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Rezensionen verfasst von
Jennifer Wunsch
(REAL NAME)   

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Die Berufene: Roman
Die Berufene: Roman
von M. R. Carey
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannung durch Unwissenheit, 18. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Berufene: Roman (Taschenbuch)
"Wenn Sie so weitermachen, halten Sie sie bald noch für richtige Kinder. Und dann machen Sie Fehler." (S.23)

Die 10-jährige Melanie ist anders als normale Kinder. Sie lebt in einer kleinen quadratischen Zelle, die nur mit einem Bett, einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet ist und hat sich an strenge Regeln zu halten. Montag bis Freitag kommen bewaffnete Männer zu ihr, fesseln sie an einen Rollstuhl und fahren sie zum Unterricht in einen Klassenraum. Den Samstag verbring sie alleine unter lauter Beschallung in ihrem Raum und nur einmal in der Woche, am Sonntag, wird sie gesäubert und gefüttert. In dem Block leben neben ihr noch etwa 40 weitere Kinder, die sich nicht nur stark von den Menschen unterscheiden, sondern auch von den so genannten Hungernden, die vor den Toren des Militärstützpunkts lauern. Die Kleinen könnten die Antwort auf die Frage liefern, die die Menschheit dort am meisten beschäftigt: Gibt es noch Hoffnung?

"Die Berufene" ist eines dieser Bücher, bei denen ich stark davon abrate, zuvor den Klappentext zu lesen. Geht man relativ unvorbereitet an dieses Buch heran, so verstärkt es die intensiven, teils widersprüchlichen Gefühle und die Verwirrung, die es mit der Zeit aufbauen kann: Mitleid mit diesen armen Kindern, die von klein auf in solch einer abgeschotteten Umgebung leben, den ganzen Tag in ihrer Zelle hocken und tagtäglich von Kopf bis Fuß fixiert werden. Gedanken, welchen Sinn all dies haben könnte. Abscheu, wenn man vom Dusch- und Fütterungs-Ritual liest. Mit der Zeit entwickelt sich möglicherweise aber sogar Verständnis für diese Maßnahmen. Verstärkt wird all dies durch die immer wieder auftauchende Perspektive des kleinen Mädchens, dass unschuldig ihre Eindrücke schildert, während sie ihre Umgebung überraschend intelligent analysiert.
Sehr interessant ist, dass man zu Beginn keine Vorstellung hat, was genau an diesem Ort vor sich gehen könnte, weshalb man stets damit beschäftigt ist, die Hintergründe zu erforschen. Zusammen mit den Protagonisten erfährt der Leser nur nach und nach, was passiert ist, und die Informationen werden derart gut portioniert, dass die Spannung über die mehr als 500 Seiten aufrecht erhalten werden kann. Darüber hinaus führt diese Unwissenheit auch dazu, dass man sich den Charakteren ein Stückchen näher fühlt. Man durchlebt die Situationen mit ihnen gemeinsam, sieht die geschickt geschilderte Umgebung geradezu bildhaft vor sich, was auch durch den Schreibstil erleichtert wird, der im positivsten Sinne simpel ist und einen vollkommen in der Geschichte versinken lässt.
Die Charaktere sind vielschichtig, handeln, abgesehen von ein paar kaum nachvollziehbaren Situationen, schlüssig und wirken insgesamt authentisch - mal im positiven, mal im negativen Sinne, aber erfreulicherweise ohne sich zu sehr auf eine Seite zu lehnen.

Die beiden Highlights dieses Buches sind eindeutig das schlüssige Thema und das herausragende Ende. Dem Autor ist es gelungen, ein (für ein Buch dieses Genres) durchaus denkbares Szenario zu entwerfen, das auf vorhandenes Wissen aufbaut und auf das die Menschen erschreckend realistisch reagieren. Nach einem actionreichen letzten Viertel kommt er zu einem Schluss, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hätte und der eine Vielzahl an relevanten Fragen aufwirft. Dieses schwer vorhersehbare Ende schlägt einen perfekten Bogen zu der an sich schon ungewohnten Ausgangssituation und lässt so insgesamt ein längenloses, stimmiges und relativ tiefgründiges Werk entstehen, das zwar deutlich von einigen Kollegen aus dem Fantasy-Horror-Bereich beeinflusst wurde, das Genre aber durch die ein oder andere originelle Idee auffrischt.


Lasst die Spiele beginnen: Roman
Lasst die Spiele beginnen: Roman
von Niccolò Ammaniti
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abwechslungsreich und unvorhersehbar, 16. November 2014
Saverio Moneta, Angestellter in einem Möbelmarkt, Papa von Zwillingen und Anführer der "Bestien des Abbadon" sucht verzweifelt nach einem großen Coup, um seine bisher mehr als erfolglose Sekte weltberühmt zu machen. Nachdem die Gruppe in den letzten Wochen immer weiter geschrumpft ist und eines der Mitglieder es sogar gewagt hat, zur rivalisierenden Sekte überzugehen, setzt Saverio sich selbst das Ultimatum, innerhalb von einer Woche die größte bisher bekannte satanische Aktion auf die Beine zu stellen.
Fabrizio Chiba ist ein weltberühmter, aber zunehmend einfallsloser Autor, der seit einer Ewigkeit in den ersten Kapiteln seines neuen Werks festhängt. Während Chibas Uninspiriertheit ihm immer mehr zu schaffen macht, versucht er geradezu zwanghaft, wenigstens die Fassade des unerreichbaren Genies aufrecht zu erhalten.
Die beiden finden sich schließlich auf einer groß angelegten Veranstaltung des Immobilienhais Sasà Chiatti ein, der einen riesigen Stadtpark aufgekauft hat, um dort mit den Stars und Sternchen des ganzen Landes ein sensationelles und unvergessliches Wochenende zu verbringen.

"Lasst die Spiele beginnen" ist außergewöhnlich, so viel steht fest! Ob nun außergewöhnlich gut oder einfach nur außergewöhnlich, hängt stark vom Geschmack des Lesers ab. In dem Buch jagt eine absurde Idee die nächste, unerwartete Situationen treten auf und überhaupt scheint jede Seite einen neuen Witz mit sich zu bringen oder weiß auf andere Weise gut zu unterhalten.

"Der Anführer hob seinen Blick zur Decke und breitete die Arme aus.
»Wer ist euer charismatischer Vater? «
»Du! «, sagten die Bestien im Chor.
»Wer hat die Gebote des Bösen geschrieben? «
»Du!
»Wer hat euch die Lithurgie der Finsternis gelehrt? «
»Du! «
»Wer hat die Pappardelle mit Kaninchenragout bestellt?«, fragte der Kellner mit einer Reihe dampfender Teller auf den Armen.
»Ich! «" (S.16)

Der Humor nimmt teilweise sehr dunkle Töne an, ist an anderer Stelle dann aber wieder einfach nur absurd oder sogar verspielt. ("Saverio vollführte eine Pirouette und zertrümmerte dabei den Wäscheständer" S.59) Er durchzieht unter anderem auch die Beschreibungen der Charaktere, die mal ein Dreifachkinn haben, das durch den hängenden Vorhang ihrer Wangen verdeckt wird, und mal bei der 1-Million-Euro-Frage wie auf einem Stachelschwein sitzen, während der Moderator "den zufriedenen Ausdruck einer Katze (hatte), die gerade Thunfisch gefressen hat" und wohlmöglich bald noch die Krallen am Sessel schärfen wird.

