wintersale15_70off Hier klicken Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos Learn More Erste Wahl designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV
Profil für Døømfather > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Døømfather
Top-Rezensenten Rang: 4.662
Hilfreiche Bewertungen: 386

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Døømfather

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Mohamed: Eine Abrechnung
Mohamed: Eine Abrechnung
von Hamed Abdel-Samad
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unaufgeregte, dennoch eindringliche Analyse und Appell an die Geistesfreiheit, 14. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Mohamed: Eine Abrechnung (Gebundene Ausgabe)
In dem vorliegenden Buch rechnet Hamed Abdel-Samad in der Tat ab mit jenem Mann, den die Welt unter dem Namen Mohamed kennt. Nicht nur mit seinem Nachlass, dem Koran, sondern mit der Person an sich.
Er analysiert keinen Propheten, keinen selbsternannten Gottgesandten. Er beschäftigt sich - ungeniert und schonungslos - mit einem Menschen. Mit all dessen allzu menschlichen Ängsten, Schwächen und Leidenschaften, Egoismen, Trieben und Komplexen.
Abdel-Samad lässt von Anfang an keinen Zweifel an seinem Vorhaben aufkommen, den Koran und seinen Urheber jener Unantastbarkeit zu entreißen, welche eine große Zahl seiner Anhänger in entwicklungsfeindlicher Starre gefangen hält und zu hysterischer, bisweilen mörderischer Gekränktheit anlässlich jedes Hauchs von Kritik oder Satire führt.
Dabei reichen die Thesen des Autors von der schon öfters vermuteten Epilepsie Mohameds bis zu einem angenommenem Kindheitstrauma, welches sich durch die Ablehnung seiner Mutter und demütigenden Lebensumstände entwickelte und sich u.a. in Narzissmus, Gewaltbereitschaft und Kontrollwahn manifestierte.
Abdel-Samad unterscheidet dabei zwischen dem visionären, jedoch noch friedlichen 'Underdog' der mekkanischen Zeit und dem rachsüchtigen, brutalen Kriegsherrn und Potentaten der medinensischen Periode und verfolgt akribisch die charakterliche Entwicklung Mohameds, welche sich in den chronologisch zuzuordnenden Suren widerspiegelt.

Diese Deduktion führt unweigerlich und bewusst dazu, dass die 'göttlichen Offenbarungen' als, bisweilen widersprüchliche, reine Reflektion der Wünsche und Bedürfnisse des eines belasteten Menschen entlarvt werden können. Abdel-Samad spricht Mohamed zwar durchaus zu, dass dieser seine 'Eingebungen' für göttlich hielt und (meistens) nicht bewusst vortäuschte, jedoch analysiert er treffend, dass es sich hier um verklärte, von Juden- und Christentum beeinflusste Manifestationen des Unterbewusstseins handelt, unterstützt von den typischen Symptomen einer Temporallappen-Epilepsie, welche die Vision Mohameds bilden.
Zur Untermauerung seiner Analyse zieht er den Koran selbst und diverse Hadithe im Abgleich mit den gegebenen Mohamed-Biographien heran und bemüht sich, die Person des Religionsgründers aus diesem Vortex von fremden Ergänzungen, erst wesentlich später verschriftlichten Nacherzählungen und bewussten Manipulationen herauszuschälen. Sowohl Theologie als auch Etymologie und Psychoanalyse zählen hierbei zu seinen Werkzeugen.
Um den Grad der Steilheit seiner Thesen wirklich abschätzen zu können fordert dieser Text natürlich eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema Islam und islamischer Geschichte ein. Das Buch selbst lässt sich jedoch erstaunlich leicht und flüssig lesen und stellt sich auch dem unbefangenen Leser klar und verständlich dar. Fast im Plauderton legt Abdel-Samad seine Thesen und Belege dar und lässt sich, auch wenn er eindringlich wird, weder zu geschraubten Fachwortgewittern, noch ätzender Gehässigkeit hinreißen.
Seine Rückschlüsse sind provokant, kontrovers, bisweilen vielleicht nicht einmal korrekt. Doch selbst letzteres wäre paradoxerweise nicht falsch, denn auch im Falle eines Irrtums sind sie schlicht die Ausübung dessen, was der Autor vom Islam verlangt. Offenen Diskurs, Gedankenfreiheit, Dialog, Forschung, Kritik. Ohne den Druck eines Säbels im Nacken.
Seine Forderung an die Muslime, welche sich als Quintessenz ergibt, ist schlicht, ihre Angst zu verlieren. Angst vor Kritik und Parodie, vor Meinungsfreiheit und Veränderungen.
Die muslimische Gesellschaft muss aus dem Schatten des Menschen Mohamed heraustreten, sich nicht die persönlichen Schwächen und Befindlichkeiten eines Mannes und seines Umfeldes, welche beide schon seit Jahrhunderten nicht mehr existieren, als 'Role Model' zu eigen machen.
Dabei tritt Abdel-Samad durchaus dafür ein, das an Lebensweisheiten und Ratschlag aus dem Koran zu bewahren, was sich mit einem friedlichen, sozialen Miteinander vereinbaren lässt, ja dieses sogar zu fördern im Stande ist. Er wendet sich aber vehement und mit all jener Entschlossenheit, der ein Mann fähig ist, über den eine Fatwa gesprochen wurde, gegen all jenes im Islam, was Krieg, Mord, Unterdrückung und geistigen Stillstand rechtfertigen soll.
Er wendet sich auch an jene, eigentlich liberale, wenigstens gemäßigte Moslems, welche bei Kritik oder Zweifeln an ihrem Propheten, trotz aller Aufklärung reflexmäßig einschnappen und sich persönlich beleidigt fühlen. Denn bereits hierin erkennt er das Grundelement, auf welchem im schlimmsten Falle Fanatismus und Extremismus mit all ihren allzu bekannten Begleiterscheinungen aufbauen können.
Unter der provokanten Überschrift 'Charlie Hebdos Geschenk an den Islam' verlangt er von seinen Glaubensbrüdern und -schwestern nichts weiter, als eine aufgeklärte Entspanntheit, ein Hinterfragen der eigenen Grundsätze, mehr Humor und das Abrücken von einem permanenten Beleidigtsein, welches nicht nur die Welt irritiert sondern auch den Gläubigen selbst in seiner eigenen geistigen und sozialen Entwicklung behindert.

Abdel-Samad ist dabei zu etwas fähig, was definitiv nicht nur bei Moslems Mangelware ist. Der Selbstanalyse, der Selbstkritik und dem Mut, diese offen darzulegen und sich selbst im Sinne einer lebensbejahenden, freiheitlichen Gesinnung zu verändern.
Und diese Fähigkeit ist etwas, woran sich alle seine Leser, egal welcher Façon, ein Beispiel nehmen sollten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2015 11:44 AM MEST


Vlad - Der Pfähler
Vlad - Der Pfähler
DVD ~ Stefan Sileanu
Preis: EUR 11,99

3.0 von 5 Sternen 'Braveheart' auf Rumänisch - Nicht ohne Hintergedanken, 18. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vlad - Der Pfähler (DVD)
Da rotiert sie nun unter dem Laser. Jene allzu heroische Vision Vlads III aus dem Rumänien des neostalinistischen Ceaucescu-Regimes. Die wohlretuschierte Geschichte des berühmt berüchtigten Woiwoden und Feldherrn, mit dem sich der große Conducator selbst bedenklich gern identifizierte.

Vorausgeschickt: Das Bild der DVD ist schaurig, grobkörnig und blass. Der Ton rauscht und ist flach. Das mag am eher minderwertigen Ausgangsmaterial einer 'exotischen' Filmindustrie liegen, denn an sich wirkt dieser Film von jenseits des eisernen Vorhangs aus dem Jahre 1979 eher wie ein Hollywood-Schinken von 1954. Abzüge in der B-Note also, welche den interessierten Cineasten dennoch keinesfalls abschrecken sollten.

