Profil für Sebastian Prignitz > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Sebastian Prignitz
Top-Rezensenten Rang: 7.482
Hilfreiche Bewertungen: 1190

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Sebastian Prignitz "prignitz-berlin"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11
pixel
Die sieben Weisen: Leben, Lehren und Legenden
Die sieben Weisen: Leben, Lehren und Legenden
von Johannes Engels
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3.0 von 5 Sternen Viel zu den Quellen, wenig Biographie, wenig Kulturgeschichte, 30. November 2012
In den antiken Berichten über die Sieben Weisen werden ungefähr 20 Staatsmänner und Philosophen genannt, die (in jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung) den Kreis der Weisen gebildet haben sollen. In einem Buch über die Sieben Weisen würde man daher vor allem Biographien der "Kandidaten" erwarten. Die gibt es in diesem Band tatsächlich, aber nur auf 34 von 127 Seiten; selbst den am häufigsten dem Kreis zugerechneten Weisen Thales, Solon, Bias, Pittakos und Kleobulos werden nur je 2-3 Seiten gewidmet.
Stattdessen schreibt Engels viel über die Quellen zu den Sieben Weisen, also welcher antike Autor aus welchen Gründen über sie berichtet und wie sich die Zusammensetzung des Kollegiums bei ihm möglicherweise motiviert. Bezeichnenderweise beginnt das Buch mit ebendieser Besprechung der Quellen (S. 13-40) und geht erst danach zu den Biographien der Weisen über.
Was fast ganz fehlt, ist die Kulturgeschichte der archaischen Zeit, also ein Einblick, vor welchem Hintergrund und in welcher kulturellen Atmosphäre die Sieben Weisen lebten und lehrten, wie sich ihre "Spruchweisheit" entwickeln konnte und wieso man so oft von einem Kollegium aus sieben weisen Männern berichtet hat, dass sie geradezu integraler Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses der Griechen werden konnten. Engels' Hinweise zum agonalen Prinzip griechischer Poleis (jeder Stadt ihren Weisen) bleiben da sehr kurz und an der Oberfläche.
Insgesamt war ich von dem Büchlein etwas enttäuscht. Ein wenig entschädigt wird man immerhin am Schluss mit einem Kapitel zu antiken Abbildungen der Weisen.


Qumran: Funde - Texte - Geschichte
Qumran: Funde - Texte - Geschichte
von Klaus Berger
  Broschiert
Preis: EUR 5,00

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nüchterner Überblick, 26. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über die Schriftrollen aus den Höhlen von Qumran, die dem palästinischen Judentum der Zeit zwischen ca. 100 v.Chr. und 60 n.Chr. entstammen und damit in großer Nähe zum Frühchristentum stehen, ist seit der Entdeckung der ersten Rollen 1947 viel geschrieben und auch spekuliert worden. Berger bietet mit seinem Büchlein eine ausgesprochen nüchterne Betrachtung. Im Zentrum steht, die Texte der Rollen selbst vorzustellen: Einerseits den Bestand dessen, was da ist, im Überblick; zweitens für jede Gattung Textbeispiele (in deutscher Übersetzung); drittens historische Fragen.
Der Ansatz des Verfassers ist ausgesprochen nüchtern. So werden im Grunde alle in der Forschung vertretenen Deutungen, wer die Schriftensammlung anlegen ließ bzw. worauf die Auswahl zurückgeht (Essenergemeinde, Kloster, frühchristliche Sekte, Schriftrollen-"Verlagshaus", die Tempelbibliothek in Jerusalem) als unbeweisbar abgelehnt, ja selbst die Beziehung der Schriftrollen aus den Höhlen zur darunterliegenden Siedlung von Qumran wird infrage gestellt. Um es mit Bergers eigenen Worten zu sagen: "Je länger man die Einzeldokumente wird studieren können, umso mehr wird man zweifellos entdecken, daß es sich um einen Querschnitt aus dem damaligen Judentum handelt, der das Etikett nur einer Richtung nicht vertragen kann." (S. 162) Es wird in diesem Band also nur das wissenschaftlich Beweisbare geboten und als sicher verkauft. Weitergehende Spekulationen, so faszinierend sie manchmal sein mögen, wird man vergeblich suchen.
Eine Einführung im eigentlichen Sinn ist das Buch indes nicht, manches wird vorausgesetzt (wer ist Philo von Alexandrien? Was ist Exegese? Was hat es mit Masada auf sich und dergleichen mehr), und an manchen Stellen nimmt Berger Stellung zu Diskussionen in der Forschung, ohne diese oder ihre Grundlagen ausführlich zu erklären. Das kann aber den Gewinn insgesamt kaum trüben.
Insgesamt eine gut zu lesende, grundlegende Lektüre zum Thema.


