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Rezensionen verfasst von
Heinz Herbert "HMcM" (Catalköy, Nordzypern)

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Lebendiger Buddhismus im Abendland
Lebendiger Buddhismus im Abendland
von Anagarika Govinda
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen BEEINDRUCKENDES WERK EINES VERMITTLERS ZWISCHEN DEN WELTEN, 2. September 2008
Dieser Autor war eine zeitgenössische Lichtgestalt des lebendigen Buddhismus. Als Deutscher von der breiten Bevölkerung bis zum heutigen Tage sicher nicht wahrgenommen (17.5.1898 in Waldheim/Sachsen als Ernst Lothar Hoffmann geboren) verstarb er 1985 in Mill Valley, Kalifornien/USA, nach einem offensichtlich ausgefüllten Leben als buddhistischer Philosoph, Lehrer und Künstler.
Nach Beendigung seines Philosphiestudiums in Freiburg im Breisgau 1928 fuhr er nach Ceylon, um Mönch zu werden. Zuvor hatte er Pali erlernt und mit Meditationen begonnen. Er legte bereits im ersten Jahr seiner Reise die Gelübde als Brahmacari ab und wurde Schüler von Nyanatiloka Thera.
Der tibetische Guru Tomo Geshe Rinpoche führt ihn 1931 in die Tradition des Mahayana und Vajrayana ein; es folgte das Studium der tibetischen Sprache.
Er arbeitete in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts für diverse buddhistische Einrichtungen, und es war bereits damals klar zu erkennen, dass er seine Lebensaufgabe darin sah, eine Brücke von Ost nach West zu schlagen.
Forschungs- und Pilgerreisen quer durch Tibet folgten. 1952 gründete er einen westlichen Zweig des Arya Maitreya Mandala, 1960 bis 1978 folgten Vortragsreisen in Deutschland und Europa, USA, Japan, Malaysia, Philippinen, Canada, Mexiko, Süd-Afrika, Südostasien, Hawaii. 1978 nimmt er dann seinen Wohnsitz in den USA. Neben seinen weniger bekannten Zeichnungen und Gemälden, die er von 1934 in Calcutta bis 1996 in Konstanz in diversen Ausstellungen vorstellte, tritt er literarisch sehr nachhaltig und prägend mit über fünfzehn Werken in das Bewusstsein der buddhistisch interessierten Welt (1. Buch: DIE GRUNDGEDANKEN DES BUDDHISMUS - Leipzig 1920 und letzte Veröffentlichung 1986: LEBENDIGER BUDDHISMUS IM ABENDLAND)

Man verzeihe mir meine profane Einschätzung des Autoren: DER SCHREIBT WIE EIN DEUTSCHER, als ich das erste Buch von ihm las, zu einer Zeit, in der mir weder der Name dieses Menschen etwas sagte, noch für mich der Begriff BUDDHISMUS viel mehr war als ein Wort. Und so darf ich sagen, dass Lama Anagarika Govinda einer zu denjenigen wurde, die mir mein heutiges, wenngleich bescheidenes, Verständnis des Buddhismus vermittelten.

Eine lange Einführung zu diesem LETZTEN seiner Werke, zu dem man so viel dem Unverständigen sagen könnte, um ihn weiter zu interessieren und so wenig dem sagen muss, der über ein gewisses Erkennen verfügt. Ein letztes, sicherlich auch zusammenfassendes Werk, in dem dieser geborene Lehrer nochmals seine These vertritt und belegt, dass die in anderen Kulturen gewachsenen Praktiken nicht einfach von dem ABENDLÄNDLER übernommen werden müssen, sondern, dass der westliche Mensch sich eine eigene Ausprägung buddhistischer Lehren entwickeln und eine meditative Praxis seinem modernen westlichen Leben anpassen sollte.

Das Buch hat - wie alle Werke des Autoren zuvor - natürlich nichts mit GLAUBEN in westlichem Sprachverständnis zu tun, denn im Buddhismus gibt es nichts zu glauben, auch wenn andere gerne meinen, den Buddhismus in die Nähe eines Glaubens oder eines Glaubensmodells rücken zu müssen. Nach meinem Verstehen gibt es folglich letztendlich auch keine buddhistische Gläubige, wie auch keine ernsthaft zu nennende buddhistisch geprägte Äußerung einen dazu verleiten möchte, an etwas zu GLAUBEN.
Also: Lesen, den Inhalt aufnehmen und sich eine eigene Meinung bilden. Sehr zu empfehlen. HMcM


