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Rezensionen verfasst von
Heinz Herbert "HMcM" (Catalköy, Nordzypern)

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Iconic New York
Iconic New York
von Christopher Bliss
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Iconic?, 26. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Iconic New York (Gebundene Ausgabe)
Es war der Titel des Bildbandes, der mein Interesse als Hobbyknipser weckte:
*Iconic New York*. Das übersetzte ich mit *Ikonenhaftes New York*. Dieser religiös belastete Titel hätte mich normalerweise eher abgeschreckt, aber so wird es nicht gemeint sein - dachte ich und so war es denn auch.
KEINE ehrfurchtsvolle Sammlung von *Heiligen-Abbildungen* orthodoxer Kirchenkunst, die eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und einer Gottesvorstellung vermitteln soll, SONDERN eher eine gut gelungene Mischung weltstädtischer Architektur, in deren Mitte sich auch immer wieder fast kleinstädtisch anmutende Szenen behaupten.
Ein großes Feld für einen Fotografen, der als gebürtiger New Yorker diese Stadt liebt, in der sich vieles auch außerhalb von Gebäuden abspielt. Seit 1988 versucht Christopher Bliss (*Ich finde meine Inspiration in städtischen Skylines und in der anspruchsvollen und belebenden Atmosphäre der Zentren der Kunst, Musik und Kultur") eingebunden in ein Langzeitprojekt, die Entwicklung der Architektur und Kultur der Stadt zu dokumentieren.
Der Fotograf hat unbestreitbar ein herausragendes Empfinden für Bildkomposition und Originalität.
Der Mix von zweiseitigen bis hin zu viertelseitigen Abbildungen und auch kleineren Formaten, der Wechsel von Schwarz-Weiß und Farbfotografie ist gelungen, sodass ich diesen Städtebildband getrost empfehlen kann, auch wenn sich mir der Titel nicht wirklich erschloss.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 27, 2011 9:21 AM MEST


Sequentially Yours
Sequentially Yours
von Elliott Erwitt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ALTER MANN MIT EWIG JUNGEN AUGEN, 23. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Sequentially Yours (Gebundene Ausgabe)
Man darf diesen außergewöhnlichen Fotografen (Jahrgang 1928) sicherlich heute einen alten Mann nennen. Sein fotografisches Werk jedoch ist geprägt von seinen ewig jungen Augen, die in genialer Weise den Moment erfassen, in dem es auf den Auslöser zu drücken gilt.
Dem Meister der *Schwarz-Weiß-Schnappschüsse*, dem Hero des *entscheidenden Augenblicks* wurde dankenswerterweise wieder einmal durch den TeNeues-Verlag mit diesem gelungenen Bildband Ehre erwiesen.
Elliott Erwitts Shootings beweisen, dieser Fotograf hat Humor und nie Scheu davor, ehrliche menschliche und überraschende tierische Emotionen festzuhalten. Siehe auch:Elliott Erwitt`s DogsElliott Erwitt's Rome.
In dem vorliegenden Bildband werden kleine Bilderserien präsentiert, die, zumeist augenzwinkernd, einen ganzen Film vor dem inneren Auge des Betrachters auslösen, obwohl sie aus dem Moment geboren sind.
In seinem beachtlichen Vorwort schreibt Marshall Brickman (US-amerikanischer Drehbuchautor und Oscarpreisträger) über die vermeintliche Leichtigkeit dieser Art der Fotografie, die so einfach zu sein scheint, denn:
Es kommt nicht nur auf den richtigen Augenblick an, sondern auch auf das, was gleich geschehen könnte, dieses Drama hinter dem Moment, das jeder kennt, der dieser Sucht des Fotografierens verfallen ist, sei es auf der Ebene der professionellen Kunst oder der eines begeisterten Amateurknipsers.
Wer einem genialen Fotografen folgen will, der *leere Räume mag, Orte; an denen seine Objekte waren oder in einem Augenblick sein werden*, einem der den Hüftschuss genauso beherrscht, wie das Abwarten auf den richtigen Moment, der wird an diesem wundervollen, sorgfältig gestalteten Band seine wahre Freude haben, ebenso wie ich.


