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Rezensionen verfasst von
Lilas lauschige Leseecke

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Lebe lieber übersinnlich - Flames 'n' Roses: Band 1
Lebe lieber übersinnlich - Flames 'n' Roses: Band 1
von Kiersten White
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

5.0 von 5 Sternen Lebe lieber übersinnlich, 6. Februar 2015
Story und Charaktere:

Die internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler, kurz IBKP, hat eine sehr wertvolle „Angestellte“. Ihr Name ist Evie, sie ist 16 Jahre alt und macht mit ihrem pinken Glitzertaser „Tasey“Jagd auf nicht registrierte Paranormale. Ihre besondere Fähigkeit ist es, hinter die Fassaden von Vampiren, Werwölfen etc. zu blicken und genau zu erkennen, mit wem oder was sie es zu tun hat. Vor ihr kann sich kein Paranormaler hinter einer menschlichen Hülle verbergen.
Macht sie diese Fähigkeit also weniger menschlich und mehr paranormal? Als sie den zauberhaften Gestaltwandler Lend bei einem Überfall auf die IBKP festnimmt und ihn während seiner Gefangenschaft näher kennenlernt, muss sie sich dieser Frage stellen. Warum muss sie in der Zentrale leben? Warum kann sie nicht einfach „kündigen“? Warum kann sie nicht normal zur Schule gehen, ein Date haben und einen eigenen Spind?
Als immer mehr Paranormale angegriffen und getötet werden, eine dunkle Prophezeiung auftaucht und plötzlich niemand mehr bei der IBKP sicher ist, flieht Evie mit Lend. Dort lernt sie das Leben von einer anderen Seite kennen, ohne den Kampf gegen das gefährliche Paranormale aufgeben zu müssen. Ein rasantes Abenteuer nimmt seinen Lauf, das viel Unerwartetes und Gefährliches bereithält.

Die 16jährige Evie ist die Hauptcharakterin des Buches. Mit ihr habe ich von Anfang an sympathisiert. Mit ihrer vorlauten, humorvollen und lebendigen Art, muss man sie einfach sofort mögen. Sie hat in jeder Situation einen flotten Spruch auf den Lippen, setzt gerne ihren eigenen Kopf durch und ist immer wieder vollpubertierender Teenager. Eine breite Palette an Charaktereigenschaften, die wirklich Spaß macht.
Seit ihrem 8. Lebensjahr ist sie bei der IBKP, wo sie Dienste als Jägerin von Paranormalen ausübt. Immer mit dabei ist ihr strassbesetzter, glitzernder, rosa Taser „Tasey“, der ihr diese Arbeit erleichtert. Hier wird also ordentlich mit Vampirjägerklischees aufgeräumt.
Obwohl sie diesen harten Job ausübt, ist Evie trotzdem total Mädchen. Sie liebt Rosa, Shopping und die Jugendserie Easton Heights. Sie hat ganz normale Mädchenträume und -wünsche. Sie will ein echtes Date, ein normales Leben, einen eigenen Spind. Sie will sich verlieben und einfach ein Teenager sein.
Als Lend in ihrem Leben auftaucht, ändert sich alles um sie herum schlagartig. Ihre ganze bisherige Weltsicht wird auf den Kopf gestellt. Ihr Leben bekommt eine neue Bedeutung, die IBKP wirkt plötzlich wie ein Gefängnis. Evie bricht aus alten Gewohnheiten aus, setzt sich durch und fängt ein neues Leben an.

Lend ist ein Gestaltwandler. Er kann jede beliebige äußerliche Form annehmen und mimt dabei am liebsten junge attraktive Männer. Evie kann jedoch durch seine Fassade blicken und sieht, dass er das eigentlich gar nicht nötig hat. Leider jedoch, soll Evie zu Lend eigentlich keinen Kontakt haben. Sie hat ihn bei einem Überfall auf die IBKP festgenommen, kann sich ihm aber nicht entziehen. Er hingegen freut sich über ihre Besuche. Da beide ungefähr gleichaltrig sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen.
Lend hat eine sehr ruhige, charmante Art, die ihn ebenfalls zu einem Charakter macht, den man einfach mögen muss.

Ganz anders sieht dies bei Reth aus. Er ist eine Fee und etwas wie der Ex-Freund von Evie. Er ist absolut besessen von ihr und ist der Meinung, dass sie ihm gehören sollte. Insgesamt sind die Feen keine netten Lebewesen. Sie halten sich für Überwesen, sind extrem arrogant und stehen nur sehr widerwillig im Dienst der IBKP, die sie zu diesem Dasein gezwungen hat. Es ist natürlich auch sehr praktisch auf Feenpfaden zu reisen und immer jemanden herbeirufen zu können, wenn man in Schwierigkeiten steckt. Dass allerdings die Feen selbst auch Schwierigkeiten bedeuten, kehrt man gerne mal unter den Teppich, bis es zu Situationen bekommt, die die Gefährlichkeit dieser unter Beweis stellen.

Raquel kann man wohl am besten als Evies Ersatzmutter bezeichnen. Sie ist die Chefin der IBKP und hat immer ein Auge auf Evie. Seit diese allerdings in der Pubertät ist, hat sie wenig passende Worte für sie, dafür aber um so mehr Seufzer, die weitaus mehr aussagen. Evie ist jedoch in der Lage diese immer genau richtig zu deuten. Raquel gehört zu denjenigen, die immer und immer und immer am arbeiten sind, sodass man sie relativ wenig zu Gesicht bekommt. Ihre Auftritte charakterisieren sie jedoch sehr schnell sehr genau, was für einiges Geschmunzel sorgt.

Natürlich tauchen noch viele andere Charaktere in diesem Buch auf. Auf diese werde ich jedoch nicht weiter eingehen. Bemerkenswert finde ich allerdings, wie gut jeder einzelne Charakter von der Autorin umrissen und gestaltet wurde. Man hat von jedem automatisch ein klares Bild im Kopf, auch, wenn ein Charakter nur ganz kurz auftaucht. Ein Pluspunkt, der das Buch noch lesenswerter gemacht hat.

Was mir besonders gefallen hat:

Nicht nur die Charaktere sind einfach rundum wunderbar gelungen, der flotte und spritzige, flüssige Schreibstil, zusammen mit dem tollen Sprachstil, tragen ebenfalls dazu bei, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Der Humor in diesem Buch ist ebenfalls etwas, was einfach erwähnt werden muss. Es gibt kaum eine Seite, auf der ich beim Lesen nicht schmunzeln musste. Dabei wirkt dieser Humor keinesfalls aufgesetzt. Dieser geht zum einen von den Charakteren aus, zum anderen von den Ideen der Autorin. Die Meerjungfrau Trish beispielsweise, die Evies beste Freundin ist, aber nur über ein monotones Übersetzungsprogramm mit ihr kommunizieren kann, sorgt dafür, dass die Lachmuskeln strapaziert werden. Das Übersetzungsprogramm übersetzt alle Schimpfwörter mit dem Wort „Piep“, sodass ab und an ganze Sätze nur aus diesem Wort zu bestehen scheinen. So wird das Gepiepe schnell zu einem Running-Gag.
Obwohl ein Jugendbuch, mit Teenieliebe und viel rosa Geglitzer, konnte mich die Story die ganze Zeit über begeistern. Ich musste mich geradezu zwingen, das Buch nicht zu verschlingen, sondern es ab und an auch mal zur Seite zu legen.
Die Mischung aus Spannung und Emotionen, die Vielschichtigkeit der Geschichte und seiner Charaktere haben dieses Buch für mich zu einem richtigen Lesehighlight gemacht.
Wer also lustige Teenagecharaktere, witzige Ideen und Jäger von Paranormalen mag, sollte sich auf keinen Fall vom pinken Cover abhalten lassen, das Buch in die Hand zu nehmen.

Gestaltung:

Die pinke Silhouette einer jungen Frau, die eine Rose in der Hand hält, einen kurzen Rock und Stiefel mit hohen Absätzen zu tragen scheint, passt perfekt zum Inhalt des Buches. Das Cover war für mich von Anfang an ein Hingucker.

Wertung:

Für mich ist dieses Buch eine absolut runde Sache. Die Autorin hat viel Kreativität bewiesen, mit einigen Klischees aufgeräumt, neue erschaffen und ihren Charakteren sehr viel Raum gegeben. Definitiv ein Lesehighlight schon am Anfang des Jahres. Ich vergebe klare 5 Lila-Lesesterne und eine Leseempfehlung.


Die Auserwählten - Im Labyrinth: Maze Runner 1 (Die Auserwählten - Maze Runner, Band 1)
Die Auserwählten - Im Labyrinth: Maze Runner 1 (Die Auserwählten - Maze Runner, Band 1)
von James Dashner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

2.0 von 5 Sternen Die Auserwählten - Im Labyrinth, 5. Februar 2015
Story und Charaktere:

Als Thomas aufwacht, weiß er weder, wo er sich befindet, noch wer er überhaupt ist. Umringt von Jungen verschiedener Altersgruppen, die seltsame Worte verwenden, muss er versuchen, zu verstehen, in was er da hineingeraten ist. Schon bald wird ihm klar, dass das hier kein Spiel ist. Von seltsamen Maschinenwesen gejagt, umringt von einem gigantischen Labyrinth, muss Thomas sich in das Leben auf der Lichtung eingewöhnen. Etwas, was gar nicht so einfach ist, dringt doch plötzlich durch, dass jemand ihn kennt. Und nicht nur das, noch jemand kommt auf die Lichtung – eine Person, mit der Thomas noch viel mehr verbindet, als ein paar Erinnerungen.

Thomas ist der Hauptcharakter des ersten Bandes um die Auserwählten. Ein passender Titel, denn nur ausgewählte Personen werden ohne Erinnerungsvermögen auf die Lichtung, inmitten eines gigantischen Labyrinthes geschickt, auf der auch Thomas sich wiederfindet. Von Anfang an hinterfragt er alles und versucht angestrengt, wieder an seine Erinnerungen zu gelangen. Er ist sehr neugierig und gerät dadurch immer wieder in Schwierigkeiten. Aus irgendeinem Grund möchten ihm die anderen Bewohner der Lichtung einfach keine Informationen zukommen lassen.
Thomas ist ein Charakter, der ziemlich genau weiß, was er will. Dabei setzt er immer alles aufs Spiel und wirkt dadurch ziemlich naiv. Er geht an alles ziemlich sachlich heran, wodurch die Naivität einen gewissen Ausgleich findet. Er ist nach außen immer sehr gefasst, obwohl er innerlich vor Angst manchmal am liebsten schreien würde. Dennoch lässt er zumeist seinen Kopf die Oberhand über seine Emotionen gewinnen und funktioniert einfach weiter. Schnell ist klar, dass er sich unter den ganzen Jungs am schnellsten weiterentwickelt. Durch sein Handeln und seine Fähigkeit klar über die Dinge nachzudenken, erhält er Führungsqualitäten ohne Führer zu sein. Als Neuer auf der Lichtung, hat er natürlich nichts zu sagen. Eine Tatsache, die ihm nicht schmeckt und gegen die er sich immer wieder wehrt. Er hat keine Lust, anderen unterwürfig zu sein und zieht deshalb meistens trotzdem sein eigenes Ding durch.

Chuck ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Thomas. Er war vor ihm „der Neue“ und heftet sich von Anfang an an Thomas Fersen. Ihn zeichnen weder Mut, noch Selbstbewusstsein aus, dafür aber absolute Loyalität gegenüber den Menschen, die er als seine Freunde bezeichnet. Chuck ist meistens sehr ängstlich und versucht sich so zu verhalten, dass er möglichst nicht auffällt. Erst durch Thomas lernt er andere Seiten an sich kennen, die er begeistert für das Gelingen von Thomas Vorstellungen einsetzt.

Über die anderen Jungen auf der Lichtung möchte ich nicht viel sagen. Wie auch Thomas, muss der Leser all die anderen Personen selbst kennenlernen. Mir persönlich fiel dies sehr schwer. Nach dem Lesen des Buches kann ich die anderen Jungs immer noch schlecht auseinanderhalten. Sie lassen sich schwer voneinander abgrenzen und wirken, als wären sie Statisten, die der Geschichte helfen sollen, voranzukommen. Das ist sehr schade, denn gute Charaktergestaltungen sind für ein Buch in meinen Augen immer schon die halbe Miete.
Durch die Art, wie aus Thomas Sicht alles sehr sachlich dargestellt wird, behält man auch als Leser somit eine gewisse Distanz bei, der die Schwammigkeit der Charaktere eventuell geschuldet ist. Einzig zu Chuck, mit seiner unerschütterlichen Treue und seinem Glauben an Thomas, baut man so etwas wie eine Beziehung auf.

