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Beiträge von Andreas Schröter
Top-Rezensenten Rang: 934
Hilfreiche Bewertungen: 901
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Rezensionen verfasst von Andreas Schröter "Andreas Schröter" (Dortmund)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Witziger Parforce-Ritt durch die Genfer Finanzwelt, 22. Mai 2013
Die Finanzwelt Genfs nimmt ein wunderbarer Roman mit einem genauso wunderbaren Titel aufs Korn: „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“ von Christoph Höhtker. Frank arbeitet in der PR-Abteilung einer Broker-Firma, und er interessiert sich nicht die Bohne für seinen Job, weiß nicht mal genau, was er dort eigentlich zu tun hat – etwas, das er mit seinem versoffenen Vorgesetzten gemein hat. Stattdessen interessiert sich Frank mehr für die Reize der japanischen Kellnerin Mari und ihrer Drogen sowie für seine überirdisch schöne Kollegin Céline. Und dann gibt’s natürlich auch noch Frauke und Marion … Das Debüt des 1967 in Bielefeld geborenen Autors, der heute in Genf lebt, ist ein greller und unglaublich witziger Parforce-Ritt durch ein paar drogenumwölkte Tage im Leben eines Mannes, der durch den absurden Plan seines Chefs, einen Journalisten der Neuen Zürcher Zeitung zu bestechen, in weitere Turbulenzen gestoßen wird. Zugleich ist der Roman natürlich eine Kritik an den zum Teil sinnentleerten Welten der Finanzbranche und ihrer Protagonisten, denen der Schein weitaus wichtiger ist als das Sein. Aber wer braucht schon Tiefsinn, wenn er Humor vom Allerfeinsten hat?!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die großen Dramen dieser Welt, 5. Mai 2013
Um diesen Roman rankt sich eine (verkaufsfördernde?) Legende: Der große portugiesische Schriftsteller und Nobelpreisträger José Saramago (1922-2010) soll ihn schon 1953 geschrieben haben. Doch die Verlage wollten ihn nicht herausbringen, und später galt er gar als verschollen. Als das Manuskript 1999 wieder auftauchte, lehnte Saramago selbst die Veröffentlichung ab, obwohl es jetzt interessierte Verlage gab. Womöglich saß die Kränkung, die er über 40 Jahre zuvor mit diesem Text erlitten hatte, immer noch zu tief. Nun, drei Jahre nach dem Tod des Autors, ist „Claraboia oder wo das Licht einfällt“ doch noch auch auf Deutsch erschienen. Und das ist gut so, denn es handelt sich um einen außerordentlich starken Roman. Aber man bekommt auch eine Ahnung, warum er in einem Portugal der 50er-Jahre noch auf Ablehnung stieß, kommen doch Themen wie lesbische Liebe oder Vergewaltigung in der Ehe vor, für die die Zeit damals möglicherweise noch nicht reif war. José Saramago wählt ein Mietshaus in Lissabon als Schauplatz für seinen Text. Er schaut in die verschiedenen Wohnungen und lässt den Leser an den Dramen teilhaben, die sich hinter den Türen abspielen. Da gibt es das Paar, das eine vollkommen zerrüttete Ehe führt. Die Frau tyrannisiert den Mann, und beide buhlen um die Liebe des gemeinsamen Sohnes. Oder ein anderes Ehepaar, das sich nur selten sieht, weil er Nachtschicht hat. Sie ist depressiv. Ein Vater in einer dritten Wohnung ist um den guten Ruf der Tochter besorgt, merkt dabei aber gar nicht, dass er dabei ist, sie mit einem alten Lüstling zu verkuppeln. Um nur einige Beispiele zu nennen. Es ist erstaunlich, wie allgemeingültig diese Themen sind: Was sich vor 60 Jahren fiktiv in einem Lissaboner Mietshaus abspielte, könnte sich auch heute überall auf der Welt in der Realität genauso, wie von Saramago beschrieben, zutragen. Und das ist ein Merkmal von großer Literatur.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Zu viele Themen für ein dünnes Büchlein, 24. April 2013
