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Rezensionen verfasst von
Sebastian Prignitz "prignitz-berlin"
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Der Jesus-Papyrus: Eine Entdeckung aus der Zeit der Augenzeugen
Der Jesus-Papyrus: Eine Entdeckung aus der Zeit der Augenzeugen
von Carsten P. Thiede
  Taschenbuch

16 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Polemisch und einseitig, 30. Dezember 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist eine für ein breiteres Publikum geschriebene Darstellung über einen antiken Papyrus aus Ägypten, der eine Passage des Matthäus-Evangeliums enthält und sich heute in Oxford befindet. Ausgeführt wird die These von Carsten Peter Thiede, der den Papyrus in die Zeit um 70 n. Chr. zu datieren versucht. Die weit reichende Folge dieser Neudatierung wäre, dass das Evangelien des Lukas, des Markus und des Matthäus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammen würden und daher von Zeitgenossen Jesu (also von Augenzeugen!) geschrieben wurden. Die Frage nach der Wortwörtlichkeit der Evangelien würde sich dann ganz neu stellen.
Das Buch enthält eine Reihe von Mängeln. Besonders auffällig ist der polemische Ton, der gegenüber abweichenden Meinungen und Aufsätzen angeschlagen wird. Bedenklich ist auch die Selbstbeweihräucherung des Autors Thiede, wenn er von sich selbst in der dritten Person schreibt ("Neudatierung durch Thiede", "konnte Thiede nachweisen" etc.) oder sich in die Tradition des Entdeckers/Ankäufers des Papyrus im Jahr 1901, Charles Huleatt, stellt. Das geht so weit, dass erwähnt wird, auch Thiede sei (wie Huleatt) Kaplan der anglikanischen Kirche.
"Die papyrologische Analyse, die Herausgabe und Datierung alter Manuskripte muss streng getrennt von Hintergedanken aller Art erfolgen" (S. 199) bemerken Thiede / d'Ancona sehr richtig. Dennoch hat man gerade in ihrem Buch den Eindruck, eine Streitschrift im Sinne der Wortwörtlichkeit der Evangelien zu lesen, die sicherlich viele konservative Theologen begeistern wird. Die Argumente der Autoren stehen hingegen meist auf tönernen Füßen. So soll ein weiteres Papyrusfragment, das aus der Qumranhöhle 7 stammt und damit vor 68 n. Chr. datiert wird, mit Markus 6,52-53 identisch sein, wäre also ein weiterer Beleg für die Abfassung der Evangelien durch Augenzeugen. Worauf stützt sich die Zuschreibung? Es sind gerade einmal 10 bis 18 Buchstaben dieses Fragments lesbar; die Deutung auf das Markusevangelium stützt sich hauptsächlich auf die Buchstabenfolge nnes", die zu [Ge]nnes[aret] ergänzt werden soll. Genauso möglich wäre jedoch eine Ergänzung zu [ege]nnes[en] ("gebar, zeugte"). Das Beispiel zeigt, dass gerade bei Thiede / d'Ancona erst der Hintergedanke vorhanden gewesen zu sein scheint und danach die Argumente gesucht wurden.
Des weiteren wird einerseits ganz zu recht darauf verwiesen, dass der Papyrologe bei seinen Datierungen auf relative Chronologien angewiesen ist, die nicht sicher sind. Genau mit dieser Vorgehensweise soll dann aber andererseits der Oxforder Papyrus von Thiede seinerseits präzise datiert werden, ja fast aufs Jahr genau.
Sehr hinderlich ist bei der Lektüre, dass das Aussehen der Schrift und z.T. sogar einzelne Buchstaben der Papyri bis ins Detail beschrieben werden, jedoch im ganzen Buch keine einzige Abbildung geboten wird. Leider muss vom Kauf des Buches abgeraten werden; da die Autoren immerhin nie ins völlig Absurde abdriften, noch 2 Punkte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 18, 2010 8:32 PM MEST