Die Geschichte ist sehr interessant, wirft viele Fragen auf und hält am Ende wenig Antworten parat. Ich bin gespannt, ob diese in Band 2 geliefert werden.

Was mir besonders gefallen hat:

Mit diesem Buch hielt ich tatsächlich etwas „Anderes“ in der Hand, als ich mir vorgestellt oder bisher gelesen hatte. Der Schreibstil ist recht einfach, der Sprachstil sehr sachlich. Dadurch wird alles in einem Licht präsentiert, das bisher noch kein Buch aufgewiesen hat und mit dem der ein oder andere Leser sicherlich seine Probleme haben wird. Meine Probleme damit, werde ich später erläutern.
Die Beschreibung des Labyrinths und die der Gefahren, die dort lauern, machen das Ganze zu einem sehr beklemmenden Ort, an den man als Leser definitiv nie selbst gelangen möchte. Alles, was im Labyrinth passiert, wird sehr rasant beschrieben und lässt das Buch immer wieder zu einem Pageturner werden. Schade, dass es von diesen Situationen nicht so viele gibt, wie ich sie mir gewünscht hätte.
Auch gefallen hat mir, dass man als Leser keinerlei Zusatzinformationen bekommt. Man ist quasi immer auf demselben Stand wie Thomas und damit niemandem voraus. Durch das Fehlen von Informationen, ist man also gezwungen, bis zum Schluss durchzuhalten, sich mit Thomas durch die einzelnen Situationen zu beißen und kann natürlich hervorragend miträtseln, worum es letztlich denn nun geht.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Die Idee um das Labyrinth, die Auserwählten und alles was damit zusammenhängt, hat mir insgesamt sehr gut gefallen, an der Umsetzung hat es stellenweise jedoch arg gehapert. Nicht nur, dass die Tiefe der einzelnen Charaktere fehlte, auch das Zusammenleben und die Beschreibungen der Lichtung, wurden mehr als dürftig dargestellt. Von der Lichtung hatte ich bis zum Ende kein klares Bild, weder wie groß welcher Ort ist, wo genau auf der Lichtung er liegt oder wie das Gesamtbild aussieht. Hinzu kamen all die seltsamen Namen der einzelnen Gebäude, mit denen man zum Teil nichts anfangen konnte. Die Verwendung von Wörtern, die auf Worterfindungen basieren, fand ich ebenfalls sehr unschön, sorgten sie doch immer wieder dafür, dass man beim Lesen ins Stocken kam. Alle scheinen trotz Verlustes ihres Erinnerungsvermögens, immer noch prima die ganz normale Sprache zu beherrschen, trotzdem jedoch kommt es zu diesen Wortkreationen, deren Verwendung mir absolut unnötig erschien. Ob dies irgendwie besonders hip wirken sollte, weiß ich leider nicht, mich jedenfalls hat es sehr gestört.

Der langatmige Anfang war etwas, was mich fast dazu gebracht hat, das Buch wieder abzubrechen. Dadurch, dass Thomas tausende Fragen stellt, aber keinerlei Antworten bekommt und sich diese Situation mit jedem Lichter quasi wiederholt, fühlte ich mich schnell gelangweilt und genervt. Ich sehe auch bis zu diesem Zeitpunkt absolut keinen Sinn darin, warum Thomas keinerlei Informationen erhalten hat. Schließlich sitzen alle im selben Boot und alle sind irgendwann genauso verwirrt auf der Lichtung erschienen.
Mit „Langatmigkeit“ kennt sich der Autor definitiv aus, denn diese findet sich immer und immer wieder. Gerade wenn es um seitenlange Erläuterungen von Problemen geht, neigt man dazu, ein paar Seiten zu überblättern, damit es endlich weitergeht.
Sprachlich fallen vor allem die ganzen ständigen Wortwiederholungen auf, die den Sprachstil sehr abgehackt wirken ließen.

Was mir außerdem gefehlt hat, waren Emotionen. Obwohl diese immer wieder mal benannt werden, werden diese aber nicht gefühlt. Wenn man sich nur mal selbst kurz vorstellt, in was für einer Situation die Jungs stecken, was um sie herum passiert, dass immer wieder Lichter sterben etc. kann ich nicht nachvollziehen, wie alles so kalt sein kann.
Auch wenn es um sehr schlimme Situationen geht, die zum Teil sehr brutal sind, bleibt diese Kälte erhalten. Schade, ich hätte gerne mehr mitgefiebert.

Gestaltung:

Ein halber Kopf, ein kreidegezeichnetes Labyrinth und jede Menge blau – das ist das Cover dieses Buches. Sehr einfach, aber effektiv. Es bleibt nicht viel zu sagen, außer, dass es sehr passend ist.

Wertung:

Die Idee hinter diesem Buch hat mir sehr gut gefallen und mich überhaupt dazu gebracht, das Buch zu kaufen und lesen. Leider jedoch hat es viele Defizite im Bereich der Charaktergestaltung, der Beschreibung der Lage, dem Spiel mit Emotionen. Das Ganze ist so sachlich geschrieben, dass es dem ein oder anderen Leser sicher schwer fallen wird, bei der Stange zu bleiben. Ich hoffe sehr, dass sich der Autor im zweiten Band, vor allem was das Vermeiden von langatmigen Szenen betrifft, gesteigert hat und vergebe bis dahin 2,5 Lila-Lesesterne an den ersten Band.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2015 3:13 PM MEST


Zwischen Ewig und Jetzt: Roman
Zwischen Ewig und Jetzt: Roman
von Marie Lucas
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwischen Ewig und Jetzt, 4. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Zwischen Ewig und Jetzt: Roman (Taschenbuch)
Story und Charaktere:

Neue Stadt, neues Glück. Nachdem Julia herausgefunden hat, dass ihr Leben bisher auf einer Lüge basiert hat, kann sie sich mit ihrer neuen Situation einfach nicht anfreunden. Sie will nicht in einer kleinen Wohnung ohne Luxus mit ihrer Mutter leben und zulassen, dass dies auch jeder weiß. So kommt es, dass sie ihren neuen Mitschülern gegenüber vorgibt, reiche Eltern und ein großes Haus zu haben. Leider erzählt sie auch ihrem festen Freund Felix, der aus der gehobenen Gesellschaft stammt, nicht, dass ihr Leben nicht ist, wie es zu sein scheint.
Alles wird noch viel komplizierter, als sie Niki kennenlernt. Den Jungen, den alle meiden. Schon bald weiß Julia auch warum. Niki kann mit Toten sprechen, eine Gabe, mit der auch sie schon bald in Berührung kommen soll – Niki hat nämlich eine Botschaft von ihrem gerade verstorbenen Großvater für sie. Schon bald kann sich Julia dieser Tatsache nicht mehr verschließen und auch gegen Nikis Anziehungskraft kann sie sich nicht wirklich wehren. Nun muss sie sich nicht nur zwischen zwei Jungen entscheiden, sondern auch noch den Auftrag eines Toten erfüllen.

Julia ist die Hauptcharakterin des Buches, aus der Sicht die ganze Geschichte erzählt wird. Auf mich wirkte sie sehr sympathisch, emotional und meistens sehr authentisch. Man bekommt automatisch Mitleid mit ihr, wenn man erfährt, was ihr in ihrem Leben widerfahren ist. Mit dem Tod ihres Vaters, ist ihr Leben wie ein Kartenhaus zusammengefallen, denn alles entpuppt sich als große Lüge, die sie nicht akzeptieren kann. Als ihr Großvater im Sterben liegt, weigert sie sich, ihn zu besuchen. Sie will nichts mehr mit den Menschen aus ihrer Vergangenheit zu tun haben, die ihr so lange etwas vorgemacht haben.
Als ihr Großvater ihr dann eine Botschaft aus dem Jenseits schickt, muss sie sich jedoch all dem erneut stellen. Zunächst noch skeptisch, muss sie jedoch schon bald herausfinden, dass nicht alles ist, wie es zu sein scheint. Dies sorgt für Verwirrung in ihrem Leben, von der sie eigentlich jetzt schon genug hat. Felix ist zwar ihr fester Freund, durch die Sache mit ihrem Opa, kommt sie jedoch auch Niki näher, an den sie ständig denken muss. Dieses Hin und Her kommt jedem, der selbst einmal zwischen zwei Jungen stand, sicherlich bekannt vor und wurde gut in die Geschichte integriert.
Felix und Niki sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Während Felix der blonde und blauäugige Schönling ist, um den sich die Mädels förmlich reißen, ist Niki der schwarzhaarige Außenseiter, den alle für verrückt halten. Kein Wunder, ist er doch nicht nur der Sohn eines Bestattungsunternehmers, sondern kann er noch mit Toten sprechen. Hinzu kommt, dass er ab und zu von den Geistern, die er hört, besessen wird. Diese Tatsachen haben letztlich dafür gesorgt, dass Felix und Niki nichts mehr miteinander zu tun haben, obwohl sie einmal die besten Freunde waren. Es ist sehr schwierig für beide, wieder irgendwie miteinander auszukommen, als Julia zwischen ihnen steht und die Hilfe beider Jungs benötigt, um zu erreichen, was sie erreichen muss.

Um Felix und Julia gibt es noch weitere Jugendliche, die zur angesagten Clique gehören und auf die ich nicht weiter eingehen werde. Auch auf die Erwachsenen, wie etwa Julias Mutter oder Nikis Vater gehe ich nicht weiter ein. All diese Charaktere sind jedoch sehr gut gestaltet worden, sodass man sich in ihrer Runde immer sehr wohl fühlt. Man hat von allen ein klares Bild, sodass es kein Problem für das Kopfkino gibt.

Was mir besonders gefallen hat:

Als absoluter Fan von Geistergeschichten, war dieses Buch sofort ein Muss für mich, als ich davon erfahren habe. Ein Junge der mit Toten sprechen kann? Das klang absolut super. Schnell kam ich beim Lesen in die Geschichte rein, ist der Schreibstil doch sehr flüssig und der Sprachstil sehr angenehm. Besonders interessant ist, dass vollkommen auf große Ausschmückungen verzichtet wird. Dennoch fehlt es an nichts und die Geschichte nimmt einfach ihren Lauf. Diese ist aus Sicht von Julia erzählt, was ich persönlich sehr ansprechend fand. Man konnte sich beim Lesen gut in sie hineinversetzen, ihre Gefühle mit ihr teilen und so auch sehr gut nachvollziehen, warum sie wie handelte.
Die Dreiecksgeschichte zwischen Felix, Niki und Julia ist sicherlich nichts Neues und auch etwas, das scheinbar in mittlerweile fast keinem Jugendbuch mehr fehlen darf, hier jedoch hat es mich nicht gestört. Ich fand das Ganze sehr glaubhaft, konnte Julias innerliche Zerrissenheit sehr gut nachempfinden und war selbst nicht sicher, wen von beiden ich wählen würde.
Insbesondere die Geisterszenen gefielen mir sehr gut – gab es doch einen Mix aus humorvollen Szenen und solchen, die man nicht selbst erleben möchte.

Was die Spannung betrifft, wird hier mit mehreren Höhepunkten gespielt, auf die immer wieder eine Talfahrt folgt. Da die Dreiecksgeschichte und die Geschichte um den Auftrag von Julias Opa und ihrer damit verbundenen Vergangenheit quasi parallel verlaufen, ist dies eine sehr interessante Lösung.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Bis ich etwas mehr als die Hälfte des Buches gelesen hatte, hätte ich es gerne weiterempfohlen, da es mir wirklich gut gefallen hat. Als es jedoch auf das Ende zuging, musste ich diese Empfehlung zurückziehen. So realistisch und glaubhaft ich die Darstellung der Ereignisse, der Reaktionen und Situationen ich bis dahin auch fand, plötzlich schien all das zu kippen. Die vorhandene Spannung, der man gerne folgte, wich einer so abgehobenen Unglaubwürdigkeit, die die Geschichte so sehr an Bodenständigkeit verlieren ließ, dass ich mich fragen musste, wie man auf ein solch absurdes Ende kommen konnte. Ich bin ehrlich entsetzt darüber, welche Lösung dem Leser am Ende präsentiert wird.

