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sonaleu (Aarau)

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BBC Beyond Imagination - Pompeji: Der letzte Tag (Digipak)
BBC Beyond Imagination - Pompeji: Der letzte Tag (Digipak)
DVD ~ Peter Nicholson

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebendiges und korrektes Bild der Katastrophe, 29. April 2006
Eine sehr empfehlenswerte Filmdokumentation über die Zerstörung von Pompeji. Anhand von Skelettfunden und archäologischen Überresten wird das mögliche Schicksal einiger Menschen in der zerstörten Stadt rekonstruiert. Wie erlebten beispielsweise die Gladiatorenkämpfer in ihrer Kaserne den Untergang, wie die Frau des Leinenwalkers? Wie könnte es dem wohlhabenden Römer in seiner Villa ergangen sein? Auch die (historisch verbürgten) Rettungsbestrebungen von Plinius dem Älteren werden gezeigt. Natürlich können über die Stadtbewohner keine authentischen, historisch verbrieften Geschichten erzählt werden, dennoch wird uns der Untergang von Pompeji so gezeigt, wie er gewesen sein könnte. Insbesondere der Vulkanausbruch wird dank Computeranimation in seiner ganzen schrecklichen Tragweite erfassbar. Wie sah die kilometerlange Rauchwolke des Vulkans aus? Wie müssen sich die Menschen in Pompeji gefühlt haben, als es plötzlich, am hellen Tag, dunkel wurde? Was dachten sie sich, als es Bimssteine und anderes Gestein „regnete" und die Dächer unter der Last immer schwerer wurden? Der Film liefert hierauf glaubwürdige Antworten. Kostüme und Ausstattung wirken historisch korrekt. Die Spielszenen werden immer wieder durch eine Stimme aus dem Off kommentiert, immer wieder sehen wir auch die heutigen Überreste von Pompeji und Herkulaneum.

Die DVD enthält ausserdem Interviews mit dem Regisseur und der Kostümbildnerin, sowie einige schriftliche Angaben zu den Fakten des Ausbruchs.


Don Quijote
Don Quijote
von Miguel de Cervantes
  Gebundene Ausgabe

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Realität und der Idealist, 23. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Don Quijote (Gebundene Ausgabe)
Don Quijote, der spanische Junker, der zu viele Ritterbücher liest und sich schliesslich einbildet, selber ein fahrender Ritter zu sein, sieht die Welt auf seine Weise: eine heruntergekommene Schenke ist ihm eine stolze Burg, Windmühlen sind Riesen, die es zu bekämpfen gilt... Und wenn die Realität einmal allzu stark erscheint, erklärt sie der „Ritter von der traurigen Gestalt" kurzerhand zu einem eigentlichen Zerrbild, so ist etwa die hässliche, stinkende Bäuerin, die Quijote dennoch für seine angebetete Dame Dulcinea halten will, halt von bösen Zauberern verwandelt worden.Sein Schildknappe Sancho Pansa ist ein einfacher Bauer voller Einfalt und doch voller Schläue, der ein angenehmes Leben mit ausreichendem Essen liebt und der eine Fülle von Sprichworten kennt und sie zu meist unpassenden Anlässen aneinander reiht. Er reitet auf seinem Esel neben dem Ritter her, wundert sich über viele Eigenarten seines Herrn und bleibt ihm dennoch treu - nicht nur, weil er sich erhofft, durch seinen Herrn die Statthalterschaft über eine „Insul" erlangen zu können.So ziehen die beiden durch das Spanien des beginnenden 17. Jahrhunderts, wie Gestalten aus einer anderen, einer idealisierten Ritter-Märchenwelt in die sie selber aber auch nicht so ganz herein passen.Cervantes schildert sehr lebendig, so dass man selber so in den Sog des Geschehens zu geraten droht, wie Quijote in denjenigen seiner Ritterwelt. Th. Mann nannte diesen Roman „Meer von Erzählung" und man versteht, was er meint: auf über 1000 Seiten entwirft der Dichter ein Universum von Geschichten, viele Nebenerzählungen, gar eine eingeflochtene eigenständige Novelle bereichern den Roman. Gerade diese Nebengeschichten, diese scheinbaren Abschweifungen, die jedoch ständig auch das Geschehen um Qujiote selbst spiegeln, können ermüdend wirken. Insgesamt aber überwiegt bei mir der Eindruck einer grossartigen Leserfahrung.Allerdings: Wann endlich gibt es eine Neuübersetzung? Die hier vorliegende von Braunfels stammt aus dem 19. Jahrhundert! Auch die Anmerkungen stammen von Braunfels, wissen also noch nichts von neueren Deutungsansätzen des Quijote! Auf den in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgekommenen Deutungsansatz etwa, der den Roman (auch) als Geschichte eines neu (oder besser: zwangsbekehrten) Juden lesen will und der vielerlei Anspielungen auf die jüdisch-religiöse Literatur im Quijote zu erkennen glaubt, kann in den Anmerkungen von Braunfels natürlich nicht Bezug genommen werden und auch im informativen Nachwort des schon längst verstorbenen Germanisten Martini, der sich auf eine für heutige Leser und Leserinnen (!) doch seltsam anmutende Art über die „stolze Ehre einer männlich starken Seele" des Qujiote ergeht, fehlen natürlich Hinweise auf solch „neuere" Deutungsansätze. Also: Cervantes Text fasziniert noch heute - jetzt her mit einer zeitgemässen Übersetzung, mit zeitgemässen Anmerkungen und einem wirklich auf neuestem Stand stehenden Nachwort!


