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Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Unfinished Business
Unfinished Business

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was lange währt, wird gut, 16. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Unfinished Business (Audio CD)
Hinter "Unfinished Business" steckt das verschollene 2. Album von Johnny Crash, das 1990 als Nachfolger von "Neighbourhood Threat" aufgenommen wurde. Mit der Musik des Debütalbums unzufrieden, verliess Gitarrist August Worchell die Band, und wurde durch J.J. Bolt ersetzt. Außerdem wurde Schlagzeuger Stephen Adamo durch Matt Sorum ausgetauscht, und die Band verstärkte sich mit Keyboarder Dizzy Reed.

Der Sound ist nach wie vor so pur wie der von AC/DC, allerdings hatten Johnny Crash ihr Songwriting etwas variabler und vielschichtiger als zuvor gestaltet. Ganz so gnadenlos wie auf "Neighbourhood Threat" rockten sie nicht mehr, sondern eher etwas bluesiger und swingender. Der Opener "Damnation Alley" knüpft allerdings ungeachtet dessen ersteinmal knallhart an die Songs des Erstlings an, und haut mächtig rein. Zuerst hatte es mich etwas enttäuscht, dass Johnny Crash dann nicht mehr auf diese Geschwindigkeit beschleunigen sollten, aber das soll nicht bedeuten, das "Unfinished Business" in etwa qualitativ schlechter wäre als "Neighbourhood Threat". Mit Lieder wie "Monkey See, Monkey Do", "Mama Don't Care (What She Don't See)", "Livin' Above The Law", und "Ditch The Bitch", gibt es auch weiterhin AC/DC-mäßig bluesige, sleazige Rock N'Roller, mit mächtig rauen Riffs. Vorallem Sänger Vicki James Wright klingt in höheren Tonlagen mehr denn je nach Brian Johnson.

Aber abseits davon kann man auch deutlich wahrnehmen, dass das Songwriting etwas facettenreicher wurde: "Renegade" ist ein etwas getragener, ruhiger, sehr bluesiger Rocksong, "In The Groove" wird von einer Maultrommel eingeleitet, swingt ordentlich, und wirkt auf mich so, als ob AC/DC auf Aerosmith machen würden, "No Parole" ist intensiver Boogie-Rock, "Summer Daze" wird von Akustik-Gitarren flankiert, von Congas akzentuiert, einem etwas stampfenden Rhythmus getragen, und scheint eher in Richtung Cinderella und country-lastigen Swamp-Boogie zu gehen. An manchen Parts und Songs schienen Johnny Crash sich auch mehr in Richtung damals zukünftigem Guns N'Roses-Sound zu bewegen, was z.B. durch die Riffs von "Rock N'Roll Suicide" anklingt, ein Song, der zudem von Piano und Cowbell akzentuiert wird. Mit "When It Gets Hard" ist auch eine einfühlsame, tolle, etwas rustikale Ballade vertreten, die mich ebenfalls ziemlich an Guns N'Roses erinnert. Dabei sollte man allerdings bedenken, das "Unfinished Business" vor, sowie auch teilweise zeitgleich, und unabhängig von Guns N'Roses' "Use Your Illusion" aufgenommen wurde.

Bevor dieses 2. Album veröffentlicht werden konnte, wurden Johnny Crash von ihrem Label entlassen. Die Band konnte sich auf ein Fortbestehen nicht mehr einigen, und brach auseinander. Bassist Andy Rogers starb 1992 an einer Überdosis Heroin. Dizzy Reed und Matt Sorum wechselten bekanntermaßen gleich Anfang der 90iger zu Guns N'Roses. Gerüchten zufolge soll Axl Rose angeblich mit dafür gesorgt haben, dass dieses Album damals nicht mehr veröffentlicht wurde, da mit Dizzy Reed und Matt Sorum eben zwei neue Mitglieder von Guns N'Roses daran beteiligt waren.

Jahrelang habe ich mich darum bemüht, das Album irgendwie aufzutreiben, zu meinem persönlichen Glück wurde dieses Album 2007 ausgegraben, und 2008 veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden spitzenmäßig aufbereitet und überarbeitet, genauso super, wie der Sound des Debütalbums. Wer "Neighbourhood Threat" schon mochte, wird an "Unfinished Business" sicherlich auch Gefallen finden, Johnny Crash hielten am AC/DC-Sound, dem Feeling und der Attitude von "Nieghbourhood Threat" fest, wenngleich sie ihre Lieder etwas freier und vielfältiger gestalteten. Johnny Crash wirken auf mich hier mehr denn je wie eine sehr gute, harte, eigenständige Kreuzung aus AC/DC und Guns N'Roses. Qualitativ hätten Johnny Crash mit einem Album wie "Unfinished Business" ganz weit vorne mitgespielt. Vielleicht liegt ja da der Hund begraben ....
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2013 5:28 PM CET


Skin
Skin
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Striptease, 16. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Skin (Audio CD)
"Skin" ist das zweite Album der kalifornischen Wild-West-Rocker von Tattoo Rodeo, welches überraschenderweise 1995 veröffentlicht wurde, nachdem die Band Anfang der 90iger von Atlantic gedroppt wurde, und in der Versenkung verschwand. Für ihr zweites Album verstärkten sie sich mit Bassist Robert Berg, etwas mehr bluesigen Einflüssen, und rockten noch etwas mehr. Die auf dem Debütalbum allgegenwärtigen Country- & Western Elemente sind auf "Skin" weitestgehend verschwunden, ein Umstand der erst dafür gesorgt hat, dass mir das Album erst nicht so gefallen hat. Auch war ich aufgrunddessen der Meinung, dass sich Tattoo Rodeo ein bißchen am Grunge orientierten, was bei genauerer Beschäftigung mit "Skin" allerdings ein Trugschluss ist. Einzig ein toller, etwas melancholischer Song wie "Blackened" verweist musikalisch ein wenig auf den Zeitgeist des Grunge.

