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Vogelbeobachter

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Erzählungen aus Israel: Teil 1: Von der Gründung bis zum Untergang
Erzählungen aus Israel: Teil 1: Von der Gründung bis zum Untergang
von Peter Fahr
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Die Bibel neu entdecken, 23. Dezember 2014
Bibelübersetzungen gibt es für viele Bedürfnisse. Diese Ausgabe, angelegt auf sechs Einzelbände ist besonders unkonventionell. "Die Bibel einfach lesen" als habe man eine spannende historische Erzählung vor sich - das möchte der Autor seinen Lesern ermöglichen. Dabei fühlt er sich dennoch dem Originaltext verpflichtet. Auch Bibelteile, die den Lesefluss stören, bleiben erhalten, werden allerdings farblich abgesetzt, so dass sie beim Lesen übersprungen werden können. Ansonsten wird insbesondere durch die Verwendung eines bibeluntypischen Schriftbildes und den Verzicht auf eine Verszählung dazu animiert, die Erzählungen fortlaufend als ganze Geschichte zu lesen. Gleichzeitig allerdings gibt der Übersetzer in zahlreichen Fußnoten Hinweise zum Text und zur Historie. Da will ein Theologe und Sprachkundler offensichtlich nicht über seinen Schatten springen. So sind die Namen der Personen und auch der Gottesnamen in einer dem hebräischen Urtext sehr nahen Form widergegeben, ungewohnt zunächst. - Wer auf eine moderne, einfache, um Ecken und Kanten befreite Übersetzung hofft, wird vielleicht enttäuscht sein. Es gibt einfachere moderne Bibelausgaben, z.B. die Gute Nachricht oder die Volxbibel. Eher gefragt ist Entdeckergeist, die Bereitschaft sich auf eine Leseerfahrung einzulassen, die Bibel neu auf sich wirken zu lassen. Eine solche Ausgabe in mehreren Bänden verführt zudem dazu, auch einmal Bibelteilen Aufmerksamkeit zzu widmen, die sonst nicht so oft aufgeschlagen werden. Ich empfehle das Buch entweder Bibeleinsteigern, die auch sperrigere Lektüre gewohnt sind, oder Bibelkennern, die sich dem Buch der Bücher einmal auf eine etwas andere Art nähern wollen.


Bibel statt Parteibuch: Mein Leben als Christ in der DDR
Bibel statt Parteibuch: Mein Leben als Christ in der DDR
von Christian Döring
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Alltag in der DDR, 23. Dezember 2014
Mich hat das Buch nicht nur interessiert, weil hier ein ehemaliger DDR-Bürger über den Alltag im untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat berichtet, sondern weil es Christian Döring ist, der hier erzählt. Muss man Christian Döring kennen? Wenn man sich für christliche Literatur interessiert, könnte einem der Name schon aufgefallen sein, denn seit vielen Jahren sind Rezensionen von Christan Döring auf verschiedenen Portalen und auf seinem eigenen Blog zu lesen. In „Bibel statt Parteibuch“ stellt er sich den Fragen des „Wessis“ Christian Heinritz und liefert einen Umriss über 27 Jahre Leben in der DDR. Döring ist es ein Anliegen, bei der im Osten nachgewachsene Generation nachträglich das Verständnis des DDR-Alltags zu fördern und denen, die im Westen aufgewachsen sind, ein „Universum ebenso unbekannter wie spannender Erfahrungen“ zu eröffnen, „die helfen, die jüngste deutsche Geschichte besser zu verstehen.“

Diesem Anliegen wird das in 25 kurze Kapitel unterteilte Büchlein angesichts des Umfangs von 160 Seiten überraschend gut gerecht, auch wenn es viele Themen nur anschneidet. Döring erzählt anschaulich und bringt markante Beispiele. Der Untertitel „Mein Leben als Christ in der DDR“ klingt nach einer Biografie, doch Döring beschränkt sich auf Anekdoten und einprägsame Erlebnisse, die er bisweilen mit einem Augenzwinkern kommentiert. Er stilisiert sich nicht im Nachhinein zum Widerstandskämpfer gegen das System, auch wenn seine Distanz zum System immer wieder sichtbar wird. Es ist eine gegenseitige Abneigung, denn auch für das DDR-Establishment ist Christian Döring wegen seines christlichen Bekenntnisses des Öfteren ein „Fremder“. Existenziell bedrohlich wird seine Situation, als er sich dem Dienst in der Armee verweigert.