Don Quijote: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha Roman
Don Quijote: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha Roman
von Miguel de Cervantes Saavedra
  Taschenbuch

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grossartiges Buch - aber wo bitte bleibt die Neuübersetzung?, 5. April 2006
Don Quijote, der spanische Junker, der zu viele Ritterbücher liest und sich schliesslich einbildet, selber ein fahrender Ritter zu sein, sieht die Welt auf seine Weise: eine heruntergekommene Schenke ist ihm eine stolze Burg, Windmühlen sind Riesen, die es zu bekämpfen gilt... Und wenn die Realität einmal allzu stark erscheint, erklärt sie der „Ritter von der traurigen Gestalt" kurzerhand zu einem eigentlichen Zerrbild, so ist etwa die hässliche, stinkende Bäuerin, die Quijote dennoch für seine angebetete Dame Dulcinea halten will, halt von bösen Zauberern verwandelt worden.
Sein Schildknappe Sancho Pansa ist ein einfacher Bauer voller Einfalt und doch voller Schläue, der ein angenehmes Leben mit ausreichendem Essen liebt und der eine Fülle von Sprichworten kennt und sie zu meist unpassenden Anlässen aneinander reiht. Er reitet auf seinem Esel neben dem Ritter her, wundert sich über viele Eigenarten seines Herrn und bleibt ihm dennoch treu - nicht nur, weil er sich erhofft, durch seinen Herrn die Statthalterschaft über eine „Insul" erlangen zu können.
So ziehen die beiden durch das Spanien des beginnenden 17. Jahrhunderts, wie Gestalten aus einer anderen, einer idealisierten Ritter-Märchenwelt in die sie selber aber auch nicht so ganz herein passen.
Cervantes schildert sehr lebendig, so dass man selber so in den Sog des Geschehens zu geraten droht, wie Quijote in denjenigen seiner Ritterwelt. Th. Mann nannte diesen Roman „Meer von Erzählung" und man versteht, was er meint: auf über 1000 Seiten entwirft der Dichter ein Universum von Geschichten, viele Nebenerzählungen, gar eine eingeflochtene eigenständige Novelle bereichern den Roman. Gerade diese Nebengeschichten, diese scheinbaren Abschweifungen, die jedoch ständig auch das Geschehen um Qujiote selbst spiegeln, können ermüdend wirken. Insgesamt aber überwiegt bei mir der Eindruck einer grossartigen Leserfahrung.
Allerdings: Wann endlich gibt es eine Neuübersetzung? Die hier vorliegende von Braunfels stammt aus dem 19. Jahrhundert! Auch die Anmerkungen stammen von Braunfels, wissen also noch nichts von neueren Deutungsansätzen des Quijote! Auf den in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgekommenen Deutungsansatz etwa, der den Roman (auch) als Geschichte eines neu (oder besser: zwangsbekehrten) Juden lesen will und der vielerlei Anspielungen auf die jüdisch-religiöse Literatur im Quijote zu erkennen glaubt, kann in den Anmerkungen von Braunfels natürlich nicht Bezug genommen werden und auch im informativen Nachwort des schon längst verstorbenen Germanisten Martini, der sich auf eine für heutige Leser und Leserinnen (!) doch seltsam anmutende Art über die „stolze Ehre einer männlich starken Seele" des Qujiote ergeht, fehlen natürlich Hinweise auf solch „neuere" Deutungsansätze.
Also: Cervantes Text fasziniert noch heute - jetzt her mit einer zeitgemässen Übersetzung, mit zeitgemässen Anmerkungen und einem wirklich auf neuestem Stand stehenden Nachwort!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 16, 2012 1:15 AM CET


