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Rezensionen verfasst von
Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Bitter Sweet And Twisted
Bitter Sweet And Twisted
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Das zweite Album feuerte aus allen Rohren, 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Bitter Sweet And Twisted (MP3-Download)
Das zweite Album der englischen Quireboys scheint unter Anhängern nicht ganz so beliebt zu sein. Oft konnte ich darüber lesen, dass es ein schwacher, kommerzialisierter Nachfolger des Debüts sei. Produziert von Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe, The Cult) ist "Bitter, Sweet & Twisted" wirklich etwas auf den amerikanischen Markt zugeschnitten, und lässt sich durchaus mit Musik von Bands wie Guns N'Roses, Faster Pussycat, Cinderella und Aerosmith vergleichen.

Besonders etwas sleazige, bluesige Rocker wie der Opener "Tramps And Thieves", "White Trash Blues", das von einer Slide-Gitarre getriebene "My Saint Jude", und der von einer Cowbell akzentuierte Abschluss "Ain't Love Blind" tendieren musikalisch zum bluesigen US-Rock Ende der 80iger. Aber das bedeutet meines Erachtens nicht, daß die Quireboys ihren ureigenen, englischen Charme dafür aufgegeben haben. "Bitter, Sweet & Twisted" ist ein grundanständiges, feines Rock N'Roll-Album, das sich nach-wie-vor in der Tradition von britischen, von R&B beeinflussten Rockbands à la The Rolling Stones, Faces und Humble Pie befindet.

Im Gegensatz zu dem tollen Debüt "A Bit Of What You Fancy" kommen Quireboys sehr viel tighter und abgeklärter rüber. War ihr erstes Album noch recht verspielt und klang vielleicht etwas zu sehr nach den Faces, fanden Quireboys mit "Bitter, Sweet And Twisted" zu einem etwas eigenständigeren, ausgereifteren Klangbild. Das Album zeigt sich auch deutlich weiterentwickelt und sehr viel abwechslungsreicher, was durch so unterschiedliche, aber tolle Lieder wie der abgefahrene, etwas boogie-mäßige Pub-Rock N'Roller "Can't Park Here", das mit swingenden Bläsern angereicherte, schleppende, etwas nach Sinatra klingende "Debbie", dem aufpolierten Blues "Ode To You", und dem Country & Western-Stück "Hates To Please" ausgedrückt wird. Diesem Abwechslungsreichtum folgt "Brother Louie", ein fetziger, sehr swingender Song, der auf ein Lied von Errol Brown und Tony Wilson (die britische Pop-Band "Hot Chocolate") zurückgeht. Die sehr ruhige Ballade "King Of New York", "The Last Time", und "Take No Revenge" sorgen für besinnlichere Momente auf "Bitter, Sweet & Twisted". Das rock n'rollige "Wild, Wild, Wild" ist vielleicht der einzigste Song, der auch auch dem Debütalbum hätte stehen können. Ich seh' schon, ich zähle das komplette Album auf - 14 Songs, und meines Erachtens kein Ausfall dabei.

Im Hintergrund ist natürlich das für Quireboys typische Honky Tonk-Piano stets wahrzunehmen, das meiner Meinung nach viel besser in die Lieder integriert wurde, als noch auf "A Bit Of What You Fancy". Zudem griff die Band auf eine reichhaltige, facettenreiche Instrumentierung zurück, die durch Sitar, Mandoline, Mundharmonika, Hammond B3 Organ, Clavinet, Bläser und Streicher deutlich wird.

Veröffentlicht im Jahre 1993, erschien das Album viel zu spät, um im um-sich-greifenden Grunge-Boom noch etwas zu reißen, obwohl in dieser Zeit der sogenannte 'Roots'-Rock mit Bands wie den Black Crowes ein großes Revival feierte. Wenn man auf Rock N'Roll der 70iger-Jahre, und bzw. oder auf sleazigen, bluesigen US-Rock Ende der 80iger steht, sollte man "Bitter, Sweet & Twisted" durchaus mal antesten. Ich denke, dass sich das mehr als nur lohnt. Zumindest ich sehe das Album auf einer Augenhöhe mit solchen Alben wie "Pump" von Aerosmith, "Heartbreak Station" von Cinderella, oder auch "Use Your Illusion" von Guns N'Roses, ohne dass es einen Abklatsch darstellen würde. Die Quireboys sind keine Kopie, sie sind nicht Guns N'Roses oder die Rolling Stones. Sie sind auch nicht die Faces oder Rod Stewart. Sie sind auf jeden Fall eine verdammt fantastische Rock N'Roll-Band, die einen nicht enttäuscht. Schade, das den Quireboys kein ähnlicher Erfolg vergönnt war.


Damned nation
Damned nation

4.0 von 5 Sternen Symbolisches Coverartwork, 2. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Damned nation (Audio CD)
Jetboy sind eine aus San Francisco stammende L.A.-Sleaze-/Glamrock-Gruppe, die Ende der 80iger mit der beginnenden Erfolgswelle von Guns N'Roses ans Licht der Öffentlichkeit gespült wurde. Guns N'Roses selbst traten in ihrer Anfangszeit gar als Vorband für Jetboy auf, die in den ersten Jahren ihres Bestehens noch viel Glam-Rock-lastiger agierten, als auf ihren beiden damalig veröffentlichten Alben.

"Damned Nation" ist das zweite veröffentlichte Album von Jetboy, und auch das Album mit den Songs, dir mir am Besten von der Band gefallen; was sicherlich auch am wohl typischen 80iger-Hard-Rock-Sound der Platte liegen mag. Das Album weist eindeutige Einflüsse von AC/DC, Aerosmith, Hanoi Rocks und The Rolling Stones auf, sowie eine leicht bluesige Schlagseite, vermengt mit dem Glam Rock der 70iger. Damit klingen Jetboy vorallem - wie ich finde - wie Faster Pussycat und lehnen sich dabei auch an Guns N'Roses und den L.A. Guns an, doch eigentlich trotz guter Songs sind Jetboy zu keinem Zeitpunkt so gut wie eine der erwähnten Bands.

