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Rezensionen verfasst von
Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Apocalyptic Love (Deluxe Edition inkl. 2 Bonustracks)
Apocalyptic Love (Deluxe Edition inkl. 2 Bonustracks)
Preis: EUR 18,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Apokalyptisches Rock N'Roll-Feeling, 24. November 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Auf Slash' Soloalbum war ich der Ansicht, dass der Gesang von Myles Kennedy auf "Starlight" viel zu hoch ist, demzufolge war ich mir nicht ganz sicher, ob mir "Apocalyptic Love" in seiner Gesamtheit gefallen könnte. Myles Kennedy mag ein guter Sänger sein, aber 100 %-ig gefallen mir seine Vocals nicht. Stellenweise klingt er mir immer noch zu hoch, er macht seine Sache hier allerdings so gut, dass ich damit begonnen habe, auch Gefallen an seinen Vocals zu finden.

Es gibt auf "Apocalyptic Love" - wenn ich das so sagen darf - keinen einzelnen Song, der wirklich hervorsticht, sie befinden sich alle auf einem konstanten, durchaus sehr hohen Niveau. Ich picke mir zwar immer wieder sehr gerne einzelne Lieder heraus, an denen ich besonders Gefallen finde, höre die Alben aber eigentlich lieber immer als Ganzes. Und als solches ist "Apocalyptic Love" sehr gut. Manche Riffs glaube ich allerdings auch schon bereits einmal woanders gehört zu haben (David Glen Eisley, Guns N'Roses), glaube allerdings nicht, dass dies Absicht war, da diese in einem ganz anderen Kontext stehen.

Balladen findet man, mit Ausnahme von "Not For Me" und "Far And Away", eigentlich kaum, die Songs sind eingeschmutzte, melodische, vereinzelt auch schnellere Rock N'Roll-Nummern mit einer leichten Guns N'Roses-Schlagseite, die vielleicht vergleichbar mit einer auf Alt getrimmten Vintage-Jeans sind. Die Gitarren klingen schön schrammelig und erdig, die Lieder sind jedoch im modernen, zeitgemäßen Hard Rock angesiedelt. Der Klang ist fantastisch und ausgewogen, aber nicht wirklich kräftig und druckvoll - für solch ein lässiges Rock N'Roll-Feeling braucht er das aber auch nicht zu sein.

Ich würde behaupten, Slash spannt seinen Sound von seinen Beginnen mit Guns N'Roses über seiner Aktivität mit Snakepit, bis hin zu seiner jüngeren und jüngsten Vergangenheit. Slash zockt, so wie man es von ihm kennt, mit Herz und Seele. Die Soli sind auch so toll wie man es von ihm kennt, scheinen sich manchmal aber irgendwie ein bißchen in den Kompositionen verstecken zu wollen. Die Lieder leben natürlich auch von seinem Gitarrespiel, funktionieren aber in ihrer Gesamtheit. Man bekommt melodischen, soliden, pur rock n'rolligen Hard Rock zwischen Aerosmith, Alter Bridge, Guns N'Roses und Snakepit zu hören, der sich der Gegenwart nicht verweigert.


Night in the Ruts
Night in the Ruts
Preis: EUR 7,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Voll in die Weichteile, 18. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Night in the Ruts (Audio CD)
Ursprünglich begannen Aerosmith die Produktion ihres sechstem Albums mit Jack Douglas, welcher dann allerdings auf Drängen des Labels von Gary Lyons verdrängt wurde. Aus finanziellen Gründen schickten sich Aerosmith an, auf Tour zu gehen, bevor das Album fertiggestellt werden konnte. Während dieser Tour verliess Joe Perry wegen Ehefrau- und Drogen-bedingter Streitigkeiten die Band. Die ausstehenden Gitarrenspuren wurden von u.a. Brad Whitford und Jimmy Crespo eingespielt, der Joe Perry dann schließlich auch ersetzte.

Die Veröffentlichung von "Night In The Ruts" wurde jedoch - bedingt durch die vorgezogene "Right In The Nuts"-Tour - hastig vorangetrieben, ohne ausreichend Zeit, dass Album angemessen fertigzustellen. Dies ist ein Umstand, den man meiner Ansicht nach auch etwas hören kann. Der Sound wirkt auf mich leider etwas "leer", im Vergleich zu den Vorgängeralben recht kühl und nicht sehr druckvoll, was den Songs leider nicht gerecht wird. Den Songs selbst kann man die verworrene Aufnahme eher nicht anhören, sie kommen ganz gut auf den Punkt. Obwohl "Night In The Ruts" unter solch chaotischen Bedingungen entstanden ist, kommt es trotzdem ziemlich geradlinig und durchaus stark rüber. Für 1979 dürfte das Album zudem recht hart ausgefallen sein.

Man kann ohne Zweifel gewichtige Einflüsse von Led Zeppelin und The Yardbirds wahrnehmen, was besonders bei der Blues-Nummer "Reefer Head Women" (im Original von Buster Bennett Trio), dem Yardbirds-Cover "Think About It" und so manchem Riff deutlich wird. Trotzdem finde ich, dass Aerosmith nach-wie-vor wie Aerosmith klingen, daran ändert auch die Anzahl von drei (!) Covern nichts, die wohl auch mangels eigenem Material aufgenommen wurden. Den Shangri-Las-Song "Remember (Walking In The Sand) bieten Aerosmith eigentlich in ihrer eigenen unnachahmlichen Art und Weise dar.

