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Rezensionen verfasst von
Riotgun

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Clive Barker's Jericho
Clive Barker's Jericho
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 34,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Riotguns Jericho-Rezension: Feiner, unzensierter Schocker, 26. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Clive Barker's Jericho (Videospiel)
Clive Barker ist derjenige, der als Autor und Regisseur hinter der Horror-Reihe 'Hellraiser' steht. Nach einem ewigen Hickhack hat 'Clive Barker's Jericho' es nun doch auf die PS3 geschafft, drohte dem Titel doch in erster Instanz die Indizierung. Nachdem diese dann doch abgelehnt wurde, erschien 'Jericho' schließlich doch noch als UK-Version mit deutscher Synchronisation, und das völlig unzensiert.

Die Story
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Laut alter gnostischer Text erschuf Gott noch vor dem Menschen das "Erstgeborene". Doch gab er ihm weder Seele noch Verstand. Es war weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, doch mächtig. Als Gott ahnte, dass er das Erstgeborene nicht unter Kontrolle halten könne und nicht töten würde wollen, verbannte er es in einen unendlichen Abgrund. Das Erstgeborene ging an der Einsamkeit zugrunde, wurde bitter und böse.

Seit die Menschheit besteht, hat das Erstgeborene 7 Menschen in ihren Träumen verführt und diese dazu gebracht, das Wesen befreien zu wollen. Jedesmal konnte der Ausbruch durch einen geheimen Orden verhindert werden, dennoch nahm das Wesen jedesmal ein Stück Zeit und Raum zurück in sein Exil und wurde stärker. Das Erstgeborene zurückzuhalten wurde mit jedem Ausbruch schwieriger...Das Spiel setzt ein, als ein 7-köpfiges (sic! die heilige Zahl!) Team in den Mittleren Osten in die uralte Stadt al-Khali aufbricht. Arnold Leach, einst Mitarbeiter der ultra-geheimen Jericho-Truppe wurde vom Erstgeborenen verführt und möchte es befreien, es liegt an der Jericho-Truppe dies zu verhindern...

Clive Barker steht für überzeugende Geschichten und gute Schockeffekte und beides kommt in Jericho auch bestens zum Tragen. Die Story ist mysteriös, in sich wenigstens konsequent und logisch und fesselt den Spieler ab einer gewissen Einspielzeit von etwa 1-2 Stunden völlig.

Die Story: 9,5/10

Gameplay & Leveldesign
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'CBs Jericho' spielt sich wie ein klassischer FPS-Shooter mit wenigen taktischen Elementen. Ein Ereignis früh im Spiel, das ich hier nicht spoilern möchte, führt dazu, dass man in jeden Soldaten seines Teams schlüpfen kann. Bedenkt man, dass jeder Mitstreiter über je zwei Waffen und zwei magische Spezialfähigkeiten verfügt, bringt das eine gehörige Portion Abwechslung in das Spiel, das sich somit erfreulicherweise von übrigen FPS abhebt. Ein Beispiel: An einer Stelle versperrt ein Gitter dem Team den Weg. Jetzt schlüpft man in die Rolle von Jones, der sich mithilfe seiner Astralkinese in den Körper jedes Lebewesens teleportieren kann und somit Plätze, Schalter und Mechanismen erreicht, die normalen Spielern unzugänglich sind.

Die Spezialfähigkeiten gestehen jedem Party-Mitglied größtenteils eine größere Rolle zu. Mal ist es ratsam in die telekinetisch begabte Scharfschützin Black zu schlüpfen, mal in die Rolle des heilenden Exorzisten Rawlings und wer schon immer einen eigenen Feuerdämon kommandieren wollte, wird mit dem Tank Delgado seine helle Freude haben. Geht ein Team-Mitglied zu Boden, kann es durch die Spielfigur und Rawlings geheilt werden, erst wenn die beiden Heiler außer Gefecht sind, muss ab dem letzten Kontrollpunkt neugeladen werden.

Das Leveldesign ist hingegen etwas schwächer geraten. Die Levels gleichen Röhren, in denen es nur einen Weg voran gibt und in denen man sich nicht mal verlaufen kann, sind sie doch extrem linear aufgebaut. Leider gibt es in den Levels auch keine Extras oder Boni versteckt, so dass der Großteil des Spiels daraus besteht, eine kurze Strecke zu laufen, dann die geskripteten Gegnerhorden niederzumachen, weiterzulaufen, wieder zu ballern, um schließlich den Endpunkt des Levels zu erreichen. Seltener kommt ein Rätsel, dann muss eine Spezialfähigkeit einer bestimmten Figur angewandt werden. Das Spiel ist übrigens sehr schwer, insbesondere die Explosive Cultists, die sich nah am Spieler in die Luft sprengen, dürften dem einen oder anderen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Auch die Bosskämpfe sind nur mit einer bestimmten Strategie zu überstehen, die erst gefunden werden muss.

Schade, man hätte dem Spiel mit einem Skill-System noch mehr Pepp geben können. Beispielsweise durch das Finden von Schriften Skill-Punkte zu bekommen, die man in höheren Schaden, Gesundheit oder in die magischen Fähigkeiten reinvestieren hätte können. Dass das Spiel trotz der Linearität zu gefallen und fesseln weiß, ist der grandiosen Story und dem Fakt geschuldet, dass die Level-Abschnitte extrem abwechslungsreich gestaltet wurden. Nach dem Prolog in al-Khali besucht man die Stadt nacheinander zur Zeit des 2. Weltkriegs, der Templer, des römischen Imperiums und zu der Zeit der Sumerer, bis man sich schließlich nah genug an das Erstgeborene und Leach herangekämpft hat.

