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Rezensionen verfasst von
Asphaltwolf (4942 Meilen bis Graceland)

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Pain and Suffering
Pain and Suffering
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rock N'Roll-Schmerz, 26. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Pain and Suffering (Audio CD)
Die ersten beiden Alben von Rhino Bucket genießen zurecht Kultstatus. Aber an diesen Rang scheint das dritte Album von 1994 irgendwie nicht so ganz ranzukommen. Musikalisch hatte sich bei Rhino Bucket aber nicht viel geändert. Sie spielten immer noch heftigen, stark von AC/DC beeinflussten, naturbelassenen und harten Rock N'Roll, wofür sie sich sogar mit ex-AC/DC-Schlagzeuger Simon Wright verstärkten. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen, wilden Alben der Band, machte sich allerdings ein stärkerer Einfluss von Blues deutlich. Der Hard Rock tendierte (wie auch der der Vorbilder von AC/DC) stärker zum Blues Rock. Das ist meiner Ansicht nach aber nichts Schlimmes. Die Rhinos wussten immer noch, wie man ordentlich rockt und packende Songs schreibt.

Der eröffnende Titelsong schleppt sich allerdings ersteinmal durch die Gegend und lässt die Frage aufkommen, ob die Band sich dem damals angesagten Grunge /Alternative-Rock zuwandte. Aber das ist nur ein falscher Alarm. Zum Abschluss kriegt der Song noch die Kurve und kann das Tempo zwischendurch noch beträchtlich erhöhen. Mit Song Nr. 2, dem sechsminütigen "Stand Before You", beginnen Rhino Bucket dann wieder standesgemäß zu rocken. Die Songs sind überwiegend im etwas höheren Tempobereich angesiedelt und recht simpel gestrickt. Progression sucht man hier vergebens. Und doch geht den Liedern irgendwie die durchschlagende Sprengkraft ab. Die flotten Nummern mit feinen Riffs und Licks gehen fix ins Ohr, und verleiten schnell dazu, mit dem Kopf oder den Füßen mitzuwippen. Das rockt und macht Spaß, aber man verspürt nicht das Bedürfnis, in der Gegend herumzuwirbeln oder das Gaspedal durchzutreten.

Produktionstechnisch ließ man nichts anbrennen: der naturbelassene Sound gerät ordentlich nach AC/DC und macht in dieser Hinsicht auch Laune. Meines Erachtens könnte lediglich der E-Bass etwas dominanter sein, um den Songs mehr Druck zu verleihen. Mit der Originalveröffentlichung ist man in diesem Sinne auf jeden Fall gut bedient. Der Re-Release wartet mit aufgemotzter Lautstärke und gereinigtem Soundbild auf, was dem Album aber auch nicht zum Nachteil gerät. Die fünf zusätzlichen Lieder sind bluesige Demoaufnahmen, die im Vorfeld zu den Pain-Aufnahmesessions gemacht wurden, sowie eine Liveaufnahme. Das flotte "Head Above Water" und das sehr bluesige "Bastard" gefallen mir davon persönlich sehr gut, wenn auch der Sound natürlich schwächer ausfällt. Letzteres ist übrigens ein Cover von Ian Hunter.

Die ersten beiden Rhino-Alben lass' ich gern beim Gewichtheben abspielen, "Pain" ist dagegen eher zum gemächlichen, coolen Kreuzen auf der Straße, zum Putzen der Wohnung, oder zum Hinsetzen und Anhören. Das kann auch für gute Stimmung sorgen, insbesondere, wenn man eben "Pain" laufen hat. Mir gefallen die schlichten Kompositionen trotz (oder wegen) Blues Rocks unheimlich gut. Wenn man in seiner Musik keine bis kaum Experimente gestattet, läuft man schnell Gefahr, in die Stagnation zu geraten, und sich zu wiederholen. Rhino Bucket ist es meines Erachtens aber gelungen, innerhalb ihres Metiers geschickt zu manöverieren, und mit "Pain" ein beinahe ebenbürtiges, drittes Album nachzulegen. 4,5 Sterne + Rhino-Bonus.


Making Enemies Is Good
Making Enemies Is Good

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel Feind, viel Ehr, 13. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Making Enemies Is Good (Audio CD)
Das dritte Album der Backyard Babies stellte meinen Einstieg in die musikalische Welt der schwedischen Schweinerocker dar. Nachdem die ganze Heavy-Szene damals das Vorgängerwerk "Total 13" als Offenbarungswerk der skandinavischen Rotz N'Roll-Szene abfeierte, lotste die Ankündigung von "Making Enemies Is Good" mein Interesse zu der Band. Zumal mir Hardcore Superstar bereits durch ihr krasses Debüt bekannt waren. Wären die Babies daher nur halb so gut wie ihn allen Magazinen beschrieben, dann könnte ich hier die neue Rock N'Roll-Sensation zu Beginn des 21. Jahrhunderts entdecken ...

Aber Backyard Babies bilden noch so viel mehr als eine kurze, hell aufschimmernde Sensation. Diese Band hat ganz einfach den Rock N'Roll im Blut. Obwohl "Making Enemies Is Good" bei weitem nicht so radikal und kompromisslos ist wie "Total 13", fackeln die Babies hier trotzdem ein Rock N'Roll-Feuerwerk ab, dass das Arsenal einer jeden Artillerieeinheit in den Schatten stellt. "Making Enemies Is Good" ist melodischer und verspielter, experimentierfreudiger aber auch rockiger, und ist mit einprägsamen Refrains, packenden Hooks und bekannt-brillanten Riffs ausgestattet. Sie klangen hier nicht mehr so derbe wie auf dem Vorgängerwerk, haben aber trotzdem einen fetten und warmen Klang mit schneidigen Gitarren im Gepäck.

Das Album ist ein bunter, aber dennoch sehr homogener Rock N'Roll-Cocktail aus Punk, Rock N'Roll, Sleaze- und Glam Rock, der sich auch zeitgemäßen Einflüssen nicht verschloss, und gewissermaßen den eigenen Stil der Babies aus dem Einfluss des 80er L.A.-Hard Rocks etablierte. Wohingegen "Total 13" mit ordentlich Wut im Bauch in der Gegend herumtrümmerte, ist "Making Enemies Is Good" mehr eine schweißtreibende und melodische Good-Time-Rock N'Roll-Chose.