Vielleicht ist es aber auch irgendwie bezeichnend, das gerade die Cover zu den besseren Nummern des Albums zählen. Die Steven Tyler-Piano-Ballade "Mia", das swingende, aber harte "Chiquita" und das knallende "Bone To Bone", kommen neben dem "Draw The Line"-Ableger "No Surprize" auch noch ganz gut rüber. "Night In The Ruts" ist beileibe kein schlechtes Aerosmith-Album, es ist auch ganz allgemein kein schlechtes Hard-Rock-Album, nur leidet es meines Erachtens an seinem etwas platten Sound und den Umständen, unter denen es aufgenommen wurde. Ich schätze, "Night In The Ruts" ist nicht ganz das Album, dass es hätte sein können.


Ride the Lightning
Ride the Lightning
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Blitzableiter, 17. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Ride the Lightning (Audio CD)
Letztens habe ich wieder einmal "Ride The Lightning" hervorgekramt, und plötzlich ist mir igendwie bewusst geworden, wie sehr man eigentlich den Einfluss anderer Bands auf Metallica wahrnehmen kann: Black Sabbath-mäßige Gitarren, die Geschwindigkeit von motörhead, Melodien, die an Iron Maiden und die NWoBHM erinnern, Diamond Head-artiges Riffing, die Kraft des Heavy Metals und die Energie des Punk - alles homogen vermischt und eingebettet in einer damals neuen Härte und einem tollen, flüssigen Songwriting. Damit erzähle ich garantiert nichts neues, aber der Zugewinn an Härte muss damals schon enorm gewesen sein. Ich habe das irgendwie immer als eine Art Quantensprung wahrgenommen, erst noch NwoBHM und motörhead, und dann plötzlich Metallica (Venom spare ich hier bewusst aus, diese Power hatten sie einfach nicht inne).

Man kann eigentlich vollkommen zurecht behaupten, dass hier der Heavy Metal auf eine neue Dimension gehievt wurde, obwohl man die Einflüsse doch recht deutlich hören kann. Das Debüt "Kill 'em All" war eigentlich schon ein Ausbruch roher Energie, aber diesem Album merkt man das Jugendliche, das "Naive", und eben die - im Vergleich - etwas kraftlosere Produktion an. Das soll jetzt nicht schlechtes bedeuten, im Gegenteil, das ist eine Aufnahme, die die Magie des Augenblicks festhält. Aber erst "Ride The Lightning" zieht alle Metallica-Register und offenbart eine sehr viele stärkere Durchschlagskraft.

Die Scheibe klingt immer noch enorm hart, wuchtig und aggressiv, und wirkt, als ob sie nicht einen Tag gealtert wäre. Es mag sein, dass es heutzutage weitaus brutalere Musik gibt, aber schiere Härte ist nicht unbedingt alles - bei "Ride The Lightning" stimmt da einfach alles. Aggressiv und hart, aber auch zugleich melodisch und abwechslungsreich. Eine solche Kombination auf diesem Niveau findet man heutzutage kaum noch.
Für mich persönlich ist dies auch ein Album, das besonders gut dazu dient, Aggressionen und Frust abzubauen, bei solch einem Sound kann man sich optimal abreagieren. In einer alten 80iger Jahre Ausgabe des Metal Hammer habe ich vor einer Weile noch gelesen, dass "Creeping Death" "nix besonderes, 08/15-Metal halt" sei, hihi :-) vielleicht habe ich heutzutage wirklich keine Ahnung mehr, aber solch eine Abrissbirne habe ich selten gehört ...


Midnight Confessions
Midnight Confessions
Preis: EUR 28,61

4.0 von 5 Sternen Letzte Aufnahmen vor der Auflösung, 11. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Midnight Confessions (Audio CD)
"Midnight Confessions" ist eine Zusammenstellung diverser Demoaufnahmen, die 1989 - 1992 für ein geplantes 2. Album der Rock City Angels aufgenommen wurden. Der finale Niedergang der Band hatte nach Ausbleiben eines Erfolges für "Young Man's Blues" bereits begonnen, das Besetzungskarusell drehte sich wieder schneller, womit man hier 3 verschiedene Rock City-Mannschaften hören kann.
In einer letzten Inkarnation siedelte Bobby Durango 1992 samt neuem Bassisten und Drummer Ringo Jukes nach London über, um mit Brian Robertson (Thin Lizzy, motörhead) an Aufnahmen für ein Album zu arbeiten. Aus dieser Liason ist auf "Midnight Confessions" mit "Heart & Soul" nur ein Song zu hören; das ist in meinen Ohren allerdings ein solch toller, bluesiger, swingender Rock N'Roller, das ich denke, dass daraus echt etwas hätte werden können.

Die meisten dieser Songs konnte man bereits im Internet hören, Angaben im Booklet zufolge soll es noch schätzungsweise 30 weitere Lieder geben, die man damals aufgenommen hat. Die Soundqualität variiert ein wenig und entspricht durchgehend nicht der eines vollständig produzierten Albums, ist aber keinesfalls schlecht und für Demos eigentlich sogar recht gut und klar. Die Songs sind - ganz offensichtlich - nicht überproduziert, sondern nur auf das Nötigste reduziert: Bobby Durangos raue Vocals, pure, schmutzige, immer auch melodische Gitarren, ein pumpender Bass, aber kein sehr kräftiger Schlagzeugsound.