Schrot statt Schrott: 365 mal Frischkorn zum vollwertigen Frühstück
Schrot statt Schrott: 365 mal Frischkorn zum vollwertigen Frühstück
von Ute-Marion Wilkesmann
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ENDLICH EIN BUCH FÜR VOLLWERT-FRÜHSTÜCKFANS., 29. August 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unfasslich für mich - und doch gibt es noch so etwas auf dem Sachbuchmarkt: Eine ungefakete Dokumentation der Autorin, über einen Zeitraum von 365 Tagen - und Ute-Marion Wilkesmann ist für Vollwertfreaks längst eine bekannte Größe.
Das bedeutet über ein Jahr hinweg, jeden Tag eine andere, vollwertige Frühstücksvariation auf den Tisch zu bringen und dabei die Herstellung akribisch genau zu dokumentieren. Dadurch kann aber auch jeder exakt die entsprechenden Gerichte zum Tagesanfang nacharbeiten, ach, was sage ich: nachgenießen.
ALLEINE DER TITEL FÜR SICH IST KNUFFIG und wie aus dem Prolog zu entnehmen, bedauert Testesser Eric Mark Charlton dann auch sehr nachhaltig, dass dieses Buch produziert ist, denn noch nie zuvor in seinem Leben durfte er jeden Morgen eine andere leckergesunde Frühstücksvariante probieren.
Die Autorin rechnet nicht damit, dass jeder, der dieses Buch in die Hand nimmt, mit den Begriffen der vollwertigen Ernährung vertraut ist. Deshalb führt sie ihre Leserschaft mit Hilfe der DR. BRUKER'SCHEN vier JA'S und den vier NEIN'S, mit denen sich Vollwertkost beschreiben lässt, an die Sache heran.
Wichtig erscheint es der Autorin in der Einführung zum Buch, nochmals ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass sie, genau über die Zeitdauer eines Jahres, sämtliche angeführten Frühstücke selbst hergestellt und protokolliert hat. Folglich sind identische Arbeitsvorgänge möglicherweise auch einmal anders beschrieben und sie schreibt, dass - egal welche gelegentlich notwendigen Geräte von ihr benutzt wurden - die üblichen, in jedem Haushalt normalerweise vorhandenen Hilfsgeräte, benutzt werden können, ohne, dass etwas auch nur ein paar Sekunden länger dauert.
Sehr informativ und hilfreich sind auch die jedem Frühstück vorangestellten Übersichtstabellen. Dort sind die jeweils wichtigen Angaben auf einen Blick zusammengefasst, bezüglich Geschmacksrichtung (z.B. süß oder herzhaft) , roh, vegan, Gerätenutzung, Schrot, Personenzahl, für die das Gericht in den dann angeführten Mengen gedacht ist, usw.
Ausführlich wird auf die häufig verwendeten ZUTATEN verwiesen und wie die gebraucht wurden; alles ergänzt durch eine AUSTAUSCHTABELLE, die eben das anführt, was man ersatzweise verwenden kann, wenn vielleicht einmal die eine oder andere der angeführten Zutaten nicht zur Hand sein sollte - wer macht sich sonst diese Mühe? Wichtig erscheint mir auch die Anmerkung, dass es sich bei den von ihr angeführten Zutaten nicht etwa um irgendwelche exotischen Produkte handelt. Das alles sind Lebensmittel, die Jedermann überall im deutschen Handel erstehen kann.

Jedes Rezept ist auch durch eine entsprechende schwarz-weiß oder Farbfotografien des fertigen Frühstücks ergänzt und dokumentiert.
Auf Seite 237 ff findet der faszinierte Leser, nach dieser grandiosen Auswahl an Frühstücken, noch die Abteilung BEGRIFFE, ERKLÄRUNGEN UND HINWEISE, gefolgt von einer alphabetischen Auflistung der Rezepte mit Seitenangaben und schließlich auch noch ein paar Worten über die Autorin, der man das damit verbundene Glück ansieht, sich irgendwann einmal zur Vollwertkost entschlossen zu haben.

Eine dicke Empfehlung für dieses Sachbuch. Wer da nichts findet ist selbst dran schuld. Und: Hut ab, auch vor dem unglaublichen Aufwand, den die Autorin, im Gegensatz zu manch anderen Sachbuchautoren in diesem Genre, nicht scheute. HMcM


Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod
Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod
von Sogyal
  Gebundene Ausgabe

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch für Jedermann, 1. August 2008
Dieses hochinteressante Buch behandelt aus zeitgenössischer, tibetisch-buddhistischer Sicht den Umgang mit dem Tod, und es hilft Menschen im Hier und Jetzt, Hinterbliebenen, natürlich insbesondere auch den Sterbenden, den Tod anzunehmen.
Ein Thema, meist gemieden, dem sich jeder irgendwann einmal stellen muss, ob er will oder nicht. Und so sagt in dem beachtlichen Vorwort auch der Dalai Lama: WIR KÖNNEN IHN (DEN TOD) ENTWEDER IGNORIEREN, ODER WIR KÖNNEN UNS DER AUSSICHT AUF UNSEREN EIGENEN TOD STELLEN UND BEGINNEN - INDEM WIR UNS EINGEHEND MIT IHM BEFASSEN - DAS LEIDEN, DAS ER UNS BRINGEN KANN; ZU VERMINDERN. WIR KÖNNEN IHN ABER IN KEINEM FALLE UMGEHEN."

