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Rezensionen verfasst von
Heinz Herbert "HMcM" (Catalköy, Nordzypern)

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Cengiz & Locke
Cengiz & Locke
von Zoran Drvenkar
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hammerharte Realität, 12. Mai 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cengiz & Locke (Taschenbuch)
Dem Autoren (siehe auch die Romane SAG MIR WAS DU SIEHST und DU BIST ZU SCHNELL) kann ich nur zu diesem absolut gelungenen Roman gratulieren und jedem Käufer des Buches auch, denn der hat garantiert 352 spannende Seiten vor sich liegen oder hat sie - wie ich - am Stück bereits reingezogen.

Der Plot wird eigentlich jeweils diesem oder jenem Protagonisten erzählt, so als wolle ihm jemand bewusst machen, was geschehen war.

Durchaus unüblich, aber deshalb nicht minder spannend und packend bis zur letzten Zeile. Dazu geschrieben in einer zeit- und milieugerechten Sprache, die diesem Autoren leicht zu fallen scheint und woran andere bei ähnlichen Versuchen kläglich scheitern.

Die Handlung wird jedem altersmäßig etwas fortgeschrittenen Leser in Erinnerung rufen, wie leicht sich doch die Zufalls-Schraube drehen kann, wie ein kleiner, eher zufälliger Anlass, eine unbedachte Idee irgend eines Typen, eine Kettenreaktion auslösen kann, die letztendlich andere in eine Spirale von Gewalt, Reaktion und Gegenreaktion, zieht. Und ein Plot zugleich, der jedem Jugendlichen bewusst macht, ja, genau so war es oder genau so hätte es enden können, damals ... wenn nicht ...

Stoff für einen modernen Schulunterricht und zugleich für kurzweilige Stunden auf der Couch. Wer sich auf das Buch einlässt, wird es nicht bereuen, ob jung oder älter. Das verspreche ich - und ich habe schon ein paar Bücher gelesen. HMcM


Rohkost statt Fasten: Ein Rohkosttagebuch für Normalos
Rohkost statt Fasten: Ein Rohkosttagebuch für Normalos
von Ute-Marion Wilkesmann
  Taschenbuch

