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Rezensionen verfasst von
murphy68 "signals35" (Bielefeld)

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Jesse Stone:Death In Paradise
Jesse Stone:Death In Paradise
DVD ~ Viola Davis
Preis: EUR 12,68

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jesse Stone Death in Paradise, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Jesse Stone:Death In Paradise (DVD)
Der Trend - besonders bei skandinavischen und deutschen Produktionen - Polizisten, Kommissare und Detektive mit Neurosen und Problemen zuhauf "auszustatten", treibt oft nervige Blüten, wenn solche Privatdramen die Spannung allzusehr in den Hintergrund drängen. Hier ist es ganz anders: Hollywoods "Wallander" - und eben doch ein ganz anderer Typ - ist Tom Selleck alias Jesse Stone, cool, angebrüht, mit sardonischem Humor und mit einer relativ unaufgeregten Attitüde, mit seinen Problemen (Scheidung, Alkohol) umzugehen. Die Zeichnung des Kleinstadt-Millieus erinnert ein bißchen an Twin Peaks, aber die Figuren sind lebensnahe, alles wirkt sehr realistisch, lässig, abgeklärt, aber niemals langweilig - eine der besten amerikanischen Krimi-Serien der letzten 30 Jahre, von der auch ich mir noch mehr Folgen wünsche. Wer dem action-orientierten Einheitsbrei aus USA müde geworden ist, sollte sich diese erfreuliche Ausnahme-Serie mit einem Tom Selleck zu Gemüte führen, der hier sein "Magnum"-Image radikal abgelegt hat zugunsten einer gut abgehangenen und menschlich überzeugenden Charakterdarstellung.


Glückskinder
Glückskinder
DVD ~ Lilian Harvey
Preis: EUR 14,41

5.0 von 5 Sternen Glückskinder, 3. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Glückskinder (DVD)
Konnten sich schon berühmte Vorgänger mit dem "Traumpaar" Lilian Harvey und Willy Fritsch - wie "Die Drei von der Tankstelle" oder "Der Kongreß tanzt" - durchaus mit den besten amerikanischen Screwball-Komödien messen, nimmt man in "Glückskinder" direkt Bezug auf Hollywood, insbesondere auf die Filme mit Clark Gable, auf den in zwei Szenen des Films auch ironisch angespielt wird. Die an sich haarsträubende Geschichte eines Journalisten, der eines Tages den Gerichtsreporter vertritt und dabei ein junges Mädchen vor der Verurteilung als Vagabundin rettet, indem er sie zu seiner Frau erklärt, entwickelt dann aber - statt zu einer Kope der US-Komödien zu werden - doch ihren eigenen Charme und Witz dank eines guten Drehbuchs (R. A. Stemmle, Paul Martin), der Dialoge von Curt Goetz und der ansteckenden Spiellaune vor allem auch der Nebendarsteller wie Oskar Sima und Paul Kemp.Völlig frei von jeglicher auch nur unterschwelliger Ideologie ist dies beste Unterhaltung, die wahrscheinlich beste Komödie, die im Dritten Reich entstanden ist und für Viele der beste UFA-Film überhaupt.Dazu tragen auch die schwungvollen Lieder von Peter Kreuder bei. Zumindest eins davon dürfte bei den Nazis allerdings einigen Unmut ausgelöst haben, verherrlicht es doch ganz unverhüllt wider den Zeitgeist sorglose Faulheit: "Ich wollt'ich wär'ein Huhn, ich hätt'nicht viel zu tun, ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei - Juchhei!"


Hitchcock
Hitchcock
DVD ~ Sir Anthony Hopkins
Preis: EUR 6,99

5.0 von 5 Sternen Hitchcock von Sacha Gervasi (2012), 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Hitchcock (DVD)
„Glauben Sie, es ist so leicht, verrückt zu werden?“ – Anthony Perkins als Norman Bates.

