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Rezensionen verfasst von
Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Wild Cat
Wild Cat

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Gebrüll des Tygers, 18. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wild Cat (Audio CD)
Tygers Of Pan Tang sind eine britische Heavy Metal-Band die 1978 an der Nordostküste Englands gegründet wurde, und bei der aufkeimenden Welle der NWoBHM an vorderster Front standen. Benannt wurde die Band nach Kreaturen aus einer fiktiven Inselwelt, die einer Romanreihe von Michael Moorcook entstammen. Der Band gelang es, nach einer kurzen Phase von Auftritten in diversen Lokalitäten einen Plattendeal bei MCA an Land zu ziehen, woraus nach einigen Singles 1980 die Veröffentlichung des Debütalbums "Wild Cat" resultierte.

Die stilistische Vielfalt all der Bands, die zu Beginn der 80iger unter dem Oberbegriff "NWoBHM" zusammengefasst wurden, ist meines Erachtens recht breit gefächert. Die Bezeichung "New Wave Of British Heavy Metal" liefert da nur ein recht unzureichendes Bild der damaligen Szene. Heavy waren jene Bands zu dieser Zeit, ohne Frage, aber was ihre Musik betrifft, so unterscheiden sie sich, in Spielart, Inspiration und Klang, teilweise doch recht enorm voneinander. Kaum eine Band glich der anderen, und so hatten auch Tygers Of Pan Tang eine unverwechselbare, einmalige Art, den Hard Rock und Heavy Metal zu interpretieren, und auf eine damals neue, härtere Ebene zu hieven.

Tygers Of Pan Tang legten mit "Wild Cat" beschleunigten, kantigen Heavy Metal in einem recht rohen Soundgewand vor, den man sich ohne Probleme flüssig und an einem Stück ziehen kann. Der raue Gitarrensound wird durch pfeilschnelle, schneidige Riffs nocheinmal gesondert hervorgehoben. Natürlich kann man heutzutage eine gewisse Primitivität in der Produktion wahrnehmen, "Wild Cat" war und ist keine Hochglanzmieze, aber das ist für solche Musik auch mehr als nur ganz gut so. Trotz eines tollen, frühen 80iger-Jahre Heavy Metal-Flairs wirkt da heute trotzdem nichts sonderlich antiquiert oder veraltet. Die schnellen, harten, aber auch melodischen Songs weisen immer wieder einen dezenten Einfluss von Boogie Rock auf, was nicht nur einen kantigen und rauen, sondern auch einen etwas rock n'rolligen, fetzigen Heavy Metal ergibt. Der etwas rotzige Gesang von Sänger Jess Cox, der die Band nach Album und Tour verliess, unterstreicht diesen Eindruck noch.

Die Wiederveröffentlichung von "Wild Cat" auf CD (erstmals 1997) beinhaltet alle Songs, die damals auf den Singles veröffentlicht wurden, darunter auch die Originalversion von "Don't Touch Me There". So kann man die Anfänge der Tygers gut nachvollziehen, in Bezug auf einen Touch von Boogie Rock offenbart da ein Cover von ZZ Tops "Tush", dem einen aggressiven Anstrich verpasst wurde, anscheinend auch die Inspiration der Band.

Obwohl Tygers Of Pan Tang mit ihren ersten Veröffentlichungen einige Erfolge feiern konnten und einen gewissen Status im Heavy Metal errangen, erreichten sie nie die Popularität anderer Gruppen wie Iron Maiden, Saxon oder Def Leppard, die ebenfalls der NWoBHM entsprangen. Nichtsdestotrotz ist "Wild Cat" ein Album, das meines Erachtens durchaus neben "British Steel" von Judas Priest, ""Wheels Of Steel" von Saxon, und dem Debütalbum von Iron Maiden bestehen kann.


Stiff Upper Lip
Stiff Upper Lip
Wird angeboten von valvalamazon
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unverrückbare Haltung, 14. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Stiff Upper Lip (Audio CD)
Altherren-Rock? Lahm? Langweilig? Nun, das kommt wohl ganz auf die Betrachtungsweise und den musikalischen Geschmack des Hörers an. Ich möchte da nicht verleugnen, dass ich mit dem 2000er AC/DC-Werk erst meine Startschwierigkeiten hatte. "Ballbreaker" hat mir trotz (oder wegen) eines etwas stärkeren Einfluss von Blues sehr gut gefallen, als ich dagegen voller Vorfreude das erste Mal "Stiff Upper Lip" gehört hatte, war ich zuerst etwas ernüchtert.

Im Nachinein muss ich mich allerdings doch fragen, wo da meine Probleme mit dem Album lagen: AC/DC zeigen sich hier sehr vom Blues beeinflusst, was die Musik von AC/DC wesentlich getragener und gedrosselter ausfallen lässt. "Stiff Upper Lip" hat mit reinrassiger Bluesmusik zwar weniger zu tun, weist aber eine sehr starke Tendenz zum Bluesrock auf, welcher allerdings in der von AC/DC typischen, einzigartigen Art und Weise dargeboten wird.