Dort, wo Guns N'Roses z.B. gnadenlos das Gaspedal durchgedrückt haben, kurven Jetboy eher mit angezogener Handbremse durch die Gegend, das mag einerseits gut zum Song passen, wie z.B. bei "Heavy Chevy", einem schweren, schleppenden Blues-Rocker, andererseits auch ein wenig hinderlich wirken, wie bei "Ready To Rumble", einem an-und-für sich tollen Hard-Rock-Song, mit einem knallenden Riff und bei dem Mickey Finn krächzt und röhrt wie eine Kettensäge. Man hat aber nur irgendwie das Gefühl, der Song müsse erst noch von der Leine gelassen werden. Etwas mehr Kette haben Songs wie "Moonlight" oder auch "Groove Tube"; das Album startet stark, lässt mit fortlaufender Spielzeit jedoch etwas nach.

Überhaupt Mickey Finn: die vocals sind auf "Damned Nation" wesentlich schmutziger als auf vorangegangen Aufnahmen, was mir persönlich besser gefällt, allerdings ist er bei weitem nicht so - ich bezeichne es mal so - charismatisch als z.B. Axl Rose oder Phil Lewis. Aber das ist wohl Ansichtssache. Und in der Tat konnten Jetboy nie auch nur ansatzweise an den Erfolg von Guns N'Roses anknüpfen, noch nicht einmal an die damaligen Erfolge der L.A. Guns oder gar Faster Pussycat. Ich denke, im Vergleich ist das zwar schade, aber irgendwo auch verständlich. "Damned Nation" gefällt mir gut, aber bei weitem nicht so gut wie manch anderes. Wenn man 80iger-US-Hard-Rock zugetan ist, sind Jetboy auf jeden Fall eine sehr gute Ergänzung, aber sehr viel mehr leider auch nicht.


Pump
Pump
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Überholte Aerosmith-Maschine mit Extras, 1. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Pump (Audio CD)
Der überwältigende Erfolg von "Pump" führt oft dazu, dass man Aerosmith verächtlich vorwirft, sie wären jetzt musikalisch vollkommen im Mainstream angelangt, würden "billigen Poser-Rock" spielen und sich dem Kommerz ergeben. Solche Vorwürfe mögen ob dem breiten Erfolg irgendwo ihre Berechtigung haben, aber "billig" lasse ich nicht gelten, Aerosmith kann man wohl kaum als Poser-Rock bezeichnen. Natürlich haben ihre Alben Ende der 80iger dazu beigetragen, von einem breiteren Publikum wahrgenommen zu werden, und haben Aerosmith endgültig in der Riege der erfolgreichsten Bands etabliert.

Die Alben sind durchaus recht durchfrisiert und entsprachen dem damaligen Zeitgeist, aber diese Zeit war - zumindest nach meiner Ansicht - die letzte große Ära des Rock. Die letzte große Ära des Rock und "Pump" ist eines ihrer wichtigsten und besten Alben, das spricht doch schon ein wenig für sich, nicht? Die Aerosmith der 70iger waren ruppiger, keine Frage, aber eigentlich nicht härter. Aber nur weil die Aerosmith der späten 80iger nicht mehr ganz so ungestüm und ein wenig glatter waren, bedeutet das nicht, das sie in etwa schlecht oder gar schlechter gewesen wären. Meiner Ansicht nach war "Permanent Vacation" da zwar mit guten Songs ausgestattet, aber ziemlich glatt und vergleichsweise sanft (nein, kein typischer Poser-Rock) produziert; dasselbige wirft man "Pump" auch vor, vielleicht hab' ich was an den Ohren, aber ich finde Aerosmith klingen auf "Pump" wieder etwas erdiger und scheppernder als auf "Permanent Vacation".

"Young Lust" poltert gleich zu Beginn ins Album und rockt ziemlich geradlinig vorwärts, "F.I.N.E." bleibt auf dieser rockigen Linie, scheppert aber nicht mehr so nach vorne und ist etwas bluesiger. "Love In An Elevator" ist gleich der erste Aero-Hit, aber das bedeutet nicht, das schon aufgehört wird zu rocken. Ich habe irgendwo gelesen, Aerosmith würden da wie ein 80iger-Jahre-Glam-Rock-Abklatsch klingen, die Chöre und der hintergründige Einsatz von Keyboards und Bläsern mögen zwar daran erinnern, und die Grundlage für solch eine Meinung geben, aber unter dem Strich kann ich diese Auffassung nicht so ganz teilen, die Riffs sind eigentlich typisch Aerosmith. Es ist bestimmt kein schlechtes Aerosmith-Lied, aber eigentlich noch das, das mir auf "Pump" am wenigsten gefällt. "Monkey On My Back" rockt lässig, riff-betont und ein wenig groovend weiter. "Janie's Got A Gun", der nächste Aero-Hit auf der Platte ist eine dramatische, schneller gespielte Ballade, samt Einsatz von Streichern, die dem Lied die charakteristischen Melodien verleiht. Meiner Meinung nach gehört der Song zu den besten Balladen von Aerosmith.