Seinerzeit wurde bereits der Vorwurf des Kommerzes laut. Im Vergleich zu "Total 13" ist diese Anschuldigung durchaus verständlich, aber trotzdem für mich nicht so ganz nachvollziehbar. Backyard Babies haben immer noch mehr Power als alles was so durch MTViva kroch. Beim Intro-Opener "I Love To Roll" wurden einige Vinyl-Scratches verwendet und "Ex-Files" ist eine schleppende Rocknummer mit Anleihen an Rap und modernen R&B. Die Hit-Singles "Brand New Hate" und das flotte "Heaven 2.9" scheinen etwas nach dem Pop Punk von Green Day zu kommen. Klingt aber alles schlimmer als es tatsächlich ist. Die Gitarren braten immer ganz ordentlich und das packende Songwriting zeugt von der Klasse der Band. Das tun auch die beiden Balladen "Colours" und "Painkiller", wobei letztere Nummer gemeinsam mit Dogs D'Amour-Sänger Tyla verfasst wurde, dessen Handschrift deutlich herausschimmert. Wäre auf "King Of The Thieves" sicherlich eine der besten Nummer gewesen. Harte und schnelle Nummern wie "The Kids Are Right" (The Who lassen grüßen), "Too Tough To Make Some Friends" und "Bigger W/Trigger" dürften "Total 13"-Fanatiker etwas trösten.

Jeden Tag habe ich mich von "Making Enemies Is Good" anfixen lassen, für die Dauer von mehreren Monaten bekam ich das Album nicht mehr aus dem CD-Schacht. Obwohl ich das Album vom ersten bis zum letzten Power-Chord abfeiere, möchte ich mit dem schwungvollen "Payback", dem von Dregen gesungenen "Star War" und dem fiesen "My Demonic Side" noch ein paar Anspieltipps gesondert hervorheben. Das Album stellte zwar den kommerziellen Durchbruch für die Band dar, wühlt aber trotz der viel höheren Melodiefreudigkeit und dem Hitfaktor immer noch kopfüber im Rock N'Roll-Dreck. Von der Geschwindigkeit und der Energie waren die Babies ohnehin allem überlegen, was damals in den Charts vertreten war. Mit den zugehörigen Videoclips im TV machte damals auch Musikfernsehen wieder Spaß.


Beyond Salvation
Beyond Salvation

4.0 von 5 Sternen Toller Einstieg in die Musik der Angels aus 'Down Under', 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Beyond Salvation (Audio CD)
The Angels sind eine australische Band aus Australien, die rauen und unverfälschten Hard Rock spielen. Um Missverständnisse zu den Keyboard-Rockern von Angel zu vermeiden, ist die Band außerhalb ihres Kontinents auch als "Angel City" oder "The Angels From Angel City" bekannt, was aber - zumindest bei mir – zuerst zu einiger Verwirrung geführt hatte. Gegründet wurde die Band 1974 in Adelaide und wurde auf ihren ersten Alben ab 1977 von George Young und Harry Vanda produziert, den Haus-und Hof-Produzenten von AC/DC in den 1970ern. Sicherlich auch deswegen hatte man die Band oft als Abkömmlinge der Starkstomer aus Sydney betrachtet. Der ruppige Hard Rock der Band tat sicherlich sein Übriges dazu.

Aber ich möchte hiermit zugleich festhalten, dass The Angels weder eine Kopie noch ein Abklatsch von AC/DC darstellen, genausowenig wie Rose Tattoo nur die „dreckigeren AC/DC" wären. Alle drei Bands haben eine gemeinsame Basis, eine ähnliche Herangehensweise an die Rockmusik, die vorallem durch einen naturbelassenen Rock N'Rollsound ausgedrückt wird der musikalisch den Blues als Basis hat. Dieser ist bei jeder Band jedoch vollkommen unterschiedlich ausgefallen, wie ich meine.
Der kratzbürstige Gitarrensound von The Angels ist meines Erachtens viel metallischer als bei AC/DC oder Rose Tattoo, und gefällt mir wirklich ausgesprochen gut. Das hat einfach etwas! Aber trotz eines harten Sounds und straighter Heavy Rock N'Roll-Songs legten The Angels stets Wert auf ein ausgefeiltes Songwriting, das viele Melodien und beizeiten sogar recht poppige Mitsing-Refrains miteinschloss.

Ein vollständigeres Bild von der australischen Rock N'Roll-Szene bekommt man meines Erachtens nur, wenn man The Angels mitbetrachtet. Ich will AC/DC damit nicht schlecht machen, im Gegenteil – ich liebe sie! Aber wenn man auf den Rock N'Roll von AC/DC steht, sollte man sich nicht zwingend darauf beschränken, sondern mal schauen, was Rose Tattoo oder eben auch The Angels so alles Fantastisches verbrochen haben. Das ist in meinen Augen so das große Triumvirat des Aussie-Rock N'Rolls.

"Beyond Salvation" war das 9. Studioalbum von The Angels in Australien, aber das Album, das man hierzulande unter dem Titel "Beyond Salvation" bekommt und unter dem Moniker "The Angels From Angel City" erschien, ist tatsächlich nur eine heftig zerstückelte Version des eigentlichen Albums, das 1989 in Australien veröffentlicht wurde. Die internationale bzw. die US-Version hat mehr den Charakter einer Best-of-Zusammenstellung. Mit "Back Street Pick Up", "Jump Back Baby", "Love Waits", "Bleeding The Times", "Pushing And Shoving", "Bitch", "Take An X" und dem Titelsong fehlen so ziemlich fast alle Songs des eigentlichen Albums. Mit "Am I Ever Gonna See Your Face Again" (ursprünglich die erste Single), "I Ain't The One" ("Face To Face" '78), "I Can't Shake" (von "No Exit" '79) und "City Out Of Control" ("Night Attack" '81) bekommt man noch ein paar von The Angels besten Stücken mit zu hören. Woher das bluesig-swingende "Who Rings The Bell" und der blues-rockige, melodische 6-Minüter "Junk City" kommen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich denke, dies konnten B-Seiten der vielen australischen Singles sein, die dort zu dem Album ausgekoppelt wurden.

