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Rezensionen verfasst von
murphy68 "signals35" (Bielefeld)

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Tote schlafen fest
Tote schlafen fest
DVD ~ Humphrey Bogart
Wird angeboten von Filmexpress
Preis: EUR 69,69

5.0 von 5 Sternen Tote schlafen fest, 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Tote schlafen fest (DVD)
Ein Kuriosum der Filmgeschichte: Howard Hawks gab selbst zu, die Handlung nicht ganz verstanden zu haben und befragte Raymond Chandler, den Autor der Original-Vorlage, zu einigen Punkten, z.B. wer den Chaffeur der Sternwoods eigentlich umgebracht hat. Chandler fand Logik-Lücken in seinem eigenen Roman, aber das ist nicht weiter wichtig, die Atmosphäre und die Charaktere zählen. Wer Spaß dran hat, sollte sich mal die Mühe machen während des Films die handelnden Personen, ihre Beziehungen und Verwicklungen und wer-hier-wen-ermordet-hat zu notieren und den Film auf seine Logik hin überprüfen (die ist nämlich DOCH vorhanden!).Der immensen Spannung tut das alles keinen Abbruch, und die von unterschwelliger Sexualität getragenen süffisanten Dialoge zwischen Bogart und Bacall (im Original geschrieben von William Faulkner) wirken heute noch amüsant: die deutlichen Anspielungen gingen damals nur knapp an der Zensur vorbei.Überhaupt ist es die Kunst des Films amoralische und unerhörte Vorgänge in Szenen nur anzudeuten oder wage bildlich zu verdeutlichen. Denn wirklich "auszusprechen", was Lauren Bacalls kleine nymphomanische Schwester Carmen Sternwood (Martha Vickers) so alles anstellt wäre wohl 1946 kaum an dem berüchtigten Hays-Code vorbeigekommen: sie läßt von sich Nacktfotos machen, die in einem als Buchhandlung getarnten Ponomagazin-Lager vertrieben und veröffentlicht werden, wahrscheinlich prostituiert sie sich, nimmt schlimmste Drogen, trinkt, ist wie ihre ältere Schwester dem Glücksspiel verfallen. Und die herrlich subtile Szene, in der sich Bogart und eine "aufgeschlossene" Buchhändlerin die "Wartezeit bei Regen" zweifellos nicht nur mit Drinks verkürzen, ist ein Kabinettstückchen. Schurken zuhauf, Intrigen, verwickelte Handlungsstränge, Korruption, Geldgier und Verrat, alles vorgetragen mit einer Stringenz und einer temporeichen Spannung, die heute noch ihresgleichen sucht. Nicht nur ein Highlight des Film Noir, sondern eines der großen zeitlosen Meisterwerke Hollywoods.


Butch Cassidy und Sundance Kid [Special Edition]
Butch Cassidy und Sundance Kid [Special Edition]
DVD ~ Robert Redford
Preis: EUR 10,25