Im Prinzip setzten Tattoo Rodeo die musikalische und thematische Line von "Rode Hard Put Away Wet" fort, verzichteten aber, wie beschrieben, überwiegend auf offensichtliche Einflüsse von Country und lehnten sich weniger am Glam-/Hair-Metal an. Dadurch wurden sie rockiger und straighter, die Songs sind riff-betonter und kommen etwas mehr auf den Punkt. An manchen Stellen kann man noch eine Mundharmonika wahrnehmen, wie z.B. beim Southern Rock-mäßigen "Train", oder bei der recht ruhigen Ballade "Waiting For You". Weitere ruhigere Lieder, wie die von einem Piano getragenen "Chamber Of Mary's Gun" und "Charity", wecken Assoziationen an eine Gruppe wie Great White. Von den ruhigeren Lieder abgesehen, rocken Tattoo Rodeo sehr bodenständig, erdig, lässig, solide und etwas retrospektiv, was auch sehr gut zur bluesigen, charismatischen und etwas dunklen Stimme von Sänger Dennis Churchill-Dries passt.

Im Großen und Ganzen erinnert mich "Skin" - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - weniger an die 80iger, sondern mehr an die musikalische Zeit der 70iger, namentlich fühle ich mich an vielen Stellen an Lynyrd Skynyrd, Free, Foghat, Humble Pie, Mott The Hoople, Grand Funk Railroad, und sogar an Neil Young erinnert. Dieser Fokus auf Blues und Rock aus den 70igern könnte vielleicht meine voreilige Grunge-Einschätzung erklären.

"Skin" ist ein sehr guter Nachfolger, und beweist, dass die Band wirklich rocken kann. Das Album wirkt auf mich so, als ob man "Rode Hard Put Away Wet" komplett entkleidet und von allen Accessoires befreit hat - was ja der Titel gewissermaßen auch aussagt. Tattoo Rodeo begingen damit keinen Stilbruch, sondern schienen sich eher auf ihren Kern zu besinnen. Die Songs sind nach wie vor melodisch und offenbaren auch weiterhin etwas ihre AOR-/Melodic-Rock-Vergangenheit. Leider rissen Tattoo Rodeo damit überhaupt nichts mehr, woraufhin sie sich auflösten und endgültig untergingen. "Skin" ist ein tolles Hard Rock-Album, mit vielen Reminiszenzen an die 70iger, dessen vielerlei Einflüsse fest zusammengeschmiedet wurden.


Murderer's Row
Murderer's Row
Wird angeboten von crazydiamondrecords
Preis: EUR 9,50

4.0 von 5 Sternen Heavy Rock im Wilden Westen, 15. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Murderer's Row (Audio CD)
Murderer's Row waren eine Allstar-Hard Rock-Band, die 1996 ihr erstes und einzigstes Album veröffentlichte. Die Band bestand aus dem ehemaligen Giuffria- und Dirty White Boy-Vokalisten David Glen Eisley, Gitarrist Bob Kulick (W.A.S.P., Meat Loaf, MSG, Paul Stanley), Bassist Chuck Wright (Ted Nugent, Quiet Riot, House Of Lords, Giuffra), Schlagzeuger Jay Schellen (Hurricane), und Keyboarder Jimmy Waldo (Alcatrazz).

Spielerisch bewegten sie sich im kalifornischen Hard Rock-Gefilde, welches sie aber wesentlich härter, etwas eigenwilliger und etwas moderner auskleideten. Es ist kein Heavy Metal, die Musik von Murderer's Row weist aber einige metallische Elemente, wie bsp. etwas Zakk Wylde-mäßiges Riffing, auf, die geschickt in den Sound integriert wurden. Thematisch verfolgen sie dabei ein loses Konzept von amerikanischer Pionierzeit und Wilder Westen, was durch Lieder wie "Blood On Fire", "Suicide Saloon", Hangman's Moon", "Red Rain Fallin'", "Man In The Black Hat", "Skeletons In The Closet", u.a. ausgedrückt wird. Murderer's Row wirken auf mich da ein bißchen wie Ozzy Osbourne-meets-W.A.S.P. in einem Saloon eines amerikanischen Wüstenstädtchens. Das hat etwas und weiss durchaus zu gefallen, obwohl die Songs selbst nicht so ganz zünden und abgehen können. Die Lieder sind zwar gut ausgearbeitet, man merkt, das Profis am Werk waren, aber richtig mitreißen können sie mich nicht. Meiner Ansicht nach lebt die Platte besonders von David Glen Eisleys eindrucksvollen Vocals, auch Bob Kulick kann gewisse Akzente setzen und seine Klasse demonstrieren. Seine Gitarre drängt sich allerdings nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern dient überwiegend den recht harten Kompositionen.

Dass es Murderer's Row gab, habe ich nur beiläufig auf der Homepage von David Glen Eisley erfahren, seine Vocals gefallen mir so gut, dass ich mir mit viel Mühe deren Album aufgetrieben habe. "Murderer's Row" ist ein gutes, solides Hard Rock-/Heavy Metal-Album mit durchaus interessanten, wenngleich nicht hervorstehenden Songs, die eben vorallem von David Glen Eisley und Bob Kulick getragen werden. 3,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.


