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Rezensionen verfasst von
Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Tear The House Down
Tear The House Down

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harte Vertonung des L.A.-Metal, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Tear The House Down (Audio CD)
Hericane Alice sind eine längst untergegangene Hair-/Sleaze-Metal-Band, die schon 1984 in Minneapolis gegründet wurde. Die Band veröffentlichte bereits 1986 ein Album unter dem Namen "Hurricane Alice", was später allerdings zu rechtlichen Komplikationen mit den Melodic-Metallern von Hurricane führte, woraufhin der Name für das Album "Tear The House Down" zu Hericane Alice geändert wurde. Bevor dies geschehen konnte, siedelte die Band 1988 von Minnesota nach Kalifornien um, angezogen von den hellen Lichtern Los Angeles'. Dort wechselte mit Ausnahme von Sänger Bruce Naumann die komplette Besetzung der Band, die das Interesse des altehrwürdigen Labels Atlantic bereits vorher wecken konnte. 1990 wurde schließlich das Album "Tear The House Down" bei Atlantic unter dem Namen Hericane Alice veröffentlicht.

Das Album zeigt eine gereifte, routinierte L.A.-Metal-Band, die ihren sonnigen Gute-Laune-Rock zielsicher und geschmeidig abgeliefert hat. Musikalisch bewegte man sich zwischen Dokken, L.A. Guns, Ratt und frühen Van Halen, und kommt insgesamt etwas in die Richtung von Skid Row. Man kann sicherlich sagen, dass Hericane Alice eine typische Hair-Metal-Band dieser Zeit mit hymnischen Refrains und viel Melodie waren, doch finde ich auch, dass sie im Vergleich zu vielen glamourhaften, pompösen Bands dieser Zeit durchaus bodenständig und erdig rüberkommen. Ein Eindruck, der durch viele rockige Lieder und scharfen, etwas rauen Riffs, die nahezu ungefiltert aus den Lautsprechern tönen, entstand. Zudem finden Keyboard-Klänge nur hintergründig und etwas versteckt statt. Mit der Power-Ballade "Dream Girl", dem balladesken "Too Late", und dem bluesigen "I Walk Alone", gibt es zwar ein paar ruhigere Songs, aber ansonsten wird schön engagiert gerockt. Speziell der Opener "Wild, Young & Crazy", der Abgeh-Feger "Tear The House Down", Badboy Breakout", das melodiöse "Need A Lover" und das aufgewühlte "Shake, Shake, Shout", können standesgemäß auskehren. Sänger Bruce Naumann singt und kreischt nicht nur in höheren Tonlagen, sondern packt auch mal die Reibeisen aus. Solch einen Sänger hatte man damals für eine Rock N'Roll-Gruppe einfach benötigt, doch leider konnten Hericane Alice mit ihrem Atlantic-Debüt keine wirklich großen Erfolge feiern und verschwanden Anfang der 90iger in der Versenkung.

"Tear The House Down" ist eine Platte, die ich schon mehr als ein halbes Leben bei mir zuhause herumfahren habe, und obwohl ich sie früher ganz gerne gehört habe, habe ich sie erst viel später wirklich zu schätzen gelernt. Schade, dass man von dieser Band in dieser Form nichts mehr zu hören bekam. Hericane Alice mögen vielleicht eine typische L.A.-Metal der 80iger gewesen sein, aber eine überdurchschnittlich gute, die wusste, wie man mit Lust am Leben rockte. Der Unterschied zu anderen, herausragenden Bands dieser Zeit, ist, dass Hericane Alice einfach von der breiten Masse ignoriert wurden. 4 Sterne mit Tendenz zu 5.


Night Songs
Night Songs
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Morgendämmerung des Sleaze Rock, 31. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Night Songs (Audio CD)
Die amerikanische Hard-Rock-Gruppe Cinderella wurde 1983 in unmittelbare Nähe von Philadelphia von Sänger/Gitarrist Tom Keifer und Bassist Eric Brittingham gegründet. Die Band mühte sich eine ganze Zeit lang in den verschiedensten Absteigen und Clubs von Philadelphia ab, bis eines Tages im Jahr 1985 Jon Bon Jovi in einen derartigen Club spazierte, die Band auftreten sah, und von der Band so beeindruckt war, dass er ihnen daraufhin einen Plattenvertrag bei einem Major-Label vermittelte. Mit dem Abschluss des Vertrages drehte sich das Besetzungskarussell von Cinderella eine Weile, bis sich mit Gitarrist Jeff LaBar und Schlagzeuger Fred Coury, der auf den Aufnahmen indess nicht zu hören ist, ein festes Line-Up herauskristallisierte. Im Sommer des Jahres 1986 wurde dann schließlich das Debüt veröffentlicht, "Night Songs".