India
India
von Andreas H. Bitesnich
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Indien unbunt, 16. August 2011
Rezension bezieht sich auf: India (Gebundene Ausgabe)
Der Autodidakt Andreas H. Bitesnich (* 1964 Wien) gilt als Akt-, Porträt und Reisefotograf und ist heute einer der populärsten Fotografen Österreichs. More Nudes
Endlich erfüllte er sich den lang gehegten Wunsch, Indien kennenzulernen. Über den Zeitraum von drei Reisen (2006-2008) entstanden die Aufnahmen, die in diesem 256 Seiten starken Bildband gezeigt werden.
Dieser außergewöhnliche Fotograf bevorzugte schon immer die Schwarz-Weiß-Fotografie, und so ist es kein Wunder, wenn dieser großformatige Reisebildband (35,6 x 27,2 cm), gedruckt auf mattem, dunkelgrauen Papier, überwiegend ganzseitige Fotografien in unbunten Grauwertabstufungen zeigt. Das führt zu einer Intensivierung der Bildaussage, die sich in Verbindung mit der gewählten Druckunterlage zu einer besonderen Aussagekraft der einzelnen Aufnahme steigert, was sich unerwarteter Weise insbesondere auch bei den mir zu sparsam ausgewählten Farbfotografien aufzeigt.
*Indien ist ein Land*, so schreibt Bitesnich in einer knappen Kommentierung, *in dem die Zeit nach eigener Gesetzmäßigkeit zu vergehen scheint, wo Vergangenheit und Zukunft zugleich erlebt und erfahren werden können*.
Trotz der bewundernswerten Fähigkeit dieses Künstlers, den Augenblick zu erfassen und das Wesen einer Szene im Bild festzuhalten, habe ich Indiens *Vergangenheit und Zukunft* nicht wirklich erkennen können. Es sind ausschließlich die Fotografien eines *Gegenwartssehenden*, die wir schauen, die Momentaufnahmen eines Betroffenen, der offensichtlich genau die Realitäten festhielt, die er in den Straßen des armen Indiens durch seine Linse sah. Vielleicht hat er sich aber dadurch der Möglichkeit begeben, einen Hoffnungsschimmer zu zeigen, denn auch das *arme* Indien hat seine kleinen Freuden und mit Sicherheit eine Zukunft.
Andreas H. Bitesnich beweist mit diesem Werk den Wahrheitsgehalt seiner Aussage, wonach der Fotograf der Filter ist, durch den die Bilder gehen müssen, bevor sie geboren werden. Die Aufnahmen zeigen die erkennbare Handschrift dieses eigenwilligen Künstlers, der die gegenwärtige Situation eines Großteils der indischen Bevölkerung, in deren Umfeld, betroffen und unbestechlich festhält, wodurch seine Anmerkung verständlich wird: * ... einem Ort, an den ich nicht wieder zurückkehren werde - oder vielleicht doch.*
Der TeNeues Verlag verzichtete bei der Gestaltung dieses grandiosen Bildbandes auf eine Seitenkennzeichnung, was der Betrachtung der Aufnahmen zugutekommt, andererseits das Auffinden eines Einzelbildes anhand des im Anhang befindlichen Registers erschwert.
Fazit: Ein beachtliches Werk, das Indien durch die Linse eines offensichtlich berührten Fotografen zeigt, dessen Aufnahmetechnik von hochbeachtlicher Intensität ist.


Mapplethorpe X7
Mapplethorpe X7
von Robert Mapplethorpe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas für einen eher ganz spezifischen Interessentenkreis, 12. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Mapplethorpe X7 (Gebundene Ausgabe)
Auf Robert Mapplethorpe (4.11.46 ' 9.3.1989) wurde ich durch die US-amerikanische Lyrikerin und Punk- /Rockmusikerin Patti Lee Smith aufmerksam, der *Godmother of Punk*, wie sie gerne auch genannt wird. Sie lebte Ende der 1960er für einige Jahre mit Mapplethorpe in New York zusammen, der auch eine gute Anzahl ihrer Plattencover gestaltete. In diesen Jahren unter dem Einfluss von Patti Smith vertiefte Mapplethorpe seine Arbeit an eigenen künstlerischen Versuchen, bis hin zu der Erkenntnis:
*Ich beginne zu verstehen: Fotografie kann auch Kunst sein*.