5.0 von 5 Sternen Butch Cassidy und Sundance Kid, 13. September 2014
Der wahrscheinlich heute noch finanziell erfolgreichste Western aller Zeiten hat Ähnlichkeiten mit 2 Filmen aus derselben Dekade: Truffauts "Jules und Jim". in dem ebenfalls eine Liebe zu dritt beschrieben wird und "Bonnie und Clyde" (die Story wurde zunächst Truffaut angeboten), der ebenfalls über weite Strecken leichtfüßig daherkommt um dann immer stärker auf das drohende tragische Ende seiner "Helden" hinzuweisen.In "Butch Cassidy..." vermischen sich historisch verbürgte Wahrheiten (beide Hauptfiguren und auch ihre von Katherine Ross verkörperte Freundin gab es wirklich, und die "Hole in the Wall"-Bande raubte noch Anfang des 20. Jahrhunderts Züge und Banken aus als der Wilde Westen praktisch schon zivilisiert war) mit typischer Legendenbildung: Das Ende ist frei erfunden, Butch und Sundance sind in Wirklichkeit friedlich in ihren Betten verstorben. Die anarchistische Attitüde, das komödiantische Auftreten von Butch und Sundance läßt ihre Taten wie die Lausbubenstreiche erwachsen gewordener Tom Sawyer und Huckleberry Finn erscheinen. Und dieser "Geist", den der Film herüberbringt, ist durchaus historisch verbürgt: Redford weiß aus Begegnungen mit Menschen, die die Zeit noch miterlebt hatten, daß die Bande weniger aus Profitgier als aus Spaß auf ihre Raubzüge ging und sich austobte wie ein Haufen junger Hunde. Alles das fängt der Film überzeugend ein, läßt aber ahnen, daß die Lebensfreude und die Freiheit dieser Outlaws bald ein Ende haben wird. denn im domestizierten Westen ist kein Platz mehr für Gesetzlose. Die Justiz ist organisierter: Nicht mehr Marshals und Sheriffs nehmen die Jagd auf, sondern Pinkerton-Detektive, die ihr weitumspannendes Fahndungsnetz bis nach Bolivien spinnen. Witzig, cool, locker, der Film macht dank seiner drei Hauptdarsteller heute noch Spaß, auch dank eines gewissen "Hippie-Flairs", besonders in der berühmten "Fahrrad-Szene" - unterlegt mit Burt Bacharachs Hit "Raindrops keep falling on my head".


Das war Roy Bean
Das war Roy Bean
DVD ~ Jacqueline Bisset

5.0 von 5 Sternen Das war Roy Bean, 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Das war Roy Bean (DVD)
Der als Viehdieb gerade noch dem Strick entronnene Gauner Roy Bean ernennt sich in dem Städtchen Vinegaroon in Texas selbst zum Richter. Die Verhandlungen werden in den Trinkpausen im Saloon abgehalten, obwohl das Urteil für die meisten Halunken - ob sie nun schuldig oder nichtschuldig sind - schon feststeht: Hängen in der Galerie der Galgenbäume, die direkt vor dem Saloon angepflanzt wurden. Nur wenn jemand die von ihm vergötterte Sängerin Lilly Langtry beleidigt, macht Bean noch kürzeren Prozeß: Solche Strolche werden gleich erschossen. Die authentisch verbürgte Geschichte des ehemaligen Banditen Roy Bean, der in geradezu anarchistischer Manier das Faustrecht des alten Westens lebte und verkörperte und neben Judge Parker für seine "Hänge-Parties" berühmt wurde, hätte unter der Regie von John Milius, der das Drehbuch schrieb, ein Desaster werden können. Denn der unverhohlene Reaktionär, um nicht zu sagen Faschist Milius war bekannt für seine Heldenverehrung zweifelhafter Gestalten der Geschichte und Literatur. Wie gut, daß Altmeister John Huston auf dem Regiestuhl Platz nahm. Er machte aus der historisch ohnehin haarsträubenden Geschichte eine amüsante und turbulente Western-Komödie - neben jeder Menge skurriler Einfälle und Szenen aber auch mit melancholischen Untertönen: denn das Schreckensregiment des saufenden und pokerspielenden "Richters" ist auch ein letztes Leben der Freiheit des alten wilden Westens, in dem ein Mann mit List und Gewalt alles erreichen konnte. Als Vinegaroon langsam sozialisiert wird und eine "anständige" Gemeinde mit Schulen, Kirchen und Sittenwächtern heranwächst, kommen die Ölspekulanten, um das reiche Land auszubeuten. Der frustrierte Bean verschwindet wie vom Erdboden verschluckt um nach Jahren wie ein Geist zurückzukehren und mit Hilfe seiner Tochter, die den alten Saloon verteidigt hat, unter den schmierigen Geschäftsleuten aufzuräumen. In einem flammenden Finale erstrahlt wie ein Fanal die letzte Rebellion einer der letzten Legenden des Westens bevor Bean wie so viele andere der herannahenden zivilisierten Welt Platz machen muß. Im Kreis guter Freunde mit ordentlich Bier und Whisky ausgestattet, wird der Film bestimmt ein einziges Vergnügen, steckt er doch voller Ironie, Sarkasmus und herrlich überdrehter Episoden. Paul Newman hat sichtlich Spaß in der Titelrolle. Es gibt einen Lucky Luke-Comic über den Judge Roy Bean (mit einer herrlichen Schlußszene, in der der Richter gegen sich selbst verhandelt), und ich frage mich ob John Huston die Geschichte von Morris kannte und sich davon inspirieren lassen hat, denn einige Motive tauchen in Hustons Film wieder auf. Prägnante Gastauftritte u.a. mit Anthony Perkins als unheiligem Priester oder Ava Gardner als Lilly Langtry runden eine Western-Parodie ab, die sich mit Vorgängern wie "Butch Cassidy and Sundance Kid" durchaus messen kann.