Man sollte sich von dem damaligen Outfit der Band, das auf dem Cover zu sehen ist, nicht täuschen lassen: Cinderella gleiteten zwar auf der Welle des 80iger Hair-/Glam-Metals, doch sie hatten einen etwas anderen Sound. Ihre Musik stellt eine melodiöse, raue Rock N'Roll-Mischung aus AC/DC und Aerosmith dar, die nur geringe Anleihen an polierten Glam Rock aufweist. Die whiskeygetränkten, schrillen Vocals von Tom Keifer klingen in höheren Tonlagen zudem ziemlich nach denen von AC/DC-Sänger Brian Johnson, obwohl sie durchaus ihre eigene Charakteristik besitzen. Aber nicht nur der Sound allein könnte Anhängern von Rock N'Roll amerikanischer und australischer Prägung gefallen, auch die ungestümen, furiosen Songs bieten eine tolle, eigenständige Kreuzung aus dem Wumms und der Energie von AC/DC, sowie dem Pomp und dem Groove von Aerosmith. Der Blues bietet hier nur den Grundstein für die Lieder. Vereinzelt schimmern auch ganz dezent Black Sabbath, Judas Priest und frühe Def Leppard durch. Besser waren selbst Skid Row mit ihrem Debütalbum nicht.

Cinderella klingen weniger nach Sonne, Sommer und Strand in Kalifornien, sondern mehr nach Rock N'Roll von der Straße, der nachts in einer heruntergekommen Absteige einer grell erleuchten Amüsiermeile, die von Benzin- und Whiskey-Dämpfen durchzogen ist, dargeboten wird. Immer wieder schimmert ein leichter Anflug von Düsternis durch die Lieder, keine Melancholie, sondern eher eine etwas aggressive Dunkelheit. Die Produktion von Andy Johns (Led Zeppelin, Rolling Stones, Free, Humble Pie) ist prima, sie versucht gar nicht erst, Cinderella zu zähmen, obwohl man klanglich natürlich auch 80iger und grellen Neon-Dschungel wahrnehmen kann. Nichtsdestotrotz werden die scharfen Riffs von einem rauen und vollen Sound transportiert, der auch jede Menge Ecken und Kanten aufweist, und 2006 sicherlich genauso aufregend klang wie 1986, und 2026 bestimmt auch noch aufregend klingen wird. Also, zumindest für mich.

Die starke Ballade "Nobody's Fool", MTV-Präsenz, und Touren mit Poison, David Lee Roth und Bon Jovi, sorgten für einen schnellen Aufstieg und großen Bekanntheitsgrad der Band, der einen riesigen Erfolg für "Night Songs" ermöglichte. Das Debütalbum von Cinderella ist ein tolles Stück Rockmusik, das nicht nur 80iger-Rock-Enthusiasten gefallen könnte. Betrachtet man die damalige Medienpräsenz, und bezieht die raue Rock N'Rollmusik von "Night Songs" mit ein, schienen Cinderella den G n'R-Sleaze-Wahn etwas vorweggenommen zu haben.


Voodoo Highway (US Import)
Voodoo Highway (US Import)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mississippi Delta Blues auf dem Weg in die rockigen 80iger, 31. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Voodoo Highway (US Import) (Audio CD)
Nachdem ich immer nur das Beste über Badlands gelesen habe, bin ich irgendwann regelrecht neugierig geworden, und habe mir letztes Jahr mal ihre Alben besorgt. Nach all den Schwärmereien in Superlativen war ich offen gestanden erst doch ein bißchen enttäuscht. Was hier allerdings nicht bedeuten soll, dass Badlands in etwa schlecht wären. Man kann zweifellos sofort hören, dass auf dem Debüt und "Voodoo Highway" Könner und Profimusiker am Werke sind. Man darf nur keine Powerrock-Sause erwarten, denn Badlands gingen viel filigraner zu Werke.

Badlands spielten bluesigen, etwas aufgekratzten Hard Rock in der Schnittmenge von frühen Bad Company, Led Zeppelin und Free, mit geringen Anleihen an Jimi Hendrix, Robert Johnson, Muddy Waters und Foghat, der auf mich auch ein wenig den Eindruck macht, als ob er ein bißchen für die 80iger US-Hard Rock-Szene aufbereitet wurde. Badlands haben ihren ganz eigenen Stil, erinnern mich musikalisch aber ein wenig an weitere exzellente, von Blues beeinflusste Rockgruppen der 80iger wie Great White oder Tangier. Wobei Badlands durch einen erdigen, kratzigen Gitarrensound und prägnantem Riffing etwas bissiger sind. Hervorstehend für den Badlands-Sound sind Gitarrist Jake E. Lee, der seine Fertigkeiten an der Gitarre an feinen Riffs und Soli demonstriert, und Ray Gillen, der wirklich ein super Sänger ist. Insgesamt klingt er mir manchmal etwas zu sehr nach Robert Plant. Das soll nicht negativ gemeint sein, das ist nuneinmal seine Stimme, und Plant ist sicherlich nicht der schlechteste Rocksänger, mit dem man verglichen werden kann.