Das antike Jerusalem: Archäologie und Geschichte
Das antike Jerusalem: Archäologie und Geschichte
von Eckart Otto
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nüchterne, etwas trockene Geschichte Jerusalems, 17. März 2012
Dieser Band ist eine nüchtern geschriebene Geschichte der Stadt Jerusalem, die sich rein auf das archäologisch und historisch Beweisbare oder zumindest Wahrscheinliche beschränkt.
Der Autor beginnt mit einer Geographie Jerusalems, die trotz Beigabe einer Karte und eines Luftbildes leider nur schwer nachzuvollziehen ist, wenn man nicht selbst länger vor Ort gewesen ist. Es folgen weitere 15 Seiten über Methoden: Zur Kardinalfrage der Erforschung des Heiligen Landes, dem Umgang mit der biblischen Überlieferung ("Bibel und Archäologie"), sowie zur Geschichte der Ausgrabungen in den vergangenen 150 Jahren.
Der Rest des Bandes ist eine chronologische Geschichte der Stadt vom 4. Jahrtausend bis ins 7. Jh. n. Chr., wobei immer wieder Ausgrabungsbefunde einbezogen werden. Die Beschreibung der Topographie und Befunde bleibt dabei meist etwas abstrakt und ist nur für den Kenner der Topographie und jüngeren archäologischen Forschung einigermaßen verständlich. Bisweilen hätte dem Band, der sich eigentlich an einen größeren interessierten Leserkreis wenden soll, eine leichtere und eingängigere Formulierungsweise gut getan.
Fazit: Hier schreibt ein echter Kenner Jerusalems und ein Experte der älteren und jüngeren Archäologie des Heiligen Landes. Das Buch ist eher als Nachbereitung eins intensiven Aufenthalts in Jerusalem geeignet, wenn man Stadt und Museen bereits gesehen hat; als Reiselektüre sollte man eher zu einschlägigen wissenschaftlichen Reise- und Kunstführern greifen. Geschichte und Archäologie des gesamten Heiligen Landes findet man bei Wolfgang Zwickel in der Beck-Reihe. Wem es um biblische Archäologie geht, der ist mit dem "EVA-Reiseführer" von Peter Hirschberg besser bedient.


Imperium Romanum: Geschichte der römischen Provinzen
Imperium Romanum: Geschichte der römischen Provinzen
von Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Buch über das Imperium Romanum und seine Provinzen, 30. November 2011
Dieser Band geht über das Imperium Romanum und seine Provinzen, also die seit dem 3. Jh. v. Chr. eroberten Gebiete zunächst in Sizilien, dann in Gallien, Spanien, Germanien sowie Nordafrika und des griechischsprachigen Ostens. Der Autor beschreibt nur am Anfang, relativ kurz, die Ausdehnung des Imperiums in chronologischer Abfolge, wobei er drei Abschnitte unterscheidet: Expansion - Konsolidierung - Transformation. Es folgen zwei Kapitel über die Charakteristika der römischen Herrschaft, einmal wie sich die römischer Herrschaft zeigte, dann, wie die Menschen in den beherrschten Gebieten auf die neuen Herren reagierten.
Auf vier Seiten werden abschließend, durchaus prägnant und elegant formuliert, die wesentlichsten Punkte noch einmal zusammengefasst ("eine knappe Charakteristik des Imperium Romanum").
An manchen Stellen hätte es nicht geschadet, die benutzten Primärquellen nachzusweisen (Autoren, Inschriften, Papyri), damit man dem Erwähnten weiter nachgehen kann.
Das Büchlein liest sich aufgrund der Thematik (Militär- und Verwaltungsgeschichte)bisweilen vielleicht etwas trocken, ist jedoch auch sehr kenntnisreich geschrieben und aufgrund vieler einprägsamer Formlierungen insgesamt durchaus lesenswert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 24, 2014 11:21 PM MEST