Musikalisch setzten Rock City Angels die auf "Young Man's Blues" eingeschlagene klassische Rock N'Roll-Linie mit Blues und R&B-Einflüssen fort, die von rauen Gitarrenriffs flankiert wurde. Überhaupt kommen die Songs wesentlich rustikaler, erdiger und teilweise gar noch rockiger rüber als so manches Stück auf "Young Man's Blues". Beim Debütalbum kritisiere ich den etwas platten, dumpfen Schlagzeugsound, ein Umstand, der hier weg fällt, wodurch die Demoaufnahmen für mich wesentlich angenehmer zu hören sind. So ausgezogen und nackt gefallen mir Rock City Angels irgendwie viel besser.

Betrachtet man das Songwriting auf "Midnight Confessions", hätten Rock City Angels einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger zu ihrem Debüt "Young Man's Blues" vorlegen können. Doch 1992 zeichnete sich das Ende des Hard Rock- und Heavy Metal-Booms bereits ab, womit auch zugleich endgültig das Ende von Rock City Angels besiegelt wurde, die sich anscheinend primär mit ihrem Alkohol- und Drogenkonsum beschäftigen. Es wurde die Geschichte erzählt, dass die Band im Suff in eine Hotelbar einbrach und um diverse Spirituosen erleichterte, woraufhin sie im Gefängnis landete. Dabei wurden sie von ihrem Label Geffen ignoriert, die sich weigerten, die Band nach Amerika zurückholen. Erst durch das Einschreiten von Bobby Durango's Vater wurde es der Band ermöglicht nach Amerika zurückzukehren, wo sie ihrer Wege gingen. In letzter Konsequenz wurden Rock City Angels dann von Geffen endgültig fallengelassen und gedroppt, womit diese Aufnahmen damals nicht mehr das Licht des Tages zu sehen bekamen.


Music From Another Dimension (Deluxe Version inkl. 5 Zoll-CD + DVD)
Music From Another Dimension (Deluxe Version inkl. 5 Zoll-CD + DVD)
Preis: EUR 20,99

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Luftschmiede hämmert wieder, 9. November 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ui, solch ein Album hätte ich von Aerosmith nicht mehr erwartet. Nach den Querelen um Steven Tyler, die man in der jüngsten Vergangenheit in den Medien verfolgen konnte, hätte ich fast generell kein neues Aerosmith-Album mehr erwartet. Ich hatte begonnen, den Gedanken, das Ende einer der größten noch verbliebenen Rock N'Roll-Bands mitzuverfolgen, zu akzeptieren. Dass die Band Musik machen möchte, klar, aber Steven Tyler gehört einfach hinter das Mikro von Aerosmith, da kann kommen wer will. Umso größer war dann meine Überraschung, als plötzlich mit "Music From Another Dimension" ein vollkommen neues Album angekündigt wurde.

Nach den eher etwas belanglosen und langweiligen, aber kommerziell sehr erfolgreichen "Nine Lives" und "Just Push Play" (das Bluescover-Album "Honkin' On Bobo fand' ich ganz ok, aber Coveralbum bleibt Coveralbum) war ich zunächst eher skeptisch. Beide Alben hatten zwar ihre Momente - Aerosmith blieben trotzallem Aerosmith, waren aber irgendwie nur noch ein Schatten ihrer selbst, der auch aufs Radio geworfen wurde.
Das "Get A Grip"-Überbleibsel "Legendary Child" machte dann allerdings plötzlich einen so guten Eindruck, dass ich ein wenig zu hoffen begann ... Und tatsächlich, "Music From Another Dimension" kann angemessen an "Get A Grip" anknüpfen und die Brücke in die 70iger Jahre schlagen. Wir haben weder 1993 noch 1975, womit ich sagen möchte, dass Aerosmith zwar nicht ganz die Klasse ihrer ganz großen Alben erreichen, ihre Sache in meinen Lauschern aber ziemlich gut machen. Das Album lässt sich von Beginn an gut anhören.

Mit einem für Aerosmith etwas ungewöhnlichen Blade Runner- bzw. Vangelis-mäßigen Intro startet man in "Music From Another Dimension", Luv XXX weckt sofort Assoziationen an "Get A Grip", allerdings kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, das Aerosmith damit keinen Blitzstart hinlegen und nicht restlos zünden wollen. "Oh Yeah" zitiert "dezent" Rolling Stones, beim straighten "Lover Alot" dachte ich sofort an Gluecifer, "Beautiful" erinnert mich - besonders im poppigen, aber sehr tollen Refrain - an einen Hardcore Superstar-Song, das groovige, fast schon in Beatles-Sphären schwebende "Out Go The Lights" an eine Nummer vom zweiten Johnny Crash-Album. Scheinen Aerosmith wirklich keine eigenen Ideen mehr zu haben? Mitnichten! Da solche Bands zweifellos auch von Aerosmith beeinflusst wurden (mit Ausnahme der Stones und Beatles, natürlich), ist solch ein Vergleich eher hinfällig, Aerosmith scheinen sich an ihrer Vergangenheit zu orientieren, die zeitgemäß und erfrischend dargeboten wird. Daran ändern auch die externen Songwriter nichts, die sie auch dieses Mal wieder hinzugezogen haben. Es gibt diesbezüglich einen doch recht hohen Anteil an Balladen auf "Music ...", als negativ würde ich das jedoch nicht bewerten wollen. Es sind klassische, gute Aero-Balladen, die zwar nicht unbedingt herausragend, aber alles andere als schlecht sind.