Neuere biografische Filme Hollywoods – etwa „Capote“ – durchforsten nicht das ganze Leben eines Schauspielers, Regisseurs oder Autoren, sondern focussieren sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt, ein bahnbrechendes wichtiges Werk oder schlichtweg – wie bei „Hitchcock“ - auf die Dreharbeiten und Hintergrundgeschichten zu „Hitchs“ wohl berühmtesten Film „Psycho“, der nicht nur den Thriller revolutionierte sondern mit seinen damals gewagten Experimenten in puncto story und Kameraführung (und Irreführung der Zuschauer) letztlich Vorläufer der Slasher-Horrorfilme war und die Voraussetzung dafür schaffte, dass die Filmzensur ab den 60ern mehr und mehr gelockert wurde. Hitchcock hatte vor „Psycho“ gerade „Der unsichtbare Dritte“ abgedreht, einen seiner größten kommerziellen Erfolge. Dieser Film war zwar sehr publikumsorientiert, doch für Hitchcock in Wahrheit unbefriedigend, hatten ihn die Produzenten nach dem Misserfolg seines ambitionierten Vorgängers „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (welcher heute von vielen Kritikern und Fans als sein bester Film überhaupt angesehen wird und 2012 von dem renommierten britischen Filminstitut „Sight and Sound“ in der alljährlichen Umfrage sogar zum „besten Film aller Zeiten“ gewählt wurde – zweifellos ein guter Film, aber ich halte solche Umfragen ungefähr für so sinnlos wie wenn man die Birne zum „besten Obst aller Zeiten“ wählen würde) doch bedrängt, wieder einen „familienfreundlichen“ Krimi zu machen, der Geld bringt. Hitchcock wollte neue Wege gehen und stieß auf Robert Blochs Roman „Psycho“, der wiederum auf der wahren Geschichte des Serienmörders Ed Gein basiert. Von beiden Stoffen war Hitchcock fasziniert und wollte „Psycho“ sofort verfilmen. Für Kritiker und Hitchs Produktionsgesellschaft Paramount waren die für damalige Verhältnisse radikalen Gewagtheiten (die Duschmordszene, die Toilettenspülung, Voyeurismus, Muttermord) zuviel: Hitchcock musste den Film weitgehend allein finanzieren, nach den ersten Aufführungen hagelte es barsche Kritiken, die die Story um den vom latenten Inzest umwölkten Muttermörder Norman Bates abstoßend fanden, obwohl das reale Vorbild, der Massenmörder Ed Gein, im Vergleich dazu direkt der Hölle entsprungen sein musste. Das Publikum aber machte „Psycho“ mit heute kaum noch vorstellbaren hunderte Metern Schlangen vor den Kinos sofort zum Kassenerfolg – und das obwohl wir nach Strich und Faden in die Irre geführt werden, noch nie hat Hitch sein Publikum dermaßen an der Nase herumgeführt. Und seine Schauspieler auch, denn das Ende und die Auflösung des Films hielt Hitchcock wohlweislich bis zum letzten Drehtag vor seinen Akteuren geheim.
Hat man sich erstmal an Anthony Hopkins in der Rolle von Hitchcock gewöhnt, bekommt man zwar nicht wirklich einen detaillierten Einblick in die Dreharbeiten von „Psycho“, dafür geht Gervasi – ob er dies nun selbst erfunden hat oder nicht – ein bisschen in die Psyche des Meisters selbst, der sich dermaßen in seine Obsession für dieses Projekt hineinsteigerte, dass er Traumphantasien mit dem echten Muttermörder Ed Gein durchlebte und fast seine Gesundheit aufs Spiel setzte.
Vor allem ist es aber die Erinnerung an Hitchcocks Frau, Alma Reville, ohne die das Lebenswerk von Alfred überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Schon bei Hitchs erstem Spielfilm, „Irrgarten der Leidenschaft“ (1925) besorgte Alma den Schnitt. Sie war Cutterin, Theater-Autorin, schrieb später viele Drehbücher für Hitchcock und blieb ein Leben lang an seiner Seite. Hitch stand im Rampenlicht, in Wirklichkeit war es das Ehepaar Hitchcock, das ständig als Team an den Filmen arbeitete.
In dieser Biografie kommen auch der Humor, die Selbstironie und Hitchs kuriose Einfälle bei der Vermarktung seines bekanntesten Films nicht zu kurz, und – na ja – James D'Arcy ist so ziemlich der einzige Darsteller, der in seiner Rolle (Anthony Perkins) halbwegs Ähnlichkeit mit dem Original aufweist.
Kein in die Tiefe gehendes Meisterstück, aber - vor allem wenn es um die Beziehung zwischen Alma und Alfred geht – ein amüsantes Stück Kinogeschichte, in dem Hopkins nur fett und selbstironisch durch die Gegend spazieren muß, während ihn die wieder einmal unaufdringlich-furiose Helen Mirren als Alma Reville an die Wand spielt. Scarlett Johannson als Janet Leigh ist dagegen die charmanteste Fehlbesetzung seit langem.