Citizen X [DVD]
Citizen X [DVD]
DVD ~ Chris Gerolmo
Wird angeboten von RAREWAVES USA
Preis: EUR 5,45

5.0 von 5 Sternen Citizen X, 3. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Citizen X [DVD] (DVD)
Dieser atmosphärisch dichte und spannende Film nach wahren Begebenheiten gibt einen authentischen Einblick in die (rückständige) Arbeit von Justiz und Polizei des sowjetischen Systems. In der SU durfte es quasi keine Kapitalverbrechen geben, sie wurden vertuscht, verharmlost und von den Medien ignoriert, denn Mord, Erpressung, Bankraub oder Sexualdelikte wurden von der KP als typisch dekadente Erscheinungen des verhaßten westlich-kapitalistischen Systems deklariert. Der vom Gerichtsmediziner zum Kommissar beförderte Burakov hat nicht nur mit der schlecht ausgerüsteten Polizei zu kämpfen, sondern mit ihm ständig auf die Finger guckenden Generälen und Parteibonzen. Diese wollen den Serienmörder genau dort sehen wie sie sich die Abartigkeiten des Westens vorstellen: bei Zuhältern, Homosexuellen und sozial Schwachen. Burakov versucht ständig Arbeitsmaterial, Ausrüstung und Ermittlungsmethoden der Amerikaner bei seinen Vorgesetzten durchzusetzen, er möchte sogar eine Zusammenarbeit mit dem FBI. Nur von seinem direkten Vorgesetzten Fetisow, einem verständnisvollen Oberst (Donald Sutherland) erhält Burakov Unterstützung. Als dieser einem hohen Parteifunktionär, der die Ermittlungen ständig behindert, eine private Verfehlung nachweisen und ihn dadurch aus dem Amt drängen kann, ist der Weg frei für endlich effektivere und freie Polizeiarbeit. Fast zehn Jahre erstrecken sich die langwierigen und schwierigen Ermittlungen, und erst nach der Wende und dem Zusammenbruch der Sowjetunion können Burakow und Fetisow den Sexualmörder endlich fassen.Der Psychiater Alexander Buchanowski (Max von Sydow) hat über die Jahre ein Täter-Profil des Gesuchten erstellt und konfrontiert den Mörder Tschikatilo damit. Buchanowskis Analyse ist so treffsicher, daß sich Tschikatilo zu einem umfassenden Geständnis bewegen läßt und die Polizei sogar zu Leichen führt, die noch gar nicht gefunden worden waren. Stephen Rea gibt ein eindrucksvolles Porträt des beharrlichen und zähen Polizeikommissars, der trotz vieler Behinderungen und Rückschläge nicht aufgibt. Treffend ist dann auch das Statement eines Hilfe leistenden Polizeikollegen aus den USA, der über seinen russischen Kollegen sagt: "Wenn ich ein Verbrecher wäre, würde ich von einem Polizisten wie Burakov nicht gejagt werden wollen". So funktioniert dieser Thriller auf zwei Ebenen: als durchaus realistische und aufschlußreiche Studie über die letzte Phase der Sowjetunion und als Psychoanalyse des krankhaft mordenden Serientäters Tschikatilo, hervorragend gespielt von Jeffrey DeMunn.Dabei wird die Spannung in diesem Ausnahme-Krimi nie vernachlässigt.