Warum Latein?: Zehn gute Gründe
Warum Latein?: Zehn gute Gründe

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zehn Wege zu Latein, 29. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Warum Latein?: Zehn gute Gründe (Broschiert)
Seit etwas vierzig Jahren sind die alten ("toten") Sprachen Latein und Griechisch als Schulfächer unter Rechtfertigungsdruck geraten: Soll man in der Schule noch Latein lernen? Dieser Frage widmet sich dies schmale Bändchen, das sich vor allem an Eltern richtet, die vor der Entscheidung stehen, welchen Sprachzweig ihre Kinder wählen sollen. Der Autor ist, wie schon der Titel vermuten lässt, Latein-Befürworter.
Am Anfang steht eine kurze Einführung, was Latein als Sprache ausmacht und wann und wo man diese Sprache gesprochen und geschrieben hat. Kern des Buches sind die darauf folgenden zehn Unterkapitel "Zehn gute Gründe". Diese zehn Gründe Maiers changieren zwischen praktischen Erwägungen ("Latein, Brücke zu modernen Fremdsprachen"), Training der geistigen Kräfte und Vertiefung des historischen Verständnisses ("Studierstube für europäische Grundtexte"). Nicht eigens betonen muss man, dass man durch jahrelangen Lateinunterricht an der Schule diese Sprache so vertieft kennen lernt, wie es später (z.B. an der Universität) kaum noch möglich ist.
Der Text ist gut lesbar und die Argumente sind einleuchtend. Bisweilen werden griechisches Denken und Philosophieren stillschweigend für das Lateinische als Argument vereinnahmt. Etwas störend sind fehlende oder fehlerhafte Angaben im Literaturverzeichnis. Es fehlt ein Hinweis, wie es mit Latein und Griechisch in anderen Länden (Frankreich, England, Niederlande...) steht.
In den wesentlichen Punkten möchte ich Maier ausdrücklich zustimmen (ich hatte 9 Jahre Schullatein), Latein als Schulfach war immer lohnend und ist es auch heute ganz besonders. Für zögernde Eltern sei dieses Buch als verlässliche und günstige Hilfe besonders empfohlen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 15, 2010 5:29 PM CET


Gottesnähe und Schadenzauber: Die Magie in der griechisch-römischen Antike
Gottesnähe und Schadenzauber: Die Magie in der griechisch-römischen Antike
von Fritz Graf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant geschriebenes Grundlagenwerk, 29. November 2008
Dieses Buch von Fritz Graf ist die überarbeitete und erweiterte Version eines 1994 (zunächst Französisch) erschienenen Werks über die griechisch-römische Magie. Erfreulich ist die gründliche Arbeitsweise des Autors: Neben den literarischen griechischen und römischen Quellen zur Magie (z.B. Apuleius' Verteidigungsrede) wird den Primärzeugnissen: den ägyptischen Zauberpapyri, hoher, ja gleichwertiger Raum gegeben. Graf erfüllt damit die berechtigte Forderung, die William Brashear noch 1995 geltend machte ("The Greek Magical Papyri: an Introduction and Survey", ANRW II 18.5, 1995, 3380ff.). Wer über antike Magie arbeitet, muss sich vor allem mit den direkten Zeugen der Zauberei befassen: Fluchtafeln, Defixionen und Zauberpapyri.
Es bleibt bei Graf freilich nicht bei einem Überblick: Die jeweilige Kommunikationssituation für Literatur und Papyri, die Stellung und Herkunft des Magiers sowie die Rolle von Mann und Frau werden eingehend besprochen. Es gelingt Graf z.B. plausibel zu machen, warum in den Papyri fast nur Männer Magie einsetzen, während in der antiken Literatur fast ausschließlich Frauen als Zauberinnen erscheinen, wenn man einmal vom Typus des exotischen Magiers absieht.
Darüberhinaus arbeitet Graf philologisch korrekt und sehr präzise, was die Untersuchung der Begriffe in den Papyri, aber auch was die Deutung der literarischen Zeugnisse betrifft. Einzig etwas störend ist, dass der umfang- und gedankenreiche Anmerkungsapparat, der viel zur Vertiefung des Textes beiträgt und eine Menge Belege bringt, am Ende des Bandes angefügt ist und nicht unten auf der jeweiligen Seite. Das ständige Blättern nach hinten ist doch recht lästig.
Ich habe diesen Band übrigens als Begleitlektüre bei der Neuedition und Kommentierung eines Papyruskodex benutzt, der auch mehrere Zaubertexte enthält (BGU 1026). Durch Grafs Buch konnte ich manche Stellen des Kodex besser verstehen und bei der Deutung in den größeren kulturgeschichtlichen Zusammenhang einordnen. Als Editor des antiken Textes (der als Primärquelle mit zu den Grundlagen für Grafs Buch zählt) wurde mir also durch dieses Werk bei der Arbeit geholfen: Kann es ein schöneres Lob für ein wissenschaftliches Werk geben?