Der Freund und der Fremde
Der Freund und der Fremde
von Uwe Timm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fremder und Freund, 1. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Freund und der Fremde (Gebundene Ausgabe)
Benno Ohnesorg – das Bild des 1967 auf einer Demonstration in Berlin erschossenen Studenten wurde zur Ikone der 68er Bewegung. Uwe Timm hatte Ohnesorg sieben Jahre vorher gekennen gelernt, gemeinsam mit ihm das Abitur nachgeholt. Timm, oder genauer gesagt der namenlose Ich-Erzähler, fasst bald nach dem Tod des Freundes den Plan, über ihn zu schreiben. Das Vorhaben misslingt. „Es blieb aber der Vorsatz, mehr noch, die Verpflichtung, über ihn zu schreiben. Ein Erzählen, das nur gelingen konnte – und diese Einsicht musste erst wachsen -, wenn ich auch über mich erzählte.“ So macht sich der Ich-Erzähler nun daran, sich an die gemeinsame Zeit zu erinnern, erzählt uns einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte, versucht, zu ergründen, wer der früh verstorbene Freund war, sucht dazu auch das Gespräch mit dessen Bekannten und Verwandten.
Das Buch ist nicht in Kapitel, sondern in längere und kürzere Abschnitte geteilt, erzählt wird nicht chronologisch, sondern sprunghaft, assoziativ, so wie auch ein Erinnerungsprozess abläuft.
Was schliesslich entsteht, ist einerseits der sensible Versuch einer Annäherung an den toten Freund, andererseits das sehr dichte Bild einer Epoche: – eine Gesellschaft, deren Eliten vielfach zu Demokraten gewandelte Nazis sind, deren junge Generation sich an das Hinterfragen überkommener Werte und Strukturen macht, an „die Abgrenzung von all dem, was Konvention war, die Infragestellung der grossen Gefühle und Tugenden: Nation, Familie, Heimat, Pflicht...“ - beinflusst durch die Lektüre von Camus und anderer Existentialisten.
Timm erzählt die Geschichte einer Freundschaft. „Der Fremde und der Freund“ – ist hier gemeint, dass der Freund gleichzeitig ein Fremder war? Wer war Benno Ohnesorg? Weder dem Ich-Erzähler noch dem Leser bietet sich schliesslich ein kohärentes Bild dieser Person. Ein solches könnte auch nur Illusion sein. Immerhin erahnt man nach der Lektüre den Menschen hinter der Ikone.
Im Titel zeigt sich aber auch das Eingeständnis, den Freund allein gelassen, sich ihm gegenüber wie ein Fremder verhalten zu haben. Wie der Titelheld im gemeinsam mit dem Freund gelesenen „Der Fremde“ von Camus, erstrebte der Ich-Erzähler die „Verweigerung von jeglicher Bindung im Privaten, im Kollektiv... Distanz vor jeder Festlegung.“ Es ist dieses Bestreben, das schliesslich dazu führt, dass der Ich-Erzähler nach dem Abitur nicht wie geplant mit dem Freund zum Studium nach Berlin fährt, sondern ohne ihn in München an die Uni geht, ihn nie wieder sieht. Jahre später erfährt er, dass der Freund ihm deshalb böse gewesen ist. „Eine Nachricht, die mich verstörte und mit ein Grund war, über ihn, über uns zu schreiben.“
Erst der Tod des Freundes bringt den Ich-Erzähler und mit ihm wohl einen grossen Teil seiner Generation dazu, die Haltung der Bindungslosigkeit, des sich Verweigerns, aufzugeben, zur politischen Aktion zu schreiten, Verantwortung zu übernehmen. Die persönliche Geschichte des Ich-Erzählers wird hier auch zur allgemeinen, zu derjenigen einer ganzen Generation.
Und dennoch gelingt Timm ein sehr persönliches Buch, das auch nach dem Lesen nicht loslässt, nachdenklich stimmt. Es bleibt das Gefühl, Wesentliches über das Lebensgefühl der jungen Menschen der 60er Jahre erfahren zu haben und gleichzeitig einen intimen persönlichen Erinnerungsbericht gelesen zu haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 9, 2009 9:49 PM CET


Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte
Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte
von Georg Schwaiger
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur Strukturgeschichte, keine Hintergründe - enttäuschend, 30. Januar 2006
Ein kurzer Überblick über die Geschichte der christlichen Orden und Klöster, verfasst von zwei Autoren, beides Fachleute für Kirchengeschichte. Als erste Einführung vielleicht aussreichend, allerdings werden die Leser häufig einfach mit Zahlen und Daten konfrontiert, ohne wirklich über Hintergründe und theologische Anliegen der Klöstergründer und –reformatoren informiert zu werden. Hierzu ein Beispiel: Man erfährt, dass in Benediktinerabteien Deutschlands im späten Mittlelalter drei Erneuerungsbewegungen grössere Bedeutung erlangt haben, dann wird aufgezählt, wie viele Klöster davon erfasst wurden. Was aber Ziele und Anliegen dieser Erneuerungsbewegungen waren, erfährt man nicht.
Positiv hervorzuheben ist einzig, dass wirklich ein Überblick über die strukturelle Entwicklung von Orden und Klöstern, von den Anfängen im Orient bis in die Gegenwart, gegeben wird.


Einladung ins Mittelalter
Einladung ins Mittelalter
von Horst Fuhrmann
  Taschenbuch

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einladung für Bildungsbürger - keine Einführung!, 30. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Einladung ins Mittelalter (Taschenbuch)
Dieser Band enthält viele aus verschiedensten Anlässen entstandene und hier nochmals überarbeitete Artikel des Mediävisten Horst Fuhrmann. Manche sind erstmals in der Zeitschrift „Damals“ abgedruckt, manche in „Geschichte, Wissenschaft und Unterricht“ etc. Ein alles zusammenbringeder „roter Faden“ ist in diesem Buch nicht auszumachen und dies liegt auch nicht in der Absicht Fuhrmanns, denn „das Bunte und das Zufällige seien ... Wesenausdruck jener Zeit“. Die Beiträge richten sich ausdrücklich nicht an Fachleute. Wer aber nicht ein gewisses Mass an Allgemeinbildung mitbringt, dem wird Fuhrmanns „Einladung“ nichts bringen, sie richtet sich unausgesprochen an die Spezies der „Bildungsbürger“.
Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Der erste befasst sich mit „Lebenssicht und Lebensweise“ des Mittelalters und gibt einen interessanten, lesenswerten Überblick über die Mentalitäten des Mittelalters. Wer aber vor allem Alltagsgeschichte erwartet, wird hier kaum auf seine Kosten kommen, Fragen, wie „Was assen die Bauern im Mittelalter?“ etc. interessieren Fuhrmann nicht explixit, werden allenfalls gestreift.
Im nächsten Teil werden „Grosse der Zeit“ vorgestellt: Karl der Grosse, Greogor VII. und Heinrich der Löwe.
Das folgende Kapitel befasst sich ausschliesslich mit dem Papsttum und mag in seiner Ausführlichkeit wirklich ermüdend wirken. Die Frage zum Beispiel, was unter einem ökumenischen Konzil verstanden werden kann, mag in den 60er Jahren interessant gewesen sein, heutigen Lesern liegt sie eher fern. Im vierten Kapitel widmet sich Fuhrmann den im Mittelalter weitverbreiteten Fälschungen und versucht aufzuzeigen, dass das Mittelalter eine andere Auffassung von Wahrheit und Beweiskraft von Dokumenten hatte. Dies alles wird interessant ausgeführt und die tiefe Fachkenntnis des Autors überzeugt. Allerdings