Gameplay: 8/10
Leveldesign 7/10 (davon 2 Punkte für die tolle Abwechslung)

Grafik, Sound & Wiederspielbarkeit
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Soviel vorweg: Jericho reizt die PS3 nicht aus, ist es doch auch einer der früheren Titel für Sonys Konsole. Die meisten Texturen und die meiste Arbeit ist in das Design der Höllenkreaturen geflossen und es wird nochmals deutlich: Das Spiel ist nichts für Zartbesaitete. Überall liegen Blut, Exkremente, Gliedmaßen und Gedärme herum, die Wände sind mit Blut beschmiert und die Kreaturen furchtbar entstellte und gefolterte Wesen. So überzeugend aber der Aufwand hier ist, desto mehr fällt auf, wie unterschiedlich die einzelnen Levels aussehen: Ist die Wüstenstadt al-Khali und das Szenario des 2. Weltkriegs ganz zu Beginn grafisch an Langeweile kaum zu überbieten, steigert sich das Spiel und die Ausstattung in der Templer-Festung bis die Grafik schließlich im römischen Palast des Vicus Cassus und dem sumerischen Tempel sogar Ausrufezeichen setzen kann. Echte Videosequenzen laufen seltener und dann auch nur in In-Game-Grafik ab.

Soundtechnisch ist Jericho für eine deutsche Synchronisation erfreulich professionell ausgefallen. Alle 7 Mann des Jericho-Squad haben eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und schreien im Eifer des Gefechts Befehle und Meldungen. Die Geräusche- und Soundkulisse steht dem in Nichts nach. Hier wird die ganze Bandbreite ekelhafter Geräusche abgedeckt und auch Detonationen und Waffeneinsatz klingen gar nicht nach Nähmaschine. Überzeugend!

Die Spielzeit dagegen ist gar nicht so einfach zu bestimmen. Durch den knackigen Schwierigkeitsgrad kann es sein, dass man an fiesen Stellen schon mal sehr lange festhängt. Wer partout nicht weiterkommt, kann an dieser Stellen den Grad auch auf Einfach schalten und danach wieder zurückswitchen. Alles in allem bleibt eine Spielzeit von etwa 10-12 Stunden, welche weder schlecht noch herausragend ist. Solider Durchschnitt. Was die Wiederspielbarkeit betrifft, beißt man allerdings auf Granit, da man hier weder einen Online- oder MP-Modus findet und so höchstens das Erfüllen von Bonuszielen (30 Kills im Nahkampf, Absolvieren diverser Levels auf "Schwer"...) zum erneuten Spiel reizt. Als Belohnungen winken Dokumente, die Figuren und Story näher erläutern. Ganz nett, aber ein wenig dünn...

Grafik: 7/10
Sound: 9/10
Atmosphäre: 10/10
Spielzeit: 7/10
Wiederspielbarkeit: 5/10

Fazit
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Jericho hat mich nach unspektakulärem Beginn irgendwann doch in seinen Bann gezogen. Das Spiel lebt von einer grandiosen Story, einer bedrückenden und toll inszenierten Atmosphäre und einiger unkonventioneller Spielelemente. Allerdings sollte man schon ein Faible für Horror mitbringen, dann das Licht abschalten und beim Spielen auf das wohlige Gruseln warten. Auf eine Fortsetzung würde ich mich freuen!

Spielspaß: 8,5/10


Star Wars - The Force Unleashed
Star Wars - The Force Unleashed
Wird angeboten von Die-Spiele-Insel
Preis: EUR 36,25

46 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Riotguns TFU-Rezension: Wecke das Spielkind in Dir!, 18. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Star Wars - The Force Unleashed (Videospiel)
Schon Monate vor dem Release geisterten Trailer im Netz herum, in denen man die atemberaubende Rasanz und die tolle Physikengine von Lucas Arts neuester Star Wars Lizenz 'The Force Unleashed' bestaunen konnte. Die Trailer waren so gut gemacht, dass sie direkt Lust auf das Spiel machten, denn eins ist klar: LA hat erkannt, dass inflationär auf den Markt geworfene SW-Titel nur die Kunden vergrätzen, da hier in den letzten Jahren die Lizenz, nicht aber das Spielerlebnis im Vordergrund stand, am besten veranschaulicht durch das schrecklich mittelmäßige 'Empire at War'.

Die Story
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Dort, wo eine Geschichte in einem SW-Spiel auch wirklich erzählt wurde, hat LA schon immer überzeugt (v.a. in dem RPG 'Knights of the old Republic') und so verhält es sich auch in 'The Force Unleashed'. Das Spiel schlägt die Brücke zwischen den Ereignissen aus Episode III & IV und klärt während der Kampagne bis dato noch nicht behandelte Ereignisse rund um die Rebellen-Allianz, das Schicksal überlebender Jedi nach Order 66 und das Imperium.

Jeder SW-Fan wird hier also bedient und auch all diejenigen, die mit dieser Franchise ansonsten nicht viel am Hut haben, werden durch die Geschichte um Pläne, Gegenpläne und Intrigen überzeugt sein. Denn als Schüler Darth Vaders gehört der Verrat unter Sith natürlich dazu. Die Zwischensequenzen sind zudem voller Wendungen, bis die Story schließlich in ein großes und würdiges Finale mündet.

Story: 8/10

Das Gameplay
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Dies dürfte der Aspekt sein, auf den die meisten gespannt waren. TFU entpuppt sich hier als würdiger Nachfolger der Jedi-Knight-Serie. Als dunkler Sith wandert man durch leider zu lineare Level und pustet mit dem Machtschub Sturmtruppen, Rodianer und Droiden hinweg, lässt ausgewachsene Rancors den Machtblitz spüren und wirbelt mit ansehnlich designten Laserschwert-Kombos durch vielfältige Schauplätze.

Das macht alles enorm viel Spaß und das Geheimnis des Erfolgs liegt ganz eindeutig in der fabelhaften Physik-Engine. Da werden Türen mit der Macht aufgesprengt, Stahlträger verbogen, Turbinen aufgeladen und Objekte mithilfe des Machtgriffs gegen Gegnerscharen geschleudert, ja sogar einzelne Gegner winden sich hilflos im Griff, um im nächsten Moment auf ihre ballistischen Eigenschaften getestet zu werden. Und mal ehrlich: Wenn man einen ausgewachsenen Sternenzerstörer vom Himmel holt oder man einen Träger im richtigen Moment gegen einen heranstürmenden TIE-Fighter schleudert und diesen damit zur Explosion bringt, fühlt man sich für einen Moment zumindest teilweise als Jedi, einfach weil die ganze Umwelt auf die Macht des Spielers reagiert.