"Music From Another Dimension" ist eine, wie ich finde, durchweg runde Angelegenheit, davon würde ich auch die von Tom Hamilton ("Up On The Mountain" -Deluxe Edition) und Joe Perry gesungenen Lieder nicht ausschließen wollen. Ich habe mich in der jüngeren Vergangenheit auch mangels neuem Aerosmith-Material sehr gerne mit Joe Perry-Soloalben beschäftigt, die mir sehr gut gefallen haben. Die von Joe Perry gesungenen Lieder auf "Music ..." nehmen sich davon auch nicht aus: "Freedom Fighter" ist ein lässiger, schneller Rock N'Roller, "Something" erinnert mich irgendwie an The Doors-meets-ZZ Top, aber "Oasis In The Night", der Bonus-Track von der Deluxe-Edition, geht dafür eher in die Richtung Folk-Rock. Man kann Joe Perry sicherlich als nicht sonderlich begabten Sänger kritisieren, er klingt etwas ausdruckslos, hat aber eine trockene, tiefe und etwas düstere Stimme, die mir gut gefällt und mich irgendwie immer etwas (etwas!) an Jim Morrison erinnert.

Alles in allem gefallen mir die zusätzlichen Lieder ganz gut, für mich persönlich hat sich die Deluxe-Edition durchaus gelohnt. Nur mit den Pappschubern, in denen die Bild-und Tonträger stecken, habe ich so meine Probleme. Mit "Shakey Ground" und "I'm Not Talkin'" gibt es noch zwei Coversongs, die auf eine Wal Mart- und eine Japan-Edition verteilt wurden. Ich glaube allerdings nicht, dass man die unbedingt haben muss. Eine derartige Veröffentlichungspolitik geht mir immer etwas auf den Senkel, hehe. Aber so ist das nuneinmal.

Als speziellen Anspieltipp würde ich noch gerne "Street Jesus" erwähnen, es ist ein toller, etwas schnellerer Rock N'Roller, der die Dimension von "Pump" erreicht. Dass der Song eine Spielzeit von über 6 Minuten aufweist, ist mir beim Anhören gar nicht bewusst. Ich empfinde das Album mit 15 Songs da nicht als zu lang, im Gegenteil, ich finde es eigentlich gut, dass man über 1 Stunde Aerosmith bekommt. Über weite Strecken steuert "Music From Another Dimension" trotzdem etwas gedrosselt, ein bißchen gehemmt, durch die Aerosmith-Dimensionen. Nichtsdestotrotz ist es ein wirklich gutes, wieder etwas rustikales, aber auch erfreulich frisch klingendes Aerosmith-Album, bei dem sich Aero-Balladen gelungen mit Aero-Rockern abwechseln. Angesichts dessen wäre es schade, sollte dies wirklich das letzte Aerosmith-Album sein.


Young Man's Blues
Young Man's Blues

4.0 von 5 Sternen Verschwörungstheorien, 5. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Young Man's Blues (Audio CD)
Wohl um kaum eine andere Band ranken sich soviele Mythen, Legenden, Gerüchte und Verschwörungstheorien wie um die US-Rock N'Roller Rock City Angels, die Anfang der 80iger von Sänger Bobby Durango (damals: Bobby Bondage) und Bassist Andy Panik in Florida als Punk Rock-Truppe "The Abusers" gegründet wurden. The Abusers transformierten sich musikalisch von Punk langsam zu Glam-Rock, der mit der Energie des Punk gekreuzt wurde, und benannten sich in Angels um. Bobby Bondage wurde Bobby St. Valentine, und die Besetzung der Band veränderte sich, mit Ausnahme von Bobby und Andy Panik, sogar noch schneller.

Mitte der 80iger beabsichtige die Band sich aufzulösen, nach ihrem letzten Gig in Florida wurde ihnen jedoch von Hellion-Sängerin Ann Boleyn ein Plattenvertrag angeboten, den sie sofort annahmen und nach L.A. umsiedelten. In genau diesem Zeitraum schloss sich ihnen als Gitarrist der damals unbekannte Schauspieler Johnny Depp an, der ebenfalls aus Florida stammte. Die Band erfuhr weitere Transformationen, aus Bobby St. Valentine wurde Bobby Durango, der Glam-/Punk-Bastard richtete sich langsam nach dem klassischen Rock N'Roll aus, und die Band benannte sich in Rock City Angels um. Aus diesem Zeitraum entspringen auch all die Spekulationen, die die Band betreffen. Was sich tatsächlich abspielte, wird sich (auch durch den kürzlichen Tod von Bobby Durango) wohl kaum noch aufklären lassen, da auch jeder der damals Beteiligten etwas anderes behauptet.

Rock City Angels crashten damals offenbar mit ihrem klassischen, räudigen Glam-/Punk-/Rock N'Roll in die Sunset Strip-Szene, und wirbelten sie ziemlich durch. Es wird geschrieben, dass sie ihr Publikum hauptsächlich aus Guns N'Roses-Anhängern rekutierten bzw. diejenigen Gefallen an Rock City Angels fanden, die Guns N'Roses zugetan waren. Dies schien den Aufstieg von Guns N'Roses zu gefährden, die eben erst einen Vertrag mit Geffen abgeschlossen hatten, und damit ersteinmal zur Untätigkeit verdammt waren. Geffen hielten G n'R von der Öffentlichkeit weg, um das Interesse an der Band ins Unermessliche zu steigern.

