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Riotgun

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Die Betoninsel
Die Betoninsel
von James Gr. Ballard
  Broschiert

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es gibt besseres von Ballard, 29. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Betoninsel (Broschiert)
'Die Betoninsel' ist einer der unbekannteren Romane des unglaublich produktiven SF-Autors J.G. Ballard, welche eine moderne Robinsonade thematisiert, als der Geschäftsmann Robert Maitland auf dem Weg nach Hause auf einem Autobahnteilstück verunglückt und auf einer etwa 10 Meter tiefergelegenen Verkehsinsel strandet. Alle seine Versuche, die vorüberkommenen Fahrzeuge auf sich aufmerksam zu machen, sind zum Scheitern verurteilt und als Maitland bei einem verzweifelten Versuch die Autobahn zu erreichen, angefahren wird und körperlich nicht mehr in der Lage dazu ist, zu fliehen, beginnt für den Antihelden der Kampf ums Überleben. Doch er ist nicht allein...die Prostituierte Jane und ein geistig behinderter Tramp hat es ebenfalls (gewollt?) in die Einöde verschlagen.

Natürlich ist der Roman aus heutiger Sicht in Zeiten von Mobilfunk und GPS etwas antiquiert, schafft es aber zu Beginn dennoch, den Leser durch die teils absurde Ausgangslage zu fesseln. Der schwer verwundete Maitland gleicht einem modernen Robinson Crusoe in Mitten der Zivilisation, der auch in seinem vorherigen Leben stets zwischen Ehefrau und Geliebter gependelt ist. Maitlands Orientierungslosigkeit ist also nun nur eine konkrete körperliche und spätestens als sich zwischen den drei Gestrandeten ein Intrigenspiel um die Macht auf der trostlosen Insel spinnt, weiß auch der Leser nicht mehr so recht, ob die Figur wirklich fliehen möchte oder sein immer wieder hinausgezögerter Aufenthalt auf der Insel nicht die eigentliche Flucht ist.

'Die Betoninsel' beginnt gut und versprüht anfangs einen Cast Away-Charme, der auch durch Spannung zu überzeugen weiß. Doch in dem Moment, als die zwischenmenschlichen Beziehungen und Machtspiele anfangen, die zentrale Rolle des Romans zu spielen, vergeht leider auch das Interesse des Lesers. Das liegt zum einen an den teils kruden Figuren, die mehr als Karikaturen erscheinen, zum anderen an der aufgedrängten Psychologie Maitlands, die dem Leser die Sichtweise dieses Charakters fast schon aufdrängt, ohne ihn selbst am Decodierungsprozess zu beteiligen.

Fazit
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'Die Betonnsel' ist keine Pflichtlektüre für Ballard-Fans, insbesondere für diejenigen nicht, die eher auf die phantastischen und utopischen Erzählungen stehen. Dieser Roman liest sich nach vielversprechendem Beginn eher als Parabel für Zivilisationsmüdigkeit, eine Müdigkeit die sich auch auf den Leser niederschlägt, verliert er doch mit fortlaufender "Handlung" (eigentlich gibt eine solche gar nicht) das Interesse an dem Roman. Nichtsdestotrotz ist der Roman aber auch nicht wirklich schlecht, sondern solider Durchschnitt.
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Virtua Tennis 3
Virtua Tennis 3
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 32,90

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der wohl beste aktuelle Tennistitel für die PS3, aber..., 27. April 2008
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Virtua Tennis 3 (Videospiel)
Optisch ansprechend & Lizenzen
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Obwohl hier die Spielwelt nicht neu erfunden wird, bietet der Titel doch einige Stunden Unterhaltung im Singleplayer-Modus, bevor die Luft etwas raus ist. Zu den Stärken des Titels gehören zum einen die Lizenzen, denn mit Roger Federer, Rafael Nadal und Maria Sharapowa zu spielen, macht ganz einfach mehr Spaß, als mit No-Name-Figuren über den Platz zu rennen. Wer sich ein wenig im Tenniszirkus auskennt, wird außerdem erkennen, dass die Eigenarten und typischen Kennzeichen der Spieler haargenau implementiert wurden. Ein Tommy Haas zieht seine einhändige Rückhand genauso durch, wie in einem richtigen Match und bei einem Rafael Nadal sehen die Lauf- und Schlagbewegungen ebenfalls täuschend echt aus. A propos Aussehen: 'Virtua Tennis 3' ist einer der wenigen aktuellen Titel für die PS3, der mit einer maximalen Auflösung von 1080p daherkommt und so den heimischen HD-Fernseher optimal ausnutzen kann. Das Spiel sieht richtig gut aus, die Klamotten werfen Falten, Gesichter und Reaktionen sehen detailliert aus und auch das Publikum sieht brauchbar aus und besteht nicht wie etwa bei der 'Pro Evolution Soccer'-Reihe aus zweidimensionalen Figuren.

