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Rezensionen verfasst von
Sebastian Prignitz "prignitz-berlin"
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Das antike Rom: Geschichte und Archäologie
Das antike Rom: Geschichte und Archäologie
von Frank Kolb
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das antike Rom im Schnelldurchlauf - etwas einseitig, 10. März 2007
Diese Abhandlung von Frank Kolb über das antike Rom versteht sich als kurze Einführung in Geschichte und Archäologie der Stadt. Dem wird der Text jedoch nur zur Hälfte gerecht.

Das chronologisch aufgebaute Buch liest sich über weite Partien nicht schlecht. Es enthält eine Fülle von Informationen, zum Beispiel zur Situation römischer Mieter, zur Organisation der Feuerwehr oder zur Anlage der Kaiserfora. Etwas sperrig sind dagegen Partien, in denen es um Inneneinrichtungen, Raumensembles oder die Gestaltung christlicher Kirchen geht, ohne durch Abbildungen eine Vorstellung derselben zu liefern. Ohne eingehende Ortskenntnis bleibt dem Leser daher vieles schwer verständlich.

Das trockene erste Kapitel zur frühen Geschichte wirkt etwas einseitig. So werden die Gründungsmythen um Romulus und Remus und die Erzählungen über Könige und Tarquinier von Kolb von vornherein als Erfindung späterer Zeiten eingestuft, abweichende Meinungen anderer Wissenschaftler qualifiziert er schon im Vorwort als "durch politische und ideologische Voreingenommenheit beeinträchtigt" ab. Erst nach dem Kelteneinfall 387 v. Chr. nimmt Kolb historisch verlässliche Kunde über die Geschichte Roms an. In der Tat ist die Gründungsgeschichte Roms in der Forschung umstritten und nicht mit Gewissheit zu klären; Kolb aber glaubt prinzipiell nur, was nun wirklich nicht mehr bestritten werden kann. Diese hyperkritische Einstellung kommt in der ganzen Diktion des Textes zum Ausdruck.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der etwas einseitige historische Schwerpunkt: Die rein architekturgeschichtliche Besprechung der Monumente Roms erfolgt in diesem Buch fast ausschließlich aus dem Blickwinkel des Althistorikers. Archäologische Betrachtungen sind Mangelware. Zwei Beispiele: Es gibt im gesamten Buch nur eine einzige Abbildung eines Monuments (die Maxentiusbasilika auf S. 95), sonst benutzt Kolb ausschließlich Karten und Grundrisse, um die politischen Intentionen der römischen Bauherren aufzuzeigen. Und über römische Wandmalerei, Sepulkralkunst oder die Reliefs der Triumphbögen wird nicht ein Wort verloren. Dieses Werk liefert also mehr trockene Geschichtsschreibung als lebendige Archäologie.

Wer in einer kurzen Einführung etwas über römische Kunst- und Kulturgeschichte erfahren will, ist mit Paul Zankers Büchlein in derselben Reihe besser bedient, und das obwohl in Zankers Werk der Gesichtskreis weit über die Stadtmauern Roms hinausgeht.


As Time Goes By
As Time Goes By
Preis: EUR 17,81

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 10. März 2007
Rezension bezieht sich auf: As Time Goes By (Audio CD)
Eigentlich heißt es, das Original sei immer am besten. Im Fall der Filmmusik-CD der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker wird dies Diktum widerlegt: Ihre Interpretation berühmter Filmmusiken ist vielfach besser als das Original. Das gilt m.E. besonders für die Einspielung des "Basic Instinct" - Themas, und bei "Spiel mir das Lied vom Tod" hat man den Eindruck, jedem der Musiker stünde leibhaftig ein Mann auf den Schultern. Doch auch die leisen und romantischen Töne sind vorhanden, schließlich auch der Humor: Bei den "B(e)are Necessities" aus dem Dschungelbuch hat man den tanzenden Bären Balu vor Augen, und die Musiker scheinen genauso viel Spaß gehabt zu haben wie der Zuhörer.