Trotzdem hat "Beyond Salvation" in dieser Form einen homogenen Charakter, The Angels duldeten in ihrem Sound nie irgendwelche Experimente oder Abweichungen. Obwohl es natürlich ärgerlich ist, dass man auf den Großteil des Albums verzichten muss (die anderen Alben sind hierzulande erhältlich), bietet "Beyond Salvation" so einen prima Einstieg in das musikalische Schaffen von The Angels. Die amerikanischen L.A.-Blues-Rocker Great White coverten für ihr '91er Album "Hooked" den knackigen, bluesigen Rock N'Roller "Can't Shake It", welcher mir so gut gefallen hatte, dass ich mich umgehend daran machte, das Original aufzutreiben. Und das einzigste Album, dass ich von The Angels damals kriegen konnte war ... "Beyond Salvation" in dieser Fassung. In ihrer Heimat waren The Angels sehr erfolgreich, außerhalb davon leider schon fast sträflich ignoriert worden. Ich kann nur empfehlen, die Musik mal anzutesten. Es lohnt sich, bestimmt!


The Voodoo You Love
The Voodoo You Love
Preis: EUR 17,52

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwacher Voodoo-Zauber, 12. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: The Voodoo You Love (Audio CD)
Mit neuer Besetzung und neuem Album meldete sich Roxx Gang-Sänger Kevin Steele 1995 musikalisch zurück. Nach dem Achtungserfolg des Debüts "Things You've Never Done Before" brach die Band zu Anfang der 1990iger aufgrund interner Querelen und Probleme mit dem Plattenlabel auseinander. Steele stellte daraufhin eine neue Version der Roxx Gang zusammen, deren Besetzung noch ein wenig rotieren sollte. Mit dem späteren L.A. Guns-Gitarristen Stacey Blades und dem zweiten Album "The Voodoo You Love" griff Steele nocheinmal an.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands jener Zeit, die sich auflösten und in der Versenkung verschwanden, oder musikalisch andere Wege zu gehen versuchten, hielten Steele & Co. am Glam Metal fest. "The Voodoo You Love" ist ein angeschmutztes Rockalbum mit knarzigen Licks und Soli und jeder Menge Sleaze-Attitude. Das wäre aber schon fast alles Gute darüber, was ich aus meiner Warte berichten kann.

Die Band versuchte, die Linie des erfolgreichen und guten Debütalbums fortzuführen, was ihnen in vielerlei Hinsicht nur sehr mäßig gelang. Die Songs sind nicht zwingend schlecht; sie rocken zwar, plätschern aber größtenteils nur vor sich hin, wie ich finde. Das auf einem durchaus konstanten Level, welches aber leider nicht die Ebene anderer Bands dieses Metiers erreicht. Davon abheben tun sich meiner Ansicht nach das schnelle "Hot For Love" und das rock n'rollige, flotte "Can't Catch Me". Letztere Nummer ist der Grund, warum ich das Album noch nicht verkauft habe. Neue Impulse im Sound der Roxx Gang verleiht die unterdurchschnittliche Ballade "Silver Train" und das Rockabilly-mäßge "What You See". Diesbezüglich fällt auf, dass die Band auch durch die Verwendung einer Mundharmonika und Bläser im Opener "Daddy's Farm" ihren Sound etwas anreicherte.

In puncto Produktion stört mich ein dumpfer und platter Sound, welcher insgesamt ziemlich unterirdisch rüberkommt. Ganz klar, man schrieb nicht mehr 1988. Die Zeit der ganz großen Hard Rock Produktionen war vorbei. Ich denke mir aber, dass man mit etwas Mühe vielleicht einen besseren Klang hinbekommen hätte. So ist das Album nur ein schwacher Schatten seines Vorgängers. Als anspruchsloser Fan (nicht negativ gemeint) von Glam oder Sleaze Rock der 1980iger kann man hier sicherlich auch seinen Spaß haben. Ich kann mir das Album eigentlich auch mal ganz gut am Stück ziehen, aber wirklich begeistern kann ich mich dafür nicht.

"The Voodoo You Love" ist dahingehend das letzte Roxx Gang-Album mit dem ich von der Band etwas anfangen kann. Im Laufe der folgenden Jahre sollte Kevin Steele noch ein paar Alben unter dem Namen Roxx Gang veröffentlichen, welche musikalisch und klanglich ziemlich grottig sind. Er sollte sich dann auch lieber um seine neue Southern-/Swamp-Rock Band Mojo Gurus kümmern, welche dann ganz offensichtlich seine neue musikalische Liebe waren.


Live To Win
Live To Win
von Alan Burridge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 48,12

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewinn für motörheads, 5. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live To Win (Gebundene Ausgabe)
Mit "Live To Win" von Autor und Motörheadbangers-Vorstand Alan Burridge gibt es endlich ein Werk, das dem Werdegang von motörhead gerecht wird. Das Buch kommt in einem stabilen Hardcover-Einband mit einem silbern aufgedruckten 'War Pig' auf dem Frontcover. Die Seiten selbst sind qualitativ hochwertige Hochglanzdrucke.

Und das ist auch gut so, denn Live To Win ist sehr viel mehr als "nur" eine reine Biographie: das Buch ist mit einem reichhaltigen Fundus an Fotomaterial bestückt, das es zu einem regelrechten motörhead-Bildband macht. Die Fotos bieten nicht nur eine visuelle Untermalung der Biographie, sondern gehen oft auch darüberhinaus. Die Fotoaufnahmen entstammen allen Phasen der Bandgeschichte, und bieten dabei sehr viel mehr als nur die gängigen Promo-Aufnahmen und die Bilder, die man aus einschlägigen Zeitschriften kennt.