Schade fand ich, dass die anfängliche Geschichte um den Auftrag von Julias totem Opa immer mehr in den Hintergrund rückte und die Treffen zwischen Niki und Julia, Felix und Julia, Niki, Felix und Julia etc. immer mehr Raum einnahmen. Die umgekehrte Variante hätte mir persönlich viel besser gefallen und auch mehr Sinn ergeben.

Gestaltung:

Die Silhouetten eines Pärchens, die voreinander stehen und Händchen halten, stehen zwischen zwei Bäumen. Unter ihren Füßen liegen pinke Blütenblätter, direkt im Boden unter ihnen sieht man ein Skelett. Die Hauptfarben sind grau und schwarz, sodass der pinke Titel und die pinken Blütenblätter zum Hingucker werden. Ein Cover, dass mir sofort ins Auge gefallen ist und das sehr gut zum Inhalt passt.

Wertung:

Würde ich nur den ersten Teil des Buches werten müssen, würde diese Wertung sehr viel besser ausfallen. Da ich das Buch durch das absolut absurde Ende leider nicht weiterempfehlen kann, muss ich einige Sterne abziehen. Die Idee der Geschichte hat mir unheimlich gut gefallen, auch das Cover ist sensationell, das Gesamtbild stimmt am Ende aber leider nicht. Obwohl es mir schwer fällt, da auch Schreib- und Sprachstil mir wirklich sehr gefallen haben, kann ich leider nur 2,5 Lila-Lesesterne vergeben.


Mäuseweihnachten
Mäuseweihnachten
Preis: EUR 0,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mäuseweihnachten, 25. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mäuseweihnachten (Kindle Edition)
Story und Charaktere:

Auch als Maus muss man irgendwie durchs Leben kommen. Das ist, vor allem im Winter, gar nicht so einfach. Besonders zur Weihnachtszeit möchte Familie Maus es zuhause schön gemütlich haben, denn schon bald toben die ersten Mäusekinder durch die Mäusewohnung und die liegt zumeist nicht etwa in einem Feld, sondern in einem Menschenhaus. Was man da nicht alles mitmacht – es wird umgezogen und künstliche Weihnachtsbäume ziehen auch noch ein, eine Eule braucht die Hilfe einer Maus und sogar das Christkind hat seine Finger im Spiel.

Familie Maus gehört zu den wohl sympathischsten kleinen Charakteren, die einem zur Weihnachtszeit begegnen können. Die fürsorgliche, immer ängstliche Mama Maus, die aber, wenn es um ihre Familie geht, noch eine ganz andere Seite hat, hat man genauso schnell ins Herz geschlossen, wie den mutigen, oftmals waghalsigen Papa Maus, dem nichts wichtiger ist, als seine Familie zu schützen und sie glücklich zu sehen. Vor allem die kleinsten, wie Juniormaus und Babymaus, sollen es immer gut zuhause haben.

Den „natürlichen Feinden“ der Mäuse kommt in diesen Geschichten eine ganz besondere Rolle zu. Ob Menschen, Katzen oder Vögel, sie alle haben ihren eigenen Platz in dieser kleinen Sammlung, die jedes Kind einmal gelesen oder gehört haben sollte.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Geschichten der Familie Maus sind sehr locker, einfach und damit sehr leicht verständlich geschrieben. Sie eignen sich hervorragend zum Vorlesen, aber auch für kleine Selbstleser sind sie großartig geeignet. Natürlich machen diese Geschichten auch Erwachsenen Spaß, was ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
Besonders schön ist die transportierte Atmosphäre. Egal wo Familie Maus auch ist und was sie gerade erlebt, man fühlt immer mit ihnen. Entweder sitzt man bibbernd auf einem Feld, läuft aufgeregt durchs Haus, rümpft die Nase über einen Plastikbaum oder genießt die weihnachtliche Atmosphäre. Dies gelingt vor allem durch die treffenden Beschreibungen, die trotzdem Unmengen an Platz für ein eigenes Kopfkino bereithalten.
Hinter all den Geschichten, spielen verschiedene weihnachtliche Aspekte eine nicht gar kleine Rolle. Die Geschichte von Maria und Josef, die Hervorhebung diverserer Traditionen – all das wird in diesen kleinen Fantasiegeschichten nicht vergessen. Ein Punkt, der mir sehr an den Geschichten gefallen hat.
Außerdem gefällt mir, welche Werte hier offen ausgesprochen oder zwischen den Zeilen an den Leser übertragen werden. Man spürt geradezu, mit wie viel Liebe die Geschichten geschrieben wurden. Hier nimmt man so einiges mit.

Gestaltung:

Eine kleine Maus mit Rucksack und Seil „bewaffnet“, steht in einem Wohnzimmer, wie man es sich zu Weihnachten wünscht. Im Hintergrund steht der wunderschöne Weihnachtsbaum, ein Weihnachtskranz hängt über dem befeuerten Kamin. Ein Bild, das hervorragend zu den Geschichten zwischen den Buchdeckeln passt. Ich persönlich könnte mir die Geschichten in illustrierter Variante sehr gut als Printausgabe vorstellen.

Wertung:

Perdita Klimeck hat mit ihrer Mäuseweihnacht eine kleine Geschichtensammlung geschaffen, die man gelesen haben muss. Sie lädt uns ein, in eine Welt unter den Bodendielen, zwischen verstaubten Möbelstücken auf dem Dachboden und die Zweige einer Tanne. Ich musste die Geschichten in einem Rutsch lesen und lege sie jedem ans Herz, der sich selbst und/oder seine Kinder in weihnachtliche Stimmung versetzen will. Von mir gibt es dafür 5 weihnachtliche Lila-Lesesterne.


Magnolia Steel - Hexennebel
Magnolia Steel - Hexennebel
von Sabine Städing
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Hexennebel, 25. November 2014
Story und Charaktere:

Nachdem Magnolia im ersten Band erfahren hat, dass sie eine Hexe ist, sich im zweiten Band auf dem Hexenkongress beweisen musste und sich zum ersten Mal verliebt hat, stellt sie sich nun ihrem dritten Abenteuer.
Große Aufregung herrscht in der magischen Welt, denn die drei Spinnerinnen, die Flachs zu Gold spinnen können, sind auf dem Weg in die Stadt. Diese Unruhe macht natürlich auch vor Magnolia nicht halt, doch lässt sie sich nicht so sehr anstecken, wie die meisten anderen. Mit ihren Gedanken ist sie nämlich ganz woanders. Leander weilt weit weg von ihr, lässt kaum etwas von sich hören und langsam beschleichen Magnolia leise Zweifel, ob er es überhaupt noch ernst mit ihr meint. Um sich ein wenig abzulenken und um sich ein wenig Taschengeld dazuzuverdienen, nimmt sie deshalb einen Job im neuesten Laden der Stadt an. Hier werden Parfüms selbst gemischt und unter die Leute gebracht. Das ist es aber nicht, was Magnolia so faszinierend findet – es sind die alten Bücher, die ihr Chef ausgestellt hat, und in denen es unter anderem um schwarze Magie geht. Schon bald merkt Magnolia, das etwas in ihrem Umfeld nicht stimmt. Ihr Chef verhält sich merkwürdig und alle Zeichen stehen auf Alarm. Welcher Bedrohung muss sie sich dieses Mal stellen?

Da mir schon die ersten beiden Bände der Magnolia-Steel-Reihe „Hexendämmerung“ und „Hexenflüstern“ sehr gut gefallen haben, musste unbedingt auch der dritte Band bei mir einziehen. Auch der dritte Band gliedert sich wunderbar in die Reihe ein und knüpft an die Geschehnisse der ersten beiden Bände an, obwohl seit dem letzten Abenteuer einige Zeit vergangen ist.
Dieses Mal gibt es nicht allzu viele neue Charaktere und Wesen, die es kennen zu lernen gilt. Dennoch erhält jedes magische Wesen auch dieses Mal wieder seinen eigenen Platz, wird klar umrissen und bleibt dem Leser garantiert im Gedächtnis. Viele vertraute Charaktere kreuzen hier noch einmal unseren Weg.
Magnolia ist wieder die Hauptcharakterin des Buches, die zum Teil allein und zum Teil mit ihrer besten Freundin Jörna, sowie einigen weiteren magischen Freunden ihr neustes Abenteuer bestehen muss. Magnolia hat mittlerweile einiges an Wissen über das Wesen einer Hexe aufgeholt, einige neue Sprüche gelernt und weiß sich besser in der magischen Welt zu behaupten. Sie ist nicht mehr so sehr auf Jörna angewiesen, wie sie es noch im vorangegangen Band war. Ihre Naivität hat Magnolia allerdings noch immer nicht abgelegt, was sie auch dieses Mal wieder in brenzlige Situationen bringt. Insgesamt wagt sie nun aber viel mehr Dinge auf eigene Faust und braucht nicht immer „Rückendeckung“ von anderen, um ihre eigene Entscheidung zu treffen. Wenn es jedoch hart auf hart kommt, ist sie nach wie vor auf ihre Freunde angewiesen, die sie natürlich nicht im Stich lassen.
Auch Runa und Tante Linette haben wieder ihre Rollen im dritten Band der Reihe. Diese Rollen sind allerdings sehr viel kleiner als in den vorangegangen Bänden, konzentriert sich das Geschehen dieses Mal doch ausschließlich auf Magnolia. Liebevoll ausgeschmückt, nehmen Runa und Tante Linette doch auch in diesem Band wieder so viel Raum ein, wie es nötig ist und wie sie brauchen, um beim Leser anzukommen und ihnen ein Schmunzeln zu entlocken.
Wenn die Autorin eines kann, dann, „echte“ Charaktere mit Ecken und Kanten zu erschaffen, die alles andere als perfekt, dafür aber umso authentischer sind. Kein Wunder, dass man gerne zu den liebgewonnen Charakteren zurückkehrt, um ein weiteres Abenteuer mit ihnen zu erleben.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie in den vorangegangen Bänden, passt sich der Schreib- und Sprachstil auch dieses Mal wieder sehr gut an die Zielgruppe der jüngeren Leserschaft an. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass eines von beiden anspruchslos ist. Auch erwachsene Leser werden hieran ihre Freude haben. Die toll beschriebenen und zum Teil skurrilen Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, tun ihr Übriges, um das Buch einfach immer weiterlesen zu wollen.
Wunderbar spielt die Autorin hier mit der Spannungsdosis. Hier und da greift sie auch in das ein oder andere Gruseltöpfchen, um der Hexengeschichte das nötige Fünkchen Abenteuer einzuhauchen, das wir auch schon aus den Vorgängerbänden kennen.
Die Geschichte wächst auch mit dem Alter der Leser mit. Magnolia ist längst kein kleines Kind mehr, sondern ein waschechter Teenager – dazu gehört auch die erste große Liebe, die hier ihren eigenen Raum einnimmt. Wer sich noch an Leander erinnert, wird sich freuen, ihn hier wieder anzutreffen.
Durch das Hinzufügen von Romantik, tun sich auch neue Türen für weitere teenagertypische Probleme auf, die natürlich auch mit in die Geschichte einfließen. So bietet sich ein noch breiteres emotionales Repertoire, als uns bisher geboten wurde.

