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Riotgun

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Der Garten der Zeit
Der Garten der Zeit
von James Gr. Ballard
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die ideale Einstiegslektüre zu Ballard, 8. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Garten der Zeit (Broschiert)
'Der Garten der Zeit' ist ein Sammelband der Erzählungen J.G. Ballards, die bereits vorher in der Phantastischen Bibliothek Suhrkamp erschienen waren. Etwas vollmundig werden uns hier seine "besten Erzählungen" angekündigt. Aber wie das so oft ist: Fragen Sie 3 Ballard-Fans, Sie bekommen 4 Zusammenstellungen für so einen Auswahl-Band.

Erfreulich ist die Tatsache, dass 'Der Garten der Zeit' mit 300 Seiten rund doppelt so umfangreich ausgefallen ist, wie vergleichbare Bände und hier tatsächlich einige seiner bekanntesten ('Der finale Strand', 'Der unterbewusste Mann') und auch besseren Kurzgeschichten ('Die Stimmen der Zeit', 'Jetzt: Null') vertreten sind, das dieses Buch zu einem idealen Einsteigsband für neue Leser macht. Natürlich besitzt der Band dadurch leider keinen thematischen Schwerpunkt, worunter das kohärente Lesevergnügen ein wenig leidet, bietet dafür einen schönen Querriss (Zeitproblematik, Psycho-Phantastik, Technik...) durch Ballards Schaffen.

Fazit
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Ballard-Kenner werden die meisten der 14 Geschichten schon kennen und fahren besser damit, die Original-Bände (u.a. 'Billenium, 'Der tote Astronaut', 'Der vierdimensionale Alptraum' und 'Das Katastrophengebiet') zu kaufen und zu lesen, die ebenfalls in der Reihe erschienen sind. Für Einsteiger ist 'Der Garten der Zeit' aber ideal, auch wenn vielleicht nicht die Besten, so doch Gute und Bekannte Erzählungen zusammengefasst wurden.
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Daphnis und Chloë: Ein antiker Liebesroman
Daphnis und Chloë: Ein antiker Liebesroman
von Longos
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die bukolische Idylle als Nährboden des Eros, 6. Februar 2008
Nicht viel ist über den antiken Dichter Longos bekannt und noch weniger überliefert. Man geht heute davon aus, dass Longos ein Redenschreiber war, der im 3. Jahrhundert nach Christus auf der griechischen Insel Lesbos lebte. Sein 'Daphnis und Chloe' ist einer der bekanntesten Werke des antiken Liebesromans und schaffte es 1980 in den Literaturkanon der ZEIT.

Binnen einen Jahres werden jeweils ein Junge und ein Mädchen auf der Insel Lesbos als Findelkinder von Hirten aufgelesen, die bestaunen, dass sie bis zu ihrer Entdeckung von einer Ziege und einem Schaf gesäugt wurden. Sehr schnell wird den Pflegeeltern klar, dass diese feinen Geschöpfe dank ihrer schönen Gestalt und der wertvollen Beigaben von hohem Stande und zu Höherem berufen sind. Daphnis und Chloe wachsen gemeinsam auf, hüten ihre Herden und entdecken langsam ihre Liebe und ihren Körper. Die Götter, hier personifiziert durch die Nymphen, Pan und Eros führen die beiden naiven Liebenden durch allerlei Proben, seien es Piratenüberfälle, nachstellende Rivalen oder Eifersüchteleien.

Frei nach Winckelmanns Gebot der "edlen Einfalt und stillen Größe" ist 'Daphnis und Chloe' ein unglaublich ästhetischer Roman. Dazu trägt die schöne Gestalt der Figuren bei, wie auch ihre seelische Reinheit. Naiv und unaufgeklärt küsst und umarmt sich das Paar, nicht ahnend, dass der entscheidendste Aspekt der körperlichen Liebe fehlt, obwohl sie als Hirten das Beizspiel der Böcke immer vor Augen haben. So entbehrt der Liebesroman auch nicht einer gewissen Komik. Es tauchen Rivalen und Lehrmeister auf, doch erst als das Paar die Heirat vollzieht und sich der familiäre Hintergrund der Findlinge aufklärt, sind sie für den Akt bereit.

Fazit
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Nicht nur für Liebhaber der der griechischen Antike ist der Roman dank vielerlei Anspielungen auf die Lebensweise und die Mythologie lesenswert, er ist vor allem ein schöner und ästhetischer Liebesroman, den man wegen seines geringen Umfangs in ein paar Stunden durchgelesen hat.


Burnout: Paradise
Burnout: Paradise
Wird angeboten von dvdseller24
Preis: EUR 38,97

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hängt NfS: ProStreet locker ab..., 5. Februar 2008
= Spaßfaktor:1.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Burnout: Paradise (Videospiel)
Nach der Enttäuschung des neuesten Ablegers der NfS-Reihe 'ProStreet', lag ein gewaltiger Erwartungsdruck auf Criterion Games neuem Titel 'Burnout Paradise'. Doch obacht: Auch dieses Spiel wartet mit einigen Neuerungen auf, doch hier gelingt der Spagat.