Besonders hervorheben möchte ich auch die Bosskämpfe gen Ende eines jeden Kapitels. Diese sind erfrischend schwierig gestaltet worden, zumindest so lange, bis man die richtige Strategie für den jeweiligen Boss herausgefunden hat und münden in ein aufwendig gestaltete und epische Zwischensequenz, in der im richtigen Augenblick eine bestimmte Tastenkombination gedrückt werden muss. Dies gilt übrigens auch für größere Gegner wie AT-ATs, AT-STs, Rancors und diverse große Droiden.

Einen kleinen Abzug in der Wertung gibt es nur für die zu linearen Levels, in denen man aber schwer erreichbare Jedi-Holocrons einsammeln kann, um dieses Wissen umgehend in neue Kombos, Kräfte und Eigenschaften wie Stärke oder Machtregeneration zu reinvestieren.

Gameplay 9,5/10

Grafik, Sound & Spielzeit
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Auch bei der technischen Verpackung überzeugt TFU. Schön konsequent hat man sich an die schon klassischen sterilen Korridore in Schiffen, Basen und Fabriken gehalten. Desweiteren bereist man einen eindrucksvollen Schrottplaneten, sowie das Innenleben (!) eines Sartaac. Durch die Rasanz der Moves und Machtkräfte überträgt sich das SW-Feeling direkt auf den Spieler, auch wenn man in TFU nicht die ganz hochauflösenden Texturen aus 'GTA IV' oder die tollen Wassereffekte aus 'Uncharted' antrifft. Man hätte sicher grafisch noch mehr aus der PS3 rausholen können, aber das Ergebnis überzeugt dennoch. Gerade die Mimik und Gesichter sind ansprechend geworden, kommen aber immer noch nicht ganz an das in dieser Hinsicht noch unübertroffene 'Heavenly Sword' heran.

Musik und Sound sind wie bei jedem SW-Titel wieder mal stark. Nicht, weil hier neue Kreationen zum Tragen kommen, sondern weil immer noch auf den John Williams Soundtrack gebaut wird. Das ist zwar einerseits wenig originell, andererseits aber eine Fahrt auf sicherer Schiene, auch wenn TFU nicht an eine Musik aus Kotor herankommt. Für eine Genre-Referenz wie 'Devil May Cry 4', reicht es dennoch in akustischer Hinsicht. Vor allem wegen der tollen Soundeffekte in Sachen Detonationen, Machtkräfte und dem klassischen Summen der Lichtschwerter.

Eine berechtigte Kritik muss TFU allerdings in Sachen Spielzeit einstecken. Mit etwa 8-10 Stunden ist der Titel einfach zu kurz, die Geschichte zu schnell vorbei, auch wenn der Schwierigkeitsgrad schon auf dem mittleren "Sith-Krieger"-Grad sich an einzelnen Stellen als sehr knackig erweist. Zum erneuten Durchspielen reizt neben der Herausforderung in einem höheren Schwierigkeitsgrad noch ein alternatives Ende. Der fehlende Online-Modus kommt hier noch erschwerend hinzu.

Grafik 7/10
Sound 9/10
Spielzeit 5,5/10

Fazit
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TFU bekommt am Ende doch noch klare 5 Sterne, einfach weil das Spiel durch die Physik, die Story und das Jedi-Gefühl länger Spaß macht, als es dauert. Ich habe direkt einen zweiten Durchgang gestartet, der mich immer noch fesselt. Es gibt daher ein klares Empfehlenswert.

Spielspaß 9/10
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2010 9:25 PM CET


Grand Theft Auto IV - [PlayStation 3]
Grand Theft Auto IV - [PlayStation 3]
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 13,91

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen GTA IV vs. San Andreas vs. Vice City, 16. Oktober 2008
Seit ich 1998 die Demo von Rockstars 'Grand Theft Auto' spielte, bin ich ein treuer Fan dieser Spieleserie und habe bisher alle Titel mit Hingabe gespielt. Das große Plus von GTA: Jeder Titel mit Ausnahme von GTA 2 war in spielerischer Hinsicht eine klare Weiterentwicklung. Groß war die also die Vorfreude, als ich endlich das neue GTA IV für eine Next-Gen-Konsole in den Händen hielt. Das Spiel hat mich begeistert, auch wenn hier und da kleinere Details besser gelöst hätten werden können.

Die Story
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Gar nicht so einfach, bei dem mittlerweile sechsten Teil der Serie eine glaubwürdige und unverbrauchte Geschichte aus dem Hut zu zaubern. GTA IV macht das beste draus und verknüpft erstmals ein ernsteres Thema mit einem neuen Background. Hauptfigur Niko Bellic aus dem ehemaligen Jugoslawien steht für einen Gangster-Typus, der mit den Alltagsproblemen eines Immigranten in den USA zu kämpfen hat. Zwar ist es nicht besonders einfallsreich, Nikos Flucht aus Europa und den folgenden Konflikt mit Schulden bei einem einflussreichen Gangster-Boss zu erklären, das hatte ja bereits in Vice City gegriffen, dennoch ist das "ernste" Storyprinzip ganz klar eine Bereicherung. Wenn sich gen Ende des Spiels die Story dramatisch zuspitzt, fühlt man sich an die großen Mafia- und Gangsterfilme erinnert. Das Fazit bleibt: Vorbei die Zeit der Persiflagen und überzeichneten Hauptfiguren in VC und SA. Nikos Geschichte ist auch ein Dilemma. Das ist zumindest vielschichtiger, als man es der GTA-Reihe zugetraut hätte.

Story: 9/10

Die Missionen & Spielumfang
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An diesem Punkt sehe ich die vielleicht einzige relative Schwäche des Titels. Zeichneten sich die Vorgänger gerade in dieser Hinsicht in Punkto Abwechslung (VC) und Schwierigkeitsgrad (SA) aus, so muss man leider feststellen, dass GTA IV bei diesem wichtigen Punkt im Vergleich zu den Vorgängern abgebaut hat. Meist bestehen die Missionen nämlich aus Fahrtendiensten, Schießereien, Verfolgungsjagden und später im Spiel lediglich aus Kombinationen dieser Elemente. Das ist schlicht und ergreifend auf die Dauer etwas eintönig.