2001: Odyssee im Weltraum [Special Edition] [2 DVDs]
2001: Odyssee im Weltraum [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Keir Dullea
Wird angeboten von scheuss68-cd-dvd-berlin
Preis: EUR 15,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 2001 - Odyssee im Weltraum, 5. August 2014
NSA und CIA? Lächerlich! Seit Jahrtausenden werden wir von einem Monolithen (eine Sendestation von Außerirdischen?)überwacht, der auch als eine Art "Intelligenzbeschleuniger" fungiert, was den Vormenschen Tier- und Menschenknochen als Werkzeuge und als Waffen gebrauchen lehrt - und damit die Voraussetzungen für Kultur aber auch für Kriege schafft. Und was hat sich bis zum Raumfahrtzeitalter geändert? Im Prinzip nix: In knochenartigen Raumschiffen ist der Mensch auf der Suche nach "Wasserstellen" wie eh und je: nach bewohnbaren Planeten, nach Ressourcen im All (hier auf der Erde führen wir Kriege ums Öl), schlägt sich noch immer gegenseitig die Köpfe ein und hat seine Maschinen dermaßen perfektioniert, daß diese menschlicher reagieren als ihre menschlichen Schöpfer. Der Mensch ist ethisch und moralisch noch immer in der Steinzeit und muß von der außerirdischen Macht in einer Art Metamorphose "erlöst" werden um als wiedergeborener "Super-Embryo" (oder "Vollkommener Mensch"?) zur Erde zurückzukehren... das sind nur wenige Schnipsel aus den zahlreichen Analysen und Deutungen, die Kubricks "2001" bis heute "begleitet" haben. Wissenschaftler, Schriftsteller und Philosophen haben sich in Büchern und Diskursen darüber ausgelassen, vor allem über das mystische Ende. Beamer und Leinwand sind unbedingt erforderlich, damit man Kubricks Bilderrausch annähernd wie im Kino genießen kann. Der Film wirkt heute noch so als sei er "on location", also im Weltraum, gedreht worden. Zeitlos tiefsinnige Reise des Menschen bis ans Ende seiner Möglichkeiten - und neben der begeisternden Tricktechnik erneut ein Beispiel für Kubricks trocken-pessimistisches Menschenbild. Wer ernsthaft über einen Film reflektieren möchte wird beim erstmaligen Sehen irritiert, dann aber auch begeistert sein - das meinen auch Viele, die sonst an die actionreichen Grundmuster der SF-Filme a la "Star Wars" gewohnt sind. Eine der faszinierendsten Versuche, den Film zu deuten, gibt es nach meiner Meinung in Thomas Allen Nelsons Buch über Stanley Kubrick.


Jesse Stone:Death In Paradise
Jesse Stone:Death In Paradise
DVD ~ Viola Davis
Preis: EUR 11,70

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jesse Stone Death in Paradise, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Jesse Stone:Death In Paradise (DVD)
Der Trend - besonders bei skandinavischen und deutschen Produktionen - Polizisten, Kommissare und Detektive mit Neurosen und Problemen zuhauf "auszustatten", treibt oft nervige Blüten, wenn solche Privatdramen die Spannung allzusehr in den Hintergrund drängen. Hier ist es ganz anders: Hollywoods "Wallander" - und eben doch ein ganz anderer Typ - ist Tom Selleck alias Jesse Stone, cool, angebrüht, mit sardonischem Humor und mit einer relativ unaufgeregten Attitüde, mit seinen Problemen (Scheidung, Alkohol) umzugehen. Die Zeichnung des Kleinstadt-Millieus erinnert ein bißchen an Twin Peaks, aber die Figuren sind lebensnahe, alles wirkt sehr realistisch, lässig, abgeklärt, aber niemals langweilig - eine der besten amerikanischen Krimi-Serien der letzten 30 Jahre, von der auch ich mir noch mehr Folgen wünsche. Wer dem action-orientierten Einheitsbrei aus USA müde geworden ist, sollte sich diese erfreuliche Ausnahme-Serie mit einem Tom Selleck zu Gemüte führen, der hier sein "Magnum"-Image radikal abgelegt hat zugunsten einer gut abgehangenen und menschlich überzeugenden Charakterdarstellung.


