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Rezensionen verfasst von
M. Heider "Herakleitos"
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Embassytown
Embassytown
von China Mieville
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,05

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Überlegung zur Sprache denn Roman, 18. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Embassytown (Taschenbuch)
China Miéville legt hier beinahe schon eher eine als Science Fiction getarnte kommunikationsphilosophische Abhandlung denn einen Roman vor. Eigentlicher Protagonist der Erzählung ist eine außerirdische Sprache, deren Besonderheit nur vordergründig ist, dass sie nur zweistimmig gesprochen werden kann, deren eigentliches Charakteristikum aber die mentale Unfähigkeit ihrer Sprecher ist, zwischen dem Begriff und dem, was der Begriff bezeichnet, zu differenzieren. Es ist eine Sprache, die nur Wahres, Reales und Existentes bezeichnen kann, mit Sprechern, die nichts anderes als das denken können - und somit mangels Abstraktion eigentlich gar keine Sprache.

Die Handlung folgt nun der Begegnung der Sprache - und somit der Gedankenwelt ihrer Sprecher - mit der Idee, dass Sprache auch Irreales bezeichnen kann. Aus dieser Kollision einer Mentalität ohne jedes Abstraktionsvermögen mit der Abstraktion ergeben sich im Laufe des Buches teils katastrophale Ereignisse, allerdings sind diese nicht die Hauptsache. In erster Linie ist "Embassytown" die Geschichte der Entwicklung einer Sprache und somit eine Gedankenspielerei über Sprache schlechthin, und darüber, wie Begriff und Bezeichnetes eben nicht ident sind, und was das für Denken und Kommunikation eigentlich bedeutet.

So intelligent und interessant dies an sich sein mag, so liegt hierin leider doch auch die Schwäche des Buches. Miéville war es wohl in erster Linie an einer romanhaften Untersuchung von Sprache (und damit Denken) gelegen - eine interessante Handlung bleibt dabei aber etwas auf der Strecke. Zumindest mich konnte der Plot, obgleich routiniert aufgebaut und stilistisch sicher erzählt, zu keinem Zeitpunkt wirklich fesseln, und meine Begierde, zu erfahren, was als nächstes passieren würde, hielt sich in Grenzen. Und wenn die Sprache an sich auch ein großartiges Konstrukt Miévilles ist, so fehlen dem Buch doch ähnlich interessant konstruierte und einprägsame Charaktere von dem Kaliber, das man von diesem Autor gewohnt ist.

Somit kann das Buch nur begrenzt empfohlen werden. Wer einen Faible für Sprachwissenschaft oder Kommunikationsphilosophie hat, sollte unbedingt zugreifen, wer an Miéville aber bisher vor allem seine fantastischen Welten und einfallsreichen Handlungsverläufe geschätzt hat, sollte sich hier vielleicht eher zurückhalten.


Chinesische Philosophie: Eine Einführung
Chinesische Philosophie: Eine Einführung
von Lutz Geldsetzer
  Broschiert
Preis: EUR 9,00

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellent - für Philosophen und Sinologen, 9. Juni 2011
Die Autoren Geldsetzer und Hong legen hier eung in die chinesische Philosophie vor. Dabei gehen sie nicht so vor, eine philosophische Schule nach der anderen zu behandeln, sondern führen den Leser vielmehr nach philosophischen Themengebieten gegliedert in das chinesische Denken ein, zu denen sie jeweils die Sentenzen ganz verschiedener philosophischer Richtungen und auch die Entwicklung philosophischer Standpunkte im Laufe der Zeit vorstellen. Dabei ziehen sie zum einen Parallelen zum abendländischen Denken, zum anderen arbeiten sie aber gerade so das typisch Chinesische an der chinesischen Philosophie heraus.

Diese Vorgehensweise verlangt allerdings eingehensweise verlangt allerdings einen in der okzidentalen Philosophie vorgebildeten Leser. Wer mit Begriffen wie Platonismus, Dialektik, Arché und aristotelischer Kategorie wenig anfangen kann, wird auch das vorliegende Buch kaum verstehen können, denn die Autoren verwenden sie und andere völlig frei und ohne weitere Erläuterung, um Vergleiche mit chinesischer Philosophie anzustellen. Wer hier allerdings auf eine fundierte philosophische Vorbildung zurückgreifen und mitziehen kann, der wird aus dem Band ein exzellentes Bild davon gewinnen, wo und auch wie chinesisches Denken sich in anderen Bahnen denn europäisches entwickelt hat, und wo in ähnlichen.