Die Idee, dem Spieler eine große Stadt (250 Meilen) und Freiheit an die Hand zu geben, geht nämlich auf. Spickt man die freie Fahrt nun noch mit versteckten Zielen wie dem Auffinden von Rampen, Abkürzungen und Werbetafeln zum Hineindonnern, sind eigentlich alle Zutaten beieinander, um den Spielspaß zu garantieren, auch weil es keine festen Strecken gibt. Der Spieler selbst entscheidet, welche Route er zum Ziel nimmt, auch auf die Gefahr hin, sich zu Beginn hoffnungslos zu verfahren. Zu den Rennen kommen noch andere Challenges. Im "Road Rage" kommt der gelungenste Aspekt des Spiels zum Tragen. Es gilt, die Konkurrenten in Crashs ("Takedowns") zu verwickeln und das macht richtig Spaß und sieht dank des fabelhaften Schadensmodells auch toll aus. Ferner müssen in Stuntrennen Sprünge, Drifts, Boosts und Barrelrolls kombiniert werden, um die Punktegrenzen zu knacken, die "Burning Routes" erweisen sich als knackige Zeitrennen gegen die Uhr, in denen Extra-Autos freigespielt werden können und im "Marked Man" muss man das Ziel aller Rempler der gegnerischen Wagen zum Trotz, heil erreichen. A propos Wagen: 75 Karossen gibt es insgesamt, unterteilt in Stunt-, Crash- und Rennwagen mit unterschiedlichem Boost.

Die Rennen sind teilweise hart, voller Rempler und mit spektakulären Crashs. Wer davon genug hat, kann auf jeder (!) Straße die Zeit- und Schadensrekorde brechen. Das sieht zwar merkwürdig aus, wenn der Wagen per Knopfdruck durch die Gegend hüpft, ist aber dank des Chaos mal für einen lockeren Aufgalopp gut zu gebrauchen. Graphisch (auf HD-Fernseher gespielt) sehr hübsch ist auch die Soundkulisse des Spiels eine Wucht. Der reichhaltige und rockige Soundtrack mit Stücken von Alice in Chains und Guns'n'Roses und die aggressiven Motoren- und Bremsgeräusche sind akustische Ausrufezeichen, ganz im Gegensatz zu DJ Atomica, der Radiomoderatorin mit nerviger Stimme und blöden Sprüchen.

Warum also nur vier Sterne? Ganz einfach: Eine Reihe von Punkten wurde nicht ganz astrein umgesetzt und einige Sachen sind unkomfortabel. Der Wagenwechsel dauert lange, kann nämlich nur in einem der insg. fünf Schrottplätze der Stadt durchgeführt werden. Auch die einzigen nennenswerten Ladezeiten des Spiels findet man beim Aussuchen seines Boliden. Durch die Stadt-Architektur bedingt, kann es also sein, dass man erstmal ein paar Minuten unterwegs ist, bis man den Wagen dem Event anpassen kann. Verlorene Rennen nochmal zu bestreiten, gestaltet sich ebenfalls als schwierig, ist man doch nun kilometerweit vom Start an einer der insg. 120 Kreuzungen entfernt. Auch nicht ganz benutzerfreundlich ist der Fakt, dass gewonnene Rennen nur unkenntlich auf der Mini-Map markiert werden und die Events zum großen Teil im Osten der Stadt liegen. Lange Fahrtzeiten sind da inbegriffen.

Fazit
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'Burnout Paradise' hat mich ca. 20 Stunden gut unterhalten, ehe langsam die Luft raus war, es gibt für die PS3 auch weitaus kürzere Spiele. Viele coole Wagen, spektakuläre Crashs und ein irres Geschwindkeitsgefühl gepaart mit der Freiheit und den vielen Extras machen den Titel um eine Klasse besser als 'Need for Speed: ProStreet'. Die Schwächen sind einzeln gesehen nicht besonders schlimm, in ihrer Masse jedoch ärgerlich. Will man alles aus dem Spiel herausholen (120 Siege + Zeit- und Showdown-Rekorde auf jeder Straße + alle Wagen, Sprünge, Abkürzungen und Werbetafeln), ist man locker ein paar Wochen beschäftigt, auch wenn die Motivation bei aller Qualität so lange nicht halten dürfte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 8, 2008 5:54 PM CET


Wer's glaubt, wird selig
Wer's glaubt, wird selig
von Dieter Nuhr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besser live erleben, 2. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Wer's glaubt, wird selig (Taschenbuch)
Dass Dieter Nuhr zu den besseren deutschen Kabarettisten gehört, steht ja außer Frage. Dass er nach dem Verkaufserfolg 'Gibt es intelligentes Leben' aus dem letzten Jahr jetzt noch ein zweites hinterherschiebt, war aber alles andere als clever. Das Buch befasst sich mit dem Glauben der Menschen im Allgemeinen, vordergründig mit den drei Weltreligionen und den komischen Ansätzen, die diese durchaus bieten. Da dies nicht ausgereicht hätte, um das Buch zu füllen, kommen noch die immer wieder gerne bemühten Stereotypen Frau, Karriere, Aberglauben und Sex hinzu, auch wenn das erstmal wenig mit dem Topos an sich zu tun hat.