Mit "The Other Side" folgt gleich der nächste Aero-Hit, der von einem Dulcimer-Spiel eingeläutert wird, und, trotz Up-Tempo-Rock, auch von Bläsern und Keyboards geprägt ist, die allesamt eigentlich prima zum Song passen. "My Girl" ist wieder mehr Hau-Drauf-Riff-Rock N'Roll mit einem Rhythmus, der ein wenig an einen Stepptanz erinnert. Soetwas hatten motörhead ja schon auf "Ace Of Spades" gebracht, aber hier würde ich trotzdem sagen, fetzige Nummer, typisch Aerosmith. "Don't Mad, Get Even" wird von einem australischen Didgeridoo eingeleitet, bevor es wieder riff-betont bluesig und rockig weitergeht, die Nummer schleppt sich ein wenig, ist aber keinesfalls schlecht, Steven Tyler schreit wie ein junger Gott. "Voodoo Medicine Man" beginnt mit Keyboard und indianischen Rhytmen und zeigt sich dann als atmosphärischer, aber durchaus knallender Rock-Song, für mich definitiv ein Highlight auf "Pump". Die gute Ballade "What It Takes", unter abermaliger Verwendung von Streichern, und gewissermaßen ein Vorläufer der Aero-Balladen der 90iger, ist der letzte Song, bevor Klänge irisch inspirierter, amerikanischer Folkmusik das Album beenden.

Für mich klingen Aerosmith auf "Pump" durchaus nach alten, bluesigen Aerosmith, nur wesentlich frischer, überholter und ein wenig dem Zeitgeist der späten 80iger Jahre angepasst, was - wenigstens für mich - nichts Schlechtes bedeutet, zudem haben sie ihre Lieder durch eine Vielzahl an anderen und auch exotischen Instrumenten angereichert, die dem Album eine tiefere Klangvielfalt verleihen. Nur weil "Pump" zu den erfolgreichsten Alben von Aerosmith gehört, bedeutet das - wie eigentlich schon beschrieben - keinesfalls, dass es schlecht wäre. "Pump" ist neben "Get A Grip" das Album, das mich erst auf Aerosmith gebracht hat, in einer Zeit, in der Rockmusik gerade aufgehört hatte, erfolgreich zu sein, und damals hatte ich keine Ahnung von Kommerz, hohen Plattenverkäufen und was gerade ein Hit war oder nicht. Die Aerosmith-Rockmusik sprach nur für sich selbst, auf die Aerosmith der 70iger bin ich dann auch von ganz alleine gekommen, aber "Pump" nimmt nach wie vor eine Ausnahmestellung ein ...


For Those About To Rock
For Those About To Rock

5.0 von 5 Sternen Kanonendonner aus schwarzen Schatten, 31. August 2013
Rezension bezieht sich auf: For Those About To Rock (Vinyl)
Das 1981 veröffentlichte "For Those About To Rock" steht bis heute im langen Schatten seines hyper-erfolgreichen und monumentalen Vorgängers "Back In Black". Obwohl es für eine lange Zeit das einzigste AC/DC-Album war, das in den Vereinigten Staaten auf Platz 1 in den Charts stand, sollte es bei weitem nie denselben Status erreichen. Wenn man sich aber ein wenig intensiver damit auseinandersetzt, kann man ein hervorragendes Rockalbum entdecken. Denn "For Those About To Rock" ist meines Erachtens ein sehr interessantes Album: ich kann an ihm überhaupt nichts aussetzen oder kritisieren, obwohl die wirklichen Höhepunkte im Songwriting fehlen. Ich finde einfach nichts schlechtes daran.

Als ich zum ersten Mal auf "For Those About To Rock" gestoßen bin, war ich aber ziemlich unbeeindruckt davon. Ich langweilte mich sogar beinahe. Nach einigen Durchläufen fristete das Album für eine längere Zeit dann nur ein eher stiefmütterliches Dasein bei mir, obwohl ich im Grunde nichts daran auszusetzen hatte. Ich kramte es nur immer mal wieder heraus, um mir den Titelsong anzuhören. Für AC/DC-Platten ist das bei mir eigentlich undenkbar. Und man wird dem Album damit meines Erachtens aber auch nicht so ganz gerecht.

Die Produktion ist wie von AC/DC gewohnt, kantig und naturbelassen. Allerdings ist sie auch ziemlich klar und sauber. Was mit "Highway To Hell" begann, fand mit "For Those About To Rock" seine Vollendung. Gut gefällt mir dabei, dass die rauen Gitarrenriffs immer noch gut zur Geltung kommen. Der AC/DC-Sound wurde aber auch durchaus vom damals aufkommenden Heavy Metal beeinflusst; ein Umstand, der erst mit dem harten "Flick Of The Switch" stärker zum Tragen kam. Aber trotz einer gewissen Härte und auch trotz Ecken und Kanten ist die Produktion eben fast etwas ... zu perfekt. Man könnte den Eindruck bekommen, dass "For Those About To Rock" ein AC/DC-Designer-Album ist. Als "Back In Black"-Nachfolger speziell entworfen und zurechtgeschnitten.

Dafür sorgen nicht nur ein perfekter und wunderbarer Hard Rock-Sound, sondern auch ein fließendes, homogenes Songwriting, das durch feine und prägnante Riffs geprägt ist, die gekonnt von Angus Young Licks und Soli umschmeichelt werden. Die Lieder sind durchgehend stark und beinahe schon ausgeklügelt komponiert, aber mit Ausnahme des genialen Titelsongs ohne echte Höhepunkte. Sie sind überwiegend im durchaus flotten Mid-Tempo-Bereich angesiedelt. Ausgenommen hiervon sind lediglich der sich steigernde Titelsong, das etwas schnellere "Snowballed" und das sehr getragene "Breaking The Rules".

Die meisten Songs konnten mich nie so ganz packen, wie es andere Lieder der Australier vermögen. Der herausragende Titelsong ist dabei auf jeden Fall mal ausgenommen. Im Laufe der Jahre schlich sich das Album dann aber noch ganz still, heimlich und leise in meine Gehörgänge. Ich neigte immer öfter dazu, mir das vollständige Album anzuhören, was sich bis heute auch nicht mehr geändert hat.

