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Rezensionen verfasst von
Sebastian Prignitz "prignitz-berlin"
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Konstantin der Grosse und seine Zeit
Konstantin der Grosse und seine Zeit
von Manfred Clauss
  Taschenbuch

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bündige Kaiserbiographie, 21. April 2003
Konstantin der Große, Restaurator des Römischen Reiches und erster christlicher Kaiser Roms, gehört wohl neben Augustus, dem Begründer des Kaisertums, und Nero, der Rom angezündet haben soll, zu den berühmtesten Kaisern. Die vorliegende Biographie von Manfred Clauss beginnt nicht chronologisch mit dem Werdegang Konstantins, sondern mit der „Konstantinischen Wende", also dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion. Damit ist gleich am Anfang die entscheidende Bedeutung Konstantins für die abendländische Geschichte genannt. Man liest daher die ganze Biographie unter diesem Vorzeichen. Danach erst werden der Werdegang Konstantins und auch die Vorbedingungen seiner Herrschaft (Tetrarchie) nachgezeichnet.
Clauss' beschreibt den Menschen Konstantin wie auch die von ihm eingeleiteten Reformen in Staat und Kult informativ und leicht lesbar. Das Buch kann zur Anschaffung für jeden empfohlen werden, der sich kompakt über Konstantin, aber auch über Entstehung und Festigung des Dominats oder über frühchristliche Geschichte informieren will.


Die griechische Literatur in Text und Darstellung: Band 1: Archaische Periode
Die griechische Literatur in Text und Darstellung: Band 1: Archaische Periode
von Joachim Latacz
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Standardwerk für frühgriechische Lyrik, 18. März 2003
Der Band "Die griechische Literatur in Text und Darstellung - die archaische Periode" ist mittlerweile ein Standardhandbuch für die gräzistische Forschung geworden. Auch wenn es "nur" im Reclam - Verlag erschienen ist, so ist doch der Autor kein geringerer als Joachim Latacz, einer der renommiertesten Experten für frühgriechische Dichtung. Kompakt und übersichtlich wird der Leser durch die griechische Dichtung von Homer (8. Jh.) bis zu den Lyrikern des 5. Jhs. geführt.
Besonders erfreulich ist, dass nicht auf die griechischen Originaltexte verzichtet wurde, der Band also auch in der Wissenschaft Verwendung finden kann - die Ausgabe kann als Referenzausgabe benutzt werden. Sowohl für den interessierten Laien wie für den Griechisch - Schüler ist der Band ein nützliches Compendium, und sogar für den Studenten, der schnell etwas nachschlagen will, ist er vonnutzen. Die Kommentierung ist durchweg informativ, die Übersetzungen gelungen, wenngleich für den Laien vielleicht etwas zu philologisch, für den Fachmann ein wenig flapsig geraten.
Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich intensiv mit griechischer Literatur beschäftigen will.