Eingängige Steuerung => Spiel zu leicht
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Wer gleich loslegen möchte, ist bei 'Virtua Tennis 3' genau richtig. Die Steuerung ist binnen Minuten vergegenwärtigt, braucht man doch nur drei Tasten, je eine für Slice, Lobs und Topspin-Schläge. So kann man sich gleich ins Getümmel stürzen, sei es ein Turnier mit festgelegten Spielern, ein Freundschaftsspiel oder der Beginn einer neuen Karriere mit einem eigenen Spieler. Im Karriere-Modus tingelt man nach dem Generieren des Äußeren des Spielers durch die Challenger-Turniere und verliert erst mal kein einziges Match, da die Gegner so erschreckend schlecht antizipieren, dass es spätestens nach einer Stunde schon gar nicht richtig Spaß mehr macht, den Gegner von einer Ecke in die andere zu scheuchen. Gegen Freunde entfaltet der Titel übrigens seinen ganzen Charme, da sollte man sich auf sehr lange Ballwechsel und spektakuläre Richtungswechsel einstellen.

Hat man sich mittels Training an den erfreulich kurzweiligen Minigames (u.a: Aufschlagsbowling und Schlagtraining, das an den Klassiker 'Space Invaders' erinnert) in Sachen Volley, Rückhand, Aufschlag und Beinarbeit verbessert und fleißig Turniere gewonnen, verbessert man sich rasend schnell in der Weltrangliste und kann von nun an besser besetzte Turniere bestreiten. Zudem winken Einladungen von Profis, denen man auf der Tour begegnet. Da der Schwierigkeitsgrad im Karriere-Modus leider nicht einstellbar ist, ist man wirklich sehr schnell die Nummer 1 der Welt und dann fällt es schwer, sich noch weiter für diesen Titel zu motivieren, denn auf den zweiten Blick ist er alles andere als ausgereift.

Kein Online-Modus
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Die Lizenzen in Ehren, dennoch beschränkt sich der Titel auf jeweils nur 20 Spieler(innen). Das bedeutet, dass die Hewitts, Roddicks und Mauresmos dem Spieler in jedem Turnier begegnen und sei es ein völlig unbedeutendes Challenger in Indien. Die echten Cracks erst später zu treffen, hätte vielleicht die Motivation erhöht. Zudem hat man den Spielern vor oder nach der Partie einige peinliche Sätze in den Mund gelegt und wenn Doppelpartner Federer vor dem Finale meint: "Ich bin froh an Ihrer Seite zu spielen.", ist das zwar nett gemeint, aber genauso deplatziert, wie wenn Hewitt den Spieler zu ernsthaftem Training ermahnt: "Auch über kleine Fortschritte kann man sich freuen." Peinlich ist auch das nervige Gedudel in den Menüs und während der Matches, das man kaum noch Musik nennen kann.
Der größte Fehlgriff ist aber der fehlende Online-Modus. Wer nicht ständig einen Spielpartner zu Hause hat, schaut nach etwa 8-10 Stunden Singleplayer angesichts aufkommender Langeweile in die Röhre und so verstaubt der handwerklich eigentlich gute, aber wenig herausfordernde Titel bis zum nächsten Freundesbesuch oder wird wieder verkauft...

Fazit
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'Virtua Tennis 3' ist ein Titel, der durch seine Grafik, Lizenzen, Minigames und theoretisch spektakulären Ballwechsel gefällt. Praktisch jedoch lässt die schwache Gegner-KI nach der kurzen Einfindungsphase kaum noch Punktverluste zu. Hier hat man auf die einfache Bedienung auf Kosten der Langzeitmotivation gesetzt. Das Spiel ist dennoch für Tennisfreunde und für all diejenigen interessant, die noch auf der Suche nach einem erschwinglichen Titel für den nächsten Zockabend sind.


Guitar Hero 3 - Legends of Rock Bundle (PlayStation 3)
Guitar Hero 3 - Legends of Rock Bundle (PlayStation 3)

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Partyknaller mit Langzeitmotivation, 24. April 2008
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Klar, wenn man sich für den Kauf des 'Guitar Hero III'-Bundles entscheidet, muss man auch den etwas happigen Preis in Kauf nehmen, bekommt dafür aber ein vorzügliches Spiel geliefert, das seinen Charme und Spaß bei einem geselligen Abend mit Freunden uns selbst nie verliert.