Was die Missionen vor dem Mittelmaß rettet, ist die handwerkliche Verpackung außen rum. Die Filmsequenzen beschränken sich nicht nur auf die Erteilung des Auftrags, sondern geben auch Hintergründe der Story preis, erklären desweiteren, warum bestimmte Auftraggeber aus der Geschichte ausscheiden und ermöglichen dem Spieler an wenigen Punkten sogar Wahlmöglichkeiten, bei der dieser sich zwischen zwei rivalisierenden Figuren entscheiden muss.

Sehr gelungen ist auch das Feedback der Umwelt auf die Missionen des Spielers. Sprengt Niko eine Fabrikhalle in die Luft, ist nur wenige Stunden später im Radio davon zu hören und News-Seiten im spieleigenen Internet berichten über den Fall. Das ist sehr stark und verleiht dem Spiel eine gehörige Portion Authentizität. Zudem wartet das Spiel mit einer Fülle von Personen und Nebenmissionen auf. Die Bürgerwehr ist wieder mit von der Partie, ebenso wie der organisierte Autoklau. Auch Drogenfahrten für Jacob und Zufallsbegegnungen auf den Straßen verbessern das Gesamtbild.

Das Fazit lautet: 96 Missionen der Story-Kampagne sind quantitativ gut, auf die Dauer aber etwas eintönig und auch zu leicht. Allenfalls die Endmission ist eine echte Herausforderung, die man erst nach dem x-ten Reload erleichtert bewältigt. Der Rest ist für geübte GTAler easy zu schaffen und nur der Umfang der Neben-Missionen hebt die Wertung etwas an, Gesamtspielzeit: etwa 60 Stunden, wenn man alles mitnimmt (30-35 für die Hauptmissionen). Man bekommt also viel Spiel für sein Geld: super!

Missionen: 7/10
Spielzeit: 10/10

Gameplay & Atmosphäre
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Die Steuerung ist mindestens genau so gut gelöst worden, wie in den Vorgängern. Natürlich ist es schwierig die Präzision einer Maus auf die Sticks des Controllers zu übertragen, aber dafür hat man ein sehr präzises Auto-Aiming eingebaut und auch die Schusswechsel sind dank Deckung und Blind Fire ein gehöriges Stück realistischer geworden. Dem Spieler steht ein großes Arsenal zur Verfügung und von jeder Waffe (bis auf den Raketenwerfer) sogar eine zweite, bessere Variante.

Die Fahrzeuge und Vehikel im Spiel bieten die gewohnt reichhaltige Auswahl, wieder trifft man bestimmte Vehikel nur in bestimmten Gegenden an und treue Fans haben bemerkt, dass einige bereits im Vorgänger fahrbare Autos einen gehörigen Facelift verpasst bekommen haben. Kleiner Makel: Hubschrauber und Flugzeuge spielen kaum noch die Rolle, die sie in VC und insbesondere in SA innehatten. Flugzeuge kann man gar nicht mehr steuern und an Hubschrauber kommt man nur schwer ran. Die Boote sind hingegen gewohnt stark. Trotzdem fällt auf, dass GTA IV die Steuerung der Zweiräder deutlich anspruchsvoller gestaltet hat. Motorräder scheren einfacher aus und die Crashs passieren relativ häufig.

Da man auch in GTA IV nicht darauf verzichtet hat, den Spieler mit einer gehörigen Portion Freiheit auszustatten, kam ein neues Spielelement hinzu: Das Handy. Nun ist es möglich, einige seiner Freunde und seinen Cousin zum Bowlen, Pool-Billard, in den Nachtklub, ins Kabaret (mit echten Shows!!), zum Essen oder zum Darten mitzunehmen. Natürlich wird das mit zunehmender Spieldauer etwas eintönig, aber wer möchte, kann bis zu drei Freundinnen gleichzeitig beschäftigen, welche natürlich alle einen verschiedenen Geschmack in Sachen Auto, Geschmack und Kleidung besitzen. Zudem bieten einige der Freunde Boni an, wenn man sich durch die Ausflüge beliebt gemacht hat, u.a. Heilung, Bestechungsgelder oder der Einbau von Autobomben.

Fazit: Klare & präzise Steuerung. Auch Kleinigkeiten wie das toll umgesetzte spielinterne Internet tragen zu der enormen Atmosphäredichte des Spiels bei.

Steuerung: 9/10
Fahrzeuge: 9/10
Atmosphäre: 10/10

Grafik, Radio & Technisches
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Ich muss gestehen, dieser Punkt interessierte mich an GTA IV erstmal am meisten mit Hinblick eines Release auf einer Next-GenKonsole... Atemberaubend! Da sprechen sicher die Trailer für sich, aber tolle Details wie blinkende Radkappen, sowie hochauflösende Texturen und das phänomenale Stadtbild sind absolute Spitzenklasse. Klar war bei SA das erkundbare Gebiet noch größer, aber Hand aufs Herz: Wer kurvt schon gerne in der Wildnis rum und nimmt dazu noch ewig lange Fahrtzeiten in Kauf? New York wurde jedenfalls so authentisch nachgebildet, dass es ein Genuss ist, mit der U-Bahn das grandiose Stadtpanorama (inkl. Broadway, Central Park, Manhattan, Brooklyn Bridge etc.) abzufahren. Die Weitsicht ist so fantastisch, dass ich mich ertappt habe, im Industriegebiet auf Türme zu steigen und das Nachtbild zu genießen. Hier kann man nicht viel besser machen. GTA IV reizt die PS3 voll aus.

Die Radiostationen fand ich dagegen etwas fade, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Natürlich ist es schwer, mit dem bombastischen 80er-Soundtrack aus VC mitzuhalten und auch die frühen 90er aus SA waren musiktechnisch ebenfalls eine Hausnummer. Zwar stehen viele Stationen zur Verfügung, aber die Lizenzen wirklich bekannter Künstler und Bands ist merklich dünner als bei den Vorgängern. Immer noch sehr gut: Die Werbeclips, Chat-Radios und politischen Diskussionen. Urkomisch und mit dem bekannten schwarzen Humor.