Um den Mut beurteilen zu können, der zu bestimmten Widerstandshandlungen nötig war, muss man sich bewusstmachen, dass bis zum Herbst 1989 kaum jemand in Ost und West mit einer so plötzlichen und umfassenden Änderung der Machtverhältnisse in der DDR gerechnet hatte. Noch während der Massendemonstranten war zu befürchten, das Regime werde versuchen, seine Macht durch Gewaltanwendung wieder zu stabilisieren.

Doch diese Wendezeit ist nicht so sehr das Thema des Buches. Der Blick richtet sich vielmehr auf Zeiten, in denen das Leben der DDR-Bürger vom Hort bis zum Friedhof unverrückbar reglementiert schien. Sichtbar wird der Wille des Staates, das Leben seiner Bürger wirtschaftlich abzusichern, doch der Preis dafür ist eine Beschränkung vieler individueller Freiheitsrechte. Zugleich fallen Theorie und Wirklichkeit in der DDR oft weit auseinander. Das führt teilweise zu grotesken Situationen. Das Leben in der DDR mit seinen Tücken und Widersprüchen Revue passieren zu lassen, ist daher bis zu einem gewissen Grad eine durchaus „unterhaltsame“ Angelegenheit, solange nicht die Beklemmung Oberhand gewinnt.

Im letzten Kapitel beklagt der Autor das verbreitete Desinteresse an einer Auseinandersetzung mit dem Kapitel „Leben in der DDR“. Vieles, was Christian Döring berichtet, deckt sich mit dem, was ich selbst während DDR-Reisen noch erlebt habe und fügt sich zusammen mit Erfahrungen und Berichte meiner dortigen Freunde, aus denen man vielleicht ein genauso spannendes Buch hätte machen können. Der Erzählton dieses Buchs klingt für mich sehr vertraut und authentisch, am liebsten möchte ich mich mit Christian irgendwo treffen, um noch manches weitere zu erfragen. Wer bisher vom Thema wenig berührt war, sollte hier einen sehr guten Einstieg finden.


Unglaube
Unglaube
von Elke Metke-Dippel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 11,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für freies Denken, 23. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Unglaube (Gebundene Ausgabe)
Elke Metke-Dippel schildert in ihrem ersten Roman „Unglaube“ die Entwicklung von Rosalinde, einer jungen Frau, die in einer fundamentalistischen christlichen Gemeinde aufwächst und mit deren enger Moral in Konflikt gerät, obwohl sie sich zunächst bis zur Selbstverleugnung anpasst. Sehr anschaulich wird ein sich von der Welt abschottendes religiöses System dargestellt, das hauptsächlich auf Ängsten basiert. Die Angst vor der Verdammnis der Ungläubigen begleitet die Protagonistin auch noch, als sie sich langsam aus den Fängen des gnadenlosen Systems befreit, die Anziehungskraft des anderen Geschlechts spürt und in zaghaften Schritten die Welt entdeckt.

Den belebenden Wind der Veränderung kann man als Leser gut nachvollziehen, wenn man selbst eine Beziehung zu Schallplatten und Büchern hat. Für Rosalinde bietet nämlich zunächst besonders die Popmusik der frühen 70er Jahre Fenster zur Welt. Später findet sie in liberalen theologischen Büchern den Schlüssel zur geistigen Befreiung vom religiösen Fundamentalismus.

Unverkennbar hat der Roman von Elke-Metke-Dippel eine "Botschaft". Diese wird offenkundig, wenn sie ihre Protagonistin Widersprüche in der Bibel entdecken lässt und Rosalinde von ihrem Großvater, einem emeritierten Theologieprofessor, in die Entmythologisierung der Heiligen Schrift eingeweiht wird. Dieser Entdeckungsprozess kommt in einer insgesamt sehr authentisch wirkenden Geschichte vielleicht etwas zu massiv daher. An dieser Stelle, aber auch wirklich nur hier, hat das Buch etwas von einem atheistischen Traktat, worauf der letzte Absatz des Covertextes leider hindeutete. Es wäre schade, wenn sich Menschen, die in irgendeiner Form an Gott glauben, davon abschrecken ließen.

Auf der anderen Seite kann man der Autorin nämlich bescheinigen, dass selbst die Figuren, die ihrer Protagonistin das Leben schwer machen, überwiegend nicht wie böse Karikaturen gezeichnet sind. Wenn man als Leser angesichts Rosalindes strengem Vater zwischen Wut und Mitleid schwankt ob dessen Gefangenschaft in einer kompromisslosen Dogmatik, geht der Romans unter die Haut. Interessant auch, dass es innerhalb des Systems Personen gibt, die sich Menschlichkeit bewahrt haben, denen aber der Mut fehlt, aufzubegehren.