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ROHKOST-SCHMANKERL, 5. April 2007
Eine Ex-Studentin Grafik-Design, später der Islamwissenschaften, heute Fachübersetzerin im Bereich Medizin/Pharma und jetzt ein Buch über Rohkost. Als typisch übergewichtiges Beispiel ungesunder Ernährung erwartete ich eine ausgemergelte Autorin, die unter Aufzählung aller möglichen Mineralien, Wurzeln, Knollen und Salaten mit erhobenem Zeigefinger das Kauen auf UNGEKOCHTEM herrlich findet, während ihr der Wind durch lückenhafte Zähne pfeift.
WEIT GEFEHLT. Gefunden habe ich eine Autorin, die von sich sogar sagt, dass sie hier und da noch auf ein Zentimeterchen verzichten könnte. Das kleine Bild im Schlusskapitel zeigt dann auch glaubhaft keinen Hungerhaken mit dramatischen Gesichtsfurchen, sondern einen offensichtlich vitalen Menschen, gesegnet mit einem selbstbewussten Strahlelächeln. Meine voreilige Vermutung in Bezug auf eine schadhafte Fressleiste in Verbindung mit Rohkost musste ich schnell als irriges Vorurteil abhaken.
Und der mich neugierig machende Untertitel des Buches EIN ROHKOSTTAGEBUCH FÜR NORMALOS wurde für mich auch nachvollziehbar.
Gefunden habe ich dann, längst nicht mehr überrascht, ein gut gegliedertes Buch über eine Art Selbstversuch mit Rohkost. Die Autorin lässt den schnell interessierten Leser in knappen, informativen Sätzen und Kapiteln teilhaben an ihren Überlegungen, warum sie sich diesem Selbst-Test unterzog und warum sie diesen letztendlich als gelungen ansieht.
Die sehr umfangreiche Rezeptsammlung bietet selbst EINGEFLEISCHTEN Ignoranten des Ungekochten Anreize, zumindest dies oder jenes auszuprobieren. Die Zutaten sind allesamt in Westeuropa auch im Gemüseladen, auf dem Markt oder bei dem Bio-Bauern zu kaufen. Alle Rezepte sind glaubhaft von der Autorin selbst getestet und versehen mit für den NORMALO so wichtigen Hinweisen wie VORARBEITEN und verwendete KÜCHENMASCHINEN. Selbst die für mich so wichtige ZEITDAUER des Einsatzes solcher Maschinen ist auf die Sekunde angegeben. Das macht zeitraubende und - ich gebe es gerne zu - meist enttäuschende Selbstversuche überflüssig.
Ganz interessant auch: Der Bericht über die ZEIT NACH DEN ROHKOSTWOCHEN. Darüber liest man anderswo selten etwas.
Irgendein Erstleser des Buchmanuskripts wird im letzten Kapitel mit den Worten zitiert: Die Autorin hat dieses Buch nicht geschrieben, um ihre eigene Sicht der Dinge nachzuerleben, wie es viele tun. Ute-Marion Wilkesmann, um ein Wort von Picasso zu variieren, sucht ihre Erlebnisse nicht, sie findet sie.
OK, das mag zutreffend sein. Er wird die Autorin gut genug kennen, um das behaupten zu dürfen.
Ich sage: Insgesamt, mehr als NUR ein ROHKOSTBUCH. Ein wirklicher Schmankerl. Deshalb kaufen und dann auch über den Gaumen genießen. HMcM


Ein Regenschirm für diesen Tag
Ein Regenschirm für diesen Tag
von Wilhelm Genazino
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irgendwie faszinierend, 5. Dezember 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Regenschirm für diesen Tag (Taschenbuch)
Vielleicht könnte man diesen Roman so umschreiben. Obgleich, nichts wirklich fasziniert.

Und doch: Einfach Genazino.

Jedenfalls kenne ich keinen anderen deutschen Schriftsteller, der das Alltägliche zwischen zwei Beziehungen (Lisa hat ihn gerade verlassen und Susanne hofft auf einen Entscheidungsruck) so anrührend beschreiben kann.

Der Schuhtester – welch putzige Idee – lässt auf seinen Testrouten durch die Stadt seine Gedanken fließen, und nur gelegentlich bündelt er sie auf eine Person die ihm begegnet, eher unwillig als erfreut. Ja er trägt sich gar mit dem Gedanken, einen Schweigestundenplan einzuführen. Natürlich für andere, in Bezug auf ihn.

Denn es graut ihm davor, sich mit anderen Menschen über Dinge zu unterhalten, die ihn partout nicht interessieren (z.B. mit seinem Auftraggeber über dessen Hobby: Modelleisenbahnen), gerade dann, wenn ihn etwas erschüttert (z.B. die Nachricht, dass seine „neuen Zähne“ fertig sind und abgeholt werden können).

Dass Genazinos Protagonist zur Zeit vom freundschaftlich „nachgelassenen“ Konto seiner Ex lebt, mag diesem nicht ganz angenehm sein,denn er trägt sich mit dem Gedanken, Kurse des Erinnerns zu veranstalten. Erkennt dann aber rechtzeitig, dass die Übernahme eines Jobs durch Vermittlung eines Freundes bei einer Zeitung doch die bessere Alternative ist.

Einhundertvierundsiebzig Seiten über Gedanken, die einem in den Kopf kommen und wieder gehen, gerade dann, wenn man einfach so vor sich hin läuft.

Dazu nie langweilig. Mit anderen Worten: Empfehlung für ein paar gemütliche Stunden.