Geschichte Roms: Von der Antike bis zur Gegenwart
Geschichte Roms: Von der Antike bis zur Gegenwart
von Volker Reinhardt
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Knappe Geschichte Roms, 27. November 2011
Die Geschichte Roms von der mythischen Gründung 753 v.Chr. bis heute auf den durch das Format der Reihe Beck Wissen" vorgegebenen 120 kleinformatigen Seiten darzustellen, scheint ein schier aussichtsloses Unterfangen. Man hätte fast zwingend einen stark verkürzten Abriss historischer Fakten erwartet, der so gut wie nichts zur Kulturgeschichte liefert.
Dennoch schafft es Reinhardt, nicht nur die historischen Daten, sondern auch den Charakter der wichtigsten Etappen der Geschichte anzusprechen und zugleich auch immer Streiflichter auf die Kultur, das Lebensgefühl der Menschen und die Stadtentwicklung zu werfen.
Die Kapitel zur Antike sind knapp, aber ausreichend (wer sich genauer informieren will, wird in der Beck-Reihe bei Jehne, Römische Republik, und Christ, Die Römische Kaiserzeit, fündig). Das Mittelalter wird, aufgrund der Quellenlage, fast ausschließlich als Geschichte und Wirken der Päpste dargestellt. Etwas weiter wird dann der Blick auf das 18. und 19. Jahrhundert, jedoch wird der rote Faden des Büchleins, die Stellung der Päpste gegenüber der Adelsschicht und den einfachen Einwohnern Roms, auch hier weiter verfolgt. Manche Grundlagen (Topographie, historische Persönlichkeiten, Grundwissen der Art "was war die Französische Revolution?", "wer war Napoleon?") werden verständlicherweise nicht immer eigens erklärt, diese historischen Grundkenntnisse setzt der Autor voraus. Er denkt an einen Leser, der sich auf der Basis von bereits vorhandenem Grundwissen knapp neu informieren bzw. sein Wissen auffrischen will - so wie ich es war: Ich habe dieses Buch vor einem längeren Romaufenthalt im Rahmen eines Reisestipendiums gelesen, um mich auch über die neuere Geschichte Roms zu informieren (die antike kenne ich selbst), hatte aber nicht die Zeit für ein ausführliches Buch von mehreren hundert Seiten.

Da ich insgesamt nicht wüsste, wie man eine so knapp bemessene Stadtgeschichte besser machen sollte, bewerte ich mit der höchsten Zahl von 5 Sternen.


Pompejanische Inschriften: Lateinisch/Deutsch
Pompejanische Inschriften: Lateinisch/Deutsch
von Arno Hüttemann
  Broschiert
Preis: EUR 7,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vademecum für einen Besuch in Pompeji, 23. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit diesem Band soll dem Besucher Pompejis ein epigraphischer Stadtführer zur Verfügung gestellt werden. Wer sich in antiken Städten bewegt hat, wird den großen Nutzen sogleich sehen: Ohne Vorbereitung ist es vor Ort äußerst schwer, die teilweise nicht gut erhaltenen Inschriften zu lesen und, was die stets stark abkürzenden lateinischen Texte angeht, zu ergänzen und zu verstehen. In Vorbereitung einer Reise wird man daher dankbar zu diesem Buch greifen.
Die pompejanischen Steininschriften werden in Edition, Transkription, Übersetzung und kurzem Kommentar vorgestellt. Den Hauptteil bilden die heute sichtbaren tituli, die denn auch meist mit Abbildung dokumentiert sind; vereinzelt werden heute verschollene Inschriften zusätzlich zitiert, weil sie wichtige Hintergrundinformationen geben. Die Sammlung ist topographisch geordnet und innerhalb der Kapitel, wo möglich und sinnvoll, thematisch gruppiert. Den meisten Raum nehmen naturgemäß die Grabinschriften ein, gefolgt von Bau- und Weihinschriften.
Die Auswahl ist auf wiederholten Reisen des Verfassers nach Pompeji entstanden, sodass seine Ortskenntnis den begleitenden Texten zugute kommt. Durch mehrere topographische Pläne im Anhang, die die Position der Inschriften dokumentieren, kann man einerseits vor Ort eine Inschrift im Band finden, umgekehrt aber auch eine Inschrift nach der Lektüre im Stadtgebiet finden.

Unglücklich ist leider das eigenwillige Editionssystem, das vom Leidener Klammersystem teilweise abweicht und auf dem Stein nicht erhaltene Buchstaben in Minuskeln angibt, in der Umschrift dann aber wieder dem Leidener System entsprechend Klammern für [Ergänzungen] und aus(geschriebene Abkürzungen) verwendet. Das ist verwirrend und hat in mehreren Fällen zu Druckfehlern (z.B. S. 180-182) und vergessenen Auflösungsklammern (S. 195) geführt. Gelegentlich hätte man sich auch etwas mehr Informationen über die Gebäude gewünscht, auf die sich die Inschriften beziehen.

