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Straight Edge: Geschichte und Politik einer Bewegung
Straight Edge: Geschichte und Politik einer Bewegung
von Gabriel Kuhn
  Broschiert
Preis: EUR 7,80

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Charme einer Magisterarbeit, 25. März 2011
Das schmale Bändchen von Gabriel Kuhn uzm Thema "Straight Edge" wusste mir leider gar nicht zu gefallen.
Als Szenefremder kann ich natürlich nur sehr bedingt etwas dazu sagen, ob da alles stimmt, was Kuhn schreibt. Schrecklich ist aber zumindest, wie er schreibt. Der Text hat den Charme einer umgearbeiteten Magisterarbeit. Da werden brav (wenn auch wiederum recht knapp) Begriffsdefinitionen vorangeschickt, um dann die Entstehung und Entwicklungsphasen von Straight Edge herunterzuleiern. Seitenlange Zitate aus "Manifesten", alles philologisch halbwegs sauber und für jeden normal Interessierten sterbenslangweilig. Ein erzählerischer Duktus, auch nur das kleinste Talent, ein Thema interessant darzustellen - Fehlanzeige.
Etwas merkwürdig weiterhin, dass wir zwar etwas über die Straight Edge-Szene in Südamerika und Ostasien erfahren, das Thema Deutschland (oder deutschsprachiger Raum) wird dagegen nur beim Thema Neonazis angesprochen.
Darüberhinaus wird einem das Thema auch noch durch die zwanghafte Darstellung von Straight Edge als linker politischer Bewegung verleidet. Mal abgesehen von dem geradezu peinlichen "links ist alles was irgendwie gut ist und alles, was irgendwie schlecht ist, ist damit zwangsläufig politisch rechts"-Gehabe (das dem politischen Horizont eines maximal 15jährigen entspricht - und eigentlich sollte man auch in diesem Alter schon ein bißchen besser differenzieren können und die Welt nicht nur in Micky Maus und Kater Karlo aufteilen), dürfte es (in meiner, wie gesagt, Außenseiterkenntnis) einer ja immanent individuellen Angelegenheit wie Straight Edge (denn ich als Person beschließe ja für mich, keinen Alkohol zu trinken, nicht zu rauchen oder kein Fleisch zu essen) schlicht nicht gerecht werden. Dadurch werden dann Mißstände entdeckt (wie dass es sich um eine in den USA hauptsächlich "weiße" oder Mittelklasse-Angelegenheit handelt), die eigentlich keine sind. Nur wenn ich da krampfhaft eine große linke "Bewegung" daraus machen will, die sich dann gleich wieder als potentiell universell geriert, wird's ein Problem. Die individuelle Freiheit, kein Straght Edger zu sein, gesteht uns der Autor nicht zu...
Das wäre alles nicht so schlimm, wenn das Buch nicht auch noch politisch so korrekt geschrieben wäre, dass man manchmal meint, eine Satire in Händen zu halten. Jemand, der ernsthaft das Wort "ArbeiterInnenklassenelement" benutzt, sollte die Schriftstellerei an den Nagel hängen und sich besser mit Töpferei oder irgendeiner anderen nonverbalen Kunst beschäftigen.
Ganz ehrlich - ein enttäuschendes Buch. Wesentlich mehr Inhalt als der Wikipedia-Artikel zum Thema hat's nicht, sprachlich ist es schrecklich und der Unterhaltungswert ist in etwa mit dem eines leeren Schuhkartons vergleichbar.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 25, 2011 10:45 AM MEST


Bomben auf Baku: Kriegspläne der Sowjetunion 1939/1940
Bomben auf Baku: Kriegspläne der Sowjetunion 1939/1940
von Günther Deschner
  Broschiert