Ein Meisterwerk der Mechanik, ein künstlicher Schwan, steht im Mittelpunkt eines Romans des 1943 geborenen australischen Autors Peter Carey. Die Konservatorin Catherine, die in einem Londoner Museum arbeitet, erhält den Auftrag, jenen Schwan, der ihr in Einzelteilen geliefert wird, zu restaurieren. Gleichzeitig ist sie in tiefer Trauer um ihren Geliebten, der kurz zuvor gestorben ist. Eine zweite Handlungsebene spielt über 100 Jahre früher im Schwarzwald, wo der Schwan von einem exzentrischen Uhrmacher hergestellt wird. Ein Engländer gibt ihn als Geschenk für seinen kranken Sohn in Auftrag. Der Roman hat Schwächen: Spätestens als sich eine dritte Handlungsebene auftut, die die Vorgeschichte des Schwarzwälder Uhrmachers behandelt, ist man als Leser kurz davor auszusteigen. Man muss sich arg konzentrieren, um genau zu wissen, wo man sich gerade befindet. Auch hat es den Anschein, als habe der Autor einfach zu viele Themen in ein schmales Büchlein gepackt – Themen vor allem, die kaum zusammen passen. Zudem fällt es schwer, für eine der Figuren Sympathie zu empfinden.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Vielschichtig und schwarzhumorig, 22. April 2013
Eine gelungene Mischung aus Tiefsinn und schwarzem Humor legt der britische Autor David Baddiel mit seinem vierten Roman „Halb so wild“ vor. Der berühmteste Schriftsteller der Welt, Eli Gold, liegt in einem New Yorker Krankenhaus im Sterben. Weil er fünf Mal verheiratet war, hat er eine weitläufige Verwandtschaft. Da ist zum Beispiel Elis 44-jähriger Sohn Harvey aus der dritten Ehe, der im langen Schatten seines berühmten Vaters aufgewachsen ist und an Depressionen leidet. Er fliegt von London in die USA, um seinen Vater zu besuchen. Oder Harveys erst achtjährige Halbschwester Colette aus der fünften Ehe. Sie wacht mit Mutter Freda über den Koma-Patienten. Auch Violet, Elis erste Ehefrau, erfährt im Altenheim über den Zustand ihres Exmanns und nimmt auf ihre Weise Anteil an seinem Schicksal. Und dann gibt’s noch einen fundamentalistischen Mormomen, der den Tod seiner Schwester rächen will, Elis vierter Ehefrau. Mit ihr hatte der Schriftsteller einen Doppelselbstmord geplant, bei dem jedoch nur die Frau starb. Es bleibt offen, ob Eli nicht vielleicht sogar genau diesen Ablauf vorgesehen hatte. „Halb so wild“ erzählt abwechselnd aus den Perspektiven dieser Figuren. Es ist erstaunlich, wie gut sich Baddiel in die Denkweisen der so unterschiedlichen Charaktere einfühlen kann. Nach und nach entsteht ein wenig schmeichelhaftes Bild eines egoistischen Mannes, der mit einer Frau nur so lange zusammenleben kann, wie sie körperlich attraktiv ist. Kleiner Gag: Ausgerechnet Bill Clinton und Philip Roth besuchen den Sterbenden – zwei Männer also, deren Verhältnis zu Frauen ebenfalls in einem eher zweifelhaften Ruf steht. Doch der Roman geht weit über die Beziehungen von Mann und Frau hinaus. Altern ist ein weiteres Thema. Auch zeigt er etwa, wie sich ein Sohn nach und nach aus dem Schatten seines Vaters befreit und am Ende sogar in gewisser Weise über ihn hinauswächst. Insgesamt ein richtig gutes und vielschichtiges Buch.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Des Guten ein bisschen zu viel - aber immer noch schön, 8. April 2013