Es muss auch erwähnt werden, dass Geldsetzer und Hong in jedem der vielen, vielen Fälle, in denen sie chinesische Namen oder Termini verwenden, dazu auch die chinesische Schreibung angeben. Für den des Chinesischen nicht Mächtigen ist kaum begreiflich, wie undendlich wertvoll diese Praxis für den, der chinesische Schriftzeichen zu lesen versteht, ist. Und Geldsetzer und Hong gehen noch weiter: Sie geben im knapp 230 Einträge umfassenden Anmerkungsapparat sämtliche Zitate im chinesischen Original wieder. Abgerundet wird das durchwegs nach besten wissenschaftlichen Standards verfasste Werk noch von einem ausführlichen Namens- und Sachregister sowie von 32 Seiten Bibliographie mit internationaler Literatur in verschiedenen Sprachen.

Insgesamt kann diesem Buch attestiert werden, dass es Wissen auf hohem Niveau vermittelt, dieses hohe Niveau aber vielleicht auch sein Problem ist. Den vollen Gewinn zieht nur der fundiert philosophisch gebildete Sinologe, und Verständnis des Buches erfordert in jedem Fall gute Kenntnis der abendländischen Philosophie, oder zumindest die Bereitschaft, parallel ständig in Lexika zu dieser nachzulesen. Wer letzteres nicht mitbringt, wird mit einer weniger voraussetzenden Einführung besser bedient sein.


Sasanian Iran (224-651 CE): Portrait of a Late Antique Empire
Sasanian Iran (224-651 CE): Portrait of a Late Antique Empire
von Touraj Daryaee
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,25

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knapper, aber guter Überblick, 2. Juni 2011
In diesem Büchlein legt der kalifornische Universitätsprofessor Touraj Daryaee auf etwas über hundert Seiten Fließtext einen knappen, aber fundierten Überblick über mehr als vierhundert Jahre sasanidische Geschichte vor. Dass ein Werk dieser Länge dabei zwangsläufig ganz an der Oberfläche der Vorgänge bleiben muss, versteht sich von selbst, allerdings runden teilweise gehaltvolle Fußnoten, im Durchschnitt zwei bis drei pro Seite, sowie eine akzeptable Bibliographie den Text ab und öffnen das Tor zu weiterführenden Studien - wenn man die Bereitschaft und Möglichkeit hat, sich teils sehr entlegene wissenschaftliche Publikationen zu besorgen. Insgesamt wird das Buch europäischen wissenschaftlichen Standards knapp, aber doch, gerecht.

Das weit verbreitete Problem amerikanischer wissenschaftlicher Arbeiten, die teils essentiellen Erkenntnisse nicht-englischsprachige Publikationen fast gänzlich auszuklammern, ist auch hier nicht gänzlich abwesend, allerdings berücksichtigt Daryaee in Fußnoten und Bibliographie wenigstens die wichtigsten französischen und deutschen Publikationen und verweist im Vorwort explizit darauf, dass anders als in den genannten Sprachen bisher keine Einführung in die sasanidische Geschichte in englischer Sprache vorliegt, eine Lücke, die er mit diesem Buch zu schließen gedenkt.

Dies gelingt Daryaee zweifellos, und auf gutem Niveau. Allerdings macht diese Aufgabenstellung das Buch für den der deutschen Sprache mächtigen Leser weitgehend redundant: Mit Schippmanns "Geschichte des sasanidischen Reiches" und Wiesehöfers "Das antike Persien" stehen ihm teils kaum ältere, aber ungleich tiefschürfendere Einführungen in das Thema zur Verfügung. Für den des Deutschen mächtigen Leser gäbe es als einzigen Grund, zu Daryaee zu greifen also dessen etwas höhere Aktualität, ein Vorzug, der aber durch die Knappheit der Darstellung, die nicht auf aktuelle wissenschaftliche Diskussionen eingehen kann, völlig zunichte gemacht wird.

Insgesamt also eine gute Einführung, die lediglich daran krankt, dass es - auf Deutsch - eben bessere gibt.