bleibt auch hier die Frage, ob ein „Laie“, der sich von Fuhrmann erstmals ins Mittelalter einladen lassen möchte, gerade an diesem Fragenkomplex Interesse zeigen wird. Das letzte Kapitel schliesslich heisst „Freude, Wissen, Neugier: Begegnungen mit dem mitttelalterlichen Anderssein“: hier beschäftigt sich der Autor mit den Fragen, was „Jubeln“ ursprünglich bedeutete, ob ein Nichtjurist Rechtsgeschichte treiben dürfe und woher das Interesse der heutigen Zeit am Mittelalter komme. Auch hier gilt wieder: sehr spezielle Fragen, die von Fuhrmann nicht uninteressant beantwortet werden, die allerdings für eine Einführung nur bedingt geeignet sein mögen.
Fazit: Da mir das Mittelalter nicht gänzlich fremd ist, habe ich Fuhrmanns Buch trotz einiger Längen gern und mit Gewinn gelesen. Als Einführung in die Epoche kann nicht es aber nicht empfehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2009 3:10 PM MEST


Mein Studium ferner Welten
Mein Studium ferner Welten
von Alex Capus
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intelligente Unterhaltung - Die Welten der Provinz, 21. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Mein Studium ferner Welten (Taschenbuch)
Fern sind die Welten, die der Erzähler dieses Buches studiert, auf den ersten Blick nun gerade nicht. Alle Protagonisten dieses in vierzehn Erzählungen aufgeteilten Romans sind Bewohner derselben schweizerischen Kleinstadt und der einzige, dem es – für eine Weile wenigstens – gelingt, der Provinz zu entfliehen, ist Johnny Türler, der Sohn des Konditormeisters, der bereits als Gymnasiast der Enge entkommt und zur See fährt, den es aber doch zurück verschlägt in die Heimat, in die er nie mehr ganz hinein passt und zu der er doch auch gehört. Zwei Erzählungen um Türler rahmen das Buch ein, dazwischen erfahren wir vom Schicksal anderer Stadtbewohner, zum Beispiel von Max, der mit Johnny am Gymnasium war, seine Jugendliebe Ingrid geheiratet hat und nun von ihr betrogen wird. Wir lernen auch Max‘ Tante kennen, eine Anfangs-Sechzigerin, die sich das Jungsein zum Lebenszweck gemacht hat, sehen ihn seinen schon lange im Koma liegenden Grossvater besuchen, wir hören die Lebensgeschichte von Max‘ alter Nachbarin Alice, die sich mit vielen Männern trifft und doch nie die Liebe erlebt hat... – diese und viele andere Personen und ihre Lebensgeschichten, ihre Welten werden dem Leser vorgestellt.
Ingrid sagt zu Max: „Bei dir wird alles eine Geschichte... Wenn man dir deine Geschichten wegnähme, wäre gar nichts mehr da. Du wärst leer...“. Der Teufel aber, der in diesem Panoptikum schweizerischen Kleinstadtlebens nicht fehlen darf, sagt Max auf den Kopf weg zu, was er eigentlich möchte: „Sie wollen Sinn.“
Geschichten über Menschen auf der Suche nach Sinn oder Glück, Geschichten über Menschen, die sich ihr Leben eingerichtet haben oder einzurichten versuchen – das ist es, was uns das „Studium ferner Welten“ zeigt.
Das Buch liest sich leicht, es ist auf intelligente Art humorvoll und unterhaltsam. Nachhaltigen Tiefgang hat es wohl nicht, es gehört nicht zu den Büchern, die einem nicht mehr aus dem Sinn gehen. Allerdings erzeugt es Lust, sich selber einmal im „Studium ferner Welten“ zu versuchen. Welche Geschichten finden sich wohl in meiner Umgebung?