'Wer's glaubt wird selig' ist in knapp drei Stunden durchgelesen, auch weil das Buch wieder randvoll mit Fotos mit mehr oder weniger lustigen Kommentaren gespickt ist. Wahrscheinlich war noch Material vom letzten Buch über. Zwar gibt es einige gute Gags, die man nicht schon wo anders gehört hätte, dennoch ähnelt das Buch in seinen Kapiteln dem echten Leben, es gibt Ups und Downs, denn gut ausgearbeitete Gags wechseln sich munter mit faden Jokes ab und auch den richtigen Absprung zum Ende hin scheint Nuhr verpasst zu haben. Denn nach dem Kapitel über die Liebe kommt eigentlich inhaltlich nichts Relevantes mehr, aber waren trotzdem noch rund 30 Seiten zu füllen.

Einige Rezensenten störten sich an dem oberlehrerhaften Ton Nuhrs, wenn er alle politisch oder religiös verblendeten Deppen aufs Korn nahm. Das sollte man ihm nicht vorwerfen, schließlich sind Kabarettisten ja dafür da, Situationen pointiert anzubohren. Zwar wurden die Ziele diesmal durch militante Anti-Amerikaner erweitert (naja, dafür hat er im Vorgänger-Band die Amerikaner samt Präsident auch ziemlich gebasht), dennoch findet sich kaum was Neues.

Fazit
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Wer 'Gibt es intelligentes Leben' mochte, kann auch hier zugreifen, auch wenn - einiger guter Gags zum Trotz - der Eindruck haften bleibt, hier wurde Resteverwertung betrieben und der Inhalt gestreckt. Das Medium der Kabarettisten ist und bleibt die Bühne, dort ist Nuhr stark und dort zünden die Pointen auch, die in Buchform schonmal steckenbleiben.


The Darkness
The Darkness
Wird angeboten von Cheapgames
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Tolle Adaptation mit erstaunlicher Atmosphäre, 1. Februar 2008
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: The Darkness (Videospiel)
Die schwedischen Entwickler von Starbreeze Studios haben sich an die Game-Adaptation einer bekannten Comic-Reihe gewagt, 'The Darkness', die auf der Feder von Autor Garth Ennis und Zeicher Marc Silvestri basiert. Und auch wenn das Spiel gerade in der deutschen Version massiv geschnitten wurde, fasziniert der Titel den Spieler auch ohne Blut.

An seinem 21. Geburtstag erhält Mafioso Jackie Estacado zwei ganz besondere Präsente. Zum einen ist er dem Don, Onkel Paulie auf die Füße getreten und der manisch-psychotische Pate, möchte Jackie für immer aus dem Weg räumen. Der Prolog des Spiels erzählt die Geschichte, wie Jackie seinen Attentätern zuerst entkommt und dann eine bemerkenswerte körperliche Veränderung an sich feststellen muss. Verzerrte Stimmen dröhnen durch sein Gehirn, Tentakel wachsen aus seinem Rücken, Dämonen schlüpfen aus dem Boden und stürzen sich auf Paulies Häscher. Die mysteriöse Stimme gehört der Finsternis, welche sich Jackie gleichsam als Wirt gesucht hat. Jackie hat Fragen über Fragen: Warum gerade er? Warum will Paulie ihn tot sehen und wie kann er seine Liebe Jenny aus der Sache heraushalten?

'The Darkness' gelingt es, dem Spieler nicht nur auf der Ebene eines klassischen Shooters zu begegnen. Vielmehr zeichnet 'The Darkness' ein Hauch eines RPGs aus, wenn man in den U-Bahn-Stationen umherstreift, Gespräche mit NPCs führt und auch kleinere Aufgaben und Quests für diese erledigt. so ähnelt das Spiel im Spielaufbau und vor allem dank der düsteren Atmosphäre Troikas grandiosem Rollenspiel 'Vampire the Masquerade: Bloodlines'. Die Sidequests sorgen immer dafür, dass das Spiel nicht zu einer reinen Ballerorgie verkommt, auch wenn als Belohnungen immer nur Telefonnummern locken, mit denen die zahlreichen Extras freigeschaltet werden. Man kann sich Ruhepausen gönnen oder aber die Level-Module nach versteckten Objekten absuchen...und das bis in den letzten Winkel.

Zu den Vorzügen eines von der Finsternis Besessenen gehören nämlich Spezialattacken, die den zahlreichen Gegnern das Fürchten lehren (zumindest kommt das durch die erschrockenen Ausrufe so rüber). Mithilfe des Tentakelarms kann man Feinde aus großer Distanz töten, aber auch an Wänden und durch enge Schächte entlangkriechen und so versteckte Objekte, Schlüssel und Waffen abgreifen. Je mehr Seelen der getöteten Feinde man verschlingt (in der deutschen Version wird kein Herz ausgerissen und kein Blut fließt), desto stärker wirkt die Darkness durch Jackie, so dass dieser später Schwarze Löcher rufen kann und Gegner durch den Dämonenarm aufspießt. Aber Vorsicht: Nur im Schatten entfaltet Jackie seine größte Macht und so gilt es ein wenig Taktik in das Spiel zu bringen. So empfiehlt es sich vor dem Betreten eines Raumes die Lampe über der Tür zu zerstören, um eventuell auftretenden Gegnerhorden mit dem vollen Machtpotential entgegenzutreten.