Es ist wirklich erstaunlich, wie es den Cellisten gelingt, eindringlicher als ein großes Filmmusik-Orchester zu klingen. Lediglich Till Brönner (Trompete) und Max Raabe (Gesang bei "The Bare Necessities") ergänzen die zwölf. Und auch wenn die CD natürlich nicht an eine Live-Aufführung herankommt (ich vermisse vor allem die Zugabe "Pink Panther", die ich in der Philharmonie noch hören durfte), so empfehle ich diese CD jedem Freund der gehobenen Filmmusik.


Die römische Kunst
Die römische Kunst
von Paul Zanker
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die römische Kunst auf 120 Seiten, 6. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Die römische Kunst (Taschenbuch)
Paul Zanker, bis 2002 Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, setzt in der Beck'schen Reihe für die römische Kunst fort, was Tonio Hölscher zur griechischen Kunst begonnen hat. Wie Hölscher löst sich auch Zanker von konventionellen Stilgeschichten. Er behandelt wichtige römische Kunstwerke nach Gattungen wie Villeneinrichtung, Wandmalerei, Herrscherbild und Sarkophagreliefs. Manches, wie die Wandmalerei, mag dabei etwas kurz kommen, was dem Umfang und einführenden Charakter des Bandes zu schulden ist. Im Anhang gibt es jedoch eine Bibliographie, die dem Leser weitere Bücher für die Vertiefung an die Hand gibt.
An den Beginn stellt Zanker Überlegungen zur Kunst der Republik, an den Schluss ein Kapitel über den Übergang in die spätantike Kunst, während das Herzstück die Kunstgattungen der frühen und hohen Kaiserzeit darstellen. Damit scheint nun doch wieder ein chronologischer Aufbau vorzuliegen - es geht allerdings primär um die kulturgeschichtlichen Hintergründe, um die Gründe des Stil- und Mentalitätswandels. Unbedingt ist zu raten, zuvor ein einführendes Buch zur römischen Geschichte zu lesen. Für eine Erläuterung der politischen Hintergründe fehlt Zanker der Platz, vieles ist jedoch vor allem vor geschichtlichem Hintergrund besser zu verstehen.
Besonders positiv fällt der Abschnitt zur Übernahme griechischer Vorbilder auf ("Nachahmen als kulturelles Schicksal") sowie die Erklärungen zur Entstehung von Kopien. Auch werden die Eigenheiten der römischen Provinzen angemessen berücksichtigt.
Alles in allem ein hervorragendes Büchlein, das der Einführung von Tonio Hölscher gleichwertig an die Seite tritt.


Die griechische Kunst
Die griechische Kunst
von Tonio Hölscher
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weniger ist mehr - Meisterhaft!, 27. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die griechische Kunst (Taschenbuch)
Die antike griechische Kunst auf 124 Seiten darzustellen - das scheint ein schier unmögliches Unterfangen. Immerhin konnte mit Tonio Hölscher einer der besten deutschen Archäologen vom Verlag Beck für dieses Vorhaben gewonnen werden. Herausgekommen ist eine hervorragende Einführung, denn Hölscher schafft es tatsächlich, nahezu alle wesentlichen Punkte zu besprechen.

Der Band löst sich von herkömmlichen chronologischen Stilgeschichten. Zwar sind die Kapitel, nach dem einleitenden Abschnitt "Bildwerke und Lebenswelt", in Anlehnung an die gewohnten Epochen der Kunstentwicklung Archaisch - Klassisch - Hellenistisch unterteilt, doch steht dann anderes im Vordergrund: Das Kunstschaffen wird nach Gattungen, antiken Verwendungskontexten und Intentionen besprochen. Ziel des Buches ist es (Einleitung), "die griechischen Bildwerke in den Räumen, Situationen und Handlungen der antiken Lebenswelt darzustellen". Dem werden der Text und die passend ausgewählten 84 Abbildungen in ganz erstaunlichem Maße gerecht.

Jedes Kapitel wird von einer kurzen historischen Orientierung eingeleitet, die mehr kultur- und mentalitätsgeschichtlich als politisch akzentuiert. Kernstück sind dann die wichtigsten Gattungen der Zeit, jeweils vorgestellt anhand mehrerer bedeutender Beispiele. Besonders ansprechend ist die jedes Kapitel beschließende Betrachtung zu "Formensprache, Menschenbild und Künstlertum", die in wenigen prägnanten Worten die Merkmale einer Zeitphase wie Körperverständnis, Menschenbild und gesellschaftliche Stellung des Künstlers zusammenfasst.