Glen Duncans Werwolf-Saga im S. Fischer-Verlag geht weiter: Nach dem 2012 erschienenen Roman „Der letzte Werwolf“ gibt’s nun – allerdings nur noch als Taschenbuch – die Fortsetzung: „Bad Moon Rising“. Die schwangere Tallula Demetriou hat das Pech, dass ihre Fruchtblase in einer Vollmondnacht platzt. Denn in diesen Nächten alle vier Wochen verwandelt sie sich in eine Werwölfin. Und eigentlich wollte sie in dieser speziellen Nacht in einem abgelegenen Blockhaus doch in Ruhe die zuvor gefangen genommene Kaytlin verspeisen. Tallulas Vampirfeinde nutzen ihre Schwäche eiskalt aus und greifen sie ausgerechnet in jener Situation an, als sie ihren soeben geborenen Sohn Lorcan in den Klauen hält … Wie „Der letzte Werwolf“ ist auch „Bad Moon Rising“ ein ausgesprochen intelligenter Horror-Roman mit einem guten Schuss Erotik und mit philosophischen Überlegungen, die man in den Werken des Genres nur sehr selten findet. Und doch erreicht das Buch nicht ganz die Klasse des Vorgängers. Als hätte der 1965 geborene englische Autor Angst, noch nicht genug Schrecken verbreitet zu haben, gibt es immer noch mehr Werwölfe, Vampire und aussichtslose Situationen, aus denen sich die Heldin befreien muss. Insgesamt wirkt die Handlung verworrener und nicht so stringent wie beim Vorgänger. Auch kommt eine Vielzahl von Figuren vor, deren Namen man sich kaum merken kann. Dennoch bleibt „Bad Moon Rising“ insgesamt immer noch ein überdurchschnittlich guter Werwolf-Roman. Noch ein Wort zum Titel: Warum der Fischer-Taschenbuch-Verlag den englischen Titel „Tallula Rising“ in Deutschland mit einem ebenfalls englischen Titel „übersetzt“ hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. In England ist übrigens bereits der nächste Roman aus der Tastatur Glen Duncans angekündigt: „By Blood We Live“. Hoffen wir, dass sich auch in Deutschland wieder ein Verlag dafür findet – und sei es nur als Taschenbuch.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Unterhaltungsroman mit einem guten Schuss Erotik, 4. April 2013
Felix Krull lässt grüßen. An Thomas Manns Hochstapler erinnert die Titelfigur in Richard Masons Roman „Die geheimen Talente des Piet Barol“. Gesegnet mit Schönheit, Eleganz, Charme und Gewandtheit tritt jener Piet Barol, Mitte 20, im Jahre 1907 die Stelle eines Hauslehrers in einem der besten Amsterdamer Häuser an. Männer wie Frauen verfallen ihm, doch er ist nur der feinen Damen des Hauses, Jacobina, sexuell zu Diensten. Aber Piet Barol hat noch mehr Talente. Nach und nach gewinnt er das Vertrauen des Jungen Egbert, dessen Lehrer er ist und der wegen einer psychischen Störung das Haus nicht verlassen will. Im zweiten, kürzeren Teil des Buches begleiten wir Piet Barol auf einer Schiffsreise nach Kapstadt, wo er sein Glück machen will. Natürlich findet er auch an Bord des Luxusschiffes „Eugénie“ zahlreiche Verehrerinnen und Verehrer ... Wer leicht ins Märchenhafte spielende Bücher mit einem guten Schuss Erotik und jeder Menge Luxus aus der Belle Époque mag, für den ist die „Die geheimen Talente des Piet Barol“ ein guter Lesetipp. Sicher, irgendwann wird es etwas ermüdend, dass Piet Barol nie in ernsthafte Schwierigkeiten gerät. Immer retten ihn sein Aussehen und seine guten Manieren aus allen heiklen Situationen. Auch hätte dem Roman sicher etwas mehr Tiefgang gut getan. Aber für gut 300 Seiten unterhaltsame Feierabendlektüre ist das okay.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Große Gefühle, 1. April 2013