Die Kreuzzüge
Die Kreuzzüge
von Peter Thorau
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informativer Überblick, 4. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Kreuzzüge (Taschenbuch)
Ein guter kurzer Überblick über die Geschichte der Kreuzzüge. Thorau setzt einen Schwerpunkt beim ersten und für die Kreuzfahrer „erfolgreichsten“ Kreuzzug, der sich auch, wegen der gewaltsamen Einnahme Jerusalems im Jahre 1099, tief ins kollektive Gedächtnis der islamischen Welt eingeschrieben hat.
Thorau macht in einem ersten Kapitel mit der islamischen Welt „bis zum Vorabend der Kreuzzüge“ vertraut, schildert dann, in einem kurzen „Scharnierkapitel“, wie es zum Aufruf zum ersten Kreuzzug kam. Dabei wird auch die Rolle des byzanthinischen Reiches klar. Warum der Kreuzzugsgedanke einen solchen, für die Urheber nicht voraus zu sehenden Widerhall fand, wird uns im nächsten Kapitel sehr kurz und einleuchtend aufgezeigt, in einem nächsten die Geschichte des Volkskreuzzuges und des eigentlichen „Ritterkreuzzuges“. Getreu der Absicht, uns auch die Sicht der islamischen Seite zu zeigen, steht dann auch der Umgang der islamischen Staaten mit ihren christlichen Nachbarn in den neuenstanden Kreuzfahrerstaaten im Zentrum. So wird zum Beispiel deutlich gemacht, welche Rolle die Instrumentalisierung des Dschihad-Gedankens bereits zur Zeit der Kreuzzüge spielte. Allerdings geht Thorau sonst nicht sehr auf ideen- oder religionsgeschichtliche Aspekte ein, was für ein Buch über dieses Thema doch wünschenswert wäre.
Thoraus Darstellung endet mit dem Fall von Akkon, 1291, deckt also die gesamte unrühmliche 200 Jährige Geschichte der Kreuzzüge ab.
Alles in allem: wir lernen die Geschichte der Kreuzzüge aus verschiedenen Blickwinkeln kennen, der Autor setzt sich zudem mit der Forschungsliteratur auseinander, zwei Karten auf den Innenseiten der Buchdeckel und einige gut gewählte Illustrationen machen das Ausgeführte deutlicher. Thoraus Stil ist flüssig und gut lesbar.


Kultur und Kulturwissenschaft: Eine Einführung (Uni-Taschenbücher S)
Kultur und Kulturwissenschaft: Eine Einführung (Uni-Taschenbücher S)
von Klaus P Hansen
  Taschenbuch