Der vorliegende Bildband MX7 ermöglicht mit 335 unterschiedlich großen Ablichtungen über rund 250 Seiten hinweg, mit überwiegend in schwarz-weiß gestalteten Aufnahmen, einen ausgezeichneten Überblick über das Werk dieses ungewöhnlichen Fotografen, der wohl in den frühen 1980er Jahren in New York seinen Durchbruch erlebte.
Neben Patti Smith ließen sich zeitgenössische Künstler aller Richtungen, von Andy Warhol über Richard Gere bis hin zu Grace Jones und Gloria von Thurn und Taxis, nur um einige zu nennen, ablichten. Ob im eigenen Studio, bei Bodybuildern, Schwulen oder in New Yorker Lofts entstanden in jedem Fall technisch hervorragende Aufnahmen mit viel *Licht und Schatten*, in jedem Sinne des Begriffs, die über einen Zeitraum von einem dreiviertel Jahrzehnt von den nachstehend angeführten Kunstschaffenden ausgesucht und zusammengestellt wurden: Dies sind David Hockney (britischer Maler, Grafiker, Fotograf), Vik Muniz (brasilianischer Ausstellungskurator), Catherine Opie (US-amerik. Fotografin mit Vorliebe für Tätowierte, Homosexuelle als Motiv), Sterling Ruby (zeitgen. US-amerik. Künstler), Cindy Sherman (US-amerik. Fotografin mit Vorlieben: Rollenbilder, Körperlichkeit, Sexualität), Hedi Slimane (franz. Modedesigner u Fotograf) und Robert Wilson (US-amerik. Regisseur, Theaterautor, Maler, Lichtesigner, Bühnenbildner, Architekt und Videokünstler).
Unnötigerweise ist es dabei zu einigen *Bildwiederholungen* gekommen.

Wer jetzt bedenkt, dass Mapplethorpe mit fast 43 Jahren HIV-infiziert verstarb, wird sich nicht wundern, dass dieser *Mensch mit vielen Seelen* ein exzessives Leben mit wechselnden hetero- und homosexuellen Partnern führte, was wiederum seine Arbeiten erkennbar beeinflusste.
Die oben angeführten Kunstschaffenden haben Fotos ausgewählt, die diesem Mapplethorpe'schen Leben, vielleicht aber auch ihren eigenen Neigungen entsprechen. Sie sind denn auch zu einem guten Teil von einer Art, die manche zart besaitete Seele erschrecken lassen, wenngleich homo- oder sonst wie gepolte Sexuelle ihren Heidenspaß haben dürften, selbst wenn die Fotografien, allerdings zum kleineren Teil, *nur* von eher klassischen Posen geprägt sind.
Es gibt aber auch den Mapplethorpe, der außergewöhnliche Stillleben mit Blumen fotografiert oder Portraits von ganz bestechender Intensität erarbeitet, auch wenn der ' leider zu oft ' hinter dem *getriebenen* Fotografen zurückstehen muss.
Egal wie man zu seinen offensichtlichen Obsessionen stehen mag, seine Aufnahmen haben ihren künstlerischen Wert ' mit wenigen, allerdings recht krassen, Ausnahmen.

Vollkommen unnötig ' und das werfe ich auch dem Verlag vor, denn dieser Künstler verfügte über kein ästhetisches Bremspedal ' sind die Abbildungen auf den Seiten 64 und 70, die schlichtweg eine Steilvorlage für Pädophile sind. Die gehören in kein Kunstbuch. Diese Kinder sind nicht selbstbestimmt. Die Aufnahmen haben auch mit Kunst absolut nichts zu tun. Satter Minuspunkt.