Die Schlacht im Teutoburger Wald
Die Schlacht im Teutoburger Wald
von Reinhard Wolters
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

79 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassende wissenschaftliche Darstellung, 25. Oktober 2008
Reinhard Wolters legt mit diesem Buch ein hervorragendes aktuelles Werk vor über den Angriff cheruskischer Truppen unter Arminius auf Varus, der in unser kulturelles Gedächtnis unter dem Begriff "Varusschlacht" Eingang gefunden hat. Dabei berücksichtigt der Autor erfreulicherweise neueste archäologische Forschungen.
Nicht eine reine nacherzählende Beschreibung des Überfalls auf Varus oder ein langatmiges Urteil über dessen Lokalisierung bietet Wolters, sondern zunächst eine Vorgeschichte zwischen Rom und den germanischen Stämmen, Kurzbiographien des Varus und des Arminius, sodann eine Darstellung der Berichte römischer Autoren über die "Varusschlacht" (germanische Quellen besitzen wir bekanntlich nicht) und eine Beurteilung dessen tatsächlicher historischer Bedeutung. Erst im letzten Viertel des Buches kommt die Frage der Lokalisierung und die moderne Rezeption zur Sprache. Das antike Ereignis wird damit geradezu aus den (bisweilen nationalistisch motivierten) Überformungen herausgeschält, bevor dann ebendiese Überformungen in ihrer Logik dargestellt werden.
Das Interessante besteht also nicht in einer Antwort auf die Frage nach dem Ort (diese wird auf S. 157-162 knapp zugunsten von Kalkriese beantwortet, allerdings nicht ohne mehrere Unstimmigkeiten des archäologischen Befundes zu nennen), sondern in zweierlei wichtigen Gesichtspunkten bei der Beurteilung des Ereignisses. Zum einen macht Wolters aufgrund neuerer Bodenfunde in Deutschland (römische Militärlager bis nach Thüringen hinein, mit Waldgirmes [S. 65ff.] sogar eine römische Stadtgründung in Germanien) deutlich, dass Germanien 9 n. Chr. als römische Provinz betrachtet wurde, also Varus mit seinen Legionen in seiner Meinung nach relativ sicherem Reichsgebiet marschiert ist, sich außerdem von Verbündeten umgeben dachte: Immerhin hatte Arminius eine Karriere im römischen Militär hinter sich.
Zum anderen kann gezeigt werden, dass die in der Moderne wie ein Topos stets hervorgehobene Bedeutung der Varuskatastrophe den Zeitgenossen erst aus der Rückschau klar geworden ist: Die rasche Aufstockung der Truppen nach dem Verlust der Varuslegionen und die ausgedehnten Feldzüge des Germanicus bis 17 n. Chr. ließen die Römer zunächst nicht an eine Aufgabe der rechtsrheinischen Gebiete denken, der grundsätzliche Anspruch auf Eroberung ganz Germaniens wurde sogar auch noch Jahrzehnte nach Germanicus aufrechterhalten. Den Kreis schließt Wolters im "Epilog", der noch einmal auf Tacitus als unseren wichtigsten römischen Gewährsmann zurückkommt: Fordert Tacitus 98 n. Chr. noch zur Rückeroberung Germaniens auf ("Germania"), während Arminius nicht beachtet wird, so ist dagegen in den "Annalen" 20 Jahre später von Arminius als "Befreier Germaniens" die Rede, als endgültig klar geworden ist, dass man in Rom die Ansprüche auf Germanien aufgegeben hat und sich erst daher der Überfall auf Varus als Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Römern und Germanen darstellte.
Es gelingt Wolters mit seinem Buch ganz Erstaunliches: Der Leser empfindet nicht die gewöhnlich in den Medien hochgekochte Frage nach dem Ort der Varusschlacht als das Interessante, sondern die Frage nach der tatsächlichen Bedeutung für die antike Geschichte, wobei er deren Umdeutung in der Moderne begreift. Damit stellt dieses Werk den weit überwiegenden Teil der Literatur zum Thema, die 2009 sicherlich eine neue Hochphase erleben wird, in den Schatten.


