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Rezensionen verfasst von
Stefan B. (Hannover)

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Beutezeit
Beutezeit
von Jack Ketchum
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Folter für schwache Mägen, 21. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Beutezeit (Taschenbuch)
Zitate

"Ketchums unglaubliche Sprachgewalt und seine tiefen und emotionalen Einsichten verleihen diesem Roman seine verstörende Wirkung, die den Leser noch lange verfolgen wird." (Publishers Weekly )

"Eins der erschreckendsten Bücher, das ich je gelesen habe." (Robert Bloch / "Psycho" )

Autor & Buch (Allgemeines)

Jack Ketchum ist ein absolutes Ausnahmetalent im Horrorgenre. Seine Fans können über einen Autor wie Stephen King, dem 'Meister des Horrors', wie er so gerne genannt wird, nur müde lächeln. Im Vergleich zu den Büchern Ketchums wirken die vom 'King' regelrecht wie Geschichten, die man seinen Kindern abends zum Einschlafen erzählen kann. ;-)

Während man sich nach dem Lesen so vieler Bücher doch sehr darüber wundern muss, dass diese auf dem Cover als 'Hardcore' deklariert werden, mutet das bei 'Beutezeit' schon fast als Untertreibung des Jahrhunderts an. Es ist ein wahres Meisterwerk der Brutalität, dass das Horrorgenre mehr als würdig vertritt.

Ich muss an dieser Stelle vorsorglich darauf hinweisen, dass es verschiedene Versionen des Buches gibt. Bei erstmaliger Erscheinung wurde Jack Ketchum von seinem Verlag noch dazu gezwungen, sein Skript drastisch zu entschärfen. Für damalige Zeiten wäre es unvorstellbar gewesen, solch ein Buch zu veröffentlichen. Wer sich also für 'Beutezeit' interessieren sollte, der muss beim Kauf unbedingt darauf achten, die aktuelle, 'unzensierte' Version zu kaufen. Leider handelt es sich dabei nicht um das Original, denn dieses hat der Autor seinerzeit dummerweise im Müll entledigt. :- ( Zu dieser Thematik geht Jack Ketchum in seinem Buch detailliert ein.

Bevor jetzt wieder jemand auf den Gedanken kommen sollte, dem Autor vorzuwerfen, dass er die Idee zu seinem Buch bei gewissen modernen Filmen abgekupfert hat, möchte ich erwähnen, dass es das Buch viel länger als diese Filme gibt, nämlich in seiner zensierten Fassung bereits seit 1980.

Es sind schon ein paar Bücher dieses Autoren verfilmt worden. Hoffentlich wagt sich auch einmal ein Regisseur an 'Beutezeit' heran. :-)

Handlung

(Frei von Spoilern - Es wird nichts Wichtiges verraten, was man nicht auch dem Klappentext entnehmen kann!)

Carla hat sich gerade erst ein schmuckes Ferienhaus in einer abgeschiedenen Waldgegend an der Ostküste von Maine gekauft. Zur Einweihung lädt sie neben ihrem Partner auch zwei befreundete Paare zu einer entspannten Urlaubswoche ein. Wie Carla glaubt, wohnen die nächsten Nachbarn meilenweit entfernt. Doch damit liegt sie vollkommen falsch. Denn in der unmittelbaren Umgebung des Wochenendhauses lebt in einer Höhle eine Gruppe verwahrloster Wilder, die hauptsächlich aus Kindern und Jugendlichen besteht. Diese leben völlig abgeschottet von der Außenwelt, die noch nicht einmal von ihrer Existenz weiß. Durch Inzest vergrößert sich die Gruppe stetig. Sie sind nicht nur extrem gewaltbereit, sondern haben auch eine besondere Vorliebe. Diese Gruppe ist der Grund dafür, dass in dieser Gegend in den letzten Jahren immer wieder Menschen, vornehmlich Urlauber, verschwunden sind. Dies ist ihr Jagdgebiet und hier stillen sie ihren Appetit auf frisches Menschenfleisch. Die Polizei steht diesbezüglich bisher vor einem Rätsel. Sie haben keine Ahnung, dass hier eine mörderische Gruppe von Kannibalen ihr Unwesen treibt. Während im Haus die Stimmung noch sehr ausgelassen ist, werden die neuen potentiellen Opfer bereits aufmerksam beobachtet. In der Nacht ist es dann so weit: Die Beute ist eingekesselt. Es gilt diese für das neue Schlachtfest zu erlegen ' die Jagd kann beginnen!

Charaktere

'Beutezeit' ist keine Charakterstudie, sondern beste Splatter-Unterhaltung. Daher sehe ich es nicht als besonders wichtig an, mich über die Charaktere auszulassen.

Atmosphäre & Schreibstil

Zartbesaitete Menschen sollten entweder so vernünftig sein, vom Lesen dieses Buches Abstand zu nehmen oder wenigstens vorsorglich einen Eimer neben das Sofa stellen ' nur für den Fall der Fälle. Es wäre außerdem ratsam, vor, während oder nach dem Lesen keine feste Nahrung zu sich zu nehmen, wenn man weiß, dass man über einen schwachen Magen verfügt.

Normalerweise betrachte ich es als einen großen Pluspunkt, wenn ein Buch so detailliert beschrieben ist, dass es einem ein perfektes Kopfkino bietet. In diesem Fall könnte das jedoch für manchen Leser eher zu den Negativaspekten des Buches geraten. Denn was andere Autoren in ihren Büchern nur vage andeuten, wird in 'Beutezeit' in höchstem Maße unverblümt geschildert.

(Achtung, Spoiler! Wer sich den Lesespaß nicht verderben möchte, sollte diesen zwischen den Sternchen eingebetteten Text besser komplett überlesen!)

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Bei Jack Ketchum fließt das Blut in Strömen. Wenn man bis ins kleinste Detail beschrieben erfährt, wie Menschenfleisch schmeckt, vergeht einem schnell der Appetit. Der Autor lässt seine Romanfiguren wie ein Spanferkel am Spieß hängend grillen. Es werden den noch lebenden Opfern Gliedmaßen abgetrennt, welche anschließend verspeist werden und die blutenden Wunden werden mit Hilfe von einer Fackel wieder verschlossen. Es wird Hirnmasse verspritzt und Gedärme wabern aus dem aufgeschlitzten Magen. Wenn sogar ein Herz aus einer noch lebenden Person geschnitten wird, ist für die meisten Leser vermutlich spätestens dann die Ekelgrenze erreicht oder gar überschritten.