Was allenfalls etwas fehlt, ist eine Erwähnung der regional unterschiedlichen Künstlerschulen, deren Charakteristika in einigen Fällen eine Herkunftsbestimmung des Kunstwerkes erlauben. Ein sachlicher Fehler ist mir nur bei der Beischrift zu Abbildung 17 begegnet (die Amphora mit der Blendung des Polyphem befindet sich im Museum Eleusis, nicht in Athen).

Der Band ist prall gefüllt mit informativem Text, denn buchstäblich jede Zeile wird ausgenutzt. Man kann daher von einem Juwel der Beck-Reihe zu einem günstigen Preis sprechen.


Der Peloponnesische Krieg
Der Peloponnesische Krieg
von Bruno Bleckmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ansprechende Darstellung des Peloponnesischen Krieges, 24. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Peloponnesische Krieg (Taschenbuch)
Mit diesem Band wird endlich ein knapper, aber sehr gut lesbarer Überblick über den Peloponnesischen Krieg vorgelegt. Positiv ist vor allem die gute, bisweilen geradezu unterhaltsame Lesbarkeit des Textes anzuführen. Angemessen wird der Athenozentrismus in der Geschichtsschreibung vermerkt, da man für die Kriegsgeschichte vor allem auf den athenischen Historiker Thukydides angewiesen ist. Bleckmanns Buch ist denn auch sehr eng an Thukydides' Darstellung orientiert, auch und vor allem in der historischen Beurteilung - es wird aber stets korrekt darauf hingewiesen.

Ansprechend ist auch die im Verhältnis recht ausführliche Besprechung der Vorgeschichte des Krieges und der Kriegsgründe sowie der Periodeneinteilung (Archidamischer Krieg - Nikiasfriede - Dekeleischer Krieg). Gewicht legt Bleckmann auch auf den wichtigen Arginusenprozess von 406. Kampftechnik, Heeresteilen und Taktik wird erfreulicherweise ein eigener Abschnitt gewidmet. Der Band liefert also mehr als pure Ereignisgeschichte.

Was, bis auf eine kurze Bemerkung in der Einleitung, völlig fehlt, ist eine Betrachtung zur Kunst- und Kulturgeschichte Athens in der Zeit des Krieges, obwohl mit der kleinen Titelvignette "Aufbruch eines Kriegers" (Vasenbild) doch so schön auf die Kunst der Zeit verwiesen wird. Die Auswirkungen des Krieges, die Erfahrungen und Nöte der Athener haben sich auch im zeitgleichen "Reichen Stil" niedergeschlagen. Eine vergleichende Kunst- und kriegshistorische Analyse der Zeit bleibt damit nach wie vor ein Desiderat der Forschung.

Trotz dieses Einwandes und kleinerer Druckfehler und Doppelungen liegt hiermit nun ein echtes Vademekum zu diesem wichtigen antiken Großereignis vor.


Der maskierte Dionysos. Stadtplanung und Geschlechterrollen in der griechischen Antike
Der maskierte Dionysos. Stadtplanung und Geschlechterrollen in der griechischen Antike
von Jean P Vernant
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drei Schriften Vernants in deutscher Übersetzung, 21. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Band legt drei Schriften von Jean-Pierre Vernant (1914-2007) aus der Zeit zwischen 1963 und 1985 in deutscher Übersetzung vor. Obwohl die Texte teilweise über 40 Jahre alt sind, haben sie ihre Bedeutung keinesfalls verloren.

Der erste Beitrag HESTIA-HERMES hebt den Gegensatz des männlichen Gottes des Draußen zur weiblichen Göttin des häuslichen Herdes hervor. Nur bei der Hochzeit werde die Orientierung des männlichen, mobilen Prinzips nach außen und des statischen, weiblichen nach innen umgekehrt, indem die Frau den heimatlichen Herd verlasse. Schließlich werden einige Ausnahmeregelungen des Erbrechts besprochen.

