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Rezensionen verfasst von
Pat Stewart

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Der Hobbit: Smaugs Einöde [Blu-ray]
Der Hobbit: Smaugs Einöde [Blu-ray]
DVD ~ Billy Connolly
Preis: EUR 9,99

33 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide, steigerungsfähige Popcornunterhaltung, 18. Februar 2014
*** ACHTUNG: REZENSION ENTHÄLT SPOILER ***

Die Vielzahl dessen, was ich zu diesem Film zu sagen hätte, hielt mich bisher von einer Rezension ab. Nun möchte ich mich dennoch dazu überwinden, und hoffe, mit meiner Meinung die Ansichten manch Anderer widerzuspiegeln, zu ergänzen, oder gar gegenteilig darstellen zu können.

Doch womit fange ich an?
Die vielfach kritisierten schlecht gemachten CGI`s kann ich schon einmal bei normalem Sehen des Films nicht erkennen. Erst wenn man tatsächlich darauf achtet, erkennt man die Effekte als solche. Doch dies war bereits in Herr der Ringe so und hat das Sehvergnügen damals auch nicht geschmälert. Schaut man sich die Moriaszenen oder die Rohirrim auf dem Pelennor an (zum Beispiel), erkennt man ebenso den digitalen Ursprung der Szene und der Darsteller. Natürlich sind inzwischen einige Jahre in das Land gezogen. Aber statt ständig State-of.the-Art-Animationen zu erwarten, sollte man sich auch daran erinnern, welch simple Mittelchen noch vor einiger Zeit genügt haben. Ich komme aus einer Generation, die sich trotz offensichtlicher Effekte in eine Geschichte fallen lassen konnte. Gezwungenermaßen auch musste. Alien, Enemy Mine, die unendliche Geschichte. Es war und sollte immer noch die eigene Vorstellung sein, die unterstützend zu den Filmeffekten ein Gesamtbild generiert. Ich denke, es ist eine Frage der Generationen, und ich kann den gewünschten Perfektionismus bezüglich Special-Effects im Ansatz verstehen und nachvollziehen. Dennoch sehe ich CGIs (auch die schlecht gemachten") als halb so wild an und konnte bei Smaugs Einöde" auch mit Azog und Bolg sehr gut leben. Im Gegenteil: Azog gefiel mir - wenn auch nicht im Buch enthalten - von Anfang an als Figur und Konzept und mit seiner Mischung aus Arroganz, Brutalität, aber auch Feigheit sehr gut. Der Charakter wurde in eine unerwartete Reise" von vielen Bekannten in meinem Umfeld als unlogisch kritisiert. Weshalb tötet er Thorin am Ende nicht selbst, wo er doch so auf Rache aus ist? Ich konnte mir dies immer mit Feigheit erklären: Der große Azog musste vor den Osttoren Morias erleben, wie ihn ausgerechnet ein Zwerg beinahe getötet hätte. Er ist Azog, der Brutale, geblieben. Dennoch ist er seitdem vorsichtiger und feiger geworden, wenn es hart auf hart kommt, und schickt lieber seine Lakaien vor. Hat ja auch etwas, dieses Auskosten der Macht über Andere.
Am Anfang von Smaugs Einöde" ist diese Eigenschaft wieder zu sehen, als die Orks von einem Angriff absehen, da die Zwerge Unterschlupf bei Beorn suchen. Auch hier dachte ich zunächst: Weshalb greifen sie nicht an? Immerhin erzählt Beorn einige Szenen später, dass die Gestaltenwandler früher von Orks gefangen gehalten und gefoltert wurden. Das Kräfteverhältnis scheint also eher auf Orkseite zu überwiegen. Doch dann erkennt man kleine Details wie eine gesprengte Armfessel um Beorns Handgelenk, und fragt sich, ob es da noch eine Vorgeschichte geben wird. Einen Rückblick in There and back again" etwa - in dem Beorn laut Jackson eine wesentlich größere Rolle zugeteilt wird - in dem deutlich gemacht wird, weshalb die Orks Angst vor ihm haben?
Beorn hat zumindest in Smaugs Einöde" einen eher kurzen und für den Tolkienfan entäuschenden Auftritt. Nur wenige Minuten ist er zu sehen. Die komplette Einführungssequenz des Buches, in dem die Zwerge von Gandalf einzeln dem Gestaltenwandler vorgestellt werden, ist einer actionhaften und unglaubwürdig wirkenden (eine handvoll Zwerge stemmt eine Tür zu, hinter der ein wütender 4 Meter Bär tobt, der in vollem Galopp angerast kam?) Szene gewichen, die von Anfang an klar macht, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird: Action, Action, Action. Oft auch zu Lasten der Physik, gerne natürlich zu Lasten der literarischen Vorlage.
Jacksons Entscheidung, die beliebte Anfangsszene zu ändern, kann ich dennoch nachvollziehen: Dies hätte dem Anfang von eine unerwartete Reise" zu sehr geähnelt, und zu viele Nichtleser Tolkiens waren bereits hier gelangweilt und fragten sich, wann der Film denn nun endlich losginge. Was bei den Gefährten", die ein ähnlich langes Vorspiel hatten, noch als neu und daher interessant anzusehen war, wirkte bei der unerwarteten Reise" zu sehr in die Länge gezogen. Für den Nichtleser versteht sich. Der Leser allerdings wäre von einer langen Anfangssequenz in Beorns Hütte gewiss angetan gewesen, und war es auch schon beim ersten Hobbitteil aufgrund der detailverliebten Widergabe der Dialoge. Hier wird Jacksons Dilemma überdeutlich: Eine zu straffe Verfilmung der Vorlage verwirrt die Nichtleser, eine zu lasche Adaption die Leser. Bei Smaugs Einöde" werden eindeutig eher die Ersteren bedient. Der Tolkienfan düfte wohl - besonders auch im Hinblick auf Beorn - in der Extended Edition, die wahrscheinlich traditionell im November erscheinen wird und hoffentlich genügend extra Material bieten wird, etwas Besänftigung finden. Einige bereits im Netz kursierende, im Film nicht verwendete Bilder Beorns lassen zumindest auf einiges an Zusatzmaterial hoffen.

