das neue Baby und es präsentiert das Quintett in hervorragender Form. Stilistisch hat man sich nicht wirklich verändert. Musikalisch im melodischen Hard Rock der 80er verwurzelt, spielt man noch immer interessanten und variantenreichen Art Rock der guten Art, der vor allem von der tollen Stimme Philip Griffiths' getragen wird. "Bodenständig theatralisch" würde ich seinen Gesang beschreiben, dem Timbre von Michael Sadler (Saga) gar nicht mal so unähnlich.

Zu Beginn von In-between lassen Alias Eye mit "Arabesque" einen richtigen Volltreffer von der Leine. Mit ziemlich harten Gitarrenriffs, unterstützenden dramatischen Streichersounds und einer Perkussion, die titelgemäß ein leicht arabisches Feeling verbreitet und einigen Drehungen und Wendungen reißt man den Hörer unmittelbar mit. Doch am Ende ist es vor allem das Gefühl für feine Melodien, das für Begeisterung sorgt, welches im weiteren Verlauf noch mehr zum Tragen komme. Dieses Flair kumuliert dann in einer schon fast radiotauglichen Nummer wie "Distant memories", die sogar noch eingängiger als die ziemlich angenehme Ballade "Stars shall fall" ist.

Die Band lässt sich aber hieran nicht festnageln, denn mal mag es ziemlich abwechslungsreich. Egal etwas verwinkelter ("The blink of an eye"), potenziell hart riffend, aber doch sehr geschickt eingängig ("Break what we know"), nervös rockend mit forderndem Gesang ("Indentured pride") oder gar aggressiv außer Rand und Band mit zeitgemäßen Grooves, funky Gitarren und Sprechgesang ("All the rage"). Den Vogel schießt man dem Titelstück ab. "In-between" kommt zuerst schon fast humoresk poppig mit einer Portion Swing (Blechbläser inklusive) daher, bevor man wieder in seinen eigenen Stil zurück findet. Einen besonderen Kracher hat man in die Mitte des Albums platziert: eine Coverversion des alten Beggars Opera-Klassikers "Time machine", den Vokalist Philip mit seinem Vater Martin Griffiths zum Besten gibt - dem Sänger des Originals. Die Magie der 70er hat man durchaus adäquat in die Neuzeit gerettet.

Am Ende ist In-between ein gelungenes und auch abwechslungsreiches Album geworden. Wenn man unbedingt etwas bemängeln möchte, dann vielleicht, dass Alias Eye hin und wieder ein paar Ecken und Kanten mehr zulassen sollten und dass die Produktion etwas steril wirkt. Das fällt am Ende aber nicht so sehr ins Gewicht, denn beim Hören bleibt durchgehend ein gutes Gefühl zurück.


Relapse
Relapse
Preis: EUR 20,24

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Uff, ein neues Ministry-Album - hätte es das wirklich gebraucht?, 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Relapse (Audio CD)
Nachdem Al Jourgensen vor rund fünf Jahren mit The last sucker seine Hasstrilogie gegen die US-Administration rund um George W. Bush abschloss, feierte er bekanntlich einen Abschied auf Raten und schickte sich selbst in Rente. Aber ganz konnte er es wohl nicht lassen. Nach seinem Countryprojekt Buck Satan (das er sicherlich rund zwei Jahrzehnte lang angekündigt hatte...) war Blut geleckt und es flossen einige Ministry-Riffs aus den Fingern, die er nicht einfach in den Papierkorb werfen wollte. Und das ist er nun, der süffisante Rückfall Relapse.

Die Themen sind endlich mal wieder breiter gefächert - von persönlichen Abstürzen und Erfahrungen, bis zu politischen und sozialkritischen Beobachtungen und eindeutigen Aufforderungen. Musikalisch geht man den Weg der letzten Platte weiter. Bedeutet: mehr (schon fast bodenständiger) Metal, weniger Elektronik und Samples. Und führt man sich Relapse zu Gemüte, hört man trotz der teilweise tonnenschweren Härte und Raserei eine ganz neue Gelassenheit heraus, die Ministry eine ungewohnte Rockigkeit verleiht. Man nehme nur den Abschluss "Bloodlust", der mit einem satten Southern-Riff daher kommt, oder das textlich recht banale "Weekend warrior", das fast ein Midtempo-Megadeth-Song sein könnte. Ein gutes Beispiel ist auch "Kleptocrazy", das einen derart eingängigen und rotzigen Mitgrölrefrain besitzt, den man so von der Band auch nicht allzu oft zu hören bekam. Nicht schlecht! Ähnliches gilt für die politische Kampfhymne "99 Percenter".