Ach ja, mich würde jetzt noch interessieren: Geht der Genazino wirklich gerne spazieren? HMcM


Drecksau: Roman
Drecksau: Roman
von Irvine Welsh
  Taschenbuch

26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sozialstudie der außergewöhnlichen Art, 21. November 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Drecksau: Roman (Taschenbuch)
Auch dieses Buch des Autoren teilt die Leserschaft in entschiedene Lager. Von SAUSCHLECHT, ÜBERFLÜSSIG und BRUTAL bis hin zu UNGEWÖHNLICH, PACKEND und SOZIALKRITISCH lauten die Beurteilungen. Jedenfalls ist da nichts wie man es gewohnt ist, egal ob man diesen Roman als Krimi, als sozialkritische Betrachtung oder sonst was sehen will.

Wir haben es mit einer Gruppe männlicher und weiblicher Kriminalpolizisten und insbesondere mit einem Detective Sergeant namens Bruce Robertson zu tun. Der strebt mit allen Mitteln eine Beförderung zum Inspektor an. Ein letztlich widerlicher Typ, dessen Frau samt Tochter vor ihm in ein Frauenhaus geflohen sind. Einer, der montags oder dienstags nie etwas erledigt, was er gegen Wochenendzulage nicht samstags oder sonntags bearbeiten könnte. So strapaziert er sein Lieblingsformular OTA 1-7 bei jeder Gelegenheit, und davon gibt es viele, ist er doch in seinen Augen der Fähigsten einer, bei Durchsetzung der polizeilichen Maxime: ZERO TOLERANCE gegenüber Kriminalität im Stadtzentrum, jedoch totales LAISSEZ FAIRE im Sozialghetto-Hinterland.

Dabei lässt Robertson nichts unversucht, seine Mitkonkurrenten beim Posten-Poker gegeneinander auszuspielen. Der Mord an einem Schwarzen in Edinburgh kurz vor Weihnachten scheint die richtige Gelegenheit zu sein, um den Kollegen und Kolleginnen die Plattform zu geben, sich selbst beim Bewerbungswettstreit zu eliminieren, ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten zu offenbaren.

Dabei aber erfahren wir im Verlauf des Plots viel mehr über genau diese Eigenschaften des Protagonisten und Ich-Erzählers Robertson.

Der ist politisch rechts orientiert, rassistisch, sexistisch ganz allgemein, Frauen verachtend und Schwule hassend, ein Kollegenschwein, Dieb, Erpresser und Vergewaltiger. Eben genau das Ebenbild dessen, was der Buchtitel verspricht.

Bei all seinen vermeintlich cleveren Aktionen gerät der Super-Proll-Bulle, der an schuppigem Ausschlag im Intimbereich sowie an Hämorriden leidet und zugleich Wirt eines profunden Bandwurms ist, durch Alkohol und Drogen immer mehr auf die abfallende Schiene.

Er unterscheidet letztlich nur noch zwischen sich und denen, die er mit einer prollmäßigen Bezeichnung für ein weibliches Geschlechtsmerkmal bezeichnet. Und das sind einfache Kriminelle und Drogenbosse, Polizisten in Zivil und Uniform, Untergebene und Vorgesetzte, Frauen und Männer, Jungens und Mädchen, Nachbarn und Freunde, mithin: WIRKLICH ALLE ANDEREN.

Kaum Ansätze irgendeiner positiven Erkenntnis.

Aber warum ist dieser Mensch wie er ist?

Da hilft uns dieser hartnäckige Bandwurm weiter, der sich immer nachhaltiger in Robertson und deutlicher auf den Seiten des Buches breit macht.

Er nimmt zunächst seinen Wirt mit Interesse wahr.

Zitat: Du (Robertson) musst ein weitaus interessanteres Leben führen als ich, ein primitiver, auf stumpfsinniges, eintöniges Ritual beschränkter Organismus.