Es folgen mit Mirkwood und den Waldelben zwei durch und durch gelungene Kapitel des Films. Der ehemalige Grünwald (jetzt Düsterwald) wird herrvorragend umgesetzt. Die halluzinatorische Wirkung, derer die Wanderer im Unterholz unterworfen sind, wird durch hallende und überlagerte Stimmen sowie einigen absurden Szenen glaubhaft auf die Leinwand gebracht. Als Bilbo auf einen Baum klettert und über dem Blätterdach frische Luft atmet, fühlt man förmlich mit. Eine wunderbare Szene, die sogleich von einem Horrortrip in die Welt der Insekten und Arachniden jäh unterbrochen wird. Aber ich möchte nicht allzu sehr ins Detail gehen. Klar wird hier nur, aus welchem Genre Jackson ursprünglich kommt, und der Kampf gegen die Spinnen gehört eindeutig zu den positiven Seiten des Films. Auch hier sind einige nicht verwendete Szenen bekannt, die ihren Weg in die Extended Edition finden und vor Allem Kennern des Buches zusagen könnten.

Das Waldelbenreich weiß nach einer - natürlich - actionlastigen Einführung ebenso zu begeistern. Lee Pace als König Thranduil spielt seine Rolle einfach grandios, der gesamte Look im Elbenreich ist absolut sehenswert. Hier gibt es nichts auszusetzen, außer einer Sache:
Die Liebesgeschichte" zwischen Kili und Tauriel, die hier ihren Anfang nimmt, ist gewöhnungsbedürftig und mag nicht so Recht in das tolkiensche Universum vor dem Hintergrund der Buchvorlage passen. Dennoch muss man bedenken, dass Kili bereits in Eine unerwartete Reise" in Richtung der Elben charakterisiert werden sollte: In der Extended Edition macht er einer Elbin in Bruchtal schöne Augen, er wehrt in den Orkhöhlen des Nebelgebirges auf ihn geschossene Pfeile mit dem Schwert ab - eventuell eine Verbindung zur reflexartigen Kampfweise der Elben und ein Gegenpol zu den sonst eher grob draufklopfenden Zwergen. Meinem Eindruck nach wird durch solch kleine Details versucht, den Charakter Kili rund zu gestalten und die dem Mainstream geschuldete Beziehung zwischen Zwerg und Elb in die Geschichte zu integrieren, indem dem Zwerg Kili ein Hauch Elbentum bzw. Interesse" für das Volk verliehen wird. Schaut man den ersten Hobbit in der Extended Edition und behält Kilis Entwicklung hin zu Tauriel im Hinterkopf, so wird deutlich, dass die angeblich fehlende Charakterisierung der Zwerge nicht in diesem Maße aussteht, wie man glauben mag. Oftmals verlieren sich diese Charakterpunkte auch einfach im Wust der Zwergengemeinschaft. Man kann daher von Glück reden, dass Jackson die Zwerge derart unterschiedlich gestaltet hat, auch wenn er mit diesem Entschluss wohl den ein oder anderen Zwergenfan verwirrt haben mag: 13 Zwerge, wie sie im Prolog zu den Gefährten" zu sehen sind, hätten unmöglich als hauptdarstellende Gruppe funktioniert. Auch wenn es eindeutig tolkienhafter und näher an Mittelerde dran gewesen wäre.
Die Beziehung zwischen Zwerg und Elb mag daher sperrig, jedoch im Zusammenhang der Filme nicht wirklich fehl am Platz wirken. Tolkien selbst war der Idee von Mischbeziehungen" nicht abgeneigt, und auch wenn die Konstellation in dieser Form nicht in seinen Werken zu finden ist, dürfte der Gedanke einer rassenübergreifenden Einheit gewiss in seinem Geiste sein. Hätte man mit Tolkien diskutiert, hätte er eine Liebesbeziehung zwischen Elb und Zwerg nicht kategorisch ausschließen können und wollen. Bereits bei Beren und Luthien ging Tolkien der Liebe Willen große Kompromisse bezüglich der eigenen Nachtodvorstellungen von Elb und Mensch ein. Gewiss hätte in seinen Augen auch eine Romanze zwischen Elb und Zwerg ihre Berechtigung.
Das Jackson diese Liebelei quasi ungefragt und unnötig in seinen Film integriert und damit gewiss auch finanzielle Aspekte bedient, bleibt natürlich diskussionswürdig.

Und wie sieht es mit Elben aus, die absurde Akrobatik abliefern und allem Anschein nach direkt aus einem Jump-and-Run importiert wurden, auf den Köpfen der Gegner Pirouetten drehend eine Pfeilsalve nach der Anderen durch die Hirne der Gegner bohren, um danach elegant auf ihren Leichen gen Tal zu surfen? Passt dies in das Tolkienuniversum? Kann man dies mit jahrhundertelangem Training, mit Millenien der Orkjagd begründen? Eventuell könnte man dies. Doch was ist mit Zwergen, die in einem Fass rollend zig Orks plattwalzen, sich einem durchgedrehten Kreisel gleich durch Scharen von Gegnern metzeln und Sprungeinlagen par excellence darbieten? Training? Gewiss nicht. Es gibt eine wesentlich einfachere und logischere Erklärung: Jackson tobt sich aus und macht einen auf den Michael Bay des Fantasygenres, will uns mit einer Anhäufung fantastischer Bewegungsfolgen und wild choreografierten Absurditäten amüsieren. Da spielt es keine Rolle, woher der Morgulpfeil kommt, der einen der Zwerge trifft, und ebenso wenig sollte man darüber nachdenken, was ein Morgulpfeil eigentlich sein soll. Immerhin wird man in Smaugs Einöde" oft genug mit solchen Szenen konfrontiert: Orks, die katzengleich auf Dächern schleichen. Belustigende Enthauptungen. 08/15-Charaktere, die den schwarzen Anhauch mit Athelas zu heilen vermögen. Etwas später die Krönung der lachhaften Szenen: Ein Zwerg, der mittels eines Schubkarren auf flüssigem Gold surft.
Damit muss man klarkommen. Da muss man fähig sein, die Toleranzgrenze etwas auszudehnen, sich zurück zu lehnen, das Denkvermögen auszuschalten und einfach nur die Bilder zu genießen. Smaugs Einöde" ist visuell. Smaugs Einöde" ist temporeich. Smaugs Einöde" ist allerdings auch leichte Kost im Sinne des Unterhaltungskinos. Die atmosphärische Stimmung Mittelerdes weicht zumeist einer visuell beeindruckenden Interpretation actionreichen Popcornkinos mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Das Fatale: Oftmals erscheinen die Logikfehler gewollt, beinahe forciert - sowie vermeidbar. Ein Beispiel? Gerne: Der bereits angesprochene Surf auf flüssigem Gold. Weshalb hat man Thorin nicht einfach in der Rinne, in der später das flüssige Gold entlang lief, rennen lassen? Meinetwegen sogar vom Goldfluss verfolgt. Mit dieser Version hätte man ebenso viel Action mit einer extra Portion Spannung haben können und müsste sich nun nicht mit der Frage, wie um Himmels Willen ein Schubkarren auf flüssigem Gold bestehen soll, konfrontiert sehen.
Ich denke, diese unlogischen Details sind tatsächlich so gewollt und bedienen den Spieltrieb Jacksons. So genial und erwachsen er ist, so albern und kindisch kann er im nächsten Moment sein. Und er hat Spaß daran. Denkt man an die Dinostampede in King Kong, wird einem dies bewusst. Und so müssen die Tolkienfans seit den Gefährten" mit Jacksons Art klarkommen, sieht sich die mittelalterlich anmutende Welt Tolkiens mit der Experimentierfreudigkeit eines Neuseeländers konfrontiert. Mit dem zweiten Teil der Hobbittrilogie erreicht dieser Konflikt nun seinen vorläufigen Höhepunkt und wird hoffentlich im dritten Teil nicht noch mehr überstrapaziert.