Gibt es etwas, was mir nicht gefallen hat? Ja natürlich. Die Sidequest der Touristin, die Jackie vier Münzen von den Gleisen aufheben lassen will, ist "glitchy". Das kann bedeuten, dass die gute Frau die Münzen gar nicht auf die Gleise wirft und der Eintrag im Questbuch bis zum bitteren Ende stehenbleiben muss. Besser hätte man auch die Steuerung hinbekommen können und das gilt vor allem für den Tentakel, der sich häufig an Ecken festklemmt oder für die Schusswaffen. Es vergeht nämlich eine kleine Weile, bis man sich in die Steuerung hineingefuchst hat und nicht in jedem neuen Feuergefecht stirbt. All diese kleinen Makel werden aber von der grandiosen Nacht-Atmosphäre des Spiels wieder wettgemacht.

Man merkt nämlich, dass hinter 'The Darkness' ein Comic steht, denn die Geschichte, die erzählt wird fesselt den Spieler. Es ist zwar eine sehr simple Geschichte von Verrat, Mord und Rache, aber dennoch wirken Jackie und Jenny und auch kleinere NPCs sehr liebevoll in ihrem Charakter ausgearbeitet und auch sympathisch. Man kann sich mit Jackie und seinem Dilemma identifizieren. Einerseits ist er für seinen Rachefeldzug auf die Kräfte der Finsternis angewiesen, andererseits muss er immer bedenken, dass der eigentliche Feind in seinem Kopf sitzt, was gerade im späteren Verlauf der Story zu schönen Wendungen führt. Besonders punkten kann der Titel auch durch die Höllenwelten. Nein, vergessen Sie das, was sie vielleicht aus der Doom-Reihe kennen. Die Hölle, die Heimat der Finsternis liegt hier in einer Traumwelt auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs. Soldaten, deren Gesichter großflächig getackert wurden, Schreie, abgerissene Gliedmaßen, Zombie-Soldaten, Nebel, Dreck, Schlamm, Artilleriefeuer und ein verdunkelter Himmel machen aus den Höllenwelten ein atmosphärisches Erlebnis, das unter die Haut geht. Zudem zeigten die Entwickler bei der "Kanone" eine bemerkenswerte Fantasie. Dieses Artilleriegeschütz der Deutschen ist ein tonnenschwerer Albtraum halb Panzer, halb Zug...eine alptraumhafte Bestie des Krieges.

Fazit
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'The Darkness' ist für mich kein reiner Shooter, auch weil es andere Genre-Referenzen wie 'Call of Duty 4' gibt, die handwerklich solidere Arbeit leisten. Das Spiel ist vielmehr eine klasse Adaptation mit toller Geschichte, guten Figuren, einer fantastischen Atmosphäre, einem bösen Humor, Dämonenattacken und einem Mini-RPG-Anteil. Sehr schön war auch die Idee, Comics als freischlatbare Extras zu implementieren. Dass die geschnittene Version trotzdem überzeugen kann zeigt: Das Spiel ist so dicht, dass es ohne Blut auskommt.


Pulaster. Roman eines Planeten. ( Phantastische Bibliothek, 204).
Pulaster. Roman eines Planeten. ( Phantastische Bibliothek, 204).
von Karlheinz Steinmüller
  Broschiert

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Koexistenz und Einsamkeit, 31. Januar 2008
Karlheinz und Angelika Steinmüller ihres Zeichens Physiker und Mathematikerin galten als eine der bedeutendsten Figuren der Science-Fiction aus der DDR und ihre Kurzgeschichten und Romane fanden sehr schnell den Weg auf den westdeutschen Buchmarkt. Der Roman 'Pulaster' aus dem Jahre 1986 trägt eine philosophische Note und erinnert zeitweise an den großen polnischen Sci-Fi-Erzähler Stansilaw Lém.

Zeit...Der Begriff der Zeit ist in den Zeiten der interstellaren Raumfahrt mit fast erreichter Lichtgeschwindigkeit zu einem sehr dehnbaren Begriff geworden. Die Mitglieder der Flotte lassen sich in einem Jahrhundert in Kältesargen einfrieren und wachen Jahrhunderte später am Ende ihrer Reise auf, während die Hinterbliebenen längst die Radieschen von unten betrachten und das Geburtsjahrhundert zu einem Namensteil geworden ist. Fabius Grosser ist so ein Astronaut, den es auf die sumpfartige Welt von Pulaster verschlagen hat. Auf diesem Planeten, der von den Hrengeng, intelligenten reptilienartigen Brüdern des Verstandes der Menschheit bevölkert wird. Als Fabius erfährt, dass eine Immunschwäche ein Verlassen des Planeten verhindert, muss er seßhaft werden und sich mit dem pulcher aster, dem schönen Stern und seinen Bewohnern auseinandersetzen.

Pulaster ist eine Geschichte von Einsamkeit und Isolation in einer fernen Zukunft. Schön ist vor allem der Kontrast zwischen fortschrittlicher Technologie und dem Nomadentum, nach dem die Flottenmitglieder leben müssen. Als die Hauptfigur strandet, muss sie sich mit einer Reihe von Problemen auseinandersetzen. Durch den Fortschritt gilt sein Beruf als veraltet und ihn plagt die Frage, ob seine Liebe Iris, zu dem Jahrhunderte früher anberaumten Treffen kommt und ihre Karriere für ihn aufgibt. Erst mit der Zeit beginnt Fabius sich mit den Hrengeng auseinanderzusetzen. Wer sind diese Wesen, die zwar älter als die Menschheit, in ihrer Entwicklung aber stehengeblieben sind. Sind sie Produkte einer fortschrittlicheren Rasse oder haben sich die Reptilien selbst für eine friedliche Koexistenz auf Kosten von Kriegen entschieden?