Römische Inschriften: Lat. /Dt
Römische Inschriften: Lat. /Dt
von Leonhard Schumacher
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auswahl lateinischer Inschriften, 10. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Römische Inschriften: Lat. /Dt (Taschenbuch)
Dieses corpusculum römischer Inschriftem aus knapp einem Jahrtausend antiker Geschichte ist thematisch in Jahresfasten (Kalender und staatliche Protokolle), Gesetze, Weihinschriften, Stiftungsinschriften, Ehren - und Grabinschriften sowie Inschriften rechtlichen Inhalts gegliedert. Jede Inschrift wird in Originaltext und Übersetzung geboten sowie mit Erläuterungen versehen; sämtliche abgekürzten Wörter und Wendungen sind aufgelöst und ausgeschrieben. Dazu kommt eine Einleitung zur römischen Epigraphik, die Editionstechniken, Schrift- und Zahlzeichen, diakritische Zeichen, Titulaturen/Ämter des Reiches sowie die Zeitrechnung vorstellt. Höhepunkt ist der letzte Abschnitt über Inschriften der Alltagswelt wie z.B. Graffiti mit Wahlwerbung aus Pompeji.
Was ein wenig fehlt, sind in vielen Fällen Bemerkungen zum Schriftträger und dessen Fundkontext, der bisweilen (z.B. bei Schleuderbleien oder im Falle der Grenzsteine) hochinteressant gewesen wäre, ja sich der wissenschaftliche Wert des Objekts eigentlich nur aus der Kombination von Fundkontext und Inschrift wirklich ergeben hätte. Der Typ des Schriftträgers (Stein, Blei, Wachstafel, Holz) erschließt sich meist nur aus dem begleitenden erläuternden Text unter Inschrift und Übersetzung, sodass häufig bei der Lektüre des lateinischen Textes Fragen offen bleiben und man mehrmals lesen muss.
Warum bei den bisweilen aufgenommenen zweisprachigen griechisch-lateinischen Inschriften der Vergleichbarkeit wegen nicht auch der griechische Teil abgedruckt wurde, wird das Geheimnis des Herausgebers bleiben.
Trotz der Einwände liegt eine recht ansprechende Auswahl über die Typen römischer Inschriften vor, dazu noch zu einem günstigen Preis. Für Fachwissenschaftler der Klassischen Archäologie, Graezistik, Latinistik und Alten Geschichte unverzichtbar.


Weisheit und Mysterium. Das Bild der Griechen von Ägypten.
Weisheit und Mysterium. Das Bild der Griechen von Ägypten.
von Jan Assmann
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Blick der Griechen auf Ägypten, 28. März 2008
Jan Assmanns Essay bietet ein Kompendium griechischer bzw. von Griechen verfasster Quellen zu Ägypten. Antike Zeugnisse werden mit größeren darstellenden Teilen gemischt. In der Tat verdient es das Bild, das die Griechen von Ägypten hatten, um seiner selbst willen dargestellt zu werden, wie im Vorwort bemerkt, und nicht immer nur der Einblicke in die altägyptische Kultur wegen.
Der erste Teil des Buches ist chronologisch aufgebaut und beschreibt die Kontakte zwischen Griechen und Ägyptern von der minoisch-mykenischen Zeit bis zur Ausbreitung des Christentums. Der zweite Teil geht die "großen Themen" durch: Theologie, die Rolle des Nils, Gedächtnis und Erinnerung.
Besonders interessant sind Assmanns Bemerkungen, wie die Ägypter selbst das Bild der Griechen von ihrem Land geprägt haben. Die Kapitel des Herodot über Ägypten zum Beispiel kann Assmann aus den Interessen und Motiven der ägyptischen Priester der Saitenzeit verständlich machen - die in der Forschung vereinzelt geäußerte These, Herodots Schilderung sei nicht glaubwürdig oder von Herodot sogar erfunden (D. Fehling), ist damit hinfällig: Herodots Bericht entspricht genau den Interessen der Ägypter und ist damit authentisch. Dass auch die Atlantisgeschichte bei Herodot nach dem Vorbild einer "Verbindungsgeschichte" konstruiert ist, scheint mir eine wichtige Erkenntnis zu sein.
Das Büchlein ist ein wichtiger Beitrag zur graezistischen und zur ägyptologischen Forschungsdiskussion. Dass der Autor beiden Disziplinen gerecht wird, macht seine besondere Qualität aus.