Nahezu alle Charaktere sind mehr oder weniger speziell und überspitzt, sind aber erfreulicherweise relativ ausgeglichen, was ihre positiven und negativen Seiten angeht. Der Autor entfernt sich von jenen "perfekten" Personen, bei denen alles vorhersehbar nach Plan läuft und die man einfach mögen muss. Stattdessen weisen seine Charaktere zahlreiche Ecken und Kanten auf - mal welche, die man versteht, mal aber auch solche, die man entschieden ablehnt. Durch diese "Fehler" wirken sie, ihrer Überspitztheit zum Trotz, menschlicher und realistischer als die meisten ihrer über den Buchmarkt verstreuten Genossen.
"So viel Pech auf einmal konnte man nicht haben. Das wäre, als wenn man beim Würfeln zehn Mal hintereinander eine Sieben wirft." (S.84)

Ich habe selten ein Buch erlebt, das dermaßen unberechenbar und doch, trotz seiner Absurdität, so durchdacht ist. Die Beschreibungen lassen ein lebhaftes Bild der Umgebung und der Charaktere entstehen, der Inhalt an sich weiß gut zu unterhalten und doch haben mich die Charaktere und die Ereignisse, in die sie verwickelt sind, nach einem grandiosen Einstieg etwa ab der Hälfte des Buches ermüdet. Nicht etwa, weil sie langweilig wurden, nein, wohl eher im Gegenteil. Irgendwann wurde es zu viel: Zu viel Absurdität, zu viel Überspitztheit, zu viele Überraschungen, zu viel Action - weshalb ich den ganzen Spaß trotz zahlreicher Pluspunkte im Endeffekt auch nicht so recht empfehlen kann. Vermutlich finden aber einige, die auf der Suche nach skurrilen, schwarzhumorigen Geschichten sind und sich nicht von dem schnellen Tempo abschrecken lassen, in diesem Buch etwas Neues, das sie zu überraschen weiß.


Auf den ersten Blick: Roman
Auf den ersten Blick: Roman
von Danny Wallace
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eher beklemmend als romantisch, eher langatmig als witzig, 16. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Auf den ersten Blick: Roman (Broschiert)
Als Jason Priestley in einer der trostlosesten Situationen seines Lebens plötzlich der Frau seiner Träume gegenübersteht, ist der Moment schneller vorbei, als er denken kann. Alles, was von der schönen Unbekannten bleibt, ist eine kleine Einwegkamera mit 15 Fotos. Nach anfänglichem Zögern beschließt er, die Chance zu nutzen und die Frau zusammen mit seinem Freund Dev durch Hinweise auf den Fotos aufzuspüren.

"Diese kleine Sekunde der Hoffnung ist ein Schatz, vielleicht für immer, bis wir auf dem Totenbett liegen [...] und noch im Sterben widmen wir einen letzten, selbstsüchtigen Gedanken dem, was vielleicht passiert wäre, wenn wir vor vierundsiebzig Jahren zu dem Mädchen mit den Uggs, das draußen vor dem Nando's CDs verkaufte, tatsächlich »Hallo« gesagt hätten. Es geht um das Was wäre, wenn?. Das Was dann?. (S.180)

Wenn man den Inhalt dieses Buches betrachtet, kann man zu zwei sehr unterschiedlichen Auffassungen kommen: Gedacht war es sicherlich als Geschichte eines Mannes, der nichts unversucht lässt, um seinem Leben nach einer schweren Trennung einen neuen Sinn zu geben. Ein Mann, der durch eine zufällige Begegnung mit einer hübschen Frau neue Hoffnung schöpft und sich, wie der Klappentext es beschreibt, auf eine "witzige und hinreißend romantische Odyssee durch London" begibt.
Leider geht der Schuss nach hinten los und sie wirkt vielmehr wie die Geschichte eines depressiven Menschen ohne Lebenssinn und ohne Zukunftsvisionen, der sich, an Oberflächlichkeit kaum zu übertreffen, wortwörtlich auf den ersten Blick in eine Frau "verliebt", sie daraufhin in seiner Fantasie idealisiert und schließlich stalkt.
Am Aufbau des Buches ist deutlich zu erkennen, dass es nicht um die psychologisch gesehen interessant Betrachtung eines obsessiven Stalkers handeln soll, sondern um eine Geschichte, die die oftmals merkwürdigen Wege der Liebe beschreibt. Die versprochene hinreißende Romantik sucht man allerdings vergeblich, da die Ausgangssituation an sich bereits viel zu gruselig ist und auch kaum Sympathie für den Protagonisten aufkommen will.

"Im Spiegel hinter ihm erblickte ich mein Gesicht. Ich sah müde aus. Manchmal betrachte ich mich und denke: »So sieht es jetzt aus? «, und dann denke ich: »Ja, so sieht's aus. Besser wird es nicht werden. Morgen wird es nur noch schlimmer, und so geht es immer weiter, bis ans Ende aller Tage. « (S.22/23)

Jasons Denken und Handeln ist geprägt von seiner negativen Lebenseinstellung und seine depressiven Gedankengänge, in denen er oftmals vom Schlimmsten ausgeht, sind geradezu ansteckend. Insgesamt schaffen es die auftretenden Personen kaum, Interesse zu wecken. Dev ist ein platter, stereotyper, sehr künstlich wirkender Charakter, dessen einzige hervorstechende Eigenschaft es ist, sich in der Art, wie er handelt und spricht, an das Herkunftsland seiner derzeitigen, stets wechselnden, Angebeteten anzupassen.
Immer wieder hängen die beiden in trägen "Was wäre wenn"-Überlegungen fest, treten auf der Stelle und kommen, genau wie die Geschichte, kaum voran. Rund 200 Seiten weniger hätten dem knapp 500 Seiten dicken Buch sicher nicht schlecht getan.
Im Grund geht es immer wieder um das Schicksal, um die Hoffnung ... und um die Hoffnung auf das Schicksal. Wenn die Geschichte denn mal vorangeht, ist dies fast immer unglaubwürdigen, stark konstruiert wirkenden Zufällen zu verdanken. So kommt es zum Beispiel mehrfach vor, dass der Protagonist zufällig jemandem begegnet, der ein zufällig gerade herumliegendes oder hervorblitzendes Foto sieht und ebenso zufällig bei genau diesem Bild weiß, wo sich der gesuchte Ort befindet.