Fazit
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Die Frage nach der Toleranz gegenüber Halbwesen, die zwischen den Rassen stehen und die Isolation der Hauptfigur werden glaubhaft und überlegt rübergebracht und machen 'Pulaster' zu einem nachdenklichen und philosophischen Sci-Fi-Roman, den es zu lesen lohnt.
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Call of Duty 4 - Modern Warfare
Call of Duty 4 - Modern Warfare
Wird angeboten von ak trade
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Singleplayer: Kurz, aber intensiv - Multiplayer: Herausragend, 26. Januar 2008
= Spaßfaktor:1.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Call of Duty 4 - Modern Warfare (Videospiel)
Der vierte Ableger der wohl bekanntesten modernen Shooter-Reihe Call of Duty hat nun also den Sprung in die Gegenwart gewagt und ich muss gestehen, das Konzept geht voll auf. Selbst für Spielertypen wie mich, die nur von Zeit zu Zeit einen Shooter einstreuen, ist der Spielspaß von der ersten Minute gegeben.

Abwechselnd schlüpft man dabei in die Rolle des britischen SAS-Agenten Soap McTavish, der gegen ultranationale Gruppierungen in Russland und Aserbaidschan antritt, sowie in die Rolle des US-Marine Paul Jackson, der mit seiner Einheit nach einen Putsch Al-Asads in einem arabischen Staat des Mittleren Ostens zum Einsatz kommt. Durch die wechselnden Missionen und Einsatzorte wird eine durchgehende Geschichte erzählt und das ist ein großes Plus, vermag der Titel auch durch Rückblenden den Spieler zu fesseln. Eine grandiose Atmosphäre erreicht dabei insbesondere die Attentäter-Mission in Prypjat nahe Tschernobyl. Die Geisterstadt kommt genau so authentisch und bedrohlich rüber, wie man es von den Fotos aus dem Gebiet kurz nach dem GAU kennt. Verlassene Gebäude, liegengelassene Gegenstände, verendete Spielplätze und Schwimmbad-Ruinen wirken extrem bedrückend.

Schon das Intro des Spiels ist atmosphärisch kaum zu toppen. Aus der Sicht des Präsidenten des fiktiven arabischen Staates wird man nach dem Putsch zu seiner eigenen Exekution kutschiert. Zu den weiteren Höhepunkten gehört die Zündung einer Atombombe in dem Moment, als die Marines gerade das Schlachtfeld evakuieren. Die Agonie der Spielfigur im nuklearen Niederschlag ist extrem beeindruckend. Die SP-Kampagne ist dabei vielleicht etwas kurz geraten (etwa: 8-10 Stunden), wird aber durch die Tatsache aufgewogen, dass weitere drei Schwierigkeitsgrade zur Verfügung stehen und die Kampagne angesichts der filmreifen Inszenierung sehr intensiv und fesselnd wirkt.

Das Augenmerk von 'Call of Duty 4' liegt dabei auf der modernen Infanterie. Es steht eine große Auswahl an Waffen zur Verfügung und zwar in allen Bereichen. Zwar bekommt man die Waffen für jede Mission angepasst gestellt, doch später im MP ist die Auswahl an Pistolen, Sturmgewehren, Halbautomatik- und Vollautomatik-Waffen geradezu erdrückend. Stichwort Multiplayer: Hier verbringt man locker 5-mal soviel Zeit, wie in der SP-Kampagne. Zu Beginn stehen einem zwar nur eine sehr begrenzte Auswahl an Modi (Team-Deathmatch, Jeder gegen Jeden...) zur Verfügung, doch mit jedem neuen Stufenanstieg (durch erzielte Punkte) werden weitere Modi, Waffen und Gegenstände freigeschaltet. Extrem motivierend, auch weil man schon sehr früh seine eigene Klasse zusammenbasteln kann und man durch Herausforderungen (im Stile von x Abschüsse/Volltreffer mit Waffe y) weiter an Punkte kommen kann. Die Server sind mittlerweile auch sehr stabil.

Fazit
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Und wenn man auch nur einen einzigen Shooter pro Jahr spielt, sollte die Wahl auf 'Call of Duty 4' fallen. Kinoreife Geschichte und Inszenierung, sowie ein herausragender Multiplayer-Modus machen den Titel zu einem echten Spielerlebnis.


Die Reliquie
Die Reliquie
von José M. Eça de Queiroz
  Broschiert

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Hochstapler vor dem Herrn, 21. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Reliquie (Broschiert)
José Maria Eco de Queiroz gilt als einer der einflussreichsten Dichter Portugals und zu seinem literarischen Schaffen zählen zwar nur einige Romane, die ihm aber nichtsdestotrotz das Etikett des portugiesischen Balzac einbrachten. In seinem Roman 'Die Reliquie' aus dem Jahre 1887, prädominiert der beißend ironische und satirische Ton und im Zentrum des Romans steht der Anti-Held Teodorico Raposo.