Zur Geschichte:
Wir erleben die Regentschaft Vlads III. Draculea, genannt Tepes (der Pfähler), präsentiert als gerechter und asketischer Staatsmann, der mit patriotischer Härte das Land eint, zu einer Art Räterepublik umformt und den äußeren Feind - Ungarn und Osmanen - genauso tapfer und selbstlos bekämpft, wie im Innern die gierigen und hinterhältigen Bojaren.
Dabei sei angemerkt, daß es sich hier mehr um eine Biographie als um ein Schlachtenepos handelt. Schwertschwingende Massenszenen sind eher die Ausnahme und es wird der Fokus auf den Hauptcharakter und sein Wirken gelegt.

Und dieser führt, grausam aber weise, seine 'vladinistischen Säuberungen' durch, um Korruption, Ausbeutung und Kriminalität zu bekämpfen. So ist Vlad also beispielsweise mit chirurgischer Präzision in der Lage, wenn er ein Bankett für alle Bettler des Landes gibt, die 'echten, ehrlichen' Tippelbrüder auszusortieren, bevor er die Türen verrammeln und den Speisesaal in Flammen setzen lässt, in dem sich nun ja nur noch Täuscher und Halsabschneider befinden.

Überhaupt wird fast keine - ob authentische oder erfundene - Schauermähr ausgelassen, welche zu dem Woiwoden überliefert ist. Ob nun die Gasse aus 20.000 gepfählten Leichnamen an der Südgrenze der Walachei, angenagelte Turbane an den Köpfen osmanischer Gesandter, welche diese vor dem Fürsten nicht ziehen wollten, oder das oben genannte Festmahl. Dabei wird auch vor drastischer Darstellung am Wegesrand aufgespießter Räuberkadaver nicht haltgemacht.
Aber all dies wird mit schicksalsbestimmter Notwendigkeit verklärt und mehr als einmal hadert Vlad mit seiner Bestimmung, welche ihn zu all dieser, ach so ungewollten Grausamkeit zwingt. Mel Gibson dürften die Augen und so manch anderes feucht werden...

Was jedoch nicht erwähnt wird sind jene Geschichten über aufgeschlitzte Gespielinnen, um zu überprüfen, ob diese wirkliche schwanger seien, oder sich verzweifelt vom Schlossturm stürzende Ehefrauen. Und das hat einen einfachen aber eigenartigen Grund:
In dem ganzen verdammten Film kommen keine Frauen vor. Sie spielen nicht nur keine Hauptrolle. Sie spielen gar keine Rolle!
Ganz selten steht eine Dame im Hintergrund herum, wird kreischend von plündernden Soldaten durch ein brennendes Dorf gejagt oder den entsetzten Kriegern von Weitem als Geisel präsentiert. Aber es gibt keine Sprechrolle. Kein Sopran durchbricht den Chor der rauen Stimmen. Nicht mal ein vielsagender Blick wird der Weiblichkeit gegönnt. Vlads - oder Ceaucescus? - Rumänien ist Männerland!

So poliert man einen großen Schlächter der Geschichte mit dem propagandistischen Weichzeichner und kann danach vermeintlich guten Gewissens die allzu bekannte Phrase dreschen 'Es war ja nicht alles schlecht'.

Dennoch schafft es dieser Film natürlich auch zu unterhalten, mit pittoresken Landschaftsansichten und Kulissen zu faszinieren und aufgrund seiner opulenten Ausstattung zu begeistern. Über die Authentizität der Kostüme weiß ich nicht viel zu sagen, aber sie sind prächtig anzusehen. Und man trägt teilweise echte Kettenhemden, keine gestrickten Hollywood-Substitute.
Die Mimen spielen mit Hingabe und pathetischem Feuer, allen voran Stefan Sileanu, der in der Tat wie eine Reinkarnation des alten Draculea wirkt.

Und im Gegensatz zu dem unsäglichen, ebenfalls propagandistischen 'Dracula Untold' von 2014 werden die Osmanen unter Mehmed II. wenigstens als würdige und ehrenhafte Gegner präsentiert, und nicht als bizarr verzerrte, entmenschlichte Mörderhorde.
Alles in allem ein ansehnliches Stück Kinogeschichte aus einer anderen Zeit, ja einer anderen Welt, dem man sowohl als Freund altmodischer Mittelalter-Mähren wie auch als kritischer Analytiker erwartungsvoll gegenübertreten kann.


Die Braut des Teufels / The Devil Rides Out ( ) (Blu-Ray & DVD Combo) [ UK Import ] (Blu-Ray)
Die Braut des Teufels / The Devil Rides Out ( ) (Blu-Ray & DVD Combo) [ UK Import ] (Blu-Ray)
DVD ~ Christopher Lee
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 19,52

4.0 von 5 Sternen Schaurig-schöner Filmspaß aus Opas Grusel-Schatulle, 4. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"The Devil rides out" (in Deutschland unter "Die Braut des Teufels" vertrieben)

Ein alter Freund und eine junge Frau müssen aus den Fängen eines fanatischen Kreises von Teufelsanbetern gerettet werden.
Christopher Lee in der Rolle des Duc de Richleau mal als der 'Gute', souverän und erhaben wie immer. Auf der Gegenseite Charles Gray, bekannt aus "James Bond - Diamantenfieber" und "The Rocky Horror Picture Show", als der gedankenkontrollierende Schwarzmagier und Aleister Crowley-Verschnitt Mocata.

Ein feiner, kleiner Hammer-Film mit wenig Blut, buntem Kirmes-Okkultismus, dem produktionstypisch überladenen Orchester-Score, Skeletor auf Night-Stalker und der wohl drömmeligsten Teufelsmaske der gesamten Kinogeschichte.

Im englischen Original macht der Film dabei teils mehr Sinn als in der deutschen Synchronisation, die mir meine alte VHS-Kasette (TV-Aufnahme mit handgemaltem Cover) zu bieten hatte. Wenn durch eine der Hauptpersonen plötzlich der Geist einer zuvor verstorbenen Figur spricht und dies dadurch klar gemacht werden soll, daß sich Erstere plötzlich in der Stimme Letzterer artikuliert, dann hätte man das vielleicht auch in der hiesigen Vertonung so machen sollen.

Aus heutiger Sicht bisweilen drollig anzuschauen, dennoch durchaus spannend und charismatisch besetzt. Ein charmantes Nachmittagsvergnügen für Horror-Nostalgiker.


Häxan - Witchcraft Through the Ages [DVD] [1922] [UK Import]
Häxan - Witchcraft Through the Ages [DVD] [1922] [UK Import]
DVD ~ Benjamin Christensen
Wird angeboten von RAREWAVES-DE
Preis: EUR 7,92

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Walpurgisnacht auf Zelluloid, 29. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
'Häxan' (in der deutschen Übersetzung wahlweise 'Hexen' oder 'Die Hexe'), 1922 produziert in Schweden unter der Regie des Dänen Benjamin Christensen. Nach seiner Premiere am 18. September 1922 löste der Film einen Sturm der Entrüstung aus, wurde lange Zeit in Frankreich und Deutschland verboten und in anderen Ländern stark zensiert. Hier wird sich nun auf die britische DVD mit englischen Untertiteln bezogen. Bei dem Film selbst handelt es sich um das originale, 105 Minuten zählende Werk mit eingefärbten Bilden und rekonstruierter Begleitmusik.
Gedacht als Lehrfilm über die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit (auch wenn im Film selbst meist vom Mittelalter die Rede ist) schwelgt das Werk im Mittelteil in opulenten und expressionistischen Bilderwelten und versucht am Ende gar den Ansatz einer Erklärung auf Basis der, zu dieser Zeit noch jungen Psychologie Freudscher Prägung.