Bedenken sollte man dabei aber auch, dass "For Those About To Rock" Im Gegensatz zu der frühen Schaffensphase von Sänger Bon Scott sogar noch mehr als "Back In Black" musikalisch im Blues Rock verankert ist. Der damalige Neu-Sänger Brian Johnson kreischt auch nicht mehr durchgehend so hoch, sondern krakeelt manchmal etwas gepresst auch in weitaus tieferen Tonlagen. Die juvenile Wildheit einstiger Tage wurde hiermit weitestgehend verabschiedet. Klanglich und musikalisch bildet "For Those About To Rock" eine stabile Brücke zwischen "Back In Black" und "Flick Of The Switch". Hiermit sind AC/DC sicherlich in den frühen 1980igern angekommen, wussten aber immer noch wie man anständig und routiniert zu rocken hat.


Junkyard
Junkyard
Preis: EUR 15,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Name ist Programm, 28. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Junkyard (Audio CD)
Junkyard sind eine schwer tätowierte und zähe Band aus dem L.A. der späten 80iger, die sich dem damals angesagten Sleaze Rock verschrieben hatte. Die Band wurde dort im Jahre 1987 von Sänger David Roach und Gitarrist Chris Gates gegründet, die beide aus Texas emigrierten. Um ein später festes Line-up zu komplettieren, brachte Gates mit Brian Baker einen alten Kumpel am Sechssaiter mit ein, den er aus gemeinsamen Tagen bei Punk-Bands wie Dag Nasty und Minor Threat kannte.

Das Label Geffen Records zeigte schnell Interesse an der Band, und finanzierte mit 3.000 $ ein erstes Demo. Diese zahlreichen Demos wurden später unter dem Namen Put It on Ten and Pull the Knobs Off! von der Band selbst veröffentlicht. Aufgrund dieser Demoaufnahmen boten Geffen der Band einen Kontrakt an. Unter der Ägide von Produzent Tom Werman (Cheap Trick, Mötley Crüe, Poison) machte sich die Band dann fix zu den Aufnahmen für das selbstbetitelte Debütalbum.

Wirklich kein anderer Terminus außer 'Sleaze' passt auf die fiese Musik dieser coolen Formation. Bei Junkyard ist der Name Programm, die Mucke klingt ziemlich abgewrackt, der Sound trieft nur so vor hochprozentigem Alkohol, Motoröl, Rost und Treibstoffen. Junkyard spielen schmierigen Rock N'Roll, der für Kurzweil sorgt. Die einstige Punk Rock-Vergangenheit der Band findet nur noch hintergründig statt. Die räudige Musik ist im Wesentlichen kompakter Hard Rock mit Elementen von Blues/Boogie, Punk, AC/DC-mäßigem Rock N'Roll, und einem unüberhörbaren Einfluss von trockenem Southern Rock.

Die Band wurde oft mit Guns N'Roses verglichen, ein Vergleich, der angesichts des schmutzigen Rock N'Roll-Cocktails zwar nicht allzuweit hergeholt ist, sich mir persönlich aber trotzdem nicht so ganz erschließt. Ich schätze, dies dürfte vorallem damit zu tun haben, die Sonne des G N'R-Erfolgs auch auf Junkyard scheinen zu lassen. Schließlich war die Band bei Geffen unter Vertrag, und ein Vergleich dürfte sicherlich werbewirksam gewesen sein. Meines Erachtens klingen Junkyard aber bei weitem nicht so erdig, sondern schmieriger und versiffter, und dabei sogar noch weitaus asozialer. Allerdings fehlen ihnen dabei auch ein wenig die Kanten und die Rohheit, die auch bei Bands wie Circus Of Power oder The Almighty auftaucht.

Die ganz großen Sleaze Rock-Hits haben Junkyard auch nicht in petto. Aber boogie-mäßige Rock N'Roller wie die Alkohol-Hymne "Blooze", und straighte, schnelle Rocker wie "Shot In The Dark" oder das fetzige, tolle "Life Sentence" (Anspieltipp!), sorgen für gute Laune und Stimmung. Mit "Long Way Home" gibt es einen Blues Rocker, und mit "Hands Off" auch einen regelrechten Heuler von Ballade. Die Southern Rock-artige Ballade "Simple Man" kommt dagegen wesentlich angenehmer rüber. Der wohl bekannteste Song von Junkyard, das Glam Rock-mäßige "Hollywood", war sogar ein geringer Single-Erfolg. Dazu gibt es übrigens einen wilden Videoclip.

Trotzdem wurde die Band weitestgehend ignoriert. Selbst in heutigen Insider- und Poser Rock-Kreisen scheinen Junkyard hierzulande eher eine (wenn überhaupt) untergeordnete Nebenrolle zu spielen. Das Album mag vielleicht nicht unbedingt ein Klassiker dieses Genres sein, aber meines Erachtens haben Junkyard für Sleazer und 80iger Hard Rock-Anhänger einiges zu bieten. Neben einem versifften Sound und einigen ansprechenden Songs klingen die kreischenden Vocals von Sänger David Roach für mich ziemlich nach Vince Neil von Mötley Crüe. Sie sind vielleicht nur etwas fieser und kräftiger. In diesem Sinne nicht unbedingt die schlechteste Referenz. Ich kann nur empfehlen, in die Musik mal reinzuhören, wenn man auf den Sleaze- und Glam Rock der 80iger steht.


New Tattoo
New Tattoo
Wird angeboten von Discover Music
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dekadenz vom Reißbrett, 27. August 2013
Rezension bezieht sich auf: New Tattoo (Audio CD)
Das letzte Studioalbum von Mötley Crüe, das 2008 veröffentlichte "Saints Of Los Angeles", gilt unter vielen Crüeheads als legitimer Nachfolger von "DR Feelgood". Amüsanterweise attestierten die Medien dies davor bereits dessem Vorgänger "New Tattoo". Bassist Nikki Sixx beschrieb in "The Dirt" das Album jedenfalls als das Album, das dem erfolgreichsten Werk der Crüe hätte folgen sollen. Ich schätze, dies dürfte er auch als Werbung für das damals aktuelle Werk der Mötleys gemeint haben. Dem selbstbetitelten Album mit John Corabi wird er meiner Ansicht nach damit nicht ganz gerecht, denn ich finde dies wirklich klasse. Zudem reflektiert es eine bestimmte Phase in der Geschichte der Band.