Sogyal Rinpoche war Schüler des Meisters Jamyang Khyentse, und was ihn besonders beeindruckte war, nach seinen Worten, dessen offensichtliche Liebe die er in der Gemeinschaft ausstrahlte und seine ganz besondere Fürsorge für die Sterbenden und die Verstorbenen. In Tibet war und ist ein Lama - soweit es die chinesischen Besatzer zulassen - bis zum heutigen Tag nicht nur spiritueller Lehrer, sondern auch Gelehrter, Therapeut, Arzt und spiritueller Heiler. In diesem faszinierenden Buch berichtet der Autor über seine Arbeit sowie den Erkenntnissen des Buddhismus in Bezug auf Leben und Tod, und das in einer Weise, die diese Thematik jedem nahebringt, gleich welch atheistischer oder religiöser Vorstellungen er folgen mag.
Das Buch ist unterteilt in vier Abschnitte: LEBEN - STERBEN - TOD UND WIEDERGEBURT - SCHLUSSBETRACHTUNGEN, gefolgt von einem ebenso spannenden Teil im Anhang über die Lehrer des Autoren, Fragen zum Tod, zwei kleinen Geschichten und zwei Mantras, sonstigen Anmerkungen, Literaturempfehlungen, einiges über den Autoren und einem Personen- und Sachregister.

Am Ende werden Sie etwas mehr über das Leben, den Tod und über sich selbst wissen - und ich verspreche Ihnen: einmal angefangen, legen Sie dieses Buch bis zur letzten Zeile nicht mehr aus der Hand.
Den Autoren haben Sie dann längst ins Herz geschlossen, einer der von der überzeugenden Weisheit einer Tradition aus eigenem, tiefen Erkennen berichtet. Und das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern direkt ausgerichtet auf die konkrete Hilfe für den leidenden Menschen.
Gewürzt mit einer guten Portion Humor - ähnlich dem des Dalai Lama - wird die sicherlich zunächst schwierig erscheinende Thematik von jedermann mit einer gewissen Leichtigkeit aufgenommen.

Dieses Werk nur zu empfehlen, wäre zu wenig. Das Buch ist ein MUSS für jeden Menschen, der es wagt, ein bisschen über seine Nasenspitze hinauszusehen. HMcM


Die Meißelschrift vom Glauben an den Geist: Das geistige Vermächtnis des dritten Patriarchen des Zen in China
Die Meißelschrift vom Glauben an den Geist: Das geistige Vermächtnis des dritten Patriarchen des Zen in China
von Seng Ts'an
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was soll der Unfug mit dem GLAUBEN?, 28. Juli 2008
Ich habe mir dieses Buch eigentlich nur deshalb gekauft, weil mich der Titel verwirrte. Denn was gibt es zu glauben im Buddhismus? Nichts.
Und vom dritten Patriarchen wusste ich nur, dass es ihn gegeben haben musste, wenn es einen zweiten und vierten gab.
Dieser dritte Patriarch des Chan (Zen) in China ist eine irgendwie ungreifbare Größe, von der der Kommentator Soko Morinaga Roshi in seinem Vorwort schreibt: DENN ABGESEHEN DAVON, OB SIE (die Beschreibung seines Lebens) HISTORISCH WAHR UND BELEGBAR IST ODER NICHT, KANN MAN ALLEIN DER TATSACHE, DASS SIE BIS ZUM HEUTIGEN TAG ÜBERLIEFERT WURDE, EINIGE BEDEUTUNG BEIMESSEN.
So ist offensichtlich unbekannt, wann und wo Seng-ts'an (jap.Sosan - gestorben 606) geboren wurde. Er muss lange als Laie gelebt haben, denn erst im Alter von etwa vierzig Jahren, bis dahin unerwähnt, kam er zu Eka (487 - 593), dem zweiten chinesischen Patriarchen des Zen.
Ihm jedenfalls wird mit Sicherheit das SHINJINMEI zugeschrieben, DIE MEIßELSCHRIFT VOM GLAUBEN AN DEN GEIST, und diese Wortwahl kann ich nicht anzweifeln, denn die Übersetzerin Ursula Jarand (Originaltext aus dem Chinesischen und die Kommentare aus dem Japanischen) ist Schülerin des Kommentators und für ihre sorgfältige Arbeit bekannt. Und sie übersetzt die Worte des Kommentators: DAS WORT SHINJINMEI IST AUS DREI CHINESISCHEN SCHRIFTZEICHEN GEBILDET. SHIN BEDEUTET GLAUBE, JIN BEDEUTET GEIST, UND MEI, HIER ÜBERSETZT MIT MEIßELSCHRIFT, HAT DIE BEDEUTUNG EINER BOTSCHAFT, DIE IN STEIN ODER METALL GEMEIßELT ODER GRAVIERT WURDE ...
Das mit dem GLAUBEN scheint auch Soko Morinaga Roshi beschäftigt zu haben, denn er sieht sich genötigt, in seinem Vorwort genau auf diesen Begriff recht ausführlich einzugehen, wenngleich ich mir vorstellen könnte, dass dieser Seng-ts'an ihm vielleicht eines mit seinem Stock übergezogen hätte (), auch wenn seine Ausführungen insoweit nichts mit dem Glauben an etwas Vorgegebenes zu tun haben. Irgendwie schwätzt er da so drumrum, sucht die juckende Stelle durch den Schuh zu kratzen ;-)))
Ohne Zweifel meißelte der Seng-ts'an, wohin auch immer, dreiundsiebzig Erkenntnis-Verse und im zweiundsiebzigsten heißt es nach der vorliegenden Übersetzung: GLAUBE AN DEN GEIST / IST NICHT-ZWEI, / NICHT-ZWEI IST / GLAUBE AN DEN GEIST.
In seiner Kommentierung zu diesem Vers erwähnt Soko Morinaga Roshi dann auch den Begriff GLAUBE mit keinem Wort. So werden wir damit leben müssen, dass wir - würden wir an dem Begriff Glauben klammern, was wir natürlich nicht tun - nie verstünden, was der dritte Patriarch mit diesem Vers ausdrücken wollte.
Keine Ahnung, ob es hinsichtlich des chinesischen Originaltextes zulässig ist, dass man den Begriff GLAUBE vielleicht durch den Begriff VORSTELLUNG austauscht. Der Vers könnte dann vielleicht lauten:
VORSTELLUNG VON GEIST / IST NICHT-ZWEI, / NICHT-ZWEI IST / VORSTELLUNG VON GEIST.