Meine Top 10: S 29 Yoko Ono / S 44 Flower 1983 / S 61 Rich Pryor Billboard / S 71 Coral Sea / S 120 Patti Smith 1978 / S 165 Grace Jones 1988 / S 183 Doris Saatchi 1983 / S 202 Selfportrait 1980 / S 209 Deborah Harry 1978 /S 215 Charles Tennant 1978.
Ein Bildband der eher für einen ganz spezifischen Interessentenkreis zusammengestellt wurde. HMcM


Famous Faces
Famous Faces
von Takkoda
  Gebundene Ausgabe

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen PROMI oder PINSCHER, 12. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Famous Faces (Gebundene Ausgabe)
Es war das Coverbild, das mich sofort faszinierte und, wer das gesehen hat, will zwingend noch mehr davon.
Was für eine herrliche Idee dieser Firma Takkoda, so etwas auf den Markt zu bringen. Die beiden Ehepaare, die dieses Unternehmen begründeten, haben im ländlichen England ihre Kindheit verbracht. Der Bildband ist geprägt von dem dort vorherrschenden, englisch-knarzigen Humor, der in ländlichen Pubs ebenso verbreitet ist wie in manchen Salons britischer High-Society (Beispiel: Der britische Thronfolger Charles, der, angesprochen auf die Bedeutung der königlichen Familie in Bezug auf die Bevölkerung, antwortete: "It is only a soap, a big soap").

Takkoda zeigt Tierparodien bekannter Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, indem sie Haustiere fotografieren und deren natürlichen Gesichtsausdruck mit digitalen Accessoires garnieren.
In diesen *Pets-Rock-Serien* sehen Tiere aus wie Promis oder Promis wie Tiere, je nachdem wie man das auffassen möchte. Unzweifelhaft führen diese *Kunststücke* zu lautem Auflachen, haltlosem Gekicher und mindestens zu einem breiten Grinsen der Qualität *:-)))))*.
Viel Liebe zum Detail, in Verbindung mit der genialen Einbindung digitaler Techniken, lassen die herrlichen Vierbeiner zu diesen Namhaften werden, die wir sofort erkennen.
Die Takkodas parodieren den Promikult mit respektlosem Humor und nutzen das Potential von Hund, Katz und Maus, strotzend vor Kraft und verführen, wie oben bereits angedeutet, zu unnatürlichen Beifallskundgebungen.
Dicke Empfehlung für alle Tierfreunde und solche die Spaß am Skurrilen haben. HMcM