Der Wurm übernimmt dann allerdings später, irgendwie enttäuscht oder auch nur verwundert über seinen Wirt, die Rolle des Psychologen und klärt den Leser über die verhaltensauslösenden Traumata des Protagonisten in kurzen Rückblenden auf. Das in Form von wohl bandwurmförmigen Einschüben, die über den laufenden Text gelegt sind und nur anfangs verwirren.

Am Ende lässt uns der Bandwurm wissen:

Ich kann außerhalb des Wirtkörpers nicht weiterleben ... und es bleibt den schreienden Anderen, immer den Anderen, überlassen, die Scherben aufzukehren.

Wer sich insbesondere anfangs überwindet und sich auf den durchgehend bleibenden Ekelfaktor einlässt, die sehr herbe Prollschreibe des Autoren hinnimmt, findet hier einen außergewöhnlichen Plot von einem außergewöhnlichen Schriftsteller.

Nicht jedermanns Sache, aber zumutbar für die, die bestimmte Realitäten zu akzeptieren in der Lage sind.

Absolut uninspiriert dagegen sind meines Erachtens die Cover bei dtv ebenso wie bei Kiepenheuer & Witsch. Lassen Sie sich nicht durch deren fürchterliche Gestaltung verleiten anzunehmen, das Buch sei witziger Klamauk. HMcM


Schwarz auf Rot: Oberinspektor Chens dritter Fall Kriminalroman
Schwarz auf Rot: Oberinspektor Chens dritter Fall Kriminalroman
von Xiaolong Qiu
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Eine ganz andere Sache, 10. November 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diesen Krimi von Qiu Xiaolong zu lesen nach Derek Raymonds Roter Nebel ist einer Rehabilitationsmaßnahme ähnlich. Denn wir haben es bei Oberinspektor Chen Caos drittem Fall mit einem eher traditionellen Plot zu tun. Ein Mord geschieht, den es aufzuklären gilt.
Die Spannung zieht der Autor nicht aus dem Geschehen, aus der Tat oder den Folgen des Kapitalverbrechens (eine Frau wird in ihrer Wohn-Kammer mit einem Kissen erstickt), sondern aus der Beschreibung der Lebensumstände seiner Protagonisten im nachrevolutionären China oder genauer gesagt, der Stadt Shanghai.
Dort gibt es wieder Kapitalisten. Die alten Kader tun sich schwer, erkennen sie doch plötzlich, dass alles um sie herum nicht mehr so ist wie es war, wofür sie sich eingesetzt, wofür sie gelebt und gekämpft haben. Die gegenwärtigen Gewinner sind die früheren Klassenfeinde, auch wenn die kommunistische Partei noch immer das offizielle Sagen hat.
Der ungelernte Betreiber einer Garküche verdient weitaus mehr als ein Staatsbeamter, wohnt besser und hat Zukunftsaussichten. Ehefrauen müssen mitverdienen, jede niedere Arbeit übernehmen, nur damit Kinder eine vernünftige schulische Ausbildung erhalten können.
Und auch Oberinspektor Chen gönnt sich zwei Wochen Urlaub, um für den Großkapitalisten Gu eine Projektbeschreibung gegen sattes Entgelt ins Englische zu übersetzen. Er überlässt seinem Hauptwachtmeister Yu Guangming die Hauptarbeit der Ermittlung, hält jedoch ein wachsames Auge auf das Geschehen. Er will, dass seine Fachkraft die Lorbeeren erntet, wurde der doch gerade aufgrund der Machenschaften eines Parteisekretärs um die zugesicherte größere Wohnung gebracht, ohne realistische Chance auf eine neue Möglichkeit in absehbarem Zeitraum.
So widersinnig es ist, der frühere Klassenfeind bietet Möglichkeiten, die Chen nicht nur selbstlos für seinen Hauptwachtmeister zu nutzen gedenkt. In einem interessanten Sanierungsgebiet könnte es sich als lohnenswert erweisen, einiges des nebenbei verdienten Geldes anzulegen.
Während sich die Ermittlungen in das Dissidenten-Milieu bewegen und mit traditionellen Ermittlungsmethoden versucht wird, Licht in das Dunkel des Mordfalles zu bringen, dessen Ursache letztendlich politischen Hintergrund haben könnte, richten wir unser Augenmerk auf ein köstliches Menü der berühmt-berüchtigten Shanghaier Küche:
Zunächst ein kleiner Teller gebratener Spatzenmägen, gefolgt von einer deliziösen Auswahl an Entenköpfen, deren Schädelknochen entfernt worden sind, damit der Gourmet besser an die Zunge gelangen und die Hirnmasse aussaugen kann. Die sogenannten SAUNA-SHRIMPS sind dann auch sehr beeindruckend. Lebende Flusskrabben werden in einer Glasschale serviert, zusammen mit einem kleinen hölzernen Eimer, dessen Boden mit glühendheißen Steinen bedeckt ist. Wein wird in die Schale mit den Krabben gegossen. Die bald alkoholisierten Krabben werden sodann herausgenommen, in den Eimer geworfen. Es zischt und nach zwei, drei Minuten kann eine Platte Sauna-Shrimps ein schöner Abschluss eines genussreichen Mahls sein.
Wie dieses Menü ist in diesem tollen Roman alles ein bisschen anders als wir es gewohnt sind, und somit um so interessanter zu lesen. Dazu trägt auch eine locker eingestreute Auswahl altchinesischer oder auch zen-buddhistisch angehauchter Gedichte bei, wie z.B.:
Eine Seidenraupe im Frühling / wird bis zum Tod nicht aufhören zu spinnen. / Die Tränen einer Kerze trocknen erst, / wenn sie niedergebrannt ist.