Im Songwriting fehlen etwas die richtig zündenden Ideen, obwohl ich auch auf Anhieb nichts gegen die Songs selbst sagen konnte. Kann ich immer noch nicht. AC/DC haben schlicht ein gewisses, wenn auch simples Niveau inne, dass sie einfach nicht unterbieten (können(-?-)). Die Lieder haben eine sehr unkomplizierte Grundstruktur, und sind insgesamt recht einfach, wenn auch nicht schmucklos gestrickt. Es ist allerdings manchmal etwas erschöpfend, dass die Lieder an manchen Stellen, vorallem gegen ihrem Ende, oft doch sehr repetitiv sind. Meines Erachtens kriegen AC/DC da aber immer noch die Kurve, es wird nie zu penetrant. Etwas flotter und spritziger sind der Titelsong, das zackige "Safe In New York City", und dessen Single-B-Seite "Cyberspace". Die stampfenden "Hold Me Back" und "Can't Stand Still" kommen durch kindlich wirkende Riffs dagegen sehr verspielt rüber. Altherren-Rock? Kindergarten-Rock! Besonders letztere Nummer erinnert mich irgendwie an Ringelreihen. Womit ich AC/DC aber keineswegs Infantilität unterstellen möchte.

Was mich allerdings restlos begeistert, ist der wuchtige, pure Sound. Was ihren reinen Rock N'Roll-Klang betrifft, sind AC/DC nie irgendwelche Kompromisse eingegangen. Produzent George Young scheint mit "Stiff Upper Lip" da ganze Arbeit geleistet haben. Die Rhythmus-Abteilung legt ein betonhartes Fundament für die Songs, Phil Rudds knochentrockenes Drumming hat ordentlich Punch, und Cliff Williams satter E-Bass ist ein untrennbarer Kleister. Die kräftigen, tiefschürfenden Gitarrenriffs kommen gewaltig und massig rüber, und werden von Angus Youngs Licks und Leads noch akzentuiert und umschmeichelt. Die überwiegend gedrosselten, sehr bluesigen Lieder wirken auf mich so nocheinmal härter, und üben sich keineswegs nachteilig auf mein Hörvergnügen aus.

Mit einer gescheiten Stereoanlage drückt es die Lieder nur so aus den Boxen raus, man bekommt sofort das Gefühl, die Band hätte ihre Instrumente direkt im Raum aufgebaut, und würde jetzt in natura rocken. Ein Gefühl, das AC/DC durch ihre Platten immer transportiert haben, und das immer noch vorhanden ist, selbst wenn ihre Kompositionen mit zunehmenden Alter etwas den letzten Zunder vermissen lassen. Sehr viel weniger Energie scheinen sie trotzdem nicht zu haben, "Stiff Upper Lip" ist AC/DC - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Broken Teeth
Broken Teeth
Preis: EUR 15,62

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein Schlag in die Futterluke, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Broken Teeth (Audio CD)
Die texanischen Hochleistungs-Rock N'Roller von Broken Teeth gingen aus der Asche von Dangerous Toys hervor. Die Band wurde Ende der 90iger von Toys-Sänger Jason McMaster und dem ehemaligen Dirty Looks-Gitarristen Paul Lidel in der texanischen Hauptstadt Austin gegründet. 1999 legten sie ihr selbstbetiteltes Debütalbum vor, eine Rockscheibe, bei der die Lautsprecher Gefahr laufen, Feuer zu fangen. Broken Teeth zeigen sich als außerordentlich von AC/DC beeinflusst, der Sound der Band aus Austin ist ganz genauso pur und unverfälscht, wie man es von den australischen Starkstromern kennt.

Ihr Debütalbum ist dabei das Album ihrer Diskographie, das am stärksten nach den AC/DC aus den 70igern klingt. Broken Teeth haben da nicht nur Up-Tempo-Rocker im Gepäck, sondern auch etwas getragenere, bluesigere und auch swingende Stücke. Man sollte Broken Teeth aber nicht als einfaches Plagiat von AC/DC betrachten: zwar schlägt die Band hier total in die Kerbe von AC/DC, und greift vieles auf, was man schon vorallem aus der Zeit mit Sänger Bon Scott hören konnte, haut aber auch eigenständige und schneidige Riffs raus. Die Lieder sind keine billigen Kopien, sie hören sich nur so an, als ob sie auch von AC/DC kommen könnten. Und das haben sie hier mit einer Band wie Rhino Bucket oder auch Johnny Crash gemein.

Beispielhaft möchte ich dafür die Wrestling-Hommage "Undertaker" erwähnen, wo das Spiel der beiden Gitarren auf jeweils einen Lautsprecher beschränkt ist. Man hört ein Staccato-mäßiges Riff nur auf einem Lautsprecher, wohingegen ein anderes, gleichartiges Riff aus dem anderen tönt, und das erste Riff ergänzt, und so einen interessanten, sehr rockigen Höreffekt kreiert. Wie eine Fräse fürs Trommelfell. Der Klang des Albums ist da auch ganz allgemein toll, kräftig, aber keineswegs überproduziert. Besonders der dreckige Gitarrensound ist superscharf, wenn auch etwas trockener als bei AC/DC. Das Schlagzeug hat ordentlich Wumms, und mir gefällt besonders der fett brummende E-Bass.