Währenddessen erspielten sich Rock City Angels ihre eigene Fanbasis und begründeten ihre Popularität in der Szene, und begannen mit den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum. Erste Singles wurden an die Radiostationen verteilt. Doch bevor das Debütalbum veröffentlicht werden sollte, bekam Label-Managerin Ann Boleyn einen Anruf, der sie dazu auffordern sollte, die Band links liegen zu lassen. Nachdem dies ausblieb, wurde daraufhin später ein weiteres Mal versucht, die Band auszubremsen, indem Ann Boleyn laut ihren eigenen Aussagen von einem Unbekannten im Straßenverkehr attackiert wurde, der versucht haben soll, ihr Fahrzeug im Topanga Canyon abzudrängen. Wer da dahintersteckte, und ob es diese ominösen Angriffe gegeben haben soll, wurde nie bewiesen.
Unmittelbar bevor dies Album dann veröffentlicht werden konnte, bekündeten Geffen ihr Interesse an der Gruppe und kaufte sie zu der für unbekannte Bands unglaublich hohen Summe von 6,2 Millionen $. Interessanterweise sollen die Bänder, die für das geplante Debütalbum aufgenommen wurden, von Geffen restlos zerstört worden sein. Woher die Aufnahmen für das später veröffentlichte Glam Rock-Album "Rock City Angels" kommen bzw. welche Aufnahmen dies sind, weiß ich leider nicht. Sie klingen auch eher wie Demos. Dies sorgt jedoch bis heute für eine Debatte, ob Geffen Rock City Angels aus dem Weg haben wollten, um Guns N'Roses ungefährdet an die Spitze zu bringen.

Rock City Angels änderten auf Befehl von Geffen ihren Glam-Look zu einem bodenständigeren Erscheinungsbild, und wurden nach Memphis, weit abseits der L.A.-Rockszene geschickt, um an neuem Material und einem neuen Album zu arbeiten. Viele sehen darin heute einen Schritt des Labels, die Band aus dem Geschehen der angesagten Szene zu halten, um eben Guns N'Roses nicht in die Quere zu kommen, manche sagen allerdings auch, das es ein Versuch war, die Band von ihrer Drogenabhängigkeit zu kurieren. Andererseits wird aber auch behauptet, Bobby Durango wollte selbst nach Tennessee. Dies führte allerdings zu Komplikationen mit Johnny Depp, der Hollywood nicht verlassen wollte. Depp verliess die Band und konzentrierte sich fortan auf seine Schauspiel-Karriere, zumal er mit einer Rolle in der Serie "21 Jump Street" seinen Aufstieg begründen konnte. Es geht daher auch das Gerücht um, dass man von Seiten der Filmindustrie Johnny Depp von der Band loseisen wollte, damit er sich allein der Schauspielerei widmet. Heutzutage leugnet Johnny Depp seine Beteiligung bei Rock City Angels, aus welchen Gründen auch immer. Musikalisch aktiv ist er nach-wie-vor.

In Memphis nahmen Rock City Angels unter der Ägide von Produzent Joe Hardy und A&R-Manager Tom Zutaut ihr erstes Album für Geffen auf, das viel mehr mit klassischem Rock N'Roll und Blues, als Glam und Punk, zu tun hat. Dieses Album wurde 1988 dann noch etwas zeitverzögert unter dem Namen "Young Man's Blues" veröffentlicht, zu einem Zeitpunkt, an dem Guns N'Roses schon abheben konnten. Man wirft Geffen heutzutage auch diesbezüglich vor, Guns N'Roses vor der Schusslinie Rock City Angels bewahrt zu haben. Andere Stimmen behaupten jedoch, die Band sei zu sehr in ihrem Alkohol-und Drogensumpf versunken gewesen, um konsequent ihre Karriere aufzubauen. Sie sei an ihrer Tragödie und ihrem schnellen Niedergang selbst schuld.

Heutzutage ist "Young Man's Blues" ein Album, das zwar keiner breiten Masse bekannt ist, das aber von Kritikern und Fans gleichermaßen als eines der besten Hard-Rock-Alben überhaupt abgefeiert wird. Das Album wurde in mehrere Top-Listen aufgenommen, darunter, glaube ich, auch eine des Rolling Stone-Magazins.
Es wird oft darüber geschrieben, dass es ein Album hätte sein müssen, das einen riesigen Erfolg hätte einfahren müssen, eben weil es so brilliant ist. An anderer Stelle bekommt man allerdings auch zu lesen, dass die ursprünglichen Rock City Angels-Fans darüber enttäuscht waren, weil der Glam-Rock-Faktor quasi nicht mehr vorhanden war. Es erschien jedoch noch zu einem Zeitpunkt, in dem Sleaze Rock gerade zu voller Blüte erwachte, im Zuge des Guns N'Roses-Sleaze-Wahns hätte das Album durchaus mehr Beachtung und Erfolg erringen können, zumal es ja auch durchaus angemessen promotet wurde. Vielen guten Bands dieser Zeit gelang es einfach nicht, größere Erfolge von Dauer feiern zu können.