Stilistisch gesehen hat das Buch eine Besonderheit aufzuweisen: Es ist sicherlich ungewöhnlich, dass der Protagonist sich selbst vorstellt, den Leser direkt anspricht und unbeantwortete Fragen stellt. Das ist an einigen Stellen interessant, führt an anderen aber auch zu überflüssigen Füllsätzen, bei denen Jason ironischerweise selbst die Unwichtigkeit und Überflüssigkeit dieser Passagen betont.

"Stolpernd kam Pawel näher und drehte sich um, weil er sehen wollte, worüber er gestolpert war. Es war ein Legostein. Keine Ahnung, wieso ich das erzähle." (S.83)
"Wir waren irgendwo hinter Barnet auf der A1. Das muss man nicht wissen." (S.135)

Die Geschichte lässt sich angenehm leicht lesen und weist die ein oder andere gelungene Stelle auf. Schade ist allerdings, dass zahlreiche Wiederholungen auftauchen und speziell der Humor sich sehr auf deren Wirkung verlässt. Neben Devs bereits erwähnter Anpassung an seine Angebeteten, hat auch Jason solch eine wiederkehrende Angewohnheit, die vielleicht beim 1. Mal lustig daher kommt, aber spätestens bei dem dritten Wiederkäuen nervt. Hinzu kommt, dass viele der Witze im Buch an sich bereits nicht lustig sind und andere durch die Übersetzung gänzlich ihre Bedeutung verlieren.

Leider kam bei mir kaum Interesse für die Charaktere oder den Verlauf der Geschichte auf. Im Endeffekt stellt sich mir die Frage, warum man etwas über das miserable Leben einer fiktiven Person lesen wollen sollte, das weder zum Lachen, noch zum Mitfühlen oder Nachdenken anregt. Auch wenn "Auf den ersten Blick" grundsätzlich nicht schlecht ist, gibt es auf dem Markt sicherlich zahlreiche Bücher, die dem Versprechen "witzig und hinreißend romantisch" auch tatsächlich nachkommen und insgesamt besser zu unterhalten wissen.


Vegan einfach genießen: 80 gesunde Rezepte von herzhaft bis süß
Vegan einfach genießen: 80 gesunde Rezepte von herzhaft bis süß
von Greta Jansen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Günstig und inspirierend, aber oft geschmacksarm und mit vielen Spezialzutaten, 18. Mai 2014
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Kurz und Knapp
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+ günstig
+ übersichtlich
+ verständlich
+ inspirierend
+ abwechslungsreich
+ schön gestaltet
+ Bild zu jedem Rezept
+ Warenkunde und Ersatzstoffe
- (unnötig) kompliziert
- oft geschmacksarm
- viele Spezialzutaten
- manchmal unausgeglichen
- seltsamer Umgang mit Sojaschnetzeln und Tofu
- eher nicht für Neueinsteiger geeignet

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Beschreibung und Aufbau
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„Vegan einfach genießen“ verspricht „80 gesunde Rezepte von herzhaft bis süß“, die sich in folgende Bereiche gliedern:

* 18 Suppen, Salate und Eintöpfe
* 15 Beilagen und Snacks, darunter 4 Aufstriche
* 41 Hauptspeisen
* 6 Süßspeisen

Das Buch kommt angenehm unaufdringlich daher – egal, ob man nun aus gesundheitlichen bzw. umweltbewussten Gründen nach Rezepten sucht oder einfach mal hineinschnuppern mag. Der vegane Lebensstil wird als Trend bezeichnet, die vegane Küche als „ganz unkompliziert", egal, ob man nun 1,2x die Woche vegan kochen oder seine Ernährung vollkommen umstellen möchte, ohne Verzicht soll es sein. Neben bekannten Gerichten wie Spaghetti Bolognese sollen auch innovative Rezepte wie der Festtagsbraten auftauchen.

Neben einer übersichtlichen Inhaltsangabe, tauchen hinten im Buch ein vollständiges Rezeptverzeichnis sowie eine Liste mit verwendeten Abkürzungen auf. (Wer sich die Rezepte vorher anschauen möchte, findet die Übersicht auch hier bei Amazon, oben links bei den Bildern.)

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Einleitung
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Begonnen wird mit der Frage „Was ist vegan“ und dem Hinweis, dass nicht jeder, der vegan kochen möchte, auch gleichzeitg nur noch Bio- und Vollwert-Produkte essen mag, weshalb in diesem Buch auch Mehl und raffinierter Zucker vorkommt.
Anschließend werden hilfreiche Anregungen zur Vorratshaltung gegeben sowie zahlreiche Zutaten und Ersatzstoffe vorgestellt. (unter anderem Sojafleisch, Tofu, Seitan, diverse Hülsenfrüchte, Amaranth, Agavendicksaft, Hefeflocken, Agar-Agar und Miso).
Schön ist, dass hierdurch die Vielseitigkeit der veganen Küche deutlich wird. Zusätzlich bekommen vor allem Neueinsteiger durch eine Liste mit „normalen“ und „Ersatz“-Zutaten einen groben Überblick, wie leicht es sich vegan leben lässt, wenn man denn weiß, was man statt den tierischen Produkten verwenden kann. Passend hierzu der Abschlussatz: „Sie sehen also: Wer vegan kochen möchte, muss auf nichts verzichten, sondern einfach ein bisschen ausprobieren und Kreativität walten lassen.“ S.10

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Cover und Gestaltung
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Für den günstigen Preis von derzeit 9,99€ wirkt die Aufmachung überraschend hochwertig. Das schöne Hardcoverbuch wird von einem veganen Burger geschmückt, der erfreulicherweise auch zu den Rezepten gehört. Überhaupt gibt es zu jedem im Buch auftauchenden Rezept ein ansprechendes Bild, das sofort Lust aufs Nachkochen macht. Die einzelnen Abschnitte sind ebenfalls mit Rezeptbildern übersichtlich abgetrennt und jede Seite wird durch ein unaufdringliches, einheitliches Pflanzendesign geschmückt.

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Kritik zu den Rezepten
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Jedes Rezept hat ausführliche Angaben zur Zubereitungs-/Koch-/Back-/Einweich-Zeit, eine Portionenanzahl und nicht nur Hinweise zu kcal/kJ, sondern auch zum enthaltenen Eiweis, Fett und Kohlenhydrat-Gehalt. Sehr übersichtlich und lobenswert! Die Zutatenlisten sind vollständig und die Zubereitungsangaben ausführlich und leicht verständlich.

Der Bereich der „Salate, Suppen und Eintöpfe“ beginnt leider direkt mit einer Kräutersuppe, für die neben Sauerampfer, Blattspinat, Sellerieblätter, Brunnenkresse, Kerbel und glatter Petersilie unter anderem auch vegane Butter und Soja-Schlagcreme benötigt wird. Meiner Meinung nach für das erste Rezept zu kompliziert und so speziell für Neueinsteiger abschreckend und demotivierend.
Die folgende Kartoffelsuppe mit Rucola ist dagegen lecker und simpel. Die Salate wie der Couscous-Salat und der scharfe Gurkensalat sind sehr gewürzarm und daher fad. Von dem Wildreissalat mit Apfel, Paprika, Staudensellerie, Aprikosen, Essig und Zucker ist mir übel geworden, der war definitiv zu süß. Insgesamt war dieser Bereich weniger mein Fall, hat mir aber die ein oder andere neue Idee gegeben.