Ein Buch das jeder gelesen haben sollte, der ein Interesse für Buddhismus aufbringt - und allen die dabei mitwirkten, dass es wie vorliegend in die Welt kam, sei ausdrücklich gedankt - egal ob Glaube oder Vorstellung an die juckende Stelle gereicht. HMcM


Das Denken ist ein wilder Affe
Das Denken ist ein wilder Affe
von Linji
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So ist es, 28. Juli 2008
Das Buch handelt von den Lehren des chinesischen Zen-Meisters Linji Yixuan (jap. Rinzai Gigen), der 866/867 verstorben ist. Er soll als junger Mönch irgendwann all seine schriftlichen Unterlagen verbrannt haben, um sich der Chan-Schule zuzuwenden, deren Belehrungen AUSSERHALB DER SCHRIFTEN vermittelt wurden. Er begab sich auf eine zweitausend Kilometer lange Wanderschaft (oder Suche), bis er in Huang Po (siehe auch DER GEIST DES ZEN - im O.W. Barth Verlag - ein Buch das ich nachdrücklich empfehle) einen geeigneten Lehrer fand, dessen Schüler er auch sein konnte. Und wenn ich heute lese, was dieser außergewöhnliche Mann so von sich gab, bedurfte es eines Huang Po (NICHTS UNTERSCHEIDET SICH), um diesen freien, ungebundenen Geist zu formen und zum wahrhaftigen Erkennen zu führen. Er selbst unterwies ab 851 in Linji-Tempel (WENN IHR DIE PATRIARCHEN UND BUDDHAS TREFFEN WOLLT - GERADE IHR, DIE IHR JETZT DIESE LEHRE HÖRT, IHR SEID ES!).
In den Dialogen und Lehrreden des Linji Lu, den UNTERWEISUNGEN DES MEISTERS LINJI, ist aufgezeichnet und wird fast in unvergleichlicher Manier klar vermittelt, was im Zen unter Erleuchtung zu verstehen ist, nämlich keine Theorie oder irgendein Prinzip oder Glaube, sondern ausschließlich eigene, direkte Erfahrung durch Erkennen.
Erhellend auch die kurze Einführung des Roshi Soko Morinaga. Die fühlbar sorgfältige Übersetzung direkt aus dem Chinesischen durch Ursula Jarand trägt maßgeblich dazu bei, dass jeder deutschsprachige Interessierte sich bald fasziniert diesen Texten widmet (sie hat eine Vielzahl buddhistischer Werke aus dem Chinesischen und Japanischen übersetzt, und sie ist oder war eine Schülerin des vorgenannten Soko Morinaga Roshi. Mehr habe ich nicht über diese erstaunliche Frau gefunden) Das Buch ist in vier Teile gegliedert: VOM HOHEN SITZ - UNTERWEISUNGEN - PRÜFUNGEN und AUFZEICHNUNGEN DER WANDERSCHAFT. Zu den zwei ersten Kapiteln gibt es Anmerkungen zur wortgetreuen Übersetzung und es folgt eine freie Übertragung. Im dritten und vierten Kapitel wird die Übersetzung, sofern Bedarf besteht, von ergänzenden Anmerkungen begleitet.

Linji war sicherlich ein sehr direkter Mensch, der anscheinend eine derbe Sprache pflegte - und wohl hin und wieder auch einen Stock nutzte, um seine Schüler wegzubringen von HEILIG genannten Texten oder wirren Begriffen anderer. Oft genug blieb er auch unexakt in seinen Ausführungen, rüttelte lediglich auf, um den Schüler zur Meditation zu bringen und darin ein eigenes Erkennen zu finden.