Apropos überstrapaziert: Der Titelheld Smaug hätte keine Minute länger auf dem Bildschirm bleiben dürfen. Der Dialog mit Bilbo glänzt durch eine buchgetreue Widergabe, die Sequenz im Erebor wird allerdings im Verlaufe des Finales auf die bekannte Actionspitze getrieben und kippt beinahe wieder in`s Lächerliche ab. Wenn der ach so furchtbare Drache minutenlang Bilbo und den Zwergen hinterher jagt und es nicht zustande bringt, auch nur einem der Protagonisten ein Barthaar anzusenken, ist man schnell versucht, die geflügelte Echse als dämlich zu bezeichnen. Ein Umstand, der niemals hätte passieren dürfen, und der zum Glück auch nicht wirklich eintritt. Ein dämlicher, nicht bedrohlich wirkender Drache wäre gleich einem Todesstoß gewesen und hätte die gesamte Trilogie bedeutend abgewertet. Aus diesem Grund: Bitte, Herr Jackson, kein zusätzliches Smaugmaterial in der Extended Edition!
So haben wir es noch mit einem beeindruckend dargestellten Bösewicht zu tun, wunderbar per Motion Capture von Benedict Cumberbatch gespielt und in der englischen Fassung gesprochen, dessen Größe und Anmut die Herzen der Fantasyfans höher schlagen lässt. Wenn Smaug erwacht, scheint etwas Großes, etwas Gewaltiges und Unbegreifliches zu passieren. Die Reise der Gesellschaft hat ein Ende, und auch der nichtbelesene Zuschauer spürt, dass nun ein anderes, düsteres, und zerstörerisches Kapitel seinen Anfang nimmt. Diesen Übergang scheint Jackson noch einmal zelebrieren zu wollen und kostet die Möglichkeiten der alten Zwergenstadt Erebor voll aus. Inklusive Action, Action, Action. Und Popcorn. Und dem legendären Schubkarren-Surf. Aber spätestens am Ende des Films hat man sich an diesen Umstand gewöhnt. Oder eben auch nicht.

Und wo wir gerade bei den Bösewichten sind: Die Geschichte des Nekromanten wird auch im zweiten Teil des Hobbits vertieft und ausgebaut. Der Plot um Dol Guldur weiß dabei durch und durch zu gefallen, beeindruckt durch eine visuell unheimlich stark gestaltete Atmosphäre, deren Bösartigkeit in jeder einzelnen Sekunde zu spüren ist. Gandalf hat hier im wahrsten Sinne des Wortes seine stärksten Auftritte bisher und lässt den Zuschauer zum ersten Mal in geballter Ladung erfahren, was es heißt, ein Zauberer zu sein. Ein fesselnder Magiekampf zwischen Giganten folgt, ehe dem Nichtleser und noch nicht gespoilerten Kinobesucher eine schreckliche Wahrheit enthüllt wird. Trotz immensen CGI-Einsatzes haben mir die Szenen in Dol Guldur durchweg sehr gut gefallen, und man darf gespannt sein, wie Jackson diesen Handlungsfaden weiter spinnt. Abseits der Literaturvorlage gestaltet sich hier ein beeindruckend düsterer, spannender und episch angelegter Plot, der im dritten Teil gewiss die gesamte Handlung tragen und mitbestimmen wird. Gerne würde ich hier weitere Szenen in der Extended Edition sehen, die mit den Dol Guldur Thema in Verbindung stehen.

FAZIT:

Die größten Kritikpunkte an Smaugs Einöde" sind und bleiben Logiklöcher, Widersprüche und unnötig aufgebauschte Actionsequenzen, die besonders in Zusammenhang mit den Orks auftauchen.
Als größte Pluspunkte sind vor Allem die hervorragende Optik, die Gestaltung der Settings, schauspielerische Leistungen (Freeman, McKellen, Pace, Cumberbatch) sowie einzelne Szenen und das hervorragend inszenierte Auftauchen eines alten Bekannten zu nennen.

Die Änderungen zur literarischen Vorlage sind prägnant und tief, reichen von komplett neuen Charakteren bis hin zu Handlungssträngen und gar neuartigen Ideen innerhalb der Welt Mittelerdes. Ebenso wird der Begriff Popcornkino" mit dem zweiten Teil des Hobbits angehoben. Weder der erste Teil der Hobbittrilogie noch irgendein Teil der Herr der Ringe Trilogie hatten derartig viele Actionszenen und aberwitzige sowie unglaubhafte Situationen. Jackson treibt bei den Kampfszenen sein Faible für teils slapstickhafte, teils überbordende Kettenreaktionen auf die Spitze und verlangt vom Zuschauer diesbezüglich einiges an Toleranz.
Dennoch weiß Smaugs Einöde" zu unterhalten und zu gefallen. Der Grundton wird im Allgemeinen düsterer als es noch bei dem ersten Hobbit der Fall war. Man sollte das Buch jedoch außen vor lassen und keine Adaption der Vorlage erwarten, sowie offen für Jackson-typische Action sein. Dann wird der tolerante Kinogänger vom Film nicht enttäuscht sein.