Doch zurück zu "New Tattoo": musikalisch ist da auf jeden Fall ein bißchen was dran, wenn man das im Jahre 2000 veröffentlichte Album in einer Relation mit "DR Feelgood" setzt. Nach dem Alternative-/ Industrial-Rock-Rohrkrepierer "Generation Swine" besannen sich Mötley Crüe mit "New Tattoo" wieder auf die Art von L.A.- Rockmusik mit der sie bekannt und erfolgreich wurden. Unglücklich über die musikalische Rückwärtsbewegung, verließ Schlagzeuger Tommy Lee die Band und wurde durch den langjährigen Ozzy Osbourne-Schlagzeuger Randy Castillo ersetzt. Castillo spielte das Album ein, erkrankte vor Beginn der Tour aber schwer. Er starb 2002.

Musikalisch und klanglich hat "New Tattoo" meines Erachtens allerdings eher mehr mit "Too Fast For Love" als mit "DR Feelgood" zu tun. Beaufsichtigt und bearbeitet von Guns N'Roses-Produzent Mike Clink, kann man über die Produktion da geteilter Ansicht sein: sie stellt nichts aufwändiges dar und ist wohl eher als einfach oder gar als etwas billig einzustufen. Meiner Ansicht nach ist sie aber auch ziemlich naturbelassen und gerät diesbezüglich sogar ein wenig nach AC/DC wie ich finde. Der E-Bass brummt ganz ordentlich, der Gitarrensound ist gut genährt, und das Schlagzeug hat durchaus Punch. Trotzdem wirkt das Klangbild nur unwesentlich besser als eine gute Demoproduktion. Und das ist eben mit dem Debüt der Crüe gemein.

Stichwort AC/DC: das Songwriting orientiert sich bei einigen Liedern etwas an der australischen Band. Vorallem schnellere oder harte Rock N'Roller, wie der Opener "Hell On High Heels" und das fette "Punched In The Teeth By Love" steigen den Starkstromern hinterher. Letztere Nummer wurde übrigens schon für die 1991er Compilation "Decade Of Decadence" geschrieben, wurde dann aber leider nicht verwendet. Es ist für mich neben dem sehr sleazigen "She Needs Rock N'Roll" eine der besten Nummern auf "New Tattoo". Mit dem Titelsong, "Hollywood Ending", und dem Japan-Bonus Track "American Zero" sind auch ein paar Balladen vertreten, die zwar nicht schlecht, aber doch eher mittelmäßig sind. Ansonsten regiert angeschmutzter L.A.-Glam-Rock mit geringen Querverweisen an Punk Rock, der versucht, sich an die Frühphase der Band zu schmiegen. Die Nummer "Treat Me Like The Dog I Am" erweckt da ein wenig den Eindruck, als ob man versucht hätte, "Too Fast For Love" nocheinmal neu zu erfinden.

So ganz gelingt es der Band aber nicht, den alten und rebellischen Geist zu beschwören. Die L.A.-Lifestyle-Attitude wirkt vereinzelt etwas überzogen und ein bißchen erzwungen. Eine Band wie Mötley Crüe, die wie kaum eine andere für den Hedonismus des Hollywoods der 1980iger steht, hätte das eigentlich nicht nötig. Dem Album fehlt da vollkommen das düstere Flair der ersten beiden Alben. Es ist weder gefährlich noch bedrohlich. Es wirkt nicht wie von einer hungrigen Meute aus den neonüberfluteten Boulevards und Straßen Los Angeles. Es klingt eher so, als ob man nach einem entspannten Vormittag am Pool der heimischen Rockstarvilla in einer Corvette den Sunset Boulevard entlang ins Studio gerast ist, um es dort standesgemäß einzuholzen.

Der guten Laune beim Anhören tut dies jedoch keinen Abbruch. Die Band gab ihren Anhängern wonach sie verlangten; und auch wenn das Album mittlerweile in der Crüe-Diskographie untergegangen ist, und wohl kaum mehr zu einem Klassikern der Band avancieren wird, beinhaltet es ein paar echte Mötley-Perlen. "New Tattoo" ist meines Erachtens ein besseres Album als wofür es gehalten wird. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Band mit ihrem wilden Rock erst wieder langsam auf dem Weg nach oben. Wobei mit "New Tattoo" natürlich auch ersteinmal wieder ein Grundstein gelegt musste. Und als solcher ist er ziemlich solide gefertigt.


Psycho City
Psycho City

5.0 von 5 Sternen Das beste Album von Great White, 24. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Psycho City (Audio CD)
Meines Erachtens ist das 1992 veröffentlichte Album "Psycho City" der amerikanischen Westküsten-Rock N'Roller Great White ihr bestes Album. Insgeheim ist es mein Lieblingsalbum der Band, "insgeheim", weil es nie den Status der erfolgreichen Vorgängerwerke erreichen sollte und keinen der ganz großen Hits der Band beinhält. Great White haben einige großartige Alben aufgenommen und veröffentlicht, die viele gute und herausragende Songs beinhalten, aber in seiner Gesamtheit ist "Psycho City" ihr bis heute Stärkstes geblieben.

Mit "Psycho City" vertieften Great White die bluesige Linie des Vorgängers "Hooked", zeigten dabei vereinzelt jedoch etwas mehr Biss und ein sogar noch ausgereifteres Songwriting. Der für Great White typische, glatte Sound wurde beibehalten, der schnittige Gitarrensound zeigt dabei jedoch nicht nur seine Zähne, sondern offenbart dieses Mal auch seine Widerhäckchen.

