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V. Mayr "Metalhead" (Breitscheidt (Ww))
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The Flood Inside
The Flood Inside
Preis: EUR 14,95

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nachdenkliche Musik in mittelprächtigem Soundmantel, 19. März 2013
Rezension bezieht sich auf: The Flood Inside (Audio CD)
Seit dem Debüt „Satellite Bay“ vor sechs Jahren haben Long Distance Calling eine stetige Auswärtsbewegung gemacht welche es auch an Tempo in sich hatte. Heute darf sich die Band getrost als hoch etabliert in ihrem Genres sehen und bestreitet ihre Konzerte dieser Zeit oftmals als Hauptact. Die deutsche Gruppe hat inzwischen eine gewaltige Anhängerschaft empfängnisfroher Hörer um sich geschart. Nun kommt Album Nummer vier in die Läden und bei der vorliegenden Post-Rock Institution hat sich einiges verändert. Besonders musikalisch, unter dem Umstand mit dem neuen Output nicht mehr als Instrumental-Akt zu agieren. Martin „Marsen“ Fischer heißt der Mann am Mikro, welcher nun erstmals eine feste Stimme in dem (inzwischen) Fünfer-Gespann darbietet.

„The Flood Inside“ ist dennoch nicht stimmlich geprägt sondern bleibt den ehemaligen Produktionen treu ergeben und wird somit überwiegend vom Instrumentalen dominiert. Die Musik bleibt bei ihrem gewohnten Gesamtbild und gestaltet sich wieder sehr progressiv inklusive hoher Wertlegung auf einfache (auch technisch schnell spielbare) Musik in sorgfältig erarbeiteten Arrangements. Die Kost ist erstaunlich einfach zugänglich was dennoch nicht den Abwechslungsreichtum eindämmt. „The Flood Inside“ soll abermals die melancholische Seite des Hörers gefühlvoll andocken und dem gewohnten Tun des Quintetts entsprechend klingt das hier Erschaffene neben besagter elegischer Atmosphäre in erster Linie auch nachdenklich.

Nun macht sich eine neue Harmonie breit, welche dennoch alten Trademarks erhalten bleibt. Eine sehr gefällige Stimme, welche für meinen Teil (besonders beim quasi-Titeltrack „Inside The Flood“) sehr nach Textures-Frontmann Daniel de Jongh tönt, sehr klangbedachte cleane und füllige verzerrte Gitarren, ein Bass welcher sich hauptsächlich auf Grundnuancen (Gerüststütze) fixiert und passend schlicht gehaltene Drums, welche gut in die Musik eingepasst sind und sich oftmals durch starkes Tom-Spiel sehr perkussiv zeigen („Welcome Change“). Ambience (Raumklang) handhabt sich hier durch den Austritt von Reimut van Bonn sehr verhalten. Songs wie „Ductus“ zeigen dass nicht gänzlich auf altbewährte Facetten verzichtet wurde.

Als eingeschworener Fan dieser Musikrichtung möchte ich verkünden dass mir „The Flood Inside“ nur in den wenigsten Hinsichten zusagt und dem einstimmend zu meinen Kritikpunkten für diesen Rundling schreiten. Die songwriterischen Fähigkeiten von Long Distance Calling sind außer Frage aus oberster Etage und bestätigen auch hier einmal mehr ihre ganz eigene Klasse und ihr ambitioniertes Gemüt. Jedoch lassen die Ausschweifungen von Stücken wie „Waves“, „Inside The Flood“ oder „The Man Within“ bedrückend kalt denn die Fabrikationen fahren sich auf dieser Scheibe zunehmend in langweiligen und langatmigen Gefilden fest. Die Anzahl nervenreizender Frequenzen kommt dem nicht zugute und so steht das Hauptproblem auch schon im Raum: Der Sound.
Die Soundqualität macht mit diesem Output einen starken Tiefgang was besonders an fülligen Passagen ins Blickfeld fällt. Das Spektakel lässt sich weder als gut definiert noch differenziert sondern als dementsprechend verwaschen bezeichnen. Beispiel: Refrain, „The Man Within“. Die Feder zeigt, dass die Szenerie hier aufbrechen soll und mit leichtem Drama-Flair zu einem Sturm aufzubrausen hat. Punkt des Machtschlages zum Refrain entpuppt sich jedoch jede einzelne Schalwelle aus den Boxen als rauschig, überladen und schrill.

An mancher Stelle, vordergründlich wenn man den Blick mal auf ruhigeres Geschehen wendet, kommt der Sound auch positiv (dennoch nicht überaus besonders) zum Vorschein. Umso mehr plagt mich die Aufnahme wenn ich mir ein schmackhaftes Stück Musik wie den Schlusssong „Breaker“ anhöre welches allein von diesem negativen Aspekt getränkt und dadurch schwer genießbar ist. Leider experimentiert die Prog-Truppe auch des Öfteren mit einigen Sounds, was sich bei diesem Standard überwiegend als Fehlschlag und überflüssig abtragen lässt. Besonders bei „Waves“ nervt der Sound bis aufs Letzte und verzieht jegliche Kunst. Schade.

Dies ist nicht als kompletter Griff ins Klo like Metallicas „Death Magnetic“ zu verstehen sondern vielmehr als ein Niveau welches weit unter dem amtlichen Potenzial und Standard von Distance Calling liegt.

Einzig „Ductus“ kann mich in vollkommener Weise überzeugen und die Gehörgänge mit Dynamik, stilvoller Themaführung und einprägsamer Aufmachungsart gekonnt eindecken. Einzelne Highlight-Passagen, welche in vielschichter Pracht glänzen können, verteilen sich selbstredend auch über die restliche Tracklist: Beispielsweise mündet das Instrumentalstück (derer vier an der Zahl) und gleichzeitig Opener „Nucleus“ gen Finale in ein langes und besonders schmackhaftes Gitarrensolo. Auch das Härte-intensive Ende von „The Man Within“ samt Doublebase und Hammondorgel darf nicht unerwähnt bleiben (hier kommt leider die Aufnahmequlität wieder an ihre Grenzen). Die restlichen Songs füllen meiner Ansicht nach ein graues und unzufrieden stellendes Mittelfeld aus.

Das Gesamtpacket kann (mich) letztendlich leider nicht packen und fällt – besonders in Referenz zu vergangenen Großtaten – enttäuschend ab. Eingefleischte Hörer sollten dennoch Selbstüberzeugung ableisten und sich einen Höreindruck genehmigen. Denn sicherlich wahrt „The Flood Inside“ auch viele der brillanten Seiten von Long Distance Calling. Das erwartete Ausnahmewerk bleibt hier allerdings hundertprozentig aus. Ich würde sogar behaupten die Gruppe hat einen erschreckend schlimm beschaulichen Rückschritt gemacht. „The Flood Inside“ offenbart vieles, kann als Komplex nicht greifen, zeigt auf der anderen Seite aber auch das immense Potenzial was in der Truppe steckt. Um dieses weiß man jedoch bereits.
Als Schlusswort möchte ich gerne loswerden dass das negative an dieser Langrille (immer 55 Min.) nicht bei der Neukraft – Fronter Martin – im Gespann wurzelt. Diese sollte sogar zukünftig ruhig eine höhere Einsatzquote anstreben. Daumen hoch für das nächste Album sage ich. Empfehlen würde ich einen Anspieltest dennoch da Geschmäcker individuell sind, eventuell entbehrt man ja schon ein „Daumen hoch“ für „The Flood Inside“.

10/20 Punkte


The Giants Of Auld
The Giants Of Auld
Preis: EUR 8,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schottischer Metal samt nordisch reißerischer Epik und folkloristischer Anleihen, 11. März 2013
Rezension bezieht sich auf: The Giants Of Auld (MP3-Download)
Bereits seit 2010 ist das Album (mit anderem Cover-Artwork) angekündigt, allerdings erst heutiger Tage konnte die Veröffentlichung über Candlelight Records erfolgen und so steht die Band nach bereits siebenjähriger Tätigkeit etwas verspätet mit ihrem Debütalbum auf der Matte: „The Giants Of Auld“.

Cnoc An Tursa platzieren sich demnach schon einige Jahre in ihrem Stil, welcher kein geringerer ist als ein gut definierter Mittelweg zwischen Ensiferum, Varg, Bathory und Suidakra. Weitläufig eigene Trademarks bleiben aus, das Quartett widmet sich bewusst einer Musikart, welche den eigenen Vorlieben auf Maß zugeschneidert zu sein scheint. Unter diesem Aspekt muss dieser neue Output dann auch betrachtet werden, musikalisch. Textlich bewegt man sich liebevoll und erzählend in den Ländereien der eigenen Heimat – Schottland – ohne dabei mit dem Nationalbewusstsein abzuheben (immer wichtig zu betonen).

Ausladend bersten die Schlachtschiffe an die Küsten der Insel, so vollzieht sich das Geschehen wenn die Bestandteile des Vierers aufeinander treffen. Sehr zielgerichtet geradliniges Doublebase-Schlagwerk (oder auch temporeiche Off-Beats („Bannockburn“)) bindet sich in nordischster Manier mit genre-typischem Gitarren und stimmungsvollen Epen – in Form von erhabenen Chören und Streichern – aus der Tastenwelt (wobei speziell an diesen Stellen der Geist Ensiferums durchschimmert). Der Bass (mit)verantwortet Standhaftigkeit und Druck hinter dem Soundgebilde, sodass die Wand auch rollt. Trotz recht simpler technischer Handhabung weiß man in Harmonie und Melodie eine stürmisch kalte und nordische Atmosphäre zu beschwören, welche auch in anderen Elementen wie urwüchsig folkloristischen Themen, geschichtlich kultureller Identität und einem Stich kämpferischer Melancholie ihre Basis wiederfindet.