5 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessanter Text, Rechtspropaganda im Vorwort, 14. November 2009
Im 17. Band der Kaplaken-Reihe berichtet Günther Deschner über ein wenig bekanntes Kapitel des 2. Weltkriegs.
Nach Ende des Polenfeldzugs war die Frontenlage in Europa weitgehend stabil. Die Einflußsphären im Osten waren zwischen Berlin und Moskau durch den Hitler-Stalin-Pakt abgesteckt, im Westen standen sich Deutsche und Franzosen gegenüber, ohne dass es zu großen Kampfhandlungen kam, der "drôle de guerre", der Sitzkrieg. Doch im Geheimen liefen die Kriegsplanungen auf Hochtouren. Allgemein bekannt ist noch, dass die Deutschen mit der Operation "Weserübung", der Besetzung von Dänemark und Norwegen, einer alliierten Expedition zuvorkamen, die ihrerseits Norwegen besetzen wollte, um die Eisenerzlieferungen an Deutschland zu unterbinden. Daneben existierten aber noch weitere Pläne in Paris und London.
Deschner legt in dem kleinen Band den verwegenen Plan der Franzosen und Briten vor, den Kaukasus anzugreifen, um damit die Erdöllieferungen der UdSSR an Deutschland zu verhindern. Hierzu sollte eine kombinierte Operation von Syrien und dem Irak aus unternommen werden, unter Verletzung türkischen Hoheitsgebietes. Grundlage dabei war eine völlig falsche Vorstellung von der Kriegsbereitschaft und der Truppenstärke der Sowjetunion.
Verhindert wurde diese Operation letztlich durch den Westfeldzug Deutschlands. Die Bomber und Eliteeinheiten für die Baku-Operation fehlten schließlich der französischen Armee bei der Verteidigung der Heimat.
So interessant das Bändchen ist, so ärgerlich ist das Vorwort. Hier werden die Planungen der Alliierten als moralische Keule instrumentalisiert, um die deutsche Seite zu rechtfertigen. Wenn die Franzosen einen solchen Angriffskrieg planen, dann sind sie keinen Deut besser als die Deutschen, Zweiter Weltkrieg und Holocaust sind dann bloß noch eine geopolitische Maßnahme. Dass die Pläne nicht aus heiterem Himmel, sondern bereits in einer konkreter Kriegssituation entstanden sind, dass die Sowjetunion mitnichten eine "neutrale Partei" war, sondern die Annexion Polens mitbetrieb und durch die Öllieferungen 1940 klar auf deutscher Seite agiert hat, das wird von Deschner ignoriert, wenn er hier bloß seine deutlich rechtslastige Position vertreten kann...
Aber dies beschränkt sich nur auf das Vorwort, der eigentliche Textteil ist soweit interessant und neutral geschrieben. Fünf Sterne für den Textteil, Minus 18 für das Vorwort - naja, insgesamt drei Punkte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2012 1:48 PM MEST


Im Jahre Ragnarök
Im Jahre Ragnarök
von Oliver Henkel
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Souveräner Alternativweltroman mit etwas überzogenem Schluss, 14. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Im Jahre Ragnarök (Broschiert)
Oliver Henkel hat sich ja u.a. mit "Kaisertag" einen Namen als Autor von Alternativweltgeschichten gemacht. Auch "Im Jahre Ragnarök" ist in diesem Genre angesiedelt.
Nach dem Tod Stalins im Frühjahr 1945 zerfällt die Sowjetunion in einem blutigen Bürgerkrieg. Die Westalliierten besetzen ganz Deutschland, aus der französischen Zone wird die "Rheinische Republik" unter Präsident Adenauer. In der britischen und amerikanischen Besatzungszone wird der Morgenthau-Plan mit aller Härte durchgeführt. Anfang der sechziger Jahre ist Deutschland ein weitestgehend verwüstetes und entvölkertes Land. Europa ist, aufgrund des nie stattgefundenen Marshall-Planes, ein Armenhaus, die USA haben sich unter Präsident Hoover abgeschottet.
Der britische Geheimdienstagent John Tubber wird nach Deutschland strafversetzt und soll dort den mysteriösen Tod eines illegalen Kunsthändlers aufklären. Einen ständig Shakespeare und Homer rezitierenden deutschen Kommissar sowie zwei Damen "vom Gewerbe" an der Seite, kommt er einer gigantischen Verschwörung auf die Spur.
Oliver Henkels "Im Jahre Ragnarök" ist vor allen: souverän geschrieben. Henkel hat seine Alternativwelt gut im Griff, das Ganze ist schlüssig und plausibel (was man leider bei weitem nicht über alle Alternativweltromane sagen kann), die Welt von "Ragnarök" ist keine schöne, aber durchaus eine mögliche. Die Souveränität zeigt sich besonders im Umgang mit Anspielungen und "Gags", wie dem Sergeant Kerouac, natürlich einem Fahrer, der, um dem Gefängnis zu umgehen, lieber in die Armee eintrat (gemeint ist natürlich der Beat-Autor Jack Kerouac, "On the Road"). Das ist nicht aufgesetzt oder übertrieben, kein Schenkelklopferhumor, einfach gut, souverän, sachkundig.
Ein bißchen hadere ich mit dem letzten Viertel des Romans, da ist mir zuviel Science Fiction drin (ich nenn's mal so), gerade in einer Art, die ich nicht mag (um keinen Spoiler zu produzieren, kann ich's nicht genauer schreiben). Deswegen von meiner Seite "nur" vier Sterne für dieses sonst sehr ordentliche Buch.