Wenn er richtig gut geschrieben ist, dann kann man zwischendurch auch mal einen ganz leicht schnulzigen Liebesroman lesen. Wer dem zustimmen kann, dem sei „Schöne Ruinen“ von Jess Walter empfohlen. Die Handlung beginnt im Jahre 1962, als eine amerikanische Filmschauspielerin in einem winzigkleinen Kaff an der ligurischen Küste strandet, das nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist. Der Besitzer des einzigen Hotels am Ort, Pasquale, verliebt sich Hals über Kopf in die blonde Schönheit, die direkt vom Cleopatra-Dreh in Rom mit Liz Taylor und Richard Burton kommt. Obwohl sie schnell wieder weg ist, wird Pasquale sie in den nächsten 50 Jahren nie vergessen. Werden die beiden sich wiedersehen? Klingt kitschig. Ist es auch. Und trotzdem ist „Schöne Ruinen“ kein Ärgernis, sondern macht richtig Spaß. Der amerikanische Autor Jess Walter, geboren 1965, beweist in vielen kleinen Nebenhandlungen sein enormes Erzähltalent. So kommt ein Autor mit Schreibblockade vor, dem nur eine einzige Kurzgeschichte gelingt, in der er gekonnt die verunglückte Beziehung eines amerikanischen Soldaten zu einer italienischen Dorfschönheit beschreibt. Oder ein Drehbuchschreiber, der einen Film über die Donner-Party in einem Filmstudio unterbringen will. Die Donner-Party ist eine Legende der amerikanischen Geschichte: Siedler im Jahre 1846 sollen den Winter nur durch Kannibalismus überstanden haben. Weitere Figuren wie ein skrupelloser Filmboss, seine desillusionierte Assistentin, Richard Burton oder ein verkrachter Musiker tauchen auf und machen das Buch, dessen Handlung sich letztlich über 50 Jahre erstreckt, zu einer höchst abwechslungsreichen und kurzweiligen Lektüre. Roter Faden bleibt natürlich die wunderschöne Liebesgeschichte von Pasquale und der Schauspielerin.
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Klack: Roman
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von Klaus Modick Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 17,99 |
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4.0 von 5 Sternen
Erinnerungen an den Beginn der 60er-Jahre, 29. März 2013
Markus gewinnt Anfang der 60er-Jahre auf der Kirmes einen kleinen Fotoapparat, mit dem er künftig wichtige und unwichtige Ereignisse in seinem Leben fotografiert. Jedes dieser leider nur beschriebenen, aber im Buch nicht sichtbaren Fotos bildet die Grundlage für ein Kapitel in Klaus Modicks Roman „Klack“. Mit diesem Titel ist das Geräusch der auslösenden Kamera gemeint. Mit erstaunlich vielen Details – eine echte Fleißarbeit! – lässt der 1951 geborene Autor den Beginn der 60er-Jahre in einem norddeutschen Städtchen aufleben. Dazu gehören Schlager wie „Ramona“, die richtige Sektmarke („Kröver Nacktarsch“), oder Werbesprüche wie „HB – wer wird denn gleich in die Luft gehen“. Die Hamburger Flutkatastrophe ist genauso Thema wie die Kubakrise oder der Mauerbau in der DDR. Wer diese Jahre noch bewusst miterlebt hat, dürfte an diesem Buch seinen Spaß haben. Sein Hauptanliegen liegt nicht darin, eine bestimmte Geschichte zu erzählen, sondern eine Zeit, ein Lebensgefühl heraufzubeschwören. Die Kehrseite der Medaille: Die Handlung verkommt ein wenig zur Nebensache und wirkt austauschbar: Als eine italienische Familie ins Nachbarhaus zieht, verliebt sich Markus in Tochter Clarissa. Ihr Vater will im Städtchen die erste Eisdiele eröffnen. Doch Markus‘ Oma hat Vorurteile gegen Italiener und zieht zuerst einen Stacheldrahtzaun und später eine Mauer zwischen den beiden Grundstücken. Insgesamt ein harmloses, aber grundsympathisches Büchlein voller 50 Jahre alter Erinnerungen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Buch mit Wohlfühlfaktor, 25. März 2013