Bei den Beilagen und Snacks haben mir vor allem die Brotaufstriche gefallen, von denen die vegane „Leberwurst“ und der Apfel-Zwiebel-Aufstrich wirklich lecker waren. Die schwarze Olivenpaste habe ich wegen fehlender Tl-Angabe versalzen, der Walnussaufstrich war unangenehm schleimig und fad. Schön ist, dass man in diesem Buch wirklich neue Anregungen bekommt. Zum Beispiel durch die Wirsing-Pilz-Päckchen.
Einige der Rezepte konnte bzw. wollte ich nicht ausprobieren, da ich die Zutaten in meiner Kleinstadt nicht bekomme und sie mir auch oft zu teuer sind. Hierzu ein Beispiel: Für die „Tomaten-Canapés“ benötigt man unter anderem vegane Röstzwiebelbutter, veganen Tofu-Frischkäseersatz, Sauerrahm-Ersatz und veganen, geriebenen Schnittkäse. Für mich fällt dieses und viele, viele weitere Rezepte dadurch von vorneherein raus oder muss abgewandelt werden. Zu diesen Spezialzutaten aber später mehr...

Bei den Hauptgerichten kann ich das Linsencurry, die Zucchini Carbonara und das Kartoffel-Zwiebel-Curry uneingeschränkt empfehlen. Alles sehr simpel und lecker! Die Ratatouille-Lasagne kommt seltsamerweise ohne Bechamelsoße und leider mit teurem Blauschimmelkäse-Ersatz daher, lässt sich aber natürlich abwandeln und ist dann superlecker. Schön ist auch, dass man in diesem Buch Anleitungen zum Selbermachen von Seitan-Burger-Patties und Maki-Sushi findet. Bei letzterem wären nur Fotos zum Befüllen und Aufrollen nützlich gewesen.
Unter den Hauptspeisen sind einige Rezepte zu finden, die unvollständig wirken: „Auberginengemüse mit Sambal Oelek“ und „Tofu auf Sichuan-Art“ ohne Beilagen und ohne Kombinations-Tipps zählen nicht als Hauptspeise.

Nun aber zu einem meiner Hauptkritikpunkte: Die meisten Rezepte, die ich ausprobiert habe, schmeckten schlichtweg langweilig. Bei den Enchiladas bleibt der Tofu nahezu ungewürzt und auch bei der Tofu-Nudel-Pfanne, die tatsächlich nur aus Tofu, Nudeln, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Mungobohnensprossen, Sojasauce und Salz besteht, wird der Tofu weder eingelegt, noch richtig gewürzt oder länger angebraten. Auch der Umgang mit Sojaschnetzeln wirkt unprofessionell: 10 Minuten in Brühe quellen lassen, abgießen, Sojasoße, Tomatenmark und Hefeextrakt dazu, mit Wasser auffüllen, aufkochen, satte 30 Minuten ziehen lassen und dann ausdrücken – hierdurch wird nicht nur das Wasser sondern auch fast alles an Geschmack wieder rausgedrückt. Mir erschließt sich weder die viel zu lange Einweichzeit noch die Tatsache, dass Sojasauce und Tomatenmark nicht einfach später beim Anbraten verwendet werden. Kocht man nach Rezept, schmecken Spaghetti Sojanese, Chili senza carne und das Szegediner Gulasch sehr öde. Vor allem bei letzterem, wo man das Sojafleisch „15 Minuten, ruhig auch einige Stunden ziehen lassen“ und anschließend „noch etwas auspressen“ soll, schmeckt es letzten Endes nach wässrigem „Teig“, der sich auch später durch den hohen Wassergehalt nicht annähernd anbraten lässt. Wer aus anderen Büchern Ahnung vom Umgang mit Sojalfeisch, Gewürzen und co hat, bekommt durch dieses Buch nette Rezeptanregungen. Doch es ist schade, dass es nicht so wirkt, als stecke ein leidenschaftlicher veganer Koch hinter den Rezepten und als seien sie mehrfach getestet worden.

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Spezielle Produkte
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Neben den oftmals faden Rezepten ist mein zweiter Hauptkritikpunkt, dass in den meisten Rezepten eine oder mehrere schwer zu beschaffene Zutaten enthalten sind. Wie bereits erwähnt bekomme ich diese wenn überhaupt über den Onlinehandel und sie sind mir oft zu teuer. Natürlich kann man sie einfach weglassen und mit dem Rezept herumexperimentieren, doch mich hat dieses unnötige Verkomplizieren gestört.
Um das zu verdeutlichen und interessierten Lesern einen Überblick zu geben, habe ich mir die Mühe gemacht und Zutaten rausgeschrieben, die ich hier nicht ohne weiteres bekomme oder die allgemein speziell sind:

Soja-Schlagcreme/-joghurt/-Lecithin, (vegane/r/s...) Röstzwiebelbutter, Sauerrahm-Ersatz, Schmand, Mozzarella-Rolle, geriebener Schnittkäse, fester Käse („No Muh“), Schnittkäse („Blue Flavour Style“) Frischkäseersatz, Cheddar, Parmazano (veganer Parmesan), Mayonnaise, Seitan-Bratwurst, Ei-Ersatz-Pulver, Eigelb-Ersatz, Hefeextrakt, Agar-Agar, Minzlikör. Klebereismehl, Mungobohnen, schwarze, asiatische Bohnen, Alfalfasprossen, Zucchiniblüten, Birnendicksaft, sämtliche erhältliche Ölsorten, Palmherzen, Enoki-Pilze, weißes Mandelmehl, Reispapierblätter, schwarze Bohnenpaste, gelbe Bohnen-Sauce, Sesampaste, grüne Currypaste, rote Currypaste, Tamarindenpaste, Hoisinsauce, Shaoxing-Reiswein und eine Vielzahl an speziellen Gewürzen.

Das alles natürlich zusätzlich zu Soja/Getreidemilch/Sahne, Sojaschnetzeln, Tofu, geräuchertem Tofu, Seidentofu, Weizengluten und co.

Wenn ich als seit 1 1/2 Jahren vegan lebende Hobbyköchin damit schon Probleme habe, möchte ich nicht wissen, wie sehr ein Neueinsteiger mit solchen Zutatenlisten überfordert wäre. Beispielweise muss bei einem an sich simplen Kartoffelkuchen nicht nur Seidentofu, Sojamilch und vegane Butter, sondern auch Ei-Ersatz und sogar Eigelb-Ersatz her. Bei der Kürbistorte Ei-Ersatz, Sojasahne und vegane Mozzarella-Rolle ... vieles könnte leichter sein und einiges könnte man sogar leicht selber machen (bspw. Mayonnaise).