Faschismus: Eine Klarstellung
Faschismus: Eine Klarstellung

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Auseinandersetzung mit den politischen Ideen, 9. November 2009
Karlheinz Weißmann legt im 18. Band der Kaplaken-Reihe einen kurzen Text über den Faschismus und seine Abgrenzung gegen andere politische Strömungen vor.
Große Überraschungen bietet das Büchlein leider nicht. Dass es große personelle und inhaltliche Übereinstimmungen zwischen sozialistischen und kommunistischen Gruppierungen einerseits und faschistischen andererseits gab, ist ein Allgemeinplatz. Genauso, dass die traditionelle, konservative Rechte wenig mit Mussolini & Co. anfangen konnte. Dabei bleibt Weißmann beim Vergleich oft zu sehr an den Personen hängen, die politischen und ideologischen Inhalte bleiben außen vor. Das rächt sich besonders am eigentlich interessanten Vergleich mit dem politischen Liberalismus. Ob Max Weber am Ende seines Lebens im Grunde ein Faschist war, kann ich nicht beurteilen, und das hat ja nun eigentlich auch nichts mit dem Thema zu tun (wenn er sich auf dem Sterbebett zur absolutistischen Monarchie bekannt hat, heißt das ja auch nicht, dass der Liberalismus monarchistische Prinzipien vertritt). Eine Auseinandersetzung der Ideen, das wäre interessant, aber gerade hier muss man das schmerzlich vermissen. Ebenso wäre auch eine Analyse moderner Faschismen interessant (Stichwort: der Islamismus als postnationalistischer Faschismus), doch auch hier bleibt Weißmann an der Oberfläche.
Interessant hingegen, dass Weißmann, dessen politisches Engagement ja nicht verborgen bleiben kann, im letzten Absatz des Bändchens in fünf Sätzen den Faschismus als politische Alternative in Bausch und Bogen verdammt. Hier hat er zumindest bei mir den Überraschungseffekt auf seiner Seite.
Hätte er die genannten Themen "Faschismus und Liberalismus" sowie "Postnationalistischer Faschismus" in je einem Band behandelt, hätte er sicher viel Interessantes zu Papier bringen können. Für den vorliegenden Band reicht es nur zu drei Sternen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 14, 2012 10:14 PM CET


Adrian Mole: The Prostrate Years
Adrian Mole: The Prostrate Years
von Sue Townsend
  Taschenbuch

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein düsteres Mole-Buch, 3. November 2009
Adrian Mole ist zurück. Der wohl berühmteste englische Tagebuchschreiber, dessen Abenteuer wir seit 1981 mitverfolgen dürfen, steht vor seinem vierzigsten Geburtstag. Mit seiner Frau Daisy wohnt er im umgebauten Schweinestall seiner Eltern in Leicestershire. Doch das Leben hält seine grausigen Überraschungen bereit: während England in die große Rezession schlittert, sein Sohn Glenn in Afghanistan kämpft (ohne recht zu wissen, wofür oder wogegen), hängt bei Moles der Haussegen schief, und zu allem Überdruss wird Prostatakrebs bei Adrian diagnostiziert.

Sue Townsend hatte nach "Adrian Mole and the Weapons of Mass Destruction" einmal versprochen, dies wäre der letzte Band der Tagebücher gewesen. Neben den "Lost Diaries" liegt also nun doch eine Fortsetzung vor. Leider ist es ein recht bitteres Buch geworden. Der ironische Witz Townsends verpufft ein wenig gegenüber dem Krebs-Motiv. Vor allem gelingt es ihr nicht, die Bankenkrise so spitz darzustellen, wie man das aus der Vergangenheit von ihr gewohnt war (da rächt sich vielleicht, dass das Thema "überteuerte Immobilien" schon in den "Weapons of Mass Destruction" ausgiebig behandelt wurde).