Der Autor versteht es meisterlich, Einblick in eine fremde Kultur zu gewähren, die gerade in diesen Zeiten des dortigen Umbruchs hochaktuellen Charakter haben.
Diesen Roman empfehle ich sehr gerne. HMcM


Rauf Denktas - Sein Leben für Nordzypern
Rauf Denktas - Sein Leben für Nordzypern
von Uli Piller
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,95

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtsfortschreibung, 3. November 2006
Denkt man an den Zypernkonflikt, so denkt man zwangsläufig auch an dessen langjährigen Präsidenten Rauf Denktasch, denn – wie im Buch zitiert:

„Er hat alle gekannt, er hat mit jedem gesprochen, und er hat die meisten überlebt. Nur er selbst war immer dabei, ... .“

Dem engagierten Autoren gelingt nach seinem viel beachteten Werk „Die Türkische Republik Nordzypern“ insbesondere auch eine Dokumentation der Zeit unmittelbar vor und nach den sogenannten ANNAN-PLÄNEN.

Mit analytischem Blick umreißt Piller die damals vorhandenen Möglichkeiten, bewahrt eine klare Sicht trotz aller Nebelwerfereien des heutigen EU-Zypern. Denn das agiert allem Anschein nach durchgehend bis in die Gegenwart, nach den Vorgaben des Akritas Plans, der dem Buch als Anlage u.a. beigefügt ist. Und zu dessen Durchsetzung in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat bereits der heutige Präsident der Südrepublik beigetragen, von dem selbst wohlwollende Beobachter nicht sagen können, dass sich sein Denken seit diesen dramatischen Tagen gewandelt hätte.

Jedenfalls wird vor dem Hintergrund des Zypernkonflikts die politische Kraft des ehemaligen Präsidenten Nordzyperns deutlich, den die internationale Politik vergeblich als Volksgruppenvertreter zu diskreditieren versuchte.