Für diejenigen, die es interessiert, hier noch ein Hinweis zum „Ersatzprodukt“-Gehalt der Rezepte: von den Hauptspeisen sind 18 gänzlich ohne Sojaprodukte, Weizengluten, Käse- und Ei-Ersatz. Bei den restlichen 23 können diese teilweise auch weggelassen werden.

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Fazit
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Einigermaßen erfahrene Veganer können ihre Freude an „Vegan einfach genießen“ finden, neue Rezepte entdecken und viel herumexperimentieren. Mit dem günstigen Preis und der schönen Aufmachung ist es eine gute, inspirierende Erweiterung für alle Kochbuch-Regale. Neueinsteigern rate ich hiervon trotz wirklich informativem Einleitungsteil und dem ein oder anderen simplen, leckeren Gericht eher ab, da sie von zahlreichen Spezialzutaten abgeschreckt werden könnten und viele der Rezepte ohne Vorwissen und Abwandlungen schlichtweg nicht gelingen.


Das Wispern der Angst: Thriller
Das Wispern der Angst: Thriller
von Tanja Frei
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Logikfehler, Leerlauf, zu wenig Spannung, aber gute Atmosphäre, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Wispern der Angst: Thriller (Taschenbuch)
Als eine Klassenkameradin sich mit beunruhigenden letzten Worten das Leben nimmt, werden Kim und ihre Mutter Jenna von einem Moment auf den anderen aus ihrem gewohnten Alltag gerissen. Schon seit Längerem plagt sich Kim mit Albträumen herum, in denen sie von jemandem gerufen wird und das Gefühl verfolgt zu werden wird von Tag zu Tag schlimmer. Als schließlich auch Jenna eine fürchterliche Nachricht erhält, wird den beiden klar, dass sie in großer Gefahr schweben ...

Anders als der Klappentext vermuten lässt, ist "Das Wispern der Angst" nicht nur ein einfacher Thriller, sondern darüber hinaus mit mystischen Inhalten gespickt, die im Gesamtbild klar überwiegen. Das Buch lebt zum einen von zahlreichen kurzen atmosphärischen Szenen, die mal spannend, mal unheimlich, aber in jedem Fall überraschend sind und zum anderen vom ewigen Rätseln, was es denn nun mit dem Ganzen auf sich hat. Schade ist, dass man nach langem Tappen im Dunkeln am Ende mit vielen offenen Fragen stehen bleibt. Zwar plant die Autorin einen Nachfolgeband, doch Teil 1 wirkt unausgereift und unbefriedigend, da sich der Sinn hinter der Bedrohung und die Gründe der Beteiligten nicht erschließen.

Darüber hinaus wirken viele Szenen arg konstruiert, einige unlogische Handlungen dienen offensichtlich nur dem Fortgang der Geschichte und oftmals ist es allein dem Zufall zu verdanken, dass die Erzählung überhaupt weitergehen bzw. zum Schluss kommen kann. Hierzu tragen natürlich auch die Hauptcharaktere bei, die zwar zu Beginn sehr sympathisch sind und einem schnell ans Herz wachsen, aber mit der Zeit immer häufiger unnachvollziehbar handeln, beispielsweise indem sie dem Bösen bewusst folgen oder es an anderer Stelle trotz direkter Möglichkeit nicht aufhalten. Das lässt nicht nur die Protagonisten naiv dastehen, sondern nimmt auch der Bedrohung einiges an Furcht und Spannung.

Der Schreibstil ist, speziell für einen Debütroman, zum größten Teil gut, lediglich die Dialoge wirken teils künstlich und sind von Wiederholungen geprägt. Speziell in der Mitte zieht sich das Buch zäh und langatmig dahin, da immer ähnliche Gespräche ablaufen und die gleichen Schlüsse daraus gezogen werden, während kaum Neues ans Licht kommt. Der Showdown reißt in dieser Hinsicht noch etwas heraus, ist aber leider bei Weitem zu kurz geraten.

Insgesamt ist das Buch locker zu lesen und von der Atmosphäre her teils grandios, weist aber leider auch längeren Leerlauf und einige Logikfehler auf. Es fehlt an Thriller-typischer Spannung oder alternativ an der (laut Klappentext vorhandenen) Sprengung der Grenzen der Vorstellungskraft. Durch die mystische Ebene sind die Geschehnisse nicht auf unsere Welt anwendbar und da sie zu sehr zurechtgebogen werden und zu künstlich wirken, fällt es darüber hinaus auch schwer, in die aufgebaute Fantasie-Welt einzutauchen.


Die Engelmacherin: Kriminalroman (Ein Falck-Hedström-Krimi, Band 8)
Die Engelmacherin: Kriminalroman (Ein Falck-Hedström-Krimi, Band 8)
von Camilla Läckberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessanter Krimi mit kleineren Schwächen, 4. Januar 2014
Ebba Stark und ihr Mann Mårten führten ein normales Leben in Göteborg, bis ihr Sohn Vincent plötzlich verstarb. Von diesem Moment an lebten die beiden in Scham, Schweigen und gegenseitiger Schuldsuche und beschlossen nach einigen Monaten, einen Neuanfang in Ebbas Elternhaus auf Valö zu versuchen. Das alte Haus, in dem Ebbas Vater früher ein Ferienheim geführt hatte, ist sichtlich verfallen, denn niemand hat sich groß darum gekümmert, seit ihre gesamte Familie vor 35 Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand. Zwei Erwachsene und drei Kinder wurden wie vom Erdboden verschluckt und nur die damals einjährige Ebba blieb zurück.
Als mitten in der Nacht die neue Bleibe der Starks in Brand gesetzt wird, kann sich niemand so recht vorstellen, wer dem armen Paar so etwas kurz nach dem schweren Verlust antun würde. Die Ermittlungen von Kommissar Patrik Hedström und seinen Kollegen führen zu nichts, bis Ebba und Mårten bei Renovierungsarbeiten eine gruselige Entdeckung machen, die ein neues Licht auf die Geschehnisse wirft. Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Vorfällen? Wer könnte dafür verantwortlich sein? Und was will diese Person bezwecken?

Die Geschichte verläuft auf zwei verschiedenen Zeitebenen. In sich abwechselnden Kapiteln geht es mal um die aktuellen Ereignisse rund um die Familie Stark und mal um die im Jahre 1908 lebende Dagmar, deren Mutter als "die Engelmacherin von Fjällbacka" bekannt wurde. Inhaltlich möchte ich hierauf nicht weiter eingehen, um nichts vorweg zu nehmen.
Vor allem in der ersten Hälfte des Buches sind diese Einschübe aus der Vergangenheit eine gern gesehene Abwechslung, denn die Ereignisse in der Gegenwart brauchen eine Weile, bis sie in Fahrt kommen. Bis zur Buchmitte ist der Inhalt zwar interessant zu verfolgen, doch lange Zeit kaum spannend oder gar fesselnd.