Im Grunde passt bei Badlands alles zusammen, allerdings kann das Songmaterial bei mir persönlich nicht restlos zünden. Die Lieder werden überwiegend von Ray Gillens charismatischen Vocals und Jake E. Lees Gitarrenarbeit getragen. Die ist natürlich prima, aber an manchen Parts habe ich das Gefühl, als ob er sehr damit beschäftigt war, sich selbst zu präsentieren. Auf jeden Fall verleiht sie den Songs eine besondere Charakteristik, die man auch schon an "Bark At The Moon" und "The Ultimate Sin" von Ozzy Osbourne in anderer Form wahrnehmen konnte. Leider begann es während des Aufnahmeprozesses von "Voodoo Highway" innerhalb der Band wegen des Songwritings zu kriseln, was zu einem Bruch zwischen Gillen und Lee führte. Der viel zu frühe Tod von Ray Gillen Ende 1993 besiegelte endgültig das Schicksal von Badlands.

Musikalisch merkt man "Voodoo Highway" die damals entstandenen Spannungen allerdings nicht an, es ist ein homogenes, rundes Bluesrock-Album, bei dem alles zusammenpasst. Vieles war zwar schoneinmal da, aber Badlands knüpften daran mit einem zeitlosen, neuen, rockigen Drive an, was auf jeden Fall ziemlich gut kommt. Steht man auf den Hard Rock der 70iger, macht man mit Badlands wahrscheinlich nicht viel verkehrt, aber auch Fans der 80iger Rockmusik (für die die Alben damals wohl gedacht waren) können auf ihre Kosten kommen. Einen größeren Erfolg erlangten Badlands an der Schwelle zu den 90igern leider nicht mehr. Obwohl auf dem Debüt ein paar Kracher vertreten sind, ist "Voodoo Highway" das Album, das mir in seiner Gesamtheit am Besten von Badlands gefällt. Bereut habe ich den den Kauf jeden Falls nicht.
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Popsmear
Popsmear

4.0 von 5 Sternen Unbeachteter Glam Rock Mitte der 90iger, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Popsmear (Audio CD)
Filthy Lucre waren die Band von L.A. Guns-Sänger Phil Lewis, denen er sich vorderrangig widmete, als er 1995 die Band um Tracii Guns verliess. Dorthin hatte er auch den damaligen Guns-Schlagzeuger MC Bones mitgenommen. Lange Zeit habe ich nicht gewusst, dass Phil Lewis mit Filthy Lucre ein Album veröffentlicht hatte, da ich in längst vergangenen Zeitschriften immer mal wieder lesen konnte, dass Filthy Lucre sich aufgelöst hätten, "weil sie keinen Plattendeal an Land ziehen konnten". Ein Fakt, der ganz offenbar nicht der Tatsache entspricht, denn 1997 veröffentlichten Filthy Lucre "Popsmear".

Dies taten sie anscheinend eben nahezu unbeachtet, denn dieses Album ist seit Jahren weitestgehend unbekannt und regelrecht verschollen geblieben. Um offen zu sein, kann ich gar nicht recht verstehen warum das so ist, denn Filthy Lucre zocken ungeachtet aller Modeströmungen kantigen, sleazigen und bunten Glam-Rock zwischen Aerosmith, Girl, Hanoi Rocks, Mötley Crüe, New York Dolls und Sex Pistols, der ziemlich gut kommt. Im Grunde sorgt nicht nur Phil Lewis' Stimme dafür, dass Filthy Lucre den L.A. Guns eigentlich ziemlich ähnlich sind.

Auch klanglich knüpfen Filthy Lucre mit "Popsmear" etwas an die vorangegange L.A. Guns-Scheibe "Vicious Circle" an, was eigentlich nicht weiter verwundert, wenn man registriert, dass der Produzent des '94er Albums, Jim Wirt, bei Filthy Lucre nicht nur an den Reglern saß, sondern auch den E-Bass betätigte. Der Sound ist da sehr kantig und rau, aber auch etwas dünn. Ich schätze, das rührt daher, dass es für solch eine Rockmusik Mitte der 90iger einfach keinen Markt mehr gab, und Filthy Lucre sich mit einem knappen Budget begnügen mussten. "Popsmear" mag zwar ein wenig nach Low-Budget-Produktion klingen, aber für eine solche ist der Sound eigentlich ganz ordentlich. Ich habe das Gefühl, das "Popsmear" diesbezüglich vorallem an die beiden Japan-Bonus-Tracks ("Death In America" & "Empire Down") von "Vicious Circle" anküpft, ein Umstand, der mir persönlich sehr gut gefällt. Leider können die Songs von "Popsmear" da allerdings kompositorisch nicht ganz mithalten, sonst wäre ich restlos begeistert. Aber das soll nicht bedeuten, das die Songs in etwas schlecht wären. Es sind überwiegend rockige, etwas dahingerotzte Songs, die mit schmutzigen Riffs und Licks ausgestattet sind. Vereinzelt fallen sie auch etwas ruhiger und getragener aus, wie das 7-minütige "Baby I Want". Einzig das reggae-beeinflusste "Ladbrooke Groove" sticht dagegen ein bißchen heraus. Mit "Can't Kick" hat Gitarrist/Sänger Steve Dior hier auch noch einen tollen, punkigen Glam-Rocker im Gepäck, den er mit Johnny Thunders kurz vor dessen Tod geschrieben haben soll.