Man leidet mit den Opfern zwangsläufig derart mit, dass man dem Autor schon vorwerfen könnte, dass er seine Leser foltert. Man fühlt sich tatsächlich so sehr in die Geschichte hineinversetzt, dass man fast schon meint, den Geruch des gegrillten Menschenfleisches riechen zu können. Jack Ketchum schildert selbst die schlimmsten Szenen völlig emotionslos.
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Der Ekelfaktor ist ob solch brutal dargestellter Gewalt in seiner reinsten Form extrem hoch. Während dies für manche Leser vielleicht sogar der entscheidende Kaufgrund sein wird, werden andere gerade deshalb bewusst auf 'Beutezeit' verzichten.

Der Autor scheint geradezu von Gefühlskälte beseelt und findet keinerlei Gnade für seine Romanfiguren. Es ist grausam, wie menschenverachtend er mit ihnen umgeht. Man muss sich ernsthaft fragen, wie man solch eine perverse Phantasie haben kann. Die Gedankenwelt mancher Menschen scheint noch viel böser zu sein, als der brutalste Horrorfilm aller Zeiten. 'Beutezeit' ist vor allem in seinen kleinen Details besonders widerwärtig und abstoßend. Dieses Buch schockiert nicht nur, es lässt einen entsetzt und fassungslos zurück.

Es lässt sich natürlich immer so schön sagen, dass ein Buch eine völlig unerwartete Wendung nimmt. Aber in kaum einem anderen Buch als diesem trifft das so sehr zu. Um den Lesespaß nicht zu verderben, werde ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten, was genau es damit auf sich hat.

Warnung: Der Leser darf sich auf gar keinen Fall von der ersten knappen Hälfte des Buches täuschen lassen! Jack Ketchum lässt es bewusst sehr ruhig angehen, wiegt seine Leser in Sicherheit. Er stellt uns erst einmal die Charaktere vor und beschreibt die nähere Umgebung, bevor er plötzlich den Hammer herausholt und einen in der zweiten Buchhälfte in ein wahrhaft alptraumhaftes Szenario entführt, dass sich leider viel zu real anfühlt. Wer es dann doch nicht zu Ende liest, der ist entweder zu schwach für dieses Buch oder er ist vor lauter Angst beim Lesen einem Herzinfarkt erlegen. Wenn Jack Ketchum seinen Kannibalen den Startschuss gibt, möchte man zwischenzeitlich am liebsten die Augen vor den Worten verschließen, aber es gelingt einem einfach nicht. Fast wie bei einem grausamen Autounfall, bei dem man es einfach nicht schafft, den Blick abzuwenden.

Zwischendurch bitte das Atmen nicht vergessen! :)

Jack Ketchum verfasst wunderbare Dialoge und lässt es an den richtigen Stellen auch nicht an Schwarzem Humor oder sexuellen Anspielungen vermissen.

Nachbemerkungen

Jack Ketchum gelingt es mit 'Beutezeit', selbst hartgesottene Leser und Liebhaber des Horrorgenres zu schockieren. Er geht dabei bewusst über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Von mir aus hätte er sogar noch brutaler schreiben können. Ich liebe es, solche Bücher zu lesen.

Wenn Menschen fernab der Zivilisation nur nach ihren eigenen Werten und Regeln leben, dann können sie nur zu schnell und leicht ihre Menschlichkeit verlieren.

Man sollte sich einmal ernsthaft die Frage stellen, was man selbst zu tun bereit wäre, wenn wir in einer Welt ohne Militär, Polizei, Gericht und Regierung leben würden. In der es weder Gesetze noch von uns fremden Menschen auferlegte Regeln geben würde.

Schlusswort

Es ist angerichtet, guten Appetit!


Erebos
Erebos
von Ursula Poznanski
  Taschenbuch

26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Fans von Videospielen geeignet, 21. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Erebos (Taschenbuch)
Zitate

"Mit jedem neuen Tag verliert meine Realität an Wert. Sie ist laut und ohne Ordnung, unvorhersehbar und mühevoll. Was kann sie denn, die Realität? Hungrig machen, durstig, unzufrieden. Sie verursacht Schmerzen, sie schlägt mit Krankheit um sich, sie gehorcht lächerlichen Gesetzen. Vor allem aber ist sie endlich. Immer führt sie zum Tod." (Zitat aus dem Buch)

'Ich entziehe der Realität meine Zustimmung. Ich verweigere ihr meine Mithilfe. Ich verschreibe mich den Verlockungen der Weltenflucht und stürze mich mit ganzen Herzen in die Unendlichkeit des Irrealen." (Zitat aus dem Buch)

Autorin & Buch (Allgemeines)

'Erebos' ist ein Jugendbuch mit Thriller-, Fantasy- und leichten Science-Fiction-Elementen, dass auch massenweise Erwachsene zu begeistern vermag ' welch besseres Lob könnte man der Autorin machen? Tatsächlich ist es in meinen Augen besser als ca. 98% der 'Erwachsenen-Literatur'. Mir ist noch nie zuvor ein Buch untergekommen, bei dem sich die Rezenzenten, egal ob Jung oder Alt, derart einig in ihren geradezu überschäumenden Lobeshymnen sind. Neben 'Erebos' gibt es wahrlich nicht viele Bücher, die nicht nur oft bewertet wurden, sondern auch noch fast immer die bestmögliche Bewertung erhalten haben.

Mit Hilfe von 'Erebos' bringt man auch sonst eher lesefaule Kinder zum Lesen, versprochen! Es ist ein pädagogisch wertvolles Buch, dass einen unweigerlich zum Nachdenken anregt. Aufgrund der Thematik sollte es meiner Meinung nach in jeder Schulklasse im Rahmen des Unterrichts gelesen und anschließend in der Gruppe diskutiert werden. 'Erebos' ist ein Buch, dass auch sehr gut von der gesamten Familie gelesen werden kann. Ein sogenannter 'All-Ager'.