"Young Man's Blues" ist ein bodenständiges, recht bluesiges, etwas schmutziges Hard Rock-Album mit schneidigen, schmutzigen Gitarren, das sich musikalisch zwischen Faces, Hanoi Rocks, Rolling Stones und ZZ Top aufhält. Es gibt zwar gewisse Ähnlichkeiten zu Guns N'Roses und Konsorten, speziell, was den Schmutz-und Straßenfaktor betrifft, aber ich kann auf-Teufel-komm-raus keine wirklichen, offen gelegte klanglichen und musikalischen Parallen zu Guns N'Roses wahrnehmen. Ich habe noch keine Aufnahme von Rock City Angels gehört, die in direkter Konkurrenz zu Guns N'Roses gestanden hätte. Man rechnet Rock City Angels zwar immer zum Sleaze-Rock der 80iger, was durchaus nicht unberechtigt ist, da sie durchaus zeitgemäß schmutzig spielen. Meines Erachtens sind sie jedoch viel 70iger-Rock lastiger und bluesiger als die meisten anderen Bands ihrer Zeit, in etwa vielleicht ein wenig vergleichbar mit London Quireboys. Bobby Durango selbst hat es als Kreuzung aus Muddy Waters und Sex Pistols bezeichnet, was etwas optimistisch klingt, aber durchaus nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Rock City Angels spielen einen eigenen, etwas düsteren R&B und Rock N'Rollstil mit aufgekratzten Gitarren, der zwar sehr bodenständig und fundiert, aber nicht sonderlich spektakulär ist.
Die Lieder sind lässige, bluesige Rock N'Roller, die recht fein ausgearbeitet sind, und sich gut anhören lassen. "Deep Inside My Heart" ist ein flotter, bluesiger Opener, zu dem es auch einen Videoclip gab, der sich an manchen Stellen jedoch ziemlich an "La Grange" von ZZ Top anlehnt. Mit "Mary" gibt es auch einen sehr bluesigen Song, der heute noch mit "co-written by Johnny Depp" beworben wird. Als Anspieltipps würde ich die schnellen "Our Little Secret" und "Hush Child", das rockige "Rumblefish", das bluesig-swingende "Boy From Hells Kitchen" und das von Funk angehauchte "Beyond Babylon" nennen wollen.

"Young Man's Blues" ist zweifelsfrei eine gute Hard Rock-Platte, aber in die reinsten Jubelstürme der Kritiker kann ich bedauerlichweise nicht einfallen. Die Songs befinden sich auf einem durchaus hohen rockmusikalischen Niveau, viele gefallen mir richtig gut, manche allerdings auch weniger. Leider empfinde ich speziell den Schlagzeug-Sound als ziemlich dumpf und platt. Obwohl der Klang in seiner Gesamtheit alles andere als schlecht ist, und die Gitarren schön schneidig klingen, trübt dies meinen Gesamteindruck leider ziemlich.
Viele Demo-Aufnahmen, die ich von Rock City Angels hören konnte, klingen in meinen Ohren da irgendwie besser. Rock City Angels waren eine gute Band mit vielen coolen Songs, von denen sich viele hier auf "Young Man's Blues" tummeln, aber ganz große Hits sind es einfach nicht.

"Young Man's Blues" ist bei weitem kein typischer Hollywood Hair-Metal, sondern eben unscheinbarer, swingender Pub-Rock mit Soul, dunklen, rauen Vocals und bluesigen, verschmutzten Gitarren. Das Rock City Angels dabei ihren typischen L.A.-Glam-Rock hinter sich gelassen haben, würde ich eher als positiv werten, denn sie heben sich damit von vielen weiteren Hollywood-Rockern ab. Warum damit immer Parallelen zu Guns N'Roses gezogen werden müssen, kann ich trotz einer geringfügigen Ähnlichkeit nicht so ganz nachvollziehen. Natürlich, beide Gruppen waren bei Geffen unter Vertrag, entsprangen derselben Szene, eine von beiden stieg zur größten Rock N'Roll-Band ihrer Zeit auf, während die anderen sang-und klanglos in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Ein zweites Album wurde zwar noch in Angriff genommen, aber nicht mehr vollendet, da die Band von Geffen gedroppt wurde. Aber damit waren sie eben nicht die Einzigsten aus dieser Zeit, die wenigsten feierten ganz große Erfolge und überdauerten im Bewusstsein der meisten Fans. Zumal sich viele, und eben auch Rock City Angels, auch ganz einfach mit Alkohol- und Drogenmissbrauch zugrunde richteten. Ich schätze, der Tod von Bobby Durango im Juni diesen Jahres hat mit seiner langen Heroinabhängigkeit zu tun. Was schlussendlich allein der Wahrheit entspricht, wird man wahrscheinlich nicht mehr ganz klären können, zuviele Vorwürfe wurden hin-und hergeschmissen. Vollkommen bedeutungslos ist die Musik "Young Man's Blues" selbstverständlich nicht, aber es ist kein essentielles Album, sondern eher ein gutes, nettes Überbleibsel aus der letzten großen Ära des Rock N'Roll.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2013 5:24 PM MEST


117
117
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Es wird einfach nur gerockt, 4. November 2012
Rezension bezieht sich auf: 117 (Audio CD)
Mit seinem zweiten Album "117°" knüpft Izzy Stradlin direkt an seine erste Veröffentlichung mit Juju Hounds an, man bekommt leicht eingeschmutzten, bluesigen Rock N'Roll in der Tradition der Rolling Stones und der Soloalben ihrer Musiker, besonders Ron Wood, zu hören. Die für Izzy Stradlin typischen Punk- und Reggae-Einflüsse treten auf "117°" jedoch kaum in Erscheinung, das Album liegt ganz und gar auf der von Izzy favorisierten Rolling Stones-Schiene. Einzig "Parasite" haut ordentlich aufs Gaspedal. Dreckige Rock N'Roller und etwas ruhigere R&B-Songs halten sich dabei durchaus die Waage.