Ich würde allen Lesern raten, im Vorfeld auf jeden Fall Band 1 und 2 zu lesen, um all die Anspielungen auf die Vorgängerbände verstehen zu können, und um das nötige „Grundwissen“ um Magnolia und ihre Freundschaften, Bekanntschaften, Beziehungen, Verwandtschaften etc. zu kennen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Aus irgendeinem Grund hat die Autorin ein Faible für einen Spannungsbogen, mit dem ich nicht so richtig zurechtkomme. Auf reichlich rasante und temporeiche Szenen, folgen welche, durch die man sich durchbeißen muss. Vor allem, wenn es um die Spinnerinnen geht, muss ich sagen, dass mir die Spannung fehlte. Während Magnolia unter einem geheimnisvollen Zauber steht, der die Spannungsnadel bis zum Anschlag ansteigen lässt, passiert vor Tante Linettes Haus vor allem eines – gar nichts. Flachs zu Gold zu spinnen ist zwar eine schöne, altbekannte Idee, aber die Verpackung war mir oftmals zu zäh. Insgesamt muss ich sagen, hatte dieses Buch mehr Längen als die Vorgänger. Hat mich beim letzten Band dieses lange Atemholen am Ende gestört, stört mich dieses Mal, dass sich eben solche Passagen über das Buch verteilen. Magnolias eigentliche Geschichte betrifft dieser Punkt allerdings nicht, sodass ich mich ab und an gefragt habe, warum so viel Platz für „unnötige“ Szenen verwendet wurde. Erst mit der Auflösung am Schluss, konnte ich mir diese Frage beantworten, finde aber trotzdem, das diese ruhigen Szenen anders hätten gehandhabt werden können.

Gestaltung:

Dieses Mal wartet das Cover in einem wunderschönen Grün auf. Ein paar schwarze Silhouetten verschiedenster Art sind am Rand des Covers verteilt, das einfach ein absoluter Hingucker ist. Ich finde, auch dieses Mal passt es wieder hervorragend.
Auch die innere Gestaltung möchte ich gerne wieder hervorheben. Die Kapitelanfänge, sowie die Seitenzahlen haben wieder ein paar süße kleine Illustrationen erhalten. Das fand ich schon in den ersten beiden Bänden toll und bin froh, dass es auch in Band 3 beibehalten wurde.

Wertung:

Gleich dreimal hintereinander konnte mich Sabine Städing mit ihren Büchern begeistern und mir eine magische Lesezeit schenken. Ich kann diese Reihe sowohl an junge, wie auch ältere Leser empfehlen, die sich einfach gerne auf Fantasiegeschichten mit einem Hauch Realitätsnähe einlassen. Auf keinen Fall sollte man dann einen Besuch in Rauschewald verpassen. Einzig die vereinzelten langatmigen Passagen haben mich ein wenig gestört, weshalb ich für den dritten Band 4 Lila-Lesesterne vergebe.


Die Seiten der Welt: Roman
Die Seiten der Welt: Roman
von Kai Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Seiten der Welt, 27. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Story und Charaktere:

Furia Salamandra Faerfax lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder, sowie einigen Angestellten sehr abgeschieden in den Cotswolds. Grund dafür sind ihre Herkunft und ihre damit verbundenen Talente. Ihr Vater und Furia sind Bibliomanten, die mit Hilfe ihrer Seelenbücher Magie bewirken können, die mächtiger ist, als man vermuten würde. Furia wartet noch darauf, dass ihr Seelenbuch zu ihr findet, bis dahin begleitet sie ihren Vater auf seinen Sprüngen, um die sogenannten „Leeren Bücher“ aufzuspüren und zu vernichten. Auf einem dieser Sprünge geht allerdings etwas furchtbar schief. Furias Vater wird getötet und plötzlich ist sie auf der Flucht. Jetzt ist nicht mehr nur die Adamitische Akademie hinter ihr und ihrer Familie her, sondern auch ein ganz besonderer Feind, der es auf ein ganz besonderes Buch in Furias Besitz abgesehen hat.
Als sie von ihrem Bruder getrennt wird und auf der Suche nach Hilfe in Libropolis landet, zeigt sich erst das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten, in denen sie steckt. Wie gut, dass sie bald Freunde findet, die ihr, wenn auch nicht ganz freiwillig, zur Seite stehen.

Furia Salamandra Faerfax hält vor allem an einem fest: einem ganz besonderen Buch, das sie mit ihrer Mutter in Verbindung bringt, die schon vor einiger Zeit gestorben ist. Da ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter alle Erinnerungen an sie verbrannt hat, hütet sie dieses eine Buch wie ihren Augapfel. Tief in den Katakomben des Hauses versteckt sie es zwischen abertausenden anderen Büchern, damit ihr Vater es nicht finden kann. Dort unten verbirgt sich aber weitaus mehr als nur ein Haufen Bücher. Dort wohnen die Origamis, die den Staub von all den Büchern fressen und Ypsilonzett – ein Buchstabenschwarm, der mit Furia kommuniziert. Leider leben dort unten aber auch Schimmelrochen, die ganz und gar bösartig sind. Trotzdem liebt Furia diesen verborgenen Ort und all die Magie, die sich zwischen den Buchdeckeln dort verbirgt.
Gut behütet wächst sie mit ihrem Bruder in diesem riesigen Haus in den Cotswolds auf, versteckt und fernab der trügerischen Welt dort draußen. Alles was sie über Bibliomantik, Seelenbücher, Libropolis und die Gefahr, die von der Adamitischen Akademie ausgeht, weiß, weiß sie von ihrem Vater. Er ist ein sehr starker Bibliomant mit eigenem Seelenbuch, der Furia mit auf seine Sprünge nimmt, um die „Leeren Bücher“ zu vernichten, die die Entschreibung einleiten und die Welt in ihren Ursprung zurückversetzen sollen. Eine Aufgabe, der sich Furia schon bald alleine stellen soll. Als sie ihren Vater auf einem dieser Sprünge verliert, bricht für sie eine Welt zusammen. Die neue Welt, in der sie sich zurechtfinden muss, hat nichts mehr gemein mit dem gemütlichen Zuhause, wo eine Bibliothek, ein sprechender Sessel und eine sehr nette Tischlampe auf sie warten. Plötzlich ist sie auf der Flucht und muss dafür sorgen, nicht selbst umgebracht zu werden. Zu allem Überfluss befindet sich auch noch ihr Bruder in den Händen der Feinde, die sie irgendwie überlisten muss.
Furia ist ein sehr wechselhafter Charakter. Sie zeigt ein sehr großes Repertoire an Gefühlsregungen und ist auch sonst kein glattgeschliffener Protagonist, der nur auf eine Art handelt. Manchmal handelt sie wie eine Erwachsene, manchmal wie ein Kind. Mal ist sie total abgebrüht, mal sehr verletzlich. Sie versucht, über alles den Überblick zu behalten, scheitert aber oft am nötigen Wissen, das ihr von anderen zugetragen werden muss. Ihre Handlungen sind nicht immer überlegt, meistens handelt sie eher impulsiv. Ihren Problemen stellt sie sich jedoch mutig entgegen, auch wenn sie nicht weiß, wohin sie das am Ende führen wird.

Pip ist Furias kleiner Bruder. Seine größte Angst ist die vor Clowns. Seit er im Zirkus von einigen dieser finsteren Gesellen des Spaßes halber in eine Kiste gesperrt wurde, kommt er über diese Angst nicht mehr hinweg. Er versucht deshalb, nicht aufzufallen und sich selbst als Clown darzustellen, um hinter seiner Maske nicht als kleiner Junge Aufmerksamkeit unter all den Clowns dieser Welt zu erregen. Furia ist die einzige Person, die Pips Angst zumindest zwischenzeitlich ernst zu nehmen scheint. Pips Vater hingegen, kümmert sein Sohn relativ wenig. Sein Sohn wird niemals ein Bibliomant sein, sodass sich seine Aufmerksamkeit vor allem auf seine Tochter erstreckt.
Als Pip merkt, dass etwas in seinem Umfeld nicht stimmt, ergreift er auf eigene Faust die Flucht. Er kennt die besten Verstecke im Haus und sucht eben diese auf. Obwohl Furia ihn nicht vor den Feinden retten kann und er in Panik gerät, muss man ihm seinen Mut hoch anrechnen. In den Fängen der Feinde versucht er sogar zu fliehen. Fast trotzig stellt er sich seinen Widersachern entgegen – Kindlicher Naivität sei Dank – bis Furia ihn retten kommen wird, worauf er ganz schön lange warten muss.

Cat und Finnian lernt Furia in Libropolis kennen. Cat lebt im Ghetto, wo die Exlibra (aus Büchern herausgefallene Charaktere) untergebracht werden, und erledigt dort schmutzige Arbeiten für schmutzige Arbeitgeber. Sie fängt beispielsweise Schnabelbücher wieder ein. Dabei ist es ihr völlig egal, ob ihr jemand in die Quere kommt. Zur Not, bringt sie diejenigen eben einfach um. Trotz dieser harten Seite, verbirgt sich in ihr ein weicher Kern, der vor allem dann zum Vorschein kommt, wenn Finnian auf der Bildfläche auftaucht. Finnian lebt in einem verborgenen Wald. Dort pflanzt er Bücherbäume, die aus Seelenbüchern und den Resten von Schnabelbücherkämpfen bestehen. Ein Job, der ebenfalls nicht gerade ruhmreich ist. Ebenso wie Cat, kann Finnian eiskalt handeln, wenn es die Situation erfordert. Er scheint einen ziemlich guten Überblick über alles zu haben, im richtigen Moment an den falschen Orten aufzutauchen und generell gerne für Unruhe zu sorgen. Cat und Finnian sind die beiden Charaktere, die Furia durch ihr Abenteuer geleiten und alles abfangen, was sie an Unsinn anstellt.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite noch die Gegenspieler zu diesen Charakteren. Die, die sie jagen, vernichten wollen und alles dafür tun würden. Seltsamerweise konnte ich eben diese Charaktere leider nicht ganz ernst nehmen. Dafür, dass sie eine so große tragende Rolle spielen sollten, waren sie doch zu stumpf und wenig präsent. Die Gefahr, die von ihnen ausgehen sollte, war zu keiner Zeit wirklich spürbar. Insgesamt fehlte mir bei den Charakteren der emotionale Punkt. Sie konnten mich einfach nicht packen, ich habe nicht mit ihnen gefühlt, nicht mit ihnen gelacht, geweint, gelitten oder einen erleichterten Seufzer ausgestoßen.

Ob man es glaubt oder nicht, mir haben vor allem die Nebencharaktere dieses Buches gefallen. Die, die wenig Platz erhalten, haben dennoch den größten Raum eingenommen und den größten Eindruck hinterlassen. Was die Geschichte betrifft, die konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Viele tolle Ideen, die Ausführung allerdings fehlte.

Was mir besonders gefallen hat:

Dieses Buch wartet mit einem wirklich tollen Schreibstil auf. Hier sitzt jedes Wort an seinem Platz. Auch sprachlich ist dieses Buch sehr gelungen, was den tollen Schreibstil natürlich unterstützt. Gerade die „Worterfindungen“, die trotzdem so viel Sinn machen, bleiben im Kopf und damit in Erinnerung. Viele tolle Ideen sind in dieses Buch geflossen, die einem sehr kreativen Kopf entsprungen sein müssen. Dies ist wieder eines dieser Bücher, bei denen man froh ist, eine Originalfassung in den Händen zu halten und keine Übersetzung lesen zu müssen, die in ihrem Sprachgebrauch sicher nie an das hier vorliegende Werk heranreichen würde. Dieser Autor versteht es, Sprache einzusetzen und ihr etwas Besonderes zu geben.