Eine erschwingliche Spielfreude, mit der gewissen Ernsthaftigkeit mancher Melodiebögen gepaart, schmeichelt den Gehörgängen um ein weiteres und Cnoc An Tursa verstehen sich darauf mit der Musik auch etwas Fantasie zum Hörer zu tragen und dem inneren Auge die Ländereien Schottlands schön vorzuführen.
„The Giants Of Auld“ widmet sich dementgegen dennoch mehr der Affinität zum Abgehen statt einer ruhigen Besinnung, was das hymnische Grundgemüt meiner Meinung nach an mancher Stelle etwas an Flair beraubt. Doch nicht immer beliebt es den Nordmannen brachial loszubrettern. So können Cnoc An Tursa mit einigen Überraschungen ruhigerer Art erfolgreiche Fährte aufnehmen und lassen im Intro „The Piper Of O’Dundee“ als Pfortenöffner Akustikgitarren und Flöte ans Steuer. Auch auf dem bedächtigen Schlussstück „Blarna H-Eaglaise Brice“ muss die Härte Land gewinnen und Leidenschaft dominiert die Intensität in Form epischer Weiten durch wunderbar traditionell tönende Flutes mit seichtem Keyboardteppich im Rücken.

Nun mag eventuell aufgefallen sein dass in dieser Rezension noch kein Wort über den Gesang verloren wurde und zu meinem Bedauern tünche ich auf diesen Rundling nun ein paar Kommentare der negativen Schlagseite. Die stimmliche Leistung sagt mir nur in abstrakt selten auftretenden Momenten zu, was wunderlicher weise immer stark Song-abhängig ist. Meist erscheint mir die Vokalarbeit sehr ungestüm und tatsächlich stark Metalcore-lastig. Erste Gedankenverbindung und Parallele war der Stimmcharakter von Frontmännern diverser Gruppen wie Bullet For My Valentine, We Butter The Bread With Butter, Caliban und anderer als ich das Album vorab mit „Ettrick Forest In November“ (ansonsten ausgesprochen guter Song) einem persönlichen Kauftest unterzogen habe. Das beeinträchtigt das Gesamtbild dementsprechend beträchtlich, was mich allerdings nicht dazu verleiten konnte meinem Gehör einen Korb zu geben.

Mit Stücken wie dem fantastisch leidenschaftlichen „Hail Land Of My Father“, dem genannten Melodiewärmer „Ettrick Forest In November“, und dem durchbrechend power-geladenen Epikpacket „Culloden Moor“ (schöne Zwischenparts vom Klavier) hat sich die Entscheidung für die Genehmigung dieses Debüt meinerseits auch schon rentiert. Zu den Höhepunkten des Albums zähle ich neben genannten allerdings auch bereits beschriebene ruhigere Stücke, welche der Langrille (besonders als Ende der Scheibe) einen schönen Schliff geben.
Leider kann nicht jeder Song in diesem Maße Überzeugung versprühen und dem Gesamtkomplex fällt es ebenso schwer gut zu zünden was besonders durch eine leichte Eintönigkeit zu verschulden ist. Die so oft gut zugängliche und erwünschte Eingängigkeit und Geradlinigkeit verdirbt in diesem Fall schnell die einprägsamen Eigenschaften der Musik.

Letztendlich dürfen sich Cnoc An Tursa mit „The Giants Of Auld“ dennoch als Erschaffer eines gelungenen Debüts glaubhaft machen. Der Schotten-Vierer bringt frischen Elan in das Genre und hat hörbar großes Potenzial was ihm in der geweihten Pagan/Viking/Folk-Hörerschaft gut gesinntes Fanvolk einbringen wird. Hoffentlich besonders in der Zukunft wenn man seine Fähigkeiten voll ausschöpft, allerdings auch schon dieser Zeit mit „The Giants Of Auld“. Ein gut vollzogener Start und ein ehrliches und musikalisch songwriterisch gekonntes Debüt. Ausgesprochene Kaufempfehlung zu allen nordischen Pagan/Folk/Viking-Seelen, besonders derer welche sich bereits in den Tönen obern genannter Acts suhlen.

Übrigens: "Cnoc An Tursa" heißt soviel wie "Hügel des Kummers".

13/20 Punkte


Beyond
Beyond
Preis: EUR 20,63

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Finnische Omnium Gatherum-Pracht auf ihrem (bisherigen) Höchstniveau, 10. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beyond (Audio CD)
Regelmäßige (damit meine ich 1-3 Jahresintervalle) Veröffentlichungen sind ein warmes Licht für jede leidenschaftliche Hörerseele. Solange die Musik einen hohen Standard hat ist auch die Vorfreude immer dementsprechend groß. Mit Blick auf die ersten frischen Outputs des Jahres machte mein Herz für finnischen Melodic Death Metal dementsprechend einen schönen Satz nach vorne. Hohen Standard haben Omnium Gatherum nämlich allemal, was mit den beiden Vorgängern „The Redshift“ und „New World Shadows“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Besonders „The Redshift“ betrachte ich als ein kleines Highlight des finnischen Metals. Ein neuer Rundling liegt nun im Frühjahr 2013 – zwei Jahre nach der letzten Veröffentlichung – in Form von „Beyond“ vor.

Das Sextett kann man getrost als eigenständig betrachten und auch auf der vorliegenden Scheibe zeigt sich der typische Omnium Gatherum-Sound mit all seinen Trademarks. Stilistisch bündelt der Neuling zielsicher jene Facetten, welche mir bei den beiden Vorgängern extrem zugesagt haben. Dabei zeigt das Sextett Talent dafür den Hörer durch seine Musik, welche längst nicht nur Härte sondern auch melancholisch verträumte Klanglandschaften („Luoto“) präsentiert, in ein ganz eigenes musikalisches Umfeld zu bugsieren.

Omnium Gatherum fabrizieren einmal mehr eine unverwechselbare Magie, welche sie aus dem Dunstkreis anderer Melo Death Acts hervorstechen lässt. Speziell das enorme Klangvolumen – sicher auch durch die schöne Tonqualität zustande gekommen – ist ein Schmankerl auf dem Büffet der Finnen. Um ihr ganz eigenes Süppchen zu kochen setzen die Finnen besonders hohe Stücke auf das dynamische und raffiniert abgestimmte Zusammenspiel der Elemente, welche „Beyond“ zeichnen. Hierzu zählt jeder Musiker in gleichem Maße, so wird das Gesamtbild sehr ausgewogen und abwechslungsreich dominiert. Das Mitwirken eines jeden ist auf wunderbare Art zu jeder Sekunde spürbar ohne dass der Zusammenschluss überladen wirkt.

In diesem Falle liegt der Fokus also nicht auf Gitarre, Gesang oder ähnlichem, sondern auf einem Sound als ganzes. Markus Vanhala und Joonas Koto wissen um ihre Saiten und brillieren von unterschiedlichsten Positionen. Ob nun verzerrt mit punktgenauem Groove und stürmischem Elan, bestechend durch wunderbare Melodiebögen von Cleangitarren (verträumt und herzerweichend: „The Unknowing“ oder „Luoto“ (zweistimmige Gitarrenlinien)) oder durch herausragende Soli mit technischer Oberklasse. Eine zeitlose Atmosphäre kann infolge vor allem durch deren traumhaftes Zusammenspiel mit dem Keyboard (Aapo Koivisto) entfacht werden. Genannter Tastenmann besticht insbesondere durch sphärisch melancholische Klangteppiche welche eine ultimative Fläche und eine schöne Grundharmonie für das Geschehen darlegen. Ein ums andere mal wird hier das Schaurige, das Traurige sowie das Sehnsüchtige präsent gebündelt und formiert sich zum geschickten Lenker der musikalischen Gefühlslage. Dennoch sind die Tasten selbstredend auch im Melodiespiel (meist als Doppelung) vertreten.

Power, reißerische Intensität oder einfach nur rhythmisches Wohlbehagen weiß das Zusammenspiel aus Drums und Bass bestens zu erbauen. Dynamisch, variabel (mal in hohen Doublebase-Tempi, mal mit fantastischen punktierten Akzentuierungen („White Palace“) oder einfach platz –und bodenschaffend mit gekonnter Wirksamkeit) und selbstbewusst laden diese in vielen Passagen zur Begeisterung ein. Positiv überrascht hat mich hier das selbstständige Spiel des Dicksaiten-schwingenden Eerik Purdon, welcher nur als Session-Bassist für diesen Rundling eingetragen ist, dafür aber enorm ausführlich und detailliert auch mit Verzierungen (zu keiner Zeit unpassend) auftritt.
Last but not least: Allen voran kann Ausnahmefronter Jukka Pelkonen wieder als erhabener Kopf der Band - mit viel Charakter und einer breiten Stimmvielfalt am Mikro – eine berauschende Show abliefern. Sowohl der warme Klargesang („Who Could Say“ wagt sich erfolgreich in Gothic-artige Tieflagen) wie auch das majestätische Growlen haben mir zusätzlich große Vorfreude auf diese Langrille bereitet, welche auch vokalisch in ihrer Erwartungshaltung positiv bestätigt wurde.

In diesem Konstrukt aus dem Tun der sechs hochwertigen Musiker entsteht ein Handwerk, welches viel prächtiges beherbergt: Elegisch sehnsüchtige Atmosphäre, zeitlose Arrangements, wunderbar gehaltene Spannung, Akkordfolgen und Melodien zum Niederknien sowieso einen finnischen Gemütsgeist welcher inklusive der eigens entwickelten Stilistik der ohnehin runden Sache letzten Schliff verpasst.
Auch auf „Beyond“ wissen Omnium Gatherum wieder um den Einsatz modernerer Soundelemente – vordergründlich die Keybordeinleitung von „The Sonic Sign“ -, was jedoch nie in den Bereich des Kitsch fällt und im Verbund mit dem Songwriting gut zu Gesicht steht.