Dabei gelingt es Piller zu veranschaulichen, dass Denktasch bis in die heutige Zeit hinein der Mann ist, der zwanzig Jahre geduldig die Möglichkeiten zur Wiederherstellung eines gemeinsamen griechisch-türkischen Staatswesens verhandelte, bis er schließlich 1983 die Unmöglichkeit einsah und die Türkische Republik Nordzypern proklamierte.

Auch behielt Rauf Denktasch mit seiner Einschätzung anlässlich der Volksabstimmungen auf der Insel recht, dass die griechisch-zyprische Bevölkerungsmehrheit eigentlich gar kein Interesse an einer gleichberechtigten Stellung der türkisch-zyprischen Bevölkerung hat. Das eindeutige NEIN Südzyperns war nicht nur eine Provokation der EU einschließlich UNO, sondern auch ein Schlag in das Gesicht der türkisch-zyprischen Bevölkerung, die ebenso eindeutig mit JA gestimmt hatte.

Ein Buch, das trotz der sparsamen und technisch mangelhaften Bildbeigaben lesenswert bleibt, weil gerade auch die beweisen, dass sich der Autor bei allen offenkundigen Sympathien seine Unabhängigkeit und damit seinen klaren, unbestechlichen Blick auf das politische Geschehen Zyperns bewahrt hat. HMcM


Das Serienmörder-Prinzip: Was zwingt Menschen zum Bösen?
Das Serienmörder-Prinzip: Was zwingt Menschen zum Bösen?
von Stephan Harbort
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lange Recherchen, 25. September 2006
Es bedurfte langer, über fünfzehn Jahre andauernder geduldiger Recherchen, bis der engagierte Autor, der zugleich aktiver Kriminalhauptkommissar und international anerkannter Experte für Serienmorde ist, diesen Band vorlegen konnte.

Briefwechsel und/oder Interviews mit über fünfzig Tätern bilden die Basis dieses fesselnden Sachbuchs, das schließlich zur Erarbeitung eines siebenphasigen Serienmordprinzips führt. Harbort stellt sein Prinzip ERKENNEN UND AUFKLÄREN in den Vordergrund und verzichtet dankbarer Weise auf medienwirksame, sensationslüsterne Schilderungen.

Im Gegenteil, er lässt die Täter – soweit ihm dies ermöglicht wurde – selbst zu Worte kommen, lässt sie selbst ihre Taten und Motive erkennen und hinterfragen. Dabei verliert er nie den analysierenden Blick des Kriminalisten. Als Mann vom Fach spart er nicht mit Hintergründe erhellenden Kommentaren, Analysen und Deutungen. Die sind natürlich notwendig, kann man doch die Selbsteinschätzungen von Menschen, die sich selbst weit aus dieser Gesellschaft entfernt haben und die geprägt sind von ihrer ganz eigenen Vita, nicht für sich alleine stehen lassen.

Die Erkenntnis, dass es letztlich kein festes Täter-, ja sogar kein festes Opferprofil zwingend gibt, an dem sich potenzielle Opfer orientieren könnten, ist erschreckend und – für mich – neu zugleich.

Selbst das erarbeitete Serienmordprinzip kann nach all diesen Fallanalysen nur eine Erkenntnishilfe sein, durch deren Maschen manch ein Serientäter schlüpfen wird.

Nur wenige Menschen sind in der Lage, ein solches Buch zu schreiben. Denn wer hat solchen Zugang zu den Quellen, die über einen wie auch immer gearteten persönlichen Kontakt zu Tätern weit hinausgehen und in den geschützten Bereich von Hochsicherheitstrakt und Ermittlungsakten reichen? Aber andererseits, wer von diesem Personenkreis wäre überhaupt Willens und dazu in der Lage, ein dermaßen informatives wie gleichzeitig auch spannendes Buch zu verfassen.

Ein Sachbuch, das diesem Krimifan hochinteressante Einblicke in die wahre Seelenwelt von Serienmördern ermöglichte und das ich deshalb sehr gerne empfehle.