Rode Hard - Put Away Wet [Musikkassette]
Rode Hard - Put Away Wet [Musikkassette]
Wird angeboten von horizonsde
Preis: EUR 14,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wüstensand in Hollywood, 15. Dezember 2012
Tattoo Rodeo sind eine lang untergegangene und verschollene Band, deren amerikanischer Hard Rock stark von Country-Musik und Southern Rock geprägt wurde. Die Gruppe entstammte dem kalifornischen Burbank, wo sie sich Anfang der 80iger als AOR-/Melodic-Rocker White Sister zusammenfanden. Für die spätere Musik von Tattoo Rodeo, die eher nach dem Wüstensand von Arizona, New Mexico oder auch Texas klingt, eher ein etwas "unpassender" Ort, um solch einem Sound zu frönen. Andererseits klangen bsp. die ebenfalls aus Kalifornien stammenden CCR auch so, als ob sie direkt aus dem Bayou stammen würden. Geographie soll hier demzufolge natürlich kein Kriterium sein, um Musik zu bewerten. Denn die ist hier super.

Als der Keyboarder der besagten White Sister die Gruppe verliess, rekrutierten die verbliebenen Mitglieder um den E-Bass spielenden Sänger Dennis Churchill-Dries, Gitarrist Rick Chadock und Schlagzeuger Rick Wright, Pianist und Hammond B3-Spieler Michael Lord, und benannten sich in Tattoo Rodeo um. Mit dem Namenswechsel schien auch eine musikalische Neuausrichtung stattgefunden zu haben, hin in Richtung zu erwähntem Country-beeinflussten, bluesigen Hard-Rock auf "Rode Hard, Put Away Wet", der sich auch nicht allzuweit vom damals zeitgemäßen Sleaze-Rock befindet.

Allerdings darf man auf "Rode Hard ..." trotz eines kantigen und etwas eingeschmutzten Sounds keine klassische Glam-/Sleaze-Rock-Sause erwarten. Man kann im Songwriting die AOR-/Melodic-Rock-Vergangenheit von Tattoo Rodeo wahrnehmen, welche besonders bei den exzellenten Balladen wie "Been Your Fool", "Let Me Be The One" und "Tell Me Why" deutlich wird. Lieder wie der Opener "Strung Out", das bluesige "Sweet Little Vikki", das etwas glam-rockige "Blonde Amibition", "Love Shuffle", das schnelle "One Way Love", und die harten "Shotgun Johnny" und "Hard Like A Rock, zeigen dagegen eine etwas härtere Seite. Keyboards und Piano sind zugunsten etwas schneidiger Gitarren größtenteils in den Hintergrund getreten, omnipräsent sind allerdings die Country & Western-Einflüsse, die durch Mundharmonika, Honky Tonk und 12-Saiter ausgedrückt werden.

Sänger Churchill-Dries hat eine kräftige, bluesige Singstimme, die mich durchaus etwas an David Coverdale von Whitesnake erinnert. Seine Stimme verleiht Tattoo Rodeo neben den Country-Elementen auf jeden Fall das spezielle Etwas. Nichtsdestrotrotz kann man ohne Zweifel hören, dass die Band musikalisch den 80igern entstammt, wenngleich sie ein wenig aus dem Rahmen fallen. Ich finde, sie klingen trotz dieser Orientierung am US-Hard-Rock der 80iger ziemlich eigenständig, am ehesten erinnern mich Tattoo Rodeo vielleicht an Dirty White Boy oder auch ein wenig an Asphalt Ballet und Tangier.

Obwohl "Rode Hard ..." 1991 bei einem Riesen wie Atlantic Records veröffentlicht wurde, und einige Singles ausgekoppelt wurden, war Tattoo Rodeo damit jedoch kein Erfolg vergönnt. Wahrscheinlich war 1991 einfach zu spät für solch ein Album, das zwar Ecken und Kanten und bluesigen Rock aufweist, aber dennoch auch sehr hymnisch, fein und melodisch, und damit dem erfolgreichen Glam-/Hair-Metal nicht unähnlich ist. Als Konsequenz der Erfolglosigkeit verloren Tattoo Rodeo ihren Deal bei Atlantic und verschwanden in der Versenkung. 1995 erschienen sie überraschenderweise nocheinmal mit dem guten Nachfolger "Skin", bevor sie sich endgültig auflösten. Keyboarder Michael Lord setzte seine Karriere als Produzent, Songwriter und Musiker fort (u.a. Steel Panther, American Idol), während die verbliebene Band eine White Sister Reunion anstrebte, die, glaube ich, kein weiteres Album hervorbrachte. "Rode Hard ..." ist kein herausstehendes, umwerfendes Album, aber ein durchaus tolles Stück Rockmusik einer Band, die Substanz aufwies und etwas andere Wege ging.

- "Rode Hard Put Away Wet" ist übrigens ein Titel, der (auch wenn man es vermuten könnte) keineswegs anzüglich ist, sondern eine Phrase, die der amerikanischen Pionierzeit entstammt, und sich auf schwer beanspruchte und überanstrengte Pferde bezieht, die ohne Pflege abgestellt wurden.