3,5 Sterne für die KINOVERSION. Macht abgerundet 3 Sterne, da die Extended Edition den Film gewiss auf 4 Sterne anheben wird und zwischen beiden Versionen unterschieden werden sollte. Ich habe zwar das Gefühl, 3 Sterne wären zu wenig - doch sieht man 5 Sterne als Meisterwerk an und bedenkt besagte Extended Edition, erscheint diese Bewertung richtig.
Dennoch besteht eine klare Empfehlung meinerseits, sich diesen Film anzusehen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 2, 2014 10:27 AM CET


Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
DVD ~ Sir Ian McKellen
Preis: EUR 6,97

11 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Wiedersehen mit Mittelerde, 17. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Groß war die Freude, als die Nachricht einer Verfilmung des Hobbits erstmalig an meine Ohren drang. Und mit ebenso großer, beinahe kindlicher Freude ging ich gestern mit Frau und Freunden in die Vorstellung. Ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Erneut glänzte Jackson mit einer überaus detailverliebten Darstellung Mittelerdes, einem perfekt abgestimmten Timing der einzelnen Szenen und einzigartiger Charakterdarstellung. Bereits die Einleitung in die Thematik verspricht Großes und macht einem klar, dass hier zwar ein Kinderbuch adapiert wurde, jedoch keineswegs das zu 95% aus Erwachsenen bestehende Publikum ausgeblendet wird.
Nach dem furiosen Start geht es gemütlich und langsam zu Gange, von Vielen als "zäh" und "langweilig" bezeichnet. Ich denke, dies liegt an der Erwartungshaltung, die der Herr der Ringe geweckt hat. In Erinnerung blieben gigantische Schlachten, an den Nerven zerrende Spannung und die Endzeitatmosphäre, die dieses Epos ausstrahlt. Kein Wunder, dass der Hobbit in Anbetracht dessen anfangs etwas farblos wirkt. Man darf jedoch folgende Dinge nicht außer Acht lassen:

- Auch "die Gefährten" fing langsam und zähfliessend an, es mag nur Niemandem aufgefallen sein, da den Nichtlesern Tolkiens die gesamte Thematik Mittelerdes noch nicht bekannt war und daher als neu und erfrischend empfunden wurde.
- Ebenso schwer, gerade bei Tolkienverfilmungen, fällt wohl die Entscheidung, welche Szenen im Film enthalten sein sollen. Mancher Tolkienpurist verlangt eine 1:1 Verfilmung, während der Popcorn-Cineast Action erwartet. Ich finde, Jackson hat diesen Kompromis für beide Parteien zufriedenstellend gelöst und den Tolkien-Freaks gerade zu Beginn des Films Tribut gezollt.

Die ausgedehnte Einleitung dient ebenso der Charakterisierung der Zwerge und ihrer Heimatlosigkeit. Sie funktioniert nicht nur als Einführung einer neuen Mittelerde-Trilogie, sondern auch dem Bekanntmachen mit einem im Herrn der Ringe vernachlässigten Volk und dem jungen Bilbo Beutlin. Gesangseinlagen (die es auch im Herrn der Ringe gab) und das Saufgelage in Bilbos Höhle zeichnen ein klares Bild von den Zwergen und ihren Eigenarten, ebenso wie Bilbo dem Zuschauer als Hauptprotagonist nahe gebracht wird. Wer dies zu ausführlich findet, sollte sich Gedanken machen, ob er mit der Welt Mittelerdes und Tolkiens Erzählweise sympathisiert, oder ob er Herr der Ringe hauptsächlich aufgrund der Schlachten toll fand. Wer zu diesem Klientel gehört, könnte vom Hobbit nämlich wahrhaft enttäuscht werden...

Der Hobbit ist naturgemäß anders als der Herr der Ringe, geradliniger und episodenhafter, mit zahlreichen komödiantischen Elementen versehen. Jedoch deutete Jackson schon in diesem Teil einen grandiosen zweiten Teil an, in dem es wohl wesentlich mehr Action geben wird. Ich denke dabei nur an die Spinnen, Smaug, das Erstarken des Nekromancers und die Schlacht um Dol Guldur, und natürlich die Schlacht der Fünf Heere, die genügend Epos und Dramatik bereithalten wird. Soweit ich weiß, handelt der zweite Film das Buch fertig ab. Und der weiße Ork Azog, der von Jackson in die Geschichte des Hobbits eingebunden wurde (er ist bei Tolkien zu Zeiten des Ringfunds schon lange tot), rennt ja auch noch rum...
Alles in Allem sehne ich mich jetzt schon nach dem zweiten Teil, der bei den genannten Ereignissen wohl das Kinoerlebnis 2013 werden wird.

Doch genug der Vorausschau, kommen wir nochmal zum gerade laufenden ersten Teil. Denn auch dieser bietet eine Vielzahl an Highlights. Nach dem bereits erwähnten epischen Start warten zahlreiche spannende, gigantische, und wichtige Szenen auf den Zuschauer:

- Die Rückblende zur Eroberung Morias durch die Orks
- Der Kampf der Steinriesen
- Die Rätselszene
- Der Handlungsstrang mit Azog (Verfolgung und Kampf)
- Die Goblins und der Goblinkönig
- Der weiße Rat in Bruchtal
- Dol Guldur
...

Ich kann mir nicht erklären, wie manche Kritiker meinen, in diesem Film würde "nichts" geschehen. Die annähernd 3 Stunden sind zurückblickend vollgestopft mit humorigen, actionlastigen und epischen Momenten.
Als Thorin Eichenschild in einer ausweglosen Situation zum Kampf mit Azog antritt, steht die Zeit für einen kurzen Moment still. Solch eine intensive Filmszene gab es schon lange nicht mehr im Kino zu sehen. Kein Batman und kein Prometheus schafften Vergleichbares in diesem Jahr.
Die Rätselszene entbehrt ebenso jeglicher Zweifel, dass mit Gollum einer der bekanntesten und gleichzeitig schizophrensten Charaktere der Filmgeschichte geschaffen wurde: Im einen Moment niedlich, dann grausam, mitleiderregend, stark und schwächlich, angsteinflössend und sympathisch zugleich. Wo sonst gibt es derart vergleichbares außer in der Welt von Mittelerde? Und im Hobbit hat Gollum eindeutig seinen bisher stärksten Auftritt.
Man könnte noch einige dieser genialen Momente verschiedenster Stimmungen mehr aufzählen. Ein Umstand, der in Filmen heutzutage wahrhaft eine Seltenheit geworden ist und für den Hobbit spricht.

Viele Kritiker bemängeln die Albernheiten und Übertreibungen im Hobbit. Dazu nenne ich aus dem Stegreif als Querverweis nur mal Gimlis "Ich puste Geister weg"-Aktion, das Zählen der Gegner in einer Schlacht (wenn auch so in der literarischen Vorlage enthalten), Beinahe-Stürze" in Kothaufen, Gimli als Wurfzwerg bei Helms Klamm, oder Legolas Schild- bzw. Olifanten-Surf. Was im Hobbit als albern bezeichnet wird, wird im Herrn der Ringe schon lange zumindest geduldet. Daher denke ich, dass diese Kritiken zumeist einfach damit zusammenhängen, dass man mit falschen Erwartungen an den Film rangeht oder den Stil Jacksons nicht mehr so ganz im Gedächtnis hat und beim Herrn der Ringe lediglich in Schlachtenerinnerungen schwelgt.