Richtig heftiges Material, wie man es von dieser Band erwartet, gibt es aber natürlich auch. Das extrem thrashige und brettharte "Double tap" bläst einen gleich mal ganz amtlich aus dem Sessel. Beim folgenden Arschtritt "Freefall" steht man aber wieder senkrecht. Eine besondere Erwähnung verdient das S.O.D.-Cover "United forces". Wer hätte gedacht, dass Al Jourgensen mal den ultra-konservativen Redneck Billy Milano covert? Liegt wohl daran, dass der Text zeitlos und ohne miefigen Charme ist. Die Kurznummer wurde jedenfalls auf doppelte Länge ausgewalzt und durch den Metalwolf gedreht. Dadurch gewinnt das Stück zwar nicht wirklich an Intensität, haut aber gut ins Mett.

So, um noch mal zur Einstiegsfrage zurück zu kommen: Hätte es das Ministry-Comback wirklich gebraucht? Hm, vielleicht nicht gebraucht, denn wirklich neue Impulse ruft es nicht hervor. Aber Relapse ist trotzdem ein nettes Album mit einigen coolen Songs geworden. Der pure Wahnsinn früherer Tage wurde durch eine neu gewonnene Lockerheit ersetzt, die aber nicht allzu sehr auf Kosten der Härte geht. Und das steht Ministry gar nicht soooo schlecht, wie man denkt. Aber die Band ist eben irgendwie anders als früher. Mal sehen, ob dies nun wirklich der endgültige Abschied von der Bildfläche sein wird...


Wallis Bird
Wallis Bird
Wird angeboten von multimedia4sale
Preis: EUR 22,54

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes und natürliches Album, 21. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Wallis Bird (Audio CD)
Die drei Jahre alten New boots sind inzwischen nicht nur ein-, sondern vielleicht auch ein wenig abgetragen. Zeit für etwas Neues. Ganz selbstbewusst nennt die irische Musikerin Wallis Bird ihr neues Album nach sich selbst. Das knallbunte Cover von zuletzt ist zudem einem melancholischen Graublau gewichen und die neuen Lieder klingen wesentlich subtiler als der überbordende Melodienreigen des Vorgängers. So ist es anfangs fast ein wenig ungewohnt, als die sonst vor Energie überschäumende Wallis die Platte mit der reduzierten Ballade "Dress my skin and become what I'm supposed to" beginnt. Bedächtig und nachdenklich klingt sie hier und präsentiert ihre ernsthafte Seite, welche sich zumindest textlich auch durch die nächsten zehn Songs zieht. In poetische Zeilen voller Doppeldeutigkeiten und alltagsphilosophie Anspielungen verpackte sie ihre persönlichen Beobachtungen einer sich dramatisch schnell verändernden Welt. Dabei herausgekommen sind Lieder, welche Frau Bird als ihre bisher persönlichsten bezeichnet.

Musikalisch ist die Musikerin ebenfalls gewachsen und man hört, dass es sich hier um ein echtes Band- und nicht um ein Soloalbum plus weitere Musiker handelt. Auf ihre vier Begleiter kann sie sich wohl verlassen, denn Wallis Bird lässt sich auch anno 2012 wieder in ihre Songs fallen und geht voll darin auf, wispert, singt und schreit, dass es leidenschaftlicher fast nicht mehr geht. Gleichzeitig zerbrechlich und unglaublich stark klingt sie dabei und spielt ihre facettenreichen Lieder, bei denen nicht selten auch innerhalb der Strophen die Stimmung wechselt.

Musikalisch wandelt man auch hier wieder zwischen den Welten Singer/Songwriter, Folk, sowie Pop und Rock. Die Vorabsingle "Encore" zeigt Wallis Bird gleich von einer neuen Seite und gefällt mit einem elektronischen Blubbern, welches das mitreißende Element des Lieds noch zusätzlich unterstützt. Ansonsten steht aber eindeutig die interessant gespielte akustische Gitarre der quirligen Irin im Vordergrund. So ist "I am so tired of that line" dagegen ziemlich typischer und nicht weniger begeisternder Folkrock, genauso wie das mehrstimmig gesungene "In dictum". Noch ein Stück weiter geht das tänzelnde, leicht kindlich wirkende "Heartbeating city". Auf der anderen Seite stehen natürlich (den Themen entsprechend) auch melancholische Balladen wie "Take me home", "Polarised" oder das sehr intensive "Who's listening now?".