So darf ich „The Sonic Sign“ ohne Umschweife als außergewöhnlich guten Song bezeichnen, wobei mir ganz besonders die Gitarrenführung und die nach vorne gehende Intensität („The quickest and the fastest under the sonic sign!“) den Atem rauben.
Grundsätzlich bringt jeder Track dieser Scheibe einen hohen Überzeugungsgrad mit sich. Die Longplayer „Nightwalkers“ (8 min.) und „White Palace“ (knapp 11 min.) sind zwar der Länge entsprechend sehr indirekt und fallen dadurch schwach von dem restlichen Inhalt ab, dies tut ihnen in Spannung und Qualität allerdings nur geringfügig Abbruch. Keinesfalls darf man diese demnach als schlecht verurteilen, denn ich habe in Referenz zu anderen Songs des Outputs gesprochen. Bei mehrmaligem Hören wird die Angelegenheit dann auch (deutlich merkbar) präsenter. Ebenso kann „Who Could Say“ mich trotz anfänglicher Distanz inzwischen immer mehr überzeugen, was man auf „Beyond“ auch als Ganzes beziehen kann. Mit jedem Durchlauf weiß dieses neue Album an Qualität zu steigen.
Selbst das Rush-Cover „Subdivisions“ (Special Edition) dominiert die Repeat-Taste und zeigt meines Erachtens mehr Charakter als das Original, zumal eigens hinzugefügte Anleihen das Stück sensationell zu krönen wissen.

Als ganz groß möchte ich jedoch vor allem den Instrumental-Opener „Luoto“ samt seiner tiefgehenden Melodien, die Düsterperle „In The Rim“ (gleich einem eingängigen aufbrausendem Sturm mit hohem Drama-Faktor), das stimmungsvoll geladene „Living In Me“ und - mein absolutes Highlight und gleichzeitig Single-Auskopplung des Albums – „The Unknowing“ (leidenschaftlich skandinavische Ekstase) hervorheben.

Schlussendlich möchte ich jedes einzelne Stück als Erfolg der finnischen Musik und auf die Band bezogene Bestleistung der bisherigen Tätigkeits-Ära bezeichnen. Zwar tritt man (selten) an mancher Passage songwriterisch nicht in gänzlich komplettierter Präzision auf, jedoch verzetteln sich die Mannen aus Karhula nie auch nur in kleinsten Ansätzen in ihrem Gesamtkonzept. Durch dieses wird die Genialität in erster Linie bestimmt, so empfehle ich als exklusiven Genuss sich in voller Ruhe dieses Ausnahmewerk mal als Ganzes zu genehmigen, was unweigerlich von den ersten Tönen bis zur Zielgeraden (welche das Album im Longplayer „White Palace“ wieder mit dem Thema von Pfortenöffner „Luoto“ enden lässt) finnisch musikalische Schönheit für das Gehör verspricht.

Omnium Gatherum haben mit diesem Album ihre Stärken gebündelt und bewusst mit ihrem ganz eigenen finnischen Zauber gearbeitet. „Beyond“ darf getrost als (bisher) stärkstes Album bezeichnet werden und zeigt sich als starke Melodic Death-Bereicherung für das noch recht frische Jahr. Der Sechser unterstreicht nochmals warum er auch international inzwischen höchstes Ansehen genießt und präsentiert sich mit seiner klanglichen Farbenpracht inzwischen weit qualitativer als benachbarte Genregrößen. Wärmstens ans Herz gelegt sei „Beyond“ also einer jeden melancholisch düsteren Seele des Melodic Death Metals, welche sich auch gerne dem künstlerischen Schaffen von Gruppen wie Amorphis, Insomnium, Before The Dawn und anderen hingibt. Wunderbar!

Kurzes Wort zum Cover-Artwork: Trifft die musikalische Welt samt ihres sehnsüchtigen Charakters sehr gut und präsentiert obendrein eine malerisch sehr natürliche Optik. Wunderbar gelungen!

16/20 Punkte


Bringer of Light
Bringer of Light
Wird angeboten von forever_rock-de
Preis: EUR 11,39

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen „Male-Fronted“ Symphonic Metal britischer Machart, 6. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Bringer of Light (Audio CD)
Als sich Damnation Angels in der großen Musikwelt mit einem Debüt ankündigten kam mir als erstes in den Sinn, dass mir gar nicht auffällt (bis zu jenem Zeitpunkt) wie wenig aus England eigentlich in meinem musikalischen Interessenbereich fällt. Ein Vorabtest hat mich allerdings neugierig gemacht und so schicken die Jungs von der Insel ihr frisch gebackenes Album über Wasser um schließlich ihren Sound auch in meiner heimischen Anlage zu präsentieren und ihren Platz in der Welt des Metal zu finden : „Bringer Of Light“ heißt der Einsteiger ins Musikgeschäft.

Ob der Rundling dieses auch gut aufwühlen kann bleibt erst mal eine skeptisch betrachtete Frage denn Damnation Angels erfinden das Rad keinesfalls neu sondern können ohne Umwege problemlos in eine Schublade mit einem beachtlichen Hauf anderer Gruppen gesteckt werden.
Als Inspirationsquelle hört man deutlich des Fünfers Sympathie für Nightwish, Kamelot, Epica und Konsorten raus. Wobei für meine Begriffe vornehmlich die größten Parallelen zu der Musik der US-Amerikaner von Kamelot bestehen. Pauschalisieren lässt sich dies allerdings nicht, da stellenweise andere Einwirkungen die Klangbilder dominieren oder sogar ein Touch von eigenem Stil unter ansonsten leider oberflächlicher Schicht sichtbar wird. Nein, ausschlaggebend für meinen Vergleich war besonders das Geschlecht der Singstimme, welches in diesem Genre mitnichten oft das männliche ist.

Der Sound des Quintetts ist mit enormem Bombast aufgrund großer Orchestrierungen und Chöre ausgestattet und lässt sich in seiner pompösen Art auch ungern vom Konzept abbringen. Hier fabrizieren Damnation Angels auch trauriger weise bereits ihren ersten (kleinen) Bauchfleck, welcher durch den künstlich entsprungenen Symphonicsound entsteht (deutlich hörbar besonders im Intro des Longplayers „The Longest Day Of My Life“).
Derartige vielinstrumentale Aufmachung wäre finanziell für einen Newcomer allerdings (verständlich) utopisch. Zum zweiten existieren schlimmere Sounds in Großzahl, selbst natürliche. In diesem Zusammenhang möchte ich eher die Dynamik aufs Korn nehmen.
Leider klingen auch die (kompositorisch schönen) Pianopassagen durchwachsen motorisch, was nun die Frage aufwirft ob Herr Trigg sich ein Fettnäpfchen vieler Hörer durch ungewichtete Tasten bewusst geleistet hat.

Derartige Klangfinten fallen des Weiteren aus dem Programm: Schlagzeug und Bass klingen bodenständig und spielerisch darf sich die Angelegenheit auch zeigen. Drummer John Graney lässt sogar eine gewisse Manie für Doublebase-Spiel a la Power Metal aufleuchten.
Dessen Bruder und zeitgleich Mastermind und geheimer Kopf der Band, William Graney, gestaltet das Konzept ähnlich wie die finnischen Nightwish und bearbeitet als einziger die 6 (hier durchweg verzerrten) Saiten, wobei er mit rhythmisch trainiertem und punktvoll gezieltem Handwerk des Öfteren die besonders schönen Grooves geangelt bekommt. Melodien sind eher Ausnahmefall wohingegen mal das eine oder andere Solo rausgelassen wird (besonders amtlich: „Reborn“).

Last but not least: Fronter Per Fredrik "PelleK" Asly. Schöne, charakteristische und an erster Stelle vor allem glasklare Stimme; unbefangen, prägnant und natürlich. Wer allerdings mit dem Scheuklappenblick gerne mal beim Power Metal Anwendung findet könnte (könnte, zwangsläufig muss das nicht Fall sein) hier bereits einen Griff – wenn auch meiner Meinung nach einen recht unerheblichen – ins Klo machen.

Im Gesamten wahren Damnation Angels instrumental ein gutes Gesicht und dürfen mit einem wunderbar organischen Sound von sich hören lassen. In Hinsicht Songwriting gestaltet sich die Begeisterung leider mäßiger. Die Engländer verfügen stets über eine musikalisch schöne Aufmachung, lassen das Album nicht als zerpflücktes Werk sondern einen abgeschliffenen Komplex erscheinen und finden samt Intro und ruhigeren Zwischentracks auch einen Aufbau der ihnen gut zu Gesicht steht.
Die Kreativität an sich wirkt hingegen leider stark abgepellt und beinahe breitet sich der Duft von Pietät aus, denn es mangelt an Reichtum von Ideen welche wirklich in Ekstase reißen können. Mit der Vokabel reißen gelangen wir zu weiterer Kritik, welche hier auf der Tatsache wurzelt, dass dem Album ein reißerischer und entfesselnder Aspekt fehlt welcher zur Konsequenz die Abwesenheit absoluter Durchbrüche und Genialitätsmomente nach sich zieht. Kurz kann man es auch umformulieren: Die Musik klingt zu gewollt, künstlich und kontrolliert. Zeitgleich möchte ich mit meinen Unkenrufen auch die Ideenlosigkeit etwas in die Mängel nehmen.
Schlussendlich braucht „Bringer Of Light“ noch mehr Nuancen der Leidenschaftlichkeit um weniger hartherzig zu wirken.