Der Film ist gegliedert in 7 Kapitel. Während im ersten, noch sehr textreichen Teil, eine erklärende Einleitung zum Aufbau antiker Kosmogonien mit allerlei fantasievollen Animationen vorangestellt wird, sowie die erläuterte Präsentation alter Holzschnitte und Kupferstiche zum Thema Zauberei und Höllenqual, führt uns der zweite Abschnitt in eine Hexenstube, wie sie im folkloristischen Märchenbuche des nördlichen Europas steht. In lose verknüpften Episoden geht es ferner um den Leichendiebstahl zweier Medizinstudenten im Namen der Wissenschaft, einen Betrunkenen mit 'angehexter' Maulsperre und eine, durch einen Teufel oder Incubus verführte Ehefrau.

Darauf aufbauend schließt sich das dramatisierte Beispiel der Denunziation einer alten Frau als Hexe an, worin die Mechanismen aufgezeigt werden, welche zum einen zu dieser wahnhaften Anklage führen, mit denen zum anderen durch psychische und physische Folter nicht nur die aberwitzigsten Geständnisse produziert, sondern auch eine Lawine der Folgeanklagen losgetreten wird. In der Abfolge des Prozesses hält man sich dabei stets an den 'Malleus Maleficarum' , das unter dem Namen 'Hexenhammer' bekannte Regelwerk der kirchlichen und weltlichen Vollstrecker.
In visionären Sequenzen werden hierbei immer wieder Bilder von Besenritt, Hexensabbath, Teufelspakt und Zauberei eingeschoben, welche die zuvor gezeigten Holzschnitte und Zeichnungen in eindrucksvoll trickreichen, düsteren Inszenierungen zum Leben erwecken. Dezente Nacktheit, Überblendungen, einkopierte Aufnahmen, bombastische Bauten, so fantasievolle wie beeindruckende Kostüme und Masken, Kunstblut und sogar Stop-Motion-Tricks kommen zum Einsatz (wohlgemerkt: 1922).
All dies präsentiert sich, für seine Zeit, drastisch und schamlos, was sich heutzutage allerdings nur noch ansatzweise nachempfinden lässt, sofern man den historischen Kontext im Auge behält.

Schließlich werden in eindringlicher, jedoch nicht voyeuristischer Weise originale Folterwerkzeuge aus alten Zeiten präsentiert und die erklärende Betonung darauf gelegt, dass mit diesen Instrumenten jeder zu jedem Geständnis zu bringen sei.

Zum Abschluß versucht der Film dann eine Erklärung für so manche Handlung, aufgrund derer eine Frau in alten Zeiten als Hexe bezichtigt werden konnte, im damals populären, undifferenzierten Krankheitsbild der 'Hysterie' zu finden. Auch wenn dies heutzutage eine grobe, gar empörende Vereinfachung darstellen würde und z.B. die psychosexuellen Aspekte auf Seiten der richtenden und folternden Institutionen völlig außer Acht gelassen werden, so ist der Ansatz doch durchaus der Aufklärung verpflichtet und bemüht sich um eine Rehabilitation der Opfer des Hexenwahns.

Natürlich sind neben den psychologischen auch die geschichtswissenschaftlichen Zusammenhänge hier noch sehr fragmentarisch, heute teilweise überholt und nicht mehr haltbar. Der Film suhlt sich in folkloristischen Klischees, welche allerdings noch heute bei dem Begriff 'Hexenverfolgung' durch manchen Kopf spuken. Runzelige, bucklige, einäugige Vetteln, fette Mönche, lüsterne Schankmaiden, keusche Bürgersfrauen und verführte Nonnen tummeln sich in den schaurigen Kulissen. Das ganze unterlegt mit der rekonstruierten Musik der Uraufführung welche bisweilen Schumann, dann Wagner zitiert, um schließlich immer wieder zu eigentümlich heiteren, Volkstanzrhythmen und -melodien zurückzukehren, welche selbst schaurig gestaltete Szenen ungewollt drollig wirken lassen.
Nichtsdestotrotz stellt 'Häxan' ein beeindruckendes und seiner Zeit vorauseilendes Werk dar, voller großartiger Figuren und Gesichter, die es heutzutage in diesem Teil der Welt nicht mehr zu geben scheint.
Ein Beispiel revolutionärer Bildsprache und Filmtechnik, welches jeder Cineast unbedingt gesehen haben sollte.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2016 11:21 AM CET


Sindbad - Herr der sieben Meere [Blu-ray]
Sindbad - Herr der sieben Meere [Blu-ray]
DVD ~ Lou Ferrigno
Preis: EUR 12,99

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trashgasm deluxe - Reloaded!, 28. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist das Jahr 1989. In Berlin bröckelt die Mauer und in Italien läuft Luigi Cozzi ('Star Crash - Sterne im Duell') vermutlich mit Schmackes gegen die Eingangstür einer Shisha-Bar, während er zufällig in einer Ray Harryhausen Biographie blättert. Nach einem kurzen Koma erwacht er mit der Idee, dem italienischen Sandalenfilm, wenn schon nicht ein fulminantes Denkmal, so doch wenigstens einen prächtigen Grabstein zu verpassen. Und so verfaßt er das Drehbuch zu...

- oh Ihr Götter des schlechten Geschmacks und des filmischen Untertagebaus: Das ist Eure hohe Messe! Zieh Dich warm an, 'Barbaren-Box'. A wild challenger appears! -

SINDBAD ' HERR DER SIEBEN MEERE

Muskelmaschine Lou 'The incredible Hulk' Ferrigno kloppt und grinst sich in der Titelrolle so charmant und unbekümmert durch den vorderen Orient, daß es dem Trash-Fan Aug' und Schlüpfer flutet.
Mit zitternden Fingern und gerissenem Zwerchfell sei hier nun also das zusammengetragen, was an Story aus dem BluRay-Player purzelte, um all jenen, welche dem Sondermüll unter den bewegten Bildern ein eigenes Kämmerlein in ihrem Herzen eingerichtet haben, den Mund wässrig zu machen.

Vorspann! Als allererstes wird ein pathetischer Prolog heruntergebetet, welcher den großen Edgar Allan Poe der literarischen Vorlage dieser Brägenkirmes bezichtigt - und den Meister des Makaberen vermutlich in seiner Gruft rotieren läßt, wie eine Moulinette auf Maximum.
Dann versucht eine nervige 80er Jahre Mutti mit Föhnfehler ihr noch nervigeres Balg in Gestalt einer schwer überschminkten Achtjährigen zum Einschlafen zu überreden, indem sie ihm die Geschichte von Sindbad vorliest - und fortan als Voiceover für den gesamten Film fungiert. Hier lohnt es sich, im O-Ton zu sichten, denn die Dame spricht mit der quirligen Betonung und Energie einer sedierten Schildkröte nach dem dritten Schlaganfall. Zur passenden musikalischen Untermalung prügelt den ganzen Film über ein unbekannter Psychopath im Hintergrund mit einem toten Fisch auf eine Bontempi-Orgel ein. Da findet zusammen, was zusammen gehört. Chapeau!