Wer auf den ersten Blick der Meinung sein sollte, dass dieses Buch nichts für ihn sei, der irrt gewaltig! Denn es ist völlig egal, ob man sich privat für Videospiele interessiert oder nicht: 'Erebos' muss man einfach gelesen haben und man wird es zweifelsohne lieben. Dieses Buch kann man eigentlich gar nicht beschreiben, man muss es einfach selbst lesen, bzw. ja eher erleben! Wer 'Erebos' nicht liest, ist selber schuld!

Dies ist ein Buch für alle, die einmal etwas Anderes, etwas Besonderes lesen wollen. 'Erebos' sticht so positiv aus der Masse hervor, wie es ein Buch überhaupt nur zu tun vermag. Es spielt in der obersten Liga der Spannungsliteratur. Wenn ich jetzt die Behauptung aufstelle, dass dieses Buch süchtig macht, ist das wahrlich nicht übertrieben.

Handlung

(Frei von Spoilern - Es wird nichts Wichtiges verraten, dass man nicht auch dem Klappentext entnehmen könnte!)

Nick beobachtet an seiner Schule ein merkwürdiges Verhalten einiger seiner Mitschüler. Diese übergeben oder empfangen diskret geheimnisvolle kleine Päckchen, über deren Inhalt sie anschließend kein Wort verlieren oder eine Ausrede erfinden. Nick, der eigentlich immer auf dem Laufenden ist, was in der Schule aktuell passiert oder modern ist, wundert sich sehr darüber, dass er bisher weder Bescheid weiß um was es dabei genau geht, noch dass ihm jemand eines dieser ominösen Päckchen gegeben hat. Dass auch sein bester Freund Colin ein Insider ist und ihm gegenüber nicht mit der Wahrheit herausrücken will, verärgert ihn sehr. Als dieser dann plötzlich nicht nur das Basketball-Training wiederholt schwänzt, sondern auch nicht zum Unterricht erscheint, beginnt Nick sich ernsthaft Sorgen zu machen. Dabei ist Colin nicht der einzige Mitschüler, der plötzlich unzuverlässig geworden ist. Als Nick dann doch endlich von einer Mitschülerin das kleine Päckchen überreicht bekommt, ist seine Neugier endlich befriedigt und schlägt in Erstaunen um, als er bemerkt, dass es sich dabei um ein Videospiel, ein Rollenspiel, handelt. Doch es ist kein normales Videospiel, wie Nick schon sehr früh feststellen muss. Denn es scheint den Spieler zu kennen und erkennt sogar, wenn dieser lügt. Zudem stellt es auch Aufgaben, die in der Realität verrichtet werden müssen. Da stellt sich nicht nur Nick die Frage, wie ein Computerspiel erkennen kann, wann er lügt oder ob er eine Aufgabe wie verlangt erfüllt hat? Und warum kann es wirklich auf jede nur erdenkliche Frage, die man stellt, sinnvoll antworten?

'Erebos' hat strikte Regeln, die es den Spielern auferlegt:
- Spiele immer alleine!
- Du hast nur ein Leben, wenn du dieses verlierst, kannst du nie wieder 'Erebos' spielen!
- Verbreite keine Informationen über das Spiel im Internet, im Freundeskreis oder der Familie!
- Du darfst dich nur im Spiel über 'Erebos' unterhalten ' und zwar am Lagerfeuer!
- Verrate niemals deinen wahren Namen oder den deiner Spielfigur!
- Neugier wird bestraft!
- Bewahre die Erebos-DVD sicher auf. Du brauchst sie, um das Spiel zu starten. Kopiere sie nur,
wenn du dazu aufgefordert wirst!
- Wenn du gegen die Regeln verstößt, kannst du für immer vom Spiel ausgeschlossen werden!

Nick findet trotz anfänglicher Schwierigkeiten immer besser ins Spiel und lernt schnell dazu. Sein Avatar, der Dunkelelf Sarius, besteht immer größere Herausforderungen und hat gute Chancen, sich in den Inneren Kreis hochzukämpfen. Diesen bilden die fünf besten Spieler von 'Erebos', die nebenbei speziell trainiert werden, um im großen Finale den Sieg über Ortolan davonzutragen. Doch um es in den Inneren Kreis zu schaffen, muss Sarius noch einige Level aufsteigen, weitere Fähigkeiten dazulernen oder verbessern und vor allem immer schwerere Aufgaben des Boten erfüllen. Diese sind auch die einzige Chance, dem virtuellen Tod gerade noch einmal von der Schippe zu springen. Doch der Preis, sein einziges Leben zu schützen, wird leider immer größer.

Und mit einem weiteren Auftrag des Boten ändert sich plötzlich alles. Da ich aber niemandem den Lesespaß verderben möchte, ende ich an dieser Stelle mit der Beschreibung der Handlung.

Atmosphäre & Schreibstil

Ursula Poznanski hat eine der lebendigsten Welten erschaffen, die je zwischen zwei Buchdeckeln existiert haben. Sie lässt das atemberaubende 'Erebos' derart bildgewaltig vor unserem geistigen Auge entstehen, dass man nicht nur ob dessen Realität unweigerlich erschrickt, sondern mit der Zeit fast schon zu vergessen beginnt, dass es sich hierbei um reine Fiktion handelt. Man verspürt unweigerlich große Lust, tief in diese Welt einzutauchen, sich darin frei bewegen zu können und 'Erebos' zu erkunden, das voll von den typischen Rollenspielfiguren wie z.B. Barbaren, Vampiren, Werwölfen, Zwergen, Dunkelelfen und ähnlichen Wesen ist.

Die beiden Handlungsstränge spielen in der realen Welt sowie im Spiel 'Erebos' selbst. Beide harmonieren perfekt miteinander und halten die Spannung permanent hoch. Dies gelingt der Autorin auch Dank der geschickt eingebauten Rätsel und der häufigen nicht vorhersehbaren Wendungen. Die Unfähigkeit, das Buch auch nur für einen Moment aus den Händen zu legen, rührt vor allem daher, dass im Spiel immer etwas Besonderes passiert: seien es die großen und bedeutsamen Kämpfe in der Arena, ein neuer herausfordernder Auftrag des Boten oder ein aufschlussreiches Gespräch am Feuer, dass möglicherweise ein paar Fragezeichen in Luft aufzulösen vermag.