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anschaulich, lesenswert, aber für sich allein nicht genügend, 4. Januar 2006
Für den Passauer Kulturwissenschafter und Anglisten Klaus P. Hansen umfasst das Phänomen Kultur drei Faktoren: Standartisierung, Kommunikation und Kollektivität. Um den Lesern diese recht einfache Definition des Kulturbegriffs eingängig und überzeugend darzulegen, stellt uns Hansen Standartisierungen der Kommunikation, des Denkens, Empfindens und Verhaltens dar. Er beginnt dabei didaktisch einleuchtend bei Null und zeigt uns zunächst an einem Beispiel auf, wie Standartisierungen unsere Erkenntnis prägen: Die ausseriridischen Wissenschafter vom Planeten Alterius, die zur Erforschung der Menschen ausgerechnet im Winter in einem Engadiner Skigebiet landen, auf ihrem Heimatplaneten nur eine zweckgebundene Form der Bewegung kennen und denen die Fähigkeit zu dieser Bewegung ausserdem bereits angeboren ist, werden in der Tat bereits bei ihren Beobachtungen und später auch bei der Deutung von Snowboardern und Skifahrern von ihren andersartigen Standartisierungen so geprägt sein, dass ihre „Forschungsergebnisse“ uns mitteleuropäischen, wintersportbeflissenen Menschen nur sehr „strange“ erscheinen können.
In einem weiteren Kapitel befasst sich Hansen mit dem Verhältnis Individuum und Kollektivität, das er wiederum an einem eingängigen Beispiel – verschiedene Deutsche treffen sich im „Mono-Kollektiv“ Tennisclub – darstellt. Der Rheinländische Manager, der Passauer Schreiner, die reiche Ärztin und die links-grüne Romanistin, alle Mitglieder desselben Tennisclubs, gehören zudem alle dem „Super-Kollektiv“ „Deutsche“ an: Was verbindet sie, was trennt sie? Was hält bei aller Unterschiedlichkeit, aller Individualität der Mitglieder Kollektive zusammen?
Hansen lässt nun ein Kapitel über die Taxionomie des Kulturbegriffs folgen, wobei der Autor, auch hier wieder bei Null beginnend, auch gleich erklärt, was eine Taxionomie ist („modellhafte Ordnungsstiftung, mit deren Hilfe man ein unübersichtliches Feld in den (Be)griff bekommt“). In einem guten historisch fundierten Abriss stellt der dann die Debatten über die Gegenständlichkeit, die Kohärenz und die Funktion von Kultur dar, nimmt dabei Bezug auf so unterschiedliche Ansätze wie diejenigen des Idealisten Hegels, des Materialisten Marx um dann selbstverständlich auf neuere Ansätze wie diejenigen von Clifford Geertz oder Marshall Shalins zu kommen. Immer wieder warnt Hansen in diesem Kapitel davor, Kultur in einer meist metaphysischen Sichtweise als etwas „Ganzes“, Kohärentes zu betrachten: „Kultur ... ist nicht das grosse Ganze, zu dem man ehrfürchtig aufblickt.“
Informativ ist das nächste Kapitel über „Interkulturalität“, das die Schwierigkeiten des sogen. „Fremdverstehens“ in den Vordergrund rückt. Hier geht Hansen noch einmal auf verschiedene Ansätze (psychoanalytisch, hermeneutisch etc.) ein, um dann den Begriff „Interkulturalität“ durch „Interkollektivität“ zu ersetzen: „Es liegt in der Natur eines jeden Kollektivs, dass es sich abgrenzt, ein positives Selbstverständnis bereitstellt und sich von rivalisierenden kollektiven mit Hilfe vorgestanzter Abwertungen distanziert.“
Ein abschliessendes kurzes Kapitel geht noch der Frage nach, inwieweit der Kulturbegriff und kulturwissenschaftliche Fragestellungen das Selbstverständnis der einzelnen Wissenschaften beeinflusst haben.
Insgesamt: sicherlich eine lesenswerte Einführung, eine, die sich leicht liest und von grosser Anschaulichkeit ist. Allerdings: 392 anschauliche Seiten, ein nur geringes Ergebnis (Kultur = Standartisierungen in Kollektiven)...
Die Lektüre einer weiteren Einführung ist empfehlenswert, etwa die „Orientierung Kulturwissenschaft“ von Böhme, Matussek und Müller.