Noch etwas zum Vielfach angesprochenen Punkt "Thorin erinnert zu sehr an Aragorn". Diese Meinung kann ich gar nicht teilen. Der Eine ein Zwerg, der Andere ein Mensch. Beide sehen sich gar nicht ähnlich, wenn man sie mal tatsächlich nebeneinander sieht. Gut, beide haben einen Bart. Das war es dann aber auch schon. Thorins Motive ähneln denen Aragorns in keinster Weise, beide sind völlig unterschiedliche Charaktere: Thorin, der heroisch und groß auftretend um seinen Platz als König kämpft, und Aragorn, der zum Königsein regelrecht gezwungen werden muss. Eine Ähnlichkeit zwischen Beiden kann ich absolut nicht nachvollziehen, bis auf den Punkt, dass beide den männlichen Hauptprotagonisten darstellen und etwas mit dem Königsein" zu schaffen haben. Als Kritik kann ich diesen Umstand aber nicht verstehen. Mittelerde besteht aus Königreichen, und in großen Geschichten spielen die Royals immer eine Rolle ;-)

Jedenfalls - nach der Vorstellung wurde ich als einzigster Tolkienleser auf der Autofahrt mit einigen Fragen konfrontiert. Für mich ein Zeichen, dass der Film dann doch nicht so langweilig war und wenigstens die Gemüter beschäftigt. Und das ist immer ein Merkmal für gutes Kino. Ich kenne Filme, bei denen wir danach wortlos nach Hause fuhren. Solche Streifen sind auch schnell vergessen. Der Hobbit wird aber fortbestehen, und wohl jeden erneut ins Kino locken, wenn der zweite Teil kommt.

Wenn man den Film mit dem Wissen schaut, dass er den Auftakt zu einer Trilogie, wenn nicht sogar zum 6-teiligen Mittelerde-Epos bildet, kommt einem der Anfang des Films gar nicht mehr als zu lang vor. Eines Tages werden wir wohl die 6 Filme mit einer Gesamtspielzeit von über 20 Stunden im Regal stehen haben. Und dies werden 20 Stunden voll solch faszinierender und großartiger Kinomomente sein, dass uns die als jetzt langatmig erscheinenden Teile im Hobbit und den Gefährten gar nicht mehr so stark ins Gewicht fallen. Der Hobbit knüpft nahtlos an den Herrn der Ringe an, der Soundtrack ist gewohnt superb und greift bekannte Themen auf. Altbekannte Gesichter treffen auf neue Helden, vereint in einer erneuten Episode.

Ich kann nur sagen: Mittelerde ist zurück, und das gewaltig! 4 von 5, da die Hobbit-Trilogie sich wohl noch steigern wird.


Planet der Affen: Prevolution (+ DVD + Digital Copy) [Blu-ray]
Planet der Affen: Prevolution (+ DVD + Digital Copy) [Blu-ray]
DVD ~ John Lithgow
Wird angeboten von kingdomMedia
Preis: EUR 19,80

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blockbuster mit Tiefgang, 17. August 2011
Zugegeben: Auch ich ging mit niedriger Erwartung ins Kino, um mir "Planet der Affen - Prevolution", die Vorgeschichte einer meiner favorisierten Science-Fiction-Filmreihe, anzusehen.

Doch gleich zu Beginn vermochte es der Film, mich in seinen Bann zu ziehen und über die ganze Filmlänge perfekt zu unterhalten...nein, sogar noch mehr: Er berührte mich, er verleitete mich zu Gedanken über die Grausamkeit der menschlichen Rasse, über das Philosophieren unserer eigenen Verletzlichkeit und über den eigentlichen Unterschied zwischen "Mensch" und "Tier", einer Defintion, die wir uns selbst gaben um uns Identität und Einzigartigkeit zu verleihen...ich musste oftmals an eine Textzeile von Morrissey denken, einem von mir hoch geachteten Künstler: "Nobody loves us" - niemand liebt uns, wir Menschen stehen alleine in dieser vielfältigen und vielschichtigen Umgebung unseres Planeten, und versuchen uns in unserer Einsamkeit mit den unterschiedlichsten und teils sonderbarsten Mitteln zu unterhalten. In unserer selbst geschaffenen Isolation - wohlgemerkt.

Und so trifft man auch in diesem Film auf einige dieser sich selbst unterhaltenden Spezies Mensch: Da ist der grausame Tierwärter, herrlich gespielt von "Malfoy" Tom Felton, der sein Menschsein dazu nutzt, andere Kreaturen als minderwertig zu betrachten. Da ist der Wissenschaftler, der aus persönlichen Beweggründen ein Mittel gegen Alzheimer erforscht - natürlich auch an Tieren, solange man den Menschen vor Versuchen verschonen kann...sehr schön von James Franco in Szene gesetzt. John Lithgow, ein viel zu selten besetzter Schauspieler, der als Vater des Wissenschaftlers sein letztes Quentchen Lebensglück verzweifelt zu halten versucht...und viele, viele andere Charaktere, die alle eines für einen Blockbuster recht untypisches Verhalten an den Tag leben: Sie haben Motive, sie haben Profil, ja man kann sogar schon von Charakter sprechen...

Doch entfernen wir uns von den Menschen und gehen lieber zum Hauptteil des Filmes über: Zu den Affen. Genauer gesagt zu Caesar. Ein computergeneriertes Tier, und doch voll von soviel Emotionen, einer Fülle an Beweggründen und Motiven, einer nachvollziehbaren, langsamen Entwicklung vom kleinen Affenjungen hin zum Anführer einer ganzen neuen Generation von Lebewesen. Was der Regisseur Rupert Wyatt hier geschaffen hat, wird zwar nicht in der ersten Liga der intellektuellen Meisterwerke Anklang finden, doch er hat mit Caesar ganz gewiss einen Meilenstein in der CGI-Geschichte und einen unsterblichen Charakter in der Geschichte der Science-Fiction erschaffen. Man fühlt mit diesem Affen, man versteht ihn trotz fehlender Worte, man liest seine Gedanken an seinen Augen ab - oftmals merkt man natürlich, dass es sich um eine Animation handelt. Die Filmindustrie ist noch etwas entfernt von der endgültigen, perfekten Illusion eines komplett computergenerierten, realistischen Charakters - aber man vergisst dies in diesem Film dermaßen oft und man kann sich dermaßen gut in die Rolle hineinversetzen, dass man über diese Tatsache getrost hinweg sehen kann. Ich habe zahlreiche real existierende Schauspieler gesehen, die ihrer Rolle wesentlich weniger Charakter verliehen haben...