Glaubensgemeinschaften wie die in diesem Roman dargestellte bilden zwar neben klassischen Sekten nur eine Minderheit in der christlichen Szene, doch Merkmale von Fundamentalismus und Exklusivität gibt es in jeder Religion mit Wahrheitsanspruch. Selbst Atheismus kann manchmal in Dogmatismus verfallen, wenn er als Religionsersatz dient. Am besten profitiert man als Leser des Buchs sicherlich, wenn man es als Ermutigung für selbständiges Denken nimmt.

Stilistisch ist der Roman solide geschrieben. Wer vom Thema gepackt ist, wird ihn nahezu in einem Zug durchlesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2015 4:04 PM CET


Heiße Schokolade für zwei - Ein lesbischer Kurzroman
Heiße Schokolade für zwei - Ein lesbischer Kurzroman
von Alison Grey
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Bonus, 20. März 2014
Wie schon den Roman „Zwei Seiten“ habe ich auch diese Fortsetzung - diesmal ein Rezensionsexemplar- mit Vergnügen gelesen. „Heiße Schokolade für Zwei“ ist kein Teil 2, sondern eine Art Anhang. Etwa so, wie wenn ein Film, der eigentlich einen befriedigenden Schluss hatte, noch einen halbstündigen Bonusteil bekäme, der einen darüber informiert, was dann weiter geschieht. Alison Grey nutzt den erweiterten Raum, um noch Unaufgelöstes aus dem Hauptroman vollends aufzulösen und auch die Liebesgeschichte weiterzuführen. Das geht von daher in Ordnung, weil man die Figuren aus dem Roman doch einigermaßen liebgewonnen hat und sie gerne noch etwas begleitet. Inwieweit der Kurzroman die Direkteinsteiger befriedigt, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht würde ein eigenständiger Roman etwas mehr Drama verlangen, vielleicht ist „Heiße Schokolade“ für einen Kurzroman auch zu beladen mit dem Blick ins Seelenleben der Ich-Erzählerin. Andererseits gibt es wieder schöne Szenen, witzige Dialoge und die Weiterentwicklung einer einfühlsam geschilderten Beziehung und diesmal auch eine längere erotische Passage, die sich erzählerisch gut einfügt und nicht künstlich überhitzt wirkt.


0014, Zwei Engel in geheimer Mission
0014, Zwei Engel in geheimer Mission
von Annekatrin Warnke
  Broschiert
Preis: EUR 11,95

5.0 von 5 Sternen Ein Buch voller guter Gedanken, 24. März 2013
Ich brauchte etwas Zeit, mich in das Buch hineinzufühlen, weil es keine "durcherzählte" Geschichte ist, sondern eine Art moderner Briefroman, wobei hier hauptsächlich die zwei himmlische Sendboten Ernesto und Berthold ihre telepathischen Mails an ihren Vorgesetzten schicken. Außerdem mischen sich zwei gerade beschäftigungslose Schutzengel in die Geschichte ein, und es wird aus Tagebuchaufzeichnungen einer Protagonistin zitiert.

Die geheime Mission der beiden Engel "Ernie" und "Bert" besteht darin, eine orientierungslos dahindümpelnde freikirchliche Gemeinde wieder neu zu beleben und sich zugleich einiger persönlicher Probleme der Hirten und ihrer Schäfchen anzunehmen.

Die "himmlische Ebene" des Romans wird zwar humorvoll-phantastisch gezeichnet, aber im wesentlichen bleibt die Autorin ganz nahe an dem dran, was die Bibel über Engel berichtet. Die porträtierte Kirchengemeinde ist ebenfalls sehr realistisch dargestellt. Obwohl es um menschliche Probleme und Schwächen unter dem Kirchendach geht, betreibt die Autorin kein Gemeinde-Bashing. Ebenso vermeidet sie es, einseitige und böse Christen-Karikaturen zu zeichnen. Zuviel satirische Schärfe hätte von den ernsthaften Intentionen des Buches abgelenkt und die Herzen mancher Leser für die vielen guten konstruktiven theologischen und seelsorgerlichen Gedanken möglicherweise verschlossen.