Der Ort, der mir am besten gefallen hat und bei dem ich das Gefühl hatte, dass man dort endlich an einer Stelle angekommen ist, in der wirklich alles durchdacht und auch ausgeschmückt wurde, ist der „Wald der toten Bücher“. Hier endlich konnte ich das Potential hinter all seinen Ideen sehen, mich eine Weile wohlfühlen, mich wirklich auf das Abenteuer einlassen. Ein Moment, der leider viel zu kurz war und den ich mir ausgedehnt auf die ganze Lesezeit gewünscht hätte.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Kai Meyer hat einen unglaublichen Reichtum an kreativen Ideen geliefert, die für sich genommen ein herausragendes Buch versprechen, wie es die Werbung getan hat. Leider jedoch scheiterte es für mich an der Umsetzung, sodass ich mit dem Buch nicht wirklich warm wurde oder mit den Charakteren mitfiebern konnte. Die einzelnen Ideen werden nur kurz angesprochen und nicht weiter ausgeführt. Manches ist eher eine Erwähnung am Rande, als eine Idee, die eine Rolle für das Buch spielt. Das ist zwar, gerade wenn es um Beschreibungen von Orten geht, gerade dann ganz passend und toll, doch wenn es bei einer Erwähnung bleibt, die weiter keine Rolle spielt, enttäuscht es mich, eine solche Idee nicht näher kennen gelernt zu haben. Ich hätte gerne mehr von den Origamis gehört oder auch vom Buchstabenschwarm Ypsilonzett. Überhaupt hätte ich gerne mehr Zeit in dieser endlosen Bibliothek verbracht, ihren Geruch selbst gerochen, meinen eigenen Atem hören wollen, wenn ich mit Furia durch die Gänge streife. Nichts davon war jedoch der Fall. Ein kurzer Augenblick, ein paar tolle Ideen – Ende der Idee, Ende des Aufenthaltes dort.
Noch mehr gestört hat mich jedoch, dass Ideen benannt und dann nicht übertragen wurden. Ob Furia nun durch Libropolis läuft und dort über die Dächer springt, oder das Ganze auf den Dächern einer x-beliebigen Stadt spielt – das war vollkommen egal. Libropolis als Stadt aus Buchhandlungen und Bücherantiquariaten kam überhaupt nicht bei mir an. Zwar wurde das alles erzählt, aber leider so gar nicht in die Geschichte integriert und aufgegriffen. Ob nun Exlibra im Ghetto leben oder x-beliebige Menschen, die man dort zusammengepfercht hat und die in Fabriken arbeiten – wieder eine Idee ohne Übertragung auf die Geschichte. Ob dort jetzt Gentlemen rumlaufen, die von Furia und Co. getötet werden oder ganz normale Männer – es hätte absolut keinen Unterschied gemacht. Diese und ähnliche Beispiele trugen dazu bei, dass ich das Buch mit immer mehr Widerwillen weitergelesen haben. Ich fand es schade, nicht in die Seiten der Welt tauchen zu können, mich mitnehmen zu lassen, auf ein Abenteuer rund um Bücher und alles was damit zu tun hat.
Die Idee mit dem Seelenbuch war ebenfalls sehr interessant und Furias Seelenbuch ist einfach einzigartig und bleibt auch im Gedächtnis, doch alles, was mit der Magie um dieses Seelenbuch zu tun hat, kam wieder nicht bei mir an. Sie wurde zu wenig erklärt, zu wenig mystifiziert, zu wenig an den Leser weitergereicht, der gerne mit ins Geheimnis um die Seelenbücher eingeweiht werden würde.
All die Geheimnisse und Vorkommnisse um die Bibliomanten, die Klüfte zwischen der Adamitischen Akademie und Furias Familie wurden leider immer als Einschübe in den Text eingearbeitet und unterbrechen deshalb ständig den Lesefluss, sodass man aus der Geschichte katapultiert wird.
Furias Problem, dass ihr Bruder in den Fängen des Feindes ist, spielte mir außerdem eine viel zu untergeordnete Rolle. Sie befasst sich mit gefühlt zwei Millionen anderen Dingen und nur mal zwischendurch kurz immer wieder damit, dass sie doch noch ihren Bruder retten muss. Das macht die ganze Sache recht unauthentisch. Insgesamt ist sie ein Charakter, mit dem man einfach nicht warm wird. Sie ist so unselbstständig und viel zu sehr auf andere angewiesen. Das ist ziemlich nervig und macht es schwierig, sich auf sie einzulassen.
Vom Ende möchte ich hier gar nicht erst anfangen zu sprechen. Es trug dazu bei, die Geschichte noch unrunder werden zu lassen. Alles wirkte viel zu hektisch und konstruiert, als hätte der Autor nicht so richtig gewusst, wie er die Fäden seiner Geschichte wieder zusammenführen sollte.
Insgesamt fand ich die Umsetzung der Ideen zu dieser Geschichte wirklich enttäuschend. Ich hatte die Hoffnung auf ein ähnliches Leseerlebnis wie mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walther Moers. Leider reicht dieses Buch nicht annähernd an diese Erwartungen heran. Ich hatte das Gefühl, dass die Idee eigentlich die eines Krimis war, der unbedingt einen magischen Mantel brauchte, der aber nicht passt – schade. Es war mein erstes Buch aus Kai Meyers Feder und ich bin mir nicht sicher, dass ich noch ein zweites lesen werde.

Gestaltung:

Die Gestaltung des Buches ist relativ einfach. Der Hintergrund ist schwarz, die Schrift goldfarben. Im Hintergrund sieht man ein wirres Muster, zwischen denen Origamivögel umherschwirren. Auch ein Globus ist zu sehen. Definitiv ist das Buch ein absoluter Hingucker, das Cover finde ich aber viel zu weit weg von dem, was sich letztlich zwischen den Seiten verbirgt.

Wertung:

Mit diesem Buch präsentiert sich ein Autor mit grandiosem Schreibstil und fantastischen Ideen, die von großartiger Kreativität zeugen. An der Umsetzung dieser Ideen scheiterte es jedoch für mich. Weder die Hauptcharakterin, noch die Geschichte konnten mich überzeugen. Ich blieb nach Beenden des Buches enttäuscht zurück. Deshalb gibt es von mir für „Die Seiten der Welt“ leider nur 2 Lila-Lesesterne.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2014 10:16 AM CET


Silber - Das zweite Buch der Träume: Roman
Silber - Das zweite Buch der Träume: Roman
von Kerstin Gier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Silber - Das zweite Buch der Träume, 21. Oktober 2014
Story und Charaktere:

Liv und Henry sind ein Paar – ein Paar, das aus Sicht von Liv so einige Probleme hat. Warum nimmt er sie nie mit zu sich nach Hause oder stellt ihm seine Familie vor? Und wie kommt Secrecy dazu, auf ihrem Blog über ihr Sexleben zu schreiben oder ihre Geheimnisse zu verraten? Als wäre das noch nicht genug, muss sie sich auch noch damit auseinandersetzen, dass ihre Schwester plötzlich schlafwandelt und sich damit selbst in Gefahr bringt. Zusätzlich muss Liv in ihren Träumen herausfinden, wer noch durch die Traumkorridore schleicht.

Liv hat sich langsam an ihre neue Umgebung und den neuen Mann an der Seite ihrer Mutter gewöhnt. Mit der Mutter des neuen Freundes kommt sie jedoch so überhaupt nicht klar. Da es Mia und ihrer Mutter genauso geht und das Fass einfach irgendwann voll ist, lässt sich Liv zu einer Tat hinreißen, die sie noch bereuen soll.
Wie schon im ersten Band, denkt Liv nicht wirklich viel nach. Manchmal muss man sich fragen, ob ihr diese Fähigkeit überhaupt irgendwann einmal zuteil geworden ist, denn eigentlich verbringt man als Leser die meiste Zeit damit, sich darüber zu ärgern, wie blöd Liv sich verhält. In ihrem Alter sollte sie in der Lage sein, ihren Kopf zu benutzen – etwas, wovon sie nicht allzu viel zu halten scheint. Lieber macht sie sich Gedanken darüber, warum Henry sich ihr gegenüber so komisch verhält. Für etwas Anderes hat in ihrem Kopf nichts mehr Platz. Kein Wunder also, dass sie nicht einmal wirklich reagiert, als ihre Schwester sich durch Schlafwandlerei fast selbst umbringt. Auch als klar wird, dass ihre Schwester das nicht einfach so tut, funktioniert das mit dem Denken immer noch nicht. Einen Gong vor der Traumtür ihrer Schwester aufstellen und sich die Füße mit einem Seil zusammenbinden – das muss die Lösung dafür sein, dass ihre Schwester von jemandem umgebracht werden soll. Da das ja in trockenen Tüchern ist, kann sie sich wieder ihrem Hauptproblem widmen: Henry und seinem Leben, an dem er sie scheinbar einfach nicht teilhaben lassen will. Verständnis ist demnach ein Wort, das in ihrem Wortschatz fehlt und keinerlei Bedeutung besitzt. Überhaupt muss man sich fragen, warum sie so an ihrer Beziehung zu Henry festhält, wenn doch die ganze Zeit über klar ist, dass ihr Interessen-Liebes-Angeldrehpunkt eigentlich ihr neuer Fast-Stiefbruder Grayson ist.
Lamentieren und jammern sind zwei Dinge, die Liv sehr gut kann. Anstatt jedoch Dinge nicht nur zu denken, sondern auch auszusprechen, greift sie lieber zur bewährten Methode des Selbstmitleids.
Liv entwickelt sich auch im zweiten Band leider überhaupt nicht. Sie ist ein sehr flacher, blasser Charakter, der einem schnell auf die Nerven geht. Ihre Handlungen sind meist nicht nachvollziehbar und scheinen einfach nur deshalb so gewählt worden zu sein, um die Story irgendwie weiter in die Länge zu ziehen. Mit ihren 16 Jahren verhält sie sich die meiste Zeit wie eine naive, vorpubertäre 10jährige.

Henry ist Livs Freund, natürlich unheimlich gut aussehend, hat immer diesen speziellen Blick, bei dem ihm alle Frauen zu Füßen liegen und könnte eigentlich jede haben. Warum er dann ausgerechnet Liv nimmt, ist und bleibt mir ein Rätsel. Henry scheint es besser zu verstehen, über die Dinge in seinem Leben nachzudenken und sich auch damit auseinanderzusetzen. Wirklich viel erfährt man über ihn nicht, aber er scheint nicht ganz so sinnfrei zu handeln, wie Liv es tut. Seine wohl herausragendste Eigenschaft ist es, plötzlich und immer am richtigen Ort aufzutauchen, ohne, dass es jemand bemerkt hat. Natürlich erschreckt sich Liv jedes Mal und bekommt einen halben Herzkasper, wenn sie sich gaaaaanz langsam zu ihm umdreht. Livs Probleme macht er Gott sei Dank nicht zu seinen eigenen – hat er davon doch selbst genug. Seine Eltern sind geschieden, beide kümmern sich nicht wirklich um ihre Kinder, sodass Henry den Laden zuhause irgendwie schmeißen muss. Dass er damit nicht gerade hausieren geht und ihm das Ganze peinlich ist, das sollte Liv doch begreifen oder? Nein, tut sie nicht, sie muss ein ganzes Staatsdrama draus machen. Dabei geht es Henry vor allem darum, eben diese Probleme von Liv fernzuhalten und die Zeit unbeschwert mit ihr zu genießen und glücklich zu sein.

Lottie, das Kindermädchen von Liv und Mia, mochte ich im ersten Band wirklich gerne. Sie war locker und witzig und auch, wenn ich mich da schon gefragt habe, wozu die beiden in ihrem Alter noch ein Kindermädchen brauchen, fand ich sie ganz passend. In diesem Buch hat sich Lottie allerdings extrem gewandelt. Sie scheint zur Haushälterin mutiert zu sein, die nicht mehr irgendwo Anfang 30 ist, sondern irgendwo weit darüber hinaus oder weit davor. Entweder verhält und kleidet sie sich, wie eine 50jährige oder aber wie eine 15jährige. Sie wuselt herum, ist total hektisch und kein bisschen locker. Witz und Humor sucht man in diesem Band bei ihr vergeblich. Was genau tut sie also noch bei den Silbers?

Mia ist mein Lieblingscharakter. Sie ist die einzige Person, die man als authentisch bezeichnen kann. Sie bleibt ihrem Alter und ihrem Charakter treu. Sie ist frech, witzig, aufmüpfig, verletzlich – alles was ein Kind an Repertoire zu bieten hat. Mit ihrer sehr liebenswürdigen Art wirkt sie einfach sehr sympathisch und erhöht den Unterhaltungswert des Buches um ein Vielfaches. Vor allem ihren unverwechselbaren, sarkastischen Humor muss man einfach mögen. Wäre Mia nicht gewesen, hätte ich das Buch wahrscheinlich gar nicht erst zuende gelesen.

Natürlich spielen auch Arthur, Grayson und Annabel wieder eine große Rolle. Kann ja auch nicht anders sein – gehörten sie doch im ersten Band noch zum „Dämonenverschwörungszirkel“. Annabel sitzt hinter den Türen einer Psychiatrie, Arthur muss irgendwie zusehen, dass er selbst klarkommt und Grayson ist eben Grayson. Er ist der Einzige, der sich daran hält, nicht mehr durch die Korridore zu stromern, sondern brav hinter seiner eigenen Traumtür zu bleiben. Liv gegenüber verhält er sich allerdings wie ein A********, zu gute halten muss man ihm dennoch, dass er der Einzige ist, der überlegt handelt und jede Menge Mut beweist.