Glückskinder
Glückskinder
DVD ~ Lilian Harvey
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glückskinder, 3. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Glückskinder (DVD)
Konnten sich schon berühmte Vorgänger mit dem "Traumpaar" Lilian Harvey und Willy Fritsch - wie "Die Drei von der Tankstelle" oder "Der Kongreß tanzt" - durchaus mit den besten amerikanischen Screwball-Komödien messen, nimmt man in "Glückskinder" direkt Bezug auf Hollywood, insbesondere auf die Filme mit Clark Gable, auf den in zwei Szenen des Films auch ironisch angespielt wird. Die an sich haarsträubende Geschichte eines Journalisten, der eines Tages den Gerichtsreporter vertritt und dabei ein junges Mädchen vor der Verurteilung als Vagabundin rettet, indem er sie zu seiner Frau erklärt, entwickelt dann aber - statt zu einer Kope der US-Komödien zu werden - doch ihren eigenen Charme und Witz dank eines guten Drehbuchs (R. A. Stemmle, Paul Martin), der Dialoge von Curt Goetz und der ansteckenden Spiellaune vor allem auch der Nebendarsteller wie Oskar Sima und Paul Kemp.Völlig frei von jeglicher auch nur unterschwelliger Ideologie ist dies beste Unterhaltung, die wahrscheinlich beste Komödie, die im Dritten Reich entstanden ist und für Viele der beste UFA-Film überhaupt.Dazu tragen auch die schwungvollen Lieder von Peter Kreuder bei. Zumindest eins davon dürfte bei den Nazis allerdings einigen Unmut ausgelöst haben, verherrlicht es doch ganz unverhüllt wider den Zeitgeist sorglose Faulheit: "Ich wollt'ich wär'ein Huhn, ich hätt'nicht viel zu tun, ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei - Juchhei!"


Hitchcock
Hitchcock
DVD ~ Sir Anthony Hopkins
Preis: EUR 4,90

5.0 von 5 Sternen Hitchcock von Sacha Gervasi (2012), 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Hitchcock (DVD)
„Glauben Sie, es ist so leicht, verrückt zu werden?“ – Anthony Perkins als Norman Bates.