Alan Burridge beschreibt die Geschichte der Band chronologisch nach Jahreszahlen anhand von Tourdaten, TV- und Promoauftritte, Samplerbeiträgen und Albumveröffentlichungen. Anekdoten und Tourgeschichten aus dem Leben der Mitglieder sind dabei aber eher sehr rar gesät. Burridge liefert und erklärt die Fakten, und dabei konnte ich doch auch einige Details finden, die mir noch nicht bekannt waren, und die mein Verständnis über motörhead auch etwas erweiterten. Die Fakten und Details werden allerdings nicht lieblos aneinandergereiht, sondern in einem flüssigen, gut geschriebenen Text verarbeitet, in dem der Autor auch seine eigenen Ansichten miteinfließen lässt. Als motörheadbanger feiert er die Band ziemlich ab (eh klar), äußert sich aber in Bezug auf die Alben, auf die er jedes Mal kurz eingeht, vereinzelt recht kritisch. So kommt "Iron Fist" bei ihm z.B. nicht ganz so gut an. Auch verteidigt er vehement Lemmys Umzug von London nach Los Angeles, worin er mit die heutige Popularität von motörhead sieht.

Das Buch gibt es bis dato nicht in deutscher Übersetzung, was sich als etwas kompliziert erweisen könnte, wenn man in der englischen Sprache nicht sonderlich bewandert ist. Als professioneller Autor hat Burridge einen umfangreichen Wortschatz in petto, der sich auch in "Live To Win" finden lässt. Ich möchte den Text nicht bedeutungslos schreiben, aber er erweckt auf mich ein wenig den Eindruck, als ob er die vielen Bilder und Fotos aus der Karriere von motörhead nur begleiten würde. Insofern kann man die Geschichte von motörhead mit "Live To Win" vorallem auch optisch erfahren, und ist nicht unbedingt darauf angewiesen, alles aus der Biographie verstehen zu müssen.

Meines Erachtens liegt der Reiz primär in dem sorgsam ausgewählten und mannigfaltigen Bildmaterial, das von der fundierten Kenntnis Burridges' über motörhead passend ergänzt wird. Für Fans von motörhead stellt das Werk von Alan Burridge auf jeden Fall einen Gewinn für die heimische motörhead-Sammlung dar. Das Buch schließt mit einem Nachruf auf den leider viel zu früh verstorbenen Gitarristen Würzel ab. Er mag nach "Sacrifice" die Band verlassen haben, bleibt aber nicht nur wegen seiner Mitwirkung an solch tollen Alben wie "Orgasmatron", "1916" und "Bastards" unvergessen.


Aftershock [Vinyl LP]
Aftershock [Vinyl LP]
Preis: EUR 17,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hoffentlich nicht das letzte Nachbeben, 25. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aftershock [Vinyl LP] (Vinyl)
Über Lemmy konnte man dieses Jahr ja nicht so viel Gutes lesen. Auch wenn man es kaum glauben mag, muss selbst eine so widerstandsfähige Natur wie Lemmy dem jahrzehntelange Leben auf der Überholspur Tribut erweisen. Aber dies durfte noch nicht das Ende sein. Denn mit "Aftershock" melden sich motörhead wieder standesgemäß zurück. Bereits die Ankündigung eines neuen Albums überraschte mich angesichts der vergangenen gesundheitlichen Probleme des Motörmeisters, trotz der Verspätung im Zwei-Jahres-Turnus der Band, was Studioalben betrifft. Die Überraschung wurde aber sehr schnell durch die Vorfreude verdrängt.

Ein weiteres Mal produziert von Cameron Webb, liegt "Aftershock" klanglich auf der stahlharten Schiene der modernen motörhead, die mit "Inferno" begann und den folgenden Alben bis zum heutigen Tage fortgesetzt wurde. Insoweit ich das beurteilen kann, offenbart Aftershock ein differenziertes, kaum getrübtes Klangbild, das nicht ganz so knüppelhart wie die Vorgänger ist. Das Album bildet diesbezüglich keinen Vergleich zu dem Matsch von dem (dennoch sehr guten) "Motörizer", und greift da wieder auf, wo "The Wörld Is Yours" aufhörte. Motörhead fräsen sich sauber durch ihre dreckige Musik.

Musikalisch hat sich bei motörhead da auch nichts geändert. Das Album besteht überwiegend aus schmutzigen Heavy Rock N'Rollern, die mal abwechselnd flotter, getragener oder auch härter ausfallen. Viele dieser Songs werden von zackigen Riffs angefeuert, die ich in dieser Form vielleicht eher mit einer Band wie Skew Siskin in Verbindung gebracht hätte. Motörhead und Lord Axesmith scheinen halt immer noch die Riffmeister zu sein. Die Lieder gehen dadurch sofort locker und flüssig durch die Gehörgänge in die Seele und versetzt sie ein weiteres Mal ordentlich mit motörhead.

Aber selbst wenn man sich das Album auf Anhieb locker geben kann, machte sich bei mir zu Beginn doch etwas Ernüchterung breit. Motörhead haben ein solide und routiniert gefertiges Album aus einem Guss rausgehauen, das einen motörisierten Musikfan kaum enttäuschen wird, aber trotzdem scheinen etwas die richtigen Höhepunkte im Songwriting zu fehlen. Die Lieder sind meines Erachtens von ziemlich einheitlicher Motörqualität. Es gibt für mich keine Ausfälle, aber auch keine totalen Überflieger. Manche Lieder kommen etwas besser als andere, und welche das sind, muss man wohl selbst entscheiden. Nach einigen Durchläufen kristallisieren sich bei mir langsam die ersten Favoriten heraus. Denn ja, da ist es ja doch, das ganz besondere motörhead-Feeling! Diese Band kann einfach nicht schlecht. Mir persönlich gefällt da das aufgewühlte, turbulente "Knife" am Besten. Aber auch die harten, pfeilschnellen "End Of Time", "Queen Of The Damned", und "Paralyzed" kommen mit jeder Umdrehung besser und besser. Auch ein etwas eindimensionaler, ganz gering von Funk angehauchter Song wie "Death Machine" wirkt beim ersten Hinhören eher unscheinbar, kommt dann aber hart entgegen. Die etwas getragene Nummer klingt wie eine schwere Lokomotive, die kurz vor dem Entgleisen steht und schon ordentlich Funken schlägt.