Briefe bewegen die Welt, Bd 2: Liebe, Schicksal, Leidenschaft
Briefe bewegen die Welt, Bd 2: Liebe, Schicksal, Leidenschaft
von Hellmuth Karasek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hätten sie gekonnt, sie hätten gemailt, 20. März 2011
Ich las den *Titel*, sah *Hellmuth Karasek* und hatte bei dem ergänzenden Hinweis zum Inhalt *Liebe-Schicksal-Leidenschaft* eine Assoziation, die mich schmunzeln ließ. Diese drei Sinneswahrnehmungen ließen spontan in mir den Wunsch aufkommen: Das möchte ich lesen.
Und da lagen sie vor mir. Zweiundzwanzig Briefe zu Liebe, zu Schicksal und Leidenschaft mit einem Vorwort von dem Konzernvorstand *Brief* der Deutschen Post, einem freundlich dreinblickenden Herrn, der meint: *Der Brief, insbesondere der handgeschriebene, hat neben anderen Kommunikationswegen wie Mailen, Bloggen oder Simsen auch in Zukunft einen festen Platz im Repertoire unserer Möglichkeiten, anderen Menschen etwas mitzuteilen.*
Die Schlussfolgerung ist - zumindest im privaten Bereich - nur zutreffend, wenn der Empfänger nicht durch schnellere Kommunikationsmittel in schriftlicher Form erreichbar ist. Sein Hinweis auf den Liebesbrief der elfjährigen Ruth an ihren Klassenkameraden Alex führte immerhin dazu, dass genau dieser der erste Brief war, den ich las und welcher der einzige blieb, den man hätte nicht genauso gut per Mail schreiben können, wäre diese Technik zu ihrer Zeit schon vorhanden gewesen.
Alles was für die Mail (nicht die Blogger- oder Simsereien) gilt, gilt eindeutig auch für einen handgeschriebenen Brief, hätte ich beinahe gesagt, käme nicht hinzu: der Grafologe kann zusätzlich Emotionen, Stimmungen und Charaktereigenschaften dem Schreiberling zuordnen, was bei der Mail, ebenso bei dem mit Schreibmaschine geschriebenen Brief, wegfällt, von denen auch einige wenige angeführt sind.
Der handgeschriebene Brief hat als Medium der Kommunikation weitgehend ausgedient und kommt beispielsweise bei mir nur noch vor in Form von Geburtstagsgrüßen, in Verbindung mit einem überreichten Geschenk oder als Kondolation, wobei ich dann, einem inneren Drang folgend, zu einem antik anmutenden Teil, einem rund dreißig Jahre alten Füllfederhalter, greife.
Ich behaupte einmal, selbst Goethe und Schiller hätten in ihrer Zeit lieber miteinander gemailt, als auf Handgeschriebenes ewig zu warten. Wir sollten solche Briefe also nicht überbewerten, als seien sie ihrer Form wegen etwas Besonderes. Auch in Briefen geht es vornehmlich um Inhalte. In den angeführten Briefen auch um die Lebensschicksale von Absender und Adressaten, die eine kleine Bedeutung vielleicht nur dadurch erhalten, dass die Verfasser lange tot oder einfach nur prominente Personen sind. Trotzdem sind sie ein Zeitzeugnis und somit durchaus von Interesse.
Der Herausgeber Hellmuth Karasek ordnet sie zusätzlich jeweils zeitgeschichtlich ein und veröffentlicht die Lebensläufe der zitierten Personen. Und er sieht das alles auch etwas emotionaler als ich das beim Lesen empfinde.
Er schreibt: *Wenn alles aus dem Verfasser herausbricht, wenn er gar nicht anders kann, als diesen Brief zu schreiben, jetzt, an diesen einen Empfänger, der nicht da ist, aber in seinem Innersten erreicht werden soll - dann wird der Brief ein bewegender, vielleicht sogar ein weltbewegender Brief*, wobei er mit *Brief* vielleicht etwas einäugig sich an das klammert, was auf Papier gebracht und dann mit der Post - vielleicht auch mit Boten - verschickt wird.
Falsch, Herr Karasek. Nichts von all diesen Briefen könnte nicht auch eine Mail sein, die dazu schneller ist und zeitnah beantwortet werden kann. DIE GROSSE AUSNAHME: der oben erwähnte Liebesbrief des elfjährigen Mädchens an den Klassenkameraden Alex, den - zu allem Unglück - ein Pauker *abfing*! Und dann weiterleitete an den Empfänger, mit dem Hinweis, ich dachte es wäre ein Spickzettel und ... das bleibt unter uns Männern?
Wohl eher nicht, denn sonst hätte dieser hochintime Brief an dieser Stelle nicht veröffentlicht werden können. Eine Selbstverständlichkeit, dass die Namen der beiden Kinder nicht veröffentlicht sind. Den des Paukers hätte ich aber sehr gerne gelesen, samt Mailanschrift.

Unzweifelhaft geht es also bei all diesen Briefen natürlich eher um Inhalte als um Formen. Das geschriebene Wort steht im Fokus der Aufmerksamkeit. Hauptsächlich das handgeschriebene, weil doch einige der zitierten Briefeschreiber gar keine andere Möglichkeiten hatten.
Die Briefe sind, mit wenigen Ausnahmen, als Faksimile abgebildet und vermitteln dadurch eben doch nicht nur Inhalte, sondern auch die oben bereits von mir angesprochenen Emotionen der Verfasser beim Schreiben, egal ob die Texte überhaupt dazu taugen, in den Verdacht zu geraten, bewegend oder gar weltbewegend zu sein.
Schon alleine dies ist spannend, denn die optische Komponente zeigte sich mir im Nachhinein als ein hervorragendes Element. Zweiundzwanzig Briefe voller Emotionen, Enthusiasmus, Verlangen und Erregung.
Meine Brieffavoriten: Ruth P. an Alex (na, war wohl klar) / Rosemarie Pena an Noah Sow / Marlene Dietrich an Erich Maria Remarque / Jimi Hendrix an Uschi Obermaier / Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn.
Warum? Buch kaufen, lesen und Meinung bilden. Es rentiert sich.
HMcM