Man sollte dabei auch beachten, dass Gitarrist Steve Dior auch als Sänger in Erscheinung tritt, der sich mit Phil Lewis auch mal die Vocals teilt oder manchen Song zuvorderst singt. Zuerst war ich da ein bißchen enttäuscht, weil Dior einfach nicht so prägnant singt wie der L.A. Guns-Shouter. Lange geärgert habe ich mich darüber eigentlich nicht, ich konnte mich recht schnell daran gewöhnen. Manches passt einfach besser zu seiner Stimme, wie z.B. eben "Can't Kick". Steve Dior war Anfang der 80iger Gitarrist der englischen Glam Punker London Cowboys, die Mitte der 80iger zeitweise populär waren, und mit Musikern wie Glen Matlock, Johnny Thunders und Mike Monroe arbeiteten. Ein Virtuose an den 6 Saiten scheint er nicht unbedingt zu sein, er teilt sich die Gitarrenarbeit mit Lewis. Irgendwie scheint auf diesem Album jemand wie Tracii Guns zu fehlen. Das soll nicht heißen, dass die Gitarrenarbeit und die rock n'rolligen Soli von "Popsmear" schlecht wären, im Gegenteil, man schüttelt sich die Leads und Licks recht locker und routiniert aus dem Ärmel. Im Grunde kann man darüber auch hinweg sehen, solch rotzige, eingeschmutzte Rockmusik braucht nicht unbedingt einen Saitenvirtuosen, selbst wenn eine/r den Sound noch aufwerten könnte.

Filthy Lucre ist mit "Popsmear" kein herausragendes Album, aber ein sehr gutes, etwas rotziges, sleaziges Glam-Rock-Album mit Ecken und Kanten gelungen. Meiner Ansicht nach hätten L.A. Guns Mitte der 90iger so klingen sollen, demzufolge würde ich "Popsmear" eher als "American Hardcore" als Nachfolger für "Vicious Circle" betrachten. Aber das ist selbstverständlich nur meine Meinung.
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Fear of the Dark
Fear of the Dark

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufkeimende Finsternis, 26. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Fear of the Dark (Audio CD)
Nach dem gediegenen, aber leider auch etwas schwachen "No Prayer For The Dying" fanden Iron Maiden mit ihrem 9. Studioalbum wieder etwas zurück zu alter Stärke. Die Betonung soll auf etwas liegen, denn ganz können Maiden nicht an ihre vergangenen Werke anknüpfen. Allerdings blieb "Fear Of The Dark" für einen längeren Zeitraum das letzte Album mit Bruce Dickinson.

Das Album wird mit "Be Quick Or Be Dead" furios eröffnet, so aggressiv, bissig und schnell sind Iron Maiden eher selten gewesen. Doch bleibt der Opener der einzigste Song, der so nach vorne stürmt. Die Lieder sind überwiegend etwas zurückhaltender und gemäßigter, immer noch heavy zwar, aber bei weitem nicht mehr so ungestüm. Das Album wird dabei im Besonderen vom herausragend sensationellen Titelsong und dem nicht minder schlechten "Afraid To Shoot Strangers", die beide alles beinhalten, was Iron Maiden in Höchstform ausmachen, getragen. Im Gegensatz dazu fallen die anderen Lieder leider ziemlich ab, vorallem bei den ersten Durchläufen, wo man desöfteren dazu geneigt ist, sich beinahe zu langweilen. Doch beschäftigt man sich ein wenig mit dem kompletten Album, offenbaren auch andere Songs ihre (etwas versteckten) Vorzüge. Tolle Maiden-typische Melodien und viele gute Ideen und Ansätze findet man auch in den anderen Songs, wie z.B. "Childhood's End", "Judas Be My Guide" und "The Fugitive".

Nichtsdestotrotz ist "Fear Of The Dark" in seiner Gesamtheit eher etwas durchschnittlich ausgefallen, was für Iron Maiden-Verhältnisse aber immer noch ein hohes Niveau bedeutet. Im Prinzip rettet auch Bruce Dickinson den ein-oder-anderen Song vor der totalen Bedeutungslosigkeit, und sorgt dafür, dass man die Scheibe auch mal gut am Stück hören kann. Der Klang und die etwas düstere Stimmung weisen meiner Ansicht nach bereits etwas in die Richtung, die Steve Harris mit "X-Factor" einschlagen sollte. "Fear Of The Dark" ist kein überragendes und spektakuläres, aber ein durchaus starkes Maiden-Album, das seine Anzugskraft in erster Instanz seinen "Über"-Songs "Afraid To Shoot Strangers" und "Fear Of The Dark" verdankt, aber in zweiter Instanz auch ganz gute Maiden-Songs aufweist.