Neighbourhood threat (1990) [Vinyl LP]
Neighbourhood threat (1990) [Vinyl LP]

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Crashkurs, 14. Dezember 2012
Johnny Crash waren eine Hard-/Sleaze-Rock-Band, die Ende 1987 in Los Angeles formiert wurde. Initiator der Gruppe war Gitarrist Christopher Stewart, der Sänger Vicki James Wright, der Mitte der 80iger zwei Alben der NWoBHM-Band Tokyo Blade einsang, für seine musikalische Vision gewinnen konnte. Wright machte sich Ende des Jahres 1985 auf den Weg vom verregneten England zu den hellen Lichtern von Los Angeles, um dort sein Glück in der damals angesagten Szene des L.A.-Glam-Rocks zu versuchen. Christoper Stewart brachte seinen Freund aus Kindheitstagen, und seinerzeitigen WWIII-Gitarristen, August Worchell in die Band mit ein, die von Bassist Andy Rogers und dem ehemaligen Rock City Angels-Schlagzeuger "Punkee" Stephen Adamo vervollständigt wurde.

Johnny Crash starteten in die Sunset-Strip-Szene von L.A., und es gelang ihnen, nach nur wenigen Monaten einen Plattenvertrag beim Major-Label CBS zu ergattern. Das "Besondere" an Johnny Crash ist, das ihr 1990 veröffentlichtes Debütalbum "Neighbourhood Threat" dem Sound von AC/DC auf das Ehrenvollste huldigt, ohne AC/DC selbst explizit zu kopieren.

Laut Gitarrist August Worchell machte die Band damit eine Metamorphose durch, weg von einem eher typischen 80iger L.A.- Glam Rock, hin zu einem bodenständigen, harten und verschmutzten Rock N'Roll à la AC/DC. Damit unzufrieden, verliess Worchell die Band alsbald nach Veröffentlichung und Tour. Warum er bis heute mit solch einem Album wie "Neighbourhood Threat" nicht glücklich ist, kann ich offen gestanden nicht nachvollziehen, denn es ist ein exzellent wunderbar-versautes Rock N'Roll-Album, das nichts von seiner Kraft und Energie eingebüßt hat. Natürlich, was Songwriting und Sound betrifft, lehnt es sich ziemlich an AC/DC an. Frönt man einem puren, reinen Rock N'Roll-Sound erreicht man nuneinmal schnell die klangliche Ebene von AC/DC, deren Sound gewissermaßen die Quintessenz des Rock N'Rolls darstellt. Doch guter Sound allein macht noch keine gute Platte aus, man muss dazu auch die richtigen Songs und Riffs mitbringen, und genau das taten Johnny Crash.

"Neighbourhood Threat" knallt demzufolge zwar total ins Kielwasser von AC/DC, bietet aber daneben zeitgemäß schmutzigen Rock N'Roll. Die Scheibe kommt so dermaßen dreckig daher, dass sie den Terminus "Sleaze" in der Tat mehr als nur verdient hat. In dieser Hinsicht kann man Johnny Crash vielleicht auch als L.A.- Sleaze Rock-Variante von AC/DC beschreiben. Richtig schnell rockt man zwar eher selten, aber immer heiß wie Hölle. Gekrönt wird das Ganze gewissermaßen von der whiskeygetränkten Reibeisenstimme Vicki James Wrights, der hier eine Rock N'Roll-Sangesleistung par exellence abliefert. Mit "Freedom Road" hat man sogar eine stimmige Ballade an Bord, die keineswegs aus dem Rahmen fällt. Ganz besonders gut gefallen mir noch das fiese "Sink Or Swim", das wuchtige "Crack Of Dawn", und das schnelle "Halfway To Heaven". Die Songs knallen auch heute noch, 22 Jahre nach Veröffentlichung, unglaublich frisch aus den Boxen, da wirkt nichts angestaubt oder veraltet.

Unmittelbar nach Veröffentlichung gingen Johnny Crash ausgiebig auf Tour, als Vorband für solche Gruppen wie Mötley Crüe, Bonham und Pretty Maids. Mit dem Opener und der Single "Hey Kid" ist auch ein kleiner Hit auf dem Album vertreten, dessen Videoclip bei MTV und Headbangers Ball auf Rotation ging. Dennoch entwickelte sich das Album aus kommerzieller Sicht zu einem Flop, was unter Umständen daran lag, das Johnny Crash zwar mit Mötley Crüe auf Tour gingen, das Label die Pressungen des Albums nicht in die Läden der Auftrittsorte hieven konnte. Solch ein Album wie "Neighbourhood Threat" hätte meines Erachtens durchaus einen größeren Erfolg verdient gehabt, leider fielen Johnny Crash, wie viele andere Bands auch, der Misswirtschaft ihres Labels zum Opfer.

Davon übriggeblieben ist "Neighbourhood Threat", ein exzellentes, hartes, kompromissloses und schmutziges Rock N'Roll-Album mit tollen Songs, das man durchaus als Hommage an AC/DC verstehen könnte. Wenn man hervorragende Gruppen dieses Metiers erwähnt, erwähnt man in der Regel auch Johnny Crash. Wer demzufolge auf Alben wie "No Fuel Left For The Pilgrims" und "Riskin' It All" von D:A:D, und auf Bands wie AC/DC, Jackyl, Kix, Rhino Bucket, aber auch auf Guns N'Roses, steht, wird mit "Neighbourhood Threat" sicherlich ein neues Lieblingsalbum finden. Mit "Cruisin' For A Bruisin'" gibt es noch einen schnellen Rock N'Roller, der leider nicht auf dem Album enthalten ist, sondern nur auf einem Sampler veröffentlicht wurde. "Neighbourhood Threat" ist ein Rock N'Roll-Album, das immer wieder sofort für gute Laune sorgt. Manchmal gibt es eben keine bessere Mucke als AC/DC oder eben Johnny Crash.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2013 5:51 PM CET