Und mit leiernder Stimme vor waberndem Gedudel (oder war es umgekehrt?) werden uns schließlich die Helden vorgestellt. Sindbad, Stärkster der Starken, Mutigster der Mutigen, Hengst aller Hengste und Fusselkopp aller... na ja. Auf jeden Fall steht Big Lou allein am Ruder seines Schiffes und setzt den braungebrannten Prachtkörper gewohnt gekonnt in Szene. Ihn begleiten ein kleiner Mann, ein blonder Mann und ein asiatischer Mann - vom Klappentext euphemistisch als Zwerg, Wikinger und Samurai bezeichnet. Desweiteren lungern noch ein Sid Haig-Lookalike als Schiffskoch und Schmachtlocke Prinz Ali an Bord herum.
Letzterer hat eigentlich den ganzen Film über nichts zu tun, außer sich auf die Vermählung mit Prinzessin Alina (Ali/Alina, geschnallt *knick-knack*) zu freuen, der Tochter des Kalifen Pal (hier Hundefutterwitz einfügen). Der zukünftige Schwiegerpapi schaut aus wie ein geplatztes Sofakissen von Harald Glööckler und ist der gütige und geliebte Herrscher von Basra, einer bezaubernden orientalischen Großstadt, hier vertreten durch die einzige, immer gleiche Draufsicht einer schmalen Gasse, in welcher gerade offenbar ein Mittelaltermarkt stattfindet.
Doch Pals eigener Wesir, der schurkische Zauberer Jaffar... Was? Moment! Tatsächlich, 'Jaffar'... also dieser zauselbärtige Finsternuckel hat es sowohl auf Alina, als auch den Posten des Kalifen abgesehen und beschwört großes Unheil auf Basra herab. Das bedeutet im Klartext, daß plötzlich alle Menschen schreiend durcheinanderlaufen und sich gegenseitig die Marktstände umschubsen. Der Horror! DER HORROR!
Jaffar, die overactende Parodie einer overactenden Parodie von einem Märchenschurken, nimmt danach den örtlichen Sauna-Club 'Arabian Nights' in Besitz, welcher den Kalifenpalast darstellen soll, hynotisiert den Hausherren samt Gefolge und setzt fortan alles daran, Prinzessin Alina zu überreden, ihn freiwillig in den Hafen der Ehe zu begleiten.
Á propos Hafen: Mittlerweile laufen Sindbad und Gesellen in ihrem, notdürftig als Schiff getarnten Tieflader (JA!) in selbigem ein und wundern sich über das nicht vorhandene Empfangskommitee.
Sindbad zieht erst mal die lila Spandex-Leggins an und geht allein erkunden was in Basra gerade Phase ist. Mirnixdirnix spaziert er direkt in den kalifischen Thronsaal, nur um dort von Jaffar ausführlich über dessen bösen Plan unterrichtet und dann - via Falltür - in die unvermeidliche Schlangengrube befördert zu werden.
Auch seine nacheilenden Freunde werden gefangengenommen und in eine Folterkammer gesperrt, welche vermutlich schon 1982 im Phantasialand als Teil der Geister-Rikscha aussortiert wurde. Alldieweil entkommt Sindbad dank eines 'Seils', welches er nicht nur aus lebenden(!) Schlangen zusammengeknotet hat, nein, er hat die armen Tiere zuvor noch überredet(!!) dies freiwillig(!!!) mit sich machen zu lassen. Schnell sind auch die Kumpels befreit und alle Folterknechte in einem Piranhabecken entsorgt, welches statt der vorgeblichen Fische offenbar die gesamte Familie von Frank Hennenlotters 'Elmer' beherbergt. Yummy!
Mittlerweile hat Jaffar nicht nur Prinzessin Alina an einer undefinierbaren Teufelsmaschine aus transparentem Kunststoff und riesigen Knicklichtern festgeschraubt, welche ihren Willen brechen soll, nein er hat auch die vier magischen Gemmen - stachelige New Age-Christbaumkugeln, auf denen das Glück des Landes beruht - an vier höllisch gefährliche Orte verbannt. Und während der teuflische Thronräuber fortan damit beschäftigt ist, auf einem riesigen Gartengrill herumzutänzeln, große Reden zu schwingen und irre zu lachen, segeln Sindbad und Crew los, die magischen Gemmen zurückzuholen.
Auf dem Weg wird erst mal ein ominöses Orakel besucht, welches ihnen den Aufenthaltsort der zaubermächtigen Dinger verrät. Danach werden eine Handvoll Teppichfetzen zur Strecke gebracht, welche 'Wuu-Huu' quiekende Todes-Geister darstellen sollen, während der Verrückte an der Bontempi-Orgel einen schmissigen 8 Bit-Metal-Sound aus den Tasten quetscht.
Ansonsten stellen sich den Helden ein Steingolem, leicht geschürzte Amazonen ('Their queen is a mind-vampire. She can suck a man's will out.'*knick-knack*), untote Ritterrüstungen und Schleimmonster in den Weg. Außerdem bekommt man Verstärkung durch die zuckersüße Kyra, welche sich als veritabler Haudrauf entpuppt und ihren Vater Nadir, eine kunterbunte und kauderwelschende Inkarnation des schwedischen Chefkochs aus der Muppet-Show. Dieser soll ein großer Zauberer sein, was man offenbar in erster Linie daran erkennt, daß sein schmieriger Zwirbelbart in jeder Szene in eine andere Richtung zeigt.

Und während sich die Helden dem Finale entgegenstümpern, vollführt das Herz des Mumpitz-Aficionados einen Freudensprung nach dem nächsten. Oh ja, das ist Trash. Nein, DAS ist die Definition von Trash! So ambitioniert wie unfähig, so bunt wie blöd, so spaßig wie überdreht.
Wenn Lou Ferrigno - ich liebe diesen Riesenkerl! - sich durch seinen Elan und vollen Körpereinsatz tatsächlich zum besten Schauspieler des Ensembles aufschwingt, dann weiß man, was geschossen wird. Ein Trommelfeuer aus der kinematographischen Erbsenpistole! Da gehören albernes Overacting, käsige Dialoge und grobe Pannen (wabbelnde Gummiwaffen, stolpernde Stuntmen und moderne Hochhäuser im Hintergrund) genauso zum guten Ton, wie zahllose unfreiwillige Lacher, welche dieses Werk zu einem kurzweiligen Spaß in feuchtfröhlicher Runde machen. Gute Laune Kino pur für alle, die auch mal anderthalb Stunden Lebenszeit für infantilen Blödsinn übrig haben. Denen - und nur denen - sei dieser zusammengematschte Bobonklumpen aus der Schnuckerschale des italienischen F-Movies wärmstens empfohlen.
Disc rein, Hirn aus, Lampe an - ACTION!


Frankenstein's Army
Frankenstein's Army
DVD ~ Karel Roden
Preis: EUR 4,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Frankensteins Enkel in der Monster-Kaserne, 27. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Frankenstein's Army (DVD)
Was kann man bei so einem Film am schnellsten abhaken? Natürlich, die Handlung! Also:
Ein Spähtrupp Rotarmisten kämpft sich im 2. Weltkrieg durch das deutsche Grenzgebiet, permanent gefilmt von einem Propagandabeauftragten.
Der Hilferuf einer eingekesselten russischen Einheit lockt sie in ein verwüstetes und verlassenes Dorf. Die Kirche im Zentrum wurde auf absonderliche Weise in eine Art Fabrikgebäude umfunktioniert. Aber dies, sowie mißgebildete Kadaver am Wegesrand, aufgebrochene Gräber und ein verkohlter Leichenberg massakrierter Nonnen sind nur die Vorboten des wahren Grauens. Denn die Katakomben und Gemäuer des Ortes werden von abartigen, mordgierigen Monstrositäten heimgesucht. Niemand anders als der Enkel des legendären Doktor Frankenstein hat sich hier eine Armee aus Leichen- und Maschinenteilen zusammengeflickt, welche er nun gnadenlos auf die Eindringlinge hetzt. Für die Sowjetsoldaten beginnt ein Kampf ums nackte Überleben. Doch Verrat lauert auch in den eigenen Reihen...
So viel zur Story.
Das ganze wird als solides Found Footage aus der Kamera des Propaganda-Soldaten in schwimmenden Sepia-Tönen dargeboten und unterstreicht die Weltkriegsatmosphäre auf ansprechende Weise.
Insgesamt ist der Plot also nicht gerade nagelneu und auch nicht mit überwältigender Originalität geschlagen. Zugegeben. Aber das ist es auch nicht, was diese niederländisch-tschechisch-amerikanische Start up-Produktion interessant macht.