Wanda [UK-Import] [VHS]
Wanda [UK-Import] [VHS]
VHS

5.0 von 5 Sternen Wanda (1970) Barbara Loden, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Wanda [UK-Import] [VHS] (Videokassette)
Auch bei Filmen gibt es „One-Hit-Wonders“, gerade unter Independent-Streifen, die sich abseits des mainstream bewegen, unbequem oder – zu Unrecht – fast vergessen sind. Dieser hier – leider der erste und einzige von Barbara Loden, Ex-Ehefrau des berühmten Hollywood-Regisseurs Elia Kazan (der Marlon Brando und James Dean berühmt machte), Gelegenheitsschauspielerin und viel zu früh an Krebs verstorben – wird mit Sicherheit von vielen Frauen hochgeschätzt, er wird in die Reihe der „wertvollen“ feministischen Filme der 70er Jahre, dem Höhepunkt von Emanzipations- und Frauenbewegungen in den USA und auch bei uns hineingepackt und passt da irgendwie doch nicht hin, weil er weder mit erhobenem Zeigefinger daherkommt noch mit Agitation und kämpferischen Parolen. Die Hauptakteurin Wanda (Barbara Loden spielt sie selbst) ist nämlich absolut wehrlos: eine Frau – man würde sagen aus dem amerikanischen Subproletariat – ohne besondere Bildung, sehr schüchtern, fast apathisch, vom tristen Leben zwischen (missratener) Ehe und Fabrikarbeit nahezu ausgehöhlt. Ohne größere Gefühlsregungen nimmt sie ihr Schicksal (Scheidung, Verlust der Kinder, die dem Vater zugesprochen werden und Verlust der Wohnung) scheinbar so hin, geht einen Weg, der ins Nirgendwo führt, schließt sich eher aus Verzweiflung und Angst vor dem Alleinsein als aus Kalkül einem Bankräuber an, lässt sich ziellos treiben, sich von dem Kerl wie eine Hündin behandeln. Dieser Frau, die so offensichtlich überhaupt kein Selbstbewusstsein entwickeln konnte, irgendwelche emanzipatorische Parolen für ihre Rechte zu kämpfen beizubringen, dürfte ein hilfloses Unterfangen sein und stößt diejenigen „Intellektuellen“ vor den Kopf, die meinen, dass tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen möglich sind, wenn man nur das „Proletariat“ auf Trab bringen könne. Diese Ohnmacht klagt Barbara Loden in ihrem Film eigentlich an ohne wirklich anzuklagen, denn sie schildert schlicht den Weg dieser schlichten Frau, eine karge, trostlose, nüchterne Zustandsbeschreibung, ein „Road-Movie“ der etwas anderen Art, nackte Realität wie sie in Deutschland wohl nur Rainer Werner Fassbinder drehen konnte. Und somit ist der Film eines der radikalsten Beispiele für das „New Hollywood“-Kino, das sich ab Mitte der 60er Jahre vom mainstream-Glanz abwandte und den amerikanischen Alltag abfilmte. Eine deutsche DVD-Veröffentlichung steht offensichtlich noch aus, der Film – selten im TV gezeigt - ist gegenwärtig nur als US-Import (auf VHS) oder als französische Import-DVD zu bekommen.