Am Ende ist Wallis Bird abermals eine tolle Platte einer der interessantesten Künstlerinnen derzeit. Man kann es gar nicht abwarten, die durchgehend feinen Songs live genießen zu können. Denn hier zeigt sich Wallis erst richtig als explosives Engergiebündel, das einen von der ersten Sekunde mit seiner Ausstrahlung einnimmt.


Angels of Darkness,Demons of Light 2
Angels of Darkness,Demons of Light 2
Preis: EUR 19,99

4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leicht Abnutzungserscheinungen, 24. Februar 2012
Da ist er nun also, der zweite Teil von Earths Angels of darkness, demons of light. Eingespielt wurden diese fünf Stücke während derselben zweiwöchigen Session wie Teil eins. Die Vermutung liegt also nahe, dass sich die beiden Platten nicht wirklich unterscheiden.

Vordergründig ist das auch so. Es sind dieselben Personen beteiligt, woraus ein gleicher Klang resultiert. Doch die Musik wirkt jetzt noch ein Stückchen offener, improvisativer. Ganz so, als hätten die vier Musiker dem Fluss der Noten absolut freien Lauf gewährt. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie man nur mit ein paar einfachen Tönen eine solch erhabene und fein texturierte Klanglandschaft erschaffen kann. Zwar gelingt das nicht jedes Mal, doch es gibt so einige Teile, die es verdienen genauer angehört zu werden.

Zum Beispiel das düstere "A multiplicity of doors". Es beginnt regelrecht doomig schleppend mit sparsamen Gitarren- und Bassklängen sowie einem schlurfenden Schlagzeug. Ohne es zu merken reißt das Cello immer mehr die Führung an sich und sorgt für Dramatik, wobei sich die Musik im Hintergrund nebenbei einer angenehmen Harmonie hinwendet. Etwas besser noch funktioniert das bei "His teeth did brightly shine", bei dem man das "Melodie trifft Brummen"-Schema regelrecht bis zur Perfektion trieb. Dagegen wirken die beiden letzten, mäandernden Stücke "The corascene dog" und "The rakehall" mit ihren beständig repetativen Klangschleifen fast blass.

Aber man darf sich von dieser Eintönigkeit nicht vorschnell täuschen lassen. Wie schon bei Angels of darkness, demons of light 1 sollte man genau hinhören, um die feinen Details herauszuhören. Denn auch der zweite Anlauf ist mal wieder ruhige Köpfhörermusik zum Dahingleiten, die ihre Kraft eben nicht aus lauten Kanonaden und spontanen Stimmungsschwankungen bezieht. Darauf muss man sich schon wirklich einlassen können. Trotzdem wäre es am Ende wohl packender gewesen, hätte man die interessantesten Stücke der beiden Albumteile zusammen gefasst. Deswegen eine etwas zurückhaltendere Wertung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 21, 2012 2:27 PM MEST


Paal
Paal
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Intensiver pseudo-Soundtrack - nicht für jedermann!, 24. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Paal (Audio CD)
Pan & Me ist keine neue Band, sondern das Soloprojekt des Musikers Christophe Mevel. Der Franzose ist ansonsten Mitglied von Dale Cooper & The Dictaphones. Wer diese Gruppe für ihre Atmosphäre schätzt, könnte durchaus ebenfalls an Paal Gefallen finden, auch wenn Mevel hier einen etwas anderen künstlerischen Ansatz verfolgt.

Bei Pan & Me spielt das Jazz-Element zum Beispiel keine Rolle. Zurück bleibt das intelligente und äußerst bildhafte Songwriting. Instrumental stehen Tastensounds und Elektronik im Vordergrund. Hinzu gesellen sich passende Field-Recordings und auch angenehme Streichertöne, die für eine besondere Stimmung sorgen. Und diese ist wirklich außerordentlich. Mevel schafft es spielend Bilder im Kopf des Zuhörers zu erzeugen. Das ist in diesem Fall nicht nur eine hohle Phrase, sondern ein Kernelement der Musik.

Man kann regelrecht das Salz des Meeres schmecken und den Nebel auf der Haut spüren, wenn man sich durch die Stücke des Albums hört. Dieses scheint eine rein instrumental und etwas experimentell umgesetzte Geschichte zu erzählen, die zwischen der Beschaulichkeit eines ruhigen Küstenorts, dem Grusel einer halb verfallenen Geisterstadt und der heimeligen Atmosphäre vor einem wärmenden Kamin pendelt.