Broken Teeth haben auf ihrem Debütalbum zehn raue, rock n'rollige und auch bluesig-swingende Nummern in petto, die allesamt super rüberkommen. Jason McMaster klingt zwar nicht unbedingt so whiskey-getränkt wie Bon Scott oder Georg Dolivo, krächzt aber ganz ordentlich - so wie man es von den Dangerous Toys-Alben kennt (und schätzt?), wenn auch etwas schmutziger. Mit Broken Teeth kriegt man jede Menge AC/DC und ein bißchen Rose Tattoo, und damit eine Rock N'Roll-Sause, die sich (nicht) gewaschen hat. Broken Teeth haben noch ein paar ansprechende Alben veröffentlicht, aber das Debüt gefällt mir am Besten. Hier befinden sich ganz einfach das wirklich zündende Songwriting und der beste Broken Teeth-Sound bis dato.


Am I Evil
Am I Evil
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 38,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heavy Metal Heroes, 9. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Am I Evil (Audio CD)
Erstmals 1987 veröffentlicht, ist "Am I Evil" ist sozusagen ein erweitertes Album der britischen Heavy Metal-Band Diamond Head, das abzüglich "Call Me" alle Lieder ihres zweiten Albums "Borrowed Time", zuzüglich "Dead Reckoning" und "Sucking My Love" von der "Four Cuts"-EP (auch auf dem ersten Album), in einem etwas weniger polierten und ruppigeren Klang beinhaltet. Das tolle Fantasy-Coverartwork einer gigantischen Lokomotive entstammt, wie das ursprüngliche Bild von "Borrowed Time" auch, von Rodney Matthews (Magnum, Nazareth, Praying Mantis, Thin Lizzy).

Das Lied "Am I Evil" gilt als eines der frühen Referenzwerke von Metallica, das Original von Diamond Head gefällt mir allerdings viel besser, es ist viel unheimlicher und wesentlich machtvoller. Mit "Lightning To The Nations" gibt es noch einen weiteren, damals neu eingespielten Heavy Metal-Kracher von der allerersten Diamond Head-LP. Die anderen Lieder von "Borrowed Time", wie "To Heaven From Hell" und "Heat Of The Night", entfernen sich etwas von dem knackigen, aber auch melodischen Heavy Metal, und tendieren eher in Richtung Hard Rock, wohingegen der einstige Titelsong und das bluesige "Don't You Ever Leave Me" sich stark an ein bleiernes Luftschiff ranhängen. Sean Harris ist ein sehr charismatischer Sänger, der zwar nicht genauso klingt wie Robert Plant, dem Led Zeppelin-Sänger aber annährend ebenbürtig ist. Diamond Head waren ein unüberhörbarer Einfluss für Metallica, nicht nur was die Gesangslinien betrifft. "Borrowed Time" ist hier übrigens nicht die bekannte, orientalisch angehauchte Version, sondern fällt weitaus bluesiger aus. Wie eingangs schon erwähnt, bewahrten die Aufnahmen dieses Albums den etwas rauen Sound der ersten Diamond Head-Veröffentlichung. Wann diese Aufnahmen gemacht wurden, entzieht sich leider meiner Kenntnis, ich schätze, sie dürften einer Vorproduktion oder Probesessions zu dem MCA-Debüt entstammen.

Das schnelle "Dead Reckoning" und das über 9-minütige "Sucking My Love" kommen im Gegensatz zu den "Borrowed Time"-Liedern dann wieder härter, aber nicht minder filigran rüber. Die Diamond Head-Lieder strotzen nur so von tollen Riffs, Melodien und klasse Songwritingideen. Richtig schnell sind sie hier weniger, sie beschleunigen zwar immer wieder, kommen jedoch insgesamt getragener rüber. Diamond Head spielten einen tollen, melodischen Heavy Metal, zwischen Black Sabbath, Deep Purple, Led Zeppelin und Thin Lizzy, den man heutzutage trotz eines rauen Soundes wohl nicht mehr unbedingt als solchen, sondern eher als Hard Rock bezeichnen würde. Trotzdem finde ich, das die Lieder immer noch heavy, eindrucksvoll und durchaus metallisch rüberkommen. In dem Diamond Head-Sound steckt eine besondere, gewisse Dunkelheit, die man im Heavy Metal und der härteren Mucke immer finden konnte. "Am I Evil" ist nicht nur was für Metallica-Maniacs, die den Ursprung ihrer Lieblingsband ergründen wollen, sondern auch ganz allgemein etwas für Fans von frühem 80iger Heavy Metal und/oder anspruchsvollem, melodischen Heavy Rock britischer Prägung. 4,49 Sterne.


Stomp 442 + Bonus Tracks
Stomp 442 + Bonus Tracks
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 26,95

4.0 von 5 Sternen Schrottplatz-Analogie, 9. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Stomp 442 + Bonus Tracks (Audio CD)
1995 veröffentlichten Anthrax ihr siebtes Album "Stomp 442", das erste Album ohne Gitarrist Dan Spitz, und das zweite mit (damals ex-) Armored Saint-Sänger John Bush, der Joey Belladonna 1992 ersetzte. Obwohl das Album als Nachfolger des erfolgreichen "Sound Of White Noise" auf Platz 47 der amerikanischen Charts einstieg, schlugen Anthrax damit keine großen Wellen mehr. Mitte der 90iger war eine schwere Zeit für Heavy Metal, wenn man nicht gerade Metallica oder Pantera hiess. Das '95er Werk von Anthrax war nicht so erfolgreich wie erhofft, woraufhin das Label Electra die Unterstützung für die Band einstellte. Anthrax warfen dem Label später mangelnde Promotion vor. Selbst wenn das Album seinerzeit von fast allem und jedem ignoriert wurde, es ist meiner Ansicht zufolge sehr viel besser als sein Ruf, und meines Erachtens sogar stärker als sein Vorgänger.