Positiv anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass trotz der ob dieses Themas nicht zu umgehenden Kämpfe dieses Buch nie zu brutal gerät und man es damit bedenkenlos jedem Jugendlichen ab ca. 12 Jahren empfehlen kann.

Achtung ' Spoiler! (Wer sich den Lesespaß nicht nehmen lassen möchte, sollte diesen farblich markierten kurzen Absatz besser überlesen)

In diesem Buch ist man nicht bloß ein stiller Beobachter, sondern es ist wirklich so, als würde man alles am eigenem Leib erleben. Wir fiebern mit Nick mit und durchleben auch die gleiche Gefühlswelt wie er: Anfangs sind wir neugierig, was da Geheimnisvolles in der Schule umhergereicht wird, dann erleben wir die Faszination des Spiels. Nach Nicks Ausschluss sind wir zutiefst schockiert und hoffen, dass er es wieder ins Spiel schafft und wir mehr von 'Erebos' erleben dürfen. Als dies nicht klappt und sogar sein Freund fast getötet wird, schlägt es in 'Hass' um und wir hoffen, dass es Nick und seinen neugewonnenen Freunden endlich gelingen wird, den Alptraum 'Erebos' zu beenden.

Es gibt nur sehr wenige Bücher, die ich wirklich in einem Rutsch durchlese. Dieses gehört dazu. Selbst als mir vor lauter Müdigkeit schon fast die Augen wie von selbst zuzufallen drohten, konnte ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ich erst am nächsten Tag erfahren würde, wie die Geschichte endet und was bis dahin noch alles passieren würde. Daher habe ich meine Müdigkeit besiegt und das Buch tatsächlich noch in jener Nacht zu Ende gelesen. Und just in diesem Moment musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich mich beim Lesen von 'Erebos' bereits genauso verhalten habe wie Nick beim Spielen von 'Erebos'. Da dieses Buch offenbar nicht nur bei mir diese Wirkung hatte, würde ich dringend empfehlen, es auf gar keinen Fall 'zwischendurch' lesen zu wollen, denn hat man es erst einmal angefangen, wird man es höchstwahrscheinlich wie so viele andere Leser auch, in einem Stück lesen und lieber anderes liegen lassen oder auf später verschieben, als das Buch vorzeitig aus der Hand zu legen.

Nachbemerkungen

Videospiele mit ihren prachtvollen und aufregenden Spielwelten bieten einem die Flucht aus dem tristen Alltag des eigenen Lebens, das manchem Spieler im Vergleich dazu einfach nur noch erbärmlich erscheint. Man kann beim Spielen auch wunderbar alle seine Probleme zumindest für eine gewisse Zeit ausblenden. In der Realität ist man nur ein normaler Mensch, in der virtuellen Welt hingegen kann man sehr leicht ein Held sein. In einem Rollenspiel kann jeder so sein, wie er will. Er ist frei von Vorurteilen, kann sich seiner eigenen Persönlichkeit entledigen und nach Anerkennung und Macht streben, die ihm im wahren Leben vorenthalten sind. Hier kann der Schwache deutlich an Stärke gewinnen, in solch einer Welt über sich hinauswachsen. Man nimmt in einem Rollenspiel eine komplette andere Rolle ein und kann sich so geben, wie man es möchte. Was in der Realität leider nicht immer möglich ist.

Jeder, der selbst vertraut mit modernen Videospielen ist, weiß nur zu gut, dass man oft länger spielt, als man es eigentlich will, da man nur noch schnell den kommenden Bossgegner besiegen will, es das nächste Kapitel zu erreichen gilt, der nächste Level-Anstieg kurz bevorsteht oder Ähnliches. Doch um Bezug auf dieses Buch zu nehmen, sollte man sich einmal ehrlich die Frage stellen, wie weit man selbst gehen würde, um in einem Videospiel besser, stärker und mächtiger zu werden oder mehr Anerkennung der Mitspieler zu bekommen?

Irgendwann überschreitet man vielleicht eine unsichtbare Grenze. Verbringt zu viel Zeit vor dem Bildschirm, vernachlässigt sein eigenes Leben, alltägliche Bedürfnisse ebenso wie das Hegen und Pflegen von Freundschaften und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Vielleicht kann man dann auch nicht mehr zwischen Realität und der virtuellen Welt unterscheiden. Im denkbar schlimmsten Fall bevorzugt man das sein virtuelles Leben dem realen Leben und gibt sich damit selbst als Person auf. In diesem Zusammenhang sei auch die Frage gestattet: Kontrolliert der Spieler das Spiel oder das Spiel den Spieler?

'Erebos' zeigt uns klar auf, zu was der Mensch innerhalb einer Gruppe imstande ist, die nur ihren eigenen Regeln unterworfen ist und wie sehr Macht die eigene Persönlichkeit verändern kann.

Schlusswort

Wetten, dass selbst Erwachsene, die bisher noch gar kein Interesse an Videospielen hatten, nach dieser Lektüre geneigt sind, zu einem Videospiel zu greifen und in ähnlich faszinierende Welten abtauchen?

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wenn es die negativen Aspekte von 'Erebos' nicht geben würde, wer von uns würde es dann nicht liebend gerne spielen wollen?
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 17, 2014 11:27 PM CET


Isola
Isola
von Isabel Abedi
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der mit Abstand besten Jugendbücher, 19. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Isola (Gebundene Ausgabe)
Zitate

"Ich hätte weglaufen können. Noch heute spukt dieser Gedanke oft durch meinen Kopf. Ich hätte mich heimlich von der Gruppe entfernen können, genügend Gelegenheiten hätte es gegeben. Aber hätte das etwas geändert? Wäre das Projekt abgebrochen worden? Wäre vielleicht kein Blut geflossen? Es ist so sinnlos, sich diese Fragen zu stellen, mein Verstand weiß das. Aber die Fragen wissen es nicht. Sie kommen - ohne vorher anzuklopfen und sich zu erkundigen, ob es gerade passt." (Zitat aus dem Buch)

"Vielleicht ist es mit der Liebe so wie mit der Musik, man kann sie nicht erklären, sie trifft einen wortlos - mitten ins Herz." (Zitat aus dem Buch)

Autorin & Buch (Allgemeines)

'Isola' ist eine äußerst gelungene Mischung aus Psycho-Thriller und Kriminalroman, die zwar offiziell als Jugendbuch deklariert ist, jedoch sehr wohl auch von Erwachsenen gelesen und genossen werden kann. Als kleine Geschichte in der Geschichte ist auch eine jugendgerechte Liebesbeziehung mit eingeflochten.