Der Hauptgrund hierfür sind Ebba und Mårten, die insgesamt eher fremd scheinen und recht uninteressant zu verfolgen sind, da lange Zeit, abgesehen von immer ähnlichen Gesprächen, nichts geschieht. Die triste Stimmung von und zwischen den beiden ist geradezu greifbar und sehr authentisch, wird aber schnell eintönig. Andere Personen sind dafür von Beginn an umso spannender und vielschichtiger. Neben Dagmar und ihren Verwandten wären da zum Beispiel die beinahe chronisch lügende Schriftstellerin Erica, ein skurriler Transsexueller und ein fremdenfeindlicher Politiker. Die Figuren wirken in der Art wie sie reden und sich verhalten natürlich. Auffällig sind zahlreiche unglückliche Menschen und daraus folgende berührende Situationen, durch die beim Lesen insgesamt eine recht negative Stimmung entsteht.
Die Charaktere sind nicht nur abwechslungs- sondern vor allem auch zahlreich. Wer Probleme hat, sich Personen einzuprägen, wird hier sicherlich das ein oder andere Mal durcheinanderkommen, denn bereits auf den ersten 50 Seiten tauchen 30 Personen auf (+ einige Kinder). Zwar gibt es ein Personenverzeichnis, doch dort fehlen viele Charaktere - darunter auch einige, die wichtig für die Geschichte sind.

Schön ist, dass man zwar immer wieder kleinere Hinweise bekommt, diese aber in einem perfekten Gleichgewicht zu neuen Rätseln und Geheimnissen auftauchen, sodass man permanent und bis zum Schluss Vermutungen aufstellt oder wieder verwirft. Die wahren Gründe bleiben lange unklar und sind auch eher nur in Ansätzen und nicht in ihrem vollen Umfang vorhersehbar.
Zu Camilla Läckbergs Schreibstil lässt sich nur Positives sagen: gelungene Dialoge, eine atmosphärische Beschreibung der Umgebung und sehr gute Satzlängen lassen die Seiten nur so dahinfliegen.

Weniger gelungen ist die Arbeit der Polizei an einer der wichtigsten Stellen - trotz drohender Gefahr und klarer Verdächtigung wird in Ruhe weiter beraten. Außerdem wird Ericas Lügen im Laufe des Buches zu stark und lässt sie nicht nur sehr naiv, sondern auch unsympathisch dastehen.

Insgesamt trotz kleinerer Schwächen eine Leseempfehlung für alle, die trotz einer negativen Grundstimmung und ohne "Spannung von der ersten Seite" Freude an Krimis haben.


Golem und Dschinn: Roman (hist. Romane)
Golem und Dschinn: Roman (hist. Romane)
von Helene Wecker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grandioser Anfang, LANGatmiger Mittelteil, fesselndes Ende, 6. Dezember 2013
Otto Rosfeld ist ein einsamer, unglücklicher Mann, der sich nichts mehr an seiner Seite wünscht als eine einfache Frau. Da die weibliche Welt sich allerdings herzlich wenig für ihn interessiert, gibt er kurzerhand einem Rabi den Auftrag, ihm eine intelligente und neugierige Golem-Frau zu erschaffen - ein Wesen aus Lehm, das ohne Widersprüche die Wünsche ihres Meisters erfüllt. Als das Wunder vollbracht ist, nimmt er den noch leblosen Golem mit an Bord nach Amerika, kommt aber schon kurz nach ihrer voreiligen Aktivierung ums Leben. Von diesem Moment an ist die frisch geborene Golem-Frau in einer für sie fremden Welt völlig auf sich alleine gestellt.
Zeitgleich wird ein Dschinn, ein Mann aus Feuer, der für mehrere Jahrhunderte in einer verbeulten Kupferflasche eingesperrt war, von einem Schmied beim Ausbessern des Familienstücks befreit. Durch seine lange Gefangenschaft hat er das meiste aus seinem alten Leben vergessen, erinnert sich aber noch an einen alten Hexer, der ihn vor langer Zeit durch eine Eisenschelle an die Gestalt eines Menschen gebunden und ihn in die Flasche verbannt hat.
Sowohl Golem als auch Dschinn müssen versuchen, ihre wahre Identität mit allen Mitteln zu verbergen und sich den neuen, ungewohnten Lebensbedingungen anzupassen, um im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht aufzufallen.

Die Charaktere in "Golem und Dschinn" sind durchweg gelungen gestaltet und jeder auf seine Art faszinierend. So werden nicht nur die Protagonisten aufwendig gezeichnet, sondern auch sämtliche Nebenpersonen mit ihrer Lebensgeschichte eingeführt. Statt die Gesamterzählung zu unterbrechen, bereichern diese Einschübe sie und werden im weiteren Verlauf der Geschichte wieder aufgegriffen.
Der Kontrast zwischen den Hauptcharakteren sorgt für eine interessante Ausgangssituation und Abwechslung, denn während Chava, der Golem, passend zu den Eigenschaften ihrer Spezies, eher schüchtern und unterwürfig ist, liebt Ahmad der Dschinn seine Freiheit, wird von seiner Neugierde gesteuert und von seiner Ungeduld beeinflusst.
Damit zusammenhängend hätten auch die Wahl von Ort und Zeit der Geschichte sowie die zahlreichen Einblicke in die damaligen Lebensverhältnisse nicht passender sein können, denn Chava eckt als körperlich starke, neugierige und tollpatschige Frau in der unemanzipierten Welt leicht an und auch Ahmad hat durch sein feuriges Inneres, seine Implusivität, seine Leidenschaft und seine Liebe zu Freiheit und Gefahr große Schwierigkeiten beim notwendigen Versteckspiel.

Obwohl beide Wesen alten Legenden und der Phantasie entspringen, wirken sie von Beginn an sehr überzeugend. Da die beiden zwar menschliche Eigenschaften haben, aber an vielen Stellen aus menschlicher Sicht wenig nachvollziehbar handeln, entsteht allerdings schnell das Problem, dass sich eine gewisse Distanz zu den Hauptcharakteren aufbaut. Das kann dazu führen, dass man einem Teil des Buches lieber folgt oder sich dahingehend steigern, dass man den anderen kaum genießen kann. Mir persönlich erschien der Golem oft zu unterwürfig und eintönig, während ich den eigenwilligen Charakter des Dschinns mit großem Interesse verfolgt und mir einige Male gewünscht habe, das Buch würde sich nur um ihn drehen. Da die Erzählperspektiven in den einzelnen Kapiteln immer wieder wechseln, kann es so passieren, dass man regelmäßig aus interessanten Szenen herausgerissen wird.

Der Stil des Buches ist ausgezeichnet. Ohne zu dick aufzutragen, entstehen wundervolle Bilder und eine dichte Atmosphäre, die Dialoge wirken durchgehend authentisch und sprachlich gesehen ist es leicht zu lesen, ohne oberflächlich zu wirken.