Bastards
Bastards
Wird angeboten von cdgirl666
Preis: EUR 17,69

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Übersehener Klassiker, 25. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Bastards (Audio CD)
Nach dem etwas gesäuberten und "kommerziellen" Album "March Ör Die" (welches mir auch sehr gut gefällt) wurden motörhead endgültig von ihrem Label fallengelassen. Inmitten viel Wut und Frustation nahmen motörhead das Album "Bastards" selbst auf, erstmals mit Mikkey Dee als alleinigem Schlagzeuger. Um den Verkauf des Albums zu ermöglichen, nahm die Band einen Plattenvertrag mit dem deutschen Techno-/Dance-Label ZYX an, was trotz Veröffentlichung von "Bastards" gewissermaßen zum Sargnagel für dieses Album wurde. Dieses großartige motörhead-Album kam 1993 nie so in die Läden, wie es der Fall hätte sein müssen. Außerhalb Deutschlands war es erstmals praktisch nicht zu haben, und obwohl "Bastards" häufiger im Radio gespielt wurde als "1916" und "March Ör Die", versäumte es das Label, die Platte angemessen zu promoten.

Mit "Bastards" kehrten motörhead gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück, sie waren wieder dreckiger, härter, lauter, schneller. Das Album schien ein regelrechter Befreiungsschlag für motörhead gewesen zu sein, man kann förmlich wahrnehmen, wie sie sich musikalisch mit einer Bombe von einem Album das vergangene Desaster von der Seele sprengen.

Einige Neuerungen wurden jedoch in der motörhead-Musik beibehalten: mit "Lost In The Ozone" und "Don't Let Daddy Kiss Me" sind zwei gelungene Balladen auf "Bastards" vertreten. Beide scheinen seltsamerweise nicht aus dem Rahmen zu fallen, obwohl sie sich von der Masse an harten Songs doch ziemlich abheben. Besonders bei "Lost In The Ozone" krachen die verzerrten Gitarren allerdings auch recht ordentlich.

"Don't Let Daddy Kiss Me" ist wohl die berührendste Ballade, die Lemmy jemals geschrieben hat. Lemmy zufolge, wollte er, dass eine Frau dieses Lied sang. Eine Intention, die angesichts des beschriebenen Themas des Kindesmissbrauchs nachvollziehbar ist, und sicherlich gut funktioniert hätte. Aber so wurde diese beeindruckende Ballade für "Bastards" verwendet, die inmitten all der bärbeissigen Rock N'Roller eine ziemlich gute Figur macht, und das Album eher noch aufwertet. Ursprünglich sollte sie mit Axl Rose eingesungen werden, der damals allerdings nicht im Studio auftauchte.

In gewisser Hinsicht würde ich da die Meinung vertreten, dass motörhead nicht zu 100% zu ihren Wurzeln zukehrten, sondern das Beste ihrer bisherigen musikalischen Karriere in einem einzigen Album zusammengefasst haben, und so die klangliche und kompositorische Messlatte für all ihre kommenden Alben gelegt haben. Die Lieder krachen ordentlich, und sind durch die Bank weg erstklassig. Besonders die Riffs sind super, "Liar" schaut sich da zwar etwas bei "Deaf Forever" ab, aber solch simple, intensive Riffs wie bei "I Am The Sword" sind nicht nur unheimlich effektiv, sondern auch etwas ungewöhnlich. Darauf muss man erstmal kommen. Aber motörhead brennen nicht nur mit Hochgeschwindigkeits-Rockern durch die Gegend, sondern gestalteten ihr Songwriting recht vielschichtig, was nicht nur durch die beiden Balladen ausgedrückt wird, sondern auch durch das ganz dezent von Funk inspirierte "I'm The Man" oder dem etwas beklemmenden, mysteriösen, stimmungsvollen 6-Minüter "Devils". Die Produktion ist super, sie ist dynamisch, erdig, hart, und kracht an allen Ecken und Enden.

Betrachtet man heutzutage die Diskographie von motörhead, und speziell Alben wie "Overnight Sensation", "Inferno" oder "Kiss Of Death", scheint es, als ob "Bastards" nicht nur die Messlatte für alle folgenden Alben angelegt hatte, sondern den künftigen Sound von motörhead bereits in seiner Idealform manifestiert hatte. "Bastards" ist harter, schmutziger Rock N'Roll, der streckenweise alle Geschwindigkeitsbegrenzungen bricht, und ein exzellentes, hartes motörhead-Album. Ich habe überall in der Wohnung Ausgaben von "Bastards" verteilt, damit das Album gleich griffbereit ist, sollte ich mal wieder Bock darauf haben.