Für Freunde imaginärer Filmsoundtracks oder auch von Musikern wie Max Richter und Christian Fennesz ist diese Musik eine Empfehlung wert. Einlegen und abtauchen - "Nebenbeihörer" dürften ihre Probleme mit Pan & Me haben.


To Forget
To Forget
Preis: EUR 19,34

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine melancholische Schönheit, 24. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: To Forget (Audio CD)
Lange war es still um A Whisper In The Noise. Fast neigte man zu denken, die Gruppe hätte sich klammheimlich aufgelöst. Glücklicherweise ist dem nicht so. Wobei "Gruppe" in diesem Fall vor allem West Thordson bedeutet, der sich fast im Alleingang um sämtliche Instrumente und den Gesang kümmert. Ihm zur Seite steht nur Sonja Larson mit Geige und Stimme.

Nicht nur personell sieht Thordson selbst in A Whisper In The Noise anno 2012 eine neue Band. Aufgenommen in Eigenregie und der Beschaulichkeit eines alten Bauernhauses verbreitet To forget eine ganz neue Ruhe und Ausgeglichenheit. Zurück ließ man dabei die unterdrückte Wut des sehr feinen Vorgängers Dry Land und die kontrastreichen instrumentalen Ausbrüche. Es blieb die wohlklingende Melancholie und eine ganze Wagenladung an wahrhaft schönen Melodien.

Bereits die instrumentale Eröffnung strotzt vor feinen Harmonien und einer angenehmen Dramatik, die an die Japaner von Mono erinnert. Doch sobald beim zweiten Titel "Black shroud" der Gesang einsetzt sind sie wieder da, die Assoziationen mit den späten Talk Talk oder The Album Leaf, die auch die letzten Werke der Band auszeichnete. Das heißt: elegische, leicht verträumte Melodien, etwas abwesender, ätherischer Gesang (männlich wie weiblich) und ein geschmackvolles Klanggebrodel mit passenden Gitarrenflächen, ein bisschen Glockenspiel hier und sphärische wie auch bodenständige Keyboard- und Klaviertuper dort, sowie ganz viele, nie zu seichte Streichertöne. Obwohl alle Songs nach einem ähnlichen Schema funktionieren, schafft es das Duo immer wieder mit kleinen Abwandlungen und einer interessanten Instrumentierung unterschiedliche Akzente zu setzen.

Diese neu entdeckte Ruhe steht A Whisper In The Noise ganz vorzüglich. To forget klingt wie ein einsamer Herbsttag, bei dem die Sonne durch die toten Äste scheint und noch ein letztes Mal die Sinne kitzelt, bevor der Winter einbricht - dabei durchaus intim und heimelig. Richtige Seelenstreichlermusik also. Allerdings sehr melancholische. Gerade (der eigentlich unpassend betitelte) "Sad, sad song" verbreitet einen Anflug an fast fröhlicher Beschwingtheit und gibt den Ganzen einen angenehmen Schwung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2012 10:59 PM CET


Bury the light
Bury the light
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Qualitätsstahl - wenn auch nicht ganz so packend wie zuletzt, 24. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Bury the light (Audio CD)
Es gibt Scheiben, auf die freut man sich einfach. Nach dem netten Debüt After the fire (2003) und vor allem den beiden hervorragenden The longest night (2006) und Be gone (2008) ist das auch kein Wunder, dass das neueste Pharaoh-Machwerk hierzu zählt. Auch wenn im letzten Jahr die EP Ten years erschien, hatten die neuen Songs genug Zeit zum Reifen. Und so enttäuscht auch Bury the light wieder nicht.

Stahl der ganz alten Schule ist ja gerade wieder recht hip. Doch Pharaoh tappen glücklicherweise auch heute noch nicht in die Falle, trotz traditioneller Ausrichtung nur Altbewährtes aufzuwärmen. Man ist zwar nach wie vor unverkennbar Iron Maiden-Fan, doch vermengt das Quartett das Ganze mit dem handfesten Flair amerikanischen Power Metals und lässt seine Musik zu keiner Sekunde weder wirklich altmodisch noch zu modern klingen. Zeitlos nennt man das wohl. Nebenbei schreibt man Songs, die zwar durchaus komplex eingespielt, aber doch ziemlich eingängig sind. Veredelt werden sie von der tollen Stimme Tim Aymars (grob gesagt: Bruce Dickinson meets Harry Conklin).