Neuere biografische Filme Hollywoods – etwa „Capote“ – durchforsten nicht das ganze Leben eines Schauspielers, Regisseurs oder Autoren, sondern focussieren sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt, ein bahnbrechendes wichtiges Werk oder schlichtweg – wie bei „Hitchcock“ - auf die Dreharbeiten und Hintergrundgeschichten zu „Hitchs“ wohl berühmtesten Film „Psycho“, der nicht nur den Thriller revolutionierte sondern mit seinen damals gewagten Experimenten in puncto story und Kameraführung (und Irreführung der Zuschauer) letztlich Vorläufer der Slasher-Horrorfilme war und die Voraussetzung dafür schaffte, dass die Filmzensur ab den 60ern mehr und mehr gelockert wurde. Hitchcock hatte vor „Psycho“ gerade „Der unsichtbare Dritte“ abgedreht, einen seiner größten kommerziellen Erfolge. Dieser Film war zwar sehr publikumsorientiert, doch für Hitchcock in Wahrheit unbefriedigend, hatten ihn die Produzenten nach dem Misserfolg seines ambitionierten Vorgängers „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (welcher heute von vielen Kritikern und Fans als sein bester Film überhaupt angesehen wird und 2012 von dem renommierten britischen Filminstitut „Sight and Sound“ in der alljährlichen Umfrage sogar zum „besten Film aller Zeiten“ gewählt wurde – zweifellos ein guter Film, aber ich halte solche Umfragen ungefähr für so sinnlos wie wenn man die Birne zum „besten Obst aller Zeiten“ wählen würde) doch bedrängt, wieder einen „familienfreundlichen“ Krimi zu machen, der Geld bringt. Hitchcock wollte neue Wege gehen und stieß auf Robert Blochs Roman „Psycho“, der wiederum auf der wahren Geschichte des Serienmörders Ed Gein basiert. Von beiden Stoffen war Hitchcock fasziniert und wollte „Psycho“ sofort verfilmen. Für Kritiker und Hitchs Produktionsgesellschaft Paramount waren die für damalige Verhältnisse radikalen Gewagtheiten (die Duschmordszene, die Toilettenspülung, Voyeurismus, Muttermord) zuviel: Hitchcock musste den Film weitgehend allein finanzieren, nach den ersten Aufführungen hagelte es barsche Kritiken, die die Story um den vom latenten Inzest umwölkten Muttermörder Norman Bates abstoßend fanden, obwohl das reale Vorbild, der Massenmörder Ed Gein, im Vergleich dazu direkt der Hölle entsprungen sein musste. Das Publikum aber machte „Psycho“ mit heute kaum noch vorstellbaren hunderte Metern Schlangen vor den Kinos sofort zum Kassenerfolg – und das obwohl wir nach Strich und Faden in die Irre geführt werden, noch nie hat Hitch sein Publikum dermaßen an der Nase herumgeführt. Und seine Schauspieler auch, denn das Ende und die Auflösung des Films hielt Hitchcock wohlweislich bis zum letzten Drehtag vor seinen Akteuren geheim.
Hat man sich erstmal an Anthony Hopkins in der Rolle von Hitchcock gewöhnt, bekommt man zwar nicht wirklich einen detaillierten Einblick in die Dreharbeiten von „Psycho“, dafür geht Gervasi – ob er dies nun selbst erfunden hat oder nicht – ein bisschen in die Psyche des Meisters selbst, der sich dermaßen in seine Obsession für dieses Projekt hineinsteigerte, dass er Traumphantasien mit dem echten Muttermörder Ed Gein durchlebte und fast seine Gesundheit aufs Spiel setzte.
Vor allem ist es aber die Erinnerung an Hitchcocks Frau, Alma Reville, ohne die das Lebenswerk von Alfred überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Schon bei Hitchs erstem Spielfilm, „Irrgarten der Leidenschaft“ (1925) besorgte Alma den Schnitt. Sie war Cutterin, Theater-Autorin, schrieb später viele Drehbücher für Hitchcock und blieb ein Leben lang an seiner Seite. Hitch stand im Rampenlicht, in Wirklichkeit war es das Ehepaar Hitchcock, das ständig als Team an den Filmen arbeitete.
In dieser Biografie kommen auch der Humor, die Selbstironie und Hitchs kuriose Einfälle bei der Vermarktung seines bekanntesten Films nicht zu kurz, und – na ja – James D'Arcy ist so ziemlich der einzige Darsteller, der in seiner Rolle (Anthony Perkins) halbwegs Ähnlichkeit mit dem Original aufweist.
Kein in die Tiefe gehendes Meisterstück, aber - vor allem wenn es um die Beziehung zwischen Alma und Alfred geht – ein amüsantes Stück Kinogeschichte, in dem Hopkins nur fett und selbstironisch durch die Gegend spazieren muß, während ihn die wieder einmal unaufdringlich-furiose Helen Mirren als Alma Reville an die Wand spielt. Scarlett Johannson als Janet Leigh ist dagegen die charmanteste Fehlbesetzung seit langem.