Für ein paar Dollar mehr [Special Edition] [2 DVDs]
Für ein paar Dollar mehr [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Clint Eastwood
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 18,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ein paar Dollar mehr, 11. Januar 2014
Für ein paar Dollar mehr

Mit geradezu anarchischer Lust hatte Sergio Leone in seinem Western-Debüt „Für eine Handvoll Dollar“ die Traditionen und Mechanismen der klassischen Hollywood-Western demontiert und auf den Kopf gestellt. In Leones Universum gibt es keine edelmütige Helden, die junge Schullehrerinnen beschützen, gegen Banditen, korrupte Viehbarone oder Indianer kämpfen. Jeglichen historischen Kontext ignoriert Leone und lässt - inspiriert von Kurosawas Filmen, dessen „Yojimbo – Der Leibwächter“ als Vorlage für den ersten „Dollar“-Film diente – seinen Helden Clint Eastwood selbst als modernen Samurai erscheinen: ein Söldner ohne Herkunft, ohne Namen, ohne Geschichte, der sich in dem anrüchigen Metier des Kopfgeldjägers verdingt. Und ein Glücksritter, nur auf materiellen Gewinn bedacht. In den ersten drei Western von Leone geht es – in wechselnden Konstellationen – eigentlich immer um dasselbe: die Suche nach einem Schatz oder nach einer großen Geldsumme, um die sich rivalisierende Banden oder Einzelkämpfer schlagen.

Nach dem Überraschungserfolg von „Für eine Handvoll Dollar“, der die Italowestern-Welle einleitete, stand Leone ein wesentlich größeres Budget für den Nachfolgefim „Für ein paar Dollar mehr“ zur Verfügung. Das merkt man: der Film ist deutlich ausgereifter, Leone lässt sich viel (Erzähl-)Zeit, die ersten 20 Minuten, in denen die beiden Hauptfiguren Mortimer (Lee van Cleef) und Moncco (Clint Eastwood – in der amerikanischen und deutschen Kinofassung war er erneut „der Namenlose“) eingeführt werden, ist schon eine Geschichte für sich ehe die eigentliche Handlung beginnt. Aus einem Kopfgeldjäger mach zwei, alles andere bleibt praktisch beim Alten, und auch Gian Maria Volonte spielt wieder einen Bandenführer, „El Indio“, der deutlich psychopathische Züge trägt und am laufenden Band „Gras“ raucht. Leone konnte Dekors und Details besser berücksichtigen, besonders das – authentische – Waffenarsenal von Lee van Cleef ist beeindruckend. Und Lee van Cleef ist der eigentliche Glücksgriff des Films: Leone kannte ihn nur aus zahlreichen Nebenrollen in Hollywood-Western der 50er Jahre, wo er meist als Bösewicht vorzeitig das Zeitliche segnete, u.a. auch im Klassiker „High Noon – Zwölf Uhr Mittags“. Van Cleefs Galgenvogel- und Geiergesicht und die ihm eigene Lässigkeit ergänzten sich vorzüglich zu Eastwoods bewährtem coolem underacting, und die Szene als sich die beiden rivalisierenden Bounty- Killer mit einem „Hutschießen“ die Hörner abstoßen und sich danach zu einer Partnerschaft zusammenraufen, gehört zu den schönsten Sequenzen, in denen Macho-Manierismen durch den Kakao gezogen werden. Ursprünglich wollte Leone Henry Fonda für den Part des Colonel Mortimer haben, der war – wie auch Charles Bronson – nicht zu bekommen. Für van Cleef war es der Start in eine zweite Karriere; vor allem mit zahlreichen Italo-Western bis Mitte der 70er Jahre wurde er zum Weltstar. Leones sarkastischer Humor ist deutlich ausgeprägter als im ersten Film, die Leichen häufen sich wie Fliegen und werden nach Kopfprämie „aufgerechnet“, der Leone-Stil - Wechsel von Nah- und Totaleinstellungen, lange stumme Sequenzen, Großaufnahmen von Gesichtern und die ständige Einbeziehung von Landschaften und Bauten - ist erstmals ausgeprägt. Die Nebenfiguren sind wie immer bei Leone markante Charaktergesichter, ausgesucht unter italienischen Laiendarstellern, Arbeitern und Bauern. Das bekannteste Gesicht ist Klaus Kinski, der hier noch eine kleine Nebenrolle hatte, später in Italo-Hits wie „Leichen pflastern seinen Weg“ selbst zu Kult-Status kam. In ihrem anfänglichen Misstrauen, in ihrer Professionalität, ihrer Schnelligkeit, ihrer Schlitzohrigkeit, in allem sind sich Moncco und Mortimer ebenbürtig, nur in einem unterscheiden sie sich: Mortimer geht es nicht um das Geld aus der Bank von El Paso, er hat noch eine persönliche Rechnung mit „Indio“ offen. Das Rachemotiv (und die damit verbundene Musik von einer Spieluhr) weist schon auf die grundlegende Idee zu Leones größtem Erfolg „Spiel mir das Lied vom Tod“ hin. Die DVD enthält die hervorragend restaurierte ungekürzte Fassung (127 Minuten), Interviews mit Eastwood, dem Leone Biographen Christopher Frayling (er spricht auch den Audio-Kommentar) Produzent Alberto Grimaldi, Vergleiche von Schnitt-Fassungen und Vieles mehr, ein echtes Schmankerl für den Fan.