Nein, hier zählen nur Splatter, Gore und Schlock! Die Schauspieler sind gut genug, um ihr jeweiliges Armee-Klischee mit Leben zu füllen, bis diesem letzteres auf möglichst blutige und abstruse Art genommen wird.
Der Sympathieaufbau und die Beziehung zu den Protagonisten halten sich daher leider in Grenzen. Daß es dennoch nicht langweilig wird, ist dem extrem stimmungsvollen Design des Films zu verdanken. Das Set der verkabelten Generator-Kirche, die klaustrophobisch engen unterirdischen Gänge, sowie die perversen Schlachthaus- und Fleischfabrikanlagen sind auf den Punkt inszeniert und balancieren auf dem schmalen Grad zwischen ästhetischem Grauen und beinahe parodistischer Überhöhung á la Monty Python.
Durch diese herrlich abscheulichen Kulissen staksen, humpeln, stapfen und taumeln die schaurig-schönsten Horrorgestalten, welche man seit langem gesehen hat. Wahrhaft alptraumhafte Kreaturen (im Abspann Zombots genannt) irgendwo zwischen extremen BDSM-Fantasien und apokalyptischen Dieselpunk-Cyborgs aus verwesendem Fleisch, brachialer Weltkriegstechnik und archaischer Elektronik erfreuen das rabenschwarze Herz des Horrorfans, wenn sie sich mit Drillbohrern, Sicheln, Schneidzangen, Hämmern und Propellern(!) durch eine Lawine von Körperteilen und Eingeweiden wühlen.
Bald erliegt man dem grimmigen Humor des Werks und fragt sich nicht mehr: 'Wer wird überleben?' sondern nur noch 'Welche absurde Mordmaschine kommt als nächstes um die Ecke - und was hat sie drauf?'.

Fazit:
Dünne Story, durchschnittliche Mimen und Handlungslöcher, als hätte der Moskito-Zombot im Drehbuch herumgebohrt.
Aber dafür ein Schlachtfest für Gorehounds, welche sich an Latex- und Silikoneffekten der Hennenlotter-Schule erfreuen und Spaß an verstörend skurrilem Body-Horror haben.
'Frankenstein's Army' ist ein B-Movie zum Feiern. Keine cineastische Erleuchtung, aber eine amoklaufende Hardcore-Geisterbahn, die bösen Spaß macht.
Jeder Splatterfan, der bei diesen Worten seinen inneren Bluthund knurren hört, darf blind und ungestüm zugreifen.


The Dead Lands [Blu-ray]
The Dead Lands [Blu-ray]
DVD ~ James Rolleston
Preis: EUR 8,99

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergeltung im Land der langen weißen Wolke, 24. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Dead Lands [Blu-ray] (Blu-ray)
Durch Peter Jacksons 'Herr der Ringe'-Verfilmung dürften die dichten Urwälder, weiten Landschaften und karstigen Höhenzüge Neuseelands einem weltweiten Publikum mittlerweile in erster Linie als eine Art fantastische Version Europas vertraut sein. Zum Glück schickt sich nun Toa Frasers 'The Dead Lands' an zu beweisen, dass die, von den Māori Aotearoa (Land der langen weißen Wolke) genannten Inseln eine ganz eigene urtümliche und fantastische Sagentradition haben, welche dringend erkundet werden will. Und das tut dieser Film mit archaischer Wucht, Strömen von Blut und atemberaubenden Bildern.

Die Geschichte selbst, welche vor der Ankunft des ersten Europäers in diesem Lande spielt, nimmt sich dabei auf den ersten Blick nicht besonders originell aus.
Wirepa, seines Zeichens Häuptlingssohn und begierig darauf, seinen Wert als Krieger unter Beweis zu stellen, provoziert durch die Entweihung eines heiligen Ortes einen blutigen Konflikt mit dem Nachbarstamm. Bei einem nächtlichen Überfall massakrieren Wirepas Männer daraufhin fast das gesamte Dorf und entkommen mit dem Kopf des ehrwürdigen Häuptlings Tane. Unter den wenigen Überlebenden ist Hongi, der junge und unerfahrene Sohn Tanes, der sich nun auf einen so einsamen wie aussichtslosen Rachefeldzug begeben muss.
Auf dem Heimweg drängt währenddessen der geltungssüchtige Wirepa seine Männer dazu, ihm durch das 'Tote Land' zu folgen, ein Gebiet das als tabu gilt, seitdem der dort einstmals ansässige Stamm über Nacht verschwand und welches nun von einem Ungeheuer heimgesucht wird.
Hongi, seinerseits geleitet von traumgleichen Visionen, in welchen seine verstorbene Großmutter ihm mit weisem Rat zur Seite steht, folgt den Spuren der Feinde und verbündet sich mit dem 'Ungeheuer'.
Dies entpuppt sich als Te Tupua, der namenlose Krieger, welcher mit einigen, als Hexen verstoßenen Frauen in den Ruinen des verschwundenen Stammes haust und jeden Eindringling gnadenlos tötet und verspeist. Ehre und Ruhm bedeuten diesem scheinbar unbezwingbaren Kämpfer offenbar nichts und nur seine Frau, mit der ihn ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit verbindet, kann ihn davon abhalten, auch Hongi umzubringen. Stattdessen überredet sie den Namenlosen, sich dem Jungen anzuschließen und hierdurch Absolution von einer erdrückenden Schuld und einem trostlosen Schicksal als Verdammte im Diesseits wie im Jenseits zu erlangen.
Gemeinsam nehmen also Hongi und Te Tupua die Verfolgung auf und dezimieren Wirepas Kriegerschar Mann für Mann. Und während der junge, von Selbstzweifeln geplagte Häuptlingssohn lernen muss, was es wirklich heißt zu kämpfen und zu töten kommen er und sein ungleicher Begleiter sich langsam näher. Schließlich wird auch das furchtbare Geheimnis des Namenlosen enthüllt und auf dem schmalen Grat zwischen Ehre und Wahn finden schließlich beide Männer nach zahllosen Kämpfen und entrückten Visonen ihr Schicksal.

Wie gesagt, man meint die Geschichte so oder so ähnlich schon mehrfach gehört zu haben und mag vielleicht reflexmäßig an Mel Gibsons 'Apocalypto' oder vergleichbare Rache/Survival-Abenteuer vor exotischer Kulisse denken.
Was jedoch den Unterschied zu solchen Hollywood-Produktionen ausmacht ist der tiefverwurzelte, ethnische Kontext, in welchen 'The Dead Lands' gesetzt ist. Ein Film von Māori über Māori, deren lebendige Kultur, Traditionen und Mythen, welche auch heute noch für die meisten Menschen exotisch und geheimnisvoll sind und die dem Ganzen eine überwältigende, sinnliche und spirituelle Macht verleihen.

Rasant inszeniert, monumental fotografiert und pittoresk ausgestattet ist der Film ein wahrer Augenschmaus. Das Bild der BluRay ist dabei, dem Werk angemessen, gestochen scharf, kontrastreich und tief.

Neben bekannteren Namen wie Rena Owen ('Once were Warriors') und Lawrence Makoare ('Der Herr der Ringe') spielen auch alle anderen Schauspieler, darunter Newcomer James Rolleston, durchweg charismatisch, in mimischer wie körperlicher Höchstform und versprühen eine permanente, kaum gebändigte Energie, welche nicht nur in den mannigfaltigen Kampfszenen zum Ausdruck kommt.
Letztere sind temporeich choreographiert, aktionsreich geschnitten und von einer Härte, welche der deutschen FSK 16 Freigabe bisweilen wohltuend Hohn lacht. Hierbei fällt dem geneigten Martial Arts-Freund nicht nur auf, dass offenbar gänzlich auf CGI verzichtet und stattdessen auf harten, unprätentiösen und kunstblutgetränkten Realismus gesetzt wird, sondern dass Mau rākau, die traditionelle Kampftechnik der Māori, mit ihren ganz eigenen Waffen aus Holz, Stein, Knochen und Haifischzähnen einen frischen Kontrast zur Masse anderer, vergleichbarer Kriegerepen bildet.

Die Musik schließlich überrascht (durchaus positiv, wenn auch vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig) durch tribale Ambient-Klänge, welche sich immer wieder mit elektronischen Soundscapes vermischen, die - mal treibend, mal sphärisch - den Filmfreund unwillkürlich an manch visionären Soundtrack der 80er Jahre von 'Tangerine Dream' oder 'Popol Vuh' denken lassen.