Wanda [UK-Import] [VHS]
Wanda [UK-Import] [VHS]
VHS

5.0 von 5 Sternen Wanda (1970) Barbara Loden, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Wanda [UK-Import] [VHS] (Videokassette)
Auch bei Filmen gibt es „One-Hit-Wonders“, gerade unter Independent-Streifen, die sich abseits des mainstream bewegen, unbequem oder – zu Unrecht – fast vergessen sind. Dieser hier – leider der erste und einzige von Barbara Loden, Ex-Ehefrau des berühmten Hollywood-Regisseurs Elia Kazan (der Marlon Brando und James Dean berühmt machte), Gelegenheitsschauspielerin und viel zu früh an Krebs verstorben – wird mit Sicherheit von vielen Frauen hochgeschätzt, er wird in die Reihe der „wertvollen“ feministischen Filme der 70er Jahre, dem Höhepunkt von Emanzipations- und Frauenbewegungen in den USA und auch bei uns hineingepackt und passt da irgendwie doch nicht hin, weil er weder mit erhobenem Zeigefinger daherkommt noch mit Agitation und kämpferischen Parolen. Die Hauptakteurin Wanda (Barbara Loden spielt sie selbst) ist nämlich absolut wehrlos: eine Frau – man würde sagen aus dem amerikanischen Subproletariat – ohne besondere Bildung, sehr schüchtern, fast apathisch, vom tristen Leben zwischen (missratener) Ehe und Fabrikarbeit nahezu ausgehöhlt. Ohne größere Gefühlsregungen nimmt sie ihr Schicksal (Scheidung, Verlust der Kinder, die dem Vater zugesprochen werden und Verlust der Wohnung) scheinbar so hin, geht einen Weg, der ins Nirgendwo führt, schließt sich eher aus Verzweiflung und Angst vor dem Alleinsein als aus Kalkül einem Bankräuber an, lässt sich ziellos treiben, sich von dem Kerl wie eine Hündin behandeln. Dieser Frau, die so offensichtlich überhaupt kein Selbstbewusstsein entwickeln konnte, irgendwelche emanzipatorische Parolen für ihre Rechte zu kämpfen beizubringen, dürfte ein hilfloses Unterfangen sein und stößt diejenigen „Intellektuellen“ vor den Kopf, die meinen, dass tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen möglich sind, wenn man nur das „Proletariat“ auf Trab bringen könne. Diese Ohnmacht klagt Barbara Loden in ihrem Film eigentlich an ohne wirklich anzuklagen, denn sie schildert schlicht den Weg dieser schlichten Frau, eine karge, trostlose, nüchterne Zustandsbeschreibung, ein „Road-Movie“ der etwas anderen Art, nackte Realität wie sie in Deutschland wohl nur Rainer Werner Fassbinder drehen konnte. Und somit ist der Film eines der radikalsten Beispiele für das „New Hollywood“-Kino, das sich ab Mitte der 60er Jahre vom mainstream-Glanz abwandte und den amerikanischen Alltag abfilmte. Eine deutsche DVD-Veröffentlichung steht offensichtlich noch aus, der Film – selten im TV gezeigt - ist gegenwärtig nur als US-Import (auf VHS) oder als französische Import-DVD zu bekommen.


Für ein paar Dollar mehr [Special Edition] [2 DVDs]
Für ein paar Dollar mehr [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Clint Eastwood

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ein paar Dollar mehr, 11. Januar 2014
Für ein paar Dollar mehr

Mit geradezu anarchischer Lust hatte Sergio Leone in seinem Western-Debüt „Für eine Handvoll Dollar“ die Traditionen und Mechanismen der klassischen Hollywood-Western demontiert und auf den Kopf gestellt. In Leones Universum gibt es keine edelmütige Helden, die junge Schullehrerinnen beschützen, gegen Banditen, korrupte Viehbarone oder Indianer kämpfen. Jeglichen historischen Kontext ignoriert Leone und lässt - inspiriert von Kurosawas Filmen, dessen „Yojimbo – Der Leibwächter“ als Vorlage für den ersten „Dollar“-Film diente – seinen Helden Clint Eastwood selbst als modernen Samurai erscheinen: ein Söldner ohne Herkunft, ohne Namen, ohne Geschichte, der sich in dem anrüchigen Metier des Kopfgeldjägers verdingt. Und ein Glücksritter, nur auf materiellen Gewinn bedacht. In den ersten drei Western von Leone geht es – in wechselnden Konstellationen – eigentlich immer um dasselbe: die Suche nach einem Schatz oder nach einer großen Geldsumme, um die sich rivalisierende Banden oder Einzelkämpfer schlagen.