Wo führt uns das hin? Zu einem ganz großen Gedanken - ACHTUNG SPOILER: Während die Menschen ihre Intelligenz zu nutzen scheinen, um sich von ihrer Einsamkeit abzulenken und bei näherem Betrachten sinnlose Verhaltensmuster an den Tag legen, geht es bei der neu erweckten Intelligenz der Affen vor Allem um eines: Um das Finden von Freiheit, das Ersuchen einer Heimat, und damit dem Erlangen einer eigenen Identität.
Ich denke, dies ist ein grundlegender roter Faden im Film. Die Frage, wer man ist, was man ist, und wie man dies wird. Für Caesar ist die Sache klar: Ich bin, wenn ich frei bin. Und diese Entwicklung sieht man ihm förmlich an.

So verwundert es nicht, dass man heimlich auf der Seite der Affen steht. Dass man heimlich grinst, wenn es so manchen profitgeilen Menschen erwischt. Dass man nur das Beste für die Affen hofft, wenn es auf der Golden Gate Bridge zum großen Showdown kommt...

Für mich stellt dieser Film derzeit die Messlatte da, wie modernes Blockbuster-Kino auszusehen hat: Nicht überladen, von jedem Teil eine kleine Brise, gute Schauspieler, eine nachvollziehbare Linie - ein nettes Gleichgewicht von alten und neuen Werten. Einzig und alleine ein kleiner Logikfehler hat mich gestört: Dass der Wissenschaftler (weiß gerade seinen Namen nicht) seiner Freundin erst nach 5 Jahren von der Geschichte des Affen und seines Mittels erzählt...aber das kann ich verkraften.
Die angesprochene Kritik an Caesars gesprochenen Worten kann ich nur belächeln...ich meine: Erstens ist dies Science-Fiction und der Film die Vorgeschichte zu einer Reihe, in der die Affen neben perfektem Hochdeutsch auch noch eine eigene Religion besitzen, eine Staatsform innehaben, Berufen nachgehen und ansonsten auch recht menschlich wirken - was soll in diesem Zusammenhang an ein paar Worten "lächerlich" oder gar "peinlich" sein? Irgendwann müssen sie mal damit anfangen...und Zweitens passt es wunderbar in die Entwicklung der Affencharaktere hinein, bleibt nachvollziehbar und wirkt zudem unheimlich cool! ;-)


Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer
Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer
von Stephan Harbort
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ernst gemeinte Beschäftigung mit dem Thema unverzichtbar, 9. Oktober 2009
Die Frage nach den Ursachen einer Tat wird meist nur aus Tätersicht zu entschlüsseln versucht. Woher kommt der Drang des Mordens? Welche Motive werden verfolgt? Wie kann man diesen Taten vorbeugen?
Ein wichtiger Aspekt wird dabei zuhauf schlichtweg vergessen oder einfach negiert: Die Rolle des Opfers in der Geschichte eines Mordes.
Dabei gerät man oftmals leider in das gleiche Verhaltensmuster des Täters an sich, in dem man die Opfer zu willenlosen Objekten degradiert, sie nach dem Drehbuch des Täters handeln lässt und ihre Rolle zu einer unwichtigen Facette eines weitreichenden Komplexes aus Kausalitäten verkommen lässt.
Die Realität hingegen spricht eine ganz andere Sprache: Die Rolle des Opfers spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die des Täters - in Hinsicht auf das bloße Ergeignen der Tat, den Ablauf und zuguterletzt dem Ausgang des mörderischen Spiels.

Stephan Harbort hat sich in seinem neuesten Buch dieser vernachlässigten Rolle angenommen und ging auf Spurensuche - dabei beschäftigten Ihn vor Allem die Fragen: Weshalb gerade diese Opfer? Gibt es eine Gemeinsamkeit, einen kleinsten gemeinsamen Nenner, auf die man den Opfertypus reduzieren kann? Welches Verhalten verwirrt den Täter? Welches stachelt ihn an?
Als Randpunkte dienten ihm zahlreiche Interviews mit Tätern und Überlebenden. Das Spektrum reicht dabei von lang vergangenen Seiren wie die des "Vampirs von Düsseldorf" Peter Kürten bis hin zu zeitgenössischen und hochaktuellen, teils noch ungelösten Mordserien. Auch die tödlich ausgegangenen Taten wurden dabei berücksichtigt und in die Auswertungen eingewoben. Die Auswertungen selbst und die damit verbunden gewonnenen Daten werden in einem sehr ausführlichen Anhang dargestellt, wie von Harbort gewohnt akribisch aufbereitet und übersichtlich sortiert.

Das Buch Begegnung mit dem Serienmörder" erinnert teilweise an einen Roman, so fesselnd beschreibt Harbort die einzelnen Taten und lässt den Leser an den Gedanken und der Psyche der Beteiligten teilhaben. Man erfährt, dass Motive und Tatvorgänge verschlungenen und hochkomplexen Regeln folgen, oftmals der Tatbeginn nicht gleichbedeutend mit einem gelungenen" Tatausgang gleichzusetzen ist. So werden manche Taten akribisch geplant und benötigen ein wochenlanges Vorspiel", während andere völlig spontan erfolgen und manchmal den Täter selbst überraschen. Eine entscheidende Rolle spielt auch hier wieder das Opfer.

Harbort filtert aus den verschiedensten Mordserien Opfertypen heraus und teilt diese in sechs Hauptgruppen auf, die nachfolgend in den einzelnen Kapiteln angesprochen werden. Die Beschreibungen aus den Interviews der Überlebenden gehen dabei teils tief unter die Haut. Man erfährt, wie aus Lebenslustigen traumatisierte Menschen wurden, wie aus Selbstbewussten Ängstliche. Das Schrecken wird an manchen Passagen extrem greifbar, so daß man sich nur noch wünschen kann, niemals in eine derartige Situation zu geraten. Besonders interessant und berührend fand ich den Fall eines Mannes und seines Freundes, die urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund von einem Serientäter überfallen wurden. Der Mann konnte fliehen, sein Freund wurde regelrecht hingerichtet. Der Kampf des Mannes, wieder in den Alltag zurück zu finden, die Wunden, die geblieben sind und manchmal von dem Opfer selbst nicht mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht werden, die Alpträume und schlaflosen Stunden - all dies schockiert. Hat man tatsächlich immer Glück", einem Serienmörder entronnen zu sein? Macht dies die Tat weniger grausam?
Eine besonders schwer verdauliche Tatsache ist zudem, dass Opfer meist mit ihrem Schicksal alleine gelassen werden, während manche Täter eine umfassende psychologische Betreuung und Resozialisierungsmaßnahmen erfahren - paradox.