Noch kurz ein paar Worte zur Installation. GTA IV installiert etwa 3 GB Daten auf der Festplatte der Konsole. Ein verschmerzbarer Schritt, denn trotz der Größe der Stadt, trotz der Grafikpracht und trotz der Menge an Filmen und verarbeiteten Daten kommt es während des Spiels nie zu Ladepausen, auch nicht bei Gebietswechseln. Dafür sind die rund 45 Sekunden Ladezeit zu Beginn jedes Spiels finde ich gut angelegt.

Grafik: 10/10
Radio: 7,5/10
Ladezeiten 9/10

Fazit
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Klasse, die GTA-Serie schafft es immer wieder, einen eingefleischten Fan wie mich aufs Neue zu begeistern. 60 Stunden Spielzeit, eine grandiose Grafik, eine mitreißende Geschichte, die bislang beste Stadtarchitektur, die ich je gesehen habe und eine bis ins kleinste Detail ausgearbeitete spielerische Dichte und Atmosphäre machen den sechsten Teil in meinen Augen, trotz kleinerer Schwächen bei den Missionen zum bis dato besten GTA-Teil. Der Referenz-Titel für die PS3.


Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots
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38 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Rezension für Metal-Gear-Quereinsteiger, 10. Oktober 2008
Ich war über viele Jahre hinweg ein PC-Spieler und habe mich erst mit der PS3 der sicher zu Recht vielgelobten Metal-Gear-Reihe hinwenden können. Die Tests im Vorfeld waren überragend und auch in meinem Freundeskreis wurde das Spiel sehnsüchtigst erwartet. Als das Spiel jedoch in meiner PS3 lag, machte sich sehr schnell Ernüchterung breit, die mit zunehmender Spieldauer sogar noch zunahm. Da ich als Quereinsteiger nur einen ganz bestimmten Käuferkreis repräsentiere, richtet sich die Rezension also in erster Linie an eben diese Gruppe.

Der erste Kritikpunkt fiel mir schon sehr früh auf: Mal eben so eine halbe Stunde spielen geht mit MGS4 gar nicht. Vielmehr bekam ich den Eindruck, die sehr kurzen Spielabschnitte dienen hier lediglich als Aufhänger für endlose Videosequenzen und Filme, die die Story erzählen. Grundsätzlich nichts, was Kritik rechtfertigen würde, aber als Quereinsteiger sind Sie nun mal bei diesem Titel aufgeschmissen, denn Sie werden laufend mit neuen Anspielungen, Figuren und mannigfachen Storysträngen konfrontiert, dass Ihnen bereits nach wenig Spielzeit der Kopf schwirrt und Sie vor lauter Anspielungen gar nicht mehr mitkommen.

Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versucht hätte. Ich habe mich durch den größten Teil der Metal-Gear-Wiki im Internet gekämpft und auch im PS-Store die Erläuterungen zur Story heruntergeladen, aber dennoch kam ich auf keinen grünen Zweig.

Wäre MGS4 nun zumindest vom Spielerlebnis her so überragend gewesen, hätte ich die Videos ignoriert und einfach nur das Spiel zu Ende gebracht. Keine Frage, der Titel ist handwerklich solide und grafisch voll auf der Höhe, aber den Hype konnte das Spiel auch als Shooter kaum erfüllen. Wenn die MG-Reihe für Stealth steht, dann war es nicht sehr clever aus dem vierten Teil der Reihe eine "Sowohl-als-auch-Lösung" zu machen. Sie können zwar schleichen, aber schießen und durchrennen geht genauso. Und schließlich gibt es für die PS3 leider weitaus bessere Action-Titel (z.B. The Darkness & Call of Duty 4), so dass ich nach etwa 10 Stunden schließlich entnervt und unüberzeugt aufgab.

Fazit
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Als kompletter Neueinsteiger sollten Sie sich wirklich überlegen, ob Sie sich dieses Spiel antun wollen. Es ist vielmehr Film als Spiel und auch der optisch schönste Film überzeugt nicht, wenn man bei der Story nicht mehr mitkommt. Ich bezweifle gar nicht, dass für viele MG-Fans hier endlich eine geschichtsträchtige Reihe zu Ende erzählt wurde und diese deshalb sehr zufrieden sind. Dennoch ist das Spiel auch nicht ein so übermäßiges Action-Erlebnis, dass man es "nackt", also ohne die Story spielen könnte, ohne Motivation und Lust zu verlieren.
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 22, 2012 2:07 PM MEST


NHL 2K7
NHL 2K7

4.0 von 5 Sternen Der Multiplayer-Hit fürs kleine Budget, 10. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: NHL 2K7 (Videospiel)
Schön, dass es Sportfranchisen auch jenseits von EA und Pro Evolution gibt. In letzter Zeit hat sich die 2K-Reihe immer mehr zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickelt und so probierte ich hinsichtlich eines Zockabends mit Freunden den schon etwas älteren, dafür aber preisgünstigen Eishockey-Titel aus dem Jahre 2007 aus. Der Titel hat alle Erwartungen erfüllt, in einigen Punkten sogar übertroffen.

Gameplay & Steuerung
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Im wohl wichtigsten Punkt eines Sportspiels hat 'NHL 2K7' seine Hausaufgaben mehr als gemacht. Die Steuerung und Bedienbarkeit wurde optimal gelöst. Es stehen nämlich 3 verschiedene Steuerungsprofile zur Verfügung. Anfänger können in simpelster Form checken, passen und schießen, indem sie die vier Hauptbuttons benutzen.

Fortgeschrittene und Profis können die Steuerung dagegen extrem verfeinern (u.a. manuelle Goalie-Kontrolle), auch wenn dies mit einer etwas komplizierteren Steuerung einhergeht. Beispielsweise kann der exakte Adressat eines Passes durchgeschaltet werden. Die halbautomatische Steuerung per Stick geht hingegen nur ungefähr in eine Richtung und so landet der Pass schon mal beim falschen Mitspieler bzw. direkt beim Gegner. Es macht jedenfalls richtig Spaß, gegen seinen Freund ein "echtes" Powerplay mit blitzschnellen, punktgenauen Pässen aufzuziehen. Natürlich ist hier etwas Eingewöhnung erforderlich, dennoch ist das mit nur wenig Übung gut zu schaffen.