Der Daoismus: Von Laozi bis heute
Der Daoismus: Von Laozi bis heute
von Hans van Ess
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Entwicklungslinien des Daoismus, 20. März 2011
Über das vorliegende Büchlein muss zuallererst deutlich gesagt werden, dass es kaum eine Einführung in die Lehren des Daoismus sein will und ist, als vielmehr eine Geschichte der Entwicklung der einzelnen daoistischen Strömungen von den Anfängen bis heute. Gestützt auf die Erkenntnisse von Text- und Quellenkritik zeichnet Hans van Ess darin den Gang der daoistischen Lehren durch die Zeit nach, wobei sich speziell für die früheren Zeiten bis etwa inklusive der Han-Dynastie ein Bild ergibt, dass doch recht deutlich von dem unterschieden ist, was der Informierte heute gemeinhin als daoistische Lehre versteht. Van Ess zeigt auf, wie, wann und durch welche Personen oder Schriften gewisse Elemente überhaupt erst Eingang in den Daoismus fanden oder aber daraus verschwanden. Aufgrund des vorgegeben knappen Rahmens der Beck'schen Reihe ist dabei zum einen die Informationsdichte sehr hoch und erfordert konzentriertes Lesen, und zum anderen können die Inhalte der Lehren nur knapp angerissen oder gar nur namentlich erwähnt werden. Wer die daoistischen Lehren nicht bereits kennt, wird sie durch dieses Buch kaum kennen lernen und somit wohl nur wenig mit ihm anfangen können.

Dies sei ausdrücklich festgehalten, aber ebenso, dass dies dem Autor nicht zum Vorwurf zu machen ist. Er hat im vorgegebenen knappen Rahmen eine philologische und historische Schrift zum Daoismus vorgelegt, aber keine philosophische oder theologische. Von Lesern, die den Daoismus noch überhaupt nicht kennen, sollte das Buch daher besser gemieden werden, andere werden es aber eine wertvolle Ergänzung finden, die sie mit dem aktuellen Forschungsstand zum Werden des daoistischen Philosophie- und Glaubenssystems vertraut macht.

Wenn man dem Buch irgend einen Vorwurf machen kann, den vielleicht den, dass die Dichte der Information zu religiös-philosophischen Texten, Lehrern und Strömung vielleicht doch etwas zu hoch ist, mehr noch als in den meisten anderen Bänden dieser Reihe. Dies mag vielleicht daran liegen, dass selbst der informierte abendländische Leser nicht intim genug mit chinesischer Geschichte, Kultur und Prosopographie vertraut ist, um die vielen erwähnten Fakten leicht behalten und verarbeiten zu können, man wird aber doch fragen dürfen, ob bei diesem Buch etwas weniger nicht doch mehr gewesen wäre. Vielleicht, doch in Anbetracht von 2500 Jahren Text- und Religionsgeschichte wahrscheinlich doch kaum möglich.

Insgesamt ein sehr informatives und empfehlenswertes Buch zur Entwicklung des Daoismus, wenn auch keinesfalls beiläufig zu lesen. Seine Lektüre bereichert das Wissen dessen, der den Daoismus schont wenigstens in groben Zügen kennt, alle anderen werden mit ihm aber nur sehr wenig anfangen können.


The Desert of Souls
The Desert of Souls
von Howard Andrew Jones
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,65

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlicht und einfach pure Unterhaltung, 11. März 2011
Rezension bezieht sich auf: The Desert of Souls (Gebundene Ausgabe)
Howard Andrew Jones legt hier nach Kurzgeschichten und Tätigkeit als Herausgeber seinen ersten Roman vor. Es handelt sich um eine Erzählung angesiedelt in einer um einige fantastische Elemente erweiterten Ära des Kalifen Harun ar-Raschid, und darin, dass sich diese übernatürlichen Elemente großteils in den Randzonen des zivilisierten menschlichen Siedlungsraumes finden, den Geschichten aus "1001 Nacht" von der Stimmung her nicht ganz unähnlich.

Der Roman ist von einem der beiden Hauptprotagonisten in der ersten Person erzählt und beginnt in Bagdad, von wo die Helden die Verfolgung eines auf Übles sinnenden Magiers in die Tiefen der arabischen Halbinsel aufnehmen, die sie letztlich zum Finale wieder nach Bagdad zurückführt. Die Handlung ist dabei recht geradlinig, aber handwerklich gut als Verfolgungsjagd konstruiert. Da das Buch dem Sub-Genre der "Sword & Sorcery" zuzuordnen ist, entfaltet sich die Handlung rasch und schreitet ebenso rasant voran; Passagen mit langen Beschreibungen wird man hier vergeblich suchen. Manche Leser mögen dies als Stärke empfinden, andere als Schwäche, in keinem Fall kann das jedoch ein Kritikpunkt sein, da dies nun einmal ganz den Konventionen des Genres und somit der kreativen Intention des Autors entspricht. In jedem Fall sind die deskriptiven Passagen ausreichend, um den Leser in eine fantastische Version des Kalifats zu versetzen, die von Howard Andrew Jones sichtlich sehr gründlich recherchiert wurde.