Diese Einwände können den großen Nutzen des Bandes kaum trüben, der darüber hinaus mit 7 Euro erfreulich günstig ist und in seiner Kompaktheit das Reisegepäck nicht belastet. Eines ist jedenfalls gewiss: Auf meiner nächsten Reise nach Pompeji wird mich dieses Büchlein begleiten.


Grundzüge des Bankenwesens im alten Griechenland
Grundzüge des Bankenwesens im alten Griechenland
von Raymond Bogaert
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Meisterhaft!, 1. August 2009
Dieses Büchlein basiert auf einem 1984 in Konstanz gehaltenen Vortrag und fasst die Forschungen des Autors zum Thema antike Banken und Geldwirtschaft zusammen. Bogaert hat 1968 mit einem grundlegenden Buch zum Thema promoviert ("Banques et banquiers dans le monde grec") und war der beste Experte für antike Geldwirtschaft des 20. Jahrhunderts. Sein Schwerpunkt war die papyrologische Erforschung der ägyptischen Geldwirtschaft, aber auch literarische und epigraphische Zeugnisse hat er berücksichtigt.
Man merkt in jedem Satz, dass hier ein ausgewiesener Experte schreibt, kein Satz ist zuviel, jede Überlegung gut belegt, dazu auch die weitere Literatur im Anhang erschlossen.
Übrigens wird auf einige interessante Details verwiesen, so die Entstehung des Schecks und die Entstehung der Banken aus dem Geschäft der griechischen Geldwechsler: Einerseits hatten sie stille Einlagen ihrer Kunden, andererseits gaben sie Kredite. Die Differenz aus Zins der Einlage und Kreditzins war schon damals ihr Gewinn. Besonders hervorzuheben sind noch zwei Einzelheiten: Auch bei den Griechen gab es schon Schwarzgeld und schwarze Kassen, wenn reiche Bürger mit Hilfe der Banken Steuern zu hinterziehen versuchten. Und: Johannes Chrysostomos warnte im 4. Jh. n. Chr. vor den Folgen, wenn wenn die Banken dem Kapitalmarkt Kredite vorenthalten: "Wenn die Trapeziten die Gelder, die sie einnehmen, bei sich zu Hause behielten, ohne sie an andere weiterzugeben, dann entschwände jeder Nutzen aus ihrer Handelstätigkeit..." - kommt dem Leser das bekannt vor?
Uneingeschränkte Kaufempfehlung!!


Vereine im griechisch-römischen Ägypten
Vereine im griechisch-römischen Ägypten
von William M Brashear
  Broschiert
Preis: EUR 14,00

4.0 von 5 Sternen Anregende papyrologische Untersuchung, 27. Juli 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist nach besonders gelungenen universitären Vorträgen ein gewohntes Gefühl, dass man bedauert, das Gehörte nicht in schriftlicher Form nachlesen und die Gedenken des Referenten noch einmal in Ruhe nachvollziehen zu können. In diesem Fall ist erfreulicherweise ein 1987 in Konstanz gehaltener Vortrag in Buchform vorgelegt worden.
Der Papyrologe William Brashear (1946-2000) wählt als Ausgangspunkt einen Berliner Papyrus (P. Berol. 25159), den er in diesem Aufsatz ediert, kommentiert und in den kulturhistorischen Kontext einordnet. Der Papyrus ist das offenbar in einer Anwaltskanzlei abgeschriebene und aufbewahrte Protokoll einer Sitzung eines alexandrinischen Kultvereins zu Augustus' Ehren vom 21. August 5 v. Chr. In BGU IV 1137 ist eine Parallelurkunde desselben Vereins vom 18. November 6 v. Chr. erhalten.
In der Einleitung beschreibt Brashear, wie sich antike Papyri in Mumienkartonage erhalten haben, wie sie herausgelöst, konserviert und gelesen werden.
Der zweite Teil versucht dann das griechisch-ägyptische Vereinswesen aus ethologischer Sicht zu deuten und deren Entstehung als zeitgemäße Form des prähistorischen Männerbundes, der sich von gemeinsamer Jagd ableitet, aufzufassen. Der Verfasser begibt sich damit, wie er selbst vermerkt, auf ein fremdes Fachgebiet. Da aber die Ethologie bisher die antiken Schriftquellen kaum beachtet hat, ist sein Aufsatz nur umso anregender, zumal die Überlegungen von der Edition eines Primärtextes ausgehen. Das Heftchen lässt nur zwei Wünsche offen, die jedoch nicht Brashears Text, sondern die Ausstattung betreffen: Man hätte sich eine Lesung mit Übersetzung des Paralleltextes BGU IV 1137 gewünscht, vor allem aber eine Abbildung des Papyrus P. Berol. 25159, um den sich alles dreht. Auch eine Abbildung der am Anfang so plastisch beschriebenen Mumienkartonage wäre schön gewesen. Druckfehler sind mir auf S. 9, 15 (im gr. Text), 29 und 39, Anm. 5, begegnet.
Insgesamt ein nicht nur für Papyrologen und Philologen anregendes Buch. Für das Verständnis sollte man allerdings (Grund)Kenntnisse des Altgriechischen und der antiken Geschichte besitzen.