Dennoch kann das Debüt auch mit vielen Aspekten schmeicheln. Der gelungene Aufbau ist mir ein wichtiger und der ausbleibende Funke letzte Genialität bezeichnet ja keinesfalls musikalische Unfähigkeit. So bin ich besonders von „Reborn“ angetan. Erhaben, majestätisch und reich an Atmosphäre grooven Damnation Angels hier besonders und erzeugen ein warmes Feuer der Epik, welches sich speziell bei Einsatz der Chöre (samt metallisch kräftiger Untermalung) bemerkbar macht.
Des Weiteren sympathisiert mir die Band auch durch ihre orchestralen Zwischenspiele, so kann besonders das Intro „Ad Finem“ einen gelungenen Pfortenöffner abgeben. Im Vierteiligen Part der Langrille reizt sich dieses Element samt Klavier jedoch etwas aus und schießt über die Zielgerade hinaus, was zum Bedauern auch den dritten Part – den Titelsong „Bringer Of Light“ – nicht verschont lässt. Dieser erinnert übrigens stärker denn je an die instrumental kraftvolleren Bestandteile und orchestralen Akzentuierungen von Nightwish.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das Metallica-Cover „No Leaf Clover“ höchwahrscheinlich nicht alleine für meine Wenigkeit einen traurigen Eindruck hinterlässt und auch das anschließende (und Album-abschließende) „Pride (The Warrior’s Way)“ knapp 10 Minuten lang in regelmäßigen Intervallen Ratlosigkeit versprüht. Dabei weckt die asiatische Einleitung vorerst ein episches und Elan-getränktes Interesse, wessen Überschwang allerdings nur kurz Hand-In-Hand mit dem Song geht.

Im Fazit wissen Damnation Angels um ihre Fähigkeiten und erzeugen schönen Sound mit prunkvoller Gestaltung. Arrangements stimmen, Harmonien sind stimmig, der bombastische Aspekt sticht gut hervor, der Gesamtkomplex ist rund und facettenreich...hinter dieser gelungen hingabevollen Ummantelung und Umsetzung des geschriebenen kann (mich) wenig mit fesselnden Effekt in seinen Bann ziehen. Zumindest nicht auf Dauer. Potenzial dafür bestünde allerdings, so sind brillante Phrasen auf diesem Debüt kein Einzelfall.
Ich möchte als Abschluss gerne empfehlen eine Hörprobe zu genehmigen und sich „Bringer Of Light“ mal mit Stichproben zu Gemüte zu ziehen. Das Debüt von der Insel dürfte Fans von genannten Genrepartnern wie Nightwish, Kamelot, Epica, Serenity und anderen durchaus ansprechen. Derweil richte ich den Blick nach vorne und schaue auf die Zukunft in welcher die bestehenden Fähigkeiten eventuell besser ausgeschöpft werden.

11/20 Punkte


Axiom
Axiom
Wird angeboten von super-buecher
Preis: EUR 11,30

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Kunst im Konzept, die Kunst in der Musik, 4. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Axiom (Audio CD)
Dänischen Metal bekommt man selten zu hören, so scheint es mir. Eine volle Hand Progressive Metal kombiniert sich mit Industrial-Einflüssen und Elementen aus dem breiten Rockgenre. Dabei geht man teilweise behutsam und mit einem Hauch Pop, andererseits auch gerne mal aggressiv zu Werke. Vordergründlich haben Boil etwas Ähnlichkeit mit dem Instrumentalgeschehen welches die großen Tool auf die Beine hieven. „aXiom“ weiß da aber besonders melodisch, stimmlich und konzeptionell noch eine ordentliche Schippe Vielfalt in Songwriting und dessen Ausführung draufzulegen.
Hinter der nunmehr dritten Veröffentlichung nach dem Debüt „Vessel“ (2007) und dem Nachfolger „A New Decay“ (2010) steckt ein amtlich durchdachtes und der Musik zupassendes Projekt, welchem diese Produktion komplett zuzuordnen ist.

Der dänische Fünfer legt die textliche – und oft auch hörbar musikalische – Basis durch Gedankenaustäusche mit psychisch erkrankten Menschen (besonders Patienten welche an paranoider Schizophrenie leiden). Diese Thematik bewegt die Band und konnte so auch den Ursprung und Anstoß für dieses Werk geben.
Vorab erlaube ich mir zu erwähnen – ohne damit auf die musikalische Qualität verweisen zu wollen – dass Boil in jeglicher Hinsicht eine runde Angelegenheit bieten und das künstlerische Wesen schön in den Vordergrund rückt. Dementsprechend hohen Standard haben die Tonqualität (Mixing und Mastering durch Jens Bogren (Opeth, Katatonia, Soilwork)) und das düster gehaltene Cover-Artwork (Travis Smith (Nevermore, Katatonia, Opeth etc.)).

Der Fokus liegt musikalisch wie bereits angekündigt auf progressiven Phrasierungen samt Einsprengsel unterschiedlichster Subgenres des Metal und Rock (hinzu einige elektronische Facetten). Dabei fällt eine eindeutige Zuordnung schwer, da sich ein eigener Stil samt selbstständigen Trademarks schnell herauskristallisiert.
Technisch macht man sich dem Podest würdig und weiß einen gemeinsamen Groove durch Bass, Drums und Gitarre außerordentlich gut zu verantworten, ohne zeitgleich auf spielerische Effekte und detaillierte Einwürfe zu verzichten. Kreativität pulsiert auf Hochtouren und so finden sich Passagen unterschiedlichsten Typs und geistreicher Breitseite. Beispiel Gesang: Ausnahmefrontmann Jacob Løbner besitzt ein eigenes Organ, begegnet aber einer abwechselnden Stilistik und so tönt das stimmliche Klangbild mal im entfesselten Arch Enemy-Stil, mal in klarster akzentuierter Disturbed-Manier, mal nach einem großem Marilyn Manson-Delirium (besonders „Sphere“). Meine Stimme für diese Stimme!

Boil steht die Vielfalt gut und das Quintett weiß mit unterschiedlichster Art von Musik umzugehen, stets dabei aber das eigene musikalische Gemüt gut zu bewahren. Die Arrangements zeigen ihre Stärke darin Spannung und Kunst in ein schönes Gleichgewicht zu bringen, welches durch vertrackten Aufbau und abstrakte Gestaltung strahlt, dabei aber nie zerfahren wirkt.

So passt alles zusammen und ist in sich in richtiger Form an richtiger Stelle. Inzwischen dürfte „aXiom“ einen schlichtweg unanfechtbaren Eindruck gewähren, doch bei aller Lobpreisung die hier in verschiedensten Ansätzen laut geworden ist haben Boil es leider nicht verhindert sich kleine Blößen zu geben.

Auffallend ist der künstlerische Aspekt welcher diesen Rundling prägt und in somit zu einem Output macht, welcher sich nicht mit überdurchschnittlich gut zugänglichen 0815_Hits präsentiert, sondern dem Hörer seine Aufmerksamkeit und Zeit abverlangt. Dabei ist es keine seltene Erscheinung, dass einiges des Songmaterials leicht disharmonisch, gar in Ansätzen befremdlich klingt. Ein Geschmack auf den man kommen muss, welcher sich infolge aber als Ohrenschmaus entpuppt.
Aufgrund dieser Vorliebe der Gruppe sehen sich die Stücke oftmals stark ähnlich, was einen Hitfaktor schwer erkennbar macht. Dies war jedoch auch sicherlich nicht die Absicht von „aXiom“.
Das triste in den Klängen des Albums lässt eine gewisse Einseitigkeit passieren, welche allein von der niederdrückenden Atmosphäre belegt ist und so schnell Gefahr läuft mehr träge statt elegisch kunstvoll zu wirken.
Letzte Anmerkung in punkto Kritik sind die Schönheitsfehler und gewollt anders getrimmten „Störer“ dieser Langrille, hier und da in der Tracklist versteckt. So schlappt die Hörfreude durch das eintönige „Heretic Martyr“ ab und bekommt einen weiteren Kick zur Tür wenn „Sunbound“ sich abkapselt und einen eigenen Sound, außerhalb der Soundwände dieses Albums, zu erschaffen versucht. Weiteres Beispiel ist das überraschend poppige „Moth To The Flame“, welches keineswegs schlecht ist, sich dem roten Faden des Konzepts allerdings in den Weg stellt. Leider punkten Boil mit diesem Album allerdings gerade durch ihr Konzept.

Dem Können der Truppe tut dies letztendlich nichts ab, was bewusst wird wenn sich die musikalischen Perlen wie „At The Center Rage“, „Equilibrium“ (Refrain: Gänsehaut pur, wow!), das Minizwischenspiel - versehen mit einer wunderschönen Gitarrenmelodie – „Ashes“ oder der stark balladeske Schluss „Almost A Legend“ entblößen. Absoluter Übersong ist dabei das unglaublich geniale, fast 8-minütige „Vindication“. Was gibt es hier zu sagen? Zwei bis drei Durchgänge und das Bewusstsein steigt, hier just diesen Moment ein hochlegendäres Stück in die Gehörgänge zu kriegen. Dabei lassen besonders die seicht vorsichtigen Gitarren, der durchgängige Groove samt Spielgenauigkeit, das endlich mal nicht nervende Industrial/Elektro-Spiel im Hintergrund (kaum machbar für andere Acts des Genres) und die Finesse im Arrangement diesen Song zu einem bisherigen musikalischen Höhepunkt des Jahres 2013 werden. Wahrhaftig perfekt!