Kill Fuck die
Kill Fuck die
Wird angeboten von popshop-wesel
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Elektronische Raserei - W.A.S.P. mal anders, 21. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Kill Fuck die (Audio CD)
"K.F.D." ist ein etwas außergewöhnliches W.A.S.P. -Album, für das Blackie Lawless viel Schelte von Fachpresse und Fangemeinschaft einstecken musste. Diese Kritik ist ob des musikalischen Inhalts einerseits natürlich berechtigt, den vorallem beim ersten Anhören entfernt sich "K.F.D." doch ziemlich von dem, was man bis dato so von W.A.S.P. kannte. Einen recht aggressiven Sound hatten W.A.S.P. schon immer, doch weist das 1997 veröffentlichte Album eine sehr starke Electro-/Industrial-Metal Schlagseite auf, die einen stark an eine Band oder einen Künstler wie Marilyn Manson oder Nine Inch Nails erinnern lässt. Andererseits wagte Blackie damit etwas Neues, durchaus Aufregendes und Spannendes, was man eigentlich nicht sofort verdammen sollte.

Denn hinter den sehr aggressiven, etwas kühlen Industrial-Rock-Stücken verstecken sich typische W.A.S.P. -Lieder, die lediglich durch den elektronischen Mix verfremdet wurden. Das Album klingt auch wesentlich finsterer und etwas depressiver, als man es von W.A.S.P. gewohnt ist, manche Lieder wirken stellenweise sogar etwas psychopathisch, wie ich finde. Dies wird nicht nur durch die Elektronik, sondern auch dadurch unterstrichen, das Blackies Vocals an manchen Parts verzerrt wurden. Die Lyrics befassen sich mit Gewalt, Depression, Schmerz und verhängnisvollen, zwischenmenschlichen Beziehungskrisen, Thematiken, die genau wie die dunkle Musik nicht gerade für gute Laune sorgen. Einzige Ausnahme bildet da der Japan-Bonus-Track "Tokyo's On Fire", der schon ein wenig aufs folgende Album schielt, und diesbezüglich etwas aus dem Rahmen fällt ( Kill,Fuck,die [+Extra] ). Die Lieder von "K.F.D." sind eher etwas für düstere Stimmungen, sie eignen sich gut zum Abreagieren und Aggressionsabbau. Schnellere Lieder, wie der krachende Titelsong, "Take The Addiction", "Killahead", und "Wicked Love", gehen dabei schneller ins Ohr, als etwas "ruhigere" und auch psychotischere Lieder, wie "Tortured Eyes", "Kill Your Pretty Face", und "The Horror", die wesentlich schwerer zu verdauen sind. Aggressiv, elektronisch, wütend und zornig sind sie allesamt, in ihrem Kern aber nicht weniger W.A.S.P. ..

Mit Techno, Industrial oder Electro habe ich nicht soviel zu tun, ich gehöre eigentlich eher zu denen, die pure und raue AC/DC-Rockmusik und -Riffs verehren und vergöttern. Doch finde ich, dass Blackie Lawless mit "K.F.D." ein interessantes, zorniges Album gelungen ist, das den W.A.S.P. -Sound geschickt mit Computermusik verbindet. Zuerst habe ich dieses Album lange Zeit ignoriert, bis es mich doch interessiert hat, und ich mir eine eigene Meinung bilden wollte. Und siehe da, so unterirdisch schlecht ist es nicht, im Gegenteil, ich habe sogar recht schnell einen Draht dazu finden können. Puristen machen hier auch weiterhin am Besten einen Bogen drumherum, aufgeschlossene W.A.S.P.- und Heavy Rock-Fans sollten zumindest mal reinhören. Qualitativ schlechter als andere Lieder von W.A.S.P. sind diese hier auf jeden Fall nicht, sie sind lediglich durch Computer verzerrt worden.


American Hardcore [Musikkassette]
American Hardcore [Musikkassette]

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen American Hardcore, 20. Dezember 2012
Nach dem Misserfolg von "Vicious Circle" brach das Bandgefüge der L.A. Guns endgültig auseinander, Phil Lewis betätigte sich mit seiner Band Filthy Lucre, Mick Cripps und Kelly Nickels verabschiedeten sich langsam komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung. Beide waren bei der Reunion Ende der 90iger zwar wieder mit dabei, sollten sich aber wieder vornehmlich ihrem Privat-und Berufsleben widmen.

1996 setzte Tracii Guns den musikalisch härteren Kurs von "Vicious Circle" fort, verabschiedete sich aber größtenteils von der musikalischen Vergangenheit der Band. "American Hardcore" erschien Ende 1996 zwar unter dem Banner L.A. Guns, hat mit dem einstigen Sleaze-Rock der Sunset Strip-Rocker nicht mehr viel zu tun.