Von Anthrax kannte ich damals nicht allzuviel, ich kannte den Namen und wofür er und die dahintersteckende Band stand. Auf "Stomp 442" aufmerksam geworden bin ich durch das interessante und ungewöhnliche Cover, das sicherlich viel Interpretationspotential bietet. Das Coverbild zeigt eine aus Autoschrott geformte, runde, kugelförmige Skulptur. Laut dem dafür verantwortlichen Künstler soll es sich dabei um ein reales Werk handeln, dass die Größe eines Hauses hatte. Der Künstler, Storm Thorgerson (Pink Floyd, Led Zeppelin, Def Leppard) ist nicht nur ein Künstler, der sich der Fotografie als Medium bedient, sondern tatsächlich ein Grafik-Designer, der sich nach eigenen Aussagen "mit der Realität anlegen möchte, um sie zu verbiegen". Seine Arbeit soll "die Frage aufwerfen, ob es real ist oder nicht". Im Falle von "Stomp 442" scheint dies absolut gelungen zu sein, es sieht so aus, als ob es real ist, aber ich dachte, dass es das nicht ist. Ich habe noch eine Kassetten-Ausgabe des Albums daheim, mit einem ganz anderen Bild-Hintergrund als die CD.

Auf jeden Fall finde ich, dass das sehr gelungene Coverbild die Heavy Metal-Musik des Anthrax-Albums symptomatisch widergibt; "Stomp 442" klingt so, als ob man es auf einer Abfallhalde zwischen ein paar Schrottpressen eingetrümmert hätte. Diese Analogie soll keineswegs dazu dienen die Platte und ihre Songs schlecht zu machen, ganz im Gegenteil. Die Produktion ist zwar etwas verwaschen und schlammig, kann die Power der Lieder allerdings nicht beschränken. Die harten Gitarrenriffs, die sich mit packenden Hooks und knackigen Rhythmen verknüpfen, sind klasse und kraftvoll. Lieder wie der harte Opener "Random Acts Of Senseless Violence", das vollgetankte "Fueled", oder das furiose "American Pompeii", trümmern sich zwar hart durch die Gegend, sind aber auch melodisch und stimmig.

Musikalisch ist "Stomp 442" meines Erachtens mehr Heavy Metal mit Thrash- und Hardcore-Einflüssen als der Thrash Metal für den Anthrax bekannt geworden sind. Bereits der Vorgänger "Sound Of White Noise" stellte einen Wendepunkt dar, in dem Anthrax ihre Musik mit einem leichten Einfluss von Grunge versetzten. Davon merkt man auf "Stomp 442" nicht mehr viel. Klassischer Thrash ist es trotzdem nicht, besonders der immer wiederkehrende Sprechgesang von John Bush (der seine Sache super macht) schlägt eine Brücke zum Hardcore. Insofern könnte ich die schlechten Einschätzungen, die ich seinerzeit in der offiziellen Presse lesen konnte, durchaus etwas nachvollziehen. Wenn man aber darüber hinwegsieht, kann man ein hartes und interessantes Album entdecken, das sich prima zum Abreagieren eignet. Manchmal geht man in eine Kiesgrube, manchmal pfeift man sich "Stomp 442" rein, was denselben Effekt hat.

- die Wiederveröffentlichung (nicht die von Nuclear Blast!) beinhaltet neben einer Eigenkomposition drei gelungene Cover von Celtic Frost, Hüsker Dü und Kiss, spart aber das Iron Maiden-Cover "Remember Tomorrow" aus.


Diesel & Power
Diesel & Power
Wird angeboten von goodtasterecords
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voll auf die 12, 18. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Diesel & Power (Audio CD)
Zuerst wähnte ich "Total 13" für das Debüt der schwedischen Backyard Babies, doch mehr durch Zufall ist mir dann "Diesel And Power" in die Finger gefallen. "Diesel And Power"? Backyard Babies? 1994? Ganz klare Sache, diese Scheibe musste dringend her. Warum dieses Album in der Wahrnehmung von Fans und Band selbst etwas in der Versenkung verschwunden ist, hat sich mir nie so ganz erschlossen, denn es ist absolut superb. Wie schon beschrieben wurde, offenbart es allerdings die Wurzeln der Babies ziemlich deutlich, denn es haut total in die Kerbe des US-Amerikanischen Rock N'Rolls der 80iger Jahre. Mit "Diesel And Power" wandeln Backyard Babies ganz unverholen auf den Spuren von Cinderella, Guns N'Roses, Faster Pussycat, L.A.Guns und Jetboy.

Aber abseits davon kann man auch schon dezente, aber wilde Punk Rock-Einflüsse à la Stooges, Ramones und Social Distortion wahrnehmen, die aus "Diesel And Power" einen fetzigen, wilden Glam-/Sleaze-Rock-Cocktail machen. Lieder wie "Wild Dog" und "Electric Suzy" tendieren daher schon etwas in die derbe Richtung, die die Band mit "Total 13" einschlagen sollte. Insofern mischen sich etwas schnellere Nummern mit etwas getrageneren Stücken, die allerdings nicht weniger schmutzig rüberkommen.