Insgesamt wirkt "Golem und Dschinn" mit seinen 623 Seiten sehr gestreckt und weist vor allem im Mittelteil zahlreiche Längen auf. Zu Beginn ist die Einführung von Personen, Orten und Grundstimmung noch sehr gelungen, doch bis zu einem lang ersehnten, entscheidenden Ereignis vergehen mehr als 200 Seiten, nur um anschließend die Spannung wieder für ähnlich viele Seiten herunterzufahren. Im letzten Drittel überspitzen sich die Ereignisse, fesseln ungemein, können aber kaum über die gähnende Leere zuvor hinwegtäuschen. Diese extreme Streckung ist sehr schade, da der Roman an sich sowohl inhaltlich als auch von den Charakteren, der Atmosphäre und dem Stil her grandios ist.

(Wegen dieser Langatmigkeit, die mich das Buch oft zur Seite legen lassen hat, und einigen anstrengenden charakterlichen Entwicklungen gebe ich abgerundete 3,5 Sterne, aber auch eine klare Leseempfehlung an all diejenigen, die nicht nur offen sind für eine interessante Mischung aus historischem Roman und Fantasy, sondern darüber hinaus auch mehr Geduld aufweisen als der Dschinn. ;))
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2015 4:39 PM CET


Nacht ohne Angst: Kriminalroman
Nacht ohne Angst: Kriminalroman
von Angélique Mundt
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Außergewöhnlicher Krimi mit zu wenig Spannung, 4. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Nacht ohne Angst: Kriminalroman (Taschenbuch)
Als Isabelle Drost, eine 26-jährige Patientin, die sich wegen starker Depressionen in stationärer Behandlung befand, bei einem nächtlichen Rundgang erhängt aufgefunden wird, gehen die meisten von einem Selbstmord aus. Einzig ihre Psychotherapeutin Tessa Ravens glaubt nicht, dass die junge Frau sich ausgerechnet zu dem Zeitpunkt das Leben nehmen würde, zu dem ein neues Medikament ihr sichtlich half. Nur kurze Zeit darauf kommt es zu einem weiteren Todesfall und diesmal ist ein Gewaltverbrechen nicht zu leugnen. Kriminalkommissar Torben Koster und sein Kollege Michael "Liebchen" Liebetrau nehmen sich dem Fall an und müssen schon bald feststellen, dass es in der Hamburger Universitätsklinik deutlich mehr Verdächtige gibt, als ihnen lieb wäre.

"Nacht ohne Angst" ist der Debütroman der deutschen Autorin Angélique Mundt und Auftakt einer Krimi-Reihe um die Protagonisten Tessa Ravens und Torben Koster. Das Besondere an dem Roman ist, dass er nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch den ein oder anderen fundierten Blick in die Psyche der Menschen bietet, da die Autorin selbst hauptberuflich als Psychotherapeutn tätig ist. So ist es ihr gelungen, nicht nur die Patienten, das Personal und die Abläufe in der Klinik glaubwürdig darzustellen, sondern auch einige interessante und leicht verständliche Definitionen von Diagnosen wie Schizophrenie oder Sozialer Phobie einfließen zu lassen.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn zu Beginn relativ viele Patienten auftauchen, die sich teilweise ähneln und so nicht immer leicht voneinander zu unterscheiden sind. Speziell Tessa Ravens wirkt in der Rolle der Psychotherapeutin sehr überzeugend und ermöglicht als Hilfsermittlerin Einblicke und Ermittlungsmethoden, die für den üblichen Krimi eher ungewohnt sind.
Schade ist, dass sowohl Tessa als auch Torben an einigen Stellen unprofessionell handeln und Offensichtliches übersehen, was zwar die Geschichte vorantreibt, aber ihr einiges an Glaubwürdigkeit nimmt. Außerdem ist die eingebundene Liebesgeschichte nur schwer nachvollziehbar, da sie sich in einer viel zu kurzen Zeit entwickelt (Liebesschwur nach 8 Tagen).

Der größte Kritikpunkt ist, dass der Leser zwar schnell Interesse für das Geschehen aufbaut, aber abgesehen vom unmittelbaren Ende wirkliche Spannung vermisst. Der Handlungsort Psychiatrie verspricht geradezu eine unheimliche Atmosphäre, doch diese greift leider kaum, da durch das gesamte Buch hindurch keine wirkliche Bedrohung spürbar ist. Sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Patienten fehlt die Angst, dass es noch jemanden treffen könnte sowie die Furcht um das eigene Leben. Darüber hinaus kommt außerdem das gegenseitige Verdächtigen oder zumindest das unvermeidbare Misstrauen untereinander bei weitem zu kurz.

Zusammenfassend ist "Nacht ohne Angst" ein guter Auftakt, dem es zwar an Spannung mangelt, der aber dennoch eine interessante, gut durchdachte, leicht zu lesende Geschichte und durch die psychotherapeutischen Einflüsse eine gern gesehene Abwechslung auf dem Krimi-Markt bietet.


KopfKino: Unglaubliche Welt
KopfKino: Unglaubliche Welt
von Thomas Dellenbusch
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Weder Mystik noch Kopfkino, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: KopfKino: Unglaubliche Welt (Taschenbuch)
"Unglaubliche Welten" ist das erste Buch aus Thomas Dellenbuschs Kopfkino-Reihe. Die Idee des Autors ist, nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen Geschichten zu bieten, die weder zu kurz, noch zu lang sind, um sich zum Vorlesen zu eignen. Geplant sind mehrere Bände, die jeweils vier "Spielfilme zum Vorgelesenwerden" aus einem bestimmten Genre beinhalten. Band 1 enthält Mysterygeschichten mit einer Länge von 31 bis 63 Seiten und einer Vorlesezeit von etwa 50 bis 120 Minuten.

Während die Idee, Menschen gemeinsam Geschichten erleben zu lassen, ihre Fantasie anzuregen und eine Alternative zum gemeinsamen Fernsehen zu bieten, genial ist, ist die Umsetzung leider weniger gelungen.

Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass die laut Klappentext versprochene "Spannung von der ersten Minute an" nicht eintritt. Die Geschichten plätschern nur so dahin, bieten keinerlei Anhaltspunkte zum Miträtseln und sind sehr stark von Beschreibungen und Erklärungen geprägt. So werden auch an sich spannende Szenen im Detail beschrieben, nacherzählt oder geplant, statt einfach erlebt. Etliche unwichtige Details wie Autos, Straßennamen, Richtungen, Kleidungsstücke, Raumdekorationen etc. werden genannt - doch was im Film wunderbar funktioniert, um die passende Atmosphäre zu erzeugen oder allgemein Menschen und Orte genauer zu beschreiben, wirkt in geschriebener Form erzwungen und langweilig. Zwar sollen all diese Beschreibungen dazu dienen, dass man sich die Umgebung und die Personen besser vorstellen kann, doch in dieser Art und Menge werden Leser und Zuhörer vielmehr jeglicher Phantasie beraubt und das Kopfkino gar nicht erst eingeschaltet.
Das Beschreiben-statt-Erleben und der Mangel an Miträtsel-Möglichkeiten sorgen dafür, dass keine der Geschichten wirklich dem Genre der Mystik zugeordnet werden kann. So gibt es zwar mysteriöse Anfänge und überraschende Geschichtsenden, doch insgesamt fehlt der spannende Aspekt der Undurchsichtigkeit, der Reiz mitzudenken und allem voran die passende Atmosphäre. Statt Spannung kommt Langweile auf, da der Leser lange Zeit keine Ahnung haben kann, was passiert, somit auch nicht die Möglichkeit hat, Theorien aufzustellen und anschließend auf unbefriedigende Weise alles auf engstem Raum erklärt bekommt. (Eine Ausnahme ist hier "Der Nobelpreis", der inhaltlich allerdings von vorneherein nicht der Mystery, sondern der Science-Fiction zugeordnet werden muss.)