Wie schon im ersten Band, gilt für alle Charaktere: Entweder intelligent und hübsch (bis auf Liv), meistens sogar noch überaus beliebt oder hässlich und doof. So teilen sich sämtliche auftretende Personen in exakt zwei Schubladen auf, die zusätzlich auch noch absolut klischeebefüllt sind.

Da das Buch keine wirkliche Story, sondern nur Hin- und Hergeplänkel hat, die Charaktere absolut schwach und zum Teil sehr blass sind und ich einfach nicht verstehe, was denn dieses Buch nun bewirken sollte, konnte mich beides in keinster Weise überzeugen.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie auch schon im ersten Band, ist es der Schreibstil, der mich durch die Seiten getragen hat. Kerstin Gier versteht es, so zu schreiben, dass man weiterlesen muss. Sie befindet sich mit ihren Lesern quasi auf Augenhöhe, sodass sich vor allem jüngere Leser hier sicher gut aufgehoben fühlen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Der erste Band endete mit einem Cliffhanger, der schon ziemlich abgegriffen ist. Die Erwartung an den zweiten Band beinhaltete also, dass an diesem Cliffhanger angeknüpft wird, das offene Fragen beantwortet werden, vielleicht neue auftauchen und dass es spannend weitergeht. Nichts davon ist jedoch der Fall. Im Grunde könnte der zweite Band eine eigenständige, langweilige Geschichte sein. Die ganze Zeit über wird alles aus dem ersten Band noch einmal resümiert, was eigentlich nicht nötig gewesen wäre und oft ziemlich störend ist. Die Geschichte kommt zu keinem Zeitpunkt voran, spielt doch alles, was in Band 1 passiert ist, quasi keine Rolle mehr in Band 2. Wie gesagt, dreht sich die komplette Story ausschließlich um Liv und ihre Beziehung zu Henry. Genau diese Passagen laufen immer gleich ab. Sie treffen sich nachts in ihren Träumen, bequatschen irgendwas, knutschen herum, laufen durch die bunten Träume von Henrys kleiner Schwester und das war's. Ist Liv wach, begleiten wir sie durch ihren eintönigen, langweiligen Alltag, der etwa die Hälfte des Buches belegt. Die Träume und das Umherwandeln darin ist nicht einmal mehr spannend. Zwar treffen Liv und Henry zwischenzeitlich auf einen etwas durchgeknallten Traumwandler in den Korridoren, Liv lernt, sich zu verwandeln in was sie will, wann sie will und ja, ein paar Seiten lang kommt, dank Livs Schwester Mia, sogar ein wenig Spannung auf, aber das kann kein Buch von 400 Seiten tragen.
Nicht nur, dass keine Fragen zur Traumwelt geklärt werden, wie etwa die, die wohl jeder gerne beantwortet habe würde – woher kommt die Traumwelt und warum gibt es sie – zu diesen Fragen kommen nicht einmal neue hinzu. Die Handlung ist zu jeder Zeit vorhersehbar, sodass das Buch vor sich hin plätschert und keine Spannung aufkommen lässt. Auch der berühmte rote Faden lässt den Leser hier vollkommen im Stich. Eigentlich kämpft man eher mit dem noch berühmteren Gegenspielern – den Logiklücken und nicht nachvollziehbaren Handlungen. Besonders betrifft das die Motive desjenigen, der auf der Gegenseite von Liv und ihren Freunden steht. Der Schaden den er anrichten will und seine Motivation dazu, stehen in absolut keinem Verhältnis. Das ist aber gar nicht so schlimm, liegt der Hauptaugenmerk des Buches doch sowieso nicht auf diesem Problem, sondern auf den zwischenmenschlichen Problemen der einzelnen Charaktere. Zusammengefasst bedeutet dies, dass ich ein sehr flaches, langweiliges, zähes und nichtssagendes Buch gelesen habe, das einen Haufen Geld gekostet hat und keinerlei Berechtigung für einen dritten Band liefert: keine neuen Fragen, keine Antworten, kein Konfliktpotential...

Gestaltung:

Wenn man diesem Buch eine Sache jedoch nicht absprechen kann, dann ist es das wunderschöne Cover. Wie auch schon der erste Band, ist auch der zweite ein einziger Eyecatcher. Auf dem türkis-blauen Einband ist eine sehr interessant gestaltete Tür zu sehen, durch deren Scheiben man zwei Silhouetten sieht. Titel und Tür sind von Zweigen umrahmt, in denen Schlüssel hängen und sich einige Vögel tummeln. Auch wenn man den Umschlag abnimmt, ist das Buch wieder sehr schön gestaltet. Was sich jedoch dieses Mal auf dem Buch verbirgt, sollte jeder selbst herausfinden, wenn er das Buch in den Händen hält.

Wertung:

Story und Charaktere konnten mich dieses Mal noch weniger überzeugen, als es in Band 1 der Fall war. Wäre es nach Band 1 noch interessant gewesen, was denn nun dran ist, an dieser Dämonensache und was es mit der Traumwelt nun auf sich hat, gibt es nach Band 2 absolut nichts, was sich in Band 3 beantworten ließe. Einzig dem wirklichen tollen Gier'schen Schreibstil, dem Charakter von Mia und dem tollen Cover ist es geschuldet, dass ich dem Buch noch einen Lila-Lesestern geben kann.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 27, 2014 11:33 AM CET


Die Glücksbäckerei - Die magische Verschwörung
Die Glücksbäckerei - Die magische Verschwörung
von Kathryn Littlewood
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Glücksbäckerei - Die magische Verschwörung, 21. Oktober 2014
Story und Charaktere:

Gerade noch hat Rose sich gewünscht, nicht mehr backen zu müssen, als sich dieser Wunsch auch schon erfüllt. Ein seltsames neues Gesetz zwingt alle Familienbäckereien und solche, die unter 1000 Angestellte haben, dazu, ihre Bäckereien zu schließen. Davon sind natürlich auch Rose und ihre Familie in der Glücksbäckerei betroffen. Als die Familie dennoch einen Weg findet, weiterhin ihre Leckereien unter die Leute zu bringen, passiert, womit niemand gerechnet hat. Rose wird vom großen Mr Butter entführt. Dieser zwingt sie dazu, einige seiner Rezepte so zu perfektionieren, dass er mit den Kuchen die Menschen von sich abhängig machen kann. Dafür stellt er Rose ein eigenes Backteam zur Seite. Von diesem erfährt sie, wer hier vorher gebacken hat und wer nach der Backmeisterschaft nicht zurückgekehrt ist, um die Kuchen zu vollenden. Natürlich hatte Lily mal wieder ihre Finger im Spiel. Erst als Rose's Familie ebenfalls in die Hände von Mr Butter und seinem Partner gerät und diese als Druckmittel gegen Rose verwendet werden, fügt sie sich in ihr Schicksal. Ob es Rose dennoch gelingt die Pläne des Kuchenkonzerns zu durchkreuzen?

Rosmarin Glyck scheint in diesem Buch eine neue Rolle zu spielen. Nach der gewonnen Backmeisterschaft sitzen ihr die Reporter im Nacken und die Lust aufs Backen hat sich verflüchtigt. Eigentlich will sie nur noch ihre Ruhe. Als jedoch das neue Gesetz die Schließung der Glücksbäckerei anordnet, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als sich nichts gewünscht zu haben. Rose wirkt tatsächlich ziemlich ausgepowert und ziemlich lustlos, doch mit der neuen Idee der Familie freundet sie sich schnell an und fängt an, wieder Kuchen zu verteilen – dieses Mal, damit es nicht kommerziell ist, völlig kostenlos.
Auf einem ihrer Lieferwege gerät sie allerdings zusammen mit ihrem sprechenden schottischen Faltohrkater Gus in die Fänge von Mr Butters Konzern, der die Welt mit Kuchen erobern will. Ganz entgegen ihres Charakters entscheidet sie sich, auf die Forderungen von Mr Butter einzugehen und die Rezepte, mit denen die Menschen abhängig von den Kuchen werden, zu perfektionieren. Natürlich hofft sie die ganze Zeit, dass sich ein Lösungsweg aus diesem Dilemma ergibt, doch lässt ihr Einfallsreichtum stark zu wünschen übrig. Ein Glyck alleine, scheint einfach nicht das Potential zu haben, ein solches Mammutproblem zu lösen.
Wie gut, dass das wohl auch ihren Brüdern klar ist. Die beiden Brüder Tymo und Basil lassen Rose jedenfalls nicht im Stich. Während ihre Eltern von Mr Butter gefangen gehalten werden, stehen sie Rose bei. Das darf Mr Butter natürlich um keinen Preis mitbekommen. Das damit verbundene Versteckspiel sorgt so für den nötigen Humor in der Geschichte.
Meggie ist in diesem Buch mein Lieblingscharakter. Sie gehört zum Backteam von Rose und ist unheimlich liebenswürdig und sympathisch. Sie legt das Gelingen der Backwaren in die Hände von Rose und tut alles dafür, sie zu unterstützen. Dabei wächst Meggie immer weiter über sich hinaus. Bisher hat sie angenommen, dass ihr Platz im Konzern von Mr Butter ist, obwohl sie doch eigentlich Ballonfahrerin werden wollte. Da sie aber Probleme mit ihrem Gewicht hat, passt sie wohl besser in eine Bäckerei, als in einen Ballon. Die neue Situation mit Rose hilft ihr dabei, ihr Selbstvertrauen zu stärken und über sich hinaus zu wachsen. Ohne Meggie wäre Rose mit ihrer Art Glück in Kekse zu backen, ganz schön aufgeschmissen. Meggie gewinnt nämlich nicht nur an Selbstvertrauen, sondern wird auch immer gewitzter, wenn es darum geht, Mr Butter und seinen Partner hinters Licht zu führen.

Mr Butter ist der Gegenspieler von Rose. Er möchte die Welt mit Kuchen beherrschen und alle von seinen Leckereien abhängig machen. Durch Lily ist er an die passenden Rezepte gelangt, die allerdings noch perfektioniert werden müssen. In seinem riesigen, ultramodernen, von Robotern gesteuerten Konzern versucht er, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Interessant ist, was sich hinter Mr Butter und seinem Leben verbirgt. Rose und ihre Helfer geraten an Informationen, die sie nicht erwartet hätten.

Leider konnte mich Band 3 der Glücksbäckerei in keinster Weise so überzeugen, wie es Band 1 und 2 getan haben. Es gefällt mir überhaupt nicht, dass Rose sich tatsächlich darauf einlässt, die Kuchen des Konzerns zu perfektionieren und damit auf die Seite der Bösen zu wechseln, auch wenn dies ganz und gar unfreiwillig passiert. Hier fehlte mir der positive glyck'sche Faktor völlig, was das Buch ziemlich unglycklich machte.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie man es von der Autorin nicht anders gewohnt ist, ist der Schreibstil sehr locker und flüssig. Der Sprachstil ist wieder sehr einfach und damit vor allem für jüngere Leser leicht verständlich. Dazu sind die Geschichten immer sehr dynamisch, sodass keine Zeit für Langeweile bleibt.
Die Schriftgröße in allen drei Teilen ist ebenfalls sehr angenehm und die Bücher lassen sich ruck-zuck lesen. Die größte Stärke der Autorin ist es, witzige und individuelle Charaktere zu erschaffen. Dies gilt besonders für die beiden tierischen Charaktere, die auch in diesem Buch wieder ihren Platz finden.
Der Zusammenhalt der Glycks steht in allen Büchern im Vordergrund. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle, die dieses Buch lesen. Am Ende kommt es eben doch auf die Familie an. Geschwisterliebe ist zwar Etwas, was wir alle wohl nur zu gut kennen – wir verhalten uns doch alle gerne mal wie Katz und Maus, doch wenn es hart auf hart kommt, halten die Glyckgeschwister zusammen wie Pech und Schwefel. Das lässt sich sicher auch in die reale Welt übertragen.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Vor allem, dass Rose in diesem Buch so ideenlos ist, dass sie unfreiwillig freiwillig die Kuchen von Mr Butter perfektioniert, hat mir sauer aufgestoßen. Dies ist absolut nicht glyck-typisch und passte überhaupt nicht zu Rose. Zwar brauchte Rose in der Vergangenheit auch immer Unterstützung von ihrer Familie, bei allen aufkommenden Problemen – doch behielt sie hier und da auch selbst mal einen kühlen Kopf. Das hat sie in diesem Buch völlig abgelegt. Es scheint, als hätte sie keine Entwicklung nach vorne, sondern nach hinten gemacht. Somit auf der Seite der Bösen zu landen, war nichts, was ich positiv beurteilen konnte.
Die Geschichte, die sich uns in diesem Band präsentiert, fand ich insgesamt sehr konstruiert. Vor allem das Verhalten der roboterhaften Backteammitglieder ging mir ziemlich auf die Nerven. Meistens war die Reaktion auf die Backwaren viel zu übertrieben und insgesamt einfach too much. Die Leichtigkeit aus den ersten beiden Bänden fehlte mir hier völlig. Obwohl all diese Situationen humorvoll gemeint waren und Spaß am Lesen hätten bereiten sollen, konnte es mir immer wieder nur ein Augenrollen entlocken.