Der Sound ist noch nicht richtig fett, aber das muss er für diese Art von ungewaschener Rockmusik auch nicht sein. Die Gitarren sind schön schneidig, und sleazen sich nur so durch die Gehörgänge. Sicherlich lehne ich mich jetzt ein wenig aus dem Fenster, aber ich finde, der Gitarrensound kommt durch scharfe Riffs fast (annährend) genauso schnittig wie frühe ZZ Top, und schielt auch etwas in das Territorium von Social Distortion. Backyard Babies traten mit "Diesel And Power" nicht nur die Pfade von Mötley Crüe & Co. weiter aus, sondern fanden bereits langsam zu ihrem eigenen Rock N'Roll-Sound. Hier wird Melodie geschmeidig und fetzig mit Dreck und energetischem Punk verbunden.

Insgesamt wirkt das Album noch etwas naiv, was vielleicht der falsche Ausdruck ist, denn dieses ungestüme, jugendliche Flair braucht es einfach für energiegeladenen Rock N'Roll, der hier frisch aus den Boxen knallt. Sänger Nicke Borg klingt noch nicht ganz so fies, ist aber schon als charismatischer Rocksänger wahrzunehmen. Man darf halt nicht vergessen, dass sich die Band 1987 quasi als Schülerband gründete. Zusammen mit der Compilation "From Demos To Demons" und "Diesel And Power" kann man den Werdegang der Babies wunderbar nachverfolgen und -vollziehen, der schließlich in solchen Alben wie "Total 13" und "Making Enemies Is Good" gipfelte. "Diesel And Power" kann aber nicht nur als wichtiger Schritt dorthin betrachtet werden, sondern auch als erstklassiges Sleaze-Rock-Album.

In vergangener Dekade habe ich viele Backyard Babies-Gigs besucht, aber nie einen Song von "Diesel And Power" gehört. Schade, denn diese Songs könnten den ohnehin schon starken Set sogar noch aufwerten! Für Backyard Babies-Anhänger dürfte sich mit "Diesel And Power" ein super Album der schwedischen Schweinerocker erschließen lassen, aber da es eben auch ein Album ist, dass den 80iger Rock aufs Krasseste abfeiert, dürften auch Fans von Sleaze Rock auf ihre Kosten kommen.


Dangerous Toys
Dangerous Toys
Wird angeboten von renditeplus
Preis: EUR 16,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gefährliches Gleitmittel, 13. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Dangerous Toys (Audio CD)
Dangerous Toys waren eine Hard-/Sleaze-Rockband aus Texas, die auf dem Zenit des Hair-und Glam Metal noch einen gewissen Achtungserfolg einfahren konnte. Die Band wurde ursprünglich unter dem Namen Onyx 1986 in Austin mit einer Sängerin gegründet, und tourte eine zeitlang die staubigen Straßen Texas' rauf und runter. Dadurch entstandene Konflike mit der Sängerin, der es gelungen ist, ihren Namen geheimzuhalten, führten 1987 zu einem Split der Band mit ihrer Frontfrau. Die verbliebene Band entsann sich des befreundeten, stimmgewaltigen Sängers der Progressive Metaller von Watchtower, überredete ihn, bei ihnen einzusteigen und änderte den Namen der Band zu Dangerous Toys. Eine Zeitlang war Jason McMaster bei beiden Formationen hinter dem Mikro aktiv, entschied sich 1988 aber vollkommen für den Street-Rock von Dangerous Toys, da diese einen Vertrag bei Columbia Records ergattern konnten.

Mit ihrem 1989 veröffentlichten, selbstbetitelten Debütalbum lagen Dangerous Toys musikalisch zwar durchaus etwas auf der Schiene des damals angesagten Hair Metal, brachten aber ähnlich wie Guns N'Roses eine gewisse Street-Credibility mit. Dangerous Toys spielten ungestümen Powerrock zwischen AC/DC und Rose Tattoo, mit einem gewissen Alice Cooper-Charme und einem dezenten Einfluss von Southern-Rock und Heavy Metal, der sich z.B. durch die Verwendung eines Double-Bass-Drummings äußert. Hymnische Refrains wie z.B. die des Hits "Scared" oder der Power-Ballade "Feels Like A Hammer" knüpfen eben direkt etwas an den Hair Metal an. Klingt alles etwas nach einem chaotischen Stil-Misch-Masch, was tatsächlich auch etwas auf die wilden Hals-über-Kopf-Kompositionen zutrifft, doch der Rock N'Roll von Dangerous Toys ist immer noch straight genug, um nicht ins Lächerliche oder Komische abzudriften. Man kann sich das Album gut an einem Stück anhören, es bewegt sich auf einem geschmeidigen, konstanten Level. Besonders gut gefallen mir allerdings die erwähnte Power-Ballade, das etwas getragene, melodische "Queen Of The Nile", und die furiosen Rocker "Outlaw" und "Ten Boots Stompin'", sowie das sehr AC/DC-mäßige "That Dog", daß man sich anscheinend geringfügig bei "Givin' The Dog A Bone" abgeschaut hat. Das Debütalbum wurde zum größten Erfolg der Band, woraus eine Goldauszeichnung in den Vereinigten Staaten resultierte.