Es bleibt noch zu sagen, dass die beiden Protagonisten, wenngleich keine blütenrein ethischen Helden, so doch eindeutig als moralisch und konventionell "gut" zu bezeichnen sind. Der moralische Relativismus und die Grauzonen im Verhalten, die moderne fantastische Literatur oft bestimmen, sind hier nur in Anklängen vorhanden. Wenngleich die Profile, speziell im Fall eines Antagonisten, nicht unrealistisch scharf sind, so sind in diesem Roman die Helden eben doch Helden und die Schurken Schurken. Gemeinsam mit der raschen Entfaltung der Handlung gibt das dem Werk einen etwas altertümlichen, aber keineswegs literarisch schlechten Charakter. Es ist eben eine heute wenig benutzte literarische Konvention, die man entweder mag oder nicht - aber auch in letzterem Fall kann ich das Buch zumindest als Abwechslung doch empfehlen.

Insgesamt kein großes Meisterwerk der fantastischen Literatur, aber auf jeden Fall ein angenehm zu lesendes Werk mit sympathischen Protagonisten und einer rasanten Handlung vor gut recherchiertem und vermitteltem Hintergrund. Reine, ungetrübte Unterhaltung von einer etwas altertümelnden Art, wie sie heute nur selten zu finden ist.


Mons Graupius AD 83: Rome's battle at the edge of the world (Campaign)
Mons Graupius AD 83: Rome's battle at the edge of the world (Campaign)
von Duncan B Campbell
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorbildliche Darstellung für den interessierten Laien, 9. März 2011
Das vorliegende Büchlein beschäftigt sich mit der Schlacht am mons Graupius zwischen Römern und Caledonen im Jahre 83 n. Chr. Der Autor führt den Leser mit einem kurzen Abriss der Geschichte der Eroberung Britanniens durch die Römer und eine recht genaue Darstellung der etwa fünfjährigen Kampagne, welche letztlich in der Schlacht am mons Graupius kulminierte, ein. Außerdem gibt er, soweit dies anhand der Quellen möglich ist, eine Aufstellung der beteiligten römischen und caledonischen Truppen, wobei letztere natürlich weit knapper ausfallen muss. Eine recht ausführliche Beschreibung der Schlacht selbst, illustriert mit zwei doppelseitigen Farbkarten und drei doppelseitigen Bildern von Momenten der Schlacht, sind das Herzstück der Darstellung, welche mit einem kurzen Ausblick auf das politische Schicksal der Region in den folgenden Jahren schließt.

Duncan Campbell schreibt all' dies in einem angenehmen und eingängigen Stil, und zwar ohne dass der Gehalt der Darstellung leiden würde. Sehr positiv ist auch zu bemerken, dass der Autor auch den neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung bis nach der Jahrtausendwende einfließen lässt und auch sonst zu erkennen gibt, dass er nach besten wissenschaftlichen Grundsätzen arbeitet.

Dabei ist das Büchlein natürlich kein wissenschaftliches Werk und kann aufgrund von fehlenden Quellenangaben und einigen Oberflächlichkeiten auch schwerlich zum wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen werden. Da sich die Osprey-Reihe aber auch nicht an ein Fachpublikum sondern an interessierte Laien und Wargamers wendet, soll dies jedoch kein Kritikpunkt sein, sondern nur jenen zur Information dienen, die mit den Osprey-Bänden nicht vertraut sind. Innerhalb der Reihe kann Duncan Campbells Band sicherlich zu den besten gezählt werden und als vorbildlich bezeichnet werden, was die Verbindung von guter wissenschaftlicher Methode mit einer klaren Darstellungsweise anbelangt.