The Morning After
The Morning After
von David Drebin
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtenerzähler, 13. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: The Morning After (Gebundene Ausgabe)
Geschichtenerzähler

Der 1970 in Kanada geborene David Drebin machte sich bald nach seinem Besuch der Parsons School of Design in New York einen Namen als Werbe- und Modefotograf. Diese frühe, offenbar erfolgreiche berufliche Ausrichtung spiegelt sich nachhaltig in diesem Bildband wider, der in gewisser Weise nahezu dramatische, fotografische Einblicke in Szenen *des frühen Morgens* anbietet.
Frauen dominieren den technisch einwandfrei gestalteten Bildband, aber wer voyeuristische Einblicke erhofft oder gar psychologische Sichtweisen unterstellt, hat den Künstler meines Erachtens nicht wirklich verstanden. Ein Hauch von Sex, verbunden mit einer guten Prise augenzwinkernden Humors, trifft da schon eher den Kern der Sache, was nicht bedeutet, dass Drebin dem Betrachter eine nachhaltige Sicht auf Emotionen und Erfahrungen verweigert.
Wenn bei Drebin Frauen mit ins Spiel kommen, so sind diese opulent inszeniert, attraktiv, eingebettet in ausgesuchte Locations diverser Weltmetropolen.
Die Kuratorin Michelle Marie Roy schreibt in ihrem Vorwort: *Es entsteht der Eindruck, als hätte man das Kino mitten im Film betreten*.
Das hat etwas für sich, erkennbar aber ist vor allen Dingen: Der Fotograf liebt die Frauen und bringt sie gerne und gekonnt in ausgesuchter Szene zur Geltung - und wenn sich daraus eine kleine Geschichte im Kopfkino des Betrachters ergibt, so ist das gewollt. Dieser Eindruck verstärkt sich gerade - und das muss kein Widerspruch sein - bei den Aufnahmen, die nur den Ausschnitt einer Szene zeigen, denn dort bestimmt erkennbar der Fotograf das Empfinden des bestimmt faszinierten *Augenzeugen*.

Etwa ein Drittel der Abbildungen sind Landschafts- oder Städteszenarien, wobei mir die wenigen großen Städtepanoramen etwas beliebig ausgefallen sind. Das aber machen die übrigen einfühlsamen Naturszenarien leicht wett, die eine hochsensible, eher melancholische Sichtweise dieses hochbegabten Fotokünstlers aufzeigen und diesen Bildband gelungen abrunden.
Ein Bildband, den ich mir öfters angesehen habe und wieder ansehen werde. HMcM


Die Erde von oben 2011
Die Erde von oben 2011
von Yann Arthus-Bertrand
  Spiralbindung