Für Bassist Kelly Nickels kam Johnny Crypt, den Posten des Shouters übernahm Boneyard-Sänger Chris Van Dahl, der hier meist eher so grölt und grunzt, als ob er hinter dem Mikro von Pantera stehen würde. Seiner Sache macht er diesbezüglich und insgesamt eigentlich ganz akzeptabel. Das Album besteht überwiegend aus von Punk, Hardcore und Grunge beeinflussten, etwas angepissten Alternative-/Nu-Metal-Stücken, in denen der einstige L.A. Guns-Sound ab-und-an nur noch ganz schattenhaft durchschimmert. Tracii Guns' Gitarre blitzt immer mal wieder auf, und lässt kurz an andere Zeiten denken, aber die Kompositionen "ruinieren" diesen Eindruck stante pede.

Das fast 9-minütige "I Am Alive" beinhaltet da ein tolles Tracii Guns-Gitarrensolo und ein paar gelungene Riffs, dasselbe gilt für das kurze "Next Generation", dessen Gitarrenmelodien und Riffs scheinbar ein wenig den künftigen Backyard Babies-Sound vorwegnahmen, ohne allerdings dessen Rotzigkeit zu erreichen. "Hugs And Needles" weist noch ein paar melodische und rotzige Sleaze-Anleihen auf, Chris Van Dahl singt auch etwas natürlicher, der Song steuert trotzdem ein bißchen planlos durch die Gegend. Abheben von der ganzen Alternative-/Nu-/Glam-/Grunge-Metal-Chose tut sich "Hey World", eine von Akustik-Gitarren getragene Ballade, die dezent "One Way Ticket" zitiert, und Elemente irischer Folkmusik beinhaltet. Mit einem derartigen Song hätte ich auf solch einem Album nicht gerechnet, trotzdem kann ich mit "Hey World" nicht allzuviel anfangen.

Ich denke, wenn man auf Rockmusik à la Pantera, Sepultura, C.O.C., Suicidal Tendencies, Bad Brains, Korn u.a. steht, könnte man vielleicht an "American Hardcore" Gefallen finden, aber selbst das möchte ich ein bißchen in Frage stellen, da die Kompositionen einfach nicht die Klasse und die Originalität der genannten Acts erreichen.
So unheimlich schlecht ist "American Hardcore" nicht, aber insgesamt wirken die Lieder auf mich überwiegend etwas willkürlich zusammengeschustert, ohne wirklich zündende Ideen. Ich denke, man hätte daraus noch viel mehr machen können. Der in den Keller gedrängte Sleazesound allein ist es nicht. Tracii Guns ist damit auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, was in den wenigsten Fällen gut geht. Ich konnte es mir mal anhören, und es ist ok, aber wirklich Gefallen gefunden habe ich daran nie. Unter dem Namen L.A. Guns erwartet man einfach auch etwas anderes.


Vicious Circle
Vicious Circle
Wird angeboten von realmusicmore
Preis: EUR 12,79

3.0 von 5 Sternen L.A. Grunge ..äh... Seattle Guns, 20. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Vicious Circle (Audio CD)
Nachdem L.A. Guns knapp 3 Jahre auf Eis lagen, kehrten sie Anfang 1995 mit ihrem vierten Album "Vicious Circle" zurück. In genau diesem Zeitraum erfuhr die amerikanische Musikindustrie bekanntermaßen eine radikale Wandlung, weg vom Glam Metal und dem Sleaze-Rock Los Angeles' hin zum Grunge und Alternative Rock aus Seattle. Die Rockmusik, für die L.A. Guns bis zu diesem Zeitraum standen, war mit einem Male komplett überholt.

Viele Vertreter des 80iger Glam Rocks wurden aus ihren Verträgen entlassen, lösten sich auf, oder hielten stoisch an ihrer Musik fest, dümpelten aber mit ihrem Sound unbeachtet weiter. Andere wiederum starteten Versuche, in die gerade angesagte Alternative-/Grunge-Kerbe zu schlagen, die aus kommerzieller Hinsicht kläglich scheiterten. L.A. Guns entschieden sich interessanterweise für eine Art 3. Option. "Vicious Circle" wirkt auf mich so, als ob man versucht hatte, den 80iger Rock in die 90iger zu transportieren und zeitgemäß zu interpretieren. Die Band hielt an den Eckpfeilern ihrer Rockmusik fest, kleidete sie aber mit modernen, aggressiven Elementen aus. Riffs, Melodien und Refrains blieben "klassisch", allerdings wurde die bluesige Grundrhyhtmik und der Sleazesound der vergangenen Alben außer Acht gelassen, was manche Lieder meines Erachtens etwas chaotisch und unstrukturiert wirken lässt.

Diesbezüglich ist "Vicious Circle" für mich eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Die Kompositionen sind nicht schlecht, sie klingen interessant, größtenteils schmutzig und aggressiv, manchmal auch etwas depressiv. Die Band hatte sich dabei ohne Zweifel etwas gedacht, und hat ein einige ansprechende, gute Lieder geschrieben. Die recht schnellen Lieder wie "No Crime", "Kill That Girl", "I'm The One", und das etwas thrashige "Killing Machine" gehen zuerst am schnellsten ins Ohr, aber auch ruhigere Lieder wie "Fade Away", "Why Ain't I Bleeding" und "Kiss Of Death" haben einiges zu bieten. Speziell eine Nummer wie "Long Time Dead", so unüblich sie auch für eine Band wie L.A. Guns gewesen sein mochte, vereint einen ruhigeren Song mit prägnanten, rauen Gitarrenriffs, und gefällt wirklich gut. Ganz besonders gut gefallen mir die Japan-Bonus-Tracks "Death In America" und "Empire Down", die beide sehr viel "traditioneller" ausgefallen sind.