Nach dem Überraschungserfolg von „Für eine Handvoll Dollar“, der die Italowestern-Welle einleitete, stand Leone ein wesentlich größeres Budget für den Nachfolgefim „Für ein paar Dollar mehr“ zur Verfügung. Das merkt man: der Film ist deutlich ausgereifter, Leone lässt sich viel (Erzähl-)Zeit, die ersten 20 Minuten, in denen die beiden Hauptfiguren Mortimer (Lee van Cleef) und Moncco (Clint Eastwood – in der amerikanischen und deutschen Kinofassung war er erneut „der Namenlose“) eingeführt werden, ist schon eine Geschichte für sich ehe die eigentliche Handlung beginnt. Aus einem Kopfgeldjäger mach zwei, alles andere bleibt praktisch beim Alten, und auch Gian Maria Volonte spielt wieder einen Bandenführer, „El Indio“, der deutlich psychopathische Züge trägt und am laufenden Band „Gras“ raucht. Leone konnte Dekors und Details besser berücksichtigen, besonders das – authentische – Waffenarsenal von Lee van Cleef ist beeindruckend. Und Lee van Cleef ist der eigentliche Glücksgriff des Films: Leone kannte ihn nur aus zahlreichen Nebenrollen in Hollywood-Western der 50er Jahre, wo er meist als Bösewicht vorzeitig das Zeitliche segnete, u.a. auch im Klassiker „High Noon – Zwölf Uhr Mittags“. Van Cleefs Galgenvogel- und Geiergesicht und die ihm eigene Lässigkeit ergänzten sich vorzüglich zu Eastwoods bewährtem coolem underacting, und die Szene als sich die beiden rivalisierenden Bounty- Killer mit einem „Hutschießen“ die Hörner abstoßen und sich danach zu einer Partnerschaft zusammenraufen, gehört zu den schönsten Sequenzen, in denen Macho-Manierismen durch den Kakao gezogen werden. Ursprünglich wollte Leone Henry Fonda für den Part des Colonel Mortimer haben, der war – wie auch Charles Bronson – nicht zu bekommen. Für van Cleef war es der Start in eine zweite Karriere; vor allem mit zahlreichen Italo-Western bis Mitte der 70er Jahre wurde er zum Weltstar. Leones sarkastischer Humor ist deutlich ausgeprägter als im ersten Film, die Leichen häufen sich wie Fliegen und werden nach Kopfprämie „aufgerechnet“, der Leone-Stil - Wechsel von Nah- und Totaleinstellungen, lange stumme Sequenzen, Großaufnahmen von Gesichtern und die ständige Einbeziehung von Landschaften und Bauten - ist erstmals ausgeprägt. Die Nebenfiguren sind wie immer bei Leone markante Charaktergesichter, ausgesucht unter italienischen Laiendarstellern, Arbeitern und Bauern. Das bekannteste Gesicht ist Klaus Kinski, der hier noch eine kleine Nebenrolle hatte, später in Italo-Hits wie „Leichen pflastern seinen Weg“ selbst zu Kult-Status kam. In ihrem anfänglichen Misstrauen, in ihrer Professionalität, ihrer Schnelligkeit, ihrer Schlitzohrigkeit, in allem sind sich Moncco und Mortimer ebenbürtig, nur in einem unterscheiden sie sich: Mortimer geht es nicht um das Geld aus der Bank von El Paso, er hat noch eine persönliche Rechnung mit „Indio“ offen. Das Rachemotiv (und die damit verbundene Musik von einer Spieluhr) weist schon auf die grundlegende Idee zu Leones größtem Erfolg „Spiel mir das Lied vom Tod“ hin. Die DVD enthält die hervorragend restaurierte ungekürzte Fassung (127 Minuten), Interviews mit Eastwood, dem Leone Biographen Christopher Frayling (er spricht auch den Audio-Kommentar) Produzent Alberto Grimaldi, Vergleiche von Schnitt-Fassungen und Vieles mehr, ein echtes Schmankerl für den Fan.


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