Die Band ist oft mit Guns N'Roses verglichen worden, was zwar nicht an den Haaren herbei gezogen ist, meines Erachtens trotzdem nicht so ganz zutrifft. Der Gesang von Sänger Jason McMaster ist dem von Axl Rose recht ähnlich, beide singen zudem in derselben Tonlage. Trotzdem finde ich, dass McMaster seine ganz eigene Charakteristik inne hat, und zurecht als super Sänger dieser Musikrichtung gilt. Klanglich finde ich, dass Dangerous Toys hier ähnlich schmierig wie Junkyard sind, die Lieder flutschen nur so aus den Lautsprechern. Gerne würde ich da "motorölverschmiert" oder "ölig" schreiben, doch lässt mich die Chose eher an Gleitmittel denken, was den überwiegend anzüglichen, sexualisierten Dangerous Toys-Lyrics auch besser entgegenkommt. Die Produktion ist gut, und kommt den ungestümen und etwas harten, aber auch melodischen Songs auf jeden Fall entgegen. Die Dangerous Toys-Musik ist ungestümer Sleaze Rock mit einem gewissen Kirmes- und Zirkusflair, insofern passt der fiese Clown auf dem Cover ganz prima. Wenn man auf den Hard Rock der 80iger Jahre steht, bieten Dangerous Toys auf jeden Fall eine gute, nette und eigenständige Ergänzung. 3,5 Sterne.


Not Fakin' It
Not Fakin' It
Preis: EUR 13,79

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super Rock N'Roll Melange, 13. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Not Fakin' It (Audio CD)
Im September 1989 veröffentlichte der damals ehemalige Hanoi Rocks-Sänger Michael Monroe mit "Not Fakin' It" sein zweites und bis heute erfolgreichstes Soloalbum. Mit seinem zweiten Album entfernte sich Michael Monroe etwas vom rotzigen Glamrockstil der Hanoi Rocks, und tendierte zu kantigen, leicht angeschmutzten Hard Rock à la Nazareth mit poppigen und rock n'rolligen Querverweisen. Albumtitel und das gleichnamige Lied gehen auf die schottische Band aus Dunfermline zurück. Neben "Not Fakin' It" gibt es mit "She's No Angel" noch ein weiteres Cover, das den englischen 70iger Glam-Rockern von Heavy Metal Kids entstammt. Tatkräftige Unterstützung erhielt Michael Monroe u.a. von Steven Van Zandt aka Little Steven, und mit Nasty Suicide war zudem ein Bandkollege von Monroe in diesem Album involviert, der nicht nur die Gitarre bei dem ein-oder-anderen Song betätigte, sondern wie Little Steven auch am Album mitschrieb.

"Not Fakin' It" ist ein sehr interessantes Album. Einerseits wird gnadenlos und hart gerockt, aber andererseits gibt es auch sehr melodische, fast schon poppige, New Wave-mäßige Rocklieder, die sich in den 80iger-Charts nicht nur sehr gut gemacht, sondern auch besonders positiv hervorgehoben hätten. Musikalisch sind solche Lieder wie "All Night With The Lights On", "Man With No Eyes", "Smoke Screen", oder auch "Thrill Me", allerdings auch nicht allzuweit von Hanoi Rocks entfernt. Wenn "Pop"rock, dann so, aber genauso. Das Seltsame, oder gar Widersprüchliche, an "Not Fakin' It" ist, dass sich die sanfteren, aber nicht seichteren Lieder von den harten Rock N'Rollern kaum abheben, sondern vielmehr prima ergänzen. Das Album wirkt sehr ausgeglichen, homogen und kompakt, wofür sicherlich auch Michael Monroes Rock N'Rollröhre mit dafür sorgt. Aber nicht nur die etwas poppigere Seite gefällt mir sehr gut, besonderen Gefallen hatte ich sofort an den härteren Rock N'Rollnummern gefunden, die mit Mundharmonika und Honky Tonk-Piano auf das Fetzigste zusätzlich instrumentiert wurden. Man wird diesbezüglich sofort an Little Richard, James Cotton und Jerry Lee Lewis erinnert. Lediglich das für Michael Monroe typische Saxophon tritt kaum in Erscheinung.

Beim Videoclip zu dem sleazigen Opener "Dead, Jail Or Rock N'Roll", der damals bei MTV auf Rotation ging, trat Guns N'Roses-Sänger Axl Rose mit auf, miteingesungen hat er den Song allerdings nicht. "Not Fakin' It" bietet eine harte, tolle und damals zeitgemäße Mischung aus klassischem Hard- und Glam Rock, die stark mit Ecken und Kanten produziert, und mit Rock n'Roll in seiner Urform, sowie etwas Pop angereichert wurde. Vielleicht ist es etwas weniger für Glam Rock und Hanoi Rocks-Enthusiasten, aber auf jeden Fall für Fans von kantigen und melodischem Hard Rock.