Der goldne Topf: Ein Märchen aus der neuen Zeit (Suhrkamp BasisBibliothek)
Der goldne Topf: Ein Märchen aus der neuen Zeit (Suhrkamp BasisBibliothek)
von E. T. A. Hoffmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,00

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romantische Anderswelt oder Wahnsinn?, 3. Dezember 2005
„Ein Märchen aus der neuen Zeit“ so nennt E. T. A. Hoffmann seinen „Goldenen Topf“ selber, als einen Abgesang auf die Romantik bezeichnen einige Forscher den Text.
Worum geht es in dem 1814 entstandenen Werk?
Am Himmelfahrtstag hat der Dresdner Student Anselmus ein einschneidenes Erlebnis: Unter einem Holunderbaum begegnen ihm drei geheimnisvolle goldene, sprechende Schlangen, deren eine ihn so für sich einnimmt, dass er sie nicht mehr vergessen kann. Der durch dieses Erlebnis Verstörte wird von Passanten für betrunken gehalten. Durch seine Freunde, den Konrektor Paulmann, dessen Tochter Veronika sich in Anselmus verliebt, und Registrator Heerbrand wird ihm eine Stelle als Kopist beim Archivarius Lindhorst vermittelt. In dessen mit wundersamen Pflanzen und Möbeln ausgestattetem Haus begegnet er auch den Schlangen wieder, diese entpuppen sich als Lindhorst Töchter, der selber ein verzauberter Salamander ist. Anselmus liebt von nun an Serpentina, die eine dieser Schlangen-Töchter. Durch den Zauber der alten Liese, einer Magierin, gelingt es Veronika fast, Anselmus doch noch für sich zu gewinnen, schliesslich aber findet Anselmus zu seiner Serpentina, wird Lindhorsts Schwiegersohn und lebt von nun an als Dichter „in höchster Seligkeit“ im Lande Atlantis.
Ein schönes Märchen über die Dichtkunst, die alle Konvention besiegt und den Menschen zu einem höheren Dasein veredelt? Vielleicht. Auch der Schlusssatz spricht dafür: „Ist denn überhaupt des Anselmus Seligkeit etwas anderes als das Leben in der Poesie, der sich der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur offenbaret?“ – Also Romantik pur? – Man kann den Text so verstehen. Aber er lässt immer auch eine andere Lesart zu: Ist Anselmus nicht einfach geisteskrank und vereinsamt mehr und mehr in seinen Wahnvorstellungen und bringt sich schliesslich um? Der Text gibt auch dafür zahlreiche Hinweise – so hält Anselmus zum Beispiel das Widerspiegeln eines Feuerwerks im Wasser für das Leuchten seiner goldenen Schlangen und findet nur unter Mühen in die Realität zurück.
Liest man den Text so, dann kann man ihn wahrlich als einen Abgesang auf die romantisch Weltauffassung bezeichnen. Gerade die Tatsache aber, dass der Text beide Lesarten zulässt und dass dennoch nicht beide ganz restlos „aufgehen“, macht die Qualität des „Goldenen Topfes“ aus. Die Frage: Romantische Anderswelt (Atlantis) oder Vereinsamung eines Wahnsinnigen? muss vom Leser selbst beantwortet werden.Und während er die Antwort sucht, erfährt er unter Umständen sehr viel über sich selber und seine Weltsicht...
Zur vorliegenden Ausgabe der Suhrkamp BasisBibliothek: Nach gewohnter Art finden sich hilfreiche Worterklärungen gleich am Rand des Textes, am Ende des Buches dann etwas weiterführende Wort- und Sacherläuterungen, die hier etwas gar ins biographische Detail gehen.
Im Kommentarteil finden sich im weiteren noch eine Zeittafel zu Hoffmanns Leben, rund drei Seiten Ausführungen zur Entstehungs- und Textgeschichte, ein interessantes, knapp vierseitiges Kapitel zu möglichen Quellentexten, vier Seiten zur Erzählstrategie, drei Seiten zur Wirkungsgeschichte und schliesslich ein rund sechs seitiger Abriss zur Forschungsgeschichte. Auf so kurzem Raum kann vieles nur angetönt werden und der Kommentarteil macht wirklich Lust darauf, sich noch weiter in die Fachliteratur zu vertiefen. Dabei helfen die Literaturhinweise, die jüngsten darin aufgelisteten Werke der Sekundärliteratur datieren von der Mitte der 90er Jahre.
Insgesamt: ein grossartiges Werk in guter Aufmachung!


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