This Is Rock'N Roll
This Is Rock'N Roll
Wird angeboten von realmusicmore
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Weltvergessenheit, 2. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: This Is Rock'N Roll (Audio CD)
Komischerweise ist das dritte Album der Quireboys, das Album, das mir am Besten von ihnen gefällt - musikalisch ist dabei auch nach der Reunion im Jahre 2001 im Wesentlichen alles beim Alten geblieben. Die Band zockte nach-wie-vor etwas schmutzigen, unprätentiösen Hard Rock N'Roll britischer Prägung, nach dem Vorbild der Faces, Jeff Beck Group, Rolling Stones und Small Faces. Sänger Spike Gray erinnert natürlich ziemlich an Rod Stewart, aber ich vertrete dennoch die Auffassung, dass die Quireboys keinesfalls eine billige Faces-Kopie sind, sondern durchaus ihren ganz eigenen Charme inne haben.

Spikes Vocals klingen auf "This Is Rock N'Roll" immer noch nach Reibeisen in der Kehle, wenn auch etwas heiserer als anno dazumal. Der Sound ist so pur wie der von AC/DC, aber wesentlich wärmer und undurchdringlicher in seiner Dichte und Festigkeit. Piano und Organ umschmeicheln die Lieder und setzen hintergründig ihre Akzente, dezent verzerrte, raue Gitarrenriffs thronen dagegen etwas im Gesamtbild, was den Quireboys gut zu Gesicht steht.

Das Album ist von einer leichten Melancholie durchzogen, der sich auch balladeske und ruhige Lieder anschließen. Es ist klassische Rockmusik in ihrer ursprünglichen, original britischen Form, die zeitlos interpretiert wird. Die Scheibe wirkt kompakt und in sich geschlossen, die Songs wurden alle fein arrangiert und umgesetzt. Jede Komposition - ob rockiger oder ruhiger - betrachte ich als sehr gelungen. Beim Anhören von "This Is Rock N'Roll" fühlt man sich unweigerlich an einen verregneten, kalten und grauen Tag auf der britischen Insel erinnert, den man in einem behaglichen, warmen Pub beim Vergessen der Welt verbringt.


Tombstone Shuffle
Tombstone Shuffle
Preis: EUR 18,22

4.0 von 5 Sternen Great White ohne abgesägte Kanten, 1. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Tombstone Shuffle (Audio CD)
Im Jahre 2000 tauchte der ehemalige Great White-Bassist Tony Montana (betätigte mit einer kurzen Unterbrechung von 1987 - 1992 den Viersaiter bei den Westküsten-Rock N'Rollern) mit "Tombstone Shuffle", seiner ersten und bis dato auch einzigsten Soloveröffentlichung, wieder auf. Seine Matte hatte er nicht mehr, aber dafür erstklassige Hard-Rock Musik im Gepäck.

Musikalisch bewegt er sich dabei durchaus im Kielwasser des weißen Hais, wobei er jedoch mehr Kraft entwickelt und mehr Dreck aufnimmt, als die geschmeidigen und bluesigen Great White. Er zockt soliden, melodischen, etwas dreckigen Hard Rock, wobei er E-Bass und Gitarre überwiegend selbst eingespielt hat, und selbst hinter dem Mikro stand. Seine Vocals mögen nicht die Allerbesten im Hard Rock sein, er scheint mir aber ein recht guter, charismatischer Rock N'Roll-Sänger zu sein, der sich stimmlich gut in Szene zu setzen weiss.

Der Sound ist nicht unbedingt ausbalanciert, teilweise etwas platt und eher als nicht sonderlich gut zu bewerten, aber durchaus auch kantig und an manche Stellen recht druckvoll. Solch raue Rockmusik sollte natürlich nicht überproduziert werden, der pure, etwas billige Klang ist da nicht unbedingt so fehl am Platze. Den überwiegend harten, bluesigen, aber auch melodiösen Rock N'Roll-Songs gerät er auf jeden Fall nicht zum Nachteil. Auf "Tombstone Shuffle" tummeln sich jede Menge davon, die allesamt gut rüberkommen. Mit Ausnahme des Titelsongs, dem rock n'rolligen "Thunderbird" und dem Acoustic-Blues "Shuffle '97" werden die Außenbordmotoren eher weniger ins Wasser gelassen, soll heißen, die Lieder befinden sich überwiegend im rockigen Mid-Tempo-Bereich. Mit "Prayer" und "One By One (Bring In The Rain)" gibt es daneben auch sehr stimmungsvolle, gute Balladen; besonders letztere stellt für mich ein Highlight dieser Scheibe dar. Solch ein Song hätte sich sicherlich auch auf einem Great White-Album sehr gut gemacht.

"Tombstone Shuffle" ist kein essentielles Blues-/Hard Rock-Album, aber doch ein sehr gutes, dass ich immer Mal wieder gerne höre. Wer auf kantigen, bluesigen Hard Rock zwischen Cinderella, Guns N'Roses, Great White, Rolling Stones und Thin Lizzy steht, macht mit "Tombstone Shuffle" sicherlich nicht viel verkehrt.