Wer die Nachtigall stört
Wer die Nachtigall stört
DVD ~ Gregory Peck
Wird angeboten von Filmnoir
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer die Nachtigall stört, 20. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Wer die Nachtigall stört (DVD)
Als meine Schwester und ich in den 70ern "Wer die Nachtigall stört" im Fernsehen sahen, haben wir uns sofort in diesen Film verliebt und daraufhin das Buch verschlungen. Ähnlich wie in den Geschichten von Astrid Lindgren hatten wir das Gefühl, so sollte eine glückliche Kindheit aussehen. Über die Handlung ist hier schon genug geschrieben worden, der Zauber dieses zeitlos schönen Films resultiert nicht zuletzt aus der bewegenden Natürlichkeit, mit der die Kinderdarsteller, allen voran Mary Badham als Scout, ihre Rollen "leben" nicht nur spielen. Neben dem eindrucksvollen Plädoyer gegen Rassismus (zu einer Zeit als Martin Luther King und die Bürgerrechtsbwegung im Aufbruch waren), hat mich der Film an ähnliche Kindheitserlebnisse erinnert: auch wir hatten eine Art Boo Radley, ein geheimnisvolles Haus mit einer berüchtigten Familie, die angeblich so viel verbrochen hatte, und auch wir Kiddies schlichen als Mutprobe oft um dieses Haus herum. Angesichts Zahlen wie dieser... In den Top-Listen des American Film Institute ist dieser Film viermal vertreten:

Die 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten: Platz 34
Amerikas beste Filmmusik: Platz 17
Amerikas am meisten beeindruckende Filme: Platz 2
Die größten Helden des amerikanischen Films: Platz 1 für Atticus Finch
...ist es nicht nur schade, daß dieses Meisterwerk nicht mehr als drei Oscars verdient hat sondern geradezu ein Skandal, daß der Film in einem angeblich renommierten Filmlexikon wie "Reclams Filmführer" bis heute ignoriert wird.