Meiner Meinung nach kann man das Buch ab einem Alter von etwa 13 Jahren empfehlen. Da das Buch aber alles andere als harmlos anmutet, sollten sich Eltern besser vorher überlegen, ob sie es ihrem Kind zum Lesen geben wollen.

Leider gibt es viel zu wenige Jugendbücher dieser Art. :(

Handlung

Zusammenfassung Teil 1 (Frei von Spoilern - Es wird nichts Wichtiges verraten!)

Der bekannte deutsche Regisseur Quint Tempelhoff sucht in einem Casting nach 12 Jugendlichen, die an seinem neuen Filmprojekt teilnehmen möchten. Auf einer einsamen Insel vor Rio de Janeiro sollen sie gefilmt werden. Aus den Aufnahmen soll dann sein neuester Film entstehen, mit dem Tempelhoff sich erhofft, wieder an seine alten Erfolge anknüpfen zu können.

Für 21 Tage sollen die Jugendlichen auf der Insel leben und dabei von unzähligen versteckten Kameras beobachtet werden, die sie nahezu auf Schritt und Tritt verfolgen ' Tag und Nacht, rund um die Uhr. Die Aufnahmen werden vom Produzenten und dem Regisseur überwacht. Lediglich in den Duschen, Toiletten und Umkleideräumen sind keine Kameras installiert.

Es gibt kein Drehbuch, dass den Jugendlichen vorschreibt, was sie zu sagen oder zu tun haben. Auch sonst gibt es keinerlei Anweisungen der Regie und des Produktionsteams, die auf einer benachbarten Insel ihre Zelte aufgeschlagen haben. Sie selbst bestimmen die Handlung des späteren Films. Jedoch wird von ihnen verlangt, sich einen fiktiven Namen auszudenken, unter dem sie an diesem Projekt teilnehmen. Die einzigen Vorgaben sind, dass Alkohol, Drogen und Sex verboten sind.

Jeder Teilnehmer darf nur drei persönliche Gegenstände mit auf die Insel nehmen. Dabei ist es interessant zu lesen, für was sich die Jugendlichen entscheiden, was ihnen für die Zeit bei diesem außergewöhnlichen Projekt gleichermaßen wichtig wie unverzichtbar erscheint.

Ein Handy darf jedoch nicht mitgenommen werden, es soll für die Jugendlichen keine Möglichkeit geben, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Für alle weiteren wichtigen Sachen des Alltags, wie z.B. Lebensmittel und Hygieneartikel, wird vom Produktionsteam gesorgt.

Zu Beginn mutet ihr Aufenthalt auf der Insel noch wie ein traumhafter Urlaub am paradiesischen Strand an. Sie freuen sich über drei Wochen in dieser herrlichen Umgebung und dass sie dafür sogar Geld gezahlt bekommen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Doch nur das alltägliche Leben der Teilnehmer zu verfolgen, wäre natürlich viel zu langweilig für einen Film. Daher hat sich der Regisseur etwas Besonderes ausgedacht. Als einer der Jugendlichen nach ein paar Tagen 12 Umschläge und eine Anleitung findet, wird ihnen allen schnell klar, um was es hierbei wirklich geht: Sie befinden sich mitten in einem makabren Spiel!

Zusammenfassung Teil 2

(Achtung, Spoiler! Wer sich den Lesespaß nicht verderben möchte, sollte besser den zwischen den Sternchen eingebetteten Text überlesen!)

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In den Umschlägen, von denen nacheinander jeder Teilnehmer einen ziehen muss, befindet sich jeweils eine Karte. Auf dieser steht bloß ein Wort: 'Opfer' oder 'Mörder'. Diese Rolle muss der Jugendliche dann fortan in dem Spiel einnehmen. Es gibt jedoch nur einen Mörder. Dessen Aufgabe ist es, nacheinander möglichst viele Opfer zu 'ermorden'. Dies hat er geschafft, indem er das Opfer seiner Wahl von allen anderen unbemerkt an dessen Handgelenk fasst und sie in ein nur dem Mörder und dem Filmteam bekanntes Versteck bringt. Damit ist das Opfer aus dem Spiel ausgeschieden und wird schon bald dort abgeholt und von der Insel gebracht. Der Mörder darf jedoch weder enttarnt werden, noch sich selbst verraten. Und er darf unter gar keinen Umständen Gewalt anwenden, um seine Aufgabe zu erfüllen.

Die Gruppe ist größtenteils nur wenig bis gar nicht begeistert über dieses Spiel. Doch da eine Verweigerung dessen zur Folge hätte, dass das Projekt für die jeweilige Person beendet wäre und er die Kosten seines Rückflugs in die Heimat selbst zu zahlen hätte, stimmen alle mehr oder weniger widerwillig der Teilnahme zu.

Die Jugendlichen beginnen sich unwohl zu fühlen. Niemand von ihnen möchte das nächste Opfer sein und somit die Insel vorzeitig verlassen müssen. Man sieht in den anderen plötzlich den potentiellen Mörder und hofft, dass es nicht ausgerechnet jemand ist, mit dem man sich sehr gut versteht.

Als plötzlich ein echter Mord geschieht und aus dem Spiel somit tödlicher Ernst wird, eskaliert die Situation zunehmend. Und es bleibt nicht der letzte Mord. Es wird verzweifelt versucht, Kontakt zu dem Produzenten und dem Regisseur auf der anderen Insel aufzunehmen, aber diese sind einfach nicht erreichbar. Wie sich herausstellt, sind auch sie beide ermordet worden. Die Jugendlichen haben Todesangst, denn eines scheint ihnen nur zu klar zu sein: Jemand von ihnen muss der Mörder sein! Ab sofort kann man niemandem mehr trauen außer sich selbst. Können sie es lebend von der Insel schaffen?
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Charaktere

Isabel Abedi hat mit den jugendlichen Teilnehmern zwölf lebendige Charaktere erschaffen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder hat seine eigene interessante Persönlichkeit und gerade aufgrund ihrer Verschiedenheit ist es äußerst interessant zu lesen, wie sie unter diesen Rahmenbedingungen miteinander auskommen.