Vier Sterne gibt's trotzdem, schon, weil es ein Adrian Mole-Buch ist. Und vielleicht findet Townsend nochmal zu alter Stärke zurück - nach "The Wilderness Years" dachte ich auch, die Adrian Mole-Serie wäre besser zu Ende, und dann kam mit "The Cappuccino Years" die grandiose Wiederauferstehung. Hoffen wir also, dass Adrian Mole uns bald wieder mit einem etwas weniger düsteren Buch begegnet.


Arnold Schwarzenegger - Die Biographie
Arnold Schwarzenegger - Die Biographie
von Marc Hujer
  Gebundene Ausgabe

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut geschriebene Biographie, 31. Oktober 2009
Arnold Schwarzenegger ist ohne Frage eine der schillerndsten Figuren unserer Zeit. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in der österreichischen Provinz hat er im Bodybuilding wie in der Filmbranche praktisch alles erreicht, was man erreichen kann, ist nebenbei Multimillionär und erfolgreicher Geschäftsmann geworden, um dann als Gouverneur eine der wirtschaftlich wichtigsten Regionen der Welt zu regieren.
Auch der Autor, Marc Hujer, Journalist erst für die Süddeutsche Zeitung, später für den Spiegel, erlag dieser Faszination, das gibt er unumwunden bereits im Vorwort zu. Dennoch schafft er in seiner Biographie den Balanceakt zwischen Heldenportrait und kritischer Distanz. Er verfolgt das Leben Schwarzeneggers von seiner Jugend in Thal in Steiermark, über seine Zeit als Trainer in München und als Bodybuilding-Star in Kalifornien bis zur Filmkarriere. Den größten Teil des Buchs nimmt aber die politische Karriere des "Governators" ein, vom Sportbeauftragten unter George Bush sen. bis zum Gouverneur Kaliforniens an der Seite Barack Obamas.
Hujers Biographie ist gut und flüssig zu lesen. Die Fakten erscheinen sauber recherchiert, und der Autor bemüht sich erkennbar um eine neutrale Position. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf seiner Rolle als Politiker und angeheiratetes Mitglied des Kennedy-Clans, der ein oder andere mag sich da vielleicht noch etwas mehr über den Schauspieler Schwarzenegger wünschen. Aber das kann dem Buch seine Qualität nicht absprechen.


Die Mauer steht am Rhein: Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus
Die Mauer steht am Rhein: Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus
von Christian von Ditfurth
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut gemeint, schlecht verwirklicht, 28. Oktober 2009
1988 wird Gorbatschow in der UdSSR gestürzt, die neue Regierung fährt eine deutlich härtere Linie im Kalten Krieg. Aufgrund der wirtschaftlich fatalen Situation im gesamten Ostblock, entschließt man sich, dem Westen ein Ultimatum zu stellen. Entweder Westdeutschland oder Weltkrieg.
So kommt es 1990 zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Sowjetische Truppen marschieren zum Schutz in die theoretisch blockfreie "Demokratische Republik Deutschland" ein. In den folgenden Jahren kommt es zu einer zügigen Umgestaltung des öffentlichen Lebens nach dem Muster der DDR.
Der Protagonist, ehemaliger Sportreporter in Düsseldorf, der darüber stolperte, dass er den Sieg des BFC Dynamo im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft anzweifelte, erinnert sich in seinem Züricher Exil an die Jahre in der "DRD" und seine Flucht in die freie Schweiz.
Christian v. Ditfurth, ehemaliger DKP'ler und Bruder der Grünen-Gründerin Jutta Ditfurth, hat mit diesem Buch einen Alternativweltroman vorgelegt. So interessant die Idee ist, so mäßig ist die Ausführung. Vor allem zwei Punkte missfallen mir:
1. Der Roman ist keiner. Die retrospektive Handlung ist sehr gering, es ist mehr eine fiktive Dokumentation, gespickt mit Personen der Zeitgeschichte (von denen man manche heute schon gar nicht mehr richtig kennt). Dadurch ist das Buch recht dröge und langatmig.
2. Die Alternativwelt ist wenig plausibel. Der "Point of Divergence" (also die Stelle, an der die Historie anders verläuft als in der realen Geschichte) ist der Sturz Gorbatschows. Doch das aufgebaute Szenario hakt an einigen Stellen.
So wäre ein Einmarsch der Sowjetunion in Westdeutschland niemals so friedlich verlaufen. Die DKP war eine isolierte Kleinstpartei (um die 1%), die antikommunistischen Affekte waren in der SPD (die im Buch munter mit der SED paktiert) sehr ausgeprägt, von den anderen natürlich ganz abgesehen. Die "DDRisierung" der Bevölkerung ist völlig überzogen dargestellt.
Außerdem hätte die Sowjetunion ein kommunistisches Gesamtdeutschland nicht akzeptiert, da damit in kürzester Zeit die Machtfrage im Ostblock gestellt worden wäre. Schon die kleine DDR war aufgrund ihrer Wirtschaftsleistung der zweiteinflussreichste Staat des Ostens. Ein Gesamtdeutschland wäre, als Land von Marx und Engels, sehr schnell in die Rolle der eigentlichen sozialistischen Führungsmacht geschlüpft - und das war den Sowjets durchaus klar.
Die Plausibilität der alternativen Welten ist das A und O des Genres. Insofern ist v. Ditfurths Roman nicht mehr als ein gutgemeinter Versuch. Dafür gibt's noch drei Punkte, mehr ist aufgrund der eklatanten Schwächen nicht drin...