Tanz der toten Seelen
Tanz der toten Seelen
DVD ~ -

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tanz der toten Seelen - Carnival of Souls (1962), 12. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Tanz der toten Seelen (DVD)
Der Low Budget-Horrorfilm des Amerikaners Herk Harvey (leider seine einzige Regiearbeit), anfangs nur in den Autokinos einigermaßen erfolgreich, wird seit den 80er Jahren von einer wachsenden Fangemeinde (wieder-)entdeckt. Er kann als eine Art Vorläufer von Klassikern wie George A. Romeros Zombie-Streifen oder Polanskis „Ekel“ betrachtet werden. Wie bei einigen anderen Filmen auch basiert die Grundidee auf der Kurzgeschichte „Ein Vorfall auf der Owl-Brücke“ von Ambroce Bierce.
Mary Henry (Candace Hilligoss), eine junge, schüchterne Organistin, überlebt nach einem Wettrennen auf mysteriöse Weise als Einzige (zwei Freundinnen ertrinken) einen Autounfall an einer Brücke. Mary kann sich nicht erinnern wie sie sich aus dem Wasser retten konnte, und ihr Leben verändert sich auf drastische Weise. Sie wird von Albträumen geplagt, und immer wieder stößt sie auf einen Mann mit einer unheimlichen blassen Totenmaske (gespielt von Herk Harvey selbst), der sie zu verfolgen scheint. Zum ersten Mal erscheint ihr dieses „Phantom“ auf einem alten verlassenen Rummelplatz in der Nähe von Salt Lake City, wo Mary in einer Kirche einen neuen Job angenommen hat.
In einem Kaufhaus erleidet Mary eine Art Hörsturz und stellt zudem entsetzt fest, dass sie nicht nur minutenlang taub ist, sondern von den Menschen in ihrer Umgebung nicht mehr wahrgenommen wird.
Gespräche mit einem Psychologen bringen sie nicht weiter, allenfalls zu der Erkenntnis, dass sie sich noch nie wirklich für andere Menschen interessiert hat, obwohl sie gerade jetzt Schutz und Hilfe sucht.
Immer bedrohlicher wirkt nun Marys Umwelt. In ihrer Verzweiflung sucht sie Halt bei ihrem klobigen, schmierigen Zimmernachbarn, der ein Auge auf sie geworfen hat. Doch Mary ist nicht fähig, sich jemandem zu öffnen, und als sich ihr „Verehrer“ angeekelt von der „Verrückten“ abwendet, werden Marys Visionen immer intensiver und repressiver. Sie kommt zu der schrecklichen Erkenntnis, dass sie offenbar gar nicht mehr wirklich existiert!
Immer wieder fühlt sie sich vom Pavillon des alten Rummelplatzes magisch angezogen. Sie sieht dort jene tanzenden Untoten, die auch nachts in ihren Träumen aus dem Wasser auftauchen und sie verfolgen. Plötzlich sieht sie sich selbst mit jenem Phantom, das ihr schon so oft erschienen ist, tanzen. Am Ende kann sie den Geistern, die sie von allen Seiten umzingeln, nicht mehr entrinnen.
An der Stelle, wo Mary zuletzt im Sand lag, werden am nächsten Tag Fußspuren gefunden, die nirgendwohin führen. Die Schlußszene zeigt, wie das Auto des anfänglichen Verkehrsunfalls aus dem Wasser geborgen wird. In dem Fahrzeug befinden sich die Leichen der drei Frauen – auch die von Mary.
Ohne Spezialeffekte, ohne blutige Szenen, aber mit starken atmosphärischen Mitteln und mit einer enervierenden Orgelmusik als Soundtrack folgen wir dem Unerklärlichen ganz mit den Augen von Mary. Der Film beschwört eine eigene surreale, düstere und depressive Stimmung herauf, die die vertraute Umwelt schleichend in einem bedrohlichen, verfremdeten Zwielicht erscheinen lässt.
Marys Entfremdung von sich selbst und ihren Mitmenschen trägt schon fast kafkaeske Züge, etwa in der einprägsamen Szene als sie allein, von niemandem wahrgenommen und um Hilfe schreiend, zwischen Häusermeeren umherirrt, von der Kamera wie unter einem Mikroskop aus der Vogelperspektive eingefangen.
Lange erscheinen Marys Visionen und ihr allmähliches Abgleiten in den Wahnsinn als die Nachwirkungen eines schweren Unfall-Traumas. Die Schlußszenen heben jede rationale Erklärung auf und lassen Mary selbst als „Untote“ erscheinen, die weder unter den Lebenden noch unter den Toten weilt und folgerichtig als „Vergessene“ ins Totenreich zurückgeholt wird.
Darüber hinaus macht der Film auch symbolisch die Einsamkeit und Isolation des Einzelnen in einer kalten, unfreundlichen Umwelt deutlich. Die „Untote“ Mary erscheint dabei oft lebendiger als die Menschen, auf die sie trifft. Die subtile Schwarzweiß-Fotografie (für eine DVD-Ausgabe hat man den Streifen – leider – eingefärbt), die Licht- und Schattenspiele schaffen mit minimalistischen Mitteln eine einzigartige klaustrophobische Grundstimmung. Roman Polanskis „Ekel“ hatte zwei Jahre später ein ähnliches Thema: hier entlädt sich der Verfolgungswahn einer jungen kontaktarmen Frau (Catherine Deneuve) in zwei Bluttaten.
In Harveys Film bleibt Mary wehrlos, passiv und hilflos, was die beunruhigende und verstörende Wirkung dieses kleinen B-Film-Juwels noch verstärkt. Das Remake von Wes Craven kommt in keiner Weise an das Original heran.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2014 8:53 AM CET


Plan 9 from Outer Space (OmU)
Plan 9 from Outer Space (OmU)
DVD ~ Bela Lugosi
Preis: EUR 8,60