Was Opfer am Ende verbindet? Herzlich wenig. Lediglich die Tatsache, dass alle dachten: Mir passiert so etwas nicht. Serienmörder? Die gibt es hier bei mir nicht.
Jeder kann Opfer werden, er muss nur dem richtigen Täter begegnen und in dessen individuelles Schema passen.

Die Aufklärung bezüglich richtigen Verhaltens der Opfer liegt Harbort merklich am Herzen, und auch wenn am Ende kein endgültig richtiges Verhalten gefunden werden kann, so wird dem Leser und der Leserin doch das Gefühl vermittelt, nun besser auf die Situation vorbereitet zu sein; auf das Unerwartete, weit Entfernte, auf die Begegnung mit dem Serienmörder".

Mein Fazit: Ein wichtiges Buch - nicht nur in Hinsicht auf die vernachlässigte "Viktimologie", sondern auch als Aufklärungsbuch zu verstehen. In meinen Augen ist es nicht nur Kriminologie-Interessierten zu empfehlen, sondern dient auch als gute Ergänzung zu Selbstverteidigungskursen oder als wichtige Lektüre innerhalb dieses Spektrums. Insofern würde ich das Buch schlichtweg beinahe Jedem/r an`s Herz legen! Und so leid es mir auch tut - zu Meckern gibt es hier wirklich nichts.


The Resistance (Limited CD/DVD Digipak)
The Resistance (Limited CD/DVD Digipak)
Wird angeboten von Leisurezone
Preis: EUR 17,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Resistance ist das, was es heißt..., 10. September 2009
Hier ist es also - das neue Werk der gehypten Briten.Und durch die im Netz angebotenen Prelistenings kann man sich auch mal ein Urteil vor der eigentlichen Veröffentlichung erlauben...

Nun, bei erstmaligem Hören fühlte ich mich wirklich richtig vor den Kopf gestossen. Da erklangen plötzlich Melodien, die an Maroon 5 erinnern ("I Belong to You"), Queenzitate tauchten auf ("United States...") oder ein Song fiel gleich komplett durch alle Muster ("Undisclosed Desires"). Erster Eindruck also: Nein! Das ist der Niedergang einer großartigen Band.

Aber moment - das kann nicht sein. Denke man nur mal an Origins of Symmetry oder Absolution. Diese Band kann doch keinen so großen Ausreißer bringen. Also nochmal anhören...nochmal...nochmal...
Und plötzlich regte sich was. Eine Art Widerstand gegen alle Konventionen. Der unbedingte Wille, sich loslösen zu wollen. Und eigentlich waren sie ja auch da, die typischen Musehymnen:
- Uprising, ein durchaus typischer Musesong, melodisch und sich langsam steigernd...
- The Resistance, ein Song, der gleich zu Beginn eine unglaubliche Atmosphäre aufbaut und das Kopfkino aktiviert, bevor man getragen durch eine Pianomelodie dem eingängigen Refrain entgegen schwebt
- Unnatural Selection, der Hammer-Muse-Song auf diesem Album. Eine Mischung aus New Born und Citizen Erased (leiser Zwischenteil) in modernem Gewand, durch ein Megadeth-Riff abgeschlossen.
- MK Ultra, welches mit einer schönen Melodie, Tempiwechsel und unterschiedlichen Stimmungen begeistern kann.

Ja, und nach und nach gefielen auch die anderen Lieder..."I belong to you" soll wie Maroon 5 klingen? Ach, ist doch egal! Resistance ist angesagt! Es ist doch vielmehr umgedreht: Maroon 5 wären froh, ein so abwechslungsreiches Album wie Muse zu schreiben!
"I belong to you" gefällt, mehr noch, es beschwingt, es begeistert, und selbst das Klarinettensolo (!) macht Sinn und überzeugt!

Es gibt im Prinzip nur zwei Songs, an die ich mich noch gewöhnen muss: "Undisclosed Desires" und "Exogenesis". Aber der Rest alleine ist mir 5 Sterne wert - für die Abwechslung, die schönen Melodien, die ruhigen Passagen, die Muse-typischen Texte, die Härte in manchen Songs, die Atmosphäre, für Unnatural Selection.
Nicht gerade ein typisches Musealbum, viele könnten sich vor den Kopf gestossen fühlen - aber ein großartiges Stück Musik. Und das ist es, worauf es ankommt.

Resistance ist eben Programm.


Stellar 1065 Solarleuchte Metalica Set 4 Stück
Stellar 1065 Solarleuchte Metalica Set 4 Stück

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht sich besser als anfangs gedacht..., 21. August 2009
Wir haben einige Zeit gebraucht, uns zum Kauf von Solarlampen durch zu ringen. Der Sinn der Lampen hat sich uns lange Zeit verschlossen, denn immerhin bringen Solarlampen keine ausreichende Beleuchtung zu Sichtzwecken...wozu also eine Lampe kaufen, wenn sie in dem Sinne nicht beleuchtet?

Nun, bei einem nächtlichen Spaziergang durch unser Dorf wurde es uns klar. Da tummelten sich doch tatsächlich einige dieser Leuchter in verschiedenen Farben und Formen, und richtig arrangiert machten diese doch was her. Ja, sogar ein "beleuchteter" Weg wirkte durch am Rand gesetzte Lampen irgendwie besser.

Also - versuchen wir es auch mal.

Wir stießen auf die Lampen von Stellar und bestellten uns mal einen Pack. Die Lieferung verlief äußerst schnell, wie von Amazon nicht anders zu erwarten, und am nächsten Tag konnten wir sie schon auspacken. Die Lampe wird in drei Teilen geliefert (Schirm, Stange und Erdspieß), die sich leicht zusammen stecken lassen können. Dabei sticht gleich die Verarbeitungsqualität ins Auge - kein billiges Plastik, sondern Edelstahl, und auch der durchsichtige Plastikschirm sieht nobel aus und keineswegs billig. Der Deckel des Schirms mit dem hochwertigen Solarpanel ist auf diesen Plastikschirm geschraubt und lässt sich sehr gut auf und zu schrauben - kein Ruckeln, keine Angst, etwas kaputt zu machen. Anfangs sind wir zwar aufgrund der Größe (die Kleine besser gesagt) der Lampe erschrocken - ca. 30 cm Gesamtlänge - aber im Endeffekt sind diese Lampen nunmal für gewöhnlich einfach keine Riesen.
Man lädt die (mit gelieferte) Batterie anfangs auf, bevor man die Lampe auf "Auto" stellt und aufstellt. Wir haben das gestern getan, und siehe da: Die Lampen machten sich bereits in der ersten Nacht in unserem noch kahlen Gartenbeet sehr dekorativ! Der Schein ist hell in Solarmaßstäben, und der Schein wirft durch den gemusterten Schirm sogar ein sternförmiges Strahlenmuster auf den Boden. Die Lampen stehen bei uns in der Nähe von Steinen und wirken äußerst attraktiv. Am Wochenende werden wir die Szenerie mit Gräsern aufpeppen und freuen uns schon auf den entspannenden und günstigen Deko-Effekt. Wir werden garantiert nicht mehr auf unsere Lampen verzichten wollen!