Mit der rockigen Hymne "Keep Your Powder Dry" (eine textliche Hommage an "For Those About To Rock"?) wildern motörhead in ihrer ureigenen Manier ordentlich im Revier von AC/DC, und das stampfende "Going To Mexico" erinnert mich durch das primäre Riff und den trampelnden, harten Rhythmus an einen Song ähnlichen Namens der US-Amerikanischen Power-Sleazer von McQueen Street. Rock N'Roller wie "Do You Believe" und "Crying Shame" offenbaren dagegen die direkten Wurzeln der motörhead-Musik bei Musikern wie Chuck Berry oder auch The Rolling Stones. Für ein Werk, das aus einem einzigen Stahlblock gefertigt worden zu sein scheint, ist es doch auch erstaunlich abwechslungsreich, wie ich finde. Aber Assoziationen mit der Musik anderer Bands bedeuten nicht, dass "Aftershock" es in irgendeiner Form an dem einzigartigen, typischen motörhead-Charakter vermissen lassen würde. Im Bereich der harten Musik gehören motörhead zu den Originalen, und sie bleiben sich ein weiteres Mal vollkommen treu und experimentieren nicht in der Gegend herum. Mit "Lost Woman Blues" gibt es allerdings einen melodischen und entspannten Blueser, bei dem Lemmy sehr ruhig und klar klingt. Auch "Dust And Glass" geht in dieselbe Richtung, und ist fast schon eine Ballade geworden. Beide Nummern lockern den Verbund an bärbeißigen Heavy Rock N'Rollern etwas auf.

Vielleicht ein kleines Manko ist da doch, dass die Texte der Lieder für motörhead-Verhältnisse fast schon banal sind. Aber das ist eben der Rock N'Roll in seiner Anfangszeit. Angesichts des gelungenen Covers, das im Hintergrund zerstörtes deutsches Kriegsgerät aus dem II. Weltkrieg zeigt, habe ich mich dazu hinreißen lassen, einen Haufen sprachlich elaborierter Lyrics zu erwarten, die sich mit der von Lemmy typischen Art und Weise mit den Gräueln des Krieges, der Zerstörung der Natur, der Verlogenheit der Politiker, dem Missbrauch der Menschen, und der unaufrichtigen Frömmigkeit der Kirche auseinandersetzt. Dem Anhören der Musik tut dies jedoch keinen Abbruch.

Motörhead machen weiterhin Laune und gehören für mich ganz einfach zum kompletten Leben mit dazu. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sein sollte, wie die Welt ist, wenn Lemmy tot von der Bühne fallen sollte. Die Welt, und ganz besonders das Universum der Rockmusik, dürften bedeutend ärmer sein. Bleibt daher zu hoffen, dass Lemmy noch eine ganze Weile 'on the road' sein kann und mit seinen Motörhead-Mannen noch ein paar Alben aufnimmt. Meine unheimliche Vorfreude auf "Aftershock" wurde zwar nicht zu 100 % entsprochen, aber enttäuscht hat es mich auch nicht. Im Gegenteil, das Teil dreht sich gerade erst warm. Ich schätze, die Band macht ganz einfach die Songs die sie selbst machen möchte. Und so sollte es auch sein.
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Sixes, sevens & nines (1991) [Vinyl LP]
Sixes, sevens & nines (1991) [Vinyl LP]

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück im schmutzigen Rock N'Roll, 20. Oktober 2013
Mit Ihrem zweiten Album "Sixes, Sevens & Nines" meldeten Junkyard sich 1991 wieder zurück. Die musikalische Formel von Junkyard aus bluesigen Hard Rock mit Boogie, Punk und Southern Rock hatte sich im Prinzip nicht geändert. Die Band schaltete jedoch einen Gang zurück und gestaltete ihre Musik wesentlich variabler und Rhythm & Blues-lastiger. War das Debüt soetwas wie ein Epitom oder ein Ausbund des vollendes in der Asozialität angekommenen Sleaze Rocks, gingen Junkyard daher etwas "niveauvoller" und vergangenheitsbetonter zur Sache. Der enorme Punk Rock-Einfluss zog sich in den Hintergrund zurück und machte einer verspielten Rock N'Roll-Musikalität Platz. Verglichen mit dem rotzigen Debüt sind Junkyard daher auch klanglich nicht mehr ganz so versifft und schmierig, sondern offenbaren eher etwas mehr feste Ecken und Kanten, die vereinzelt sogar noch härter und rauer rüberkommen.

Ungeachtetdessen brettern Junkyard aber ersteinmal mit dem flotten Opener "Back On The Streets" ins Album, doch bereits mit dem bluesig-swingenden "All The Time In The World" wird das Tempo schon gedrosselt. Junkyard integrierten erstmal Piano und ein Hammond Organ in ihrem Sound. "Sixes, Sevens & Nines" ist eine bunte Hard Rock-Mixtur, bei der kaum ein Song dem anderen gleicht, aber die dennoch sehr homogen rüberkommt. Man erkennt zu jeder Sekunde, dass Junkyard hier am Werke sind.

Eine tolle Nummer wie "Give The Devil His Due" ist ein lässiger, aber harter Boogie-Rocker irgendwo zwischen AC/DC, Bad Company, Free und ZZ Top, wohingegen "Killing Time" ein schwerer Blues-Rocker ist, und das von einem Honky Tonk-Piano getragene "Misery Loves Company" in die Richtung Faces, Lynyrd Skynyrd und Rolling Stones geht. Mit "Slippin' Away" gibt es noch eine entspannte und ruhigere Akustik-Ballade, sowie mit "Clean The Dirt" eine dezent von Country-/Southern Rock gestreichelte Nummer, die mehr Power-Ballade ist. Ich erwische mich schon wieder dabei, dass ich das ganze Album aufzählen möchte: das schnelle "Throw It All Away" ist, wie auch der temporeiche Abschluss "Lost In The City", ein harter und sehr rotziger Sleazer. Mein spezieller Anspieltipp hierbei soll aber das langsamere, aber sehr dreckige und fiese "Nowhere To Go But Down" sein. Das ist räudiger Sleaze Rock wie er sein soll.