Fazit: Unmöglich von Stephan Harbort nicht gefesselt zu sein. HMcM


Sag mir, was du siehst
Sag mir, was du siehst
von Zoran Drvenkar
  Taschenbuch

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach die Zeit vergessen, 31. Juli 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sag mir, was du siehst (Taschenbuch)
DU BIST ZU SCHNELL war der erste Roman, den ich von diesem Autoren las. Las? Unfug, den ich reinzog, am Stück. Kann einer so was wiederholen? Der Mann kann es.

Während ich bei dem vorerwähnten Thriller ständig befürchtete beim Lesen unterbrochen zu werden, vergaß ich bei SAG MIR, WAS DU SIEHST einfach die Zeit und alles um mich herum. Obgleich: Kein Thriller. Einer dieser gerade so modernen Fantasie-Romanen? Vor so was schrecke ich zurück. Da sage ich lieber, es ist die Schilderung eines esoterisch angehauchten möglichen Erlebens. Wie sonst soll ich es bezeichnen?

Es war auch NICHT NUR dieser Winter-Rabe auf dem Cover (mein Totem, wie eine sehr sympathische Dame für mich einmal erkannte) der mich sogleich faszinierte, sondern wieder die schnörkellose, sachliche und doch so reiche, eigene Sprache von Zoran Drvenkar, die mich von der ersten Zeile an fesselte.

Und haben wir nicht alle, irgendwann bei einem dieser seltenen und außergewöhnlichen Momente, diese Schatten (diese Rabenvögel) genau als das erkannt, was sie sein könnten?

Alissa und Evelin, die Protagonisten dieses Romans, kommen in Kontakt mit diesen Schattenwesen und sie lassen sich, zunächst aus unterschiedlichen Gründen auf dieses Abenteuer ein, gehen unterschiedlich mit dem um, was ihnen widerfährt. Und doch finden die beiden Freundinnen, die sich zwischendurch beinahe entfremden, auf sehr beeindruckende Weise wieder zueinander.

Also, aufpassen wenn eine seltsame Pflanze auf ungewöhnlichem Untergrund wächst. Sich der Folgen bewusst sein, wenn man sie pflückt, insbesondere dann, wenn sie aus der Brust eines toten Jungen rankt. Denn alles wird sich wandeln. Nichts ist mehr wie zuvor. Und betrachtet auf jeden Fall diese faszinierenden Rabenvögel dieser Welt mit anderen, mit wachen Augen. Ein tolles Buch.

Der 1967 in Krizevci/Kroatien geborene Autor kam als Dreijähriger mit den Eltern nach Berlin. Wie ich über ihn las, fing er mit fünfzehn Jahren an zu schreiben. UNGLAUBLICH PATHETISCHE KITSCHIGE GEDICHTE, WEIL ICH VERLIEBT WAR, sagt er. Und er hat lange warten müssen, bis er einen Verlag fand, dem er heute alle seine Werke einreichen kann. Ich möchte sagen, ein Glück für diesen Verlag, denn es gibt nicht viele deutschsprachige Autoren, die in der Lage sind ein altersmäßig breit gefächertes Lesepublikum nicht nur zu erreichen, sondern auch zu faszinieren. HMcM


Der falsche Liebreiz der Vergeltung: Commissario Montalbano findet seine Bestimmung
Der falsche Liebreiz der Vergeltung: Commissario Montalbano findet seine Bestimmung
von Andrea Camilleri
  Gebundene Ausgabe