Ein Querriss durch die Rockgeschichte
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Besonders ansprechend ist die rund 70 Lieder umfassende Tracklist, die ein kunterbuntes Spektrum an fast 40 Jahren Rockgeschichte bietet. Von Classic-Rock wie Cream und Foghat hin zu Hard Rock Klassikern wie 'The Number of the Beast' von Iron Maiden oder Metallicas 'One' über Blues Rock (ZZ Top, Stevie Ray Vaughan) modernen Rock (A.F.I & The Killers) und Punk-Klassikern (Dead Kennedys: 'Holiday in Cambodia' und 'Anarchy in the U.K.' von den Sex Pistols ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei, nur ein Faible für harte Gitarrenriffs und spektakuläre Soli sollte man mitbringen. Dass dabei die im Karriere-Modus freispielbaren Bonussongs leider nicht ganz das Niveau der Karriere-Titel halten können, trübt aber nur wenig das Bild, finden sich hier doch neben Klassikern wie 'Hier kommt Alex' von den Toten Hosen und 'Avalancha' von Heroés del Silencio vorwiegend neue Lieder aus den Jahren 2006-2007.

Mal so richtig abrocken...
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Desweiteren besticht das Spiel durch den Les Paul Gitarren-Controller. Er ist das Erfolgsrezept des Spiels, denn durch die Anschlag-, Tremolo- und Akkordtechnik vergisst man, dass man es hier eigentlich nur mit einem Reaktionsspiel zu tun hat. Wer richtig abrocken möchte, kann dies mithilfe der Wireless-Funktion frei jeglicher Zwänge tun. Denn was gibt es schöneres, als bei den Riffs vonn 'Rock You Like a Hurricane' richtig mitzugehen? Auch an einen Multiplayer wurde natürlich gedacht, zum Mitspielen eignet sich auch jeder herkömmliche PS3-Controller, auch wenn dabei der Spielspaß ein wenig auf der Strecke bleibt. Freunde können sich in Gitarrenschlachten, Duellen und im Koop-Modus miteinander und gegeneinander messen und auch online finden sich immer Mitspieler und Gegner, wenn das selbständige Spielen langweilig werden sollte.

'Guitar Hero III' wartet mit vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden auf. Auf 'Leicht' stellen sich selbst für ungeübte Spieler schnelle Erfolge ein und ein Tutorial erklärt die wichtigste Funktionen des Spiels amüsant und kurzweilig. Doch selbst auf 'Leicht' gibt es einige schwere Nüsse wie Slayers 'Raining Blood' und wem 5 Sterne nicht genug sind und wer unbedingt fehlerlos durch den Song kommen möchte (selbst auf 'Leicht' eine echte Herausforderung), für den führt am praktischen und komfortablen Übungsmodus kein Weg vorbei. Schon auf 'Mittel' ist das Spiel durch schnelleres Tempo und häufigeren Notenwechsel echt knackig, aber auch hier sollte man eigentlich immer durchkommen. Echte Profis (im Internet sind Videos solcher Freaks zu sehen) suchen dann im 'Schwer' und 'Profi' eine ganz neue Art der Herausforderung, auch wenn für die meisten nach dem mittleren Grad Schluss sein sollte. Für jeden Spielertyp ist also etwas dabei und das wurde auch im Multiplayer gut gelöst. Hier können sich Spieler gegenübertreten, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade spielen. Der eine wird weniger Fehler machen, der andere kann das durch mehr Noten, ergo mehr Punkten wettmachen.

Fazit
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Bei mir hat sich 'Guitar Hero III' anlässlich von Zockabenden im Moment gegenüber Prügel- und Sportspielen durchgesetzt. Nun kann man endlich auch mal die Freundin des Freundes dazuladen, denn jeder hat seinen Spaß. Der Preis ist zwar happig, dafür bekommt man aber auch ein echt komfortables und spielintensives Material, das selbst beim Solo-Spiel auf der Jagd nach Punkte- und Serienrekorden nichts von seinem Spaß einbüßt. Garniert man dies mit einer tollen Tracklist, ist 'Guitar Hero III' für musikinteressierte PS3ler ein Pflichtkauf.


Picknick am Wegesrand: Utopische Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Picknick am Wegesrand: Utopische Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein beklemmendes Szenario, 24. April 2008
Wenn es ein Buch erreicht, dass der große russische Regisseur Andrej Tarkovsky eine Verfilmung dreht, ist dies schon ein Indiz dafür, dass man es mit einem der einflussreichsten modernen SF-Erzählungen zu tun hat. Tarkovskys Film 'Stalker', an dem sich später auch ein PC-Spiel orientierte und den groben Handlungsstrang einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte, basiert auf der Erzählung 'Picknick am Wegesrand' der Brüder Strugatzki.