Von der ersten Sekunde ist das bekannte Flair gleich wieder da. "Leave me here to dream" startet introfrei mit einem kernigen Riff, bevor sich der Gesang erhebt. Sehr treibend schraubt man sich zu einem typisch mitreißenden Pharaoh-Song in die Höhe - tolle Gitarrenarbeit und Eingängigkeit inklusive. Bury the light ist etwas weniger dunkel als sein Vorgänger, auch wenn man mit "The wolves" eine düstere und vor allem aggressivere Version der eisernen Jungfrauen mit ein Bord hat. Der Song ist textlich und politisch auf der Höhe der Zeit und zeigt, dass wurzeltreuer Metal nicht immer im Fantasy-Bereich wildern muss. Heller und auch leichtgängiger sind dagegen das mit einem leicht rockigen Refrain versehene "Burn with me" und "Cry". Letzteres ist vielleicht etwas blass. Dafür hat die Band zwei regelrechte Epen auf Lager, die für Freude sorgen. "Graveyard of empires" bewegt sich überwiegend im Midtempo und überzeugt mit einem etwas kantigeren, leicht angeproggten Arrangement, während "Castles in the sky" wirklich groß ist. Es beginnt noch recht zurückhaltend, bevor der Dampfer mit einem altmodischen 70er-Rockriff Fahrt aufnimmt, worauf man bei der Hälfte in Richtung Ballade schlittert. Nach einem wirklichen Gänsehaut-Part folgt das übliche grande Finale.

Mit dem mitreißenden "In your hands" und seinem instrumentalen Anhängsel "The spider's thread" endet ein Album, welches sich ohne weiteres in die Gruppe seiner Vorgänger einreiht. Ein paar Songs sind anfangs vielleicht etwas unauffällig, entfalten mit der Zeit aber ihre Qualitäten. Pharaoh stehen noch immer für qualitätsbewussten und durchdachten Heavy Metal der guten Art. Wird Zeit, dass das auch mal mehr Headbanger merken!


Songs of the Ungrateful Living (inkl. 3 Bonus Tracks)
Songs of the Ungrateful Living (inkl. 3 Bonus Tracks)
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Solide Qualität wie immer, 24. Februar 2012
Die Zeiten in denen Erik Schrody alias Everlast kurzzeitig bei uns populär war, sind schon seit einigen Jahren vorbei. Seine damaligen Hits "What it's like" und "Put your lights out" (zusammen mit Santana) hat man trotzdem immer noch im (Hinter-)Kopf. In seiner Heimat USA sieht das natürlich anders aus. Umso schöner, dass ihm gerade das deutsche Label SPV auch bei uns mit seinem ganz eigenen Crossover aus Singer/Songwriter, Rockmusik, geschmeidigem Hip-Hop und Versatzstücken aus Country und Blues wieder eine Chance gibt. Denn sein recht eigener Stil hat auch heute noch jede Menge Charme.

Ein großer Melodienlieferant war Everlast noch nie. Viel mehr legt er Wert auf ausgefeilte, sozialkritische Texte, die das andere, düstere Amerika jenseits von Ballköniginnen und Hollywoodglanz zeigen. Vorgetragen von seiner sonoren Stimme finden diese direkt Zugang ins Herz des Zuhörers, was wohl auch der Grund für den Erfolg in seiner Heimat ist. Eine gewisse Ladung an Pathos gehört hier sicherlich dazu, doch am Ende kommt der Mann doch durch und durch ehrlich rüber. Und das ist auch das große Plus des textlastigen "Songs of the ungrateful living".

Denn die Songs an sich wirken teilweise vielleicht etwas unspektakulär, aber durchgehend gut hörbar. Richtige Ausfälle leistete man sich allerdings nicht und so bekommt man ein vom Anfang bis zum Ende stimmiges, bisweilen ziemlich melancholisches Album zu hören. Das Spektrum reicht mal wieder von entspannten Countrysongs ("Long at all", "The crown"), über angenehm soulige Songwriter-Nummern ("Long time", "My house") und niveauvolle, komplette Dicke-Hose-freie Raptracks ("Moneymaker", "I'll be there for you"), bis zu so typischen engagierten, latent wütenden Midtemponummern ("I get by", "Even god don't know") und einer gefühlvollen Verbeugung vor Sam Cooke ("A change is gonna come").

Hierzulande darf man sich fast freuen, dass die CD einige Monate später erscheint. Denn am Ende bekommt man noch drei Bonustracks beschert, von denen besonders das düstere, regelrecht harte "Everyone respects the gun" herausragt.


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