Sänger David Roach keift und bellt immer noch so ordentlich dreckig wie er das auf dem Debüt tat, ist mit seinen Vocals aber nicht mehr so im Vordergrund wie es noch auf den Songs des Debüts der Fall war. Die beiden Gitarristen Chris Gates und Brian Baker schwingen sich mit ihren Rock N'Roll-Äxten und ihrem Spiel in den unmittelbaren Fokus des Hörers. Die Musik steht eher in ihrer Gesamtheit im Blickfeld. Was die dreckige und naturbelassene Produktion betrifft, scheint "Sixes, Sevens & Nines" eine eigenständige Mischung aus AC/DC und frühe Guns N'Roses zu sein, die - wie schon beschrieben - nicht mehr ganz so asozial rüberkommt.

Das zweite Junkyard-Album offenbarte auf jeden Fall eine gereifte Band, die trotz der höheren Flexibilität in ihrem ohnehin schon bunten Sound ihren räudigen Charakter nicht ablegte. Der ungestüme Charme des Debüts ist doch etwas abhanden gekommen, aber Junkyard zeigten sich kompositorisch deutlich verbessert. "Sixes, Sevens & Nines" ist vielleicht auch nicht der ganz große Klassiker im amerikanischen Sleaze Rock, aber ein anständiges Rock N'Roll-Werk und ein Album, an dem ich nichts auszusetzen habe. 4,5 Sterne.


Little Caesar
Little Caesar
Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 42,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bester Sleaze mit Soul, 13. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Little Caesar (Audio CD)
Mit Little Caesar startete Ende der 1980iger eine weitere Band aus L.A., die mit dem Erscheinen ihres Debütalbums 1990 hoffnungsvoll als die neue Sleaze Rock Sensation angepriesen wurde. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Little Caesar sind nicht nur "eine weitere Band". Ihrem damaligen Erscheinungsbild gemäß, schienen sie dagegen wirklich ein Abbild des asozialen Sleaze Rock gewesen zu sein. Bis auf die Zähne tätowiert, gekleidet in Leder und Jeans, wirkten Little Caesar wie eine Biker-Gang von der Straße. Wenn man nun motörölverklebten, räudigen Hard Rock à la Circus Of Power, Guns N'Roses, oder Junkyard erwartet, wird man vermutlich etwas enttäuscht.

Die Band spielte zwar angeschmutzten, kernigen Hard Rock, den man durchaus dem Sleaze Rock zuordnen könnte, aber wie schon angedeutet, ist das nicht die ganze Wahrheit. In den Liedern lassen sich zwar viele schmutzige Gitarrenriffs ausmachen, aber Little Caesar legten Wert auf eine saubere Hard Rock-Mischung aus Einflüssen von Blues, R&B, Soul, und Southern Rock, die in ein warmes Klanggewand gekleidet wurde.

Das von Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe) stark produzierte Debütalbum offenbarte nicht nur einen eigenständigen Stil, Hard Rock zu spielen, sondern zeigte bereits über seine ganze Länge, wozu Little Caesar kompositorisch in der Lage sind. Griffige Rock N'Roller wie z.B. das sleaze-rockige "Down And Dirty" oder das Hillbilly/Southern Rock-mäßige "Cajun Panther" wechseln sich gelungen mit vielen feinen, aber immer noch rockigen Balladen ab. Dank zweier dieser einfühlsamen aber kräftigen Balladen, das Aretha Franklin-Cover "Chain Of Fools" und "In Your Arms", landeten Little Caesar mit ihrem Debütalbum einen gewissen Erfolg in den US-Charts. Ihr schwer tätowiertes Erscheinungsbild verhinderte dabei jedoch eine weiter voranschreitende Popularität. Angeblich sollen die Mitarbeiter einiger Radiostationen sich geweigert haben, weiter die Musik von Little Caesar zu senden, nachdem sie Bilder der Band gesehen hatten. Anscheined konnte man nicht glauben, dass eine solch fiese Meute dazu in der Lage war, Musik und Balladen mit Herz und Seele zu intoinieren.

Wobei man für die "Chain Of Fools" noch anmerken sollte, dass die Bezeichnung Ballade wohl etwas fehl am Platze ist. Die Version von Little Caesar hat mehr mit knackigem Hard Rock zu tun, sie drücken dem Song ihren eigenen Stempel auf, ohne dabei jedoch den urspünglichen Charme der Nummer außer Acht zu lassen. Einen wesentlichen Anteil an dem emotionalen Soul-Flair der Lieder hat sicherlich auch Sänger Ron Young, der den Posten der Rock N'Rollröhre zwar optimal ausfüllen kann, aber bei weitem inbrünstiger und klarer singt als die typischen Reibeisenkehlen der damaligen Konkurrenz. Ron Young ist definitv ein Ausnahmesänger im Hard Rock.

Trotz der Chart-Erfolge wurden Little Caesar von ihrem Label Geffen mehr als nur nachlässig behandelt, dabei brachte die Band mit ihrem Debüt alles mit, was sich eine Rockgruppe nur wünschen kann: tolle Lieder waschechten Rock N'Rolls mit Gefühl und Leben, der auch ordentlich Stimmung machen kann. Die Musik von Little Caesar ist Musik für den Highway und den Asphalt, aber ist sogar noch mehr als das: sie ist Musik für die Straße des Lebens. Ob man mit gebrochener Deichsel am Wegesrand verharren muss, oder mit unaufhörlich drehenden Rädern seinem Ende entgegen rast, Little Caesar machen Musik für das ganze Leben und viele Lebenssituationen. Egal, wo man sich gerade befindet, der Musik gelingt es, immer wieder die Laune anzuheben.