Das Album startet furios mit dem bluesigen, aber hart rockenden Titelsong und dem scharfen, schnellen "Step On You", bevor Great White mit dem melodischen, tollen "Old Rose Motel" und dem ruhigen "Maybe Someday" erstmal vollkommen in bluesige Gewässer abdriften. 'Blues' soll auf "Psycho City" allerdings nicht bedeuten, dass man in etwa auf schneidigen Gitarrenriffs verzichten würde, die geschickt in die melodischen Lieder integriert wurden. Ruhigere Stücke wechseln sich gelungen mit rockigeren und auch härteren Songs, wie "Big Goodbye", ab. Obwohl Great White trotz aller Einflüsse von Blues durchaus auch straight rocken, ist "Psycho City" durch das verfeinerte Songwriting größtenteils nicht ganz so eingängig, wie man es bis dato von der Band kannte. Mit knapp 4 Minuten ist "I Want You" das bei weitem kürzeste Lied auf "Psycho City" - alle anderen Lieder sind teilweise deutlich über 5 Minuten lang. Mit der von Keyboard getragenen Ballade "Love Is A Lie", und dem etwas Led Zeppelin-mäßigen, bluesigen Rocker "Get On Home", befinden sich am Ende noch zwei besondere Höhepunkte, die nochmal die ganze Klasse von Great White demonstrieren.

"Psycho City" erschien zwar noch bei Capitol Records, das Label widmete dem Album wegen dem angesagten Grunge allerdings keine sonderliche Beachtung mehr, sondern liess es komplett durchfallen, bevor die Band entlassen wurde. Nach Aussagen von Jack Russell soll die Kündigung bereits vor Veröffentlichung fix gewesen sein. So läuft das im Musik-Business, erst macht man einen satten Reibach mit der Band, und wenn sich dann die musikalisch angesagte Richtung ändert, lässt man sie trotz einer exzellenten Platte fallen. Das Leben und das Geschäft ist ein Haifischbecken, indem selbst ein 'Great White' den Kürzeren ziehen kann, umso tragischer, wenn es mit solch einem tollen Album wie "Psycho City" geschehen musste. 1999 wurde das Album nocheinmal mit dem Japan-Bonus-Track und tollen Jefferson Airplane-Cover "Somebody To Love", dem Stones-Bluescover "Who's Driving Your Plane?", und zwei Eigenkompositionen veröffentlicht.

Musikalisch irgendwo zwischen Bad Company, Foghat, Free, Led Zeppelin und ZZ Top verhaftet, ist "Psycho City" trotzdem zeitgemäßer, harter Bluesrock zu Beginn der 90iger, der den ureigenen Rock N'Rollstil von Great White in bester Verfassung darbietet, und den einstigen Touch von Hair-Metal absacken liess.


Push Comes to Shove
Push Comes to Shove
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 12,95

4.0 von 5 Sternen Der zweite Streich, 17. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Push Comes to Shove (Audio CD)
Zwei Jahre nach ihrem herausragenden Debütalbum, das gewissermaßen einen Überraschungserfolg darstellte, legten Jackyl mit "Push Comes To Shove" im Jahre 1994 sauber nach. Jackyl spielten immer noch harten Rock N'Roll in der Spurrinne von AC/DC, mit Querverweisen an Heavy Metal und Southern Rock. Aber obwohl musikalisch vieles beim Alten geblieben ist, begab sich die Band doch auch auf neue Pfade.

Das Album setzt sich überwiegend aus harten Rock N'Rollern zusammen, die von gelungenen, kantigen, aber vereinzelt auch melodischen Riffs getragen werden. Diese hart rockenden Songs wurden überwiegend etwas bluesiger. Die freche Spritzigkeit des Debütalbums ist ein wenig abhanden gekommen, aber keineswegs verloren. Manche Songs hauen etwas mehr auf den Putz, andere sind etwas melodischer und getragener.

Zu ersteren würde ich den harten Opener "Push Comes To Shove", das abgefahrene, tolle "Private Hell", das mit leicht indianischer Rhythmik gespielte "Rock-A-Ho", und "Headed For Destruction" zählen. Bei "Headed For Destruction" fand die Kettensäge ebenfalls wieder zu klanglichen Ehren. Allerdings wird sie dieses Mal mittels einer Talkbox auch durch den Äther gejagt. Ideen hat diese Band. Unglaublich.

Zu letzteren würde ich das schnelle, melodische "My Life" und das eher etwas ruhigere "I Could Never Touch You Like You Do" zählen. Das von Swamp-Musik und Bluegrass beeinflusste, atmosphärische "Dixieland" wird durch eine Mundharmonika und einer Maultrommel eingeleitet und beendet. Es zeigt sich eine dezente musikalische Querverbindung zu einer Band wie Creedence Clearwater Revival. Mit "Secret Of The Bottle" gibt es erstmal auch eine Ballade bei Jackyl, die ganz ordentlich ausgefallen ist. Das funkige "Chinatown" wird dagegen von einer dominaten Bläsergruppe akzentuiert und stellt einen etwas gewöhnungsbedürftigen Abschluss des Albums dar.

Die Produktion ist sehr gut, die Lieder sind naturbelassen und haben klanglich ordentlich Power, wenn man mal etwas aufdreht. Mit Bruce Fairbairn saß auch ein Produzent an den Reglern, der sein Handwerk verstehen dürfte. Jackyl kopierten ihr erfolgreiches Debütalbum nicht, sondern beschritten innerhalb ihres ureigenen Soundes neue Wege, die durch gute bis sehr gute Lieder ausgedrückt werden. Alles in allem ein sehr guter Nachfolger, wenngleich ich davon nicht mehr ganz so begeistert war. Vielleicht ist die Band einfach etwas erwachsener geworden.