Troia: Archäologie, Geschichte, Mythos
Troia: Archäologie, Geschichte, Mythos
von Dieter Hertel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Troia aus der Sicht der Kritiker, 25. Oktober 2002
Troia - Archäologie, Geschichte, Mythos. So lautet der Titel von Dieter Hertels Buch, das 2001 in der Beck'schen Reihe erschienen ist. Darin unternimmt es der Münchner Professor für Klassische Archäologie, den antiken Ort an den Dardanellen vorzustellen und seine Rezeptionsgeschichte zu vermitteln. Das Buch ist flüssig geschrieben, enthält allerdings bei der Beschreibung der archäologischen Besonderheiten einige Klippen für den Nicht-Fachmann. Wichtig ist auch die reiche Ausstattung mit Abbildungen und Karten, die das Verständnis ungemein erleichtern.
Dennoch ergeben sich zwei Mängel, daher die Bewertung mit nur 3 Sternen. Zum einen ist da die Intention des Bändchens. Hertel zählt zu der Gruppe der sogenannten „kritischen Wissenschaftler" um den Tübinger Ordinarius für Alte Geschichte, Frank Kolb, im Forscherkonflikt um Troia. Das Buch ist daher als eine Art Manifest dieser Denkschule zu lesen. Hertel streitet den Ruinen jeden größeren Erkenntniswert für die homerischen Epen Ilias und Odyssee sowie umgekehrt Homers Dichtungen jeden tiefgehenden Informationsgehalt für das bronzezeitliche Troia ab. Der Dichter bzw. seine Vorgänger hätten die Geschichten um den Troianischen Krieg vielmehr mehr oder weniger frei ersonnen. Das ist eine legitime Position, muss sich doch der Gegenspieler Hertels, der Troia - Ausgräber Manfred Korfmann, dessen kritische Fragen durchaus gefallen lassen.
Für einen Band der Beck'schen Reihe jedoch, die ja dem Laien „das wichtigste Wissen" objektiv vermitteln will, ist diese Herangehensweise ungünstig. Es empfiehlt sich daher, das Buch bewusst als Gegenposition zu den Ergebnissen der derzeitigen Ausgrabungen in Troia zu lesen (etwa im Anschluss an J. Latacz, Troia und Homer - der Weg zu Lösung eines uralten Rätsels, Koehler und Amelang 2001; sowie die Reihe „Studia Troica" / Bd. 1 1991).
Der zweite Punkt betrifft die Dichtung Homers. Mit dem Namen Troia sind die Epen Homers (8. Jh. v. Chr.) untrennbar verbunden. In jedem übergreifenden Buch zum Thema Troia müssen sie daher angesprochen werden und nach ihrer historischen Aussagekraft befragt werden. Das tut Hertel, jedoch unter Inkaufnahme von schwerwiegenden, auch dem Umfang des Bändchens zu schuldenden Verkürzungen. So enthalten die Verse Homers unbestreitbar sprachlich wesentlich ältere Elemente, die weit in mykenische Zeit (12./13. Jh v. Chr,) zurückreichen, also in ebenjene - nach Hertel ja nur imaginierte - heroische Zeit des Troianischen Krieges. An die Stelle der nächstliegenden Erklärung - mündliche Weitergabe zumindest einiger Kernereignisse aus mykenischer Zeit bis zu Homer - setzt Hertel eine andere These: Griechische Siedler nachmykenischer Zeit sollen sich die gewaltsame Eroberung Troias im Gefolge ihres Einsickerns in die Troas mehr oder weniger frei ausgedacht haben, bis schließlich Homer und seine Vorgänger einen ganzen Mythenkranz daraus gemacht haben. Eine aus Sicht der gegenwärtigen Graezistik, der sich auch der Verfasser dieser Zeilen zurechnet, recht fragwürdige Annahme. Sollte hier nicht die nächstliegende Erklärung immer die einleuchtendste sein?
Insgesamt ist das Büchlein sehr informativ und interessant - jedoch vor allem bei vorhergehender Kenntnis der Gegenposition.


Troia und Homer
Troia und Homer
von Joachim Latacz
  Gebundene Ausgabe

23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitreißendes Werk über Homer und seine Quellen, 25. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Troia und Homer (Gebundene Ausgabe)
Das Buch von Joachim Latacz ist nicht nur für Fachleute, sondern auch für den interessierten Laien zu empfehlen. Behutsam führt der Basler Graezist in die Homerphilologie ein und zeigt dabei dem Leser, was die archäologische und philologische Forschung seit F.A. Wolf (prolegomena ad Homerum, 1795) für das Verständnis des antiken Dichters geleistet hat. Nicht nur als Herausgeber des neuesten Homerkommentars (Ilias - Gesamkommentar", Bd. 1 2001) ist Latacz wohl neben Martin West der bedeutendste Graezist der Gegenwart und somit prädenstiniert den aktuellen Froschungsstand wiederzugeben. Dazu führt er in die Ergebnisse der Nachbarwissenschaften der klassischen Philologie ein (Archäologie, Hethitologie, Alte Geschichte). Er kommt zu dem Ergebnis, dass Homer (8. Jh. v. Chr.) im Rahmen der Überlieferung durch die altionische Sängertradition historische Elemente aus der mykenischen Zeit seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. zugänglich waren. Damit zeigt er seinen Weg zur Lösung" der Problematik der Historizität des Troianischen Krieges auf.

Der Gegenentwurf zu Latacz' Troiabild findet sich bei: Dieter Hertel, Troia - Archäologie, Geschichte, Mythos. München (C.H. Beck) 2001 und Ch. Ulf (Hrsg.), Der neue Streit um Troia, München 2003.