Was genau passiert ist, weiß niemand so genau. Einige Orte auf der Erde wurden kontaminiert, es wird allgemein angenommen, dass kosmische Besucher zu Gast auf unserem Planeten waren, denn sie haben allerlei unbekanntes Gerät zurückgelassen, das die Verbreitung eines Abenteurer- und Schwarzmarkthandels begünstigt. Die Z o n e ist ein Ort voller tödlicher Gefahren und Fallen und nur ein Bruchteil der Schatzsucher kehrt wie der Held Roderick Schuchart unbeschadet zurück. Das verseuchte und höchstgefährliche Gebiet übt eine ungeahnte Anziehungskraft auf die Menschen aus.

Die Erzählung entwickelt schon auf den ersten Seiten eine sehr dichte Atmosphäre. Die Expeditionen in die Z o n e haben die Strugatzkis mit einer Fülle an tödlichen Details festgehalten, zu denen zum Teil aberwitzige Todesfallen wie die Fliegenklatsche, ein Ort extremer Gravitation und die Hexensülze gehören, eine Verdichtung von ätzenden Gasen, die die körperliche Struktur langsam aber unerbittlich auflöst. Besonders produktiv waren die Autoren bei der Wortschöpfung. Für jedes physikalische Phänomen und jeden Gegenstand, der auf der Erde unbekannt war, wurde neue Bezeichnungen entworfen, die dem Leser beim Kopfkino unter die Arme greift.
Der Titel 'Picknick am Wegesrand' wird auch erst im Laufe der Handlung sinngebend. So wie die Herkunft und der Grund des außerirdischen Besuchs im Unklaren bleiben, so gewinnt man den Eindruck, die Besucher seien eher zufällig gelandet und hätten die Gerätschaften gleich Abfällen bei einem Picknick zurückgelassen. Die ironische Note ist unverkennbar, werden Menschen hier doch auf das Niveau von Ameisen gestellt ;)

Fazit
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'Picknick am Wegesrand' ist die wichtigste und einflussreichste Erzählung der russischen SF-Autoren Strugatzki. Sie entwerfen ein glaubwürdiges, beklemmendes, hintersinniges und sehr dichtes Szenario einer Landung kosmischer Besucher und ihrer Folgen. Man weiß eigentlich nur, dass man nichts weiß und so können die Todesraten der ehemaligen Bewohner der Z o n e im Exil nur Indiz, aber nie Beweis genug für die Thesen der Wissenschaftler sein. Leider flaut der Roman später etwas ab, als die Person Roderick Schuchart in den Vordergrund rückt und die Expeditionen einen geringeren Platz einnehmen. Dennoch ist das Buch sehr zu empfehlen und wer es mochte, sollte sich auch an Tarkovskys bildgewaltige Umsetzung 'Stalker' wagen.


Madame Bovary
Madame Bovary
von Gustave Flaubert
  Gebundene Ausgabe

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die große Erzählkunst der franz. Literatur des 19. Jahrhunderts, 29. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Gebundene Ausgabe)
Dass Frankreich im 19. Jahrhundert großartige Romane hervorgebracht hat, zeigt Gustave Flauberts 'Madame Bovary', das nicht umsonst als d e r Ehebruch-Roman in der Weltliteratur gilt, einer 'Effi Briest' Fontanes zum Trotz.

Um 1848 verfasst, aber erst 1857 in Buchform veröffentlicht, erzählt der Roman die Leidensgeschichte der Emma Bovary, der eine vorschnell geschlossene Ehe mit dem eher simpel gestrickten, aber gutherzigen Arzt Charles Bovary zum Verhängnis wird. In die engen Bande der kleinbürgerlichen Provinz um Rouen eingezwängt, flüchtet sich die intelligente und passionierte Romanleserin in zwei Liebschaften, welche sie über die Tristesse und Eintönigkeit des Dorfalltags in Yonville hinwegtrösten. Dass sie dabei eine grenzenlose Naivität und Weltfremdheit an den Tag legt, hindert sie nicht daran, ihre gesamte Familie ins Unglück zu stürzen, eine Familie, an der ihr herzlich wenig liegt, ist sie doch dazu bereit, ihre Tochter zurückzulassen, um mit Rodolphe, einem Dandy der Umgebung, der Emma eigentlich nur als weitere Eroberung betrachtet, durchzubrennen.