Ein weiteres Problem ist die fehlende Tiefe der Charaktere. Sie zeigen kaum Emotionen und Wünsche, wodurch man weder weiß, was sie ausmacht, noch was sie antreibt. Zwar handelt es sich um relativ kurze Geschichten, doch sie sind zu lang, um sich derart an der Oberfläche zu bewegen. Statt zu schildern, welche Farbe der Mantel der Protagonistin hat, wäre es sinnvoller, ihren Charakter zu formen. So verfolgt der Leser lediglich leere Hüllen, die an einigen Stellen unnachvollziehbar handeln, Offensichtliches übersehen, sich klischeehaft entwickeln und darüber hinaus gesteltzt-künstlich reden (beispielsweise sprechen sie sich ständig mit Vornamen an: S. 59 "Was soll das, Basti?" [...] Ich verstehe nicht, Basti. [...] Das willst du nicht wissen, Basti").

Weiterhin tauchen trotz der Kürze der Geschichten einige Längen auf (speziell in "Das Testament"), sehr kurze Sätze und Satzteile sorgen für ein abgehaktes Vorlesen, an manchen Stellen fallen klischeehafte und abgenutzte Formulierungen sowie Wiederholungen auf, einige Szenen sind sehr konstruiert und unpassend, manche Teile gut geplant, während andere weniger durchdacht scheinen und die an sich gelungenste Geschichte des Buches "Der Nobelpreis" ist durch seine physikalischen Details zum Vorlesen eher ungeeignet.

Insgesamt verfehlt das Buch also nicht nur durch fehlende Mystik und ausgeschaltetem Kopfkino sein Thema, sondern wirkt auch inhaltlisch und stilistisch in vielen Punkten unausgereift. Schade, denn sowohl das Konzept der Buchreihe als auch die Grundideen mancher Geschichten sind mehr als interessant.


Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort
Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort
von Ned Beauman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Loeser contra omnes, 11. November 2013
"Nicht jeder kann es bis ganz nach oben schaffen. Unten muss es auch Menschen geben.(S.37)

Egon Loeser erlebt eine Enttäuschung nach der anderen und befindet sich in einer unendlich scheinenden Abwärtsspirale. Nicht einmal der größte Außenseiter in seinem Bekanntenkreis hat Zeit für ihn, die Frau, die er begehrt, interessiert sich nicht für ihn und überhaupt scheint ihm "die Errichtung eines weltweiten marxistischen Arbeiterparadieses ein maßvolles und erreichbares Ziel im Vergleich zu der geradezu lächerlich optimistischen Vision einer Welt, in der er, Egon Loeser, ab und zu tatsächlich in die Nähe einer nicht-käuflichen Vulva kommt"(S.25)
Es ist schwer zu sagen, um was es in "Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort" tatsächlich geht. Wer sich auf eine Science-Fiction-Story freut, wird maßlos enttäuscht sein. Wer Romantik sucht, ist ebenfalls fehl am Platz. Am ehsten könnten wohl diejenigen auf ihre Kosten kommen, die einen recht abstrakten Sinn für Humor haben, doch selbst das taucht im Buch leider nur gelegentlich auf.

Über 400 Seiten lang begleitet der Leser den extrem selbstbezogenen Egon Loeser, dessen Leben sich zum großen Teil um den Sex dreht, den er nicht hat. Während er in den 1930er Jahren eigentlich an einer "Teleportationvorrichtung" für das Theater arbeitet, verlässt er schon bald Berlin, um seine Angebetete obsessiv zu verfolgen.
Auf seiner Reise begegnen ihm nicht nur immer wieder alte Bekannte aus Berlin, sondern auch neue, teils recht außergewöhnliche und skurrile Charaktere wie beispielsweise ein Mann, der Bilder nicht von der Realität unterscheiden kann und daher mit der bloßen Abbildung eines Gorillas ringt.
Doch noch kurioser als so manch eine Person, sind die Situationen, in die Loeser unmittelbar verwickelt ist. So geht es unter anderem um altershemmende Affentestikel, die in einer aufwendigen Operation an die Frau gebracht werden sollen oder um einen spukenden Hausgeist, der nicht nur Gegenstände auftauchen, sondern sie auch völlig wahllos wieder verschwinden lässt.

"Nüchtern hätte das Loeser nur peripher tangiert, aber zwei Flaschen schlechten Rotweins hatten ihn in das emotionale Pendant zu einem jener seltsamen peruanischen Frösche verwandelt, deren Haut so durchscheinend ist, dass man ihre schreckhaften kleinen Herzen sieht." (S.22)

"[...] die Renovierungsarbeiten waren erst halb abgeschlossen, sodass einem die Farbflocken und Staubmäuse, Fäden und Polsterfussel, Spinnenweben und Splitter nach ein paar Stunden hinter der Bühne so dicht in Haaren und Kleidern hingen, dass man sich vorkam wie ein in Paniermehl gewendetes Kalbskotelett." (S.14)

Während der Roman sich sprachlich auf einem recht hohen Niveau befindet und durch Wortspiele, geschickte Formulierungen und einen insgesamt gelungenen Aufbau besticht, wirken sowohl Inhalt als auch Charaktere mehr schlecht als recht gestaltet. Ist der Anfang der Geschichte noch überraschend anders und stellenweise lustig, zieht sich der Rest des Buches unbeschreiblich langatmig dahin. Endlos scheinendes Geschwafel und zahlreiche leere Phrasen, zwischendrin ab und an eine nette Anekdote, doch insgesamt bleibt nur das Gefühl, das im Grunde nichts geschieht. Hierdurch wird auch der an sich gute Schreibstil schnell ermüdend, bis man sich irgendwann nur noch durch das Buch kämpft, in der Hoffnung doch noch auf einen roten Faden, auf eine durchgehende Geschichte, auf Spannung, mehr Witz oder verdammt nochmal endlich auf einen einzigen sympathischen Charakter zu stoßen. Vergebens. Das direkte Ende ist interessant, kann aber nicht über die gähnende Leere zuvor hinwegtäuschen.

Was hängenbleibt ist einzig das Gefühl, meine Zeit mit einem Buch verschwendet zu haben, das mir abgesehen von drei amüsanten Kurzgeschichten nichts außer Langeweile beschert hat. Da ich mich selten so durch ein Buch quälen musste, kann ich trotz gutem Stil und einigen lustigen Passagen nicht mehr als einen Stern vergeben.


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