Trotzdem kann "Vicious Circle" nicht so ganz mit dem konkurrieren, was man damals bis dato (und vorallem auch heute) von L.A. Guns zu hören bekam. Man könnte vielleicht sagen, nichts halbes, nichts ganzes. Aber das würde diesem Album nicht so ganz gerecht werden, denn gerade diese Ambivalenz von rauem L.A. Rock und rumpeligen 90iger Alternative Rock, ergibt ein interessantes, von einer leichten Melancholie durchzogenes Album, wie ich es noch kein zweites Mal gehört habe.

Unbeachtet von einer breiten Zuhörerschaft fiel "Vicious Circle" total durch, trennte die Band von ihrem Label, und führte schlussendlich zum Zusammenbruch des Line-ups. Wirklich schlecht sind Album und Sound nicht, auf mich wirkt alles nur ziemlich rumpelig und etwas chaotisch. Wahrscheinlich zeitgemäß chaotisch? L.A. Guns blieben eigentlich L.A. Guns - nur L.A. Guns Mitte der 90iger. Im Vergleich zu einem Rohrkrepierer wie dem nachfolgenden "American Hardcore" ist "Vicious Circle" da geradezu eine Offenbarung. Wenn man "Vicious Circle" bis dato nicht beachtet, oder schon abgeschrieben hat, könnte sich eine (Wieder-)Entdeckung lohnen. 3,49 Sterne.


Man in the Moon
Man in the Moon
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 11,71

4.0 von 5 Sternen Vollmond-Vampire, 20. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Man in the Moon (Audio CD)
Das 2001 veröffentlichte Quasi-Reunionsalbum "Man In The Moon" ist ein Album, das ein bißchen in der Diskographie der L.A. Kanonen untergegangen zu sein scheint, wird es doch gewissermaßen von den starken ersten Alben in den 80igern und Anfang der 90iger, sowie den jüngeren, sensationellen Veröffentlichungen seit "Waking The Dead" flankiert. Einerseits ist das durchaus etwas berechtigt, denn ganz so abgefahren tönt "Man In The Moon" nicht aus den Lautsprechern, auch die Songs können nicht ganz so reinhauen und zünden. Die Lieder sind überwiegend etwas ruhiger und entspannter, man rockte sehr viel lässiger, fast schon unbeschwert und losgelöst von allen Trends. Andererseits liegt darin eben ein gewisser Reiz, der einen nach einer gewissen Anlaufzeit ein tolles Stück Rockmusik der L.A. Knarren entdecken lässt.

Die Band um Tracii Guns zockte wieder bunten, diesmal aber nur leicht sleazigen, Glam-/Hard-Rock, der dem Namen L.A. Guns durchaus gerecht wird. Der Opener und Titelsong gehört meines Erachtens zu den besten Stücken von "Man In The Moon", und gibt zugleich die Marschrichtung vor. Die Gitarren kratzen, riffen und schrammeln lässig vor sich hin, Phil Lewis singt (schreit) so wie man es von ihm seit jeher kannte, und der Rhythmus kommt gezielt auf den Punkt. Wie von L.A. Guns bekannt, wird auch hier immer mal wieder etwas von vielen verschiedenen Interpreten des Rock N'Rolls geklaut, ganz besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang "Spider's Web", das ein paar Riffs von AC/DCs' "Hells Bells" verwurschtelt hat. Mir gefällts, aber richtig drauflosgerockt wird zwar trotzdem eher nicht, die Songs sind wie bereits beschrieben eher lässiger und teilweise wesentlich ruhiger. Es schleicht sich zudem immer wieder mal eine gewisse Melancholie in die Lieder mit ein, die sich hintergründig bemerkbar macht.

Als Fan von L.A. Guns wird man angesichts des Songmaterials womöglich nicht enttäuscht, Freunde von leicht sleazigem, bunten Glam-Rock hören rein. Man darf halt nur keinen Batzen Dreck à la "L.A. Guns" 1988, oder solche Knaller wie "Tales From The Strip" oder "Waking The Dead" erwarten. Die Produktion von Gilby Clarke ist gut, kommt aber nicht an die der Nachfolgewerke heran. "Man In The Moon" ist ein Album, das mehr mit "Hollywood Vampires" zu tun hat, auch wenn es nicht ganz so glatt, sondern eher viel schrammeliger ausgefallen ist. "Man In The Moon" ist ein eher unscheinbares, unspektakuläres, aber durchaus gutes und tolles Album.


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