Emmas Naivität liegt darin begründet, dass sich die Welt der Romane eben nicht so ohne weiteres auf das Leben übertragen lässt und obwohl sich das Schicksal der Figur bereits sehr früh andeutet, schafft es Flaubert, die Geschichte mit einer Tragikomik und einer zum Ende hin packenden Dramatik zu versehen, als sich die Schlinge um Emma immer fester zerrt und in ein dramatisches Finale mündet. Wie wunderbar zu Flaubert charakterisieren in der Lage ist, wird gerade gen Ende des Romans deutlich. Madame Bovary, die schon zuvor eher als hysterische und undankbare Person erschien, macht jetzt selbst auf ihren Liebhaber Léon, einen jungen Anwalt, einen verheerenden Eindruck und auch die anderen zum Teil skurrilen Figuren der Provinz (insbesodere der Apotheker Homais) werden mit einer Genauigkeit beschrieben, wie man es vergleichbar nur von dem anderen großen Provinz-Roman des 19. Jahrhunderts, George Eliots 'Middlemarch' kennt.

Fazit
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Für mich markiert Flauberts 'Madame Bovary' neben Balzacs Roman-Trilogie (Vater Goriot, Verlorene Illusionen, Glanz und Elend der Kurtisanen) den Höhepunkt der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Roman ist voller psychologischer Kniffe, raffiniert konstruiert und auch die sprachliche Gewandtheit Flauberts ist eine Freude. Zudem sind die Figuren vielschichtig und obwohl der Roman vom Thema her kaum Spannung zulässt, kann man insbesondere gen Ende das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Romane Fontanes, die sich mit derselben Thematik beschäftigen (z.B. 'L'Adultera', 'Effi Briest') erreichen das französische Original nicht und so ist 'Madame Bovary', das zum ZEIT-Kanon der 100 größten Meisterwerke der Weltliteratur gehört, d e r Ehebruch-Roman schlechthin, garniert mit einer für die Zeit unerhört offen angedeuteten (aber nicht explizit beschriebenen ) Szene in einer Pariser Kutsche...


Die Letzten der Menschheit
Die Letzten der Menschheit
von Walter Tevis
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich gute Science-Fiction, 29. März 2008
Obwohl viele seiner Erzählungen und Romane es zu bekannten und erfolgreichen Verfilmungen gebracht haben, wie in etwa 'Die Farbe des Geldes' mit Tom Cruise und Paul Newman oder 'The Man who fell to Earth', das mit David Bowie in der Hauptrolle verfilmt wurde, ist der amerikanische Schriftsteller Walter Tevis dem breiten Publikum nicht so bekannt, wie es die Qualität seiner Werke eigentlich suggerieren. 'Die Letzten der Menschheit' schrieb Tevis 1980 kurz vor seinem Tod und wurde zu einem Meilenstein der modernen Science-Fiction. Der Roman (im Original: Mockingbird) wurde für den renommierten Nebula Award nominiert.

Der Roman erzählt die beklemmende Geschichte einer fiktiven Zukunft, in der sich die Menschheit durch Introversion und die Regeln der vorgeschriebenen Höflichkeit immer mehr vereinsamt. Aufgezogen in Heimen werden die Kinder bereits in frühestem Alter gedrillt ihre Emotionen mithilfe von Marihuana und Tranquilizern unter Kontrolle zu halten und die Gemeinschaft zu vermeiden. Auf dem Höhepunkt der Technologie, zu einem Zeitpunkt als der Stern der Menschheit zu längst zu sinken begonnen hat, erschufen sie Androiden, die nach und nach die Kontrolle über Wirtschaft und Industrie übernahmen. 'Die Letzten der Menschheit' erzählt den Niedergangs aus dem Blickwinkel dreier Figuren: Der hochentwickelte Typ-9 Roboter Spufforth, der mit einem menschlichen Bewusstsein ausgestattet, von Todessehnsucht getrieben wird und doch seine Programmierung, die Grundversorgung der vegetierenden Menschen im leeren New York, aufrechterhalten muss. Zweitens: Professor Bentley, der per Zufall die verlorene und verbotene Kunst des Lesens und Schreibens wiederentdeckt hat und durch den Lernprozess, sein Tagebuch und die Liebe zur dritten Figur, der unangepassten Mary Lou im Laufe des Romans hinter das erschreckende und tragische Geheimnis des Niedergangs der Menschheit aufdecken wird. Wie so oft steckt der Fehler im Detail...

Fazit
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Tevis Roman ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man erstmal begonnen hat. Zu faszinierend, zu beklemmend, zu eng erscheint die düstere Zeichnung der menschlichen Apathie, dessen philosophischer Gehalt eines Philip K. Dick mehr als würdig ist. Zudem ist das Buch eine Geschichte über das Lesen selbst und zeigt in doppelten Sinne, welch kostbares Gut es doch ist. 'Die Letzten der Menschheit' ist mit das Beste, was ich in letzter Zeit im Bereich SF gelesen habe und es verwundert, dass der Roman nicht neu aufgelegt wurde, auch wenn die gebundene Ausgabe im Moewig-Verlag richtig gut aussieht. Bei dem Preis sollte jeder SF-Interessierte zulangen.