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schon früh ein gerissener Hund, 27. Februar 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was habe ich erwartet von diesem Autoren Jahrgang 1925, dessen Krimis mir zu lesen empfohlen wurden? Einem Sizilianer, geboren und aufgewachsen in einem sizilianischen Küstenstädtchen namens Porto Empedocle? Einem älteren, nein man darf es sagen, einem alten Mann, der in seinem Leben als Drehbuchautor und Regisseur gearbeitet hat, historische Romane veröffentlichte und schließlich weltweit bekannt wurde mit einer Serie von Kriminalfällen seines Commissario Salvo Montalbano. Ich will mich der Person des Autoren vorsichtig annähern, denn von dem kann man auf seine Protagonisten schließen. Ich erfahre: „Essen hatte für mich schon immer eine besondere Bedeutung.“ Er lebt seit rund sechsundfünfzig Jahren in Rom und ist nur zehn Jahre weniger mit einer Mailänderin verheiratet. Seine Bücher allerdings handeln ausschließlich in Sizilien, denn: „Es gibt keinen Sizilianer, dem Sizilien nicht fehlt.“ Und: „Ich rede immer von der Mafia, ohne ausdrücklich von ihr zu sprechen.“
Also, die übliche Sizilianergülle? Weit gefehlt, sage ich nach Lesen dieses (schlau) gewählten Bandes, mit dem der Autor erst jetzt berichtet über die Zeit zu Beginn der Karriere seines Protagonisten. Der bekommt seine erste verantwortliche Anstellung in einer kleinen Küstenstadt namens Vigata und ist allen guten Mächten dankbar, die ihn aus dem abgelegenen Dorf in Siziliens Bergen, dem Ort seiner „Grundausbildung“, erlösten.
Die sorgfältig ausgewählten Stories berichten über „Montalbanos allerersten Fall“ (150 Seiten) und zwei andere, zeitlich nicht im Zusammenhang zum ersten Plot stehenden Begebenheiten „Immer Montags“ (90 Seiten) und „Zurück zu den Wurzeln“ (95 Seiten). Drei durchaus spannende und faszinierende Fälle, typisch sizilianisch, „aufgefüttert“ mit einer Serie von Fischgerichten, die der Held nur dann nicht genießen kann, wenn er mit einem Problem schwanger geht, und im Hintergrund agiert die Mafia, modern und angepasst und um so erfolgreicher. Und man erkennt sehr bald: Dieser Commissario war schon früh ein gerissener Hund. Der Autor hingegen verzichtet hier auf jede Leiche – und man vermisst die am Ende auch nicht. Ein tolles Buch, kurzweilig, sprachlich angenehm, kurz: Sehr zu empfehlen. HMcM


Anästhesie. Kriminalroman
Anästhesie. Kriminalroman
von Martin Kleen
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spannend. Unterhaltsam, 6. Januar 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anästhesie. Kriminalroman (Taschenbuch)
Ein wirklich beachtliches Krimi-Debüt. Der Autor verzichtet dankbarer Weise auf belanglose, seitenfüllende Schilderung total unwichtiger Nebensächlichkeiten und treibt den Plot schnell voran. Dadurch hält er die notwendige Spannung immer aufrecht, wobei Kleen auf eine wohldosierte Prise Liebe und Zeitkritik nicht einmal verzichtet, und der Leser wird über zweihundertfünf Seiten unterhalten im besten Sinne des Wortes.
Dass der Autor selbst als Anästhesist gearbeitet hat, merkt der schnell gefesselte Leser und erlebt Szenen im Operationssaal, die den Atem stocken lassen.
Es könnte allerdings sein, dass man sich bei einer eventuell anstehenden Operation etwas weniger vertrauensselig in die Hände der Götter in Weiß" begibt.
Das sich dankbarer Weise erst spät herauskristallisierende Tatmotiv (der Täterin/des Täters) ist vielleicht nicht ganz überzeugend und ausreichend für die Mordserie, und wie ein deutscher Rechtsanwalt Parteiverrat" im privaten Bereich begeht, wirkt mir etwas zu konstruiert. Aber wer weiß, welche Erfahrungen der Autor auf diesem Gebiet hat?
Letztlich absolut zu vernachlässigendes Gegrummel. Den Roman empfehle ich gerne jedem Krimifan. HMcM


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