Schlussendlich haben Boil mit „aXiom“ ihr bis dato rundestes, vollstes und auch musikalisch schönstes Werk abgeliefert, welches in seiner Perfektion nur durch wenige Punkte – durch diese leider tiefgreifend – eingeschränkt wird. Titanische Momente beherbergt die neue Veröffentlichung allerdings in noch größerem Maße. Jedem zu empfehlen, besonders Anhängern progressiver und emotional abstrakter Musik. Eine runde Scheibe, nicht nur wörtlich.

14/20 Punkte


Saivon Lapsi
Saivon Lapsi
Preis: EUR 17,06

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf der Zunge zergeht bereits gekanntes, erhaben düsteres Klanggebilde, 28. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Saivon Lapsi (Audio CD)
Als 2009 „Children Of The Dark Waters“ in die Welt gesetzt wurde war ich von den Socken. Eine schöne und düstere Perle typisch finnischer Natur in Hochglanz, mein damaliges Album des Jahres. Ganze vier Jahre sind ins Land gezogen und das neue Werk hat lange auf sich warten lassen. Doch für ein weiteres Stück Musik von dem Kaliber des Vorgängers war es mir nur lieb sich in Geduld zu üben. Diese Frühjahr kam nun der neue Output und mal ganz unabhängig davon muss ich sagen: Dieses Jahr kommt eine ganze Menge starkes ins CD-Regal, „Children Of The Dark Waters“ hat die Messlatte hoch gesetzt und meine Erwartungshaltung war auf dem Standard, dass ich auch dieses Jahr wieder mit einem Ausnahmewerk beschenkt werde. Hier kommt also „Saivon Lapsi“.

Eternal Tears Of Sorrow präsentieren uns stilistisch bekanntes, was auch auf ihren Vorgängern die Musik der Finnen gezeichnet hat. Das Sextett führt die gewohnten Kunststücke auf, mit welchen man in Hinsicht Düsternis und mysteriöser Schauerstimmung schon in der Vergangenheit punkten konnte. Auch das Cover-Artwork pflegt wieder einen geliebt finsteren Look, inklusive Wald im Nachtnebel, Mond (diesmal voll) und sogar dem Markenzeichen der Natur des Heimatlandes: Einem See.
Wie wahrscheinlich aufgefallen ist auch der Titel diesmal finnisch. Ein Blick auf den Rücken des Booklets präsentiert uns direkt 3 Tracks des Schlages: Das Intro „Saivo“, die Single-Auskopplung „Swan Saivo“ und das Schlussstück „Angelheart, Ravenheart (Act III: Saivon Lapsi)“. Besonders letzteres staute in mir die glühende Erwartung weiter an, da der zweite Akt ein wahrer Ohrenschmaus war und in dem jetzigen Fall sogar ein halber Longplayer mit beinahe 8 Minuten auf der Matte steht.

Erneut also erbauen sich Eternal Tears Of Sorrow ein atmosphärisches Gesamtgerüst aus meist treibendem Bass und Doublebase-Drums, verzerrten Gitarren mit groovigem Riffing, schönem Melodiespiel und anspruchsvollen Soli, flächendeckenden Keyboards (Streicher), welche aber auch den Eingriff an die Front nicht scheuen (schön schlicht im Klavier-Sound), und die Stimmfraktion. Altti Veteläinen lässt neben den dicken Saiten auch die Stimmbänder ordentlich schwingen und legt auch hier wieder eine erhabene und majestätische Growl-Show hin. Indes findet er in Jarmo Kylmänen immer den richtigen Mitstreiter, welcher die dichte und dunkle Atmosphäre mit seiner glasklaren Stimme gut zu durchbrechen weiß. Beide spielen sich gekonnt die Bälle zu und platzieren hier eine schöne stimmliche Vielfalt, welche auf diesem neuen Rundling viel Platz findet.

So befinden wir uns in ähnlichen Gewässern wie der Vorgänger und müssen auf einzelne Eigenschaften des Rundlings schauen. Man darf von „Saivon Lapsi“ behaupten dass der Hitfaktor nicht so sehr gestärkt wird und man sich schwer tut trotz aller majestätischen Melodielinien und Klänge einen eindeutigen Anhaltspunkt zu haben welcher nach dem ersten Durchlauf prägend für das Album steht. Um die Formulierung eindeutiger zu machen: „Saivon Lapsi“ fehlt ein eigenes Wesen, schöne Stücke sind unübersehbar doch kann sich der Gesamtkomplex nicht so dramatisch und stürmisch emporbäumen wie gewohnt. So liegt ein Album vor welches den „Typ“ Eternal Tears Of Sorrow in Vielzahl beherbergt und ungewohnte Anhaltspunkte und neue Einflüsse vermissen lässt.
Der würzige Überraschungseffekt in den düsteren Veränderungen vom Vorgänger bleibt zeitweise auf der Strecke und es entpuppt sich ein Album mit vielen durchschnittlich guten Songs, welche sich allerdings nicht festigen weil sie auch in ihrem Songwriting schrittweise zu viele Parallelen aufweisen. Nicht falsch zu verstehen ist mein Bezug hierzu. Das Problem ist gering wenn ein musikalischer Akt von solch einer Raffinesse und Songwriting-Fähigkeit verrichtet worin er Meister ist. Durchschnittlich gut sollte in diesem Falle demnach auf erstklassiges Material verweisen, welches es auch ohne Frage ist, doch fehlen dabei der Kick und die Spannung.
Als eingefleischter Verehrer der ETOS-Produktionen und somit Kenner jeglicher ihrer musikalischen Fabrikationen ist der Großteil zu vorhersehbar. Der Effekt daraus ist leider dass sich nach zwei bis drei Durchläufen die Angelegenheit zu einem Kampf gegen das Eindimensionale entwickelt. Zu meinem Bedauern hat der Sound auch von Tonqualität und anderen Indikatoren kaum Veränderung vorzuweisen, sodass man zu schnell Besonderheiten vergangener Tage mit diesen hier in eine Kiste werfen kann.

Dennoch: Das Album ist rund und nordisch düstere Atmosphäre ist ein gut gezogener roter Faden durch eine schmackhafte Trackliste, welche die Finnen einmal mehr von ihrer guten Seite zeigt.
Besonders auf der finalen Zielgeraden nimmt die Intensität zu und die Klangschichten gipfeln ihre Brillanz. Hier rede ich besonders von dem Quasi-Titelsong „Swan Saivo“, welcher mit viel Leidenschaft und hitverdächtiger Eingängigkeit eine wohl willkommene skandinavische Atmosphäre an den Hörer bringt und mit herzerweichenden Melodien und Soli das Highlight des Albums markiert. Des Weiteren können besonders das dämonisch harmonierende „Blood Stained Sea“, das düster epische „Legion Of Beast“ (nostalgisches schwelgen in Erinnerungen an den Vorgänger, nach „Swan Saivo“ mein Favorit), der winterliche Akustikübergang „Kuura“ und die Hymne „Sound Of Silence“ (welche sich in einem ähnlichen Dunstkreis wie „Sea Of Whispers“ und neben dem männlichen Klargesang auch eine schöne Frauenstimme ins Boot nimmt) überzeugen.

Abschließend bleibt das Ergebnis ein rundes und für das Sextett charakteristisches Album, welches in seinem Fortschritt etwas abfällt und besondere Überraschungen auslässt. Die Stücke sind schnell durchschaubar, brennen sich jedoch nicht mit einer derartigen Genialität wie beim Vorgänger ein. Anhänger des düsteren Sounds können hier bedenkenlos das Portemonnaie zücken und sich eine amtliche Melodic Death Metal Scheibe finnischer Machart zu Gemüte ziehen. Wärmstens ans Herz legen möchte ich jedoch besonders den inzwischen häufig erwähnten Vorgänger "Children Of The Dark Waters", welche für mich den absoluten Höhepunkt der ETOS-Ära darstellt!

15/20 Punkte


Living Mirrors
Living Mirrors
Preis: EUR 17,12

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Junge, frische Genialität mit immensem Gefühl für Musik und eigenen Stil, 27. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Living Mirrors (Audio CD)
Die Junge Formation aus Polen steht bereits mit dem zweiten Werk auf der Matte. Das Debüt „Journey Through The Hidden Gardens“ sorgte vor knapp zwei Jahren für viel Aufsehen und ist für mich persönlich das damalige Album des Jahres und eines der absolut großen Highlights des Genres. Wenn wir von Disperse reden, dann reden wir von verzwickten Arrangements, ungeraden Takten, verschoben akzentuierten Grooves und starken Progressive -und Technical-Metal-Einflüssen. Schnell kommen Gedanken an Cynic und Textures auf, diese sind auch nicht Fehl am Platz, doch das ist lediglich eine Seite der Medaille. Weitschweifige und flächendeckende Keyboards bilden sphärische Klangteppiche indes die zauberhafte Arbeit von Wundergitarrist Jakub Zytecki ihre Charme in gereiftester Pink Floyd-Manier versprüht. Seichte Industrialeinschübe sind ebenso mal mit von der Partie.

Der neue Output, „Living Mirrors“, setzt nicht schlicht an wo der Vorgänger aufhört sondern weist bereits die erste Weiterentwicklung auf. Im Jahre 2013 gehen Disperse etwas knallender und rhythmischer zur Sache, überlassen dabei auch mehr der Gitarre den Vordergrund. „Journey Through The Hidden Gardens“ war zeitweise noch sehr durch verschiedenste Keyboardmelodien geprägt, welche nun beinahe komplett von der Bildschirmfläche verschwinden. Eben angesprochene Pink Floyd-Stilistik baut sich damit ebenfalls etwas ab.