Smara - Verbotene Stadt
Smara - Verbotene Stadt
von Michel Vieuchange
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Westsahara 1930, 10. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Smara - Verbotene Stadt (Broschiert)
Bei dem Buch handelt es sich einen Abdruck der um Vor- und Nachwort erweiterten sowie durch einige Anmerkungen ergänzten Eintragungen in das Reisetagebuch des ersten Europäers, der in entbehrungsreicher und gefährlicher Forschungsreise im Jahr 1930 in die Stadt Smara in der Westsahara vordrang. Da dieses Reisetagebuch auch die Gedankengänge seines Autors enthält und teilweise aus kurz hingeworfenen Eintragungen besteht, liest es sich nicht wie eine Erzählung, ist durch diese Unmittelbarkeit aber umso eindrucksvoller. Der Leser wird geradezu von Michel Vieuchange auf seine Forschungsreise mitgenommen und kann von Eintrag zu Eintrag die Empfindungen des Verfassers gut nachvollziehen, wenn nicht gar teilweise wirklich nacherleben. Das Buch ist somit ein eindringliches Dokument einer nur etwa ein Menschenleben zurückliegenden Forschungsreise in einen damals noch unbekannten und bedrohlichen Teil der Sahara.

Da der Großteil dieser Bedrohung aber von den lokalen Einwohnern ausging, die kein europäisches Vordringen in ihr Land wünschten, und die Reise Vieuchanges daher geheim, in Verkleidung oder gar versteckt stattfinden musste, darf man sich hier keinen ethnographischen Bericht erwarten. Abgesehen von seinen mehr oder - eher - minder vertrauenswürdigen Führern traf Vieuchange kaum mit Einheimischen zusammen und hat daher entsprechend wenig über die Leute zu Berichten - umso mehr aber über das Land.

Wie gesagt also ein eindringlicher, ungeschönter (und daher auch nicht stilistisch polierter) Bericht über einen Teil der Sahara, die Zustände dort und eine gefährliche und entbehrungsreiche Forschungsreise durch ihn vor noch gar nicht allzu langer Zeit. Interessante Lektüre.


An Empire Unacquainted with Defeat (Dread Empire)
An Empire Unacquainted with Defeat (Dread Empire)
von Glen Cook
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungewöhnliche Kompilation, 26. Januar 2011
Bei keinem Buch ist es mir bisher so schwer gefallen wie bei diesem, eine Wertung in Sternen zu vergeben, was vor allem an der Verschiedenheit der Zusammenstellung der Geschichten in diesem Band liegt. Eine Bewertung ist hier noch mehr als sonst Geschmacksache.

Vereint werden die Geschichten einzig dadurch, dass sie in der gleichen Welt spielen, allerdings an so weit verstreuten Orten, dass eine bestenfalls oberflächliche Verbindung besteht. Einige der Geschichten sind geradezu grimmig realistisch und erinnern so an Autoren wie David Gemmell, andere sind in völligem Gegensatz dazu in Stil und Inhalt aber ähnlich Märchen oder vielmehr Sagen, und wieder andere sind beinahe schelmenhaft und nehmen sich auf augenzwinkernde Art selbst nicht völlig ernst. Insgesamt wie gesagt eine etwas exzentrische Mischung, von der man sich fragen muss, welchem Leser sie in ihrer völligen Heterogenität wohl zusagen dürfte.

Stilistisch werden die Geschichten durch eine äußerst lakonische Erzählweise geeint, ähnlicher einem gesprochenen als einem literarischen Bericht. Der Vorteil dieses Stils ist eine große Dynamik der Geschichten und eine rasche Entfaltung der Handlung, von der mehr vorhanden ist, als man bei dieser Seitenzahl erwarten würde, wer aber mehr als skizzenhafte Beschreibungen oder ausführliche Exkursionen in das Innenleben der Protagonisten erwartet, wird enttäuscht werden. Allerdings gelingt Glen Cook mit diesem knappen Stil in jedem Fall eine lebendige und ausreichende Charakterisierung der Personen und Orte seiner Erzählungen, sodass der Stil nicht als Mangel angesehen werden kann, sondern eben eine Eigenheit dieser Geschichten, die objektiv weder positiv noch negativ, sondern wieder Geschmacksache ist.

Insgesamt also wie gesagt eine Sammlung, die einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Handwerklich tadellos gemacht dürfte die Heterogenität der Erzählungen allerdings bei nur sehr wenigen Lesern auf ungetrübte Zustimmung stoßen, und wer eine Abneigung gegen eine sehr knappe Erzählweise hat, sollte das Buch wohl besser ganz meiden. Obwohl das Buch keineswegs von schlechter Qualität ist, kann es wegen dieser Eigenheiten dennoch vermutlich nur Fans von Glen Cook vorbehaltlos empfohlen werden.