Die Texte vermitteln genau diese Situation. Keine begrifflich vollkommene Lehre wird hier geboten, kein unsinniger Glaube vermittelt oder die Lösung von Problemen versucht, sondern: einzig und alleine die Hinführung des Interessierten zu eigenem Erkennen.
Ein großartiges Werk, jedem zu empfehlen der ernsthafte Absichten hat. HMcM


Der Vorleser
Der Vorleser
von Bernhard Schlink
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

53 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, 17. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Der Plot ist von zufälligen Begebenheiten geprägt, auf die die Protagonisten nicht wirklich Einfluss nehmen konnten. Eher eine zufällige Begegnung des Ich-Erzählers in jugendlichen Tagen führt zur Bekanntschaft mit Hanna, fast doppelt so alt wie er, und schließlich zu einer auch sexuellen Beziehung. Eine gewisse Hörigkeit des jungen Mannes ist die Folge. Sie entwickeln bestimmte Rituale, zu denen es auch gehört, dass er ihr vorliest.
Als sie eines Tages spurlos verschwindet bedarf es einer langen Zeit, bis der jugendliche Liebhaber darüber hinwegkommt. Erst Jahre später trifft er sie wieder. Er studiert mittlerweile Jura und verfolgt, als Mitglied einer Studiengruppe die Nürnberger Prozesse. Und eine der Angeklagten ist Hanna. Die deutlich gealterte Hanna seiner Jugend. Angeklagt, gemeinsam mit anderen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges KZ-Häftlinge in einer Kirche während einer Bombardierung eingesperrt gelassen zu haben, obgleich sie niederbrannte. Ein Bericht, der kurz nach dem Geschehen verfasst worden war, steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Jeder leugnet, nur Hanna gibt zu, dass sie ihn verfasst hätte.
Der Ich-Erzähler fühlt, dass er etwas tun muss, denn er weiß, Hanna kann weder Lesen noch Schreiben. Doch was kann er wirklich bewirken, ohne Hanna bloß zu stellen, ohne aller Welt das Geheimnis ihres Lebens zu offenbaren, zumal sie genau das nicht wünscht und lieber eine Höchststrafe in Kauf nimmt.
Er holt sich Rat bei seinem Vater, er führt ein Gespräch mit dem Richter. Ist das genug und richtig?

Über die Jahre der Haft - er selbst besucht sie nie - bespricht er Bänder und versorgt sie damit in der Haftanstalt. Er wird zu ihrem Vorleser, wie bereits in jungen Jahren.
Erst im Rahmen eines Begnadigungsakts kommt es zu einer Begegnung. Und was dann folgt macht ein gutes Teil der Dramatik aus.

Bernhard Schlink ist es grandios gelungen, einem durchaus überschaubaren Geschehen seinen prägenden Stempel aufzudrücken und daraus eine spannende, faszinierende Erzählung zu schaffen, die so, wohl kein anderer hätte schreiben können. Immer klar, einfach, überschaubar lässt er uns an einer alltäglichen Geschichte einer Jugendliebe teilhaben, die durch tragische Umstände unvorhersehbare Tiefe erlangt.
Dieses Buch sollte man gelesen haben, denn es wird in der heutigen Zeit nicht viele Autoren geben, die die Thematik des Dritten Reichs aufgreifen können, ohne die Einfachheit mancher Strukturen aus dem Auge zu verlieren, die zu unfasslichen Taten führten. Ich selbst habe in jungen Jahren Einblick in Teile von Ermittlungsakten nehmen können, und ich kann bestätigen, dass oft die unglaublichsten Ursachen zu ebensolchen Folgen führten - was aber den Opfern das Leben kostete und ihren Angehörigen kein Trost sein kann. HMcM


Tim Walker Pictures
Tim Walker Pictures
von Tim Walker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 98,00

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EIN SCHWERGEWICHT DER FOTOGRAFIE, 24. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Tim Walker Pictures (Gebundene Ausgabe)
Der teNeues-Verlag hat mit diesem voluminösen, limitierten Bildband im Hardcover-Format wahrhaftig nicht gekleckert, sondern geklotzt. Und vielleicht kann man auch nur so einem ganz außergewöhnlichen Künstler gerecht werden, denn eines ist zweifelsfrei: Tim Walker zählt zu den absolut ungewöhnlichsten Fotografen unserer Zeit.
Genau das bestätigt er mit dieser liebevollen Auswahl an Fotografien, die größtenteils für VOGUE aufgenommen wurden, wie Robin Muir in seinem beachtlichen Vorwort zum Bildband schreibt (dankenswerter Weise in englisch, deutsch, französisch, italienisch und spanisch).