RAUM UND POLITISCHE ORGANISATION, der zweite Aufsatz, eigentlich eine Rezension Vernants zu dem Buch "Clisthène l'Athénien" von Pierre Lévêque und Pierre Vidal-Naquet, ist auch für sich verständlich und gewinnt eigenständigen Charakter. Bei der Polisneuordnung des Kleisthenes und durch die geometrische Stadtplanung des Hippodamos sei eine Gleichbehandlung aller Bürger das Ziel - neben die egalitäre Geometrie der Architektur trete in der Isonomie die egalitäre, nicht mehr an das genos gebundene Geometrie der Institutionen (dass dieser Aufsatz zur griechischen Sozialgeschichte 1965 geschrieben wurde, nimmt nicht Wunder). Schließlich erweitert Vernant das Spektrum auf den Staatsentwurf Platons aus den Nomoi.

Der dritte Beitrag endlich, DER MASKIERTE DIONYSOS IN DEN BAKCHEN (1985), gibt dem Sammelband den Namen. Dionysos tritt in den "Bakchen" des Euripides als einzige Figur dieser Tragödie mit lächelnder Maske auf, seine eigentliche "Maskierung" ist aber die Verkleidung als lydischer Ausländer. Vernant liefert keine Gesamtinterpretation des Stückes, gibt aber wichtige Hinweise zu dessen Verständnis; unter anderem zu Euripides' Spiel mit der ambivalenten Zeichnung des Gottes, zu den Verben des Sehens und des sich sehen Lassens, auch zum Charakter des dionysischen Thiasos, dessen Treiben in seinem Umsturz der Ordnung auf der Grenze zwischen glücklicher Gemeinschaft und chaotischem Irrsinn steht.

In allen Beiträgen wird viel Vorwissen vorausgesetzt - eigentlich sind die philologischen Gedankengänge eher für Experten geschrieben, und Vernant verlangt seinem Leser viel ab. Das macht die Lektüre bisweilen zu recht harter Kost. Erstaunlich, dass man bei einer so speziellen Zielgruppe die Zitate und Begriffe nicht in griechischen Buchstaben, sondern in lateinischer Umschrift gesetzt hat.

Letztlich nimmt man aus den drei Beiträgen eine Menge neuer Einsichten zu drei nicht unbedeutenden Themenkomplexen mit. Positiv fallen noch die kleinen Illustrationen an den Kapitelenden ins Gewicht - eine hübsche Auswahl aus einer reichen Bilderwelt, die den Zeitgenossen vor Augen gestanden hat.


Monotheismus und die Sprache der Gewalt
Monotheismus und die Sprache der Gewalt
von Jan Assmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,90

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Sprache der Gewalt im Alten Testament - kurze aber anregende Studie, 19. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit diesem Band wird ein Ende 2004 von Jan Assmann in Wien gehaltener Vortrag vorgelegt, der sich mit der Sprache der Gewalt im Alten Testament befasst. Das Problem, das erörtert wird, ist nicht die physische Gewalt, mit der der Monotheismus durchgesetzt wurde, sondern die Funktion des Themas Gewalt in den heiligen Texten (S. 22). Ein in Zeiten des sich auf die Schrift berufenden djihad hochaktuelles und brisantes Thema, dessen sich Assmann aus historischer Perspektive annimmt.

Zunächst definiert Assmann den Monotheismus in seinen Erscheinungsformen. In Abgrenzung zu polytheistischen Religionen seien Judentum, Christentum und Islam exklusive Religionen, die zu gewalttätiger Abgrenzung gegen Andersgläubige auffordern, vor allem aber gegen andere im eigenen Einflussbereich. Der Grund sei die ihnen gemeinsame Devise "Keine anderen Götter!" Es folgt eine Analyse mehrerer Stellen des Alten Testaments, das Assmann als besonders eindrückliches Fallbeispiel für die Gewalt in monotheistischen Religionen dient. Schließlich bespricht Assmann drei dem Monotheismus eigene Phänomene: Performativer Schriftgebrauch, Martyrium und Konversion (S. 46ff.). Er beweist hier wieder einmal, wie er wichtige Gesichtspunkte seines Themas mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann.