5.0 von 5 Sternen Plan 9 aus dem Weltall, 8. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Plan 9 from Outer Space (OmU) (DVD)
Wenn man sich - am besten auf einer Party mit Beamer und Leinwand - nach dem "Genuß" dieses haarsträubenden Filmchens erstmal ausgelacht hat, sollte man sich die Doku auf der DVD und vor allem Tim Burtons schon liebevoll zu nennende Spielfilm-Biographie über Ed Wood ansehen. Der Mann meinte es damals ernst! Ob er verrückt war oder zuviel gekifft hat, man begreift allmählich, was hinter Woods kindlicher Naivität steckt: eine echte Begeisterung, ein echter Enthusiasmus für das Filmemachen, koste es, was es wolle. Er hatte kein Geld, er hatte keinen Star außer dem opiumabhängigen Bela Lugosi, aber im Ansatz improvisierte Ed Wood wie ein Weltmeister, um aus einem Schnürsenkelbudget Darsteller zu rekrutieren und Kulissen und Requisiten zusammenzuschustern. Nur die Ausführung war grottenschlecht! Ed Wood macht das Filmemachen und die Technik, die er nicht beherrscht, wie ein Kind zum Abenteuerspielplatz und läßt sich nicht beirren. In Burtons "Ed Wood" gibt es eine Schlüsselszene als Wood Orson Welles begegnet (das ist wirklich passiert!) und Welles sich resigniert über die Auflagen seiner Produzenten beschwert, die ihm jeden Film am Schneidetisch verunstalten. Wood begegnet ihm mit einer "Nicht aufgeben"-Rede, er gemahnt damit an die Anfänge der Filmindustrie, als die ersten Pioniere ähnlich abenteuerliche Methoden "erfinden" mußten um Filme zu drehen, als Improvisation und Fantasie mangelnde Technik und mangelndes Geld kaschieren mußten. Von dieser "künstlerischen Freiheit" ist im Hollywood der 50er Jahre, in dem Ed Wood seine Filme kurbelt, so ziemlich alles abhanden gekommen: viele Regisseure müssen mit den Restriktionen des Studiosystems leben, mit Produzenten, die die Kontrolle über einen Film übernehmen und für die Endschnitte verantwortlich sind, mit zickigen Stars und Starlets, mit strengen Limits, was das Budget betrifft usw. Abgesehen davon, daß kein noch so heruntergekommenes Hollywood-Studio Ed Woods Filme produziert hätte, setzt sich dieser Lausebengel einfach über alle Regeln hinweg und versucht es auf eigene Faust. Auch deshalb und wegen seines kauzigen Charmes und sogar wegen seines Mutes, einen Film über eine Transe ("Glen or Glends") in den prüden 50ern zu drehen, kann man sich einer gewissen Bewunderung für Wood nicht entsagen. "Plan 9" ist die Summe der special defects, hier kommt alles zusammen, was Woods Filme zu Meisterwerken der unfreiwilligen Komik macht: schlechte Darsteller, Pappkulissen, Gartenmöbel als Wohnungseinrichtung, Pyroeffekte aus dem Zauberkasten, Flugzeugcockpits ohne jede Armaturen, reinmontierte Dokumentaraufnahmen ohne filmische Nachbearbeitung,endlich mal WIRKLICHE Untertassen von der letzten Kaffeeservicegarnitur als fliegende Untertassen (die deutlich sichtbar an Bindfäden vor sich hinschweben), innerhalb von Sekunden Wechsel von Tag zur Nacht und umgekehrt, endlich auch mal ein Double, das dem Hauptdarsteller (dem einfach während der Dreharbeiten weggestorbenen Bela Lugosi) überhaupt nicht ähnlich sieht und sich deshalb ständig ein Cape vors Gesicht halten muß und dazu noch eine hanebüchene Story: Welche Außerirdischen machen sich schon die Mühe die Erde mit Zombies zu erobern? Aber es ist ja schließlich "Plan 9", und man fragt sich woran die anderen 8 Pläne gescheitert sind. Irgendwie muß man den Film einfach lieben!