Der Enddreißiger Walker ermöglicht schnell zu erkennen, was einen Fotografen seiner Prägung ausmacht: Er visualisiert sein Werk, arbeitet mental ausgiebig vor und lässt dann mit seiner Kamera die vorauserdachte Szenerie entstehen. Nicht verwunderlich, dass man ihn schon heute als einen der Starfotografen der Modewelt würdigt, eben weil sein Stil über lange Bildstrecken erkennbar bleibt, ohne zu langweilen.
Hochinteressant für den Betrachter sind auch die abgebildeten Beispiele seiner Kladden oder Notizbüchern (scrapbooks), in die er Bilder aus Magazinen klebte, sie durch Skizzen, Notizen, Bildtexte ergänzte, so dass diese Schnipsel, die ein späteres Erinnern und Umsetzen einer Vorstellung ermöglichen sollten, bereits für sich zum künstlerischen Werk mutieren, wenn er sie ablichtet.
Das mag naiv wirken, vielleicht auch zufällig, denn er scheint an seinen Entwürfen einfach nur so lange herumzubasteln, bis sie endlich dem entsprechen, was er, vielleicht unbewusst, schon längst vorausdachte. Das bestätigt er auch selbst, wenn er zitiert wird mit den Worten: ICH FING AN, IM GARTENMEINER MUTTER BILDER ZU ARRANGIEREN; ICH STELLTE MIR IRGENDETWAS VOR UND VERSUCHTE, ES ZU BAUEN.
Und dann musste alles exakt so werden, wie er es sich zuvor vorgestellt hatte. Nicht irgendein Apfel durfte es sein, nein, exakt diesen Apfel aus seiner Vorstellung suchte er so lange, bis er ihn endlich gefunden hatte, und genauso war es mit Kleidern, Blumen, Autos, Bäumen, Mauern und hunderttausenden Accessoires in den Folgejahren.
Bei aller Genialität erscheint mir dieser Künstler auch als eine Art Handwerker, denn nur die Perfektion eines erlernten, verinnerlichten Handwerks in Verbindung mit der genialen Vorstellungswelt des Künstlers, lässt solche Aufnahmen möglich werden:
Da leuchten laternengleich Kleider in einem Baum, eine Bibliothek wird zum Kinderzeltplatz umfunktioniert, ein paar Rosen hängen in einem Kleiderbügel oder er stellt einen Berber in der Wüste auf ein paar Ski, platziert einen blauen Elefanten vor ein palastartiges Gebäude, verpasst einem Papua in Neu Guinea Hut und bunten Schirm, lässt farbige Katzen agieren oder setzt ein Bunny in eine Gruppe von weißen Hasen inmitten einer Anordnung von Stuhlgerümpel - und was er mit dem nigelnagelneuen Rolls Royce anstellt, um die Aufnahme exakt so in den Kasten zu bekommen wie er sie zuvor visualisierte, wie sie einfach zwingend für ihn aussehen muss, ist eine ganz eigene Geschichte.

ICH ARBEITE SELTEN MIT STARMODELS. MEINE IDEEN IM KOPF SIND MEINE STARS, soll er einmal gesagt haben, und genau das spricht zu uns, von jeder Seite dieses faszinierenden Bildbandes, trotz aller erkennbaren Inszenierung. Es sind Fotos, die Träumen ähneln, und vielleicht ist es das was den Betrachter unbewusst fasziniert, woran er sich zu erinnern meint beim stundenlangen Betrachten dieser SCHNAPPSCHUSS-MONTAGEN. Immer neu, immer anders - beim x-ten Mal des Nachträumens. HMcM


Caroline Halley des Fontaines, Time and Silence
Caroline Halley des Fontaines, Time and Silence
von Caroline Halley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MENSCH UND NATUR, 15. März 2008
Irgendein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass eine gute Fotografie mehr ausdrücken kann als tausend Worte. An diesen Ausspruch fühlte ich mich erinnert, als ich diesen dankenswerterweise großformatigen (36,4 x 27,4 x 1,6 cm) und sorgfältig gestalteten Bildband aufschlug.
Die zunächst zufällig aufgeblätterten Seiten forderten sofort meine volle Aufmerksamkeit. Nach wenigen Minuten begann ich ganz von vorne. Bild um Bild nahm ich auf, und jedes einzelne dieser siebenundvierzig Schwarz-Weiß-Fotografien verführte zu beinahe medidativem Verharren.
Nach etwa eineinhalb Stunden kam ich dann endlich dazu das zu tun, was ich sonst bei jedem Werk voranstelle: Ich informierte mich endlich über die Person, die eine so beeindruckende Arbeit abzugeben in der Lage war. Und hier fand ich einen kleinen Mangel. Die biografischen Angaben zur Künstlerin sind etwas dünne und auf berufliche, sparsame Details seit 1989 beschränkt. Aber, vielleicht ist das ja so gewollt, auch wenn mir dadurch die Fotografin als Person etwas fremd bleibt. Doch vielleicht lassen ihre einführenden Worte zum Bildband (in Englisch, Deutsch und Französisch) einen kleinen Einblick in das Denken Halley des Fontaines zu:
... UND HOFFE IM STILLEN, DASS ZWISCHEN DEN WOLKEN JENER WEISSE VOGEL ERSCHEINT, ...