Powerslave
Powerslave
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Preis: EUR 27,45

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein halber Klassiker?, 5. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Powerslave (Audio CD)
Yoo .. ich glaube, ich mach' mich hier jetzt mal unbeliebt. "Powerslave" gilt unter Kritikern und Fans gleichermaßen als unbestreitbarer Klassiker im Arsenal von Iron Maiden. Einerseits trägt das Album seinen Klassikerstatus durchaus zurecht, aber andererseits möchte ich jetzt ein bißchen daran rütteln, ohne die Klasse von Iron Maiden in Frage zu stellen.

Zu den allerersten Liedern, die ich von Iron Maiden hören durfte, gehörten die beiden Singles "2 Minutes To Midnight" und "Aces High", die 1990 im Rahmen einer "The First Ten Years"-Reihe von Iron Maiden auf einer CD zusammengefasst, und mit ihren B-Seiten veröffentlicht wurde. Unter den angebotenen Titeln habe ich mir als Pimpf diese Ausgabe gekauft, weil mir das "2 Minutes To Midnight"-Cover so gut gefallen hatte. Ich kannte zwar schon etwas von Iron Maiden, aber auf diese beiden Singles sollte ich so sehr abfahren, dass ich unwiderruflich zum Maiden-Anhänger mutierte. Irgendwann, nachdem ich immer nur das Beste von "Powerslave" gelesen hatte, beschaffte ich mir bei nächster Gelegenheit das vollständige Album. Angesichts "2 Minutes To Midnight" und "Aces High", die rocken, melodisch, mit packenden Riffs ausgestattet, und Maiden in Top-Form und Reinkultur sind, konnte ich die Kritiken sehr gut nachvollziehen, und war regelrecht hippelig auf "Powerslave". Doch als sich die Platte dann endlich auf dem Plattenteller drehte, war ich etwas enttäuscht.

Das Album wird von den furiosen Singles zu Beginn, und dem machtvollen Titelsong, sowie dem herausragenden, fast 14-minütigen "Rime Of The Ancient Mariner" flankiert und überragt, die Songs dazwischen scheinen etwas in einer Talsohle zu liegen. Sie sind alles andere als schlecht, haben meiner Ansicht nach aber weder die Magie noch die Kraft der 4 besten Songs von "Powerslave" inne. Damit ist das Album in einen hervorragenden Teil, der Maiden in absoluter Bestform zeigt, und einem für diese Band eher durchschnittlichen Teil, "aufgeteilt", wie ich finde. Der Talboden bei Maiden liegt allerdings immer noch weit höher als die Ebenen vieler Metal-Bands.

Betrachtet man vielleicht den Hintergrund, in dem "Powerslave" entstand, könnte man eventuell zu einer Erklärung kommen: unmittelbar im Anschluss an die "World Piece"-Tour legten Maiden im Januar 1984 eine dreiwöchige Pause ein, in der sie schnell alle Lieder für "Powerslave" schrieben. Die Songs entstanden in einem recht kurzen Zeitraum zwischen Tour und Albumaufnahme. Im August desselben Jahres waren Maiden schon wieder auf ihrer "World Slavery"-Tour. Natürlich muss das jetzt kein Kriterium für die etwas durchnittlicheren Songs des Albums sein, viel gute Musik ist in kurzer und kürzester Zeit entstanden, darunter natürlich auch "Rime Of The Ancient Mariner", das laut Steve Harris unter enormen Zeitdruck entstand. Dabei kann eben gutes, aber auch weniger gutes herauskommen. Das mag hier jetzt etwas gemein klingen, weil riff-betonte Lieder wie "The Duellists", "Flash Of The Blade" & "Back In The Village" alles andere als schlecht sind, sie wirken nur nicht ganz so inspiriert wie die herausragensten Songs des Albums. Im Speziellen kann ich keinen Gefallen an den etwas überzogenen Refrains finden, die meinen Eindruck trüben. Ein Song wie "Powerslave" besticht bsp. mit orientalisch angehauchten Riffs und Melodien, man merkt, dass dieser Song fein ausgearbeitet wurde, und dass man sich dabei einiges gedacht hat. Ich hätte mich da sicherlich gefreut, wenn Maiden das Konzept des alten Ägypten musikalisch etwas weiter vertieft hätten.

Die astreine Produktion von Martin Birch, die "Powerslave" zu keinem Zeitpunkt altbacken klingen lässt, sorgt nichtsdestotrotz für ein homogenes Album, das von einem tollen Coverartwork veredelt wird. Vielleicht rührt der besondere Status von "Powerslave" nicht nur aus seiner Musik, sondern auch aus der gigantischen "World Slavery"-Tour her, die mit dem faszinierenden Livealbum "Live After Death" gekrönt wurde. Aber - keine Diskussion, "Powerslave" sollte natürlich in keiner Sammlung fehlen, denn als Heavy Metal-Album ist es zweifelsohne immer noch exzellent, selbst wenn sich meiner Ansicht nach geringfügige Schwächen im Songwriting eingeschlichen hatten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2013 6:59 PM CET


Skid Row
Skid Row
Preis: EUR 10,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesäuberter Gossenrock, 4. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Skid Row (Audio CD)
Die Geschichte der amerikanischen Hard-/Sleaze-Rocker Skid Row aus New Jersey ist schon fast als filmreif zu bezeichnen. Die Band legte Ende der 80iger eine kometenhafte Karriere hin, von nahezu unbekannten Musikern zu absoluten Rockstars. Und genauso schnell wie sie den Gipfel erklommen hatten, fielen sie Mitte der 90iger wieder zurück in den Untergrund.