Der Traum vom Großen Roten Fleck und andere Science-fiction- Geschichten. ( Phantastische Bibliothek, 147).
Der Traum vom Großen Roten Fleck und andere Science-fiction- Geschichten. ( Phantastische Bibliothek, 147).
von Karlheinz Steinmüller
  Broschiert

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochklassige Science-Fiction, 2. März 2008
Nachdem ich durch den guten Roman 'Pulaster' auf die beiden wohl bekanntesten SF-Autoren der ehemaligen DDR - das Ehepaar Steinmüller - aufmerksam geworden war, las ich mit Spannung 'Der Traum vom Großen Roten Fleck', ein Sammelband mit ausgewählten und kurzen Erzählungen. Ich wurde nicht enttäuscht, die Autoren liefern ein hervorragendes Buch ab und beweisen, dass sie mit zu dem Besten gehören, was die deutschsprachige SF zu bieten hat.

Auf knapp 200 Seiten hat man 11 Geschichten zusammen gestellt, die alle ein anderes Thema anreißen. Wenn in 'Manche mögen's heiß' die Grenzen zwischen Mensch und Android zerfließen oder in 'Zerdoppelung' die Frage nach der menschlichen Identität angesichts eines perfekten Klons gestellt wird, dann weht ein Hauch Philip K. Dick durch das Buch. Und irgendwie hat man den Eindruck, dass hier Meisterwerke des SF-Films Pate gestanden haben. Etwa wenn in 'Windschiefe Geraden' die künstliche Intelligenz an Bord eines Raumschiffs die menschliche Besatzung auf die Probe stellt und so an den HAL 9000 aus Kubricks Film '2001 - Odyssee im Weltraum' erinnert. Auch das Genre des Cyber-Punk ist mit 'Duell der Tiger' (leider die schwächste Erzählung) vertreten, so wie die Zeitproblematik ('Unter schwarzer Sonne'), die hier ähnlich stark erzählt wird, wie man es von J.G. Ballard kennt.

Fazit
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Der Clou des Buchs: Immer bieten die Erzählungen einen überraschenden Kniff, das Buch ist keine 08/15-SF und erstaunt den Leser in mannigfacher Weise. Die Geschichten sind komisch, tragisch und bizarr und dabei auf einem sehr hohen Niveau in Puncto Spannung und Schreibstil. Nur zwei der 11 Erzählungen sind allenfalls durchschnittlich ('Duell der Tiger' und 'Wolken, zarter als ein Hauch'). Hier ist kurzweiliges Lesevergnügen garantiert, das Lust auf mehr der Steinmüllers macht.
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Death Proof - Todsicher, Steelbook
Death Proof - Todsicher, Steelbook
DVD ~ Kurt Russell
Preis: EUR 11,27

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dialoge auf Kosten des Filmvergnügens, 2. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Death Proof - Todsicher, Steelbook (DVD)
Eigentlich war es eine fabelhafte Idee, das Grindhouse-Kino der 70er wieder aufleben zu lassen und wenn zwei so renommierte Regisseure wie Tarantino und Rodriguez, die vielleicht die besten Voraussetzungen für diese Art Filme erfüllen, sich dieses Projektes annehmen, so durfte man schon gespannt sein. Leider machte die Produktion einen Strich durch die Rechnung, was sehr zu lasten von 'Death Proof' geht. Denn: Tarantinos Film sollte den ersten rund 80-minütigen Teil der Film-Collage bilden, kam in Europa aber aus Marketing-Gründen als eigenständiger Film in die Kinos und auf DVD. Der Haken dabei: Der Film musste um über eine halbe Stunde gestreckt werden und das kann selbst ein Tarantino nicht mehr ohne weiteres ausgleichen.

Eigentlich ist 'Death Proof' der perfekte Film für Männer ohne Anspruch, Grindhouse eben. Da trifft man auf wahnsinnig attraktive Frauen (besonders Mary Christine Winstead als unterbelichtetes Model Lee und Sydney Tamiia Poitier als Jungle Julia sind hinreißend), aufgemotzte Muscle-Cars, ein wie immer klasse Soundtrack mit viel Country-Musik und einen Kurt Russell ('Die Klapperschlange') in Höchstform. Wenn in diesem Film eines Potential hat, Kult zu werden, dann der frauenmordende Stuntman Mike. Eine gefühlte Ewigkeit war Russell nicht mehr in dieser Art Rolle zu sehen, die ihn als Snake Plissken in den frühen 80ern als Action-Mime bekannt machte.
Aber: Man mag es bei den Zutaten kaum glauben, aber in den ersten 45 Minuten ist 'Death Proof' der Gipfel der Langeweile. Dialoge, Dialoge und nochmals Dialoge. Auch wenn einige Kritiker den Witz dieses Dirty Talks unter Mädels hervorgehoben haben, kann ich damit nichts anfangen. Nach 45 Minuten hatte ich das Gefühl, ich würde diesen Film schon seit Stunden schauen und erst die actionreichere (aber immer noch viel zu dialoglastige zweite Hälfte des Films) tröstet darüber hinweg.