Athen und Sparta: Geschichte kompakt - Antike
Athen und Sparta: Geschichte kompakt - Antike
von Raimund Schulz
  Broschiert

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kompakt, aber zu viele Fehler, 27. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch bietet einen leicht lesbaren Einstieg in die Beziehungen zwischen Athen und Sparta. Behandelt wird ein Zeitraum zwischen den Perserkriegen und dem Königsfrieden, also von 480 bis 368 v. Chr. Im Zentrum steht dabei erwartungsgemäß der Peloponnesische Krieg.
In jedem Kapitel wird zunächst die Ereignisgeschichte berichtet und mit Quellen (Inschriften und Literatur) versehen. Fachbegriffe werden durchgängig erläutert.
Was auffällt, sind die vielen Druckfehler, aber auch sachlichen Versehen im Text. So wechselt der Text z.B. zwischen "Potidaier" und "Potideier", Syrakus wird (S. 121) nach Westsizilien verlegt und der Phrourarch (Festungskommandant) in "Phrouarch" umbenannt. Für die zweite Auflage von 2005, die ich gelesen habe, zu viele Lässlichkeiten.
Die Einführung ist insgesamt solide, wenngleich sie nicht viel Neues liefert und in konventioneller Weise v.a. die Sicht Athens schildert. Vier Sternchen wären dafür angemessen, wegen der auffälligen Fehler gibts jedoch nur drei.


Dyskolos /Der Menschenfeind: Griech. /Dt.
Dyskolos /Der Menschenfeind: Griech. /Dt.
von Horst D Blume
  Broschiert
Preis: EUR 3,60

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Günstige Ausgabe und Übersetzung der besterhaltenen Menander-Komödie, 8. März 2008
Der Text des "Dyskolos" (Griesgram) wurde 1958 erstmals publiziert, nachdem die Komödie fast vollständig auf einem Papyruskodex entdeckt worden war. Hiermit liegt nun endlich eine günstige griechisch-deutsche Ausgabe für jedermann vor. Übersetzt wurde das Stück von Horst-Dieter Blume, einem Menanderspezialisten, der auch die einzige deutsche Einführung zu Menander geschrieben hat.
Das Stück wurde 316 v. Chr. aufgeführt. Der Griesgram, Knemon, ist ein durch die Schlechtigkeit der Menschen in die Einsamkeit getriebener älterer Mann. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Sostratos, ein junger Athener aus wohlhabendem Hause verliebt sich in Knemons Tochter, der jedoch in seiner menschenfeindlichen Art der Verbindung im Weg steht. Am Ende bekommen sich die Liebenden, aber ein fröhliches Happy End wäre Menander zu simpel gewesen. Knemon werde zwar anderen nicht mehr im Wege stehen, will aber für sich selber seine Lebensweise nicht aufgeben. Er weigert sich daher, an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen, wird dann schließlich gegen seinen Willen in die Gemeinschaft seiner Kinder eingegliedert. Knemon bleibt sich also letztlich treu und wird als Figur nicht dem versöhnlichen Schluss zuliebe verbogen.
Der "Dyskolos" zeigt eindruckvoll die liebevolle Charakterisierung der Figuren, die für Menander typisch ist. Besonders der exzentrische Knemon ist als individueller Charakter gezeigt. Aber er ist nicht ausschließlich böse und grantig. Sostratos bemerkt, die Tochter des Knemon sei umso begehrenswerter, da sie wegen der anachoretischen Art des Vaters "fern von allem Bösen" sei (V. 384-389): Hat ihre Erziehung durch Knemon also nicht auch ihr Gutes gehabt?
Das Stück wird seine Leser nicht zu Lachkrämpfen erheitern, ist aber ein sehr hübsches Beispiel hellenistischer Charakterstudie. Geeignet für den Einstieg in Menanders Dichtkunst, für einen günstigen Preis und mit einem griechischen Text ausgestattet, der dankenswerterweise offenlegt, welche Worte im Papyrus erhalten und welche vom Herausgeber ergänzt sind.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2012 12:14 AM CET