Nachtrag 30.12.2007
Inzwischen sind 6 Jahre seit dem ersten Erscheinen dieses Buches und über 5 Jahre seit meiner Rezension vergangen. Nach einem Lustrum ist daher erneut Bilanz zu ziehen.
Viel hat man über die Thesen von Joachim Latacz und Manfred Korfmann seitdem gestritten. Aus meiner Sicht ist festzustellen, dass trotz vieler Versuche bisher weder ein Buch erschienen ist, das Latacz' Thesen schlüssig widerlegt hätte, noch - und das ist vielleicht noch bezeichnender - ein überzeugender Entwurf zur Erklärung der Form und spezifischen Eigenarten von Ilias und Odysse an seine Stelle gesetzt worden wäre. Im Gegenteil, Grabungen in Troia und Milet haben vieles bestätigen können, was der Verfasser 2001 nur vermuten konnte. Davon ist vieles in der überarbeiteten und verbesserten 5. Neuauflage von 2005 enthalten, die nun die Referenzausgabe ist.


Heinrich Schliemann: Archäologe und Abenteurer
Heinrich Schliemann: Archäologe und Abenteurer
von Justus Cobet
  Broschiert
Preis: EUR 8,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Biographie des Mythomanen Schliemann, 29. August 2002
Dieser Band des Essener Althistorikers Justus Cobet aus dem Jahr 1997 ist nicht nur gut zu lesen und informativ, er gewährt zugleich Einblicke in das Phänomen Troia. Auch der Selbstglorifizierung Schliemanns und seiner Grabungsergebnisse ist es zu schulden, dass die Stadt an den Dardanellen einen so weiten Kreis von interessierten Menschen seit 130 Jahren fasziniert. Das zeigte nicht zuletzt die Troia - Ausstellung in Stuttgart, Braunschweig und Bonn (2001 - 2002), die fast 1 Mio. Besucher zählte. Cobet, der in der derzeitigen Diskussion um Troia der Seite der kritischen Wissenschaftler zuzurechnen ist, schildert eindrücklich die Problematik der Grabungen in Troia: Die Archäologie konnte in 130 Jahren den Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, nie gerecht werden. Weder konnte die Historizität des von Homer als Silhouette für seine Epen benutzten Troianischen Krieges mit dem Spaten ergraben werden, noch überhaupt die Identität des Hügels Hissarlik mit eben diesem bei Homer gezeichneten Ortes eindeutig bewiesen werden. Über Indizien ging die Beweisführung bis heute letztlich nicht hinaus. Das ist nicht nur die Tragik in Schliemanns Leben, der darüber hinaus kurz vor seinem Tode mehrere schwerwiegende handwerkliche Fehler erkennen musste, sondern auch Ursache für Streitereien und bisweilen kleinliches Gezänk unter Forschern bis heute. Schliemann fand trotz aller Erfolge nie das, was er eigentlich suchte, und wurde, um mit Cobet zu sprechen, mit all seinen Ausgrabungen nicht recht glücklich. Das Büchlein erzählt zugleich die Geschichte eines Mythomanen, der immer unter Minderwertigkeitskomplexen der „echten Wissenschaft" gegenüber gelitten hat.
Zugleich werden aber Schliemanns große Lernfähigkeit und Bereitschaft zur Anwendung neuer Techniken wie der Photographie nicht unerwähnt gelassen - wissenschaftliche Fortschritte werden oft nicht zuletzt auch durch Außenstehende in Gang gebracht, die sich nicht nur auf eingefahrenen Wegen der universitären Platzhirsche bewegen. Cobet vermittelt mit seinen Schilderungen zugleich unterschwellig, warum seiner Meinung nach bis heute sogar viele Wissenschaftler nicht von den von Schliemann auch aus persönlicher Eitelkeit und Ruhmsucht initiierten Forschungsansätzen lassen wollen - eine implizite Spitze gegen die Troia - Forscher um Manfred Korfmann.
Cobet zeigt eindringlich die Janusköpfigkeit des Pastorensohnes aus Mecklenburg auf - eines der besten Bücher der Beck'schen Reihe, dessen Qualität durch viele Abbildungen und informative Karten noch weiter gesteigert wird!


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