Was Lily betrifft, bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich die Sache zu werten habe. Hat sie die Rezepte ABSICHTLICH mit den falschen Angaben kreiert oder war es wirklich ein VERSEHEN? Denn wenn es eines war, kann ich das nicht ernst nehmen. So, wie wir sie als Gegenspielerin kennengelernt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr so etwas passieren würde, nachdem sie ja sogar die Rezepte besitzt. Eigentlich spielt es für die Geschichte überhaupt gar keine Rolle, da Lily keine Rolle mehr spielt, aber hinterfragen muss ich das trotzdem. Schade, dass Lily nach der Meisterschaft so mir nichts dir nichts nur noch eine kurze Erwähnung im Buch findet und sonst völlig fehlt.

Ganz besonders schade finde ich, dass der Humor, die Leichtigkeit, die Spannung, der Pfiff und die Süße der Vorgänger in diesem Buch abhanden gekommen sind. Die Geschichte ist, samt Lösung am Ende, so seltsam konstruiert, dass ich ehrlich enttäuscht bin vom dritten Band der Reihe.

Gestaltung:

Wieder sehen wir die Glücksbäckerei auf dem Cover, die mit ein wenig Glitzer wunderschön hervorgehoben ist. Im Schaufenster sehen wir dieses Mal Rose selbst, die den Rollladen schließt. Das ist gleich mehrfach gut gelungen: Einmal, weil die Bäckerei schließen muss und einmal, weil wir uns mit diesem Band von der Bäckerei verabschieden und die Läden für uns nun geschlossen sind. Wieder ein rundum gelungenes Cover.

Wertung:

Leider konnte mich Rose in diesem Band nicht mehr von sich überzeugen. Einzig ihre Brüder, Meggie und die beiden tierischen Charaktere haben es geschafft, mir hin und wieder ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Die Geschichte wirkte konstruiert und hat mich insgesamt enttäuscht zurückgelassen. Deshalb bekommt der dritte Band von mir leider nur 2,5 Lila-Lesesterne.


Lilith Parker, Band 4: Lilith Parker, und die Rache der Dämonen
Lilith Parker, Band 4: Lilith Parker, und die Rache der Dämonen
von Janine Wilk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lilith Parker und die Rache der Dämonen, 12. Oktober 2014
Story und Charaktere:

Das Bündnis der Vier gibt es nicht mehr, die Dämonen und Vampire stellen sich gegen die Nocturi, in Bonesdale bricht eine seltsame Krankheit aus und das Schattenportal hat seiner Sprengung zum Trotz alles heil überstanden. So findet sich Lilith inmitten von schwerwiegenden Problemen wieder, die nur sie als Amulettträgerin in den Griff kriegen kann. Kurzerhand beschließt sie, Rebecca mit in ihre Führungsebene zu erheben und sich der Sache zu stellen. Sie muss ihr Volk retten und das Geheimnis um sie alle vor dem Rest der Menschheit bewahren. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, dass mehr von Lilith abverlangt, als alles, was sie bisher durchstehen musste.

Langsam aber sicher hat Lilith Parker sich in die Rolle als Trägerin des Blutstein-Amulettes eingefunden. In den letzten Bänden ist sie bereits sehr an dieser Aufgabe gewachsen, in diesem Band zeigt sie endlich, was sie alles gelernt hat. Während sie in den ersten Bänden noch nach der Pfeife ihrer Tante tanzt und eigentlich nur ausführt, was ihr vorgekaut wird, auch wenn sie eigentlich völlig anderer Meinung ist, lernt sie jetzt, für das einzustehen, was sie selbst will. Sie lernt, Entscheidungen zu treffen und die Meinung anderer außer Acht zu lassen, wenn diese nicht zu dem passen, was letztlich die beste Entscheidung ist. Sie lernt, sich endlich zu behaupten und ihren Platz einzunehmen. Auch wenn sie noch auf wackeligen Füßen steht, und was will man auch Anderes von einer 15jährigen erwarten, Lilith benimmt sich letztlich genauso gewissenhaft, wie es ein Erwachsener tun würde. Sie übernimmt Verantwortung und gibt diese ab, wo es sein muss. Ihr Zug, Rebecca mit ins Boot zu holen und sich die Stelle, an der Lilith steht, zu teilen, mag spontan anmuten, ist aber eine weise Entscheidung. Lilith entwickelt sich also auch in diesem Band weiter und lernt dazu. Was Lilith so besonders macht, ist, dass sie immer beide Seiten der Medaille betrachtet. Selbst als es darum geht, sich wieder einmal mit dem Erzdämon auseinanderzusetzen, hört sie zu, um die Dinge besser einordnen zu können. Das ist, nach dem was ihr erzählt wird, gar nicht so einfach. Auch besonders macht sie, dass sie als Führungsperson nie davon abkommt, sie selbst zu sein. Sie weiß, dass sie diverse Entscheidungen treffen muss, lässt dabei aber nie das außer Acht, was ihr ihr Herz sagt. Gerade das macht sie für mich als Leserin so sympathisch.
Neben all den Problemen, die Bonesdale zu meistern hat, muss Lilith aber nach wie vor auch noch damit fertig werden, dass sie und Matt kein Paar sein können. Deshalb hat sie auch große Schwierigkeiten, Matts neue Freundin an seiner Seite zu akzeptieren. Eigentlich will sie das Alles gar nicht wahr haben, weiß aber genau, dass sie diese Stelle an Matts Seite niemals einnehmen kann. Der Kuss einer Banshee ist bindend und welche Auswirkungen das hat, sieht sie Tag für Tag an Rebecca.
Rebecca ist in diesem Band nicht die nervige Person, die wir kennen. Sie leidet noch immer schwer unter ihrem Verlust und ist kaum aus ihrem Schneckenhaus herauszubekommen. Selbst als Lilith ihr die zweite, gleichwertige Stelle an ihrer Seite anbietet, kann sich Rebecca einfach nicht darauf konzentrieren. Rebecca hat mir in diesem Band wirklich sehr leid getan und der Schmerz, den sie durchlebt, schwappte auch auf mich als Leserin über. Eine solche Herzenssache macht auch den nervigsten Charakter zu einer fühlenden Person, der man gerne die Arme um die Schultern legen würde.

Liliths Dämon Strychnin schien mir dieses Mal eine kleinere Rolle zu haben als noch in den vorangegangen Teilen. Er ist jedoch genauso witzig, forsch und anmaßend wie in den Bänden zuvor, obwohl er zu kränkeln scheint. Strychnin lockert die ganze bedrohliche Situation immer wieder ein wenig auf und sorgt dafür, dass beim Lesen das Schmunzeln nicht zu kurz kommt. Egal welche Geruchsblase er mit sich bringt, er gehört definitiv zu meinen Lieblingscharakteren.

Emma steht Lilith wieder in allem zur Seite, was auf sie zukommt. Sie scheint einer der Charaktere zu sein, der die Geschichte am Laufen hält, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt. Sie sorgt dafür, dass keine Lücken entstehen und dass man als Leser doch noch ein wenig vom Leben in Bonesdale mitbekommt. Mit Emma ist die Geschichte immer auf die Gemeinschaft fixiert, nicht auf eine bestimmte Handlung. Wie auch die anderen scheint Emma erwachsener geworden zu sein. Egal, was ihr auch bevorsteht, wenn Lilith die falsche Entscheidung trifft – sie steht hinter ihrer Freundin wie ein Fels in der Brandung und fängt so einiges ab. Emma verkörpert genau die Freundin, die man sich wünscht. Sie ist offen und direkt, wenn man es von ihr erwartet, kritisch aber auch liebevoll und besorgt, wenn es der Situation angemessen ist.

Matt ist in diesem Band sehr undurchsichtig. Er verhält sich oft gegenteilig zu dem was er sagt oder zu dem, was man von ihm erwarten würde. Die meiste Zeit über weiß man nicht genau, woran man gerade bei ihm ist. Schuld daran ist das seltsame Verhältnis, das seit einiger Zeit zwischen ihm und Lilith herrscht, sowie die Tatsache, dass er neuerdings eine Freundin hat. Als allerdings seine Mutter schwer krank wird, kommt wieder der Matt zum Vorschein, den man schon aus den Vorgängerbänden kennt. Er zeigt zudem wie verletzlich er wirklich ist und wie wenig von dem, was er nach außen zeigt, wirklich in seinem Inneren steckt.

Die Nebencharaktere des Buches, die auch schon in den anderen Bänden eine Rolle gespielt haben, sind nach wie vor wunderbar gestaltet und erhalten genug Platz, um wieder ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Leider müssen wir uns in diesem Band auch von einigen dieser Charaktere trennen, was allerdings dazu beiträgt, die Geschichte authentisch erscheinen zu lassen, obwohl wir doch alle wissen, dass Hexen, Geister, Dämonen etc. gar nicht existieren oder?

Was mir besonders gefallen hat:

Zwischen all den Reihen die den Buchmarkt bevölkern und aus dem Boden sprießen, kommt eines nicht allzu oft vor: die Bücher werden besser. Mit Lilith Parker ist es der Autorin allerdings gelungen, eine der Ausnahmen zu schaffen, die wir Leser doch so gerne bei allen Reihen finden würden. Als ich damals mit Band 1 anfing, von dem ich nicht wirklich begeistert war, weil ich mich zu sehr an Halloweentown erinnert fühlte, hätte ich niemals erwartet, dass ich ein paar Jahre später sehnsüchtig auf den nächsten Folgeband dieser Reihe warten würde. Es ist einem Geschenk geschuldet, dass ich Band 2 gelesen habe und nun nach Band 4 hier festsitze ohne den fünften lesen zu können. Die Autorin scheint mit ihren Büchern gewachsen zu sein. Der rasante, aber an das jugendliche Alter angepasste Schreib- und der lockere, aber nicht anspruchslose, zum Teil sehr atmosphärische, Sprachstil entwickeln sich kontinuierlich, die Spannungsdichte der Geschichte wird immer engmaschiger, man kann die Bücher einfach nicht mehr aus der Hand legen. Janine Wilk schafft den Spagat zwischen alten Vorkommnissen und neuer Handlung perfekt, sodass man am Ende wirklich das Gefühl hat, einen Folgeband im Ganzen gelesen zu haben und nicht nur ein weiteres Teilstück geliefert bekommen zu haben, das gefühlte 2000 Mal auf die Vorgänger zurückgreift.
Wie auch die Autorin, entwickeln sich die Charaktere von Buch zu Buch. Das trägt nicht nur dazu bei, dass die Geschichte spannend bleibt, sondern auch, dass keine Langeweile aufkommt. Die Charaktere lernen aus ihren Fehlern, wachsen an ihren Aufgaben und handeln genau deshalb nicht vorhersehbar. Das ist es auch, was die Geschichte um Lilith Parker und ihre Freunde so interessant macht. Jedes Buch hält etwas völlig Neues bereit, hat Wendungen im Gepäck, mit denen der Leser nicht rechnet, spielt an alten immer wieder neuen Schauplätzen und hält so die Neugierde auf das Kommende wach.