Lawrence von Arabien (2 Discs)
Lawrence von Arabien (2 Discs)
DVD ~ Peter O'Toole
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lawrence von Arabien, 7. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Lawrence von Arabien (2 Discs) (DVD)
In dieser vollständigen Fassung komme auch ich wie einer meiner Vorreszensenten zu der Überzeugung, daß "Lawrence von Arabien" als "psychologischer Abenteuerfilm" 1962 seiner Zeit weit voraus war. Die Motivationen der rätselhaften Persönlichkeit von T.E. Lawrence, sein ambivalenter Charakter und seine Handlungsweisen werden uns zumindest annähernd verständlich gemacht, obwohl am Ende der Film als eine Art "Citizen Kane der Wüste" uns zu unserer eigenen Analyse über den legendären Engländer zwingt. Abenteuerlust und Zivilisationsmüdigkeit ("in Europa leben blasse fette Menschen")reiben sich dabei mit Eigenschaften und Charakterzügen, die Lawrence zum Teil selbst erst in den Kämpfen und Strapazen in der Wüste in seinem Wesen entdeckt: eine offensichtlich latente Homosexualität, ein Wechselspiel von sadistischen und masochistischen Befriedigungen begleiten die Abenteuerlust von Lawrence, gepaart mit einem unerschütterlichen Selbstbewußtsein und Glauben an sich Selbst und der Fähigkeit zu einer absoluten Assimilation: rein physisch gesehen an die Gegebenheiten der Wüste, rein psychisch an die Mentalität, Sitten und religiösen Gebräuche der arabischen Stämme, die ihn schließlich als einer der Ihren ansehen.Nicht zuletzt kommt die barsche Zivilisationskritik an der Kolonialpolitik von Frankreich und England,durch die sich Lawrence um seine Ideale betrogen sieht, sehr gewagt zu einer Zeit, in der viele nah- und fernöstliche Länder noch von europäischen Kolonialmächten kontrolliert und regiert wurden. Nur Joseph Conrad oder Herman Melville haben vorher in der Literatur äußere Action mit tiefgehender psychologischer Zeichnung der Protagonisten verbunden, hier ist es - wahrscheinlich zum ersten Mal - filmisch überzeugend umgesetzt. Wahrlich einer der besten Filme aller Zeiten, der allerdings beispielsweise auch in der xten Auflage des angeblich renommierten Filmführers von Reclam weiterhin ignoriert wird.


Jerry Cotton - Der Mörderclub von Brooklyn
Jerry Cotton - Der Mörderclub von Brooklyn
DVD ~ George Nader
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen Jerry Cotton der Mörderclub von brooklyn, 7. November 2013
Kult ist auch wenn es Trash ist...die deutschen Versuche, mit der populären Groschenromanserie Jerry Cotton auf der James Bond-Welle mitzuschwimmen, sind aus heutiger Sicht eher zu belächeln. Die der Edgar Wallace-Ästhetik entlehnten durchaus sehenswerten Action-Szenen und Stunts korrespondieren mit der oft unfreiwilligen Komik der Dialoge (in diesem Film mindestens 10 mal: "Was sagen Sie dazu, Mr.Cotton?"). Im Kreise guter Freunde mit ausreichend (unbedingt alkoholischen) Getränken versorgt, kann man damit durchaus lustige Abende haben und Hamburg-Fans werden viele Schauplätze wiedererkennen. Oft eingeblendete Original-Aufnahmen von New York werden beileibe nicht ungeschickt kombiniert und montiert mit Gebäuden aus deutschen Landen, die irgendwie wolkenkratzerkompatibel oder Ami-villenähnlich sind und "amerikanische Verhältnisse" vortäuschen, und anerkennenswert ist die Akribie, mit der Schilder, Namensgebungen und Häuseraufschriften "amerikanisiert" wurden um einen authentischen Eindruck zu gewinnen. In diesem Film hat man es vermieden wie bei Vorgängern der Serie Rückprojektionen vor echten Wolkenkratzern aus NY zu drehen, weil schon damals in den 60ern bei solchen Sequenzen der Lacherfolg beim Kinopublikum garantiert war. Wer hier ernsthaft Hollywood-Niveau erwartet, wird enttäuscht sein, wer den eigenwilligen "Charme" von deutschen Krimi-Kinoproduktionen mag, wird's mögen, immerhin ist George Nader als Cotton ein wirklich schneidiger Hauptdarsteller. Doch wird manchereiner lieber wieder zu einem Jerry Cotton Bastei-Heftroman greifen...


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