Klitzekleiner Makel: Alleingänge aufs Tor führen fast nie zu Toren, hier sind schnelle Passstafetten und Direktabnahmen erfolgsversprechender. Weitschüsse führen aber erfreulicherweise auch zu Toren.

Steuerung 9,5/10

Grafik & Sound
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Für einen der frühen Next-Gen-Titel sieht das Spiel richtig gut aus. Die Bewegungen, Schüsse, Bodychecks und diversen weiteren Animationen sehen sehr gelungen aus und sorgen dafür, dass sich die Atmosphäre auf dem Eis sofort ins heimische Wohnzimmer überträgt. Zwar hätte man sich beizeiten etwas ausgefeiltere Spielergesichter gewünscht, diese wirken sehr grobschlächtig und ähnlich. Und auch die Tribünen samt Zuschauern sind etwas lieblos, aber davon wird der Spieler bedingt durch die Rasanz auf dem Spielfeld nur wenig mitbekommen. Die Menüs sind dynamisch in einer an das gewählte Team angepassten Farbkombination gestaltet worden. Hier wurde der Eintönigkeit vorgebeugt.

Diverse Musiktitel aus dem Bereich der Rockmusik sorgen für akustische Ausrufezeichen. Zwar sind hier nicht die großen Bands vertreten, aber Liebhaber des Indie-Rock kommen auf ihre Kosten. Auch der Kommentar ist professionell. Vorbei die Zeiten eines: "Goal by #59, Assists by #14 and #6." Der Kommentator kennt zumindest die wichtigsten und meisten Spielernamen und passt sich erstaunlich schnell den Spielsituationen an.

Grafik 7/10
Sound 8/10

Wiederspielbarkeit & Sonstiges
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Eins vorweg: 'NHL 2K7' hat die Originallizenzen aller NHL-Teams, sowie aller Nationalspieler, die in der NHL vertreten sind. Die bereits aus der Pro Evolution-Reihe bekannten Namensdreher finden sich daher auch bei Spielern außerhalb dieser Liga, bspw. beim deutschen Team. Wer kein absoluter Eishockey-Freak ist, dem dürfte das dicke genügen.

Mit der Wiederspielbarkeit ist es im Singleplayer so eine Sache. Vielleicht bin ich auch nicht Eishockey-Fan genug, um eine ganze Saison (80 Matches + Play-Offs) durchzustehen, dennoch ist der Titel handwerklich, von der Bedienbarkeit und der Herausforderung in höheren Schwierigkeitsgraden so gut, dass Fans insbesondere im Franchise-Modus auf ihre Kosten kommen. Hier kann man sich nämlich auch als Manager betätigen, Spielertransfers abwickeln, ein Training einstellen und Rookies nachziehen. Sie bekommen also hier fast schon eine halbe Manager-Simulation dazu. Über den MP brauchen wir gar nicht diskutieren: Rasant, mit garantierten Lachern und guter Stimmung.

Lizenzen 8/10
Wiederspielbarkeit SP 6,5/10 (Echte Fans geben hier 2 Punkte drauf)
Wiederspielbarkeit MP 10/10

Fazit
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Der Schuss ins Blaue erwies sich im Nachhinein als Volltreffer. Im Moment ist 'NHL 2K7' einer der günstigsten Titel überhaupt für die PS3 und besitzt insbesondere im MP eine extrem lange Halbwertszeit. Bei dem Preis sollte jeder PS3-Inhaber mit gelegentlichen Freundesbesuchen diesen überraschend guten Titel in seiner Sammlung haben.

8/10


Vandenberg oder als die Russen Amerika besetzten.
Vandenberg oder als die Russen Amerika besetzten.
von Oliver Lange
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Partisanen-Roman par excellence, 8. Oktober 2008
Es dürfte sehr schwer werden, an weitere exzellente Romane von Oliver Lange nach "Vandenberg" zu kommen. Es ist schlichtweg bis auf dieses Meisterstück einer Alternativwelt zumindest in deutscher Sprache fast nichts verlegt worden. Ein Grund mehr, seine Aufmerksamkeit auf dieses kuriose Stück Literatur zu richten, welches zwar in der Heyne Bibliothek der SF-Literatur erschien, dennoch nicht so richtig in ein Genre passen will.

Es gelingt der UdSSR, die USA in einem unblutigen Coup d'Etat zu übernehmen. Offenbar war dieses Unternehmen von langer Hand geplant worden und eine gezielte Infiltration an höchsten Stellen vorgenommen worden. Das neue Leben unter der Okkupation wird exemplarisch an dem eigenbrötlerischen Künstler Vandenberg aufgezeigt. Schon vor dem Putsch hatte dieser sich von der Welt zurückgezogen, doch auch unter dem neuen Regime passt er den Mächtigen nicht in den Kram. Aufgrund nicht ernstgemeinter Aussagen über ein Anschlag in betrunkenem Zustand in einer Bar Jahre zuvor wird er von den Sowjets aufgegriffen und in ein Umerziehungslager gesteckt, aus diesem er schließlich entkommen kann. Er lebt von nun an versteckt in einem ausgedehnten Waldgebiet und will die seltsam lethargische Bevölkerung zumindest aufrütteln. Er plant zusammen mit anderen gescheiterten Existenzen eine Befreiungsaktion.

Der Roman ist hervorragend konstruiert und aufgeteilt worden. Im ersten Kapitel lernt der Leser die Hauptfigur als Trapper im Wald- und Berggebiet kennen und erst durch die Tagebucheinträge der Figur wird deutlich, warum sie sich in dieser Situation befindet. Nach diesem Einstieg kommt der Clou des Romans. Vandenbergs Aufenthalt in dem Umerziehungslager. Nicht die Methoden der Sowjets erscheinen so erschreckend, sondern viel mehr die Lethargie und Resignation der Insassen, die auch weite Teile der Bevölkerung ergriffen hat. Immer wieder wird die glaubhafte These aufgeworfen, ob die US-Bürger sich nicht zwischen mehreren Lebenswegen entscheiden wollen, sondern den bequemen Weg wählen. Nach dem grandiosen Lagerkapitel und der Flucht, mündet "Vandenberg" schließlich in ein großes Finale. Den minutiös festgehaltenen Angriff einer versprengten, schlecht ausgerüsteten und dennoch wirkungsvollen Gruppe von Partisanen samt eines furiosen Endes.