Der Krieg in der antiken Welt
Der Krieg in der antiken Welt
von Harry Sidebottom
  Broschiert
Preis: EUR 5,60

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr als eine Einführung, 26. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Krieg in der antiken Welt (Broschiert)
Sidebottoms Buch ist deutlich mehr als nur eine Einführung für Studenten der Alten Geschichte, die sich darauf beschränken würde, antike Kriegstechniken oder Wendepunkte der Geschichte anhand von Schlachten aufzuzählen. "Der Krieg in der antiken Welt" setzt es sich zum Ziel, den Krieg genereller als Mittelpunkt des Denkens der klassischen Kulturen, also vor allem Griechen und Römer zwischen 750 v. Chr. und 650 n. Chr. zu untersuchen. Perser, Germanen oder Hunnen werden nur als Gegner von Griechen und Römern erwähnt, was aber aufgrund der Quellenlage verständlich ist.
Kern des Buches sind Kapitel über "Krieg als Grundlage des Denkens", "Krieg und Gesellschaft", "Reflexion des Krieges", "Strategie" und "Kampf". Gerahmt wird dieser Kern von zwei Kapiteln zur Theorie der "abendländischen Kriegsführung" (die Theorie von der Kontinuität militärischer Techniken und Taktiken von der Antike bis in die Moderne), in denen der Autor zu einem differenzierteren Urteil kommt als viele andere Untersuchungen. Etwas gezwungen wirken dagegen die bisweilen einfließenden Anspielungen auf die moderne Rezeption im Film.
Der Text ist bis auf wenige Längen gut lesbar und anschaulich, die aus der antiken Literatur ausgewählten Stellen sind erhellend, was die Geistesgeschichte angeht. Im Anhang gibt es ein kommentiertes Literaturverzeichnis. Auch aufgrund des günstigen Preises ist das Buch empfehlenswert.


Die Varusschlacht
Die Varusschlacht
von Günther Moosbauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide, aber kein Genuss, 18. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Varusschlacht (Taschenbuch)
Diese kurze Darstellung der Varusschlacht ist weder schlecht noch besonders gut ausgefallen. Auf den ersten dreißig Seiten werden die Kontrahenten, also Römer und Germanen beschrieben, mit Schwerpunkt auf der Ausrüstung und Heeresorganisation. Es folgen vierzig Seiten zur Vorgeschichte der Varusschlacht, also über das Vordringen der Römer in Germanien. Diese beiden Kapitel, die über die Hälfte des Bandes ausmachen, sind recht trocken geschrieben und bieten auch dem Fachmann kaum Neues.
Besser zu lesen sind die Kapitel zum Ablauf der Varusschlacht, zu den neuen Grabungsergebnissen aus Kalkriese (Schwerpunkt liegt auf der Datierung der Funde) und zu späteren römischen Funden in Germanien. Auf diesen Seiten werden erfreulicherweise auch aktuelle neue Ergebnisse der provinzialrömischen Archäologie einbezogen.
Fazit: Sachliche Fehler enthält dieses Büchlein keine, aber mit richtigem Genuss liest man es in weiten Partien auch wieder nicht. Wer es genauer wissen will und zudem noch besser unterhalten werden möchte, dem sei ans Herz gelegt, 12 Euro mehr zu investieren und das Buch von R. Wolters zu selben Thema ("Die Schlacht im Teutoburger Wald") zu kaufen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11