Das Album beginnt stark mit dem Stones-lastigen "Ain't It A Bitch" und kann sich bis zum Ende hin fast kontinuierlich steigern. "Old Hat" ist bsp. eine ziemlich bluesige Nummer, die durch den Einsatz einer Slide-Gitarre fast genauso schmutzig wie Rose Tattoo klingt; der Titeltrack haut in dieselbe Kerbe, ist aber viel rockiger. Der Country-mäßige Song "Here Before You" erinnert mich lyrisch und rhythmisch ziemlich an "Used To Love Her", die Lieder von Izzy Stradlin transportieren oft einen ziemlich trockenen, etwas dunkeln Humor. Mir persönlich gefallen besonders das Chuck Berry-mäßige "Up Jumped The Devil" und das rock n'rollige "Freight Train". Die ziemlich psychedelischen Surf-Rock/Rockabilly-mäßigen "Methanol" und "Surf Roach" schließen das Album etwas ungewöhnlich ab.

"117°" ist - wie alle andere Izzy Stradlin-Alben auch - ein unscheinbares, aber tolles Rock N'Roll-Album. Stradlin möchte einfach nur rocken, und das macht er fantastisch. Seine etwas nuschelnden, aber sehr charismatischen Vocals verleihen seinen Alben stets das Besondere, wie ich finde. Den E-Bass betätigt mit Duff McKagan hier übrigens ein alter Bekannter. Obwohl eine Verwandschaft zu Guns N'Roses auch musikalisch zweifellos auszumachen und kaum zu leugnen ist, klingt Izzy Stradlin entspannter, weicher, weniger pompös und mehr nach 70iger Rock, den er aber stets erfrischend und zeitlos darbietet.


Let It Scream
Let It Scream
Wird angeboten von groovetemplemusic
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Eine Fußnote in der Geschichte von Mötley Crüe, 1. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Let It Scream (Audio CD)
Die L.A.-Hard Rock-Band The Scream wurde Ende der 80iger als Saints And Sinners von Sänger John Corabi und der vormaligen Racer X-Besetzung gegründet. Schlagzeuger Scott Travis verliess die Band jedoch sofort wieder in Richtung Judas Priest, woraufhin man sich den ehemaligen Shark Island-Schlagzeuger Walt Woodward III mit ins Boot holte und sich in The Scream umbenannte. Die Band erprobte ihre Songs intensiv in den Clubs von Hollywood und galt bald als heiße Nummer in der damaligen Sunset Strip-Szene. Dies ermöglichte es der Band einen Plattendeal mit Hollywood Records zu ergattern und resultierte in der Veröffentlichung des Debütalbums "Let It Scream".

Ich habe leider ein verdammtes Problem mit dieser Scheibe: und das ist der abgefahrene Opener "Outlaw", der meines Erachtens alle anderen Songs in den Schatten stellt. Nachdem ich mir das Album das erste Mal angehört habe, war ich so begeistert von diesem furiosen Rocker, dass ich irgendwie ziemlich enttäuscht von dem Rest war. Diese Vollgas-Leistung erreichen The Scream einfach nicht mehr. Erst nach-und-nach habe ich mich - eher zögerlich - mit dem vollständigen Album auseinandergesetzt, man wird "Let It Scream" einfach nicht gerecht, wenn man es nur auf "Outlaw" beschränken will. Sicher, der überwiegende Teil der Lieder ist eher bluesiger und getragener ausgefallen, mit Anklänge an Country/Hillbilly ("Never Loved Her Anyway") und Funk ("Tell Me Why"), aber es sind trotzdem harte, gut gemachte Rock N'Roller, die kräftige, dreckige Gitarrenriffs aufweisen und ordentlich Wumms beinhalten. John Corabis dunkle, charismatische und bluesige Reibeisenstimme setzt dem ganzen gewissermaßen die Krone auf.

Wirklich anlehnen tun sich The Scream hiermit eigentlich nirgendwo 100 %-ig, es ist solider, aber auch schmutziger L.A.-Hard Rock, den ich vielleicht trotzdem als eigenständige Melange aus frühen Bang Tango, Cinderella, Mötley Crüe, Tesla, Tattoo Rodeo und Van Halen beschreiben würde. Bald nach der Veröffentlichung dieses Albums wurde John Corabi bekanntermaßen von Mötley Crüe angeworben und verliess The Scream, die daraufhin ohne ihn weitermachten, und mit Sänger Billy Fogarty noch ein zweites Album ("Takin' It To The Next Level") einspielten, das jedoch nicht mehr veröffentlicht wurde, und bis zum heutigen Tage auch keine Veröffentlichung erfahren hat. Ohne Corabi fehlt da einfach etwas.

Heutzutage ist die Band und ihr Album "Let It Scream" irgendwie nur noch eine Fußnote in der Geschichte von Mötley Crüe. Zugegebenermaßen bin ich eben durch diese Fußnote auf The Scream aufmerksam geworden, und habe mich darum bemüht, das Debütalbum aufzutreiben. Nicht nur allein wegen "Outlaw" lohnt es sich, The Scream ein bißchen mehr Beachtung zu schenken. Wenn man - unabhängig von Mötley Crüe - auf kräftigen, kantigen Sleaze Rock Anfang der 90iger steht, findet man mit "Let It Scream" ein gutes Album.


Instinct
Instinct

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Instinkt mit Schneid und Schärfe, 31. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Instinct (Audio CD)
Nach seinem durchaus radiofreundlichen, vergleichsweise poppigen, und kommerziell sehr erfolgreichen '86er Album "Bla Blah Bla", eine Kollaboration mit David Bowie, legte Iggy Pop 1988 mit "Instinct" eine Kehrtwende ein, und haute einen Nachfolger raus, der sich gewaschen hat. "Instinct" ist Heavy-Metal-beeinflusster, kantiger und knallender Hard Rock wie er eigentlich nur von Iggy Pop kommen kann.