Alles in allem hat dieses Epos das Zeug zur cineastischen Landmarke und dem allzu häufig bemühten Titel 'Kultfilm'. Allein schon durch die schonungslose, bisweilen verstörende Darstellung einer brutalen Urwelt, welche vergleichbar nur in atavistischen Studien wie Milius 'Conan, der Barbar' oder Refns 'Walhalla rising' heraufbeschworen wurde. Nie zuvor wurde, meines Wissens nach, z.B. Kannibalismus als Aspekt einer Kultur so beiläufig und unkommentiert in eine Handlung eingebaut, wie hier. Selten wurde sich so weit von modernen zivilisatorischen Gerüsten entfernt und dabei dennoch das Gefühl einer eigenen archaischen Moral und Wertevorstellungen vermittelt, wie in diesem Film.

'The Dead Lands' ist eine epische Tour de Force und wird daher kein breites Publikum ansprechen. Er fordert den Betrachter und verlangt ihm einiges ab.
Wer dem nicht standhält, sich beispielsweise an den bisweilen wild und grotesk grimassierenden Kriegern stört, wie an anderer Stelle geschehen, bezeugt damit leider einige Ignoranz. Denn dies gehört zum ritualisierten Code des Haka, welcher in Tanz, Gesang und Mimik zum Ausdruck kommt, und welcher einen essentiellen Teil der Māori-Kultur darstellt. Hierauf kann man sich nicht einlassen, man MUSS es um Zugang zu diesen Film zu erlangen.
Es lohnt sich daher auch, ihn in der Originalsprache mit Untertiteln anzuschauen. Nicht, dass ich ein Wort verstanden hätte, aber der fremdartige Rhythmus und die Melodie des Te Reo M'ori verleihen diesem Film zusätzlich Wirkung.

Jedem, der zu dieser Hingabe bereit ist, möchte ich 'The Dead Lands' unumwunden ans Herz legen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 16, 2015 11:06 PM MEST


Mara und der Feuerbringer, Band 01
Mara und der Feuerbringer, Band 01
von Tommy Krappweis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stabreim, Schlangerich, Schulstress und Spákona, 27. Januar 2015
Einer der Vorteile des Fantasy-Genres ist, dass darin Altersschranken aufgehoben werden. Bücher, die aus Kindersicht geschrieben sind, müssen keine reinen Kinderbücher sein, sondern können gegebenenfalls auch einen erwachsenen Leser in ihren Bann ziehen (vor allem, wenn dieser noch nicht vergessen hat wie es war, selbst ein Kind zu sein).
Tommy Krappweis Trilogie-Auftakt 'Mara und der Feuerbringer' ist ein ebensolches Werk, welches sich mit 14 Jahren genauso gut lesen lässt, wie mit 41.

Zum Inhalt:
Mara Lorbeer ist ein vierzehnjähriges Mädchen aus München. Ihre Eltern sind geschieden. Der Vater lebt weit weg in Berlin und meldet sich nicht mehr. Ihre Mutter hat einen galoppierenden Esoterik-Hau und droht, den Kontakt zu ihrer Tochter zu verlieren, während sie mit ihrer Frauen-Gruppe, den 'Wiccas von der Au', von einem schrägen (und gnadenlos überteuerten) Seminar zum nächsten eilt, wehrlosen Bäumen eine Klinke an die Borke quasselt oder sich auch mal, á la Engerling, in Rindenmulch verscharren lässt.

Mara selbst möchte eigentlich nur ganz normal sein. Insbesondere wäre sie gerne die seltsamen Tagträume los, welche sie immer wieder heimsuchen und alles um sich herum vergessen lassen, was ihr bei ihren Mitschülern - allen voran Biest Larissa - den Ruf der 'Spinnerin' eingebracht hat und sie zur Außenseiterin macht.
Doch gerade als Mara beschlossen hat, ab sofort nicht mehr tagzuträumen sondern das langweiligste Musterbeispiel eines durchschnittlichen Teenagers zu sein, welches sich in ganz Bayern finden lässt (inklusive Hello Kitty-Bettwäsche), überschlagen sich die Ereignisse.
Durch einen überaus ungewöhnlichen, dendrologischen Kurier wird ihr eröffnet, dass sie eine Spákona sei, also eine altnordische Seherin und Weissagerin. Wahrscheinlich die letzte auf Erden. Und damit dummerweise auch die einzige Kandidatin, um die heraufziehende Ragnarök - grob gesagt: das Ende der Welt - zu verhindern.
Als hätte sie mit ihrer verschrobenen Mama und der Schule nicht schon genug Probleme, bürsten ihr unbekannte Mächte nun also auch noch auf, dafür Sorge zu tragen, dass der gefangene Unheilsstifter Loki - seines Zeichens germanischer Gott und Vater einer höchst suspekten Sippschaft von Monstern und Totengöttinen - weiterhin in seiner Höhle gefesselt bleibt.

Hilfe findet sie, nach einigen Anlaufschwierigkeiten, bei Professor Reinhold Weissinger von der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität, welcher Mara nicht nur dabei hilft, ihre mittlerweile ausufernden Visionen zu deuten, sondern sie fortan auch begleitet, wenn es quer durch Edda, Nibelungenlied, Tolkien-Referenzen und wagnerianisches Operngeschwurbel gegen den so geheimnisvollen wie grausamen Feuerbringer ins Felde geht, wobei nicht nur halb München sondern auch Maras komplettes Leben wortwörtlich aus den Fugen gerissen werden.

Tommy Krappweis hat sich für seine Roman-Trilogie um 'Litilvölva' Mara in die germanisch-skandinavische Mythologie vertieft und geht mit dieser bewundernswert locker und spielerisch um, vermeidet pathetische Untiefen wie auch jedweden völkischen Beigeschmack, mit welchem diese Thematik immer noch allzu oft serviert wird.
Hilfreich zur Seite stand ihm hierbei Professor Rudolf Simek, der nicht nur ein anerkannter Experte für die vorchristliche Glaubensgeschichte Nordwesteuropas ist und dem Buche selbst einen detaillierten, dennoch leicht verständlichen Anhang zur altnordischen Mythologie und ihren Figuren beigesteuert hat, sondern dem auch Professor Weissinger einiges seiner äußeren Erscheinung zu verdanken haben dürfte.
Solcherart wohlberaten schafft es Krappweis eine spannende, verschachtelte und überraschende Handlung zu entwickeln, welche sich auf schelmische, jedoch niemals platte oder alberne Art an die Skaldendichtung der Sagas anhängt und diese in moderner Weise fortführt.

Titelheldin Mara bleibt dabei in ihrer Gestalt eher grob umrissen, bietet dem Leser aber umso mehr innere Reflektionsfläche, wenn sie sich mit trockenem, beinahe pragmatischem Humor den Gefahren einer ungeahnten Welt hinter der Realität stellt und an ihren kleinen Erfolgen wie auch Fehlern wächst und zur Persönlichkeit reift.

Gewiss, die Ausgangslage erfindet das Genre nicht neu: Junger Außenseiter wird unversehens zum Mittelpunkt so dramatischer wie fantastischer Ereignisse, muss unwillig die Welt retten und gleichzeitig sich selbst finden.
Wie dieses Geschehen jedoch dem Leser dargeboten wird steht auf einem anderen Blatt. Und das hat Tommy Krappweis in einer Sprache beschrieben, die einfach Spaß macht. Der Autor erzählt spannend, einfühlsam, manchmal unheimlich aber immer mit einem verschmitzten Humor, welcher das Herz wärmt und seine Charaktere liebevoll zu literarischem Leben erweckt. Man fiebert mit, kommt ins Grübeln - und lacht bisweilen unvermittelt auf, wenn beispielsweise der unerwartet treffende Vergleich eines Gesichtsausdrucks mit einem Sofakissen aus dem Text winkt.
Akademiker und Freunde der Living History amüsieren sich über 'Insider', wenn die Möglichkeit eines Suebenknotens im frühmittelalterlichen Skandinavien heiß debattiert wird.
Kritiker wie bodenständige Freunde des Esoterik-Booms und Neoheiden dürfen sich über Maras Mutter und ihre abstrusen Aktivitäten und Erwerbungen ins Fäustchen lachen.
Wagner-Geschädigte schließlich können sich mit einem Augenzwinkern darin bestätigt finden, dass bombastischer Operndonner, Walkürenritt und Stabreim einfach nichts anderes als Unglück bringen können.
Und Freunde alter Mythen und frischer Fantasy kommen ohnehin auf ihre Kosten.
Wie also eingangs erwähnt ist dieses Buch angetan, einem breiten Publikum jenseits aller Altersschranken spannende Unterhaltung zu bieten und macht Heißhunger auf die weiteren Teile.