Fazit
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Natürlich stechen hier und dort einige Logiklöcher hervor, etwa die Frage wie ein Einzelner dem Zugriff einer ganzen Armee entkommen kann, aber dennoch gehört "Vandenberg" für mich zu den mit Abstand besten Romanen einer alternativen Realität. Die Figur selbst ist herrlich zwiegespalten zwischen seinen Rollen als Vater, Egozentriker und Rebell und der Roman ist nicht nur unglaublich spannend zu lesen, er stimmt auch nachdenklich. Klare 5 Sterne!


Die Triffids
Die Triffids
von Inge Seelig
  Gebundene Ausgabe

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Endzeit SF, 8. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Triffids (Gebundene Ausgabe)
Auf den amerikanischen SF-Autor John Wyndham bin ich gestoßen, als mir ein völlig unscheinbares Exemplar seines Romans "The Crysalids" in die Hände fiel. Ich konnte es kaum aus den Händen legen und so forschte ich nach weiteren bekannten Werken des Autors und gelangte an "Die Triffids" aus dem Jahre 1951.

Diese Triffids sind eine neue Züchtung, liefern ein hochwertiges Öl und dafür nimmt man gerne in Kauf, dass diese wandelnden Giftspritzer bevorzugt Menschen meucheln. Bill Masen kennt die Triffids sehr genau. Der Biologe liegt nach einer Triffidattacke im Krankenhaus. Als er erwacht, muss er mit Schrecken feststellen, dass der überwiegende Teil der Menschheit erblindet ist und hilflos durch die Straßen Londons irrt. Es gibt keine Regierung mehr, die Menschen fallen in primitivste Zustände zurück und in gleichem Maße wie Menschen von Blindheit und Seuchen dahingerafft werden, vermehren sich die Triffids unaufhaltsam. Die Pflanzen scheinen eine kollektive Intelligenz zu besitzen und für Bill beginnt eine Odyssee durch das verwaisende England.

Dieser Roman ist zweifellos ein Kind seiner Zeit. Der beginnende kalte Krieg zieht in Form einer gigantischen Aufrüstung durch auf Satelliten montierte ABC-Waffen in der Umlaufbahn der Erde (wohl der Grund für die Erblindung?) in den Roman ein. "Die Triffids" ist dabei immer so gut geschrieben, dass Beklemmung und Faszination eng beieinander liegen. Geradezu imminent drängen sich Bilder dieser Schreckensvision im Leser auf und auch wenn das Buch heute wohl nicht mehr so viel Angst wie zum Zeitpunkt seines Entstehens verbreitet, gehört der Roman zu den Klassikern der modernen SF.

Warum also nur 4 Sterne? Ich gestehe, dass das Buch bei etwa 2/3 etwas an Fahrt verliert. In dem Moment, in dem Bill mit wenigen anderen versprengten Flüchtlingen in einem Landhaus Zuflucht sucht und eine regelrechte Belagerung durch die Triffids beginnt, ist die Luft leider raus, denn hier fällt paradoxerweise der Spannungsbogen und auch die urbanen Katastrophen-Szenarien fehlen.

Fazit
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"Die Triffids" sind ein Klassiker der Endzeit-SF und wurden zu Recht neu aufgelegt. John Wyndham lesen, heißt eine der besten SF des 20. Jahrhundert zu lesen und "Die Triffids" gehören mit zum Besten und Bekanntesten des Autors. Nicht mein persönlicher Favorit (das sind "The Chrysalids"), da das Buch etwas abrupt und unvermittelt endet und der Spannungsbogen nicht das tolle Anfangsniveau halten kann, dennoch eine klare Leseempfehlung!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2015 11:18 AM CET


Das dritte Ohr
Das dritte Ohr
von Curt Siodmak
  Broschiert

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Psi Science-Ficiton, 23. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Das dritte Ohr (Broschiert)
Der 1902 in Dresden geborene Wissenschaftler und SF-Autor Curt Siodmak ließ sich nach dem Exil aus Deutschland in den USA zum Geheimagenten ausbilden. In seinem Roman 'Das dritte Ohr' aus dem Jahre 1971 weht ein Hauch dieser Spionage-Romantik und verknüpft diese mit Paranoia und einer neuartigen PSi-Fähigkeit zu einem außergewöhnlichen SF-Roman über die Entdeckung einer chemischen Substanz, die die bestehenden gesellschaftlichen Zustände für immer verändern wird...

Dr. David Bolt, ein Biochemiker aus den USA erforscht Hypnose- und Trancezustände und versucht bei diesen Prozessen entstehende chemische Substanzen zu Tage zu fördern. Bei seinen Forschungen entdeckt er per Zufall ein Derivat, welches in die Lage versetzt, die Gedanken der Menschen zu "hören". Ihm ist wohl bewusst, dass diese Entdeckung verheerende Auswirkungen haben kann, einfach weil die Menschheit für diesen 6. Sinn noch nicht bereit ist. Noch in den USA hat Bolt das Gefühl, beschattet zu werden und lässt sich eine Austauschstelle in Hamburg geben, doch die Zwischenfälle reißen nicht ab. Noch vor der Ankunft in Deutschland wird versucht, das Flugzeug entführen, Bolt entdeckt Mikrofone in seiner Wohnung und so gerät der Wissenschaftler immer mehr in ein Mächtespiel unterschiedlicher Geheimdienste und Multinationalen, die die Substanz 232 unter ihre Kontrolle bringen wollen.

'Das dritte Ohr' ist ein Beispiel dafür, wie intelligent und wie spannend man einen guten SF-Roman mit einfachsten Mitteln und Handlungssträngen weben kann. Natürlich hat man die Stilelemente und Kniffe alle schon mal gesehen und gelesen und dennoch entwickelt sich eine faszinierende Geschichte, die das Augenmerk auch auf die Verantwortung richtet, die eine solche Entdeckung mit sich bringt und hier hebt sich Siodmak erfreulicherweise von der Standard-Spionage-Literatur ab und liefert zum Schluss einen Ausblick darauf, was passieren könnte, geräte die chemische Substanz tatsächlich in die falschen Hände.