Wer sich ein bißchen in evangelikalen oder charismatischen Gemeinden auskennt (und für solche Leute scheint mir das Buch vor allem geschrieben), weiß, dass die behandelten Fragen und Probleme (Partnersuche, Wiederverheiratung Geschiedener, Geistliche Manipulationen) nicht an den Haaren herbeigezogen sind. Für vieles, womit Christen sich selbst und andere belasten, hat diese Geschichte überraschend einfache Antworten, die trotzdem keine oberflächlichen Schnellschüsse sind. Das macht für mich die besondere Qualität dieses Buches aus.

Nach dem Einlesen kam ich mit dem raffinierten Konstrukt der Geschichte immer besser zurecht. Wenn zum Beispiel deutlich wird, dass eben nicht nur mit den Menschen was passiert, sondern auch die Engel Lernende sind, fließt die Geschichte und man ist leider viel zu schnell am Ende.

Bei einem Fortsetzungsband bin ich auf jeden Fall wieder als Leser dabei.


In der Flucht: Roman
In der Flucht: Roman
von Evelin Niemeyer-Wrede
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielversprechender Debüt-Roman, 19. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: In der Flucht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Ansatz dieses Traumwelten entsagenden Buches ist gewagt, denn welcher von Stress und Alltagsgrau eingewickelte Mensch möchte denn über Leute lesen, die im gleichen Sumpf stecken? Wer möchte Protagonisten folgen, die so widersprüchlich und manchmal nervig sind wie die eigene strebsame Cousine, der niemand gut genug ist, ehe sie selbst an den Klippen der eigenen Erwartungen Schiffbruch erleidet, oder dem früher ganz brauchbaren Kumpel, dessen Power aber unter dem Druck der Verhältnisse so gelitten hat, dass scheinbar nichts mehr mit ihm anzufangen ist? Die erste Rolle ist hier durch Babs besetzt, eine strebsame Assistenzärztin, die zweite mit Ansgar, einem in Trennung lebenden Krankenpfleger, dem man die Station, die er bisher geleitet hat, eines Tages „unter dem Hintern“ wegrationalisiert.

Arztgeschichten haben zwar durchaus ihr Publikum, aber den Pflegenotstand will man dabei nicht unbedingt so stark im Vordergrund haben; und wenn die „Abgrenzung“ des Arztes zum Patienten nicht gelingt, sollte das in Weißkittel-Epen wenigstens eine rührselige Geschichte auslösen, nicht aber den realistischen Hintergrund liefern für einen Burn-Out. Soweit die Anti-Werbung für dieses ganz ausgezeichnete Buch.

Die erstaunliche erzählerische Souveränität von Evelin-Niemeyer-Wrede macht aus den problematischen Zutaten eine Story, die den Blick für Lebensperspektiven bewahrt, nicht ins Depressive abgleitet und trotz der lakonisch anmutenden Erzählweise (im Präsenz) überhaupt nicht so klinisch kühl rüberkommt, wie es das Setting befürchten lässt. Im Strudel des Klinikalltags kämpfen Ansgar, Babs und ihre Kollegen ums Überleben der Patienten (und zugleich um das eigene) und versuchen dabei, Menschlichkeit zu bewahren. Ein bisweilen ins Sarkastische abgleitender Humor wirkt dabei als Ventil. Im Kleinkrieg mit Verhältnissen und Hierarchien werden kleine Heldentaten vollbracht und Hoffnungszeichen gesetzt. Der Leser folgt den Hauptpersonen nicht nur atemlos durch den hektischen Klinikalltag, sondern darf auch an den kleinen Fluchten Anteil nehmen. Berechnende Männer-Eroberungen von Babs, ein Bier sowie Bargespräche unter Kumpels mit Ansgar. Die Wege der beiden ungleichen Protagonisten kreuzen sich schließlich auch im Privaten. Sie landen bald darauf in einer Koje der Segelyacht von Babs‘ Vater.

Der Standesunterschied und die mitunter konträren Einstellungen des Paars liefert Stoff für einige Episoden, bei denen die Erzählerin ihren unverkrampften Humor unter Beweis stellt. Die Konflikte zwischen Babs und Ansgar sind vorprogrammiert. Hier gelingt es der Autorin durch viel natürlichen Sprachwitz und ihre unprätentiös dargebotene Eloquenz, den Leser zu fesseln und mitzunehmen. Dass die Story nicht ermüdet, liegt sicher zu einem Großteil daran, dass Evelin Niemeyer-Wrede ihre Figuren bis ins Detail lebensecht agieren lässt. Der Roman liest sich flüssig und spritzig, als wäre die Autorin durch eine Schreibschule für Bestsellerautorinnen gegangen. Nur die Lektion, aus welchen Zutaten Erfolgsromane üblicherweise zusammengebraut werden, hat sie ganz keck geschwänzt. Vielleicht nicht ganz, denn die Fluchten der Protagonisten füllen den zweiten Teil der Geschichte aus und bieten ja doch etwas Stoff zum Träumen. Bei Babs die Yacht und der Traum von einer Weltumsegelung, bei Ansgar die Finca in der Heimat Don Quichottes. Diese Motive werden weitestgehend ohne Touristik-Verbrämung in Szene gesetzt. Als Ansgars Exfrau wieder ins Spiel kommt, wird Ansgars Finca-Baustelle zum Schauplatz für einen klassischen Showdown.