The Headless Children
The Headless Children
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,91

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die gesetzlose Evolution mit Köpfchen, 16. August 2013
Rezension bezieht sich auf: The Headless Children (Audio CD)
Mit W.A.S.P. verband man in den 80igern vorallem ein S/M- und Grusel-Image. Kindergarten-Kabarett, Clowns, Gauklertruppe, Kirmesbuden-Attraktion, waren nur ein ein paar der abfälligen Bermerkungen, die man über Blackie Lawless und seine Band zu lesen und zu hören bekam. Die Musik schien abseits der Show kaum einer bis keiner Bemerkung wert gewesen zu sein. Aber das wird wohl das Schicksal von jemanden sein, der sich vorallem über Effekthascherei und Optik verkauft.

Das W.A.S.P. etwas drauf haben, bewiesen sie nicht erst seit 1989, aber mit ihrem vierten Studioalbum zogen sie erstmals alle Register ihres Könnens. Mit "The Headless Children" hievte Blackie den bekannten W.A.S.P.-Sound in eine neue Dimension. Mit einem feinsinnigen Album verdrängten sie auf gekonnte Weise ihr (je nach Sichtweise) billiges Horror-Image. 'Feinsinnig' weniger im musikalischen Sinne, denn die harte Musik behielt ihren typischen W.A.S.P.-Charakter und wurde gar noch Schwermetall-lastiger. 'Feinsinnig' ist eher im lyrischen und thematischen Sinne gemeint.

Das interessante Cover gibt diese Richtung deutlich wieder. Die Band bzw. Blackie Lawless befasste sich mit der düsteren Seite des Lebens und der Geschichte der Menschen. Es geht um soziale Missstände, um Drogenmissbrauch, Gewalt, Krieg, Politik, und sinnentleertem Hedonismus. Seinerzeit wurde das Cover seitens der Plattenfirma dahingehend verändert, dass Ayatollah Khomeini retuschiert wurde. Islamistische Fundamentalisten gingen wegen Salman Rushdies Roman Satanische Verse auf die Barrikaden, weil Khomeini zum Mord an Rushdie aufrief. Die Vertriebe in Europa befürchteten Anschläge, wenn die Platte so in die Läden käme, und verweigerten den Verkauf des Albums. Vielleicht war das auch die richtige Marketing-Strategie, um auf die Botschaften des Gesetzlosen aufmerksam zu machen und ihnen zu lauschen.

Und das tue ich jetzt einfach ein ungezähltes, weiteres Mal: der über siebenminütige, feine Schwermetall-Opener "The Heretic (The Lost Child)" befasst sich mit dem aggressiven Naturell der Menschen und ihrem Drang zu Gewalt, Krieg, und Zwang. Der Song beschreibt die globale Selbstzerstörung der Menschen, bietet aber abseits davon musikalisch einen super Einstieg ins Album, der aufhorchen lässt. Von Beginn an wird man von Blackies neuer Vision ergriffen, und kann sich ihr kaum mehr entziehen. Das schwungvolle The Who-Cover "The Real Me" vom "Quadrophenia"-Konzeptalbum wirkt da wie für W.A.S.P. gemacht, und bietet kurz Luft zum Atemholen, vor dem pulsierenden, sinistren Titelsong. "The Headless Children" handelt ebenfalls von der Zerstörung der Erde und der Menschheit durch Kriege. Das von Uriah Heep-Keyboarder Ken Hensley gespielte Organ verleiht dem Lied einen Hauch seiner alten Band und ein etwas düsteres 70iger-Jahre-Hard-Rock-Feeling.

Der Heavy Metal-Kracher "Thunderhead" geht auf die Abgründe einer Drogenabhängigkeit ein, und wird von einem ergreifenden Piano-Intro eingeleitet. Beim ersten Anhören möchte das irgendwie nicht so ganz zusammenpassen; wenn man den Song aber wirken lässt, fügen sich beide Teile optimal zusammen. Bei diesem Song wird man sich der herausragenden Gitarrenarbeit von Chris Holmes erst so richtig bewusst. Die atmosphärischen, aber harten Soli kommen prima und zeugen durchaus von hoher spielerischer Klasse. Warum man den Burschen auch heute noch nur als Abziehbild eines Lead-Gitarristen betrachtet, hat sich mir noch nie erschlossen. Achja ... die Pool-Geschichte ... alles klar..

Die sozialkritischen und progressiven Heavy Metal-Lieder gehen danach langsam in etwas einfacher gestricktere Heavy-Rocker über, die voll auf die Pauke hauen. So wie das schnelle und harte "Mean Man", ein Tribut an Gitarrist Chris Holmes und seinem kaputten Vollgas-Lebensstil. Das Lied ist sehr repetitiv, knallt aber wie Hölle und wird von einem genialen Riff getragen. Das Double-Bass Monster "The Neutron Bomber" befasst sich dagegen nocheinmal mit dem Thema eines Atomkrieges und der Präsidentschaft von Ronald Reagan, bevor es mit dem kurzen Akustik-Instrumental "Mephisto Waltz" und der tollen Ballade "Forever Free" kurz etwas ruhiger wird. Die harte Biker-Hymne "Maneater" kommt meines Erachtens gleich nach Steppenwolfs "Born To Be Wild" und bildet die richtige Einstimmung auf den heftigen Rocker "Rebel In The F.D.G." - aggressiv, wütend, das ist ein richtiger Furor von einem Lied, wie es so wohl nur von Blackie Lawless stammen kann. Das Lied hat einen beinahe poetischen Text, der sich mit der Leere und Sinnsuche im modernen Hedonismus unserer Zeit beschäftigt.

Aber damit ist "Rebel In The F.D.G." nicht das einzigste Lied, das gelungene Lyrics aufweisen kann. Man könnte das Gefühl haben, dass die Musik nur zur Untermalung da ist, um den Texten den gebührenden Rahmen zu verleihen. Aber das kann angesicht dieser fein herausgearbeiteten, tollen Musik natürlich kaum stimmen. Klanglich ist aber, wie schon angedeutet, vieles beim Alten geblieben. Die Lieder sind größtenteils sogar noch härter, aber wesentlich abwechslungsreicher, ausgereifter und durchdachter. Das lyrische Konzept wird damit auf ausgesprochen gelungene Art und Weise unterstützt. Von Progressive-Metal möchte ich nicht reden, denn dies ist trotzallem immer noch wutschnaubender Heavy Metal. Und Blackie Lawless Vocals sind immer noch so räudig und ruppig wie man es seit jeher kannte.