Des Weiteren bearbeitet der polnischer Vierer die Gehörgänge mit viel Spielgefühl (mal seicht und gefühlvoll, mal kräftig knallend und reißerisch). Drums und Bass grooven als ein Komplex, wie ihn selbst Fahnenträger des Genres selten hinbekommen, Schlagzeuger Maciej Dzik scheut selbst perkussive Elemente nicht und ergänzt so optimal eventuell vorhandene Rhythmuslücken der atmosphärischen Keyboard-Gitarren-Passagen. Hier ist jedoch zu betonen dass die Gitarrenarbeit auf sich gestellt schon ungemein viel Rhythmik zu erzeugen weiß. Jazzige Einflüsse und Soli im Exivious-Stil machen ihre Runde auf „Living Mirrors“, generell weiß die Gitarre vielschichtig zu überzeugen. Finger-Pickings, originelles Slappen (sogar zu beschauen in dem Video der Single-Auskopplung „Enigma Of Abode“) oder Flageoletts in voller Pracht...demonstriert in Weltklasse-Form.

Zu entnehmen ist wohl, dass viel instrumentales den Geist dieser Band bestimmt, dennoch zeigt sich Rafał Biernacki nicht nur am Keyboard aktiv sondern gibt auch seine Gesangskunst zu besten, welche sich ausschließlich auf Klargesang ausrichtet.

„Living Mirrors“ hat einen durchaus stark zusammenhängenden Aufbau und ein rundes Gesamtes. Eröffnet durch ein Intro, hier und da gespickt mit kleinen Instrumentaltracks und zum Schluss ein großes Finale durch einen beinahe 10-minütigen Longplayer.
In diesem Aufbau bilden die einzelnen Zwischenstücke meist den Übergang und das Eigenintro für ein ganzes Stück. Dabei klingt jegliche Fabrikation verträumt und groovig zugleich.

Doch startet die Kritik nun leider an dieser Stelle. Wo sich Disperse auf dem Debüt noch in legendärer Verfassung zeigten schlägt man hier was Melodiebögen und Akkordfolgen anbetrifft einen sehr verhaltenen Weg ein und kaut des Öfteren mal auf einem Griff rum. Besonders einige Melodiesprünge wirken auf mich leicht belanglos und vermitteln beinahe den Eindruck, die Gruppe hätte mit dem Vorgänger die herzzerreißenden Ideen bereits verpulvert. So bleibt in vielen Beispielen Melodie und Harmonie auf der Strecke und das technische rückt in den Vordergrund. „Journey Through The Hidden Gardens“ hat dem Weg andersrum Tribut gezollt und sich damit keine Blöße gegeben.

Stücke wie „Universal Love“, „Touching The Golden Cloud“ oder “Choices Over Me” dürfen sich als betroffen ansehen und versuchen bezüglich Ohrwurmfaktor tatsächlich auch in ihren Gesangsmelodien führenden Stücken wie der Single „Enigma Of Abode“ nachzukommen, wessen schnelle Folge Einseitigkeit ist.
Speziell der Frontmann haut an mancher Stelle geniales raus, was er in den folgenden drei, vier Stücken vergeblich versucht qualitativ zu erreichen. Gewissermaßen haben Disperse einen genialen Stil und stehen auch auf „Living Mirrors“ wieder als Vollblutmusiker in aller Leidenschaft da. Es wird leider anbei der Effekt erzeugt, dass durch die geniale Aufmachung, die Technik und die genialen Klänge Hunger auf mehr hervorgerufen wird, welcher nur phrasenweise durch einzelne Höhepunkte gestillt werden kann.

Sorge für die Highlights tragen besonders die mitreißende, vielfältig groovende Soundwand „Enigma Of Abode“, das melancholisch verträumte und leidenschaftliche „Unbroken Shiver“ samt seinem Eigenintro „Be Afraid Of Nothing“ und meine absolute Nummer eins dieser Langrille: „Message From Atlantis“, absolut fantastischer Song, welcher schon in den ersten Tönen seine Zeitlosigkeit demonstriert und anschließend einen ganz großen Film auf die Leinwand lässt. Besonders das Finale raubt Verstand, welches berauschende Gänsehautsoli über eine wunderschöne Melodie legt, die sich im Verlauf des zweiten Drittels im Stück gebildet hat. Das beste was ich aus dieser Richtung seit langem zu Ohren bekommen habe!

Erwähnenswert: Das Ende des Albums wird durch einen echten Jazz-Leckerbissen „Butoh“ und den spannungsgeladenen Longplayer „AUM“ besetzt, was auch für Nichtkäufer mindestens einen Eindruck wert ist.

Alles in allem wissen Disperse mit „Living Mirrors“ um ihr Können und liefern eine tolle Show ab, das überirdische des Debüts verblasst hier jedoch und rückt sich nur noch selten ins Rampenlicht. Nicht nur zum Spielen, auch zum Hören ist das Werk anspruchsvoll, weil vertrackt und unglaublich komplex durcharrangiert. Letztendlich bleibt die Faszination einmal mehr nur an dem spielerischen Hängen und knickt vielerorts ab, wo der Vierer etwas uninspiriert rumdümpelt. Hier bleibt – bereits getestet – die Zugänglichkeit und Einprägsamkeit auch auf lange Sicht verwehrt.
Zu hoffen bleibt dass ein Schritt zurück, der mehr melodischere Weg a la Pink Floyd, der nächste Richtung neuen Output sein wird. „Journey Through The Hidden Gardens“ ist wahrlich eines der genialsten Werke die je erschienen sind und in meinen Augen ein Debüt, mit welcher Qualität noch keine andere Band der Geschichte je starten konnte.

Kaufempfehlung letztendlich, denn was hier geboten wird ist speziell und einen Kontakt mehr als wert!

15/20 Punkte


Broken
Broken
Preis: EUR 15,76

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Melodic Death Feinkost eines extrem unterbewerteten Top-Acts, 20. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Broken (Audio CD)
Geschlagene 4 Jahre haben die Finnen von Masterstroke auf ihr Viertwerk warten lassen. Im Normalfall war die zeitliche Zwischendistanz der Veröffentlichungen weitaus kleiner, zumal man mit dem Debüt „Apocalypse“ (2006), dem Zweitling und meinen bisherigen Favoriten „Sleep“ (2007) und dem Vorgänger dieser Scheibe, „As Days Grow Darker“ (2009), keine Historienschinken-Stimmung heraufbeschwören wollte sondern einfach eine amtliche Ladung Melodic Death Metal auf die Hörerschaft feuerte. Hausmannskost mit starkem finnischem Geschmack. Trotzdem sind Masterstroke aufgrund ihrer Qualität für mich immer Großleinwand-Metal gewesen und nun ist es mir nach vier Jahren wieder gestattet die Frage in die Runde zu werfen: Warum – gottverdammt – ist dieser erstklassige Akt nicht bekannter? Die Antwort bleibt immer aus und auch heute schüttele ich fraglich den Kopf denn auch mit dem Neuling schießen mir wieder die Freudentränen in die Augen.

„Broken“ heißt das lang ersehnte Stück und vorerst darf ich Frischlingen eine kleine Orientierung geben. Der Sound den Masterstroke dieses Jahr auf einen Acht-Track-Rundling bannen ist wie schon ihre älteren vergangenen musikalischen Tätigkeiten ein typisch finnischer des Melodic Death Metal, welcher sich allerdings inzwischen recht weit streut. Das Quintett blickt sehr bewusst auf episch durchbrechende Refrains, geradlinige Strukturen, viel Groove und Atmosphäre und Eingängigkeit. Akkordfolgen, Melodien, Riffs, was auch immer gerade präsent ist, es bahnt sich den direkten Weg ins Gedächtnis des Hörers und manifestiert sich dort. Genau das zeichnet die Jungs aus Tampere aus (speziell die überragenden Gesangsmelodien).
Doublebase, treibende Gitarren und „herzerwärmende“ Düsternis machen auch hier keine Ausnahmen und fügen dem Klanggebilde des Stils das DEATH hinzu. Die Sache arrangiert sich hier nämlich nicht durch den Sänger, welchem die Stimmbänder scheinbar zu schade für Screams oder Growls sind. Fronter Niko Rauhala ist aber besonders deswegen dauerhafter Mittelpunkt des Geschehens.
Der Einsatz seiner Stimme ist derartig genial gemacht und strahlt von musikalischem Gefühl und intensiver Leidenschaft. Es ist dieser Frontmann, wessen Organ dem Masterstroke-Klang Flügel verleiht und die unfassbare Krönung der ganz großen Gänsehautmomente in Beschlag nimmt. Es sind die Gesangsmelodien, das einfühlsame, das aggressiv rohe, das stürmische sowie das sanft – ja beinahe flüsternd – gesungene, was den lieben Herrn Rauhala zum grandiosen Kopf der Band macht.

Im Gesamtkomplex kann man das Tonbild des künstlerischen Treibens von „Broken“ am ehesten mit den ebenfalls finnischen Diablo in Referenz setzen.

„The Eye“ startet mit ruhigen Gitarren welche schon direkt ihre skandinavischen Charme versprühen. Es dauert nicht lange und schon findet man sich in der Klangwelt des Fünfers samt Drums mit Druck nach vorne, ballerndem Bass und dominanten Gitarre. Der Gesang:Gewollt rotzig, dreckig, unachtsam und dennoch mit viel Stil und Melodie. Schließlich bricht das Geschehen aus und gipfelt in der ultimativen Stärke Masterstroke’s: Dem Refrain.