Als oscarprämierter Film mit Robert De Niro ist „Silver Linings“ bereits ein Superhit. Die literarische Vorlage dazu ist in Deutschland erst im März 2013 erschienen. Es handelt sich um eines jener Bücher, bei dem zwei Außenseiter im Mittelpunkt stehen. Und am Ende hat man den Eindruck, dass sie es sind, die zu den Dingen eine weitaus vernünftigere Ansicht haben als Otto Normalverbraucher. Vorgänger wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ lassen grüßen. Pat Peoples, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist, wird aus der Psychiatrie entlassen und versucht, in der Welt wieder Fuß zu fassen. Das tut er mit Krafttraining, Joggen und dem Besuch von Spielen des Footballclubs „The Eagles“. Sein wichtigstes Ziel ist, wieder Kontakt zu seine Frau Nikki aufzunehmen. Da lernt er Tiffany kennen, die ebenfalls in psychiatrischer Behandlung ist ... Dem 1976 geborenen Autor Matthew Quick gelingt mit seinem Debütroman ein grundsympathisches Buch, dessen Hauptcharakere man einfach lieben muss, so verschroben sie auch immer sind. Oder vielleicht liebt man sie gerade, weil sie so anders sind. „Silver Linings“ heißt übersetzt etwas wie „Silberstreif am Horizont“. Und das ist vielleicht die (typisch amerikanische?) Grundaussage: Ist die Lage auch noch so ernst – es gibt immer irgendwo einen Hoffnungsschimmer. Kein Wunder also, dass unser Held Pat mit den düsteren Werken von Hemingway oder Sylvia Plath nichts anfangen kann. Das kann man kitschig oder naiv finden, aber einen gewissen Wohlfühlfaktor kann man „Silver Linings“ nicht absprechen.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Gescheiterter erinnert an literarische Vorbilder, 7. März 2013
Alan Clay hat’s nicht leicht: Er weiß nicht, wie er die Studiengebühren seiner Tochter bezahlen soll, und sein Chef gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er nicht weiß, ob Alan noch der richtige Mann für ihn ist. Er soll König Abdullah von Saudi-Arabien eine neue IT-Technik, ein Hologramm, präsentieren. Doch auch in der Wüste gibt‘s Probleme: Die Stadt, in der Alan das Produkt vorführen soll – King Abdullah Economic City (KAEC) heißt sie –, gibt‘s bislang bis auf ganz wenige Gebäude nur auf dem Papier. Hinzu kommen ein wackeliges WLAN und die schiere Abwesenheit des Königs. Außerdem lässt sich Alans Hauptansprechpartner ständig verleugnen. Also besteht die Hauptaufgabe des kleinen Techniker-Teams aus Warten. Und das in glühender Hitze. Manchmal fühlt man sich dabei fast an „Warten auf Godot“ erinnert. Alan kommt mit der Situation schlecht zurecht. Es gelingt dem 1970 geborenen amerikanischen Autor Dave Eggers vortrefflich, in allen Stadien nachvollziehbar zu zeigen, wie Alans psychischer Zustand immer instabiler wird. Er flüchtet sich in Alkoholexzesse und fügt sich selbst Schmerzen zu. Auch die beginnende Freundschaft mit Yousef, einem Einheimischen, der ihn gelegentlich fährt, nimmt ein unrühmliches Ende. Oft erinnert Alan an die vielen anderen Gescheiterten und Getriebenen in der Literatur: Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“ zum Beispiel. Aber das Buch lässt sich auch als Kritik an einer Gesellschaft lesen, in der Vertreter der „Old Economy“ keine Chance mehr haben. Sie werden nicht nur sprichwörtlich in die Wüste geschickt. Und selbst dort haben sie keinen Erfolg, sondern werden nur an der Nase herumgeführt. Es macht Spaß, „Ein Hologramm für den König“ zu lesen, weil Alan als eine Art Jedermann ein hohes Identifikationspotenzial in sich trägt. Übrigens: King Abdullah Economic City (KAEC) gibt‘s wirklich. Und es ist in der Tat bisher nur eine Baustelle.
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