Dabei ist der Name Programm. Raposo ist das portugiesische Wort für den Fuchs und genauso gerissen verhält sich der Waise, der in jungen Jahren in die Obhut seiner vermögenden Tante Titi gegeben wird. Die Frömmlerin zeichnet sich nicht nur durch einen fast schon fanatischen Gottesglauben und ein grenzenloses Misstrauen gegenüber allem Menschlichen aus, sie ist eine regelrechte Pest für den armen Teodorico. Jahrelang betet der Heuchler Rosenkränze herunter, sagt (zumindest offiziell) den sehr irdischen Freuden des Fleisches ab, um die Gunst der Tante zu erhalten und in den Genuss der satten Erbschaft zu gelangen. Gleichwohl er alle Messen besucht, Theologie studiert hat und sich alle Mühe gibt, seine Abneigung zu verbergen, schickt ihn die Tante auf eine letzte große Prüfung. Er soll eine Pilgerfahrt ins heilige Land nach Jerusalem unternehmen und der greisen Frau eine Reliquie mitbringen.

Dem Leser wird die Wahl nicht einfach gemacht, wer ist denn nun das größere Ekel in diesem Roman? Ist es der Hochstapler, der zuweilen als schmieriger Hedonist und Lebemann, zugleich aber auch als unterdrückte Seele charakterisiert wird? Oder doch vielmehr die fanatische Tante, der Inbegriff des bürgerlichen Spießertums, deren Religiösität in krassem Gegensatz zu ihrer Menschenverachtung steht? Das Resultat bleibt jedem Leser selbst überlassen...Jedenfalls ist 'Die Reliquie' ein köstlicher, in einigen Passagen urkomischer Roman, in welchem jede Figur überzeichnet erscheint. Die Figuren legen eine Dreistigkeit an den Tag, die Queiroz' Werk als satirischen Roman erscheinen lässt. Selbst Nebenfiguren, wie Raposos deutscher Reisegefährte Topsius, der einen disproportionierten Nationalismus und Gehlertentum an den Tag legt, bieten kaum einen Ansatz für Identifikation.

Etwa auf der Hälfte des Romans fällt die Figur in einen Traum und bereist Jerusalem zu der Zeit der Kreuzigung Jesus Christus. Doch wer glauben könnte, die Begegnung mit dem Herrn persönlich, würde läuternd auf den Anti-Helden wirken, hat sich getäuscht. Vielmehr ergötzt er sich am baldigen Tode seiner Tante, der erwarteten Erbschaft und verbrüdert sich noch mit den Händlern, die Jesus einst aus dem Tempel wies. Diese lange Traum-Passage gilt zwar als erzählerischer Höhepunkt Queiroz' Werks, dennoch strengt der überdetaillierte Stil und das Einweben extrem vieler Fremdwörter an. Der Traum ist ein Bruch in diesem Roman und 'Die Reliquie' verliert gehörig an Fahrt. Die Rückkehr nach Lissabon hält für Raposo noch eine Überraschung bereit, es kommt wie es kommen muss...

Fazit
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'Die Reliquie' ist ein ironischer Roman, unterhaltsam und kurzweilig und mit einer satirischen Beschreibung des portugiesischen Bürgertums des 19. Jahrhunderts garniert. Allein schon die beiden Antipoden sind herrliche Figuren und es ist schade, das Eco de Queiroz' Werke nur teilweise in der deutschen Übersetzung erschienen sind, gehört der Autor doch zu den wichtigsten Figuren der südeuropäischen Literatur des 19. Jahrhunderts


Folklore
Folklore
Wird angeboten von gamedealer online - Preise inkl. Mwst - Impressum und AGB finden Sie unter Verkäuferhilfe
Preis: EUR 39,90

68 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Folklore: Sekt oder Selters..., 19. Januar 2008
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Folklore (Videospiel)
Es gibt Spiele, die sind so erfrischend anders, dass sie auf dem heutigen Spielemarkt mutig als Gegenprodukt den ellenlangen Fortsetzungs-Reihen entgegentreten. Gespannt bestellte ich mir daher 'Folklore', einen unkonventionellen Genre-Mix aus Adventure und Action. Das Ergebnis hat mich leider eher enttäuscht. Doch schon ein Blick auf diese Seite zeigt, dass 'Folklore' sehr polarisiert. Wie bei kaum einem anderen Spiel für Sonys Konsole spaltet sich die Spielerschaft in zwei Lager.

Dabei sind eigentlich alle Zutaten beisammen, um aus dem Spiel ein Erlebnis zu machen. Der Spieler steuert zwei Figuren durch das mysteriöse irische Dorf Doolin. Ellen kehrt nach 17 Jahren zurück, auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte und ihrer vermissten Mutter, während der Reporter Keats auf der Suche nach einer guten Story einem geheimnisvollen Anruf folgt. Stück für Stück tauchen die beiden Figuren in eine mysteriöse Handlung ein und erforschen, was vor 17 Jahren am Samhain in dem Dorf passierte.