Im Zauber der griechischen Landschaft
Im Zauber der griechischen Landschaft
von Nikos Kazantzakis
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ideell-ideales Griechenland, 14. Dezember 2010
Nikos Kazantzakis hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts als junger Mann sein heimatliches Griechenland bereist und dabei seine Gedanken und Assoziationen aufgezeichnet. Diese hier veröffentlichen Gedankengänge sind weniger Beschreibungen der besuchten Stätten, als eben vielmehr, was Kazantzakis durch die Einwirkung der Atmosphäre in den Sinn kam. Es handelt sich dabei um romantische und schwärmerische Überlegungen darüber, wie sich in Griechenland Landschaft, Mensch, Geschichte und vor allem Mythos nach Kazantzakis' oft romantisch verklärter Meinung wechselseitig bedingten, durchdrangen und beeinflussten.

Kazantzakis nimmt den Leser mit auf eine in hohem Maße schwärmerische Reise durch ein ideales und ideelles Griechenland, und so etwas ist natürlich sehr stark eine Frage des Geschmackes. Wer eine nüchterne Reisebeschreibung und Informationen über Land und Leute des Griechenlands von vor hundert Jahren sucht, sollte dieses Buch besser meiden, wer allerdings eine emotionale Verbundenheit zum kulturellen Erbe des antiken Griechenlands verspürt und genug Geschmack an poetischer Übersteigerung findet, um sich an Kazantzakis faktisch nicht immer ganz zutreffenden Gedankenflügen erfreuen zu können, sollte an diesem Buch seine helle Freude haben.


Corvus (Macht Trilogy)
Corvus (Macht Trilogy)
von Paul Kearney
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krieg, Soldaten und Schlachten - blutig und realistisch., 5. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Corvus (Macht Trilogy) (Taschenbuch)
Wie schon mit dem diesem Buch vorangehenden Werk "The Ten Thousand" legt Paul Kearney hier wieder ein Fantasybuch vor, das im Fehlen übernatürlicher Elemente eher als historischer Roman in einer erfundenen Parallelwelt zu bezeichnen ist. Diese Parallelwelt lehnt sich sehr stark am klassischen Griechenland des vierten vorchristlichen Jahrhunderts an und wird von Kearney überzeugend zum Leben erweckt. Die Handlung des vorliegenden Romans, der wieder den Söldnerführer Rictus als Hauptprotagonisten verwendet, folgt dem ersten in etwa zwanzig Jahren Abstand, und so wie bereits der vorige Roman interpretiert er wieder ein echtes Ereignis der griechischen Geschichte auf freie Art und Weise neu, in diesem Fall die erzwungene Einigung Griechenlands durch die Makedonen am Vorabend des Perserfeldzuges Alexander des Großen.

Man kann Kearney sicher ohne Übertreibung als einen wahren Meister der realistischen Darstellung von Schlachten und überhaupt Kriegen bezeichnen, einschließlich der überzeugenden Charakterisierung von Soldaten aller Art, wobei er stets frei von Schönfärberei und meist auch Pathos ist - zumindest dort, wo seine teils poetische Sprache nicht zu sehr Raum greift. Kearneys Kriege sind eindringlich und voll des beiläufigen, wie selbstverständlich erzählten Schreckens, und seine Charaktere sind allesamt überzeugend. Von der Handlung her bleibt "Corvus" allerdings hinter "The Ten Thousand" zurück. Während letzterer Roman ein verzweifelt heroisches Ringen ums Überleben schilderte und uns dabei mit den abendländischen Augen der "griechischen" Söldner das Panorama eines exotischen Orients bot, fällt hier zum einen der Reiz des Fremden weg und zum anderen hat die Handlung an sich etwas weniger Kraft. Der Nacherzählung einer militärischen Kampagne und des Schicksals einiger von ihr Betroffenen fehlt eben bei allem erzählerischen und deskriptiven Geschick des Autors doch die aufwühlende Epik des ersten Buches.

Trotz dieses kleinen Inhaltlichen Mangels kann das Buch eigentlich vorbehaltlos empfohlen werden - speziell Freunde einer realitätsnahen und "schmutzigen" Fantasy voll des Blutes und des Schweißes dürften ihre Freude daran haben.


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