Ja, mit diesen können die Finnen sich oft in aller Pracht präsentieren, man nehme nur mal den Chorus von dem groove-getränkten Headbanger „I Condemn You“ oder dem dramatisch stürmischen „My Last Day“ (Atmosphäre: wunderbar getroffen). Auch mit weiteren Gänsehautmomenten füttert diese Langrille nicht knapp bemessen. Wenn unser inzwischen reichlich beliebter Fronter in den Schlussphasen von „Reborn In Flames“ die Stimme in hohe Lagen ausufern lässt oder die Rhythmik sämtliche Fassbarkeit an passender Stelle in „The Eye“ gegen die Wand groovt steht atemberaubendes Feeling hoch 10 an der Türschwelle.
Insgesamt ist auch die flächendeckende Tastenarbeit von Keyboarder Jussi ein mit Chören, Streichern und Pads besprenkelter Palast der Harmonie. Es ist nicht gewollt dick aufzutragen und es ist auch nicht der pompöseste Opus unserer Zeit aber es fügt sich unglaublich stimmig mit jeglichen anderen Elementen.

So kommen wir zum allgemeinen Songwriting-Prozess, welchen die Jungs zweifellos wie ihre eigenen Instrumente beherrschen. Die Angelegenheit macht kein großes Prozedere sondern zielt straight und gut zugänglich auf die Durchbrüche und Höhepunkte (z.B. genannte Refrains) der Stücke. Eventuell ist zu erwähnen dass die Konzentration manchmal zu sehr auf diese fixiert wurde, was aber nie in totaler Belanglosigkeit endet. So stört sich nichts an sogenannten „füllenden Passagen“, da die Kombination mit dem großen Kino ihren eigenen Feinsinn aufweist.

Songs wie der bereits genannte Opener „The Eye“ (sehr passender Pfortenöffner), das reißerisch atmosphärische „I Condemn You“, mein persönliches Highlight und ein einziger Genussmoment für sich - „Reborn In Flames“ – und der angesprochene Ohrwurm „My Last Day“ formen „Broken“ zu einem beachtlichen Stück Musik, welches dieses Jahr schon ganz früh die Nase vorn hat in diesem Subgenre.
Nun sitzt man vor den Boxen, die ersten wirklich faszinierenden Stücke des Melodic Deaths des Jahres 2013 in den Ohren und doch gibt es Negativaspekte die nicht unerwähnt bleiben dürfen, selbst wenn sie kein großes Gewicht haben.

Erster Mangel ist die Dauer des musikalischen Inhalts, da man nach vier Jahren Wartezeit als gespannter Hörer doch etwas mehr als 35 Minuten Spielzeit erwartet. Amortisieren tut sich ein hochwertiges Scheibchen immer, dennoch sollte „Broken“ mehr Zeit bzw. Stücke umfassen.
Kritikpunkt Nummer zwei sind die Soli, welche eigentlich keinesfalls einer Bittermandel gleichen, in Referenz mit der restlichen Leistung aber in ihrer melodischen Stärke etwas abfallen. Technisch natürlich spielerisches Höchstniveau. Für das Minigitarrensolo des Titeltracks „Broken“ gilt allerdings das genaue Gegenteil (wunderbares Solo).

Der dritte und letzte Kritikpunkt ist von anderer Sichtweise betrachtet auch schon wieder ein positiver. Die mangelhafte Schlagseite ist der Song „As We Crawl“ welcher nach dem Motto „Back To The Roots“ die ehemaligen Power Metal-Eigenschaften des Quintetts beherbergt und als Einzelgänger beim Durchlauf das Konzept des Rundlings etwas aus der Bahn wirft, zudem (meines Erachtens) auch nicht so viel hermachen kann. Aus optimistischer Sichtweise darf man nun betonen dass sich bei Masterstroke über die nun mehr als 10-jährige Ära stilistisch eine Entwicklung zum schöneren vollzogen hat.

Im Fazit kann „Broken“ wieder frischen Wind in meine relativ eingerostete Melodic Death Metal-Sammlung bringen und nach dem (meiner Meinung nach) kleinen Tiefgang durch den Vorgänger „As Days Grow Darker“ wieder zum alten „Sleep“-Niveau aufknüpfen (auch wenn „Sleep“ nach wie vor eine Nasenspitze Vorsprung hat).

Die Produktion ist schön metallisch – gleichzeitig auch natürlich – und der Hitfaktor macht das Album zu einem einprägsamen Ohrwurm hochklassiger Art. Leidenschaft wird groß geschrieben und nochmals möchte ich mit diesen Schlusswörtern darauf bestehen dass Masterstroke mit „Broken“ abermals unterstreichen wo ihre eigentliche Stellung sein sollte: Ganz weit oben! Während noch weitschweifig bekannte Gruppen wie Children Of Bodom immer mehr abbauen schöpfen andere ihr Potenzial gekonnt aus. Dazu gehört in erster Linie vor allem diese Band! Kaufempfehlung für jegliche Freunde des Melodic Metals, Dark Metals oder Melodic Death Metals. Selbstredend sollten auch andere Gemüter mal ein Ohr riskieren!

16/20 Punkte


Aeons Torn-Beyond the Gates Imagination Pt.2
Aeons Torn-Beyond the Gates Imagination Pt.2
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 2,79

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Vermengung von Folkelementen mit Melodic Death skandinavischer Art, 19. Februar 2013
Nachdem vor zwei Jahren das Debüt „Beyond The Gates Of Imagination Part I“ auf die durstige Menschenmasse des Folk/Melodic Death Metal gehetzt wurde folgt nun die Fortsetzung und laut Gruppe auch Vollendung des somit zweiteiligen Konzepts. Das neue Album trägt den Titel „The Aeons Torn – Beyond The Gates Of Imagination Part II“ und soll auch musikalisch die Anfänge der Band weiterführen. Meine Wenigkeit hat nur eine kurzweilige Zugfahrt vor sich um in die Köln/Bonn-Ecke zu gelangen, dementsprechend gespannt bin ich auf das musikalische Schaffen einer nahe gelegenen Metalinstitution aus diesem Genre.

Ab zum Musikhändler meines Vertrauens und schon rotiert der Zweitling in der Anlage. Charakteristisch für Leviathan sind die gitarrenlastigen Melodie –und Solizüge a la Kalmah und Children Of Bodom. Rasantes Riffing ist stets die Hauptzutat des hier fabrizierten Sounds. Hinzu kommen typisch metallische Drums, welche auch mal in amtlicher Dimmu Borgir-Manier die Doublebase von den Leinen lassen („Towards The Storm“), und zwei Basser (zu meiner Verwunderung) welche für einen standhaften Untergrund sorgen. Die Screams hinzu welche mehr einem Black/Folk Metal Gekeife gleichen, zuweilen mit starken Parallelen zu dem Frontorgan der ebenfalls deutschen Varg.
Mit dieser Beschreibung einer recht klassisch geschaffenen Melodic Death Formation ist dann auch bereits einer zweier Teile des Leviathan Sound geschaffen. Besonders Ausdauer, Härte und Technik sprechen hier für sich. Auf Arrangements, Melodie, Einprägsamkeit und Harmonie komme ich später zu sprechen.

Der zweite Teil besteht aus einer Vielzahl außergewöhnlicher Elemente. Folkloristisch ist das Spielmedium besonders die Flöte, welche mal in langen Tönen, mal in kurzen Staccatobögen von sich hören lässt. Keyboarder Fabian Gocht trägt Sorge für das zugehörige Flair durch schöne Klangteppiche, oftmals durch Streicher und Chöre. Beinahe kann man den Gesamtsound der Bonner als vielerlei symphonisch bezeichnen, allemal ist es zumindest elementarer Bestandteil. Doch auch in Form von Klavierarbeit liefert der Tastenmann Qualität oberster Klasse. Die Aufmachung inklusive Keyboard klingt dann schon amtlicher und beschwört besonders im Opener „The Crescent Moon“ Erinnerungen an die Finnen Wintersun, allerdings in wesentlich schlechterer Soundqualität. Zumindest ist die Tonqualität noch nicht ganz gereift und darf in der Zukunft des Quintetts noch gerne an Details, Klarheit, Genauigkeit und Bums gewinnen.
Zuletzt soll durch Klargesang noch ein anderes Feeling aufkommen. Beruhigende, hymnische, epische und tiefgründige Gesangspassagen wurden ins Visier genommen, verfehlen jedoch leider ihre Absicht und entpuppen sich als leidlich unsouverän und laienhaft. Besonders die pathetischen Stimmen im Tiefpunkt des Rundlings, „Elysium“, reizen die Nervenbahnen doch stark aus.

Weiterer und gleichzeitig voluminösester Negativpunkt ist das Songwriting. Wo „The Crescent Moon“ das Album noch als gelungen beherzigter Opener mit Akustikgitarren, Harfe und skandinavisch weitschweifigen Melodien und Harmonien startet kann z.B. „The Rising Darkness“ das Niveau lediglich durch ständige Abbrüche, unausgereifte Strukturen, Breaks - welche mehr Ausfällen gleichen - und schlechte Wechsel –und Übergänge drosseln. Zeitweise wirkt die Komposition als hätte an bestimmter Stelle ein dritter weiterkomponiert, welcher mit der bisherigen Materie wenig gemein hat und auch die vorherigen Absichten im Arrangement nicht beabsichtigt (Vorsicht, das ist keine Unterstellung!). Spannung, ein leidenschaftlicher Höhepunkt oder ein Durchbruch können von Leviathan hier nicht gemeistert werden. Auch die Zugänglichkeit bleibt außen vor, einzelne Phrasen haben dennoch ihr eigenes attraktives etwas, das ist nicht zu verneinen.