Mehrfach sichert sich Assmann gegen Kritik ab, sein Begriff von Monotheismus sei ein "ahistorischer Popanz" (S. 25). Eigentlich ist das kleinformatige Büchlein, das nur 63 Seiten stark ist (der eigentliche Vortrag umfasst sogar nur 40 Seiten) eher eine Quellensammlung und Ergänzung zu zwei anderen Büchern von Assmann, nämlich "Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus" (2000) und "Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur" von 2001. Das ist kein Vorwurf. Aufgrund der für den Verfasser typischen Prägnanz und pointierten Textauswertung ist das Buch ohne weiteres für sich allein verständlich.

Das Vorwort, offensichtlich von einem Kulturpolitiker geschrieben, der in etwas übertriebener Weise auf political correctness bedacht ist, hätte man sich sparen können. Stattdessen wünscht man sich eine Erweiterung der Untersuchung beispielsweise auf den Koran und das Neue Testament. Nichtsdestotrotz ist es das Verdienst des Verlages, eine bedeutsame kulturtheoretische Schrift herausgebracht zu haben, die zur Anschaffung sehr empfohlen werden kann.


Der Ring des Nibelungen: Richard Wagners Weltendrama
Der Ring des Nibelungen: Richard Wagners Weltendrama
von Peter Wapnewski
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

69 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das größte Werk der Bühnengeschichte, 16. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Richard Wagners "Ring des Nibelungen" wird in diesem Werk bündig, schlüssig und immer verständlich besprochen. Ich habe es selber zur Vorbereitung auf den "Ring" der Deutschen Oper Berlin angeschafft und die Kapitel zu jeder der vier Opern begleitend gelesen.

Eine bessere Vorbereitung lässt sich kaum denken: Man versteht die Zusammenhänge, die Motive, die Themen, die alle vier Stücke einander verbinden. Der Sinn vieler Stellen, der sonst während der Aufführung vielleicht dunkel geblieben wäre, erschließt sich durch Wapnewskis Anmerkungen wesentlich besser. Dabei wird auf Fachkauderwelsch oder blumige Umschreibungen völlig verzichtet, was den Text hervorragend lesbar und erhellend macht.

Besonders positiv ist dreierlei hervorzuheben: Der Verfasser, selbst eigentlich Germanist und nicht Musikwissenschaftler, fragt immer auch nach Wagners Vorbildern in der deutschen und altnordischen Literatur, was dem Leser vielfach das Handwerkszeug gibt, die Hintergründe der Entstehung zu begreifen. Zweitens werden mehrere "dunkle" Stellen von Wapnewski einfach mit anderen Worten noch einmal umschrieben, sodass dem Leser der Sinn im Gesamtzusammenhang deutlich wird. Und drittens ist der Band, eingebettet in die Besprechung der Szenen, mit vielen Szenenphotos historischer und neuerer Aufführungen versehen, die die Gestaltung der Bühnenbilder durch die Jahrzehnte nachvollziehbar machen - mir wurde so die Stellung Berliner Inszenierung von Götz Friedrich verständlich.

Kurzum: Wer sich, wie ich, den "Ring" erstmals erschließen will und eine kurzweilige und luzide begleitende Lektüre sucht, ist mit diesem Werk bestens bedient.


Atlantis: Geschichte eines Traums
Atlantis: Geschichte eines Traums
von Pierre Vidal-Naquet
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Kopf auf die Füße, 13. Januar 2007
In vielen populären Büchern zum Thema "Atlantis" wird der Mythos aus Platons Dialogen "Kritias" und "Timaios" auf den Kopf gestellt - Vidal-Naquet stellt ihn in seinem Buch wieder auf die Füße. In einem breit angelegten Überblick behandelt er die Rezeption von der Antike bis heute.

Das erste Kapitel handelt von Platons Texten selber, "weil man, bevor man erkennt, was man aus Platon gemacht hat, erst einmal verstehen muss, was Platon gesagt hat" (S. 17). Der griechische Philosoph habe, so die These des Autors, in der Atlantis-Erzählung eine Parabel auf die Perserkriege und zugleich auf sein eigenes Athen des mittleren 4. Jahrhunderts v. Chr. geschrieben. Ausdrücklich akzeptiert wird ein Bezug des platonischen Textes zum "Nebelland" der Phäaken, das in Homers Odyssee auftaucht. Das auf S. 23 zweimal als "epithymik" verschriebene griechische Wort epithymía sollte in einer 2. Auflage korrigiert werden.