Arnold von Kalifornien
Arnold von Kalifornien
von Hans Janitschek
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlampig hingeschmierte Artikelsammlung, 25. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Arnold von Kalifornien (Taschenbuch)
Arnold Schwarzenegger ist ein hochinteressanter Mann. Immerhin hat es der Österreicher geschafft, gleich in drei "Branchen" erfolgreich zu sein: er wurde nicht nur zum erfolgreichsten Bodybuilder aller Zeiten, sondern definierte den Sport in großem Umfang und machte ihn erst populär. Als Schauspieler begann er in zweit- und drittklassigen Streifen und wurde in rund zehn Jahren zum erfolgreichsten Darsteller in Hollywood. Und auch als Politiker wurde er zunächst belächelt, regiert er Kalifornien bereits in der zweiten Amtszeit und immer wieder wird er auch als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Gespräch gebracht (was bekanntermaßen eine Verfassungsänderung voraussetzen würde).
Die Biographie Hans Janitscheks von 2003 erschien nach dem Sieg Schwarzeneggers im Gouverneurwahlkampf. Leider kann sie mir nicht gefallen. Janitschek baut sein Buch nicht chronologisch auf, sondern beleuchtet in kurzen Artikeln den Steirer recht unsystematisch. So erfahren wir erst in der zweiten Hälfte des Buches etwas von seiner Geburt. Überhaupt ist wenig zu lesen über die frühen Jahre, die Schulzeit ist praktisch komplett ausgeblendet, aber auch die Jahre in München werden nur angerissen. Dafür ist dann (gefühlt) mindestens fünfmal zu lesen, wie Schwarzenegger ohne Geld in Amerika ankam. Diese Zerissenheit hinterläßt zumindest mich als Leser recht ratlos über die Person Schwarzenegger.
Die vorliegende Ausgabe ist nicht die Erstveröffentlichung, sondern die Heyne-Taschenbuchausgabe von 2004. Da ist es ärgerlich, dass einige Fehler der mit heißer Nadel gestrickten Erstausgabe nicht korrigiert wurden. So wird ein Film "Herkules gegen die Vampire" erwähnt, der heißt natürlich im deutschen Titel "Vampire gegen Herakles", und die Ein-Satz-Inhaltsangabe, die Janitschek darüber zum Besten gibt, zeigt deutlich, dass er diesen oft im Fernsehen gelaufenen Film offensichtlich nie gesehen hat. Und der Film "Conan, the Barbar [sic]" harrt wohl auch noch seiner Realisierung. Klar - Fehler können einem Autor schon mal passieren, dafür gibt es Lektoren, aber dass sogar bei einer Wiederveröffentlichung des Buches diese immer noch drin stehen, zeugt von Schlamperei bei den beteiligten Verlagen.
Lästig auch einige Austriazismen wie "Realitätengeschäft" oder "Badewaschel", die in einer bundesdeutschen Taschenbuchausgabe ruhig in einer kleinen Anmerkung verständlich gemacht hätten werden können (diese Kritik geht ausschließlich an den Heyne-Verlag, der österreichische Molden-Verlag darf das natürlich so publizieren).
Auch die Ausstattung des Bandes ist unschön. So fehlt z.B. eine Filmographie Schwarzeneggers (von einer Bibliographie ganz zu schweigen). Die Abbildungen stehen oft nicht im Zusammenhang mit dem Text, bei einigen ist mir nicht mal klar, was sie überhaupt darstellen sollen (z.B. S. 165 "Arnold mal zwei" - ist das eine Fotomontage, ist das ein Doppelgänger, sein Bruder?).
Schwarzenegger hätte eine weit bessere Biographie verdient als diese hingeschmierte Artikelsammlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 31, 2009 6:21 AM CET