Back from the Dead
Back from the Dead
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überraschend heftige Rückkehr, 28. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Back from the Dead (MP3-Download)
Adler ist die neue Band von ex-Guns N'Roses-Schlagzeuger Steven Adler, die er Anfang 2012 mit Sänger/Gitarrist Jacob Bunton (Lynam/ex-Mars Electric), Bassist Johnny Martin und seinem Adler's Appetite-Mitstreiter, Gitarrist Lonny Paul, gegründet hat. Oft habe ich lesen dürfen, Steven Adler würde nichts mehr auf die Reihe kriegen, eine Behauptung, die nicht eben aus der Luft gegriffen wurde. Immer wieder wagte Steven Adler neue Anläufe, ging mit Adler's Appetite regelmäßig auf Tour, wechselte seine Mitmusiker noch regelmäßiger aus, und landete aufgrund seiner langjährigen Drogenabhängigkeit immer wieder in Entzugsanstalten. Selbst als er damit begann sich wieder konsequenter aufzuraffen, seine Biographie veröffentlichte, mit Adler eine neue Band aufstellte, und (endlich) ein vollständiges Album ankündigte, gab es sofort genug Kommentare, dass dies sowieso nichts wird. Aber ... Pustekuchen!

Am 26. November 2012 wurde jetzt das Adler-Debütalbum "Back From The Dead" veröffentlicht, und was für ein Album das ist!

Steven Adler baut zwar nach-wie-vor auf seiner musikalischen Vergangenheit auf, besonders die bereits im April 2012 veröffentlichte Single "The One That You Hated" erinnert klanglich an frühe Guns N'Roses und 80iger Jahre Rock, doch scheint er nun mit den Dämonen seiner Vergangenheit Frieden geschlossen zu haben. "Back From The Dead" ist ein überraschend modernes, zeitgemäßes, hartes Rock N'Roll-Album, das druckvoll und kantig von Jeff Pilson (Dokken) produziert wurde, der auch den E-Bass einspielte und sich am Songwriting beteiligte. Die vorab veröffentlichte, sehr tolle Single könnte da einen etwas falschen Eindruck vermitteln; ich hatte mit einem Album gerechnet, das etwas retrospektiver ausfällt.

Doch daran scheinen Adler keineswegs zu 100 % gedacht zu haben, bereits die ersten Riffs des eröffnenden Titelsongs drücken den geneigten Hörer regelrecht an die Wand, nachdem das bluesige Akustik-Intro eher an Hillbilly/Country bzw. einem Intro zu einem Cinderella-Album denken lässt. Angesichts dieser harten Riffs sind mir ganz spontan Beautiful Creatures eingefallen, die bereits vor mehr als einer Dekade den klassischen Hard-Rock aufbereitet, und hart, kompromisslos und modern interpretiert haben.

Selbiges machen Adler - man kann Aerosmith, Guns N'Roses, Kiss, Rolling Stones und 80iger-Jahre Hard Rock im Sound wahrnehmen, besonders die hymnenhaften Refrains wecken Erinnerungen an die Hochphase des Glam-/Sleaze Rock. Doch spielen sie diesen viel härter, kantiger, erdiger und wesentlich moderner, eben vollkommen frisch und zeitgemäß. Ganz so gnadenlos wie Beautiful Creatures fräsen sie sich dabei jedoch nicht durch die überwiegend harten Rock N'Roller, die vom Härtegrad ein wenig an Gruppen wie Korn, Marilyn Manson und White Zombie erinnern, aber dennoch sehr straight und auch melodisch, eben reinrassiger Hard Rock sind. Ex-MM-Gitarrist John 5 gibt übrigens ein Gastspiel auf dem modernen Rocker "Good To Be Bad". Adlers alten Kumpel Slash kann man auf der Ballade "Just Don't Ask" hören, mit "Waterfall" und "Your Diamonds" gibt es noch zwei weitere Balladen, wobei besonders letztere sich ziemlich an der Hochphase des Glam Metal zu orientieren scheint. Ansonsten wird hart gerockt, wobei "The One That You Hated" wie beschrieben noch am ehesten direkt an frühe Guns N'Roses und die vorangegangene "Alive"-EP von Adler's Appetite erinnert. Im Refrain scheint man ein bißchen bei Bon Jovi abgeguckt zu haben, nichtsdestotrotz ein super Song. Manche Elemente des Albums konnte man diesbezüglich schon an anderen Stellen hören, das Rad wird mit "Back From The Dead" schlichtweg nicht neu erfunden.

Beim ersten Durchlauf war ich noch etwas unschlüssig, weil ich erst meine vorher gehegten "retrospektiven" Vorstellungen abschütteln musste, doch seitdem steigt mit jedem Hören meine Begeisterung für "Back From The Dead". Die Band scheint gut aufeinanderabgestimmt zu sein, Sänger Jacob Bunton hat eine etwas tiefe, charismatische Singstimme, die Gitarren brettern ordentlich los, und Steven Adlers Schlagzeugspiel ist überwiegend so minimalistisch und prägnant wie man es von ihm kennt - nur dass er dieses Mal wieder richtig draufklöppelt, was auch durch die kräftige Produktion gut herauskommt. Was aber nicht bedeuten soll, dass das Album eine Steven Adler-Selbstbeweihräucherung wäre, das Gegenteil ist der Fall. "Back From The Dead" ist ein rundrum gelungenes Album, mit dem es Steven Adler gelingt, sich von seiner Vergangenheit zu befreien, ohne diese jedoch zu verleugnen. Für mich wäre es wünschenswert, wenn Adler in dieser Besetzung noch weitere Alben auf diesem Level abliefern. 4,5 Sterne.