Es ist ein Album, das nicht nur den gemeinen Sleazer ansprechen kann, sondern auch AOR und Melodic Rock-Anhänger und wohl so ziemlich jeden, der auf gut gemachten Hard Rock steht. Selten dürfte es meines Erachtens eine Band gegeben haben, die einen größeren Erfolg so verdient gehabt hätte, wie Little Caesar. Ich möchte an dieser Stelle allerdings noch behaupten, dass sich die Band nicht nach einer gleichnamigen Restaurantkette in den Vereinigten Staaten für Pizza benannte, sondern nach dem schwarzen Blues-/R&B-Musiker Harry 'Little' Caesar, der Ende der 40iger nach Kalifornien auswanderte und in L.A. Anfang der 50iger einen Hit ("Goodbye Baby") landete. Gegen Pizza ist natürlich nichts einzuwenden, aber ich schätze, diese Assoziation kommt der vergangenheitsbetonten, aber seinerzeit auch zeitgemäßen Musik der Band eher entgegen.


circus of power LP
circus of power LP

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Motorölverschmierter Hard Rock Ende der 80iger, 12. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: circus of power LP (Vinyl)
Mit Faster Pussycat und Guns N'Roses schwappte die Sleaze Rock-Welle über den Erdball, was es den 1986 in New York gegründeteten Circus Of Power ermöglichte, mit ihrem fiesen, rauen, von Blues und Punk beeinflussten Hard Rock einen Plattenvertrag zu ergattern, und eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Unmittelbar nach Abschluss des Plattenvertrages machte sich die Band daran, ihre erste LP aufzunehmen ..

Circus Of Power veröffentlichten dann 1988 mit ihrem Debütalbum "Circus Of Power" eine Scheibe, die vor Motoröl und Rock N'Roll nur so triefte. Seinerzeit wurden Circus Of Power sofort und oft mit Guns N'Roses verglichen, ein Vergleich, der nicht nur aufgrund der dreckigen Rockmusik, sondern auch aufgrund dem äußeren Erscheinungsbild und dem Biker-Image der Band, getroffen wurde. Es sollte damals das Schicksal jeder neuen amerikanischen Hard Rock-Band sein, mit Guns N'Roses, die ohne Zweifel das Maß aller Dinge waren, verglichen zu werden, ganz egal, ob dies zutraf oder nicht. Allzuweit hergeholt ist der Vergleich mit Guns N'Roses jedoch nicht. Die E-Gitarren bei Circus Of Power klingen ähnlich rau und schmutzig, wenn nicht sogar noch rauer. Doch wenn Guns N'Roses eine gut geschmierte Rennmaschine im Grenzbereich waren, dann waren Circus Of Power eine knatternde Harley-Davidson. Soll heißen, musikalisch traten die Blues-Einflüsse bei Circus Of Power viel stärker in den Vordergrund, sie spielten nicht so schnell und so offensichtlich von Punk beeinflusst wie Guns N'Roses.

Darüberhinaus umgibt den Sound von Circus Of Power eine gewisse Schwere, eine gewisse Düsternis, die man bei L.A.-Hard-Rock-Gruppen so nie finden konnte. Die Musik der Band hatte diesbezüglich den Vorteil, im Gegensatz zu einigen Post-Guns N'Roses-Hard-Rock-Bands, all ihre wesentlichen New Yorker Einflüsse und Erfahrungen aus einer Szene, der auch solche Bands wie Raging Slab, Blitzspeer und Cycle Sluts From Hell entsprangen, zu offenbaren und widerzuspiegeln. Ihr urbaner Großstadtdschungel war ein anderer als der in L.A., er war dichter in seiner Härte und Realität. Aber auch etwas trostloser. So rotzig, roh, und rau Circus Of Power auch geklungen haben, so unterlagen sie nicht nur einer gewissen Schwere, sondern sie transportieren dadurch auch eine gewisse Finsternis, die man in dieser Form am ehesten noch bei Danzig oder auch Kyuss finden konnte. Circus Of Power kommen nicht nur auf einem sonnenüberfluteten Highway oder bei Sommerhitze, sondern auch bei Regenwetter großartig.

Der Opener "Motor" gibt da gleich die Marschrichtung vor, und rockt bluesig, erdig und straight vorwärts, Frontmann Alex Mitchell hat eine ziemlich raue und dreckige, aber auch charismatische Stimme. Interessant finde ich, dass das kurze Solo zu Beginn, 2 Jahre vor "The Razor's Edge", dem Riff von "Thunderstruck" ziemlich ähnlich ist. Außerdem gibt es dann noch ein Böhse Onkelz-Lied, das auf den Namen "Sie hat 'nen Motor" hört, und so klingt, als die Onkelz sich davon haben beeinflussen lassen. An zweiter Stelle folgt "White Trash Queen", ein rauer, swingender, aber auch melodischer Blues-Rocker, der auch ein wenig (nur ein wenig) nach Swamp-Rock und Creedence Clearwater Revival klingt. "Call Of The Wild" ist meines Erachtens dann schon der absolute Höhepunkt auf dem Album, obwohl der Rest qualitativ nicht schlechter ist. Der Song gehört ganz allgemein zu meinen Lieblingsliedern: Quietschende Gitarren, harte Riffs, tolle Melodien, rauer Gesang, hartes Schlagzeugspiel, Tempowechsel, ein toller Refrain und ein toller Text.

Das Circus Of Power-Debüt ist ohnehin von sehr lyrischen, fast schon poetischen Texten über Frauen, Drogen, Straße und Motorrädern gefüllt. Der folgende Song "Needles" bietet dann eine kleine Überraschung auf dieser rohen Scheibe Rock N'Roll: ein kurzes Piano-Intro, bevor es ähnlich ruppig und bluesig weitergeht. Ein weiterer toller Song, mit einem ins Ohr gehenden Refrain. "In The Wind" nimmt dann ein wenig Geschwindigkeit auf und fetzt mit rasiermesserscharfen Gitarren über den Highway. Eine musikalische Liebeserklärung ohnegleichen. Dieses Tempo wird im wesentlichen auch bei "Heart Attack" beibehalten, der Song ist nur wesentlich bluesiger und erdiger, mit abgefahrenen, im Dreck wühlenden Gitarren-Riffs. "Crazy", ein hartes Iggy-Pop-Cover, bremst dann ab, ist aber keineswegs sauberer und fügt sich gut ins Album ein. "Letters Home" dürfte dann trotz des Textes der fröhlichste Song auf dem Album sein, er klingt ein wenig nach Southern Rock und ist nicht mehr ganz so ruppig, wie ich finde. "Backseat Mama" wird dann wieder schneller und gemeiner, getrieben von einem coolen Riff, rocken Circus Of Power nocheinmal mit höherer Geschwindigkeit, bevor "Machine", ein harter, sehr rauer Blues-Rocker, und der lässige, melodische Shuffle-Rocker "Turn Up The Jams", der damals nur auf der CD-Pressung erhältlich war, das Album beenden.