Betrachtet man Backcover und die Videoclips des Albums, fällt auf, daß sich W.A.S.P. komplett aller Verkaufs- und Aufmerksamkeit heischender, optischer Mitteln entsagten. Sie liessen allein die Musik sprechen, und verliehen ihr so die richtige Präsentationsform, denn die hervorragende Musik von "The Headless Children" kann allein für sich selbst stehen, und kommt so auch besser zur Geltung. Davor galten W.A.S.P. ungerechtfertigterweise nur als Poser. Mit "The Headless Children" etablierte sich Blackie meiner Auffassung nach aber durchaus zurecht als ernstzunehmender Songwriter.


Jackyl
Jackyl
Preis: EUR 17,06

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie zur Hölle kann man eine Kettensäge spielen?, 1. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Jackyl (Audio CD)
Jackyl sind eine schwer arbeitende, schnörkellose und wilde Rock N'Roll-Truppe, die Anfang der 1990iger in Georgia gegründet wurde. Durch ihre furiosen Liveshows machte sich die Band schnell einen Namen. Die Konzerte sollen schon legendär gewesen sein, bevor die Tinte überhaupt trocken war, mit der die Band den Kontrakt mit Geffen Records unterzeichnete. Das schließlich 1992 veröffentlichte Debütalbum von Jackyl beinhaltet harte, melodische und schmutzige Rock N'Rollmusik im Fahrwasser von AC/DC, Lynyrd Skynyrd, Judas Priest, und Guns N'Roses.

Besonders die australischen Starkstromer drängen sich als Erstes ins Gedächtnis, wenn man sich das Album anhört. Auch Sänger Jesse James Dupree klingt meines Erachtens ein wenig wie eine Mischung aus Mark Storace von Krokus und Brian Johnson von AC/DC. Jackyl spielen aber "nur" stark von AC/DC beeinflussten, sleazigen Hard Rock mit einem unüberhörbaren Einfluss von Southern Rock und Heavy Metal gleichermaßen. Das Album ist ein geradliniger Rock N'Roll-Cocktail par exellence, der abräumt, was es abzuräumen gilt. Jackyl scheinen sich dabei selbst aber nicht allzu ernst nehmen, sondern gehen mit ordentlich Spaß und Humor an die Sache ran. Die Lyrics sind aber nicht nur humorvoll, sondern befassen sich auch ausgiebigst mit dem allseits bewährten Themas des Liebe-machens (was eine eher höfliche Umschreibung ist). Bei Jackyl war der Sleaze Rock eben noch nicht zuende.

Die Produktion von Brendan O'Brian (Aerosmith, Black Crowes, Pearl Jam) ist super, sie drückt einem die harten Lieder nur so ins Trommelfell: die scharfen Gitarren klingen so, also ob sie sich sauber durch Metall schneiden, das knochentrockene Schlagzeug feuert präzise seine krachenden Salven ab, und der fette Bass bildet die Verbindung zwischen beiden und sorgt für den Druck, der hinter den Songs steckt. Dadurch kommen die prägnanten, tollen Riffs nocheinmal härter. Meines Erachtens ist dies Album Brendan O'Brians Meisterstück.

Einzelne Lieder möchte ich fast nicht hervorheben, sind alle fast gleich stark. Um manche komme ich trotzdem nicht drumherum: das abgefahrene "Redneck Punk", das von einem krachenden, schnellen Schlagzeugspiel, und scharfen Riffs angetrieben wird, klingt doch tatsächlich so, als ob ein paar Hillbillys ausgiebigst dem Punk Rock frönen würden. Mag urkomisch klingen, funktioniert bei Jackyl aber hervorragend. Daneben stehe ich auch noch besonders auf die mächtigen Riffs von "Just Like A Devil". Das bis heute wohl bekannteste Stück von Jackyl ist aber der Blues-/Shuffle-Rocker "The Lumberjack", der vorallem durch das integrierte "Spiel" einer Kettensäge Kultstatus erlangte. Sänger Jesse James Dupree spielt in diesem Lied doch tatsächlich ein Solo auf einer Kettensäge. Diesen Song muss man einfach mal gehört haben, wenn man auf Rockmusik kann!

Es ist vielleicht noch wert zu erwähnen, dass Jackyl es geschafft haben, mit diesem Album mitten im Grunge-/Alternative-Rock-Boom einen größeren Erfolg zu feiern. Das vollständige Album beinhaltet mit "She Loves My Cock" einen AC/DC-mäßigen Rocker, der später von bestimmten Pressungen des Albums entfernt wurde. Auch aufgrunddessen weigerte sich damals die Supermarktkette K-Mart in Georgia das Album zu verkaufen. Man befand sich halt immer noch im prüden Süden. Aus Protest gaben Jackyl einen spontanen Gig vor einer Filiale des Ladens. Einige Filmaufnahmen davon wurden im spaßigen Videoclip zu dem furiosen Opener "I Stand Alone" verwendet.

Musikalisch sind sich Jackyl bis zum heutigen Tage treu geblieben, aber von allen Alben die sie veröffentlicht haben, gefällt mir dies am Besten. Ihr Debütalbum hat die Songs, die wirklich zünden, und hat auch die Power, die am ehesten an die wilden Shows der Band rankommt. Jackyl wissen wie man Spaß hat und dabei rockt, und tun dies hier auch bis zur Erschöpfung. Und das durchaus sehr aufregend und originell. Aber um es mit den Worten Jesse James Duprees zu sagen: Wie zur Hölle kann man denn keine Kettensäge spielen?


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