Märkische Forschungen: Erzählung für Freunde der Literaturgeschichte
Märkische Forschungen: Erzählung für Freunde der Literaturgeschichte
von Günter de Bruyn
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergnügliche Erzählung, 27. September 2009
Aufgrund einer Autopanne lernt der renommierte Literaturprofessor Menzel den unscheinbaren Dorflehrer Pötsch kennen. Bald finden sie heraus, dass sie beide das selbe Steckenpferd haben, den mysteriösen lokalen Dichter Max von Schwedenow, um 1800 lebend, von Menzel der "Deutsche Jakobiner" genannt.
Die beiden freunden sich an, wobei es ein ungleiches Verhältnis ist, der berühmte Professor will von Pötsch verehrt werden, was dieser auch zunächst eifrig betreibt. Quasi als Belohnung erhält er die Möglichkeit, in das neue Institut für Literaturgeschichte wechseln zu können und akademische Karriere machen zu können. Doch Pötsch stößt bei seinen Schwedenow-Forschungen auf Details, die nicht in das vom Professor gezeichnete Bild passen und aus einem Revolutionär einen Reaktionär machen.
Die kurzweilige Erzählung "Märkische Forschungen" erschien 1978 in der DDR. Auch mir als gelerntem Westdeutschen entging nicht, dass das Buch kritische Töne anstößt. Professor Menzel ist ein Karrierist und überzeugter Parteigänger der SED. Als Pötsch ihn mit seinen Vermutungen konfrontiert, kann nicht sein, was nicht sein darf. Wen interessiert die historische Wahrheit, wenn's um die Sache des Sozialismus geht?
Aber die Konstellation ist zeitloser. Hier der Professor, der Medienstar, ein begnadetes Show-Talent. Dort der detailversessene Lehrer, ein unermüdlicher Arbeiter, Eigenbrötler. Nur ist es Pötsch, der wissenschaftlich arbeitet, unspektakulär, und am Ende sogar von den "Falschen" vereinnahmt, während der Professor vor lauter Populismus seine eigentliche wissenschaftliche Aufgabe schlicht vergisst. Warum muss ich da jetzt an Guido Knopp denken??
Günter de Bruyns 100 Seiten starke Erzählung ist bestens geeignet für eine vergnügliche Zugfahrt.


2666: Roman
2666: Roman
von Roberto Bolaño
  Gebundene Ausgabe

94 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön erzählte Geschichten, 26. September 2009
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zwei Wochen habe ich mich nun durchgekämpft durch den voluminösen Nachlass von Roberto Bolano. Oh, es war ein durchaus vergnüglicher Kampf, "2666" ist ein sehr unterhaltsamer Roman, oder vielmehr ein Sammelsurium von interessanten und spannenden Geschichten, die vielfältig und einfallsreich miteinander verwoben sind.