Dass der vierte Band der Reihe nicht nahtlos an den dritten Band anschließt, fand ich sehr gelungen. Für mich hat es die Zeit zwischen drei und vier irgendwie echter erscheinen lassen, erklärt auch besser, wieso Lilith plötzlich so viel erwachsener handeln kann und trägt dazu bei, dem Buch die nötige Ernsthaftigkeit zu geben, die die Situation in Bonesdale erfordert. Längst ist es kein Spiel mehr, die Existenz all der Wesen auf Bonesdale vor dem Rest der Welt zu verstecken. Dies wird mit jedem Band deutlicher. Dabei bewegt sich die Geschichte auch in immer düstere Gefilde, die Bedrohung nimmt immer weiter zu, das Ganze wird immer gefährlicher. Die Intensität, mit der das geschieht, wird von der Autorin sehr gut zwischen den Zeilen an den Leser weitergegeben. Ich bin gespannt, wie das Finale dieser sich ständig steigernden Reihe aussehen wird. Nachdem meine Erwartungen mit jedem Band übertroffen wurden, hoffe ich natürlich, dass Band 5 dies noch ein letztes Mal schafft, bevor die Pforten nach Bonesdale leider geschlossen werden.

Zusatz Zielgruppe und Altersempfehlung:

Ähnlich wie bei Harry Potter werden die Bücher mit dem Voranschreiten der Bände düsterer. Speziell in diesem Band spielen auch eine Seuche und damit verbundene Tote eine Rolle, es wird nicht unblutig gekämpft und das Ganze verlangt seine Opfer. Deshalb würde ich die Bücher nicht uneingeschränkt ab 10 Jahren empfehlen. Meine persönliche Einschätzung läge bei 12 – 13 Jahren, je nachdem wie das Kind/der/die Jugendliche gestrickt ist. Für alle Erwachsenen, die für sich selbst oder ihre Kinder jetzt vor Halloween noch den passenden Lesestoff suchen, ist diese Reihe besonders empfehlenswert. Es bietet sich allerdings nicht an, mitten in der Reihe anzufangen. „Lilith Parker – Insel der Schatten“ ist der erste Band dieser Reihe.

Gestaltung:

Der vierte Band der Reihe passt sich auch vom Cover wieder wunderbar an die Vorgänger an. Dieses Mal hat das Cover bräunlich-orange-gelbe Töne. Ein Mädchen steht zwischen zwei Bäumen, Augen beobachten den Betrachter des Buches. Mir gefällt auch dieses Cover wieder außerordentlich gut, auch wenn sich der Sinn erst mit dem Lesen des Buches erschließt. Das macht es aber letztlich doch so interessant und weckt die Neugierde.

Wertung:

Für alle diejenigen, die vorlaute kleine Dämonen, eine pubertierende Banshee, einen irgendwie sympathischen Erzdämon und eine Insel voller Hexen, Werwölfe und Wesen anderer Art interessant finden, ist die Reihe um Lilith Parker genau das Richtige. Hier kommen Jung und Alt auf ihre Kosten. Charaktere, Story, Schreib- und Sprachstil – alles entwickelt sich mit den Büchern mit. Von mir daher ganz klare 5 Lila-Lesesterne und eine noch klarere Leseempfehlung.


Magical
Magical
von Alex Flinn
  Gebundene Ausgabe

2.0 von 5 Sternen Magical, 12. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Magical (Gebundene Ausgabe)
Story und Charaktere:

Als Lisettes Mutter stirbt, ändert sich für Emma alles. Plötzlich muss sie ihren Vater, der eigentlich ihr Stief- aber Lisettes richtiger Vater ist, teilen. Lisettes hinterhältige und falsche Art sorgt dafür, dass Emma aus den Unternehmungen mit dem Vater ausgeschlossen wird, bis das gute Verhältnis zwischen Stieftochter und Stiefvater vollkommen in die Brüche geht. Ein ähnliches Spiel spielt Lisette mit Emma und deren Mitschülerinnen – Emma steht plötzlich ganz alleine da.
Lisette nimmt ihr nicht nur Freunde, Vater, Zimmer und alles andere, was zu ihrem bisherigen Leben gehört hat, sondern letztlich auch den Freund. Das ruft die Hexe Kendra auf den Plan, deren Zaubereien zwar immer nett gemeint, aber schon oft schiefgegangen sind. Ob sie Emma helfen kann?

Emma hatte es ihr Leben lang gut. Ihre Eltern, die aus Mutter und Stiefvater bestehen, hatten immer genug Geld, um ihr all ihre Wünsche zu erfüllen. Geld allein macht jedoch nicht glücklich und kann nicht aufwiegen, dass Emma eine Außenseiterin ist. Die Zeit, die sie dadurch hat, nutzt sie zum Lernen und Lesen. Dabei liest sie vor allem anspruchsvolle Lektüre, was ganz gut zu ihr passt, denn sie ist eine sehr intelligente Person. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist gut, das zu ihrem Stiefvater allerdings noch viel besser. Emmas Herz hängt sehr an ihm, dem tollen Baumhaus, das er für sie gezimmert hat und den gemeinsamen Jeopardy-Abenden, auf die sie sich jeden Tag freut.
Bis Lisette in Emmas Leben auftaucht, ist Emma ein zufriedener Teenager mit wenig Ansprüchen, da sie die kleinen Dinge des Lebens glücklich machen.
Als Lisette, ihre neue Stiefschwester, deren Mutter gerade gestorben ist, nun bei ihnen einzieht, glaubt Emma zunächst, endlich eine neue Freundin gefunden zu haben. Dann jedoch zeigt Lisette ihr wahres Gesicht. Nach außen hin ist sie das arme, kleine, gutaussehende, unschuldige Blondchen, dem niemand böse sein kann. Wie auch, schließlich hat die Arme gerade ihre Mutter verloren und bricht darüber regelmäßig in Tränen aus. Dazu stammt sie noch aus relativ armen Verhältnissen und muss sich erst einmal an ihre neue Lebenssituation gewöhnen. Hinter dieser liebenswürdigen, äußerlichen Maske, verbirgt sich jedoch eine kaltherzige, berechnende, kleine Person, die anderen das Leben zur Hölle machen kann. Dies gilt besonders für Emma. Durch Lisette lernt sie Gefühle wie Eifersucht, Neid, Traurigkeit und Einsamkeit erst richtig kennen. Leider unternimmt Emma nichts gegen ihre neue Rolle, sondern nimmt zwei Jahre lang alles hin, was Lisette in ihrem Leben verändert. Erst als Lisette Emma aus Spaß an der Freude auch noch den Freund ausspannt, geht diese auf die Barrikaden.

Obwohl sich in der Geschichte alles um Emma und Lisette dreht, ist Kendra die eigentliche Hauptprotagonistin des Buches. Kendra ist eine Hexe, mehrere hundert Jahre alt und versucht zum wiederholten Male ihre Fähigkeiten für das Gute einzusetzen. Damit ist ist sie in der Vergangenheit schon häufig gescheitert, was sie in kleinen Märchenadaptionen erzählt.
Kendra ist zur Zeit der Pest im Mittelalter geboren worden und hat diese zusammen mit ihrem Bruder überlebt. Bei ihrer Flucht aus ihrem Heimatdorf stoßen sie auf ein Lebkuchenhaus, bei deren Bewohnerin Kendra mehr über ihre Fähigkeiten lernt.
Seitdem versucht sie, ihre Kräfte für das Gute einzusetzen. Obwohl sie ihr Leben lang allerlei Menschen kennengelernt hat, hat Kendra immer für sich allein gelebt und sich an niemanden gebunden. Für Hexen ist das Leben auch nicht leicht, wie es das Mittelalter mit all seinen Hexenverbrennungen und Foltereien gnadenlos gezeigt hat. In Emma jedoch findet Kendra endlich jemanden, den sie sogar als Freundin bezeichnen würde.

Die Charaktere der Geschichte sind sehr unterschiedlich, bleiben aber die ganze Zeit über relativ flach. Dadurch, dass nur über ihre Gefühle gesprochen wird, diese aber nach außen nicht gezeigt werden, sind die Protagonisten sehr starr. Man fiebert und leidet wenig mit ihnen mit, da alles einen nüchternen und sachlichen Eindruck macht.
Die Story ist ein modernes Aschenputtelmärchen mit neu besetzten Rollen, was mal sehr erfrischend und abwechslungsreich war. Einzig die Zwischenerzählungen von Kendra haben mich gestört.

Was mir besonders gefallen hat:

Die Geschichte um Emma und Lisette könnte aus dem Leben gegriffen sein. Wer einmal zur High-School gegangen ist, weiß genau, wie der Hase dort läuft. Es gibt die Außenseiterin und natürlich das beliebteste Mädchen der Schule. Beide Rollen werden hier eingenommen und bis zum Schluss durchgehalten. Die intrigante Art von Lisette ließ mich dabei mehrmals die Augenbrauen hochziehen, kommen diese Szenarien einem doch aus dem vergangenen Schulalltag selbst ab und an bekannt vor.
Die Aufnahme dieser Art von Probleme in die Geschichte gefällt mir deshalb besonders gut, weil sich Leserinnen dieses Alters mit Sicherheit ohne Probleme damit identifizieren können. Dabei geht es nicht nur um die eigene Persönlichkeit, sondern um den Alltag um sich herum. Gerade an Schulen ist der Machtkampf oft nicht zu verachten.

Was mir nicht so gut gefallen hat:

Ich weiß nicht, ob es der Übersetzung geschuldet ist, doch fand ich den Schreib- und Sprachstil dieses Buches sehr flach. Vor allem die ersten 100 Seiten waren eine Herausforderung. Die einzelnen Abschnitte ließen sich zum Teil sehr abgehackt lesen, als hätte die Autorin noch nicht in den Schreibfluss gefunden, wollte aber unbedingt die Gedanken aus ihrem Kopf aufs Papier bringen. Kurze Sätze sorgen dafür, dass der Leseanspruch völlig fehlt. Der einfache Wortschatz trägt sein Übriges dazu bei. Erst etwa ab der Mitte lässt sich das Buch flüssiger lesen.

Was mir hier sehr gefehlt hat, ist die gefühlvolle Handlung der Charaktere. In ihren Aktionen kommt das, was beschrieben wird, leider nicht zum Tragen, sodass man nur schwer eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Natürlich tut Emma einem leid, als Lisette ihr ihr Leben wegnimmt, doch dadurch, dass sie sich aus völlig bescheuerten Gründen nicht zur Wehr setzt, nimmt man ihr dieses Leid nicht ab. Sie wirkt dadurch unheimlich gleichgültig. Hier scheint es Probleme damit zu geben, die Rollen der Charaktere außerhalb der Beschreibungen echt wirken zu lassen.

Die einzelnen Erzählungen von Kendra haben mich ebenso gestört. Wären sie als Anhang angefügt worden, wären sie sicher besser aufgehoben gewesen. So tragen sie nur dazu bei, dass die Hauptgeschichte dauernd unterbrochen wird und man einfach nur schnell mit ihnen fertig sein möchte, damit man weiß, wie es weitergeht. Insgesamt nimmt die eigentliche Geschichte also viel weniger Platz ein, als es uns das Buch weismachen möchte.

Der Haupthandlung fehlt es von Anfang bis Ende an Spannung. Es ist tatsächlich eine so alltägliche Geschichte, wie sie anmutet zu sein. Einen Höhepunkt gibt es schon deshalb nicht, weil alles so vorhersehbar ist. Jemand, der ein Buch ohne Anspruch sucht, ist hier allerdings sicher gut aufgehoben.

Gestaltung:

Das Cover ist sehr einfach gestaltet. Es ist überwiegend schwarz und außer der Schrift gibt es nur ein lilafarbenes Kissen auf dem ein weißer Schuh steht. Dies lässt natürlich sofort den Rückschluss auf Aschenputtel zu, da dies ein bekanntes Motiv aus eben diesem Märchen ist. Da aber genau dieser Punkt keine Rolle im Buch spielt, finde ich das Cover zwar schön anzuschauen, aber als Visitenkarte für das Buch unpassend.

Wertung:

Story und Charaktere, Sprach- und Schreibstil konnten mich leider nicht überzeugen. Dies war mein erstes Alex Flinn – Buch und wird wohl auch mein letztes sein. Zu flach waren mir die einzelnen Personen, zu aufgesetzt der Schreibstil, zu unpassend das Cover. Anspruchslose Lektüre, die allerdings einige Probleme Jugendlicher ganz gut aufgreift. Von mir gibt es für dieses Buch daher 1,5 Lila-Lesesterne.


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