Diese noch junge französische Fotografin (Jahrgang 1971) hat ihre Aufnahmen auf Reisen nach Indien, Nepal, Tibet, Kambodscha, Ägypten und Afghanistan zwischen 1999 und 2005, also über einen Zeitraum von sechs Jahren, erlebt, möchte ich sagen. Und an diesem Erleben lässt sie uns teilnehmen, dieser Reise zurück, weg aus der Betriebsamkeit der Weltmetropolen und hin zu den Orten, in denen der Mensch noch ein Teil der Natur ist.
Dank dem ungewöhnlichen Einfühlungsvermögen von Caroline Halley entstanden Portraits und Landschaftsaufnahmen von grandioser Intensität, vielleicht gerade auch durch die Reduzierung der Formsprache, den Verzicht auf Farbigkeit. Jeder Betrachter erkennt, dass die Künstlerin von diesen fremden, oft kargen Landschaften und ihren Menschen fasziniert ist, an denen Zeit und Geschichte vorbeigegangen zu sein scheinen, ohne Spuren zu hinterlassen.
Die Fotografien NOMADS / THE THREE GENERATIONS OF WOMEN / THE BUDDHA TREE / THE JAIL GAME beeindrucken durch ihre ungeheuerliche Intensität und Präsenz, genauso wie die harmonischen Kompositionen der Landschaftsaufnahmen PASSAGE / THE MIDDLE PATH / THE PRINCESS OF BAMIYAN / THE OLDEST DESERT faszinieren, nur um einige beispielhaft zu nennen.
Ohne Einschränkung: Ein sehenswerter Bildband, den ich gerne empfehle, weil Sie sich selbst und vielleicht auch anderen mit Sicherheit eine Freude machen werden. HMcM


Alles über japanische Tätowierungen: Die japanische Tätowierkunst der Edo-Zeit und ihre Entwicklung bis zur Gegenwart
Alles über japanische Tätowierungen: Die japanische Tätowierkunst der Edo-Zeit und ihre Entwicklung bis zur Gegenwart
von Dirk-Boris Rödel
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 4. März 2008
Da lassen sich die Menschen Tattoos (vermutlich abgeleitet von dem Tahiti-Wort TATU) stechen, also sich mit Tinte oder anderen Farbpigmenten Motive unter die dritte Hautschicht einbringen mittels heute üblicher Tätowiermaschinen oder auch durch Nadeln oder Stichel, je nach gewünschtem Effekt.
Und das bereits seit Menschengedenken an allen Orten der Welt, an denen sich der Mensch ausbreitete, so dass man keiner geografischen Region den Ursprung dieser Technik zuordnen kann.
Tätowierungen hatten nicht nur in der westlichen Hemisphäre bis zum Beginn der 1990er Jahre (Beginn einer wahrhaftigen Tattoo-Mode) eher das Stigma des Matrosen, Schaustellers, Sträflings oder Asozialen. Aber zu allen Zeiten setzten sich auch Männer und Frauen jeden Stands oder Berufs über die Vorbehalte hinweg und ließen sich tätowieren.
Eine sehr alte Tradition haben Tätowierungen auf den japanischen Inseln, nachdem die bereits bei dem dortigen Urvolk, den Ainu, bekannt waren. Zu Beginn der Edo-Zeit (1603-1868) waren Tätowierungen insbesondere bei Prostituierten und Arbeitern beliebt, wurden ab 1720 gar auch als Brandmarkung für Kriminelle benutzt, so dass, ähnlich wie im Westen, ANSTÄNDIGE Bürger sich keine Tattoos mehr setzen ließen (mit den vorstehend angedeuteten Ausnahmen).
Diejenigen, die sich in Japan darüber hinwegsetzten bildeten schließlich gar eine eigene Schicht, die YAKUZA, heutzutage bezeichnenderweise wiederum eine Verbrecherorganisation. In manchen öffentlichen Einrichtungen (insbesondere Bädern und Massagezentren) in Japan wird Menschen mit Tattoos, insbesondere Ganzkörpertattoos, der Zutritt bis in die Gegenwart hinein verweigert.
Trotzdem haben sich zu allen Zeiten eine hohe Anzahl auch ANSTÄNDIGER Menschen Tattoos aus den unterschiedlichsten Gründen stechen lassen. Aus den unterschiedlichsten Gründen sind sie bis zum Ende ihrer Tage damit glücklich und aus den unterschiedlichsten Gründen hätten sie ihr MAL gerne auch wieder los.
Dirk-Boris Rödel, selbst auch Chefredakteur eines deutschen Tätowier-Magazins, beschränkt sich mit seinem großformatigen Buch ALLES ÜBER JAPANISCHE TÄTOWIERUNGEN, wie der Titel bereits sagt, auf die Tattoo-Geschichte Japans und die dort ausgeübten besonderen Techniken von der Edo-Zeit bis hin zur Gegenwart. Gerade das Format (29,6 x 20,8 x 1,2 cm) lässt beeindruckende Darstellungen zu, und jeder, der einen Faible für diese Art des Körperschmucks hat, wird begeistert die 160 Seiten lesen und betrachten. Auch diejenigen die meinen, darüber schon alles zu wissen, werden erstaunt aufmerken. Garantiert.
Drachen oder Dämonen, deren Darstellungen oft auf Sagen beruhen wechseln ab mit Symbolen die Schönheit, Freude oder Vergänglichkeit, Erfolg, Stärke und Glück symbolisieren. Und auch der gegen Ende des 19. Jahrhunderts populäre Stil, den ganzen Körper mit erschreckenden Motiven zu VERSCHÖNERN (?) wird gezeigt, der auf die Darstellung comicähnlicher Illustrationen irgendwelcher Heldengeschichten zurückzuführen ist.