Das antike Sizilien
Das antike Sizilien
von Martin Dreher
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vielseitige Kurzdarstellung des antiken (griechischen) Sizilien, 1. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Das antike Sizilien (Taschenbuch)
Das antike Sizilien ist ein vielfach im althistorischen oder archäologischen Studium vernachlässigtes Thema, dem sich nun Martin Drehers kurze, prägnante Einführung widmet. Die chronologisch aufgebauten Kapitel schildern immer zunächst die Ereignisgeschichte und gehen dann auf die tiefere oder langfristige Bedeutung der historischen Figuren oder Geschehnisse ein.
Der Verfasser verwendet die ersten ca. 90 Seiten auf das griechische Sizilien zwischen 700 und 212 v. Chr. (Eroberung von Syrakus durch Rom), wobei die Ureinwohner vor der Ankunft der Kolonisten angemessen erwähnt werden. Nur 25 Seiten bleiben für die Zeit Siziliens als römische Provinz bis zum Einfall der Araber im 878 n. Chr. - der Schwerpunkt des Buches ist also klar zu benennen. Innerhalb dessen wird wiederum Syrakus bevorzugt, einerseits sicher wegen dessen herausgehobener Bedeutung als jahrzehntelange Hegemonialmacht des griechischen Teils Siziliens, andererseits wohl auch wegen der guten Forschungslage. Vernachlässigt wird dagegen das punische (West-)Sizilien, da eigentlich durchgehend aus griechischer Perspektive über Ereignisgeschichte und Architektur oder Kunst berichtet wird, die Karthager dagegen nur als Kriegsgegner der Griechen gewürdigt werden. Auf der Karte des vorderen Vorsatzes ist Syrakus nachzutragen, denn gerade der wichtigste Ort Siziliens ist dort nicht zu finden. Im Literaturverzeichnis fehlt das neuere Werk von Dieter Mertens über die Architektur der Westgriechen.
Gut ist, dass nicht nur trockene Ereignisgeschichte aufgezählt wird, sondern oft die archäologischen Funde und Besonderheiten der Insel einbezogen werden. Im Vorwort wird erwähnt, dass Dreher das Buch nach einer Sizilienreise geschrieben hat. Dass ihm die Monumente vor Augen standen, merkt man dem Werk an, und das trägt zu dessen Bereicherung bei.
Insgesamt eine gute, wenn auch ein wenig graecozentrische Einführung.


Echnaton
Echnaton
von Hermann A. Schlögl
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Amarna-Zeit, 29. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Echnaton (Taschenbuch)
Das Büchlein ist mehr als nur die Biographie Echnatons (ca. 1374-1334 v. Chr.). Der Bedeutung dieses Pharaos angemessen, liefert Hermann Schlögl eine Darstellung der gesamten Amarna-Zeit, begonnen bei Echnatons Vater Amenophis III. bis hin zu seinem Nachnachfolger Haremhab, in dessen Zeit Echnaton der damnatio memoriae anheimfiel.
Die chronologisch aufgebauten Kapitel behandeln Echnaton als Bauherrn (Amarna-Achetaton), als Kriegsherrn gegen die Hethiter, als Verwaltungschef und vor allem natürlich als Religionsstifter des ersten Monotheismus. Der Text ist durchgehend gut lesbar und verständlich, allerdings fühlt man sich bisweilen von den vielen Fakten ein wenig erschlagen. Anderes bleibt dafür im Ungefähren: Die Geschichte der neuen Hauptstadt Achetaton nach dem Ende der 18. Dynastie, wie Echnaton seinen neuen Glauben gegen die Priesterschaft der alten Götter durchsetzen konnte. Zum möglichen Verbleib der bis heute unentdeckten Mumie Echnatons wird nichts gesagt. Schön sind die abschließenden Kapitel zu Manetho und zur Wiederentdeckung der von Pharao Haremhab aus der ägyptischen Geschichte gestrichenen Amarnazeit.
Das Buch ist als Einführung und als Anregung zum Weiterlesen gut geeignet, zumal man über eine Zeittafel am Schluss des Bandes immer den Überblick behalten kann.


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