Obwohl es zu dem Album die gut gemachten Videoclips zu "Motor" und "Call Of The Wild" gab, die damals auf Rotation bei MTV gingen, ist dem Album kein größerer Erfolg vergönnt worden. Die Lieder auf dem selbstbetitelten Debüt sind in ihrer Rohheit und ihrem Klang so pur wie der Sound von AC/DC, wenn auch wesentlich rauer und zeitgemäß schmutzig. Die Produktion ist nicht unbedingt schlecht, wirkt aber nicht sehr wuchtig, wenn nicht gar ein wenig dünn, der Sound klingt jedoch klar und knochentrocken, was wiederum aber alles perfekt zu diesem räudigen Street-/Sleaze Rock von Circus Of Power passt, der nicht nur Musik für die Straße ist, sondern auch den "American Way Of Life" in seiner teilweise düsteren Realität charakterisiert und musikalisch ausdückt.


Sea Hags (Special Edition)
Sea Hags (Special Edition)
Preis: EUR 21,53

5.0 von 5 Sternen Musikalische Verwandtschaft zu Guns N'Roses, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Sea Hags (Special Edition) (Audio CD)
Die Sea Hags waren eine amerikanische Hard-Rock-Band, die nach nur einem Album und einer Tour komplett von der Bildfläche verschwanden. Die Feststellung ihres einstigen Managers "there's only so far you can get with three junkies and one alcoholic", sollte leider ihre Wahrheit beweisen ....

Obwohl die Bay-Area in San Francisco eher für härtere Bands wie Metallica bekannt war, gründete sich genau dort 1985 die Band Sea Hags, um einen musikalisch rock n'rolligeren Kurs anzustreben. Mit diesem von AC/DC-beeinflussten, bluesigen, Roots-Rock erspielte sich die Band recht schnell einen Bekanntheitsgrad in und um San Francisco, wobei sich mit Metallica-Gitarrist Kirk Hammett ein früher Fan und Freund der Band einfand. Kirk Hammett war es dann auch, der die ersten Demos der Band produzierte und einige Kontakte zu diversen Plattenlabel herstellte. Schließlich kamen die Sea Hags 1988 bei dem Major-Label Chrysalis unter, Ian Astbury von The Cult zeigte nebenbei bemerkt dann auch reges Interesse daran, die erste LP der Band zu produzieren. Letzten Endes war es dann aber Mike Clink, der zuvor Guns N'Roses auf Platte bannte, der die Sea Hags produzierte.

Das 1989 veröffentlichte, selbstbetitelte Debüt zeigt die ganze Klasse der Sea Hags auf. Musikalisch irgendwo zwischen klassischen Aerosmith-Riffs, einem feinen AC/DC-mäßigen Sound, einer Blues-Attitude und mächtig viel Roots-Rock, bewegten sich die Sea Hags zwar in demselben Kielwasser wie auch Guns N'Roses und Faster Pussycat, sind aber dennoch kein Abklatsch jener Bands, sondern eher eine sehr eigenständige Ergänzung zum Sleaze-Rock der Sunset-Strip-Bands. Die Sea Hags zockten dabei weitaus lässiger und entspannter, cool und "sleazy" mit der lasziven Stimme von Ron Yocom. Man ging eher bedächtig wie bei "Back To The Grind", "Doghouse" und "Someday" durch die Kompositionen, Gas gab man eher weniger, wie z.B. beim rauen Opener "Half The Way Valley" und dem schnelleren "All The Time", aber das macht den enormen Reiz der Scheibe mit aus. Für erwähnenswert halte ich auch noch "Bunkbed Creek", einem von atmosphärischen Gitarrenmelodien getragenem Instrumental.

Die gute, aber dennoch raue Produktion greift meiner Ansicht nach die der beiden "Use Your Illusion"-Werke vor - was den Sound betrifft, hätten Guns N'Roses so vielleicht 1991 ähnlich klingen können, hätte man reine Hard-Rock-Alben ohne Zunahme von Synthesizern gemacht. Die Betonung liegt auf "ähnlich" und "können", denn trotz einer musikalischen Verwandschaft sind Sea Hags nicht Guns N'Roses.

Die Gunners sind jedoch nicht gerade der schlechteste Vergleich. In doppelter Hinsicht. Bevor die Band auf Tour gehen sollte, um ihr Album zu promoten, wurden Ron Yocom und Bassist Chris Schlosshardt vom Plattenlabel zu einer Drogen-Entziehungskur verordnet. Mit Abschluss der Kur gingen die Sea Hags sofort auf eine US-Tour und setzen auch für einige Auftritte nach Großbritannien und Europa über. Nach außen hin sahen die Dinge recht gut für die Band aus, man war auf dem Vormarsch auf dem Weg nach oben, doch die Drogeneskapaden, vorallem von Ron Yocom und Chris Schlosshardt, setzten sich fort, und ließen die Tour beinahe zum Desaster werden. Die Band bekam sich schließlich ordentlich in die Wolle und es begann ein Kommen-und-gehen der Musiker, woran die Band schließlich zerbrach. Sämtliche Hoffnungen, die Band dennoch wieder aufzustellen und weiterlaufen zu lassen, zerbrachen leider mit dem Tod von Basser Chris Schlosshardt am 1. Februar 1991, der sich eine Überdosis Heroin setzte.

Gerade aus diesem traurigen Grund ist es doppelt so schade, das die Sea Hags-Platte kaum jemandem mehr bekannt ist. Und leider gibt es auch keine weiteren Aufnahmen von dieser coolen Formation mehr. Übriggeblieben ist ein cooles, fantastisches Hard-/Sleaze-Rock-Album mit tollen Melodien und Gitarren-Riffs, das Fans von Aerosmith, AC/DC, Rose Tattoo und Guns N'Roses zusagen könnte. Der Rock N'Roll-Faktor ist eher lässig, aber hoch.


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