Das Album weist einen kühlen, fast schon klinischen, klaren, aber auch etwas düsteren Klang auf; das Schlagzeug klingt wie Peitschenhiebe, die verzerrten Gitarrenriffs sägen und schneiden wie wildgewordene Kettensägen auf Patrouille. Produziert wurde das Album von Bill Laswell, diesbezüglich erinnert der Sound auch ein wenig an "Orgasmatron" von motörhead, aber auch "Brain Drain" von den Ramones. Aber trotz aller Härte, trotz der ganzen Sound-Sägerei, verliert Iggy Pop keineswegs das (sehr gute) Songwriting aus den Augen, die Lieder sind hart und kantig, aber auch sehr melodisch. Die Gitarrenarbeit in ihrer Gesamtheit ist ziemlich exzellent, die sechs Saiten werden von Sex Pistols-Gitarrist Steve Jones betätigt, welcher als Gitarrespieler angesichts eines solchen Albums ziemlich unterbewertet ist. Besonders die etwas unscheinbaren Soli, die ein wenig den Eindruck erwecken, als ob sie sich in den harten Songs verstecken möchten, sind klasse.

Heutzutage scheinen mir die meisten Lieder von "Instinct" - mit Ausnahme von "Cold Metal", welches damals für einen Grammy nominiert war, und vielleicht noch das etwas psychedelische "High On You" - ziemlich unbekannt geworden zu sein. Darüberhinaus sind Lieder, wie das flotte, rockige "Easy Rider", das rasiermesserscharfe "Power & Freedom" und das lässige, etwas swingende "Lowdown" auf jeden Fall Iggy Pop-Lieder, die qualitativ auch ganz vorne mitspielen.

Warum "Instinct" scheinbar so sehr untergegangen ist, hat sich mir bis dato noch nicht erschlossen. Vielleicht, weil man es angesichts des ihm enthaltenen Hard Rocks immer in die Hair-Metal-Ecke stellen will. Dies ist aber ein Umstand, den ich so nicht stützen möchte. Ganz so energetisch und wild wie die Stooges ist "Instinct" nicht, aber das aggressivste und heftigste Iguana-Album seit "Raw Power".


The Wörld Is Yours
The Wörld Is Yours
Preis: EUR 14,18

4.0 von 5 Sternen Ohne motörhead wäre die Welt nicht genug, 28. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: The Wörld Is Yours (Audio CD)
Nach den bärenstarken Alben "Inferno" und "Kiss Of Death", sowie dem sehr guten "Motörizer", war ich zuerst ein wenig enttäuscht von "The Wörld Is Yours". Wobei "enttäuscht" eigentlich der falsche Begriff ist, denn "The Wörld Is Yours" ist ein motörhead-Album in Reinkultur, das den hervorragenden Level der letzten motörhead-Scheiben auf jeden Fall gehalten hat. Es beinhaltet dreckigen, harten Rock N'Roll mit Ecken und Kanten, Mikkey Dees kraftvolles Schlagzeug, Phil Campbells dreckiges, aber feines Gitarrespiel, Lemmys krächzige Vocals und sprachlich elaborierte Texte - es ist alles so, wie man es von motörhead kennt und schätzt.

Ich konnte mir das Album gut anhören und mich daran erfreuen, aber mit Ausnahme von "I Know How To Die" konnten die Songs bei mir nicht so richtig zünden. Nach einer Zeit lang ist "The Wörld Is Yours" dann auch wieder aus meinen Lautsprechern verschwunden, bis ich letztens richtig Bock darauf hatte. Und siehe da, die Sache geht runter wie Öl. Nach einer gewissen Reifezeit offenbart "The Wörld Is Yours" endlich seine ganze Klasse.

Es ist natürlich kein Progressive-Rock, den man lange wirken lassen kann und sollte, sondern vergleichsweise simpler, schmutziger Heavy Rock N'Roll, der zwar versaut, aber auch recht fein und an vielen Stellen melodisch dargeboten wird. Einen besonderen Augenmerk scheinen motörhead dieses Mal auf viele rock n'rollige Elemente gelegt zu haben, die einmal mehr geschickt in den harten motörhead-Sound eingearbeitet wurden. Produziert wurde ein weiteres Mal von Cameron Webb, "The Wörld Is Yours" liegt auch klanglich auf einer Schiene wie seine direkten Vorläufer, der Sound ist allerdings nicht mehr ganz so klirrend kalt wie bsp. "Kiss Of Death", sondern eher etwas wärmer und differenzierter. An manchen Stellen habe ich jedoch das Gefühl, dass Lemmys Gesang ein wenig in den Hintergrund gemischt wurde, was dem Album jedoch keinen Abbruch tut.

motörhead haben noch nie ein schlechtes Album veröffentlicht, was "The Wörld Is Yours" einmal mehr unterstreicht, und damit erneut beweist, dass motörhead sich immer treu geblieben sind, ohne je langweilig geworden zu sein. Auf dieser Ebene würde ich mich freuen, wenn es noch ein paar Nachfolger dazu geben würde ... ein paar? .. ach was, viele! :-) Wenn man gerade Bock auf motörhead hat, ist "The Wörld Is Yours" auf jeden Fall immer wieder eine gute Wahl.


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