Fazit
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Grindhouse ist es bei genauerem Betrachten eigentlich auch nicht mehr, dafür ist der Film zu elegant, zu aufgestylt. Gerade der erste Crash ist mit das Beste am ganzen Film. Für jedes Mädel eine separate Crash-Sequenz und das hart an der Grenze. Die Dialog-Lastigkeit wird auf die meisten nur langatmig wirken. Und auch wenn der Regisseur Tarantino heißt, sollte man ehrlich bewerten und den Kult-Regisseur-Bonus daheim lassen.


Hunger
Hunger
von Knut Hamsun
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckender Verfall von Körper und Geist, 19. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Hunger (Taschenbuch)
Als der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun im Jahre 1888 erste Teile seines Romans in diversen Gazetten abdrucken ließ, konnte er wohl noch nicht ahnen, was für ein einflußreiches Werk er da gerade verfasst hat, dass 1980 Aufnahme in den ZEIT-Kanon der 100 größten Meisterwerke der Weltliteratur fand.

'Hunger' (im Original: Sult) ist die Geschichte eines erfolglosen Journalisten, dessen Name der Leser nie erfahren wird, da er einfach keine Rolle spielt. Durch das Verfassen kleinerer Artikel versucht er sich, über Wasser zu halten, doch kann nicht verhindern, dass er immer weiter in eine Spirale von Armut, Hunger und Krankheit hineingerät. Er wird obdachlos, kämpft mit dem Winter Kristianas (Oslos) und erleidet Halluzinationen infolge der Mangelernährung..

'Hunger' ist ein drastisches Buch in seinen schonungslosen Darstellungen und ein tragisches dazu. Ein ums andere mal bringt sich der Antiheld in eine noch misslichere Situation, weil er sich noch nicht von einem Ehrenkodex freimachen kann, der ihm das Betteln und jede unredliche Handlung verbietet. Der verzweifelte Versuch auf seine Umwelt als ehrenhaftes Mitglied der Gesellschaft zu wirken, der Wille sein miserables Dasein trotz seines ärmlichen Äußeren zu cachieren, verschlimmert seine Lage noch. Am Körper gezeichnet nimmt der Leser teil an einem sich immer verschlimmernden Wahnsinn, den den Helden umtreibt, der schließlich in schiere Verzweiflung umschlägt, so dass er auf Holzspänen kaut und sich nach dem Nagen an einem alten Knochen pausenlos erbricht.

Fazit
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Der schonungslose Niedergang von Geist und Körper hat Hamsun hier auf eine so eindringliche Art und Weise (Ich-Perspektive!) zu Papier gebracht, dass es dem Leser an einigen Stellen ein Graus ist. Doch gerade deshalb ist 'Hunger' eines der wichtigsten Bücher des um die Jahrhundertwende einsetzenden Realismus.
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Enchanted Arms
Enchanted Arms

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hier stimmt (fast) nichts, 12. Februar 2008
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Enchanted Arms (Videospiel)
Rollenspiele sind bis heute eine Seltenheit für die PS3 und so wurde ich auf From Softwares Japano-RPG 'Enchanted Arms' aufmerksam, dass als einer der ersten Titel für Sonys Konsole erschien. Mittlerweile ist das Spiel sehr preisgünstig zu haben, ich erwarb also das Spiel und stellte es nach 10 Stunden entnervt wieder ins Regal.

In 'Enchanted Arms' befinden wir uns in einer fiktiven Zukunft. Hinter der Menschheit liegt ein furchtbarer Krieg gegen die Devil Golems, hochgezüchteten Kriegswesen, die sich gegen ihre Schöpfer wandten und als praktisch unbesiegbar galten. In einer enormen Kraftanstrengung bannten die Menschen die Devil Golems mit magischen Siegeln und lebten fortan in Harmonie und Frieden...nun ja bis das Spiel beginnt, denn Spielfigur Atsuma und seine Freunde müssen miterleben, wie die Lady of Ice zurückkehrt, ganz Yokohama City unter eine meterhohe Eisschicht begräbt und alle Bewohner der Stadt tötet. Atsuma schwört Rache und versucht mit Lady Karin und ihrem Leibwächter Raigan und mithilfe seines magischen Arms, der den Äther negieren kann, die Lady of Ice zu stoppen.