Dynamite from nightmareland (1990)
Dynamite from nightmareland (1990)
Wird angeboten von realmusicmore
Preis: EUR 15,49

5.0 von 5 Sternen Musikalisches Dynamit, 25. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Dynamite from nightmareland (1990) (Audio CD)
Kill For Thrills waren die Band von Sänger-/Gitarrist Gilby Clarke, der heutzutage nur noch durch sein Gastspiel bei Guns N'Roses bekannt ist. Das er als Rock N'Roll-Musiker und Songwriter einiges drauf hat, bewies er nicht erst mit seinen Soloalben, sondern bereits mit dem superben Debüt "Dynamite From Nightmareland" seiner Band Kill For Thrills, welches ein fantastisches Stück 80iger Jahre-Glam-/Sleaze-Rock ist. Die typische Hollywood-Rock N'Roll-Truppe sind Kill For Thrills jedoch nicht gewesen: die Band spielt eine sehr feine, melodische Mischung aus kantigem Sleaze- und Glam Rock mit geringen Anleihen an AOR/Melodic- und Hard Rock à la Thin Lizzy. Das mag sich jetzt etwas seltsam anhören, funktioniert aber hervorragend.

Hier einige Songs herauszupicken und sie hervorzuheben ist schwer, denn es gibt keinen auch nur ansatzweise schwachen Titel auf "Dynamite from Nightmareland". Einzig der damalige CD-Bonus-Track "Silver Bullets" von der vorangegangen "Commercial Suicide"-EP fällt meiner Ansicht nach ein wenig ab. "Dynamite from Nightmareland" ist ungeachtet dessen ein Sleaze/Glam Rock-Album von außergewöhnlich guter Klasse dessen Dichte an Hard Rock-Ohrwürmer beachtlich ist. Einen Song, den man vielleicht herausheben könnte, wäre "Motorcycle Cowboys", gewissermaßen der alleinige Überlebende in den heutigen Setlists von Gilby Clarke in der prä-Guns N'Roses-Geschichte. Es ist ein quintessenzieller, melodischer, aber auch rauer, kantiger Sleaze-Rocker, der Clarke's Liebe für Motorräder hervorhebt.

Das Album lebt auch von der tollen Stimme von Gilby Clarke, dessen angenehme, charismatische, etwas raue Vokals super zum melodisch-rauen Hard Rock passen. Das Album ist durchweg genial zum Anhören, (fast) jedes Lied ist eine Rock N'Roll-Hymne für sich. Die einzigartige Mischung des Glam-/Sleaze Rock mit glatten AOR-Melodien und Beatles-mäßigen Harmonien ist mir so intensiv noch nie untergekommen. Die Band spielte zeitgemäß rau und schneidig, aber immer mit einem fantastischen Gespür für Melodien. Ganz egal, ob man beim Autofahren abrocken möchte, oder sich einfach nur hinsetzen mag um der Musik zu lauschen, "Dynamite From Nightmareland" eignet sich für beides. Die wirklich großartigen Melodien und Harmonien laden dazu ein, sich einfach zurück lehnen und der Musik zu lauschen, schnittige Gitarrenriffs und ein knallendes Schlagzeug sorgen für den harten Rock N'Roll-Faktor.

Leider legte die Band nur dieses Album vor, denn Gitarrist/Sänger Gilby Clarke ging ja bekanntermaßen zu Guns N' Roses, um dort Izzy Stradlin zu ersetzten. Die Meisten dürften heutzutage gar nicht wissen, was für eine Scheibe an brillantem Hard Rock hinter dem etwas komischen Albumtitel steht. So fern man diese Band überhaupt noch kennt, denn bedauerlicherweise ist der Name Kill For Thrills nur noch eine winzige Fußnote in der Geschichte von Guns N'Roses. Der "Commercial Suicide" sollte sich leider bewahrheitet haben, aber durch eben diese Fußnote könnte man auf Kill For Thrills aufmerksam werden. Ich bin irgendwann zufällig über die Platte gestolpert, und war ganz überrascht, dass es überhaupt eine Veröffentlichung unter dem Namen "Kill For Thrills" gab. Klare Sache, ich müsste diese Scheibe verhaften. Enttäuscht wurde ich nicht, im Gegenteil, ich war nochmals überrascht, wie abgefahren und superb "Dynamite From ..." ist. Jeder, der auf die Soloalben von Gilby Clarke fliegt, oder gar dem 80iger Hard Rock ein generelles Interesse entgegenbringt, wird sich hier sicher wohl fühlen, und eine neue Lieblingsscheibe finden können.

Unmittelbar nach Veröffentlichung von "Dynamite From Nightmareland" verschwanden Kill For Thrills von der Bildfläche, es erging ihnen auch nicht anders als sovielen Bands, die der Politik ihrer Plattenfirmen und dem sich veränderten Zeitgeist zum Opfer fielen. Der Mangel an Erfolg machte sich leider auch bei Kill For Thrills bemerkbar. Zu "Brother's Eyes" gab es übrigens einen Videoclip, der die Musik gut widerspiegelte. Wie es aber schon so oft der Fall war, zählt intelligente Musik und spielerisches Können nichts, wenn es darum geht, Platten zu verkaufen. Die Band war auch optisch ein wenig unauffällig, ein Aspekt, den man in der Sleaze- und Glam-Szene nicht unbedingt bedienen sollte. Einerseits schade für die Band, andererseits aber auch wieder gut für jemanden wie mich, denn so habe ich ein verlorenes Album entdeckt, das wie ein Glühwürmchen in der Dunkelheit leuchtet. Damit möchte ich nichts gegen die anderen Vertreter des 80iger Hard Rock schreiben, ich stehe unheimlich auf viele dieser Glam-/Sleaze-Rockgruppen, doch Kill for Thrills spielten da irgendwie auf einem anderen Level. "Dynamite From Nightmareland" ist eben eine dieser endgeilen Scheiben, die kaum ein Mensch mehr kennt.