Fazit
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Curt Siodmaks Roman ist einer der besten der Heyne Bibliothek der Science Fiction Literatur und alle Liebhaber niveauvoller SF kommen an diesem Buch nicht herum. Klare Empfehlung!


Die seltsame Geschichte des Mr. C
Die seltsame Geschichte des Mr. C
von Richard Matheson
  Broschiert

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mensch vs. Spinne, 23. September 2008
Sie haben sicher von einem frühen Klassiker des SF-Films gehört oder ihn sogar vor einigen Jahren im Spätprogramm gesehen. Die Rede ist von Jack Arnolds 'The Incredible Shrinking Man' aus dem Jahre 1957, in dem ein Mann unerbittlich Woche für Woche schrumpft bis schließlich seine eigene Tochter, seine Katze und sogar schwarze Witwen sein Leben bedrohen. Dieser Klassiker beruht auf Richard Mathesons Vorlage 'The Shrinking Man', die als 'Die seltsame Geschichte des Mr. C' Aufnahme in die Heyne Bibliothek der SF gefunden hat.

Ich muss zugeben, der Beginn des rund 250 Seiten starken Romans ist extrem kurzweilig. Als Einstieg fungiert hier eine atemberaubende Verfolgungsjagd zwischen einer Spinne und dem geschrumpften Mann in den Gewölben des eigenen Hauskellers. Matheson versteht es genau, Alltagsobjekte als unüberwindbare Hindernisse aus einer extremen Froschperspektive heraus zu beschreiben. Leider ist der Roman nicht immer so stark, wie zu Beginn. Immer öfter erscheint Mr. C als "MacGyver", der Ideen- und Einfallsreichtum beweisen muss, um solch elementare Bedürfnisse wie Durst, Hunger und Kleidung zu befriedigen. Wenn man 18 mm groß ist, ein ganz schönes Kopfzerbrechen. Kein Thema, diese Fragen gehören zu den zentralen Existenznöten der Figur dazu. Nur wiederholt es sich sehr oft und seitenlange und haarkleine Vorgangsweisen ermüden den Leser merklich.

Der Roman ist dahingehend konstruiert, dass sich immer ein aktueller Abschnitt (im Keller) mit der Geschichte des Schrumpfprozesses abwechselt. Hilflose Ärzte, das Scheitern erst der Sexualität und dann der Ehe, das Hausen in einem Puppenhaus und die Angst vor der eigenen, gigantischen Tochter führen die Isolation der Hauptfigur auch glaubwürdig vor Augen. Weniger gelungen ist dagegen der extensive Part, in dem der kleiner werdende Mann voyeuristisch und sexuell frustriert dem Babysitter seiner Tochter nachstellt. Nicht nur deplatziert, sondern auch für den Handlungsverlauf vollkommen irrelevant.

Fazit
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'Die seltsame Geschichte des Mr. C' beginnt gut und kann den Spannungsbogen leider nicht durch den gesamten Roman weg halten. Zu viele Wiederholungen und eine fragwürdige Episode stehen der anfangs vorhandenen Spannung, einem guten Stil und einem glaubhaft sozialen Charakter des Prozesses gegenüber. Übrig bleibt ein solider Roman, dessen Verfilmung heutzutage wohl mehr Charme versprüht.


Angouleme. Bibliothek der Science Fiction Literatur 18.
Angouleme. Bibliothek der Science Fiction Literatur 18.
von Thomas M. Disch
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zum Teil unlesbar, 17. September 2008
Thomas Disch hat in seiner Novelle 'Angoulême' eine Collage des New York im Jahre 2025 gezeichnet und es erscheint schon merkwürdig, dass in der deutschen Übersetzung nicht einfach der Titel des Originals '334' beibehalten wurde. 334 ist die Nummer des Wohnblocks, in dem die Figuren leben, um die der Autor ein Handlungs- und Beziehungsgeflecht webt, welches so engmaschig und verwirrend ist, dass der Leser in höchster Anspannung verbleiben muss, um die Geschichten in den richtigen Kontext setzen zu können.

Eins haben die Schicksale der Figuren alle gemein: Sie scheitern angesichts erschreckender sozialer und gesellschaftlicher Umstände oder müssen wie in der Erzählung 'Emanzipation' ihre Individualität und ihr Geschlecht wechseln, um die Umstände zu meistern. Die Novelle besteht aus 5 Büchern, die jeweils eine eigenständige Geschichte erzählen und auch überzeugen können. Besonders das Schicksal (Tod des Sokrates) eines jungen Mannes, der wegen einer Diabetes-Erkrankung seines Vaters im Punkte-System abrutscht, dadurch die Erlaubnis verliert, Kinder haben zu können und an den Folgeprüfungen scheitert ist ein sehr guter Beginn.
In der Folge werden die Erzählungen immer schwächer. In der zweiten Erzählung 'Leichen' schafft es Disch ein letztes Mal den Leser in den Bann New Yorks im Jahre 2025 zu ziehen.

Dann baut die Novelle ab. Die Figurenkonstellation wird allzu unübersichtlich, die Erzählungen fesseln nicht mehr so und dann kommt das 6. Buch. Es besteht eigentlich über 160 Seiten hinweg nur aus wild durcheinander gewürfelten Episoden aus dem Leben dreier Personen, die zwar zuvor in den Erzählungen vorkamen, jedoch nur als Randfiguren in Erscheinung getreten sind.

Fazit
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Diese nicht stringenten Kurzepisoden, von denen keine länger als 3 Seiten ist, geben 'Angoulême' den Rest. Ich habe die Novelle sogar von neuem begonnen zu lesen und wurde dennoch von dem puzzlehaften 6. Buch entnervt. Als dunkle Sozialutopie kann das Buch nur in den ersten beiden Geschichten auftrumpfen. Diese sind lesenswert, der Rest in Ordnung und die zweite Hälfte des Buchs ist schlicht unlesbar.


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