Gitarrist Dave Sabo wächst in Nachbar- und Freundschaft zu Jon Bongiovi auf, und spielte mit ihm in einigen gemeinsamen Bands, bevor dieser 1984 mit Bon Jovi ins Musikgeschäft startete. Mitte der 80iger Jahre wurden dann die künftigen Skid Row von Gitarrist Dave "Snake" Sabo und Bassist Rachel Bolan beschlossen, nachdem Sabo Bolan ein paar Tapes von sich in die Hand drückte. Das Bandgefüge wurde mit Gitarrist Scotti Hill, einem Bekannten von Bolan, und Schlagzeuger Rob Affuso ergänzt. Der erste Sänger der Band, ex-Anthrax-Sänger Matt Fallon, wurde Anfang 1987 durch den Heißsporn Sebastian Bach ersetzt, nachdem dieser von einer kanadischen Band abgeworben wurde. Skid Row waren so begeistert von Bach, dass sie ihn aus einem laufenden Vertrag herauskauften. Das Geld dazu hatten Skid Row von Jon Bon Jovi, der die Band schließlich auch an sein Management vermittelte, woraus ein Plattenvertrag bei Atlantic resultierte. Anscheinend aus Dankbarkeit für die Schützenhilfe unterzeichneten Skid Row damals auch eine Art Knebelvertrag mit Bon Jovi, der ihnen alle Veröffentlichungstantiemen zusicherte. Ein Umstand, der mit dem hereinbrechenden Erfolg viel böses Blut fließen lassen sollte.

Das Debütalbum "Skid Row" wurde unter der Ägide von Top-Produzent Michael Wagener aufgenommen und wurde 1989 veröffentlicht. Der Ausdruck "Skid Row" ist eine amerikanische Bezeichnung für Slums oder heruntergekommene Wohngegenden der Industriestädte, der 1930/31 in der Großen Depression etabliert wurde, und leitet sich von dem Term "skid road" ab, einer behelfsmäßigen Straße aus Baumstämmen in einem Holzfällergebiet. Der Name, der von Gary Moore zur alleinigen Nutzung erworben wurde, schien wie geschaffen für die Guns N'Roses-Epigonen, obwohl der wilden Band durch die astreine, aber auch etwas gesäuberte Produktion des Debüts etwas der Straßendreck abging. Da ist wohl die Straßenreinigung einmal kurz durch die Gosse gefahren.

Trotz aller Energie "fehlte" Skid Row da etwas das Element des Punk Rock. Die Band verstand es mit ihrem Debütalbum zwar wie man zügellos drauflosrockt, ließen sich allerdings trotz quietschender, satter Gitarren, und einem harten und kantigen Klang, in der Gesamtproduktion etwas mäßigen. Das Album überzeugt aber nicht nur mit furiosen, sleazigen Rocknummern, und etwas härteren Heavy Rock-Stücken, sondern auch mit starken Hymnen und Refrains, sowie den gekonnten Power-Balladen "18 And Life" und "I Remember You", bei denen die Gitarren auch zum Vorschein kommen. Das Album ist ein rundes, stimmiges Gesamtwerk, dass dennoch sehr abwechslungsreich daherkommt, und bei dem Wagener einen super Job abgeliefert hat.

Sowohl das Album, als auch die zugehörigen Singles schlugen wie eine Bombe ein, vom Album allein gingen nur in den Vereinigten Staaten schlappe 5 Millionen Kopien über die Tresen. Man krabbelte bald an die obere Spitze der US-Charts und rockte sich für eine kurze Zeit in die Herzen der Fans der ganzen Welt. In Sebastian Bach hatten Skid Row einen begnadeten Sänger und Frontmann, der es nicht nur verstand, hervorragend zu singen, sondern auch ein herausragender Entertainer zu sein. Bach war zu Zeiten des Debüts gerade mal 21 Jahre alt, und erschien wie der Prototyp eines Hard Rock- und Metalsängers: wild, groß, unberechenbar, charismatisch, und mit einem Gesang gesegnet, der Mauern erschauern liess. Die Presse steckte die Band ungerechtfertigterweise in die Schublade der gesichtslosen Teenie-Stars, ein Image, welches der Band überhaupt nicht passte.

Skid Row schlugen mit ihrem Debüt eine Brücke zwischen dem ruppigen Sleaze Rock Guns N'Roses' und feingeschliffenem Hair-/Glam-Metal à la White Lion. Mit ihrem vollkommenen Zwittersound erschienen Skid Row nicht nur auf dem Höhepunkt des 80iger Jahre Rock N'Rolls, sondern entsprachen auch perfekt dem damaligen Zeitgeist. Ihre Energie bezogen Skid Row anstatt dem Punk aus einem dezenten Heavy Metal-Einfluss von Gruppen wie Accept, Black Sabbath und Judas Priest. An manchen Ecken wirkt das Album zwar etwas kalkuliert und auf Hit-Tauglichkeit getrimmt, aber das ändert nichts daran, dass Skid Row zweifellos eine super Band war, die wilden Rock zu spielen wusste. Schon erstaunlich, was man damals unter einer Hitplatte verstand ...


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