Fazit: Es lohnt sich!


Verdichtungen: Zur Ikonologie und Mythologie populärer Kultur (Mythos Moderne, Band 1)
Verdichtungen: Zur Ikonologie und Mythologie populärer Kultur (Mythos Moderne, Band 1)
von Marcus Stiglegger
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Moderne und ihr verkannter Mythos, 28. November 2014
Die Moderne scheint unvereinbar mit dem Mythos, gilt letzterer vielen ihrer Verfechter doch als überkommenes Konstrukt archaischer Kult- und Kulturformen.
Marcus Stiglegger jedoch führt in seinem fundierten, auch für den Laien verständlich geschriebenen und durchaus unterhaltsamen Essay aus, daß dies nicht so ist, im Gegenteil, sich die Moderne unweigerlich aus ihren ur-eigenen Mitteln heraus neue Mythen und Mythenwelten erschafft, bzw. alte übernimmt und in zeitgemäßem Gewande - bisweilen wortwörtlich - auferstehen läßt.
Anhand des Mediums Film und dessen Entwicklung seit frühesten Tagen weist Stiglegger eine aus sich erwachsende, neue Ikonographie nach, welche, sich den Bedürfnissen einer (post)modernen Gesellschaft flexibel anpassend, auf Motive und Rituale einer vormodernen Welt zurückgreift, um im besten Falle die gegenwärtige Realität des Betrachters zu transzendieren.

Hierbei analysiert der Autor u.a. Phänomene wie das der 'Sexbombe', definiert durch Marilyn Monroe, und die hiermit verbundene psychosexuelle, bisweilen mystisch überhöhte Symbolik, als auch den nietzscheanischen, von moralischen Banden befreiten Gottesmörder anhand der fiktiven Gestalt des Hannibal Lecter.
Er belegt die moderne, synkretistische Inkarnation der klassischen Tragödie, repräsentiert durch Pasolinis 'Edipo Re – Bett der Gewalt' und Scotts 'Gladiator', und eine darin einfließende, verbildlichte Zelebrierung prächristlicher Opferkulte.
Auch reflektiert der Autor auf die urmenschliche Angst vor dem Tod, bzw., vor den wiederkehrenden Toten, welche ihre Aufarbeitung in den Werken des Zombie-Subgenres findet (ohne deren satirische und gesellschaftskritische Aspekte vor dem Hintergrund der jeweiligen Entstehungszeit zu vernachlässigen) und schafft es schließlich, Märtyrerkult und Erleuchtung durch initiatorische Schmerzrituale aus der Semantik des modernen Horrorfilms überzeugend zu dekodieren.

Stigleggers Essay ist erhellend, seine Argumente wohl belegt, seine Ausführungen akademisch trittfest, wie auch spirituell emporschwingend, wenn angebracht. Dieses Werk sollte sowohl den kulturwissenschaftlich Interessierten, als auch den begeisterten Cineasten gleichermaßen ansprechen.

Sehr empfehlenswert.


Wer
Wer
DVD ~ A.J. Cook
Preis: EUR 5,55

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Mann als Wolf, aber rundum gut, 24. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Wer (DVD)
Die Geschichte des Werwolfs im Film ist eine ambivalente Angelegenheit. Universals 'Der Wolfsmensch' von 1941 mit Lon Chaney jr. gilt schon lange und mit Recht als Klassiker des unheimlichen Kinos, 'Der Fluch von Siniestro' von 1961 mit Oliver Reed ebenso.
In den 80er Jahren bereicherten 'American Werewolf' und 'The Howling - Das Tier' den volkstümlichen Mythos vom Gestaltwandler nicht nur um einige psychologische Tiefe und eine gehörige Portion schwarzen Humors, sondern schoben außerdem die damalige Trick- und Kostümtechnik ein ordentliches Stück an.
'Wolfen' gab dem Genre einen ökologischen Kontext und in 'Zeit der Wölfe' wurde gar das Märchen vom Rotkäppchen zur psychosexuellen Metapher in einer düsteren, von bestialischen Mischwesen bevölkerten Sagenwelt.
Beinahe romantisch, jedoch nichtsdestoweniger bedrohlich gebärdete sich Jack Nicholson in den 90er Jahren als semi-animalischer Liebhaber in 'Wolf' und der schmählich unterschätzte 'Full Eclipse' folgte dem Pfad des mythischen Berserker-Kriegers in die Gefilde des harten Action-Kinos.
Am Rande erwähnt sei auch die Fernsehserie 'Werwolf', welche ebenfalls in diesem Jahrzehnt für eine kurze Zeit den Äther enterte und das 'auf der Flucht und Suche nach Erlösung'-Thema variierte, welches bereits in 'Der unglaubliche Hulk' Anwendung fand, und immerhin mit einigen ordentlichen Kostümtricks und einem sinistren Oberschurken im Gedächtnis blieb.
Im frühen 21. Jahrhundert hetzten dann die Lykaner der 'Underworld'-Serie gleich rudelweise über die Leinwand, 'Dogsoldiers' suchten das dunkle Schottland heim und Universal versuchte mit Anthony Hopkins und Benicio del Toro in 'Wolfman' den gotischen Schauer alter Zeiten wiederaufleben zu lassen.

Natürlich ist diese Liste unvollständig und stellt nur einen kurzen Abriß einiger, sehenswerter Umsetzungen des Themas dar. All diesen Filmen - so unterschiedlich ihre Herangehensweise oder Intention auch sein mag - ist jedoch gemein, daß sie ihren monströsen Hauptdarsteller ernst nahmen, ihn eine bestialische, gefährliche und furchteinflößende Kreatur sein ließen, die zwar auch ein tiefe Tragik oder düstere Romantik in sich tragen konnte, jedoch unberechenbar, brutal und tödlich blieb.

Natürlich gab es auch um Wolfie schon in früheren Jahren wohlgezielte Ofenschüsse der D-Kategorie wie z.B. 'The Howling II', jener Film, den Horror-Grandseigneur Christopher Lee selbst wenigstens einmal als Tiefpunkt seiner Karriere bezeichnete. In letzter Zeit scheint der Werwolf jedoch gewollt massiv an Biß verloren zu haben. So wurde der Horror ohne Jugendfreigabe in genanntem 'Wolfman' zugunsten eines ansehnlichen aber doch etwas biederen Gruselambientes reduziert. Die bereits erwähnten 'Underworld'-Filme stellen noch immerhin ansehnliche aber familienfreundliche Actionreißer im 'Blade'-Stil dar, doch mit Schaudern erinnert sich der geneigte Fan jener bepelzten CGI-Scheußlichkeiten aus 'Van Helsing'. Von den Knuddel-Petzis einer gewissen Vampirsimulation wollen wir gar nicht erst sprechen.
Weitere Verniedlichungen sind zu befürchten, will Universal nach dem unsäglichen 'Dracula Untold' offenbar als nächstes den Wolfsmenschen in ähnlicher Weise zur Massenware ab 12 Jahren kastrieren, ebenso wie die weiteren klassischen Geschöpfe des Horror-Films, um sie irgendwann, nach 'Avengers'-Art, gebündelt in einem 'Van Helsing'-Reboot im Kommerz-Krematorium zu verheizen.
Bevor dieses dräuende Fiasko jedoch über uns kommt, tummelt sich mit William Brent Bells direct-to-DVD Veröffentlichung 'Wer - Die Bestie in Dir' ein neuer Versuch, das Genre wiederzubeleben im DVD-Player und versteht es tatsächlich, ein wenig Hoffnung zu machen.