Der kritische Mittelpunkt ist somit der fehlende rote Faden welcher sich eigentlich durch die Tracklist dieses Outputs ziehen sollte. So demonstrieren Leviathan eine Vielzahl eingängiger Melodien, Riffs, Soli und andere Gitarrenspielereien, können damit aber im Gesamten maximal einen technisch tollen Aspekt ansprechen. Letzterer kennzeichnet allerdings mehr eine dicke Brust als abgeklärte Coolness, da die anspruchsvolle Frickelei keinen schönen Sound erzeugen kann. Dem sollten die Musiker mehr Aufmerksamkeit widmen statt dem Geschwindigkeitsfaktor.
Ein Pol ist auch hier (beispielsweise ein tragendes Hauptriff) nur selten gut hervorgehoben.
Der Kopf des Hörers wird in ein heilloses Durcheinander gewirbelt, welches das eigene Konzept nicht mehr in der Übersicht hat und forsch durch den Klangwald wildert. Absoluter Tiefpunkt ist das erwähnte „Elysium“, bestehend aus beinahe fünf Minuten belanglosen, möchtegern-spirituell wirkenden, Akustikgitarrengeklimper und nervenzerreißendem Gesang, welcher jegliche bisherige Monotonie krönt. Erst das Ende des Stückes erntet mein Lob. Weitere Musterbeispiele für die angesprochenen Mängel stellen „The Sacred Fire“ und „The Restless Wind“ dar.

Einzig die weniger folkloristisch angehauchten Stücke können positives Aufsehen erregen. Auch wenn der Standard immer noch mittelprächtig ist kann sich wenigstens ein zielgerichteter Aufbau zu erkennen geben. Dies betrifft den erwähnten Pfortenöffner „The Crescent Moon“, das gitarrendominante und straighte „When Only Despair Remains“ und den achtminütigen Schlusssong „A Symphony For No Tomorrow“, welcher speziell durch seine tragende Hauptmelodie bestechen kann.

Im Endresultat macht eine gewisse Progressivität von sich zu sprechen, welche sich aber aufgrund weniger intelligenter Art des vertrackten als bodenlose Peinlichkeit herausstellt. Wunderbare Einsprengsel, schöne und stimmige Harmonien, gut gesetzte Akzente...alles bereits im Rührtopf, das Potenzial können die Bonner in Zukunft hoffentlich ausschöpfen indem ein beachtlicher Schlag mehr Verständnis für den Songaufbau investiert wird.

„The Aeons Torn – Beyond The Gates Of Imagination Part II“ hinterlässt einen kompositorisch schlechten Eindruck, kann dementgegen dennoch stückweise überzeugen, da das musikalische Können in einzelnen schönen Passagen Bestehen zeigt.
Der Vorgänger „Beyond The Gates Of Imagination Part I“ war entgegen des zeitlichen Entwicklungsstrahls dennoch ausgereifter und runder. Trotz alledem gilt es besonders für Fans von Kalmah und Varg dem Spruch „Probieren geht über Studieren“ alle Ehre zu erweisen.

10/20 Punkte


The Gift of Life
The Gift of Life
Preis: EUR 15,67

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Melodischer und power-geladener Output aus der Schweiz, 14. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: The Gift of Life (Audio CD)
Vorweg:“Melodic Death Metal“ a la Soilwork, In Flames und Konsorten. Genau das fand ich vor als ich mich nach dem Genre von Dreamshade (gelungene Namensfindung!) erkundigte. Ein Durchlauf durch den neuen Output „The Gift Of Life“, Album Nummer 2 der Schweizer, genügte um dem zu widersprechen. Selbstverständlich: Soilworks Clean-Vocals klingen zuweilen schon mal poppiger und In Flames haben sich besonders durch „A Sense Of Purpose“ ein Stück zu weit in die EMOtionale Ecke gewagt. Dennoch ist die Parallele zu dem hier rezensierten Interpreten nicht allzu immens. Melodic Death Metal ist im Gemenge enthalten, Dreh -und Angelpunkt des Geschehens ist jedoch ein sehr melodischer Mix aus Alternative Metal und Deathcore. Nennt man Interpreten, so entspricht der Dreamshade-Sound mehr einem Sammelsurium aus Elementen von Bullet For My Valentine, Dead By April, Breaking Benjamin, Sonic Syndicate, den früheren Nightrage und Sylosis.

Dementsprechend ähnlich detailliert und transparent demonstriert der Sechser sein neuestes Werk: „The Gift Of Life“
Gefinkelt, wuchtig und gut durchdacht ist der Appetithappen der hier im Verbund mit großer Technik (sowohl in Ton als auch in spielerischer Finesse) auf den ersten Blick guten Eindruck macht. Unterschiedlichste Stimmungslagen durch modernen Klargesang, beißende Shouts und typisches Deathcore-gegrowle (Gitarrist Fernando Di Cicco), stattliche Riffs - welche stets mit den teils skandinavisch, teils emolastigen Melodien stimmig sind -, im allgemeinen ohnehin gelungene Melodiebögen - welche die Sprungschere auch mal weiter Spannen - und last but not least: Eine amtlich knallende, anspruchsvolle, schnelle und gut durchdachte Rhythmik durch Drums und Bass. Unterstützend sorgt Tastenmann Rawi für die Flächen und lässt auch tüchtig Synthies oder mal ein Klavier rausspringen. Das ganze verschmilzt zu einem dynamischen Gesamtpacket, welches besonders durch Melodie und Groove besticht.

Das technische Know-how wirkt dementgegen leider zeitweise etwas zu hoch angepriesen und plustert gerne mal etwas zu überladen auf, sodass man über das Ziel hinaus schießt. Der positive Brennpunkt fokussiert sich auf die sehr gelungenen Arrangements der Stücke, welche Part für Part schöne Sprünge, flüssige Übergänge (aber auch schön vertrackte – gerne komplexe und komplizierte Breaks), effiziente (keinesfalls zu ausgelastete) wiederkehrende Phrasen und Überraschungsmomente für den Hörer bereithalten. Immer spannungsgeladen und wunderbar ausufernd gestaltet.
Die Atmosphäre wird stets emotional gehalten, springt aber schnell und bewusst gewollt in ein aggressiveres Umfeld um. Der depressiv klingende Teil verkitscht allerdings phasenweise, da eine starke Popschlagseite Einzug erhält. Hier kommt dann das gewisse Breaking Benjamin und Dead By April noch eher zum Vorschein.

So eröffnet direkt ein poppiges Flair das Album, bevor das besagte Stück (der Opener „Photographs“) mit saftigen Rhythmusgitarren losbrettert. Eine passende Wahl zum erstem Song, welcher unverzüglich den Inhalt des Albums repräsentieren kann und beinahe kennzeichnend für Dreamshade steht. „Your Voice“ vermag es dann auch noch eine Schippe draufzulegen und besonders der Refrain entfaltet sich als ein prachtvoller.
Ein Manko fällt dennoch ins Licht, welches im Laufe des Albums auch noch genauere Gestalt annimmt: Technisch und klanglich ist das Stimmliche optimal, dennoch ist die Häufigkeit der Verwendung und die (nicht immer atemberaubende) Gesangsmelodie in einem Dominanzmodus, welcher die Schönheit der Musik einmal zu oft verdeckt. Gerne würde ich mir „The Gift Of Life“ mal instrumental zu Ohren geben.
Dauerfall ist dies allerdings nicht. Besonders den bereits angesprochenen beiden Anfangsstücken, dem reißerischen Titeltrack „The Gift Of Life“ oder meinem persönlichen Favoriten „Consumed Future“ (neuerdings existiert hierzu auch ein Musikvideo) kann besagter Kritikpunkt nicht allzu viel anhaben, auch wenn für eine Besserung (auch eine deutliche) noch Platz ist.

Reden wir über den Rest des Rundlings muss ich verkünden dass sich bei mir Enttäuschung breit machte, allerdings nicht wegen fehlendem Niveau. Die Stücke im Einzelnen greifen im Grunde alle irgendwo, besonders eben oben genannte. Jedoch kann das Album als ganze Einheit nicht viel Überzeugung aufbringen. Die Arrangements sind gut, nur deren Muster in jedem Songs leider gleich oder gravierend ähnlich. Das Tempo ist auch ein festgelegtes und zieht sich beinahe durch die ganze Tracklist (Ausnahme: „Our Flame“). Im Endeffekt ist nicht jeder Song eine Steigerung in Qualität, indes nimmt dafür die Ähnlichkeit stetig zu. Auch die melodischen Inhalte, Harmonien und Akkordfolgen können nur im Einzelnen Song für Vielfalt sorgen. Beim Durchlauf realisiert man dann die Einseitigkeit da auffallend wenig im Kopf hängen bleibt und sich bereits nach Durchlauf Nummer zwei eine gewisse Langeweile, Monotonie und Gleichgültigkeit breit macht.

Im Endeffekt ein bekömmliches Werk, besonders für Szenekenner. Der Spagat zwischen den Stücken gleicht jedoch mehr einem „Beine zusammenpressen“. So verbleibe ich für das vollständige Musikpacket „The Gift Of Shade“ mit folgender Meinung: Mittelprächtig und schwer einprägsam, just im Moment des Hörens einzelner Stücke (und so beziehe ich meine positive Meinung auf diese) durchaus ein vollwertiger Genuss. Anhänger oben genannter Acts können zugreifen oder zumindest den Fingerzeig auf diese Langrille wahrnehmen und mal ein Ohr riskieren. Abschließend bleibt zu sagen dass „The Gift Of Shade“ motivierend frisch klingt und in Referenz zum Debüt „What Silence Hides“ ein erfolgreicher Schritt nach vorne ist.

13/20 Punkte


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