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Aufnahmen, 28. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Erde von oben 2011 (Spiralbindung)
Dieser von TeNeues aufgelegte Kalender, im Format 49,4 x 37,8 cm, zeigt zwölf wunderschöne Aufnahmen aus der Vogelperspektive.
Der Verlag hat die gewählten Aufnahmen sorgfältig ausgesucht. Keine Aufnahme wiederholt sich und selbst *Abwässer einer Phosphatfabrik*, *Rückstände aus der Gewinnung von Ölsanden* oder *Kohle-Tagebau bei Delmas* sind von einem faszinierenden Einfallsreichtum, gepaart mit technischer Perfektion.
Für Luftbildfotografie gilt dieser vielseitig begabte Yann Arthus-Bertrand längst als unangefochtener Meister. Er ist ein jetzt 64 Jahre alter, sympathischer Franzose, der in jungen Jahren als Regieassistent und Schauspieler agierte. Jedoch bereits 1967 entdeckte er die fotografische Schönheit der Natur und gab sich dieser Leidenschaft hin. Er lebte lange in Kenia, fotografierte über drei Jahre hinweg das Verhalten einer Löwenfamilie und debütierte 1981 mit seinem Bildband *Lions*. Er arbeitete in der Folgezeit, neben seinen fotografischen Aktivitäten, als Journalist und Reporter. In dieser Epoche legte er den Grundstein für seinen Namen als Natur-, Sport-, Tier- und Luftaufnahmen-Berichterstatter. 1991 begründete er die *Agentur Altitude*, die erste Presseagentur, samt Bildarchiv, von Luftaufnahmen der Welt.
Das Archiv umfasst mehr als 350.000 Aufnahmen aus über hundert Ländern, von unterschiedlichsten Fotografen.
Das Credo dieses Künstlers ist heute: *Die Welt von oben!*
Er selbst sagt: *Ich möchte durch einen Blick von oben von der Schönheit der Erde Zeugnis geben und versuchen, dadurch die Erde zu schützen.*
Ich kann diesen beeindruckenden und auch eine Wand schmückenden Kalender nur empfehlen. HMcM


Lena 2011
Lena 2011
von teNeues Verlag
  Broschiert

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es ist doch nur ein Kalender, 24. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Lena 2011 (Broschiert)
Als ich zu meiner *Adoptivenkelin* Miri sagte, ich hätte für sie einen Kalender für 2011, bedachte sie mich mit einem eher gelangweilten Augenaufschlag (unausgesprochen: Mensch, Alter, gibt es für eine Dreizehnjährige etwas Langweiligeres?).
Als ich dann aber fragte, möchtest du zwölf tolle Motivfotos von Lena, da quietschte der kleine Hase auf und die Augen leuchteten.
Ich gestehe zu, ich selbst kann mich kaum dem Charme dieser so unverbogen wirkenden jungen Frau entziehen, die anlässlich eines Song-Contests so plötzlich in unser aller Fokus geriet (ein Zwilling im Sternbild: Die zeichnet aus, ein ungemein waches, lebendiges und vielseitig interessiertes Wissenwollen, ein von der Welt Besitz ergreifen, durch denkendes Verstehen und Streben nach Erkennen).
Man sieht ihr nicht zwingend an, dass sie Erfahrungen in Ballett, Jazz- und Show-Dance hat, eher ihre Kontakte zur Filmwelt (Komparsin bei K11-Kommissare im Einsatz, Helfen Sie mir und Richter Alexander Hold in 2009), denn Angst vor Kameras hat sie nicht.
Auf ihre Motivation zur Teilnahme an der Songcontest-Vorauswahl sagte sie: Ich bin ein Mensch, der sich gern ausprobiert. Ich wollte sehen, wie ich ankomme, und hören, was Leute dazu sagen, die Ahnung haben. Ich kann mich selbst gar nicht einschätzen."
Gewitzter und durchdachter Kommentar.
Unmittelbar nach dem Gewinn der Vorausentscheids, belegte die unverkrampfte Lena mit den Finalsongs *Satellite*, *Bee* und *Love me*, die ersten drei Plätze in großen Downloadportalen, und die Karriere als Sängerin ohne Gesangsausbildung war begründet. Das Debütalbum My Cassette Player (Deluxe Edition mit Bonus DVD) sprengte nach dem Eurovisions-Contest Rekorde.