Ein vielversprechendes literarisches Debüt einer deutschen Autorin, angesiedelt zwischen intelligenter Unterhaltung und zugänglicher Gegenwartsliteratur. Wer als Leserin oder Leser von Romanen eher nicht mit Märchenprinzen oder einem süßen Pony beschenkt werden möchte, könnte hier richtig liegen.


Das Tagebuch: Roman.
Das Tagebuch: Roman.
von Thomas Franke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und geistreich unterhaltend, 6. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Tagebuch: Roman. (Gebundene Ausgabe)
War sein Debütroman "Das Haus der Geschichten" eigentlich eine Sammlung eindrucksvoller Short-Stories mit einer phantasievollen Rahmenverpackung, so liefert Thomas Franke mit "Das Tagebuch" nun tatsächlich einen epischen Roman. Allerdings ist die Geschichte wiederum so konzipiert, dass immer wieder die Erzählebenen und -perspektiven wechseln und der Leser von der Gegenwart und der Zeit der französischen Revolution hin- und herwechselt. Somit entwickelt sich ein ganz anderes Lesegefühl als bei einem typischen 500-Seiten-Schmöker, wenn man einerseits verfolgt, wie der deutsche Archäologe Leon in einer französischen Burgruine dem legendären König Artus nachgräbt, und andererseits mit der jungen französischen Adeligen Angelique leidet, deren Familie in den Wirren der Revolution Opfer einer Intrige wird. Die Verbindung zwischen Leon und Angelique wird durch ein geheimnisvolles Tagebuch hergestellt. Leon findet in einer Grundmauer der Burg die Aufzeichnungen der jungen Frau und wird in ihren Bann gezogen. Das Buch, das auf geheimnisvolle Art auftaucht und verschwindet, wird zum Kommunikationsmittel. In die Geschehnisse eingewoben sind Gedanken über den Sinn des Lebens und des Leidens. Leons Gesprächspartner ist Matheo, nur scheinbar ein "einfacher Provinz-Bauer", der ihm nach und nach hilft, in die Geheimnisse der zerstörten Burg einzudringen.

Das Konzept dieses Romans birgt die Gefahr, weder die Fans von Historienromanen noch die Freunde von Gegenwartsliteratur so richtig zu bedienen. Um die Leser dennoch über die ganze Strecke des Romans bei der Stange zu halten und in beiden Zeitebenen gleichermaßen deren Emotionen anzusprechen, bedarf daher es den Qualitäten eines guten Erzählers. Das ist Thomas Franke zweifellos. Ihm gelingt es, Atmosphäre aufzubauen und für die Protagonisten beider Epochen Interesse und Sympathien zu erwecken. Trotz des ernsten Grundtons des Romans und einer nicht verklärten Darstellung der Gräuel um die Revolution, blitzen hin und wieder Kostproben lakonischen Humors auf. Die Unterbrechungen der jeweiligen Erzählstränge werden in geschickter Weise für Cliff-Hänger genutzt, ohne dadurch das Tempo bis zur Atemlosigkeit zu pushen. Klischees sind bei historischen Stoffen nie ganz zu vermeiden, werden hier aber immer wieder erfolgreich durchbrochen, so dass die Spannung immer erhalten bleibt.

Unter dem Strich ein geistreich unterhaltendes Buch mit eigenem Charakter. Handwerklich sorgfältiger und pfiffiger als manche Bestseller-Übersetzungen christlicher Erfolgsromane aus den USA und vom Verlag Gerth Medien wie schon Frankes Erstling angemessen schön verpackt! Eine rundum erfreuliche Neuerscheinung also.