Die Liste der Unzulänglichkeiten wird schon beim Spielen des Prologs deutlich. Eine Sprachausgabe (nur in den wenigen Videosequenzen) sucht man vergeblich und die Dialoge laufen Comic-artig geschnitten in Sprechblasen ab. Zwar ist die Inszenierung recht apart ausgefallen, aber der Spieler muss schon schmunzeln, wenn Sätze wie "Aah! Hilfe!" erscheinen, denn die fehlende Vertonung schlägt sich in Puncto Atmosphäre nieder und zieht das Spiel auch durch die stümperhafte Synchronisation (die Lippen öffnen und schließen sich völlig unmotiviert) ein wenig ins Skurril-Lächerliche. Wenn man den Titel schon auf einer Next-Gen-Konsole herausbringt, erscheint die fehlende Sprachausgabe schon nicht mehr ganz zeitgemäß. Ebenfalls zu bemängeln sind die häufigen und relativ langen Ladezeiten (unverständlich: Der Titel sieht zwar nett aus, ist aber graphisch keine Wucht), nämlich immer dann, wenn der Spieler einen neuen Abschnitt verlässt und einen neuen betritt. Da dies sehr häufig passiert, erscheint das Gameplay sehr abgehackt.

Zudem missfiel mir die extreme Linearität des Spiels. Die Adventure-lastige Tageshälfte des Spiels beschränkt sich meist darauf, mit einer Person zu sprechen und sich ein Totenandenken zu besorgen, um mit dessen Hilfe nachts das Tor zu Unterwelt aufzustoßen. Dummerweise führt die Figur zu Beginn des Kapitels immer einen Monolog und spricht sich und dem Spieler immer den nächsten Schritt vor, so dass selbständiges Kombinieren größtenteils wegfällt. Schauplätze, die übrigens im Spielfortschritt noch keine Rolle spielen, sind auch nicht begehbar.

In der Nacht, in der Unterwelt entwickelt 'Folklore' seinen größten Reiz, es gilt sich bis zu den Folklore durchzukämpfen. Erst nachdem man dieses größere Monster besiegt hat, ist der Weg zum Toten frei, der nun nach den Geschehnissen vor 17 Jahren in Doolin befragt werden kann. Auf dem Weg dorthin gefällt das Kampfsystem. Man lässt die Seelen (Der Seeleraub funktioniert mit der SIXAXIS-Steuerung) eingefangener Folks für sich kämpfen, es gibt eine Fülle von Wesen, die auch alle gegen einen bestimmten Gegnertyp nützlich sind. Besonders schön wurde der Bildband implementiert. Gleich einem Bilderrätsel muss man herausfinden, welche Kreatur gegen den neuen Folk beschwört werden muss.

Man kann sogar die eingefangenen Seelen hochleveln, indem man ganz bestimmte Aufgaben erfüllt, etwa 5 oder 10 Folks des gleichen Typs besiegen oder liegengelassene Gegenstände opfern. Mittels der L2-Taste lässt sich die Tastenbelegung der Folk-Angriffe festlegen (maximal nur 4) und hier offenbart sich eine weitere Schwäche des Spiels. Da man gezwungen wird, die Angriffs-Folks immer wieder aufgrund der Immunität zu ändern (etwas, was ich grundsätzlich begrüße), verbringt man sehr viel Zeit damit, die Tastenbelegung zu ändern. Das ist weder besonders komfortabel noch trägt das zur Flüssigkeit des Spiels bei. Zudem muss man ab einem gewissen Punkt des Spiels mit beiden Figuren relativ weit sein, damit es weiter geht und hier liegt wieder mal der Hase im Pfeffer. Ellen und Keats spielen das gleiche Kapitel nur mit minimalen Unterschieden, da ist viel Wiederholung dabei.

Fazit
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Gerade bei einem so polarisierenden Titel wie 'Folklore' lohnt es sich, die Demo aus dem PSN Store anzuspielen. Schlägt einen die zugegeben gute Story in den Bann und kann man über die vielen, vielen technischen Mängel in Sachen Atmosphäre und Bedienung hinwegsehen, ist das Spiel einen Blick wert. Auf andere Spieler wirkt der Titel jedoch bei allem Potential schlichtweg nicht ausgereift und teilweise nicht mehr zeitgemäß.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2012 3:10 PM CET


Heavenly Sword
Heavenly Sword
Wird angeboten von media-games-berlin-tegel
Preis: EUR 19,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios inszeniertes Action-Spektakel, 15. Januar 2008
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Heavenly Sword (Videospiel)
Es gibt Spiele, die machen es einem bei einer abschließenden Bewertung wahrlich nicht einfach. Was überwiegt nach dem Durchspielen? Die fast schon kinoreife und fesselnd inszenierte Rahmenerzählung oder die viel zu kurze Spielzeit sind zwei Seiten der Medaille, welche Ninja Theorys Action-Spiel 'Heavenly Sword' auszeichnen.

Nariko und die schwere Bürde

Manche mögen sich noch an Kratos, den 'God of War' erinnern. 'Heavenly Sword' nimmt sich die etwas in die Jahre gekommene Genre-Referenz ganz eindeutig als Vorbild. Im Zentrum steht die junge Kriegerin Nariko, die einst für ihren Klan als Messias galt, die Prophezeiung aber in einem entscheidenden Punkt nicht erfüllt: Sie ist eine Frau. In dem Besitz des Klans befindet sich immer noch eine magische und mythische Waffe - das himmlische Schwert, welches einst von einem gottgleichen Krieger geschwungen wurde. Seit den alten Zeiten wartet der Klan um Anführer und Narikos Vater Shen auf die Ankunft eines männlichen und sterblichen Mannes, die Inkarnation des Gottes, der mithilfe des Schwertes das Unheil von der Sippe abwendet. Der finstere Tyrann König Bohan unterwarf die umgebenden Provinzen auf der Suche nach dem Schwert, trunken von dem Willen nach Macht als Zeichen seiner Herrschaft. Kann Nariko die Prophezeiung überwinden und die Waffe im Kampfe führen, von der es heißt, sie würde jedem Sterblichen die Lebenskraft entziehen?