Und jetzt der Kalender, der soviel Teenie-Entzücken ausgelöst hat. Die Fotografen Sophie Krische und Jörg Carstensen zeigen mit zwölf gekonnt professionellen Fotografien eine schöne, quietschvergnügte, nachdenkliche und verwuselte Hit-Frau, die auch optisch gute Laune vermittelt. Deshalb nicht nur für Lena-Megafans ein schöner Hingucker, allerdings beschränkt auf arrangierte Szenen, was für mich den Einsterneabzug begründet. HMcM


Michael Poliza, Classic Africa
Michael Poliza, Classic Africa
von Michael Poliza
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen GENIAL, NICHTS ANDERES KANN ICH DAZU SAGEN, 14. November 2010
Lese ich in Verbindung mit dem Namen dieses Künstlers:
-Kunstvolle Duotonebilder *)
-Einband in Wildlederoptik
-Gedruckt auf FSC zertifiziertem Papier **)
weiß ich, den Band muss ich mir einfach beschaffen. Und Michael Poliza eröffnet in berührenden Worten mit einer Liebeserklärung an diesen Kontinent Afrika, den er fast ein Jahrzehnt bereiste (Botswana, Namibia, Simbabwe, Sambia, Tansania, Uganda, Ruanda, Kenia, Südafrika). Er sagt, ihn faszinierten nicht nur die Wildtiere - was naheliegend wäre - sondern hauptsächlich auch die Wildnis an sich. Dort *synchronisiert er sein Leben mit der Natur und dem Verlauf der Sonne*, wie er schreibt. Kann man es schöner formulieren? Nicht, wenn man ein grandioses Erleben Dritten mit wenigen Begriffen verständlich machen will.
So lässt Poliza seine Kamera erzählen. Jede Abbildung ist mit kleinen Hinweisen versehen, verständlich auch für diejenigen, die nicht perfekt die englische Sprache beherrschen.

Aber gibt es da einen wirklichen Unterschied oder eine echte Ergänzung zu den bereits vorliegenden Bildbänden (Africa, South Africa, Eyes Over Africa, The Essential Africa: Die besten Fotografien aus dem gefeierten AFRICA), mag sich mancher fragen.
ABER JA!
Wir erleben diesen Kontinent mit seinen beeindruckenden Tieren in Duotonetechnik"*), die ein Fotograf auch gerne nutzt, wenn er den Blick auf bestimmte Bestandteile des Bildes lenken will. Spannende Wirkungen erzielt Poliza dabei, wenn das gesamte Bild eine reduzierte oder im Gegenteil, eine sehr starke Farbsättigung behält. Die möglicherweise bei dieser Technik ungewollt auftretenden harten Linien" (mit denen ich als Knipser" gerne arbeite) mildert dieser geniale Fotograf, indem er eben nicht in Schwarz-Weiß abbildet, sondern in Chamois-Abstufungen, die ideal mit dem ausgewählten Papier harmonieren und eine gewisse Weichzeichnung bedingen.
Das gefundene Bildbandformat 34 x 26 ist absolut ausreichend, und die gute Anzahl an Detailabbildungen ermöglichen einen entspannten, trotzdem hochkonzentrierten, umfassenden Blick auf das Objekt der Darstellung.
Diese wirklich *einzigartige Bildersafari* kann der Betrachter nur genießen. Etwas Anderes ist für mich ausgeschlossen, und ich wage die Behauptung, wenn ich vielleicht in einigen Monaten mit geschlossenen Augen Afrikaszenen von Poliza Revue passieren lasse, es werden diese Duotoneaufnahmen sein, die mir vor allen anderen in den Sinn kommen.
Nach alledem dürfte es den Leser dieser Rezension nicht verwundern: Ich habe überhaupt keine Wahl, als den Erwerb dieses Meisterwerks nachhaltig zu empfehlen. HMcM

*) Das Besondere an Duotone-Fotos ist, dass nur Helligkeitsunterschiede wiedergeben werden. Die Duotone-Fotografie (gemeinhin als Schwarz-Weiß-Fotografie bezeichnet) ist das älteste fotografische Verfahren der Fotografie überhaupt.

**) Der FSC bzw. dessen Zertifizierungssystem stellt einen Garanten für die geforderte Nachhaltigkeit auch in der Papierherstellung dar. Der FSC hat sich zum Ziel gesetzt, international gültige Standards für eine ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung zu etablieren. Hierfür wurden zehn Prinzipien als Maßstab für die Waldbewirtschaftung aufgestellt, die in nördlichen Nadelwäldern ebenso wie in tropischen Regenwäldern gelten (mehr dazu unter [...] oder [...]


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