Simpel, simpler, 'Enchanted Arms'. Einfacher hätte die Story nun wirklich nicht gestrickt sein können und das schmerzt insbesondere dahingehend, dass RPGs vordergründig von einer überzeugenden Story und einer Spielerfigur mit Identifikationspotential leben. Hier: Fehlanzeige! Atsuma entpuppt sich nämlich schon in den ersten Minuten als so strohdoof, dass er vor einer Leiter stehenbleibt und seinen Freunden sagt, hier ginge es nicht weiter, man könne schließlich nicht durch Wände laufen (!). Auch die Dialoge samt ihrer raren englischen Sprachausgabe haben nur eine extrem kurze Halbwertszeit, sind weder tiefgründig noch witzig. Schlimmer noch: Die meisten Dialoge wurden nicht einmal vertont, laufen automatisch ab und bringen dem Spieler auch noch rein gar nichts, denn sie triefen vor Platitüden ("Oh ein furchterregender Golem, denn machen wir jetzt alle.") und Geistesblitzen à la "Oh ein Schalter!" "Wir müssen diesen Schalter umlegen". "..." "Gut, dann werde ich den Schalter jetzt betätigen..."

Als ob der Spieler da nicht von selbst drauf käme, denn ich habe als relativ erfahrener Rollenspieler noch nie ein so lineares RPG gesehen. Die Spielwelt lässt kein auch noch so kleines Erforschen zu, die Dungeons kennen nur eine Route und ständig kauen einem die Begleiter den nächsten Schritt vor. Quests? Ebenfalls Fehlanzeige...

Warum also hat mir 'Enchanted Arms' trotzdem 10 Stunden abgerungen? Das Kampfsystem ist relativ unorthodox und machte auch zu Beginn richtig Spaß. Der Kampf läuft nämlich rundenbasiert ab und erfordert taktisches Vorgehen, denn die Gegner werden einem Element zugeordnet, gegen das das Entgegengesetzte doppelt so wirksam ist. (Wasser <> Feuer, Licht <> Dunkelheit, Wind <> Erde). Garniert man dies nun mit Combo-Angriffen, Cover und Supportsprüchen kommt eine kurzweilige Pokemon-Stimmung auf, auch weil man im Laufe des Spiels bis zu 130 Golems einsammeln und für sich kämpfen lassen kann. Aber...zwei Punkte haben die Entwickler nicht bedacht. Ich frage mich als Spieler, warum ich Golems kämpfen lassen soll, wenn diese keine neuen Angriffe lernen können und keine Waffen führen können, während meine menschlichen Begleiter genau dies können und sich so als viel nützlicher entpuppen?

Der Punkt, der 'Enchanted Arms' aber endgültig das Genick gebrochen hat, war die Tatsache, dass der gelungenste Aspekt des Spiels - der Kampf - dadurch verhunzt wurde, dass den Spieler in viel zu kurzen Abständen zufallsgenerierte Kämpfe erwarten. Mehrere Kämpfe binnen weniger Sekunden sind hier leider keine Ausnahme und spätestens als man keine drei Schritte mehr machen konnte ohne das (dazu noch laggende) Kampf-Intro zu sehen, war dann endgültig Sense. Das ist ein dreister Weg, die Spieldauer künstlich zu dehnen. Auch die technische Verpackung überzeugt nicht. Die Spielwelt ist so dermaßen steril und leer (Gegner sind vor Kämpfen nie zu sehen, kantige Architektur), dass die Möglichkeiten der PS3 nicht im Ansatz ausgenutzt (die Ausnahme bilden die raren Videosequenzen) wurden. Die Musik wiederholt sich und Ubisoft hat darauf verzichtet, das Spiel auf Deutsch herauszubringen. Bizarr dabei: Das Spiel ist so einfach und linear, dass Kinder eher die Zielgruppe sein dürften, wohl aber bei der Wahl zwischen japanischer und englischer Version in die Röhre schauen dürften.

Fazit
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Nein, 'Enchanted Arms' ist für ein RPG zu linear, zu einfach, hat keine überzeugende Story, eine dämliche Spielfigur und versemmelt sich den einzigen positiven Aspekt, die taktischen Runden-Kämpfe durch eine nervenzerrüttede Kampf-Frequenz, die einen kaum noch voran kommen lässt. Auch nicht zu dem aktuellen Preis von 29 € sollte das Spiel gestandenen Rollenspielern eine Überlegung wert sein, ist allenfalls für absolute Hardcore-Japano-RPG-Fans mit Englischkenntnissen interessant.


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