Es hat mir große Freude bereitet, die Charaktere nach und nach besser kennenzulernen. Bei manchen hätte man sich sogar gewünscht, sie noch intensiver kennenlernen zu dürfen.

Da die Autorin so verschiedene Charaktere erschaffen hat, sollte auch für jeden Leser jemand dabei sein, mit dem er sich leicht anfreunden oder gar identifizieren kann.

In solch einer großen und illustren Runde finde ich es zudem auch immer eine besonders interessante Frage, wer das Sagen hat und bei wem es nur zum Mitläufer reicht.

Vera, die im realen Leben eigentlich Joy heißt, ist die Hauptperson in diesem Buch, nicht nur, weil sie dessen Erzählerin ist, sondern weil sie auch die wichtigste persönliche Geschichte zu bieten hat.

Joy ist in den Favelas, den Slums von Rio de Janeiro, wo die Insel liegt, geboren wurden. Dann wurde sie adoptiert und ist fortan in Deutschland aufgewachsen.

Nun führt sie ihr Weg zurück in die Heimat, die sie bisher nie kennengelernt hat. Das ist der einzige Grund, warum Joy daran überhaupt teilnimmt. Denn während der Zeit auf der Insel wird sie volljährig und möchte sich im Anschluss daran auf die Suche nach ihrer Schwester Esperanza machen. Deren Foto ist einer der drei Gegenstände, die Joy mit auf die Insel genommen hat.

Sie ist ein sehr stilles Mädchen und hat auch auf Aufforderung nur selten etwas zu sagen. Joy ist sehr nachdenklich und schüchtern, kommt nur aus sich selbst heraus, wenn sie ihrem liebsten Hobby, dem Tanzen, nachgeht.

Sie erzählt die Geschichte rückblickend und offenbart dem Leser gleich zu Beginn, dass auf der Insel etwas furchtbares passiert ist, ohne dabei zu viel zu verraten.

Atmosphäre & Schreibstil

Die Geschichte ist von Beginn an spannend und steigert sich stetig. Als mit dem Spiel das neue, entscheidende Element hinzukommt, steigert sich die Spannung sogar ins schier Unermessliche. Dank vieler überraschenden Wendungen und geschickt gelegter falscher Fährten bleibt die Spannung auch bis zum Ende des Buches erhalten. Da es nur wenige Bücher gibt, über die man in dieser Hinsicht derart positiv sprechen kann, gelingt es einem auch nur sehr schwer, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen.

Isabel Abedi verwirrt ihre Leser bewusst immer wieder mit neuen Informationen, die dann aber doch meistens in die Irre führen. Immer dann, wenn man der Meinung ist, dass man endlich den vollen Durchblick hat, muss man sehr schnell feststellen, dass dem eben nicht so ist. Denn dann passiert irgendetwas, was alle vorangegangenen Theorien wieder komplett über den Haufen wirft. Somit kann man sich zu keinem Zeitpunkt wirklich sicher sein, was als nächstes passiert. Erst am Ende lösen sich alle Fragezeichen in Luft auf und es entsteht ein logisches Gesamtbild.

In den meisten Krimis weiß der geübte Leser leider zu nur schnell, wer der Täter ist. Das ist bei 'Isola' dankenswerterweise völlig anders. Vielleicht sollten Sie beim Lesen mal Stift und Zettel auf den Tisch legen und zwischendurch aufschreiben, wen sie nach und nach alles im Verdacht haben, der Mörder zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie über die Länge dieser Liste am Ende ziemlich erstaunt sein werden.

Erzählerin der Geschichte ist mit Vera eine der Teilnehmerinnen. Dadurch wissen wir zu keinem Zeitpunkt mehr als sie selbst und können uns wunderbar in die Geschehnisse auf der Insel und die Gefühlswelt der Jugendlichen hineinversetzen. Zwischendurch werden jedoch hin und wieder ein paar kursiv geschriebene Sätze eingestreut, in der eine andere Person erzählt. Dessen Identität bleibt vorerst unerkannt und man erfährt erst zum Ende des Buches hin, um wen es sich dabei handelt und welche Rolle diese Person in dem Spiel inne hat.

Nicht nur durch die von mir bereits angesprochene Einsetzung Veras als Erzählerin der Geschichte hat man unweigerlich das Gefühl, alles selbst zu erleben, sondern auch durch die bildhafte Beschreibung der paradiesischen Umgebung. Dies alles sorgt für wundervolles Kopfkino und man könnte sich durchaus zwischendurch so fühlen, als würde man selbst unter Beobachtung der vielen versteckten Kameras stehen.

Isabel Abedi schreibt zwar passenderweise in einer jugendgerechten Sprache, übertreibt es dabei aber keinesfalls. Somit ist auch dies für Erwachsene kein Negativpunkt. Zudem verfasst sie ihre Sätze sehr flüssig, hält sich kurz und knapp, anstatt ausufernde Satzkonstrukte zu bilden. Sie bedient sich einer wundervollen Sprache und bleibt trotz aller Spannung auch einfühlsam und bietet ein breites Spektrum an Emotionen.

Nachbemerkungen

Im Zeitalter von 'Big Brother' und ähnlichen TV-Formaten greift Isabel Abedi ein immer noch aktuelles Thema auf.

Was bei solchen Experimenten passieren kann, kennt man bereits von Filmen wie 'Die Welle' (nach dem Buch von Morton Rhue) und 'Das Experiment'.

Man muss sich beim Lesen durchaus die Frage stellen, wie man sich selbst in dieser Situation verhalten hätte?


Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
von Janne Teller
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch sollten alle Eltern ihren Kindern zum Lesen geben und danach mit ihnen über dessen heikle Thematik diskutieren!, 19. Juni 2012
Zitate

"Eine psychologisch spannende Parabel über Mut und Feigheit, über den Sog und die Faszination von Grausamkeit, über die Verführbarkeit durch Ideologien und die Suche nach dem Sinn des Lebens. 'Nichts' erschüttert dadurch, dass das Erzählte nicht wahrscheinlich, aber denkbar ist und so unaufhaltsam abläuft wie ein antikes Drama. Unberührt wird keiner das Buch aus der Hand legen." (Sylvia Schwab / Deutschlandradio Kultur)

"Dieses Buch ist ein Hammer. Es ist radikal, es ist verstörend, es ist wahrhaftig, also genau so, wie gute Jugendliteratur eigentlich sein sollte." (Amelie Fried und Ijoma Mangold / ZDF Die Vorleser)

Als 'Nihilistischen Schocker' titulierte die Wiener Zeitung vom 18.10.2010, Janne Tellers Roman: 'NICHTS', was im Leben wichtig ist.

Pierre zu Agnes:
"Du wirst bestimmt Designerin und stöckelst auf hohen Schuhen herum und spielst die Smarte und überzeugst alle anderen, dass sie glauben, wenn sie nur in Sachen von deiner Marke rumlaufen, seien sie auch smart. Aber du wirst feststellen, dass du ein Clown in irgendeinem überflüssigen Zirkus bist, wo alle versuchen, sich gegenseitig vorzumachen, es sei lebensnotwendig, in einem Jahr auf diese Weise gekleidet zu sein und im nächsten auf eine andere. Und du wirst feststellen, dass der Ruhm und die große Welt außerhalb von dir sind, dass aber innen nichts ist und dass es auch so bleiben wird, egal was du tust." (Zitat aus dem Buch)

Autorin & Buch (Allgemeines)

'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' ist ein bewusst provokantes Buch, das in der Vergangenheit bereits für viel Öffentliches Aufsehen gesorgt hat. In Dänemark wurde es an den Schulen zu seinem Erscheinen im Jahre 2000 sogar erst einmal verboten. Es sei ein Jugendgefährdendes Werk, urteilten viele Eltern, Lehrer und Kritiker. Die Kirche meinte, dass Jugendliche in Fragen des Sinn des Lebens doch bitte bei ihnen vorstellig werden sollten. Es wurde sogar ernsthaft vorgeschlagen, das Buch auf den Index Jugendgefährdender Schriften zu setzen.

Heute jedoch ist es an allen Schulen wieder erlaubt. Und das vollkommen zu Recht. Denn 'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' sollte meiner Meinung nach zu der Pflichtlektüre aller Schulen gehören. Mit anschließender ausführlicher Besprechung des Buches und der damit einhergehenden Thematik.

Dieses Buch sollte eher ab einem Alter von 13 Jahren gelesen werden. Eltern, die es ihrem Kind zu Lesen geben wollen, sollten es vorab am Besten selbst lesen und dann entscheiden, ob sie es bereits jetzt oder erst später ihrem Kind zumuten wollen. Auch sie sollten anschließend mit ihrem Kind ausführlich über das Buch und die Botschaft, die es vermittelt, sprechen.

Nach den anfänglichen Unruhen rund um das Buch konnte die Autorin schon bald wieder positive Schlagzeilen machen. Das Dänische Kultusministerium hat Janne Teller im Jahre 2001 verdientermaßen den Jugendbuchpreis verliehen.

'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' nur als ein Jugendbuch zu betrachten wäre definitv ein Fehler. Es ist nicht nur auch für Erwachsene geeignet, sondern bietet auch einen guten Einstieg in die Philosophie und bringt mit seiner Sozialkritischen Botschaft viele Diskussionen in Gang.

Man fühlt sich beim Lesen übrigens unwillkürlich an das Kultbuch 'Die Welle" von Morton Rhue erinnert.

Handlung

Zusammenfassung Teil 1 (Frei von Spoilern)

In der siebten Klasse eines Gymnasiums in der dänischen Stadt Taering passiert am ersten Schultag nach den Sommerferien etwas Ungewöhnliches. Pierre schockiert seine Mitschüler mit folgender Aussage: "Nichts bedeutet etwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.". Die anderen widersprechen ihm vehement, jedoch prallen deren Einwände allesamt an Pierre ab, der ob ihrer Naivität nichts als Mitleid für sie übrig hat. Er kontert mit weiteren Äußerungen, die seine Mitschüler aus der Fassung bringen: Der Mensch wird maximal etwas über 100 Hundert Jahre alt, die Erde hingegen existiert bereits seit Milliarden Jahren. Er ist bloß ein winzig kleiner Teil in einem unendlich großem Universum und man würde bereits ab dem Moment der Geburt an beginnen zu sterben. Wie soll man selbst dann wichtig sein? Wie kann das Leben wichtig sein? Wie kann etwas Lächerliches wie ein materieller Gegenstand von Wichtigkeit sein? Das Leben an sich sei es nicht wert, etwas zu tun, sich dafür anzustrengen. Und somit sei auch die Schule im höchsten Grade unwichtig.

Pierre steht auf, packt seine Schulsachen zusammen und verlässt für immer das Klassenzimmer und das Schulgebäude. Dabei lässt er seine sprachlosen Mitschüler zurück.

In den nächsten Tagen sitzt er dann während des Unterrichts auf einem Pflaumenbaum vor dem Schulgebäude und wirft bei jeder Möglichkeit mit Pflaumen nach seinen ehemaligen Mitschülern. Dabei gibt er auch weiterhin seine Lebensweisheiten zum Besten.

Was er zu sagen hat, beunruhigt die Jugendlichen so sehr, dass sie gemeinsam beschließen, Pierre zu beweisen, dass es im Leben doch etwas von Bedeutung gibt. Denn sie sind sich einig: Auf gar keinen Fall darf dieser Recht behalten!

In einem stillgelegtem Sägewerk erschaffen die Schüler nach und nach den 'Berg der Bedeutung'.

Sie beginnen damit, alles zu sammeln, was für jeden einzelnen von ihnen von Bedeutung ist. So wächst der 'Berg der Bedeutung' von Tag zu Tag an. Wer selbst etwas geopfert hat, darf bestimmen, wer als nächstes dran ist und was dieser hergeben muss.

Als die Jugendlichen nach einer Weile merken, dass ihre ersten Opfer alles andere als beeindruckend sind, wird beschlossen, dass sich fortan jeder davon zu trennen hat, was ihm am wichtigsten ist. Ihre Theorie lautet: Je größer das Opfer, umso größer auch dessen Bedeutung. So muss es doch gelingen, Pierre davon zu überzeugen, dass er im Unrecht ist?!