Auch wenn im Westen die Tattoo-Welle derzeit wohl zurückschwappt kann diese hochinteressante Arbeit des Autoren jedem Hilfe und Anregung sein beim Finden seines Tattoos oder zur Bestätigung seiner ablehnenden Haltung bezüglich dieser Art von Körperschmuck beitragen.
Klar, ich habe auch ein Tattoo - gewünscht mit 12 Jahren. Wunsch erfüllt im 56. Lebensjahr, als ich endlich MEIN MOTIV entdeckte. Verrückt? Natürlich, ein bisschen. HMcM


Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika
Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika
von John Steinbeck
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Schriftsteller, 5. Februar 2008
Eine liebe Freundin schenkte mir DIE REISE MIT CHARLEY vor nicht allzu langer Zeit und ich las das Buch mit großem Vergnügen. Erinnerungen an frühere Zeiten wurden schnell wieder wach, und wie ich sah, gibt es diese grandiosen Bücher des Autoren wie DIE STRASSE DER ÖLSARDINEN / VON MÄUSCHEN UND MENSCHEN / FRÜCHTE DES ZORNS ODER JENSEITS VON EDEN Dank dieses Dtv-Verlages noch immer und wer sie nicht kennt, sollte sie lesen - egal in welchem Alter man gerade ist.

Mit dem vorliegenden Buch beglückte Steinbeck die Fernwehgepalgten aller Nationen. Er machte denjenigen Mut, diesem Drang auch in schon fortgeschrittenem Alter nachzugeben. Der Autor jedenfalls fuhr durch vierunddreißig Bundesstaaten der USA in elf Wochen und er berichtet über diese Zeit. Es ist sicherlich müßig, über diesen Spross einer deutsch-irischen Familie etwas zu sagen, der am 27. Februar 1902 in Pacific Grove/Kalifornien geboren wurde. Über diesen literaischen Spätzünder wie einmal einer sagte, denn der ehemalige Student der Naturwissenschaften schlug sich lange Zeit zunächst als Gelegenheitsarbeiter, dann als Reporter und Kriegsberichterstatter durchs Leben. Aber was dann kam war gewaltig. Pulitzer- und Nobelpreis sind wohl die hervorragendsten aus einer Vielzahl an Ehrungen.
1960, er war gerade achtundfünfzig Jahre alt, wollte er es noch einmal wissen und unerkannt und autark WIE EINE SCHILDKRÖTE reisen. Ein Auto namens Rosinante - eher ein Gefährt mit einer Bootskajüte auf der Ladefläche - wurde ihm für lange Zeit zum Heim bei seiner Reise durch Städte und Landschaften, auch zurück in seine Vergangenheit.
Begleitet hat ihn dabei sein reinrassiger Pudel Charley, der eigentlich auf den Namen CHARLES LE CHIEN hörte und dem manche Kommandos erst ins Französische übersetzt werden mussten, um ihn zu schnellem Handeln zu bewegen. ICH LASSE IHN FREI LAUFEN UND ER NÄHERT SICH DEM ZIELOBJEKT BEZEIHUNGSWEISE DEM, WAS DAS ZIELOBJEKT GERADE KOCHT, berichtet der Autor über seinen Begleiter. Natürlich wiederholt sich auf dieser Reise einiges und natürlich war sie vielleicht am Ende nicht mehr so spannend wie am Anfang. Das führt auch dazu, dass der Autor manches Mal etwas abschweift, um sich eher philosophischen Reminiszensen hinzugeben, als über die Geschehnisse auf seiner Reise zu berichten, die so aufregend letztendlich natürlich auch nicht sind, denn er bewegte sich weitgehend auf sicheren Pfaden.
Er erkennt, dass HEUTE, also 1960, doch alles so anders ist als in seiner Erinnerung es gewesen war, und auch der Leser versteht bald, dass in der Gegenwart gar nichts mehr so ist, wie es sich dem Autoren damals in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten darstellte.

Wer das Buch heute liest, wird das wissen und nichts anderes erwarten. Der Leser empfindet eine Mitfreude an dem klaren Blick des Autoren auf seinen Streifzügen quer durch die Staaten, an den ehrlichen Schilderungen all dieser kleinen Begebenheiten, die er nicht aufbauscht um sich oder die anderen wichtig zu machen. Wer allerdings ein Reisebuch im herkömmlichen Sinne erwartet, wird enttäuscht sein.
Steinbeck hat den Mut, seine individuelle Reise mit Charley so zu schildern, wie er sie erlebt hat und er ist groß genug, nicht all die Klischees zu bedienen, die eben jeder andere vielleicht bedient hätte, der nicht viel in seinem bisherigen Leben zu sagen hatte.
Ein unaufgeregtes Buch, sehr individuell aus dem Empfinden des Autors, dem man durchaus und zulässigerweise anmerkt, dass er auch froh war, als er wieder zu Hause war.
ZU BEGINN DIESES BERICHTS HABE ICH ... EIN WENIG VERWUNDERT BETRACHTUNGEN ÜBER DIE AUSGEPRÄGTE INDIVIDUALITÄT VON REISEN ANGESTELLT UND BIN ZU DER FESTSTELLUNG GELANGT, DASS WIR KEINE REISEN UNTERNEHMEN, SONDERN VON IHNEN UNTERNOMMEN WERDEN. HMcM
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2009 10:47 PM CET


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