Worum geht's?
Eine US-amerikanische, dreiköpfige Familie fällt in ihrem Frankreich-Urlaub einem Angriff zum Opfer, welchen nur die Mutter für kurze Zeit noch überlebt. Geht man anfangs von der Attacke eines wilden Tieres aus, so beharrt die schwerverletzte, geschockte Frau jedoch darauf, daß es sich bei dem Täter um ein großen, stark behaarten Mann mit riesigen Händen handle. Dieser wird bald als Talan Gwynek identifiziert, welcher mit seiner rumänischen Mutter auf einem Bauernhof nahe des Tatortes lebt.
Nach seiner Verhaftung übernimmt die Anwältin Kate Moore, eine in Frankreich lebende Amerikanerin, die Verteidigung und versucht, zusammen mit ihrem Assistenten Eric Sarin und dem Veterinär Gavin Flemyng, die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen.
In der Tat deuten nicht nur die Verletzungen der Leichen auf einen nicht-menschlichen Verursacher hin, auch einige Ungereimtheiten um Spekulationen mit dem Landbesitz der Gwyneks sprechen eher für ein Komplott gegen die Familie, welches den vorangegangen Mord nur als Vorwand nutzt, um die Besitzer zum Verkauf ihres Heims zu nötigen. Als dann auch noch ein aggressiver Bär in den Wäldern um Lyon erschossen wird, scheint die Sache klar.
Zudem vermuten seine Verteidiger, daß der riesenhafte, jedoch träge und in seinem Bewegungsvermögen eingeschränkte Talan, an einer Form von Porphyrie leidet, (jener Stoffwechselkrankheit, welche schon häufiger in Verbindung mit dem Entstehen des Vampir- und auch Werwolfmythos gebracht wurden) die es ihm unmöglich machen würde, die vorgeworfenen Taten zu begehen.
Um also den Schlußstein der Verteidigung zu setzen, soll Talan in einer Spezialklinik medizinischen Tests unterzogen werden. Hier eskaliert die Situation jedoch! Der Gefangene erleidet eine Art Tobsuchtsanfall, tötet mehrere Menschen auf brutalste Weise mit bloßen Händen - und Zähnen - und flieht. Geschockt müssen sich die Anwältin und ihre Helfer nun der Jagd auf ihren ehemaligen Schützling anschließen, welcher plötzlich über übermenschliche Kraft und Ausdauer verfügt und eine Spur gräßlich verstümmelter Leichen durch die Stadt in Richtung des elterlichen Bauernhauses zieht.
Die Verfolgung wird von Claus Pistor geleitet, jenem zwielichtigen Polizisten, der in die Verschwörung um das Land der Gwyneks verstrickt ist. Noch dazu beginnt Gavin, der zuvor von Talan leicht verletzt wurde, sich äußerst seltsam zu verhalten, je höher der Vollmond am Himmel steigt...
So viel zur Story.

Stilistisch bemüht sich 'Wer' um eine sachliche, nahezu dokumentarische Inszenierung. Es ist kein 'Found Footage'-Film an sich, wird uns jedoch in der unruhigen Handkameraperspektive des direkten Beobachters präsentiert, welche sich dem jeweiligen Rhythmus der Handlung recht geschickt anpaßt. In raschen Schnitten wird diese immer wieder ergänzt durch Ausschnitte aus TV-Nachrichten, Polizei- oder Familienvideos und der Perspektike allgegenwärtiger Überwachungskameras, wenn kurz in grobkörnige, abgehackte Bilder oder Fischaugenoptik gewechselt wird.
Das kann man nun mögen oder nicht, aber es schafft unbenommen eine beklemmende, direkte Atmosphäre, welche denjenigen, der sich darauf einläßt, an das Geschehen zu fesseln weiß.

Die Handlung selbst versteht es tatsächlich, dem Lykanthropen-Metier einen Gutteil seines Schreckens zurückzugeben.
Schon im Filmtitel, welcher den Wolf unterschlägt, und sich auf den 'Mann', den menschlichen Teil des Monsters konzentriert ("germanisch wer ‚Mann‘; vgl. auch lat vir", Quelle: Wikipedia) wird angedeutet, welchen Weg die Macher einzuschlagen gedenken.
Ähnlich wie bereits im erwähnten 'Wolf' von 1994 (erstaunlich, wie sich die Namen der beiden Filme ergänzen und ähneln, inklusive deutscher Untertitel), wird auf spektakuläre Verwandlungstricks, Kunstpelz und aufwändige Masken verzichtet und stattdessen minimalistische CGI, Make up und Prosthetics effektiv und oft überraschend eingesetzt, um ansonsten voll auf das animalische Spiel der Darsteller zu bauen.
Optik und Verhalten Talan Gwyneks scheinen ihre Inspiration direkt aus dem berühmten Holzschnitt 'Werwolf' von Lucas Cranach dem Älteren zu beziehen. Brian Scott O'Connor, hochgewachsener Rock-Bassist, welcher in der Musikzene nicht umsonst den Spitznamen 'Big Hands' führt, wurde diese Hauptrolle offenbar auf den von Natur aus kräftig behaarten Leib geschrieben. Und der eher unbekannte Akteur versteht es, sie mit Intensität zu füllen, egal ob als schweigsam brütender Häftling oder als rasende Bestie in Menschengestalt.

Manch cineastischer Traditionalist mag ob der mangelnden Tier-Optik nun die Nase rümpfen. Doch ist gerade dieser Ansatz eine, wenn nicht gar DIE Stärke des Films. Und er hätte z.B. auch 'Wolfman' gut zu Gesicht gestanden, in dem del Toro bisweilen ohne Make Up wesentlich bedrohlicher wirkt, als mit.
In 'Wer' mischt sich die Volkssage mit moderner Psychologie und Medizin. So sind gewisse Entstellungen bei Talan bereits im 'menschlichen' Zustand vorhanden. Übermäßige Körperbehaarung, krallenartige Fingernägel, übergroße Zähne. Alles Dinge, welche durchaus auftreten und z.B. mit einer Krankheit erklärt werden können, wie es die Protagonisten ja auch zuerst versuchen.
Es gibt kein schauerliches Heulen im Mondenschein, keine glühenden Augen, keinen spontan sprießenden Pelz oder hervorbrechende Reißzähne.
Die Verwandlung vom Mensch zur Bestie, die 'Entmenschlichung', vollzieht sich größtenteils im Inneren und beeinflußt das Äußere nur marginal. Was zählt ist die unmenschliche Tat. Dieser Tanz auf dem Grat zwischen Monster- und Psychopathenhorror läßt die 'Werbestie' bedrohlicher erscheinen als jeder Masken- oder Computertrick, bringt sie gefährlich nahe an die Realität heran und sorgt für ein amtliches Horror-Erlebnis.

Gewiß, der Film hat auch Schwächen. A.J.Cooks Spiel als Anwältin Moore bleibt leider blaß und charismafrei. Die pseudowissenschaftlichen Spekulationen um den Werwolf-Mythos sind oberflächliches infotainment-Geschwätz und klingen (vielleicht nicht einmal unbeabsichtigt) nach N24-Doku. Manch Logiklücke läßt einen stolpern (Wo kommt der verdammte Bär her?!) aber der Film selbst bietet genug Substanz, Spannung und Wendungen, um über solche Mängel hinweg zu trösten.

Splatter- und Gore-Effekte sind von äußerst robuster Natur und dürfen ihren FSK 18-Status definitiv mit Stolz tragen. Also nichts für schwache Nerven, respektive Mägen!

Fazit: Vielleicht nicht unbedingt die Geburt eines Klassikers aber auf jeden Fall ein schillerndes und erfrischend neues Steinchen im Mosaik des Werwolf-Genres, welches manch Entgleisung der jüngeren Vergangenheit wohltuend vergessen läßt.
Definitiv empfehlenswert!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2015 3:54 PM CET


Seite: 1 | 2 | 3