Es ist eine Schande, dass diese Band nie dazu kam, ein zweites Album aufzunehmen und zu veröffentlichen. Gilby Clarke wechselte dann ja bekanntermaßen zu Guns N'Roses, und war auch darüberhinaus der Gitarrist an der Seite von Slash bei seiner Band Snakepit, bevor er eine Solokarriere in Angriff nahm. Clarke gehört heute wohl zu den bekannteren Rockmusikern, die besondere Rock N'Roll-Musikalität von Kill For Thrills sollte er jedoch nie wieder ganz erreichen. Todd Muscat schloss sich der Band Junkyard an, um das zweite Album der Band miteinzuspielen, und ist auch heute noch Mitglied der Band, während Jason Nesmith heute noch als Solokünstler unterwegs ist.


Commercial Suicide
Commercial Suicide
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 33,95

3.0 von 5 Sternen Vorgeschmack aufs tolle Album, 25. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Commercial Suicide (Audio CD)
Der Gitarrist und Sänger von Kill For Thrills, Gilby Clarke, der aus Ohio nach Los Angeles kam, spielte in der Zeit vor der Gründung der Band bei den Power-Pop-/Glam-Rockern von Candy, jene Band, aus der später die Sleazerock-Gruppe Electric Angels hervorging. Weitere Mitglieder von Kill For Thrills hatten bereits Familie im Musikgeschäfts: Bassist Todd Muscat, dessen jüngerer Bruder Brent Muscat bei Faster Pussycat die Gitarre betätigte, und Gitarrist Jason Nesmith, der der Sohn eines Monkee ist. Das Line-up wurde mit Schlagzeuger David Scott vervollständigt.

Wie die Geschichte so läuft, brauchten Kill For Thrills 1988 nur einen einzigen Auftritt in Hollywood zu spielen, um sich einen Plattenvertrag bei dem Riesen von MCA zu sichern. Guns N'Roses starteten gerade voll durch, und die Plattenlabel stürzten sich auf alles, was sich in der Sunset-Strip-Sleaze-Rock-Szene so herumtrieb, in der Hoffnung, den gigantischen Erfolg von Guns N'Roses irgendwie zu kopieren. Als Vorgeschmack auf Kill For Thrills wurde 1988 gleich eine EP der Band mit Namen "Commercial Suicide" bei einem Independent-Label veröffentlicht.

Neben dem sensationellen Debüt ist "Commercial Suicide" das einzige offizielle Tondokument von Kill For Thrills. Auf dieser 5-Song-EP erlaubte sich die Band ein paar gewagte, experimentelle Ausflüge.

Den Einstieg macht allerdings der Titelsong "Commercial Suicide", der später auch auf dem Debütalbum enthalten war, und bereits den typischen Kill For Thrills-Sound erkennen lässt. Anschließend kommt dann "Silber Bullets" um die Ecke gerumpelt, ein Song, der schon damals die Handschrift einer typischen Gilby Clarke-Solonummer aufweist, aber leider etwas unstrukturiert und chaotisch wirkt.
Die Reggae-Nummer "I Wanna Be Your Kill" überrascht dann mit einer Karibik-Atmosphäre, die für eine harte L.A.-Rock-Combo doch recht ungewohnt wirkt. Der Song ist eine nette Spielerei, aber sehr viel mehr leider auch nicht, da gibt es weitaus bessere Sachen im Reggae. "Danger", Song Nr. 4, haut dann allerdings voll rein: es ist eine straighte Up-Tempo-Sleaze-Rock-Granate im klassischen Hollywood-Rock-Stil. Auch die insgesamt etwas dünn geratene Produktion kann diesen Sunset-Strip-Burner nicht seiner Intensität berauben. Schneidende Gitarren treffen auf einen ins Ohr gehenden Refrain und Gesangslinien mit hohem Wiedererkennungswert, ohne veraltet oder verstaubt zu wirken. So typisch L.A.-Metal/-Rock sollten Kill For Thrills allerdings nicht wieder sein. Den Abschluss macht das an David Bowie erinnernde Elvis Costello-Cover "Pump It Up", das einen latenten Glam-Rock-Vibe der 70iger verströmt, aber auch etwas rumpelig wirkt und scheinbar ziellos durch die Gegend steuert.

Klanglich und stilistisch waren Kill For Thrills doch ein wenig seltsam platziert in der damaligen Rock N'Roll-Szene: waren typische Vertreter des Glam-/Sleaze-Rock der 80iger Jahre überwiegend vom Glam-Rock der 70iger, von Power-Pop, von Van Halen, oder auch von Aerosmith, AC/DC und Blues, beeinflusst, lagen Kill For Thrills irgendwo dazwischen, nahmen aber noch weitere Elemente der Rockmusik in ihren Sound mit auf. Ihre feine Rock N'Roll-Mischung sollte auf ihrem ersten Album sehr viel deutlicher zutage treten - "Commercial Suicide" bietet da einen ganz guten Vorgeschmack auf das folgende Debütalbum, der zweifellos Lust auf mehr macht. Hat man das Album, stellt die EP eine nette Ergänzung, aber kein Muss dar. Einzig "Danger" wäre dann vielleicht ein Song, den man noch unbedingt haben müsste.


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