Das zweite Kapitel führt in großer Gelehrtheit weitere antike Atlantis-Erwähnungen vor Augen. Auf S. 41f. fehlt ein Hinweis auf die Seefahrt des Hanno (Ende 6. Jh. v. Chr.), die den karthagischen Admiral durch die Meerenge von Gibraltar führte. Im dritten Abschnitt geht es um die "Rückkehr der Atlanter" zwischen 1485 und 1710 - nach Vidal-Naquet beginnt hier der neuzeitliche Irrweg, Atlantis in der realen Topographie verorten zu wollen. Dieses und die weiteren Kapitel stellen Atlantis-Phantasten den Realisten gegenüber. Auffällig und zu Recht hervorgehoben wird, wie oft der Versuch ein historisches Atlantis zu lokalisieren an nationalistische Tendenzen gekoppelt ist: ein "Rückgriff auf die fernste Vergangenheit, um sich in der Gegenwart besser durchzusetzen" (S. 104). Schön wäre ein Verweis gewesen, dass bereits in der Antike das Postulat der Autochthonie oder des hohen Alters häufig als Autoritätsbeweis eines Volkes herhalten sollte.

Alles in allem also ein von Grund auf gelehrtes, erhellendes Werk. Kritikpunkt: Vidal-Naquet schreibt seltsamerweise oft in der Ich-Form, und nicht nur in der Einleitung scheint mir doch ein wenig viel an Selbstbeweihräucherung vorzuliegen. Aber einem Doyen der Wissenschaft kann man das vielleicht verzeihen. Zumindest wird mit Autoren abseitiger, okkulter oder esoterischer Theorien (Herrmann, Zschaetzsch, Deruelle, Dunbavin, Donnelly; in jüngerer Zeit Joseph, Zangger) so umgegangen, wie sie es aus wissenschaftlicher Sicht verdienen. Wer also etwas über die zeitgemäße wissenschaftliche Interpretation es Atlantis-Mythos erfahren will und nicht von vornherein mit einem populärwissenschaftlich geprägten Verständnis an das Thema herangeht, ist hier genau richtig! Für die Lektüre sollte man Kenntnisse von Athener Geschichte und von Platons Denken und Philosophie mitbringen, um die Ausführungen in allen Nuancen zu verstehen. Vidal-Naquet bietet ein Kompendium der Atlantomanie und zeigt auf, dass die heutigen Phantasten auf eine gut 400jährige bedenkliche Tradition zurückblicken können.


Von Papst zu Papst
Von Papst zu Papst
von Harry Rowohlt
  Audio CD

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Harry ist Kult!, 13. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Von Papst zu Papst (Audio CD)
Wer wie ich Harry Rowohlt schon auf einer Lesung erlebt hat, dem muss diese CD eigentlich gar nicht eigens empfohlen werden, weil er weiß, was ihn erwartet. Allen anderen kann diese Sammlung nur wärmstens ans Herz gelegt werden.

Die CD enthält 5 Weihnachtsgeschichten bzw. -betrachtungen von Kingsley Amis, Dan Kavanagh, David Lodge, Flann O'Brien und John Updike, die Harry Rowohlt in meisterhafter Weise vorträgt. Durch die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme gelingt es ihm spielend, alle Charaktere ganz alleine zu verkörpern und sie für den Zuhörer lebendig werden zu lassen. Die Geschichten sind allesamt erfrischend bissig und satirisch, mein persönlicher Favorit ist Dan Kavanaghs "50 Pfennig-Weihnachtsmann". Zum Erlebnis wird das Zuhören, weil man merkt, wie Harry Rowohlt sich selber für die Texte begeistert und sich diese Begeisterung auf den Hörer überträgt.

Bei uns hat die ganze Familie gelacht und Freude an der CD gehabt: Also - Kaufen, Bruder!


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