Das zentrale Motiv des Buchs ist die (leider sehr reale) Mordserie an Frauen im nordmexikanischen Ciudad Juárez (im Roman Santa Teresa genannt). Diese bilden quasi den modernen Gegenpol zum Grauen des Zweiten Weltkriegs, und zwischen diesen beiden Polen spielt der Roman. Zentrale Figur dabei ist der obskure deutsche Gegenwartsautor Benno von Archimboldi.
Der erste Teil handelt von vier europäischen Germanisten (eine Dame und drei Herren), die sich auf das Werk dieses Autors spezialisiert haben, im übrigen auch eine recht undefinierte Ménage à Quatre betreiben. Ihre Jagd nach dem geheimnisvollen Autor endet in Santa Teresa.
Der zweite, recht kurze Teil, schildert das Leben eines fünften Professors, eines Chilenen, der lange in Spanien gelebt hat und schließlich als Professor in Santa Teresa endet.
Fate, Protagonist des viertel Teils, hingegen ist Journalist einer Zeitung für Afroamerikaner, der für den verstorbenen Sportredakteur einspringen soll und von einem Boxkampf aus Santa Teresa berichten soll. Er stößt dabei auf die geheimnisvolle Mordwelle an Frauen in der nordmexikanischen Stadt.
Der vierte Teil kommt ohne einen durchgängigen Protagonisten aus, Bolano schildert hier in erdrückenden 300 Seiten die Mordserie in Santa Teresa, verbunden allerdings mit zahlreichen Geschichten und Portraits rund um die Stadt und ihre Bewohner.
Im letzten Teil schließlich wird das Geheimnis um die Person Benno von Archimboldis aufgelöst, wir erfahren, in welchem Verhältnis er zu den Morden in Santa Teresa steht (mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zuviel Handlung vorwegzunehmen).

Bolanos Werk ersclägt den Leser erstmal mit seiner Fülle und seinem schon rein physischen Umfang. Es ist sicher kein Buch für eine Nacht (und im übrigen im Alltag für den U-Bahn-Leser auch etwas unhandlich, da groß und schwer).
Das Buch hat mich vor allem mit seiner klaren und unprätentiösen Sprache überrascht, gepaart mit einer unbändigen Fabulierlust. Bolano will Geschichten erzählen, und er tut dies in einer flüssigen, stilsicheren Sprache. Er versucht nicht, Sprachkunst zu erzeugen, er verliert sich auch nicht in seitenlangen Beschreibungen eines Kaffeeflecks. Tempo des Buchs und seine Handlung sind gut ausgewogen, der Stil ist ruhig und freundlich. Einfach erzählte Geschichten, ironisch, unterhaltsam, auch traurig und bitter, aber vor allem Geschichten und keine Manifeste.
Dabei verwirrt die Beschreibung des Verlags etwas. Ich weiß nicht, was sich die Damen und Herren bei Hanser bei der Abfassung des Klappentextes gedacht haben. Von diesem ausgehend könnte man glauben, es ginge um den Nazi-Stützpunkt auf dem Mond und die dunklen Geheimnisse der Area 51.
Nein, der Verlagstext rückt den Roman denkbar in ein falsches Licht und ist auch nicht fehlerfrei. So ist Benno von Archimboldi eben kein Nazi, und der Roman ist manches, aber definitiv keine Science Fiction (das einzige derartige Motiv ist eine Lebensbeschreibung eines russischen Science Fiction-Autors, der den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fällt).
Ein kleines bißchen Stirnrunzeln hatte ich auch bei der Übersetzung des Romans. Ich spreche leider kein Spanisch, kenne nur die vorliegende deutsche Übersetzung, kann also an einzelnen Stellen auch nicht beurteilen, ob eine "komische" Formulierung nicht doch sehr bewußt gewollt ist. Aber an ein paar Stellen habe ich schon gestutzt, z.B. als vom "baltischen Meer" die Rede war, das man doch gemeinhin hierzulande als Ostsee referenziert. Da kriegt das Lektorat bei mir ganz leichte Abzüge in der B-Note.
Aber das sind Randnotizen, und diese sollen den Eindruck des Buchs nicht schmälern.

"2666" ist ein Buch für Leute mit langem Atem, die sich an vielen großen und kleinen Geschichten freuen, die sich auf einen manchmal aberwitzigen und skurrilen Humor einlassen und dennoch auch mit dem tragischen Rahmengeschehen umgehen können.
Ob's der große Jahrhundertroman ist, das mögen andere entscheiden, das ist mir ziemlich egal. Zumindest ist es ein sehr, sehr vergnügliches Buch.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2010 12:35 PM CET


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