Die Stellar Lampen sind laut Herstellerangaben Frostsicher bis zu -20° und Wasserdicht bei Sturm. Und bei dem ersten Eindruck glaubt man das auch gut und gerne.

Fazit: Kaufen. Macht sich wirklich gut und kostet nur den einmaligen Anschaffungspreis.


Sounds Of The Universe
Sounds Of The Universe
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,71

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jepp!, 20. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Sounds Of The Universe (Audio CD)
Also, ich weiß nicht, was der Ausspruch eines meiner Vorredner soll:
"Das ist kein Depeche Mode!"
Doch - die Jungs haben das Album tatsächlich auf den Markt gebracht. Sie haben die Songs geschrieben, eingesungen, die Texte geschrieben. Ja, sie sind sogar im Booklet zu sehen...das kann sich eigentlich gar nicht um eine andere Band handeln - es muss Mode sein!
Doch was veranlasst einen, so eine Aussage zu tätigen? Es kann doch nur dadurch zustanden kommen, dass man ein bestimmtes Bild einer Band hat. Man erwartet bestimmte Outputs, Gesangslinien, Stimmungen.
Und ja - dies haben Depeche Mode irgendwie mal wieder neu definiert.
Die Herren sind alt geworden im positiven Sinn. Größtenteils erschließen sich einem die teils schon meditativen Lieder erst bei mehrmaligen Hören - ein Song, der auf die Tube drückt, fehlt vollständig. Dafür überraschen einen die Jungs mit abgefahrenen Klängen und einem Gesamteindruck, der tatsächlich nicht von dieser Erde zu scheint.
Ich hörte das Album einmal: "Was ein Schrott, was für eine Enttäuschung!"
Ich hörte es zweimal: "Naja, gut, ein oder zwei Songs sind gut..."
Dann hörte ich es beim Schaumbad in Ruhe...und plötzlich war ich in dieser Stimmung. Und plötzlich gefiel es mir von Anfang bis zum Ende!

Fazit: Ein Album für eine gewisse Stimmung, ein anderes Album. Kein zweites Violator, kein zweites Exciter. Einfach ein neues DM-Album.

Meine speziellen Tipps:
"In Chains" - ein wenig jazzig, ruhig, catchy
"Fragile Tension" - verspult, eingängig, genial
"Sympathy" - schöner Einklang von Gore und Gahan

Und noch zur Ergänzung: Ich kann sowohl mit Black Celebration als auch mit Songs of Faith and Devotion oder Exciter was anfangen. Ich denke, dieses Album ist eher für die "offene" Fanfraktion gedacht ;-))
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 21, 2009 3:07 PM MEST


Perfect Symmetry
Perfect Symmetry
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anders - aber gut, 14. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Perfect Symmetry (Audio CD)
Hm...was soll ich nun sagen? Seit ich Keane kenne, laufen ihre Alben eigentlich regelmäßig in meiner Anlage rauf und runter. Langweilig wurde es dabei nie. Besonders "Somewhere only we know" weiß mich immer wieder zu begeistern.
Dann kam die Single "Spiralling" zum downloaden...und plötzlich war eine Welt zusammengebrochen. Ich muss es einfach sagen, und es tut mir selbst ein wenig weh: Ich kann diesen Song nicht ausstehen. Er ist einfach nur nervig. Das liegt nicht daran, dass es nicht nach Keane klingt - es ist einfach irgendwie nicht meine Wellenlänge und absolut nervtötend. Trotzdem habe ich mir die neue CD bestellt. Man darf ja hoffen.
Jetzt habe ich sie...und tatsächlich läuft sie trotz des nervigen Eröffnungssongs und der Tatsache, nicht nach den alten Keane zu klingen, pausenlos rauf und runter. "Perfect Symmetry" ist nicht einer der besten Keane-Songs, nein, es ist sogar eines der besten Lieder überhaupt, die ich kenne! "The Lovers are losing" und "You haven`t told me anything" kommen in lockerem 80er Gewand daher, "Pretend that you`re alone" sogar absolut fröhlich und beschwingt. In die anderen Lieder muss ich mich anscheinend noch reinhören, aber derzeit fängt gerade "Black Burning Heart" an, mir schwer zu gefallen.
Deswegen gibt es von mir 4 Punkte - einen Punkt gibt es Abzug für Spiralling und die Möglichkeit, das mir am Ende nicht alle Songs gefallen. Aber ich bin mir eigentlich sicher, dass auch hier am Ende nur zwei Lieder übrig bleiben, mit denen ich nichts anfangen kann. Und nur die Lieder sollten am Ende das Kriterium zur Bewertung sein. Sicher, Keane haben ihren Weg verlassen - aber sie haben uns schon zwei gute Alben geschenkt und haben es nun wieder getan. Da kann man diskutieren, soviel man möchte.
Man sollte sich nur im Klaren sein, kein zweites "Hopes and Fears" zu bekommen ;-)


Jack the Ripper: Anatomie einer Legende
Jack the Ripper: Anatomie einer Legende
von Hendrik Püstow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert, 7. März 2007
Seit nun beinahe einem Jahr beschäftigt mich das Thema Jack the Ripper und wird mich so schnell nicht mehr los lassen.

"Anatomie einer Legende" war nach Cornwell`s "Wer war Jack the Ripper" das zweite Buch zum Sujet und hat mir gehörig die Augen geöffnet. Die Autoren verstehen es, einprägsam, unparteiisch und geordnet die wichtigsten Fakten zu den Morden, den Opfern und den meist genannten Verdächtigen zu liefern.

Für Einsteiger sollte dieses Buch die Basis bilden, auf die spätere Forschungen aufbauen - auch wenn ich mich derzeit mit Begg, Sudgen und Co. herumschlage, bleibt dieses Buch doch immer ein treues Nachschlagewerk und ist es wert, mehrmals gelesen zu werden. Man wird nicht alle Fakten zur Zeit der Morde erhalten, doch man wird an das Thema herangeführt und sehr gut informiert - ganz ohne die allgemein bekannte Mythologie.


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