König Bohan - Der heimliche Star des Spiels

Auch wenn die Story auf den ersten Blick sehr simpel erscheint, verbirgt sich dahinter jedoch eine fantastisch erzählte und grandios inszenierte Geschichte, die das Spiel fast schon im Alleingang trägt. Die technischen Möglichkeiten der PS 3 wurden voll ausgenutzt und ich habe bis jetzt noch kein Spiel erlebt, in welchem die Figuren in Sachen Gestik, aber vor allem in Punkto Mimik und Lippensynchronität so authentisch gewirkt hätten. Als großes Plus erweist sich dabei, dass Andy Serkis (der Gollum aus 'Der Herr der Ringe') sich für das Motion Capturing verantwortlich zeigte und die Rolle des König Bohan übernahm. Die Rolle spielt er so beängstigend gut, dass der Despot die Spielerfigur Nariko in die Tasche steckt und so zur Sympathiefigur (neben Kai) aufsteigt, eben weil er für eine Videospiel-Figur in Bewegung und Benehmen so echt wirkt. Er verzeiht das Gesicht in mannigfacher Weise, lacht, wirkt irre und gefährlich zugleich und deckt eine ganze Palette von Emotionen ab. Auch die Gestalten um ihn herum sind herrliche, zuweilen ironisierte und schräge Figuren. Als da wären der pervertierte Leibwächter Fliegender Fuchs oder der Sohn des Königs, der degenerierte und fettleibige Roach (Schabe).

Die Kämpfe - viel Action und kleinere Schwächen

Allen Kombos und Kampfstilen zum trotz, spielt sich Nariko seltsam uninspiriert. Zwar kann sie mittels L1 und R1-Taste spielend einfach zwischen den Stilen wechseln und die Schläge und Kombos sehen auch sehr spektakulär aus, dennoch haben sich einige Schlampereien ins Spiel eingeschlichen. Unglücklicherweise führt Nariko eine angefangene Kombo immer bis zum bitteren Ende aus, auch wenn man durch eine neue Spielsituation eher einen Konter setzen oder sich wegducken möchte. Zudem stürmen immer die selben Gegnertypen auf Nariko zu und erweisen sich als so geistlos, dass pures Button-Smashing schon ausreicht, um mit den Gegnerhorden fertigzuwerden.

Sehr erfrischend wird 'Heavenly Sword' immer dann, wenn Narikos Adoptivschwester und Bogenschützin Kai die Hauptrolle übernimmt. Ein ganz offensichtlich tief traumatisiertes Mädchen, die sich wie eine Katze bewegt und deren Mienenspiel unglaublich faszinierend wirkt. Die Passage, in der man mit dem Bogen dem schwerverwundeten Klan-Führer Shen die Flucht über eine Brücke ermöglicht, indem sie sich als Scharfschützin betätigt, entwickelt eine sehr dichte Atmosphäre und Spannung, gerade auch weil die SIXAXIS-Steuerung dahingehend implementiert wurde, als dass die Flugbahn der abgefeuerten Pfeile mithilfe des Kippens des Controllers verändert wird.

Gegnerhorden und Bosse - Zwei Welten

Tiefgreifender kann der Unterschied zwischen den Gegnertypen gar nicht sein. Der Schwierigkeitsgrad steigt bei den Boss-Kämpfen, die eins der insgesamt sechs Kapitel abschließen, sprunghaft an. Zudem kämpft man nicht nur einfach die Health-Bar seines Konkurrenten runter, sondern muss am Ende ganz bestimmte Tastenkombinationen in einer höllisch schnellen Reaktionszeit drücken, um den Kampf mittels eines "Finishing Moves" abzuschließen. Zudem ist eine genaue Beobachtungsgabe erforderlich, um die Arten der Attacken zu durchschauen und passende Konter (praktischerweise werden die Kampfstile durch Farben gekennzeichnet) zu setzen.

Einzig beim finalen Endkampf haben die Entwickler ein wenig den Boden unter den Füßen verloren. Der finale Fight zieht sich über drei Runden und zerrt ganz gehörig am Nervenkostüm des Spielers und ist so dermaßen knüppelschwer, dass sich der Spielerfrust schnell einstellt. Bei einer Spielzeit von insgesamt 9 Stunden, entfielen bei mir fast 2 Stunden (!) auf die letzten 3 Kämpfe mit dem Endboss...

Fazit

Als ich nach dem Abspann nochmals alle Videos wie in einem 30-Minuten-Film ablaufen ließ, war klar dass die positiven Seiten von 'Heavenly Sword' die Schwächen (zu kurze Spielzeit, Kampfteil von Nariko) mehr als aufwiegen. Als abschließende Bewertung ist ein "sehr gut" daher noch zu vertreten. Es ist jedoch bemerkenswert, dass die solide Spielerfigur von tollen Nebenfiguren in Sachen Kampf (Kais Abschnitte mit dem Bogen) oder Inszenierung (König Bohan) in den Schatten gestellt wird.


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