Doch was die Schüler mit damit auslösen, wissen sie selbst in diesem Moment noch nicht. Denn das 'Experiment' gerät zunehmend außer Kontrolle.

Zusammenfassung Teil 2 (Achtung, Spoiler! Wer sich den Lesespaß nicht verderben möchte, sollte den zwischen den Sternchen eingebetteten Text besser überlesen)

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Die Forderungen der Opfer werden immer unvorstellbarer. In der Trauer über den eigenen Verlust beginnt man schnell eine Grenze zu überschreiten und überlegt sich, wie man dem Mitschüler noch mehr weh tun kann, als man es eben am eigenem Leib erfahren hat. Es regieren immer mehr Hass und Neid. Obwohl es irgendwann erste vernünftige Jugendliche gibt, die den Wahnsinn erkennen und sich nichts lieber wünschen würden, als dass dieser ein sofortiges Ende nehmen möge, wagt es niemand von ihnen, den entscheidenden Schritt zu wagen.

Erst als der talentierte Gitarrist Johan seinen Zeigefinger opfern muss, offenbart er sich seinen Eltern, welche unverzüglich die Polizei einschalten. Schnell werden auch die Medien auf die obskuren Geschehnisse aufmerksam und berichten darüber. In Folge dessen bekundet ein Kunstmuseum ernsthaftes Interesse an dem 'Berg der Bedeutung' und bietet den Jugendlichen dafür stolze 3 Millionen!

Es war Pierre`s ehemaligen Mitschülern übrigens auch nicht gelungen, ihn davon zu überzeugen, dass es im Leben etwas von Bedeutung gibt. Er saß weiterhin auf dem Baum und machte sich über deren lächerlichen Versuche lustig. Denn haben sie nicht gerade durch ihre Opfer bewiesen, dass es nichts von Bedeutung gibt in dieser Welt? Denn wenn dies alles wirklich so bedeutsam wäre, hätte man es doch auf gar keinen Fall geopfert?

Als die Jugendlichen merken, dass alle ihre Bemühungen nichts nutzen, beschließen sie, sich gemeinsam an Pierre zu rächen...

Hier ein paar Beispiele, was geopfert werden musste. Zuerst die harmloseren Sachen, dann die immer heftigeren Opfer: Fotos, Bücher, Ohrringe, Boxhandschuhe, Lieblingspuppe, Teleskop, Rennrad, Zopf eines Mädchens, Tagebuch, Gebetsteppich eines streng gläubigen Muslimen. Hamster, Kopf des eigenen Hundes, die Unschuld eines Mädchens.
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Charaktere

Die Charaktere spielen in dieser Geschichte eine ziemlich untergeordnete Rolle. Denn es geht nicht darum, sie detailliert zu beschreiben, sondern um ihr Gefühlsleben, Denken und vor allem deren Handeln.

Dennoch erkennt man nur zu leicht das übliche Muster vieler Schulklassen oder Gruppen, wo die einen das Sagen haben, die anderen zu nichts mehr als Mitläufern taugen und manche wenige einfach nicht den Mut haben, gegen die Stärkeren aufzubegehren.

Atmosphäre & Schreibstil

Eines muss man sagen: Dieses Buch ist auf gar keinen Fall 'nichts'. Und damit hat die Autorin ihre anfängliche Fragestellung eigentlich schon selbst beantwortet.

Es ist ein für ein Jugendbuch erstaunlich tiefgründiges und ernstes Buch, an das man sich auch viele Jahre später noch erinnern wird. 'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' ragt aus der Masse der Jugendbücher positiv heraus und ist längst zu einem modernen Klassiker geworden. Über dieses Buch lässt sich wunderbar diskutieren, es polarisiert wie kaum ein anderes. Wenn dieses Buch nicht zum Nachdenken anregt, welches Buch vermag dies dann überhaupt zu tun? Es ist voll mannigfaltiger Emotionen und gehört zu den ganz wenigen Büchern, die mich sehr bewegt haben.

Janne Teller bietet uns ein wahrlich erschütterndes Leseerlebnis und geht dabei bewusst über die Grenzen hinaus. Sie schreibt schonungslos brutal und schockierend, alleine aus diesem Grund ist 'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' ein Buch, bei dem man besonders auf das Alter des Kindes achten sollte. Janne Teller hat eine unverwechselbare Art, ihre Leser in den Bann zu ziehen. Da man die Geschichte aus der Sicht einer Mitschülerin von Pierre erzählt bekommt, fühlt man sich stets so, als würde man sie selbst erleben.

Ob der brutalen Szenen ist 'Nichts. Was im Leben wichtig ist.' definitiv nichts für schwache Nerven. Auch wenn diese logischerweise(Jugendbuch!!!)nicht detailliert geschildert werden. 'Kopfkino' lässt grüßen, kann ich dazu nur sagen.

Schon Pierres Lebensweisheiten fühlen sich an wie ein heftiger Schlag in den Magen. Aber die stetig wachsende Grausamkeit der Kinder lässt einen regelrecht erschaudern. Wenn man liest, was sie nach und nach für den 'Berg der Bedeutung' opfern, dann verschlägt es einem glatt den Atem. Man ist gleichermaßen fasziniert wie angeekelt. Manchmal muss man beim Lesen sogar für einen Moment innehalten und das Buch auf sich wirken lassen, bevor man fortfährt.

Nachbemerkungen

Wahrscheinlich werden auch Sie nach der Lektüre dieses Buches über den Sinn des Lebens sinnieren und sich fragen, was in ihrem Leben wirklich eine Bedeutung hat und sowohl unersetzbar als auch unverzichtbar ist. Welche Konsequenz hätte das für einen, wenn man wirklich gar nichts in seinem Leben finden würde, dass von Bedeutung ist?

Die Frage, die mich beim Lesen selbst am meisten beschäftigt hat, ist die, warum es den Jugendlichen so immens wichtig war, Pierre davon zu überzeugen, dass es etwas von Bedeutung in der Welt gibt? Warum sie dafür bereit waren, teilweise sehr große Opfer zu erbringen? Warum ihnen das 'dumme Geschwätz' von Pierre solche Angst gemacht hat?


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