Sinfonie des Himmels: Roman.
Sinfonie des Himmels: Roman.
von Chris Fabry
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anregende Lektüre - macht u.a. Lust auf Bluegrass, 24. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie des Himmels: Roman. (Broschiert)
Leserinnen und Leser, die bewusst zu einem christlichen Roman greifen, finden eine unterhaltsame, streckenweise spannende und immer wieder anregende Lektüre. Geschildert wird der Werdegang eines sympathischen Außenseiters, der nach einer fehlgeschlagenen Laufbahn als Mandolinenspieler in einer Bluegrass-Band einen kleinen Radiosender aufbaut. Mit Musik und froher Botschaft beschallt er eine ländliche Gegend. Sein Leben ist durch Schicksalsschläge geprägt. Obwohl der Protagonist und Ich-Erzähler ein weites Herz hat, bleibt er lange ein Einzelgänger. Warum das so ist und ob das so bleibt - diese Fragen bilden den Stoff für eine Story mit interessanten Wendungen.

Verwoben ist die lebensnahe Geschichte mit einem Erzählstrang, in dem der Schutzengel der Hauptperson zu Wort kommt. Wie die Himmelsboten das Leben ihrer Schutzbefohlenen begleiten - das liest sich hier manchmal wie ein theologischer Kommentar zur Geschichte und manchmal -wenn zum Beispiel Kämpfe mit Dämonen geschildert werden- auch ein wenig wie Fantasy. Zuweilen wirken die Einschübe störend, an manchen Stellen verstärken sie aber durchaus die Spannung. Innerhalb der Grenzen einer klaren und eindeutigen evangelikalen Theologie stellt der Roman interessante Fragen und liefert nachvollziehbare Gedanken, warum Glück und Leid in der Welt vermeintlich ungerecht verteilt sind und was den Wert eines Menschen ausmacht, was sein Potenzial fördert und was ihn am Ausleben seiner Berufung hindert.

Chris Fabry scheut sich dabei nicht, die wirklich dunklen und belastenden Seiten des Lebens ungeschönt darzustellen. Selbst wenn man die typisch amerikanischen" Bible-Belt-Ansichten des Autors mitunter als zu einfach und zu naiv empfindet, kann man ihm nicht vorwerfen, den Blick vor menschlichen Abgründen und Auslösern fundamentaler Erschütterungen zu verschließen. Man kann zudem dankbar registrieren, dass das Buch ein sehr überzeugendes Gegenelixier ist zu den Wohlstands- und Erfolgspredigern, zu einem hysterischen Dämonen-Glauben oder jeglicher Engels-Verkitschung.

Persönlich habe ich das Buch gerne gelesen und nehme aus der Lektüre etwas für mich mit. Angefangen damit, dass ich gestern nach längerem mal wieder eine typische Bluegrass-CD eingelegt habe.


Gänseblümchen aus dem Jenseits
Gänseblümchen aus dem Jenseits
von Alina Stoica
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warmherzig erzählte Geschichte, 12. November 2012
Ein schönes Romandebüt, das durch einen detailverliebten, warmherzigen Erzählstil gefällt. Auf diese Weise lebt und leidet man mit der Protagonistin mit und taucht in ihren Kosmos ein. Allerhand Leiderfahrungen, aber auch krisenfeste Freundschaften und immer wieder aufkeimende Hoffnungen prägen das Leben von Alessandra. Das einschneidendste Erlebnis ist der Unfalltod ihres kleinen Sohnes.
Aber bedeutet der Tod eines geliebten Menschen wirklich ewige Trennung? Der Titel des Buchs verrät einen Touch Mysterie und doch bleibt Alina Stoica mit dieser am Ende hoffnungsvollen und Mut machenden Geschichte ganz nahe dran an realen Lebensfragen und -erfahrungen.


Sing the Delta
Sing the Delta
Preis: EUR 19,57

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starke Rückkehr, 29. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Sing the Delta (Audio CD)
Iris Dement legt 16 Jahre nach ihrem letzten "richtigen" Songwriter-Album und 8 Jahre nach "Life Line", einer Sammlung alter Kirchenhymnen, dieses grandiose Album vor. Unglaublich, was sie als Sängerin an Ausdrucksstärke in diese neuen Lieder gelegt hat; beachtlich ist aber auch ihr Klavierspiel. Es ist keine Platte zum Nebenbeihören, man sollte sich schon richtig darauf einlassen. Elemente Gospel, Blues, Country, Bluegrass und Balladen mit einem Touch Jazz werden hier zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen. Auch die Texte sind etwas Besonderes. Familiensinn und Traditionen werden hier hochgehalten, ohne das Leben deshalb zu verklären. Ein Mutmach-Album für Gläubige und Agnostiker.


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